Ritual Der Wanderschaft II - Der Letzte Schritt

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ritual Der Wanderschaft II - Der Letzte Schritt

      Keine Sorge, noch überfalle ich euch nicht mit der Fortsetzung
      Allerdings neigt sich die andere Geschichte dem Ende
      und da ich nicht so viel posten kann, wie ich geschrieben habe,
      stelle ich hier schon mal einen kurzen, schriftlichen Trailer online.
      Und reservier mir schon mal ein Plätzchen
      Natürlich, ohne zu viel zu verraten
      Auf die Idee, das alles fortzusetzen, hat mich das liebe Forum gebracht :rofl:
      Demnach, selbst dran Schuld :sarcastic:

      Ich setze aber alle Informationen in den Spioler, so darf jeder selbst entscheiden, ob er Randinfos haben möchte oder nicht ;)

      WARNUNG: Geplant ist der zweite Teil als interaktives Lesen, wer denn mitmachen möchte, ist keine Pflicht. ;) Und zwar, habe ich geplant, an bestimmten Stellen der Geschichte einen Stopp zu machen und ihr, die Leser, dürft zwischen zwei Optionen auswählen, wie es weitergehen soll. Mehrheit bestimmt, aber ich halte es einfach, indem ihr nur ein A: oder B: in das Kommi setzen braucht. Einerseits lustig für euch, andererseits eine Herausforderung für mich. 8o


      PS: Man muss den ersten nicht gelesen haben, um den zweiten Teil zu verstehen!!!!

      Zu den Personen muss ich sagen: sie sind ausgearbeitet und die Protas fertig entwickelt, genauso wie der rote Faden der Geschichte. In welchen Verhältnissen wer zueinander steht, wird natürlich nicht verraten, wäre ja doof.
    • He he he :D
      Die Trailer passen alle ziemlich gut zu den einzelnen Figuren, aber ich bin auch im Vorteil. ich weiß ja schon ne ganze Menge über die Fortsetzung und bin mal gespannt wie sie bei den anderen ankommt, aber ich denke alle werden die neuen Figuren und auch die alten, die immer mal wieder auftauchen, lieben! <3

      xoxo Kisa
      Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?
    • Oh das klingt interessant :) warum ist eigentlich bisher niemand auf die Idee gekommen?
      Bin auf jeden Fall gespannt, wie die Fortsetzung weitergeht. Übrigens muss ich mich entschuldigen, dass ich in letzter Zeit nichts mehr zu deiner Geschichte geschrieben habe, du schreibst mir einfach zu schnell XD aber ich lese noch mit, keine Sorge.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • @ Du Vandír: Theoretisch brauchst du sogar gar nicht so viel Hintergrundwissen um durch die Geschichte durch zusteigen.
      Ich kenne vom ersten Teil den Anfang, aber irgendwann in der Mitte hat Jen aufgehört mir schon vorab Mails zu schicken, also kenne ich den Mittelteil gar nicht und versuche mich durch das Ende durch zu wurschteln. :D
      Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?
    • Erstmal ein frohes, neues Jahr an euch ALLE!
      Ich wünsche euch viel Glück und Gesundheit - und noch mehr kreative Schöpfungskraft.
      Passend zum 01.01 fängt auch etwas Neues bei mir an!
      So, für alle, die erst ab dem zweiten Teil einsteigen, stelle ich das Vorwort schon mal online.
      Gnahahaha - gut, auch weil ich mich so freue endliiiiich anfangen zu dürfen :blush:
      Allerdings muss ich sagen, dass das Vorwort sich bisher nach dem jetzigen Stand der Dinge richtet. In wie weit es sich später noch verändern wird, kann ich nicht sagen, denn die Geschichte ist ja noch nicht fertiggeschrieben ;)

      Ich wünsche euch ganz, ganz viel Spaß beim Lesen ...

      Vorwort


      Der Nebel des Krieges hatte sich bereits gelichtet, aber tiefe Narben im Land hinterlassen. Die Schlacht am Götterberg war siegreich, aber mit schweren Verlusten auf beiden Seiten beendet worden. König Darius von Sona fiel, genauso wie der zwergische Baumeister Edelbart. Viele starben an jenem Tag, aber deshalb blieb die Zeit für die Überlebenden nicht stehen. Ganz im Gegenteil, diese begann danach zu rasen. Kinder wurden aus der Asche des zerstörten Landes geboren und diejenigen, die übrig waren, bauten es wieder auf. Noch größer und noch prächtiger als zuvor, damit sie der Welt signalisierten:

      „Wir sind noch da! Wir lassen uns nicht einschüchtern, nicht besiegen und nicht unterjochen! Wir kämpfen und werden es immer tun!“

      Keiner dachte daran, dass das Böse Aona niemals vollständig durch das Portal verlassen hatte. Die Götter der Welten, Aona und Eona, lebten nicht mehr und man ging davon aus, dass damit alles Niederträchtige in dem ewigen Fluss verschwunden war, aber die letzte, göttliche Macht wusste es besser.

      Aona lebte weiter, zog seine Kinder auf und schon bald würden diese vor eine harte Prüfung gestellt werden. Manchmal hängt es von einer einzigen Person ab, ob man siegen oder verlieren wird. Nur welche sollte das sein?
      Die Acht.
      Von acht Schicksalen nur eines entscheidend? Oder ist es doch so, dass alle Acht über das eine Schicksal entscheiden?
      Niemand ist das, was er zu sein glaubt. Niemand glaubt zu sein, was er ist. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, gut oder böse, denn alle wandeln im ewigen Grau umher, bevor sie sich zu einem bekennen.
      Doch bevor ich vom Ende erzähle, kommt zuallererst einmal der Anfang ...
    • Jennagon schrieb:

      Kinder wurden aus der Asche des zerstörten Landes geboren und die, die übrig waren bauten es wieder auf.

      Kommata....tja nicht deine Stärke, aber meine auch nicht. dennoch habe ich einen Fehler gefunden! zwischen waren und bauen kommt ein Komma. Merkst du wenn du liest. da machst du ne Pause zum Luft holen. :)

      Sonst habe ich mal keine Fehler gefunden. :D
      Ich kenne den Anfang der Geschichte ja schon, aber ich lasse mich dennoch überraschen, ob du nicht doch noch etwas verändert hast. außerdem macht es einfach viel zu viel spaß unsere kleine weitverzweigte Familie auf ihrer letzten Reise zu begleiten. :D

      Schreib schnell weiter!!!!

      xoxo Kisa
      Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?
    • Hallo Jenn wünsch dir auch ein frohes neues Jahr. Zum Jahreswechsel werde ich mich mal wieder deiner Geschichte widmen. Es ist ein neuer Anfang der Geschichte wenn auch der Letzte. :thumbsup: Der Prolog macht auf jeden Fall lust auf mehr... :thumbsup:
      Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.

      Ein spannender Krimi erwartet Euch im No Fantasy Bereich Bis zum letzten Schrei. Viel Spass beim lesen :D
    • Hallo Jen! Von mir auch noch ein frohes neues Jahr, ich hoffe du hast Silvester gut überstanden ^^
      Ich finds super, dass du noch einen zweiten Teil machst, ich bin nämlich totaler Fan von deiner Geschichte! Der Prolog klingt auf jeden Fall schonmal gut, da kann es ja gleich weiter gehen :thumbsup:
      Spring - und lass dir auf dem Weg nach unten Flügel wachsen ~R.B

      Sometimes you have to be your own hero.
    • Chapter I
      Brutus



      Die Sonne brannte wieder einmal auf Tukturin hinunter, aber durch die kühle Meeresbrise, welche durch den schattigen Urwald wehte, war es auszuhalten. Am Fuße einer der Klippen, die den langen Fluss umgaben, drang Lärm aus einer Schenke.
      Die Stadt der Süddrachen hatte nichts von ihrer Schönheit eingebüßt, nicht einmal nach dem zermürbenden Krieg, der bereits über fünfundzwanzig Jahre zurücklag. Steinige Klippen waren auch schwerer zu zerstören gewesen, als Häuser aus Stein, Holz und Lehm. Die riesigen, tropischen Bäume waren immer noch die stillen Herrscher des Landschaftsbildes und der Fluss glitzerte silbern in deren Mitte. In all der Harmonie, die diese Stadt widerspiegelte, wurden plötzlich die beiden Türen der zuvor erwähnten Schenke aufgerissen und vier Männer der hiesigen Drachenarmee erlernten in ihrer Menschengestalt das Fliegen. Sie kamen recht unsanft auf den Boden auf und glitten noch ein Stück, bevor ihre scheppernden Rüstungen verstummten.
      Ein großer, junger Mann stand derweil im Türrahmen und wiegte Goldmünzen in seiner rechten Hand. Mit finsterer Miene blickte er auf die Herren hinunter und verschränkte dann seine Arme vor seinem Oberkörper. Dabei traten seine Oberarmmuskeln deutlich hervor. Seine Haare waren glänzend schwarz, aber sehr kurz dafür, dass er sich unter Drachen befand, die ihr Haupthaar lang und zu schmalen Zöpfen geflochten trugen.
      Brutus, Onyx´s Sohn, stand dort mürrisch in der Tür. Aus dem gleichen Stein gemeißelt wie sein Vater, senkte und hob sich sein Brustkorb passend zu seiner schlechten Laune. Ihm war seine elbische Abstammung nicht mehr anzusehen, aber auch vom Wassernymphenblut konnte man nichts erkennen. Er sah aus wie ein schwarzhaariger Hüne, der eine fast unmenschliche Kraft besaß. In Stein konnte er sich zwar verwandeln, aber nicht so beweglich wie sein Vater es konnte. Sein Gestein hatte einen indigofarbenen Schimmer, legte sich fächerartig über seinen Körper, als seien es Schuppen. Weder das eine, noch das andere – er war der Chaosgöttin letzter Streich an der Natur gewesen. Doch die Steingestalt nahm er nur selten an. Seine Kraft reichte ihm in den weniger feindseligen Zeiten aus.
      Vor allem in Tukturin, wo es kaum Schlachten zu schlagen gab.
      Man konnte ihn deshalb auch „gelangweilt“ nennen. Wohin mit so viel Kraft, wenn sie nicht gebraucht wurde? Wohin mit all den Wesen, die neu entstanden waren und deren Fähigkeiten? Die neuen Götter hatten ihre Kräfte aufgegeben, darunter auch sein Vater. Sie hatten ihnen entsagt, um sterblich und bei ihren Familien bleiben zu können. Aona war auf sich gestellt und musste ihren Königen vertrauen und dass diese wussten, was sie taten. Deshalb beschlossen die unterschiedlichen Königreiche, dass es eine Macht geben sollte, die alles im Stillen beobachten würde. Eine Hüterin, die auserkoren wurde, um über Aona zu wachen. Aber diese musste wieder bewacht werden und deshalb war Brutus dort. Seit über zehn Wintern lebte er bereits in Tukturin und war fern seiner Heimat Nigrum, der Stadt der Dunkelelben, um der Leibgarde Levias anzugehören, seiner Base, benannt nach der Göttin des Chaos, die ihr Leben für deren Mutter gelassen hatte.
      „Hier bezahlt jeder, was er getrunken hat, dass das klar ist!“, maulte Brutus und zeigte den Soldaten zu guter Letzt, was er ihnen an Gold aus den Taschen entnommen hatte. Er verschwand wieder ins Innere und legte der älteren Bardame das Gold auf den Tresen. Die Dame mit dem ergrauten, langen Haaren und der üppigen Figur schaute Brutus liebevoll an, während dieser vor ihr auf einem hölzernen Hocker Platz nahm.
      „Was würde ich nur ohne dich machen, Brutus? Diese Kerle bezahlen immer seltener, was sie getrunken oder verspeist haben, nur weil deren Onkel, Väter oder Großväter im Krieg gedient haben. Diese Halunken glauben wirklich, für die Tapferkeit anderer bekommen sie alles umsonst.“
      Der junge Mann lehnte seinen Kopf in seine Hand und schaute zur Wirtin auf.
      „Wenn ich nicht wäre, dann hättest du einen anderen, der dir diese Kerle vom Leib hält oder einfordert, was rechtmäßig dir gehört, Ally.“
      „Nein. Oh Nein. Du bist nicht zu ersetzen, mein Junge. Trotzdem solltest du vielleicht selbst etwas weniger trinken. Nicht, dass ich deine Anwesenheit nicht genießen würde, aber vor Dienstbeginn bereits ein halbes Fass zu leeren, sollte jemandem zu denken geben.“
      „Ich habe kein Problem mit dem Trinken.“
      „Das du davor überhaupt etwas trinkst, wundert mich schon, auch wenn man es dir nicht sonderlich anmerkt.“
      „Was soll schon passieren? Tukturin ist der sicherste Ort in ganz Aona.“ Er schnickte eine Münze auf den Tresen und Ally konnte nur Ratschläge erteilen, aber nicht mehr. Außerdem war genau das ihr Geschäft. Sie stellte Brutus einen vollen Krug Bier hin und musste zusehen, wie er diesen in wenigen Zügen leerte.
      „Ja, aber anderswo sieht es schon düsterer aus. Sona ist immer noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt, viele erlitten Armut durch die Angriffe der Gargoyles. Banditen, Räuber und Plünderer durchstreifen das Land, aber ...“
      „Und eigentlich könnte ich etwas dagegen tun, aber ich sitze hier fest. In einer Stadt, der die Sonne aus dem Hintern scheint. Levia wurde selbst im Kampf unterrichtet, ihr droht hier kein Leid, aber dennoch wird sie bewacht, als sei sie der größte Schatz, den Aona zu bieten hat.“
      „Brutus?“, lenkte Ally ein. „Sie ist der größte Schatz. Um ihren Hals hängen zwei der vier Götterkristalle, die das Tor nach Eona öffnen können.“
      Um sicherzugehen, dass dieses Portal niemals wieder geöffnet werden konnte, versteckte man die Kristalle gut. Zwei tapfere Krieger bekamen jeweils einen der anderen beiden. Einer stammte aus Sona, der andere aus Nigrum. Hüter der Kristalle, deren Namen nicht bekannt gegeben wurden – ansonsten hätten sie kaum als „versteckt“ gegolten – abgesehen die von Levia. Sie repräsentierte damit bestärkt die Hüterin.
      „Wie geht es deinen Schwestern?“, wechselte Ally geschickt das Thema.
      „Gut!“
      „Deinen Eltern?“
      „Schlecht, wenn es den anderen beiden gut geht! Marianna wird im kommenden Sommer heiraten und meinem Vater passt das nicht.“
      „So etwas passt einem Vater nie.“
      „Ja, meinem schon gar nicht. Ihr Auserwählter ist ein Waldwächter, der unter Obhut meines Onkels steht, das dürfte alles sagen.“
      „Ah, deinem Großonkel, der mittlerweile wie viele Kinder hat?“
      „Hm … so viel mir Lorelei schrieb, wäre sein zehntes Kind unterwegs.“ Brutus stieß gelangweilt auf.
      Allys Gesicht wurde fahl. Wer jetzt glaubt, dass in Nigrum kalte Winter herrschen mussten, der irrt. Im Grünwald war es, dank der Waldnymphen, immer angenehm frühlingshaft, wenn nicht sogar sommerlich warm.
      „Und seine ä-älteste Tochter? Das ist doch Talea, nicht? Die junge Frau, die ebenfalls in der Leibgarde dient.“
      „Genau!“
      „Ist sie nicht auch schon ...“
      „Ja, ist sie.“
      „Mein armer Brutus. Warum bist du denn allein?“
      „Vermutlich, weil ich zu viel trinke!“
    • Soso der gute Brutus hat also ein kleines Problemchen mit Alkohol ... oder halt auch nicht ;)
      Der Teil ist wie immer gut geschrieben allerdings irgendwie ein wenig düsterer und sachlicher als sonst habe ich irgendwie das Gefühl :huh: Was ja aber natürlich nichts schlechtes sein muss ^^
      Ansonsten muss ich sagen, dass die 'alten' Helden wohl volle Arbeit geleistet haben haha also was das Babys machen angeht :rofl:
      Also zehn Geschwister .. respekt ^^
      Aber der arme Brutus tut mir irgendwie leid, scheinbar ist er mehr oder weniger der einzige, der keinen hat ... aber ich binmir sicher, das ändert sich auch noch ;)
      Spring - und lass dir auf dem Weg nach unten Flügel wachsen ~R.B

      Sometimes you have to be your own hero.
    • Der alte Suffkopf :beer:
      Nee mal ehrlich, der trinkt immer noch zu viel, aber es passt zur Geschichte, also schön bei behalten.
      Was die kleine Rauferei angeht Daumen Hoch!!!! :D
      Allerdings eine Kleinigkeit habe ich zu bemängeln. du solltest auf deine Ping - Pong - Dialoge achten. (Ich muss mich auch jedes mal wieder darauf konzentrieren, die da raus zu nehmen.) Aber ansonsten gibt es von meiner Seite aus nichts zu beklagen. Setzt so schnell wie möglich was neues rein, Schatz :D
      Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?
    • So, ich hoff mal, dass ich es wenigstens hier schaffe durchgehend zu korrigieren.
      Bitte schön:

      rissen plötzlich die beiden Türen der zuvor erwähnten Schenke auf

      wurden aufgerissen ... Türen reißen sich selten von alleine auf ;)

      Nicht das eine, noch das andere

      Weder das eine, ...

      musste ihren Königen vertraute

      vertrauen

      Deshalb beschlossen sie,

      Wer ist sie?

      sollte jemanden zu denken geben.“

      jemandem

      Liest sich sehr gut, bin gespannt.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Wieder musste Brutus aufstoßen.
      „Du bist so ein guter Junge. Suche dir ein nettes Drachenmädchen und genieße deine Zeit hier. Sei doch froh, dass du woanders nicht kämpfen musst.“
      Verdattert schlug Brutus mit seinen Kopf auf den Tresen und verharrte in dieser Position. Bloß ein verzweifeltes Seufzen verließ seine Lippen, welches Ally verriet, dass er das zumindest schon einmal versucht hatte. Brutus war durch und durch ein „guter“ Junge. Manchmal etwas rabiat, oftmals angeheitert, benutzte seine Fäuste öfters als seinen Mund und machte keinen Hehl daraus, dass ein mächtiger Rums hinter seinen Schlägen stecken konnte, aber das half ihm über seine Herkunft nicht hinweg. Seine Schwestern hatten das Glück, dass sie vollständig als Wassernymphen geboren wurden und eine ihre Bindung zu einem Mann im gleichen Ort gefunden hatte. Etwas, was seiner jüngsten Schwester noch bevorstand, aber diese war gerade so alt, dass ihr Vater nicht mehr versuchte ihr kindische Zöpfe zu flechten. Ja, richtig. Der Schmied flocht seinen Töchtern Zöpfe, aber das nur am Rande. Er, als Sohn, als Ältester, war sich nicht einmal sicher, was er genau darstellen sollte. Weder Fisch, noch Fleisch. Vielleicht sogar der Grund, dass er oftmals gereizt auf die Frage nach seiner „Art“ reagierte, denn er nahm Abstand davon, sich als Meeresnymphe, Meerjungfrau oder zu guter Letzt, Meermann bezeichnen zu lassen.
      Verständlich. Allein die Bilder, die diese Bezeichnungen hervorriefen waren grotesk.
      „Ally, mein Leben ist ...“
      Plötzlich stieß jemand die Türen zur Schenke auf. Die vier Herren, die zuvor von Brutus mit aller Höflichkeit zum Gehen aufgefordert worden waren, traten wieder ein, aber nicht allein, sondern mit vier weiteren Freunden, die sich Knöchel knacksend hinter ihm aufbäumten.
      „Scheiße!“
      Ally versuchte erst gar nicht die Soldaten davon zu überzeugen, den jungen Mann in Ruhe zu lassen. Sie waren selbst daran Schuld, wenn sie sich mit Brutus anlegen wollten. Onyx´s Sohn hasste die Art von Auseinandersetzungen eigentlich, weil diese Männer nicht seine Feinden waren – im übertragenen Sinne. Sie waren etwas zu ehrgeizig, ruhten sich auf den Erfolgen ihrer Väter aus und waren der Ansicht, dass sie ebenso heldenhaft seien wie diese. Mit dieser Meinung standen sie aber allein im Raum.
      Bevor ihn der erste Schlag traf, verwandelte sich Brutus in Stein. Wehklagend hielt der, von nicht allzu viel Intelligenz gekrönte, Krieger seine schmerzende Hand und jammerte laut, als dessen Schlag abgeprallt war. Ein weiterer schlug zu, aber das gleiche Bild eröffnete sich Ally, die über die Dummheit der jungen Männer nur entrüstet mit dem Kopf schütteln konnte.
      „Los! Kämpfe wie ein Mann, du jämmerliche Meerjungfrau!“, erklang es aus deren Mitte und Brutus verwandelte sich schlagartig zurück. Wortlos steig er vom Hocker und stellte sich in ihre Mitte. Ally zog schon mal ihren Kopf ein. Sie wusste, dass man alles zu ihm sagen durfte, nur das eine nicht. Umgehend wollte sie ihre Kräfte messen. Dem Fremdling zeigen, dass er ihnen unterlag, aber das tat Brutus nicht … das tat er nie. Zumindest nicht im Kampf gegen ihre Menschengestalt. Gegen acht riesige Drachen hätte es vermutlich anders ausgesehen oder sich als schwieriger herausgestellt, aber sie waren gerade keine Drachen.
      Ein Handgemenge brach aus, aber Brutus schlug gezielt zu, versuchte sie dennoch nicht allzu schwer zu verletzen.
      Wie gesagt: sie waren nicht seine Feinde.
      Einer flog sogleich wieder durch die Tür nach draußen, drei andere landeten zwischen Tischen und Stühlen, zwei ergriffen freiwillig die Flucht und die anderen beiden schickte Brutus schlafen. Dann setzte er sich wieder und ließ seinen Nacken kreisen.
      „Bei allen Drachen, Brutus. Ich gebe dir vier Mondzyklen, dann sind alle Gegenden friedlicher als eine Kinderwiege“, murmelte Ally belustigt daher, als sie sich über den Tresen lehnte und umsah.
      Noch einmal ging die Tür auf und Brutus dachte zuerst, es kämen noch mehr wahnwitzige Krieger herein, aber in der Tür stand Ociel, der Bruder des Königs und Oberbefehlshaber der Leibgarde, demnach Brutus´ Hauptmann. Wieder schlug der Sohn Onyx´ mit seinem Kopf auf den Tresen. Es war klar, welches Bild dieser von dem Szenario bekam. Der Hauptmann schnaufte und richtete sich seine rot-goldene Drachenrüstung. Hätten ihm seine langen, schwarzen Haare, die an den Schläfe leicht ergraut waren, zu Berge stehen können, sie hätten es getan.
      „Brutus?“, schallte es ihm schon vorwurfsvoll entgegen.
      „Was?“, murmelte der Hüne gereizt.
      „Wenn du einmal deine Kräfte auf dem Feld so einsetzen würdest, wie in einfachen Prügeleien, dann wäre damit besser gedient.“
      „Aber Herr“, lenkte Ally ein. „Brutus hat bloß meine Schenke verteidigt. Diese Soldaten haben angefangen!“
      „Und er hat es beendet“, protestierte Ociel.
      „Der erste Schlag erfolgte von ihnen“, verteidigte Ally ihn weiter, aber Ociel antwortete bloß:
      „Dann hätte er sie melden müssen. Gewalt erzeugt nur Gegengewalt oder waren es von Beginn an so viele?“
      Brutus richtete sich wieder auf und sah die Barfrau an, die so langsam die Geduld verlor. Sie atmete schon für die passenden Worte tief ein, aber der Brutus schüttelte seinen Kopf.
      „Lass es gut sein, Ally. So ist es immer. Ich versuche das Richtige zu tun, aber bin letzten Endes derjenige, der gemaßregelt wird.“
      Er lief an Ociel vorbei, im Wissen, dass er eigentlich in den Palast zurückkehren musste, um seinen Dienst anzutreten.
      „Ihr wisst ja gar nicht, wie ihr mir alle auf die Nerven geht“, maulte Brutus zuletzt und verließ die Schenke. Wütend drehte sich Ociel um und folgte ihm.
      „Dann verschwinde doch! Was hält dich, in Zeiten wie diesen, auf, Brutus?“, brüllte er ihm nach und der junge Mann fuhr herum.
      „Vielleicht mache ich das auch.“
      „Du überlebst keinen Tag allein in der Wüste.“
      Brutus trat näher an Ociel heran, damit er sein wütendes Geflüster verstehen konnte.
      „Lieber sterbe ich in Freiheit, als mich längere zum Gespött für euch Drachen machen zu lassen. In eurer riesigen Gestalt könnt ihr vielleicht gegen mich bestehen, aber ansonsten seht ihr gegen mich oder den Rest meiner Familie ziemlich alt aus. Und ihr schimpft euch „Wächter von Aona“. Ihr bewacht gar nichts und kratz euch eure Hintern, während außerhalb wirklich seltsame Dinge vorgehen!“
      Der Schlag saß tief in Ociels Stolz, als Brutus diese Worte ausgesprochen hatte. Am Liebsten hätte er ihm einen Schlag verpasst, aber das konnte er nicht, beharrte er doch zuvor darauf, dass Gewalt immer nur Gegengewalt erzeugen würde. Hinzu kam, dass Ociel sehr wohl wusste, dass Brutus nur einen gezielten Schlag brauchte, um selbst den Hauptmann der Leibgarde zu Boden zu schicken.
      „Ich bin euch alle so leid!“, knurrte Brutus und lief in den Wald hinein, anstatt dem Weg zum Palast zu folgen.
      Wütend blieb Ociel zurück. Er glaubte nicht daran, dass Brutus wirklich gehen würde, dazu war er zu pflichtbewusst, aber er sollte sich ruhig etwas Luft verschaffen. Ociel lief noch einmal in die Schenke und weckte die Drachenkrieger, die am Boden lagen und schickte sie zurück. Jammernd, wehklagend und zum Teil humpelnd krochen sie zurück wie geschlagene Hunde.
      Zur Strafe wegen ihres Benehmens, bekamen sie die Nachtschicht der Palastwache aufgebrummt, was Ociel für ausreichend hielt. Ally blickte den jungen Männern nach und fing an ihren Tresen zu säubern, als der Bruder des Königs sich zuletzt ihr zuwandte.
      „Ist Euch Brutus noch etwas schuldig?“, wollte er wissen und stellte Tische und Stühle wieder auf, aber Ally schüttelte ihren Kopf. Selbst wenn, hätte sie es ihrem Lieblingsgast angeschrieben und wäre sich mit ihm schon einig geworden. Doch sie hatte eine Bitte.
      „Nehmt den Jungen nicht so hart ran. Er ist so nett zu Drachen wie mir, die den einfachen Leuten angehören. Er hat ein gutes Herz“, sagte sie und Ociel hob erstaunt seine rechte Augenbraue.
      „Auch wenn ich Euch zustimme … Er kennt seinen Platz. Er ist der Neffe der Königin. Zudem gleicht er nicht einmal Levia … Niemand ist so wie er.“
      „W-Was meint Ihr damit?“, hakte Ally nach und Ociel trat näher an sie heran.
      „Habt Ihr jemals erlebt, dass er sich verletzt hat? Eine blutende Wunde besaß? Machte er jemals einen müden Eindruck auf Euch? War er einmal wirklich abgeschlagen, fertig, krank, betrunken oder mit seinen Kräften am Ende, nach einem Tag voller Anstrengungen, Wein und Bier? Nein? Gut, ich nämlich auch nicht. Egal was Brutus ist, er ist nicht nur bloß ein guter Junge.“
    • Jennagon schrieb:

      Verdattert schlug Brutus mit seinen Kopf auf die Theke und verharrte in dieser Position.

      seinem

      Etwas, was seiner jüngsten Schwester noch bevorstand, aber diese war gerade so alt, dass Onyx nicht mehr versuchte ihr kindische Zöpfe zu flechten. Ja, richtig. Onyx flocht seinen Töchtern Zöpfe, aber das nur am Rande.

      Diese Vorstellung finde ich immer noch zum schießen. Onyx sitzt in der Küche, seine jüngste vor ihm und rudert ungeduldig mit den Beinen, während der Papa fleißig Zöpfe flechtet. hahhahhahha. Das ist immer noch genial! :thumbsup:

      Die vier Herren, die zuvor von Brutus mit aller Höflichkeit zum Gehen aufgefordert worden waren, traten wieder ein, aber nicht allein,

      räusper.....höfflich.....ja klar :D

      Sie waren etwas zu ehrgeizig, ruhten sich auf den Erfolgen ihrer Väter aus und waren der Ansicht, dass sie ebenso heldenhaft seien wie diese.

      zwischen den rot markierten Worten kommt ein süßes, nettes Kommachen, Jenny - Schatz :)

      Mit dieser Meinung standen sie aber allein im Raum.

      Das "aber" kann weg. Ist in diesem Moment nur ein unnötiges Füllwort. Man versteht den Satz auch ohne das "aber".

      Wortlos steig er vom Hocker und stellte sich in ihre Mitte.

      stieg

      Umgehend wollte sie ihre Kräfte messen.

      die Männer statt sie. Sonst könnte man auf die Idee kommen, dass du Ally meinst. Würde zwar keinen wirklichen Sinn ergeben, aber....naja, so könnten auch keine Verständigungsprobleme auftauchen, wenn man diesen Satz liest.

      Dem Fremdling zeigen, dass er ihnen unterlag, aber das tat Brutus nicht … das tat er nie.

      Wiederholung

      Ich gebe dir vier Mondzyklen, dann sind alle Gegenden friedlicher als eine Kinderwiege“,

      Komma, zwischen rot markierte Wörter.

      Hieß der Kommandant nicht mal anders? Irgendwie war mir so. Habe zwar keine Ahnung mehr wie, aber irgendwie war der Name doch anders, oder? :whistling:

      „Wenn du einmal deine Kräfte auf dem Feld so einsetzen würdest, wie in einfachen Prügeleien, dann wäre damit besser gedient.“

      Markierte Stelle klingt irgendwie komisch. Da fehlt nen Wort, würde ich meinen.

      „Ihr wisst ja gar nicht, wie ihr mir alle auf die Nerven geht!“,

      Füllwort.

      Ich finde diesen Teil sehr gut :thumbsup: vor allem mag ich Ally. Die kommt immer wie die liebe, nette Großmutter rüber, die Brutus gut gebrauchen kann, wenn er von allen herunter gemacht wird und nicht wirklich weiß was er ist und wo er hingehört. Den Kommandanten finde ich immer noch gemein :|
      Davon mal abgesehen will ich das du ganz schnell was neues reinstellst, damit wir alle weiter lesen können und uns von unseren neuen Helden verzaubern lassen können. :D
      Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?
    • Ich kann mich Kisa nur anschließen, der Teil ist dir wirklich gut gelungen :thumbsup:
      Brutus ist zwar irgendwie ein bisschen seltsam aber iauf seine Weise halt wirklich ein 'guter Junge'.
      Schreib schnell weiter :stick:
      Spring - und lass dir auf dem Weg nach unten Flügel wachsen ~R.B

      Sometimes you have to be your own hero.
    • Waaaartet auf mich 8o

      #15

      Sie waren selbst daran Schuld, wenn sie sich mit Brutus anlegen wollten. Onyx´s Sohn hasste die Art von Auseinandersetzungen eigentlich, weil diese Männer nicht seine Feinden waren

      Feinde

      Oho, Brutus spürt nichts? Keine Erschöpfung und so? Das kann aber ganz schön ins Auge gehen. Interessanter Charakter und authentisch gestaltet 8o Und er wird immer sauer, wenn jemand das M-Wort sagt? :rofl: Da kenne ich noch einen ^^

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Das kreisende Tuch in Allys Hand stoppte auf dem Tresen. In Ociels Stimme konnte sie erkennen, dass sich so mancher vor Brutus fürchtete, darunter auch er. Na gut, es war keine Furcht wie vor einem Feind, aber vor etwas, was man nicht verstand. Ferda, seine Königin, hatte längst schon ihren Verdacht geäußert. Sie vermutete, dass es damit zusammenhing, dass Brutus so unverwüstlich wirkte, weil er zu einer Zeit gezeugt wurde, als sein Vater noch ein Gott gewesen war. Dieser hatte seinen Kräften zwar entsagt, aber man konnte nicht mehr ändern, was im Leib seiner Frau heranwuchs. Immerhin war der Beweis dafür, dass sich Brutus unterschied schon der, dass er überhaupt existierte. Seine Mutter hätte nach den Sagen der Wassernymphen nur Töchter zur Welt bringen dürfen, doch ihr erstes Kind war ein Junge gewesen. Erst als sie ihre göttergleichen Kräfte nicht mehr besaßen, änderte sich das wieder. Was das ewige Bündnis anging, wurde es Dank dem Ableben des Gottes, über Meere und Seen, geschwächt. Die Wassernymphen, die danach zur Welt kamen, banden sich zwar immer noch an einen Mann, aber es war nicht mehr tödlich für sie, wenn diese Liebe unerwidert blieb und sie verzichteten darauf, andere Männer als ihre Leibspeise zu betrachten. Die Kette, die sie an jene Personen fesselte, war unlängst zu einem Band geworden und verkörperte mehr „Die Liebe auf den ersten Blick“, als eine verhängnisvolle, unfreiwillige Zuneigung. Brutus wusste nicht, ob er in der Beziehung auch den Wassernymphen glich. Ob er einst einer Frau begegnen würde, an die er sich auf ewig band. Deshalb war er in seinem Alter lieber allein oder ging haltlosen Liebeleien nach, die mehr körperlicher Natur waren. Geschwärmt hatte er schon für so manche Frau, aber nie hatte er eine Kette, ein Band oder Ähnliches wahrgenommen. Er hatte keinen blassen Schimmer, inwieweit er der einen oder anderen Rasse verschrieben war. Das konnte schon ganz schön verwirrend sein. Vor allem, wenn niemand zu sagen vermochte, was er war. Nicht einmal die Kräfte seiner Tante reichten aus ihm darüber Auskunft zu geben und Levia, seine Base, nahm ihn nicht mal ernst, obwohl sie die Orakelkräfte ihrer Mutter besaß. In seiner näheren Umgebung beherrschte er Stein, genauso wie Wasser. Wenn man ihn näher betrachtete, fielen einem auch die weißen, streifenförmigen Hautstellen an seinem Hals auf, die keine symmetrischen Narben waren, sondern sich unter Wasser als Kiemen herausstellten. An der Oberfläche legten sie sich nur an, so dass sie weniger auffielen. Dennoch konnte er diese Form nicht heraufbeschwören wie seine Steingestalt, sondern sie war allgegenwärtig.


      Brutus lief also in den Urwald. Wütend stapfte er durch das Unterholz und äffte Ociels Worte nach.
      Er kletterte etwas an den felsigen Wänden herum und fand sich dann in einem Teil des Urwaldes wieder, indem er zuvor noch nie gewesen war. Die Wut hatte ihn südlich des Flusses gelotst und der Urwald waren immer dichter geworden. Durch die Baumreihen konnte er nur schemenhaft die Stadt und den Palast erkennen, demnach war er eigentlich noch nicht weit genug weg.
      Im Inneren wusste er selbst, dass er nicht gehen würde, aber etwas Abstand konnte in den nächsten Stunden nicht schaden. Talea würde sicherlich nach ihm suchen, da sie sich ihren Dienst immer teilten, aber auch seine jüngere Base wollte er nicht sehen, die immerzu nur freche Randkommentare ausstieß und meinte, dies würde ihn aufmuntern. Ihm war einfach so unglaublich langweilig und er hatte sich verändert. Nein. Brutus glaubte viel mehr, alle anderen hatten sich verändert und das stimmte zum Teil auch. Als er dort ankam, mit seinen fünfzehn Wintern auf dem Rücken, war er noch ein humorvoller Jüngling gewesen, der alles dafür getan hatte, seiner Aufgabe treu zu bleiben. Wenn Levia alleine war und weinte, weil ihre Eltern keine Zeit hatten oder in fremden Ländern unterwegs gewesen waren, dann zog er sich die Kleider seiner Tante an und ahmte sie nach, um seine Base damit wieder zum Lachen zu bringen, was ihm meistens gelungen war. Denn, wer würde nicht über einen, schon recht muskulösen, jungen Mann lachen, der in Frauenkleider steckte?! Später ließ sich Talea davon anstecken und zog im Gegenzug dazu die Gewänder des Königs an, um das Bild zu komplettieren. Tanzend sprangen sie dann durch Levias Zimmer und lachten. Aber nicht nur Levia vergaß dadurch ihre Einsamkeit, auch die anderen beiden vergaßen, dass sie fern ihrer Heimat waren. Die Zeit verging. Aus den Kindern reiften zwei junge Frauen, aus einem Jüngling wurde ein Mann, wobei der Anblick von ihm in Kleidern nicht weniger belustigend gewesen wäre, aber es hätte nur noch ein Schmunzeln bei seiner Base verursacht. Levia wurde auf ihre Aufgabe als Hüterin von Aona vorbereitet, Talea sollte die Frau eines Drachenkriegers werden und würde daraufhin schon bald die Wache verlassen.
      Brutus hatte das Gefühl, jeder wandte sich von ihm ab, dabei war es nur das Leben, welches einfach weiterging. Er sah keinen Nutzen in dem, was er dort tat. Ihm kam es so vor, als sei er noch nicht angekommen. Brutus wollte dienen, etwas tun, vielleicht jemanden helfen. Sein ganzer Körper war zum Kämpfen ausgelegt, nur wogegen, das wusste er nicht. Gottgleich – so bezeichneten ihn flüsternde Stimmen, dabei gab es keine Götter mehr. Sich mit der Aufgabe zufriedengeben, dass er seine Base beschützte, tröstete ihn etwas, aber tief in ihm wusste er, dass das nicht sein Leben erfüllen würde. Selbst all das Bier und der Wein konnte ihm darüber nicht hinweghelfen – außerdem brauchte er eine ganze Menge davon, um das überhaupt ansatzweise zu bewerkstelligen. An diesem Tag bemerkte er bloß ein angenehmes Kribbeln in seinem Kopf, aber das konnte auch von den Schlägen seiner Widersacher kommen, die er zu Beginn einstecken musste.
      Da saß er nun. Irgendwo zwischen Bäumen und Farngewächsen und wusste nicht so recht, was er tun sollte – abgesehen von weniger trinken. Die Zeit raste an ihm vorbei, während ihm seine Gedanken endlos vorkamen. Immer wieder, wenn er darüber nachdachte, was und wo er eigentlich hingehörte, drängten sich die Bilder in seinen Verstand, wie er in Tukturin zu einem alten Mann werden und irgendwann so gebrochen im Inneren sein würde, dass er nur noch einen Schatten seiner Selbst darstellen sollte. Der Einzige aus seiner glorreichen Familie, der nichts zu erzählen hatte. Aber alles Selbstmitleid half ja nichts. Er musste zurück. Sein Vater würde ihm sicherlich jeden Kiesel brechen, wenn er wüsste, wie vorlaut er sich teils benahm. Also stand Brutus von seinem Platz auf und war bereit zurückzukehren, um nachzugeben.
      Als er einige Schritte zurücktrat, um einen Weg hinunter von dem Hügel zu finden, schritt sein rechter Fuß ins Leere. Der Boden gab nach und er fiel in ein tiefes Loch, welches von Moos und Gestrüpp verborgen gewesen war.
      Brutus schlug gegen Felsen.
      „Au, aua … verdammte Scheiße. Ah ...“
      Und stieß sich dabei den Kopf so heftig, dass selbst er kurz das Bewusstsein verlor. Zum Vergleich: jeder andere wäre durch einen Sturz in diese Tiefe nicht mehr aufgestanden. Nie mehr ...
      Regungslos lag er da und Erinnerungen nahmen ihn gefangen. In seinem Traum befand er sich wieder in Nigrum und lief durch dessen Straßen. Und während er so dalag, bemerkte er nicht, dass sich etwas in der Höhle regte.
      Er sah in seinem Geist Kinder durch die engen Straßen rennen und wie sie sich hinter Sträuchern, Bäumen und Häusern versteckten, um „Fang mich“ zu spielen. Niemand, abgesehen von den Kindern, war in der Siedlung zu sehen. Sie lachten und kicherten jedes Mal, wenn sie ihm näherkamen. Brutus sah nur noch ihre Schatten und sie huschten schneller an ihm vorbei, als er sich herumdrehen konnte.
      Auch außerhalb der Traumwelt näherte sich ihm etwas. Zarte Füße blieben neben ihm stehen und man konnte erahnen, dass die unbekannte Person Brutus musterte. Tief hörte man jemanden einatmen und dann ließ diese Person etwas fallen. Ein buntes Tuch oder eine kleine Decke. Eine blasse Hand streckte sich nach seinem Gesicht aus und strich eine Haarsträhne aus seiner Stirn, während er auf seiner Brust lag und träumte.


      „Du hättest sie nicht wecken sollen“, flüsterten die Kinderstimmen und kicherten weiter. Brutus verstand das alles nicht. Aus irgendeinem Grund wusste er, dass dies nicht real sein konnte.
      Verzweifelt versuchte er die Kinder einzuholen, dabei wiederholten sie immer wieder den Satz und es wurde dunkler um ihn herum.
      „Wen? Wen hätte ich nicht wecken sollen?“, rief er ihnen hinterher. Schatten um Schatten kreuzten seinen.
      „Du hättest sie nicht wecken sollen!“
      Wieder hörte er den Satz aus einer dunklen Ecke flüstern.
      „Wen?“
      Langsam näherte er sich dem Ursprung der Stimme. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Brutus war keine ängstliche Person, aber dieser Traum umklammerte seine Brust so fest, dass er kaum noch atmen konnte.
      „Es ist noch zu früh.“
      „Für was?“
      Ein mageres Elbenkind kauerte in der Ecke und starrte Brutus mit weit aufgerissenen und verdrehten Augen an. Nur das Weiß konnte der Hüne erkennen. Plötzlich veränderte sich alles um ihn herum. Nigrum wurde mit einer Windböe davongetragen und zurück blieb verbrannte Erde.
      Eine Wüste aus dunklem Nebel, begleitet von einem schwefeligen Geruch, der ihm doch sehr echt vorkam.
      „Für das Ende!“
      Brutus schaute sich um und entdeckte die Kinder, die überraschender Weise hinter ihm standen.
      „Wer ist sie?“
      Die vier Kinder grinsten und sprachen mit einer Stimme nur zwei Worte:
      „Der Tod!“
    • Okay dieser Traum von Brutus ist wirklich beängstigend 8| ich schließe jetzt einfach mal, dass das ganze was mit den mysteriösen Füßen da neben ihm zu tun hat ^^
      Ansonsten ein sehr schöner teil! Der arme Brutus kann einem wirklich leid tun, Er ist nicht das eine und nicht das andere und irgendwie ... gar nichts.
      Spring - und lass dir auf dem Weg nach unten Flügel wachsen ~R.B

      Sometimes you have to be your own hero.