Die Todgeweihten (Zeitreise)

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    • @Kyelia Wow, DAS nenne ich mal einen Beitrag. Es gibt Geschichtenteile, die weniger groß sind. =O

      Ich hoffe, ich kann darauf jetzt einigermaßen adäquat antworten.

      Danke für das Lob mit dem Schreibstil und dem Anfang. Ich denke, wo du holperst, sind Stellen, wo ich halt Korrekturabsätze drinnen hatte. Nicht immer bekomme ich die perfekt gefeilt.

      Ich finde es sehr interessant, wie ihr über die Charaktere denkt. Gut, dass fast alle sagen das Torn ein gut ausgebauter Charakter ist. Wäre fatal wenn das beim Protagonisten nicht stimmt. Eigentlich wollte ich Anna etwas besser schaffieren, aber das ist mir nicht gelungen. Dafür sind Lya, Storm und Rick besser geworden als gedacht.
      (Ich muss das mit den Spion entschärfen. Es hat einen negativen Touch, den ich da nicht haben wollte. Er macht nichts Falsches. Es ist die Blockade die illegal ist. Da muss ich deutlicher ausarbeiten.)

      Der moralische und technische Aspekt wird noch behandelt. Das kommt noch alles. Die Teile sind schon fertiggeschrieben. Nur noch das Zusammenspiel mit den Kapiteln fehlt mir.

      Mir gefallen deine Gedanken und sie treffen den Nagel oft auf dem Kopf. Jetzt habe ich ein paar Kleingkeiten, die ich verbessern kann und kann eventuell noch die Tage ein wenig mehr hochladen. Danke für das Kommentar.
    • Ich habe den letzten Teil etwas überarbeitet, damit klar wird, dass Rick nur versucht das Richtige zu machen. Es kommt noch der Teil (s.u.) und noch zwei, dann ist das vorläufige Ende erreicht. Ich hoffe, ich habe alle Fragen dann hinreichend beantwortet, wenn 'Nein', einfach Schreien, ich erkläre dann den Rest (da ich mehrere Datenverluste hinnehmen musste, fehlen eventuell Teile) und schreibe das Ende dann etwas um.

      _______

      „Hätte man es uns irgendwann gesagt, dass wir ein Rückkehrrecht haben?“, fragte ich.
      Michael zuckte mit den Schultern. „Irgendwann vielleicht. Schwer zu sagen.“
      Erik ergänzte: „Das kommt stark aufs Lager an. Im Sonnenlager oder am Depot erfahren es alle Neulinge bevor die erste Woche rum ist. In weniger idyllischen Lagern wie dem Nest oder dem Panzerlager ... nie?“
      „Vielleicht ist es nicht böse gemeint und uns will jemand damit einen Gefallen tun“, überlegte Michael laut. „Aber das hat er nicht. Wenn man euch nichts sagt, hat es den Anschein von Zwangsrekrutierung. Und ethisch stehen wir ohnehin auf tönernen Füßen.“
      „Meinst du wegen dem Körpertausch-Verfahren?“, hakte Anna nach.
      „Gut geraten, aber es stimmt“, gab er zu. „Zivilisten von der Straße pflücken und ins kalte Wasser zu werfen ist nichts, worauf man stolz sein kann. Wir machen das hier aus purer Not. Militärgüter sind kein Problem, aber Soldaten sind schwer zu rekrutieren. Natürlich wegen der Geheimhaltung. Niemand darf, auch nicht über Gerüchte, von dem Portalen erfahren. Aber auch nicht jeder ist scharf auf Kreidezeit und Dinosaurier. Man muss unheimlich behutsam vorgehen. Aktuell versucht man es mit traumatisierten Veteranen oder Soldaten die kaum Angehörige haben. Entgegen aller Annahmen sind die rar gesät. Ohne Nachschub können wir aber das Portal nicht lang halten. Wir können das Portal aber auch nicht schließen. Das ginge nur durch Nuklearschläge, was im Zentrum von Deutschland aber nicht geht. Und ein offenes Portal würde die Rückkehr der Dinosaurier bedeuten.“
      Er zuckte mit den Achseln. „Was können wir also machen? Unsere Methode ist vielleicht nichts anderes als Zwangsrekrutierung, aber wir sehen es lieber, wenn man sagt, dass wir euch eine zweite Chance geben. Die Argumentation steht ethisch vielleicht auf tönernen Füßen, mag sein. Fakt ist aber, ihr wart quasi tot. Hier habt ihr die Möglichkeit eine Katastrophe abzuwenden. Wir finden es zwar nicht gut, dass man euch nicht informiert hat, aber im Endeffekt spielt es keine Rolle. Wem es hier nicht gefällt, macht sich früher oder später auf den Weg zu uns. Auch das ist Fakt.“
      „Ich nehme an, ihr wollt wissen, wie das Körpertausch-Verfahren geht“, fiel Erik seinen Kollegen in den Monolog. „Das will eigentlich jeder der hier ankommt. Aber ich muss euch leider enttäuschen. Selbst für euch unterliegt es der Geheimhaltung.“
      Michael sprang wieder ein: „Erfahrungsgemäß wollt ihr dennoch so viel wissen wie möglich. Das ist verständlich angesichts eurer Situation. Bedenkt bitte, dass selbst das wenige was wir euch erzählen, ihr nicht weitergeben dürft.“
      Ich zuckte mit den Achseln. Welche Frage könnte man jetzt gut stellen? „Wie kamt ihr überhaupt auf uns?“
      „Wir stehen in engen Kontakt zu sämtlichen Krankenhäusern Deutschlands und dem deutschsprachigen Ausland. Wann immer ein geeigneter Spender eintrifft, wird er hierher gefahren und wir führen den Extraktionsvorgang durch.“
      „Damit das unbemerkt geschieht, haben wir mehrere Methoden entwickelt“, fiel Erik ein. „Hier werden Maschinen manipuliert, dort ein Totenschein falsch ausgefüllt, oder einfach nur gewartet bis die Nachtschicht anfängt. Bloß nicht immer dieselbe Methode anwenden. Es wäre gefährlich, wenn jemand ein Muster entdecken würde. Solange alle an einen Zufall glauben, funktioniert unser System.“
      „Allerdings können wir nur sehr wenige Spender hierher schmuggeln“, räumte Michael ein. „Dazu kommt noch, dass es immer noch ein Spiel mit dem Feuer ist. Aber vor allem durch die Verbreitung von medizinischer Software können wir sehr geschickt unsere Spuren verwischen.“
      „Aber wie macht ihr das jetzt genau“, hakte ich nach. „Also den Extraktionsvorgang, meine ich.“
      „Wir arbeiten mit lebenden Gewebe eurer Körper, mehr braucht ihr nicht zu wissen“, würgte Erik ab. Das war die erste Frage, die die beiden nicht beantworteten. Scheinbar hatten Rick und Lya nicht übertrieben und es war tatsächlich geheim.
      Eine Sache wollte ich aber doch wissen. „Aber warum wird das Verfahren nicht auch da draußen angewendet?“
      „Weil es nur im Portal funktioniert.“
      „Was?“
      Michael seufzte. „Wir können die einmalige Physik des Portals ausnutzen. An den Rändern des Portals verläuft die Zeit schneller und im Zentrum kann sie beinahe stillstehen. Natürlich gibt es auch hier Gesetze, nicht alle davon verstehen wir, aber es gibt uns ungeahnte Möglichkeiten.“
      „Wenn also ein Soldat in der Kreidezeit stirbt und wir das rechtzeitig sehen, können wir das Portal soweit ausdehnen, dass wir den Körper holen. Natürlich nur, wenn wir einen geeigneten Spender haben.“
      „Klingt so, als wenn es ganz stark vom Zufall abhängt.“
      „Stärker als ihr denkt, das ganze Verfahren ist sogar eher eine Zufallsentdeckung der Amerikaner gewesen. Vielmehr dürfen wir euch aber nicht sagen.“
    • „Wieso macht ihr überhaupt so einen Aufstand?“, fragte Anna dazwischen. „Wieso kippt ihr nicht ein paar Tonnen Beton drauf und bunkert euch ein?“
      „Das wäre nicht stabil genug“, widersprach Erik. „Das Portal senkt sich jedes Jahr um einige Zentimeter ab. Das wäre der Tod einer jeden Betonkonstruktion. Wir haben selbst mit dem Hochbunker schon unsere Probleme.“
      „Ist durch dieses Absinken dieser Trichter da draußen entstanden, in dessen Zentrum das Portal ist?“, fragte ich dazwischen.
      „Nicht ganz“, wiedersprach der Wissenschaftler. „Der Großteil davon ist bei der Explosion entstanden und das ist schon Jahrzehnte her. Dennoch kann man nachmessen, dass sich der Boden immer weiter absenkt. Warum das so ist, weiß keiner. Aber es sorgt dafür, dass wir halt die Lager brauchen.“
      „Ich muss hier noch einmal meinen Kollegen ergänzen“, fiel Michael ein. „Andere Portale werden durchaus mit Betonfestungen verteidigt. Die Amerikaner haben ihr erstes Portal zum Beispiel recht massiv gesichert. Ihr zweites im mittleren Westen hingegen nicht.“
      „Warum das denn?“
      „Wir wissen schlichtweg nicht, was die Jahrmillionen überdauern könnte“, erklärte Michael weiter. „Tote Dinosaurier werden irgendwann zu Diamanten. Was passiert dann mit Stahlgittern? Was ist, wenn ein Geologe plötzlich ein versteinertes RX findet? Das ist ohnehin unsere Horrorvorstellung.“
      Erik ergänzte: „Hier bei uns, bauen und planen wir so, dass wir jederzeit unsere Sachen packen und durch das Portal zurückreisen können. Bei uns dominieren Leichtbauweisen. Selbst die kleinen Lagerbunker sind einfach abzureißen. Nur der Hochbunker ist schwierig, zugegeben. Aber es ist großer Unterschied, ob man nur eine Baustelle oder ein Dutzend davon hat.“
      „Ihr plant damit, jederzeit wieder aus der Kreidezeit zu verschwinden“, fasste ich zusammen.
      „Ganz genau“, nickte Erik. „Die Wissenschaftler auf der anderen Seite gehen fieberhaft alle Möglichkeiten durch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir einen Durchbruch erzielen.“
      Er schaute uns drei genau in die Augen. „Solltet ihr euch dafür entscheiden auf die andere Seite zu gehen, würde das auch eure Aufgabe werden. Wir geben euch neue Ausweispapiere, eine Wohnung, einen Job, ... die einzige Bedingung ist, dass ihr für eine unserer Scheinfirmen arbeitet, damit ihr direkt oder indirekt entweder die Wissenschaftler oder die Militäroperationen in der Kreidezeit unterstützt.“
      Immerhin standen wir nicht ohne alles da, sobald wir hier raus waren. Allerdings wollte man uns offensichtlich kontrollieren. Die Scheinfirma-Bedingung war sicher nicht ohne Grund genannt worden. Wenn ich ein Haufen Aussteiger kontrollieren wollte, würde es nicht anders machen. Glücklich machte mich das aber nicht.
      „Kommen wir zum nächsten Punkt. Jeder von euch hat das Anrecht seine eigene Akte einzusehen“, eröffnete uns Erik und ging zu einem Büroschrank, dessen abblätterndes Holzimitat auf intensive Benutzung hinwies.
      „Ihr habt hier Akten über uns?“, hörte ich mich fragen.
      „Ja, natürlich“, antwortete Erik, während er die Schublade herauszog. „Wir arbeiten hier streng nach Vorschrift. Jeder Schritt muss dokumentiert werden.“
      Das klang nach typisch deutscher Bürokratie.
      „Hier haben wir ja die erste Akte“, murmelte er und zog eine altmodische, braune Papiermappe aus dem Schrank.
      „Die hast du aber verdammt schnell gefunden“, bemerkte ich.
      „Ach, die sind sortiert“, winkte Erik ab. „Die meisten kommen innerhalb der ersten zwei bis sechs Wochen zu uns, egal ob sie vom Rückkehrrecht wissen oder nicht. Dann lass mich mal sehen ...“
      Er schlug die Mappe auf und las einen Moment. „Ein Autounfall. Der Fahrer war viel zu schnell in der Kurve, verlor die Kontrolle, wickelte den Wagen um einen Baum, Motorblock schob sich in die Fahrerkabine. Beifahrer wurde schwerstverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ziemlich hässliche Geschichte, ich erinnere mich. Bei dir mussten wir uns enorm beeilen, du wärst uns fast auf dem Tisch weggestorben. Heftige innere Verletzungen. Möchtest du mal sehen?“, fragte er mich und hielt mir auffordernd die Mappe hin.
      „Nein, danke“, lehnte ich ab. Mir stand wirklich nicht der Sinn danach mir Fotos meiner inneren Organe anzugucken. Mein Magen fing schon bei dem Gedanken an zu rebellieren.
      „Gab sogar einen Zeitungsartikel darüber“, bot er erneut an.
      „Nein, wirklich nicht“, winkte ich ab. Der Kerl hatte definitiv zu wenig Freizeit.
      „Dann halt nicht“, meinte er bedauernd und schlug die Akte wieder zu. „Dann schauen wir mal, was bei den anderen so steht ... also bei den Frauen. Irgendetwas mit A ... Anna ... da haben wir es.“
      Er schlug die nächste Mappe auf. „Achja, Haushaltsunfall. Gar nicht mal so selten. Keine Leiter benutzt, schwere Kopfverletzung. Wäre schon schlimm genug gewesen, aber du lagst dann stundenlang alleine auf dem Boden, das hat dir den Rest gegeben. Du willst es vermutlich auch nicht lesen, nein?“
      Er seufzte und griff die nächste Akte, öffnete sie und schloss sie mit einem gequälten Stöhnen sofort wieder.
      „Ja, das tut selbst mir weh. Ich habe noch niemals gesehen, wie man einen Ferrari so systematisch zu Schrott fahren kann.“
      Wir schauten Lisa an, die nur mit den Achseln zuckte: „Ja, was denn? Ich hab halt Geld. Na und?“
      Erik schien etwas aufgefallen zu sein. Er nahm das Dossier von Anna erneut in die Hand und runzelte die Stirn. „Hier steht, du hast eine Tochter zurückgelassen. Stimmt das?“
      Sie nickte. „Ja, das ist auch der Grund, warum ich wieder zurück will.“
      „Wenn du deine Tochter wieder zurückhättest, könntest du dir dann vorstellen, weiter hier zu leben?“
      „Nein, da das Lager die reinste Hölle ist.“
      „Ah“, machte der Wissenschaftler und schien einen Moment lang zu überlegen. „Wenn das Lager in Ordnung wäre, würdest du dann hier bleiben?“
      Anna runzelte die Stirn. „Vermutlich schon. Auf was willst du hinaus?“
      „Auf folgendes“, Eriks Stimme war jetzt ganz sachlich. „Wir haben zu wenige Leute hier und Nachschub ist kaum zu beschaffen. Zwecklos das zu bestreiten. Daher würden wir es gerne sehen, wenn ihr drei hierbleiben würdet.“
      Sein Kollege fügte hinzu: „Natürlich ist uns auch klar, dass das nicht so einfach ist. Ihr habt euch hierher durchgeschlagen und hattet es alles andere als leicht. Wir haben euch beobachtet und wir sind auch keine Idioten. Wir hatten eine Reform des Nestes beauftragt, aber wir wurden ganz offensichtlich ignoriert. Das ist etwas, was uns persönlich ärgert. Darum unser Angebot: Ihr sagt uns, was euch stört, wir werden es beseitigen und ihr bleibt hier.“
      „Warte!“ Mein Arm schoss vor und zog Anna beiseite. „Ich habe da eine Idee.“
    • - Die Rückkehr -

      Ich ließ meine Augen über die Palisade wandern. In den zwei Wochen, die nach der Flucht vergangen waren, hatte sich vieles im Nest geändert.
      Storm wurde abgesägt. Rick war zum Leutnant befördert worden und er wiederum hatte Ming zum Sergeant ernannt. Spätestens damit wurde eine Welle der Neuerungen losgelöst. Ming verlor wirklich keine Zeit damit. Seine erste und vermutlich beste Idee war die Palisade.
      Es war kein wirklich hoher Wall. Sie war eher niedrig, kaum brusthoch, ein Soldat konnte bequem über ihr hinweggucken, aber das war genau der Zweck dahinter. Wir hatten die Deckung, während die kleinen Reps weder in Rudeln, noch über die Flanke erfolgreich angreifen konnten. Gleichzeitig müssten sie sich schweren Beschuss aus den neuen Selbstschussanlagen aussetzen.
      Wir hofften nur, die Palisade wäre auch stabil genug. Sie war nur aus Palmholz gemacht, aber die zusätzlichen angespitzten Pfähle, die jeden Meter verzierten, dürften auch schwere Dinosaurier abhalten. Niemand spießte sich gerne selbst auf, auch keine prähistorischen Echsen.
      Noch in Gedanken erspähte ich Anna, die mit sorgenumwölkter Miene auf mich zukam. Diesen Gesichtsausdruck sah ich in letzter Zeit immer öfters, seitdem ihre Tochter im Lager angekommen war.
      Es war für Cheyenne immer noch schwer, Anna als ihre Mutter zu bezeichnen, was aber kein Wunder war. Erst hatte man ihr erklärt, ihre Mutter sei tot, dann erklärten sie ihr, dass sie nur in der Kreidezeit war und völlig anders aussah. Welches Kind von vierzehn Jahren wäre davon nicht komplett verwirrt?
      Natürlich rebellierte sie. Im Moment versuchte sie immer dann auszubüchsen, wenn ihre Mutter nicht hinsah.
      „Cheyenne ist wieder verschwunden?“, fragte ich mitfühlend.
      „Ja“, bestätigte sie jammernd.
      „Meinst du nicht, dass du es vielleicht etwas übertreibst?“, meinte ich und spielte darauf an, dass Anna in letzter Zeit übervorsichtig geworden ist. „Ihr kann nichts passieren. Wir haben jetzt eine dicke Palisade, sie kann nirgendwo hin.“
      „Und was ist mit Flugsauriern?“, fauchte sie mich an.
      „Du weißt, dass wir gegen Flugsaurier bereits abgesichert sind. Die alte Flak haben wir mit der neuen Elektronik ausgestattet und darauf programmiert, alles vom Himmel zu holen, was größer ist als eine Schwalbe. Was soll also passieren?“
      Irgendwie beruhigten meine Worte sie. Warum auch immer. Ich hatte nichts gesagt, was sie nicht bereits wusste.
      „Hast du mit Tyr gesprochen? Nimmt er das Angebot an und wird Sergeant im Panzerlager?“, versuchte ich sie auf andere Gedanken zu bringen. Der ewige Konflikt mit Tyr und Ming schwelte noch immer und nach Mings Beförderung drohte er zu eskalieren. Der einzige Ausweg war, auch Tyr eine Beförderung anzubieten. Allerdings schön weit weg.
      „Vorerst möchte er hierbleiben. Wegen Kia“, brachte sie mich auf den neusten Stand. „Seine Tochter ist zu eng mit den anderen Kindern hier befreundet. Er möchte sie nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausreißen. Aber er bedankt sich für das Angebot.“
      „Hoffentlich beruhigt ihn das.“
      „Ich denke schon. Er wirkte viel abgeklärter. Lya erzählte doch, er wurde merkwürdig, weil man ihn ständig überging. Das scheint sich geändert zu haben.“
      Ich nickte und wir patrouillierten weiter an der Palisade. Der Palmenwald sah noch immer wüst aus, aber die Natur erholte sich auffällig schnell. Überall blühte das Grün und die Farne überdeckten bereits einen Großteil der Baumstümpfe.
      „Lisa hat mir einen Brief geschrieben“, begann Anna.
      „Echt?“, ich zog überrascht die Augenbraue hoch. Lisa hatte darauf bestanden, aus der Kreidezeit zu verschwinden, während Anna und ich dem Nest eine zweite Chance geben wollten. Unsere alten Leben waren quasi gestorben. Was sollten wir also in der Moderne?
      „Ja, sie berichtet mir von der anderen Seite. Sie ist nicht besonders begeistert. Sie hat offenkundig keine gute Ausbildung, weil sie immer nur ihren Eltern auf der Tasche gelegen hat und hat jetzt einen dementsprechenden Job bekommen.“
      „Autsch, jetzt muss sie wirklich für ihren Lebensunterhalt arbeiten?“
      „Ja, mir tut sie auch leid.“
      Von weiten sahen wir Rick auf uns zukommen. Der Kerl konnte einen eher leidtun als Lisa. Ein Lager voller rauer Soldaten am hintersten Winkel der Welt zu kommandieren, war eine Mammutaufgabe. Vor allen, wenn der alte Leutnant sich weigerte zu verschwinden. Strom hatte zwar seine Degradierung zum Militärberater akzeptiert, aber immer noch seine Kumpane. Da er aber keine Befehlsgewalt hatte, erntete er immer mehr Widerspruch, was das Lager wortwörtlich ruhiger machte. Inzwischen aßen sogar die Kinder morgens gemeinsam mit den Erwachsenen im Versorgungszelt.
      Leider gab es auch Negatives. Der Oberst zum Beispiel. Er weigerte sich beharrlich, auf Ricks Forderungen einzugehen. Die neuen Geländewagen, die Rick angefordert hat, musste er direkt bei den Wissenschaftlern beordern. Keine leichte Aufgabe für ihn. Kein Wunder, dass er so aussah wie ein Waschbär auf Drogen.
      Als er auf uns zukam, lächelte er hingegen. „Cheyenne hat gerade mit mir gesprochen.“
      Immerhin war jetzt klar, wo Annas Tochter war.
      „Und?“, fragte sie Rick besorgt.
      Er konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Sie hat sich als Kampfnamen „Shy“ ausgesucht und geht gerade auf den Schießplatz. Offensichtlich hat sie sich eingelebt.“

      ~~~~
      Ende
      ~~~~

      Hiermit habe ich meine erste längere Geschichte beendet. Es war aufwendiger als gedacht und hat auch länger gedauert als befürchtet. Aber ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen.
      Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich würde mich über ein kurzes Kommentar wie immer freuen.


      Für die Freunde der Statistik:
      Diese Geschichte hat fast 47.000 Wörter.
      1000 Wörter fielen dem Rotstift zum Opfer. (von 40.102 Wörtern auf 39.123 Wörter)

      Im Laufe der Erstellung dieser Geschichte:
      - Stürzte mir einmal nach vier Stunden Arbeit der PC ab
      - Zerlegte sich ein USB-Stick
      - Segnete eine Festplatte das Zeitliche
      ...und nahm alle Daten mit sich.

      Dennoch habe ich es geschafft. Viel Spaß am Lesen. ^^
    • Zuerst: Gratuliere zum Abschluss dieser Geschichte @Schreibfeder ! Mega :nummer1:

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      Mir haben die letzten Parts außerordentlich gut gefallen. Meine Fragen haben sich aufgeklärt, da kann ich zumindest Entwarnung geben. Manchmal musste ich nur zweimal lesen, weil ich diesen ganzen Wissenschafts-Kram nicht ganz so faszinierend finde xD Aber das ist mein Problem. Du hast das ganze mit dem Portal recht cool gelöst, finde ich. Wie die Wissenschaftler da einfach hocken und ohne mucken die Fragen beantworten und sagen "Tür ist offen, könnt gehen!". Ich habe aber auch schon geahnt, dass da noch ein Haken ist. Knebelverträge - was für komische Arbeitgeber :doofy:

      Schreibfeder schrieb:

      Das klang nach typisch deutscher Bürokratie.
      Aber voll!

      Schreibfeder schrieb:

      Er schlug die Mappe auf und las einen Moment. „Ein Autounfall. Der Fahrer war viel zu schnell in der Kurve, verlor die Kontrolle, wickelte den Wagen um einen Baum, Motorblock schob sich in die Fahrerkabine. Beifahrer wurde schwerstverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ziemlich hässliche Geschichte, ich erinnere mich. Bei dir mussten wir uns enorm beeilen, du wärst uns fast auf dem Tisch weggestorben. Heftige innere Verletzungen. Möchtest du mal sehen?“, fragte er mich und hielt mir auffordernd die Mappe hin.
      „Nein, danke“, lehnte ich ab. Mir stand wirklich nicht der Sinn danach mir Fotos meiner inneren Organe anzugucken. Mein Magen fing schon bei dem Gedanken an zu rebellieren.
      „Gab sogar einen Zeitungsartikel darüber“, bot er erneut an.
      „Nein, wirklich nicht“, winkte ich ab. Der Kerl hatte definitiv zu wenig Freizeit.
      „Dann halt nicht“, meinte er bedauernd und schlug die Akte wieder zu. „Dann schauen wir mal, was bei den anderen so steht ... also bei den Frauen. Irgendetwas mit A ... Anna ... da haben wir es.“
      :rofl: Dieser ganze Abschnitt. Zu geil! Ich liebe verkorkste Wissenschaftler xD

      Schreibfeder schrieb:

      „Autsch, jetzt muss sie wirklich für ihren Lebensunterhalt arbeiten?“
      „Ja, mir tut sie auch leid.“
      Wieso tut ihnen es leid, dass Lisa für ihren Lebensunterhalt arbeitet - wie jeder normale Mensch xD
      Kann ich irgendwie nicht so richtig nachvollziehen.

      Schreibfeder schrieb:

      Strom hatte zwar seine Degradierung zum Militärberater akzeptiert, aber immer noch seine Kumpane.
      Ich möchte wirklich nichts falsches sagen. Kann auch sein, dass ich einfach permanent den falschen Namen gelesen haben - aber hieß der nicht Storm?

      Schreibfeder schrieb:

      Kein Wunder, dass er so aussah wie ein Waschbär auf Drogen.
      :rofl:

      „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
      - Meister Lukras -

      Meine Geschichte
      Die Kriegerin von Catrellak
    • HÄ? Wie jetzt? Ende? Was? ... Hä?! 8|
      Ich muss zugeben, das kam jetzt mega überraschend für mich. Ich dachte echt, da kommt noch mehr, wir erleben noch ein paar Sachen in der Kreidezeit und irgendwo dazwischen fällt der Leutnant einem Rep in den Rachen. :rofl:
      Tja, dann eben nicht. Die Wissenschaftler machen es den Leuten im Nest nun also etwas angenehmer. UND endlich wird der Leutnant abgesägt. Wobei ich mich frage, wenn das so einfach ging und die davon wusste, warum haben die das nicht schon viel eher gemacht. Statt sie da alle paar Wochen einem Haufen Neuer die gleichen Geschichten erzählen müssen :hmm: Seltsamer Verein. Aber vielleicht wird man auch etwas meschugge, wenn man immer nur zu Dritt in einer weißen Hölle hockt. :hmm: Ich frage mich nur: wenn da ständig mal ein paar Neue vorbeikommen. Hatte da noch nie einer die Idee, die Situation im Lager zu verändern? Statt sich nur aus dem Staub zu machen. :D

      Auch, wenn das Ende für mich jetzt ziemlich überraschend kam und sehr schnell ging - boom, war es zu Ende, fand ich die drei Teile wirklich gut geschrieben. Eigentlich haben sich alle meine Fragen geklärt und auch das Thema Ethik und Moral wurden aufgegriffen. Finde ich gut. Ich mag es auch, dass sich Torn dazu entschieden hat, zurückzugehen. Denn wie er selbst sagt: Im Grunde ist er in der Moderne ja tot. Und mit Rick und Ming an der Spitze ist das Lager jetzt ja auch nicht mehr so schlimm. Nur auf die Idee mit den Palisaden hätte ein gewisser Storm ja schon mal eher kommen können. Naja, der hat ja nun nicht mehr viel zu sagen. :pardon:

      Nur eine Sache verstehe ich nicht:

      Schreibfeder schrieb:

      Diesen Gesichtsausdruck sah ich in letzter Zeit immer öfters, seitdem ihre Tochter im Lager angekommen war.
      Anne lässt ihre Tochter in dieses Höllenloch "einfliegen"? 8| Welcher Mutter würde das machen? 8|

      Jetzt würde ich ja gern ein Fazit schreiben, aber da ich im Grunde schon in meinem letzten Kommi die Stimmung und meine Gedanken zur Geschichte zusammengefasst habe, bleibt eigentlich zu den drei Teilen nicht mehr viel zu sagen.

      Ich fand die Geschichte wirklich gut und das Ende rundet es gut ab. :thumbup:
      Auch, wenn ich mir wünschen würde, dass da noch mehr gekommen wäre - das Thema hätte man sicherlich noch mehr ausreizen können - freue ich mich, dass du deine erste längere Geschichte beendet hast! :party2:

      Zumal das

      Schreibfeder schrieb:

      Im Laufe der Erstellung dieser Geschichte:
      - Stürzte mir einmal nach vier Stunden Arbeit der PC ab
      - Zerlegte sich ein USB-Stick
      - Segnete eine Festplatte das Zeitliche
      ...und nahm alle Daten mit sich.
      echt verdammt ärgerlich ist! Gut, dass du nicht aufgegeben hast! :thumbsup:


      LG, Kyelia


      Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
      - Toni Morrison -

    • Hallo Kyelia, Hallo LadyK,

      vielen Dank für eure Kommentare.


      Spoiler anzeigen

      LadyK schrieb:

      Wieso tut ihnen es leid, dass Lisa für ihren Lebensunterhalt arbeitet - wie jeder normale Mensch xD
      Es sollte sarkastisch sein. Den Sarkasmus muss ich besser ausarbeiten. :hmm:

      LadyK schrieb:

      Ich möchte wirklich nichts falsches sagen. Kann auch sein, dass ich einfach permanent den falschen Namen gelesen haben - aber hieß der nicht Storm?
      Mist, ja, das wird verbessert.

      Kyelia schrieb:

      Ich frage mich nur: wenn da ständig mal ein paar Neue vorbeikommen. Hatte da noch nie einer die Idee, die Situation im Lager zu verändern? Statt sich nur aus dem Staub zu machen.
      Bis jetzt sind ja alle Frischlinge gestorben. Zumindest aus dem "Nest". Die Tatsache, dass aus dem Panzerlager aber überraschend ein Sergeant ankommt, der offenbar ein totales Arschloch ist, deutet aber an, dass die Beschwerden von Rekruten aus dem Panzerlager Wirkung zeigten.

      Kyelia schrieb:

      Ich muss zugeben, das kam jetzt mega überraschend für mich.
      Ja, das Ende finde auch ich etwas abrupt. Aber ich wüsste spontan nicht, was ich ändern sollte. :popcorn: