Eine Welt ohne Namen - Die 1. Reise

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    • Donner 8) Ist gebongt :thumbsup:

      Hier einmal die Formsachen:

      Dinteyra schrieb:

      Aber Maja hatte sich das schließlich nicht ausgesucht, sicher würden die anderen Kamiraen das richtig stellen.Vorausgesetzt Tabea hatte ihr nicht eine riesengroße Lüge erzählt.

      Da fehlt ein Leerzeichen zwischen den Sätzen

      Dinteyra schrieb:

      „Nein“, sagte Tabea „so bequem wie wir haben es die Menschen dort nicht.

      Da fehlt ein Komma hinter Tabea

      Dinteyra schrieb:

      „Scheiße!“ Tabea fluchte so laut, dass das Mädchen erschrocken zusammenzuckte.

      Ein Komma hinter der wörtlichen Rede

      Dinteyra schrieb:

      „Was???“ Maja sah sie an, als wäre sie verrückt geworden. Oder immer schon gewesen. Das dachte sie jedenfalls.

      Drei Fragezeichen sind etwas übertrieben. Erstaunte Ausrufe kennzeichnet man gängiger Weise mit !?

      Dinteyra schrieb:

      Ich werde eine Wochen in Arnsberg warten, bis dahin müsstest du es locker schaffen, selbst wenn du gegen die größten Widrigkeiten anzukämpfen hättest und zu Fuß gehen müsstest.

      eine

      Jetzt wird die Story aber rasant. Spannend und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Gefällt mir weiterhin sehr gut :thumbsup:
      Toll auch dieser letzte flapsige Gedanke, der der Szene etwas bitterlich komisches gibt :thumbsup:

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Ein sehr spannender Teil! Das Kopfkino läuft ununterbrochen durch, und die Idee mit dem Treffen in Arnsberg ist klasse! Das Einzige, dass mir aufgefallen ist, war, dass Maja sich ausschnallt. Abschnallen kenn ich nur. Bitte weiterschreiben!!! :thumbsup:
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Lieber Himmel 8| die Wochenenden bringen mich noch um, wenn ich keine Zeit habe hier genauer vorbeizuschauen...

      @Dinteyra: Senfglas, weil das Zeug hier ständig überall dazugegeben wird ^^
      So wie jetzt: Mir gefällt Tabea immer besser. Ständig ist alles "nur ein Job", "völlig unpersönlich", aber ich glaube ihr net ganz. Da muss noch mehr dahinter stecken. Gleichzeitig ist sie total cool einfach, ich mag sie :D

      Tja, und Maja auch ^^ auch wenn mir ihre Entscheidung, in die Namenlose Welt zu wechseln, bissl zu schnell kam (auch wenn sie verfolgt wird... Was ist mit ihren Eltern?).

      Und Karim und Jinna? Dieser Graf Zahl.. äääääh Fürst Dreizehn ist ja.. heftig. Ich bin einerseits froh, dass die beiden sich verstecken, anderseits wäre ich zu gespannt auf Distrikt.. äääh Königreich Dreizehn ( :P ) Und wenn der Junge so nen passenden Körperbau hat, würde ich ihn lieber zum Ritter ausbilden ;)

      Ich kann nur soviel sagen: :thumbsup:

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • So, noch ein Kapitel, danach wird es wohl etwas länger dauern. Ich muss einiges an Ungereimtheiten ausmerzen.

      @melli: Wir sagen ausschnallen. Vielleicht ist das auch falsch, aber ich glaube, es geht beides.

      @Klimbim: Ja, Majas Entscheidung kommt etwas schnell, das stimmt. Aber sie ist ziemlich verwirrt und sie glaubt im Moment, dass sie keine andere Wahl hat.




      Entführt


      Nachdem Karim und Jinna ihren Tee getrunken hatten schickte Dajana sie ins Bett. Karim wollte eigentlich erklären, warum sie überhaupt so spät vor ihrer Tür standen, aber er konnte kaum die Augen offen halten. Das musste halt bis morgen warten.
      Jinna bekam ein altes Bett, das früher einmal dem Sohn von Jonathan und Dajana gehört hatte. Karim rollte sich daneben auf mehreren weichen Teppichen zusammen. Beide benutzten ihre Schlafsäcke als Zudeck - es war zu warm um sich darin einzuwickeln.
      Karim konnte lange Zeit nicht einschlafen. Er dachte darüber nach, was geschehen würde, wenn der Grüne Ritter ihn nicht finden würde. Würde er das ganze Dorf absuchen oder würde er sie einfach in Frieden lassen? Bauer Jonathan wusste nicht, warum Karim und Jinna nicht zu Hause waren, vielleicht glaubte er, sie wären in den Dünen vom Regen überrascht worden. Was würde er tun, wenn der Grüne Ritter plötzlich vor der Tür stand und nach Karim fragte? Würde er ihn verraten? Ihn schützen? Oder hatte er kein Verständnis für Karims Verhalten? Vielleicht würde er wütend werden und Karim beschuldigen, er hätte das ganze Dorf in Gefahr gebracht.
      „Karim?“ Jinna war auch noch wach. „Was ist, wenn der Grüne Ritter Mama mitnimmt, weil er dich nicht findet?“
      Karim stand auf und setzte sich neben sie. „Mama ist doch viel zu alt“, sagte er und streichelte ihr über die roten Haare. „Er will sie bestimmt nicht. Außerdem, Mama hat uns gesagt, dass wir gehen sollen. Wenn irgendeine Gefahr für sie bestünde, wäre sie sicher mitgekommen.“
      Karim sagte das, obwohl er wusste, dass es nicht stimmte. Ihre Mutter hatte einst ihrem Mann geschworen, dass sie immer im Dorf bleiben und auf ihn warten würde. Karim hatte es mit eigenen Ohren gehört. Wörtlich hatte sie gesagt: „Ich liebe dich, und ich werde hier auf dich warten, bis du zurückkehrst oder mich jemand fort trägt, auf Händen oder im Sarg.“
      Dann war Karims Vater weggegangen. Und gestorben. Wahrscheinlich. Oder er hatte einfach keine Lust, zurückzukommen.
      „Karim?“, fragte Jinna wieder, „was tun wir, wenn der Grüne Ritter hier nach uns sucht?“
      Karim dachte lange darüber nach. Schließlich traf er seine Entscheidung: „Wir bleiben nicht hier, Jinna. Wir gehen weg, morgen nach dem Frühstück. Wir können Jonathan und Dajana nicht verraten, warum wir hier sind, das würde uns und auch sie in Gefahr bringen. Aber wenn wir nichts sagen schicken sie uns wieder nach Hause. Am besten verabschieden wir uns nach dem Frühstück.“
      „Ich will nicht bis zum Frühstück warten“, protestierte Jinna. „Ich will Mama abholen, ich lasse sie nicht allein. Ohne sie verstecke ich mich nirgendwo. Und außerdem bist du es ja wohl, der in Gefahr ist.“
      „Mama hat gesagt wir sollen uns von zu Hause fern halten, also tun wir das auch“, fauchte Karim.
      „Was ist wohl gefährlicher?“, schrie Jinna, „Wenn ich vor Sonnenaufgang kurz bei Mama vorbeischaue oder wenn wir uns tagelang mutterseelenallein in den Dünen herumtreiben?“
      „Sie wird so oder so nicht mit dir gehen“, sagte Karim. Dann schmiss er sich auf seine Schlafstätte.

      Er schlief schlecht in dieser Nacht. Immer wieder schreckte er aus dem Schlaf auf und musste sich vergewissern, dass Jinna noch da war.
      Früh am Morgen wachte er wieder auf, mit dem Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar schief lief. Dann fiel es ihm wieder ein. Seine Mutter – sie war in Gefahr. Warum hatte er das gestern nur nicht einsehen wollen? Er erinnerte sich an etwas, was er einst in Eisingen über Fürst Dreizehn gehört hatte: „Er sucht hier oft Soldaten für seine Armee. Wenn die Männer sich weigern werden sie halt zwangsrekrutiert. Und wenn kein Mann zu Hause ist, nehmen die Grünen halt die Frau mit. Ob Mann, Weib oder Kind ist denen doch egal. Hauptsache sie bringen ihrem Fürsten Arbeitskräfte.“
      Karim sprang auf und zog sich blitzschnell an. Warum war er gestern geistig so beschränkt gewesen. Er war fünfzehn, er musste auf seine Familie aufpassen. Aber anscheinend war Jinna eine bessere Familien-Beschützerin als er, sie hatte die Gefahr sofort erkannt. Sie hatte sich wahrscheinlich nur nicht getraut ohne ihn …
      Karim warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf das Bett seiner Schwester. „Jinna!“, brüllte er plötzlich.
      Das Bett war leer. Oh dieses dumme Ding, fluchte er innerlich, dann stürzte er aus dem Raum, die Treppe hinunter und auf den Hof. Dort traf er auf Bauer Jonathan, der gerade ein Pferd gesattelt hatte und im Begriff war, aufzusteigen. In den Händen hielt er eine große Tasche aus Leder.
      „Wo ist Jinna?“, rief er.
      „Ich weiß es nicht, sie ist vor einer halben Stunde hier lang gelaufen“, antwortete der Bauer.
      Vor einer halben Stunde ... dann war sie bereits zuhause.
      „Ich muss mir dein Pferd ausleihen“, rief Karim. „Bitte, ich glaube, Jinna ist in Gefahr.“
      Der Bauer sah ihn verständnislos an: „Ich kann dir das Pferd nicht geben, ich wollte gerade selbst ins Dorf und meine kaputte Tasche zu Eljoha bringen. Er schuldet mir noch was und er hat versprochen, sie zu flicken.“
      Karim wurde ungeduldig. „Ich bringe die Tasche zu ihm, bitte.“
      Bauer Jonathan überlegte kurz.
      „Nun gut“, sagte er dann, „aber wehe, ich bekomme das Tier vor dem Mittag nicht zurück. Und reite vorsichtig.“
      Karim nickte, sprang auf und trieb das Pferd an. Es bewegte sich keinen Schritt von der Stelle.
      „Verdammter Mist, was ist denn jetzt schon wieder los?“, fluchte er.
      Bauer Jonathan lachte, aber als er Karims Miene sah wischte es im das Lachen vom Gesicht. Er reichte Karim eine Tasche mit Möhren.
      „Möhrchen läuft nicht, wenn du ihm keine Möhrchen gibst“, sagte er, während er dem Pferd schon mal eine zu fressen gab. Dann gab er Möhrchen einen kräftigen Klaps auf den Po und die Stute trabte los, so plötzlich, dass Karim Mühe hatte, sich festzuhalten.
      Sie gallopierten fast den ganzen Weg über. Als sie endlich Zuhause ankamen war Möhrchen schweißüberströmt. Karim band sie am Zaun an, gab ihr noch eine Möhre und betrat das Haus. Es war leer. Karim durchsuchte alle Zimmer, bis er schließlich in der Küche ein Schluchzen im Schrank hörte. Als er ihn öffnete fiel ihm eine weinende Jinna in die Arme.
      „Er hat sie mitgenommen“, schluchzte sie. „Der Grüne Ritter hat Mama mitgenommen.“
      Karim starrte an die Wand, während er Jinna festhielt. Sein Herz fühlte sich so schwer an wie ein Stein, am liebsten hätte er sich auf den Boden geworfen und nichts mehr getan. Nicht gegessen, nicht geredet, nicht geschlafen und vor allem: nicht gedacht. Denn das Denken konnte er nicht ertragen.
      „Ich werde sie finden“, sagte Jinna plötzlich. „Ich werde Mama finden und zurückholen, der Kerl kann uns doch nicht einfach die Mutter klauen.“
      Karim sagte nichts. Wie sollte er Jinna auch erklären, dass die Sache aussichtslos war, dass ihre Mutter für immer weg war?
      „Kommst du mit?“, fragte Jinna.
      „Was?“, fragte Karim. Er konnte ihr diesen letzten Fetzen Hoffnung nicht nehmen, das konnte er einfach nicht. „Natürlich komme ich mit, ich kann doch meine Schwester nicht alleine gehen lassen.“

      Karim und Jinna handelten, bevor irgendjemand im Dorf sie aufhalten konnte. Karim lieferte Bauer Jonathans Tasche ab und brachte das Pferd zurück. Außerdem holte er ihre Schlafsäcke und den Proviant ab.
      Währenddessen suchte Jinna im Haus nach brauchbaren Dingen, die ihnen vielleicht weiterhelfen konnten. Sie packte noch ein großes Stück Leder, das sie als Zeltplane verwenden konnten, und ihre Umhänge ein. Dann holte sie das Geld aus der Notsparkasse und kaufte einen Esel. Sie musste es bei drei Bauern ausprobieren, weil niemand dem ‚Hexenmädchen’ etwas verkaufen wollte, aber schließlich erwarb sie ein kleines, mageres Tier. Bauer Jonathan hätte ihr für den gleichen Preis ein besseres Tier verkauft, aber die Geschwister hatten sich darauf geeinigt, ihn aus der Sache herauszuhalten. Er hätte sonst vielleicht Wind von ihrem Plan bekommen und sie nicht gehen lassen. Eine Stunde später trafen Karim und Jinna sich wieder am Haus. Karim betrachtete den Esel abschätzend.
      „War das wirklich nötig?“, fragte er. „Wir könnten unseren Proviant auch selbst tragen. Und das Geld könnten wir auf der Reise noch brauchen.“
      „Ich will, dass sie mitkommt“, beharrte Jinna. Dabei blickte sie so verloren drein, dass Karim sofort nachgab. „Sie heißt Pauline“, erklärte Jinna noch.
      Karim zuckte nur mit den Schultern. „Na dann los.“
      Sie wollten zur Nachbarstadt Eisingen wandern und dort fragen, ob jemand den Ritter gesehen hatte. Gefolgsleute von Fürst Dreizehn stiefelten nicht täglich durch dieses Gebiet, er musste den Eisingern aufgefallen sein.
      Jinna war zufrieden, etwas für die Rettung ihrer Mutter tun zu können. Sie sah Karim an. Ihr Bruder schien nicht an den Erfolg der Aktion zu glauben. Aber er würde schon sehen, wozu sie fähig war, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Gegen Mittag kamen sie in Eisingen an. Auf dem Dorfplatz blieb Jinna stehen, sie wusste nicht mehr weiter.
      „Was ist?“, fragte Karim.
      „Ich weiß nicht“, antwortete Jinna. „Ich wollte hier jemanden fragen, aber niemand ist da. Es scheint, als hätten alle sich in ihren Häusern verkrochen, nicht mal auf den Feldern wird gearbeitet.“
      „Dann klopfen wir halt irgendwo an“, sagte Karim, ließ Pauline, die Eselin, auf der Straße stehen und ging auf das erste Haus zu. Er klopfte. Nichts rührte sich. Wieder klopfte er, diesmal etwas lauter aber niemand öffnete. Die Geschwister gingen zum nächsten Haus und versuchten es dort. Nach einer Weile öffnete sich die Tür einen Spalt breit und ein Mann mit einem großen Schnurrbart lugte heraus.
      „Entschuldige bitte, hast du zufällig einen Grünen Ritter durch das Dorf kommen sehen?“, fragte Karim. „Heute Morgen vielleicht?“
      Hinter dem Schnurrbart lief das Gesicht des Mannes puterrot an. „Schert euch zum Teufel!“, schrie er und schlug die Tür zu.
      „Klopf noch mal“, sagte Jinna.
      „Neee.“ Karim sprang von der Tür weg und wollte sich dem nächsten Haus zuwenden.
      „Doch“, sagte Jinna und klopfte. Dann packte sie ihn und schob ihn wieder vor die Tür. Der Mann öffnete erneut.
      „Was soll das, ihr seid ja immer noch hier“, flüsterte er.
      „Ähm, ja, kannst du vielleicht unsere Frage beantworten?“
      Karim fühlte sich sichtlich unwohl als er das sagte. Der Mann mit dem Schnurrbart sah ihn scharf an.
      „Na gut, er ist heute Morgen hier durchgekommen, mit einer Frau. Er ist in den Wald gegangen, Richtung Putto Wei. Muss schon verrückte Leute geben. Ich glaube von dort aus will er dann zum Schwarzen Weg. Und jetzt macht, dass ihr wegkommt.“
      Jinna hatte schon vom Schwarzen Weg gehört, einer geheimnisvollen Straße, die durch die gesamte Welt ohne Namen führte und auf der die Grünen Ritter durch die ganze Welt reisten. Angeblich kam man darauf schneller voran als auf übliche Weise und es war die einzige Möglichkeit das Gebirge zu überqueren, so sagte man jedenfalls. Allerdings konnte jemand, der kein Anhänger Dreizehns war den Weg erst verlassen, wenn er direkt vor dem Schloss Fürst Dreizehns ankam, und ging dann sofort in dessen Gefangenschaft über.
      „Wie kommt man nach Putto Wei?“, fragte Karim.
      „Immer die Straße entlang.“ Der Schnurrbärtige deutete nach Westen. „Aber ich würde euch abraten dahin zu gehen. Die Stadt ist nicht geheuer. Ich würde euch so oder so abraten in diesen Wald zu gehen.“ Er deutete wieder nach Westen und Jinna bemerkte den Rand eines dunklen Waldes. „Es ist Vollmond.“ Damit schlug er endgültig die Tür zu.
      „Was meinte er mit ‚Es ist Vollmond’?“, fragte Karim.
      „Ach, zerbrich dir nicht den Kopf darüber“, sagte Jinna. „Die Leute hier sind wahrscheinlich genau so abergläubig wie in Jakarestadt. Der Wald ist groß und dunkel und schon erzählen sie sich Schauergeschichten darüber.“
      „Geschichten haben aber oft einen wahren Kern“, warf Karim ein.
      „Ach ja?“, fauchte Jinna. „Und was ist mit der Geschichte dass ich eine Hexe bin?“
      „Das ist was anderes“, murmelte Karim. „Lass uns nicht mehr streiten, ja?“
      „Wir haben sowieso genug zu tun. Ab in den Wald.“ Jinna marschierte los.
      „Warte!“, schrie Karim. Du willst doch nicht etwa jetzt schon da rein? Wir sollten bis morgen warten.“
      Jinna runzelte die Stirn. „Karim“, sagte sie streng. „Es ist noch früh am Tag, eine Nacht in einem Gasthaus können wir uns nicht leisten also müssen wir so oder so draußen pennen, es sei denn, wir gehen nach Hause, also gehen wir jetzt in diesen Wald.“
      „Aber den Esel konnten wir uns leisten?“
      Sie sah ihn finster an. Karim wusste, es hatte keinen Sinn, darüber zu diskutieren. Jinna würde ihren Kopf durchsetzen. Die beiden gingen los und kamen bald an besagtem Wald an. Plötzlich blieb die Eselin stehen.
      „Pauline, was ist los, jetzt komm doch“, rief Karim aber Pauline wollte nicht weitergehen. Jinna zog einen Apfel aus der Tasche und begann, das Tier mit dem Obst und guten Worten zu locken. Endlich ließ sich Pauline dazu bewegen, mitzukommen. Karim dachte, dass das Tier wahrscheinlich recht hatte. Sie wären alle besser nicht in den Wald gegangen.
      Der Wald war sehr groß und je tiefer sie hineinkamen, desto dunkler wurde er. Links und Rechts des Weges wucherten knorrige Dornen zwischen hohen Bäumen. Oben in den Kronen sangen irgendwo die Vöglein im Sonnenlicht, aber hier unten war es vollkommen karg und still. Nicht einmal die Blätter rauschten. Die Kinder und die Eselin rückten näher aneinander und zuckten zusammen, als über ihnen der Schrei einer Krähe ertönte.
      Um sich abzulenken, erzählte Jinna, was passiert war, als der Grüne Ritter ihre Mutter mitgenommen hatte: Als diese Jinna gesehen hatte, hatte sie sie am Arm gepackt, ins Haus gezogen und im Schrank eingesperrt, mit der Mahnung, sich ja nicht zu rühren und nicht zu sprechen. Kurze Zeit später hatte es an der Tür geklopft und die Mutter war hinaus gegangen und hatte mit dem Grünen gesprochen. Über was sie geredet hatten hatte Jinna nicht verstanden, aber dann war ihre Mutter wieder herein gekommen, hatte etwas aus dem Schrank geholt, in dem Jinna stand und ihr ins Ohr geflüstert: „Jinna, wehe du folgst uns.“ Dann hatte sie den Schrank verschlossen und war gegangen.
      „Ist dir aufgefallen, dass das schon das zweite Verbot von Mama ist, das du missachtest?“, fragte Karim als sie geendet hatte.
      „Du aber auch“, sagte Jinna. „Außerdem hat sie kein Recht, uns zu verbieten, sie zu retten.“

      Karim und Jinna wanderten den ganzen Tag lang durch den Wald, und mit der Zeit gewöhnten sie sich daran. Erst als es richtig dunkel wurde begannen sie wieder, sich unwohl zu fühlen. Was sollten sie tun, wenn jemand sie angriff? Jinna holte eine Laterne aus der Tasche und reichte sie Karim. Er zündete sie an.
      „Was meinst du, sollen wir jetzt schon schlafen, oder erst später?“, fragte sie.
      „Später“, murmelte Karim. Plötzlich tönte ein lautes Heulen durch den Wald. Pauline schnaubte nervös.
      „Ich habe Angst“, flüsterte Jinna.
      Karim legte ihr den Arm um die Schultern. „Ich passe schon auf dich auf“, sagte er. Sie gingen schweigend weiter, auf jedes kleinste Geräusch achtend. Erneut hörten sie lautes Heulen. Pauline blieb stehen.
      „Es kommt näher“, flüsterte Jinna entsetzt.
      Wieder erklang das Heulen, diesmal direkt hinter ihnen. Jinna erschauderte und drehte sich um. Direkt vor ihr glühten zwei große, gelbe Augen zwischen den Bäumen. Jinna wimmerte leise. Karim zog sie an sich und blickte sich um. Von allen Seiten kamen Wölfe auf sie zu. Karim hob die Laterne wie eine Waffe, entschlossen, sich gegen jeden einzelnen von ihnen zu wehren. Die Wölfe knurrten und umkreisten die beiden.
      Dann knackte es im Gebüsch und ein kleiner Lichtpunkt erschien. Die Wölfe drehten sich um und fletschten die Zähne, jetzt in Richtung des Lichtes.
      Ein junger Mann mit dunklem Haar erschien im Gestrüpp. Das Licht kam von einem kleinen Stein, den er um den Hals trug. Er glomm schwach. Der Mann sah auf die Wölfe, dann auf Karim, Jinna und Pauline.
      Dann knurrte er. Es war ein leises Knurren, kaum hörbar aber Karim lief eine Gänsehaut über den Rücken. Die Wölfe jaulten leise und wichen vor dem jungen Mann zurück. Der knurrte noch einmal, lauter und bedrohlicher. Da drehten sich die Wölfe um und verschwanden.
      Der Mann sah ihnen einen Moment hinterher, dann kam er auf Karim und Jinna zu. Karim stellte sich schützend vor seine Schwester.
      Der Fremde blieb stehen und lächelte. „Ihr braucht keine Angst zu haben“, sagte er.
      Seine Stimme klang angenehm und sein Lächeln war freundlich. Aber Karim traute ihm nicht und blieb stehen, wo er war. Da machte Pauline ein paar Schritte auf den Fremden zu und ließ sich von ihm am Ohr kraulen.
      „Eine kluge Eselin habt ihr da“, sagte der Mann. „Sie weiß genau, wem sie trauen kann. Passt gut auf sie auf.“
      „Wer bist du?“, fragte Jinna und kam hinter Karim hervor.
      „Nennt mich Niorim.“ Er reichte Jinna die Hand. „Ihr hattet Glück, dass ich vorbeigekommen bin.“
      „Warum sind sie vor dir geflohen?“, fragte Karim.
      „Oh, sie kennen mich schon. Was haben zwei Jugendliche, wie ihr es seid, hier im Wald verloren?“
      „Wir suchen unsere Mutter. Sie wurde von einem Grünen Ritter verschleppt“, plapperte Jinna heraus, bevor Karim sie daran hindern konnte. Er warf ihr einen bösen Blick zu.
      Niorims Miene verdunkelte sich. „Vor wenigen Stunden ist eine große Gruppe Grüner Rittern hier vorbeigezogen. Aber es waren mehrere und bei ihnen waren auch noch einfache Soldaten Dreizehns. Insgesamt waren sie mindestens dreißig. Wenn die eure Mutter haben kriegt ihr sie nie da raus.“
      „Wahrscheinlich“, sagte Karim. „Wir müssen uns etwas ausdenken. Wo sind sie denn jetzt?“
      „Sie lagern in einem Tal, etwa dreißig Minuten von hier. Wenn ihr wollt kann ich mich an sie heran schleichen und schauen ob es eurer Mutter gut geht. In zwei Stunden wäre ich wieder hier.“
      „Das würdest du für uns tun?“, rief Jinna.
      „Natürlich“, antwortete Niorim.
      Karim starrte ihn wütend an. „Gut, nehmen wir an, du würdest es tun und in zwei Stunden wieder hier sein“, sagte er. „Dann wären wir längst über alle Berge.“
      Niorim sah ihn nachdenklich an. „Du glaubst, ich würde Dreizehns Leute zu euch bringen? Das will ich nicht. Aber du hast Recht, ich sollte hier bleiben. Die Wölfe könnten zurückkommen.“
      „Wir könnten zusammen gehen“, schlug Jinna vor.
      Karim schüttelte unmerklich den Kopf. Er wollte mit diesem Fremden nirgendwo hingehen. Doch der schien es selbst auch für keine gute Idee zu halten.
      „Ich soll mit euch beiden dort hin gehen?“, fragte er. „Nehmt es mir nicht übel, aber ihr seid eben nicht besonders leise durch den Wald gegangen. Und Grüne Ritter sind nicht das Schlimmste, was euch hier erwischen kann. Glaubt mir, der Wald hat seinen eigenen Willen und nachts könnte er auf den Gedanken kommen euch verschlingen zu wollen.“ Karim erschauderte. Niorim neigte sich nach vorne und sah ihm direkt in die Augen. „Ihr wollt hier nachts keinen Lärm machen. Ihr wollt still auf einem Fleck sitzen und den Wald auf keinen Fall stören.“
      „Du bist auch nachts durch den Wald gegangen“, entgegnete Jinna. Doch sie wirkte nicht mehr ganz so entschlossen. Sie war müde, die Augen fielen ihr beinahe im Stehen zu.
      „Ich bin Teil des Waldes“, antwortete Niorim. „Ich lebe bereits mein ganzes Leben lang hier. Ihr seid müde“, stellte er fest. „Ich schlage vor wir schlafen ein wenig, morgen können wir uns beratschlagen. Vielleicht helfe ich euch, eure Mutter zu finden. Aber erst morgen. Wenn ihr hungrig seid, dann esst, vorausgesetzt ihr habt etwas mit. Und macht die Laterne aus. Wenn ich bei euch bin braucht ihr sie nicht.“
      Sie aßen ein wenig, ohne großen Hunger zu haben, löschten dann das Licht und legten sich hin. Karim drehte das Gesicht zu Niorim und beobachtete ihn. Er schien zu schlafen. Der Stein lag vor seiner Brust auf dem Boden und strahlte ein sanftes Licht aus. Karim war hundemüde, aber es war ihm egal. Als er ganz sicher war, dass Niorim schlief, richtete er sich auf und lehnte sich an einen Baum. Er wollte auf keinen Fall einschlafen.
      Irgendwann nachts öffnete Niorim die Augen und sah Karim an dem Baum sitzen.
      „Du traust mir nicht“, stellte er fest. „Das ist gut, aber nicht klug von dir. Wenn du jetzt nicht schläfst wirst du morgen nicht laufen können.“
      Karim antwortete nicht.
      „Glaubst du, ich würde nicht mit dir fertig werden, wenn ich es wollte?“
      Karim schwieg weiter, aber seine Hand klammerte sich fester um etwas, das er schon die ganze Zeit gehalten hatte: Ein silbernes, verziertes Messer, ein Familienerbstück. Er besaß es seit er sechs war.
      Niorim sah ihm fest in die Augen. „Ich will euch helfen“, sagte er dann, „ich hasse die Grünen Ritter und würde niemals mit ihnen zusammenarbeiten.“
      „Das heißt nicht, dass du uns nichts tun würdest“, sagte Karim.
      „Der Feind meiner Feinde ist mein Freund“, sagte Niorim und zog seinen Ärmel hoch um Karim eine zwanzig Zentimeter lange Narbe an seinem Unterarm zu zeigen. „Das hat mir ein Grüner Ritter angetan. Und noch einiges mehr. Tja, ich war so dumm, ihnen nicht aus dem Weg zu gehen.“
      Karim sinnierte noch einen Augenblick vor sich hin, dann nickte er. „Aber wenn ich schlafe, wer passt dann auf?“
      „Es ist nicht nötig, Wache zu halten. Die Wölfe halten sich von mir fern und Dreizehns Soldaten fürchten sich vor den Wölfen.“
      „Sind hier oft Grüne Ritter?“
      „Ständig. In letzter Zeit werden es immer mehr. Es wird dringend Zeit, dass jemand dem Theater ein Ende bereitet.“
      Karim streckte sich auf dem Boden aus und schlief sofort ein. Ihm blieb auch gar nichts anderes übrig, wenn er am nächsten Tag noch wandern können wollte.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dinteyra ()

    • Hmm....sorry, dieser Abschnitt gefällt mir persönlich jetzt nicht so.
      Vielleicht bin ich unkonzentriert, aber das Kopfkino springt nicht an und ich muss beim Lesen aufpassen, in welcher Geschichte ich mich gerade befinde (die Reise durch einen dunklen Wald kommt in sehr vielen HF Romanen vor).
      Die Handlung wirkt auf mich sehr "gewollt", ich spüre nicht, dass Jinna und Karim das hier wirklich erleben. :hmm: Ist jetzt nur mein persönliches Empfinden und kann auch an mir liegen. Mal sehen, was die anderen dazu sagen.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Zwei Dinge:

      Dinteyra schrieb:

      Um halb sechs wachte er wieder auf, mit dem Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar schief lief.

      Die Beschreibung finde ich etwas unpassend, schließlich scheint es in deiner Welt ohne Namen sowas wie eine Uhr noch nicht zu geben. Von daher wäre eine Zeitangabe wie "noch vor dem Morgengrauen" mMn authentischer

      Dinteyra schrieb:

      Der Mann sah ihnen einen Moment hinterher, dann kam er auf Karim und Jinna zu. Karim stellte sich schützend vor seine Schwester.
      Der Mann blieb stehen und lächelte. „Ihr braucht keine Angst zu haben“, sagte er.

      Gleicher Satzanfang in kurzer Abfolge. Hier würde ich ein Synonym wie "Der Fremde" vorschlagen :)

      :hmm: also bei mir lief das Kopfkino gut mit :) Es kam nur gegen Ende des Parts ins Stocken, wo der Mann mit den Wölfen auftauchte. Die Stelle wirkte noch nicht richtig stimmig, das Gespräch wirkte etwas kurz angebunden, es ging zu schnell. Außerdem hätte er die beiden die halbe Stunde auch noch eben mitnehmen können, damit sie gemeinsam ein Blick auf das Lager der Ritter werfen könnte, es wundert mich, dass das niemand vorgeschlagen hat :hmm:
      Aber sehr gut geschrieben. Dein Schreibstil ist klasse :thumbsup:

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Vielen Dank an euch beide. :thumbsup:

      @melli: Danke für deine ehrliche Meinung, ich bin froh, dass du auch schreibst, wenn es dir nicht so gut gefällt. :)
      Du hast recht, die Reise durch einen dunklen Wald ist nicht so besonders originell, genau wie auch die Art Rettungsmission, zu der Karim und Jinna aufgebrochen sind. Aber ich glaube nicht, dass ich da jetzt noch was dran ändern kann. Aber wirklich vielen Dank, dass du mir sagst, was dir nicht gefällt. Auch wenn ich etwas in dieser Geschichte vielleicht nicht mehr so gut ändern kann, so kann ich es mir doch für meine nächsten Geschichten merken.
      Dass das Kopfkino bei dir nicht angesprungen ist, bereitet mir allerdings schon Sorgen. :S

      @Alopex Lagopus: Oh je ... das mit der Uhrzeit. Peinlich. :blush: Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast. :thumbup:
      Tatsächlich gibt es in der Welt Uhren, allerdings sind sie eher selten. In großen Städten findet man manchmal Turmuhren und sehr reiche Leute haben vielleicht auch eine Taschenuhr. Aber so etwas wird schwerlich in den Händen von Karim und Jinna zu finden sein.
      Ich denke, den letzten Absatz werde ich noch einmal überarbeiten sobald ich Zeit habe.

      LG Dinteyra
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.
    • Allein im Wald


      Maja blinzelte und öffnete die Augen. Alles war schwarz. Erst nach einer Weile gewahrte sie, dass sie mit dem Gesicht im Laub lag. Sie drehte sich auf den Rücken und sah jetzt Baumkronen und einen blauen Himmel. Irgendwo plätscherte ein Bach, die Vögel zwitscherten und die Bäume rauschten.
      Ihr tat alles weh: ihr ganzer Körper schmerzte und ihr Kopf brummte. Sie überlegte, was passiert war, aber es verursachte ihr Kopfschmerzen, nachzudenken, also blieb sie liegen, schloss die Augen und genoss die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter in ihr Gesicht fielen. Als Maja diese Blätter das letzte Mal gesehen hatte, war der Himmel noch dunkel gewesen.
      Plötzlich fiel ihr wieder ein, was passiert war und ihr Kopf wurde mit einem Schlag klar. In höchste Alarmbereitschaft versetzt richtete sie sich auf und blickte umher. Sie war alleine, keine dunklen Gestalten in Sicht.
      Maja beruhigte sich ein wenig und betrachtete die Umgebung. Links von ihr war der Abhang, den sie heruntergerutscht war. Sie hatte wahnsinniges Glück gehabt, die vielen Bäume verfehlt zu haben. Rechts von Maja verlief ein kleiner Bach. Maja kroch hin, trank etwas von dem Wasser und befeuchtete ihr Gesicht. Dann stand sie auf und streckte sich. Wie lange war sie ohnmächtig gewesen? Die Sonne stand schon sehr hoch am Himmel.
      Wie dem auch war, sie durfte keine Zeit verlieren. Sie visierte den nächsten Baum an und marschierte los. Dort angekommen blickte sie zurück zu ihrem Ausgangspunkt und verband diesen in Gedanken mit ihrem jetzigen Standort. Wenn sie die Linie weiterführte traf diese in etwa fünfzig Metern auf einen weiteren Baum. Zu dem ging sie nun um dort dasselbe Spiel zu wiederholen. Sie hoffte, auf diese Weise die Richtung beizubehalten und nicht im Kreis zu gehen. Den Trick hatte sie mal im Fernsehen aufgeschnappt.
      So verging gewiss eine halbe Stunde, bis Maja plötzlich stehen blieb. Das altbekannte Gefühl des Beobachtetwerdens war wieder da. Sie sah sich um und erstarrte. Auf einem Baum, keine zehn Schritte von ihr entfernt, saß eine Eule. Eine bekannte Eule. Maja starrte sie an und der Vogel starrte auch dieses Mal zurück.
      „Warum verfolgst du mich?“, flüsterte Maja. Die Eule klackerte mit dem Schnabel und flog davon. Das merkwürdige Gefühl verschwand sofort.

      Es wurde später Nachmittag, bis Maja zwischen den Bäumen hervortrat und den Wald endlich hinter sich ließ. Sie stand am Rande eines großen Feldes, an dessen andere Seite eine kleine Stadt grenzte. Wieder mit leichteren Schritten lief Maja weiter und kam nach einer halben Stunde erschöpft im Stadtzentrum an.
      Sie spazierte postwendend in das erste Modegeschäft und störte sich nicht an den Blicken, die die Verkäufer ihr angesichts des Schlafanzuges und der nackten Füßen zuwarfen. Maja verschwendete nicht viel Zeit. Sie kaufte ein T-Shirt und eine Hose und außerdem Unterwäsche. Alles so günstig wie möglich, dennoch hatte sie am Ende die Hälfte des Geldes ausgegeben. Eine Verkäuferin erlaubte Maja, die Sachen schon im Laden anzuziehen, und kurze Zeit später verließ sie in Jeans und einem gelben T-Shirt und mit einer Plastiktüte in der Hand das Geschäft. Jetzt brauchte sie noch Schuhe, dafür würde das Geld gerade noch reichen. Sie fragte sich zu einem günstigen Schuhgeschäft durch und trat ein. Niemand achtete auf sie, als sie auf den weichen Teppich trat, mit dem das Geschäft ausgelegt war, und nach einem Paar Socken zum Anprobieren griff. Nach zwei Paaren, eins ließ sie unauffällig in der Hosentasche verschwinden. Dann suchte sie ihre Größe auf und begann, verschiedene Schuhe anzuprobieren. Schließlich entschloss sie sich zu einem Paar grüner Halbschuhe mit fester Sohle für knapp dreißig Euro. Dann hatte sie noch etwa zehn Euro für ihr Abendessen. Sie steckte die Schuhe in den Karton und ging zur Kasse.
      „Das macht 29,90 €“, sagte der Verkäufer und starrte Majas Füße an. Maja schob ihm zwei Zwanziger hin.
      „Kann es sein, dass du deine Schuhe im Laden vergessen hast?“, fragte der Verkäufer. „Du solltest sie holen gehen.“
      „Ähm, ich hatte keine an“, erklärte Maja. Der Verkäufer betrachtete Majas Füße genauer.
      „Die sind ziemlich dreckig“, sagte er. „Würden dir deine Eltern erlauben, ohne Schuhe herumzulaufen?“
      „Ja“, antwortete Maja.
      „Aber nicht beim Einkaufen, kleines Fräulein.“
      Maja kniff wütend die Augen zusammen. Sie hasste Menschen, die sie ‚kleines Fräulein’ oder etwas Ähnliches nannten.
      Der Verkäufer ließ nicht locker: „Seit heute Morgen wird ein Mädchen vermisst, dessen Beschreibung auf dich passen könnte. Sie haben es eben im Radio gebracht.“
      Maja erbleichte und starrte den Verkäufer an. „Ich werde nicht vermisst. Ich wohne hier“, log sie.
      Der Verkäufer schnaubte. „Was mich interessieren würde ist, warum du deine Schuhe nicht mitnimmst, wenn du von zu Hause wegläufst.“
      „Ich bin nicht von zu Hause weggelaufen“, sagte Maja.
      „Das wird sich erst noch zeigen“, erwiderte der Verkäufer. „Wie hast du den Weg hierher geschafft, bist du schwarzgefahren? Oder getrampt?“
      „Können sie mir jetzt die Schuhe verkaufen?“, zischte Maja.
      „Ich verkauf dir gar nichts, ich ruf die Polizei an“, sagte der Verkäufer.
      „Machen sie doch“, sagte Maja und versuchte jede Regung aus ihrem Gesicht zu vertreiben. Der Mann wandte sich ab und griff nach einem Telefonhörer. Ohne jede Vorwarnung griff Maja nach dem Schuhkarton, das Geld ließ sie liegen, und stürzte los. Sie rannte aus dem Laden und über die Straße. Der Verkäufer lief ihr im ersten Moment hinterher, doch als er ebenfalls die Straße überqueren wollte kamen zwei Autos an und veranstalteten ein lautes Hubkonzert.
      „Du kommst eh nicht weit!“, brüllte der Verkäufer, als Maja hinter einer Ecke verschwand.
      Sie lief noch eine Weile durch die Stadt und zog dann die Schuhe an. Ihr waren drei Dinge klar geworden:
      Erstens: Ihr Abendessen konnte sie jetzt vergessen, aber sie verzichtete lieber darauf, als die Schuhe geklaut zu haben. Dann hatte sie halt zehn Euro zu viel bezahlt.
      Zweitens: Der Verkäufer hatte sie gefragt, ob sie schwarzgefahren war. Das war sie nicht, aber sie würde es jetzt tun müssen. Sie überlegte, was schlimmer war, Schuhe klauen oder Schwarzfahren?
      Und drittens: Sie wurde offenbar offiziell gesucht. Und das sogar im Radio. Und wenn man sie erwischte, würde man sie nach Hause bringen. Aber sie konnte nicht nach Hause, Tabea hatte ihr klar gemacht, dass das zu gefährlich war. Oder? Was, wenn sie erzählte, was passiert war? Sicher würde die Polizei sie schützen können. Maja konnte sich nicht entscheiden und darüber nachzudenken bereitete ihr Kopfschmerzen und ein erdrückendes Engegefühl in der Brust.

      Sie trieb sich noch einige Zeit in der Stadt herum. Zuerst wanderte sie einfach nur durch die Fußgängerzone. Danach verbrachte sie etwas mehr als eine Stunde in einem Park an einem kleinen Teich und dann wanderte sie wieder ziellos durch die Straßen. Sie konnte sich einfach nicht entscheiden, was sie jetzt tun sollte. Die Versuchung war groß, einfach jemanden zu bitten, bei ihren Eltern anzurufen und sich von ihnen abholen zu lassen. Aber dann dachte sie daran, wie sie aus dem Fenster geklettert und aus dem Auto gesprungen war. Bei dem Gedanken an Zuhause fühlte sie sich überhaupt nicht sicher. Sie musste weiter, musste zu Tabea. Also Arnsberg.
      Als es langsam dämmerte ging sie zum Bahnhof und suchte eine Zugverbindung heraus. In einem Anfall von Heimweh entlockte sie dem Automaten auch eine zurück in ihre Heimatstadt. Wieder geriet sie in Versuchung, die düsteren Verfolger und ihr Auto einfach zu vergessen und nach Hause zu fahren. Doch dann verdrängte sie den Gedanken und konzentrierte sich auf ihr Ziel. In zwanzig Minuten würde ein Zug fahren, bis dahin war es am besten, sie hielt sich so wenig wie möglich an einem Ort auf. Also ging sie wieder spazieren, obwohl sie fand, dass sie heute schon genug gelaufen war. Nach fünfzehn Minuten stand sie erneut auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug.
      Er fuhr mit quietschenden Bremsen ein. Maja stieg ein und setze sich neben ein großes Mädchen, vielleicht drei oder vier Jahre älter als sie selbst. Sie hatte kurze, schwarze Haare und ein lustiges Lächeln – sie gefiel Maja auf den ersten Blick. Das Mädchen seinerseits betrachtete Maja interessiert und diese senkte schnell den Kopf um nicht erkannt zu werden. Sie wusste ja nicht, wie weit die Suche nach ihr schon ging, vielleicht konnte man ihr Bild sogar schon im Fernsehen betrachten. Nein, das war sicher nicht möglich. So wichtig war sie bestimmt nicht.
      Der Zug fuhr an und Maja versuchte auf der Fahrt möglichst natürlich zu wirken. Niemand sollte auf die Idee kommen, dass sie keine Fahrkarte hatte.

      Über eine Stunde verging ohne bemerkenswerte Zwischenfälle und Maja war sich jetzt sicher, dass sie es nach Arnsberg schaffen würde. Es waren nur noch zwei Stationen bis dort.
      Doch plötzlich begannen die Leute um sie herum wie verrückt in ihren Taschen zu kramen, nur das Mädchen mit den schwarzen Haaren nicht. Ein Schaffner kam. Maja blickte sich hektisch um und begann ebenfalls in ihrer Einkaufstüte zu kramen. Der Schaffner kam zu ihrer Sitzgruppe, in der neben Maja und dem Mädchen noch ein älteres Ehepaar saß und fragte den Mann, der ihr gegenüber saß, nach der Fahrkarte. Er reichte dem Schaffner ein Gruppenticket, dieser lochte es.
      „Du gehörst nicht zu denen?“, fragte er Maja, da sie immer noch in der Plastiktüte wühlte. Ihr fiel keine Antwort ein.
      Die Frau räusperte sich:„Das andere Mädchen gehört auch nicht zu uns.“
      Der Schaffner wandte sich der Schwarzhaarigen zu. „Und wo ist deine Fahrkarte?“
      „Ich hab keine“, sagte das Mädchen.
      „Und du?“ Der Schaffner sah jetzt wieder Maja an. Sie schüttelte den Kopf.
      Der Schaffner runzelte die Stirn. „Oh, oh, das wird teuer“, murmelte er.
      „Ich hab überhaupt kein Geld dabei“, sagte Maja verlegen. „Du?“, fragte sie das Mädchen. Sie schüttelte den Kopf.
      Seufzend zog der Schaffner einen Notizblock hervor. „Dann brauche ich jetzt erst mal eure Personalien. Habt ihr einen Ausweis dabei?“
      Maja wurde heiß. Sie hatte gar nichts dabei. Und sie wollte ihren Namen auch nicht nennen. Sie wusste doch, dass man nach ihr suchte. Das Mädchen machte ein Gesicht, als ob es ihr genauso ginge. Dieses Mal schüttelten sie gleichzeitig den Kopf.
      „Vielleicht einen Schülerausweis? Irgendetwas, auf dem euer Name steht?“
      Wieder Kopfschütteln.
      „Wie alt seid ihr überhaupt?“, fragte der Schaffner.
      „13“, sagte Maja, das Mädchen behauptete, es wäre 18.
      „Du kommst mir irgendwie bekannt vor“, sagte der Schaffner zu Maja.
      „Sie ist meine Schwester“, sagte das Mädchen. Maja sah sie überrascht an.
      „Wir waren in einem Feriencamp und haben auf der Rückfahrt unsere Gruppe verloren. Deshalb haben wir keine Karten. Wir müssen nicht mehr weit“, log das Mädchen weiter.
      Maja begriff, dass ihr hier geholfen wurde und nickte eifrig.
      „Du bist 18, wie?“ Das Mädchen nickte. „Dann kannst du ja auf deine Schwester aufpassen. Wenn ihr weder zahlen noch euch ausweisen könnt, muss ich euch am nächsten Bahnhof aus dem Zug verweisen.“
      „Aber was sollen wir dann an dem Bahnhof machen?“, rief Maja. Das Ehepaar in ihrer Sitzgruppe gluckste blöde. „Ich bin mir sicher, unsere Eltern werden die Fahrt bezahlen, wenn wir ankommen.“
      „Darauf lasse ich mich nicht ein“, sagte der Schaffner. „Ehrlich gesagt habe ich genug von euch Schwarzfahrern mit euren erfundenen Geschichten. Denkst du, ich glaube euch auch nur ein Wort? Wenn du alleine wärst müsste ich dich weiterfahren lassen, aber da deine ältere Schwester dabei ist… Ihr müsst halt sehen, was ihr macht. Und wenn ihr in den nächsten Zug wieder einsteigt, dass ist dann nicht mehr meine Sache.“
      „Aber sie ist gar nicht …“, begann Maja doch das Mädchen stieß ihr so heftig den Ellbogen in die Rippen, dass sie keuchend abbrach. Die Bahn wurde langsamer und hielt und der Schaffner führte sie zur Tür hinaus. Dann fuhr der Zug wieder los und Maja und das Mädchen standen zu zweit auf dem Bahnsteig.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dinteyra ()

    • Ich hab nur zwei Sachen gefunden:

      Dinteyra schrieb:

      Sie trieb sich noch einige Zeit in der Stadt herum. Eine Zeit lang wanderte sie einfach nur durch die Fußgängerzone.

      Wiederholung

      Die zweite Sache ist diese etwas tabellarische Aufzählung in der Mitte. Ich finde, dadurch und durch die Absätze, reißt du den Text etwas auseinander. Auch finde ich das mit den Zahlen nicht gut gewählt, die gehören einfach nicht in einen Fließtext. Würde also Erstens, ... Zweitens, ... Drittens, ... vorschlagen, dann bleibt alles zusammen ^^

      Ansonsten wieder ein super Abschnitt ^^ Der Verläufer reagiert ein wenig blöd, behandelt die Arme ja fast wie eine flüchtige Strafverbrecherin X(
      Und muss ein Schaffner ein minderjähriges Mädhcen wirklich weiterfahren lassen. Also bei mir haben sie erstmal schön die Personlaien aufgenommen und nen Strafzettel geschickt ... ächem :blush:

      Naja, da wollte das Mädchen helfen, aber das Annehmen der Hilfe hat sich als nicht ganz vorteilhaft herausgestellt. Bin gespannt, wie es mit den beiden weitergeht und vor allem, warum die Fremde Maja einfach helfen wollte :)

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • @Alopex Lagopus: Danke für die Verbesserungsvorschläge. Die Aufzählung hab ich noch drin, aber nicht mehr tabellarisch und ohne die Absätze. Den Verkäufer lasse ich so fies, es muss auch blöde Menschen geben. Bei dem Schaffner hab ich noch ein bisschen verändert. Also ich glaube schon, dass er sie nicht einfach spät am Abend rausschmeißen darf. Aber es ist eine gute Idee, ihn erst mal nach den Personalien fragen zu lassen.
      Ich gebe zu, der Abschnitt war nicht der beste und ist es auch immer noch nicht. Ich glaube man merkt ihm inhaltlich sehr an, dass ich noch recht jung war, als ich das geschrieben habe. Und ich neige halt in dieser ganzen Geschichte dazu, ein bisschen durch die Handlung zu rauschen. Ich müsste mir eigentlich mehr Zeit für die Charaktere lassen.
      Naja, der nächste Abschnitt ist auch nicht viel besser, trotzdem lade ich ihn mal hoch:




      Vom Pläneschmieden


      Als Karim erwachte sah der Wald um ihn herum aus wie in einem Märchen. Er hätte niemals erwartet, dass dieser düstere, gefährliche, von Wölfen nur so wimmelnde Wald so schön aussehen konnte. Durch die dunklen Blätter über ihm fielen goldene Sonnenstrahlen auf den Nebel, der sie umgab, und ließen ihn in allen Farben schimmern. Überall tropfte der Tau von den Sträuchern und Gräsern und die dicken Tropfen schimmerten im Sonnenlicht. Und plötzlich schienen auch die Vögel wieder da zu sein. Karim war wie verzaubert von dieser märchenhaften Schönheit.
      Hinter ihm raschelte es und er zuckte zusammen. Niorim trat aus dem Gebüsch.
      „Schön, nicht wahr?“, sagte er. „Alles ist irgendwann mal schön, selbst die hässlichsten Dinge. Dieser Wald ist bei Sonnenaufgang am schönsten. Ich bedaure alle, die das hier nie erlebt haben.“
      Karim weckte Jinna auf und auch sie sah sich staunend um. Selbst Pauline schien von dem Naturschauspiel beeindruckt zu sein. Sie wackelte mit den Ohren und sah sich aufmerksam um.
      „Wo warst du eben?“, fragte Karim Niorim beim Frühstück.
      „Ich habe nachgeschaut ob die Grünen Ritter noch da sind“, antwortete dieser. „Sie sind am Aufbrechen und es haben sich noch mehr Truppen zu ihnen gesellt. Und außerdem zwei Mitglieder der Schwarzen Garde. Ich würde sagen die Chance, eure Mutter da raus zu holen, liegt jetzt bei Null.“
      „Was ist die Schwarze Garde?“, fragte Jinna.
      Niorim schaute sie verblüfft an. „Das wisst ihr nicht? Du auch nicht, Karim?“
      Karim schüttelte den Kopf.
      Niorim beugte sich zu den beiden vor.
      „Gut“, sagte er, „dann passt jetzt auf: Stellt euch die dreizehn bösesten, skrupellosesten und intelligentesten Männer und Frauen vor, die es gibt. Sie wissen Dinge, von denen ihr nicht mal träumt. Und sie stehen auf Fürst Dreizehns Seite. Das ist die Schwarze Garde. Fürst Dreizehn schickt sie nur aus, wenn es ganz wichtig ist. Meist handelt es sich um Spionage oder Mord. Ganz geheim.“
      „Er schickt Leute aus um zu morden?“, fragte Karim. „Mach meiner Schwester keine Angst.“
      „Wo bist du denn aufgewachsen? Vielleicht sollte ich dort mal hingehen, scheint ja ein friedlicher Ort zu sein. Glaubst du mir nicht? Fürst Dreizehn schickt doch auch Leute aus um Sklaven zu fangen, wie das Beispiel eurer Mutter deutlich zeigt.“ Er beugte sich noch weiter vor, sodass sein Gesicht direkt vor Karims hing. Sein Atem stank und der Junge musste die Luft anhalten. „Aber wenn die Schwarze Garde kommt, dann ist es schon besonders wichtig. Fürst Dreizehn will die zwölf Königreiche erobern, denkst du, er ist dabei zimperlich?“
      Karim wich ein wenig vor Niorim zurück. „Er will unser Land erobern? Wer sagt das? Ich weiß, dass er ein Ekel ist und das er seine Leute her schickt um für Unfrieden zu sorgen, aber wer hat je behauptet, dass er die zwölf Königreiche erobern will?“
      „Sei nicht so naiv. Die Straßen hier wimmeln mittlerweile von Grünen Rittern und sonstigem Abschaum. Und was denkst du, wozu er überall die Menschen entführen lässt? Er will seine Streitmacht vergrößern. Bestimmt nicht zum Spaß und auch nicht um sich vor Angriffen zu schützen. Hinter dem großen Gebirge ist er sicher wie auf einer Insel. Früher oder später wird er hier einmarschieren, das wissen alle, die ein bisschen mehr als Watte im Kopf haben.“
      Karim knibbelte nachdenklich an seinen Fingernägeln herum. „Ich glaube nicht, dass das stimmt“, sagte er schließlich. „Sicher, Dreizehn ist ein Arschloch und ein ... ein ... keine Ahnung, mir fällt das Wort nicht ein. Aber wenn er eine ernsthafte Gefahr darstellen würde, dann hätte doch irgendjemand schon etwas getan. Der Großkönig zum Beispiel.“
      „Der Großkönig hat weniger als Watte im Kopf“, sagte Niorim ernst. „Entweder das, oder er hat Angst, sich mit Dreizehn anzulegen. Man kann es ihm eigentlich nicht verübeln, aber wenn er nicht bald etwas unternimmt, ist es zu spät.“
      „Aber was ist mit den Kamiraen und der anderen Welt?“, fragte Karim.
      Niorim blickte ihn überrascht an. „Du weißt von der anderen Welt?“
      „Meine Mutter hat mir mal was davon erzählt. Solange wir die andere Welt zu Hilfe rufen können, wird Fürst Dreizehn nichts wagen. Ich habe gehört, sie haben mächtige Waffen. Damit könnten sie Dreizehn sicher besiegen.“
      „Soso. Deine Mutter scheint ja eine kluge Frau zu sein. Ich habe auch gehört, dass sie dort drüben ziemlich beeindruckende Dinge vollbringen können, aber ich würde mal auf dem Teppich bleiben. Außerdem, auch wenn sie uns helfen können, heißt das nicht, dass sie es auch tun werden. Und außerdem versucht Dreizehn die Tore zu verschließen, nämlich um genau den Faktor der anderen Welt auszuschließen.“
      „Was?“, fragte Jinna.
      „Du hast richtig gehört. Die Kamiraen, die Torwächter, haben auch alle Hände damit zu tun, das zu verhindern. Aber den Standort der meisten Tore haben sie sowieso schon vergessen und von den dreien, die sie kennen, hat Dreizehn eines zerstört. Um noch einmal auf die Schwarze Garde zurückzukommen, das nächste Tor ist in diesem Wald und ich vermute, sie sind hier um es zu schließen. Vielleicht waren sie schon dort, vielleicht sind sie aber noch auf dem Weg dorthin und dann kann es sein, dass die Grünen Ritter ohne sie weiterziehen.“ Er grinste. „Das ist gut für uns, wenn die Schwarze Garde nicht bei den Rittern ist, werden wir es um einiges leichter haben, eure Mutter zu befreien. Und wenn wir ein wenig Geduld haben, könnte uns noch etwas in die Hände spielen: Wir sind ganz in der Nähe von Putto Wei.“ Bei diesen Worten wurde sein Grinsen noch breiter und ziemlich schäbig. „Und Dreizehns Leute waren noch nie schlau genug, einen Bogen um die Stadt zu machen. Meistens übernachten sie dort und mit etwas Glück werden es dort noch einmal weniger.“
      „Wieso? Was ist mit Putto Wei?“
      „Die Stadt ist der unheimlichste und gefährlichste Ort in diesem Wald. Und nichts, worüber ich jetzt gerne reden würde“, fügte er hinzu. Dabei sah er Karim so ernst an, dass dieser schluckte und nicht weiter nachhakte.
      „Wenn sie Putto Wei verlassen haben, können wir zuschlagen und versuchen, eure Mutter da raus zu holen. Während sie auf dem Weg von Putto Wei zum Schwarzen Weg sind. Was haltet ihr davon?“
      „Ich würde sie lieber jetzt befreien“, sagte Karim. „Was ist, wenn du dich irrst und sie gar nicht in diese Stadt gehen? Was, wenn wir sie aus den Augen verlieren?“
      „Glaubt mir, in diesem Wald verliere ich so schnell nichts aus den Augen. Die Sache ist die: entweder wir machen es auf meine Art, oder wir machen es gar nicht.“
      „Und wie sollen wir sie retten?“, fragte Karim. „So viele Ritter und Soldaten auf einem Haufen. Haben wir überhaupt eine Chance?“
      „Tja, das kommt ganz auf die Begebenheiten an. Ich habe schon einen Plan aber dazu müsst ihr mir vertrauen. Außerdem müssen wir einen kleinen Umweg machen, und jemanden um Hilfe bitten, den ich kenne.“
      „Wen?“, fragte Karim.
      „Überraschung. Habt ihr sonst noch Fragen oder können wir aufbrechen?“
      Karim und Jinna hatten nichts dagegen und so machten sie sich Minuten später auf den Weg durch den Wald, der jetzt wieder düsterer und unheimlicher wurde. Niorim führte sie nicht in Richtung der Ritter, sondern in eine andere Richtung, tiefer und tiefer in den Wald. Das Gestrüpp am Waldboden wurde jetzt so dicht, dass sie ständig Umwege machen mussten und im Zickzack zwischen den Bäumen herliefen. Sie zerkratzten sich Arme und Beine und irgendwann hoben sie Stöcke auf um damit die Dornen zur Seite zu schlagen. Paulines Fell war voller kleiner Zweige und Blätter. Der Wald war jetzt wieder so dunkel, wie am vorherigen Tag aber das Licht um Niorims Hals blinkte immer noch freundlich. Karim fragte sich, wozu es wohl gut war.
      Niorim fand immer die besten Plätze, um Pausen zu machen und sie mussten oft Pausen machen, da Karims und Jinnas Beine nicht an lange Wanderungen gewöhnt waren und nach einiger Zeit fürchterlich schlapp wurden. Karim fragte, wann sie denn da seien, aber Niorim gab keine Antwort. Jinna hegte daraufhin Zweifel, ob er überhaupt den Weg kannte.
      Als es dämmerte mussten sie fürs erste aufgeben. Sie hielten an einem kleinen Wasserlauf und während Karim und Jinna ihre Füße im kühlen Wasser treiben ließen baute Niorim ein kleines Lager.
      In der Nacht hörte Jinna wieder das schreckliche Heulen der Wölfe und einmal meinte sie ein glühendes Paar Augen zu sehen, aber kein Wolf traute sich näher heran.
      Karim schlief schlecht. Er machte sich solche Sorgen um seine Mutter. Was, wenn sie sie nicht mehr fanden? Oder wenn sie zu spät kamen? Wer sagte, dass die Ritter ihr nichts antaten? Er starrte in den dunklen Himmel und wünschte sich, die letzten Tage wären niemals passiert.
      Noch vor dem Morgengrauen machten sich die drei Reisenden wieder auf den Weg.

      Gegen Mittag schien Niorim plötzlich deutlich besser gelaunt zu sein. Er schritt schneller durch den Wald und pfiff vergnügt vor sich hin. Karim, Jinna und Pauline hatten Mühe, ihm zu folgen. Und dann öffnete sich vor ihnen plötzlich der Wald zu einer kleinen grasbewachsenen Lichtung. Sie war das komplette Gegenteil des Waldes. Wo der Wald düster war, war die Lichtung hell und sonnig, anstelle von großen Bäumen und Nebel gab es hier hohes Gras und einen kleinen See. Und am Ufer des Sees stand ein kleines Häuschen. Niorim ging auf das Häuschen zu und klopfte an der Tür, die wohl für eine Person gemacht worden war, die nur halb so groß war wie er.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dinteyra ()

    • Dinteyra schrieb:

      Glaubst du mir nicht?

      Dinteyra schrieb:

      glaubst du er ist dabei zimperlich.

      Dinteyra schrieb:

      Und was glaubst du wozu er überall die Menschen entführen lässt

      Dinteyra schrieb:

      Glaubst du, er macht das zum Spaß?

      hinter die grünen "glaubst du" gehört ein Komma, die grünen Enden sollten ein Fragezeichen haben. Der Glaube tritt etwas gehäuft auf ;) .
      Der Teil mit Maja hat mir wieder sehr gut gefallen und der neue im dunklen Wald auch. Bin gepannt, wer da in der Hütte wohnt. :thumbsup:
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Ich mag den neuen Part auch, also hör auf, dich schlecht zu reden. Du schreibst wirklich gut. Hab diesmal keine Formsachen gefunden ^^
      Jetzt kommen langsam ein wenig die Hintergründe durch, und inwiefern die beiden Welten zusammenhängen :)

      Und PS: Das mit dem Schuhverkäufer war nicht als Kritik gedacht, es gibt wirklich solche blöden Menschen. Ich war nur erstaunt ^^

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Jillian


      „Was sollte das gerade?“, fauchte Maja das Mädchen an.
      Diese starrte verständnislos zurück. „Was sollte was?“
      „Das, was du gerade zu dem Schaffner gesagt hast. Hast du nicht gehört? Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte er mich weiterfahren lassen.“
      „Wenn du alleine gewesen wärst, hätte er herausgefunden wer du bist und dich bei der nächsten Polizeistelle abgesetzt, Maja Sonnfeld“, rief das Mädchen.
      Maja starrte sie erschrocken an. Woher kannte sie ihren Namen?
      „Ja, da guckst du blöd, was? Den ganzen Tag schon suchen sie nach dir. Im Internet gibt es sogar Fotos von dir. Ich hab’s auf dem Laptop von irgendeinem Anzugheini, der hier eben noch saß, gesehen.“
      „Aber ich bin doch erst seit einem Tag verschwunden“, sagte Maja.
      „Kompliment, deine Eltern müssen sich ja wirklich um dich sorgen“, sagte das Mädchen. „Ich bin seit drei Wochen weg und wahrscheinlich ist es noch nicht mal jemandem aufgefallen.“
      „Du bist auch weggelaufen?“, fragte Maja. „Aber du bist 18, du kannst machen, was du willst.“
      „Ich bin 17“, sagte das Mädchen. „Und als ich weggelaufen bin war ich erst sechzehn, aber das scheint ja keinen zu stören, besonders nicht mein Dreckschwein von einem Vater. Ich hab mich die erste Zeit in meiner Heimatstadt herumgetrieben aber jetzt will ich nach Hamburg. Und wenn du dich eben nicht so blöd angestellt hättest, wäre ich noch in diesem Zug und du auch.“
      „Was soll das denn heißen“, rief Maja, “du hattest doch genau so wenig wie ich ein Ticket.“
      „Ja, aber ich hab im Gegensatz zu dir Verstand im Hirn. Die beiden gegenüber von uns hatten zu zweit ein Fünferticket und wenn du nicht so dämlich in deiner Plastiktüte da rumgewühlt hättest, hätten die wahrscheinlich selbst nicht gemerkt, dass wir bei ihnen mitfahren.“
      „Und was soll ich jetzt machen?“, fragte Maja.
      „Steig in den nächsten Zug ein und mach’s besser. Ich nehme nicht an, dass du es wahnsinnig eilig hast.“
      „Doch“, sagte Maja.
      Das Mädchen zuckte mit den Schultern und ging zur Tafel wo die Zugfahrzeiten angeschlagen waren. Maja stiefelte hinterher.
      „Wie heißt du überhaupt?“, fragte sie.
      „Jillian.“
      Die beiden erreichten den Fahrzeitenplan. Maja sagte er nicht viel, aber Jillian studierte ihn aufmerksam..
      „Oh nein, das gibt's doch nicht“, rief sie. „Das war der letzte Zug.“
      „Soll das heißen, ich sitze hier fest?“
      „Ach ja, ich vergaß, du hast es eilig.“ Jillian grinste schadenfreudig.
      „Nicht nur das, ich habe weder Geld noch Essen dabei.“
      „Ich hab beides“, sagte Jillian. „Du kannst was abhaben.“
      Maja stutzte. „Moment mal, warum fährst du schwarz, wenn du Geld hast?“
      „Weil ich mein Geld noch für andere Dinge brauche“, sagte Jillian. „Zum Beispiel für Essen. Und außerdem kommt es mir auf ein paar Tage nicht an, solange die Leute nicht rausfinden dass ich noch nicht volljährig bin, können sie mich rausschmeißen, so oft sie wollen.“
      Jillian verließ den Bahnsteig, setzte sich auf einem Rasenstück hin und zog eine Tüte Brötchen aus der Tasche. „Seit wann hast du denn nichts gegessen?“, fragte sie.
      „Seit letzte Nacht.“
      „Du meine Güte, du musst ja am verhungern sein“, sagte Jillian und legte Maja gleich drei von den knusprigen Brötchen in den Schoß.
      „Kann man wohl sagen. Danke“, sagte Maja und biss in eines davon.
      „Warum bist du überhaupt von zu Hause weggelaufen?“, fragte Jillian.
      „Ich bin nicht weggelaufen, ich wurde sozusagen vertrieben“, sagte Maja.
      „Ja ne, ist klar.“
      „Was?“, fragte Maja verständnislos.
      „Schätzchen, wenn man dich vertrieben hätte würde man jetzt sicher nicht nach dir suchen, oder?“
      „Ich bin doch nicht von meinen Eltern vertrieben worden. Und nenn mich nicht Schätzchen.“
      „Komm schon, erzähl mir deine Geschichte, dann erzähle ich dir meine.“
      „Später“, sagte Maja. „Ich bin hundemüde, ich habe seit Ewigkeiten nicht geschlafen. Wenn man den Ohnmachtsanfall nicht mitzählt.“ In Wahrheit wollte sie Jillian einfach nicht erzählen, was passiert war. Sie hatte Angst, dass diese lachte und ihr nicht glaubte. Sie streckte sich auf dem Gras aus.
      „Aber doch nicht hier“, sagte Jillian. „Was glaubst du, wie die Leute gucken, wenn sie dich hier schlafen sehen?“
      Jillian schleppte Maja aus der Stadt heraus auf ein großes Getreidefeld. Dort machten die Mädchen es sich gemütlich. Maja war so müde, dass sie sich keine großen Gedanken machen konnte und schlief sofort ein.

      Sie erwachte, weil sich neben ihr etwas bewegte und richtete sich auf. Jillian hatte Majas Einkaufstüte geleert und bereitete auf ihr und ihrem eigenen Koffer so etwas wie eine Frühstückstafel. Den Inhalt der Tüte: den Schlafanzug und die Unterwäsche zum Wechseln, hatte sie daneben gestapelt. Maja schaute Jillian eine Weile lang zu, wie sie Wasserflaschen, Obst und Kuchen verteilte, und zwar so, dass Maja immer mehr abbekam. Sie musste lächeln.
      „Komm frühstücken“, sagte Jillian.
      Maja setzte sich zu ihr. „Du hast was gut bei mir“, sagte sie.
      Nachdem sie gegessen hatten sammelte Jillian die Flaschen wieder ein und streckte sich im Gras aus. Maja packte ihre Kleidung wieder in die Tüte.
      „Wir sollten wieder zum Bahnhof gehen“, sagte sie.
      „Du kannst ja gehen“, sagte Jillian. „Vor dem Mittag kriegen mich keine zehn Pferde hier weg.“
      Maja zögerte. Sie wollte nicht allein gehen. Bei Jillian fühlte sie sich sicher. Außerdem hatte sie noch eine ganze Woche Zeit um nach Arnsberg zu gelangen. Da kam es auf ein paar Stunden auch nicht an. Also streckte sie sich neben Jillian aus.
      Maja genoss es, hier im Kornfeld ihre Ruhe zu haben. Sie döste lange herum und ruhte sich endlich wieder aus. Dann krabbelte sie an den Rand des Feldes. Sie durfte nicht laufen, weil die Leute zwei Jugendliche in einem Getreidefeld nicht besonders begrüßt hätten. Anderen konnte das vielleicht egal sein, aber nicht Maja, sie wollte möglichst unauffällig bleiben. Sie kroch also zum Rande des Kornfeldes; sie hatte keinen besonderen Grund dazu, sie wollte einfach wieder was anderes als Getreide sehen. Sie wollte gerade zwischen den Halmen hervor und in den Straßengraben krabbeln, als sie plötzlich stockte. Irgendetwas stimmte nicht. Sie blickte die Straße hinauf und hinunter. In der Ferne sah sie ein Auto in ihre Richtung fahren. Ein schwarzes Auto. Maja zog sich wieder ins Getreide zurück und lugte vorsichtig hervor. Das Auto kam näher. Und näher. Maja zuckte zurück und warf sich auf den Boden. Es war das Auto ihrer Verfolger; sie war sich sicher, die Frau auf dem Fahrersitz erkannt zu haben. Sie blieb einen Moment bewegungslos liegen. Woher wussten ihre Verfolger, die Schwarze Garde, wie Tabea sie nannte, dass sie hier war? Hatte man sie am Abend am Bahnhof gesehen? Und was sollte Maja jetzt tun? Das Auto war in die Stadt gefahren und Maja war bestimmt nicht so blöd, hinterher zu gehen. Sie ging zurück zu Jillian, die schon krebsrot im Gesicht war, und weckte sie.
      „Wir müssen los“, rief Maja und packte ihre Plastiktüte.
      „Spinnst du?“, fragte Jillian. „Ich hab dir doch gesagt, dass mich vor dem Mittag keine zehn Pferde hier wegkriegen.“
      „Zehn Pferde nicht, aber ich.“ Maja zerrte Jillian hoch und drückte ihr ihren Koffer in die Hand. „Ich hab meine Verfolger gesehen, sie sind in die Stadt gefahren. Es kann kein Zufall sein, vermutlich ahnen sie, dass ich hier in der Nähe bin, steh auf.“
      Jillian rappelte sich auf. „Ist ja gut, ich komme mit, aber nur wenn du mir sagst wer dich verfolgt.“
      „Später.“ Maja lief geduckt voran, durch das Feld auf das nächste Waldgebiet zu.
      „Wohin gehst du?“, fragte Jillian verwirrt.
      „Ich kann nicht zurück in die Stadt gehen“, eklärte Maja. „Was, wenn sie mir am Bahnhof auflauern? Ich muss zu Fuß weiter gehen. Du weißt nicht zufällig, in welcher Richtung Arnsberg liegt?“
      „Nordwesten, glaube ich. Aber deine Verfolger können doch unmöglich wissen, dass du gestern aus dem Zug geworfen wurdest. Warum also sollten sie dich hier suchen?“
      „Ich weiß es nicht. Aber sie sind gerade an mir vorbei gefahren. Und irgendwie traue ich ihnen alles zu. Verstehst du?“
      „Nein, tue ich nicht. Du erklärst mir ja nichts.“
      „Ich weiß es doch selbst nicht.“
      „Aber wenigstens weißt du, was bisher geschehen ist. Warum erzählst du mir nicht einfach, was dir zugestoßen ist?“
      Sie kamen am Waldrand an, ziemlich zerkratzt, weil Maja darauf bestanden hatte, ständig im Unterholz in Deckung zu bleiben. Jetzt richtete sie sich auf und ging etwas langsamer weiter. Jillian ging neben ihr.
      „OK, ich erzähle es dir“, sagte Maja und begann.
      Maja erzählte Jillian die Geschichte nur grob, das mit der Welt ohne Namen und den Kamiraen ließ sie weg. Es klang einfach zu verrückt. Sie tat so, als habe sie keine Ahnung, warum die Leute sie verfolgten, sei sich aber sicher, dass diese ihr Schreckliches antun würden, sollte sie zurückkehren. Das veranlasste Jillian natürlich dazu, zu rätseln, warum Maja verfolgt wurde.
      „Hast du reiche Eltern?“, fragte sie. „Oder gibt es etwas, das du weißt, aber nicht wissen darfst? Warst du vielleicht Zeuge eines Mordes.“
      „Nichts von alledem“, sagte Maja. „Ich weiß es nicht, aber vielleicht weiß es Tabea. Deshalb ist es ganz wichtig, dass ich nach Arnsberg komme, um mich mit ihr zu treffen. Und die Typen dürfen mich nicht vorher erwischen.“
      „Und die Polizei auch nicht“, fügte Jillian hinzu. „Weil die dich nämlich niemals zu dieser Tabea gehen lassen werden. Und dann kannst du nicht herausfinden, was hier vor sich geht.“
      „Genau.“
      „Ich helfe dir“, sagte Jillian.
      „Ich dachte, du wolltest nach Hamburg.“
      „Stimmt, aber wie ich dir schon gesagt habe: ich hab's nicht eilig. Was schadet es, wenn ich dich vorher bei dieser Frau absetze. Vorausgesetzt du vertraust ihr, immerhin hat sie dich beinahe in den Tod springen lassen. Ein bisschen verdächtig ist sie schon. Du weißt, dass du diese Tabea auch einfach vergessen und zur Polizei gehen könntest? Dann bekommst du vielleicht keine Erklärung, aber wenigstens wärst du in Sicherheit.“
      Maja schüttelte den Kopf. In Sicherheit war sie erst, wenn sie dieses Missverständnis mit den Torwächtern, den Kamiraen, wie Tabea sie genannt hatte, aufgeklärt hatte. „Ich muss zu Tabea“, sagte sie. „Und ich glaube nicht, dass sie mir etwas tun will. Es ist schon irgendwie verdächtig, dass sie genau dann aufgetaucht ist, als ich Hilfe brauchte, aber trotzdem ... vielleicht ist sie so was wie ein Schutzengel.“
      „Falls ich sie treffe, kann ich sie ja mal unter die Lupe nehmen. Aber du solltest nicht jedem vertrauen, der dir zufällig mal hilft. Das kann bitter enden, vielleicht verfolgt er oder sie nur eigene Zwecke und verrät dich bei der erstbesten Gelegenheit.“
      „Du hast mir noch gar nicht erzählt, warum du abgehauen bist“, sagte Maja.
      „Ach, ja. Na gut, ich erzähle es dir. Aber vermutlich wirst du es nicht verstehen. Weißt du, meine Mutter ist einfach weggegangen, als ich vier war und mein Vater ist nie richtig darüber hinweggekommen, dass sie ihn verlassen hat. Seitdem sucht er sich immer neue Freundinnen und da bin ich halt einfach zu kurz gekommen. Eines Nachts war er mit einer von ihnen weg und ist nicht mehr wieder gekommen. Erst zwei Wochen später stand er vor der Haustür und heulte sich bei mir aus, weil sie ihn sitzen gelassen hat. Stell dir vor, ich war damals zwölf und er lässt mich zwei Wochen lang mutterseelenallein in diesem Haus. Das ist seitdem noch zwei Mal passiert, beim letzten Mal war er sogar noch länger weg. Da hab ich mir gedacht, was er kann, kann ich schon lange und bin einfach weggegangen. Ich hab vorher sein Konto geplündert, er wusste eh nie, wie viel er drauf hatte und ich hab das Gefühl, er hat gar nicht gemerkt, dass ich nicht mehr da war. Mir soll’s gleich sein, ich brauche ihn nicht. Die erste Zeit hab ich bei meiner Fechtlehrerin gewohnt, sie hat mich nicht verraten, weil sie wusste wie mein Vater war. Ich bin auch schon früher oft bei ihr gewesen. Aber irgendwann konnte ich ihre Gastfreundschaft nicht länger in Anspruch nehmen und bin gegangen. Jetzt will ich nach Hamburg und dort auf einem Schiff anheuern. Als kleines Mädchen wollte ich immer Piratin werden, deshalb hab ich auch Fechten gelernt. So eine Piratin, wie in Büchern und Filmen. Ich weiß, dass es das nicht gibt, aber ich will nur einmal mit einem Schiff übers Meer fliegen.“
      Maja betrachtete Jillian nachdenklich. Sie schien sehr selbstbewusst, aber auch ein wenig verrückt zu sein. Auf einem Schiff anheuern. Eine merkwürdige Idee für diese Zeit. Aber wenigstens hatte sie noch Träume. Maja schwieg lange. Jillians Geschichte hatte sie irgendwie beeindruckt. Aber sie war froh, dass ihre Eltern nicht so waren, wie Jillians Vater. Sie waren unglaublich nett, hatten sie immer beschützt und Maja wollte so schnell wie möglich zu ihnen zurück. Sobald sie diesen Kamiraen die Meinung gegeigt hatte.

      Sie wanderten eine Weile durch den Wald, auf der Suche nach einem Parkplatz und einer Wanderkarte. Daran mussten sie sich doch orientieren können. Jillian war Feuer und Flamme von diesem Abenteuer. Sie erzählte die ganze Zeit, wie spannend sie es fand, den ganzen Tag zu wandern und nachts unter Bäumen oder in Feldern zu schlafen. Aber das war gar nicht mehr nötig. Sie trafen bald auf die Eisenbahnschienen und folgten ihnen einfach. Am späten Nachmittag erreichten sie Arnsberg. Dann fragten sie sich zur Alten Straße durch. Und als sie ankamen stand Tabea schon am Fenster und winkte Maja lächelnd zu. Maja lächelte. Sie war sich jetzt ein wenig sicherer, Tabea trauen zu können.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Dinteyra ()

    • Ein guter Teil das Kopfkino lief mühelos mit. :thumbsup: Schön, dass Maja eine Freundin gefunden hat - auch wenn ich der iwie noch nicht so ganz traue. Was, wenn Jillian die schwarze Garde informiert hat? :hmm: Ich hoffe, das erfahre ich im nächsten Teil.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Dinteyra schrieb:


      „Was sollte das gerade?“, fauchte Maja das Mädchen an.
      Das Mädchen starrte sie verständnislos an.

      Wiederholung

      Dinteyra schrieb:

      „Du meine Güte, du musst ja am verhungern sein“, sagte Jillian und legte Maja gleich drei von den knusprigen Brötchen in den Schoß.“

      Hier müssen die Anführungsstriche am Ende des Satzes weg

      Dinteyra schrieb:

      Sie hatte das Kennzeichen des Wagens erkannt, es war das Auto ihrer Verfolger, ob sie darin saßen hatte Maja nicht sehen können, aber es war anzunehmen.

      Das kaufe ich dir nicht ab. Maja wurde mitten in der Nacht verfplgt. Das Einzige, was sie durch das hintere Fenster von Tabeas Wagen gesehen haben kann, sind die zwei blendenden Lichter der Scheinwerfer.

      Sonst hab ich nichts zu meckern. Ein guter Part, auch wenn ich den Weg nach Arnsberg und zur alten Straße etwas zu kurz finde. Da hast du meiner Meinung nach etwas zu sehr gerafft.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Sieh mal einer an, hier gehts ja fröhlich weiter. Hab mich wieder auf den Stand gebracht, und bin noch immer zufrieden :thumbup:

      Meiner Meinung nach sind die Maya-Abschnitte ein bisschen besser als die mit den Geschwistern. Allerdings nimmt die Story da auch langsam Fahrt auf, ich bleibe gespannt :) immer weiter so!

      :crazypilot:

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Sonja


      Auf einer Lichtung standen ein junger Mann, ein Junge und ein Mädchen und eine Eselin vor der Tür eines kleinen Häuschens. Der junge Mann hatte soeben geklopft und nun öffnete sich mit einem knarzenden Geräusch die Pforte und offenbarte was dahinter lag.
      Karim riss den Mund auf. Vor ihnen stand ein Mädchen mit großen Kulleraugen, einer kleinen Knubbelnase und feuerroten, langen Haaren. Es trug ein leichtes, grünes Kleid und seine Glieder waren so dünn wie Zweige. Außerdem war es alles in allem halb so groß wie Karim.
      Jinna stieß Karim den Ellenbogen in die Seite und dieser machte schnell den Mund wieder zu.
      „Sei mir gegrüßt, Sonja, Herrin des Waldes“, begrüßte Niorim das Mädchen mit einer Verbeugung und stellte ihr Karim und Jinna vor.
      „Seid mir gegrüßt, Karim und Jinna“, sagte Sonja. „Und sei auch du mir gegrüßt, Niorim, Herr des Mondes.“
      Karim starrte das Wesen vor ihm noch immer ungläubig an.
      „Sonja ist ein halber Waldgeist“, erklärte Niorim deren wundersames Aussehen. „Sonja, wir bitten dich, deinen Zauber einmal für uns zu wirken.“
      Sonja zog die Augenbrauen hoch. „Du weißt, dass ich alles für dich tun würde“, sagte sie zu Niorim. „Aber erkläre mir, was hast du vor?“
      „Ich möchte nicht hier draußen darüber sprechen“, sagte Niorim. „Der Wald wimmelt nur so von Spionen.“
      Karim fand nicht gerade, dass der Wald von irgendetwas wimmelte, außer vielleicht von Dornenbüschen. Und von Wölfen natürlich. Aber er sagte nichts – konnte nichts sagen. Er hätte nicht mehr als ein würgendes Geräusch hervor gebracht.
      Sonja nickte Niorim zu. „Du kannst reinkommen. Aber für euch alle ist in meinem Haus kein Platz.“
      „Wartet hier auf mich“, sagte Niorim und duckte sich durch den Eingang.
      Karim setzte sich vor dem Haus ins hohe Gras. Jinna blieb vor der Tür stehen und legte ein Ohr daran um zu lauschen, aber sie verstand kein Wort von dem, was gesprochen wurde.
      „Was die da drinnen wohl reden?“
      Karim antwortete nicht, sondern starrte stumm auf die dunklen Bäume vor ihm.
      „Was ist los mit dir?“, fragte Jinna. Es war, als würde sie vor eine Wand reden. „Also irgendwie verhältst du dich komisch.“
      Sehr langsam drangen die Worte zu Karim durch. Er drehte den Kopf und sah Jinna an.
      „Sie ist wunderschön“, hauchte er verträumt.
      Jinna schnaubte. „Sonja? Quatsch. Sie ist hässlich. Klein und hässlich.“
      „Sag das nicht“, zischte Karim, plötzlich aufgebracht, und sprang auf.
      „Warum nicht?“, fragte Jinna gereizt. Sie machte unwillkürlich einen Schritt zurück. „Ich darf ja wohl sagen, was ich will.“
      „Nicht wenn du Lügen über Sonja erzählst!“
      „Ich erzähle keine Lügen, ich sage nur meine Meinung“, erklärte sie mit einem Schulterzucken. Sie tat gelassen, hatte jedoch Mühe, ruhig zu bleiben.
      „Halt den Mund“, schrie Karim sie an. Seine heftige Reaktion überraschte beide.
      Jinna starrte ihn ungläubig an. Das seltsame Verhalten ihres Bruders brachte sie langsam aber sicher auf die Palme. „Was ist denn mit dir los?“, fragte sie, immer noch bemüht, die Situation im Griff zu behalten. Warum verhielt ihr Bruder sich so merkwürdig? Hatte es etwas mit diesem Wald zu tun? Mit dieser Lichtung, diesem Mädchen? Pauline scharrte nervös mit dem Huf. „Ich hab doch nicht gesagt, dass sie ein schlechter Mensch ist, oder so. Ich finde sie halt nur nicht besonders hübsch. Aber ich verstehe nicht, was dein Problem ist. Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt?“
      „Du bist eine gemeine, lügende Hexe!“, brüllte Karim.
      Damit überschritt er eine Linie und Jinna platzte endgültig der Kragen. „Hast du mich gerade Hexe genannt?“, schrie sie ebenso aufgebracht zurück. „Nur weil ich rote Haare habe, ja? Das hat diese Sonja auch und so wie du dich jetzt aufführst ist ja wohl eher sie die Hexe!“
      Karim griff nach dem Stock, mit dem er die Dornen beiseite geschlagen hatte, holte aus und ließ ihn auf Jinna zu sausen. Er hätte auch getroffen, wenn ihn nicht im letzten Moment jemand von hinten gepackt und auf die Wiese geworfen hätte. Es war Niorim. Er und Sonja starrten Karim wütend an, sie waren gerade noch rechtzeitig aus der Hütte gekommen. Jinna ließ sich entsetzt schluchzend auf den Boden fallen und Pauline iahte empört.
      Als er seine Schwester so verängstigt auf der Erde sitzen sah wurde Karim klar, was er getan hatte. So heftig hatten sie sich noch nie gestritten, dabei war alles so plötzlich gekommen. Vor wenigen Sekunden hatten sie sich noch gut vertragen und dann war er plötzlich so wütend geworden. Und jetzt war alles wieder vorbei. Er konnte sich einfach nicht erklären, warum er das getan hatte, es hatte ihn einfach überkommen. Nun tat es ihm fürchterlich leid. Er stand auf und ging auf sie zu, er wollte sie in den Arm nehmen, trösten, aber sie sprang auf und wich vor ihm zurück.
      „Lass mich in Ruhe“, flüsterte sie.
      Niorim ließ ihnen beiden keine weitere Zeit, er packte Karim am Arm und stieß ihn nach vorne. „Wir müssen weiter, komm!“

      Sonja hatte sich überreden lassen, mit ihnen zu kommen und so wanderten sie jetzt zu viert plus Pauline durch den Wald. Sonja schien im Gegensatz zu den anderen überhaupt kein Problem mit dem Vorwärtskommen zu haben. Sie hüpfte zwischen den Dornen hindurch, als wären sie Luft für sie, und holte sich nicht einen Kratzer.
      Karim ging zehn Meter hinter der Gruppe, er fühlte sich so ausgeschlossen und er war verwirrt. Er wusste einfach nicht, warum er so ausgerastet war, als Jinna Sonja beschimpft hatte. Gerade jetzt, wo sie zusammenhalten mussten. Sie hatten doch nur noch sich. Missmutig stapfte er durch den Wald. Am liebsten hätte er laut geschrien, alles lief so falsch. Und er hatte solche Angst um seine Mutter.
      Am Abend rasteten sie zwischen toten Brombeersträuchern. Karim schlief schlecht. Irgendwann wachte er schweißgebadet aus einem Alptraum auf, in dem Sonja in Gestalt eines Wolfes Jinna bedrohte und er dazwischen stand. Er wollte Jinna beschützen, doch diese sagte, sie brauche seinen Schutz nicht, er habe sie geschlagen. Dann zog Sonja, die jetzt wieder ihre eigene Gestalt hatte, aber viel größer war, einen Stock hervor und schlug Karim. Und dann verwandelte sich Jinna plötzlich in seine Mutter, die ihn vorwurfsvoll ansah. Du hast versprochen, auf sie aufzupassen, sagte sie. Und du hast versprochen, mir nicht zu folgen.
      Als Karim wild um sich schlagend erwachte, erblickte er Jinnas Kopf über sich.
      „Alles in Ordnung?“, fragte sie.
      Karim nickte.
      Also legte sich Jinna wieder hin. Karim sah sie lange an.
      „Jinna?“, fragte er schließlich.
      „Hmm?“
      „Tut mir leid, dass ich dich eine Hexe genannt habe. Und das andere auch.“
      Jinna schwieg.
      „Du hast Recht“, sagte Karim. „Sie ist klein … – und hässlich … Weißt du, ich hab mich echt blöd verhalten. Wir sollten zusammenhalten und uns nicht streiten, immerhin wollen wir Mama befreien.“
      Jinna schwieg weiter, aber irgendetwas sagte Karim, dass sie ihm verziehen hatte.

      Am nächsten Tag fiel ihm die Wanderung um einiges leichter. Jinna redete auch wieder mit ihm, auch wenn die Spannung zwischen ihnen beiden noch nicht ganz überwunden war. Aber Niorim hatte Karim nicht verziehen. Er sprach nicht mit ihm und schaute ihn oft finster an. Karim fühlte sich deshalb sehr unwohl.
      Gegen Abend hob Niorim plötzlich die Hand. Sie blieben stehen.
      „Ich werde mich in der Umgebung ein wenig umschauen“, erklärte er. „Ihr könnt schon mal das Lager aufschlagen, wir bleiben heute Nacht hier.“
      Er verschwand zwischen den Bäumen.
      Die drei Zurückgebliebenen banden Pauline an und Sonja kochte eine Suppe aus irgendwelchen Pflanzen, die sie dabei hatte.
      Nach einer Stunde kam Niorim zurück.
      „Die Grünen sind hier“, sagte er. „Sie haben ihr Lager am Fluss aufgeschlagen. Außerdem ist die Schwarze Garde nicht mehr bei ihnen und sie haben in Putto Wei eine gute Anzahl an Männern verloren. Alles läuft bestens. Heute Nacht schlagen wir zu.“
      Karims Gesicht erhellte sich. „Haben wir schon einen Plan, wie wir das anstellen werden?“
      „Ja, das haben wir“, sagte Niorim. „Und der lautet vor allem: Ihr haltet euch da raus.“
      „Was?“, rief Jinna. „Ihr wollt uns nicht dabei haben?“
      Niorim nickte. „Genau. Die Sache ist sehr gefährlich und vor allem Karim will ich nicht dabei haben. Ihr beiden bleibt hier.“
      Karim sprang entrüstet auf. „Es ist unsere Mutter“, rief er aufgebracht. „Ich bleibe doch nicht hier sitzen während sie in Lebensgefahr ist.“
      „Dann hättest du dich gestern nicht wie ein Trottel benehmen sollen. Du hast gezeigt, dass du sehr anfällig für Sonjas Magie bist, also bleibst du hier. Ich kann kein Risiko eingehen.“
      „Magie?“, fragte Jinna nervös und rückte ein gutes Stück von Sonja weg.
      Niorim reagierte darauf mit einem Blick der gleichzeitig verwirrt und genervt war. „Sonja und ich sind ein gutes Team und wir arbeiten am Besten, wenn wir niemanden sonst schützen müssen.“
      „Aber es ist unsere Mutter. Wir wollen helfen.“
      Niorim sah Sonja an. Diese nickte.
      „Ihr könnt helfen“, sagte er.
      „Wie?“
      „Die Aufgabe wird nicht einfach“, sagte Sonja. „Aber sie würde uns die Arbeit sehr erleichtern. Wir erklären euch später genau, was ihr zu tun habt. Jetzt setzt euch hin und esst.“ Sie hielt ihnen hölzerne Schalen mit Suppe entgegen.
      Karim wollte etwas erwidern, aber ein Blick in Sonjas Augen und er brachte kein vernünftiges Wort mehr heraus. Also ließ er sich auf den Boden fallen und nahm die Suppe entgegen. Sie schmeckte gut, verdammt gut sogar. Während er genüsslich löffelte vergaß er seinen Zorn. Er aß und aß und fühlte sich pudelwohl. So wohl, dass er sich auf der Stelle hinlegen und schlafen wollte …
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.
    • Auf nach Norwegen


      Maja sollte eine Nacht in Vladimir Theobalds Haus übernachten, dann würden sie und Tabea Richtung Norwegen fahren. Als Maja Tabea erzählte, wie Jillian ihr geholfen hatte, bot sie auch dieser an, eine Nacht zu bleiben. Jillian nahm dankend an und flüsterte Maja ins Ohr, dass es die Gelegenheit war, Tabea unter die Lupe zu nehmen. Nach dem Abendessen, bei dem Maja richtig zuschlug und Jillian wieder und wieder verstohlene Blicke in Tabeas Richtung warf, führten Vladimir Theobald und Tabea Maja zu einer Lagebesprechung in ein kleines Zimmer. Jillian war nicht eingeladen.
      Tabea machte die Tür zu und schloss sorgfältig ab, dann zog sie die Vorhänge zu.
      „Wir fahren morgen in aller Frühe los“, sagte sie mit gewichtiger Miene. „In Norwegen wirst du dann das Tor zur Welt ohne Namen durchschreiten. Ich werde dich begleiten und zu den Kamiraen bringen.“
      „Gut“, sagte Maja. „Wie lange brauchen wir nach Norwegen?“
      „Lange“, sagte Tabea. „Ich schätze, mehr als einen Tag wird es wohl dauern, denn ich muss zwischendurch auch mal schlafen.“
      „Ihr solltet nicht zu lange herumtrödeln“, sagte Vladimir Theobald. „Ich habe heute einen Anruf bekommen, dass in der Welt ohne Namen merkwürdige Dinge vor sich gehen. Anscheinend hat Fürst Dreizehn Leute ausgesandt um das Hjemas-Tor zu schließen. Noch haben sie es nicht gefunden, aber wollen wir mal ehrlich sein, es ist nur noch eine Frage der Zeit.“
      Tabea schüttelte nachdenklich den Kopf.
      „Das Tor wird geschlossen?“, rief Maja. „Aber wie soll ich dann wieder zurück kommen?“
      „Wieso willst du zurück?“, fragte Herr Theobald.
      „Das ist eine lange Geschichte“, sagte Tabea. „Hör zu, Maja, es besteht keine große Gefahr, dass das Tor bald gefunden wird. Es ist sehr gut versteckt. Sie werden vergeblich suchen. Und selbst wenn sie es finden, man macht so ein Tor nicht einfach zu oder auf. Die Tore sind uralt, man kann sie nicht so leicht verschließen.“ Sie wechselte einen Blick mit Herrn Theobald und Maja bekam den Verdacht, dass sie ihr etwas verheimlichte.
      „Und wenn ich in der Welt ohne Namen bin, was dann?“
      „Dann suchst du die Kamiraen auf“, erklärte Tabea. „Und trägst ihnen deine Bitte vor. In Norwegen bekommst du die nötige Ausrüstung um es bis zu den Kamiraen zu schaffen und ich werde auch noch da sein. Es kann so gut wie nichts schief gehen.“ Sie schaute auf die Uhr. „Am besten gehst du jetzt auch schon ins Bett, wir müssen morgen früh los.“
      Maja schluckte, wandte sich zur Tür und verließ den Raum. Vorhin hatte sie noch ein gutes Gefühl gehabt, jetzt war es verschwunden. Stattdessen bekam sie Bauchschmerzen.
      „Dritte Tür links“, rief Theobald ihr hinterher.
      Als sie besagte Tür öffnete fand sie zwei Matratzen mit Schlafsäcken und Jillian auf einer davon liegen. Der Anblick schaffte es, sie wieder ein bisschen aufzumuntern.
      „Hi“, sagte diese.
      „Hi.“ Maja kroch in ihren Schlafsack.
      Jillian sah sie lange an. „Pass auf dich auf“, sagte sie schließlich bevor sie sich zur anderen Seite umdrehte. Kurze Zeit später konnte man nur noch ihr regelmäßiges Atmen hören.

      Am nächsten Morgen wurde Maja früh von einem Klopfen an der Tür geweckt.
      „Aufstehen!“, rief Tabea von draußen.
      „Nur noch’n bisschen“, murmelte Maja und drehte sich um. Zufällig fiel ihr Blick auf Jillians Matratze und ihren Schlafsack. Er war leer. Sie stand auf und nahm das Ganze näher in Augenschein. Anstelle von Jillians Kopf lag ein kleiner, weißer Zettel auf dem Kissen. Sie nahm ihn und las die Worte, die darauf standen:

      Hi Maja,
      Es ist nichts, worauf ich stolz bin, aber ich habe gestern an der Tür gelauscht und alles gehört. Erzähl den anderen besser nicht, dass ich von ihrer geheimen Welt weiß, ich weiß eh nicht, ob ich ihnen glauben soll. Ich hoffe nur, du weißt, was du tust. Ich bin auf dem Weg nach Hamburg, auf der Suche nach Abenteuern. Aber anscheinend hast du, was Abenteuer betrifft, das größere Los gezogen. Sei vorsichtig, vielleicht sehen wir uns dann irgendwann wieder. Und lass dir von niemandem sagen, was du zu tun hast, sie haben keine Ahnung.
      Liebste Grüße,
      Jillian


      Maja seufzte und steckte den Brief in die Tasche. Dann ging sie zum Frühstück. Die Brötchen schmeckten fad.
      Eine halbe Stunde später saß sie wieder in Tabeas kleinem roten Auto, auf der Fahrt nach Norwegen. Die Landschaft wurde flacher und über den Feldern hing der Morgennebel. Am Horizont erschien ein rotes Band, das den Sonnenaufgang ankündigte. Maja saß schweigend auf dem Beifahrersitz und dachte an ihre Familie. Irgendwann kamen ihr wieder die Tränen und Tabea reichte ihr ein sauberes Stofftaschentuch. Maja wischte sich das Gesicht ab. Dann malte sie mit einem wasserfesten Schreiber, den sie im im Seitenfach des Wagens gefunden hatte, ihre Eltern und ihren kleinen Bruder auf das Taschentuch und steckte es tief in die Hosentasche. Es war eine grauenhafte Zeichnung, nicht mehr als Strichmännchen, aber sie wollte es niemals verlieren.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.
    • Das Lager am Fluss


      Jinna schlug die Augen auf. Sie fühlte sich irgendwie benommen und müde, aber zugleich wusste sie, dass etwas schief gelaufen war. Sie sah sich um, Karim lag neben ihr, die Suppenschale noch in der Hand, selig am schlafen. Ihre eigene Suppenschale stand halbleer zwischen ihnen. Niorim und Sonja waren verschwunden.
      Verschwunden?
      Jinna blickte auf die Suppenschalen und dachte an ihr letztes Gespräch mit den beiden. Jetzt wurde ihr einiges klar. Sonja hatte ihr und Karim irgendetwas in die Suppe getan, damit sie einschliefen und sie nicht störten. Aber was hatten sie vor?
      Sie stand auf und blickte sich um. Wohin waren die beiden verschwunden? Vermutlich in die Richtung, aus der Niorim am Abend von seinem Kundschaftsgang zurückgekehrt war. Jinna konnte also in diese Richtung gehen und riskieren, sich zu verlaufen, oder bei Karim bleiben und warten.
      Pauline schnaubte leise und schaute Jinna aus klugen, braunen Augen an. Jinna strich ihr sanft über die Ohren.
      „Ich bin gleich wieder da“, flüsterte sie und huschte zwischen die Dornen, die das Lager umgaben.
      Sie lief eine Weile durch den Wald, dann blieb sie stehen und sah sich um. Ihr Lager war bereits hinter den Bäumen verschwunden und noch immer ließ sich keine Spur von Sonja und Niorim finden. Jinna überlegte, ob sie zurückgehen sollte, die Gefahr sich zu verlaufen wurde mit jedem Schritt, den sie tat, größer. Aber die Sache war zu wichtig, als dass sie einfach umkehren durfte. Dieser Wald war gefährlich und eventuell ging es um ihr und Karims Überleben.
      Sie ging weiter, kämpfte sich durch Disteln und wilde Holundersträucher. Dann wurde der Wald plötzlich lichter, und schließlich stand sie am Rande eines riesigen, grasbewachsenen Tals, durch das sich ein breiter Fluss schlängelte. Jinna riss die Augen auf und trat rasch einen Schritt zurück, zwischen die schützenden Bäume. In der Mitte des Tals hatte sich das Gras am Flussufer zurückgezogen und einem großen Sandstrand Platz gemacht. Und auf dieser Fläche war eine Gruppe Zelte aufgebaut. Zwischen den Zelten huschten, wie kleine, grüne Käfer, um die dreißig Personen herum. Manche trugen Rüstungen, manche nur Kettenhemden, aber alle kleideten sich in Grün – der Farbe des dreizehnten Königreiches. Am Rande dieses Lagers saßen, inmitten von zu einem Zaun aufgestellten Pfählen, etwa vierzig Gefangene.
      Jinna keuchte auf, als sie ihre eigene Mutter zwischen den Gefangenen sah, dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht – die Mutter lebte noch – gefolgt von einer zornigen Grimasse ob dieser Menschenfeindlichkeit von Dreizehns Schergen.
      Sie musste sich zusammenreißen, um nicht sofort zu ihr zu rennen und kniete neben einem Baum nieder. Sie wusste, dass sie keine Chance gegen eine solche Übermacht an wachsamen Kämpfern hatte.
      Moment mal. Jinna kniff die Augen zusammen. Die Ritter und Soldaten waren gar nicht wachsam.
      Sie achteten mit keinem Blick auf die Gefangenen sondern glotzten alle auf ein und dieselbe Stelle, auf einen sich bewegenden Punkt. Einen roten Punkt.
      Jinna sprang zwischen den Bäumen hervor und rannte in geduckter Haltung durch das Gras auf das Lager zu. Dann warf sie sich hinter einen Busch und schob ihren Kopf durch die Zweige, um etwas zu sehen.
      Dieser rote Punkt – das war Sonja.
      Was hatte das zu bedeuten? Sonja tanzte dort unten zwischen den grünen Rittern und diese hatten nur noch Augen für sie. Sie tanzte so anmutig wie – es gab keinen Vergleich. Dieses tanzende Waldgeistmädchen war das schönste, was Jinna jemals gesehen hatte. Sie musste sich arg zusammenreißen um sich nicht genauso in ihrem Zauber zu verlieren, wie die Ritter. Wahrscheinlich war es nur die große Entfernung, die Jinna vor dieser Magie schützte. Sonja schwebte wie ein grünes Blatt über den Boden, ihre Haare loderten wild, wie rotes, unbändiges Feuer.
      Jinna schüttelte den Kopf um das Bild daraus zu verdrängen und wandte sich wieder den Gefangenen zu. Sie hatte etwas entdeckt: Ein paar Wachen hatten zuvor zwischen den Gefangenen gestanden, den Ort, an dem die bedauernswerten Menschen gefesselt am Boden saßen, aber längst verlassen und sich den Bewunderern Sonjas angeschlossen. Außer den Gefesselten befand sich dort nur noch eine einzige Person: Niorim.
      Er ging durch die Reihen der Gefangenen und löste deren Fesseln, dann gab er ihnen etwas in die Hand und sie verließen den Schauplatz in Richtung der Wälder. Einige von ihnen rannten schnell, einige humpelten und kamen deshalb langsamer voran und einige befreiten noch Kinder, Familienmitglieder und Freunde und halfen sich gegenseitig. Die Großen trugen die Kleinen und die Verletzten und Schwachen wurden von den Gesunden und Starken getragen und geschoben.
      „Mach schon“, flüsterte Jinna. Niorim war immer noch zehn Personen von ihrer Mutter entfernt.
      Da stolperte Sonja plötzlich und der Zauber verflog. Sie sprang noch auf und wollte weiter tanzen, aber einige geistesgegenwärtige Männer stürmten schon auf sie los.
      „Die Gefangenen!“, brüllte einer von ihnen und sofort raste ein ganzer Trupp von Soldaten den Flüchtenden, die panisch auseinander stoben, hinterher. Eine andere Gruppe sprang auf die Pferde um die Menschen, die schon weiter weg waren, zurückzubringen. Drei Grüne Rittern umringten Niorim, Sonja war spurlos verschwunden.
      „Fangt sie alle ein, fangt alle Flüchtenden ein, keiner darf entkommen“, schrie einer der Ritter.
      Jinna sprang auf, plötzlich war sie sich der Gefahr der Lage bewusst geworden. Einige der Fliehenden hatten es bereits geschafft die ersten Bäume zu erreichen, wenn man diese wieder einfangen wollte mussten die Ritter den Wald durchkämmen und dann würden sie unweigerlich auf ihr Lager und auf Karim stoßen. Außerdem stand Jinna mitten im Tal: in unmittelbarer Gefahrenzone.
      Sie drehte sich um und rannte los, die Schreie der Wiedereingefangenen klangen ihr in den Ohren und sie beschleunigte ihre Schritte noch. Jinna lief so schnell sie konnte und hoffte nur, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Keuchend sprang sie durch die Dornen, zerkratzte sich Arme und Beine, ihr Fuß verfing sich in einer Ranke und sie stürzte, aber sofort rappelte sie sich wieder auf und rannte weiter.
      Schwitzend kam sie schließlich bei Karim an und warf sich neben ihm auf die Erde.
      „Wach auf, wach auf.“ Sie rüttelte ihn und bekam einen plötzlichen Hustenanfall.
      „Was ist?“, fragte Karim verschlafen.
      Jinna erklärte ihm die Lage und er sprang sofort auf.
      „Was ist mit Sonja und Niorim?“
      „Ich hab keine Ahnung, aber wir haben keine Zeit mehr.“ Sie begann hektisch einige Sachen einzusammeln. Karim band Pauline los und gemeinsam rannten sie weiter und weiter durch den Wald, nur weg von dem Lager am Fluss. Sie hatten keine Ahnung ob sie verfolgt wurden oder wie weit sie laufen mussten um in Sicherheit zu gelangen, deshalb gönnten sie sich keine Pause. Karim schnaufte ganz schön, während Jinnna sich langsam wieder besser fühlte, sie konnte gut lange laufen. Immer weiter liefen sie, durch dornige Büsche kämpften sie sich und wichen Bäumen aus. Plötzlich brach Karim zusammen. Jinna blieb stehen und half ihm hoch.
      „Ich … kann … nicht mehr“, keuchte Karim und klammerte sich an ihr fest. „Lass uns …Versteck …“ Er schnappte nach Luft.
      Jinna zog ihn weiter und blieb überrascht stehen.
      Der Wald hatte sich zu einem Tal gelichtet, ähnlich dem am Fluss. Die grasbewachsenen Talwände waren aber um einiges steiler als im Flusstal und in ihrer Mitte befand sich anstelle eines Flusses ein …
      „Wow!“ Karim hatte endlich wieder zu Atem gefunden, doch jetzt schnappte er erneut nach Luft, dieses Mal vor Überraschung.
      In der Mitte des Tals stand ein riesiges Tor.
      Es war bestimmt sieben Meter breit und über zehn Meter hoch und bestand aus grob gehauenen Granitblöcken. Aber das eigentlich Erstaunliche war im Inneren des gewaltigen Torbogens: In den Bogen war eine schimmernde Membran eingespannt, wie ein Stück Stoff in einen Webrahmen. Sie strahlte ein bläuliches Licht aus und kräuselte sich im Wind wie Wasser. Man konnte durch diesen blau strahlenden Vorhang nicht hindurch sehen aber Karim und Jinna wussten auch so, was dahinter war: Die andere Welt.
      Sie standen vor dem Weltentor.
      Plötzlich hörten sie hinter sich ein Knacken.
      „Runter!“, flüsterte Karim und die beiden duckten sich. Pauline konnten sie dummerweise nicht verstecken, aber die war glücklicherweise still. Es knackte ein zweites Mal. Die Geschwister lauschten angestrengt, etwas kam durch den Wald auf sie zu. Waren es Grüne Ritter?
      Plötzlich tönte eine Stimme zu ihnen durch: „Glaubst du wirklich, dass es jemand bis hierher geschafft hat?“
      Jinna zuckte zusammen. Die Stimme war viel näher als sie erwartet hatte.
      Eine andere Stimme antwortete der ersten: „Such weiter. Wenn wir nicht alle finden, haben wir ein Problem. Algarek wäre gar nicht begeistert, wenn wir Gefangene verlieren.“
      „Aber es kann unmöglich jemand so schnell hier gewesen sein“, sagte die erste Stimme.
      „Wenn sie die ganze Zeit gerannt sind, schon. Lass uns nur noch ein wenig weiter suchen.“
      „Wir sollten leiser sprechen“, mahnte die erste Stimme und von da an verstanden die Geschwister kein Wort mehr.
      Plötzlich begann Pauline mit den Hufen zu scharren.
      „Pauline, still“, flüsterte Jinna.
      „Iiii-aaah.“ Laut und schrill klang der Schrei der Eselin durch den Wald.
      „Was war das?“, riefen die Grünen Ritter.
      Unten am Weltentor bewegte sich etwas. Erst jetzt erkannte Karim, dass vor dem Tor zwei Wachen postiert waren. Sie trugen nicht das Grün des dreizehnten Königreichs, sondern schneeweiße Kleidung. Karim wusste, dass das Tor jetzt ihre letzte Hoffnung war.
      „Renn!“, schrie er und stürmte los. Die Geschwister stolperten die Talwand herunter, sie fielen hin und kugelten weiter, hinter sich hörten sie die Rufe der Ritter. Als die Kinder das Tor halb rutschend, halb rennend fast erreicht hatten sprang hinter ihnen ein Pferd aus dem Wald. Karim konnte nicht anders, er drehte sich um und sah das Pferd stolpern und sich überschlagend den Hang herunterrutschen. Der Reiter geriet unter den Körper des Tieres und bewegte sich nicht mehr. Doch der zweite sprang jetzt am Waldrand vom Pferd, zog sein Schwert und rannte zu Fuß den steilen Abhang hinunter. Die Kinder konnte er jetzt jedoch nicht mehr einholen. Sie liefen auf das Tor zu, wo sie von den Wachen empfangen wurden. Denn als diese die Grünen Ritter gesehen hatten, hatten sie sofort begriffen. Sie nahmen die Kinder in die Mitte und führten sie durch das Tor. Als Karim und Jinna die schimmernde Membran durchschritten spürten sie einen eisigen Luftzug, dann war es vorbei und sie standen in einer riesigen Höhle.
      Blubb, blubb, blubb ... ich bin ein Fisch.
    • So, alles wieder aufgeholt. :thumbsup: Ich bin sehr gespannt, wo Karim und Jenna herauskommen werden, ich tippe iwie auf Norwegen. ^^
      Freue mich schon auf die nächsten Parts.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker