Die Todgeweihten (Zeitreise)

    • [Sci Fi Fantasy]

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    • Hallo Schreibfeder,
      ich weiß nicht wie ich hierher geraten bin, wahrscheinlich so wie Torn in die Kreidezeit. :D
      Aber einmal da, bin ich geblieben. Ich hab den ganzen Thread bis jetzt (bin erst bei dem Teil kurz nach dem Angriff aufs Nest) aufmerksam verfolgt. In manchen Meinungen find ich mich wieder, in manchen nicht. Grundsätzlich gefällt mir dein Stil gut, der Prota ist eine coole Socke und scheint sich nicht allzu viel Gedanken zu machen außer dem, wie er hier wegkommt. Find ich zwar ein bisschen früh, denn er kennt außer der Lichtung ja gar nichts von dieser Welt/Zeit, aber das muss er selber wissen.

      Zwei Dinge sind mir aufgefallen bis jetzt :

      Schreibfeder schrieb:

      rannte ich zur nächsten Verschanzung. Mit Schwung rollte ich über die Kisten und landete sicher in Deckung

      Schreibfeder schrieb:

      hinter denen sich Soldaten verschanzt hielten.

      Schreibfeder schrieb:

      und robbte in die Position
      Ich kann mir nicht helfen, aber das wirkt auf mich so ein bisschen wie Grabenkrieg. Als ob mit Gegenfeuer gerechnet werden müsste. Sind die Kisten, das Verschanzen und das Robben wirklich hilfreich im Kampf gegen die Raptoren? Ich glaube, ein Kistenstapel hält sie nicht auf...

      Und das Andere ist: Wenn Lya ÄRZTIN ist aber in der kreidezeit geboren wurde, hat sie dann eine Ausbildung irgendwie? Oder learning by doing? Oder einen Mentor? Eine Vorgänger, dem sie von Kind auf auf die Finger geschaut hat?

      Bis dahin erstmal, aber ich bleibe dran!

      VG Tariq


      Waaaahhh, hab grad die Postings über mir gelesen! Du hast echt nicht weitergeschrieben an der Geschichte? Bzw. sie nicht reingestellt? Warum denn nicht? Ich würd schon gern wissen, wie's ausgeht...
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Tariq schrieb:

      Waaaahhh, hab grad die Postings über mir gelesen! Du hast echt nicht weitergeschrieben an der Geschichte? Bzw. sie nicht reingestellt? Warum denn nicht? Ich würd schon gern wissen, wie's ausgeht...
      Ich warte auch schon ne Weile^^ Mal sehen, ob und wann es hier weitergeht :) In aller Ruhe weg.

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Moment. Keine falschen Schlüsse ziehen. Ich habe tatsächlich weitergeschrieben. Bin sogar recht weit gekommen. Und so einiges ist rausgeworfen worden (hatte nen Zwischenstand sogar mal im "das macht mich happy" gepostet).
      Der neue Stand kommt. Inklusive sämtlicher Korrekturen, die ich hier bereits versprochen habe. Vielleicht noch diese oder nächste Woche. (Hab Urlaub, kann aber nichts versprechen. Ich bin gerade mitten im Jobwechsel und stehe ziemlich unter Druck.)


      @Tariq zu deinen Fragen:

      Eigentlich sind die so dicht am Boden, damit sie kein Querschläger oder das verbündete Sperrfeuer trifft. Ich werde mir dem Text natürlich angucken und eventuell umformulieren, wenn es auch mir beim durchlesen jetzt unklar ist.

      Zum zweiten. Also irgendwo (nach der nächtlichen Schlacht im Gespräch mit Lya (Seite 8)) steht, dass Lya in der Kreidezeit ihre Ausbildung gemacht hat. Sie ist in einem anderen Lager versetzt worden und hat dort dann zweieinhalb Jahre eine Ausbildung gemacht.
    • Ich habe die komplette Geschichte umfangreich überarbeitet und kann nun sogar einen neuen Teil hochladen. Viel Spaß damit. Wie immer freue ich mich über jedes Kommentar und/oder Verbesserungsidee. Ich hoffe auch, ihr kommt wieder rein, es war doch schon eine laaaange Zeit wo ich hier nichts mehr hochgeladen hatte. :)

      _______

      Er half uns auf die Beine und deutete dann auf ein Stück Wegesrand, wo Farn, Fettblätter und Büsche arg niedergetrampelt aussahen.
      „Das ist der Pfad einer Laufechse. Die verlassen die schützenden Wälder nur sehr ungern, sind dafür aber umso sturer, was ihre angestammten Jagdgründe angeht. Dieser Weg wird uns in einem gewaltigen Bogen auf die Wiese zum Portal führen. Nur für den Fall, dass die Grenzwache der Meinung sind, sie könnten uns auf dem direkten Weg abfangen.“

      Als wir nach einer Weile wieder auf die Wiese traten, war weit und breit nichts mehr vom Weg zum „Nest“ zu erahnen. Der Bogen musste sogar noch größer sein, als Rick geahnt hatte. Diese Einschätzung bestätigte mir auch die Sonne, die zwischen den Blättern rötlich hindurchschimmerte. Und noch etwas bemerkte ich: In der Mitte der Wiese war ein Gebäude aufgetaucht.
      Zwar war es freilich noch sehr weit weg, aber es war ersichtlich, dass es ein verdammt hohes und wuchtiges Gebäude war. Es wirkte fast wie ein Bunker, obgleich ich nicht viel mehr als einen Schatten erkennen konnte. Für Details war es einfach noch zu dunkel.
      Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder war es ein Munitionslager, was es ja hier irgendwo wirklich geben sollte, oder aber es war das Portal.
      Ersteres bezweifelte ich irgendwie. Die Wiese neigte sich nicht in Richtung eines alltäglichen Waffenlagers. Es machte viel mehr Sinn, dass wir das Portal gefunden hatten. Vermutlich innerhalb eines gewaltigen Schutzbunkers. Hatte Rick nicht auch so etwas erwähnt? Ich war mir nicht sicher. Die Anstrengungen forderten auch einen geistigen Tribut.
      Rick hingegen bedrückte der Zeitverlust nicht. Ganz offenbar hatte er noch einen Plan in der Hinterhand. Er bedeutete uns kurz zurückzubleiben und eilte allein auf die Wiese. Nach guten hundert Metern holte er etwas unter seiner Uniformjacke hervor. Ich konnte nur ein schmutzig-graues Paket erkennen, was mich aus irgendeinem Grund an eingeschlagenen Fisch vom Markt erinnerte. Vorsichtig riss er das Einpackpapier auf und deponierte dessen Inhalt auf der Wiese, bevor er eilig zu uns zurückkam.
      „Was war das?“, hörte ich mich fragen.
      „Halb verwestes Typo-Fleisch“, antwortete er mir in einem Tonfall, als sei das eine ganz besondere Delikatesse.
      „Und damit läufst du herum? Unter deine Jacke gepresst?“, fragte Lisa angewidert. „Ist ja ekelhaft.“
      Rick fing an breit zu grinsen: „Ich will es ja nicht essen.“
      Er deutete auf einen Strauch in vielleicht zweihundert Metern Entfernung und fügte an: „Dort verstecken wir uns und warten ab.“
      Ich musste zugeben: Für einen Beobachtungsposten war der Ort gut gewählt. Hinter dem Gehölz bildete das Unterholz eine dichte Wand und wer auch immer sich näherte, würden wir dort unzweifelhaft hören.
      „Wir warten? Worauf?“, bohrte ich dennoch nach. Ich vertraute ihm ja, machte mir aber Sorgen um sein Timing. Inzwischen war die Sonne vollständig aufgegangen, auch wenn ein schwacher, roter Schimmer noch immer am Himmel zu erahnen war. Der Leutnant könnte uns durchaus überholt haben und vor uns am Portal warten.
      „Wir warten auf einen Grenzläufer.“
      „Auf einen ... was?“, fragte ich.
      Er winkte ab. „Ich erkläre es euch später. Jetzt sollten wir verschwinden, bevor er uns auf freiem Feld überrascht.“

      Das Gebüsch war ein guter Lagerplatz. Vor allem die olivgrüne Kleidung tarnte uns und selbst unsere verdreckten Gesichter kamen uns jetzt zugute. Als wir uns alle etwas erholt hatten, hakte ich dann dennoch nach: „Was ist ein Grenzläufer?“
      „Ein Grenzläufer. Das sind ...“, fing er an, doch ein fast unhörbares Knacken erschallte im Wald.
      „Still jetzt!“, hauchte Rick und kauerte sich hinter seinem Gewehr.
      Wir folgten seinem Beispiel und spähten in alle Richtungen. Eine bleierne Ruhe breitete sich aus. Ein Raubtier war auf Beutezug. Um das zweifelsfrei zu erkennen, hatte ich genug Erfahrung.
      Ruhig atmete ich ein und aus und behielt meine Umgebung im Auge. Langsam strich eine Schnauze eines mittelgroßen Dinosauriers durch die Blätter in der Nähe. Ein gutes Stück von uns entfernt, aber nahe genug, um Details erkennen zu können. Das Tier sah aus wie ein übergroßer Rep, war aber augenscheinlich nicht mit denen verwandt. Auch die Färbung der Schuppen stimmte nicht. Diese hier waren orange-grünlich. Zudem ging ein großer Schulterkamm wie ein Irokesenschnitt vom Schädel über den langen Hals entlang. Aber es war ein Raubtier, das sah man deutlich. Und damit eine potenzielle Bedrohung für uns.
      Ich hatte keinen Zweifel, dass das einer der besagten Grenzläufer war, doch der Saurier schien kein Interesse an uns zu haben. Stur rannte er auf die Wiese und fing genüsslich an das Fleisch zu verschlingen, als wenn es eine Süßigkeit wäre.
      Plötzlich zerriss eine Gewehrsalve die Stille.
      Das Tier bäumte sich auf. Es war getroffen. Unsere Gewehre klapperten. Keiner von uns hatte geschossen. Weitere Schüsse knallten und das Tier brach zuckend zusammen.
      „Wer schießt denn da?“, fauchte Anna nervös.
      Ricks Hand zuckte hoch. „Still!“
      Nach wenigen Momenten kam ein Geländewagen mit einem Affenzahn angerauscht. Ein solches Gefährt hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte wie eine Mischung aus Quad und extrabreitem Jeep, auf dessen Überrollbügel jemand ein schweres MG geschraubt hatte. RX2 oder RX3, schätzte ich. Mit schlitternden Reifen kam der schwere Wagen neben dem getöteten Tier zum Stehen.
      Verdammt, das musste eine Grenzpatrouille sein. Was zur Hölle hatte Rick denn jetzt vor?
      Seine Hand blieb unmissverständlich erhoben. Wir sollten uns nicht rühren, das war klar. Angespannt schwiegen wir.
      Plötzlich hörte ich den MG-Schützen zum Fahrer rufen: „Marc, schau nach, ob das Vieh wirklich tot ist. Ich gebe dir Feuerschutz.“
      „Aye“, rief dieser zurück und sprang aus dem offenen Geländewagen. Mit einem Gewehr in der Hand näherte er sich vorsichtig dem niedergeschossenen Grenzläufer.
      „Ist tot, Jeff“, schrie er zum Wagen und eilte wieder zurück.
      „Okay, dann lass uns gleich zum Bunker fahren.“
      „Ist das wirklich nötig?“
      „Ja! Das Vieh dürfte nicht hier sein. Da versammelt sich wieder ein Rudel. Du kennst die Vorschrift.“
      „Aye“, antwortete Mark, der inzwischen sein schweres Gefährt wieder erreicht hatte und sich auf den Fahrersitz schwang. „Na. Dann mal los.“
      Mit durchdrehenden Reifen entfernte sich der Geländewagen wieder und Rick ließ die Faust sinken.
      „Was sollte das denn?“, fragte ich ihn erstaunt.
      „Das war die Grenzwache. Es gibt immer ein paar von den schweren Jeeps hier draußen. Aber nun glauben sie, dass es ein Rudel Grenzläufer gibt und versammeln sich am Munitionsbunker“, erklärte Rick und klang dabei sehr zufrieden. „Der ist ein paar Kilometer vom Portal entfernt. Von denen traut sich heute niemand mehr hier raus. Also los. Das ist unsere Chance durchzubrechen.“
      Ich blickte ihn erstaunt an. Das hatte er alles von langer Hand durchgeplant.
      „Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“, schnaubte Lisa verärgert, die denselben Schluss gezogen hatte. „Du hättest uns was sagen müssen.“
      „Wozu denn? Und jetzt kommt weiter. In den Spuren der Patrouille bleiben! Im niedergedrückten Gras kommen wir leichter voran. Los jetzt und kein Zögern mehr! Nun heißt es wieder marschieren.“
    • Yay, @Schreibfeder, es geht weiter!!
      Ich musste ein paar der zurückliegenden Posts erst nochmal lesen, um wieder reinzukommen. Aber jetzt bin ich wieder dran. Guter Teil, super spannend.

      Spoiler anzeigen
      Es sieht wirklich so aus, als ob Rick das ganze schon einmal versucht hätte, so gut, wie er sich auskennt. Und da der Jeep jetzt weggelockt worden ist, dürften sie ja eigentlich im nächsten Teil am Portal ankommen. Bin gespannt!


      Kleinkrambox

      Schreibfeder schrieb:

      Er half uns auf die Beine und deutet deutete dann auf ein Stück Wegesrand, wo Farn, Fettblätter und Büsche arg niedergetrampelt aussahen.
      „Das ist der Pfad einer Laufechse. Die verlassen die schützenden Wälder nur sehr ungerne ungern, sind dafür aber umso sturer, was ihre angestammten Jagdgründe angeht. Dieser Weg wird uns in einen einem gewaltigen Bogen auf die Wiese zum Portal führen. Nur für den Fall, dass die Grenzwache Grenzwachen der Meinung sind, sie könnten uns auf dem direkten Weg abfangen.“

      Als wir nach einer Weile wieder auf die Wiese traten, war weit und breit nichts mehr vom Weg zum „Nest“ zu erahnen. Der Bogen müsste (musste?) sogar noch größer sein, als Rick geahnt hatte. Diese Einschätzung bestätigte mir auch die Sonne, die zwischen den Blättern rötlich hindurchschimmerte. Und noch etwas bemerkte ich: In der Mitte der Wiese war ein Gebäude aufgetaucht.
      Zwar war es freilich noch sehr weit weg, aber es war ersichtlich, dass es ein verdammt hohes und wuchtiges Gebäude war. Es wirkte fast wie ein Bunker, obgleich ich nicht viel mehr als einen Schatten erkennen konnte. Für Details war es einfach noch zu dunkel.
      Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder war es ein Munitionslager, was es ja hier irgendwo wirklich geben sollte, oder aber es war das Portal.
      Ersteres bezweifelte ich irgendwie. Die Wiese neigte sich nicht in Richtung eines alltäglichen Waffenlagers. Es machte viel mehr Sinn, dass wir das Portal gefunden hatten. Vermutlich innerhalb eines gewaltiger gewaltigen Schutzbunkers. Hatte Rick nicht auch so etwas erwähnt? Ich war mir nicht sicher. Die Anstrengungen forderten auch einen geistigen Tribut.
      Rick hingegen bedrückte der Zeitverlust nicht. Ganz offenbar hatte er noch einen Plan in der Hinterhand. Er bedeutete uns kurz zurückzubleiben und eilte allein auf die Wiese. Nach guten hundert Meter Metern holte er etwas unter seiner Uniformjacke hervor. Ich konnte nur ein schmutzig-graues Paket erkennen, was mich aus irgendeinem Grund an eingeschlagenen Fisch vom Markt erinnerte. Vorsichtig riss er das Einpackpapier auf und deponierte dessen Inhalt auf der Wiese, bevor er eilig zu uns zurückkam.
      „Was war das?“, hörte ich mich fragen.
      „Halb verwestest verwestes Typo-Fleisch“, antwortete er mir in einem Tonfall, als sei das eine ganz besondere Delikatesse.
      „Und damit läufst du herum? Unter deiner (deine?) Jacke gepresst?“, fragte Lisa angewidert. „Ist ja ekelhaft.“
      Rick fing an breit zu grinsen: „Ich will es ja nicht essenPunkt
      Er deutete auf einen Strauch in vielleicht zweihundert Metern Entfernung und fügte an: „Dort verstecken wir uns und warten ab.“
      Ich musste zugeben: Für einen Beobachtungsposten war der Ort gut gewählt. Hinter dem Gehölz bildete das Unterholz eine dichte Wand und wer auch immer sich näherte, würden wir dort unzweifelhaft hören (eher "würde von uns gehört werden"?).
      „Wir warten? Wodrauf Worauf??“, bohrte ich dennoch nach. Ich vertraute ihm ja, machte mir aber Sorgen um sein Timing. Inzwischen war die Sonne vollständig aufgegangen, auch wenn ein schwacher, roter Schimmer noch immer am Himmel zu erahnen war. Der Leutnant könnte uns durchaus überholt haben und vor uns am Portal warten.
      „Wir warten auf einen Grenzläufer.“
      „Auf einen ... was?“, fragte ich.
      Er winkte ab. „Ich erkläre es euch später. Jetzt sollten wir verschwinden, bevor er uns auf freien freiem Feld überrascht.“

      Das Gebüsch war ein guter Lagerplatz. Vor allem die olivgrüne Kleidung tarnte uns und selbst unsere verdreckten Gesichter kamen uns jetzt zugute. Als wir uns alle etwas erholt hatten, hakte ich dann dennoch nach: „Was ist ein Grenzläufer?“
      „Ein Grenzläufer. Das sind ...“, fing er an, doch ein fast unhörbares Knacken erschallte im Wald.
      „Still jetzt!“, hauchte Rick und kauerte sich hinter seinem Gewehr hin.
      Wir folgten seinem Beispiel und spähten in alle Richtungen. Eine bleierne Ruhe breitete sich aus. Ein Raubtier war auf Beutezug. Um das Zweifelsfrei zweifelsfrei zu erkennen, hatte ich genug Erfahrung.
      Ruhig atmete ich ein und aus und behielt meine Umgebung im Auge. Langsam strich eine Schnauze eines mittelgroßen Dinosauriers durch die Blätter in der Nähe. Ein gutes Stück von uns entfernt, aber nahe genug, um Details erkennen zu können. Das Tier sah aus wie ein übergroßer Rep, war aber augenscheinlich nicht mit denen verwandt. Auch die Färbung der Schuppen stimmte nicht. Diese hier waren orange-grünlich. Zudem ging ein großer Schulterkamm wie ein Irokesenschnitt vom Schädel über den langen Hals entlang. Aber es war ein Raubtier, dass das sah man deutlich. Und damit eine potenzielle Bedrohung für uns.
      Ich hatte keinen Zweifel, dass das einer der besagten Grenzläufer war, doch der Saurier schien kein Interesse an uns zu haben. Stur rannte er auf die Wiese und fing genüsslich an das Fleisch zu verschlingen, als wenn es eine Süßigkeit wäre.
      Plötzlich zerriss eine Gewehrsalve die Stille.
      Das Tier bäumte sich auf. Es war getroffen. Unsere Gewehre klapperten. Keiner von uns hatte geschossen. Weitere Schüsse knallten und das Tier brach zuckend zusammen.
      „Wer schießt denn da?“, fauchte Anna nervös.
      Ricks Hand zuckte hoch. „Still!“
      Nach wenigen Momenten kam ein Geländewagen mit einem Affenzahn angerauscht. Ein solches Gefährt hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte wie eine Mischung aus Quad und extrabreiten extrabreitem Jeep, auf dessen Überrollbügel jemand ein schweres MG geschraubt hatte. RX2 oder RX3, schätzte ich. Mit schlitternden Reifen kam der schwere Wagen neben dem getöteten Tier zum Stehen.
      Verdammt, das musste eine Grenzpatrouille sein. Was zur Hölle hatte Rick denn jetzt vor?
      Seine Hand blieb unmissverständlich erhoben. Wir sollten uns nicht rühren, das war klar. Angespannt schwiegen wir.
      Plötzlich hörte ich den MG-Schützen zum Fahrer rufen: „Marc, schaue (schau?) nach, ob das Vieh wirklich tot ist. Ich gebe dir Feuerschutz.“
      „Aye“, rief dieser zurück und sprang aus dem offenen Geländewagen. Mit einem Gewehr in der Hand näherte er sich vorsichtig dem niedergeschossenen Grenzläufer.
      „Ist tot, Jeff“, schrie er zum Wagen und eilte wieder zurück.
      „Okay, dann lass uns gleich zum Bunker fahren.“
      „Ist das wirklich nötig?“
      „Ja! Das Vieh dürfte nicht hier sein. Da versammelt sich wieder ein Rudel. Du kennst die Vorschrift.“
      „Aye“, antwortete Mark, der inzwischen sein schweres Gefährt wieder erreicht hatte und sich auf den Fahrersitz schwang. „Na. Dann mal los.“
      Mit durchdrehenden Reifen entfernte sich der Geländewagen wieder und Rick ließ die Faust sinken.
      „Was sollte das denn?“, fragte ich ihn erstaunt.
      „Das war die Grenzwache. Es gibt immer ein paar von den schweren Jeeps hier draußen. Aber nun glauben sie, dass es ein Rudel Grenzläufer gibt und versammeln sich am Munitionsbunker“, erklärte Rick und klang dabei sehr zufrieden. „Der ist ein paar Kilometer vom Portal entfernt. Von denen traut sich heute niemand mehr hier raus. Also los. Das ist unsere Chance durchzubrechen.“
      Ich blickte ihn erstaunt an. Das hatte er alles von langer Hand durchgeplant.
      „Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“, schnaubte Lisa verärgert, die denselben Schluss gezogen hatte. „Du hättest uns was sagen müssen.“
      „Wozu denn? Und jetzt kommt weiter. In den Spuren der Patrouille bleiben! Im niedergedrückten Gras kommen wir leichter voran. Los jetzt und kein Zögern mehr! Nun heißt es wieder marschieren.“
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • @Tariq, danke für deine Anmerkungen und Korrekturen. Ich habe sie alle eingepflegt, bis auf die Gebüsch-Szene. Die Fehler sind alle irgendwie dann die Tage entstanden, als ich den Text überarbeitet habe. Ich hoffe mal, die anderen Überarbeitungen von mir waren besser.
      Viele Dank für deine Mühe. Wird dennoch noch ein paar Tage dauern, bis ich den nächsten Teil hochaden kann.
    • Um reinzukommen, habe ich den letzten Teil von 2017 noch mal gelesen. Beim Überarbeiten sind dir wohl ein paar Fehler entwischt bzw. ein paar neue entstanden. Korrekturen und Anmerkungen im Spoiler. An den neuen Teil mache ich mich dann später.


      Spoiler anzeigen

      Schreibfeder schrieb:

      Als das Wimmern des Flugsauriers hinter uns verstummte, durchschoss mich ein Gedanke siedeheiß.
      „Gibt es hier eigentlich eine Luftüberwachung?“
      Rick schüttelte den Kopf. „Nein. Die Amerikaner haben eine, aber bei uns war jeder Versuch zwecklos. Unsere Maschinen wurden von den Flugsauriern als Provokation gesehen und sofort angegriffen. Nur schwere Einheiten können sich behaupten. Apache heißen die doch, oder? Diese Kampfhubschrauber der Amerikaner meine ich. Naja, die können sich noch wehren, die sind auch schnell und wendig genug. Alles andere wird innerhalb von einigen Stunden zu Schrott.“ Dann fügte er noch kopfschüttelnd hinzu: „Die großen Arten der Flugsaurier dulden keine Konkurrenz. Es hat in den Anfangstagen drei Piloten das Leben gekostet bis wir das herausgefunden hatten. Anfangs dachte man, es wären Zufälle gewesen. Spontane Aggressionen. Es musste erst zum (zu einem) Unglück kommen, bis man darauf kam, dass Flugsaurier meilenweit sehen können und sich von allem Möglichen provoziert fühlen. Tatsächlich ist es sogar das elementare Paarungsverhalten der Tiere. Sie müssen dominant auftreten, um sich selbst die besten Weibchen zu sichern. Außerdem müssen sie in der Lage sein, ausreichend Beute zu machen. In der Brutzeit hüten die Weibchen die Nester und müssen daher gefüttert werden. Also sehen sie alles als Bedrohung an, was fliegt. Kleinere Saurierarten, also alle unter fünf Meter Flügelspannweite, jagen deshalb nur nachts, in der Dämmerung, oder sind flink genug, um bei Gefahr ausweichen zu können. Gelingt aber nicht vielen. Wir finden ständig Kadaver und sehen auch oft genug Luftkämpfe, wenn das Wetter klar ist. Es ist eine harte Welt hier draußen.“
      Dann verstummte er und wir marschierten schweigend weiter durch die matschige Wiese. Kilometer um Kilometer. Die Zeit verrann nur zäh und genauso unerbittlich zehrte das Gelände an unseren Kräften. Unser Atem ging immer keuchender. Der Schlick klebte an den Stiefeln und so langsam spürte ich, wie meine Socken sich voller Feuchtigkeit zogen. Das Schlammloch rächte sich nun, denn der Stoff fing bei jedem Schritt an zu scheuern. Meine Muskeln protestierten immer stärker. Den anderen erging es noch schlimmer (nicht besser). Hinter mir brach Lisa stolpernd zur Seite weg und kurz darauf versank auch Annas Stiefel in einer tiefen Pfütze. Mit müden Bewegungen richteten sich beide auf und marschierten eisern weiter. Das konnte nicht ewig so weiter gehen.
      „Wir müssen eine Pause machen“, rief ich keuchend (keuchend würde ich hier weglassen, sie haben weiter vorne schon gekeucht) Rick zu. Dieser blickte sich um, sah unseren Zustand und setzte sich dankbar hin. Auch er war mit seinen Kräften am Ende angekommen. Er konnte es nur etwas besser kaschieren.
      Lisa und Anna ließen sich in die schlammige Wiese fallen und holten einfach nur hechelnd Luft. Müde (Erschöpft) griff ich zu meinem Wasserschlauch und trank in gierigen Schlucken, bevor ich mich zur Mäßigung zwang.
      Rick stellte das Gewehr zwischen seine Beine und legte müde sein Kinn darauf ab. Ihm schien der Marsch ebenfalls schwer zuzusetzen. Ich reichte ihm stumm meine Wasserflasche und er nahm sie dankend und trank langsam.
      „Bis du dir sicher, dass man die Schüsse gehört hat?“, fragte ich ihn.
      „Du fragst wegen unserem Marschtempo, nicht wahr?“, begann Rick und seufzte laut. „Es gibt kaum einen Zweifel. Nein, das Problem ist auch nicht, dass der Grenzpatrouille Bescheid gegeben wurde, sondern eher, was der Leutnant ihnen erzählen wird.“
      Ich verstand und fragte sofort nach: „Wie geht es also jetzt weiter?“
      „Wir müssen noch ein gutes Stück zu Fuß gehen, später dann (Füllwörter, eines davon würde ich weglassen, damit es nicht so holprig klingt) aber auf den Waldrand achten. Je weiter wir uns von den Rep-Nestern entfernen, desto mehr andere Raubsaurier gibt es. Die meisten davon meiden die Wiese. Wenn sich dort etwas bewegt, sind es meistens Pflanzenfresser. Gefährlich wird es erst, wenn die Wälder zurückgehen (Wälder können also gehen? Jetzt weiß ich, warum ich mich morgens manchmal zu zerschlagen fühle, da ist wohl ein Wald über mich gelaufen. Vorschlag: wenn wir in den Wald/die Wälder zurückgehen) und wir ins Grenzgebiet eintauchen.“
      „Warum?“, wollte Lisa wissen.
      „Weil dort die Grenzwache ist“, antwortete Rick mit ruhiger Stimme. „Aber jetzt keine Panik. Das Gebiet ist riesig und die Anzahl der Soldaten gering. Wenn wir aufpassen, sollten wir uns durchboxen können.“
      „Wie lange, meinst du, haben wir noch?“, fragte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
      Rick musterte noch einmal gründlich die Umgebung, bis er schließlich die Hand hob und am Waldrand entlang zeigte. „Wir sind weiter, als gedacht. Noch grob fünf Kilometer, dann weichen die Palmen zurück und vor uns eröffnet sich das baumlose Grenzland. Dann noch knapp zehn Kilometer bis zum Portal.“
      „Ein ziemlich großes Gebiet, was es da zu bewachen gibt“, meinte ich und Rick stimmte mir zu: „Das Gelände ist flach und ohne Deckung, daher meiden es alle größeren Dinosaurier. Schließlich sind sie auf der Steppe nicht heimisch, sondern in den Wäldern. Dementsprechend sind unsere Patrouillen auch ausgestattet. Kommt weiter jetzt. Ich erkläre euch den Rest, wenn wir im Grenzgebiet angekommen sind.“
      „Kann es sein, dass es heller wird?“, fragte Lisa erschöpft und wir alle musterten sofort den Himmel.
      „Du hast Recht“, stimmte ihr Rick zu und erklärte sofort weiter: „Die Sonne geht zur jetzigen Jahreszeit nur für ungefähr vier bis fünf Stunden unter. Drei Stunden haben wir mit Sicherheit schon hinter uns. Vielleicht haben wir auch zu lange im Lager gewartet, oder zu viel Zeit im Wald verbracht.“
      „Deine Fehleinschätzungen gefallen mir nicht“, moserte Lisa. „Wer sagt denn, dass du auch mit Verfolgern Recht behältst. Die könnten jetzt schon hinter uns her sein.“
      Rick zuckte hoch und musterte die Wiese hinter uns. Er wurde merkbar unruhiger. Trotz meiner Erschöpfung war mir klar, dass er die Strecke schon einmal gegangen war (sein musste). Nicht nur, weil er wusste, wo das Portal lag und das Gelände kannte. Auch wegen seines Benehmens auf den Marsch. Als er seinerzeit wohl zum Portal fliehen wollte, gab es keine Verfolger. Aber wir waren auch eine viel größere Gruppe. Gleich vier Deserteure, dass ließ den Leutnant schwach aussehen. Angesichts der Tatsache, dass er ohnehin schon auf der Abschussliste des Obersts stand, konnte er uns das unmöglich durchgehen lassen. (Sonst müsste der Leutnant ja eine 180 Gradwende vollzogen haben.)

      Ricks Gedanken gingen in eine ähnliche Richtung, denn seine Lippen formten lautlos die Worte „Der Oberst“.
      Dann sprang er plötzlich auf. „Wir müssen weiter, nun macht schon. Wir müssen uns beeilen!“
      Mit einer Ruhe, die mir selbst fremd war, widersprach ich ihm: „Nein, wir brauchen noch zehn Minuten Pause. Wenn wir uns hetzen, verlieren wir nur unnötig Kraft. Vergiss nicht, dass es keine Autos im Lager gibt und wir einen Vorsprung von über einer Stunde haben.“
      „Was ist mit der Panzerhaubitze?“, fragte Anna vorsichtig dazwischen.
      „Die brauchen sie selbst und dürfte auch kaum genug Sprit haben“, schätzte ich und blickte hilfesuchend zu Rick auf. Dieser setzte sich langsam wieder und schien sich beruhigt zu haben.
      „Ja, tut mir Leid, mein Fehler“, murmelte er. „Sie kämpfen mit denselben Einschränkungen wie wir. Außerdem müssen sie uns zu Fuß verfolgen. Wir haben den Zeitvorteil auf unserer Seite, also die besseren Chancen.“
      „Abgesehen davon, dass wir jetzt von zwei Seiten in die Zange genommen werden“, erinnerte uns Lisa warnend. „Auf der einen Seite die Grenzwache, auf der anderen der Leutnant.“
      „Stimmt, aber wir sind fast da. Nur noch fünf Kilometer bis zur Grenze, das ist also zu schaffen. Wir tauchen gleich in die Bäume ein und sind dann außer Sicht. Das sollte uns vorerst genug Deckung geben“, übernahm ich die Initiative und warf dann einen schnellen Blick auf Rick zu. (Entweder er warf einen Blick auf Rick oder er warf Rick einen Blick zu, aber nicht beides zusammen.)

      Dieser nickte und fügte hinzu: „Wir machen noch einige Minuten Pause und gehen mit dem Tempo etwas runter. Zwischen den Palmen versuchen wir möglichst wenig Spuren zu hinterlassen und schlagen einen kleinen Bogen. Das sollte uns ausreichend Abstand zur Grenzwache einbringen. Dann auf direkten Weg über die Steppe. Das Gelände ist riesig und auf diesem Weg erwartet uns keiner.“
      „Wenn du nicht auch hierbei falsch liegst“, rutschte Lisa raus und legte fast gleichzeitig die Hand auf den Mund. „Oh, sorry, das meinte ich nicht so, wie es klang. Es tut mir ehrlich Leid. Ich meine, ich bin dir echt dankbar und es ist klar, dass du auch Fehler machen kannst, also von daher...“
      „Kein Problem“, fiel ihr Rick ins Wort. „Überlege selbst einmal, wie du so etwas Großes wie das Portal vor Horden von Dinosauriern schützen würdest. Also ich würde jeden Quadratmeter darum niederbrennen, es mit Wachposten spicken und darüber hinaus jede Technik benutzen, die mir so einfällt. Also Selbstschussanlagen, dessen Wärmesensoren nur auf Dinosaurier anschlagen. Ein paar Panzerminen, für den Fall, dass irgendwas Schweres angreift und so weiter. Aber nichts davon darf auch nur im Entferntesten eine Gefahr für Menschen oder Maschinen darstellen.“
      Er warf einen kurzen Blick auf Lisa, bevor er dann weiterfuhr: „Und: Ja, ich bin mir sicher, dass sie keine Gefahr für Menschen darstellen dürfen. Bis vor ein paar Jahren hatten wir am Lager nämlich nicht nur eine Minensperre, sondern auch einige Selbstschussanlagen. Bis die Sensoren irgendwann nicht mehr richtig funktionierten. Feuchtigkeit sickerte überall auf die Platinen und ließ sie korrodieren, oder so. Hätten mich mal fast umgepustet. Auf jeden Fall mussten wir damals alle Geschütze abbauen und hierher verfrachten. Das hatte damals der Oberst persönlich überwacht. Bei so etwas verstehen sie hier keinen Spaß.“
      „Wollen wir dann mal weiter?“, fragte ich ihn vorsichtig. Das Gespräch hatte länger gedauert, als geplant. Er nickte, stand auf und klopfte sich etwas Dreck von seiner Uniform. Die Rast hatte ihm gut getan.
      „Na, dann“, meinte Rick und tastete nach etwas unter seiner Brust. „Dann lasst uns das vorletzte Stück anpacken.“
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • @Morgy danke für deine Mühe. Wenn du noch nicht genug gelesen hast: Hier kommt der nächste Teil. :)

      _______

      Wir eilten über die Wiese. Das hohe Gras gab uns zwar Deckung, dennoch beobachtete jeder von Zeit zu Zeit den Himmel. Der nächtliche Angriff des Flugsauriers saß uns allen noch in den Knochen.
      Die Silhouette vom Portal wurde mit jedem Schritt größer. Inzwischen konnte ich Einzelheiten klar erkennen. Es war tatsächlich ein Bunker, aber ein extrem hässlicher. Als wenn sich irgendein verrückter Architekt ausgetobt hatte, der seine manische Vorliebe für Trapeze ausleben durfte. Zudem war der dunkelgraue Betonblock bestimmt fünf oder sechs Stockwerke hoch und wirkte so wuchtig, als wenn er seine Umgebung erschlagen wollte.
      Irgendwann kreuzten Wagenspuren unseren Weg, die sich verbreiterten, bis sogar einige schwache Schlammwege erkennbar waren, die im gewundenen Lauf zum Portal führten. Also folgten wir ihnen einfach.
      Langsam machte ich mir Sorgen, wie es im Inneren des Bunkers aussehen könnte. War es ein großes Laboratorium, wo wir uns durch dutzende Sicherheitsschleusen kämpfen und harmlose Wissenschaftler einschüchtern mussten? Oder war es eine große Lagerhalle, wo wir uns zwischen alten Panzern und Munitionskisten schleichen mussten? Ich bemerkte zum ersten Mal, wie schlecht geplant unsere Flucht eigentlich war.
      Noch ganz in diesen Gedanken versunken, bemerkte ich eine Bewegung jenseits des Grases.
      „Runter!“, zischte ich und warf mich sofort zu Boden. Es raschelte kurz und dann war Stille.
      „Was ist?“, flüsterte Rick hinter mir.
      „Wächter“, hauchte ich zurück. Ich lag in einer schlammigen Spurrille und langsam sickerte weitere Feuchtigkeit in meinen Stiefel. Vor mir ging die Wiese in einen gemähten Bereich über. Durch die Grashalme konnte ich eine kleine Gruppe Soldaten erspähen, die an der Ecke des Bunkers herumlungerten und rauchten.
      „Sie müssen gewarnt worden sein“, gab Rick seine Einschätzung preis und robbte neben mich, um ebenfalls ein Blick auf die Grenzwache zu werfen.
      Frustration machte sich in mir breit. Ich konnte ein kleines, trapezförmiges Tor in der Mitte des Bunkers sehen. Es war ein gutes Stück von den Soldaten entfernt, aber es war dennoch ausgeschlossen, dass wir es erreichten. Sobald uns die Wächter bemerkten, würde die Hölle ausbrechen.
      Und dabei hatten wir noch Glück. Es musste eine Nebenpforte sein, denn sie war nicht groß genug damit die Jeeps durchpassten, die hier ja überall rumfuhren. Ganz zu schweigen von den Panzern. Wie dann erst die Hauptpforte bewacht wurde, wollte ich mir gar nicht ausmalen. Vermutlich wartete dort sogar der Leutnant auf uns.
      Dann ließ ich meinen Blick wandern.
      „Was ist das?“, fragte ich Rick und zeigte auf einige Ausbuchtungen im Beton, die aussahen, als wenn sie jemand nachträglich angebaut hätte.
      Er folgte meinem Blick und antwortete: „Alte RX3-Geschütze. Mit Bewegungsmeldern der neusten Generation, denen Hitze und Kondenswasser nichts mehr ausmachen soll. Sobald die Testphase abgeschlossen ist, sollen wir auch welche bekommen.“
      Dann schwieg er und beobachtete nachdenklich die kleine Gruppe. Ich hatte keine Ahnung an was er dachte. Die Männer waren bei seinem letzten Aufenthalt nicht hier gewesen, dass sah man ihm an, aber man sah ihm auch an, dass er fieberhaft an einer Lösung arbeitete. Dann drehte er sich zu mir um und lächelte.
      „Wartet nicht zu lange“, raunte er und rollte sich seitlich in die Wiese.
      „Nein, wo willst du hin?“, zischte Anna ihm hinterher, doch er war bereits verschwunden.
      Ich hob meine Hand, ganz so wie Rick, und spähte zu der Gruppe Soldaten rüber. Was auch immer er vorhatte, ich hoffte, es würde klappen. Keiner von den Wächtern wirkte müde. Ihre Waffen hielten sie selbstsicher in den Händen und ihre aufrechte Haltung bewies mir, dass ich eine Gruppe altgedienter Veteranen vor mir hatte.
      „Rick hat das alles von langer Hand geplant“, sagte ich zu Anna und Lisa: „Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist, aber er war schon mal hier. Was auch immer gleich passiert, wir sollten die Gelegenheit nutzen und zum Portal stürmen.“
      Die beiden Frauen robbten neben mich und nickten.
      Plötzlich ging alles ganz schnell. Eine Gestalt brach aus der Wiese hervor und rannte im spitzen Winkel zum Tor. In derselben Sekunde sprangen die Soldaten auseinander und stürmten auf ihn zu. Rick war schnell, doch die Wächter waren ausgeruht und schneller. Mit einem Hechtsprung brachte der erste von ihnen Rick zu Fall und drückte ihn zu Boden.
      Doch Rick machte keine Anstalten sich zu ergeben. Der Wächter flog mit einem Knurren durch die Luft und landete hart auf der gemähten Wiese. Der zweite Wächter warf sich prompt auf Rick, doch kassierte dafür einen wüsten Kinnhaken.
      Dann waren die anderen Soldaten heran und innerhalb von Sekunden bildeten sie ein wildes Knäul.
      „Los!“, zischte ich den Frauen zu und sprang auf.
      Ich wusste gar nicht, dass ich noch so viel Kraft hatte. Meine Stiefel knallten in einer rasenden Geschwindigkeit auf den Boden. Die Wiese flog geradezu an mir vorbei. Meine Lungen zogen zischend die Luft ein, während ich versuchte, meine Beine zu noch mehr Eile anzutreiben.
      Dann war ich plötzlich durch das Tor.
      Hinter mir trafen keuchend Anna und Lisa ein. Dem leisen Geknurre von der Wiese zur Folge, war dort immer noch eine wüste Schlägerei, aber es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass man uns verfolgte.


      Das Portal

      Mit gezückten Waffen schlichen wir tiefer in den Bunkerkomplex hinein. Die trapezartige Architektur ging auch in seinem Inneren weiter, nur war der Beton hier von einer bläulichen Farbe. In unregelmäßigen Abständen war zudem die Decke heruntergezogen und auch wenn der Gang nicht besonders lang war, wurde er damit sehr unübersichtlich. Das Zwielicht was hier herrschte, tat sein Übriges.
      „Geschütze!“, zischte Lisa und zog mich zurück.
      Ich fluchte unterdrückt. An einem höhergelegenden Teilstück der Decke, waren tatsächlich zwei alte RX3 zu erkennen, die auf die Gangmitte zeigten.
      „Was nun?“, flüsterte ich. Wir mussten da durch. Es war eine Illusion zu glauben, dass die Wächter uns nicht gesehen hatten. Sobald Rick gebändigt war, könnten sie jederzeit auftauchen.
      „Wir laufen auf der Seitenstufe weiter“, schlug Lisa vor und zeigte auf die Wände. Dort waren, der ungewöhnlichen Architektur geschuldet, links und rechts ein dreißig Zentmeter hoher Versatz, der eine Art Stufe bildete. Breit genug um darauf herumzulaufen. Und die MGs waren nur auf das Zentrum des Weges gerichtet.
      „Gut“, hauchte ich zurück.
      Schnell und lautlos huschten wir an den Geschützen vorbei, die tatsächlich ruhig blieben. Sie bewegten sich noch nicht einmal. Vielleicht waren sie inaktiv? Ich wusste es nicht und einen Moment später, als wir aus dem Gang heraustraten, verschwendete ich auch keinen Gedanken daran. Zu bizarr war der Anblick, der sich uns bot. Inmitten einer gewaltigen Lagerhalle, die vollgestellt mit alten Kisten und ausgedienten Militärgerät war, stand ein gewaltiger Bunker.
      „Jetzt spinnen die hier komplett“, kommentierte Lisa das trocken.
      „Sieht irgendwie so aus wie eine Miniversion des großen Bunkers“, meinte Anna nachdenklich.
      „Miniversion ist gut. Das Teil ist gut und gerne drei Stockwerke hoch.“
      „Was mich viel mehr interessiert“, unterbrach ich die Frauen. „Was ist das für ein merkwürdiges Licht?“
      Ich deutete auf den Bunkereingang, aus dessen Inneren ein schwach pulsierendes Leuchten drang. Es war schon fast hypnotisch.
      „Ist dort das Portal?“, fragte Anna.
      „Ich hoffe es“, gab ich zurück. „Aber warum gibt es hier dann keine Soldaten?“
      „Weshalb sollten die auch in diesem muffigen Lager rumlaufen? Hier stinkt es doch überall nach Altöl. Ekelhaft!“ meinte Lisa und zuckte mit den Achseln. „Sie waren draußen an der frischen Luft. Würde ich auch so machen. Hier drinnen gibt es doch überall Selbstschussanlagen. Das reicht denen wohl.“
      Sie deutete auf die Bunkerdecke. In dessen Halbdunkel konnte ich mehrere RX3 ausmachen. Da keines auf uns reagiert hat, musste es wohl so sein, wie Rick gesagt hatte. Die Geschütze durften keine Gefahr für Menschen darstellen. Ich zweifelte aber keine Sekunde, dass die Dinger jeden Dinosaurier umnieten würden, der genauso ungeschützt hier rumstand wie wir.
      „Was machen wir jetzt?“, fragte Anna.
      „Wir sollten uns zum Inneren schleichen“, schlug ich vor. „Wir wollten nicht vergessen, dass hinter uns immer noch die Wächter kommen könnten.“
      Ohne weitere Worte näherten wir uns vorsichtig mit angelegten Waffen dem Licht. Die einzigen Geräusche die zu hören waren, waren das schwache Quietschen unserer Sohlen auf den Gummiboden. Kaum das wir angekommen waren, huschten wir lautlos hinein.
      Dann blieben wir angewurzelt stehen.
      Vor uns schwebte eine fast zwei Meter große, schwach schimmernde Lichtkugel. Obwohl sie einerseits sehr hell war, blendete sie nicht. Kleinere Lichtpunkte, wie von einer Diskokugel, zogen über die Wände.
      Die Luft veränderte sich. Sie wurde kühler und es roch frischer, wie nach gemähter Weide. Geräusche, wie von Kirchturmglocken, drangen an mein Ohr. Irgendwo fuhr ein Auto vorbei. Ich meinte sogar eine Kettensäge zu hören, die weit weg am Arbeiten war.
      Ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, ging ich immer weiter zum Portal. Je näher wir kamen, desto beruhigender und hypnotischer wurde das Licht. Langsam hob ich die Hand und griff hinein.
    • Super Abschnitt, @Schreibfeder, da gibt's überhaupt nix zu meckern. Spannend, glaubwürdig und anschaulich - was will man mehr? Der Cliffhanger am Ende ist gemein, und ...
      Spoiler anzeigen
      ... dass du uns im Unklaren lässt, was mit Rick geschehen ist, erst recht.

      So kann das weitergehen. Und das bitte bald. ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Hallo @Schreibfeder

      Ich hab auch mal angefangen zu lesen und bin jetzt bei Post 18.
      Der Anfang deiner Geschichte hat mich sehr überrascht, weil man wirklich eiskalt ins Wasser geschmissen wird und keine Ahnung hat, was hier grade eigentlich vor sich geht. Finde ich aber gut- kann man sich gleich mal mit dem Protagonisten identifizieren. Der hat ja auch keinen
      blassen Schimmer, wo er da hineingeraten ist.

      Die Erklärung, wieso sie da sind, wo sie sind, finde ich ein wenig amüsant, aber genauso gut. Wieder mal ist ein schiefgegangenes Experiment schuld an einer riesengroßen Misere- ist dir gelungen :thumbup:

      Und jetzt bin ich ja aktuell bei Post 18 und ich bin schon gespannt, ob, und wie, er einen Weg finden wird, aus dieser Zeit und seiner Situation zu entkommen!

      Liebe Grüße,
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hey, Schreibfeder- ich bin jetzt bei Post 143 angekommen und- meine Güte geht's da ab.
      Ich hab total atemlos mitgelesen!
      Und der arme Zach (wenn ich mich recht entsinne und er war das)... nicht gerade angenehm, durch eine explodierende Flak getötet zu werden.

      Fand aber gut, dass es auch mal ein Gemetzel gab, war ja richtig Action drin und auch actionreich beschrieben.
      Und deine Charaktere mag ich auch, jetzt, wo ich ein bisschen weiter gelesen hab schon.
      Und ich finde auch den Namen Torn irgendwie cool :thumbup:
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hallo @BlueRosesInMyHeart. Auch wenn etwas verspätet, begrüße ich dich gerne hier in der Geschichte. Es freut ich, dass sie dir gefällt.

      @Alle Leser: Ich habe den Lexikon-Eintrag zur Geschichte überarbeitet. Dort findet ihr im Spoiler viele nette Hintergrundinformationen zusammengefasst. Nur für den Fall, dass ihr irgendetwas nachschlagen wollt.

      In den nächsten Wochen kommen die neuen Teile, damit der fiese Cliffhanger gemildert wird. :)
      Auch das Ende ist fast fertig. Ich bin jetzt nur in der Korrekturphase, die etwas länger dauert als geplant. :)
    • Rest folgt.
      Spoiler anzeigen

      Schreibfeder schrieb:

      Wir eilten über die Wiese. Das hohe Gras gab uns zwar Deckung, dennoch beobachtete jeder von Zeit zu Zeit den Himmel. Der nächtliche Angriff des Flugsauriers saß uns allen noch in den Knochen.
      Die Silhouette vom des Portals wurde mit jedem Schritt größer. Inzwischen konnte ich Einzelheiten klar erkennen. Es war tatsächlich ein Bunker, aber ein extrem hässlicher. Als wenn sich irgendein verrückter Architekt ausgetobt hatte, der seine manische Vorliebe für Trapeze ausleben durfte. Zudem war der dunkelgraue Betonblock (Beton ist meist grau) bestimmt fünf oder sechs Stockwerke hoch und wirkte so wuchtig, als wenn (als ob) er seine Umgebung erschlagen wollte.
      Irgendwann kreuzten Wagenspuren unseren Weg, die sich verbreiterten, bis sogar einige schwache Schlammwege erkennbar waren, die im gewundenen Lauf zum Portal führten. Also folgten wir ihnen einfach. (Wie weit sind sie denn vom Portal weg, dass sie durch das hohe Gras sehen können, wohin der gewundene Pfad führt bzw. wie hoch ist das Gras? haben sie keine Angst, dass auf dem Pfad eine Patroullie entgegenkommen könnte?)

      Langsam machte ich mir Sorgen, wie es im Inneren des Bunkers aussehen könnte. War es ein großes Laboratorium, wo wir uns durch dutzende Sicherheitsschleusen kämpfen und harmlose Wissenschaftler einschüchtern mussten? Oder war es eine große Lagerhalle, wo wir uns zwischen alten Panzern und Munitionskisten schleichen mussten? Ich bemerkte zum ersten Mal, wie schlecht geplant unsere Flucht eigentlich war. (Es tut mir leid, wenn ich das sage, aber irgendwie reißt mich der Text nicht sonderlich mit. Könnte zum einen daran liegen, dass du zu viele nichtssagende Verben wie waren verwendest. Zum anderen, dass die Beschreibungen ein wenig nüchtern sind. Mal abgesehen von dem Satz mit dem verrückten Architekten. Z.B. Nur das Rascheln des Grases und das dumpfe Geräusch unserer Stiefel war zu hören, als wir über die Wiese eilten. Obwohl uns das hohe Gras Deckung gab, hob immer wieder einer von uns den Kopf und sucht den Nachthimmel nach potentiellen Gefahren ab. Man merkte deutlich, dass uns der Angriff des Flugsauriers noch in den Knochen saß.)
      Noch ganz in diesen Gedanken versunken, bemerkte ich eine Bewegung jenseits des Grases.
      „Runter!“, zischte ich und warf mich sofort zu Boden. Es raschelte kurz und dann war Stille.
      „Was ist?“, flüsterte Rick hinter mir.
      „Wächter“, hauchte ich zurück. Ich lag in einer schlammigen Spurrille und langsam sickerte weitere Feuchtigkeit in meinen Stiefel. Vor mir ging die Wiese in einen gemähten Bereich über. Durch die Grashalme konnte ich eine kleine Gruppe Soldaten erspähen, die an der Ecke des Bunkers herumlungerten und rauchten.
      „Sie müssen gewarnt worden sein“, gab Rick seine Einschätzung preis und robbte neben mich, um ebenfalls ein Blick auf die Grenzwache zu werfen.
      Frustration machte sich in mir breit. Ich konnte ein kleines, trapezförmiges Tor in der Mitte des Bunkers sehen. Es war ein gutes Stück von den Soldaten entfernt, aber es war dennoch ausgeschlossen (zu viele Füllwörter: dennoch war es ausgeschlossen), dass wir es erreichten. Sobald uns die Wächter bemerkten, würde die Hölle ausbrechen.
      Und dabei hatten wir noch Glück. Es musste eine Nebenpforte sein, denn sie war nicht groß genug, damit die Jeeps durchpassten(denn sie war zu klein, um die Jeeps hindurchzulassen), die hier ja überall rumfuhren. Ganz zu schweigen von den Panzern. Wie dann erst die Hauptpforte bewacht wurde, wollte ich mir gar nicht ausmalen. Vermutlich wartete dort sogar der Leutnant auf uns.
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • So, nachdem ich gestern überraschend weg musste, hier der Rest.
      Spoiler anzeigen

      Schreibfeder schrieb:

      Dann ließ ich meinen Blick wandern.
      „Was ist das?“, fragte ich Rick und zeigte auf einige Ausbuchtungen im Beton, die aussahen, als wenn sie jemand nachträglich angebaut hätte.
      Er folgte meinem Blick und antwortete: „Alte RX3-Geschütze. Mit Bewegungsmeldern der neusten Generation, denen Hitze und Kondenswasser nichts mehr ausmachen soll. Sobald die Testphase abgeschlossen ist, sollen wir auch welche bekommen.“
      Dann schwieg er und beobachtete nachdenklich die kleine Gruppe. Ich hatte keine Ahnung an was er dachte. Die Männer waren bei seinem letzten Aufenthalt nicht hier gewesen, dass sah man ihm an, aber man sah ihm auch an, dass er fieberhaft an einer Lösung arbeitete. Dann drehte er sich zu mir um und lächelte. (Man ist hier eigentlich ein Stilbruch. Du schreibst ja aus der Sicht von Torn, daher müsste es "sah ich ihm an" heißen.)

      „Wartet nicht zu lange“, raunte er und rollte sich seitlich in die Wiese.
      „Nein, wo willst du hin?“, zischte Anna ihm hinterher, doch er war bereits verschwunden.
      Ich hob meine Hand, ganz so wie Rick, und spähte zu der Gruppe Soldaten rüber. Was auch immer er vorhatte, ich hoffte, es würde klappen. Keiner von den Wächtern wirkte müde. Ihre Waffen hielten sie selbstsicher in den Händen und ihre aufrechte Haltung bewies mir, dass ich eine Gruppe altgedienter Veteranen vor mir hatte.

      „Rick hat das alles von langer Hand geplant“, sagte ich zu Anna und Lisa: „Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist, aber er war schon mal hier. Was auch immer gleich passiert, wir sollten die Gelegenheit nutzen und zum Portal stürmen.“
      Die beiden Frauen robbten neben mich und nickten. (Die letzten beiden Absätze kommt Torn etwas unsympatisch rüber. So allwissend und ein wenig überheblich. Er hat doch bestimmt nicht als einziger erahnt, dass Rick nicht zum ersten Mal am Portal war. Zudem könnte sich seine Einschätzung bzgl. der Wachen auch als falsch herausstellen. Außerdem dachte ich, sie wären noch ein gutes Stück entfernt. Hat Torn etwa Adleraugen oder stelle ich mir einfach nur vor, dass sie zu weit weg sind?)

      Plötzlich ging alles ganz schnell. Eine Gestalt brach aus der Wiese hervor und rannte im spitzen Winkel zum Tor. In derselben Sekunde sprangen die Soldaten auseinander und stürmten auf ihn zu. Rick war schnell, doch die Wächter waren ausgeruht und schneller. Mit einem Hechtsprung brachte der erste von ihnen Rick zu Fall und drückte ihn zu Boden.
      Doch Rick machte keine Anstalten sich zu ergeben. Der Wächter flog mit einem Knurren durch die Luft und landete hart auf der gemähten Wiese. (Hm, wie weit sind die denn von den anderen entfernt, wenn er das Knurren hören kann? Und wenn es so nah ist, warum werden die anderen drei nicht entdeckt?) Der zweite Wächter warf sich prompt auf Rick, doch kassierte dafür einen wüsten Kinnhaken.
      Dann waren die anderen Soldaten heran und innerhalb von Sekunden bildeten sie ein wildes Knäul.
      „Los!“, zischte ich den Frauen zu und sprang auf. (Warum zur Hölle warten die so lange und sehen zu, wie Rick vermöbelt wird? Sobald die Soldaten abgelenkt sind, würde ich Fersengeld geben oder Rick zu Hilfe eilen.) (Durch die vielen und-Konstruktionen hat der Text leider einiges an Potential eingebüßt. Das ist schade.)

      Ich wusste gar nicht, dass ich noch so viel Kraft hatte. Meine Stiefel knallten in einer rasenden Geschwindigkeit auf den Boden. Die Wiese flog geradezu an mir vorbei. Meine Lungen zogen zischend die Luft ein, während ich versuchte, meine Beine zu noch mehr Eile anzutreiben.
      Dann war ich plötzlich durch das Tor. (Hm... ich würde das Tor des Bunkers ja nicht so einfach offen stehen lassen. Mal sehen, was sie noch erwartet...)

      Hinter mir trafen keuchend Anna und Lisa ein. Dem leisen Geknurre von der Wiese zur Folge, war dort immer noch eine wüste Schlägerei, aber es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass man uns verfolgte.


      Das Portal

      Mit gezückten Waffen schlichen wir tiefer in den Bunkerkomplex hinein. Die trapezartige Architektur ging auch in seinem Inneren weiter, nur war der Beton hier von einer bläulichen Farbe. In unregelmäßigen Abständen war zudem die Decke heruntergezogen und auch wenn der Gang nicht besonders lang war, wurde er damit sehr unübersichtlich. Das Zwielicht, was hier herrschte, tat sein Übriges.
      „Geschütze!“, zischte Lisa und zog mich zurück.
      Ich fluchte unterdrückt. An einem höhergelegenden Teilstück der Decke, waren tatsächlich zwei alte RX3 zu erkennen, die welche auf die Gangmitte zeigten.
      „Was nun?“, flüsterte ich. Wir mussten da durch. Es war eine Illusion zu glauben, dass die Wächter uns nicht gesehen hatten. Sobald Rick gebändigt war, könnten sie jederzeit auftauchen.
      „Wir laufen auf der Seitenstufe weiter“, schlug Lisa vor und zeigte auf die Wände. Dort waren, der ungewöhnlichen Architektur geschuldet, links und rechts ein dreißig Zentmeter hoher Versatz, der eine Art Stufe bildete. Breit genug um darauf herumzulaufen. Und die MGs waren nur auf das Zentrum des Weges gerichtet.

      „Gut“, hauchte ich zurück.
      Schnell und lautlos huschten wir an den Geschützen vorbei, die tatsächlich ruhig blieben. Sie bewegten sich noch nicht einmal. Vielleicht waren sie inaktiv? Ich wusste es nicht und einen Moment später, als wir aus dem Gang heraustraten, verschwendete ich auch keinen Gedanken daran. Zu bizarr war der Anblick, der sich uns bot. Inmitten einer gewaltigen Lagerhalle, die vollgestellt mit alten Kisten und ausgedienten Militärgerät war, stand ein gewaltiger Bunker.
      „Jetzt spinnen die hier komplett“, kommentierte Lisa das trocken.
      „Sieht irgendwie so aus wie eine Miniversion des großen Bunkers“, meinte Anna nachdenklich.
      „Miniversion ist gut. Das Teil ist gut und gerne drei Stockwerke hoch.“
      „Was mich viel mehr interessiert“, unterbrach ich die Frauen. „Was ist das für ein merkwürdiges Licht?“
      Ich deutete auf den Bunkereingang, aus dessen
      Inneren ein schwach pulsierendes Leuchten drang. Es war schon fast hypnotisch.
      „Ist dort das Portal?“, fragte Anna.
      „Ich hoffe es“, gab ich zurück. „Aber warum gibt es hier dann keine Soldaten?“
      „Weshalb sollten die auch in diesem muffigen Lager rumlaufen? Hier stinkt es doch überall nach Altöl. Ekelhaft!“ meinte Lisa und zuckte mit den Achseln. „Sie waren draußen an der frischen Luft. Würde ich auch so machen. Hier drinnen gibt es doch überall Selbstschussanlagen. Das reicht denen wohl.“
      Sie deutete auf die Bunkerdecke. In dessen Halbdunkel konnte ich mehrere RX3 ausmachen. Da keines auf uns reagiert hat, musste es wohl so sein, wie Rick gesagt hatte. Die Geschütze durften keine Gefahr für Menschen darstellen. Ich zweifelte aber keine Sekunde, dass die Dinger jeden Dinosaurier umnieten würden, der genauso ungeschützt hier rumstand wie wir.
      „Was machen wir jetzt?“, fragte Anna.
      „Wir sollten uns zum Inneren schleichen“, schlug ich vor. „Wir wollten nicht vergessen, dass hinter uns immer noch die Wächter kommen könnten.“
      Ohne weitere Worte näherten wir uns vorsichtig mit angelegten Waffen dem Licht. Die einzigen Geräusche, die zu hören waren, waren das schwache Quietschen unserer Sohlen auf den Gummiboden. Kaum das wir angekommen waren, huschten wir lautlos hinein.
      Dann blieben wir angewurzelt stehen.
      Vor uns schwebte eine fast zwei Meter große, schwach schimmernde Lichtkugel. Obwohl sie einerseits sehr hell war, blendete sie nicht. Kleinere Lichtpunkte, wie von einer Diskokugel, zogen über die Wände.
      Die Luft veränderte sich. Sie wurde kühler und es roch frischer, wie nach gemähter Weide. Geräusche, wie von Kirchturmglocken, drangen an mein Ohr. Irgendwo fuhr ein Auto vorbei. Ich meinte sogar eine Kettensäge zu hören, die weit weg am Arbeiten war.
      Ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, ging ich immer weiter zum Portal. Je näher wir kamen, desto beruhigender und hypnotischer wurde das Licht. Langsam hob ich die Hand und griff hinein.

      Ich hoffe, 1.5 Monate haben gereicht und du löst den fiesen Cliff endlich auf ;)
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • Spoiler anzeigen
      Wie weit sind sie denn vom Portal weg, dass sie durch das hohe Gras sehen können, wohin der gewundene Pfad führt bzw. wie hoch ist das Gras? haben sie keine Angst, dass auf dem Pfad eine Patroullie entgegenkommen könnte?
      Sie folgen dem Pfad und merken nach einer Weile, dass er zum Portal führt. Scheinbar wird das nicht klar. Schade, aber den Satz habe ich so oft umgeformt, dass wohl der Sinn verfälscht wurde. Da setzte ich mich eventuell noch mal ran.
      Sie haben zudem doch die Patrouillien weggelockt, daher können sie unbehellig bis zum Portal laufen. ;)

      Es tut mir leid, wenn ich das sage, aber irgendwie reißt mich der Text nicht sonderlich mit. Könnte zum einen daran liegen, dass du zu viele nichtssagende Verben wie waren verwendest. Zum anderen, dass die Beschreibungen ein wenig nüchtern sind.
      Ja, das kann gut sein. Zischendurch war meine Motivation "endlich fertig werden". Hätte ahnen können, dass sich das ein wenig in meinem Schreibstil niederschlägt. Ich überarbeite es vielleicht noch einmal.

      Man ist hier eigentlich ein Stilbruch. Du schreibst ja aus der Sicht von Torn, daher müsste es "sah ich ihm an" heißen.
      Das überprüfe ich ebenfalls.

      Zudem könnte sich seine Einschätzung bzgl. der Wachen auch als falsch herausstellen. Außerdem dachte ich, sie wären noch ein gutes Stück entfernt. Hat Torn etwa Adleraugen oder stelle ich mir einfach nur vor, dass sie zu weit weg sind?
      Ein gutes Stück entfernt ja, aber sooooo groß ist der Bunker auch wieder nicht. Da Rick zudem offenkundig dieselbe Einschätzung bezüglich der Wachen hat wie Torn (und Rick das Portal und die hypnotisierende Wirkung im Inneren kennt, ist es klar, warum die Soldaten nur von außen das Ding bewachen).


      Ich schaue mir auch die ganzen kritisierten "und"s mal an. Sollte kein großes Thema sein. Danke auf jeden Fal für deine Anmerkungen. Sie waren wie üblich sehr gut und sehr spezifisch. Ebenso deine zahlreichen Korrekturen. Ich denke, die werde ich die Tage auch einpflegen und dann die korrigierte Fassung hier hochladen. Das kann ich auch bei der Hitze noch schaffen.

      Leider hat mich die besagte Hitze geistig ausgeknockt. Ich schaffe es derzeit unmöglich die Konzentration zum Schreiben aufzubringen, daher verzögert sich hier alles. Dazu kommt noch, dass ich mit meinem bisherigen Text unzufrieden bin und ihn noch überarbeiten muss. Das mit dem Cliffhanger tut mir sehr leid, das war nicht so geplant, das ihr wochenlang auf eine Erlösung warten müsst. Aber ich denke, sobald es abkühlt und ich etwas Zeit habe, werde ich die letzten Züge der Geschichte hinbekommen. :)
    • So, das kommt davon, wenn man im Urlaub zwar liest, aber das Kommentieren später nachholt. Einen Teil hatte ich vergessen. Anmerkungen wie immer im Spoiler.
      Spoiler anzeigen

      Schreibfeder schrieb:

      Er half uns auf die Beine und deutete dann auf ein Stück Wegesrand, wo Farn, Fettblätter und Büsche arg niedergetrampelt aussahen.
      „Das ist der Pfad einer Laufechse. Die verlassen die schützenden Wälder nur sehr ungern, sind dafür aber umso sturer, was ihre angestammten Jagdgründe angeht. Dieser Weg wird uns in einem gewaltigen Bogen auf die Wiese zum Portal führen. Nur für den Fall, dass die Grenzwache der Meinung sind, sie könnten uns auf dem direkten Weg abfangen.“

      Als wir nach einer Weile wieder auf die Wiese traten, war weit und breit nichts mehr vom Weg zum „Nest“ zu erahnen. Der Bogen musste sogar noch größer sein, als Rick geahnt hatte. Diese Einschätzung bestätigte mir auch die Sonne, die zwischen den Blättern rötlich hindurchschimmerte. Und noch etwas bemerkte ich: In der Mitte der Wiese war ein Gebäude aufgetaucht.
      Zwar war es freilich noch sehr weit weg, aber es war ersichtlich, dass es ein verdammt hohes und wuchtiges Gebäude war. Es wirkte fast wie ein Bunker, obgleich ich nicht viel mehr als einen Schatten (Ich glaube, "Umriss" würde es besser treffen und der nächste Satz ist fast ein wenig überflüssig.) erkennen konnte. Für Details war es einfach noch zu dunkel.
      Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder war es ein Munitionslager, was es ja hier irgendwo wirklich geben sollte, oder aber es war das Portal.
      Ersteres bezweifelte ich irgendwie. Die Wiese neigte sich nicht in Richtung eines alltäglichen Waffenlagers. Es machte viel mehr Sinn, dass wir das Portal gefunden hatten. Vermutlich innerhalb eines gewaltigen Schutzbunkers. Hatte Rick nicht auch so etwas erwähnt? Ich war mir nicht sicher. Die Anstrengungen forderten auch einen geistigen Tribut.
      Rick hingegen bedrückte der Zeitverlust nicht. Ganz offenbar hatte er noch einen Plan in der Hinterhand. Er bedeutete uns kurz zurückzubleiben und eilte allein auf die Wiese. Nach guten hundert Metern holte er etwas unter seiner Uniformjacke hervor. Ich konnte nur ein schmutzig-graues Paket erkennen, was mich aus irgendeinem Grund an eingeschlagenen Fisch vom Markt erinnerte. Vorsichtig riss er das Einpackpapier auf und deponierte dessen Inhalt auf der Wiese, bevor er eilig zu uns zurückkam.
      „Was war das?“, hörte ich mich fragen.
      „Halb verwestes Typo-Fleisch“, antwortete er mir in einem Tonfall, als sei das eine ganz besondere Delikatesse.
      „Und damit läufst du herum? Unter deine Jacke gepresst?“, fragte Lisa angewidert. „Ist ja ekelhaft.“
      Rick fing an breit zu grinsen: „Ich will es ja nicht essen.“
      Er deutete auf einen Strauch in vielleicht zweihundert Metern Entfernung und fügte an: „Dort verstecken wir uns und warten ab.“
      Ich musste zugeben: Für einen Beobachtungsposten war der Ort gut gewählt. Hinter dem Gehölz bildete das Unterholz eine dichte Wand und wer auch immer sich näherte, würden wir dort unzweifelhaft hören.
      „Wir warten? Worauf?“, bohrte ich dennoch nach. Ich vertraute ihm ja, machte mir aber Sorgen um sein Timing. Inzwischen war die Sonne vollständig aufgegangen, auch wenn ein schwacher, roter Schimmer noch immer am Himmel zu erahnen war. Der Leutnant könnte uns durchaus überholt haben und vor uns am Portal warten.
      „Wir warten auf einen Grenzläufer.“
      „Auf einen ... was?“, fragte ich.
      Er winkte ab. „Ich erkläre es euch später. Jetzt sollten wir verschwinden, bevor er uns auf freiem Feld überrascht.“ (In dem ganzen Abschnitt würde ich gerne etwas mehr über Torns Innenleben erfahren. Er wirkt irgendwie ein wenig nüchtern.)


      Das Gebüsch war ein guter Lagerplatz. Vor allem die olivgrüne Kleidung tarnte uns und selbst unsere verdreckten Gesichter kamen uns jetzt zugute. Als wir uns alle etwas erholt hatten, hakte ich dann dennoch nach: „Was ist ein Grenzläufer?“
      „Ein Grenzläufer. Das sind ...“, fing er an, doch ein fast unhörbares Knacken erschallte im Wald.
      „Still jetzt!“, hauchte Rick und kauerte sich hinter seinem Gewehr.
      Wir folgten seinem Beispiel und spähten in alle Richtungen. Eine bleierne Ruhe breitete sich aus. Ein Raubtier war auf Beutezug. Um das zweifelsfrei zu erkennen, hatte ich genug Erfahrung.
      Ruhig atmete ich ein und aus und behielt meine Umgebung im Auge. Langsam strich eine Schnauze eines mittelgroßen Dinosauriers durch die Blätter in der Nähe. Ein gutes Stück von uns entfernt, aber nahe genug, um Details erkennen zu können. Das Tier sah aus wie ein übergroßer Rep, war aber augenscheinlich nicht mit denen verwandt. Auch die Färbung der Schuppen stimmte nicht. Diese hier waren orange-grünlich. Zudem ging ein großer Schulterkamm wie ein Irokesenschnitt vom Schädel über den langen Hals entlang. Aber es war ein Raubtier, das sah man deutlich. Und damit eine potenzielle Bedrohung für uns.
      Ich hatte keinen Zweifel, dass das einer der besagten Grenzläufer war, doch der Saurier schien kein Interesse an uns zu haben. Stur rannte er auf die Wiese und fing genüsslich an das Fleisch zu verschlingen, als wenn es eine Süßigkeit wäre.
      Plötzlich zerriss eine Gewehrsalve die Stille.
      Das Tier bäumte sich auf. Es war getroffen. Unsere Gewehre klapperten. Keiner von uns hatte geschossen. Weitere Schüsse knallten und das Tier brach zuckend zusammen.
      „Wer schießt denn da?“, fauchte Anna nervös.
      Ricks Hand zuckte hoch. „Still!“
      Nach wenigen Momenten kam ein Geländewagen mit einem Affenzahn angerauscht. Ein solches Gefährt hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte wie eine Mischung aus Quad und extrabreitem Jeep, auf dessen Überrollbügel jemand ein schweres MG geschraubt hatte. RX2 oder RX3, schätzte ich. Mit schlitternden Reifen kam der schwere (klobige/große/wuchtige) Wagen neben dem getöteten Tier zum Stehen.
      Verdammt, das musste eine Grenzpatrouille sein. Was zur Hölle hatte Rick denn jetzt vor?
      Seine Hand blieb unmissverständlich erhoben. Wir sollten uns nicht rühren, das war klar. Angespannt schwiegen wir.
      Plötzlich hörte ich den MG-Schützen zum Fahrer rufen: „Marc, schau nach, ob das Vieh wirklich tot ist. Ich gebe dir Feuerschutz.“
      „Aye“, rief dieser zurück und sprang aus dem offenen Geländewagen. Mit einem Gewehr in der Hand näherte er sich vorsichtig dem niedergeschossenen Grenzläufer.
      „Ist tot, Jeff“, schrie er zum Wagen und eilte wieder zurück.
      „Okay, dann lass uns gleich zum Bunker fahren.“
      „Ist das wirklich nötig?“
      „Ja! Das Vieh dürfte nicht hier sein. Da versammelt sich wieder ein Rudel. Du kennst die Vorschrift.“
      „Aye“, antwortete Mark, der inzwischen sein schweres Gefährt wieder erreicht hatte und sich auf den Fahrersitz schwang. „Na. Dann mal los.“
      Mit durchdrehenden Reifen entfernte sich der Geländewagen wieder und Rick ließ die Faust sinken.
      „Was sollte das denn?“, fragte ich ihn erstaunt.
      „Das war die Grenzwache. Es gibt immer ein paar von den schweren Jeeps hier draußen. Aber nun glauben sie, dass es ein Rudel Grenzläufer gibt und versammeln sich am Munitionsbunker“, erklärte Rick und klang dabei sehr zufrieden. „Der ist ein paar Kilometer vom Portal entfernt. Von denen traut sich heute niemand mehr hier raus. Also los. Das ist unsere Chance durchzubrechen.“
      Ich blickte ihn erstaunt an. Das hatte er alles von langer Hand durchgeplant.
      „Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“, schnaubte Lisa verärgert, die denselben Schluss gezogen hatte. „Du hättest uns was sagen müssen.“
      „Wozu denn? Und jetzt kommt weiter. In den Spuren der Patrouille bleiben! Im niedergedrückten Gras kommen wir leichter voran. Los jetzt und kein Zögern mehr! Nun heißt es wieder marschieren.“
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • Ich stelle gerade fest, dass ich hier noch nie geschrieben habe, aber das muss ich dringend nachholen, denn heute Morgen bin ich am vorläufigen Ende angekommen.
      Schon vor einigen Monaten (oder Jahren, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr) habe ich angefangen zu lesen. Dein Schreibstil überzeugte mich, aber das Setting war für mich einfach nicht so ansprechend. Ich interessiere mich leider weder für Dinos, noch für Militär. Deshalb hatte ich damals nicht weit gelesen.
      Vor ein paar Wochen dann habe ich der Geschichte eine zweite Chance gegeben und sie hat mich schnell gepackt. Die Charaktere sind interessant, es passieren spannende Ereignisse und insgesamt riecht da was gewaltig nach Verschwörung.
      Torn kommt bei mir an als kleiner Besserwisser, der sich mit vielem auskennt und immer gleich seine Schlüsse ziehen und Pläne schmieden will. Ein bisschen voreilig ist er, man sieht es auch an seinem überstürzten Ausbruch. Ohne Rick wären sie doch nicht weit gekommen. Ich bin gespannt, was da noch auf ihn zukommt.
      Auf der anderen Seite gibt es die verschiedenen Kräfte im Lager, die so zerstritten sind. Ich finde, die Darstellung davon ist dir sehr gut gelungen, so stell ich es mir an manchem Arbeitsplatz vor. Und gerade wenn sie in einer solch nervenzerfetzenden Situation aufeinanderhocken, sind diese Konflikte vorprogrammiert. Schön fand ich, dass Lya ihren Vater verteidigt hat. Ich denke, aus ihrer und seiner Sicht stellt sich der Konflikt etwas anders dar und auch hier hat Torn vielleicht vorschnell geurteilt.
      Die Geschehnisse im Lager finde ich also sehr interessant, während mich das Grundsetting weiter nicht überzeugt. Es gibt immer noch keine überzeugende Erklärung, warum sie fast tote Leute in tote Körper transferieren, die dann plötzlich wie von Zauberhand geheilt sind. Und durch die in der Kreidezeit geborenen, die durch die Zeit reisen um zu studieren und auch die neuen Soldaten die kürzlich angekommen sind, ist ja praktisch widerlegt, dass ein Transport in die Vergangenheit zu aufwendig ist. Abgesehen davon, dass ich mich frage, was für eine Technik die verwenden, denn das erscheint mir eher wie Zauberei.
      Auch ist mir die Anordnung der Lager nicht ganz klar. Sie wollen das Tor beschützen, bauen aber mehrere Lager drumherum, die dann praktisch nur sich selbst vor Angriffen bewahren. Würde es nicht mehr Sinn machen, ein großes Lager um das Tor herum zu bauen? Oder mehr Festungsanlagen wie diesen Bunker, womöglich sogar kreisförmig angeordnet? Stacheldrahtzäune oder Mauern? Schützengräben? Oder: Lasst die Viecher durchkommen und erschießt sie einzeln auf der anderen Seite. Wenn man Fleisch und Leder verkauft, könnte man sogar Geld damit verdienen. Na gut, jetzt wird es abwegig, man will das Tor ja vermutlich geheim halten.
      Und warum gab es in Torns Lager kein Auto, wenn die am Tor doch scheinbar mehrere davon haben. Wenigstens eines für Notfälle sollte doch vorhanden sein.
      Naja, das war es erst mal. Ich bin jetzt gespannt, was hinter dem Tor wartet. Vermutlich besagte Wissenschaftler. :) Und es gibt immer noch die Möglichkeit, dass das alles eine riesige Verschwörung ist und meine Probleme mit dem Setting dadurch aufgelöst werden.
      Viel Spaß und Erfolg noch.
      LG Dinteyra
      "Run like hell, because you always need to. Laugh at everything, because it's always funny ...
      Never be cruel and never be cowardly, and if you ever are, always make amends ..."

      -The Doctor