Verbotene Liebe

  • Ich habe mich etwas schwer getan mit der Einordung in Low oder High Fantasy. Ich finde es gibt im weiteren Verlauf Elemente sowohl aus dem Einen als auch aus dem Anderen. Aber lest selbst !


    Ich enthalte mich einleitender Kommentare. Fragen und Kritiken zum Text nehme ich sehr gerne an und freue mich darüber .


    Viel Spaß




    PROLOG


    Still lag der Fluss Násil vor ihm. Die Sonne, ihre wärmenden Sonnenstrahlen langsam ausstreckend, betrachtete ihr gleißendes Antlitz in den sanft wogenden Wellen. Sanft und nahezu zärtlich leckte der träge Wasserstrom an den ihn begrenzenden Strand. Abermilliarden feinster Stein- und Erdpartikel, vermischt und glatt geschliffen, fügten sich zu einer angenehm fluoreszierenden Gesamtheit, die Ihn erschauern ließ.
    Immer noch.
    Nach den all den Jahren qualvollen Leidens und Wartens. Immer noch.
    Tief im Inneren riss es eine Wunde auf, von der er dachte, dass sie verheilt sei. Immer noch.
    Dieses „Immer noch“ kreiste in seinem Kopf und grub sich, wühlte sich tiefer und tiefer. Immer noch Hoffnung. Immer noch Liebe. Immer noch Sehnsucht. Immer noch ... nichts.
    Eine Träne stahl sich aus seinen müden Augenwinkeln und suchte sich ihren Weg durch tiefe Wangenfalten, Bartstoppeln, bis sie von seinem wohlgestalteten, leicht aristokratisch wirkenden Kinn auf seine wunden Füße fiel. Dort zerschmettert, rührte sie sich nicht mehr. Stumm ertrug er sein Elend. Die Trauer und Verzweiflung ummauerte ihn langsam, bildete einen Wall der höher und höher wuchs. Nirgendwo ein Tor, kein Ausweg in Sicht. Er schloss die Augen und es wurde schwarz. Erinnerungen schossen wie eine Flutwelle in seinen Kopf, drohten ihn zu packen, mitzureißen, zu ertränken. Voller Wehmut ließ er es zu und gedachte glücklicher Tage, die mittlerweile weit in der Vergangenheit lagen.


    Es war ein fröhlicher Tag gewesen. Ein Tag, den man nur lieben konnte. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, überall um sie her erblühte die Natur. Fröhlich ... das waren sie beide an diesem Tag gewesen. Voller Hoffnung, einer glücklichen Zukunft zustrebend.
    Alía, seine Gefährtin, lag neben ihm im sommerfrischen Gras. Die Baumwipfeln über ihnen betrachtend, erklärten sie sich gegenseitig die Welt. Friedlich, ohne Disharmonie zu produzieren, fügte sich ihr Stimmgewirr, in die den Wald erfüllenden Naturgeräusche, ein.
    Langsam, gemeinsam mit dem sich davonstehlenden Sonnenlicht, verstummte ihr Gespräch mehr und mehr, bis es ganz einschlief. Aíla lag mit dem Kopf auf seiner Brust. Die warme Erde unter sich fühlend, das Moos und Laub erspürend glitt er allmählich in das Reich von Aphalor, dem Schlafgott. Die dunklen, fast schwarzen Haare Alía's kitzelten ihn am Kinn. Es war ein angenehmes Gefühl. Anhand ruhiger, gleichmäßiger Atemzüge, die leise in sein Bewusstsein sickerten, schloss er, dass sie bei Aphalor auf ihn wartete. Das Wissen Jemand vertrautes bei sich zu haben, gab ihm etwas Beruhigendes, sodass er sich nicht länger sperrte und sich den Verlockungen eines erholsamen Schlafes hingab. Still versank auch die Sonne, überließ es dem Mondlicht seinen beruhigend, heilenden Mantel aus Dunkelheit über das Land zu senken. Sterne funkelten erst schwach dann immer heller am Firmament und gaben der Nacht etwas Heiliges, Würdevolles.
    Nachtaktive Tiere machten sich auf die Pirsch um ihre hungrigen Mägen und den noch gefräßigeren Nachwuchs zu befriedigen oder sich mit Artgenossen dem gemeinsamen Jagdfieber hinzugeben. Um die Lichtung, auf der das Liebespaar friedlich schlummerte, machten sie einen Bogen. Etwas stimmte dort nicht, sie rochen es. Das männliche Wesen störte sie nicht, doch der weibliche Duft einer ihnen unbekannten Art durchströmte die Luft.Der charakteristische Geruch von Gefahr lag in der Luft. Ein wagemutiger Wolf besiegte seine Instinkte, tastete sich leise und langsam immer näher heran. Auf leichten Pfoten, den mit grauem Fell bedeckten Kopf gesenkt, schlug er seine vorsichtigen Kreise immer enger, bis er noch drei Sprünge von der Schlafstatt entfernt war. Dort blieb er stehen, wie angewurzelt.
    Plötzlich schlang sich etwas um seine Vorderpfoten und schleifte ihn, mit der Schnauze im Gras, unaufhaltsam, mit bestialischer Kraft, immer weiter in das Epizentrum seiner vorherigen Kreise. Das Etwas, was immer es war, fühlte sich wie eine Ranke an. Eine Ranke ohne Dornen, glatt und zugleich rau, wie eine Schlange die sich um seine Pfoten wickelte. Der Wolf kämpfte verbissen, biss in das seilartige Ding um seine Vorderläufe. Es war als würde er auf Metall beißen. Seine Zähne zersprangen mit einem lauten Knirschen, Lichtblitze tanzten vor seinen Augen, aufjaulend vor Schmerz und Wut endete sein Leben. Die anderen Wölfe des Rudels, die sich während des Todeskampfes ihres Alphatieres, am Rand der Lichtung zusammengerottet hatten, sahen lediglich das ungleiche Tauziehen. Das blitzartige Zuschnappen eines raubtiergleichen Kiefers, welches dem großen Wolf Adrinor das Genick brach, verpasste die Wolfgemeinschaft. Vor lauter Angst und Überlebensinstinkten flüchteten sie sich, laut winselnd in die dunklen Tiefen des großen Waldes.
    Stille kehrte wieder ein, nicht einmal die nächtlichen Tierlaute waren zu hören. Alle hielten den Atem an und hofften das dieses Etwas seine Mordlust gestillt hatte.

  • Das Wissen Jemand vertrautes bei sich zu haben, gab ihm etwas Beruhigendes, sodass er sich nicht länger sperrte und sich den Verlockungen eines erholsamen Schlafes hingab.


    Komma vor jemand und ich glaube, "jemand" klein :whistling:


    Sehr stimmungsvoller Text, klasse geschrieben :thumbsup: . Ich bin gespannt, wo die Geschichte hinführt.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Wau, das war eben fesselnd. Dein Text liest sich flüssig und macht mich erlich gespannt wie es da weiter geht mit den beiden Liebenden auf der Lichtung.
    Mach so weiter, Bomba Grünblatt. Ich werd es weiter verfolgen. :thumbsup:

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • 1. KAPITEL


    Langsam lüftete sich der geheimnisvolle Schleier des Schlafes und gab ihn frei. Orientierungslos begann er allmählich seine Umgebung zu erfassen, realisierte den Waldboden, das Laub unter ihm, die dicht verhangenen Baumwipfel über ihm und die frische Morgenluft, die jeden Tag einläutet . Mit Bedacht öffnete er die Augen, bewusst die Einsamkeit spürend, die ihn seit dem es passiert war, vor einigen Jahren, ständig begleitete.
    Er lag auf dem Rücken, genau dort wo sie einst die letzte, glückliche Nacht verbracht hatten. Mitten im Großen Wald, auf einer Lichtung. Wie einst zwitscherten die Vögel, die Sonne schien, es blühte alles ringsum. Doch heute war es kein fröhlicher Tag. Er wusste selbst nicht, wieso es ihn ausgerechnet hierher verschlagen hatte. War es Hoffnung oder Abschied? Einfach drauflos gelaufen war er und ausgerechnet diese Stelle hatte er sich als Übernachtungsplatz ausgesucht. 3 Jahre war es nun her. ES. Er wusste nicht einmal was. Das nagte an ihm, all die Jahre. Er wusste, dass man es ihm ansah. Sein Gesicht, einst makellos und schön, durchzogen von tiefen Falten. Wild wucherten die Bartstoppeln vom Kinn über den seitlichen Hals bis zu den Ohren. Die Haare verwildert, ungebürstet, fielen in welligen Locken bis zu den Schultern. Früher war er stolz gewesen auf sein Aussehen. Früher … dieses Wort quälte ihn. Diese Zeiten waren vorbei, die leicht geröteten Augen und die hängenden Schultern sprachen eine deutliche Sprache.
    Gesucht hatte er damals. Jahrelang alle Spuren verfolgt, Reisende aus den fernen Landen befragt, mit einheimischen Waldvölkern Fährten gelesen, durch das ganze Land war er gereist … nichts. Seine Gefährtin Alía blieb verschwunden. Nur einen toten Riesenwolf hatte er gefunden, auf der Lichtung auf der er lag.Grässlich zugerichtet, das Genick gebrochen. Spuren eines Wolfsrudels, die eilig geflüchtet waren vor … etwas. Verschleppt wurde sie, das war sein erster Gedanke gewesen, doch von wem? Einem Rudel Wölfe? Nein, heute war er sich sicher, sie war geflüchtet vor dieser namenlosen unbekannten Gefahr. Er war vermutlich für tot gehalten und liegengelassen worden. Sich vollsaugend mit Wolfsblut.
    „Kenan?“, die laute männliche Stimme schallte durch das grüne Blattwerk, verschluckt durch unzählige Blätter einiger Dutzend Zweige. „Kenan?“, wieder drang der Ruf in sein Bewusstsein, störte ihn und rüttelte ihn vollends wach. „Wo bist du?“, eine weibliche Stimme mischte sich unter die Geräusche des Waldes. Besorgnis schwang aus ihr heraus, eine Spur Ärger und Ungeduld. Er kannte die Stimmen, sie gehörten seinen langjährigen Freunden Thoma und Sari.
    Beide hatten ihn nach der Nacht in der Alía verschwand, verwirrt und völlig verzweifelt im Wald gefunden. Er war ihnen sein Leben schuldig, ohne sie hätte er sich mit dem kleinen gebogenen Dolch, den er immer bei sich trug, erstochen. Abgehalten vom einzigen Ausweg in dieser hoffnungslosen Situation, war ihm nur ein Leben ohne Sinn und Zweck geblieben, verdammt dazu wie ein Wahnsinniger nach Alía zu suchen. Koste es was es wolle.
    Immer näher kamen die störenden Stimmen. Er wollte allein sein, sich in Trauer ertränken, in Selbstmitleid zerfließen, endlich sterben. Wollte dass sie weggehen, nicht die heilige Stille störten, in der er versuchte die Scherben seiner Vergangenheit zu suchen.
    „Hier bist du. Habe ich mir fast gedacht.“ Thoma hatte ihn gefunden, nun gab es kein Entrinnen mehr. Er musst sich wieder einmal der harten Realität stellen, wieder einen Tag voller Entzugserscheinungen vollbringen. „Hast du mich gehört?“ Den Mund öffnend, um Antwort zu geben, schloss er ihn gleich wieder. Die Frage war an ihm vorbei geschlüpft. Vorbei … da war es wieder.
    „Hast du die ganze Nacht hier draußen verbracht?“ Sari kniete sich neben ihn nieder, nahm seine Hand, strich ihm über die Stirn. Verstört schlug er sie beiseite. Es tat immer noch weh. „Ja.“, mehr brachte er nicht heraus. Flüsternd, seine Stimme belegt und voll Schmerz. Er schloss die Augen und wünschte sich er wäre tot. Keine Erinnerungen, keine Gefühle, keine Probleme, kein Schmerz. Doch der Tod wollte nicht kommen, so sehr er ihn auch lockte. Mehrfach hatte er es probiert. Sich die Pulsadern aufgeschnitten, in den breiten Fluss Nasíl gesprungen und abgetaucht, mit den Kriegern in die Schlacht gezogen. Nichts hatte ihn erlöst, der Tod ging immer wieder an ihm vorbei. Ihn ignorierend, gar nicht wahrnehmend, bis er es aufgab.
    „Kenan, steh auf. E ist etwas passiert. Es ist wichtig.“, flehentlich bittend durchdrang Thoma’s Stimme seine düstere Gedankenwelt, klopfte an die Pforte zu seinem Bewusstsein, Einlass fordernd. „Was ist es das meine dringende Anwesenheit erfordert? Lasst mich liegen. Ich habe genug.“ „Ein Bote ist gerade angekommen. Er sagt, er hat etwas von Alía, das nur du erhalten darfst. Eine Botschaft …“ „Was?“ Kenan federte in die Höhe, nichts erinnerte mehr an den kraftlosen, traurigen Menschen, der vor wenigen Sekunden noch im Gras lag, Selbstmordgedanken hegend. „Das … das kann nicht sein. Es ist drei Jahre her. Das ist nicht möglich … Wie sollte es auch? Wer ist dieser Bote? Woher kommt er?“ Während die Worte mit anschwellender Lautstärke und wachsendem Zweifel aus seinem Mund sprangen, funkelten seine Augen Thoma und Sari mit wütendem, zugleich neugierigen Ausdruck an. „Das wollte er nicht verraten. Du musst mit ihm reden. Er wartet im Dorf auf dich. Bitte geh hin, er sieht so aus als könnte er etwas wissen.“ „Ich weiß es nicht. All die Jahre … Und jetzt plötzlich …“ „Ich weiß. Auf mich machte er einen seriösen Eindruck, wenn du verstehst? Sari ! So hilf mir doch, den alten Trauerklotz zu überzeugen! Sturer Esel!“ Sari wandte sich an Kenan, wollte helfen. Sie konnte ihn nachvollziehen. Im großen Krieg der Völker, hatte sie ihren Mann und ihre Söhne verloren. Sie wusste was Trauer bedeutet. Ihren festen Blick auf Kenan richtend, die braunen Haare aus dem Gesicht wischend, setzte sie an: „Kenan, ich … „ Er hob die Hand, unterbrach sie. „Ich habe es verstanden. Verzeiht mir, doch ihr versteht sicherlich. Ich habe Jahre gesucht, geforscht und überall gefragt, doch niemand konnte mir etwas erzählen. Und jetzt … taucht ein ominöser Unbekannter auf, der alles weiß. Mir fehlt der Glaube.“ Wieder setzte Sari zu einer Erwiderung an, doch Kenan unterbrach sie. „Sari, ich weiß was du sagen willst. Ich soll ihm zuhören, ihm vertrauen. … Was bleibt mir anderes übrig. Los, bringen wir es hinter uns!“ Demonstrativ dem Sinn seiner Worte folgend, schritt er aus und schlug den Weg zu seinem Heimatdorf Arlóo ein. Thoma und Sari folgten ihm, verstehend und wortlos, jedoch nicht minder neugierig.

    Einmal editiert, zuletzt von Bomba Grünblatt () aus folgendem Grund: Optimierung des Spannungsbogens :)

  • Du hast mit wenig Text einen fesselnden Einstieg geschaffen, man leidet jetzt schon richtig mit Kenan mit. Deine Protas kommen authentisch rüber, die Stimmung sehr eindrücklich und dein Schreibstil ist elegant, angemessen und nicht aufdringlich. :thumbsup: Ich bin beeindruckt. Mehr, bitte!

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Ich bedanke mich für all die netten und positiven Kommentare . :)


    Ich werde dem Wunsch nach mehr nachkommen und versuchen jeden Abend ein Stück mehr zu posten.
    Verzeiht die Zeitabstände, aber die Geschichte wird gerade frisch geschrieben und ich habe erst abends Zeit . Ich entschuldige mich dafür, doch ändern lässt es sich nicht .


    Mit sprießenden Grüßen
    Bomba

  • Du hast den Übergang zum ersten Kapitel sehr gut geschafft. Deine Figuren kommen sehr gut rüber und es läßt sich flüssig lesen allerdings waren einige Stellen über die du vielleicht noch mal schauen musst. Bei der Hitze des Gefechts kommt das schon mal vor. Sind nur Verbesserungsvorschläge die ich dir mache.


    Die Geschichte ist weiterhin toll und spannend. :thumbsup: Also schreib weiter :D



    So das solls gewesen sein Bomba! Es ist schon Ewigkeiten her das ich was verbessert habe. Aber deine Geschichte ist toll und ich will dir nur einige Tipps geben. :thumbsup: Schreib weiter so ich warte darauf! :D

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  • Hallo Sabrina,


    Danke für deine Kritik. Ich bin froh das jemand meine Zeilen liest und mich von der Textblindheit erlöst.
    Dafür danke. Eine gute Geschichte lebt davon regelmäßig kritisiert und verbessert zu werden.
    Ich werde mich heut abend ans Bügeln und Glätten machen.


    melli und sabrina:
    Ich hoffe ihr bleibt dran, mit konstruktiver Kritik und Lesefreude :D


    Mit trudelnden Grüßen
    Bomba

  • Aber sicher doch Bomba ich bleibe dran und bin gespannt auf deine Forstsetzung!
    Das mit dem Feedback und Kritik bin ich der selben Meinung wie du. Also weiterhin gutes gelingen! :thumbsup:

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  • 2. Kapitel
    Am frühen Morgen, die Sonne hatte kaum ihr goldenes Gesicht erhoben, waren sie gekommen. Das Dorf zerstört, alle Frauen und Kinder vor den Augen ihrer Männer getötet und diese anschließend verschleppt. Zwanzig an der Zahl, alles Menschen im mittleren Alter. Jüngere und ältere Bewohner hatten sie gnadenlos abgeschlachtet, ein regelrechtes Massaker angerichtet. Alle die sich versteckten, wurden aufs Grausamste gefoltert und vor Schmerz sterbend liegen gelassen. Verwirrung hatte im Ort geherrscht, als das Blutbad begann. Einheimische, vorher lammfromm, verwandelten sich urplötzlich in erbarmungslose Killer, die gezielt töteten. Erst im Laufe der Zeit nahmen sie ihre wahre Gestalt an, die eines Monsters, aus den tiefsten Abgründen der Schauergeschichten der Menschen entsprungen. Innerhalb weniger Stunden war alles vorbei, überall lagen die Leichen ehemaliger Freunde und Feinde, friedlich im Tode vereint. Verkohlt, verstümmelt, völlig unkenntlich gemacht. Der heilige Baum im Zentrum des Dorfes brannte lichterloh. Eine 800 jährige Eiche, die einst ihr stolzes Blätterhaupt behütend über dem Dorf ausbreitete, zu Asche vergehend, die vom Wind verweht wurde. Die Gefangenen, junge kräftige Männer, der ganze Stolz Arlóo’s, hatte man nachdem das Dorf dem Erdboden gleichgemacht wurden war, gefesselt und geknebelt. Zu einem, wie sie nun wussten stundenlangen, Gewaltmarsch gezwungen, trieb man sie mit Schlägen und Folter in Richtung des Chaul’Sul, eines gewaltigen Gebirges.
    Arathórn, das Oberhaupt des Dorfes, trottete mühsam, vor Schock verstummt, hinter den anderen her. Er hatte innerhalb eines Morgens gelernt inbrünstig zu hassen, doch noch war das erlebte Grauen zu präsent um sich in Artikulation zu verwandeln. So erging es allen die die vollendete Zerstörung ihrer Heimat überlebt hatten. Man hatte ihnen alles genommen. Die Familie, das Gefühl glücklich und zufrieden zu sein, die Freude, den Mut, dann die Hoffnung. Das einzige das ihnen blieb war ihr Wille, die Hölle auf Erden, zu überleben. Durch Peitschenhiebe und Schläge mit der stalharten Faust, hatte man sie zum Laufen gezwungen. Ihnen Wunden beigebracht, deren Narben sie für immer zeichnen würden. Folter und Angst, Hunger und Durst waren seither ihre Begleiter. Arathórn stöhnte schmerzerfüllt auf, als sich durch eine unbedachte Bewegung, ein durch Blut und Eiter verklebter Peitschenstriemen wieder öffnete und neu zu bluten begann. Eine Methode der kontinuierlichen Schmerzerfahrung durch Eigenverschulden.
    Nach Stunden taumeliger Erschöpfung, wurde ihnen eine kurze Rast gewährt. Jeder der geschundenen Männer fiel wo er stand zu Boden. Schwer keuchend und vor Schmerz stöhnend. Rundum lechzte alles nach einem kühlen Schluck Bergwasser. Nach einer Pfütze, um sich das rußgeschwärzte Gesicht, die Asche der getöteten und verbrannten Kinder abzuwaschen, aus dem Mund, der Nase, den Ohren, den Augen … aus dem Sinn. Sie wollten sich das Blut ihrer abgeschlachteten Frauen abspülen, aus den Haaren, den Kleidern, von den Händen. Alle wussten aus de, Gedächtnis, würden sie es niemals mehr tilgen können, diesen Schmerz, diese Schmach, diese übergroße Verzweiflung und Hilflosigkeit. Niemals mehr würden sie ein normales Leben führen, niemals mehr vertrauen oder lieben. Vorbei …
    Mit einem qualvollen Schrei, voller Kummer, stürzte sich ein Mann mit der Verzweiflung einer zerstörten Seele, auf seinen Bewacher. Mit vor dem Körper gebunden Händen, klammerte er sich um dessen Fußgelenke, versuchte ihn zu Fall zu bringen. Arathórn, das Geschehen beobachtend, wusste das diese Handlung, aus der Überdrüssigkeit des Lebens entstehend, zum Scheitern veruteilt war. Mit einem dumpfen, kratzenden Geräusch, so als würde man über eine Schiefertafel kratzen, prallte die Attacke von zwei mit Drachenschuppen gepanzerten Beinen ab. Der Angegriffene überlegte nicht lange, täuschte mit dem rechten Bein einen Tritt an und beende mit einem lässigen Schlag seiner krallenbewehrten Hand, das Leben des Mannes.
    Arathórn staunte immer wieder widerwillig, über diese scheinbar unbesiegbaren, mit jeder Bewegung mühelos töteten Wesen. Er wusste aus alten Schriften, dass sie dem Volk der Tentranen entstammten. Beheimatet im rauhem Vulkangebirge Chaul‘Su im Nordwesten des Landes, führten sie ein Leben voller Mord und Totschlag. Vom Körperbau, glichen sie einem durchtrainierten, muskelbepackten Menschen. Soweit er das beurteilen konnte, denn bis jetzt hatte er nur männliche Exemplare zu Gesicht bekommen. Was sie jedoch grundlegend von der menschlichen Spezies unterschied, war der von den Füßen über die Beine, den Rumpf, bis unter das Kinn reichende Schuppenpanzer. Eine aus wasserblauen Drachenschuppen, ziegelförmig übereinander versetzt angeordnet, bestehende natürliche Rüstung. Ausgestattet mit vier tentakelartigen Armen, die sich bis zu drei Meter ausdehnen ließen, bildeten sie im Kampf eine schier unüberwindbare Herausforderung. Die Tentakel, besaßen den Umfang eines menschlichen Unterarmes, waren muskulös und sehr beweglich. Aus den sich am Ende befindlichen Fingern, die zu einer gewöhnlichen menschlichen Hand gehörten, konnten bei Bedarf scharfe Krallen ausgefahren werden. So scharf, das sie den Kopf des Mannes fast vom Torso getrennt hatten. Das Gesicht des Mörders war unter einem Tuch versteckt, doch in den Augen funkelte es verräterisch. Die Blutgier war geweckt.
    Blut strömte aus der hässlichen Halswunde, überströmte die Füße des Tentran, einen kleinen Tümpel auf dem nun feuchten Grasboden bildend. Mordgierig machte er einen Schritt zur Seite, auf Arathón zu. Seine Tentakel zuckten nervös, die Krallen, von denen das Blut tropfte, waren ausgefahren und bereit zu töten. Arathón schloß die Augen, er spürte die Schritte des Monsters, sein Herz raste und die Angst schnürte ihm die Kehle zu.
    Der Tod kam …

  • Hey Bomba :)
    Habe gerade angefangen deine Geschichte zu lesen, bin allerdings erst mit dem Prolog durch, wollte aber trotzdem schonmal ein kleines Feedback da lassen :)
    Ich liebe deinen Stil! Du bringst den Leser ganz nah an deinen Protagonisten heran und schaffst durch die super gut gemachte Innensicht richtig viel Emotion und Sympathie, quasi von der ersten Zeile an. Da bin ich Empathie mäßig direkt von anfang an voll dabei :D
    Gleiches gilt für deine Umgebungsbeschreibung. Mit vielen Adjektiven ist das in den Passagen ne super dichte Atmosphäre, die richtig plastische Bilder projeziert.
    Und dann am Ende schaffst du auch noch gleich den Aufhänger für ne spannende Handlung, die ich mit Freuden weiterverfolgen werde.
    Hat viel Spaß gemacht das zu lesen, großes Lob :D:super:

    Aus einer großen Gesellschaft heraus
    ging einst ein stiller Gelehrter nach Haus.
    Man fragte: "Wie sind sie zufrieden gewesen?"
    "Wärens Bücher", sagte er, "ich würd' sie nicht lesen."


    Johann Wolfgang von Goethe

  • Hallo Dr.Strangelove,


    Ich liebe deine Kommentare jetzt schon ... Ausdrucksstark, Dinge benennend und wachsam lesend


    Hab noch Spaß, und gib mir nen paar Kommentare für die anderen Teile. Da würde ich mich sehr freuen.


    :danke: für das :super:

  • Bin jetzt durch und werd diesmal auch gerne ein bisschen ausführlicher ;)
    Erstmal zu Kapitel 1


    Insgesamt sind die Beschreibungen der Umgebungen und der Emotionen deines Hauptcharakters auf gleichbleibend hohem Niveau geblieben, sodass ich da nur nochmal ein :super: geben kann.
    Zahlen bis zwanzig würde ich allerdings immer ausschreiben. So ne arabische Zahl ist auf den ersten Blick doch erstmal immer ein kleiner Stoplerstein in so nem Text :D
    Einige wenige Formulierungen find ich ein wenig holpirg, andere dafür beinahe poetisch.
    Werde allesamt mal in dem Spoiler zusammenfassen:




    Dann das zweite Kapitel:


    Auch hier ist die größte Stärke deines Textes ganz klar wieder die unglaubliche Vielfalt und Präzision deiner Umschreibungen. Ich liebe sie einfach :D
    Auch wie du deine eigenen... "Sprachmotive" nenn ich sie jetzt mal, nochmal aufgreifst und wieder verwendest. Dieses melancholisch nachklingende "Vorbei...", dass auch im Prolog vorkam.
    Der Hammer...bin ich großer Fan von ;)
    Insgesamt hätte ich mir bei dem Rückblick Arathórns vielleicht noch gewünscht, dass man über die Tentranen noch ein bisschen mehr erfährt. Das die Legenden, die über diese Wesen umgehen, vielleicht nochmal kurz resümiert werden oder so. Vielleicht kommt das aber ja noch im weiteren Verlauf und dient dem Spannungsaufbau ;) ? In dem Fall ist das natürlich völlig in Ordnung :D
    Einige kleinere sprachliche Dinge gibts wieder im Spoiler:



    Insgesamt bin ich nach wie vor ein großer Freund deines Schreibstils und sehe auch in der Story einiges an Potential. Bin sehr gespannt auf weiteres und hoffe ich hab mir mit meiner Kritik nicht zuviel herausgenommen. Weiter so :thumbsup:

    Aus einer großen Gesellschaft heraus
    ging einst ein stiller Gelehrter nach Haus.
    Man fragte: "Wie sind sie zufrieden gewesen?"
    "Wärens Bücher", sagte er, "ich würd' sie nicht lesen."


    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zuerst mal die Verbesserung des Kapitel 2 ...
    Müsste ein wenig besser sein. Was meint ihr ?


    Ich poste noch die Fortsetzung des Kapitels bzw. den Schluß, da es inhaltlich zusammen gehört.



    „Razák, He’na ka la.“ Ein scharfer Befehl, von der anderen Seite des Lagers, hielt den Tod in Schach. Mit einem letzten enttäuschten Blick, wandte sich der Tentran ab. Arathórn atmete erleichtert aus. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Voll neu gewonnener Lebensfreude wischte er ihn mit den gefesselten Händen ab, nass klebte er in seinen Handflächen. Plötzlich packten ihn zwei kräftige Arme unter den Achseln und richteten ihn auf. Vergeblich versuchte er sich aus dem festen Griff zu winden. Es gelang ihm nicht. Wie in einem Schraubstock wurde er zusammengepresst. Immer fester, unnachgiebig und brutal, wurde jedes einzelne Quentchen Luft aus seiner Lunge gedrückt. Knirschend und knackend brachen seine Rippen, jede einzelne von ihnen einen neuen Schmerzschauer durch seinen geschunden Körper jagend. Mit Todesangst schnappte er immer verzweifelter nach Luft, blutiger schaumiger Schaum aus seinem Mund, deutete auf eine Verletzung der Lungenflügel hin. Das Atmen fiel ihm immer schwerer, eine allumfassende Dunkelheit brach über ihn herein und nahm seine zertrümmerte Seele unter den Mantel des Vergessens.


    Die Gefangenen sprangen auf. Arathórn, ihr Führer und letzter Halt, wurde soeben zu Tode gequetscht. Die sie bewachenden Tentranen, bildeten einen Halbkreis, der sich zu dem ungeordnet schwankenden Trupp der Entsetzten hin öffnete. Angesichts dieser Übermacht, blieb den Männern von Arloò, nur die ohnmächtige Passivität des gebrochenen Willens. Mit diesem letzten Schlag gegen ihre von Rißen durchzogenen Seelen, sprangen diese. Einen Scherbenhaufen voll zerbrochener Identitäten hinterlassend.
    Der Anführer der Tentranen, gab seinen Gefolgsmännern einen Wink. Daraufhin verteilten sich diese und trieben, die nun gehorsamen, wie schlafwandelnd vorwärts schlürfenden, verlassenen Hüllen der einstigen menschlichen Wesen, Richtung Nordwesten.


  • :hmm: Mir fehlt in dem Abschnitt der gesamten Entführung die Rolle Arathorns in seinem Volk, welche die Bedeutung seines Todes noch stärker herausstellen würde. Hierzu würde es reichen, wenn du vllt erwähnst, dass die anderen Gefangenen ihm manchmal Blicke zuwerfen, als ob sie sich an seiner Haltung ein Vorbild nehmen wollten oder einfach einen Halt suchten. Das ist zwar nur eine Kleinigkeit, macht das Ganze mMn aber etwas runder. So frage ich mich ein wenig, ob der Verlust von Frauen und Kindern nicht stärker zum seelischen Zusammenbruch führen müsste, als der Tod des Anführers.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Muss melli Recht geben. Für mich kam der Tod Arathorns zu plötzlich und zu unlogisch auf dass eine Männer jede Hoffnung verlieren und aufgeben. 8| Ich hab mir seine Rolle in der Geschichte anders gewünscht. mellis Vorschlag seine Rolle in der Gruppe etwas mehr zu verdeutlichen finde ich gut. Vielleicht ist ein oder zwei Sätze auch noch gut wo die Verzweiflung und Ausweglosigkeit seiner Männer betonst.


    Bin gespannt wie es jetzt weiter geht! :D

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  • Hallo melli und sabrina,


    Danke für eure Kritik. Die Kommafehler werde ich heute umgehend korrigieren. Auch den "schaumigen Schaum" werde ich degradieren zu einfachem Schaum. ;)


    Ja, ich denke auch, dass der Verlust der Familie schwerwiegender ist. Ich glaube jedoch , das der Verlust des Anführers ebenfalls ein großer ist. Führerlos, ohne jemanden der alle zusammenhält, alle verbindet.


    Aber ein Satz dazu schadet, denke ich nicht.



    Danke nochmals.


    PS: Arathorn ist unlogisch und unvorhersehbar gestorben. Ich konnte nichts dagegen machen. Das ist das Leben. Tut mir leid.

  • Kapitel 3
    Kenan war misstrauisch.
    Das Gefühl hatte sich langsam, unendlich langsam, in sein Bewusstsein geschlichen. Am Anfang war es ein Stutzen, eine kurze Verwirrung, gewesen. Ein Bote? Nach der langen Zeit? Doch er hatte sich gefangen. Thoma geglaubt. Schließlich waren sie beste Freunde, seit Kindesbeinen an. Doch schließlich häuften sich die Zufälle. Thoma hatte ihn noch nie einen „Sturen Esel“ genannt. Fürsorglich, seine Trauer verstehend, brachte er ihn immer durch sanfte Worte dazu einzulenken. Sich selbst verleugnend. Woher wussten sie, wo er die letzte Nacht mit Aíla verbracht hatte? Kein Wort, kam damals über seine Lippen, als alle ihn danach fragten. Woher wussten sie es? Fragen über Fragen.
    Vor etwa einer Stunde, seit sie nach Arlóo aufgebrochen waren, verstärkte sich das Misstrauen Schritt für Schritt. Man erkennt vertraute Personen am Klang ihrer Stimme, am Gang, an alltäglichen Bewegungen, schon tausendfach gesehen, selbst am Geruch. All das passte nicht. Irgendetwas war faul, das roch er.
    Thoma und Sari liefen neben ihm durch den Wald. Einen neugierig erwartungsvollen Eindruck machend. Den ganzen Weg hatten sie schweigend zurückgelegt. Eine Spannung lag in der Luft, die nicht zu beschreiben war. Alles schien leise zu vibrieren, sich elastisch auseinanderzuziehen. Kenan’s Bauch kribbelte. Energieimpluse, die ihm Gänsehaut bescherten, liefen stoßweise durch seinen Körper. Sich der Anwesenheit seiner Freunde vergewissernd, legte er einen Schritt zu. Die Neugierde drohte ihn zu übermannen. „Er läuft nicht davon, Kenan. Zumindest hat er das gesagt.“ Sari schloss zu ihm auf. Einst waren sie mehr als bloße Freunde gewesen. Sie hatten sich blind vertraut, gegenseitig Schwüre geleistet. Kenan erinnerte sich einer Begebenheit aus seiner Kindheit. Zusammen mit Thoma und Sari hatte er auf der Wiese vor Arlóo gespielt. Einträchtig, voll kindlicher Zuneigung und Urvertrauen. Inmitten blühender Mohnblumen, die wie rote Diamanten aus dem grünen Grasmeer leuchteten. Damals hatte die Sonne geschienen und der Himmel war blau und wolkenleer. In dem hüfthohen Gras spielten sie lachend Verstecken, übten Anschleichen und Überraschen. Es passierte, als alle im grünen, wogenden Meer der sprießenden Pflanzen, versteckt waren, bereit einander aus dem Hinterhalt zu überfallen. Ein lautes Getrappel war zu hören, so laut das die drei Kinder sich unwillkürlich aufrichteten, um die Quelle des Geräusches ausfindig zu machen. Auf dem schmalen, sandgetränktem Erdweg galoppierte ein Bote in das Dorf. Gehetzt und scheinbar verletzt donnerte er bis zum heiligen Baum, an dem er anhielt, vom Pferd sprang und laut nach Arathórn, dem frisch gewählten Dorfoberhaupt rief. Kenan, Thoma und Sari waren damals gerannt, um nicht ein Wort zu verpassen.
    Sie hatten sich hinter den kleinen, geduckten Häusern nahe der Dorfmitte versteckt. Den Ankommenden fest im Blick, in Hörweite um jedes Wort zu verstehen. Der wie ein fahrender Händler gekleidete Neuankömmling, wirkte nervös … besorgt, ein wenig fahrig. Laut rufend, raufte er sich unentwegt die Haare und warf immer wieder schnelle, ängstliche Blicke auf ein kleines schwarzes Bündel, das sich in einer Tragetasche auf dem Rücken seines Pferdes befand. Von einem Bein auf das andere tretend, die Arme ungeduldig vor sich her schlenkernd, unwillkürlich einen komisch anmutenden Tanz aufführend, wartete der Bote vor dem Haus des Anführer der Bewohner Arlóo’s. Das Fenster öffnete sich, ein kantiges Gesicht, überrascht und neugierig, schaute hinaus. „Was gibt es, Brian?“ „Herr, ich … ich habe dieses … Ding für euch.“ Abscheu und Angst mischten sich in den Zügen Brian’s. In ihren Verstecken lehnten sich die heimlichen Lauscher weit nach vorn, sperrten ihre Ohren gedanklich ein kleines Stück weiter auf, um die Schallwellen des gesprochenen Wortes besser auffangen zu können. Arathórn musterte interessiert das Bündel, welches sich wie aufs Stichwort anfing leicht hin und her zu bewegen. „Was ist da drin, Brian? Sprich die Wahrheit!“ Brian schaute zu Arathórn hinauf: „Ein Tentran, mein Herr.“

  • Die beiden Freunde sind auch Tentrane? 8o Holzauge sei wachsam! Da ist Kenan aber auf Zack! Es bleibt spannend. :thumbsup:
    Eine Korrektur mache ich später, heute nicht mehr ;)

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker