Tanith [Arbeitstitel]

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    • Tanith [Arbeitstitel]

      Hey ^^
      Ich sitze leider schon wirklich sehr lange an dieser Geschichte und hoffe, dass mich Feedback dazu motiviert regelmäßig weiter zu schreiben :O
      Also... Viel Spaß, Ich hoffe, die Einleitung gefällt Euch. :]





      Prolog

      Unangenehm feuchte Luft zog sich durch die engen Straßen und hinterließ ein feines Kribbeln an jeder erreichbaren Stelle der Körper, die sich schwerfällig durch die Stadt bewegten. Einem Hauch Leben war jedoch hinter jeder Tür zu begegnen, hinter der Alkohol in leere Krüge geschenkt wurde. Speisen schmückten die alten Tische, der Atem des Raumes war durchblutet von Freude und krächzendem Gelächter. Ein nervöser Blick. Kleine Füße tappten über die zerkratzen Dielen. Die vielen unterschiedlichen Stimmen, die fast schon eingeübten Töne, die sich immer zu wiederholen schienen. Durch den Lärm war sie dazu gezwungen, mehrmals an dem dunklen Stoff zu zupfen, welcher ihre Ohren verstecken sollte. Die lautstarken Gespräche der Gäste nahm sie als dröhnendes Drücken, die klirrenden Gläser und Teller als grelle Töne wahr. Eine zittrige Hand am Bauch und zwei Finger an ihre Schläfe gedrückt, wagte sie sich weiter vor. Jemand packte sie am Handgelenk und zog sie langsam zu sich, rief ihr irgendwas zu. Sie erschrak. Versuchend Ruhe zu bewahren, riss sie sich los und tastete sich zwischen den Gästen, Stühlen und Tischen nach vorne. Ein kurzes Beben durchfuhr sie, als ein Glas vor ihren Füßen zersprang. Eilig stieg sie über die Scherben.
      Hatte sie überhaupt Geld dabei? Sie weigerte sich, nach ihrem Beutel zu greifen und nachzusehen.
      Grob winkte eine Hand vor ihren Augen.
      „Hallo! Ich fragte, was Ihr wollt!“, ein gestresster breiter Mann, der nebenbei Bier zapfte. Seine fettigen dunklen Haare hingen ihm in die Augen.
      „Weib! Bestellt etwas oder verschwindet! Ihr haltet mich auf!“
      „Ja... Habt Ihr,-“
      „Sprecht lauter!“ Sie zuckte zusammen.
      „K-könnt Ihr mir ein Gericht empfehlen?“
      Er unterbrach für einen Moment die Arbeit und stöhnte genervt:
      „Lasst das sinnlose Geschwätz und bestellt einfach was“, er stapelte die Bierkrüge auf einem Tablett und gab dieses weiter. Nachdem er die Theke abgewischt hatte, schaute er wieder auf.
      „Ihr meint es ernst, was?“ Ihre hellen Augen starrten ihn stumm an. Als keiner von beiden sich regte, atmete sie tief ein und schaute sich kurz um.
      „V-verzeiht bitte die Umstände“, erwiderte die zierliche, junge Frau und tippte dabei nervös auf die Holzplatte, „Gebt mir einfach... etwas mit Huhn.“
      Der Mann zog zuerst die Augenbrauen zusammen, dann hellte sich seine Miene auf.
      „Natürlich“, auf einmal wirkte er wie ausgewechselt. Er ergriff einen Stapel schmutziger Teller, schaute sich kurz zu beiden Seiten um und schob sich rückwärts in den angrenzenden Raum. Einen Moment wartete sie noch ab, dann schlug sie ihren vier Fäuste großen Beutel auf das Holz. Hektisch entknotete sie das Band und durchwühlte die Tasche. Ein Trinkschlauch aus Ziegenhaut, ein kleiner Dolch in einem Stück Leder eingehüllt. Ein zerkauter Holzlöffel und Bucheckern waren am Boden zu finden. Sie hielt inne und weitete kurz die Augen. Ruhig bleiben. Sie wusste ganz genau, dass sie kein Geld mehr hatte. In sich hinein fluchend, zog sie den Beutel vom Tisch. Sie würde alles aufessen und dann so schnell wie möglich verschwinden. Was sie einmal im Magen hatte, konnte ihr nicht weggenommen werden.
      Die junge Frau setzte sich auf einen der hohen Stühle vor der Theke und warf einen flüchtigen Blick hinter sich. Sie glaubte ein ihr bekanntes Augenpaar erblickt zu haben, den Gedanken verwarf sie jedoch im selben Moment. Im Augenblick waren ihr andere Dinge wichtiger. Sie wartete ungeduldig, konnte sich jedoch nicht zurückhalten und drehte sich wieder vorsichtig um. Ihr Blick wühlte sich durch die Gesichter. Niemand interessantes unter den Gästen. Tatsächlich stach keine einzige Person hervor, so wie es sonst immer der Fall war. Wirklich niemand. Enttäuscht wandte sie sich wieder zur Theke. Ein Holzteller wurde vor ihr abgestellt, der Wirt betrachtete sie erwartungsvoll.
      Sie starrte vor sich, zögerte: „Was ist das?“
      „Rahmfladen mit Pilzen und Zwiebeln, zwei Hähnchenkeulen und etwas Birnenmus“, erklärte er mit einem stolzen Glitzern in seinen Augen und hielt ihr eine große, schwere Hand entgegen. Sein Gegenüber blinzelte ihn fragwürdig an. Der Wirt rollte mit den Augen: „Du sollst bezahlen...“ „Was?“, fiepte sie aufgeregt, „K-kann ich nicht nach,-“
      Er unterbrach sie mit einem spöttischen Lachen.
      „Haha, nicht doch! Meine Kunden zahlen erst, dann bekommen sie was sie wollen.“
      Was sollte sie jetzt tun? Nervös nahm sie ihren Beutel und legte ihn auf ihren Schoß, öffnete ihn sehr langsam und tat so, als würde sie ein paar Münzen suchen. Sie sah kurz auf um den Mann leicht anzulächeln, dann wandte sie sich sofort wieder ihrem Beutel zu und grub tiefer darin.
      „Na wird’s bald?“
      Sie schüttelte sanft den Kopf, um sich wieder zu fassen. „Verzeiht, b-bitte...“ „Ihr könnt also nicht bezahlen?“, sofort nahm er den Teller wieder an sich, „Raus. Verschwindet! Ihr Weiber seid ja alle doch nur Zeitverschwendung!“ Sprachlos rutschte sie vom Stuhl, zögerte und hob leicht die Hand, als wolle sie noch etwas einwenden. Als ihr passende Worte des Protests in den Sinn kamen, hatte sich der Wirt bereits von ihr abgewandt.
      " It's Hebrew, it's from the Talmud. It says, "Whoever saves one life, saves the world entire." "
      ~Itzhak Stern

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Ewala ()

    • Heyho,

      also erst einmal: Gefällt mir sehr gut! :thumbsup:
      Du hast einen echt tollen Schreibstil, alles ist sehr detailliert und lebhaft beschrieben. Gab keine Probleme, großes Kopfkino zu haben.

      Scheinbar hast du (wie andere auch) paar Probleme beim Kopieren des Textes, da einige Leerzeichen fehlen. Tipp: Beim Editor den BBCode anschalten, Text reinkopieren, wieder umschalten und fertig. So hab ich es zumindest bei mir lösen können ;)

      Kleinigkeit zum Meckern:
      Spoiler anzeigen
      An ein paar Stellen wechselst du im Tempus


      Kamihate schrieb:

      Tatsächlich stach keine einzige Person hervor, so wie es sonst immer der Fall ist (war)

      Kamihate schrieb:

      Was solle (sollte) sie jetzt tun?



      Die Einleitung ist dir wirklich super gelungen und macht auch echt neugierig.
      Wer ist die Hauptperson? Was genau treibt sie dorthin? Und vom Gefühl her würde ich erst einmal sagen, dass sie nicht unbedingt menschlich ist :D

      Ich fands jedenfalls super. Weiter so.


      Cheers,

      Jack C. Moon
      "Es geht nicht nur darum ewig zu leben, Jackie. Der Trick ist, ewig mit sich selbst leben zu können."


      - Captain Teague
    • Hey @Kamihate

      Der erste Teil macht mich auf jeden Fall schon mal neugierig, wie die Geschichte sich entwickeln wird.
      Dein Prota gefällt mir auf jeden Fall schon mal ziemlich gut.

      Fehler werde ich nicht berichtigen, weil es nur einige wenige waren, die ich gefunden habe.
      Aber ich würde dir raten, nochmal drüber zu lesen und die Leerzeichen zu prüfen. Durch das Hochladen im Forum sind einige Wörter zusammengerutscht und es fehlen Leerzeichen. ^^

      Ansonsten für den Anfang nicht schlecht. Mal sehen, aus was es hinausläuft. ^^

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen
    • Hallo @Kamihate :) Hab mich auch mal dran gewagt.

      Mir gings wie Kyelia; grammatikalisch nichts zu bemängeln ^^ meine beiden Meckerpunkte sind folgende:

      Kamihate schrieb:

      Unangenehm feuchte Luft zog sich durch die engen Straßen und hinterließ feines Kribbeln an jeder erreichbaren Stelle der Körper, die sich träge, aber dennoch schnell durch die Stadt bewegten.
      Träge und schnell schliessen sich gegenseitig aus- Trägheit ist eine Form der Langsamkeit. Ich glaube, der Begriff, den du suchst, ist schwerfällig :)

      Kamihate schrieb:

      Erschrocken, aber versuchend Ruhe zu bewahren, riss sie sich los und tastete sich zwischen den Gästen, Stühlen und Tischen nach vorne.
      Hier ist es ein Mega-Peanut :P Der Satz wirkt etwas zu konstruiert, zu unnatürlich. Man spürt hier bissi zu sehr, dass du schon eine Weile am Text gesessen hast. Ich würde, um das Erschrecken mehr rüberzubringen, den Satz teilen. Also "Sie erschrak". Damit ist ein Satz allein für das Erschrecken reserviert, sozusagen. Beim Lesen macht man bei jedem Punkt eine kleine Pause, und wenn nach dem Erschrecken ein Komma und dann das Ruhe bewahren kommt, wird es gleich etwas weniger schlimm.
      Weisst, wie ich meine?

      Ansonsten wären da noch die Absätze vor der direkten Rede.

      Kamihate schrieb:

      Grob winkte eine Hand vor ihren Augen.
      Absatz „Hallo! Ich fragte, was Ihr wollt!“, ein gestresster breiter Mann, der nebenbei Bier zapfte.
      Absatz„Blondchen! Bestellt etwas oder verschwindet! Ihr haltet mich auf!“
      Absatz„Ja... Habt Ihr,-“
      Absatz„Sprecht lauter!“ Sie zuckte zusammen.
      Absatz„K-könnt Ihr mir ein Gericht empfehlen?“
      Absatz Er unterbrach für einen Moment die Arbeit und stöhnte genervt: „Lasst das sinnlose Geschwätz und bestellt einfach was“, er stapelte die Bierkrüge auf einem Tablett und gab dieses weiter. Nachdem er die Theke abgewischt hatte, schaute er wieder auf: „Ihr meint es ernst, was?“ Ihre hellen Augen starrten ihn stumm an. Als keiner von beiden sich regte, atmete sie tief ein und schaute sich kurz um.
      Absatz„V-verzeiht bitte die Umstände“, erwiderte die zierliche, junge Frau und tippte dabei nervös auf die Holzplatte, „Gebt mir einfach... etwas mit Huhn.“
      Es geht rein rein um die Übersicht. Je nach dem, wie schnell ich etwas lese, verhedder ich mich in den Zeilen, wenn es nicht geregelte Absätze hat.

      Tja- ansonsten wie bereits erwähnt: Hammer Schreibstil. Mir hin und wieder zu konstruiert (also... viele Gedanken, wie man möglichst viel in einen Satz bringen kann, sodass dabei der natürliche Fluss etwas verloren geht), aber das ist wohl Geschmackssache :) Meine Schwester, die mir grade über die Schultern guckt, meint auch: Spannend ^^ ergo: Weiter so! Ein prima Intro, Gefühlvoll und voller Atmosphäre..

      LG Klim :)

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Kann mich den anderen nur anschließen!
      Sehr sehr guter Schreibstil. Ein paar Absätze könnten nicht schaden, aber da hat Klim ja schon ganze Arbeit geleistet ^^
      Als ich die Überschrift gelesen habe, musste ich an Skulduggery Pleasent denken, aber das hier ist ja was ganz anderes :thumbup:
      Gefällt mir echt gut und ich freu mich auf mehr ^^
      Dreck auf Toast!
    • Gefällt mir echt gut! Die einzige Sache, die ich persönlich etwas unangenehm zu lesen fand, war der letzte Satz. Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich würde würde

      Kamihate schrieb:

      Als ihr passende Worte des Protests in den Sinn kamen, hatte der Wirt sich bereits von ihr abgewandt
      es so schreiben "Als ihr passende Worte des Protests in den Sinn kamen, hatte sich der Wirt bereits von ihr abgewandt"

      Das liest sich meiner Meinung nach etwas flüssiger.

      Ansonsten bin ich sehr gespannt wie es weiter geht und ich werde es weiter verfolgen, weiter so!
    • ,interessant, dass nicht nur meine Geschichte in so einer kneipe anfängt. Allerdings scheint deine noch einen ticken freundlicher.

      Sehr schön geschrieben, eingänglich mit kopfkino und sehr schönen, eigenen umschreibungen. Der erste satz ist mir ein wenig lang nicht und kompliziert. Gibt es einen prolog? Wenn nicht, dann solltest du einen markanteren ersten satz wählen. Der entscheidet bei einem buch sehr viel.

      Ansonsten gute arbeit.
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. So hieß es. Doch nun war sie ausgesperrt.
      Noch bevor sie in der Lage war die letzte Niederlage zu verkraften, kraulte ein bereits vertrauter Gedanke ihren Nacken. Abweisend und angeekelt schüttelte sie den Kopf. Etwas in ihr schrie danach; schrie nach dieser Hintertür. Mit einer Hand zog sie sich den dunklen Stoff tiefer ins Gesicht. Er war nicht besonders dick, jedoch gab er dem Mädchen ein Gefühl von Sicherheit, als könne sie sich vor dem Rest der Welt verstecken. Das wohlige Gefühl wurde jedoch durch lautstarkes Rumoren aus der Magengegend zu Nichte gemacht. Es gab noch mehr als den Rest der Welt. Bedürfnisse. Die Leere und Kälte in ihrem Körper war so tief wie ein Meer. Ihr Hunger geriet in einen Sturm und riss verzweifelt das Ruder hin und her. Es drehte sich. Der Sturm drehte sich. Das Salzwasser kippte und zersplitterte. Vor Schmerz heulte der Wind auf und krümmte sich. Ein hauchdünner Sonnenstrahl schenkte dem Steuermann eine Richtung.
      Die dürre Frau fand sich vor einem kleinen Marktstand wieder. Der Duft der frischen Brote verschmolz mit ihrem Verstand. Liebevoll wurden sie von einer älteren Dame auf dem Tisch platziert. Die Verkäuferin bückte sich, um einen Korb mit Äpfeln auf die Platte zu heben. Das würde das aller letzte Mal sein, bettelte das Mädchen. Ihre knochigen Finger bohrten sich in einen warmen Laib. Sofort drückte sie das Brot an sich und zog sich gezwungen langsam zurück. Sie hielt die Luft an. Niemand schien ihren Diebstahl bemerkt zu haben. Zumindest niemand, der sie zur Rede stellte. Der Schreck würde jeden Moment vorbei sein.
      Eilig verschwand sie in einer schmalen Gasse. Der bitter spottende Latrinenduft nahm sie in Empfang. Unwillkürlich drückte sie ihren Handrücken an ihre Nase. Sie kniff die Augen zusammen und ging den schmalen Weg entlang. Ein kalter Windstoß versetzte ihr einen kräftigen Tritt auf die Straße hinaus. Das Mädchen stolperte und ließ das Brot fallen. Unwillkürlich warf sie einen Blick zurück in die schmale Gasse. Niemand war ihr gefolgt; bis auf die Kälte. Noch spielte der Herbst mit den Blättern der Bäume, doch der Winter lauerte ihm bereits auf und ließ den Wind erfrieren. An den Hunger erinnert sah sie wieder nach vorne und wollte den Brotlaib aufheben, zögerte jedoch.
      Nur wenige Schritte von ihr entfernt lag es zerdrückt unter dem schweren Lederstiefel eines schmutzigen und verbraucht erscheinenden Mannes. Die geweiteten Augen der jungen Frau tasteten sich vorsichtig an sein Aussehen heran. Ein weißes Hemd, darüber eine dunkelblaue Jacke und eine dunkle Hose. Alles wirkte teuer, als wäre er sehr wohlhabend gewesen und wurde dann quer durch den Schlamm und den Kies auf den unbefestigten Straßen der ärmeren Außenviertel der Stadt geschliffen worden. Der Mann durchbohrte sie einen Augenblick lang mit seinen gelbbraunen Augen - Ein Augenblick, der sich ewig anfühlte. Sie drückte ihren Rücken durch, konnte sich vor Schreck kaum bewegen. Provozierend langsam neigt er seinen Oberkörper hinab und hob das mittlerweile völlig in Schlamm getauchte Brotstück auf. "Suchst du das hier?" "Eh... Ja, da,-" Er ließ es mit einer ausladenden Geste fallen und zerdrückte und zerrieb es mit dem Fuß im Dreck. Ein Schauer von Verblüffung und Panik überkam sie. Trotz seines Zustandes strahlte er eine gewisse Form von Autorität aus. Der Wind blies ihr den dunklen Schal vom Kopf und zerzauste ihr Haar. Hastig riss sie sich den Stoff zurück. Ein wenig beschämt neigte sie den Kopf und strich sich schnell die Haare aus dem Gesicht. Als sie wieder aufsah, stand der Mann nicht mehr vor ihr.
      "Ich weiß, was du getan hast", ertönte seine Stimme hinter ihr, ohne einen Anflug von Emotion.
      „W-was denn?“, fiepste sie ohne sich zu rühren. Statt einer Antwort, wurde ihr ein alles sagender Blick von der Seite geschenkt. Sie erwiderte ihn. „Ich eh,- ja, das... ich... ich hatte Hunger...“
      Die Furcht lag tief in ihrer Stimme und Mimik, dies bemerkte sie und sah schnell weg. Mit großen, langsamen Schritten ging der Mann nun um sie herum, dabei entfernte er mit einem Dolch Schmutz unter seinen Fingernägeln. "Ich weiß alles über dich", sagte er, und ließ es so klingen, als sei das eine der größten Selbstverständlichkeiten. Irritiert starrten ihre großen Augen ihn nun wieder an, Mittlerweile fiel es ihr schwer, die Situation einzuschätzen. Der Mann reagierte auf ihren Blick und zuckte nur kurz mit den Schultern. "Nun - zumindest das Relevante. Ich weiß, was du bist", den letzten Satz lies er sich auf der Zunge zergehen. Das zarte Herz der zierlichen Frau pumpte das Blut so heftig durch ihren Körper, das sie es in ihren Ohren fließen hörte.
      "Ihr seid alle gleich. Ich kenne euresgleichen so gut wie mich selbst, wahrscheinlich besser. Die meisten gehen an dir vorbei und merken gar nichts." Jetzt kam der Mann näher. Sie mochte zurückweichen, aber schon bald stieß sie gegen eine Hauswand. "Du siehst aus wie ein Mensch und sprichst wie ein Mensch..." Jetzt hielt er ihr mit der rechten Hand das Messer an die Kehle, während seine linke mit einer ihrer Haarsträhnen spielte. "Und du verhältst dich wie ein Mensch. Najaaaa“, er flüsterte ihr zu und packt dabei ihre Haarsträhne, „Natürlich nur, bis du anderen Menschen das Genick durchbeißt und sie auffrisst."
      Sie hielt die Luft an, damit ihre Stimme sich nicht überschlug. "Woher... Wisst ihr,-?"
      "Es sind deine Augen. Nicht ihre Form. Nicht unbedingt ihre Farbe. Nicht, wann du sie öffnest und schließt - es ist dieses wilde, ungezähmte Leuchten. Ich habe gelernt es zu erkennen."
      Sie hoffte nur innerlich zu erröten, doch ihre Verlegenheit blieb nicht unbemerkt.
      „Mein Name ist Curell.“ Er trat ein paar Schritte zurück. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass er sie nach ihrem Namen fragte. "Tanith... ", stotterte sie. "In Ordnung, Tanith. Dann sollten wir versuchen, eine Möglichkeit zu finden, wie wir diese Konversation bestmöglich beenden." Konversation? Führte er seine Konversationen immer so? Doch der milder gewordene Tonfall Curells brachte sie dazu, sich wieder einigermaßen zu beruhigen. "Möglichkeit eins ist, dass ich dich weiterleben und gehen lasse." Die so eben geschöpfte Hoffnung zerschlug noch im selben Augenblick.
      "Beim nächsten mal, wenn du hungrig bist und keine verarmte, rheumatische Witwe ausrauben kannst, wirst du wahrscheinlich auf anderes Fleisch zurückgreifen. Plötzlich werden in den dunkleren Gassen immer wieder mal Menschen verschwinden... Also scheidet diese Möglichkeit aus. Möglichkeit zwei wäre, dass wir aufeinander losgehen und ich dich mit meinem... Messer vergifte woraufhin du qualvollst innerhalb von drei Tagen verreckst. Und nebenbei sterbe ich auch noch, weil ich mich alleine mit einem Canis-Weibchen angelegt habe. Ich denke, das wollen wir beide nicht." Es kränkte sie, dass er über sie wie über ein Tier sprach. Curells Stimme schwankte nun über in ein gar nicht mehr sanftes, in ein tonloses Flüstern.
      "Also wirst du gehen."
      "Was?", fiepte sie.
      "Verlass die Stadt, geh, wo du keinem Menschen, Elf oder Zwerg in die Quere kommst..."
      Entsetzt starrte Tanith ihn an.
      "Lauf“, ein Schmunzeln.
      " It's Hebrew, it's from the Talmud. It says, "Whoever saves one life, saves the world entire." "
      ~Itzhak Stern

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Ewala ()

    • Ewala schrieb:

      kraulte ein bereits vertrauter Gedanke ihren Nacken.
      Wunderbar, sehr Stimmungsvoll. An der Stelle krauelt es auch mir den Nacken. :rofl:

      Ewala schrieb:

      Die Leere und Kälte in ihrem Körper war so tief wie ein Meer. Ihr Hunger geriet in einen Sturm und riss verzweifelt das Ruder hin und her. Es drehte sich. Der Sturm drehte sich. Das Salzwasser kippte und zersplitterte. Vor Schmerz heulte der Wind auf und krümmte sich. Ein hauchdünner Sonnenstrahl schenkte dem Steuermann eine Richtung.
      Das ist so eine merkwürdige, abstrakte Stelle, über die man leicht stolpern kann. Aber da ich sowas auch gerne einbaue, sehe ich da weniger ein Problem. Für wen das nichts ist, für den ist es auch nicht geschrieben. Ich finde es jedenfalls passend.

      Ewala schrieb:

      Als sie wieder aufsah, war der Mann nicht mehr zu sehen. Verwirrt schaute sie sich um.
      "Ich weiß, was du getan hast", ertönte seine Stimme, ohne einen Anflug von Emotion.
      „W-was denn?“, fiepste sie ohne sich zu rühren. Statt einer Antwort, wurde ihr ein alles sagender Blick von der Seite geschenkt.
      Zuerst ist er also nicht mehr zu sehen, was mir impliziert, dass er verschwunden ist. Und dann kommt seine Stimme von der Seite. Das solltest du dir nochmal ansehen, denn dass man da stolpert ist wohl weniger Absicht.

      Ewala schrieb:

      als sei das einer der größten Selbstverständlichkeiten.
      Das solltest du selbst sehen können. :D
    • Die Geschichte gefällt mir gut. Sie fängt zumindest sehr gut an. ^^
      Etwas irritierend ist es jedoch, warum der Mann ihr Essen vernichtet, obgleich er weiß, dass sie ausgehungert ist und eine Gefahr für andere darstellt, obgleich er dies als Grund angibt, sie zu bedrohen.

      Vom Schreibstil her: Sehr schön, sehr fließender Text. Es liest sich flüssig, sauber und ich habe nur wenige(kleine) Fehler gefunden. Nur beim ersten Satz hätte ich ein "ein" hinzugefügt. "hinterließ ein feines Kribbeln".

      Die Personen sind detailreich beschrieben und das Kopfkino schnurrte. Ich freue mich auf den nächsten Teil. ^^
    • Mittlerweile tränkten graue Wolken den Winterhimmel und die kalte Erde in Schatten. Die Regentropfen hämmerten auf die Dächer der großen Stadt, die sich leidenschaftslos in grauer Trübheit wiegte.
      Ebenso leidenschaftslos schlängelte sich Curells Dolch durch ihre Kleidung und rieb seine vergifteten Reißzähne an ihr.
      Die Sicht wurde ihr von dem Regen und ihren eigenen, verräterischen Tränen versperrt, doch sie wagte nicht stehen zu bleiben und sie fort zu schicken. Viel zu überzeugend war der kitzlige Dolch an ihrem Rücken, der bei der kleinsten Berührung hochschrecken und sie töten würde. Knirschend ertranken Kieselsteine im schlammigen Regenwasser, das nicht viel wärmer als Eis sein konnte und das von den Dächern verschüttet wurde. Der messerscharfe Zahn des Dolches durchtrennte den letzten Stoff und küsste Taniths Seidenhaut. Curell legte ihr eine Hand in den Nacken, seine Finger bohrten sich bis zu ihren Wirbeln hervor, ohne ihr erwähnenswerte Schäden zu zufügen. Es war nicht der Schmerz, der ihr eine Gänsehaut schenkte.
      „Kh...Warum,-?“
      „Schnauze.“
      Ein Schlucken. Ihre linke Hand glitt um ihren Hals und berührte kurz die kräftigen Finger. Entspannten sie sich? Vielleicht würde sie diese Begegnung doch noch unversehrt überstehen. Ein weiteres Mal berührte sie seine Finger. Länger. Spürte seine Wärme und Ruhe. Sie zitterte noch mehr.
      Plötzlich stieß er sie von sich.
      „Lass das.“
      Erschrocken drehte sie sich um und sah Curell direkt in die braunen Augen. Mut und Entschlossenheit nahmen sie an die Hand. Schlagartig rannte sie davon, ebenso schnell jagte er sie, würde sie nicht aufgeben; sie war schließlich das Kaninchen. Dieses Spiel würde ihn ohnehin nicht lange beschäftigen, er wusste die Regeln zu umgehen. Er schüttelte sich den Großteil der nassen Haare aus dem Gesicht und rutschte mehrere Male ein wenig über den Boden. Doch er hatte nicht vor langsamer zu werden. Er holte aus. Die glänzende Klinge wirbelte durch die Luft und schnappte voller Freude zu. Er riss ihren linken Ärmel und die darunter schwitzende Haut auseinander und ließ das Kaninchen schreien. Tanith stolperte. Bei dem Versuch abzubremsen, rutschte sie gefährlich schnell und weit. Stolperte. Taumelte. Sie keuchte auf. Binnen weniger gehetzter Herzschläge prügelte sich wieder auf die Beine und warf einen Blick auf die Schnittwunde. Der Dolch ist vergiftet, erinnerte eine tiefe Stimme in ihrem Gedächtnis, innerhalb von drei Tagen wirst du elendig verrecken.
      Einen Gedanken länger und Curell hätte sie gepackt, aber Tanith sprang noch im richtigen Moment zur Seite und rannte durch die nächste Gasse. Die durch den Sturz verursachten Schürfwunden brannten, doch der kalte Regen linderte die Schmerzen. Schweigend schrien sie, während ihre Füße brüllten und hallten. Die Gejagte spürte Kraft so stark durch ihren Körper zittern, wie sie es noch nie zuvor gespürt hat. Mit dieser Kraft rannte sie etwas ungeschickt durch weitere leere Gassen, Straßen und matschige Wege.
      Stumm fluchend berührte sie die Hauswand vor sich. Es durfte nicht sein; eine Sackgasse. Bevor sie sich umdrehen konnte, packte der Jäger ihr ins Haar, riss sie von der Wand weg und warf sie zu Boden.
      „Dachtest du, du könntest mir entkommen?“, Curell grinste spöttisch, während er seinen in Matsch getränkten Stiefel in ihr Rückgrat bohrte. „Tze.. das haben sie alle einmal gedacht. Danach dachten sie gar nichts mehr.“
      Das Kaninchen quiekte auf, als an seinem Fell gerupft wurde um seine Schnauze zu sehen. Curell beugte sich zu ihr herunter und fuhr ihr sanft über die junge Wange an der einzelne Haarsträhnen klebten. Hilflos winselte sie, aber verwehrte ihm den Anblick ihrer Tränen. Dieses Vergnügen würde sie ihm niemals gönnen. Ihre dunklen Augenbrauen unterstrichen ihren wütenden und panischen Züge. Ihr Gesicht war unauffällig und gewöhnlich. Schlicht, aber schön.
      „Was mache ich jetzt nur mit dir?“, überlegte er. „Im Vergleich zu den anderen Bestien bist du ein Schoßhündchen. Ich könnte dich mitnehmen und gefügig machen. Du hast doch keine Angst im Dunkeln, oder?“, und wieder spielte er mit ihrem Haar, „Und selbst wenn, die verlierst du sicher nach ein paar Tagen...oder Wochen.“
      Tanith wusste nicht, ob der Kies unter ihr oder die Kälte nach ihrem Körper stach.
      „Nun... da gibt es aber auch einige Personen, die eine Menge Geld für solch ein Weib ausgeben würden. Wofür auch immer die sie brauchen.“ Gespannt lauschte er dem leisen Rumoren in ihrer Brust und fühlte, wie sie zunehmend aggressiver versuchte sich zu befreien, aber er würde nicht nachgeben. Curell lachte leise und strich ihr einige braune Haarsträhnen aus dem Gesicht und beobachtete große Tropfen ihre spitze Nase herunter laufen.
      „Willst du gar nichts dazu sagen, Köter? Kein Widerwort, oder... eine Beleidigung? Du enttäuschst mich.“
      Er wartete; erwartete das brutale Funkeln zwischen ihren Wimpern. Doch dieser Köter hatte sich unter Kontrolle. Noch.
      „Aber das hier macht dich erst interessant“, er packte ihren Arm und riss den in Rot getupften Ärmel ein weiteres Stück auseinander. Blut quoll aus der Schnittwunde, vermischte sich mit Regenwasser.
      „Du hättest schon längst bewegungsunfähig sein sollen...“ Einen kurzen Augenblick lang zögerte er.
      „Aber das können wir ja ändern“, er legte den inzwischen dreckigen Dolch in ihre Wunde und drückte ihn tiefer in sie hinein. Tanith schrie auf. Sie spürte das kalte Einschneiden der Klinge zwischen ihrem Fleisch.
      „Shh...“, Curell legte ihr eine Hand auf den Mund, „Es wird gleich aufhören.“
      Langsam verstummte sie. Der Schmerz war schnell vorbei, obwohl sie mit ansah, wie Curell die Klinge in ihrer Wunde bewegte. Sie wehrte sich mit aller Macht, spürte ihren linken Arm nicht mehr. Die Taubheit schlich über ihr Schulterblatt und breitete sich weiter aus. Dieser Mann spielte dieses Spiel nicht zum ersten Mal. Er war ihr zweifellos überlegen.
      Glas zersplitterte an der Steinwand. Klirrend flogen Scherben über den Boden. Jäger und Kaninchen witterten eine weitere Bedrohung.
      " It's Hebrew, it's from the Talmud. It says, "Whoever saves one life, saves the world entire." "
      ~Itzhak Stern
    • Der Regen versteinerte zu Hagel. Der Himmel spuckte die Körner gezielt auf die Köpfe der Menschen, wie es gerne Kinder mit Apfelkernen taten. Eilig suchte ein älterer Mann Unterschlupf in einer eher unbekannten Taverne.
      Nur wenige Gäste waren anwesend, was eine ruhige, wohlige Stimmung verursachte, welche vom leisen Klopfen des Hagels unterstrichen wurde. Feuer knisterte im großen Kamin, der den gesamten Raum wärmte und trocknete. Sich schüttelnd nahm der Mann die dünne Stoffmütze ab und wuschelte sich kurz durch die fusseligen, wenigen Haare auf seinem Kopf. Danach ging er durch die Taverne. Freundlich begrüßte er einige Bekannte, bevor er schließlich an dem Tresen Platz nahm.
      „Eines deiner guten Schwarzbiere bitte“, sprach er zum Wirt.
      Der Mann zog eine liebevoll geschnitzte Pfeife aus seiner Tasche und stopfte Tabak hinein. Zögernd sie anzuzünden bedankte er sich bei dem Wirt, der seinem Wunsch nachkam, und vergewisserte sich zum gefühlt fünfzehnten Mal diese Woche, dass Rauchen hier erlaubt war. Mit dem Krug in seiner Hand drehte er sich zu seinen Bekannten herüber und rief ihnen grinsend ein lautes „Prost!“ zu.
      Während er an seinem Bier nippte und sich wieder dem Tresen zu wandte, fiel sein Blick auf die Person neben sich, die sich in einen braunen, lumpigen Mantel verbarg. Eine große Kapuze hing ihr ins Gesicht. Der ältere Mann stellte nach einigen weitere Schlücken den Krug zurück auf die Platte und räusperte sich:
      „Ehem.. Du bist nicht oft hier, habe Ich Recht?“
      Zögernd bewegte sie den Kopf ein kleines Stück in seine Richtung, brauchte einen Augenblick um sich ihre Antwort zu überlegen. Ihre Stimme fühlte sich kalt und hohl an, als würde eine leere Glasflasche über glatten Steinboden rollen. Sie war glasklar.
      „Ich bin zum ersten Mal hier.“
      „Auch zum ersten Mal in Kastern?“, fragte er und zündete nun die Pfeife an.
      „Ja.“
      Langsam nickend drehte sie den kleinen, bis zum Rand gefüllten Tonbecher in ihren goldbraunen Händen. Ihre Finger waren ungewöhnlich lang und dürr und endeten mit abgerundeten Spitzen, die aussahen als wären sie wie kleine Hütchen aufgesetzt worden.
      Der Mann zog entspannt an seiner Pfeife und atmete den Rauch neben sich aus, wo noch ein Platz frei war, um es seinen Gesprächspartner nicht ins Gesicht zu pusten.
      „Naja, ist 'ne schöne Stadt, vor allem im Sommer, wenn wieder auf den Feldern gearbeitet wird und es hier drinne wieder nach frisch Gebrautem riecht.“
      Die merkwürdige Gestalt zeigte keinerlei Interesse an dem Gespräch. Sie saß reglos neben ihm und starrte den Tonbecher an.
      „Du bist wohl 'ne stille Person, was?“, versuchte er die Unterhaltung aufrecht zu erhalten. „Dann wäre vielleicht die Bibliothek etwas für dich. Sie ist nur zwei Straßen weiter.“
      Und wieder Schweigen.
      Letztendlich gab er auf und erhob sich mit seinem Bier in der Hand und der Pfeife im Mund. „Ich muss dann mal weiter“, er setzte sich zu den anderen Männern, die er beim Eintreten begrüßt hatte.
      Die zurückgelassene Person zeigte nach wie vor kein Interesse und rührte keinen Finger.
      Nach einer Weile sprach sie ein weiterer Mann an. Er begann das Gespräch mit den gleichen Worten, wie der andere zuvor.
      „Guten Abend“, er setzte sich auf den freien Hocker neben sie und stellte den Krug vor sich ab, „Seid Ihr zum ersten Mal hier?“
      „Ja, zum ersten Mal in Kastern.“
      „Nun.. Ich mag diese Stadt sehr, müsst Ihr wissen. Hier kommt man Ideal weiter zu 'anderen' Zielen.“
      „'Andere' Ziele“, wiederholten die Lumpen. Ihr Gesprächspartner zögerte.
      „Sagen wir einfach mal, etwas andere, gefährlicheren Etappen.“
      Schweigend starrten sie beide in ihre bestellten Getränke. Es dauerte nicht lange, da ergriff der Mann wieder das Wort: „Also, Ich bin in gewissen, gefährlichen Geschäften unterwegs.“
      Ohne es wie eine Frage klingen zu lassen und ohne Zeit für ein weiteres fallendes Hagelkorn zu haben: „Warum erzählt Ihr mir das.“
      Der Mann überlegte lange. Er wusste es nicht.
      „Weil ich in Plauderlaune bin?“, lachte er leise und nahm einen großen Schluck aus seinem Krug.
      „Wie ihr meint.“
      „Ich meine, immerhin kann man doch noch reden, oder?“
      Die Gestalt gab einen zustimmenden Ton von sich. Neugierig schob der junge Mann seinen Bierkrug zur Seite und beugte sich zu der Person neben sich. „Verratet mir Euren Namen.“
      „Pru.“
      „Pru... ein interessanter Name für eine Frau... Ihr seid doch eine Frau, richtig?“
      Schweigen. Das laute Gelächter des Stammtisches lenkte ihn einen Moment lang ab.
      „Ihr seid auch nicht unbedingt sehr gesprächsfreudig. Oder?“
      Er versuchte das Gesicht unter der Kapuze zu sehen, doch sie wandte sich etwas mehr von ihm ab.
      „In Ordnung“, er nahm wieder Abstand, „Aber Ich bin neugierig. Was verschlägt euch nach Kastern?“
      Sie ließ sich einen Augenblick lang Zeit. „Ich wollte mir die Stadt ansehen. Es soll sehr schön hier sein, vor allem im Sommer, wenn wieder auf den Feldern gearbeitet wird und es hier nach frisch Gebrautem riecht. Ich werde mir die Bibliothek zwei Straßen weiter ansehen.“
      Irritiert betrachtete er die Lumpen. „Die Bibliothek... ja...die ist auch ganz nett.“
      Ein Grinsen breitete sich auf dem schwarzen Gesicht eines Gastes aus, der das Gespräch schon länger mitverfolgte. Interessiert beobachtete er Pru und den Mann, der sich nicht vorgestellt hatte.
      „Darf ich fragen wer genau Ihr seid?“, der Mann neben Pru ließ nicht von ihr ab. Was wollte er?
      „Wer Ich bin“, wiederholte die verhüllte Gestalt.
      „Allerdings.“
      „Pru.“
      Der Mann seufzte. „Ein Geheimnis. Ein Name. Aber kein Schlüssel. Tja.. manche Geheimnisse bleiben wohl ungelöst.“
      Ohne zu zögern riss er ihre Kapuze zurück und erstarrte.
      Prus dunkle, bronzene Haut glänzte im Licht und wirkte an einigen Stellen leicht verrostet. Sie besaß keine Haare. Ihre großen, tiefschwarzen Augen, die keinen Platz für weiße Farbe ließen, sahen ausdruckslos und hektisch umher. Eingedrückt wie Brandlöcher schlummerten sie in ihrem verbeulten Schädel. Der vorhin noch aufdringliche Mann fiel beinahe vom Stuhl, als Pru sich erhob und den Kiefer bewegte um etwas zu sagen.
      „Ich werde jetzt gehen.“
      Ihre Mundwinkel endeten dort, wo bei Menschen die Ohren beginnen würden. Unbewegliche, runde Lippen waren unter einer nicht vorhandenen Nase angedeutet. Aus ihrer linken Wange ragten einige rostige Nägel. Bevor weitere Gäste auf sie aufmerksam wurden, zog sie sich die Kapuze über den Kopf und verhüllte ihr entstelltes Gesicht.
      „Guten Abend.“
      " It's Hebrew, it's from the Talmud. It says, "Whoever saves one life, saves the world entire." "
      ~Itzhak Stern
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      Ewala schrieb:

      Der Regen versteinerte zu Hagel. Der Himmel spuckte die Körner gezielt auf die Köpfe der Menschen, wie es gerne Kinder mit Apfelkernen taten. Eilig suchte ein älterer Mann Unterschlupf in einer eher unbekannten Taverne.
      Nur wenige Gäste waren anwesend, was eine ruhige, wohlige Stimmung verursachte, welche vom leisen Klopfen des Hagels unterstrichen wurde. Feuer knisterte im großen Kamin, der den gesamten Raum wärmte und trocknete. Sich schüttelnd nahm der Mann die dünne Stoffmütze ab und wuschelte sich kurz durch die fusseligen, wenigen Haare auf seinem Kopf. Danach ging er durch die Taverne. Freundlich begrüßte er einige Bekannte, bevor er schließlich an dem Tresen Platz nahm.
      „Eines deiner guten Schwarzbiere bitte“, sprach er zum Wirt.
      Der Mann zog eine liebevoll geschnitzte Pfeife aus seiner Tasche und stopfte Tabak hinein. Zögernd sie anzuzünden bedankte er sich bei dem Wirt, der seinem Wunsch nachkam, und vergewisserte sich zum gefühlt fünfzehnten Mal diese Woche, dass Rauchen hier erlaubt war. Mit dem Krug in seiner Hand drehte er sich zu seinen Bekannten herüber und rief ihnen grinsend ein lautes „Prost!“ zu.
      Hier hast du sehr schön eine warme, entspannte Atmosphäre aufgebaut. :3
      Der alte Mann wirkt hier etwas vergesslich, aber auch liebenswert.

      Ewala schrieb:

      Während er an seinem Bier nippte und sich wieder dem Tresen zu wandte, fiel sein Blick auf die Person neben sich, die sich in einen braunen, lumpigen Mantel verbarg.
      Spot the main character! xD

      Ewala schrieb:

      „Auch zum ersten Mal in Kastern?“, fragte er und zündete nun die Pfeife an.
      Hier könnte man verstehen, dass er alte Mann ebenfalls zum ersten Mal in Kastern ist. Ich war jedenfalls für eine Sekunde rausgeworfen, hab es dann aber sofort gerafft. Nach den Worten davor ist auch ausgeschlossen, dass er zum ersten Mal hier ist. Aber trotzdem soll ich dich darauf hinweisen. ^^

      Ewala schrieb:

      „Weil ich in Plauderlaune bin?“, lachte er leise und nahm einen großen Schluck aus seinem Krug.
      Ein Schwätzer. Sowas soll es ja geben. xD Ich kreide hier nichts an. Schwätzer und Tavernen sind wie Bienen und Bienenstock.

      Ewala schrieb:

      „Darf ich fragen wer genau Ihr seid?“, der Mann neben Pru ließ nicht von ihr ab.
      Die Satzteile, die durch das Komma getrennt sind, passen nicht zusammen. Man könnte aber Wunderbar einen Punkt setzen und es würde alles sitzen. :D Überhaupt hast du sehr wenig, was ich kritisieren würde.

      Prost! :beer:
    • Inhaltlich interessant und geheimnisvoll. Umgebungsbeschreibungen sind gut, du schaffst es, wie kalkwiese auch schrieb, eine gemütliche Athmosphäre zu erstellen und auch die aufdringlichen Tavernenbesucher mit in die Stimmung einzubauen. Sehr gut gelungen.

      Vom Stil her ist es absolut sauber. Keine Rechtschreibfehler und nur ein Satz, der eine Überarbeitung bedarf.

      Ewala schrieb:

      Zögernd sie anzuzünden bedankte er sich bei dem Wirt, der seinem Wunsch nachkam, und vergewisserte sich zum gefühlt fünfzehnten Mal diese Woche, dass Rauchen hier erlaubt war.
      Der Satz ist nicht ganz so gelungen. Man weiß am Anfang nicht, was gemeint ist und muss ihn mindestens zweimal lesen.

      Mach weiter so.