Samain Kelly, p.d. (Bd.2)

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    • Na wenn sich das nicht nach einem Kult anhört weiß ich auch nicht weiter. Und dann auch noch einer gegen den sich die toten Großeltern der Angehörigen stellen? Na da bin ich ja mal gespannt. Und so ganz an Zufälle glaube ich in der Hinsicht auch nicht ^^
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • FB Seaborn Sun, Fähre von Swansea (Wales) nach Cork (Irland)

      »Wussten Sie, dass der Name Swansea nicht von Schwanensee kommt, auch wenn unser lokaler Fußballverein sich natürlich "The Swans" nennt?«
      Ich versuchte so gut es ging, den guten Terrence vom rauen Seegang abzulenken, der dem armen Mann ziemlich zu schaffen machte, was auf einer so großen Fähre wirklich etwas heißen will. Mir selbst macht rauer Seegang nichts aus, tat es nie, aber dafür habe ich beim Fliegen regelmäßig ganze Schmetterlings-Rugby-Weltmeisterschaften im Bauch.
      Bennet tat zumindest höflich so, als interessierte ihn meine kleine Anekdote, aber ich sah, dass ich ihn nicht wirklich von seinem Elend ablenken konnte.
      »Es kommt vielmehr von "Sveinns ey", was so viel bedeutet wie Svens Island, womit auch klar ist, wem die Entdeckung zugeschrieben wird.«
      Der arme Ire begann wieder grün anzulaufen.
      »Cork, wohin wir fahren, ist unsre Partnerstadt und die Fährverbindung besteht schon seit ...«
      Den Rest schenkte ich mir, weil Bennet bereits wieder versuchte noch etwas von seinem nicht mehr vorhandenen Mageninhalt in eine dafür vorgesehene Tüte zu entleeren.
      »Ich wünschte wirklich, ich könnte Ihnen helfen. Aber als Druide braucht man Kontakt zur Erde und auf dem Wasser sind wir auch nur normale Sterbliche.«
      Daher hielt ich ihn unterstützend einfach fest, während sein Vorderkörper sich einmal mehr seinen Beinen entgegen krümmte. Was Dad nur in so einen Situation machen ... Moment! Genau! Dad.
      Hatte ich denn von Percy Jackson gar nichts gelernt? Natürlich konnte es auch Wunschdenken sein, aber wie sagt man so schön: Wenn man schon in den Abgrund fällt, kann man auch versuchen zu fliegen!
      Ich ergriff den Kopf des Iren und konzertierte mich auf Dad's Stimme. Nein, das stimmte nicht ganz. Vielmehr versuchte ich die tiefe Seebärenstimme des Mariners in meinem geistigen Ohr zu hören.
      »Dad ... wenn Du es einrichten kannst, mein Klient kotzt sich gleich die Seele aus dem Leib ...«
      Meine Augen waren geschlossen vor Konzentration und tatsächlich, ich vermeinte den würzigen Duft von Dads Pfeife zu riechen, als mich ein Zupfen am Hosenbein in die Wirklichkeit zurückriss.
      »Hey, Druide, Dein Kumpel ist ja sowas von eine Landratte. Gib ihm lieber mal einen Schluck hiervon. Wenn er nämlich noch grüner wird, adoptieren wir ihn, hihihi ...«

      Neben mir stand ein etwa 30 Zentimeter großer Kobold - nein, natürlich Klabauter! - mit einer zartgrünen Haut, drahtigem rostroten Haar und einer Seeoffiziersskluft, wie man sie vielleicht zu den Zeiten von Francis Drake getragen hatte und reichte mir einen Flachmann hoch.
      »Tapadh leat! « (Danke Dir), nahm ich die Flasche und hielt sie Bennet hin. »Hier trinken Sie, das wird Ihnen helfen.«
      Er schüttelte den Kopf, doch ich drängte ihn: »Los, trink, Mann! Sonst müssen wir Sie in Cork ins Krankenhaus bringen, das wollen Sie doch nicht?!«
      Sein Blick traf mich. Beinahe erschrocken nahm er den Flachmann und schaute ergeben darauf, bevor er tapfer einen großen Schluck nahm. Als ich eine auffordernde Geste machte, nahm er noch einen Schluck.
      »Gut gemacht. Gleich geht es Ihnen besser, Sie werden sehen.«
      Ich nahm ihm den Flachmann ab und gab ihn dem freundlichen Klabauter zurück.
      »Hallo, ich bin Sam.«
      »Klar, weiß ich doch. Du hast meinem Großvetter auf der Ronald Reagan geholfen. Ich bin Smithe.«
      Schmunzelnd wunderte ich mich. »Freut mich, aber woher weißt Du denn davon. Das war doch in einem ganz anderen Teil der Welt?«
      Er zückte ein schmales Plastik und drehte es um, so dass ich das moderne Touchscreen sehen konnte.
      »I-Phone, weißte? Schnurloses Telefon, geht über Satelliten, so Transmitterstationen, die um die Welt rumkreisen. Warst wohl lange drüben und hast ein paar neue Erfindungen nich' mitgekriegt?«
      Ich lief hochrot an vor Verlegenheit, etwas, was man bei einem Druiden eigentlich nie sieht.
      »Äh, ja doch, kenne ich, aber danke für die Info.«
      »Kein Ding«, wiegelte Smithe ab. »Aber könntest Du mir auch bei was helfen?«
      Wieder im sicherem Fahrwasser nickte ich. »Gerne, aber zuerst sollten wir meinen Freund irgendwohin verfrachten, wo er sicher ist.«
      Mein "Freund" hatte die ganze Unterhaltung mit zunehmend glasigen Blick mit angehört, aber kein Wort gesagt. Als ich ihn fragte, wie es ihm ginge, bekam ich nur fröhliches Lallen zur Antwort.
      »Äh, Smithe, was hast Du ihm da zu trinken gegeben?«
      »90 Teile Klabauter-Rum, 5 Teile Pfeffer, 1 Teil Möwenspucke und 4 Teile ... Willstdunichtwissen.«
      Ich hätte schon auf die Möwenspucke verzichtet, wusste aber zumindest, warum Bennet gerade so ausgeglichen war.
      »Weißt Du einen sicheren Ort, wo er seinen Rausch ausschlafen kann?«, fragte ich seufzend.
      »Logo.«

      Nachdem Bennet sicher in einer Kammer für Sturmflutbedarf untergebracht war, folgten ich dem Klabauter durchs Schiff. Wie immer, wenn ich mit einem Anderweiter unterwegs bin, wurde ich für die Normalsterblichen quasi unsichtbar. Es ist nicht so, als ob sie mich nicht sehen und zum Beispiel in mich hineinlaufen, wenn ich im Weg stehe. Vielmehr umgehen sie mich dann einfach, wie vielleicht einen abgestellten Putzeimer, der eben gerade ein Hindernis ist, aber nichts, was einen zweiten Blick wert ist. Deckwachen machten mir automatisch Platz und niemand kümmerte es wenn ich ihn sanft zur Seite schob um durchzukommen. Solange ich niemand angreife oder direkt in seine Arbeit eingreife, ist es so, als wäre ich einfach ein Teil der Umgebung, selbstverständlich und völlig unverdächtig.
      Als wir uns einer der wenigen Kammern für Passagiere näherten, wurde Smithe immer langsamer und an der Ecke des Korridors blieb er schließlich ganz stehen.
      »Dort hinten, in der Kajüte«, wisperte er.
      »Was ist da?«, fragte ich genauso leise zurück.
      »Tha eagal orm ... en bean le ... t-acras olc.« (Ich habe Angst .. eine Frau mit ... bösem Hunger)
      Der Kleine zitterte am ganzen Körper und ich bedeutete ihm hierzubleiben, was ihm auch sehr recht war. Ich hatte zwar keinerlei Polizeigewalt hier, noch konnte ich auf irgendwelche rechtliche Unterstützung hoffen, doch so wie Smithe sich beinahe in die Hose machte, schien es mir das Risiko wert ein bisschen Ärger zu bekommen. Notfalls würde ich eine gute Geschichte erfinden und mich irgendwie herauswinden. Wäre nicht das erste Mal.
      »Weißt Du irgendetwas, was ich als Waffe benutzen könnte?«
      Wortlos deutete der Klabauter auf einen schlanken Korb in der Ecke, wie man ihn für Regenschirme verwendet. Darin steckte, nebst einigen erwarteten Schirmen mit dem Logo der Fährengesellschaft, ein Knüppel mit einer Schlaufe. Ich staunte nicht schlecht, als ich das Messingschild las: PC Stoud - DSW-C (Police Constable Stoud - District Swansea City). Das Ding musste mindestens 200 Jahre alt sein, war aber offensichtlich in Bestzustand. Smithe hatte also vorgesorgt. Kluges Kerlchen.
      Falsch: Kluger Mann!
      Man vergisst allzu leicht, dass Kobolde keine kleinen Kinder sind, auch wenn sie einem kaum übers Knie reichen. Gerade ich sollte das besser wissen.
      Entschlossen und beruhigend bewaffnet, pirschte ich zur Kabinentür und lauschte. Da ich nichts hörte, drehte ich den Griff sehr langsam und vorsichtig. Das Schloss schnappte leise aber für meinen Geschmack immer noch viel laut auf.
      Drin war es dämmrig, also stieß ich die Tür auf und wollte hineinschlüpfen, doch ein leises Krächzen, wie der Warnruf einer Krähe ließ mich zusammenfahren und mich automatisch in die Hocke gehen.
      Eine Krähe sah ich nirgends, aber den High-Tech-Pfeil, der über mich hinweg flog, genau da, wo gerade eben noch meine Brust gewesen war, den sah ich umso besser.
      Durch die nun offene Tür dran genug Licht um die Frau im nachschwarzen Ledermantel zu erkennen, die rasend schnell einen neuen Pfeil aus einem Köcher an der Hüfte zog und schon drauf und dran war anzulegen.
      Ohne zu zögern schnellte ich aus der Hocke hoch auf meine Gegnerin zu.
      Diese ließ ohne lange zu fackeln ihren Bogen fallen und wirbelte den Pfeil in der Hand herum, um ihn als Stichwaffe gegen mich zu benutzen.
      Unser Kampf war lautlos, schnell und heftig.
      Sie stach nach meiner Schulter, ich wich aus, hieb gleichzeitig nach ihrem Unterarm.
      Überrascht stieß sie den Atem aus, stöhnte aber weder, noch schrie sie auf, ließ aber immerhin den Pfeil fallen. Ich wollte nachsetzen, doch da sah ich ihre Rechte hinter dem Rücken verschwinden und wich gerade noch einmal so zurück, um dem wilden Bogen zu entgehen, den sie mit dem frisch gezogenen Messer gegen meinen Oberschenkel geführt hatte.
      Sekundenlang musterten wir uns. Ihre Augen erschienen mir ungewöhnlich aufgerissen, ihr Blick zwar konzentriert aber doch irgendwie unstet, wie bei jemand der unter Drogeneinfluss tobt. Nur kannte ich genug Schläger unter Drogeneinfluss aus meiner Zeit bei der Polizei. Die bewegten sich niemals so schnell und auch nicht so koordiniert. Außerdem hatte ich hier keinen Schläger sondern eine ausgebildete Kämpferin vor mir.
      Vor meiner Zeit in den Anderwelten hätte ich wahrscheinlich den Kürzeren gegen diese Kämpferin gezogen, doch wenn man beinahe täglich mit einem Troll, einem Wolfling und einem Elfenpaladin trainiert, lernt man schnell, ausdauernd und zäh zu werden, und man bekommt nebenbei noch jeden hinterhältigen Trick mit, den sie dir in keinem Kampfkurs zeigen.
      Die Frau im Ledermantel täuschte an und dann nochmals. Bei zweiten Mal ließ ich mich scheinbar hereinlegen, verlagerte mein Standbein um dem Angriff zu begegnen.
      Sie wirbelte um die eigenen Achse und stach dorthin, wo eben noch meine ungedeckte Schulter gewesen war. Doch da war jetzt der beinahe eisenharte Knüppel, der den Dolch abgleiten ließ und die Finger, die ihn hielten schwer prellten.
      Nun schrie sie doch kurz, eher aus Frustration als aus Schmerz und wich bis zur Kabinenwand zurück.
      »Hören, Sie Miss, ich will ihnen gar nichts tun, man hatte mich nur inform ...«
      Sie hörte gar nicht zu, griff in ihre Tasche und hatte danach einen kleinen Beutel in der Hand.
      Schon bevor sie ihn zusammendrückte, schlugen alle meine Sinne Alarm. Damit meine ich wirklich alle! Genauso, wie vor zwei Tagen in der Kanzlei Jurin.
      Ich hechtete nach hinten und warf die Tür hinter mir zu. Nun ebenfalls mit schlotternden Knien, warte ich davor, erwartete wenigstens, dass etwas Dämonenfäule durch den Spalt unter der Tür in den Korridor trat, doch nichts geschah.
      Nach einigen Minuten hatte ich soweit Mut gefasst um die Kabinentür vorsichtig zu öffnen. Ich musste wissen was los war. Die Leute und das ganze Schiff konnten dabei verseucht werden, wenn ich die Lage nicht irgendwie in den Griff bekäme. Wenn ich nur eine leise Idee gehabt hätte, wie ...
      Doch als ich die Tür öffnete war der Raum leer, in dem Sinne, das weder die Frau, noch ihre Waffen oder irgendwelches Gepäck zu finden waren. Auch der Gestank hielt sich in Grenzen und war schon dabei sich völlig zu verflüchtigen. Der Luftzug durch das eilends geöffnete Bullauge tat sein Übriges dazu.
      Vermutlich eine Art Teleportations-Effekt, erklärte ich mir das Verschwinden meiner Gegnerin. Dämonenmagie ist derart mächtig und verbiegt so leicht und leichtfertig die natürlichen Gesetze der Welt, dass es kein Wunder ist, warum sich immer wieder, selbst Leute, die es besser wissen sollten, ihrem Einfluss hingeben.
      Als ich wieder in den Korridor trat, erwartete mich Smithe.
      »Die Frau mit dem bösen Hunger ist nicht mehr an Bord.« Wenn der Schiffsklabauter das so sicher sagte, dann war das eine unzweifelhafte Tatsache.
      Er hielt mir den Pfeil entgegen
      »Hier. Damit kannst Du sie aufspüren, kannst Du doch, oder?«
      Ich nickte langsam und wischte meine feuchten Handflächen an der Hose ab.
      Wahrscheinlich konnte ich das.
      Nur, wollte ich das auch?
      -------------------
      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Jetzt wissen wir natürlich immer noch nicht, ob sie Macht auf dem Wasser hat, aber dafür eine interessante neue Spur. Und etwas Action :D aber wie ich Sam einschätze wird sie es nicht lassen können doch zu suchen. Oder der Ärger findet sie ... wieder einmal ^^
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Mahlzeit Tom,
      ich hole nach und nach die Geschichte auf, wie angekündigt.

      Mir fallen einige techische Dinge auf, die ich schlecht sammeln kann. Daher als Paradebeispiel das aus dem aktuellen Teil:

      Tom Stark schrieb:

      »Tapadh leat! « (Danke Dir), nahm ich die Flasche und hielt sie Bennet hin.
      Solche Kleinigkeiten stören deinen lässigen Schreibstil immer wieder. Ich lese super gerne mit und staune teilweise über die ansprechende Wortwahl. Hier empfehle ich allerdings:
      »Tapadh leat! « Danke dir. Ich nahm ...
      Oder für Faule: einfach weglassen :D Eine Lösung, die du bestimmt nicht wählst.

      Das nur in aller Schnelle. Mehr zum Rest dann als Gesamtfazit.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Auf der Straße, von Cork nach Maugin

      Viele verwechseln Wales mit Irland. Einerseits ist das ein Kompliment für Wales, weil Irland wegen seines milden, aber niederschlagreichen Klimas eine wunderschöne grüne Insel ist. In der Tat schlägt das Herz jedes Druiden höher, wenn er das üppige Grün sieht, und nicht wenige Touristen kommen wegen der malerischen kleinen Dörfer immer wieder her. Wie auch in Wales und Schottland finden sich in Irland ein Haufen Burgruinen, die auf die bewegte kriegerische Geschichte des Landes schließen lassen.
      Wie? Sie hatten gedacht, Irland wäre das Land des Friedens schlechthin?
      Niemand baut Festungen wenn er nichts zu befürchten hat.
      Zudem hatten und haben heute noch, die Anderwelten die meisten Übergänge zu unsrer Welt auf der Insel und in dem fast nie ganz verschwindenden Nebel verstecken sich gewiss mehr Anderweltler als sonst wo, vielleicht die großen Wüsten und Dschungelgebiete ausgenommen.
      Andererseits, fragt man mich nach Irland, sage ich nur: Wiesen und Schafe, Regen und Nebel.

      Und genau diese Schafe blockierten zum fünften oder sechsten Mal meine Weiterfahrt, doch das empörte Blöcken der Wollträger, welche von dem sehr gemütlich agierenden Schäfer endlich von der Straße getrieben wurden, weckte immerhin meinen Fahrgast auf.
      Ich hatte in Cork einen Wagen gemietet und es als gutes Omen angesehen, dass ich einen zwei Jahre alten Ford Taurus bekommen konnte. Er wirkte zwar eher wie der hippe Sohn, denn der jüngere Bruder meines eigenen alten Taurus zuhause, aber wenigstens wusste ich, wo alle Hebel und Knöpfe waren. Den verkaterten Bennet hatte ich mit einiger Mühe und Überredungskunst auf die Rückbank bugsiert und ihn dort schlafen lassen. Bis in den Nationalpark würde ich es allemal alleine finden. Wenn die zwei bis drei Stunden Fahrt, die ich mindestens dafür angesetzt hatte, verstrichen wären, konnte ich ihn ja immer noch wecken. Hier an Land hätte ich sogar die Magic-Power um ihm seinen Kater auszutreiben, da ich davon ausging, dass das Land keinen Einwand dagegen hätte, einem seiner Kinder die Kopfschmerzen zu erlassen. Das Land ist nicht so gehässig oder meint erzieherisch tätig sein zu müssen, indem es jemand das zukommen lässt, was er nach übermäßigem Besäufnis auch verdient.
      Außerdem war es wirklich nicht Bennets Schuld und auch Smithe hatte nur versucht zu helfen.
      »Uhhhh ...«, kam es aus dem Font des Wagens. »Was für ein Höllenlärm!«
      Ich schmunzelte mitfühlend.
      »Na, wird's denn gehen?« Ich drehte mich so gut es ging zu ihm um. Er sah wirklich elend aus. Ich würde wohl wirklich ein bisschen bei der Genesung nachhelfen.
      »Oh, ich hab Kopfweh, das können Sie sich gar nicht vorstellen ...!«
      Doch, konnte ich. Er war nicht der erste Mensch, der von einem Kobold auf einen freundlich gemeinten Drink eingeladen worden war und diese Lektion am nächsten Tag hart bezahlen musste: Feenwesen sind KEINE Menschen, egal wie ähnlich sie uns sehen. Nicht alles ,was für sie bekömmlich ist, ist es auch für uns oder umgekehrt. So sollten sie nie, nie, nie einem Brownie starken Kaffee oder Red Bull zum Trinken geben, es sei denn sie wollen für die nächsten 2 Tage keine Sekunde Ruhe mehr finden, weil ein total aufgedrehtes, ohnehin schon pfeilschnelles Wesen, ständig um sie herumwirbelt.
      »Wir halten gleich. Auf der Karte sehe ich einen kleinen See, nicht weit entfernt, mit einem Rastplatz. Dort schauen wir mal, ob wir Ihren Kopf nicht wieder hinbekommen.«
      »Gnnnn ... ohhh!«

      Der Rastplatz war leer, was angesichts der kühlen Jahreszeit auch kein Wunder war. Mir war das jedoch sehr recht.
      Behutsam half ich meinen Klienten aus dem Wagen und legte ihn auf einen Streifen Gras, zwischen dem Rastplatz und dem zum See abfallenden felsigen Untergrund.
      Falls ihm das feuchte Gras etwas ausmachte, ignorierte er es. Seinen pochenden Kopf auf eine stabile Unterlage zu legen war ihm wohl weitaus wichtiger.
      Ich kniete mich neben ihn, legte eine Hand auf seine Stirn und die andere auf den Erdboden.
      Mit geschlossenen Augen horchte ich und hörte in meiner Seele das machtvolle Lied, welches das Land auf dieser Insel sang. Ich beneidete für einen Moment die irischen Druiden, doch sogleich fielen mir die vielen Probleme ein, die das Aufeinandertreffen der diesseitigen Welt und den Anderwelten stets hervorrief. Genau deswegen hatten die Feen vor Urzeiten die ersten Druiden ausgebildet, als Vermittler, Richter und, wenn nötig, Vollstrecker. Gleichsam als eine Art Paladin des Landes mag ein Druide in allen Welten hoch angesehen sein, aber er ist auch derjenige, vom den man erwartet, dass er den Deckel auf dem brodelnden Topf der Gegensätze hält und Irland brodelt mächtig.
      Was mich zu der Frage brachte, die mir schon lange im Hinterkopf herum spukte. Warum hatte Bennet sich nicht an einen der ortsansässigen Druiden gewandt?
      Doch zuerst einmal stimmte ich in den Gesang des Landes mit ein, bis es mich wohlwollend zur Kenntnis nahm und dann mit einer Freude willkommen hieß, die mich überraschte. Das Land BRAUCHTE hier einen Druiden und offenbar war ich der erste seit einiger Zeit, der den Ruf beantwortete. Das beunruhigte mich mehr, als alles andere in den letzten Tagen, und es gab wahrlich schon genug Gründe zur Sorge.
      Wie konnte es ausgerechnet in Irland sein, dass keiner seiner Druiden dem Land zu Hilfe kam?
      Doch immer eins nach dem Anderen.
      Zuerst bat ich um Linderung für die Leiden meines Schützlings, was ohne Zögern gewährt wurde.
      Es ist nicht so, dass zwischen dem Land und dem Druiden geschachert wird, im Sinne: Hilfst du mir, helfe ich dir. Aber für das Land ist ein Mensch nicht bedeutender als ein Baum, Strauch oder Stein. Daher bedarf es normalerweise wenigstens ein klein wenig der Überredung. Doch hier wollte das Land offensichtlich, dass ich schnell zur Hauptsache kam, also wollte ich genau das tun.
      Doch leider sprechen das Land und die Menschen, leider auch nicht die Druiden, eher in Gefühlen und Bildern miteinander als in Form menschlich leicht zu verstehenden Worten, und das Land ist bei der Interpretation weitaus begabter als der Druide, oder zumindest als diese Druidin hier.
      Ich empfing den Gestank von Dämonen - klar, hatte ich irgendwo erwartet - aber auch das Gefühl des Gefangenseins, der Furcht und der Hilflosigkeit. Die Signale waren ganz klar, aber halfen mir nicht weiter konkret zu werden.
      Doch ein Druide wird nicht umsonst ausgebildet selbständig zu denken. Weißwurzel, mein unendlich geduldiger Ausbilder hatte oft tagelang geschwiegen, wenn ich die nötigen Informationen direkt vor meiner Nase gehabt hatte, sie aber nicht sah, oder zu faul war, ordentlich danach zu suchen und statt dessen lieber ihn gefragt hatte. Überhaupt ist das ein typisch menschlicher Zug. Warum seine eigenen Sinne bemühen, wenn man jemand anderen die Arbeit machen kann?
      Also bedankte ich mich und versprach zu tun was nötig war - der eigentliche Leitspruch, unter dem man das Wirken eines Druiden gut zusammenfassen kann.
      Man spürt das Problem auf und tut, was zu tun ist. Ganz wie man es von einem Paladin eben erwartet.

      Als ich wieder aus der Trance erwachte, sah ich einen aufmerksamen Bennet mich beobachten. Er wirkte keineswegs verwirrt, irritiert oder wie jemand der sich fragen müsste, was beim heiligen Patrick, diese junge Frau auf den Knien im kalten feuchten Gras machte.
      Ich schaute ihm direkt in die Augen und saugte meinen Blick geradezu an seinem fest. Ja, die Informationen, zumindest einige, lagen direkt vor mir. Bislang hatte ich Rücksicht darauf genommen, dass er mir nicht alles gesagt hatte, was er wusste. Das war sein gutes Recht, genauso wie es meines war, jederzeit umzudrehen und ihn mit seinen Sorgen alleine zu lassen.
      Das Recht eines Menschen endet jedoch genau in dem Augenblick, in dem der Druide das Mandat des Landes bekommt.
      Mag sein, dass einige humanitäre Menschenrechtsorganisationen jetzt aufschreien würden, oder dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag meine Ansicht nicht teilen könnte, aber das liegt einfach daran, dass die Menschen sich gerne für die Krone der Schöpfung halten, also für ihre Könige. Doch selbst die Christen lassen ihren Gott in ihrer Schrift sagen, dass der Mensch die Schöpfung bewahren soll. Allerdings legen sie ihm in einer anderen Schrift die Erlaubnis in den Mund, sich die Erde Untertan zu machen, was natürlich weitaus beliebter zitiert wird. Herrschen ist im ersten Moment immer besser als dienen. Nur die Wenigstens begreifen, dass in einer funktionierenden Gesellschaft, beides ein und dasselbe ist, und insofern die beiden Schriften sich nicht einmal widersprechen.
      Bedenkt man jedoch das Wissen, dass die frühen Menschen Tiergötter angebetet hatten, sich selbst mit Tierköpfen und Fellen versucht hatten dem mächtigen Vorbild ähnlich zu machen, sollte jedem klar sein, dass er Mensch auch einfach nur ein Tier ist, zumindest soweit es das Land betrifft.
      Sogar die ganz modernen und hochtechnologisierten Menschen begreifen inzwischen, dass das Land ganz gut ohne Menschen auskommt, aber der Mensch nicht ohne das Land. Man muss kein Genie sein um zu erkennen, wer am längeren Hebel sitzt, oder um es ganz offen zu sagen, wer der Stärkere ist.
      Wenn Ihnen also die Vorstellung nicht gefällt, dass ein Druide nach Ihrer Weltanschauung im Notfall verdammt skrupellos sein kann, kommen sie besser keinem von uns in die Quere und benehmen Sie sich einfach dem Land und seinen Bewohnern gegenüber nicht, wie ein rücksichtsloses Arschloch!

      Und daher würde mir Bennet jetzt alles sagen, was ich wissen musste.
      Wenn das Land rief, würde der Druide dem Ruf immer folgen.
      Scheiß auf die zarten Befindlichkeiten eines einzelnen Menschen!
      -------------------
      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Tom Stark schrieb:

      Doch leider sprechen das Land und die Menschen, leider auch nicht die Druiden, eher in Gefühlen und Bildern miteinander als in Form menschlich leicht zu verstehenden Worten,
      Der Satz klingt überhaupt nicht gut. Und falls du ihn dennoch so lassen möchtest: verstehender

      Ansonsten nochmal etwas Background hier und auf die Antworten bin ich auch gespannt ^^
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Auf den Rastplatz

      »Na? Geht's nun wieder besser?«
      Er räusperte sich, ahnte wohl, dass das dieser Small-Talk nur die Overtüre zu einem sehr viel ernsteren Gespräch war.
      »Ja, vielen Dank, hochverehrte Druidin!«
      Ich musste schmunzeln. »Du hast vergessen Dich mit dem Gesicht in den Dreck zu werfen und dein Haupt mit Asche zu bestreuen ...«
      Sein Mund stand offen, weil er nicht wusste, was er darauf sagen sollte.
      »Hey, wenn Du mich schon hoch verehrst und mir Honig um den Bart schmieren willst, dann bitte doch das ganze Programm. Und wenn wir schon dabei sind, hätte ich gerne noch Opfergaben, ich nehme aber auch einen Bar-Check!«
      Inzwischen war ihm klar geworden, dass ich ihn auf die Schippe nahm, aber auch etwas angefressen war.
      »Verzeih. Ich dachte nur, wenn eine Frau Magie wirkt, dann verdient sie Verehrung.«
      Nun war es an mir die Augenbraue zu heben.
      »Und Männer verdienen angespuckt zu werden, oder wie soll ich das verstehen?«
      »Wenn Männer Magie wirken, ist es nur zum Nachteil für alle anderen.«
      Die Antwort kam etwas zu schnell und wirkte ein wenig zu einstudiert.
      »Ah ja. Interessante Ansicht. Und wer sagt sowas?« Ich versuchte meiner Stimme einen beiläufigen, arglosen Klang zu geben.
      »Na alle? Meine Frau, die Bürgermeisterin, die Polizeicheffin, unsre Pastorin ...«, antwortete er arglos und ich hatte eher den Eindruck mit einem Kind, als einem mündigen Erwachsenen zu sprechen.
      Dann sah ich wieder in seine Augen und instinktiv senkte er unterwürfig seinen Blick. Mir schwante etwas.
      »Hm, warte mal hier, bin gleich wieder da.« Befehlend aber nicht wirklich autoritär, nickte ich ihm zu. Er blieb brav sitzen, wie ein kleiner artiger Junge, wenn Mama ihm etwas sagt. So ähnlich hatte ich es erwartet.
      Ich öffnete den Kofferraum des SUVs und zog den Reißverschluss meiner Einsatz-Tasche auf. Es war eine alte Sporttasche mit verschiedenem "Zeugs" drin, was man als Druidin so braucht, wie etwa, zwei Pfund Salz - nicht jodiert!- , Bärenfett, Asche von Amselfedern, kristallisierter Ahorn-Harz, gekochter Nacktschneckenschleim - nein, fragen Sie lieber nicht - aber auch ein Toilettenbeutel und gute Wanderschuhe. Dort holte ich mein Tablett heraus und loggte mich in die halbgeheime Datenbank des MI5 ein. O'Hara hatte mir dort Zugang verschafft und so kam ich an die nicht ganz so sensiblen, aber auch nicht gerade öffentlich zugänglichen Daten schnell heran. Niemand würde mich nach meiner Suche fragen, aber ich war mir sicher, dass O'Hara oder der zuständige Lakei gemeldet bekam, welche Daten ich abrief und wann und wo genau mein Standort dabei war.
      Was? Nur weil ich mit dem Land reden kann, heißt das nicht, dass ich nicht auch andere gut informierte Quellen benutze.
      Was ich erfuhr, bestätigte meinen Verdacht.

      Maugin und Umgebung:
      4756 Einwohner
      Bürgermeisterin: Marie Collins
      Friedensrichterin: Elaine Bennet
      Polizeioberwachtmeisterin: Tara Boyd
      Pastorin: Leonora St.Claire
      ...
      keine dokumentierte Fälle von schweren Gewaltdelikten seit dem letzten Weltkrieg
      keine dokumentierten Fälle von Belästigungen oder sexueller Nötigung seit dem letzten Weltkrieg
      keine dokumentierten Fälle von schwerem Diebstahl seit dem letzten Weltkrieg
      einige Fälle von Vandalismus, leichtem Diebstahl und drei Fälle von Unruhestörung durch Touristen

      Jemand hatte Maugin ziemlich gut im Griff und ich lehnte mich sicher nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn ich annahm dieser Jemand eine Frau war. Eine Frau, die glaubte, dass man die Männer der Gemeinde am besten gut unter Kontrolle hielt und das war noch meine freundlichste Interpretationsvariante dieser Daten.
      Nachdenklich ergriff ich den Schlagstock, den ich seit dem Zwischenfall an Bord der Fähre behalten hatte.
      Ich ging zu Bennet zurück, der mich unsicher ansah, als ich mich wieder vor ihm ins Gras setzte.
      »So, mein Guter. Ich wage jetzt mal eine ganz wilde Vermutung: Maugin ist in der Hand eines Hexenzirkels, und die werten Damen haben Dir einen magischen Maulkorb verpasst, dass Du nichts ausplaudert, was sie mir im schlechtesten Fall entweder verschweigen oder im besten Fall lieber selbst beibringen wollen?«
      Gehetzt sah er sich um, drauf und dran aufzuspringen.
      »Ruhig, bleib sitzen, Mann«, befahl ich wieder beiläufig, als erwarte ich ganz selbstverständlich seinen Gehorsam.
      Auch wenn alles in ihm dazu drängte aufzuspringen, gehorchte er. Musste er gehorchen.
      Ein Bann also. Wahrscheinlich hatten die Hexen der Einfachheit halber alle Frauen zu Autoritätspersonen gemacht. Das ist bei solchen Bann-Zaubern auch viel einfacher als es auf Wenige zu begrenzen.
      Warum dem so ist? Gut, ein kleiner Exkurs in Magie-Kunde für Einsteiger.
      Hm, ein Bann ist ein bisschen wie eine Art magische Grenzkontrolle.
      Nehmen wir mal an, wir hätten ein kleines Land und wollten uns schützen.
      Erst einmal ist die Grenze für alle geschlossen.
      Dann kommen die Ausnahmen.
      Alle Menschenartige dürfen eigentlich rein, nur keine Klingonen, Zylonen und Vampire, achja und keine Missionare, egal welcher Konfession!
      Alle Tierartige dürfen rein, nur keine Werwölfe, Yetis und Skinwalker.
      Sie sehen also, wenn man nicht nur einer einzigen Person Zugriff erlauben will, nämlich sich selbst oder einer anderen einzelnen ganz bestimmten Person, ist das ein Riesenaufwand.
      Und je mehr Aufwand desto mehr Magic-Power von Nöten.
      Wir Druiden haben mit dem Land quasi unermesslichen Vorrat an solcher magischen Energie im Rücken. Allerdings müssen wir in der Regel fragen, bevor man uns den Zugang dazu gewährt.
      Hexen, Paktierer, Magier etc., etc. wollen aber lieber selbst bestimmen wofür sie die magischen Energien nutzen dürfen und suchen nach anderen Quellen.
      Hexen paktieren meistens mit irgendwem oder irgendwas. Es gibt sogar Hexen, die im Grunde genommen beinahe Druiden sind, das sie aus ihrer Bindung zur Natur, sie bevorzugen aber so esoterische Namen wie "Mutter Gaia", ihre Kraft ziehen, aber zugeben würden das weder sie noch wir.
      Soweit der Exkurs.

      Bennet schaute mich verbissen an, offenbar hin und hergerissen mir zu gefallen zu sein und zugleich den Anweisungen seiner Meisterinnen zu gehorchen.
      Ich winkte ab. »Keine Sorge, das Meiste weiß ich ohnehin schon.« Zumindest tat ich selbstbewusst so.
      »Deine Frau ist die Friedensrichtern, also eine der obersten Hexen des Zirkels. Ich nehme an, dass Marie Collins eure Oberhexe ist und Wachtmeisterin Boyd, sowie Pastorin St. Claire ebenfalls zur Führungsriege gehören.«
      Er wurde blass.
      »Magie! Du hast mir in den Kopf gesehen und meine Gedanken ausgefragt!«
      Diese Unterstellung musste ich erst einmal verdauen und mein ungläubiger Blick hatte ihm das wohl überdeutlich verraten. »Etwa nicht?«
      Ich schüttelte lachend den Kopf. »Ney, Freund. Ich habe ja keine Ahnung, was für ein Bild von Druiden Du hast, aber wir entstammen einen Tradition, wo Männer und Frauen noch nackt Seite an Seite in die Schlacht gezogen sind, und wir Druiden haben sie oft genug angeführt, mit einem Speer oder einer schweren Axt in unsren Fäusten. Glaubst Du echt, wir brauchen Magie, um jemand zum Reden zu bringen?«
      Vielsagend legte ich den Knüppel gut sichtbar zwischen uns ab.
      Er wurde noch blasser. »Wie ... wie ...?«
      Schlagartig wurde ich wieder ernst. Das funktionierte nur, wenn er mir das auch abnahm.
      »Gute altmodische physische stellvertretende kortikale Neujustierung!«
      Verblüfft starrte er mich an.
      »Ich trete Dir solange in den Arsch, bis er dein Hirn anbettelt, mir endlich alles zu sagen, was ich wissen will. Also raus mit der Sprache! Habt ihr in Maugin einen Hexenzirkel?«
      Ein einfacher psychologischer Trick. Fang immer mit einer Frage an, die Dein Gegenüber nichts kostet, weil du ja die Antwort schon kennst.
      »Ja, nein, ich weiß nicht. Es sind Priesterinnen, keine Hexen. Glaube ich jedenfalls.«
      Ich nickte verstehend. Eine fachgerechte Klassifizierung hatte ich auch nicht erwartet.
      »Und ich nehme an, diese Priesterschaft hat in oder nach dem zweiten Weltkrieg angefangen, wahrscheinlich weil jemand von auswärts in Maugin Unterschlupf gesucht hat.«
      »Woher weißt du denn das alles?«
      Ich ging nicht darauf ein: »Geht Dich nichts an. Sag mir lieber, warum man Dich genau zu mir geschickt hat!«
      Er kämpfte etwas mit sich, aber ein leichter Boxhieb gegen seine Schulter brachte ihm meine Warnung in den Sinn, es notfalls aus ihm heraus zu prügeln.
      Oh, und glauben Sie ja nicht, ich hätte geblufft! Als alter Streifen-Constable kann ich Dinge mit einem Schlagstock anstellen, Sie haben ja keine Ahnung. Ich war nur nicht scharf darauf.
      »Die Hohepriesterin hat es gesagt.«
      »Wer, Marie Collins?«
      »Ja, genau.«
      Endlich kamen wir weiter.
      »Warum hat sie sich nicht an einen eurer Druiden gewendet?«
      »Das weiß ich nicht, ehrlich. Bitte nicht schlagen!« Ich ließ meine Faust sinken, die ich vergessen hatte wieder zu senken. Bennet war aber auch eine Pussy! So ein kleiner Stubbs und schon weichgeklopft? Keine Ahnung was die Hexen Maugins im Sinn hatten, aber wenn die alle ihre Männer so kleingemacht hatten, konnten doch irgendetwas mit ihnen nicht stimmen. Wer will schon solche Jammerlappen im Bett haben?
      »Keine Angst. Was Du nicht weißt, kann ich auch nicht aus Dir heraus prügeln. Aber man weiß oft mehr, als man glaubt. Sie wollte also, dass Du genau mich holst?«
      »Ja, Herrin!«
      Ich knurrte ärgerlich. »Lass die Speichelleckerei. Ich stehe nicht auf getretene Hündchen, da ist mir ein bissiger Terrier allemal lieber.«
      Bennet zuckte leicht zusammen, also versuchte ich nicht gar zu streng dreinzuschauen.
      »Und wenn Du mich nicht angetroffen hättest?«
      »Die Herrin war sich sicher, dass Du da bist. Ich hörte wie sie sagte, sie hätte eine Vision ihrer Göttin gehabt.«
      Ich stöhnte auf. Jetzt verteilten schon obskure Göttinnen Visionen von mir an ihre Anhänger. Als würde mir die meine Eine nicht reichen. Unbewusst strich ich über meinen Bauch.
      »Gut, andere Frage. Du hast erzählt, Deine Tochter wäre weggelaufen?«
      »Ja«, er wurde wieder weinerlich. »Sie war erst seit 2 Monaten eine Jung-Priesterin, hat sich aber von den unheimlichen Frauen verführen lassen.«
      »Wie haben die das angestellt?«
      »Ich weiß es nicht, meine Frau hat es mir gesagt und mir verboten mich Ethny oder den Fremden zu nähern.«
      »Ja, das wette ich. Deine Frau hat Dich ganz schön unter der Fuchtel, da ist sogar Bann-Magie im Spiel, wenn ich mich nicht sehr täusche.«
      »Bitte ... sprich nicht schlecht über meine Elaine. Sie liebt mich und ich sie. Ethnys Weggang hat sie genauso erschüttert wie mich!«
      Zum ersten Mal spürte ich Temperament in Bennet. Also war noch nicht Hopfen und Malz verloren, und wenn ich ihm glauben konnte, was ich zu gerne wollte, war seine Frau vielleicht gar keine so gemeine Hexe, wie ich es zuerst vermutet hatte. Eine von Frauen dominierte Gesellschaft stört mich nicht, solange es bei Dominanz bleibt und nicht in Unterdrückung ausartet.
      »In Ordnung, tut mir leid. Was kannst Du mir über diese fremden Frauen sagen?«
      »Sie sind unheimlich.«
      »Das hast du mehrfach deutlich gemacht. Und darüber hinaus?«
      Er schaute fragend.
      »Ja, wie sehen sie aus? Kommen sie aus der Gegend, welche Sprache sprechen sie ..., Mann, lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Ich bin gekommen um zu helfen, nicht um Deine Hexen und dein Dorf niederzubrennen.«
      Er atmete heftig. Ich sah wie der Bann wackelte. Ich musste noch ein wenig seine Entschlossenheit schüren, auch wenn ich mir ein bisschen schäbig dabei vorkam:
      »Für Ethny!«, flüsterte ich.
      Da brach die Barriere endlich.
      »Sie sind nicht von hier, Sie sprechen eine komische Sprache, mit vielen Eu und Oz-Lauten. Sie kamen fast immer in der Dämmerung oder nachts. Meistens fahren sie mit Motorrädern, wie eine Rocker-Gang. Sie sind alle in Leder gekleidet und haben oft einen Bogen dabei, und Schwerter. Manche auch Pistolen!«
      Leder, Bögen und Schwerter, soso. Warum war ich nicht überrascht?
      »Ist es möglich, dass man Dich zu mir verfolgt hat?«
      Erschrocken starrte er mich an und dann unsicher in die Umgebung.
      »Keine Angst, solange ich da bin, passiert Dir nichts«, versicherte ich mit mehr Zuversicht als ich wirklich hatte, doch ihn beruhigte es.
      »Ich war vorsichtig. Deshalb bin ich zuerst von Dublin aus geflogen, weil die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen besser sind. Ich sollte auch wieder zurückfliegen, aber du wolltest das ja auf keinen Fall. Ich durfte ja nicht sagen, warum ich das für einen Fehler hielt. Ich wollte es ja, aber immer wenn ich es sagen wollte, wurde mir noch schlechter.«
      Ah, das nächste Puzzle-Teil.
      Ihm schien selbst jetzt noch übel zu werden, allein beim Gedanken daran. »Zum Glück ist nichts passiert.«
      Ja, dachte er.
      »Sie haben doch schon so viele umgebracht und Du bist unsre letzte Hoffnung, meinte Elaine jedenfalls ganz leise, als wir uns verabschiedet haben.«
      »Was?! Und was macht Eure Polizei?«
      »Die Priesterinnen tun was sie können um die Gemeinde zu schützen. Die Polizei würde nichts ausrichten können. Immerhin können diese unheimlichen Frauen einfach aus dem Nichts auftauchen und genauso wieder verschwinden! Wir haben es selbst erlebt als Die Hohepriesterin und Mutter Leonora sich ihnen entgegengestellt haben!«
      »Die Pastorin und die Oberhexe haben sich zum Kampf gestellt und eine ganze Gang von denen in die Flucht gejagt?«
      »Ja, aber Mutter Leonora wurde dabei schwer verwundet. Sie hat eine Wunde, die fürchterlich stinkt und selbst die Hohepriesterin kann sie nicht heilen.«
      Zu zweit eine Horde dieser Kriegerinnen davongejagt. Mein Respekt vor den Hexen war gerade gewaltig gestiegen. Allerdings keimte in mir der Verdacht, dass die ganze Sache sich deutlich über meiner Gehaltsklasse abspielte.
      »Hm, ich denke ich sollte meine Mutter anrufen.«
      Er fuhr auf. »Die Oberdruidin? Nein, bitte nicht. Man hat mir gesagt, das müsste ich unbedingt verhindern.«
      Ich war baff. »Warum beim dreifach Gehörnten das denn?«
      Er wurde leise: »Ich hörte wie Schwester Marie zu meiner Elaine sagte, dass sie nicht noch einmal das Risiko eingehen könnten, einen mächtigen Druiden in ihr Territorium zu lassen. Der letzte hätte beinahe den Schutz der Grenzen zerstört, bevor man erkannt hatte, dass er auch übergelaufen war.«
      Nun wurde ich ganz still. Sie hatten also schon einen der hiesigen Druiden um Hilfe gebeten und der hatte sich als Feind herausgestellt. Daher hatten sie jemand geholt der ohnehin gerade vom anderen Ende der Welt kam und mit dem sie im Notfall glaubten, schnell fertig werden zu können.
      Normalerweise wäre ich ein bisschen beleidigt gewesen, aber diese Hexen schienen mir umsichtige Führerinnen zu sein und egal was ich von ihrem Führungsstil halten mochte, auf der Gegenseite standen ganz offensichtlich Feinde, die mit Dämonenmacht hantierten. Damit waren wir natürliche Verbündete. Detailfragen hinsichtlich der Ethik würde man klären, wenn dazu die Zeit dazu gekommen wäre.

      »Ok, Bennet. Lass uns wieder aufbrechen. Ich habe das sichere Gefühl, dass wir nicht nach Anbruch der Dunkelheit unterwegs sein wollen. Du kennst die Gegend, Du fährst. Lass mich eben noch schnell hinter die Büsche.«
      Er erhob sich erleichtert und ging zum Fahrzeug.
      Ich gab vor mich auch erleichtern zu wollen und kauerte mich im Sichtschutz der Büsche nieder.
      Natürlich rief ich Mum an.
      Zwar sind wir Druiden kein Zirkel und die Treffen viermal im Jahr zu den Feiertagen sind eher weniger als mehr verbindlich, bei mir sogar noch viel weniger als bei den Meisten. Anders als bei Hexensabbats schöpfen wir keine Macht aus der Anwesenheit der anderen, eher im Gegenteil. Wir sind stolze, eigensinnige Einzelgänger und die Kacke muss schon gewaltig am Dampfen sein, bis wir uns überwinden um Hilfe zu bitten.
      »Mam, ich bin Irland und ich glaube die Kacke dampft schon so, dass sie uns demnächst um die Ohren fliegen wird ...«
      Sie hörte mir wortlos zu und gab mir dann nur einen Rat. »Tu, was getan werden muss, Druidin!«
      Es war ganz klar die Erzdruidin, nicht Mum, die da sprach.
      Sanfter fügte sie hinzu. »Gib auf dich Acht, Sami.« Das war nun eindeutig Mum gewesen.
      Dann legte sie auf.
      Immer wieder erfreulich, einen hilfreichen mütterlichen Rat zu bekommen, aber mit meiner Erzdruidin würde ich eines Tages ein ernstes Wörtchen zu reden haben. Von der hätte ich wirklich mehr, als eine platte Tagesparole erwartet.
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      Tom Stark
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    • Tom Stark schrieb:

      »Mam, ich bin Irland und die ich glaube die Kacke dampft schon so,
      - die

      Auch wenn es mir jetzt nicht so ganz klar wurde, was er jetzt sagen durfte und was nicht ein guter Teil. Hätte mich aber auch geärgert bei so einem Satz, ist ja nicht so als wüsste sie das ncith selbst xD
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Ein Feld bei Maugin

      Wir schafften es nicht vor der Dämmerung, obwohl Bennet fuhr wie ein Nascar-Profi. Wir hätten höchstens noch querfeldein abkürzen können, aber das wagte er nicht, aus Angst auf die Bogenschützinnen mit ihren Motorrädern zu treffen.
      Ich selbst wäre das Risiko eingegangen, da ein schweres Motorrad einen SUV auf einer Straße wesentlich leichter einholen kann, als im Gelände. Aber da ich weder die Gegend kannte, noch riskieren wollte, dass Bennet vor Panik die Nerven verlor, sagte ich nichts.
      Bis kurz vor Maugin kamen wir gut durch, doch als das Wegschild uns von der Hauptstraße abbiegen hieß und wir uns auf die Anhöhe hocharbeiteten, auf der unser Ziel lag, hatten sie uns.
      Hinter einer Baumgruppe versteckt hatten sie gelauert, als wüssten sie ganz genau wann und woher sie uns erwarten mussten, was höchstwahrscheinlich auch der Fall war.
      Die Kriegerin, die mir an Bord der Fähre entwischt war, hatte mehr als genug Zeit gehabt ihre Leute zu warnen. Dazu hätte sie nicht einmal vor uns ankommen müssen. Die Lektion mit dem Handy und den Klabautern hatte ich nicht vergessen.
      In zwei Reihen sah ich sie uns verfolgen, doch sie holten nur langsam auf, sorgten nur dafür, dass wir so schnell fuhren, wie der Taurus es hergab.
      Ich hatte genug Treibjagden gesehen, um zu wissen, wie man einen Fuchs in die Enge treibt.
      »Bennet, sobald es irgendwie geht, runter von der Straße und wenn du über einen Acker fahren musst.«
      »Aber warum, wir können es nach Maugin scha ...«
      »BENNET! Tu', was ich Dir sage!«
      Er zuckte zusammen, doch ich verspürte keine Schuldgefühle. Wenn er draufging, obwohl ich es verhindern hätte können, dann hätte ich Schuldgefühle.
      Der Ire stieg in die Bremsen und brachte den Taurus tatsächlich zum Driften, als er in einen kleinen Feldweg einbog, den ich nicht einmal gesehen hatte.
      Unsre Verfolger wohl genauso wenig, denn sie brausten erst einmal weiter die Straße entlang, bevor sie in weiten Bögen wendeten. Ich zählte ungefähr ein Dutzend. Etwa die Hälfte versuchten über das Feld zu uns aufzuschließen, aber das scheiterte nach spätestens 20 Metern an dem weichen und tiefen Ackerboden.
      »Anhalten! Sofort.«
      Er bremste scharf und schon war ich aus dem Wagen, meine Sporttasche unterm Arm.
      »Fahr' weiter, fahr', fahr', FAHR!«, schrie ich Bennet zu. Eine fassungslose Sekunde starrte er mich an, dann trat er das Gaspedal voll durch.
      Mit beiden Füßen knöcheltief in der Erde begann mich Zuversicht und Kraft zu durchströmen und beinahe hätte ich vor Glück gelacht.

      Mal wieder ein kleiner Exkurs, diesmal mit dem Titel:
      Warum sich selbst andere mächtige Magie-Kundige fast nie mit einem Druiden anlegen.
      Mag gut sein, dass wir nicht mit Fingerschnipsen mal eben ein Haus einebnen können, zumindest ich kann das nicht. Mag auch sein, dass wir uns nicht mal eben so in die Lüfte erheben können, oder wie ein Gandalf Feuerlanzen auf unsre Gegner werfen können.
      Trotzdem waren die Druiden immer auch Krieger. Doch selbst an der Spitze tausender Berserker, hatten sie immer einen viel mächtigeren Verbündeten an ihrer Seite: Das Land!
      Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ein Druide wegen jeder Kleinigkeit das Land um Zustimmung bitten muss, aber dem ist natürlich nur bedingt so. Ganz alte Druiden, wie meine Mutter zum Beispiel, sind so gut auf das Land eingespielt und umgekehrt, wie zum Beispiel Bud Spencer und Terence Hill in ihren Prügerlklassikern. Wenn der drahtige Terence sich duckt, wirft der bullige Bud die Bank genau über ihn hinweg und mäht damit die beiden Schurken um, die seinen Kumpel gerade von hinten in die Mangel nehmen wollten.
      Ganz so eingespielt, waren das Land und ich noch lange nicht. Aber es war völlig klar, dass wenn ich um mein Leben oder das eines Anderen kämpfen musste, ich nicht lange einen geistigen Antrag würde einreichen müssen. Druide und Land schalteten quasi auf Combat-Mode, und holla, mit dem Land selbst, nimmt es an Power einfach gar nichts und niemand auf!
      Natürlich gibt es immer Dumme und lebensmüde. Suizid durch Druide war gerade zur Römerzeit und im Mittelalter eine beliebte Todesart konkurrierender Glaubensrichtungen.
      Exkursende und zurück zum Geschehen.

      Ich schritt bewusst langsam in die Mitte des Feldes und wie erhofft, hörte ich die Motorräder der übrigen Frauen, wie sie langsam auf das Feld fuhren und schließlich verstummten. Die Fahrerinnen waren abgestiegen. Ich musste nicht hinsehen, um die Pfeile und Pistolenläufe zu spüren, die auf mich gerichtet waren, zumal mir von der bereits im Feld gestrandeten - gefeldeten? - Fraktion dasselbe Bild geboten wurde.
      Sie waren also hinter mir her. Natürlich. Was sollten sie auch mit Bennet? Ihn wegzuschicken war heute vielleicht meine schlauste Tat. Bis jetzt. Ich lief ja gerade erst warm.
      Den Meisten ist nicht bewusst, dass nahezu alles, was einmal auf einem Erdboden gewachsen ist, dort noch Ableger hat.
      Ich ließ also so ziemlich alles, was jemals auf dem Boden dieses Feldes gewachsen ist, aus dem Boden schießen und das Land gab allem die Lebenskraft, welche die Pflanzen sonst in 300 Jahren bekommen hätten.
      Motorräder, sowie deren Besitzer waren in Sekundenschnelle umschlungen und überwuchert. Kartoffeln, Unkraut, Dornenbüsche, sogar junge Buchen schlangen sich um alles und zogen sich unbarmherzig zusammen.
      Ein paar der Kriegerinnen schossen auf die Pflanzen, natürlich eine Panikreaktion. Einige versuchten sich freizuhacken, ebenso sinnlos.
      Ich sah noch, wie eine Kriegerin in meiner Nähe verzweifelt einen mir nicht unbekannten schwarzen Beutel versuchte auf den Boden zu werfen, aber sie war schon nicht mehr fähig auch nur ein Glied zu rühren.
      Ihre Todesschreie währten nur wenige Sekunden. Das Land ist gnadenlos, aber nicht grausam.
      Schon eine Minute später wurde alles was organische Materie gewesen war vom Boden des Feldes aufgesogen. Übrig blieben nur ein Dutzend Motorräder, eine Menge Kleidung, einige Schusswaffen, viele Messer und einige Bögen samt Köcher.
      Ich sammelte einen Gürtel mit Pistolenhalfter und Dolchscheide auf, legte ihn um und bestückte ihn mit einem fies gezackten Messer, ähnlich, wie ich es von den SEALS kenne und einer Glock 9 mm. Ich mag zwar keine Schusswaffen, aber auch ein Druide geht nicht mit einer Keule zu einer Schießerei. Zuletzt nahm ich mir einen der wenigen Rücken-Köcher für die längeren Pfeile - die meisten bevorzugen wohl die Hüftköcher für die Kurzbogenpfeile - und einen brauchbaren Kompositbogen, ohne allzu zu viel Hightech-Zeugs.
      Mit einem guten Bogen nagele ich auf bis zu 200 Schritt ein Telefonbuch an eine Scheunenwand, oder auch einen Menschen, wenn es denn sein muss. Der Elfenpaladin H'Riel, einer meiner Ausbilder in der Andwerwelt, bestand darauf, dass ich die Waffe der "Bauern" beherrschte, wenn ich mich schon im Kampf immer wie einer benehme. Man muss dazu wissen, dass ich gerne meine Gegner beschimpfe und verfluche, besonders wenn sie mir haushoch überlegen sind und mit mir spielen ...

      So bewaffnet machte ich mich auf den Weg zum Städtchen. Mein Gang war beschwingt und mein Körper von der geborgten Macht bis zum Bersten gefüllt. Vielleicht hätte ich gerade wirklich Bäume ausreißen können, aber für solche Späße ist das Land überhaupt nicht zu haben.
      Nun drangen auch Rufe, sogar Schreie an mein Ohr. Erste Feuer brachen aus und ich konnte sehen, dass zeitgleich mit unsrer Ankunft, auch der Angriff auf die Stadt begonnen hatte.
      Zufall?
      Ney, sicher nicht!
      -------------------
      Tom Stark
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    • Hui, ungewöhnlich viele Fehler diesmal:

      Tom Stark schrieb:

      Ich selbst hätte das Risiko eingegangen,
      wäre

      Tom Stark schrieb:

      doch sie holten nur langsam auf, sorgen nur dafür, dass wir so schnell fuhren, wie der Taurus es hergab.
      sorgten

      Tom Stark schrieb:

      dass nahezu alles, was man einmal auf einem Erdboden gewachsen ist, dort noch Ableger hat.
      ohne man

      Tom Stark schrieb:

      viele Messer und einige Bogen samt Köcher.
      Bögen?

      Tom Stark schrieb:

      ähnlich, wie es sie von den SEALS kenne
      ich oder man statt es

      Ansonsten ganz ok der Teil :) Die Angreifer von einem europäischen Urwald aufspießen zu lassen ist natürlich auch eine möglichkeit mit ihnen fertig zu werden :D bin ja mal gespannt, was die Priesterinnen jetzt bei der Verteidigung so auffahren können.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Jo, wollte es auch noch gar nicht absenden, war noch nicht in Reine gelesen, hab mich aber verklickt , als ich schnell weg musste. Werde es gleich verbessern. Sind mit Sicherheit noch einige andere Bugs drin.
      Danke dir jedenfalls für die Fehlersuche.
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    • Maugin, Mick

      Maugin ist ein hübscher Ort, der in einer natürlichen Senke der Hochebene das Nationalparks liegt, wobei der Begriff Hochebene etwas irritierend ist, da sie sich nur knapp 480 m über dem Meeresspiegel befindet.
      Die Gebäude stammten nahezu alle noch aus der Zeit vor den beiden Weltkriegen und wirkten dementsprechend ein bisschen wie spätes Nach-Mittelalter, waren aber sehr gut in Schuss und dezent mit Modernisierungen versehen, ohne dabei den urigen Gesamteindruck zu verschandeln.
      Ich konnte förmlich die entzückten Seufzer der Touristen hören und das Klicken ihrer Kameras.
      Die Menschen, die gerade panisch durch die Straßen liefen und die beiden Gebäude am Ortsrand, die lichterloh brannten, zerstörten diesen idyllischen Gesamteindruck natürlich brutal.
      Als man mich sah, wich man mir schreiend aus, was ich den Leuten angesichts meiner Bewaffnung nicht vorwerfen konnte.
      Ich hielt mich am Rand der Hauptstraße, so gut es ging im Schatten der Häuser, da ich eigentlich nicht vorhatte gegen jede einzelne der Kriegerinnen anzutreten. Hier im bebauten Gebiet war alles von einem Urwald niederwachsen zu lassen auch keine echte Option. Selbst punktuelle Maßnahmen dieser Art würden Straßen aufreißen, Gebäude beschädigen und vielleicht Stromleitungen kappen, die womöglich das Krankenhaus versorgten. Dass Maugin kein Krankenhaus oder auch nur etwas Ähnliches hatte, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht wissen, hätte aber auch wenig an meinen Prinzipien geändert. Anders als gewisse andere Herrschaften an ihren Hebeln der Macht, sehe ich die Zerstörung von Lebensraum (und dem Leben darin) nicht als geeignete Maßnahme jenen zu helfen, die darin wohnen müssen, egal in welchen Schwierigkeiten sie gerade stecken.
      Als ich an einer Gasse vorbei eilen wollte, hörte ich darin das Aufbrüllen des starken Motors einer schweren Maschine. Eine Kriegerin gab gerade Vollgas um jemand der vor ihr flüchtete zu verfolgen.
      Dieser jemand war ein Junge, vielleicht 13 oder 14, und der hielt voll auf mich zu. Ich sah keine Angst in seinen Augen und die absolute Gewissheit, dass ich ihm helfen würde.
      Selbst ohne das grenzenlose Vertrauen - wo, beim Dreigehörnten hatte er das nur her? - hätte ich natürlich nicht gezögert.
      Bevor es mir überhaupt bewusst war, hatte ich bereits einen Pfeil auf die Sehne gelegt.
      »Verschwinde!«, rief ich der Kriegerin zu, doch diese brachte das Kunststück fertig eine kleine Armbrust zu ziehen und diese in voller Fahrt auf mich zu richten.
      »Für die Königin, für Ares!«, schrie sie mir entgegen und wir schossen beinahe gleichzeitig.
      Mein Pfeil traf sie unmittelbar unterm Hals und seine Wucht riss sie aus dem Sattel.
      Ihr Bolzen schoss haarscharf an meinem Gesicht vorbei, doch ich war viel zu verblüfft um davon erschrocken zu sein: Ares? Kacke!
      Ares war Morrigan und Morrigan war Mo. Meine Mo! Ich hatte gerade jemand umgebracht, der für meine Lieblingsgöttin kämpfte?
      Noch während die Kriegerin ihren letzten Atemzug tat, sah ich einen Schatten über ihren Leib sinken. Ich meinte das leichte Krächzen zu hören und erkannte die Umrisse des Kriegsgottes. Bevor ich noch etwas sagen konnte, rannte der Junge in mich hinein und beinahe wäre ich vor Überraschung zu Boden gegangen.
      »Endlich bist Du da. Mutter hat gesagt, Du kommst, aber ich hatte echt Schiss, du verkackst es und kommt nicht rechtzeitig. Ich meine, immerhin haben diese blöden Schnallen Dir ja einen Hinterhalt gelegt.«
      »Was? Wie?« Für einen Moment schaute ich ihn verblüfft an. Als ich wieder meinen Blick hob, um Ares/Mo zu fragen, was für eine Scheiße hier ablief, war der Schatten verschwunden. Ares hatte seine Kriegerin heimgeholt.


      »Hey, Du. Du scheinst mich ja zu kennen. Wie heißt Du denn?«, wandte ich mich meinem neuen Freund zu.
      »Ich bin Mick, Mickey O'Rourke.«
      Natürlich musste ich schmunzeln, weil ich an den berühmten Schauspieler mit dem ähnlichen Namen denken musste. Aber in Irland konnte vermutlich keinen Stein werfen, ohne einen O'Rourke, O'Neil, O'Brian oder O'Hara zu treffen.
      »Ok, Mick. Und woher wusste deine Mum, dass ich komme? Ist sie eine der Hexen von Maugin?«
      Er schaute mich an, als ob ich nicht ganz bei Trost wäre.
      »Mutter! Du redest doch auch jeden Tag mit ihr, sagt sie jedenfalls. Du bist nur ein bisschen begriffsstutzig, aber sie mag dich trotzdem.«
      »Äh, gut, denke ich jedenfalls. Also ich rede also täglich mir ihr?!« Ich schaute zweifelnd zurück.
      Er schlug sich gegen die Stirn. »Mann, Du bist zwar 'ne scharfe Tussi, aber im Kopf echt langsam.«
      Wider Willen musste ich grinsen. Von einem Möchtegernhalbstarken voller Selbstbewusstsein in einem Satz mit einem Kompliment und einer Beleidigung bedacht zu werden, passiert einem wirklich nicht alle Tage.
      Als er sah, dass ich immer noch nicht begriff, stampfte er auf den Boden, zeigte auf einen Baum und deutete auf die Berge, die man nur schwach in der Ferne ausmachen konnte. »Das alles ist Mutter! Einfach alles ist Mutter, klar?«
      »Das Land? Du meinst das Land! Deine Mutter ist das ... Land?«
      Er zeigte mir den erhobenen Daumen. »Jetzt hast Du's gerafft, hat ja ganz schön gedauert. Wenigstens schießt Du schneller, als du denkst.«
      So langsam verlor sein jungenhafter Draufgänger-Charme seine Anziehung. Mit ärgerlichen Unterton, aber immer noch um Ruhe bemüht, fasste ich also zusammen.
      »Das Land hat Dir gesagt, dass ich komme. Offenbar ist eure Verständigung um Einiges konkreter, also kannst Du mir vielleicht sagen, warum ich hier bin?«
      Er seufzte. »Natürlich um mich zu beschützen, um die Bösen in den Arsch zu treten, die Hexen und die Amazonen deiner Freundin zu retten und - logisch - um mich als Lehrling zu nehmen.«
      Das musste ich erst einmal ein paar Sekunden verdauen.
      Doch bevor ich mit dem Verdauen durch war, wurde schon wieder mein Typ verlangt. Es ist Kreuz, so gefragt zu sein.
      Vom Dach des Gebäudes zu meiner Linken, eines Ladens für Touristenkrimskrams, ließen sich an der Regenrinne dreii Brownies herabfallen und landeten links und rechts auf meiner Schulter und einer direkt auf Micks Kopf, was diesen kein bisschen zu verwundern schien.
      »Hey, Leute, alles klar? Wie ist die Lage?«, fragte er sie direkt.
      »Schwester Marie hält sie in beim Rathaus auf und Richterin Elaine hat sich mit den Kindern in der Kirche verschanzt, aber die Amazonen haben beide eingekesselt. Wir löschen gerade die Ziegelei und machen alle Zugänge zum Heim für gefundene Tiere zu. Toby und Nia haben die Touristen in ihren Zimmern eingesperrt. Sheamus und Neil sabotieren die Motorräder, wenn sie an eines herankommen und Briannas Trupp versucht gerade die Alten vom St. Andrews irgendwie in die Turnhalle zu bekommen, damit wir dort die Türen verrammeln können. Ägidius und seine Familie sagt, alle Kleinen von uns wären jetzt sicher in der Kanalisation untergebracht. Sie warten auf neue Anweisungen von dir.«
      Blinzelnd schaute ich von einem zum anderen und zuletzt zu Mick.
      »Wow, Kleiner, du hast die Lage ja ganz gut im Griff, wie?«
      Er grinste verlegen. »Ich tu, was getan werden muss, weißt Du? Aber ich bin echt froh, dass Du endlich da bist. Mutter sagt, dass ich noch zu klein bin, dass sie durch mich wirken kann und ich glaub nicht, dass wir diese verrückten Weibsbilder noch lange aufhalten können, ohne ordentlich auf die Kacke zu hauen.«
      Tja, wer sagt denn, dass das Druidensein irgendetwas mit dem Alter oder den Fähigkeiten zu tun hat? Mit genug Sensibilität, Mumm und Verantwortungsbewusstsein, kann das vermutlich jeder.
      »Das habt ihr alle bisher prima gemacht! Ist es ok für Euch, wenn ich jetzt auch mitmische?«
      Erleichterte Zustimmung, aber auch Freude über das Lob.
      »Gut, wer schätzt Ihr, braucht zuerst unsre Hilfe. Die Leute in der Kirche, oder Schwester Marie am Rathaus?«
      Da waren sich alle einig: »Richterin Elaine. Schwester Marie ist eine taffe Braut, die kriegen auch diese Amazonen nich' so schnell klein, darauf kannste aber einen lassen!«
      Micks Einschätzung vertrauend nickte ich zustimmend.
      »Also dann, bringt mich zur Kirche, ungesehen, wenn möglich. Ich hätte gerne den Überraschungseffekt auf unsrer Seite.«
      Vielleicht waren drei Brownies und ein Halbwüchsiger Nachwuchsdruide nicht gerade der eindrucksvollste Entsatz-Trupp, den die je angeführt habe, aber im jenem Moment wären mir nicht viel mehr Leute eingefallen, die ich lieber als Rückendeckung dabeigehabt hätte.
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Tom Stark schrieb:

      Mutter sagt, dass ich noch zu klein bin, dass sie durch mich wirken kann und ich glaub nicht, dass wir diese verrückten Weibsbilder noch lange aufhalten können, ohne ordentlich auf die Kacke zu hauen.«
      als dass sie durch ...

      Ach so schnell geht das, dass man einen Schüler "aufberummt" bekommt? Na dann hoffen wir, dass der kleine lange genug überlebt, so dass sie ihm noch ein paar Manieren beibringen kann. Wobei Sam dazu vermutlich nicht die Richtige ist :D
      Das mit Ares allerdings ist doch etwas verwirrend.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • Maugin, St. Joeanne Church

      Das Städtchen Maugin ist zwar nicht gerade riesig, aber wenn man ungesehen direkt in seine Mitte kommen will - und da liegen nun mal traditionsgemäß die Kirchen - dauert es doch etwas.
      Durch zwei flache Kellergewölbe, einen Kohlenkeller und den Heizraum des Gemeindehauses führte uns unser Weg schließlich zu einem schwer einsehbaren Hinterausgang mit einem guten Blick auf die Kirche.
      Sie war umzingelt, wie Fort Alamo damals und es war absehbar, dass sie auch dessen Schicksal teilen würde, wenn nicht bald etwas geschah.
      Überall befanden sich jene Kriegerinnen, halb in Deckung oder sogar völlig ungeschützt und schossen Pfeile auf die inzwischen fast völlig zerstörten Kirchenfenster ab. Die Leichen dreier verkohlter Frauen in Leder vor dem ziemlich ramponierten Kirchenportal und die verbogene Straßenlaterne, die offensichtlich als Rammbock missbraucht worden war, zeigten mir an, dass es immerhin heftigen Widerstand gegeben hatte.
      Dennoch konnte bei dem andauernden Beschuss von einer Sicherheit innerhalb der Kirchenmauern keine Rede sein.
      Ich überlegte noch, wie ich helfen konnte, ohne Frau gegen Frau jede einzelne der Kriegerinnen auszuschalten, als mir eine der Frauen auffiel, die sich nicht am Beschuss beteiligte. Vielmehr war sie Ansprechpartner anderer Angreiferinnen und positionierte bisweilen mit kurzen Kommandos manche Schützinnen neu, deren Einsatz sie für sinnlos erachtete.
      Aha, die Anführerin, oder zumindest ein der Frauen, die das Sagen hatten.
      Sie war hochgewachsen, schwarzhaarig, bestimmt einen guten Kopf größer als ich und auch wenn ihre schwere Lederjacke vielleicht etwas mehr daraus machte, wäre sie bestimmt keine üble Kandidatin für eine Miss Universum-Wahl gewesen. Eine Arnoldine Schwarzenegger, wenn man so will. Ihre Gesichtszüge waren eindeutig südländisch, Italien, Griechenland, etwas in der Art. Das musste natürlich nichts heißen. In Griechenland gab es genauso zierliche Rothaarige, wie es in Irland hühnehafte Frauen mit wilder schwarzer Mähne geben konnte.
      Aber ihre Kommandos waren auf Griechisch erfolgt. Und nein, ich spreche kein Wort Griechisch, aber wenn jemand sich aufführt wie eine Amazone, vermutlich für den griechischen Kriegsgott Ares kämpft und dann noch aussieht als wäre sie eine moderne Pallas Athene auf Steroide, dann kann ich zwei und zwei zusammenzählen.
      Kurz entschlossen deutete ich meinen ... Truppen ... an zurückzublieben und trat aus der Deckung.
      Als gehörte mir die ganze Stadt marschierte ich auf die Hünin zu einen Pfeil bereithaltend, aber noch nicht angelegt.
      »Hey Du. Ja Du! Was glaubst Du eigentlich, was Ihr hier macht?«
      Meine Stimme hallte über der gepflasterten Vorplatz der Kirche, weitaus lauter als ich es kalkuliert hatte. Ich wollte zwar die Aufmerksamkeit der Amazone auf mich lenken, aber Angesichts des abrupt endenden Beschuss, hatte ich nicht nur die Aufmerksamkeit dieser einen Amazone erregt.
      Auch gut. Das beschleunigte nur meine Vorgehensweise. Zuerst hatte ich die Einstellung des Feuers aushandeln wollen, aber Punkt Eins hatte sich wohl selbst abgehakt - fürs Erste.
      Ich hielt, wie zufällig, auf einer kleinen ungepflasterten Insel an, einem kleinen Kreis von vielleicht zwei Metern Durchmesser, in dem ein junger Baum vor nicht länger als einem Jahr eingepflanzt worden war.
      Die große Frau drehte sich mir zu und winkte zweier ihrer Kriegerinnen in ihrer unmittelbaren Nähe zu die Waffen zu senken, welche diese auf mich zu richten begannen.
      »Du trägst die Waffen unsrer Kriegerinnen, bist aber keine von uns!« Ihr Akzent war nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte und ihre Wortwahl deutete auf eine solide Bildung hin, ganz sicher keine einfache Schlägerin.
      »Ihr dient Ares, richtig? Ich schätze, dann ist es für euch ok, wenn man die Waffen seiner besiegten Feinde trägt.«
      Sie musterte mich eingehend vom Kopf bis zur Sohle, wie man so schön sagt. Immerhin verkniff sie sich so dumme Bemerkungen wie: »Wie kann jemand wie Du eine unsrer Kriegerinnen besiegen?«
      Stattdessen neiget sie knapp ihren Kopf, eine leichte aber doch deutliche Geste des Respekts.
      »Die Druidin. Und du bist alleine gekommen!«
      Ich lächelte und zuckte die Schultern. »Keine Ahnung, was man Dir über Druiden gesagt hat, aber wir sind nie allein. Vielmehr ist unser mächtiger Verbündeter jederzeit schon da, wo wir hingehen.«
      Sicher, markiges Gehabe, ich weiß. Aber Rasseln gehört zum Geschäft.
      »Bislang sehe ich nur Dich. Was willst Du alleine gegen uns alle ausrichten? Wie willst Du und besiegen?«
      Aus den Augenwinkeln sah ich, wie ein Pfeil abgeschossen wurde. Egal was uns die Eastern gerne einreden wollen, niemand wehrt einfach einen Pfeil ab, der aus einer Entfernung von weniger als 20 Metern von einem modernen Kompositbogen abgefeuert wird. Das sagen uns schon die kühlen Zahlen der Physik. Da steckt eine Spannkraft von etwa 25 kg dahinter, was einen Pfeil auf gut und gerne 130 km/h beschleunigt. Sie können ja mal aus Spaß auf einer Autobahn versuchen einem ungefähr gleich schnellen Motorrad auszuweichen, was noch 20 Meter entfernt ist ... nein, lassen Sie es doch lieber.
      Wenn allerdings die Person, die ausweichen muss eine Druidin ist, die zudem mit beidem Beinen in lebendiger Erde steht ... werden so universal bedeutsame Gesetze, wie Kraft und Masse und das alles, für den entscheidenden Bruchteil der Sekunde unwichtig. Vielleicht lässt das Land die Gravitation schwanken, vielleicht verstärkt es die Reflexe des Druiden um den Faktor 100, vielleicht lenken die ganzen Luftmoleküle, die sonst einigermaßen gleichmäßig verteilt sind, gerade als geeinte Masse den Pfeil ab - es gibt so viele Möglichkeiten Magie mit den Worten der Naturgesetze zu erklären. Was am Ende zählt ist, dass ich dem Pfeil haarscharf ausweichen konnte.
      Noch während ich in die Hocke ging, legte ich meinen Pfeil ein und schoss ihn keine halbe Sekunde später ab.
      Mein Pfeil traf besser, wenngleich nicht tödlich und streifte die Rippen der mir von der Schützin zugewandten Seite.
      »στάση ! κανείς βλαστούς! - Aufhören! Niemand schießt!«
      Ihre Anweisung, auf Griechisch zwar, verstand sogar ich.
      Ich sah, wie eine andere Kriegerin ihre Pistole hob, doch eine Kameradin schlug sie nach unten und der Schuss, der sich löste, fuhr in den Boden.
      Die große Kriegerin gab eine weitere Anweisung, kurz wurde gezögert, doch dann warfen sich zwei Kriegerinnen auf die Schützin und zerrten sie zu Boden. Ich stand zu ungünstig um es zu sehen, aber es war zu hören, dass ein kurzer, aber heftiger Kampf entbrannte. Schließlich erhob sich eine der hinzugesprungenen Kriegerinnen, hielt sich einen verletzten Oberarm und gab mit einem Nicken zu verstehen, dass die Situation nun unter Kontrolle war.
      Diese Reaktionen gaben mir sehr zu denken. Offensichtlich herrschte unter der feindlichen Truppe große Uneinigkeit in Bezug auf ihre Vorgehensweise.
      »Ich bedaure die Disziplinlosigkeit mancher meiner Kriegerinnen. Da Dir jedoch kein Schaden entstanden ist, ist es nun an der Zeit, dass Du mir sagst, warum Du mir entgegentrittst.«
      »Du ... und Deine Leute dienen Ares, richtig?«
      »So ist es, wir sind seine Amazonen und führen seine geheiligten Kriege.«
      »Aha ...« Ich zögerte und hoffte nicht allzu unwissend zu klingen. »Was für Kriege waren das, in letzter Zeit meine ich.«
      Nun war es an ihr zu zögern. »Wir gehen dorthin, wohin er uns sendet.«
      Natürlich, aber das war keine Antwort auf meine Frage.
      »Klar, verstehe ich, einverstanden. Aber welchen Krieg führt ihr genau? Ich meine, es kann nicht Dein Ernst sein, einen Überfall auf ein Nest mitten im Nirgendwo als einen hehren Krieg zu Ares Ruhm und Gloria verkaufen zu wollen.«
      Sie schien mich nicht ganz verstanden zu haben, also wurde ich konkreter.
      »Schau mal: Zu einem Krieg gehört eine Kriegserklärung, Land, Ressourcen oder etwas anderes um das gekämpft wird. Es muss ein Kriegsziel geben, verstehst Du? Sonst wäre ja jede Wirtshausprügelei von Betrunkenen ein Krieg, und Du musst zugegeben, das ist für einen wahren Krieger unwürdig.«
      Schon hatte ich Sorge, ich wäre zu weit gegangen, als sie ihre Augenbrauen zusammenzog und ihre kräftige Hand sich um den Griff ihres kurzen Breitschwerts legte.
      »Es steht mir nicht zu, die Befehle meiner Königin in Frage zu stellen. Sie die Erleuchtete, die mit Ares selbst spricht.«
      Ich seufzte. »Ob Du es glaubst oder nicht, ich spreche selbst ab und an mit Ares. Ich behaupte sogar ganz dreist, ich kenne ihn sogar ein bisschen .. näher ... als Deine Königin.«
      »Blasphemie!« Sie zog ihre Waffe und auch die Anderen Amazonen zogen blank.
      »Du nennst mich nicht Lügner, DU NICHT!« Ich zeigte mich ebenso zornig.
      »Ich erschlage keinen unschuldigen, unbewaffneten Leute, ich behaupte nicht ich zöge in einen Krieg und erweise mich doch nur als übler Mordbrenner und ich, verdammt noch eins, beschieße kein Gotteshaus in dem sich Kinder vor mir in Sicherheit bringen. Wage es nicht noch einmal, mich als Lügner zu bezeichnen. Dazu fehlt Dir jedes Recht!«
      Ja, pathetisch, ich weiß. Aber mir war klar, dass es nicht darum ging diese Offizierin zu überzeugen, denn anhand ihrer Reaktion war eindeutig zu ersehen, dass sie ganz sicher nicht mit Dämonen in Bunde war. Solche Leute erkennt man sehr leicht an der völligen Abwesenheit von moralischen Bedenken.
      Es ging vielmehr darum auch ihre Kriegerinnen zu überzeugen und dazu gab es bei einer Truppe dem Ares verschriebener Kämpferinnen genau eine von allen gleichermaßen und fraglos akzeptierte Vorgehensweise: Ich musste der Chefin so deutlich eins auf die Glocke geben, dass ganz klar ersichtlich war, auf wem das Wohlwollen des Kriegsgottes lag.
      Ares war die Morrigan, die Morrigan war Mo, und Mo gehörte, wenn vielleicht nicht direkt mir, dann doch zu mir. Was in letzter Konsequenz bedeutete, dass ich Ares Segen hatte, seiner Kriegerin ordentlich die Fresse zu polieren, um sie wieder auf Spur zu bringen.
      Angesichts der sichtbar werdenden Muskelberge, als die große Frau ihre Jacke und ihre Stiefel auszog, schimpfte ich dennoch in mich hinein. »Mo, dafür schuldest Du mir aber was ...«
      Ich zog ebenfalls meine Stiefel aus. Meine Jacke behielt ich an. In meiner angeborenen Bescheidenheit hielt ich es für unpassend mit meinen eignen wohl vielleicht auch eher weniger beeindruckenden Muskeln anzugeben.
      Als mir die Amazone, nur mit dem Schwert bewaffnet entgegentrat warf ich meine Waffen weg und behielt nur meinen von PC Stroud geerbten Polizeistock.
      »Du willst mit diesem Stöckchen gegen mich antreten?« Die Amazone wusste nicht, ob sie mich auslachen oder bedauern sollte.
      »Ich will Dir Vernunft in den Schädel prügeln, nicht ihn Dir abschlagen. Ob Du es glaubst oder nicht, nichts will ich im Moment weniger, als eine von Ares Amazonen umbringen.«
      Als wir uns auf Schlagreichweite entgegenstanden, musterte mich die Kriegerin noch einmal. »Ich wünschte, ich könnte Dir die gleiche Freundlichkeit erweisen. Wenn ich kann, werde ich Dich töten.«
      Tja, das war auf alle Fälle eine klare Ansage.
      Manchmal reitet mich der Teufel, aber manchmal reite ich auch ihn. Deswegen sage ich bisweilen auch so dumme Dinge, wie an jenem Tag zu ihr:
      »Gib Dein Bestes große Frau, es ist lange her, dass ein Mensch mir im fairen Zweikampf gewachsen war.«
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      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Hier kleine Rechtschreibfehler :)

      Spoiler anzeigen

      Tom Stark schrieb:

      Kurz entschlossen deutete ich meinen ... Truppen ... an zurückzublieben und trat aus der Deckung.

      Tom Stark schrieb:

      Stattdessen neiget sie knapp ihren Kopf, eine leichte aber doch deutliche Geste des Respekts.

      Tom Stark schrieb:

      Wie willst Du und besiegen?«


      Tom Stark schrieb:

      »στάση ! κανείς βλαστούς! - Aufhören! Niemand schießt!«
      Kannst du wirklich griechisch oder hast du gegoogelt? :)

      Das Ende schreit ja förmlich danach, dass die Amazone kein Mensch ist ^^
      Mal sehen was passiert, aber Mo wird Sam sicherlich beschützen :D
      Ich mag deinen Stil einfach echt gerne :love: (Musste ich zusammenhangslos einfach mal los werden XD)
      Dreck auf Toast!
    • Tom Stark schrieb:

      Aha, die Anführerin, oder zumindest ein der Frauen, die das Sagen hatten.
      eine

      Tom Stark schrieb:

      wie es in Irland hühnehafte Frauen mit wilder schwarzer Mähne geben konnte.
      hühnenhafte

      Tom Stark schrieb:

      Stattdessen neiget sie knapp ihren Kopf, eine leichte aber doch deutliche Geste des Respekts.
      neite

      Tom Stark schrieb:

      Wie willst Du und besiegen?«
      uns

      Nicht ganz was ich erwartet hatte, aber gut. Also ist das nicht die große Anführerin der Amazonen. Dürfte aber dennoch eine Herausforderung darstellen, die Samain einigermaßen ins Schwitzen bringt. Und was einen fairen Zweikampf angeht ... nun ich glaube die meisten würden auch darauf bestehen, dass man sich nicht von seinen Verbündeten unterstützen lässt. Aber vielleicht braucht sie die Natur ja auch gar nicht, wenn sie von Feenkriegern ausgebildet wurde.
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -