Ansatz den Leser einzubinden

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    • Ansatz den Leser einzubinden

      Mir kam nach einem Gespräch mit einem anderen Autor die Idee, einmal zu versuchen den Leser gleich von Anfang an quasi an der Hand zu nehmen und ihn subjektiv zum Teil der Geschichte werden zu lassen. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht zu bemüht klingt. Bin auf alle Fälle gespannt auf Eure Meinungen:

      Ich, Magier
      von Tom Stark

      Prolog

      Magie ist die Energie, welche das ganze Universum zusammenhält und durchfließt.
      Für jene, die es in ihren Genen haben, ist es fast ein Kinderspiel die Hand danach auszustrecken und diese Energie zu fühlen wie einen Wind, der mal stark und mal sanft weht.
      Einige Auserwählte behaupten sogar sie könnten diese Energie sehen, wo sie sich konzentriert, wo sie sich verbirgt oder offen zu Tage tritt.
      Noch weniger haben sogar die Fähigkeit diese Energien zu lenken.
      Es ist eine Chimäre aus Willensakt, Leidenschaft und Logik, die sie Muster formen lässt, sie die Energieströme wie die Fäden einer Spinne oder auch wie Stahlseile zu verweben um der Wirklichkeit eine neue Form zu verleihen.
      Die Meisten dieser Muster werden durch die ständige Bewegung mehr oder weniger schnell aufgelöst und der Naturzustand stellt sich wieder ein.
      Manche dieser Muster werden aber mit Knoten an Ort und Stelle gehalten und halten lange an. Natürlich lockern auch diese Knoten sich mit der Zeit durch die kosmische Bewegung, wenngleich man von einzelnen Meistern spricht, die ihre Knoten so geschickt zu setzen verstehen, dass sie durch die Bewegung der Ströme eher fester gezogen als gelockert werden.
      Mit einer solchen Macht hätte ein Zauberer aber nahezu absolute Kontrolle über seine Welt und damit sein Schicksal, eine gottgleiche Macht also.

      Da sei der Drache vor!


      Kapitel I

      Servus. Ich bin Sam.
      Ja, ich rede mit Dir!
      Da ich nun kurz vor der Magisterwürde stehe, habe ich gewissen Zugang zum höheren Wissen und weiß, dass jeder Magier einen Spirit hat, einen Geist der ihn sein ganzes Leben von der Geburt bis zum Tod begleitet. Nach dem Tod, oder im Magierjargon, dem kosmischen Übergang, treffen wir uns dann endlich persönlich und vereinigen uns irgendwie. Wie genau, weiß keiner wirklich, ich nehme einfach an, Du musst das auch genauso wie ich einfach abwarten.
      Tja, ich hoffe einfach, dass Du mich magst. Es wäre irgendwie voll daneben, wenn wir nach einem langen Leben feststellen müssten, dass wir so gar keinen Bock auf diese Re-Union nach dem finalen Abgang haben.
      Zuerst war es mir ein bisschen peinlich Dich anzusprechen, zumal mir jeder versichert hat, dass Du außer meine Taten und Gedanken zu verfolgen, rein gar keinen Einfluss auf mein Geschick hast.
      Das beruhigt mich einerseits, stimmt mich andererseits hingegen auch etwas traurig.
      Ich stelle es mir sehr einsam vor, jemanden ein ganzes Leben hindurch zu beobachten, aber nicht mit ihm kommunizieren zu können. Obwohl alle meinten, es wäre eine unsinnige Geste, habe ich beschlossen Dich, der Du ja wohl zwangsweise in meinen Gedanken zum Trittbrettfahren verurteilt festsitzt, wenigstens von meiner Seite her aktiv mit einzubeziehen.
      Ich kann nur sehr hoffen, dass ich Dich nicht damit nerve, wenn ich Dir meine Gedanken und Gefühle so gut mitteile, wie mir möglich ist.
      Im Gegenzug für die Unterhaltung, habe ich einen Zuhörer und vielleicht finden wir eines Tages doch einen Möglichkeit, wie wir uns gegenseitig Feedback geben können.
      Verdammt, ich bin Magier, oder werde es in wenigen Tagen sein. Das muss doch zu etwas gut sein.
      Aber ich werde Dich nicht einfach zu dem abwerten, zu was meine Kollegen meiner Ansicht nach ihre Spirits herabwürdigen: Den Leser!
      Grauenhaft. Allein schon der Ausdruck deutet an, dass Du fressen musst, was ich liefere. Nein, so einseitige Beziehungen gehe ich gar nicht erst ein.


      Hm, gut, wie fange ich an?
      Keine Ahnung wie lange Du schon bewusst bei mir mitfährst, also hier mal eine kleine Zusammenfassung. Den Rest kannst Du Dir sicher im Laufe der Zeit zusammenreimen.


      Ich (oder besser wir? egal) heiße Sam di Palma.
      Di Palma heißt in etwa »von den Palmen« und den Beinamen hat mir mein Lehrmeister verpasst, als er mich damals aufgegriffen hat.
      Leute mit Magiegespür werden ja regelrecht gejagt, wie Dir bestimmt schon aufgefallen ist.
      Zum einen um die seltene Gabe nicht zu verschwenden, zum anderen natürlich, dass sie nicht »dem Feind« in die Hände fällt, wer auch immer das sein soll.
      Man hat mich auf Fragen danach immer auf höheres Wissen verwiesen.
      Ich gebe ehrlich zu, dass mich dieses Vertrösten so langsam ankotzt.
      Ist doch wahr! Eine zwanzig Jahre andauernde Ausbildung und man darf noch nicht einmal wissen, wer dieser ominöse große böse Feind ist ... wenn Du mich fragst, ist das reine magiertypische Wichtigtuerei.
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Hmm...also so im ersten Anlauf hat es was :thumbsup: .
      Sam spricht sehr flapsig, das verleiht ihm eine humoristische Note. Ich bin gespannt, wie sich das in einem längeren Text entwickelt. Schreib weiter :D .
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Hmm. Eine wie ich finde geniale Idee. Vor allem weil du den Leser in eine andere Perspektive rückst :thumbsup:

      Tja, ich hoffe einfach, dass Du mich magst. Es wäre irgendwie voll daneben, wenn wir nach einem langen Leben feststellen müssten, dass wir so gar keinen Bock auf diese Re-Union nach dem finalen Abgang haben.

      :rofl: Sehr gut

      Aber ich werde Dich nicht einfach zu dem abwerten, zu was meine Kollegen meiner Ansicht nach ihre Spirits herabwürdigen: Den Leser!

      Sehr freundlich ;)

      Also. Ich bin gespannt was da noch kommt.
      Weiter so
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • auf jeden Fall ein interessanter Ansatz :thumbsup:
      Ich bin gespannt, ob/wie du diese Line durchziehst, denn ich stelle mir das recht schwer vor. Die Idee ein "beobachtender Spirit" zu sein, finde ich auf jeden Fall aufregend :D
      Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
      Viel Schwerter klirren und blitzen;
      Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
      Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.

      - Heinrich Heine, Die Grenadiere

    • Huch.... staubig hier.... :staubsauger: und hier auch noch... :staubsauger: so. Hübsch!
      Dieser Geschichtenanfang ist recht artverwandt mit meiner eigenen Kurzgeschichte
      Ohne Titel
      .
      Die Idee, den Leser als Protagonist anzusprechen ist mal wieder was Neues, da kann man sicher auch viel draus machen.
      Schade, dass du nie weiter daran geschrieben hast. Oder machst du das jetzt? :wizard:
      Wortgefechte

      Ein Schwert und sein Held
    • Hm... ich nehm mal an, dass dieses Fragment mit Absicht in der Mottenkiste lag und Du @Tom Stark daran eher nicht weiter arbeitest?

      Falls doch, solltest Du vielleicht (nur vielleicht) über die Verwendung der Begriffe "Trittbrettfahrer" und "Feedback" meditieren. Aus Deinem Textelein ist nicht ersichtlich, in welchem Umfeld Sam agieren wird. Sollte es sich um eine Jetzt- und Hier-Welt handeln, sind diese Begriffe durchaus einsetzbar. Spielt das ganze jedoch in einer "typischen" Fantasy-Umgebung, sind beide Worte eher ungünstig platziert...

      Nichtsdestotrotz: Wär schön, wenn man mehr erführe. Sam scheint ein patenter Kerl zu sein, den würde ich gern lesend begleiten.
      Aus aktuellem Anlass:

      Ich möchte bitte keine LIKEs mehr haben! ^^
      Wenn Dir mein Beitrag hier und anderswo gefällt, schreibs mir einfach. :danke:
    • Oh, du meine Güte ^^ daran habe ich noch eine Weile rumprobiert, war aber nie zufrieden. Die Idee an sich hat schon was, nur ist sie auf Dauer schwer umzusetzen. Vielleicht packe ich es irgendwann nochmal an, inzwischen habe ich ja noch etwas an Technik dazugewonnen, aber ja, erst mal ist die Kiste im Speicher unterm Dach geparkt. Was ich bisher habe sind (habe eben nachgeschaut) etwa 12 DinA4 Seiten. Keine Ahnung ob die etwas taugen, müsste sie mal wieder lesen.
      Aber wenn echt der Wunsch nach einer meiner älteren Ideen besteht, könnte ich ja etwas von dem Text wieder ausmotten?
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tom Stark ()

    • @Tom Stark

      Ja, könntest du! Diese Idee des eingebundenen Lesers ist mir völlig neu, davon hab ich noch nie gehört oder gelesen. Und sie gefällt mir. :thumbup: Von daher - her mit den 12 DinA4-Seiten! Wir können dir das Lesen abnehmen. :D
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • Spoiler anzeigen
      @Tariq Also gut, du hast es so gewollt. Ich suche den Text raus. Aber wie gesagt, mir gefällt es nicht wirklich. Es ist nicht einmal der Inhalt, der hat vielleicht sogar Unterhaltungspotential, ich habe nur mein eigentliches Ziel, den Leser deutlicher einzubinden, nicht befriedigend erreicht.



      Kapitel I
      Die letzten zwanzig Jahre waren eigentlich gar nicht so übel.
      Meister Andante ist ein geduldiger, netter und väterlicher Lehrer gewesen. Natürlich hieß er auch nicht immer Andante, was in etwa »gemächlich« bedeutet, sondern hat diesen Namen bei seiner zweiten Magisterwürde, die ihn zum Lehrmeister werden ließ, angenommen.
      Mein Mentor ist Magister Milosch Balas von der Uni Budapest.
      Er hat vor 12 Jahren seinen ersten Magister gemacht, ist also Vollmagier geworden und bemüht sich nun hier in Oxford ,seinen zweiten Magister zu machen.
      Milo ist ein klasse Kumpel, nicht so verknöchert wie die meisten Magier, die ich sonst getroffen habe, wobei man dabei die echten Vollmagier locker an den Fingern beider Hände abzählen kann. Ohne ihn wäre mein Weg zum Vollmagier mit Sicherheit wesentlich beschwerlicher gewesen.

      Nun wirst Du Dich fragen, was es bedeutet Magier zu sein. Tatsächlich gilt für uns Magier die Lex Dragonica Arkanis, was heißt, dass es hier in Dragonia und in der EU für uns ein eigenes Recht gibt. Unsere Oberste Regel ist das Gebot der Nichtexistenz von Magie, was nichts anderes bedeutet, dass soweit irgend möglich kein Mensch von Magie und daher auch von uns Magiern erfahren soll.
      Der Drache hat ziemlich drakonische Strafen veranschlagt - naja, was für welche sonst - für absichtliches oder fahrlässiges Missachten dieses Gebots.
      Dafür stehen wir unter seinem persönlichen Schutz und könnten uns, wenn wir wollten, so ziemlich alles herausnehmen, denn wie erwähnt, haben wir unsre eigene Rechtsprechung, die eine Menge durchgehen lässt.
      Sobald man das Magisterexamen in der Tasche hat, trifft man den Drachen persönlich, was in den letzten 1000 Jahren nur ganz wenigen vergönnt ist. Manchmal geht es mir wie der Mehrheit und ich zweifle sogar an seiner Existenz.
      Allerdings ging das diesen Leuten um 1890 genauso, als sich die Franzosen aufmachten, gegen uns in den Krieg zu ziehen. Der Drache hat innerhalb einer Woche an allen Fronten den Feind so vernichtet, dass er kapituliert hat.
      Seitdem gibt es die Europäische Union, angeführt von Dragonia und der Rest der Welt schielt immer wenigstens mit einem Auge auf uns.
      Jedenfalls bekommt man, wenn man zum Vollmagier wird, das Drachenmal auf die Brust gebrannt, den Abdruck zweier seiner Krallen, ich hab es bei Milo selbst gesehen.
      Sobald man das Mal hat, gehört man offiziell zu seinen Kindern und eigentlich niemand auf der Welt wird einem je in die Quere kommen, zumal ein Vollmagier mit seiner Magie so ziemlich alles erreichen kann, glaube ich wenigstens.
      Selbst ich habe schon ein gutes Repertoire und mir fehlt ja noch der Zugang zu höherem Wissen.
      Aber ich komme ins Plappern!

      Ich bin gerade auf dem Weg meine Magisterabschlussarbeit abzugeben. Die Prüfung habe ich bereits hinter mir und Milosch hat mir zugeraunt, dass ich bei 87% lag, was für meine Verhältnisse echt gut ist. Fleiß ist leider keine meiner hervorstechenden Eigenschaften, aber dafür habe ich wohl viel Talent.
      »Magie ist das, was die Physiker als dunkle Energie oder dunkle Materie bezeichnen in ihrer Unfähigkeit sie mit ihren Sinnen zu erfassen. Sie durchdringt uns und den ganzen Kosmos und hält alles zusammen.«
      Das klingt elegant formuliert? Gut so, immerhin habe ich aus der Kernthese meiner Arbeit zitiert.
      Ich lehne mich bei einigen Ideen ziemlich weit aus dem Fenster, aber sowohl Meister Andante, als auch mein Mentor Milosch halten meiner Arbeit für gut gelungen.
      Das Abgeben der Arbeit ist also nur noch eine Formalität und ich werde in 12 Tagen den Drachen treffen und zum Magier werden.
      Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie hippelig mich das macht.
      Die Arbeit, die 237 Seiten chic gebunden in Leder und liebevoll illustriert unterm Arm, betrete ich die erste Stufe zur großen Eingangshalle.
      Mir wird schwer ums Herz und es rieselt mir den Rücken hinab, wenn ich daran denke, dass dies mein letztes Mal als Magierlehrling, oder im Magierjargon, als Adeptus ist.
      Zwanzig Jahre Plackerei endlich gewürdigt, keine endlosen Sessions in den Büchereien mehr, egal ob echten oder virtuellen, keine unendlichen Trockenübungen, keine Ermahnungen mehr und vor allem, ein Ende des Zölibats!
      Naja, es wird zwar auch bei Magistern nicht gern gesehen, wenn sie sich Ehepartner nehmen, aber solange man sich an das Gebot hält, keine Nachkommen zu zeugen, ist alles paletti.

      In der Eingangshalle steppt gerade der Bär.
      Ah ja, richtig! Heute hat doch Europcar seine Jobmesse hier. Seit der Drache die führenden Automobilfirmen zusammengefasst hat, boomt der Markt für unsre Fahrzeuge so, dass die gar nicht nachkommen mit Fachkräften.
      Deshalb ist es hier auch so voll.
      Man verdient nicht übel da, auch wenn man als Magier über so etwas wie Geld nur schmunzeln kann.
      Allerdings haben wir auch da ein Gebot, welches uns die maximale Obergrenze an Zahlungsmittel angibt, die wir uns »besorgen« dürfen. Die Lex Dragonia ist schon recht umfangreich.
      Ich schlendere durch die Stände, schaue mal hier, mal dort, was es so gibt. Ich mag Technik, Motoren und damit auch Autos. Sogar einige Semester Motorenbau habe ich nebenher belegt, da wir immerhin 120 fachfremde Kurse in anderen Studiengängen belegen müssen.
      Magie zu wirken, ohne wenigstens eine halbwegs fundierte Ahnung zu haben, welche physikalischen Gesetze man mal hier und mal dort ein wenig anschiebt, ist nicht unbedingt notwendig, schadet aber auf keinen Fall, besonders wenn man den Menschen hinterher weißmachen will, dass alles mit »natürlichen« Dingen zugegangen sei.
      Da fallen mir die schwarzen Garden auf.
      Eigentlich sind diese Elitesoldaten dazu da, desertierte Magier zu fangen, oder Magier des Feindes abzuwehren. Was wollen diese Jungs wohl ausgerechnet hier?
      Für eine Sekunde will sich mein schlechtes Gewissen melden, aber das ist Unsinn. Nur weil ich vorletzte Woche dem Cambridge-Ruder-Maskottchen ein Zebramuster verpasst habe, wird man kaum die schwarzen Garden holen. Solche Streiche gehören einfach zum guten Ton.
      Dennoch halten die Blackies nach irgendwas Ausschau. Nur nach was?
      Ich beginne ebenfalls mich umzuschauen und ich bin wohl weit weniger auffällig als die Knilche in ihren schwarzglänzenden, angeblich magieabweisenden Schalenrüstungen.
      Daher fällt mir eher auf als ihnen, dass sich eine elegant gekleidete, ausnehmend attraktive Frau von einem der Stände absetzt und versucht dem sich enger werdenden Ring zu entziehen.
      Sie hat kurzes schwarzes Haar und die blausten Augen, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.
      Nun musst Du eines wissen. Ich habe etwas gegen staatliche Überwachung. Überall Kameras, überall hinterlässt man eine digitale Spur und irgendwann schicken sie Dir ein personalisiertes Prospekt zu mit Angeboten, die ausschließlich aus den Dingen bestehen, die Du tatsächlich gerne magst.
      Kundenorientierte Werbung, nennen Sie das. Bespitzeln, so nenne ich das.
      Ich mag an Werbung, dass sie mich auch mal dazu bringt spontan etwas Neues zu versuchen. Wenn man mir nur anbietet, was ich bereits kenne, wie soll ich mich da entwickeln?
      Okay, ich bin Magier. Ich glaube wir sind von Natur aus dazu gemacht hinter die Dinge zu schauen, lassen uns aber dennoch nur sehr ungerne hinters Licht führen.
      Keine Ahnung, was die Frau ausgefressen hat, sie sieht auf jeden Fall nicht wie eine Bedrohung in der Art des »Feindes« aus, von dem ich wirklich zu gerne wüsste, wer es denn sein soll.
      Wer zum Geier, würde sich allen Ernstes mit dem einzigen Drachen der Welt anlegen?
      Bevor also diese Plastikheinis zugreifen können, schnappe ich mir das Mädel, na gut, die junge Frau, und ziehe sie in eine dieser künstlichen, total schiefen Nischen, die nur ein überbezahlter und unglücklich verliebter Architekt in einer Aula verbauen kann.
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tom Stark ()

    • Hm, @Tom Stark
      in dem Abschnitt war bis auf eine kurze Bemerkung jetzt nicht wirklich was von deinem Konzept zu merken. Du erklärst deinem Spirit (Leser) das Setting und die aktuellen Lebensumstände des Protas. Im wesentlichen seh ich da nicht viel Unterschied zu den Geschichten von Sinister, die ja auf eine ebenso lockere Weise mit dem Leser plaudert. Wobei ich bei ihr eigentlich noch eher das Gefühl hatte, direkt an ihrer Seite zu sein und von ihr zugetextet zu werden. Das mochte ich wirklich sehr!! ^^
      Hier ist es ähnlich. Also der Schreibstil.
      Bevor ich hier zu lesen begann, dachte ich erst, du meinst mit "den Leser einbinden" die Art, die du in der Wwwusch-Geschichte verwendet hast, also dass der Leser zwischen Variante A und B wählen darf. War dann aber doch nicht so, wie ich beim Lesen feststellte.
      Ich bin nun gespannt, ob irgendwann ein Unterschied erkennbar wird zu diesen beiden Schreibvarianten (obwohl die zweite ja bis auf die Wahlmöglichkeit ähnlich der ersten ist).

      Du kannst ja vielleicht auch nochmal deinen anderen Lesern mittels @ eine Mitteilung zukommen lassen, dass du hier weiterpostest. ich war ja nicht die Einzige, die interesse signalisiert hat. :)
      So, nu warte ich auf den nächsten Teil. Will wissen, was es mit der blauäugigen Lady auf sich hat!! :stick:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • Kapitel II

      Sie starrt mich erschreckt an, mit diesen unglaublich schönen Augen und fletscht ein Gebiss, bei dem die unteren und oberen Eckzähne sich zu Fangzähnen ausfahren.
      »Lass mich bitte nicht platzen, dann reiße ich Dir auch nicht die Kehle heraus!«
      Ich starre völlig perplex. Das ist die mit großem Abstand die seltsamste Bitte oder Drohung, die ich je gehört habe, und als großer Action-Kino-Fan, bin ich darin ziemlich bewandert.
      »Äh ... ok?«, stimme ich zu und ich muss dabei einen wirklich harmlosen, aber wohl eher völlig bescheuerten Eindruck machen, denn sie entspannt sich sichtlich und sogar ihre Fangzähne fahren wieder zurück.
      Ich starre fasziniert, bis wieder nur noch ganz gewöhnliche Eckzähne das makellose Gebiss komplettieren.
      Sie muss lachen. Vermutlich ist sie auch eher selten eng an einen Fremden gequetscht in einer Nische, der wie ein Vollidiot auf ihre Zähne glotzt.
      Doch schnell wird ihr die Lage bewusst und sie beginnt zu zittern.
      Man kann sich leicht ausmalen, wie es sich anfühlt, eng an eine sexy Frau gepresst zu stehen, die auch noch anfängt zu zittern.
      Durch die Seidenbluse ihres Business Kostüm spüre ich ihre Brüste.
      Oho, von Unterwäsche hält sie zumindest oben nicht viel.
      Ich werde rot, als mir klar wird, dass sich bei unten herum auch etwas tut. Der kleine Magier wartet zugegeben auch schon ewig auf seinen Einsatz.
      Sie atmet schwer, so wie ich, ob vor Furcht oder Erregung, kann ich nicht sagen.
      »Gleich werden sie uns entdecken.« Zumindest klingt ihre Stimme heißer.
      Gütiger Drache, was mache ich hier nur?
      Ich ergreife die nächsten Ströme und erzeuge einen Scheinschatten der Tiefe simuliert und beim Ausleuchten als leere Ecke erscheint. Im mich Verstecken bin ich ein Ass!
      Die Hälfte aller »Probealarme«, der letzten 8 Jahre hier gehen auf mein Konto, und nie hat man mich erwischt. In einer leeren Uni lässt sich weitaus entspannter nach Geheimnissen schnüffeln, die diese Paragraphenreiter unter dem Vorwand des höheren Wissens vor wissbegierigen Studenten namens Sam verbergen wollen.
      Gib es nur zu, du hättest an meiner Stelle dasselbe getan.
      Wozu ist man schließlich Magier?

      Als mein Netz gut gewebt ist, schiebe ich einen Knoten hinter die Struktur.
      Ich weiß, so etwas dürfte ich noch gar nicht können. Verklag mich halt!

      Meine Herzdame, und glaub mir, im Moment bin ich mir tausend Prozent sicher, dass sie das ist, bekommt wieder große Augen.
      »Wir können leise reden, der Schatten filtert auch leise Geräusche aus unserer Richtung raus.«
      Ihre Augen beginnen zu flattern und dann spüre ich ihre Lippen.
      Auch wenn sich meine Erfahrungen in erotischen Dingen auf Filmchen beschränken, von denen ich schon lange den Verdacht haben, dass sie die Natur nicht ganz adäquat abbilden, oder auf Bücher, die man vielleicht öffentlich als schlüpfrig abwerten würde, bin ich mir trotzdem ziemlich sicher:
      Dieser heiße Feger steht auf mich, weiß der Drache warum!
      Natürlich bleiben auch unsre Hände nicht untätig und während ich ihren Rock hinab streife, arbeitet sie erfolgreich an meiner Hose.
      Sehen kann ich es zwar nicht, so eng wie wir stehen, aber mein kleiner Magier kann nun bestätigen, dass ihre Abneigung für Unterwäsche sich auch beim Unterkörper fortsetzt.
      Die Dame legt mir ihre Hände um den Nacken und zieht sich daran hoch. Vielleicht hätte ich aufgrund mangelnder Erfahrung bei diesem Akt im Freien das Gleichgewicht eingebüßt, aber mit stabilen Wänden im Rücken finden wir perfekt zueinander.
      Keuchend kommt sie immer schneller auf Touren, zappelt und stößt und ich mache mir wirklich Sorgen, dass uns doch noch jemand hört.
      Als sie ihren Höhepunkt hat sehe ich ihr an, dass sie schreien möchte, doch stattdessen beweist sie bewundernswerte Geistesgegenwart und beißt mir mit aller Macht in die Schulter.
      Prima, ganz toll! Ich habe natürlich nicht ihre bewundernswerte Beherrschung und öffne meinen Mund um selbst loszubrüllen, doch dann erlebe auch ich den Höhepunkt. Zum ersten Mal, will ich betonen, zumindest mit einer Frau.
      Ganz verwundert bemerke ich, dass ich doch nicht losbrülle. Irgendwie ist der Schmerz in den Hintergrund getreten. Manche Dinge dieser schlüpfrigen Bücher stimmen also doch irgendwie, denke ich mir und schaue, wie als Beifahrer in meinem eigenen Körper, wie es ihr dabei geht. Einerseits ist das dieses Rauschen, was mich in einen Abgrund ziehen will, andererseits beobachtet in mir etwas das alles mit einer Mischung aus Faszination, Ekel und Mitleid.
      Hey, bist Du das etwa? Schön, ich habe gesagt, dass ich dich willkommen heiße, aber etwas Privatssphäre hätte ich doch gerne, wenn‘s geht, ja?

      Sie macht ihre Beine lang und geht einen halben Schritt weiter.
      Nun haben wir wesentlich mehr Platz, die ganze Tiefe der Nische genaugenommen.
      Und so wie sie mich anschaut, werden wir die gleich ausnutzen, doch zuvor will ich etwas wissen!
      »Hey, halt, langsam. Du bist Wahnsinn, keine Frage, aber was beim alten Marquis de Shit geht hier ab?«
      Sie atmet immer noch oder schon wieder schwer. Ich gebe freimütig zu, dass ich ein wenig die Kontrolle über mein Zeitgefühl, und nicht nur darüber, verloren habe.
      »Du bist ein Magier. Du ziehst doch das andere Geschlecht an?«
      Ja, klar. Stimmt schon. Allein die Fähigkeit bestimmte Dinge zu tun, verändert die eigene Haltung und die Pheromonausschüttung, das habe ich wohl alles gelernt.
      Mit anderen Worten: Wenn ein Magier sich seiner Macht bewusst ist und sich nicht abschirmt, was übrigens noch so ein Gebot ist, sollte er in der Nähe fortpflanzungsfreudiger Damen zusehen, immer einen Baum in der Nähe zu haben und nicht lange auf drei zählen, bis er sich darauf in Sicherheit bringt.
      Aber ich bin ja auch scharf auf sie, und wie! Klar, sie ist wirklich der Traum meiner zahlreichen feuchten Nächte, aber glaub mir, ich bin nicht der Typ Mann, der sich sein Weibchen schnappt um sie in der nächsten Ecke zu vernaschen.
      Eigentlich hoffe ich von mir selbst, eher der Typ Mann zu sein, der erst mal Blumen bringt, dann im Kino Händchen hält und sich im Mondscheinspaziergang den ersten Kuss erobert. Danach darf gerne bald der Part mit dem hemmungslosen Sex kommen, aber Himmel noch eins, ich will wenigstens wissen wie die Dame heißt, mit der ich Körperflüssigkeiten austausche!
      Wenn Dir das zu altmodisch ist, dann kannst Du mich mal.
      »Gut aber ich bespringe normalerweise nicht einfach so, selbst zugegebenermaßen unglaublich sexy Frauen. Bin eher der Typ der es langsam angehen will.«
      Sie lacht und es ist ein tolles Lachen. Die Art Lachen, die du am liebsten jeden Tag hören willst, weil es alle deine Sorgen und Zweifel einfach davon bläst.
      »Schon, aber was für Magier gilt, gilt auch für Dämonen.«
      Ich stutze. »Dämonen, was sollen das sein?«
      Nun ist sie überrascht. »Ja, Dämonen, wie mich, Magier die nicht die Umwelt manipulieren können, sondern nur ihren eigenen Körper. Der Feind, wie ihr Dragoskinder uns nennt?«
      »Noch bin ich kein Dragoskind, und außerdem, was meintest Du mit platzen lassen?«
      Sie kühlt etwas ab, wie mir scheint.
      »Genau so bringt ihr Magier uns doch um. Ihr deutet auf uns und lasst alle unsre Zellen auf einmal platzen!«
      »Grundgütiger! Ich würde nie im Leben jemand so etwas antun. Ja gut, manche meiner Kollegen sind etwas eigen in ihrer Moral, aber wir sind doch keine Killer!«
      Sie ergreift meine Hände und ihre Blick taucht tief in meinen, als suche sie dahinter ob ich die Wahrheit spreche, was ich tue. Magie ist im Prinzip eine schaffende nicht eine zerstörende Kraft, zumindest glaube ich das und ganz sicher bin ich selbst kein Zerstörer.
      Wieder ist sie ganz nahe bei mir und ich spüre echt alle ihre rundlichen Vorzüge.
      »Nein, Du bist ganz sicher kein Killer, ein Schlitzohr vielleicht, aber kein Mörder.« Dann leckt sie mir über die Oberlippe.
      Nee, das ist jetzt nicht wahr! Das soll der Feind sein? Und was macht der genau, bekämpft er uns etwa mit Sex? Ich persönlich finde das ja mal eine wirklich innovative Art von Krieg, ziemlich genau die Innovationen, auf die ich stehe.

      Sie hat sich umgedreht und tastet nach dem Schattengebilde.
      Ich trete ganz dicht hinter sie, lege instinktiv meine Arme um ihre Hüfte und ziehe sie an mich.
      »Nicht anfassen, es geht zwar nicht leicht kaputt, aber wenn man deine Finger sieht, erwischen sie uns womöglich doch noch.«
      In Wirklichkeit ist das nicht meine Sorge. Wie man an der Stille auf der anderen Seite hören kann, wurde die Halle geräumt und ist vermutlich leer. Aber es gibt mir eine gute Ausrede so nahe bei ihr zu sein und ihr ins Ohr zu flüstern.
      Wirklich täuschen kann ich sie zwar nicht, aber sie zieht sich auch nicht zurück.
      Im Gegenteil dreht sie sich leicht und stützt ihre Hände gegen die Nischenwand.
      Als sie dann ihr entzückendes Hinterteil fester gegen meine Hüfte presst, ist alles klar und wir gehen in eine weitere Runde.
      Oh, Mann. Das wird mir im Leben nie einer glauben und selbst wenn, ich werde es wohl ohnehin nie jemand erzählen.
      Außer Dir natürlich.
      Obwohl, he! Privatssphäre!
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Tariq schrieb:

      du meinst mit "den Leser einbinden" die Art, die du in der Wwwusch-Geschichte verwendet hast
      Ich glaube du verwechselst das mit den Geschichten vom Andy Kkrist ^^

      Ah, bei DEM hätte ich wirklich mal Bock wieder eine Episode zu machen. Hier fass ich nur das was ich schon habe in passende Post-Längen zusammen.
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Kapitel III

      Valerie Parker, Chefentwicklerin bei EuropCar, Porsche.
      Ich halte, immer noch neben mir stehend, ihre Karte in den Fingern.
      Ein Sportwagen ist als beinahe unsichtbares Hologramm eingeprägt und daher bin ich sicher, dass die Karte authentisch ist.

      Also echt, sie hätte mich wirklich wecken können!
      Nach noch ein paar Runden, hatte ich den Überblick schon lange verloren, und wir waren schließlich Arm in Arm auf dem wirklich ungemütlichen Plattenboden eingeschlafen.
      Und als ich erwache, ist es dunkel und sie einfach weg.
      Immerhin hat sie mir ihre Karte dagelassen, keine Ahnung was ich davon halten soll.
      Wenn sie echt »der Feind« ist, ist es ziemlich bescheuert das zu tun. Andererseits, wenn Valerie mein Feind ist, kann ich auf Freunde genauso gut verzichten.
      Gut, wenn ich ehrlich bin, habe ich auch kaum welche. Wenn man verstecken muss, wer man ist, ist es einfach schwer lange Beziehungen zu pflegen, weil irgendwann die ersten Fragen aufkommen, die man dann mit echten Lügen und nicht nur Halbwahrheiten beantworten muss.
      Jedenfalls tut mir nun der Nacken weh und ich huste leicht, weil kalte Böden nun mal diese Wirkung auf mich haben, zumindest wenn ich sie zu lange mit meiner Körperwärme aufheize.
      Was wollten die Schwarzen nur von ihr?
      Ich kann mir kein Szenario ausdenken, bei dem eine Entwicklerin bei Porsche die Macht und Souveränität des Drachen gefährden könnte. Und wenn diese Dämonen, wie sie sagte, nur sich selbst aber nicht die Umgebung verändern können, dann schätze ich sie, ohne überheblich klingen zu wollen, als weit geringere Gefahrenquelle ein, als jeder Magier, eingeschlossen denjenigen, die Dragonia dienen.
      Du hast keine Ahnung, was für Typen das zum Teil sind.
      Magier können wirklich alt werden und wirklich, wirklich seltsam, wunderlich oder exzentrisch, ganz gleich, wie man »irre« freundlich umschreiben will.
      Zum Glück regelt die Magie das irgendwann selbst. Es ist nämlich nicht so, als dass Magie wirken völlig risikofrei wäre, oh nein! Selbst wenn man ganz genau weiß was man tut, gibt es Zufallsfaktoren.
      Stell Dir einfach vor, du webst einen Zauber, der nur eine Chance 1: 1000000 hat, katastrophal zu versagen, will heißen, dass er Dich mitsamt der näheren Umgebung in einer Art persönlichen Simulation einer Supernova zusammenstaucht und dann auseinanderjagt.
      Bisweilen schlägt der Blitz tatsächlich zweimal an derselben Stelle ein, ganz besonders, wenn man mit Vorliebe in Gewittern mit großen Metallstangen herumfuchtelt.
      Ich will sagen: Der Sensenmann holt jeden irgendwann, selbst wenn er im Stau aufgehalten wurde und sein TomTom ihn nach Buxtehude und nicht zu Dir geschickt hat. Er hat es ja nicht eilig.

      Und ich habe jetzt einen Termin mit Milosch wegen einer echt peinlichen Sache.
      Irgendwie muss ich ihm beibringen, dass ich meine Arbeit noch einmal neu binden lassen muss.
      Jene, die ich eigentlich als Meisterstück abgeben wollte, hat eine gewisse schwarzhaarige Schönheit, die bei Porsche arbeitet, mitgehen lassen, ich will ja keine Namen nennen, ganz besonders nicht meinem Meister oder meinem Mentor gegenüber.
      Das bedeutet eine Verzögerung und zugleich gefährdet es meinen Abschluss noch in diesem Jahr.
      Ich habe eigentlich keine Lust zu warten, aber natürlich kommt es gar nicht in Frage, Valerie mit ins Spiel zu bringen.
      Milos Büro liegt im siebten Stock direkt neben der historischen Fakultät II. Immer langsamer werde ich auf den letzten Metern, weil ich zum einen meinen Kumpel ungerne belüge, andererseits mir meine ausgedachte Geschichte selbst nicht abkaufen würde.
      Doch bevor ich an seiner Tür ankomme, spricht er mich von hinten an und ich mach beinahe einen Rekordsprung aus dem Stand.
      »Hey, Sam, lass den Mist. Wo bist Du gewesen? Ist Dir eigentlich klar, welchen Ärger Du hast?«
      Also jetzt bin ich verwirrt. Mir ist klar welchen Ärger ich bekomme, aber nicht, dass ich schon welchen habe.
      »Ärger?«, frage ich. Dir ist bestimmt aufgefallen, dass ich bei Überraschungen zu wenig intelligenten Fragen, dafür zu sehr verkürzter Syntax neige.
      Er packt wortlos meinen Arm, deutet an, eine Tür an die Wand zu zeichnen, wo dann, wenig überraschend für mich, tatsächlich eine erscheint und zieht mich hindurch.
      Wir befinden uns in diesem Raum, den es gar nicht geben kann. Er hat weder Wände noch Boden noch irgendwas, und dennoch kann man hier existieren. Das Allercoolste ist jedoch, dass vom betreten bis zum Verlassen des Raums außerhalb keine Zeit vergeht. Wir haben ihn während einer ausgiebigen Probe der edelsten irischen und schottischen hochgeistigen Getränke »den Nullraum« getauft.
      Milo und ich haben ihn gemeinsam entdeckt, ganz zu Beginn unsrer Zusammenarbeit und viele Stunden unsres Lebens darin studierend und lehrend verbracht, ein Grund für meine teilweise sehr überraschenden »schnellen« Fortschritte.
      Eigentlich wollte Milo ihn zum Thema seiner Lehrmeisterarbeit machen, aber als wir herausgefunden hatten, dass sonst scheinbar gar keiner darüber auch nur etwas weiß, haben wir beschlossen ihn geheim zu halten.
      Im Nachhinein wundere ich mich schon, denn die Entdeckung hätte uns beide weit in der Hierarchie nach oben katapultiert.
      Gut, mir ist das ohnehin nicht wichtig, aber ich weiß, dass Milosch sein Glück im Leben mit Erfolg gleichsetzt, der arme Workaholic!
      »Als gestern die Razzia durchgeführt wurde, bist du plötzlich verschwunden. Hast Du Dich in unsrem Nullraum versteckt?«
      Auf die Idee war ich nicht einmal gekommen und froh darüber. Der Nullraum gehörte uns beiden gemeinsam und es wäre Verrat gewesen, hätte ich ihn Valerie gezeigt.
      »Nee, keine Bange. Aber ich habe mich wirklich versteckt, bzw. nicht mich, sondern ein Mädchen, also eine junge Frau, hinter der die Schwarzen her waren.«
      »Hat Dir jemand ins Hirn geschissen? Du hast einen gefährlichen Staatsfeind versteckt!«
      Ich schaue ihm geradewegs in die Augen.
      »Kumpel, das war ganz sicher nicht die Art Feind, die man mit Elitemilitär jagen muss. Ich meine sieh mich doch an. Wenn sie »der Feind« wäre «, ich lege bewusst einen sarkastisch gefährlichen Tonfall an, »dann wäre ich wohl tot, oder?«
      Er mustert mich wieder.
      »Vielleicht, weil Du noch kein Vollmagier bist?« Er klingt wenig überzeugt.
      »Ja, genau, oder weil ich so ein umwerfender Liebhaber bin!«
      Noch beim letzten Wort will ich mir am liebsten die Zunge abbeißen.
      »Ah, du hast ... oh verdammt. nein das hast Du nicht getan, Du blöder hirnamputitierter Vollidiot!«
      Also nun runzle ich doch die Stirn. Gut, mit einer Wildfremden eine kleine Orgie zu feiern war nicht gerade schlau, aber womit habe ich mir solche Beschimpfungen verdient?
      »Du kapierst wohl gar nichts? Was glaubst Du, warum wir möglichst keinen Sex haben sollen? Weil verhindert werden soll, dass wir die magische Gabe auf die Nachkommen vererben. Bei Sex mit Nichtmagiern ist das so gut wie ausgeschlossen, aber wenn wir Kinder mit anderen Magiern haben, oh, was für ein elender Schlamassel!«

      Ich verstehe leider immer noch nicht seinen Aufstand und das sieht er mir wohl an. Zudem keimt in mir der Verdacht, dass er weiß, wen ich da getroffen habe, denn ich habe kein Wort von einer Magierin erwähnt.
      Schließlich knöpft er sein Hemd auf und zeigt mir das Drachenmahl, was mich allerdings auch nicht weiterbringt. Es sieht genauso aus wie ich es in Erinnerung habe.
      »Das hier ist nicht nur sein Zeichen, es ist ein Bann, der uns an ihn bindet.«
      »Oh, ok. Und was genau willst du damit sagen?«
      »Ich will damit sagen, Du Narr, dass wenn er mir einen direkten Befehl gibt, ich gar keine Wahl habe als ihn auszuführen. Keine!«
      »Das ist ja die reinste Versklavung!« Ich fahre auf, doch er hält mich zurück.
      »Ganz genau, aber es ist der einzige Weg, wie er andere Magier neben sich duldet. Verstehst Du jetzt? Er kann es nicht zulassen, dass wir unsere magische Gabe womöglich verstärkt an unsre Kinder weitergeben, sonst muss er damit rechnen, eines Tages gestürzt zu werden.«
      Jetzt dämmert es mir endlich.
      »Oh, Sch ....«
      »Genau.«
      »Und was soll ich jetzt machen?«
      »Gute Frage. Magister werden kannst Du auf keinen Fall mehr. Sobald Du das Mahl bekommst, plauderst Du munter alles aus, was der Drache von dir wissen will. Und eines musst Du immer im Hinterkopf behalten, egal was andere sagen oder wie es scheint. Der Drache vergibt nie. Du bist ab jetzt sein Feind, ganz egal was kommt. Er wird Dich benutzen solange er kann, aber am Ende wird er dich umbringen.«
      Er seufzt. »Und ich kann meine zweite Meisterprüfung vergessen. Ich würde sonst Dich und Deine ... Freundin verraten. Außerdem wird der Bann für die Lehrmeister noch einmal verstärkt.«
      »Aber Meister Andante schien mir nie ein großer Drachenanhänger zu sein, im Gegenteil halte ich ihn eher für einen Freigeist.«
      Milo lacht bitter. »Meister Andante ist wirklich ein Freigeist und hochbegabt. Vermutlich könnte er sich soweit gegen den Bann wehren, um dem Drachen sogar vor die Füße zu spucken. Du musst begreifen, dass die Macht des Drachens gewaltig ist, aber nicht unbegrenzt und dein Meister gehört zum Stärksten, was die Menschen derzeit zu bieten haben. Der Drache setzt ihn deswegen auch nie dort ein, wo er womöglich desertieren könnte und behält ihn gut durch seine Agenten im Auge.«
      »Und was ist mit Dir?«
      »Ich werde mich fürs Erste im Null-Eins-Raum verstecken.«
      »Wie bitte? Sag nicht, du hast noch einen entdeckt?« Ich bin begeistert.
      »Nicht einen, Millionen. Jeder mit einer etwas anderen Eigenschaft, die meisten ziemlich tödlich, also fang bloß nicht an selbst zu experimentieren.«
      »Hm, geht klar. Was unterscheidet den Null-Eins-Raum von diesem hier?«
      Er grinst. »Zuerst einmal, eine komplette Apartmenteinrichtung, die ich nach und nach dorthin geschafft habe. Und dann, dass dort die Zeit zu unsrer genau synchron läuft. Das heißt, ich kann dort den Kopf einziehen, bis die Schwarzen sich etwas beruhigt haben.«
      Ich grinse ebenfalls. »Gib's zu, Du hast so etwas wie jetzt schon geahnt.«
      »Nein, Sam, das nicht. Aber ich gehöre zum Widerstand.«
      Nun bin ich platt. Ausgerechnet der Karriere-Magier Milosch Balas beim Widerstand, von dem ich zudem gerade zum ersten Mal höre?
      Hättest Du so etwas erwartet? Mann, heute ist aber einer dieser Tage, wo alles zusammenkommt.
      »Äh ...?« Habe ich erwähnt, dass ich bei Überraschungen es an geistreichen Fragen oft vermissen lasse?
      »Die Frau, mit der Du Dich ... vergnügt hast...?« Ich höre immer noch Missfallen über diese Aktion und schäme mich dafür.
      »Die Frau heißt nicht zufällig Valerie?«
      »...?!«
      »Ach, Sam, das ist meine kleine Schwester. Wir waren verabredet, aber irgendwie haben die Schwarzen davon Wind bekommen.«
      »Deine ...?«
      Er nickt. »Ja, meine!«
      Moment! Zwei Kinder mit der Gabe kann es gar nicht in einer Familie geben, es sei denn ...
      Mir geht ein ganzer Kronleuchter auf.
      »Deine Eltern sind beide ...«
      »Magier!« bestätigt er.

      »Ich muss sie warnen, dass man ihr auf der Spur ist.«
      »Sam, sie ist gut und macht das schon über 15 Jahre.«
      »Trotzdem, ich kann das nicht riskieren. Vielleicht braucht sie Hilfe.«
      Er grinst wieder, nur diesmal irgendwie brüderlicher.
      »Kumpel, sie hat Dich am Wickel, stimmt's? Du bist auf ihre blaue Hexenaugen reingefallen.«
      Ich druckse herum. »Ja, irgendwie schon. Willst Du damit sagen, sie hat mich verhext?«
      Nun lacht er vollends. »Das kann man wohl sagen, aber auf die ganz natürliche Art.«
      Ich bin erleichtert. Gut, dann bin ich halt hoffnungslos verknallt. Wenn einem das schon passiert, dann bestimmt am Besten in die Schwester Deines besten Kumpels.
      »Gib ihr einen Kuss von mir, wenn Du sie triffst, aber nicht so einen, bei dem Du ihre Mandeln mit der Zunge massierst, klar? Und sag ihr, dass sie auf Dich aufpassen soll. Du bist immer noch grün hinter den Ohren.«
      Ich zeige ihm den längsten Finger meiner Hand und er lacht als Antwort.
      Dann zeichnet er wieder eine Tür und zeigt mir sein »Appartement 01.«
      Ich bin hinreichend beeindruckt von der Wohnung inmitten schwarzem Nichts, zumal er die Möbel nicht auf einer Ebene sondern röhrenförmig ausgerichtet hat, als stünden wir in einem Gang der internationalen Raumstation.
      Er gibt mir eine Tasche zum Umhängen. Darin hat es Bücher, viele Bücher, wie ich mit einem Griff hinein feststelle.
      »Da hat es Lesestoff für Dich, ich schätze Du bist nun soweit für das höhere Wissen.« Er blinzelt mir zu und öffnet eine weitere Tür, die in etwa drei Meter Höhe in den nachtdunklen Hyde-Park führt.
      Ich webe ein besonders weiches Luftkissen, stark genug, dass es mich sanft vor dem Boden auffängt und springe vertrauensvoll.
      Mag sein, dass ich das auch so geschafft hätte, aber wozu ist man denn sonst Magier?

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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Spoiler anzeigen
      Tja, soweit bin ich gekommen. Wie gesagt die Story mag nicht unspannend sein, und Manches habe ich ja in anderen Geschichten auch eingebaut, aber mein Ziel habe ich wohl verfehlt. Selbst jetzt beim erneuten Lesen sehe ich nicht, wie ich den Leser öfters miteinbeziehen soll, ohne dass es seltsam wird. Normale Erzählungen sind (und bleiben) wohl nur sehr bedingt interaktiv, falls überhaupt.
      -------------------
      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Hallo @Tom Stark

      ich stimme dir zu: Die Story ist wirklich sehr unterhaltsam (und schon allein deshalb eigentlich wert, fortgesetzt zu werden), aber das bin ich ja inzwischen gewöhnt von dir. Das Ziel ... ja, das würde ich auch als nicht erreicht einschätzen. Aber vielleicht fällt dir was ein zu der neuen Idee, die wir im Chat hatten. Falls ja, gib mir Bescheid bitte, wenn du was zu Papier ... äh ... Monitor ... Datei gebracht hast. Ich würd es gern lesen!!!
      Danke für deine ausführlichen Erklärungen, auch zu dem Buch!
      VG Tariq
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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