Gejagt...

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    • Jegar kam nicht umhin zu seufzen. Der Marktplatz. Es gab wahrlich bessere Verstecke als einen Marktplatz, wenn man blutbesudelt und bewaffnet war, aber immerhin hatte der Gelehrte sein leben auch für ihn eingesetzt und vielleicht würden selbst die Spuren eines Kampfes in einer Menschenmenge wie die, die da draußen herrschte, untergehen. Dafür musste man jedoch erstmal zum Marktplatz kommen... Trotz seiner Bedenken nickte er jedoch und sah erwartungsvoll in die Runde. Nur Belle hatte sich noch nicht geäußert. Der Gedanke die Gesellschaft vierer Menschen schien ihm unvertraut, doch er hoffte trotzdem, dass sie sich ihrer kleinen Gruppe anschließen würde. Eine Gruppe. Genau das war hieraus geworden. Aus 4 Menschen, die auf absurdeste Weise zufällig zusammengekommen waren. Nun, zumindest galt das bis zum Verlassen der Stadt. Oder bis einer von ihnen sich entschloss, dass so ein hohes Kopfgeld nicht abzulehnen war. Ob schuldig oder nicht. Ein bisschen Misstrauen durfte ihm nicht abhanden kommen. Sie war seine einzige Möglichkeit zu überleben.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • "Ich bin dabei.", sagte Belle, nachdem sie den drei Männern zugehört hatte. Die Aussicht auf ein Abenteuer und Gefahr hatten sie schon immer begeistert. Sie wirbelte ihren Dolch durch ihre Finger und steckte ihn schließlich zurück an seinen Platz.
      "Dann auf zum Marktplatz.", sagte Norwen und die Gruppe nickte. Sie verließen die verwüstete Kneipe und sahen sich um. In der Seitengasse war kaum betrieb, doch auf der Hauptsraße, welche sich zur rechten der Gruppe befand, war belebt.
      "Wir sollten uns an die Seitenstraßen halten, soweit wie es möglich ist.", sagte Belle und Wand sich nach links. Die anderen folgten ihr und mehrere Minuten gingen sie die Straßen schweigend entlang, Bogen mal rechts mal links ab und standen schließlich neben dem Rathaus, kurz vor dem Marktplatz.
      "Nun Norwen. Geh voran.", sagte Rodrick.
      "Wir sollten nicht alle gleichzeitig gehen. Das lenkt zuviel Aufmerksamkeit auf uns.", sagte Jegar, "Wir sollten uns aufteilen und nacheinander gehen. Zuerst Norwen und Rodrick. Belle und ich folgen euch nach ein paar Sekunden."
      Alle nickten. Das machte defenitiv mehr Sinn und war auch unauffälliger.
      Die beiden gingen los und kurze Zeit später folgten Jegar und Belle den Männern.
      "Danke nochmal.", sagte Jegar.
      Belle sah zu ihm auf: "Keine Ursache. War doch ehrensache."
      Jegar blickte sich um, dann sagte er leise:" Nein, ist es nicht."
      Belle wollte ihm Antworten, doch er sagte:" Wir sind da."
      Rodrick und Norwen betraten eine kleine Buchhandlung und auch Jegar legte nun einen Schritt zu. Belle folgte ihm und trat ihn den alten Laden ein. Hinter Jegar schloss sich die Tür.
      Belle sah, dass die beiden Männer an der Ladentheke standen und Belle wandt dich dem Regal zu ihrer rechten zu und zog wahllos ein Buch hervor.
      Dann begann Norwen mit dem Händler zu reden.
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    • "Ah, Ihr seid wieder zurück", meinte der Antiquar grinsend, als er Norwens markante Robe wiedererkannte.
      "Ja, das bin ich. Eure Angebote sind nahezu unwiederstehlich." Er beugte sich leicht vor und fing an, leise und eindringlich zu reden. "Hört mal, ich bin etwas in Eile. Keine Sorge, ich habe nichts verbrochen, falls ihr das gedacht habt; aber ich will die Stadt verlassen. Ich habe vor wenigen Stunden einen wahren Goldschatz unter euren Schriftrollen entdeckt - ein Originaldokument von Yerininger. Ich muss wissen, ob Ihr noch mehr dergleichen habt. Preise spielen keine Rolle."
      Preise spielten sehr wohl eine Rolle, denn Norwen hatte nicht sehr viel Geld. Logisch, wenn man nichts machte außer herumzureisen und ab und an gegen eine Münze einen Ratschlag zu erteilen. Doch würde er sagen, dass er wenig Geld hatte, würde der Händler womöglich nur unwichtige Dinge hervorholen.
      Ein Stapel von Schriftrollen klapperte auf den Tisch. Der Händler war schnell gewesen.
      "Mal sehen ... ich habe ein weiteres Stück von Yerininger ..." Schnell öffnete er die Schriftrolle. "Oh, es ist ein Romanauszug. Interesse?" Er sah den Robenträger fragend an.
      "Nein danke", wehrte dieser ab, "Ich habe jeden Yerininger gelesen.
      "Hmm, gut. Ja, sehr belesen, der Herr ..." er kramte fieberhaft in dem Pergamenthaufen. "Oh, hier haben wir eine Karte ..." Er öffnete das Dokument. "Oh, sie sieht ... nicht sehr aktuell aus."
      "Darf ich einmal sehen?", forderte Norwen. Er nahm die Karte in die Hand. Der Kontinent war gut erkennbar und vor allem erstaunlich präzise eingezeichnet. Doch die Städte, die verzeichnet waren, schienen nicht mehr zu existieren. Die Namen waren in Altöstisch notiert. Dann erkannte er es. Wenn man Yeriningers Romanen Glauben schenken konnte, waren dies die Städte der ersten Hochkultur des Kontinents. Fasziniert sog Norwen die wertvollen historischen Fakten in sich auf.
      "Aus welcher Zeit stammt diese Schriftrolle?", fragte er interessiert.
      Der Händler antwortete eifrig: "Sie wurde mir von einem alten Mann übergeben, der gemeint hat, dass er sie von der seines Großvaters mit größter Sorgfalt und Übung abgezeichnet hat, und der von seinem Großvater und so weiter. Wenn ich meine bescheidene Meinung beitragen dürfte, so müsste dieses Dokument praktisch ein Original darstellen."
      "Wieviel kostet es?"
      Doch bevor der Antiquar den Preis nennen konnte, donnerte ein Ruf durch den Laden: "Da sind sie! Haltet sie im Namen des Stadthalters!!"
      Vier Blickte schossen zur Tür. Die Stadtwache hatte zwanzig Mann geschickt, um sie, die Aufrührer, zu fassen.
      Norwen handelte blitzschnell. Der Händler stand geschockt da, und sie würden ohnehin eine halsbrecherische Flucht hinlegen müssen oder kämpfen. Die Karte verschwand blitzschnell in seiner Tasche, dann wog er seinen Kampfstab in den Händen und nahm Blickkontakt zu seinen Begleitern auf.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
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    • Rodrick hatte sich neben einem Bücherregal an die Wand gelehnt, nachdem er einer Weile versucht hatte dem Gespräch zu folgen, es aber aufgegeben hatte, als es ihm langweilig geworden war. Er hatte gerade ein Buch über Architektur durchgeblättert, als die Tür aufflog.
      "Da sind sie! Haltet sie im Namen des Stadthalters!!" Erklang ein Ruf und er konnte ungefähr zwanzig Mann der Stadtwache draußen erkennen. Als sie den kleinen Laden stürmten, packte der Söldner geistesgegenwärtig das Regal neben sich und versetzte ihm einen Stoß.
      Ungefähr fünf der Angreifer wurden unter dem schweren Eichenholzregal bergraben, welches allerdings auch noch das nächste Regal mit sich riss und dieses wieder das nächste und so weiter. Auch ein paar weitere Mitglieder der Wache erwischte es noch.
      Der Antiquar stieß hinter ihm einen entsetzten Laut aus, während überall um sie herum augewirbelter Staub und ausgerissene Buchseiten umherschwebten, und Rodrick konnte spüren, dass auch Norwen ihn mit einem missbilligendem Blick bedachte, während sie sich über die umgefallenen Regale einen Weg zur Tür bahnten und dort den verbliebenen Männern auswichen. Vielleicht lag es auch daran, das eines der Regale fast Belle erwischt hatte.
      Sie liefen die Hauptstraße hinunter, hielten sich jedoch bald wieder an die engen Gassen. Als sie dass Stadttor erreichten, hatte ein leichte Nieselregen eingesetzt. Das Gedränge am Tor war ungewöhnlich dicht."Sie überprüfen jeden einzeln." murmelte Jegar besorgt."Auf diesem Weg kommen wir nicht aus der Stadt."
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      GNU Terry Pratchett
    • Jegar ließ seinen Blick über die Wachen schweifen. Suchte nach Schwachstellen, nach Nachlässigkeit. Er wurde enttäuscht. "Sie überprüfen jeden einzelnen", stellte er leise fest, "Auf diesem Weg kommen wir nicht aus der Stadt." Kleine Gruppen von bis zu fünf Wachen schlugen zudem Breschen in die Menge und bewarfen auch die Wartenden mit misstrauischen Blicken. "Sie werden nicht aufgeben", erkannte Jegar, "Zumindest nicht in den nächsten paar Tagen." In den Gesichtern der anderen fand er genauso viel Ratlosigkeit vor, wie die anderen vermutlich in dem seinem. Nur in Rodricks machte sich Nachdenklichkeit breit. Hatte der Mann eine Idee? "Was nun", fragte er in die Runde, "Hier können wir nicht bleiben." Die anderen nickten zustimmend. "Ein Gasthaus", schlug Norwen vor, "Ich weiß es ist riskant, aber wir müssen die Spuren des Kampf beseitigen." Jegar dachte an die eindeutigen Blutflecken auf ihrer Kleidung und musste zugeben, dass der Gedanke an ein warmes Bad verlockend erschien. Doch trotzdem. Was wenn ein Gast sie erkannte. "Aber in welchem Gasthaus ruft man nicht so bald wir einen Stiefel über die Schwelle setzen die Wache", sprach Belle seinen Gedanken aus. Sie wirkte harmlos so wie sie da stand, das Blut fiel auf ihrem dunklem Hemd kaum auf, aber Jegar wusste, dass der Schein trog. Sie hätte ihn töten können, dort in der Seitengasse. Aber sie hatte es nicht getan. Und das obwohl sie im Gegensatz zu den anderen wusste wie hoch das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld war. So richtig schlau wurde er nicht aus ihr. Was hatte ihr Anlass gegeben ihm, jemanden den sie kaum kannte und der vielleicht keinen Skrupel hätte sie im Gegenzug hinterrücks zu erstechen, zu vertrauen? Er hoffte nur, dass diese Entscheidung ihr nicht zum Verhängnis wurde. Er brachte sie in Gefahr, er brachte alle in Gefahr, das war ihm durchaus bewusst. Nicht, dass er bezweifelte, dass einer von ihnen nicht damit klar kommen würde. Trotzdem. Zum ersten Mal seit Jahren, spürte er so etwas wie Dankbarkeit und er wusste nicht, ob er das gut finden oder ob es ihm Angst machen sollte. "Das ist jetzt auch egal", behauptete Rodrick, der mit dem auf dem Rücken geschnallten Beidhänder keinen Hehl aus der Gefahr, die von ihm ausging, machte, "Auf jeden Fall müssen wir jetzt hier weg." Er deutete mit dem Kopf auf eine Gruppe Wachen, die nun in ihre ungefähre Richtung steuerte. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sie entdeckt hätten.
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      Aldous Huxley

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    • Als sie so darüber sprachen, was nun zu tun sei, fiel ihm die kleine Gruppe auf, die ihnen immer näher kamen."Das ist jetzt auch egal. Auf jeden Fall müssen wir jetzt hier weg." Er nickte in Richtung der Wachen. Er ließ seinen Blick auf der Suche nach einem Ausgang über die Menge schweifen, als ihm eine Idee kam." Draußen am Hang ein Stück unterhalb der Stadt gibt es einen verlassenen Bauernhof. Wir treffen uns da wieder." Er löste sich aus ihrer kleinen Gruppe und jemand hinter ihm rief." Warte, was hast du....?" Doch schon im nächsten Moment war die Stimme in der Menge verschwunden. Der Söldner bahnte sich seinen Weg zu einem Händler, einem recht jungen Mann, der darauf wartete, endlich durch das Tor zu können und gelangweilt neben seinen sauber auf einen Wagen gestapelten Waren lehnte. Noch im Gehen setzte Rodrick einen wahnsinnigen Gesichtsausdruck auf, zog sein Schwert, schmiss einige der Kisten vom Wagen und packte dann mit der anderen Hand den Händler. Hätte es sich umgesehen, so hätte er gesehen, dass die Menge die von ihm gewünschte Reaktion zeigte. Einige Leute waren in den Gassen verschwunden, doch der Großteil drängte auf das Tor zu. Auch die Gruppe der Wächter wurde von der panischen Menschenmasse mitgerissen. Er hoffte,dass auch seine Begleiter die Chance erkennen und mit den Leuten durchs Tor schlüpfen würden. Er ließ den Händler zu Boden fallen, schlug mit seinem Schwer knapp neben ihn in eine rote Pfütze, anscheinend hatte die Fracht aus Wein bestanden, und ließ ihn dann Zeit davon zu kriechen, während er sich dem Tor zu wandte. Rodrick merkte, dass er die Sache wohl nicht ganz durdacht hatte. Ja, die Anderen waren draußen, aber wie sollte er nun wegkommen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass das gar kein so großes Problem darstellen sollte. Die Torwächter waren nun vollends in der Menge verschwunden, einige hatten auch einfach aufgegeben sich zu wehren und ließen sich nun einfach mitzerren und sobald er sich den Leuten auch nur näherte, schafften diese es, immer noch genug Platz zu finden, um mindestens einen Meter Abstand halten zu können. So gelangte auch durch das Tor ohne aufgehalten zu werden.

      Jegar, Norwen und Belle erwarteten ihn schon bei ihrem Treffpunkt, doch zu ihrer Überraschung bedeutete er ihnen zu folgen."Hier ist es nicht sicher, kommt." Jeger zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen, folgte ihm jedoch. Eine Weile folgten sie dem Weg, der sie am Berghang hinter der Stadt entlang wand, doch dann wich der Söldner, der die Führung übernommen hatte, vom Weg ab, und sie stiegen den Hang weiter hinauf, bis sie auf einen kleineren Pfad gelangten, der sich durch den Wald wandte." Sie werden alle Handelsrouten absichern und die Tavernen in der Nähe durchsuchen." meinte er schnaufend. Zumindest war es das was er getan hätte. Es goss aus Eimern, als sie endlich die kleine Höhle ein Stück über dem Weg erreichten. "Wenigstens sind wir jetzt sauber." meinte der Gelehrte, dessen Robe vollkommen durchnässt war, als sie die Höhle betraten. überall verteilt gab es alte Feuerstellen und Lagerstätten aus Stroh. Im hinteren Teil plätscherte eine kleine Quelle. Belle machte sich daran eine Feuerstelle zu entzünden, als Rodrick erklärte." Dass ist ein Schmugglerpass. Folgt ihm und ihr kommt bis nach Goldkliff. Von dort könnt aus könnt ihr dann mit dem Schiff nach Bjenar, oder Gott weiß wohin absetzen." Der Gelehrte blickte ihn fragend an."Und was wird aus dir?" Der Riese überlegte kurz, darüber hatte er gar nicht nachgedacht. Dann zuckte er mit den Schultern, auch wenn ihm der Gedanke an den engen Pass nicht behagte."Tja, dann komme ich wohl auch mit." Sein Gegenüber nickte."Ich würde sagen wir ruhen uns erstmal aus und warten, bis der Regen aufgehört hat."
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    • Der Regen hielt schon seit Stunden an und war noch heftiger geworden. Norwen staunte mal wieder darüber, mit welcher Geschwindigkeit die Wolken so viel Wasser zusammentragen und fallen lassen konnten.
      Nun saßen sie alle da, mit klammer Kleidung um ein Feuer versammelt. Ab und an überprüfte jemand etwas an seiner Ausrüstung oder machte eine Bemerkung zum Wetter, aber sie waren alle erschöpft. Die Kälte der Höhle ließ sich durch das Feuer nur teilweise vertreiben, und sie kletterte ihnen langsam in die Knochen. Der Tag war ermüdend gewesen.
      Er öffnete seine Tasche und holte die Schriftrolle heraus, die er am Vormittag erworben hatte.
      Yerininger schrieb über eine Expedition in einen verwunschenen Wald. Er sprach von Raubkatzen, die Geweihe trugen ... Norwen staunte stumm. Irgendwann fingen diese Raubkatzen an, die Expedition scheinbar systematisch in eine Richtung zu treiben, bis sie aus dem Nichts auf überwachsene Ruinen aus hellem Stein stießen. Diese Raubkatzen, denen der Gelehrte mittlerweile den Namen Sengir gegeben hatte, trieben sie weiter durch diese Ruinen, bis in einen seltsamen Schrein hinein.
      Er schreckte auf, als Rodrick fragte: "Und warum ist noch gleich so ein hohes Kopfgeld auf dich ausgesetzt?"
      Das war eine gefährliche Situation. Er legte blitzschnell seine Hand an den verlässlichen Kampfstab hinter ihm. Jegar und Belle taten das gleiche.
      "Huiuiui, nicht so verkrampft", beschwichtigte der große Söldner. "Ich habe nicht vor, dich anzugreifen. Ich bin nur neugierig, was für einem Verbrecher ich heute das Leben gerettet habe." Sein Sarkasmus amüsierte Norwen.
      Jegar schien nicht amüsiert zu sein. Vermutlich war es nicht leicht, darüber zu reden. Norwen glaubte ihm, dass er unschuldig war, wie er es der Stadtwache in der Taverne klarzumachen versucht hatte. Aber was war dann vorgefallen?
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    • Belle war froh, als es anfing zu regnen. Sie hatte den Regen schon immer gemocht. Er gab ihr immer ein Gefühl der Sicherheit und genau das war es, was sie gerade brauchte. Sie war sich nicht sicher, wie sie Rodrick und Norwen einzuschätzen hatte, lediglich von Jegar hatte sie ein klares Bild.
      Jetzt saßen sie in der Höhle und wärmten sich am Feuer auf. Belle war müde, jedoch immernoch wachsam. Langsam drehte sie ihren Dolch in den Händen, ein Fingerübung, die sie stets machte, wenn sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte.
      Norwen begann eine Pergamentrolle zu lesen und schien somit der einzige zu sein, der sich nicht von dem Wetter niederziehen ließ. Belle blickte in die Ferne, sah jedoch nur wenige Meter weit. Ihre Gedanken schweiften an den Tag zurück und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
      Sie genoss das Abenteuer und die Gefahr. Das hatte sie schon immer und sie war froh, Jegar nicht umgebracht zu haben, ansonsten wäre ihr dies alles durch die Lappen gegangen.
      Nachdem Rodrick seine Frage gestellt hatte, war Lynn wieder hellwach. Sie wusste nicht, was hinter seiner Ironie steckte, weshalb ihre Finger den Doclh fester umgriffen. Sie blickte zwischen den Männern hin und her und wartete darauf, dass Jegar antwortete.
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    • Jegar spürte wie sein Körper anfing vor Anspannung zu vibrieren. Nur seine Finger um den Dolch, den sie noch verborgen unter seinem Mantel hielten waren ruhig. Als der Söldner beruhigend die Hände hob, zwang er sich zur Beherrschung. aus den Augenwinkeln sah er ein leichtes Lächeln, das die Lippen des Gelehrten umspielte und Belle, die angespant wie eine Katze vor den Sprung dasaß. Nur das ihre Krallen schärfer, länger und aus kaltem Stahl waren. Demonstrativ zog er die Hände unter dem Mantel hervor um die Lage zu entspannen, wenn er dies von sich selber auch nicht gerade behaupten konnte. Er wollte ein Blutbad vermeiden. Norwen tat es ihm gleich, indem er seine Hände von dem Stab, dessen eisernen enden das flackernde Licht des Feuers reflektierten, nahm und auch Belle ließ von ihrem Dolch ab. "Ein Verbrecher fürwahr. Und was für einer", behauptete er. Er hatte beschlossen auf den Sarkasmus einzugehen, auch wenn er seine Lippen nicht dazu bringen konnte sich zu einem Lächeln zu krümmen. "Als ich 11 war stahl ich ein Stück Brot aus unserer Küche und auch danach folgten unzählige Verbrechen, die es dem ersten an Grausamkeit und Niederträchtigkeit nachtaten", gestand er und erreichte ein Lächeln seitens Rodricks, welches jedoch nicht über seine ernsten Augen hinwegtäuschen konnte. "Ich muss ihm ehrlich Antworten", wurde Jegar bewusst, auch wenn er es gerne vermieden hätte. Doch wie es ihm schien war er auf die Hilfe des Söldners angewiesen. Zumindest für das erste. "Meine Familie wurde von Vertrauten des Königs verraten", erzählte Jegar schließlich und bemühte sich so viel Hohn wie nur möglich in das Wort "Vertrauten" zu legen, "Und verlor so dessen Gunst." Er musste schlucken, als Bilder erneut, wie schon so viele Male anfingen hämisch vor seinen Augen umher zu tanzen und ihn zu verspotten schienen. Bilder, die er schon so oft versucht hatte zu verdrängen. "Diese Vertrauten gaben mir dann die Schuld", fuhr er mit unwillentlich belegter Stimme fort, "Für ihre Verbrechen, die dann folgten."
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    • "Als ich 11 war stahl ich ein Stück Brot aus unserer Küche und auch danach folgten unzählige Verbrechen, die es dem ersten an Grausamkeit und Niederträchtigkeit nach taten" Der Söldner musste leicht lächeln, bei dieser offensichtlich sarkastischen Lüge. Doch plötzlich veränderte sich die Haltung seines Gegenübers und die drei Zuhörer merkten, dass der junge Mann ernster wurde."Meine Familie wurde von Vertrauten des Königs verraten", begann er verächtlich zu erzählen, der flackernde Feuerschein warf tiefe Schatten auf sein Gesicht. "Und verlor so dessen Gunst .Diese Vertrauten gaben mir dann die Schuld" fuhr er fort "Für ihre Verbrechen, die dann folgten."
      Rodrick nickte und streckte seine kalten Hände zum Feuer um sie zu wärmen. Diesmal war er sich sicher, das Jegar nicht gelogen hatte."Aha, Verrat also."
      murmelte er und erinnerte sich daran, wie er einst den falschen Freunden zu viel Vertrauen geschenkt hatte."Mein Beileid." meinte der gefallene Herrscher und meinte es auch so." Es ist äußerst schmerzhaft, wenn einem die eigenen Freunde einen Dolch in den Rücken rammen." Bei dieser Aussage zog der Gelehrte zu seiner rechten fragend eine Augenbraue hoch, doch der Söldner beeilte sich, das Thema zu wechsel.Er hatte eigentlich vorgehabt, auch nach dem Kopfgeld zu fragen, dass auf den Mann ausgesetzt war, allerdings würde das in genau diesem Moment wohl kaum ihr Vertrauen, falls überhaupt vorhanden, in irgendeiner Hinsicht stärken. Also wandte er sich stattdessen an Norwen, der noch immer seine Schriftrolle hielt, auch wenn er sie inzwischen wieder aufgerollt hatte." Was habt ihr da eigentlich wichtiges geklaut?"
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    • "Es ist äußerst schmerzhaft, wenn einem die eigenen Freunde einen Dolch in den Rücken rammen." Norwen schluckte hart. Er wusste längst, dass es nicht so war, doch sein Unterbewusstsein klagte ihn immer noch an - er hatte seine Eltern, die Mönche, seine Freunde im Kloster einfach zurückgelassen, ohne jede Vorwarunung, ohne jedes Zeichen der Dankbarkeit ... Er verdrängte es wieder aus seinen Gedanken.
      Genau im richtigen Moment, denn Rodrick sprach ihn an: "Was habt Ihr da eigentlich wichtiges geklaut?"
      Norwen lachte laut. Was er lustig fand, konnte er nicht wirklich sagen - war es, dass sein Diebesgut keineswegs wichtig war, außer für ihn, oder war es, dass er ursprünglich vorgehabt hatte, die Rolle zu bezahlen wie auch schon die erste. Die anderen starrten ihn entgeistert an ob seines Lachanfalls. Vermutlich hielten sie ihn nun für geistig etwas labil ...
      Er holte beide Rollen heraus. "Verzeiht mir meinen ... Heiterkeitsausbruch. Was ich geklaut habe, wollte ich nicht klauen, und wichtig ist es auch nur für mich", er öffnete Yeriningers Tagebuch, "denn das hier ist das Journal eines sehr berühmten alten Historikers, Forschers, Abenteurers und Autoren. Vielleicht sagt dem einen oder anderen hier der Name Yerininger etwas?"
      Er achtete nicht darauf, ob jemand nickte oder den Kopf schüttelte. "Diese Rolle habe ich heute Vormittag auf ehrbare Weise gekauft, mit echten Zahlungsmitteln." Er nickte und zog bedeutungsvoll die Augenbrauen hoch, um den skurrilen Witz für die Anderen verständlich zu machen. Dann rollte er die Karte auf.
      "Und das hier ... ist das Diebesgut. Ebenfalls von Yerininger. Sehr euch die Genauigkeit der Karte an, und das von vor über fünfhundert Jahren, wenn nicht sogar tausend. Und die verzeichneten Orte könnten weniger nicht übereinstimmen mit der heutigen Umgebung. Ein paar Elfenstädte - die interessanterweise auch verzeichnet sind - und Bjenar existieren schon, aber es waren damals wohl nichts als kleine Dörfer ..."
      Als Norwen die ausdruckslosen Blicke der anderen bemerkte, hörte er auf zu schwärmen. Er wusste nicht, auf welchem Bildungsstand seine Begleiter sich befanden, und er wollte es auch nicht wissen; sollte sich herausstellen, dass einer von ihnen nie zu Bildung gekommen war, würde er denjenigen leicht herablassend behandeln. Er kannte sich selbst gut genug, um sich manchmal vor sich selbst zu ekeln.
      "Nun, jedenfalls kann man aus diesen beiden Schriftrollen eine Unmenge lernen, und dafür hat es sich definitiv gelohnt zu dem Händler zurückzukehren. Ich danke euch, und ich schätze, ich schulde euch etwas dafür. Vor allem Rodrick, der uns mit seiner, nun, heiklen, riskanten Aktion Zeit verschafft hat."
      Jegar und Belle blickten kritisch, als er seine Dankbarkeit für den Söldner betonte. Es war klar, dass jede Parteibekennung in der Gruppe gefährliches Gelände war.
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    • Die Reaktion des Gelehrten auf seine Frage überraschte Rodrick. Er hatte eher erwartet, dass er sich rechtfertigen oder den Diebstahl sogar abstreiten würde. Allerdings musste er zugeben, dass Norwen ihm daraufhin um einiges sympathischer erschien. Bei der Erklärung über die Karte und das Journal zuckte der Söldner nur mit den Schultern. Er wusste, dass er das alles irgendwann mal gelernt hatte, es hätte nur eben schon vor langer Zeit aufgehört, ihn zu interessieren, falls überhaupt jemals Interesse bestanden hatte. Auch derDank seines Gegenüber traf ihn unerwartet, obwohl er es wahrscheinlich nicht wirklich ernst meinte. Am Hof hatte er dauernd solche Schmeicheleien gehört, nichts als leere Worte. Er begann sich zu fragen, was er überhaupt hier machte, bei diesen Leuten, die ihn nicht einmal bezahlen könnten, er wollte lieber etwas Ruhe haben. Dennoch nickte er anerkennend. "Tut mir einfach den Gefallen, und haltet das nächste mal wenn ihr gejagt werdet nicht an, nur um eine nutzlose Karte zu stehlen." Bei dem Wort nutzlos stieß Norwen einen empörten Laut aus und setzte zu einem Gegenargument an, doch Rodrick gähnte nur hörbar und unterbrach ihn. "Ich weiß nicht wie es euch geht, aber das ganze Verbrecher retten hat mich müde gemacht." Er deutete auf die leeren Schlafplätze hinter sich." Ich denke ich lege mich hin." Ohne ein weiteres Wort erhob er sich und legte sich in eine der hinteren Ecken. Es wieder kalt, aber wenigstens war es ruhig. Der Söldner lehnte sich an den kühlen Fels, er hatte sich an ungemütliche Schlafplätze gewöhnt seit er seine Heimat verlassen hatte. Vorne am Feuer meinte Belle."legt euch ruhig hin, ich übernehme die erste Wache. " Er hätte ihr sagen können, dass das nicht nötig war, ließ es aber. Wahrscheinlich würde das Mädchen das noch früh genug selbst herausfinden.
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    • Jegar beobachtete das Geplänkel zwischen dem Söldner und dem Gelehrten skeptisch. Vor allem die Tatsache, dass sie anscheinend wegen nichts weiter als einer Karte, die nicht einmal auf der Höhe ihrer Zeit war, solche Risiken eingegangen waren, runzelte er die Stirn. "Andererseits", dachte er sich, als er das Leuchten in Norwens Augen sah, "Denkt der Gelehrte darüber vermutlich anders." Er beschloss nicht mehr weiter darüber nachzudenken und schloss sich Rodrick an, der beschlossen hatte, dass es an der Zeit war sich schlafen zu legen. Der Mann war die andere Sache, die ihm Stirnrunzeln bereitete. Was wollte ein Söldner von ihnen, obwohl sie ihn nicht bezahlen konnten, sondern nur eine ganze Menge Risiken mit sich brachten. Die Situation in der Stadt hatte ihm wenig Wahl gelassen, nachdem er in den Vorfall in dem Wirtshaus verstrickt worden war, aber jetzt hier draußen? Nichtsdestotrotz hatte er ihn nicht verraten, als er die Gelegenheit gehabt hatte und war mit seiner Aktion vor den Toren der Grund, wieso sie sich jetzt überhaupt außerhalb dieser befanden. Dies musste er, bei all dem Misstrauen, dass er gegenüber Männern, die ihre Fähigkeiten zu Kämpfen und zu Morden in Dienst des Meistbietenden stellten, hegte, anerkennen. Es war auch nicht so, als hätte er per se etwas gegen den Beruf an sich, man tat eben das was man am besten konnte um Geld zu verdienen. Nur, dass seine vorherigen Bekanntschaften mit solchen Menschen alles andere als positiv gewesen waren. Belle bot an die erste Wache zu übernehmen und er nahm dankend an. Zuviel war an diesem Tag passiert, schon bevor er auf Belle und die anderen getroffen war. Seine Gedanken stahlen sich unaufhaltbar zu dem kleinem Stück Pergament in seinen Taschen, dass ihm ein Vermummter am Mittag ohne ein Wort, ohne eine Erklärung in die Hand gedrückt hatte. Er entschloss sich Norwen am Morgen zu fragen, ob er nicht einen Blick auf seine anderen, hoffentlich aktuelleren, Karten werfen dürfe, sofern dieser denn noch weitere hatte. Andererseits. Ein Gelehrter ohne Karten... Undenkbar. Unruhig rutschte er auf dem glatten Stück Stein hin und her, bis er der Meinung war eine für den Rücken unbedenkliche Lage gefunden zu haben und starrte an die Höhlendecke über ihm. Der rötliche goldene Schein der unweit von ihm tanzenden Flammen zeichnete ohne Unterlass neue Muster auf den glatten Fels. Er betrachtete die Figuren solange bis seine Augenlider schwer wurden und zufielen, sodass von der Außenwelt nur noch die Geräusche des Waldes außerhalb der Höhle und das Atmen der anderen innerhalb der Höhle zu ihm vordrangen. Wie lange hatte er das letztere nicht mehr gehört. "Ach ja", dachte er und schob die Gedanken daran schnell beiseite.
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      Aldous Huxley
    • Er las noch eine kurze Weile in dem Tagebuch, aber die flackernden Flammen fraßen nach und nach die verbleibenden Scheite auf und ließen den Feuerschein zu einem gedimmten Glutleuchten herunterbrennen. Norwens Augen brannten und die Lider wurden schwer, also legte auch er sich hin und war bald eingeschlafen.
      Als er wieder aufwachte, schien die Sonne in den Höhleneingang hinein. Belle lag dort auf dem Boden und wurde schlafend vom Tageslicht beschienen. Die anderen hatten sich mehr oder weniger geschickt auf dem rauen Boden ausgestreckt. Norwen entging nicht, dass sie alle eine Waffe griffbereit hatten.
      Zusammenhalt ist in der entsprechenden Situation gezwungenermaßen erfordert, aber Vertrauen ist ein Geschenk, das in einer Gruppe wie unserer wahrscheinlich noch lange auf sich warten lasse wird ...
      Er richtete sich auf. Seine Gelenke knackten, seine Knochen schmerzten. Sein Kreislauf war noch im Halbschlaf, ebenso sein Gehirn. Ächzend erhob er sich auf die unsicheren Beine und stützte sich auf seinen Stab. Sie würden Holz für ein Feuer brauchen.
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
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    • Belle blieb auf ihrem Platz sitzen, während die anderen sich zum schlafen auf dem Boden legten. Sie sah, wie Rodrick und Jegar sofort einschliefen.norwen hingegen Las in dem Tagebuch weiter, doch je dunkler das Feuer wurde, desto schwerer wurde es für ihn die winzige Handschrift zu entziffern. Sie sah, wie er das Pergament weglegte und auch einschlief.
      Belle hingegen war hellwach. Der heutige Tag war aufregend gewesen und sie ging den Tag in ihren Gedanken nocheinmal durch und schlief darüber ein.

      Als sie wieder erwachte, war die Sonne gerade am aufgehen. Norwen hatte sich gerade erhoben und richtete seine Kleidung. Dann ging er an Belle vorbei ohne ein Wort zu sagen. Auch sie erhob sich nun und sah zu den zwei schlafenden Personen. Die beiden bewegten sich nicht und schienen noch zu schlafen.
      " Ich hab neues Holz.", Norwen ließ einen Stapel Holz auf den Boden fallen und weckte somit die restlichen zwei.
      Dann begann er das Holz aufzuschichten und entfachte das Feuer wieder. Belle griff nach ihrem Dolch und verließ die Höhle. Sie suchte nach etwas essbaren, doch die Tiere waren alle verschwunden, weshalb es bei ein paar Beeren blieb.
      Als sie zurück in die Höhle kehrte war dort ein Diskussion zwischen den drei Männern entbrannt.
      A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin
    • Rodrick erwachte von dem Geräusch von Holz, das auf Felsen aufschlug. Als er sich nach der Quelle umsah, erkannte er, dass der Gelehrte Feuer Holz geholt hatte. Jegar der ein Stück entfernt lag schien ebenfalls gerade erst erwacht zu sein. Rodrick War etwas überrascht, dass sie überhaupt noch da waren. Er überprüfte seine wenigen Habseligkeiten, aber sie schienen alle noch da zu sein. Wenigstens etwas. Er hörte Jegar den Gelehrten fragen." Habt ihr auch ein paar aktuelle Karten?Wenn ja würde ich gerne einen Blick auf sie werfen." Norwen hörte auf, an der Feuerstelle herum zu werkeln und begann stattdessen damit, in seiner Tasche zu kramen. Der Söldner lehnte sich mit verschränkten Armen an die Felswand und grinste spöttisch. "Was ist?" Fragte der junge Mann, als er seinen Blick bemerkte. Rodrick schüttelte den Kopf. "Den Pass den ich euch empfehle werdet ihr auf keiner Karte finden." Jegar erwiderte seinen Blick." Ach ja? Und was wenn ich lieber eine andere Route wählen möchte?" "Was wollt ihr dann tun? Euch durch noch einen Kontrollpunkt schmuggeln? Ohne mich wärt ihr nicht mal aus der Stadt gekommen." Sein Gegenüber zucktr mit den Schultern wirkte aber leicht gereizt." Ich finde schon einen Weg, was kümmert euch dass?" Langsam wurde Rodrick wütend. Er verlangte nicht dass sie ihm vertrauten, aber er hatte sich wenigstens etwas Dankbarkeit für seine Hilfe erwartet. Norwen versuchte den aufkeimenden Streit zu schlichten." Ich bin sicher, Jegar weiß euren Rat zu schätzen aber..." "Es ist immer noch meine Entscheidung welchem Rat ich traue und welchen nicht." Unter brachJegar den Gelehrten."Ihr meint wohl eher wessen. Ich wette wenn eure Freundin Belle es vorgeschlagen hätte, währt ihr ihr ohne zu zögern gefolgt." Norwen blickte sich in der Höhle um." Wo wir schon beim Thema sind, wo ist sie überhaupt." "Hört auf vom Thema abzulenken."
      my name is Cow,
      and wen its nite,
      or wen the moon
      is shiyning brite,
      and all the men
      haf gon to bed -
      i stay up late.
      i lik the bred.


      GNU Terry Pratchett
    • Jegar merkte Wut in ihm aufkeimen. Was verlangte der Söldner von ihm. Dass er alle Bedenken über Bord warf um einem völlig Fremden blind zu folgen. Er musste an sich halten, dass er nicht davonstürmte und die Gruppe verließ. Und was sollte das überhaupt heißen, dass er Belles Rat mehr getraut hätte als den des Söldners. "Vielleicht hätte ich das, vielleicht auch nicht", antwortete er nicht mehr nur gereizt, er musste sich vor dem Söldner nicht rechtfertigen, "Doch das tut nichts zur Sache. Fest steht, dass ich nicht weiß, ob ich euch trauen kann oder nicht." Er fragte sich unwillkürlich, ob der Mann recht hatte. Hätte er auf Belle eher gehört, als auf Rodrick. Er hatte nicht allzu viele gute Erfahrungen mit Söldnern gemacht. Und Belle. Vertraute er ihr wirklich mehr als für ihn üblich? "Ob ihr mir vertrauen könnt", echauffierte sich der Mann, "Ich habe euch verdammt nochmal das Leben gerettet." "Ja, als ihr noch genauso in der Klemme stecktet, wie wir anderen", gab Jegar zurück. Nebenbei bemerkte er wie neben ihm eine kleine Flamme aufloderte und an den Holzscheiten, die Norwick aufgeschichtet hatte, leckte. Dem daneben knienden Gelehrten musste es wohl gelungen sein ein Feuer zu entfachten. "Ich hätte euch im Gasthaus nicht helfen müssen", antwortete Rodrick. Sein Gesicht hatte sich mittlerweile rot verfärbt. In seinen Augen spiegelten sich derweil die Flammen und ließen ihn gefährlicher wirken. "Wir wären hervorragend ohne euch zurechtgekommen", behauptete Jegar und wusste selber wie hochmütig er wirken musste. Aber ob er Rodrick unrecht tat oder nicht, war ihm mittlerweile ziemlich egal. Es war vermutlich sowieso besser. Betrog der Söldner ihn, dann fiele ihm das recht schwer, wenn diese Gemeinschaft aufgelöst würde. War er dagegen vertrauensvoll, war es besser für ihn nicht in Jegars Nähe zu sein. Am besten er ließe Belle und Norwen bei Rodrick und machte sich aus dem Staub. Sein Umfeld hatte die Eigenschaft ziemlich schnell ziemlich tot zu sein. "Jetzt hört doch endlich auf mit diesem Kinderkram und helft mir lieber herauszufinden wo Belle ist", unterbrach Nowen sie. "Ich bin hier", erklang wie aus dem Nichts eine Stimme aus dem Höhleneingang. Belle stand dort. Hinter ihr das Licht der aufgehenden Sonne, dass ihren Schatten, weit in das Höhleninnere warf. Jegar hatte sie nicht bemerkt und den anderen ging es da wohl auch nicht anders, ihren erschrockenen Gesichtern zufolge. Sie war wirklich lautlos wie eine Katze. Vermutlich hatte sie schon eine Zeit lang dort gestanden und gelauscht, da sie gar nicht erst fragte worum es ging. "Norwen hat recht, lasst das Herumgebrülle", wies sie sie stattdessen zurecht, "Man kann euch meilenweit hören, vermutlich haben sie bereits Soldaten geschickt, die herausfinden sollen woher dieses Geschrei kommt."
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley

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    • Norwen versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Ein Söldner bot an, ihnen einen mysteriösen Schmugglerpass zu zeigen. Jegar vertraute ihm nicht. Aber wenn Belle tatsächlich Recht behielt und es würden gleich Soldaten kommen, mussten sie schnell weiter.
      Es stellte sich die Frage, wie sehr sie die Tatsache in Gefahr bringen würde, dass auf Jegars Kopf ein Preis ausgesetzt war. Wie weitgehend wurde er gejagt? Würde man ihn erkennen? Soweit Norwen sich erinnern konnte, waren die Routen, die außerlandes führten, wo Jegar ein freier Mann wäre, allesamt kontrolliert.
      Es fehlte also eine Information: Wie groß war die Gefahr, in der sie sich befanden, wenn sie mit Jegar unterwegs waren? Wurde er verfolgt? Waren sie also gezwungen, aus dem Land zu fliehen? Und wenn, könnten sie dann die Wege nutzen, die auf den Karten verzeichnet waren? Oder würde man Jegar erkennen?
      Die Frage war, ob sich der Aufwand und der Vertrauensakt lohnten, die Grenze mit sehr hoher Sicherheit unbemerkt zu überqueren.

      Ein Streit war in Norwens Augen sinnlos, da die Beteiligten dazu neigten, irrational zu werden. Belle hatte es glücklicherweise geschafft, Stille in den Raum zu bringen. In diese hinein fragte Norwen ruhig: "Rodrick, was ist es genau für eine Route, die Ihr vorschlagt?"
      "Was soll jetzt diese Frage?", raunzte Jegar. "Wir haben wahrscheinlich gleich Soldaten am Hals, da gibt es wichtigeres zu klären!"
      "Der Mensch lebt und stirbt in dem, was er sieht, aber er sieht nur, was er denkt."
      - Paul Valéry
      Guck mal Mama, eine Geschichte!
    • Belle war noch einige Meter von der Höhle entfernt, als sie Laute Stimmen aus der Höhle hörte. Sie verstan nur wenige Worte, doch der Wind trug die Stimmen bis zu der Stadt. Sie begann zu rennen. Belle wusste, dass die Wachen nach ihnen suchten und die Männer waren gerade dabei sie zu verraten. Als sie nahe der Höhle war, blieb sie stehen und verstand, was die Männer sagten.
      "...wo Belle ist?", sagte Norwen.
      Belle hatte nun lange genug gelauscht und wusste, dass die Männer untereinander kein Vertrauen schenkten. Sie trat in den Höhleneingang und die Männer starten sie alle überrascht an.
      "Man kann euch meilenweit hören, vermutlich Alben sie schon Soldaten geschickt, die rausfinden sollen, wo das Geschrei herkommt."
      Nach einem kurzen Moment beruhigten sich die Männer und hatten ein einsehen.
      "Rodrick, was ist das für einen Route die ihr vorschlägt?", fragte Norwen und Jegar reagierte ungehalten.
      Belle hatte langsam keine Lust mehr auf diesen Konfliktzustand zwischen den Männern. Sie war eine Assassinin und musste sich das nicht antun.
      "Ich kenne diesen Pfad.", Log sie, "lasst uns verschwinden, bevor die Stadtwache kommt und uns wegen Mord einbuchtet."
      Sie sah die Männer nacheinander an. Sie wusste nicht, ob die Männer ihr glaubten. Sie meinte, in Jegars Gesicht ein zucken gesehen zu haben, aber sie war sich nicht sicher.
      "Dann lässt uns aufbrechen.", sagte Jegar, scheinbar vertraute er ihr doch.
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    • Sie alle folgten Belle in die Höhle hinein. Sie wusste von dem Weg? Sie hätte doch schon längst ein Wort gesagt, wenn sie ihn wirklich kannte. Andererseits. Er kannte sie auch nicht wirklich. Aber im Moment war es egal, ob sie die Wahrheit sagte, oder nur log um sie zum gehen zu bewegen. Ob Rodrick log, ob Norwen log. Die direkte Alternative, als ihnen zu folgen, wäre der Tod. Oder sogar noch schlimmeres. Wie hatte er sich nur so gehen lassen können. Hätte Belle sie nicht gewarnt, hätten sie vermutlich gestritten bis die Soldaten gekommen wären. War er wirklich dem Beisein anderer so entwöhnt oder hatte er einfach nur Todessehnsucht. Er würde sich zusammenreißen müssen, denn wie es aussah war er noch einige Zeit an die anderen gebunden.
      Wie es sich herausstellte war es vollkommen egal, ob Belle den Weg kannte oder nicht, da es nur einen einzigen gab. Das Finden der Höhle selbst stellte, das vermutete er zumindest, die wesentlich schwerere Aufgabe dar, an der diejenigen, die von der Existenz des Schmugglerpasses wussten und nach ihm suchten, am ehesten scheiterten. Allmählich schwand das Licht, das am Eingang in die Dunkelheit drang, und einzig die Fackel, die Norwen von seinem Feuer aufgelesen hatte, war ihr unstetes Licht auf den rauen Stein zu ihren Seiten. Wer auch immer diesen Weg in den Fels geschlagen hatte, war wahrlich keiner gewesen, der sein Fach verstand. Allerdings diente es auch nur der Durchreise von Schmuggler und diesen Zweck erfüllte die Höhle vollkommen aussreichend. Immer weiter drangen sie in die tiefe Dunkelheit ein und immer rarer wurde das Licht. Die Luft war abgestanden und roch nach Jahrzehnten der Leere. Von den Decken hallte nun ein Platschen, wenn sie in eine der vielen Fützen, die sich am Boden gebildet hatten, traten. Das Wasser musste sich durch Ritzen im Stein gedrängt haben. nach einiger Zeit, es mussten Stunden gewesen sein, in denen keiner ein Wort gesprochen hatte, fragte sich Jegar allmählich, ob sie je wieder ans Tageslicht gelangen würden. Allzu lang konnte dieser Gang doch nicht mehr sein, oder? Andererseits hatte Rodrick von einem nachfolgendem schmalen Pass am Bergrücken gesprochen, der, wenn man sich nicht an die Felsen drückte, einen tiefen Fall in den Tod versprach, und er musste zugeben, dass er sich nicht mehr wirklich sicher war, ob er das oder die Dunkelheit bevorzugte. Doch seine Gedanken waren eigentlich nicht beim Ausgang, sondern verweilten beim Eingang wo ihre, aufgrund der geringen Zeit, spährlich verwischten Spuren auf ihre Verfolger warteten. Er hoffte nur, dass die Soldaten diese, oder am besten gleich die gesamte Höhle, übersahen.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley