Odd Stories

    • Odd Stories

      Die folgenden Aufzeichnungen sind Eigentum der Odd Company.
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      Bitte keine schlafenden Drachen wecken!


      gez.
      Silvie Perkins
      Geschäftsleitung
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      Tom Stark
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      delectare et prodesse

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    • Die Odd Company (Teil I)

      »Hörst Du mich, Doc?«
      Ich schrecke zusammen und greife instinktiv an dieses höhrgerätartige Ohrstück und berühre die winzige Taste dabei. Sofort ist nur noch statisches Rauschen auf meinen Ohr zu hören. Leise schimpfe ich. Zuerst will man mir statt dem alten Mobiltelefon zum Aufklappen eines dieser Smart-Phones aufschwatzen, wobei mir nach wie vor nicht klar ist, warum ein Telefon »smart» sein sollte und zu mehr taugen muss als zum Telefonieren und warum man damit so »essentielle« Dinge wie zum Beispiel seinen Body-Mass-Index messen können muss.
      Genervt schnaube ich heftig durch die Nase.
      »Doc ... , Doc?!«
      »Ja, jetzt höre ich Dich wieder, over.«
      »Ich habe Dir doch gesagt, dass Du die Finger von den Kanaleinstellungen lassen sollst. Und Du musst auch nicht mehr am Ende over sagen ...«
      »Warum benutzen wir nicht Funkgeräte wie früher, ove ... ach vergiss es!«
      »Weil wir im 21. Jahrhundert leben und ich kein unzuverlässiges unhandliches Ding mit mir herumschleppe, bloß weil Du technophob bist!«
      Ich schnaube erneut. »Chris, ich bin Magier, kein Technik-Genie ...«
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      Tom Stark
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    • Steckbrief: Chris o'Malley

      Name: o'Malley, Christopher Fizzpatrick
      Rufname: Chris
      Rasse: Mensch /Technomancer
      Alter: 33
      Haarfarbe: rotblond
      Augenfarbe: braun
      Nationalität: Nordirland
      nahe Verwandte: Felicia o'Malley (Schwester) , Angus o'Malley (Vater)
      Ausbildung: Maschinenbau und Elektronik Ingenieur
      Beruf: technischer Leiter der Odd Company
      Hobbys: Basteln, Bergsteigen
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      Tom Stark
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    • Die Odd Company (Teil II)

      »Hör auf zu jammern. Ich bin gleich auf dem Dach.«
      Chris hat unsere mobile Einsatzzentrale also inzwischen verlassen und ist gleich auf seinem Posten. Zeit, dass ich auf meinen komme.
      »Gut, dann gehe ich mal rein. Ich muss nur noch die beiden Wachen ausschalten.«

      Wenn Sie wundern, kann ich Ihnen versichern, dass Sie sich nicht getäuscht haben. Ja, ich habe gesagt ich bin Magier. Natürlich hätte ich auch intern-arkanistischer Energieverwerter/Anwender sagen können, oder mir einen anderen wissenschaftlich griffigen Begriff aussuchen können, aber wer wie ich einen Technomancer zum Partner hat, der lernt es zu schätzen sich so auszudrücken, dass man ihn versteht. Mir bricht auch der kalte Schweiß aus, wenn Chris mir einen »Brandband-Audio-Wellen-Stress-Indizierer« in die Hand drückt, mit einer »wahnsinnig lauten Kreischgranate«, kann ich dagegen recht entspannt umgehen.
      Und wenn Sie mich deswegen jetzt extravagant nennen wollen, bitte sehr. Sie kennen ja noch nicht mal meine wirklich exotischen Seiten.


      Ohne Hast trete ich auf die beiden mit Maschinenpistolen bewaffneten Wächter an der kleinen Tür zu, die als Mannloch innerhalb des großen Hangartors eingelassen ist.
      Man sagt doch heute noch Mannloch? Egal.
      Das Knirschen vom Dreck unter meinen Sohlen verrät mich schließlich und sie schwingen ihre Waffen wild in die Richtung, aus der sie mich vermuten. Wie ich gehofft hatte, haben sie nicht allzu viel, um nicht zu sagen gar keine Erfahrung mit Unsichtbarkeitszaubern und so starren sie mich ungläubig an, als ich diesen schließlich auflöse.
      Man sollte keine aggressiven Zauber wirken, solange man unter der Einwirkung eines starken defensiven Zaubers steht. Das ist ein bisschen so, als heize man mitten im Winter mit aller Macht seine Wohnung auf 30 Grad hoch, während man jedoch alle Fenster und Türen sperrangelweit auf hat. Natürlich geht es. Irgendwie geht ja alles. Die Frage ist nur, wie bekloppt man ist.
      »Somnus graves vobiscum.«
      Die beiden Wächter kommen nicht einmal dazu zu gähnen, bis sie auch schon nicht nur an Ort und Stelle um sondern auch noch in einen komatösen Schlaf fallen.
      Sie haben die Sprache erkannt? Latein - 10 Punkte, sehr gut.
      Natürlich hätte ich auch einfach »Käsekuchen, Käsekuchen« sagen können, oder ein Schlaflied summen, was auch immer mich in die Stimmung für den Zauber versetzt hätte. Halten Sie mich ruhig für altmodisch, aber kriege es so einfach am besten hin. Wie andere einen Pentameter oder gar Reime zu verwenden, geht mir dann aber doch zu weit.
      Ich greife mir die beiden Menschenlochgeräte, sichere sie - zum Glück ein einfacher Hebel und keine Smartphone-App - und entsorge sie im großen Müllcontainer um die Ecke. Nicht das tollste Versteck, ich weiß, aber zumindest liegen diese Mordwerkzeuge nicht einfach so herum.
      Für einen Moment überlege ich mir, meinen Unsichtbarkeitszauber zu reaktivieren, aber ich ahne, dass meine Reserven drin noch ordentlich beansprucht werden.
      Ich bin nämlich kein Magier, der wie in diesen Computer-Spielen ohne Ende einen Zauber nach dem anderen raushauen kann. Ein wenig diffiziler ist Magie dann schon und man wird recht schnell müde wenn man sein Maß nicht findet.


      »Doc, bist Du schon drin?« Chris meldet sich und obwohl man ihn auf dem Hallendach ganz sicher nicht bis auf den Hangarboden hört flüstert er. Der Wind der um das Gebäude pfeift ist beinahe zu laut um ihn zu verstehen.
      »Nee, noch nicht. Habe gerade die beiden Türsteher zu Morpheus geschickt und wollte rein.«
      »Du wirst Deinen Augen nicht trauen. Die haben da drin Steinkreise aufgestellt und in der Mitte haben sie auf dem umgekippten Riesenfindling eine große schwarze Raubkatze angekettet.«
      »Die haben eine Henge hier drin gebaut, mitten in Vancouver?«
      »Tja, Kanadier eben ...«
      »Siehst du zum Eingang, kann ich da gefahrlos reinkommen?«
      »Ja, komm nur, die stehen in Kutten im innersten Kreis. Einer von denen hat ein dickes Buch in den Händen und der Typ neben ihm fuchtelt mit einem Arm herum hält gerade eine Ansprache, als halte er sich für Hitler. Von denen sieht Dich keiner.«


      Ich schlüpfe hinein und bin tatsächlich beeindruckt von der Steinhenge, die sie hier aufgebaut haben, zumindest bin ich das solange bis ich an einem dieser »Steine« beinahe hängenbleibe. Ich reiße meinen Mantel mit mir und habe plötzlich weißes Pulver an mir: Gips. Das Ganze hier ist eine Gipskullise, bis auf den großen Stein in der Mitte, wie ich sofort spüre, als ich mich durch die Reihen der Findling-Attrappen anpirsche. Der ist ein Opferstein, wie er authentischer kaum sein kann.
      Natürlich kann ein Normalsterblicher nicht dasselbe erkennen wie ein Magier und es ist auch schwer zu beschreiben, irgendwie als wollte man einem Blinden den Unterschied zwischen rosa und pink erklären, aber selbst die Normalos bekommen Beklemmungen an bestimmten Orten. Einigermaßen sensible Geister würden allein schon beim Anblick den dringenden Wunsch haben sich ausgiebig zu duschen, tatsächlich eine instinktiv goldrichtige Vorgehensweise. Nichts hilft besser als fließendes Wasser um die Strahlung der Splittersphären loszuwerden.
      Kerzen und Kohlebecken liefern das einzige Licht und ich kann schwach die Zeichen und Linien der Bann und Beherrschungskreise erkennen, die mit roter Farbe oder Blut auf den Boden gemalt wurden. Die Hälfte der Zeichen ergibt keinen Sinn, wobei ich mich nicht zum allwissenden Experten für Beschwörung erklären will, die andere Hälfte ist aus verschiedenen Arkan-Richtungen zusammengeklaubt in etwa so sinnvoll wie eine mit Google aus dem Chinesischen übersetzte Bauanleitung für eine schwedische Einbauküche.
      Oder um es verständlicher auszudrücken: Dieser Opferstein ist in etwa so etwas wie das verschlossene Ende eines Wurmlochs in die Dämonenwelt und diese Narren beginnen gerade damit es zu öffnen und haben dafür als Schutzschild das magischen Gegenstück zu einem Regenschirm der Artilleriebeschuss aufhalten soll.
      Die große schwarze Katze zuckt mit ihren Beinen, doch die Betäubung, unter der sie steht ist zu groß. Das wird sich spätestens dann ändern, sobald ihre Lebenskraft de Treibstoff liefert um das Tor zu öffnen.
      Armes Tier. Doch eine laufende Beschwörung zu unterbrechen ist noch weitaus gefährlicher als sich hinterher um das zu kümmern was dabei herauskommt. Fünfzig Prozent gehen ohnehin so schief, dass außer dem Tod des Opfers irgendwas geschieht. Bei weiteren fünfundzwanzig Prozent reicht die Energie gar nicht aus, den Dämon länger als ein paar Minuten in unsrer Welt zu halten. Bei den allermeisten Beschwörungen durch Amateure, wie im vorliegenden Fall, wird sich der Dämon an seiner unmittelbaren Umgebung austoben, bis er wieder zurück»gesaugt« wird. Dieser Umstand trägt weitaus mehr zur Eindämmung der Dämonologie bei, als alle Dämonenjäger zusammen es jemals könnten.
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      Tom Stark
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    • Die Odd Company (Teil III)

      Schon mache ich mich an den Rückzug und überlege mir, wie ich den Hangar so versiegeln kann, dass nichts entwischen kann, als ich wieder Chris höre.
      »Sag mal, Doc, hast Du schon mal einen Panter mit Ohrringen gesehen?«
      Verwundert halte ich inne und schaue in die Richtung. Das unstet flackernde Licht und die geringe Helligkeit machen es mir unmöglich einen genaueren Blick auf den Panter zu werfen, ohne mich näher heranzuwagen.
      Nun, was ist schon unmöglich? Irgendwie geht alles.
      »Oculus provisus.«, hauche ich und die Dunkelheit wird ein wenig heller und das anvisierte Objekt rückt direkt vor mein Auge, beinahe meine ich die Hand nur austrecken zu müssen um es zu berühren.
      »Tatsache. Zwei goldene Ringe. Weißt du was? Ich glaube das hier ist alles andere als ein normaler Panter. Ich bin zwar nicht Sielmann, aber ich denke sogar, dass das Tier viel zu groß ist.«, meine ich nachdenklich.
      Chris schweigt, er kennt mich zu gut.
      Ich verstecke mich hinter einem niedrigen Pseudostein, schließe kurz die Augen um mir ganz sicher zu sein, was ich gleich tun will.
      »Ok, neuer Plan. Wir befreien den Panter.«
      »Eine Beschwörung unterbrechen, hm? Wie war das mit den Top 3 Sachen, die wir nie machen?«
      »Der Panter ist glaube ich ein Wer-Wesen, eine Frau, wenn ich mich nicht täusche.«
      Ich höre seinen Atmen und natürlich kann ich sein Zögern nachvollziehen. Ein Wer-Panter wäre unter normalen Umständen schon mit Vorsicht zu genießen. Und es ist keineswegs selbstverständlich, dass er uns als Retter nicht aus lauter Überschwang als nächste Mahlzeit ansehen würde.
      »Gut, Kumpel, bin dabei. Du kümmerst Dich um die Kasper in den Kutten, ich hole die Mieze raus.«

      Ich erspare mir dumme Fragen, zum Beispiel solche wie er das machen will und setze über meine Deckung. Der Sermon der Beschwörung hat gerade eine gefährlich euphorische Stimmung angenommen, meist ein Zeichen, dass entgegen aller Wahrscheinlichkeit dieser »Flow« entsteht, der die Dinge möglich macht, welche die Physik eigentlich verbietet.
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      Tom Stark
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    • Die Odd Company (Teil IV)

      Es gibt bestimmt leichtere Dinge als sich einer Gruppe in Trance befindlicher Kultisten unbemerkt zu nähern, zumal wenn deren Gesichtsfeld durch ihre Kapuzen zusätzlich beschränkt wird, mir fallen nur gerade keine ein.
      Daher stehe ich in ihrer Mitte bis mich der Erste bemerkt. Er reißt die Augen ungläubig auf, denn vermutlich hätte er einen finsteren Dämonen zu sehen erwartet, aber nicht einen Mann in mittleren Jahren in einem nicht mehr ganz modischen Trenchcoat, der mit dem Finger auf das gewaltige Buch zeigt aus dem der augenscheinliche Vorbeter jede Zeile intoniert, die danach brav vom Chor wiederholt wird.
      »Incende!« , rufe ich und bin kurz darauf nicht wenig verblüfft, als mein kleiner Feuerball von dem Buch einfach geschluckt wird, ohne auch nur den geringsten sichtbaren Effekt zu bewirken.
      Wie ich das hasse, wenn so etwas passiert!
      Bevor ich noch einen Versuch starten kann diesen elende Beschwörungsfolianten unbrauchbar zu machen, sehe ich schon den vorhin erwähnten Okkultisten auf mich zustürzen, in der Hand das obligatorische lange Messer mit gebogener Klinge und Wellenschliff, das wohl zur Grundausstattung jedes Kapuzenumhang-Trägers gehört.
      »Ahhh, fahr' zur Hölle!« , ruft der Knabe pathetisch und schwingt seine Waffe wild vor sich hin und her.
      »Die Bösen kommen in die Hölle, du Armleuchter. Wenn du das christliche Konzept nicht verstehst, solltest du konvertie ...«, bringe ich noch heraus, bevor ich mich zwischen zwei seiner Kumpane vor seinem Messer in Sicherheit bringe. Dabei remple ich sie wohl etwas an, na schön, ich remple sie gnadenlos um, was auch ihren Beitrag zum Beschwörungskanon ausfallen lässt.
      »Tötet den Frevler!«, höre ich nun meinen Angreifer rufen und sehe wie die beiden anderen ebenfalls ihre Krummdolche zücken. Ich habe mit meiner Vermutung wohl recht. Kurz frage ich mich, ob sie die Dolche zusammen mit den Kutten immer vor Beginn ausgeben, oder ob jeder sein eigenes Equipment mitbringen muss.
      Ja, mir ist klar, dass solche Gedanken im Moment nicht zielführend sind, aber ich habe ja erwähnt, dass ich bisweilen ein wenig seltsam bin.
      Doch gerade diese Gedanken bringen mich auf eine Idee und ich muss grinsen.
      Mit gespreizten Fingern strecke ich meine Hände aus, sehe vermutlich aus wie ein Priester der seine Gemeinde segnet, aber was mir vorschwebt wird ganz sicher nicht segensreich, zumindest nicht für diese Gemeinde. Ich fixiere die vorderste Klinge und erkläre sie im Geiste zum Stellvertreter für alle Klingen dieser Art in Sichtweite.
      Magie hat viel mit Symbolhaftigkeit zu tun, denken Sie nur an die Voodoopuppe, welche die Schmerzen die man ihr zufügt an das dargestellte Opfer weiterleiten soll. Ein krummes Messer mit gewellter Klinge und bösartiger Spitze erinnert einen an ... , na erraten Sie es, ... eine Schlange natürlich.
      Nun ist Leben aus lebloser Materie zu schaffen zwar die höchste Form der Magie, aber Dinge zeitweilig zu beleben und ihnen rudimentäre Eigenschaften zu verschaffen ist kein Hexenwerk ... äh, doch genau das ist es natürlich, aber Sie verstehen was ich meine.
      »Novacula in vipereum«, improvisiere ich eine Variation eines meiner Lieblingszauber und diesmal merke ich, wie ein deutlicher Ruck durch mein inneres Selbst geht. Ich habe eine Schleuse geöffnet und gerate selbst in diesen »Flow«, etwas was einen zu leichtsinnigen Aktionen verleitet und bis hin zu Größenwahn führen kann.
      Begeistert sehe ich, wie die Krummdolche ein Eigenleben entwickeln, wie die dunklen Klingen zu schlanken Körpern mit einer gezackten Musterung werden und die Dolchspitzen zu kleinen keilförmigen Köpfen mutieren. Schlangen, selbst die nur kurzzeitig existenten, mögen es gar nicht, wenn man ihre Schwänze fest wie einen Dolchgriff packt und reagieren entsprechend bissig.
      Genauso wenig schätzen sie es, wenn wild nach ihnen geschlagen wird, während sie sich unter einem Gürtel eingeklemmt versuchen sich das Hosenbein hinab in Sicherheit zu bringen.
      Meine Euphorie nimmt zu, da ich offensichtlich den Beschwörungsvorgang abgewürgt habe und meine Gegner reichlich beschäftigt sind. Ich bin leider kein Schlangenexperte und da man im TV ja meist nur die tödlichsten Arten gezeigt bekommt war gerade meine Vorstellungskraft nur auf die unangenehmsten Arten beschränkt.
      Nun erst bemerke ich Chris, der sich an einem Seil herabgelassen hat und sich an den Ketten des Panters zu schaffen macht. Chris ist zwar kein Magier in meinem Sinne, aber er kann mit Maschinen, Technik und Elektronik Dinge anstellen, die man sich kaum vorstellen kann. Er ist quasi ein Technik-Flüsterer und manchmal, wenn er sehr unter Stress steht, flüstert die Technik sogar zurück. Angesichts der aufwachenden Großkatze dürfte sein Stresslevel gerade am Anschlag sein, warum es mich nicht weiter wundert, dass die Kettenschlösser nicht nur bildlich gesprochen von alleine aufspringen.
      »Ganz ruhig. Bist eine wunderschöne Mieze und ich bin nur hier Dich zu retten. Friss lieber einen von denen da ...«, höre ich Chris beschwörend sagen, da sich der Panter, kaum sind die Ketten gefallen mit tödlicher Eleganz erhebt und sein beeindruckend tödliches Gebiss präsentiert.
      Ich will, gut drauf wie ich gerade bin, den Panter in eine handliche Stubentigergröße bringen, als meine magischen Sinne mich beinahe erbrechen lassen, soviel arkanistische Eindrücke prasseln auf sie ein.
      Der Strudel, der sich mitten in der Halle bildet und wirkt als wolle er die Welt einsaugen, liefert mir dafür mehr Erklärung als mir lieb ist. Hier wird nämlich keineswegs Wirklichkeit eingesaugt, vielmehr wird sie wie aus einem Abfluss heraus gespült.
      Und gegen den metphysischen Gestank dieser »Abwassers« ist der Gestank des Opfersteins wie der Duft einer sommerlichen Blumenwiese.
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      Tom Stark
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      delectare et prodesse
    • Oh eine neue Geschichte, wie wundervoll :D
      Ab und an ein paar Buchstaben vergessen, aber ansonsten stilistisch alles gut. Und spannungsmäßig auch gleich voll dabei, wie man das von dir eben gewohnt ist.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Danke. Ich bin wirklich erleichtert, dass du das sagst.
      Was Du nicht mitbekommen hast ist, dass ich die komplette Story gelöscht und neu aufgebaut habe. Diesmal war der Anfang nämlich so langatmig, dass ich mich beim Lesen im Forum sogar gefragt habe, wann ich denn endlich zur Sache komme ^^
      Gut, dass ich das noch beheben konnte, bevor es zu viele gelesen haben.
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      Tom Stark
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      delectare et prodesse
    • Die Odd Company (Teil V)

      Normalerweise wäre nun der perfekte Zeitpunkt gekommen nicht gerade hier zu sein, oder diesen erstrebenswerten Zustand mit Nachdruck anzustreben. Wie so oft, in meinem Leben irgendwie viel zu oft, kommen zum perfekten Zeitpunkt die ganz und gar nicht perfekten Begleitumstände.
      Chris steht auf dem Opferstein und bis er auch nur einen Meter am Seil hochgeklettert ist, hat ihn der Panter vermutlich schon halb gefressen.
      Dann hat es der Oberkultist mithilfe des arkanistisch höchst interessanten Folianten geschafft seine Schlange wieder in einen Dolch zurück zu verwandeln und hebt diesen gerade mit Mord im Blick auf.
      Damit uns die Situation nicht zu langweilig wird durchbricht gerade ein grauschwarzer mit Zahllosen Dornen besetzter Tentakel den Mahlstrom in der Hallenmitte und packt sich einen schreienden Kultisten, der sich verzweifelt an einen Pseudofindling klammert und so zusammen mit diesem langsam aber sicher herangezogen wird.
      Es gibt Momente, da ist einem völlig klar, was oberste Priorität hat. Ganz egal wie gefährlich der Panter oder wie mordlüstern der Dämonenbeschwörer sein mag, ein Ding mit einem geschätzt zwölf Meter langen Tentakel, was sich gerade einen Weg in unsere Realität bahnt, ist mit Sicherheit schlimmer.
      Getragen vom derzeit unerschütterlichen Selbstvertrauen auf meine Kräfte trete ich vor das sich öffnende Portal. Der Panter ,der Kultist und selbst Chris treten ganz in den Hintergrund meines Denkens und ich hoffe, dass er es irgendwie geregelt bekommt.
      Die Energien beginnen an meinem Geist zu zerren und ich fühle mich, als würde ich geradewegs in ein tiefes schwarzes Loch starren. Ohne Furcht und doch gebannt starre ich einige Sekunden, auf diese grausige Art fasziniert, wie es viele Leute bei besonders schlimmen Unfällen sind. Man muss einfach gaffen und sich erst zusammenreißen bevor man (hoffentlich) zu Hilfe eilen kann.
      Die gewaltige Kanaldeckel große geschlitzte Pupille, die nun auftaucht löst bei mir den Bann und ich gehe im Geiste meine Optionen durch, die bei näherer Betrachtung nicht allzu umfangreich sind.
      Ich könnte versuchen das Portal zu schließen, was mich dazu zwingt den Dämon aus dem Fokus meiner Aufmerksamkeit zu entlassen. Irgendetwas in mir, ich nenne es bis zum Gegenbeweis einfach meinen Selbsterhaltungstrieb, rät mir davon dringend ab.
      Das bringt mich zur zweiten Option, nämlich den Dämon zu bekämpfen während er den Übergang versucht, was ihn natürlich richtig sauer und mich garantiert zum Zentrum seiner Bemühungen machen wird.
      Natürlich gäbe es Option drei: Hier zu verschwinden. Aber obwohl ich sonst einen rechtzeitigen Rückzug als ein Zeichen wahrer Intelligenz betrachte, sträubt sich mein Ego gerade jetzt davonzulaufen.
      Also heißt es kämpfen!
      Ich hebe meine Arme wie ein Boxer der in Volldeckung geht, balle meine beiden Fäuste so fest, dass sich die Nägel in meine Handballen bohren. Meine Armmuskeln sind so fest angespannt, dass meine Schultern dabei schmerzen. Als der Tentakel nach mir schlägt, schlage ich die Außenseite meiner Fäuste so fest zusammen wie kann und schließe die Augen in höchsten Konzentration.
      »Saxum sum contra infernum!«, - meine persönliche Variante des Du kannst nicht vorbei! - schreie ich meinem Feind entgegen und der Tentakel trifft mich und windet sich um mich.
      Äußerlich spüre ich nichts, aber im Innern erschüttert er mich beinahe mehr, als ich ertragen kann. Es ist weniger eine rein physische Auseinandersetzung sondern vielmehr gnadenlose Willenskraft trifft auf eiserne Sturheit. Mein Gegner versucht mich zu zerquetschen, mich zu sich zu ziehen und ich widerstehe mit aller Kraft die ich aufbieten kann. Schnell, viel zu schnell fühle ich, wie meine Kräfte nachlassen.
      Wie gesagt: Beschwörungen zu unterbrechen ist eine saublöde Idee. Es ist ja nicht so, als ob ich diese alte Weisheit jetzt als lebendes oder als bald totes Beispiel untermauern will.
      Der viel zitierte Kampf zwischen der unaufhaltsamen Kraft und dem unbewegbaren Objekt kommt mir in den Sinn und unwillkürlich muss ich schmunzeln. Nicht einmal jetzt gelingt es meinen Hirn bei völlig der Sache zu bleiben, einfach unglaublich!
      Doch gerade dieser Anflug von Humor mobilisiert weitere Kräfte und ich jage meinen inneren Schweinehund mit kräftigen Tritten davon, bevor er mich weiter mit dem Gedanken ans Aufgeben schwächen kann.
      Und dann ist es einfach vorüber.
      Der Druck lässt schlagartig nach, die Ordnung der Welt nimmt wieder ihren gewohnten Platz ein und ich wage wieder zu atmen. Ich öffne zuerst ein Auge, dann das andere. Tatsächlich, das Portal ist verschwunden.
      Bissig murmle ich vor mich hin: »Die Welt ist mal wieder gerettet und alle Zuschauer jubeln, hurra, hurra, hu ...«

      »Doc, vorsicht!«
      So rüde unterbrochen wende ich mich um.
      Den blöden Kultisten habe ich ganz vergessen und der ist viel zu unhöflich um mir denselben Dienst zu erweißen.
      Ich sehe seine Klinge von oben auf mich hinunterfahren und in seinen Augen den wahnsinnigen Triumpf jener Vollidioten, die tatsächlich glauben mit der gelungenen Anrufung eines Dämons am Ziel ihrer Träume zu sein.
      Dummerweise ist die Klinge von Vollidioten genauso tödlich und mein Steinhautzauber ist dahin.
      Instinktiv reiße ich meine Arme hoch und erwarte den Schmerz des Einstichs, doch der bleibt aus.
      Ein schwarzer Schatten reißt den Mann wenige Zentimeter vor mir von den Beinen und Schatten wie Kulstist werden vom Schwung einige Meter weitergetragen. Mit einer fast beiläufigen Geste zertrümmert der Panter den Kopf seines Opfers und schaut sich beinahe gelangweilt um.
      Ich schaue zu Chris und er zurück. Wir beide zucken hilflos aber auch erleichtert mit den Schultern.
      Da löst sich der Panter von der Leiche meines Angreifers und springt mit einem eleganten Satz in die Dunkelheit zwischen den Hengekullisen.
      »Alles ok bei Dir?«, frage ich Chris.
      »Kein Kratzer, das Glück der Iren, kennst Du doch! Und bei Dir?« Sein Feixen sehe ich auch im Dämmerlicht.
      Ich lache kurz. »Auch bei mir kein Kratzer. Das Glück des Irren, kennst Du ja auch schon.«

      Panische Schreie die schnell verstummen, lassen uns ernst werden und Chris zückt eine alte Armeepistole, geladen mit Zeug über das ich lieber gar nicht so genau Bescheid wissen will, das aber eine echte Sauerei anrichten kann.
      »Gut so, meine Hübsche, friss diese Kerle, friss Dich schön satt.«, ruft er laut und fügt leise hinzu: »Besser die als wir ...«
      »Fiat Lux«, spreche ich den Klassiker aus, der bei mir zwar nicht gerade das Licht in die ganze Welt bringt, aber immerhin die großen Leuchtstoffröhren an den Hallenwänden dazu bringt ihr Bestes zu tun um dem biblischen Vorbild nachzueifern.
      »Ich glaub mich tritt ein Pferd!« , entfährt es Chris und ich stimme ihm im Geiste zu, denn eine dunkelhäutige Schönheit, die geradewegs aus einem afrikanischen Fitnessmagazin entsprungen sein könnte kommt auf uns zu, ihre Blöße mit den Fetzen der Umhänge ihrer just verstorbenen Vorbesitzer als improvisierter Bikini und Rock bedeckt.
      Mit einem breiten Grinsen zeigt sie ihre weißen Zähne, die in ihrem dunklen Gesicht fast so beeindruckend wirken, wie das Gebiss des Panters zuvor. »Ich esse doch keinen Abfall aber ich hätte nicht übel Lust an meinem appetitlichen Retter ein bisschen herum zu knabbern.«
      Womöglich ist es ihr exotischer Akzent oder doch ihr eindeutiger Tonfall, der den armen Chris tiefrot werden lässt.
      Mir jedenfalls geben die beiden goldenen Ohrringe in ihrem linken Ohrläppchen den letzten Beweis, den ich brauche.
      Ich lasse die beiden alleine, darauf vertrauend, dass Chris sich nicht gleich beim ersten Date mit Haut und Haaren vernaschen lässt und mache mich daran einen Versiegelungszauber für diese Drecks-Grimore zu entwerfen, zumindest für so lange bis ich es zerstören kann.
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      Tom Stark
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    • Steckbrief: Victoria Manatu

      Name: Manatu, Victoria Elise
      Rufname: Vic
      Rasse: Wer-Panther
      Alter: 27

      Haarfarbe: schwarz (kurzgeschoren)
      Augenfarbe: braun
      Nationalität: Demokratische Republik Kongo (Zaire)
      nahe Verwandte: -
      Ausbildung: Unteroffizier der Ranger Einheiten
      Beruf: (Kopfgeld)Jäger
      Hobbys: Wandern, französische Literatur
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      Tom Stark
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      delectare et prodesse
    • Nicht einmal jetzt gelingt es meinen Hirn bei völlig der Sache zu bleiben
      völlig bei der

      Ein bisschen klischeehaft, aber trotzdem gut. Mit der passenden Prise Humor dabei. Hätte mir vielleicht noch eine Anmerkung gewünscht, warum der Dämon nicht durch das Portal konnte nachdem es ja anscheinend geöffnet war.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Neu

      @Tariq

      hrhr, hab ich mich auch gerade gefragt.

      Spoiler anzeigen

      Die Odd Stories sind ein Ableger des Sinistre-Uiversums.

      Zuerst mache ich Royas Abenteuer fertig. Das ist ja immer noch am Anfang.
      Danach ist Sinistre mit der abgebrochenen Geschichte dran und dann Sam Kelly. Ich wette da wollen endlich auch ein paar wissen, wie es mit den dunklen Amazonen weitergeht.
      Und falls ich bis dahin nicht ein ganz dringenden Bedürfnis habe, was Anders einzuschieben, könnte ich möglicherweise hier eine Episode anbauen (oder zwei, oder drei ...)
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      Tom Stark
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