Bis zum letzten Schrei

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    • Hey @Sabrina

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      Yeahhh... endlich schließt sich der Kreis und wir kommen im Prolog an. sehr geil! Darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut :thumbsup:
      Ich habe mir gerade auch direkt noch einmal den Prolog durchgelesen und dabei ist mir etwas aufgefallen. Nachdem er den Raum betritt, schiebt er den Stuhl über den Boden und legt dann die Akten vor sich auf den Tisch, bevor er "Hallo Casey" sagt. Das könnte man eventuell noch mit reinnehmen... muss man aber nicht. Wäre nur so eine Idee.

      Im Grunde wundert einen jetzt nicht mehr im geringsten, dass Casey so durch den Wind ist. Schließlich hat man diesen Horror ja live mit ihr zusammen erlebt. Bis auf ihre Kindheitserlebnisse, aber die hast du dem Leser ja alleine durch die Flashbacks sehr realistisch dargestellt.

      Bin gespannt, wie es weitergeht und ob Casey die Kurve noch bekommt... muss ja- wär ja sonst auch irgendwie blöd, oder? Protagonistin bleibt ihr Leben lang in einer geschlossenen Anstalt, der Mann ihres Herzens klärt den Fall auf, heiratet dann aber eine andere :rofl: ( .... Wehe dir :nono: )



      LG,
      Rainbow
    • Der Mann, der den Raum betritt, ist Mitte Vierzig, schlank, gepflegt und trägt eine schwarze Hornbille. Sie erscheint viel zu groß angesichts seiner schmalen Gesichtsform. Sie ist ihm nach vorn auf die Nasenspitze gerutscht. Da er keine Hand frei hat, schielt er über den Rand der Brille hinweg.
      Schmale Lippen, eine gerade Nase, sein schwarzes Haar, das die ersten grauen Ansätze zeigt, hat er nach hinten gekämmt. Unter einem Arm trägt er mehrere Akten und einzelne Papiere, in der anderen Hand einen Kaffeebecher.
      Ich sehe den feinen Dampf, der von ihm aufsteigt.
      Er stellt ihn vor sich ab, als er am Tisch mir gegenüber Platz nimmt. Dabei kratzt der Stuhl über den Fließenboden. Das Geräusch jagt mir eine Gänsehaut übers Rückgrat.
      „Hallo Casey.“


      Ich antworte nicht, das tue ich nie, stattdessen wandert mein Blick zu dem Kaffeebecher. Ich sehe den Dampf und kleine Wassertropfen am Becherrand. In ihnen spiegelt sich das Neonlicht der Leuchtstoffröhren an der Decke.
      Ich mag dieses kalte Licht nicht, ebenso wie diesen Raum…

      Ich höre das feine Knacken und das Knistern der Deckenbeleuchtung, unterbrochen vom Kratzen des Stuhls als er hin und her rutscht. Ich schaue hinunter. Schwarz-weiße Fließen bedecken den Boden und erinnern mich an ein Schachbrett.
      Der dumpfe Laut, als er die Akten ablegt und darin blättert, lässt mich wieder aufschauen. Sein tiefes Einatmen sagt mir, dass er gefunden hat, was er sucht. Blätter rascheln mit gerunzelter Stirn überfliegt er die Zeilen, ehe er aufschaut.


      „Casey?“ Er hat die Finger ineinander verschränkt, sein Gesichtsausdruck ist ernst.
      „Wissen Sie, wo sie hier sind?“ Mein Blick schweift durch den Raum, registriert die mintgrün verputzten Wände. Die Tür und der längliche Spiegel daneben.
      Außer dem kleinen Tisch und den beiden Stühlen gibt es kein Mobiliar in diesem Raum. Das große Fenster aus Glasbausteinen in meinem Rücken spendet etwas Tageslicht.

      „Casey?“ Der drängende Tonfall sagt mir, dass er mich schon mehrmals angesprochen hat, ohne dass ich darauf reagiert habe. Ich richte meinen Blick auf ihn. Mit tief gerunzelter Stirn sieht er mich an, versucht in meinem Blick zu lesen.
      Ich bin müde, unendlich müde… Das machen die Medikamente, die sie mir hier geben. Bunte Pillen, die mich beruhigen. Sie sollen mir helfen… wobei? Ich will keine Fragen mehr, mir kommt das alles überflüssig vor und ermüdend.
      Mein Blick schweift zu dem Kaffeebecher zurück und ich höre sein resigniertes Seufzen.

      „Casey, bitte schauen Sie mich an!“ Er wartet bis ich den Blick zu ihm hebe.

      „Wissen Sie wie Sie hierhergekommen sind?“
      Ich runzel die Stirn und versuche mich zu erinnern, mich durch den Nebel in meinem Kopf zu kämpfen. Die blauen Augen des Manns lassen mich dabei nicht aus dem Blick. Ich habe das Gefühl, als wenn er tief in meine Seele schauen kann, in mein Innerstes. In die Dunkelheit, in das Grauen…

      Bilder blitzen auf, nur Momentaufnahmen meiner Erinnerung… Bilder, die mir Angst einjagen. Der Schweiß bricht mir aus und mir ist eiskalt. Ich kauer mich auf dem Stuhl zusammen. Die Beine angezogen, dicht an den Körper vergrab ich mein Gesicht zwischen den angewinkelten Knien.
      Versuche mich klein zu machen, unsichtbar, in der Hoffnung, dass Er mich nicht findet, mich übersieht. Nein!

      Ich höre das Kratzen des Stuhls auf dem Fließenboden, als der Arzt aufsteht, den Tisch umrundet. Nein!
      „Beruhigen Sie sich Casey. Alles ist gut! Sie sind in Sicherheit. Ihnen kann nichts mehr passieren…“
      Nicht Anfassen! Nur nicht Anfassen! Schreit alles in mir. Doch das kann er nicht hören. Niemand kann mich hören!
      Die Panik, die irgendwo in meinem Innern gelauert hat, tief vergraben, tritt an die Oberfläche. Der Stuhl fällt krachend um, als ich aufspringe, in die Ecke flüchte, mich zusammen kauer und wimmernd liegen bleibe.
      Nicht Anfassen…


      *


      Ein Geräusch weckt mich in der Nacht. Ich liege still und lausche…
      Mein Herz rasst ich habe Angst. Mama..? Ich wage nicht nach ihr zu rufen. Vielleicht ist Er in der Nähe…
      Angstschauer jagen mir über die Haut und lassen mich wimmern, als ich aus der Erinnerung seine Stimme höre, ganz nah an meinem Ohr.


      „Still! Sonst mach ich viel schlimmere Dinge mit Mami und das willst du doch nicht, oder?!" Seine Worte stehen im Raum, machen die Luft so dick, dass ich sie nicht atmen kann.
      "Gutes Mädchen, süße Prinzessin …"


      Ich schreie, schlage um mich, reiße die Augen auf. Schweiß überströmt liege ich auf dem Rücken, während der Nachhall meiner Schreie verebbt. Eine Tür wird aufgerissen und die Leuchtstoffröhren erwachen zum Leben. Geblendet wende ich den Blick zur Seite.

      Ich kann mich nicht bewegen. Meine Hand- und Fußgelenke stecken in gepolsterten Manschetten, die mit dem Gitter meines Bettes verbunden sind. Weitere Riemen schränken meine Bewegungsfreiheit ein. Ich bin festgeschnallt, zu meinem eigenen Schutz…
      Ich bekomme immer noch keine Luft und ringe nach Atem. Nur ein Traum Casey… es war nur ein verdammter Traum! Mein Herz hämmert in wildem Takt, ich versuche fieberhaft an etwas anderes zu denken, doch noch immer kann ich seine Hände auf meinem Körper spüren… seinen Übelkeit erregenden Atem riechen...


      Eine Frau kommt zu meinem Bett geeilt. Sie trägt einen weißen Schwesternkittel. Die Farbe passt sich der Umgebung an.
      „Beruhigen Sie sich, Casey. Ruhig atmen, dann wird es besser.“ Ihre Stirn ist gerunzelt. Aus Sorge oder Mitgefühl?
      Ich schätze sie auf Ende Vierzig. Das blonde Haar trägt sie als Pferdeschwanz und es zeigt graue Ansätze. Viele Lachfältchen umrahmen ihre blau- grauen Augen. Ich sehe im grellen Licht der Leuchtstoffröhren, den schwarzen Mascara auf ihren Wimpern...
      Sie greift nach meinem Handgelenk. Nicht Anfassen! Schreit es in mir. Anscheinend sieht sie meine Angst, hält inne und greift mein Handgelenk an der gepolsterten Manschette, darauf bedacht mich ansonsten nicht zu berühren.
      Das Atmen wird leichter und meine Panik lässt etwas nach. Ihre Nähe hat etwas Tröstliches, Beruhigendes...


      In diesem Moment wird die Tür aufgerissen. Ich zucke zusammen. Weitere Pfleger und Schwestern betreten den Raum, umrunden das Bett. Ich sehe sie näherkommen und dieser Anblick löst in mir etwas aus... Eine Erinnerung… Eine Szene, die Ähnlichkeit mit dieser hat.

      Wieder überfällt mich die Angst. Ich bin ihnen hilflos ausgeliefert, unfähig mich gegen sie zu wehren und das was sie tun tut mir weh… und keiner kommt mir zur Hilfe so wie jetzt!

      Wie durch einen Nebel aus Angst und Panik höre ich aufgeregte Stimmen. Ich wehre mich, schreie, stemme mich gegen die Fesseln. Nein! Ein Arzt schiebt sich durch die Reihen der Pfleger, drängt sich zum Bett.
      Ich sehe seinen weißen Arztkittel, der vor meinen Augen verschwimmt. Stattdessen hat er grüne OP Kleidung an, sein Gesicht ist unkenntlich durch Mundschutz und Haube, lediglich die stechend blauen Augen sind zu sehen. Fetzen einer Unterhaltung drängen sich mir auf.

      „Doktor Miller, schön dass Sie es noch einrichten konnten. Es ist alles vorbereitet.“ Eine Frauenstimme die mir bekannt vorkommt. Woher? „Dann fangen wir an!“ Antwortet eine tiefe Stimme, gedämpft durch den Mundschutz. Der Schleier reißt für einen Augenblick und ich sehe besorgt blickende Augen hinter einer schwarzen Hornbille. Das Gesicht ist mir vertraut...

      „Casey! Hören Sie mich?“ Mir wird bewusst, dass mich die Schwestern und Pfleger auf die Unterlage des Betts drücken. Hinter dem Arzt erhasche ich einen Blick auf eine der Schwestern. Sie zieht eine Spritze auf... Nein!


      Alles verschwimmt, Traum und Realität werden eins! Ich bin verloren, Ihnen ausgeliefert, in meinem Alptraum gefangen.
      Aus meinem Innern löst sich ein verzweifelter Schrei…



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      Somit schließt sich der Kreis und wir sind wieder an der Stelle angekommen von der wir gestartet sind! Aber keine Sorge ich werde es nicht an dieser Stelle enden lassen. Also seit weiterhin gespannt auf das was folgt!
      Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.

      Ein spannender Krimi erwartet Euch im No Fantasy Bereich Bis zum letzten Schrei. Viel Spass beim lesen :D
    • Sabrina schrieb:

      Somit schließt sich der Kreis und wir sind wieder an der Stelle angekommen von der wir gestartet sind! Aber keine Sorge ich werde es nicht an dieser Stelle enden lassen
      Danke dafür XD
      Es war schon spannend und ich hab schon befürchtet, dass es da aufhört :panik:
      (Wäre eine gute Stelle, aber für Casey würde es mir sehr leid tun X/ )
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Hey @Sabrina,

      Obwohl dieser Teil ja nun schon vom Anfang bekannt ist, kommt er jetzt hier an der Stelle noch mal ziemlich gut :thumbsup:

      Es würde mich mal interessieren, wie Casey auf Jamie reagiert. Dass ihr diese Situation hier bedrohlich erscheint, kann ihr wohl nach der ganzen Geschichte niemand verübeln. Aber was wäre, wenn er den Raum betreten hätte? Kurz hatte ich mir das in dem Moment gewünscht.... aber du hast offenbar andere Pläne :pardon:

      Also abwarten, wie es weitergeht :D ...
    • „Was soll das heißen, sie hatte einen Rückfall? Wie soll ich das verstehen? Es ging Casey doch gut und Ihre Aussage beim letzten Mal war, dass ich heute mit ihr sprechen kann, Doktor Harris?“
      Der Arzt war ein Mann Mitte Vierzig mit dunklem kurzgeschnittenen Haaren einem Seitenscheitel und einer dunklen Hornbille, die er gerade wieder auf den Nasenrücken zu Recht schob. Eine Geste die Jamie von ihm kannte. Nicht sehr selbstsicher für einen Mediziner, ging es Jamie durch den Sinn, aber lieber so als anders.

      Der gute Doc war sauber. Er selbst hatte den Arzt und seinen Lebenslauf gründlich überprüft. Keine Vorstrafen, nicht einmal ein Ticket für zu schnelles Fahren fand er im System. Als behandelnder Arzt von Casey, war diese Überprüfung das erste gewesen, was Jamie in die Wege geleitet hatte, kaum dass er von Caseys Überweisung in die psychiatrische Abteilung des Memorial Hospital in Philadelphia erfuhr. So unscheinbar der Arzt auch vor ihm wirkte, er war auf seinem Gebiet fachkundig, qualifiziert, dass bestätigten alle die mit ihm zu tun hatten.

      „Es tut mir leid, Agent Maxwell, aber der Rückschlag war nicht voraus zu sehen. Bei ihrem letzten Besuch waren die Umstände noch anders. Miss Morgan hatte eine gute Heilungsprognose, doch jetzt liegt das alles in weiter Ferne, wenn sie mich fragen. Es tut mir leid, das ich keine besseren Nachrichten für Sie habe.“ Sein Pager vibrierte, er nickte Jamie abschließend zu, dann drehte er sich zur Seite um auf das Display zu schauen. Für ihn war das Gespräch beendet, doch so leicht gab Jamie nicht auf.
      „Doktor, ich muss sie sehen. Nur für einen Augenblick!“
      Der Arzt wandte sich ihm wieder zu, hatte die Stirn gerunzelt und schien zu überlegen. Die Augen hinter der Brille fixierten ihn. Jamie hatte das empfinden, als könnte er in sein inneres schauen.
      Spannung lag greifbar zwischen ihnen in der Luft.
      „Bitte…“ Es viel Jamie sichtlich schwer das Wort auszusprechen aber er musste Casey sehen. Mit zittrigen Fingern strich er sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn.


      „Agent Maxwell, darf ich ihnen eine persönliche Frage stellen?“
      Sein Nacken begann unangenehm zu kribbeln. Jamie rieb sich in einer unbewussten Geste darüber.
      „In welchem Verhältnis stehen sie zu Miss Morgan?“
      Ihm war klar, dass der Arzt nicht ihr Arbeitsverhältnis meinte, er wollte es genau von ihm wissen. Jamie sprach das aus, was ihm in den letzten Wochen klar geworden war. „Ich liebe Sie.“


      „Fünf Minuten, unter Aufsicht, nicht länger. Es ist ein Versuch, Agent, wenn es nicht funktioniert oder sie negativ auf Sie reagiert, brechen wir sofort ab. Das muss ihnen klar sein.“ Seine Miene war ernst und entschlossen auf Jamie gerichtet. Der Arzt würde in dieser Sache nicht mit sich handeln lassen. Entweder ging er darauf ein oder Jamie würde Casey heute nicht sehen.


      „Gut Doc, Ich vertraue ihnen. Sie wissen schon was richtig ist, danke.“ Der Arzt nickte und schaute zur Uhr und dem Pager der abermals vibrierte. „Eine Schwester wird ihnen Bescheid sagen, Agent Maxwell. Nehmen sie solange im Wartebereich Platz.“

      Jamie nickte zu erleichtert um die richtigen Worte zu finden, ferner war der Arzt bereits dabei eine Nachricht in den Pager zu tippen. Er würde Casey sehen, dass war alles was er wollte und das hatte er erreicht. Ein unbeschreibliches Hochgefühl durchrieselte ihn. Endlich, nach endlos erscheinenden zehn Tagen würde er Casey das erste Mal wiedersehen.


      Irre ich mich, oder bist du verdammt bescheiden geworden, was deine Wünsche angeht, Maxwell?! Flüsterte ihm eine gehässige Stimme aus seinem Hinterkopf zu. Und Jamie gab seinerseits die Antwort darauf. Wenn es um Casey geht, stimmt das wohl.

      In den letzten Wochen, die hinter ihm lagen hatte es einige Tiefschläge gegeben. Sowohl bei der Ermittlung im St. Maries Fall, als auch bei Caseys Gesundheitszustand. Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung wandte Jamie sich in die Richtung wo der Wartebereich lag. Er kannte den Weg von seinen vergangenen Besuchen, die ihn meist vergeblich hierher geführt hatten. Doch dieses Mal nicht! Er würde Casey sehen und das war im Moment das Wichtigste!
      Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.

      Ein spannender Krimi erwartet Euch im No Fantasy Bereich Bis zum letzten Schrei. Viel Spass beim lesen :D
    • Oh, da bin ich ja mal gespannt, wie Casey auf Jamie reagieren wird. Hoffentlich geht das nicht schief und er erinnert sie irgendwie an ein Schlüsselerlebnis, das sie dann wieder aufregt. Manchmal braucht es ja nur einen Trigger...irgendeinen scheinbar belanglosen Auslöser....ein Parfum oder der Klingelton eines Handys zum Beispiel und dann ist alles aus. Dann ist ganz egal, wer vor ihr steht und sie wird wieder Panik bekommen und abdriften.

      Mal sehen, was du dir ausgedacht hast und ob die zwei jetzt wirklich so schnell zueinanderfinden ^^

      LG,
      Rainbow
    • Während Jamie auf den Wartebereich zusteuerte, gingen ihm viele Gedanken durch den Kopf. Eine leise gehässige Stimme trübte das anfängliche Hochgefühl. Sie sprach das aus, was er sich die letzten Wochen schon öfters gefragt hatte.
      Was tust du, wenn sie dich nicht erkennt? Nicht auf dich reagiert? Was, wenn all das was ihr euch zurechtgelegt habt, du und der Chief, nicht funktioniert? Wenn da nichts mehr ist, woran sie sich erinnern kann, was euch eventuell weiterhilft bei den Ermittlungen? Was, wenn sie nicht mehr dieselbe Casey ist, die du kennst? Was machst du dann, Maxwell?


      Seine Schritte hatten sich immer mehr verlangsamt bei diesem Gedankengang, bis er mitten auf dem Krankenhausflur stehen blieb. Ein Tonnengewicht schien auf seinen Schultern zu Lasten und ihn niederzudrücken. Gleichzeitig hatte er das Gefühl jemand quetsche seinen Brustkorb schmerzhaft zusammen. Er bekam kaum noch Luft, so sehr tat ihm die Vorstellung weh.

      Er liebte Casey, aber dieses Dasein, für immer in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt zu sein, hätte sie nicht für sich gewählt. Jamie kannte ihre Ängste vor zu engen Räumen. In ihnen bekam sie keine Luft, Panik - Attacken der schlimmsten Art waren die Folge, Schweißausbrüche, Angstzustände. Es war für sie der blanke Horror, gefangen wie ein Tier im Käfig …

      Allein die Vorstellung, dass sie das ertragen musste, machte ihn krank. Er konnte das einfach nicht zulassen… Nicht Casey…
      Jamie Stopp! Er rief sich selbst zur Ordnung.

      Du weißt noch gar nicht, ob sie auf dich reagiert. Sie muss einfach eine Reaktion zeigen und du wirst alles dafür tun! Also reiß dich zusammen Mann, noch ist nichts verloren.


      Die Sitze im Wartebereich waren schalenartig geformt, weiß und ohne Armstützen. Man hatte sie an zwei der Wände fest montiert. Nicht schön, aber funktional. Der Raum war rechteckig geschnitten, Maß circa vier mal fünf Meter. Jamie betrat den ansonsten leeren Wartebereich durch einen Durchlass.
      Die Wände waren in zartem Mint gestrichen, die Decke neutral in Weiß. Auf zwei kleinen Beistelltischen, die ebenfalls festmontiert waren, lagen Tageszeitungen und Illustrierte. An der einzigen freien Wand neben der Garderobe hatte sich ein Airbrush- Künstler mit einem Lebensbaum verewigt, an dessen Ästen Fotos der praktizierenden Ärzte und Schwestern auf dieser Station prangten. Er schenkte ihm keinerlei Beachtung, da er es von seinem letzten Besuch noch kannte. An der Belegschaft hatte sich in den letzten Tagen sicher nichts geändert.

      Jamie durchquerte den Raum zum Fenster an der gegenüberliegenden Seite des Raums. Jamie sah das feine Gespinst an Linien, die sich durch das Glas zogen. Feine Sensoren, die sofort einen Alarm auf der Station auslösen würden, sollte man versuchen das Fenster unerlaubt zu öffnen. Er kannte das Sicherheitssystem hier, auch das war eins der Sachen, die er als erstes überprüft hatte.
      Mit einem Summen machte sich der Vibrationsalarm seines Handys bemerkbar und Jamie fluchte leise. Ein Blick auf das Display und er erkannte die Nummer des Chiefs. Eigentlich war es anders zwischen ihnen abgesprochen. Jamie sollte Jakobs Anrufen, aber erst wenn er wusste wie es Casey ging. Jetzt konnte er konkret noch gar nichts sagen. Mit einem Seufzer nahm er das Gespräch an.

      „Maxwell, hier?“ Jamie brauchte nicht lange zu warten.
      „Entschuldigen sie Jamie, aber gibt es bei ihnen schon etwas Neues? Ich hoffe schon, ansonsten dreht uns der Commissioner, was diese Ermittlungen angeht, den Hahn zu. Die Staatsanwaltschaft hat sich an den oberen Gerichtshof gewandt, damit wir die Finger von der Sache lassen. Wenn das so weiter geht, schicken sie mich noch vorzeitig in den Ruhestand, Maxwell. Uns steht das Wasser bis zum Hals.“
      „Ich kann leider noch nicht viel sagen, Chief. Casey hatte einen Rückfall. Ich habe Glück, dass ich Harris überzeugen konnte sie überhaupt zu sehen.“ Er hörte den Chief am anderen Ende der Leitung Seufzen.
      „Melden Sie sich, wenn sie mehr wissen, Jamie.“
      „Das tue ich, Chief. Ich muss jetzt Schluss machen.“
      „Viel Glück!“ Mit diesen Worten klackte es in der Leitung.
      „Das kann ich gebrauchen…“, flüsterte Jamie, ehe er das Handy wieder einsteckte.
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    • Hey @Sabrina,

      ich finde, du hast diese Szene des Wartens sehr gut beschrieben und die ganzen Gedanken, die Jamie durch den Kopf gehen, während er dazu verdammt ist, zwischen diesen mintgrün gestrichenen Wänden und den sterilen Plastikstühlen dem Moment entgegenzufiebern, da er Casey endlich sehen darf.

      Bin schon sehr gespannt, ob sie ihn erkennt und wie ihre Reaktion aussehen wird :gamer: Ansonsten habe ich an dem Teil nix zu meckern...schreib`schnell weiter, ja?

      LG,
      Rainbow
    • Neu

      Die Wartezeit zog sich hin und Jamie dachte an die Ereignisse der letzten Wochen zurück. Viel war passiert, sowohl bei den Ermittlungen, als auch bei Caseys Zustand.

      Im Endeffekt hatte Doktor Michael Miller Recht behalten, mit seiner anfänglichen Prognose das Caseys Gesundheitszustand sich schnell ändern konnte. Nur wenige Stunden später hatte ihn der Doktor telefonisch informiert, dass ihr Zustand sich verschlechtert hatte. Umso wichtiger war seine Suche nach Caseys nahen Verwandten.
      Einige Telefonanrufe später wusste Jamie, dass außer der Grandma in Iowa keine weitere Familie existierte. Das Auffinden von ihr bereitete keine Schwierigkeiten, das Sprechen allerdings schon. Caseys Grandma lebte mittlerweile in einem Seniorenstift im Süden Iowa´s.

      Allerdings stellte sich die Leiterin quer und weigerte sich strickt Caseys Grandma ans Telefon zu holen. Erst durch Drohungen und einige Gespräche mit hiesigen Kollegen bekam Jamie die ältere Dame an den Apparat. Wie sich bei dem Telefonat herausstellte, war Caseys Grandma eine resolute Frau, Mitte Achtzig, die in diesem Wohnstift für viel Wirbel sorgte, was der Leiterin allerdings nicht gefiel.

      Unter anderem hatte Caseys Grandma gedroht, einige Missstände in diesem Alterssitz anzuzeigen und auch die Presse ins Bild zu setzen. Jamie hatte die alte Dame sofort ins Herz geschlossen. Jetzt wusste Jamie, von wem Casey ihren Sturkopf hatte.
      Kurz nach ihrer Ankunft am Flughafen hatte Jamie einen weiteren Anruf aus der Klinik erhalten. Caseys Zustand war über Nacht noch schlechter geworden, so dass der Arzt gezwungen war zu handeln. Im Krankenhaus wurden sie darüber informiert, dass man bei Casey aufgrund einer Hirnblutung operierte.
      Die anschließenden Stunden, im Wartebereich des OP Trakts waren für Jamie die schlimmsten seines Lebens. Wie ein Tiger marschierte er die Reihen auf und ab. Schreckte jedes Mal zusammen, wenn sich mit einem Zischen einer der Luftschleusen öffnete und wieder schloss. Ihm war im Wechsel heiß und kalt. Er hasste Krankenhäuser.

      Irgendwann nach einer halben Ewigkeit des Wahnsinns hatte man sie an ihm vorbei gefahren. Ein blasses Gesicht unter den Augen tiefe Schatten, schmale Lippen… Ihr Körper mit Schläuchen, Kabeln, Apparaturen verbunden. So zerbrechlich, verletzlich… Seine Casey…
      Sie war nicht bei Bewusstsein, in tiefer Narkose.

      „Um die Heilungschancen zu erhöhen“, wie Jamie die Stimme des Arztes, wie durch einen Nebel hörte. In diesem Moment, noch unter Schock von ihrem Anblick, hätte er nie geglaubt, dass sie sich körperlich wieder so gut in dieser Zeit erholen könnte. Doch sie hatte wieder einmal alle, Ärzte, Schwestern, und auch ihn eines Besseren belehrt.
      So erfreulich das war, ihr Geistiger und Seelischer Zustand war eine andere Sache. Und machte die Überweisung zu einem Spezialisten wie Doktor Harris unumgänglich.

      Ein leises Geräusch in Jamies Rücken ließ ihn herum fahren. Eine junge Schwester war einen Schritt zurückgewichen. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände. Ängstlich hatte sie die Augen aufgerissen. Er folgte ihrem Blick zu seiner Hand, die auf dem Halfter lag.
      „Bitte entschuldigen Sie Schwester.“ Mit seinem T-Shirt verdeckte er wieder die Waffe. Sie brauchte einige Augenblicke um sich zu fassen.
      „Wir haben alles vorbereitet, der Doktor erwartet sie. Bitte hier entlang!“



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      Wie gewünscht, schreibe ich schnell weiter, @Rainbow! Aber jetzt ist es wirklich nicht mehr weit, meine lieben Leser! :D
      Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.

      Ein spannender Krimi erwartet Euch im No Fantasy Bereich Bis zum letzten Schrei. Viel Spass beim lesen :D