Gejagt...

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    • Jegar schritt mit bedächtigem Schritt über die Straße. Den Kopf sorgfältig unter einer Kapuze verborgen, duckte er sich zwischen die Massen, die ihn wie Meerwasser umspülten. Stimmen hallten laut aus all den Gassen und Gerüche hatten sich wie eine schwere Decke aus Kräutern, Unrat und diversen anderen Dingen über sie gelegt. Jegar ignorierte das alles, scheinbar teilnahmslos und stier ließ er sich von der Menge mitziehen. Alles was ihn aus der Masse hervorhob, könnte seinen Verfolgern auffallen. Er wusste, dass sie irgendwo hier waren, hier lauerten, bereit bei der kleinsten Unaufmerksamkeit zuzuschlagen. Seine Finger tasteten über seinem Mantel nach dem Metall der Messer darunter. Ihre Unnachgiebigkeit beruhigte ihn. Plötzlich erhaschte er aus den Augenwinkeln den Anblick einer jungen Frau, die ihn zu mustern schien. Als er jedoch in ihre Richtung blickte, schweifte ihr Blick bereits wieder über die Auslagen eines Standes der verschiedene Stoffe feil bot. "Feinste Seide, Baumwolle und robuste Baumwolle", brüllte der Verkäufer gerade in die von den vielen Körpern aufgeheizte Abendluft hinaus, "Die beste Qualität in der ganzen Stadt." Hatte sie sein Tasten bemerkt? Ohne weiteres Interesse zu zeigen wandte sie sich wieder von dem sichtlich enttäuschten Verkäufer ab, dem ihr Interesse an seinen Waren bereits aufgefallen hatte, und ging ihres Weges. Jegar versuchte unauffällig zu bleiben und folgte ihr, während er sie weiterhin aus den Augenwinkel beobachtete. Sie war nicht besonders groß und trug einen einfachen langen Mantel. Über ihren Rücken ergoss sich eine Flut dunkelbrauner Locken. Sie ging schnell, maß den anderen Leuten ebenso viel Bedeutung zu wie ihm und bog, als Jegar sich gerade entschieden hatte sich zurückfallen zu lassen, in eine schmale Nebengasse ab. Er zögerte kurz. Sie schien eine ganz normale Person zu sein und vermutlich hatte er sich ihren Blick nur eingebildet. Außerdem gäbe es weit Klügeres als ihr zu folgen, wenn sie tatsächlich eine jener Attentäter war, die hinter ihm her waren. Trotzdem blieb er unschlüssig an der Biegung stehen. Er blickte um die Ecke, sah in bereits weiter Entfernung eine Person um eine weitere Ecke verschwinden und betrat schließlich ohne weiter nachzudenken die Gasse. Es war vielleicht dumm, besonders da die späte Stunde die Sonne bereits hinter den Horizont gedrängt und das meiste Licht des Tages vertrieben hatte, doch letztlich siegte die Neugier. Schnellen Schrittes um sie nicht zu verlieren, jedoch bemüht leise, ging er ihr hinterher. An der Stelle angelangt, an der sie verschwunden war spähte er in die darauffolgende Gasse. Sie war leer. Und das nicht etwa weil die Frau bereits um die nächste Biegung verschwunden war, denn diese war noch weiter entfernt als die vorherige. Nachdenklich blieb er einen Moment lang stehen. Vermutlich war sie in einen dieser unzähligen Hauseingänge betreten. Vielleicht wohnte sie hier und besuchte jemanden. Es ging ihn sowieso nichts an. Er scholt sich einen Narr und drehte sich schulterzuckend wieder um, eine dunkle Gasse, ob leer oder nicht, war immer ein gefährlicher Ort, und spürte prompt kalten Stahl an seinem Hals. Vor ihm stand die junge Frau, der er gefolgt war und funkelte ihn aus dunklen Augen an. "Wieso verfolgst du mich", fragte sie und druckte den Dolch fester an seinen Hals. Erste Bluttropfen drangen aus dem flachen Schnitt. Eine Warnung auf mehr. Jegars Gedanken ratterten. Sie hatten ihn. Nach unzähligen Monaten der Jagd, hatte seine Vergangenheit ihn endlich eingeholt. Verzweiflung machte sich breit. "Was haben sie für meinen Kopf geboten", fragte er um sich etwas Zeit zu erkaufen und war stolz, dass er seine Stimme ruhig halten konnte. Einen Augenblick lang schien es ihm, als würden sich ihre Augen um einige wenige Millimeter weiten. War das Überraschung gewesen? "Haben sie dir erzählt ich wäre ein Mörder oder ein Dieb oder haben sie dir die Wahrheit gesagt", fuhr er fort und bemühte sich möglichst viel Spott in seine Stimme zu legen. Unauffällig fühlte er nach dem Dolch, der sich in einer Scheide an seinem Unterarm befand. Vielleicht war da eine Chance. Wenn, dann jedoch sicher seine einzige. "Oder haben sie dir gar nichts gesagt außer die Belohnung und das Ziel", schob er eine letzte Frage nach und ließ sich nach hinten fallen. Im Sturz ließ er seinen Arm vorschnellen, so dass sich der Dolch aus der Scheide löste und dessen Griff in seine Hand glitt. Auf dem harten Boden bremste er seinen Aufprall, indem er sich abrollte und wieder auf die Beine kam. Die Frau war indes auch nicht untätig gewesen. Ein schneller Ausfallschritt und der Dolch drückte erneut an seinen Hals, diesmal fester und ihm schien es fast kälter. Doch jetzt drückte auch sein Dolch an ihre Brust. Es war nur ein Wurfdolch. Die Wunde wäre nicht sehr tief, aber tief genug um ein paar Organe zu erreichen. Trotzdem, mit etwas Glück würde sie überleben. Ein aufgeschnittener Hals indes... Aber wenigstens war es etwas. Irgendetwas.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • Norwen beugte sich interessiert über ein paar alte Schriftrollen, die am Stand eines Antiquaren auslagen.
      "Verzeiht, werter Herr, doch dürfte ich einen Blick in diese Rollen wagen?", fragte er höflich den Verkäufer. Dieser nickte nur. Er war kein sehr gesprächiger Mensch, doch entgegenkommend. Und offenbar gefiehl ihm Norwens Interesse an seiner Ware.
      Er entfernte das Band, das die Rolle zusammenhielt und rollte das Papyrus vorsichtig auf. Kurz musste er blinzeln, um sich an die kleine Schrift zu gewöhnen, dann machte er sich daran, die Informationen aus dem kostbaren Schriftstück herauszusaugen. Es waren altöstische Runen, wie man sie bis vor knapp sechhundert Jahren im gesamten Menschenreich noch verwendet hatte. Norwen brauchte einen Augenblick, doch dann erinnerte er sich.
      Der Text war ein historisches Journal von Yerininger, einem bekannten Autor. Norwen hatte seine Werke mit Faszination gelesen, und er spürte, wie sich sein Puls beschleunigte.
      Ein echtes Journal von Yerininger? Es ist doch nicht etwa ein Journal der Erlebnisse, die ihn zu seinen großartigen Romanen inspiriert haben? Er musste es herausfinden.
      "Werter Herr, ich würde diese Rolle gerne kaufen", meldete er dem Antiquariaten. Schnell kramte er seine Börse aus seinem Beutel.
      "Eine gute Wahl. Das macht drei Goldstücke." Es war ein gesalzener Preis, doch Norwen zahlte ihn bereitwillig.
      In diesem Moment bemerkte er sie.
      Norwen beobachtete sein Umfeld stets aufmerksam. Auf seiner Reise hatte er eine Menge Menschenkenntnis angesammelt, daher war er in der Lage, Bedrohungen zu erkennen, bevor sie sich tatsächlich als solche entpuppten. Und zwei davon waren gerade kurz nacheinander in eine der Seitengassen in Norwens Nähe hineingelaufen.
      Zuerst war da eine junge Frau mit einer wilden Lockenmähne und einem Dolch gewesen. Kurz darauf war ihr ein Kapuzenträger hinterhergegangen, der sich so viel Mühe gab, unauffällig zu wirken, dass er Norwen sofort aufgefallen war.
      Vorsichtig um die Ecke spähend folgte Norwen den beiden in die Gasse. Die Schriftrolle lag sicher in seinem Beutel, dessen hatte er sich vergewissert. Er umfasste seinen Stab etwas fester und lief los.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
      Guck mal Mama, eine Geschichte!
    • Sie sah ihn, bevor er sie wahrnahm. Er bemühte sich, nicht aufzufallen, beobachtete die Umgebung und doch nahm er vieles nicht wahr. Und dann sah er sie. Ihr Blick glitt weiter, über die Auslagen des Standes neben ihr, der wunderschöne Stoffe zeigte, hin zu den Menschen, die sich bemühten ihre Waren möglichst günstig zu ergattern. Belle hat bemerkt, wie er nach seiner Waffe griff. Ein Messer oder sehr kurzer Dolch. Ruckartig bewegte sie sich von dem Stand weg. Der Verkäufer brüllte ihr ein Beleidungung hinterher, doch Belle nahm sie kaum wahr. Unauffällige mischte sie sich unter die Menschen und wusste, dass der Mann ihr folgen würde. Sie hatte in einer Kneipe gehört, was er getan haben sollte.
      "Die ganze Familie hat er umgebracht. Kinder, Frauen. Ich werde ihn fangen und töten."
      Die Männer in der Kneipe, allesamt betrunken, hatten sich gegenseitig aufgeschaukelt, wollte ihn alle als erstes finden und umbringen. Belle hatte die Summe gehört, die auf seinen Kopf ausgesetzt war.
      1.000.000 Goldmünzen. Damit hätte sie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Belle war aufgestanden, hatte bezahlt und sich auf die Suche nach diesem Mann gemacht. Sie war gut und hatte ihn schon nach kurzer Zeit gefunden, obwohl er darauf bedacht war, nicht aufzufallen. Doch jeder hinterließ Spuren, auch dieser Jegar gan bhriseadh. Sie war im gefolgt und jetzt verfolgte er sie.
      Belle bog in die Nebengasse zu ihrer rechten ein. Die Gasse war kaum besucht und dunkel, niemand würde in den nächsten Minuten hier vorbeikommen. Sie glitt in einen Hauseingang und wartete. Es dauerte länger, als sie gedachte hatte. Von einem Mörder, vor allem wie er von den Männer in der Kneipe beschrieben wurde, hatte sie mehr erwartet.
      Der junge Mann blieb genau neben dem Eingang stehen und blickte weiter die Gasse hinab. Sie glitt aus der Tür hervor, zog ihren Dolch und als sich der Mann umdrehte, presste sie ihm den Dolch gegen den Hals. Sie spürte, wie er tief in seine Haut Einschnitt, doch es kümmerte sie nicht. Der Mann war ein Mörder, doch so wollte sie es nicht darstellen.
      "wieso verfolgst du mich?", sie sah zu ihm auf. Er war wohl kaum älter als sie selbst und wirkte nicht wie jemand, der seine Familie kaltblütig ermordete.
      "Was haben sie für meinen Kopf geboten?", er wirkte ruhig. Ruhiger als sie es erwartet hätte. Doch sie antwortete nicht, lediglich ihr Dolch drückte sich weiter in seinen Hals und sie sah das Blut fließen. Doch auch ihn schien das nicht zu kümmern, vielmehr begann er zu spotten: "Haben sie dir erzählt, ich wäre ein Mörder oder ein Dieb oder haben sie dir die Wahrheit erzählt? Oder haben sie gar nichts erzählt und nur die Belohnung und das Ziel?"
      Belle war verblüffte. Sie war überzeugt, dass sie über ihn nicht die Wahrheit erfahren hatte. Irgendetwas stimmte nicht. Die Geschichte passte nicht zu seiner Erscheinung. Doch sie konnte diesen Gedanken nicht zu Ende bringen, da er sich nach hinten fallen ließ und seinen Dolch zog. Sie wirbelte herum und presste ihren Dolch wieder gegen seinen Hals, noch fester, als die beiden Male zuvor.
      Dann atmete sie erschrocken ein. Sie spürte, wie seine Waffe in ihren Körper eindrang.
      Sie blickte ihn die Augen des Mannes und er blickte zu ihr hinab. In seinen Augen, sah sie Angst, etwas, was sie nicht erwartet hatte.
      "Wieso hast du mich verfolgt?", Belle blieb ruhig. Sie spürte, dass der Mann noch keine wichtigen Organe getroffen hatte. Doch das konnte sich schnell ändern.
      "Das selbe könnte ich dich fragen.", er hatte an Sicherheit gewonnen.
      In diesem Moment erkannten beide, dass keiner von ihnen klein beigeben würde.
      "Lass uns reden. Ich kenne eine kleine Kneipe, in der dich niemand finden wird.", sie lockerte ihren Griff, um ihm zu zeigen, dass sie ihm nichts tun wollte. Belle erkannte, dass sich auch seine Haltung veränderte und gleichzeitig entfernten sie Waffen. Belle atmete aus. Sie spürte den Schmerz und wollte nachsehen, doch erst mussten die beiden Vertrauen ineinander finden. Belle steckte den Dolch zurück an seinen Platz und deutete zurück in Richtung Markt.
      "Es ist nicht weit." und ging voran.
      Er folgte ihr und nach wenigen Minuten saßen sie in der Kneipe, jeder mit einem großen Becher Bier vor der Nase und starrten sich über dessen Rand hinweg an.
      Dann ergriff Belle das Wort:" Sie sagen, du hättest deine Familie ermordet. Was ist wirklich passiert?"
      A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin
    • Interessiert betrachte Rodrick die Steinmauer vor sich, an der unzählige Steckbriefe angebracht worden waren, die meisten alt und zerknittert.
      Sie berichteten von Arbeitsangeboten aber auch von den verschiedensten Verbrechen und Verbrechen, da gab es einen, über einen Elfen, der die Wache von Arton mit seiner Magie um eine beträchtliche Zahl vermindert hatte, ein paar über eine Diebin, die unter anderem die Gegend um Logond unsicher machte und sogar solchen Quatsch wie "eindeutige Werwolfsichtungen" und Hexer in Dunedin. Der Söldner schüttelte spöttisch lächelnd den Kopf.
      Die meisten dieser Gesuchten waren wahrscheinlich längst gefasst, oder tot, aber was sollte man erwarten, in dieser Taverne, die anscheinend sowohl von der Zeit, als auch von der Stadtwache vergessen worden war? Nicht als ob er viel von Kopfgeldern halten würde.
      Er hatte dadurch auch schon Geld verdient, allerdings war die Jagd anstrengend und kaum lohnenswert, besonders dann, wenn die Flüchtigen über die Grenzen flohen und mit Schiffen auf nimmer wiedersehen verschwanden. Sie zu verfolgen kostete meist mehr, als man für ihre Ergreifung bekam.
      Er wandte sich wieder der Wirtin zu, einer kleinen rundlichen Frau, die die letzte halbe Stunde mit dem Versuch verbracht hatte ihn zu ignorieren, und alle anderen Gäste, viele waren es ohnehin nicht, vor ihm zu bewirten."Wirtin!" rief er und sah mit leichter Genugtuung, wie sie zusammenzuckte.
      Er deutete auf seinen leeren Krug."Noch eine Bier, wenn ihr so freundlich wärt." fügte er mit fast schon sanfter Stimme hinzu."Na...Natürlich." erwiderte sie, ohne ihn anzusehen, füllte hastig nach und verschwand wieder. "Danke!" rief er ihr hinterher und lachte, als sie sich fast überschlug.
      Er wusste dass er gemein war, aber die Frau hatte es schon nicht lassen können ihn von der Seite anzustarren, wann immer er sich umdrehte, seit er vor einer Nacht ein Zimmer in ihrer Spelunke gemietet hatte. Es hatte auch Vorteile, in dieser Kneipe zu übernachten. Sie lag fernab der eigentlichen Hauptstraße, weshalb man fast immer seine Ruhe hatte. Es war fast schon langweilig, aber nach seinem Ausflug mit den Schmugglern über den schwarzen Pass, kam ihm das ganz gelegen.
      Der Riese erinnerte sich noch genau daran, wie sie die Stadt erreicht hatten, und er gehofft hatte, nie mehr diesen geheimen Pfad in den Norden benutzen zu müssen. Pfade,an den breitesten Stellen gerade breit genug für ein Pferd, links von ihm die steile Felswand und rechts die gähnende schwarze Leere und dazu waren sie auch noch an einer der engsten Stellen von einem Bärenlöwen, einer riesigen schwarzen Kreatur mit gelben Augen, attackiert worden und hatten dabei drei ihrer Begleiter verloren.
      Er schüttelte bei der Erinnerung noch einmal den Kopf.Nie wieder.Rodrick leerte seinen Krug schnell und bestellte noch einmal nach. Kurz darauf betraten zwei neue Gäste das Lokal, ein junger Mann und eine Frau etwa im gleichen Alter, vielleicht ein Pärchen. Sie ließen sich an dem freien Tisch neben seinem nieder und bestellten zwei Krüge Bier. Gut möglich, dass sie ihn in der dunklen Ecke gar nicht gesehen hatten. Er wandte sich wieder den Steckbriefen zu, vielleicht waren die Arbeitsangebote nicht ganz so alt, als die Beiden neben ihm anfingen sich leise miteinander zu unterhalten. Die Frau fragte:"Sie sagen, du hättest deine Familie ermordet.
      Was ist wirklich passiert?" Normalerweise war Rodrick niemand, der sich für das Geschwätz anderer interessierte, aber es schien, als würde es hier doch noch interessant werden.
      my name is Cow,
      and wen its nite,
      or wen the moon
      is shiyning brite,
      and all the men
      haf gon to bed -
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      i lik the bred.


      GNU Terry Pratchett
    • Norwen hatte den kurzen Kampf beobachtet und war schnell abgebogen, als er gesehen hatte, dass die beiden ihren Konflikt offenbar beigelegt hatten. Nun liefen sie beide aus der Gasse heraus und waren auf dem Weg zu der Kneipe, die die Frau erwähnt hatte.
      Norwen überlegte kurz und beschloss, ihnen zu folgen und sich später unaufdringlich zu ihnen zu setzen. Er hatte Lust auf ein wenig Gesellschaft, und Menschen, die offensichtlich ein Geheimnis verbargen, empfand er stets als äußerst unterhaltsam.
      Er wartete kurz und ließ den beiden einen kleinen Vorsprung, dann trat er aus dem Schatten der Gasse hinaus auf den geschäftigen Markt. Kurz bekam er Panik, weil er dachte, er hätte sie aus den Augen verloren, doch dann entdeckte er sie in der Menge. Sie liefen in flottem Tempo über den dicht bevölkerten Platz. Schnell bahnte Norwen sich einen Weg durch die Menge, um ihnen zu folgen.
      Auf der anderen Seite verschwanden sie in eine der kleineren Seitenstraßen. Wenige Menschen waren hier unterwegs, und sie wirkten etwas zwielichtig. Norwen vermutete, dass sie einen Ort suchten, an dem sie frei reden konnten, ohne Angst davor haben zu müssen, belauscht zu werden. Da war ein kriminelles Viertel nicht die ideale Wahl, soweit Norwen das beurteilen konnte. Aber wer konnte wissen, ob diese Frau, die sich offensichtlich auskannte, nicht tatsächlich einen guten Ort gefunden hatte?
      Vor der kleinen Kneipe lehnte Norwen sich lässig an die Wand und steckte sich genüsslich ein Minzeblatt in den Mund, während er bis hundert zählte.
      Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine Bewegung am Boden neben sich. Eine grau-braun gestreifte Katze strich um die Ecke, schlenderte auf Norwen zu und strich an seiner Robe entlang. Yami war ihm wie immer gefolgt.
      Er nahm sie in seine Hände. Die Katze schien genau das gewollt zu haben, denn mit einer schnellen Bewegung sprang sie auf seine Schulter.
      Seufzend erhob sich Norwen und betrat die Kneipe.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
      Guck mal Mama, eine Geschichte!
    • Jegar atmete bei der Frage hörbar ein und nahm dann schnell einen tiefen Schluck von seinem Bier um einerseits seine Reaktion zu überspielen und andererseits Zeit zu gewinnen. Er überlegte sich, ob er die Frage nicht einfach ignorieren sollte, oder lügen, oder wütend werden, oder... Ach er wusste auch nicht. Eben wie er bei jedem anderem reagiert hätte. Aber sie hatte sein Leben verschont und seltsamerweise hatte er das Gefühl, ihr das ganze anvertrauen zu können. Wieso wusste er auch nicht, vielleicht weil er die Geschichte so lange niemandem mehr erzählt hatte, dass er hoffte sie wäre ihm selbst unbekannt. Ihr? Wie hieß sie eigentlich? "Meine Familie ist wirklich tot", begann er und spürte sogleich wie sein Mund beim Aussprechen dieser Worte trocken wurde. Schnell nahm er noch einen Schluck Bier. Kühl und lindernd rann der Gerstensaft die Kehle hinab und betäubte die Wunden, die dieser Satz gerissen hatte. "Ermordet auch. Aber nicht von mir", ergänzte er fort und bemühte sich wieder einmal seine Stimme ruhig zu halten. Diesmal gelang es nicht. "Es berührt mich mehr von meiner Familie zu sprechen, als einen Dolch an der Kehle zu haben, der mein Leben mit einem Schnitt auslöschen könnte", erkannte er, doch diese Tatsache ängstigte ihn weniger, als er erwartet hätte. "Es wahr Nacht und wir wurden verraten. Sie kamen zahlreich", fuhr er mit trockener Stimme fort, doch jetzt war bereits zu viel gesagt um noch umzukehren, "Mein Vater war ein Soldat. Aber ein guter Mann. Sein Einfluss war sein Ende und das von meiner gesamten Familie. Ich bin der letzte, der übrig geblieben ist." Jetzt wo die Worte raus waren fühlte er sich teils mutlos, teils erleichtert. Er blickte in ihre Augen, die nun bei Licht dunkelbraun und nicht schwarz waren und meinte so etwas wie Mitleid in ihnen zu erkennen, andererseits war es schon so lange her, dass er jemandem etwas gesagt hatte, das eine Reaktion hervorrufen könnte, dass es auch Spott sein könnte. "Wie ist eigentlich dein Name", fragte er in die entstandene Stille hinein, stille war jetzt das letzte, was er ertragen könnte, "Du kennst meinen, aber ich nicht deinen." Sie öffnete den Mund, vielleicht um die Frage zu beantworten, vielleicht um auszuweichen, als Jegar den Blick eines Mannes mit einer langen Nabe quer übers Gesicht einen Tisch weiter bemerkte, der denselbigen sofort senkte, und sich zugleich ein weiterer Mann in einer lilafarbenen Robe und gutmütigen Gesicht mit dem Wort "Verzeihung" zu ihnen setzte. Jegar griff sofort nach seinem Dolch und hielt ihn dem erschrockenen Robenträger an den Hals, während er mit einem zweiten in der anderen Hand zum Wurf auf den Mann mit der Narbe ausholte. Er war erst vor einer Woche von einem Mann beinahe umgebracht worden, der ihn mit dem sorgsamsten und gütigsten Lächeln, das er je gesehen hatte, in Vertrauen gewiegt hatte und von Söldnern mit auffälligen Narben wollte er erst gar nicht anfangen. Die Frau ihm gegenüber war genauso schnell gewesen und hatte ihren Dolch gezogen, hielt diesen jedoch abwehrbereit und minder agressiv als er vor sich. "Eine Falle", knurrte Jegar nur und hoffte innigst, dass die Frau nicht mit den anderen beiden zusammen arbeitete. Eine dritte Hand hatte Jegar nicht mehr.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von TiKa444 ()

    • Rodrick lauschte der Geschichte des Jungen ruhig. Anscheinend harter er in letzter Zeit wirklich viel durchgemacht. Bisher hatte er Blickkontakt vermieden doch als der Söldner den Blick von seinem Krug hob, um ihn genauer zu mustern, blickte ihm der Erzähler direkt an. Fast im selben Augenblick trat eine weitere Person an den Tisch der Beiden und schon waren die Waffen gezückt. Irgendwo im Schankraum fiel der Wirtin ein Krug aus der Hand, allerdings schienen sie nun wirklich die letzten Anwesenden zu sein. Rodrick hob langsam die Hände in einer abwehrenden Geste.“Keine Sorge, von mir habt ihr nichts zu befürchten.“ Zumindest im Moment nicht. Er deutete auf seinen Krug.“Ich bin nur hier um mich von einer anstrengenden Reise zu erholen.“ Es gefiel Rodrick gar nicht, wie ruhig die Hand mit dem Wurfmesser war. Wenn es nötig war konnte er sein Schwert ziehen und sie in zwei Teile teilen, jedoch nicht ohne das Risiko, mit einem Messer in der Brust zu enden. “Er nickte in die Richtung des Anderen, dem Aussehen nach vielleicht ein Mönch, oder ein Gelehrter.“Und denkt ihr, dass er eine Bedrohung darstellt? Er wirkt nicht wie ein kaltblütiger Mörder.“ “Naja, wo er Recht hat.“ fügte der Robenträger schulterzuckend hinzu wurde allerdings still, als Jegar ihm das Messer fester an den Hals presste. Er wirkte nicht besonders überzeugt. Inzwischen war sogar die Wirtin aus dem Schankraum verschwunden und Rodrick waren die Argumente ausgegangen. Plötzlich ergriff der Gelehrte wieder das Wort.
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    • Norwen gab sich größte Mühe, Ruhe zu bewahren, während zwei Menschen ihm zwei Messer an die Kehle hielten.
      "Bitte, legt diese Messer doch weg. Seht mich an. Ich trage einen Stab bei mir, mehr nicht." Norwen machte eine rhetorische Pause und ließ den schweren Eisenholzstab auf den Boden fallen. Der Aufprall verursachte ein lautes, beinahe metallisches Klopfen.
      "Ich habe eine einfache Umhängetasche und eine weite Robe. Jeder Kämpfer, der über ein halbwegs gesundes Denkvermögen verfügt, kann sehen, dass ich mindestens drei Sekunden bräuchte, um ein verstecktes Messer herauszuziehen, mal angenommen, ich trüge eines bei mir. In diesen drei Sekunden, da bin ich mir sicher, würde bereits eines dieser blitzenden Dinger in meiner Kehle stecken."
      Der Mann und die Frau zögerten und sahen sich an. Niemand regte sich. Dann zuckte die Frau zuerst mit den Schultern und senkte ihre Hand, der Mann folgte ihr sogleich.
      "Ich danke euch. Mein Name ist Norwen Iokundin, und ihr habt nichts von mir zu befürchten, versprochen. Mein einziger Feind ist die Ignoranz." Er setzte sich auf einen der zwei freien Hocker und zog seine Kapuze zurück.
      Der narbengesichtige Mann, der am nächsten Tisch saß und sich nicht gerührt hatte, blinzelte verwundert, dann setzte er sich ebenfalls zu ihnen. Norwen konnte sehen, wie sich die beiden jüngeren anspannten, doch niemand wandte etwas dagegen ein.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
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    • Sie hatte sich also nicht geirrt. Er war kein Mörder. Die Geschichte von Jegar hatte Belle berührt. Sie hatte gemerkt, dass es ihm nicht einfach fiel, ihr seine Geschichte zu erzählen, doch jetzt konnte sie ihm Vertrauen und ihn wenn nötig vor den Söldern beschützen.
      "Wie heißt du eigentlich?", fragte der Mann schließlich.
      Belle zögerte kurz und in dem Moment, als sie Antworten wollte, setzte sich ein fremder Mann mit den Worten "Verzeihung" an den Tisch. Jegar zog blitzschnell seine Dolche und auch Belle war nicht weniger schnell.
      "Eine Falle", knurrte der Mann ihr gegenüber und blickte Belle an. Sie schüttelte sacht den Kopf, sie kannte den Mann nicht und wusste nicht, was er wollte.
      Der Mann sah sie beide aus großen Augen an und hob dann die Hände: "Ich möchte euch nichts tun, nur reden."
      Jegar ieß die Waffen nicht sinken, er glaubt ihm nicht und auch Belle war skeptisch.
      "Miau."
      Belle zuckte zusammen. Eine kleine Katze hüpfte auf den Tisch und Strich um die Bierkrüge herum. Die Frau bemerkte wie der Mann der Katze einen beunruhigten Blick zuwarf.
      "Deine?", fragte Belle und der Mann nickte. Belle ließ ihren Dolch sinken und hob ihre Hand. Die Katze schnupperte an ihrer Hand und rieb dann ihren Kopf in dieser.
      Jegar beobachte dies, genau so wie der fremde Mann.
      "Sie ist süß.", sagte Belle und zog dann ihre Hand weg. Sie erinnerte sich, dass sie Assassinin war. Sie dürfte keine Gefühle zulassen. Doch die Katze wanderte hinterher und sprang auf ihren Schoß.
      Wieso nur?
      Jegar ließ nun auch die Waffen sinken, hielt sie jedoch bereit, um sich verteidigen zu können.
      "Wer bist du?", fragte Jegar.
      A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin
    • Als sich sowohl der Robenträger, als auch der Mann mit der Narbe zu ihnen gesetzt hatten, wurde die Situation zugleich entspannter und beängstigender. Entspannt deshalb, weil außer ihnen 4 sich niemand mehr in der Gaststube befand, der ein potenzieller Kopfgedjäger sein könnte und beängstigend deshalb weil nun drei Menschen so nah bei ihm waren, dass er einen Dolch unter der Tischplatte kaum kommen sehen konnte. Er wusste, dass das paranoid wirken mochte und vielleicht war es das auch, aber wenn man wusste, dass die ohne seinen Vater mittlerweile vermutlich mächtigste und reichste Familie es auf ihn abgesehen hatte... Nun ja. Zumindest war er froh, als er registrierte, dass ihrer aller Hände sich über der Tischplatte befanden. "Nun", begann er, bemüht entspannt, "Wer seid ihr und was wollt ihr von uns." Er wusste, das war unhöflich, und er wusste, dass sein Vater ihn bei Tisch in hoher Gesellschaft getadelt hätte, aber das hier war keine hohe Gesellschaft und sein Vater würde ihn nie wieder tadeln. Vielleicht war es hier und jetzt unverschämt und misstrauisch, doch hier und jetzt war es ihm egal.
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      Aldous Huxley
    • Als der Söldner sich zu den Anderen gesellt hatte, wunderte er sich immer noch darüber, wie diplomatisch der Gelehrte in diesem Fall vorgegangen war. Wäre er nur derjenige mit dem Messer am Hals gewesen, so wäre diese Geschichte wahrscheinlich weitaus weniger glimpflich ausgegangen. Die Beiden musterten ihn noch immer, nicht ganz sicher ob es ihnen gefiel, dass der Söldner bei ihnen saß, weshalb er Norwens Beispiel folgte und ebenfalls seine Waffe ablegte. Eigentlich war er selbst nicht einmal sicher, was er bei ihnen wollte.“Wollen?“ fragte Rodrick stirnrunzelnd.“Was sollte ich von euch wollen?“ Er beobachtete, wie der Blick des jungen Mannes noch immer misstrauisch umherschweifte, als erwartete er einen plötzlichen Angriff. “Wenn ihr Arbeit für mich hättet wäre ich natürlich dankbar. Es ist schwer heutzutage an Geld zu kommen.“ Sein Gegenüber schüttelte den Kopf.“ Tja ich habe selber keines.“ Rodrick nahm einen Schluck von seinem Vier lehnte sich zurück und musterte die anderen Beiden genauer. Der junge Mann war ihm irgendwie sympathisch, doch bei ihnen war er nicht sicher, was er denken sollte.“Und dein Name?“ fragte die Frau mit den Locken dazwischen.“Rodrick.“ antwortete er knapp. Und eurer?“
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    • "Jeagar", antwortete Jegar gedankenverloren, immer noch in die Entscheidung vertieft, ob die beiden nun als ungefährlich einzustufen wären, oder nicht, und schalt sich sogleich für seine Arglosigkeit. Was, wenn der Söldner von seinem Namen gehört hatte. Er wusste wie hoch das Kopfgeld auf ihn war und es stieg jeden Monat, in dem er lebte. Viele achteten bei soviel Geld gar nicht mehr auf das vermeintliche Verbrechen, sondern nur auf Name und Aufenthaltsort und beides kannten die Fremden jetzt. Dennoch konnte er in keinem ihrer Gesichter eine Reaktion erkennen. Vielleicht hatte er Glück oder sie waren einfach sehr gut darin dergleichen zu verbergen. "Weshalb habt ihr euch eigentlich zu uns gesetzt?", fragte er den Mönch, "Irgendetwas müsst ihr ja von uns gewollt haben."
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      Aldous Huxley
    • Belle hatte die Zweifel in den Augen von Jegar gesehen. Auch sie selbst erkannte die Ungewissheit in ihrem Inneren. Sie atmete zweimal tief durch.
      "Belle.", sie sah den Rodrick an und hielt sein Blick stand.
      Sie wusste nicht, warum sich die Männer zu ihnen beiden gesetzt hatten, doch Jegar wollte ebenso licht ins Dunkel bringen wie sie selbst.
      "Weshalb habt ihr euch eigentlich zu uns gesetzt? Irgendetwas müsst ihr ja von uns gewollt haben.", Jegar Klang ruhig, konzentriert. Wie jemand, der wusste was auf dem Spiel stand und sich nicht beirren ließ.
      Der Mönch zögerte nur kurz, doch dann begann er zu erzählen.
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    • "Etwas gewollt habe ich nicht. Jedenfalls nicht bewusst." Norwen legte seine Fingerkuppen zusammen. Er wusste, dass diese Geste seriös und nachdenklich wirkte, und er nutzte dies gern aus.
      "Ihr zwei, die Dame und der junge Herr, ihr seid mir schon auf dem Marktplatz aufgefallen. Ich bin viel herumgekommen, daher weiß ich, wie Menschen aussehen, die kennenzulernen es sich lohnt." Er legte eine weitere rhetorische Pause ein und blickte seine drei Zuhörer dabei an.
      "Ihr habt etwas an euch, das euch interessant macht. Ein Hauch von Gefahr geht von euch aus, und dennoch hätte ich nicht angenommen, dass ihr drauflos tötet. Damit habe ich Recht behalten." Er lächelte und legte einen Hauch Sarkasmus hinein, wie er es immer tat, wenn er sich selbst lobte. Norwen bevorzugte ein verstecktes Selbstlob vor übertriebener Bescheidenheit.
      "Ihr müsst wissen, dass ich nicht irgendein dahergelaufener Gelehrter bin. Ich reise herum, und dabei habe ich nur das Ziel, Wissen zu erlangen. Durch meine Reisen habe ich mir Menschenkenntnis angeeignet, und daher denke ich, dass ich von euch, und auch von Euch", er deutete mit der Hand auf den Söldner, "etwas lernen kann."
      Die drei schienen etwas perplex, doch Norwen war das gewohnt. Seine Geschichte war ungewöhnlich, und das wusste er auch.
      Doch mit der Frage, die nun kam, hatte er nicht gerechnet.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
      Guck mal Mama, eine Geschichte!
    • Der Söldner lauschte Norwens Geschichte, mit ausdrucksloser Mine. So, so, weit herumgekommen war er also, dieser Gelehrte. Einen Augenblick überlegte Rodrick ihn zu fragen, ob er kürzlich an der Silberküste, vielleicht sogar in seiner alten Heimatstadt gewesen war, doch er verkniff es sich. So groß die Versuchung auch, zu fragen ob er vielleicht sogar von seiner Familie gehört hatte und so freundlich der Gelehrte auch war, er war dennoch ein Fremder und höchst wahrscheinlich mich nicht einmal in die Nähe von Mövenfels gekommen. Auch wenn die Bibliotheken dort seines wissens nach erstaunliche Ausmaße hatten. stattdessen nahm er noch einen weiteren Schluck aus seinem Krug, runzelte die Stirn und meinte.“Verzeiht, aber ihr wirkt auf mich wie ein Mönch. Habt ihr viel Zeit in einem Orden verbracht?“ Er konnte sehen wie sich der Gelehrte bei der Frage hustend an dem Bier verschluckte, dass ihm die Wirtin vor einigen Minuten gebracht hatte. Die Frau hatte noch immer fahrig gewirkt und Rodrick fragte sich ob er vorher einfach nur übertrieben hatte, oder ob es an dem vergangenen beinahe Massenmord in ihrem Schankraum lag.
      my name is Cow,
      and wen its nite,
      or wen the moon
      is shiyning brite,
      and all the men
      haf gon to bed -
      i stay up late.
      i lik the bred.


      GNU Terry Pratchett
    • Nachdem er das Bier aus seinem Rachen herausgehustet hatte, antwortete Norwen: "Ihr habt eine feine Bobachtungsgabe. Nun, Ihr habt Recht. Ich war tatsächlich in einem Kloster, wovon ich auch meinen sinn für Mode habe, doch ..." Er zögerte, dieses Mal unabsichtlich. "Sagen wir, ich stimmte ihren Lehren zu weniger als dreißig Prozent zu. Daher habe ich den Orden verlassen." Zu mehr fühlte er sich im Moment nicht bereit zu sagen. Noch immer verfolgten ihn die Gedanken daran, was seine Eltern, seine Lehrer, einfach alle in Praes von ihm denken mussten. Norwen hasste es, wenn ihn jemand verachtete. Doch was konnten seine ehemaligen Angehörigen Anderes von ihm denken?
      "Da fällt mir auf, dass ich Euren Namen noch nicht kenne", lenkte er ab, an den narbigen Söldner gewandt.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
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    • "Rodrick, der Name ist Rodrick von Blackwater." antwortete der Söldern und richtet sich auf. Somit überragte er die drei noch um ein Stückchen mehr.
      Belle lächelte. So ungleich die zwei waren, waren sie doch auf eine abstruse Art und weise ähnlich.
      "ihr seit also hier, um etwas zu lernen?", fragte Jegar, "Es gibt vieles was ich beibringen kann, aber was genau?"
      Doch bevor die beiden Männer Antworten konnten, wurde die Tür der Kneipe aufgebrochen und sechs bis unter die Zähne bewaffnete Männer stürmten in den kleinen Raum.
      "Jegar gan bhriseadh. Wir kommen um dich zurück nach Lyta zu bringen, wo du dich gegenüber dem Gesetz verantworten musst. Ergib dich freiwillig, ansonsten wenden wir Gewalt an. Nirgends steht, dass wir dich an einem Stück abliefern müssen."
      Jegar sah die drei nacheinander an. In seinen Augen erkannte Belle Wut und Angst. Eine gefährliche Mischung. Sie sah, wie seine Hand über den Mantel glitt, unter welchem sich mehrere Waffen befanden, wie Belle wusste.
      Langsam erhob sich der Mann und die anderen drei folgten seinem Bespiel. Die Männer zogen ihre Schwerter und begaben sich in Kampfposition. Jegar hob die Hände in die Höhe. Norwen und Rodrick sahen zu ihm und auch Belle war von dieser Handlung überrascht.
      Sie spürte, wie er ruhig wurde und auf etwas lauerte. Belle hob ebenfalls die Hände. Sie war schnell genug, um sich gegen die Männer zu behaupten und sie hatte das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Auch die beiden anderen schlossen sich nun ihrer Bewegung an.
      "Los, nimm ihn fest.", sagte einer der Männer, der scheinbar der Chef war, zu dem Mann zu seiner linken, " und die anderen übergebt ihr der Stadtwache, wenn wir weg sind."
      Der erste steckte seine Waffe zurück und nährte sich Jegar, vorsichtig, als ob er Widerstand erwartete. Als er direkt vor ihm stand, nahm er seine Linke Hand und wollte gerade die Fesseln anlegen, als Jegar einen Dolch zog und diesen direkt in die Kehle des Mannes jagte. Belle zog ihren Doclh und griff den Mann zu ihrer linekn an und auch Norwen und Rodrick zogen ihre Waffen.
      Der Mann vor Belle hatte ein spöttisches Lächeln im Gesicht und hob sein Schwert noch ein Stück an.
      Belle zog ihren Dolch und lächelte zurück:" Na komm.", und der Mann griff an.
      Zwei Sekunden später war er tot und Belle warf den Dolch nach dem Mann, der sie als nächstes angreifen wollte. Als sie sich weiter umblickte, sah sie, dass auch der Rest der Männer auf dem Boden lag. Lediglich der Mann der gesprochen hatte, war noch am Leben und genau auf diesen bewegten sie sich zu.
      A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin
    • Jegar atmete erleichtert durch und ließ den Dolch durch seine Finger wandern. Diese Übung hatte ihn schon beruhigt, als noch alles normal war in seinem Leben. Ohne das Fingerspiel zu beenden beugte er sich herab und zog einen anderen seiner Dolche aus dem Genick eines der Männer. Er hatte ganz hinten gestanden, am nächsten an der Tür. Sein Fluchtversuch hatte ihm nur kalten Stahl eingebracht. Andernfalls stände vermutlich bereits die Stadtwache vor der Tür. Er bedauerte es in gewisser Weise sie getötet haben zu müssen, sie waren im Grunde Opfer der Lüge seiner Häscher genau wie er, aber immerhin hatten sie mit den Mordversuchen begonnen. Bedrohlich wendete er sich dem letztem Verbliebenen zu. Der Mann war von der Frau und diesem Söldner namens Rodrick in eine Ecke gedrängt worden. Blitzender Stahl von einem Breitschwert und einem Dolch spiegelte sich in seinen vor Angst weit aufgerissenen Augen. Sein eigenes Schwert lag mittlerweile vergessen auf dem blutdurchtränkten Holzboden des Gasthauses. "Ihr da", rief er dem Mann zu, der den Blick nur zögerlich von seinen "Wächtern" hob, "Was wollt ihr von mir." Jegar kannte die Antwort schon, aber wenn der Söldner und der Gelehrte sie von einem Mann hörten, der sie der Stadtwache übergeben lassen wollte, und von ihm nur die Verteidigung, wirkte er vielleicht etwas glaubwürdiger. "Dein Steckbrief", antwortete der Mann stotternd und mit hoher Stimme, die im diffusen Kontrast zu seiner Körpermaße von nahezu zwei Metern und mindestens 130 Kilo stand, "Was erwartest du, du dreckiger Verbrecher." Die Stimme war bei seinem zweiten Satz um mehrere Tonlagen nach unten gerutscht. Mut hatte er, dass musste ihm Jegar lassen. "Du bist ein elendiger Mörder", fuhr der Mann fort und spukte auf den Boden, "Ein Mann der seine Familie umbringt verdient nichts als den Tod." Jegar spürte die Blicke des Gelehrten über ihn wandern. Der Söldner hatte seiner Geschichte ja vermutlich bereits gelauscht und sich seinen Teil gedacht. Ob er ihm glaubte war dagegen eine andere Sache. "Lüge", fuhr Jegar auf und entgegnete dann deutlich ruhiger, "Aber das könnt ihr ja nicht wissen." Der Mann lachte. Es war ein raues Lachen, ohne Freude, ohne Häme. "Das habe ich schon oft gehört", behauptete er, "Ich bin unschuldig. Man hat mich reingelegt. Nur, dass diese Menschen in der Regel die andere Seite eines Schwertes in ihre Richtung gewandt hatten." Jegar ignorierte das und wandte sich zu den anderen. Belle, bei der er froh war nicht mit ihr in einen echten Messerkampf verwickelt worden zu sein, Rodrick, der mit seinem Breitschwert einen Mann zu Zwillingen gemacht hatte, und Norwen, der mit seinem Stock genauso gewandt schien wie mit dem Wort. "Was machen wir mit ihm", fragte er. "Wir töten ihn und verschwinden", knurrte der Söldner sofort, "Und dann suchen wir uns einen Ort wo wir uns mal in Ruhe unterhalten können Junge." Jegar musterte ihn. Ihm schien, seinen Worten und dem Blick nach zu urteilen, die Menge der Angreifer zu missfallen, die es auf einen einzigen Mann, oder mit seinen Worten "Jungen", abgesehen hatten. "Oder wir lassen ihn einfach hier", warf der Gelehrte ein, "Die Wirtin wird sich um ihn kümmern und es wird nicht noch mehr Blut vergossen. Das hier geschehene dürfte eurem Ruf ohnehin nicht mehr schaden als ohnehin schon." "Die Wirtin", unterbrach Belle ihn. Die vier sahen sich an. Rodrick ging zum Tresen, sah dahinter, und dann weiter in den darauffolgenden Raum. "Ist ausgeflogen", berichtete er bei seiner Rückkehr, "In Kürze wird es hier von Wächtern nur so wimmeln." Jegar überlegte kurz, ging zu dem verbleibendem Mann hin und schlug ihm seinen Dolchknauf gegen die Schläfe. "Der wacht nicht mehr so schnell auf", behauptete er und wandte sich dann zu den anderen, "Ich weiß ihr kennt mich nicht, aber ich danke euch für eure Hilfe. Wenn ihr alleine fliehen wollt, dann tut das. Ich würde es verstehen." Er spürte wie sich Panik in ihm breit machte. Jede verstrichene Sekunde ließ die Angst in ihm hochbrodeln. Er musste einen Ausweg finden, die Stadt verlassen... Wieder. Es durfte nicht alle umsonst gewesen sein.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley

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    • Rodrick überlegte kurz, bei dem Vorschlag, sich zu trennen. Gut der Junge hatte einiges mitgemacht und es war offensichtlich, dass er zu Unrecht verfolgt wurde, aber inwiefern war das sein Problem? Andererseits würde es wohl einfacher sein, sich den Weg,, wenn nötig, in der Gruppe frei zu schlagen. Er kratzte sich mit einer überlegenden Geste am Kinn.“Ich denke ein Stück kann ich euch begleiten.“ knurrte er schließlich und deutete ein krummes Lächeln an.“ Wisst ihr, dass ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ich Ärger mit der Stadtwache habe.“ Er überlegt kurz, ob er ihnen von dem Schmugglerpass, über den er in den Norden gekommen war, erzählen sollte, den schließlich fast niemand kannte, bei der Wache bestimmt keiner, entschied jedoch, dass dafür später immer noch Zeit sein würde, wenn sich ihre Wege wieder trennten. Vielleicht als sowas, wie einen Ratschlag für den langen Weg. Jegar nickte ihm dankend zu. “Und ihr?“ wandte er sich an die beiden Anderen, obwohl man ihnen ansehen konnte, dass ihr Entschluss längst feststand.
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    • Norwen nickte andächtig und schloss sich an: "Ich weiß mich zu verteidigen. Außerdem hängen wir nun alle da mit drin, immerhin habe auch ich Gewalt gegen die Stadtwache angewandt. Ich schlage vor, wir legen erst einmal unsere Kräfte zusammen und verlassen die Stadt. Mich hält nichts mehr hier ..." Er zögerte, als ihm der Antiquitätenhändler einfiel. "Wobei, doch, eines will ich noch tun, und dafür müssen wir auf den Marktplatz."
      Die anderen sahen ihn entgeistert an.
      Er hob entschuldigend die Hände und meinte: "Ich habe da bereits einen praktisch unbezahlbaren Schatz der Geschichte entdeckt, und wer weiß, was sich noch unter den Schriftrollen verbirgt?"
      Jegar rieb sich die Schläfen, Rodrick grinste und Belle blickte sehr zweifelnd drein.
      "Ich bitte euch, nur einmal will ich sein Angebot noch durchgehen. Dann sind wir hier weg. Das ist mir wichtig ..." Norwens Stimme hatte einen flehentlichen Ton angenommen.
      "Nun, ich denke, wir können uns auf dem Markt ganz gut verstecken, jedenfalls für kurze Zeit. Tun wir dem Mönch doch diesen einen Gefallen, dann haben wir ein Gehirn auf unserer Seite", antwortete Rodrick gönnerhaft.
      "Was meint ihr dazu?"
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
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