Die Todgeweihten (Zeitreise)

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    • Oh, jetzt wird es interesant! Wir nähern uns dem Finale. Ich bin jedenfalls gespannt, nach was Rick da tastet und was du für die Truppe noch alles bereit hältst. Ich denke, uns erwartet noch mindestens ein großer Kampf und Enthüllung.

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      Schreibfeder schrieb:

      Als das Wimmern des Flugsauriers hinter uns verstummte, durchschoss mich ein Gedanke siedendheiß.
      „Gibt es hier eigentlich eine Luftüberwachung?“
      Rick schüttelte den Kopf. „Nein. Die Amerikaner haben eine, aber bei uns war jeder Versuch zwecklos. Unsere Maschinen wurden von den Flugsauriern als Provokation gesehen und sofort angegriffen. Nur schwere Einheiten können sich behaupten. Apache heißen die doch, oder? Diese Kampfhubschrauber der Amerikaner meine ich. Naja, die können sich noch wehren, die sind auch schnell und wendig genug. Alles andere wird innerhalb von einigen Stunden zu Schrott.“ Dann fügte er noch kopfschüttelnd hinzu: „Die großen Arten der Flugsaurier dulden keine Konkurrenz (am Himmel). Es hat in den Anfangstagen drei Piloten das Leben gekostet, bis wir das herausgefunden hatten. Anfangs dachte man, es wären Zufälle gewesen. Spontane Aggressionen. Es musste erst zum Unglück kommen, bis man darauf kam, dass Flugsaurier meilenweit sehen können und sich von allem Möglichen provoziert fühlen. Tatsächlich ist es sogar das elementare Paarungsverhalten der Tiere. Sie müssen dominant auftreten, um sich selbst die besten Weibchen zu sichern. Außerdem müssen sie in der Lage sein, ausreichend Beute zu machen. In der Brutzeit hüten die Weibchen die Nester und müssen daher gefüttert werden. Also sehen sie alles als Bedrohung an, was fliegt. Kleinere Saurierarten, also alle unter fünf Meter Flügelspannweite, jagen deshalb nur nachts, in der Dämmerung, oder sind flink genug, um bei Gefahr ausweichen zu können. Gelingt aber nicht vielen. Wir finden ständig Kadaver und sehen auch oft genug Luftkämpfe, wenn das Wetter klar ist. Es ist eine harte Welt hier draußen.“
      Dann verstummte er und wir marschierten schweigend weiter durch die matschige Wiese. Kilometer um Kilometer. Die Zeit verrann nur zäh und genauso unerbittlich zehrte das Gelände an unseren Kräften. Unser Atem ging immer keuchender. Der Schlick klebte an den Stiefeln und so langsam spürte ich, wie meine Socken sich voller Feuchtigkeit sogen. Das Schlammloch rächte sich nun, denn der Stoff fing bei jedem Schritt an zu scheuern. Meine Muskeln protestierten immer stärker. Den anderen erging es noch schlimmer (nicht viel besser). Hinter mir brach Lisa stolpernd zur Seite weg und kurz darauf versank auch Annas Stiefel in einer tiefen Pfütze. Mit müden Bewegungen richteten sich beide auf und marschierten eisern weiter. Das konnte nicht ewig so weiter gehen.
      „Wir müssen eine Pause machen“, rief ich keuchend Rick zu. Dieser blickte sich um, sah unseren Zustand und setzte sich dankbar hin. Auch er war mit seinen Kräften am Ende angekommen. Er konnte es nur etwas besser kaschieren.
      Lisa und Anna ließen sich in die schlammige Wiese fallen und holten einfach nur hechelnd Luft. Müde griff ich zu meinem Wasserschlauch und trank in gierigen Schlucken, bevor ich mich zur Mäßigung zwang.
      Rick stellte das Gewehr zwischen seine Beine und legte müde sein Kinn darauf ab. Ihm schien der Marsch ebenfalls schwer zuzusetzen. Ich reichte ihm stumm meine Wasserflasche und er nahm sie dankend und trank langsam.
      „Bis du dir sicher, dass man die Schüsse gehört hat?“, fragte ich ihn.
      „Du fragst wegen unserem Marschtempo, nicht wahr?“, begann Rick und seufzte laut. „Es gibt kaum einen Zweifel. Nein, das Problem ist auch nicht, dass der Grenzpatrouille Bescheid gegeben wurde, sondern eher, was der Leutnant ihnen erzählen wird (ihnen erzählt hat).“
      Ich verstand und fragte sofort nach: „Wie geht es also jetzt weiter?“
      „Wir müssen noch ein gutes Stück zu Fuß gehen, später dann aber auf den Waldrand achten. Je weiter wir uns von den Rep-Nestern entfernen, desto mehr andere Raubsaurier gibt es. Die meisten davon meiden die Wiese. Wenn sich dort etwas bewegt, sind es meistens Pflanzenfresser. Gefährlich wird es erst, wenn die Wälder zurückgehen und wir ins Grenzgebiet eintauchen.“
      „Warum?“, wollte Lisa wissen.
      „Weil dort die Grenzwache ist“, antwortete Rick mit ruhiger Stimme. „Aber jetzt keine Panik. Das Gebiet ist riesig und die Anzahl der Soldaten gering. Wenn wir etwas aufpassen, sollten wir uns einigermaßen durchboxen können.“
      „Wie lange, meinst du, haben wir noch?“, fragte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
      Rick musterte noch einmal gründlich die Umgebung, bis er schließlich die Hand hob und am Waldrand entlang zeigte. „Wir sind weiter, als gedacht. Noch grob fünf Kilometer, dann weichen die Palmen zurück und vor uns eröffnet sich das baumlose Grenzland. Dann noch ungefähr fünfzehn bis zwanzig Kilometer bis zum Portal.“
      „Ein ziemlich großes Gebiet, was es da zu bewachen gibt“, meinte ich und Rick stimmte mir zu: „Das Gelände ist flach und ohne Deckung, daher meiden es alle größeren Dinosaurier. Schließlich sind sie auf der Steppe nicht heimisch, sondern in den Wäldern. Dementsprechend sind unsere Patrouillen auch ausgestattet. Kommt weiter jetzt. Ich erkläre euch den Rest, wenn wir im Grenzgebiet angekommen sind.“
      „Kann es sein, dass es heller wird?“, fragte Lisa erschöpft und wir alle musterten sofort den Himmel.
      „Du hast Recht“, stimmte ihr Rick zu und erklärte sofort weiter: „Die Sonne geht zur jetzigen Jahreszeit nur für ungefähr vier bis fünf Stunden unter. Drei Stunden haben wir mit Sicherheit schon hinter uns. Vielleicht haben wir auch zu lange im Lager gewartet, oder zu viel Zeit im Wald verbracht.“
      „Deine Fehleinschätzungen gefallen mir nicht“, moserte Lisa. „Wer sagt denn, dass du auch mit Verfolgern Recht behältst. Die könnten jetzt schon hinter uns her sein.“
      Rick zuckte hoch und musterte die Wiese hinter uns. Er wurde merkbar unruhiger. Trotz meiner Erschöpfung war mir klar, dass er die Strecke schon einmal gegangen war. Nicht nur, weil er wusste, wo das Portal lag und das Gelände kannte. Auch wegen seines Benehmens auf dem Marsch. Als er seinerzeit wohl zum Portal fliehen wollte, gab es keine Verfolger. Aber wir waren auch eine viel größere Gruppe. Gleich vier Deserteure, dass konnte der Leutnant nicht auf sich sitzen lassen. Es ließ ihn schwach aussehen. Angesichts der Tatsache, dass er ohnehin schon auf der Abschussliste des Oberst stand, war es ungewöhnlich (unmöglich), dass er das durchgehen lassen konnte (tolerieren konnte).
      Ricks Gedanken gingen in eine ähnliche Richtung, denn seine Lippen formten lautlos die Worte „Der Oberst“.
      Dann sprang er plötzlich auf. „Wir müssen weiter, nun macht schon. Wir müssen uns beeilen!“
      Mit einer Ruhe, die mir selbst fremd war, widersprach ich ihm: „Nein, wir brauchen noch zehn Minuten Pause. Wenn wir uns hetzen, verlieren wir nur unnötig Kraft. Vergesse (Vergiss) nicht, dass es keine Autos im Lager gibt und wir einen Vorsprung von über einer Stunde haben.“
      „Was ist mit der Panzerhaubitze?“, fragte Anna vorsichtig dazwischen.
      „Die brauchen sie selbst und dürfte auch kaum genug Sprit haben“, schätzte ich und blickte hilfesuchend zu Rick auf. Dieser setzte sich langsam wieder und schien sich beruhigt zu haben.
      „Ja, tut mir Leid, mein Fehler“, murmelte er. „Sie kämpfen mit denselben Einschränkungen wie wir. Außerdem müssen sie uns zu Fuß verfolgen. Wir haben den Zeitvorteil auf unserer Seite, also die besseren Chancen.“
      „Abgesehen davon, dass wir jetzt von zwei Seiten in die Zange genommen werden“, erinnerte uns Lisa warnend. „Auf der einen Seite die Grenzwache, auf der anderen der Leutnant.“
      „Stimmt, aber wir sind fast da. Nur noch fünf Kilometer bis zur Grenze, das ist also zu schaffen. Wir tauchen gleich in die Bäume ein und sind dann außer Sicht. Das sollte uns vorerst genug Deckung geben“, übernahm ich die Initiative und warf dann einen schnellen Blick auf Rick zu. Dieser nickte und fügte hinzu: „Wir machen noch einige Minuten Pause und gehen mit dem Tempo etwas runter. Zwischen den Palmen versuchen wir, möglichst wenig Spuren zu hinterlassen und schlagen einen kleinen Bogen. Das sollte uns ausreichend Abstand zur Grenzwache einbringen. Dann auf direktem Weg über die Steppe. Das Gelände ist riesig und auf diesem Weg erwartet uns keiner.“
      „Wenn du nicht auch hierbei falsch liegst“, rutschte Lisa raus und legte fast gleichzeitig die Hand auf den Mund. „Oh, sorry, das meinte ich nicht so, wie es klang. Es tut mir ehrlich Leid. Ich meine, ich bin dir echt dankbar und es ist klar, dass du auch Fehler machen kannst, also von daher...“
      „Kein Problem“, fiel ihr Rick ins Wort. „Überlege selbst einmal, wie du so etwas Großes wie das Portal vor Horden von Dinosauriern schützen würdest. Also ich würde jeden Quadratmeter darum niederbrennen, es mit Wachposten spicken und darüber hinaus jede Technik benutzen, die mir so einfällt. Also Selbstschussanlagen, dessen Wärmesensoren nur auf Dinosaurier anschlagen. Ein paar Panzerminen, für den Fall, dass irgendwas Schweres angreift und so weiter. Aber nichts davon darf auch nur im Entferntesten eine Gefahr für Menschen oder Maschinen darstellen.“
      Er warf einen kurzen Blick auf Lisa, bevor er dann weiterfuhr: „Und: Ja, ich bin mir sicher, dass sie keine Gefahr für Menschen darstellen dürfen. Bis vor ein paar Jahren hatten wir am Lager nämlich nicht nur eine Minensperre, sondern auch einige Selbstschussanlagen. Bis die Sensoren irgendwann nicht mehr richtig funktionierten. Feuchtigkeit sickerte überall auf die Platinen und ließ sie korrodieren, oder so. Hätten mich mal fast umgepustet. Auf jeden Fall mussten wir damals alle Geschütze abbauen und hierher verfrachten. Das hatte damals der Oberst persönlich überwacht. Bei so etwas verstehen sie hier keinen Spaß.“
      „Wollen wir dann mal weiter?“, fragte ich ihn vorsichtig. Das Gespräch hatte länger gedauert, als geplant. Er nickte, stand auf und klopfte sich etwas Dreck von seiner Uniform. Die Rast hatte ihm gut getan. Auch wir anderen stellten uns wieder hin und verzogen schmerzerfüllt die Gesichter, als wir unsere steifen Muskeln wieder belasteten. Aber etwas Bewegung würde uns gut tun und sie wieder lockern.
      „Na, dann“, meinte Rick und tastete nach etwas unter seiner Brust. „Dann lasst uns das vorletzte Stück anpacken.“
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • Also die nächsten Seiten wären ja geschrieben. Nur hochstellen mag er es nicht. Und nein, meine Schuld ist es nicht. Ich hab es noch nicht gelesen, auch wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. @Schreibfeder, wir warten.
      Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.
      Richard Atwater
    • Hallo Schreibfeder,
      ich weiß nicht wie ich hierher geraten bin, wahrscheinlich so wie Torn in die Kreidezeit. :D
      Aber einmal da, bin ich geblieben. Ich hab den ganzen Thread bis jetzt (bin erst bei dem Teil kurz nach dem Angriff aufs Nest) aufmerksam verfolgt. In manchen Meinungen find ich mich wieder, in manchen nicht. Grundsätzlich gefällt mir dein Stil gut, der Prota ist eine coole Socke und scheint sich nicht allzu viel Gedanken zu machen außer dem, wie er hier wegkommt. Find ich zwar ein bisschen früh, denn er kennt außer der Lichtung ja gar nichts von dieser Welt/Zeit, aber das muss er selber wissen.

      Zwei Dinge sind mir aufgefallen bis jetzt :

      Schreibfeder schrieb:

      rannte ich zur nächsten Verschanzung. Mit Schwung rollte ich über die Kisten und landete sicher in Deckung

      Schreibfeder schrieb:

      hinter denen sich Soldaten verschanzt hielten.

      Schreibfeder schrieb:

      und robbte in die Position
      Ich kann mir nicht helfen, aber das wirkt auf mich so ein bisschen wie Grabenkrieg. Als ob mit Gegenfeuer gerechnet werden müsste. Sind die Kisten, das Verschanzen und das Robben wirklich hilfreich im Kampf gegen die Raptoren? Ich glaube, ein Kistenstapel hält sie nicht auf...

      Und das Andere ist: Wenn Lya ÄRZTIN ist aber in der kreidezeit geboren wurde, hat sie dann eine Ausbildung irgendwie? Oder learning by doing? Oder einen Mentor? Eine Vorgänger, dem sie von Kind auf auf die Finger geschaut hat?

      Bis dahin erstmal, aber ich bleibe dran!

      VG Tariq


      Waaaahhh, hab grad die Postings über mir gelesen! Du hast echt nicht weitergeschrieben an der Geschichte? Bzw. sie nicht reingestellt? Warum denn nicht? Ich würd schon gern wissen, wie's ausgeht...
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Tariq schrieb:

      Waaaahhh, hab grad die Postings über mir gelesen! Du hast echt nicht weitergeschrieben an der Geschichte? Bzw. sie nicht reingestellt? Warum denn nicht? Ich würd schon gern wissen, wie's ausgeht...
      Ich warte auch schon ne Weile^^ Mal sehen, ob und wann es hier weitergeht :) In aller Ruhe weg.

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Moment. Keine falschen Schlüsse ziehen. Ich habe tatsächlich weitergeschrieben. Bin sogar recht weit gekommen. Und so einiges ist rausgeworfen worden (hatte nen Zwischenstand sogar mal im "das macht mich happy" gepostet).
      Der neue Stand kommt. Inklusive sämtlicher Korrekturen, die ich hier bereits versprochen habe. Vielleicht noch diese oder nächste Woche. (Hab Urlaub, kann aber nichts versprechen. Ich bin gerade mitten im Jobwechsel und stehe ziemlich unter Druck.)


      @Tariq zu deinen Fragen:

      Eigentlich sind die so dicht am Boden, damit sie kein Querschläger oder das verbündete Sperrfeuer trifft. Ich werde mir dem Text natürlich angucken und eventuell umformulieren, wenn es auch mir beim durchlesen jetzt unklar ist.

      Zum zweiten. Also irgendwo (nach der nächtlichen Schlacht im Gespräch mit Lya (Seite 8)) steht, dass Lya in der Kreidezeit ihre Ausbildung gemacht hat. Sie ist in einem anderen Lager versetzt worden und hat dort dann zweieinhalb Jahre eine Ausbildung gemacht.
    • Neu

      Ich habe die komplette Geschichte umfangreich überarbeitet und kann nun sogar einen neuen Teil hochladen. Viel Spaß damit. Wie immer freue ich mich über jedes Kommentar und/oder Verbesserungsidee. Ich hoffe auch, ihr kommt wieder rein, es war doch schon eine laaaange Zeit wo ich hier nichts mehr hochgeladen hatte. :)

      _______

      Er half uns auf die Beine und deutete dann auf ein Stück Wegesrand, wo Farn, Fettblätter und Büsche arg niedergetrampelt aussahen.
      „Das ist der Pfad einer Laufechse. Die verlassen die schützenden Wälder nur sehr ungern, sind dafür aber umso sturer, was ihre angestammten Jagdgründe angeht. Dieser Weg wird uns in einem gewaltigen Bogen auf die Wiese zum Portal führen. Nur für den Fall, dass die Grenzwache der Meinung sind, sie könnten uns auf dem direkten Weg abfangen.“

      Als wir nach einer Weile wieder auf die Wiese traten, war weit und breit nichts mehr vom Weg zum „Nest“ zu erahnen. Der Bogen musste sogar noch größer sein, als Rick geahnt hatte. Diese Einschätzung bestätigte mir auch die Sonne, die zwischen den Blättern rötlich hindurchschimmerte. Und noch etwas bemerkte ich: In der Mitte der Wiese war ein Gebäude aufgetaucht.
      Zwar war es freilich noch sehr weit weg, aber es war ersichtlich, dass es ein verdammt hohes und wuchtiges Gebäude war. Es wirkte fast wie ein Bunker, obgleich ich nicht viel mehr als einen Schatten erkennen konnte. Für Details war es einfach noch zu dunkel.
      Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder war es ein Munitionslager, was es ja hier irgendwo wirklich geben sollte, oder aber es war das Portal.
      Ersteres bezweifelte ich irgendwie. Die Wiese neigte sich nicht in Richtung eines alltäglichen Waffenlagers. Es machte viel mehr Sinn, dass wir das Portal gefunden hatten. Vermutlich innerhalb eines gewaltigen Schutzbunkers. Hatte Rick nicht auch so etwas erwähnt? Ich war mir nicht sicher. Die Anstrengungen forderten auch einen geistigen Tribut.
      Rick hingegen bedrückte der Zeitverlust nicht. Ganz offenbar hatte er noch einen Plan in der Hinterhand. Er bedeutete uns kurz zurückzubleiben und eilte allein auf die Wiese. Nach guten hundert Metern holte er etwas unter seiner Uniformjacke hervor. Ich konnte nur ein schmutzig-graues Paket erkennen, was mich aus irgendeinem Grund an eingeschlagenen Fisch vom Markt erinnerte. Vorsichtig riss er das Einpackpapier auf und deponierte dessen Inhalt auf der Wiese, bevor er eilig zu uns zurückkam.
      „Was war das?“, hörte ich mich fragen.
      „Halb verwestes Typo-Fleisch“, antwortete er mir in einem Tonfall, als sei das eine ganz besondere Delikatesse.
      „Und damit läufst du herum? Unter deine Jacke gepresst?“, fragte Lisa angewidert. „Ist ja ekelhaft.“
      Rick fing an breit zu grinsen: „Ich will es ja nicht essen.“
      Er deutete auf einen Strauch in vielleicht zweihundert Metern Entfernung und fügte an: „Dort verstecken wir uns und warten ab.“
      Ich musste zugeben: Für einen Beobachtungsposten war der Ort gut gewählt. Hinter dem Gehölz bildete das Unterholz eine dichte Wand und wer auch immer sich näherte, würden wir dort unzweifelhaft hören.
      „Wir warten? Worauf?“, bohrte ich dennoch nach. Ich vertraute ihm ja, machte mir aber Sorgen um sein Timing. Inzwischen war die Sonne vollständig aufgegangen, auch wenn ein schwacher, roter Schimmer noch immer am Himmel zu erahnen war. Der Leutnant könnte uns durchaus überholt haben und vor uns am Portal warten.
      „Wir warten auf einen Grenzläufer.“
      „Auf einen ... was?“, fragte ich.
      Er winkte ab. „Ich erkläre es euch später. Jetzt sollten wir verschwinden, bevor er uns auf freiem Feld überrascht.“

      Das Gebüsch war ein guter Lagerplatz. Vor allem die olivgrüne Kleidung tarnte uns und selbst unsere verdreckten Gesichter kamen uns jetzt zugute. Als wir uns alle etwas erholt hatten, hakte ich dann dennoch nach: „Was ist ein Grenzläufer?“
      „Ein Grenzläufer. Das sind ...“, fing er an, doch ein fast unhörbares Knacken erschallte im Wald.
      „Still jetzt!“, hauchte Rick und kauerte sich hinter seinem Gewehr.
      Wir folgten seinem Beispiel und spähten in alle Richtungen. Eine bleierne Ruhe breitete sich aus. Ein Raubtier war auf Beutezug. Um das zweifelsfrei zu erkennen, hatte ich genug Erfahrung.
      Ruhig atmete ich ein und aus und behielt meine Umgebung im Auge. Langsam strich eine Schnauze eines mittelgroßen Dinosauriers durch die Blätter in der Nähe. Ein gutes Stück von uns entfernt, aber nahe genug, um Details erkennen zu können. Das Tier sah aus wie ein übergroßer Rep, war aber augenscheinlich nicht mit denen verwandt. Auch die Färbung der Schuppen stimmte nicht. Diese hier waren orange-grünlich. Zudem ging ein großer Schulterkamm wie ein Irokesenschnitt vom Schädel über den langen Hals entlang. Aber es war ein Raubtier, das sah man deutlich. Und damit eine potenzielle Bedrohung für uns.
      Ich hatte keinen Zweifel, dass das einer der besagten Grenzläufer war, doch der Saurier schien kein Interesse an uns zu haben. Stur rannte er auf die Wiese und fing genüsslich an das Fleisch zu verschlingen, als wenn es eine Süßigkeit wäre.
      Plötzlich zerriss eine Gewehrsalve die Stille.
      Das Tier bäumte sich auf. Es war getroffen. Unsere Gewehre klapperten. Keiner von uns hatte geschossen. Weitere Schüsse knallten und das Tier brach zuckend zusammen.
      „Wer schießt denn da?“, fauchte Anna nervös.
      Ricks Hand zuckte hoch. „Still!“
      Nach wenigen Momenten kam ein Geländewagen mit einem Affenzahn angerauscht. Ein solches Gefährt hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte wie eine Mischung aus Quad und extrabreitem Jeep, auf dessen Überrollbügel jemand ein schweres MG geschraubt hatte. RX2 oder RX3, schätzte ich. Mit schlitternden Reifen kam der schwere Wagen neben dem getöteten Tier zum Stehen.
      Verdammt, das musste eine Grenzpatrouille sein. Was zur Hölle hatte Rick denn jetzt vor?
      Seine Hand blieb unmissverständlich erhoben. Wir sollten uns nicht rühren, das war klar. Angespannt schwiegen wir.
      Plötzlich hörte ich den MG-Schützen zum Fahrer rufen: „Marc, schau nach, ob das Vieh wirklich tot ist. Ich gebe dir Feuerschutz.“
      „Aye“, rief dieser zurück und sprang aus dem offenen Geländewagen. Mit einem Gewehr in der Hand näherte er sich vorsichtig dem niedergeschossenen Grenzläufer.
      „Ist tot, Jeff“, schrie er zum Wagen und eilte wieder zurück.
      „Okay, dann lass uns gleich zum Bunker fahren.“
      „Ist das wirklich nötig?“
      „Ja! Das Vieh dürfte nicht hier sein. Da versammelt sich wieder ein Rudel. Du kennst die Vorschrift.“
      „Aye“, antwortete Mark, der inzwischen sein schweres Gefährt wieder erreicht hatte und sich auf den Fahrersitz schwang. „Na. Dann mal los.“
      Mit durchdrehenden Reifen entfernte sich der Geländewagen wieder und Rick ließ die Faust sinken.
      „Was sollte das denn?“, fragte ich ihn erstaunt.
      „Das war die Grenzwache. Es gibt immer ein paar von den schweren Jeeps hier draußen. Aber nun glauben sie, dass es ein Rudel Grenzläufer gibt und versammeln sich am Munitionsbunker“, erklärte Rick und klang dabei sehr zufrieden. „Der ist ein paar Kilometer vom Portal entfernt. Von denen traut sich heute niemand mehr hier raus. Also los. Das ist unsere Chance durchzubrechen.“
      Ich blickte ihn erstaunt an. Das hatte er alles von langer Hand durchgeplant.
      „Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“, schnaubte Lisa verärgert, die denselben Schluss gezogen hatte. „Du hättest uns was sagen müssen.“
      „Wozu denn? Und jetzt kommt weiter. In den Spuren der Patrouille bleiben! Im niedergedrückten Gras kommen wir leichter voran. Los jetzt und kein Zögern mehr! Nun heißt es wieder marschieren.“
    • Neu

      Yay, @Schreibfeder, es geht weiter!!
      Ich musste ein paar der zurückliegenden Posts erst nochmal lesen, um wieder reinzukommen. Aber jetzt bin ich wieder dran. Guter Teil, super spannend.

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      Es sieht wirklich so aus, als ob Rick das ganze schon einmal versucht hätte, so gut, wie er sich auskennt. Und da der Jeep jetzt weggelockt worden ist, dürften sie ja eigentlich im nächsten Teil am Portal ankommen. Bin gespannt!


      Kleinkrambox

      Schreibfeder schrieb:

      Er half uns auf die Beine und deutet deutete dann auf ein Stück Wegesrand, wo Farn, Fettblätter und Büsche arg niedergetrampelt aussahen.
      „Das ist der Pfad einer Laufechse. Die verlassen die schützenden Wälder nur sehr ungerne ungern, sind dafür aber umso sturer, was ihre angestammten Jagdgründe angeht. Dieser Weg wird uns in einen einem gewaltigen Bogen auf die Wiese zum Portal führen. Nur für den Fall, dass die Grenzwache Grenzwachen der Meinung sind, sie könnten uns auf dem direkten Weg abfangen.“

      Als wir nach einer Weile wieder auf die Wiese traten, war weit und breit nichts mehr vom Weg zum „Nest“ zu erahnen. Der Bogen müsste (musste?) sogar noch größer sein, als Rick geahnt hatte. Diese Einschätzung bestätigte mir auch die Sonne, die zwischen den Blättern rötlich hindurchschimmerte. Und noch etwas bemerkte ich: In der Mitte der Wiese war ein Gebäude aufgetaucht.
      Zwar war es freilich noch sehr weit weg, aber es war ersichtlich, dass es ein verdammt hohes und wuchtiges Gebäude war. Es wirkte fast wie ein Bunker, obgleich ich nicht viel mehr als einen Schatten erkennen konnte. Für Details war es einfach noch zu dunkel.
      Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder war es ein Munitionslager, was es ja hier irgendwo wirklich geben sollte, oder aber es war das Portal.
      Ersteres bezweifelte ich irgendwie. Die Wiese neigte sich nicht in Richtung eines alltäglichen Waffenlagers. Es machte viel mehr Sinn, dass wir das Portal gefunden hatten. Vermutlich innerhalb eines gewaltiger gewaltigen Schutzbunkers. Hatte Rick nicht auch so etwas erwähnt? Ich war mir nicht sicher. Die Anstrengungen forderten auch einen geistigen Tribut.
      Rick hingegen bedrückte der Zeitverlust nicht. Ganz offenbar hatte er noch einen Plan in der Hinterhand. Er bedeutete uns kurz zurückzubleiben und eilte allein auf die Wiese. Nach guten hundert Meter Metern holte er etwas unter seiner Uniformjacke hervor. Ich konnte nur ein schmutzig-graues Paket erkennen, was mich aus irgendeinem Grund an eingeschlagenen Fisch vom Markt erinnerte. Vorsichtig riss er das Einpackpapier auf und deponierte dessen Inhalt auf der Wiese, bevor er eilig zu uns zurückkam.
      „Was war das?“, hörte ich mich fragen.
      „Halb verwestest verwestes Typo-Fleisch“, antwortete er mir in einem Tonfall, als sei das eine ganz besondere Delikatesse.
      „Und damit läufst du herum? Unter deiner (deine?) Jacke gepresst?“, fragte Lisa angewidert. „Ist ja ekelhaft.“
      Rick fing an breit zu grinsen: „Ich will es ja nicht essenPunkt
      Er deutete auf einen Strauch in vielleicht zweihundert Metern Entfernung und fügte an: „Dort verstecken wir uns und warten ab.“
      Ich musste zugeben: Für einen Beobachtungsposten war der Ort gut gewählt. Hinter dem Gehölz bildete das Unterholz eine dichte Wand und wer auch immer sich näherte, würden wir dort unzweifelhaft hören (eher "würde von uns gehört werden"?).
      „Wir warten? Wodrauf Worauf??“, bohrte ich dennoch nach. Ich vertraute ihm ja, machte mir aber Sorgen um sein Timing. Inzwischen war die Sonne vollständig aufgegangen, auch wenn ein schwacher, roter Schimmer noch immer am Himmel zu erahnen war. Der Leutnant könnte uns durchaus überholt haben und vor uns am Portal warten.
      „Wir warten auf einen Grenzläufer.“
      „Auf einen ... was?“, fragte ich.
      Er winkte ab. „Ich erkläre es euch später. Jetzt sollten wir verschwinden, bevor er uns auf freien freiem Feld überrascht.“

      Das Gebüsch war ein guter Lagerplatz. Vor allem die olivgrüne Kleidung tarnte uns und selbst unsere verdreckten Gesichter kamen uns jetzt zugute. Als wir uns alle etwas erholt hatten, hakte ich dann dennoch nach: „Was ist ein Grenzläufer?“
      „Ein Grenzläufer. Das sind ...“, fing er an, doch ein fast unhörbares Knacken erschallte im Wald.
      „Still jetzt!“, hauchte Rick und kauerte sich hinter seinem Gewehr hin.
      Wir folgten seinem Beispiel und spähten in alle Richtungen. Eine bleierne Ruhe breitete sich aus. Ein Raubtier war auf Beutezug. Um das Zweifelsfrei zweifelsfrei zu erkennen, hatte ich genug Erfahrung.
      Ruhig atmete ich ein und aus und behielt meine Umgebung im Auge. Langsam strich eine Schnauze eines mittelgroßen Dinosauriers durch die Blätter in der Nähe. Ein gutes Stück von uns entfernt, aber nahe genug, um Details erkennen zu können. Das Tier sah aus wie ein übergroßer Rep, war aber augenscheinlich nicht mit denen verwandt. Auch die Färbung der Schuppen stimmte nicht. Diese hier waren orange-grünlich. Zudem ging ein großer Schulterkamm wie ein Irokesenschnitt vom Schädel über den langen Hals entlang. Aber es war ein Raubtier, dass das sah man deutlich. Und damit eine potenzielle Bedrohung für uns.
      Ich hatte keinen Zweifel, dass das einer der besagten Grenzläufer war, doch der Saurier schien kein Interesse an uns zu haben. Stur rannte er auf die Wiese und fing genüsslich an das Fleisch zu verschlingen, als wenn es eine Süßigkeit wäre.
      Plötzlich zerriss eine Gewehrsalve die Stille.
      Das Tier bäumte sich auf. Es war getroffen. Unsere Gewehre klapperten. Keiner von uns hatte geschossen. Weitere Schüsse knallten und das Tier brach zuckend zusammen.
      „Wer schießt denn da?“, fauchte Anna nervös.
      Ricks Hand zuckte hoch. „Still!“
      Nach wenigen Momenten kam ein Geländewagen mit einem Affenzahn angerauscht. Ein solches Gefährt hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte wie eine Mischung aus Quad und extrabreiten extrabreitem Jeep, auf dessen Überrollbügel jemand ein schweres MG geschraubt hatte. RX2 oder RX3, schätzte ich. Mit schlitternden Reifen kam der schwere Wagen neben dem getöteten Tier zum Stehen.
      Verdammt, das musste eine Grenzpatrouille sein. Was zur Hölle hatte Rick denn jetzt vor?
      Seine Hand blieb unmissverständlich erhoben. Wir sollten uns nicht rühren, das war klar. Angespannt schwiegen wir.
      Plötzlich hörte ich den MG-Schützen zum Fahrer rufen: „Marc, schaue (schau?) nach, ob das Vieh wirklich tot ist. Ich gebe dir Feuerschutz.“
      „Aye“, rief dieser zurück und sprang aus dem offenen Geländewagen. Mit einem Gewehr in der Hand näherte er sich vorsichtig dem niedergeschossenen Grenzläufer.
      „Ist tot, Jeff“, schrie er zum Wagen und eilte wieder zurück.
      „Okay, dann lass uns gleich zum Bunker fahren.“
      „Ist das wirklich nötig?“
      „Ja! Das Vieh dürfte nicht hier sein. Da versammelt sich wieder ein Rudel. Du kennst die Vorschrift.“
      „Aye“, antwortete Mark, der inzwischen sein schweres Gefährt wieder erreicht hatte und sich auf den Fahrersitz schwang. „Na. Dann mal los.“
      Mit durchdrehenden Reifen entfernte sich der Geländewagen wieder und Rick ließ die Faust sinken.
      „Was sollte das denn?“, fragte ich ihn erstaunt.
      „Das war die Grenzwache. Es gibt immer ein paar von den schweren Jeeps hier draußen. Aber nun glauben sie, dass es ein Rudel Grenzläufer gibt und versammeln sich am Munitionsbunker“, erklärte Rick und klang dabei sehr zufrieden. „Der ist ein paar Kilometer vom Portal entfernt. Von denen traut sich heute niemand mehr hier raus. Also los. Das ist unsere Chance durchzubrechen.“
      Ich blickte ihn erstaunt an. Das hatte er alles von langer Hand durchgeplant.
      „Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“, schnaubte Lisa verärgert, die denselben Schluss gezogen hatte. „Du hättest uns was sagen müssen.“
      „Wozu denn? Und jetzt kommt weiter. In den Spuren der Patrouille bleiben! Im niedergedrückten Gras kommen wir leichter voran. Los jetzt und kein Zögern mehr! Nun heißt es wieder marschieren.“
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • Neu

      @Tariq, danke für deine Anmerkungen und Korrekturen. Ich habe sie alle eingepflegt, bis auf die Gebüsch-Szene. Die Fehler sind alle irgendwie dann die Tage entstanden, als ich den Text überarbeitet habe. Ich hoffe mal, die anderen Überarbeitungen von mir waren besser.
      Viele Dank für deine Mühe. Wird dennoch noch ein paar Tage dauern, bis ich den nächsten Teil hochaden kann.