Lionheart - Boten des Lichts

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    • Hier habt ihr ein weiteres Kapitel von Lionheart. Dies ist jetzt erst nur der erste Teil des Kapitels. Weitere Abschnitte kommen im Laufe der nächsten Tage, damit es nicht zuviel auf einmal ist. Wir hoffen es gefällt euch und freuen uns schon auf Rückmeldung.










      Kapitel V

      Kayla war sehr besorgt um Elina. Sie hatte viel Blut verloren, die Wunde schien tief zu sein, und war nicht bei Bewusstsein. Vorsichtig hob sie die Verletzte auf ihren Rücken und brachte sie zu dem nahegelegenen Bach. Langsam ließ sie Elina ins seichte Wasser gleiten. Sogleich fing der Bach an um Elina Wellen zu schlagen. Kayla entfernte sich von ihr, blieb aber noch im Wasser nah am Ufer, um das Geschehen besser zu überblicken.

      Die Prinzessin von Isana schwebte an der Wasseroberfläche, ihr Gesicht an der Luft, der Rest unter Wasser. Um die Wunde herum färbte sich das kühle Nass rot, sodass man den Oberkörper kaum noch sehen konnte. Wie zuvor bei Jax fing das Wasser an zu schimmern und leuchten. Geblendet von der Spiegelung, bedeckte Kayla ihre Augen. Sie sah nichts mehr, wusste jedoch, dass das Strahlen sie noch umgab. Das Wasser wurde wärmer, es fühlte sich wie eine zärtliche, liebevolle Umarmung an. Die Prinzessin Lorias erinnerte diese Wärme an ihre frühste Kindheit, es war wie eine Umarmung ihrer verstorbenen Mutter.

      Die Wärme verschwand und Kayla öffnete die Augen. Das Leuchten war ebenfalls weg und der Baach lag wieder ruhig in der Landschaft.

      Kayla zog Elina wieder aus dem Wasser und legte sie langsam ins weiche Moos.

      Äußerst verwundert starrte Kayla auf die Schulter der noch immer Bewusstlosen. Dort wo zuvor die tiefe Wunde klaffte, war nur noch eine zarte rosa Narbe zu finden. Sie verstand nicht, was genau geschehen war, nur das Elina durch das Wasser geheilt wurde. Sie musste irgendeine Verbindung zum Wasser haben. Sobald sie aufwachen würde, würde sie Elina danach fragen.

      Erst jetzt bemerkte Kayla, wie dunkel es bereits war. Sie suchte am Waldrand nach herumliegenden Ästen und entfachte ein Feuer. Sie beobachtete, wie Elina anfing zu zittern und legte sie näher ans Feuer. Sie setzte sich neben ihre Gefährtin und legte ihren Umhang über sie. Sie würde Wache halten, bis es Elina besser ginge.

      Starr blickte Kayla ins Feuer. Das Flackern und Knacken der Flammen erinnerte sie an die vergangenen Tage. Die Nacht ihrer Flucht schien schon Wochen her, doch waren seitdem erst ein paar Tage vergangen. Tief in ihrem Inneren bereute sie die Flucht vor dem Feuer und dem Kampf. Noch nie war sie einem Kampf ausgewichen und sie hatte trotz Verletzungen immer weitergekämpft. Aber sie hasste sich noch mehr dafür, dass sie ihren Vater im Stich gelassen hat, bei Emelith. Wäre Elina nicht da gewesen, hätte sie Emelith sicherlich angegriffen und wohlmöglich hätte sie dann auch ihren Vater aus den Fängen des Feindes befreit.

      »A...Aura!«, murmelte Elina plötzlich.

      Auch Kayla dachte viel an Ares. Sie konnte sich nicht erklären, was im Thronsaal passiert war. Ares war immer bei ihr gewesen, doch jetzt, wo er nicht mehr dort war, fehlte ihr etwas. Sie hatte wahnsinnige Angst Ares nie wieder zu sehen, doch sie würde alles tun, um ihn zu retten. Sie fragte sich, wie Elina und sie die Löwen befreien konnten und eines war gewiss...Sie konnten es nicht alleine schaffen.

      Langsam kam Elina wieder zu Bewusstsein. Kayla kniete neben ihr, als die Prinzessin die Augen öffnete.

      »Aura, wo ist meine Aura?« Panisch blickte Elina sich um. »Ich … ich erinnere mich, Emelith hat irgendetwas mit den Löwen gemacht, sie sind in einem Lichtstrahl verschwunden.«

      »So war es. Ich frag mich noch immer, wie sie das gemacht hat und woher sie solche Kräfte hat.« Kayla stand auf und trat zum Wasser. Sie sah, wie sich das Mondlicht auf der Oberfläche spiegelte.

      Plötzlich stöhnte Elina auf, Kayla drehte sich ruckartig zu ihr um und stürmte zu ihr. Es sah so aus, als habe sie große Schmerzen, ihr Gesicht war verzehrt und sie kniff die Augen zusammen.

      »Elina was ist mit dir, schmerzt dein Bein noch?«

      »Ich kann sie spüren, Aura lebt. Sie erleidet große Schmerzen. Ich spüre, dass sie gefoltert wird. Kayla, sie braucht meine Hilfe, unsere Hilfe!«

      »Du kannst Aura spüren? Wie ist das möglich?«

      »Meine Mutter hat es mir beigebracht. Ich gehe tief in mich und konzentriere mich auf Aura, dann ist es so, als ob ich sie wäre, als ob ich durch ihre Augen sehe und alles spüre, was sie spürt. Das liegt wohl daran, dass unsere Anima ein Teil unserer Seele ist.«

      Kayla wollte es einmal versuchen in Ares‘ Geist einzudringen. Sie schloss die Augen und blendete alles um sich herum aus. Sie konzentrierte sich auf Ares, sie dachte an sein weiches Fell und seine wundervolle Mähne. Immer tiefer drang sie in ihr Inneres ein, doch sie konnte Ares nicht fühlen, nicht einmal einen Funken. Kayla stürzte in die Dunkelheit, was sie fand war nur Leere. Ihr wurde kalt und sie erschauerte.

      »Da ist gar nichts, ich kann Ares nicht spüren. Da ist nur Leere und Kälte.« In Kaylas Stimme lag Panik und Verzweiflung.

      »Das kann nicht sein. Das würde heißen, dass eure Verbindung langsam schwächer wird. Wir müssen die Anima finden, sonst wirst du Ares für immer verlieren.« Echte Besorgnis entsprang Elinas Kehle. Und auch Kayla begann sich Sorgen zu machen. Für sie war es immer selbstverständlich, dass Ares an ihrer Seite war. Sie hätte nie gedacht, dass sie Ares eines Tages verlieren könnte.

      Elina versuchte aufzustehen, doch sie brach gleich wieder zusammen. Kayla ging zu ihr und half ihr beim Aufstehen. Sie war noch sehr wackelig auf den Beinen, die vergangenen Tage hatten sie wohl sehr geschwächt. In ihren Augen konnte Kayla eine Träne aufblitzen sehen. Die Prinzessin wandte sich ab, sodass Kayla ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte. Sie fragte sich, was momentan in ihrer Gefährtin vorging, was sie fühlte und welche Gedanken sie hatte.
      "Bücher sind voll Leben, voll Abenteuerlust, hier bist du, weil du es willst und nicht, weil du es musst." (Disney)
    • Nun stieg eine Angst in Kayla auf, die sie zuvor noch nie gespürt hatte. »Woher weiß ich, dass Ares nicht schon tot ist?«

      »Das würdest du merken und ich auch. Du wärst nicht mehr du selbst. Außerdem veränderst du dich auch äußerlich. Kannst du dich an Emelith‘ Augen erinnern? Sie waren pechschwarz, eine Pupille konnte man noch nicht mal erkennen. Es heißt auch, dass man Male am ganzen Körper bekommt.«

      Kayla wurde durch Elinas Worte etwas ruhiger. So konnte sie noch hoffen. »Was machen wir jetzt? Hast du einen Vorschlag?«

      »Ich will nach Aura suchen. An dem Ort wo sie gefangen gehalten wird ist es dunkel und moderig. Ich vermute dieser Ort befindet sich im Norden, in Emelith‘ Königreich. Vielleicht finden wir dort auch Ares.«

      Kayla erkannte Elina nicht wieder, sie hätte ihre Gefährtin nicht für so waghalsig gehalten. »Wir können nicht einfach in Asfaloth einmarschieren. Wir müssen uns Hilfe besorgen, alleine schaffen wir das nicht. Lass uns nach Süden gehen, lass uns mit einer Armee in Asfaloth einmarschieren.« Kayla musste sich eingestehen, dass sie sich ebenfalls nicht wiedererkannte. Normalerweise war sie immer wagemutig und nicht so vernünftig wie jetzt.

      Elina trat selbstbewusst auf Kayla zu. »So viel Zeit hat Aura nicht, sie braucht mich. JETZT! Ich kann sie doch nicht einfach so im Stich lassen. Ich gehe nach Asfaloth! Entweder kommst du mit oder ich gehe alleine. Es ist deine Entscheidung.«

      Kayla schaute Elina direkt in die Augen, dort lag so eine Selbstsicherheit und so ein Kampfgeist. Ihr Wille war stark, und Kayla wusste, dass sie nicht aufzuhalten war. Sie dachte darüber nach, was sie nun tun sollte. Kayla wollte nicht, dass Elina alleine ging und erst recht nicht wollte sie ihre Anima im Stich lassen, doch was konnten sie schon alleine ausrichten. Zu Zweit gegen eine ganze Armee von Monster, das würden sie nicht überleben.

      »Es tut mir leid Elina, doch ich muss versuchen in Galaria Hilfe zu finden. Ich bin der Meinung, dass wir alleine gegen eine solche Übermacht nicht ankommen. Ich werde uns eine Armee aufbauen und dann in den Norden einmarschieren.«

      Elina wirkte enttäuscht. »Wie du willst.« Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand im Wald.

      Kayla rief ihr noch hinterher, doch es kam keine Reaktion von Elina. Sie hoffte, sie würde ihre Freundin bald wiedersehen.

      Eilig löschte sie das Feuer, schnürte sich ihre Waffengürtel um den Torso und legte ihren Mantel an. Zu Fuß konnte sie Galaria nicht erreichen. Sie brauchte ein Pferd und machte sich auf den Weg nach Amanis.

      Es war mitten in der Nacht und Kayla hörte Geräusche in der Ferne. Um sicher zu gehen, dass keine Gefahr drohte, ging sie den Geräuschen nach und sah einige der kleinen Wesen, die sie mit Ares oft beobachtet hatte. Drei kleine, feenartige Kreaturen, die kichernd auf einer Lichtung herumtanzten. Die Waldgeister erstrahlten alle in einem kühlen blau und erhellten damit die ganze Lichtung.

      Kayla versteckte sich hinter einem Baum, bis plötzlich ein weiterer Waldgeist hinter ihr auftauchte und sie zusammenzucken ließ. Es lächelte Kayla an und flog zu den anderen.

      Hinter einem anderen Baum auf der anderen Seite der Lichtung kam eine Gestalt zum Vorschein. Kayla versteckt sich weiter hinter dem Baum und beobachtete die Gestalt. In einen dunklen Umhang gehüllt trat diese zu den Wesen und legte die Kapuze ab. Kayla traute ihren Augen kaum. Es war die Frau aus dem Wald, die von Jax verfolg wurde. Sie schien mit den Geistern zu sprechen. Um sie besser zu verstehen, klettert Kayla auf den Baum und hangelte sich den Ast entlang, der in die Lichtung ragte.

      »Zwei Seelen sich gefunden,

      zwei Seelen sich getrennt,

      zwei Seelen die doch eine sind.

      Mit Pfeil und Bogen,

      mit Herz und Verstand,

      nur Licht erhellt das in Dunkelheit

      getränkte Land«, sangen die Wesen.

      »Ich verstehe«, sprach die Frau.

      Kayla fragte sich was die Wesen damit meinten. War das, was die Waldgeister soeben gesungen hatten eine Art Prophezeiung? Und wer war diese Frau? Als Kayla sie vor Jax gerettet hatte, dachte sie, die Frau wäre eine einfache Bewohnerin einer nahegelegenen Stadt oder eines Dorfes. Doch die Entdeckung, die sie nun machte ließ Kayla an dieser Vermutung zweifeln. Normalerweise waren die Waldgeister sehr scheue Wesen, die sich nicht jedem zeigten. Kayla wollte unbedingt herausfinden, wer diese Frau war.

      In diesem Moment trafen die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf die Lichtung. Die tagesscheuen Waldgeister verschwanden im Schatten der Bäume, sodass man keine Spur ihrer Anwesenheit mehr erkennen konnte.

      Geschwind kletterte Kayla vom Baum, doch als sie unten ankam, war auch die Frau nicht mehr zugegen. Eilig lief die Prinzessin weiter in den Wald hinein, in der Hoffnung die geheimnisvolle Dame zu finden. Doch nach einer Weile gab sie die Suche auf und setzte ihren Weg weiter fort.

      Amanis war nicht mehr weit und Kayla konnte sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten. Nach einem kurzen Sprint sah sie das erste Haus der kleinen Stadt. Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und lief zum nächsten Gasthaus. Vorm Gasthaus sah sie sich um und wunderte sich, dass die Straßen leer waren. Als sie die Tür öffnete, war sie erleichtert, dass das Gasthaus besetzt war und wartete einen Augenblick am Tresen.

      »Was kann ich Euch Gutes tun?«, sprach der äußerst korpulente Wirt.

      »Ich hätte gern ein Zimmer, in dem ich mich ausruhen kann.«

      »Wenn Ihr auch zahlen könnt bekommt Ihr alles was Ihr wünscht.«

      Kayla war überrascht, dass er sie nicht erkannt. »Eine Prinzessin muss keinen Wirt für ein Zimmer bezahlen. Erkennt ihr mich denn nicht?«

      Der Wirt überlegte kurz und wurde rot vor Scham. »Ich bitte vielmals um Verzeihung. Seit den Angriffen kann man niemandem mehr trauen. Das halbe Dorf ist auf der Flucht. Ihr bekommt natürlich ein Zimmer, Milady. Darf es außerdem noch etwas sein?«

      »Ein Pferd, etwas zu Essen und füllt meine Flasche mit Wasser auf.«

      »Wie ihr wünscht. Wenn ihr erwacht wird alles bereitstehen.«

      Der Wirt zeigte der Prinzessin ihr Zimmer und sie fiel erschöpft ins Bett.

      Kayla fragte sich, wo Elina grade war und wie es ihr ging...



      So das war Kapitel 5. Hoffen es gefällt euch.
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