Auf der Suche nach der Schatulle von Daris

    • Wiedermal reckte der König seinen offenbar leeren Krug der Luft entgegen. Und wie abgesprochen erschien eine dem Magier bekannte Gestalt daneben und goss dem König unverzüglich nach.
      Aras traute seinen Augen nicht, als er sie erblickte. Liandra, im Matrosenanzug. Ihr Silberkrönchen durfte natürlich nicht fehlen.
      Beim Einschenken nach vorn gebeugt, rutschte dieses ihr natürlich wiedermal ins Gesicht. Leider konnte sie diese nicht begradigen, da ihre freie Hand hinterm Rücken verweilte.
      Der König zuckte leicht zusammen, als sie ihm sichtlich sanft ins Gesicht blies und somit seine Aufmerksamkeit erhielt.
      Er schmunzelte ihr entgegen, was sie mit einem Kopfnicken quittierte. Anschließend flüsterte sie ihm was ins Ohr uns schaute nebenbei Aras tief in die Augen.
      Ihre Blicke trafen und intensivierten sich sofort. Frech lächelte sie ihm entgegen, während der König immer misstrauischer auf den Herzog schaute.
      Aras begriff es nicht, machte sich aber bereits Gedanken darüber, was dies zu bedeuten hatte.
      Als sie fertig war und wieder vom König abließ, blieb eine gewisse Antipathie zwischen den beiden Männern zurück.
      Kaum, dass Aras sich anderweitig ablenken konnte, erschien nun auch nebenihm Liandra, ebenfalls im Matrosenanzug.
      Sie schenkte dem Herzog nach, obwohl sein Krug noch halbvoll war. Ganz langsam machte sie es, hauchte ihm auch entgegen und gewann ebenso seine Aufmerksamkeit.
      Dann spürte er ihren Atem am Ohr. "Ich habe dem König berichtet, was ihm blühen könnte, wenn er zu lange unter euch weilt."
      "Warum hast du das gemacht?", fragte Aras sofort nach und ergriff ihren Arm, bevor sie ihn wieder zurückziehen konnte.
      "Ich musste es tun. Schließlich steht auch er unter meinem Schutz."
      Verdutzt schaute er sie daraufhin an, ließ ihre Worte nochmal Revue passieren und nickte dann verstehend.
      "Dementsprechend wird er nun auch sehr misstrauisch reagieren", meinte sie weiter, wurde jedoch wider Erwarten weiterhin vom Herzog festgehalten und nun noch intensiver Angeschaut.
      "Ich habe dir gesagt, du sollst dich nicht in mein Leben einmischen, Liandra..."
      "Das habe ich auch nicht gemacht, allerliebster Herzog. Außerdem wird er dir nichts antun. Immerhin schuldest du mir noch einen Tanz."
      Noch bevor er antworten konnte, hatte sie bereits ihre Krone gerichtet und verschwand nahezu augenblicklich.
      Aras wusste sofort, dass er etwas unternehmen musste, bestenfalls dieser Sache entgegensteuern. Aber viele Optionen schien er nicht zu haben, ohne, dass der König Verdacht schöpfen würde. Falls er nicht schon längst Aras im Verdacht hatte. Der Magier war sich immer noch nicht ganz sicher, ob Liandra für die anderen überhaupt sichtbar ist, oder gar für den König. Andererseits hatte Aras sie natürlich sehen können, als sie bei Cecil stand.
      Er suchte den Augenkontakt zur Prinzessin. "Daphne, bist du für einen Moment entbehrlich?"
      Verwundert schaute sie ihn an und ließ anschließend ihren Blick über den Tisch ringsum wandern, bis er beim König angelangt war. Dieser starrte weiterhin in Aras' Richtung. Alle starrten in Aras' Richtung.
      Nach einem kurzen Moment, Aras versuchte sie mit leichten Mimen zu überzeugen, kam sie seiner Bitte nach und erhob sich vom Stuhl.
      Kaum hatten beide den Raum verlassen und die Tür verschlossen, grummelte sie ihn augenrollend an: "Was soll das schon wieder? Was ist los?"
      "Nun ja", murmelte er zögerlich, gar ungewöhnlich für ihn. "Es besteht die Möglichkeit, dass König Cecil von unserem Vorhaben Wind bekommen hat."
      "Wie meinst du das?" Stirnrunzeln. Gefolgt von einem grimmiger werdenden Gesicht. "Hast du es ihm verraten?!"
      "Wieso ich? Ich habe nichts gesagt", beteuerte er seine Unschuld, ihm selbst bewusst, dass es zweifelhaft klang. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die pure Wahrheit zu sagen, so haarsträubend sie auch klingen mochte. "Liandra hat es ihm gesagt."
      Ihr Blick blieb verwirrt. "Wer ist Liandra? Und warum sollte sie es ihm sagen?"
      "Äh, ja... Das ist recht kompliziert zu erklären." Verlegen rieb er sich die Nase. "Liandra bezeichnet sich selbst als Göttin."
      "Göttin?", hinterfragte sie skeptischen Blickes. "Du?" Resignierender Blick, Gesichtsgrätsche. "Du kennst eine Göttin? Persönlich?"
      "Ist das so abwegig?", stöhnte Aras entnervt.
      "Äh, ja?", keuchte sie zurück. "Immerhin bist du Zacharas van Júmen."
      "Sag' das nicht mir, sondern ihr", konterte Aras, selbst verblüfft über jenes Schicksal. "Ich verstehe auch nicht, warum sie mich ständig verfolgt."
      "Na hoffentlich weiß es wenigstens sie selbst. Aber warum sollte sie es ihm nun gesagt haben?"
      "Weil er unter ihrem Schutz steht", merkte Aras prompt an, verdrehte dabei die Augen. Ihm selbst war dieses Bündnis auch nicht recht.
      "Und du weißt das, weil..?"
      "Sie es mir gesagt hat."
      Skeptisch wirkte sie. "Ist das nicht etwas arg sinnlos, es ausgerechnet dir auch zu sagen?"
      Unschuldig, was in diesem Fall vermutlich sogar zutraf, hob er die Hände und schaute sie reuebewusst an. "Ich habe mich nicht drum gerissen, sie als Wegbegleiterin zu bekommen. Das ist allein auf ihrem Mist gewachsen."
      Tiefes entsetztes Stöhnen aus Daphnes Mund. Kopfschüttelnd entgegnete sie ihm: "Du erstaunst mich immer wieder aufs Neue. Egal, was mit dir schiefgeht, es hat immer mit einer Frau zu tun."
      Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

      -Albert Einstein-
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      Helios III (Arbeitstitel)
    • Theical blickte über den Rand seines Weinbechers, während er das Gefäß in einem Zug leerte. Irgendwann in den letzten Stunden des Speisens mit dem König von Lyc hatte er komplett den Faden verloren. Plötzlich wollte der fremde Fatzke ihr Schiff und benahm sich als wäre er ein Gott auf Erden. Und nun verschwand Aras auch noch mit Daphne und ließ einen verwirrten Daryk zurück - unter dem Helm nicht zu erkennen, aber durchaus vorstellbar.
      Versteh einer den Adel.
      Als der nächste Matrose vorbeikam, um nachzuschenken, nahm Theic ihm die ganze Flasche aus der Hand. Dieser Verein war nur betrunken zu ertragen.
      Eine Weile tat er sich das Gerede noch an, dann wurde es ihm trotz Alkohol zu viel. Mit einer viel zu schnellen Bewegung, der sein leicht benebelter Geist nicht recht folgen konnte, erhob er sich.
      Er murmelte eine flüchtige Entschuldigung zusammen. Dann verließ er den Raum, egal, was man von seinem Verschwinden hielt. Hier war er doch eh fehl am Platz – ein Bauer bei einem Machtschieben von Adligen.
      Vor der Kajüte des Kapitäns, dem anzusehen war, dass er ebenfalls mit seiner Entscheidung das Ganze in seinen Räumlichkeiten stattfinden zu lassen, unzufrieden war, traf er auf Daphne und Aras, die gerade zurückkehrten, von wo auch immer. Auch bei ihnen verabschiedete er sich noch schnell, bevor er durch den Gang nach draußen flüchtete.
      Auf dem Deck schlug ihm die salzige Seeluft entgegen, die in ihm sofort den Wunsch weckte, sich über die Reling zu übergeben. Er hasste das Meer und diese Schiffsreise sowieso. Da kam ihm ein arroganter König, der meinte, alles und jeden zu besitzen, gerade noch richtig. So viel Alkohol gab es gar nicht, um sich darin zu ertränken. Alternativ blieb nur noch das Meer.
      „Du siehst nicht gut aus“, erklang plötzlich die bubenhafte Stimme von Tristan hinter ihm. Als sich Theic umdrehte, blickte ihn der junge Soldat sorgenvoll an. „Du solltest vielleicht aufhören zu trinken.“ Er deutete auf die Flasche, die Theical noch immer in den Händen hielt.
      „Ich glaube eher, es war noch nicht genug“, lachte er und streckte den Alkohol dem anderem entgegen. „Ist noch was drin, wenn du willst.“
      Tristan sah sich nach allen Seiten um, als befürchtete er, bei etwas Illegalem erwischt zu werden, dann nahm er Theic die Flasche aus der Hand.
      „Aber nur einen kleinen Schluck“, meinte er und drehte die Flasche in den Händen.
      Der Taschendieb ließ sich derweil auf einem Fass nieder, baumelte etwas mit den Beinen und blickte zum anderen Schiff hinüber. Im Gegensatz zu dem Geschenk, das Daphne erhalten hatte, wirkte es wie eine Nussschale und die Übelkeit überrannte ihn, wenn er daran dachte, dass ihre Reise vielleicht mit diesem Ding weiterging.
      „Du hattest auch keine Lust mehr, bei den anderen zu sitzen?“, fragte er in die Stille hinein, zum Einen, um sich abzulenken, zum anderen, um irgendwas zu sagen. Wenn er darüber nachdachte, hatte er mit Tristan noch nicht viele Worte gewechselt. Was zum einen daran lag, dass er sowieso nicht zu denjenigen gehörte, die anderen Löcher in den Bauch fragten und zum anderen war er dem Neuen bisher aus dem Weg gegangen. Warum wusste er selbst nicht so genau.
      Aus dem Augenwinkel sah er, wie Tristan den Kopf schüttelte und sich an die nicht weit entfernte Reling lehnte.
      „Ich habe das Gefühl, ich gehöre da nicht hin.“
      Tristan reichte ihm die Flasche zurück, die er dankend annahm.
      „Dann sind wir ja schon zu zweit.“
      Tristan nickte lediglich, was Theic seufzen ließ. Was sollte er mit ihm reden? Musste er reden oder konnte er auch einfach die Situation hinfort schweigen?
      „Du willst also nach Lyc, um deinen Bruder zu finden?", setzte er nach einiger Zeit doch zu reden an.
      Tristan nickte erneut als Antwort. Nachdenklich legte Theic daraufhin den Kopf in den Nacken und betrachtete die Sterne, die langsam zum Vorschein kamen. Das einzig gute am Meer. Es gab nichts, was den Schein der Sterne trüben konnte.
      „Lyc scheint die erste Anlaufstelle für Leute zu sein, die nach verloren gegangenen Familienmitgliedern suchen“, überlegte er dann unfreiwillig laut. Er nahm einen Schluck aus der Flasche. Sie fühlte sich nicht leichter an. Tristan hatte offenbar nichts daraus getrunken. Komischer Kauz.
      „Suchst du auch jemanden?“
      Theic schlug mit den Hacken immer wieder gegen das Fass, während er die Beine erneut baumeln ließ.
      „So ähnlich. Ich habe vor einiger Zeit erfahren, dass ich eine Mutter habe, die wohl irgendwie dort gefangen ist.“ Ein Gähnen verließ seinen Mund. „Ich will mich mit eigenen Augen davon überzeugen, vorher glaube ich es nicht.“
      „Dann kennst du deine Mutter gar nicht?“
      „Nee“, grummelte Theic nur als Antwort. Da hatte er ja mit seinem Lieblingsthema angefangen, ohne, dass er es wollte.
      „Das ist traurig.“ Tristan senkte betrübt den Blick.
      „Ach iwo, ich hatte eine Großmutter, die war ein klasse Mutterersatz!“ Zwar war er über den Tod der alten Frau noch immer nicht hinweg, aber es fiel ihm erstaunlich leicht, über sie zu sprechen.
      „Ich könnte mir eine Kindheit ohne Mutter gar nicht vorstellen, auch, wenn ich mich mit ihr gestritten habe, kurz bevor ich meine Heimat verließ.“
      „Gestritten? Warum?“
      „Sie hat meinen Bruder als Tod abgestempelt, obwohl noch gar nicht sicher ist, ob er wirklich tot ist.“ Zorn schwang seinen Worten mit.
      Theic holte Luft, um etwas zu sagen, wurde aber von lauten Stimmen unterbrochen, worüber er auch nicht unbedingt traurig war, wusste er sowieso nicht so recht, was er hätte sagen wollen.
      Zeitgleich wandten sich Tristan und er einer Gruppe aus drei Matrosen zu, die über das Schiff torkelten und dabei das eine oder andere Auge auf den Käfig mit dem Klabautermann geworfen hatten.
      „Ha, was für eine lächerliche Gestalt ist das denn?“, rief einer von ihnen aus.
      Die Männer fingerten an dem kleinen Käfig herum, lachten und lallten unverständliche Dinge. Sie schienen sich köstlich darüber zu amüsieren, dass der Winzling darin wütend fluchte.
      Theical runzelte die Stirn, bevor er sich Tristan zuwandte, der nur die Schultern zuckte. Er schien es ebenso wenig für eine gute Idee zu halten, den Klabautermann zu provozieren wie er.
      „Ihr solltet ihn in Ruhe lassen“, meinte er schließlich an die drei Betrunkenen gerichtet. Diese schenkten dem jungen Soldaten jedoch nur kurz ihre Aufmerksamkeit. Interessanter war dann doch der eingesperrte Wicht.
      „Was ihr da macht, ist gefährlich“, mischte sich Theic ein. Er hüpfte von seinem Fass, was die drei Matrosen in noch lauteres Gelächter übergehen ließ.
      „Und was wollt ihr beide dagegen tun?“
      Einer der Matrosen, der zweifellos von dem anderen Schiff, dem des Königs kommen musste, legte seine Finger auf den Verschluss des Käfigs.
      „Nicht! Es war schon schwer, ihn einmal einzufangen!“, meinte Tristan. Eilig trat er an die Männer heran und versuchte diesen den Käfig zu entwenden. Der junge Soldat war zwar ein gutes Stück größer als Theic, hatte gegen die stämmigen Matrosen jedoch keine Chance. Oder jedenfalls schien es, als wollte er ihnen nicht wehtun.
      Theical selbst hatte damit weniger Skrupel. Wenn diese Männer den Klabautermann freiließen, sah es mit allen Schiffen schlecht aus. Er nutzte das wenige Licht, das die Nacht bot und tastete nach den Schatten der Männer. Als er sie zu fassen bekam, ließ er ihre Bewegungen stoppen. Unter irritierten Blicken, stellten alle drei Matrosen den Käfig wieder auf den Boden, alles andere als freiwillig.
      Tristan richtete sein Schwert auf die Männer um sie daran zu hindern, erneut nach dem Käfig zu greifen.
      „Wenn ihr unbedingt bis zur Küste schwimmen wollt, dann könnt ihr das auch so. Aber ich habe heute schon gebadet und würde außerdem gern lebend in Lyc ankommen.“ Wütend trat Theic einem der Matrosen gegen das Schienbein, was wohl seinem Fuß mehr wehtat, als dem Mann.
      „HA! Ich bin frei, ihr Idioten!“, schrie die quietschende Stimme des Klabautermanns.
      Erschrocken wandten Tristan und Theical ihre Blicke zu dem Käfig. Er war leer und die Tür stand offen. Der Verschluss musste sich in der Rangelei gelöst haben.
      Aras und seine Flüche…, knurrte Theic gedanklich.
      „Jetzt mache ich euch fertig!“, schrie das Männchen und fuchtelte bereits wild in der Luft herum. „Ihr werdet für eure Tat bezahlen!“
      Wieder murmelte er einen seiner komischen kleinen Flüche. Und während sich Theical noch fragte, was er machen sollte, um den Quälgeist aufzuhalten, bildete sich in den kleinen Händen bereits ein Feuerball, den er in die Richtung der Matrosen und Tristan abfeuerte. Diese wollten ausweichen, waren aber nicht schnell genug und duckten sich deshalb nur verzweifelt unter der Feuerkugel hinweg. Während die Männer sofort Feuer fingen und kreischend über Bord sprangen, rauschte der Zauber förmlich durch Tristan hindurch und traf das königliche Schiff. Augenblicklich begann das alte Holz die Flammen aufzusaugen und ehe jemand reagieren konnte, stand der ganze Kahn in Brand. Verzweifelt retteten sich die Seeleute an Bord ins Wasser.
      „Verdammter Möwendreck!“, fluchte das kleine Männchen und stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden auf. „Warum passiert das immer wieder?“ Er spuckte aus und warf die Arme in die Luft. „Ach macht euren Scheiß doch allein! Ich kündige!“, schrie er mit einem letzten Blick auf Tristan, dann verschwand er mit einer schnipsenden Bewegung der Finger einfach in der Luft.
      „Ups“, machte Tristan unterdessen, während sich Theic am Kopf kratzte und mit gebührendem Abstand zur Reling dem anderen Schiff beim Sinken zusah.
      „Wie erklären wir das dem König?“, fragte er und versuchte dabei so ernst wie möglich zu klingen, obwohl er sich ein Lachen nur schwerlich verkneifen konnte. Seine Reise auf dem Winzling war damit ja offenbar frühzeitig beendet wurden.
      „Der Klabautermann hat es versenkt?“
      „Das wird man uns wohl kaum glauben“, murmelte Theical.
      Auf dem Schiff brauch ein reger Tumult aus, als die wenigen Matrosen an Bord, die das Los des Nachtdienstes gezogen hatten, aufgescheucht alles wecken und das brennende Schiff mit langen Stangen versuchten etwas von Daphnes Eigentum wegzudrücken, nicht dass alles niederbrannte. Und ebenfalls die über Bord gesprungenen Männer aus dem Meer zu fischen.
      Zu ihrer Rechten flog derweil die Tür zur Kapitänskajüte auf und Daphne und die anderen kamen herausgerannt. Ein König im Schlepptau, der nicht sonderlich begeistert darüber schien, dass sein Schiff in Flammen stand.
      „Scheint, als müssten wir gemeinsam auf Daphnes Schiff nach Lyc reisen“, verkündete Thyra recht trocken. Auch sie schien froh, nicht mehr in dem engen Raum sitzen zu müssen. Gleichzeitig aber auch genervt, weil die Anwesenheit des Königs so nur herausgeschoben wurde
      „Das war doch geplant!“, schrie er König los. „Das ist ein Angriff auf das Königshaus von Lyc.“ Sein erhobener Zeigefinger ruderte ziellos zwischen Theic, Tristan und Daphne hin und her. Wenn man es genau betrachtete bekam jeder von ihnen, jeder ihrer kleinen Gruppe, den Finger einmal vor die Nase gehalten. Was ein hässlich dicker Finger.
      Und aus irgendeinem Grund verspürte Theical nicht einen Moment Reue. Zwar war er nur indirekt Schuld, dass das Schiff gerade sank, aber irgendwie gönnte er es dem König.
      „Jetzt beruhigt Euch“, meinte Daphne nur. „Es ist ja keinem etwas passiert.“ Sie betrachtete das Schiff, als überlegte sie noch, es mit ihrem Wasser zu löschen. Aber da war beim besten Willen nichts mehr zu retten. Das schien auch Daphne schnell zu merken, oder aber sie hatte keine Lust, weil man ihr den Schrottkahn dann andrehen würde.
      „Keinem etwas passiert? Ihr habt mein Eigentum zerstört!“
      „Und Ihr wolltet mir mein Eigentum wegnehmen“, konterte Daphne.
      „Das Schiff befindet sich auf meinen Gewässern“, war alles, was der König dazu sagte.
      „Oder Euer Gewässer unter meinem Schiff.“ Daphne verschränkte die Arme. „Wir müssen ja nicht nach Lyc fahren.“ Sie drehte sich zu Thyra und Daryk um, die beide hinter ihr standen. „Wir können auch zurück nach Delyveih, oder?“
      Tonlos nickten beide, während bei Thyra ein freches Grinsen über das Gesicht huschte.
      „Ihr werdet mich gefälligst nach Hause bringen. Das ist mein Schiff und ich befehle es!“

      Für eine Welt, die mehr Einhörner braucht! #Vote4Jen!
    • Thyra musste sich beherrschen nicht lauthals in Gelächter auszubrechen.
      Das hatte der Giftzwerg von König sowas von verdient!
      Allerdings hatten sie jetzt ein Problem: Entweder sie segelten zurück nach Delyveih und hatten den ganzen Weg umsonst gemacht und zusätzlich noch Stress mit dem König am Backen, weil der ja auch irgendwie besänftigt und wieder nach Hause gebracht werden musste. Oder sie fuhren nach Lyc und würden höchstwahrscheinlich ihr Schiff verlieren und auf dem langen Landweg heimkehren müssen. Ganz abgesehen davon, dass es Daphnes Schiff war und die Prinzessin wahrscheinlich schon daran hing.
      Aber dass sie nichts dafür konnten und dass ein Klabautermann das Schiff des König angezündet hatte, das würde ihnen niemals jemand abkaufen.
      Thyra Blick wanderte zu Daryk. Dessen verkrampfte Hände verrieten, dass er eine dritte Option im Sinn hatte. Sie konnte sein Gesicht unter dem Helm nicht sehen, zweifelte aber nicht daran, dass tiefer Hass in den Augen des Kriegers stand und er seine Hand nur schwer beherrschen konnte.
      Ihr Übermut erlosch. Sie wollte Daphne einen warnenden Blick zuwerfen, doch diese war in den Streit mit dem König vertieft.
      Also wandte sie sich an die restlichen Männer der Gruppe: Jaris, Theic, Tris und Aras. Jeder von ihnen schien ähnliches wie sie zu ahnen.
      Behutsam machte sie einige Schritte rückwärts und verschwand dann in der Takelage. Geschickt hangelte sie sich zum Mastkorb hinauf.
      Wenn es gleich zur Sache gehen sollte, wollte sie keine unnötige Zeit verschwenden.
      Dreck auf Toast!
    • Mit zusammengebissenen Zähnen starrte Daryk durch das Visier seines Helmes Cecil an. Der Mann der einst sein Leben zerstört hatte, stand vor ihm und auch, wenn er nun mit Daphne ein neues gefunden hatte, schrie sein Körper nach Rache. Nun beschimpfte der Mann auch noch seine Verlobte und er musste all seine Willenskraft aufbringen, den Mann nicht augenblicklich umzubringen. Noch fuchtelte er nur wild in der Gegend herum, aber der König war unberechenbar.
      „Ihr tut jetzt gefälligst, was ich verlange!“, schrie er Daphne an. „Dies sind meine Gewässer, Ihr unterliegt meinen Gesetzen!“
      „Ihr seid in keiner guten Verhandlungsposition, meint ihr nicht?“, erwiderte die Prinzessin trocken und deutete auf die letzten Reste des einst stolzen Schiffes, die in den Fluten versanken. „Ohne uns kommt ihr schließlich nicht nach Hause!“
      Daryk erkannte das Grinsen, dass sich über das Gesicht seines einstigen Herrschers legte sofort und trat vor Daphne.
      Die junge frau wollte erstaunt seinen Namen rufen, unterbrach sich aber rechtzeitig und sagte:
      „Dar…ren?“
      „Was wollt Ihr?“, fuhr der König den schwarzen Ritter an. „Geht mir aus dem Weg, wenn ich mit dem Weib rede!“
      „Dem Weib?!“, empörte sich Daphne hinter ihm und streckte ihren Kopf hinter dem Hünen vor. „Ich bin die Prinzessin Delyveihs und das ist mein Schiff!“
      „Nicht mehr lange!“, meinte Cecil und deutete mit der Hand auf Daryk. „Schafft dieses Tier aus dem Weg und bringt sie mir!“
      Sofort zogen die Soldaten Lycs ihre Waffen und näherten sich dem Ritter, blieben aber augenblicklich stehen, als dieser in Flammen aufging.
      „Es ist genug … mein König“, knurrte Daryk durch seinen Helm.
      Er spürte die Hand der Prinzessin, die von seinem Feuer nicht angegriffen wurde, an seinem Arm.
      „Es ist mein Schiff!“, beharrte sie weiter. „Das ist ein Geschenk meines Vaters ... Wenn Ihr nicht davon ablasst, wird mein Anverlobter hier, auch Euch zu Brennholz verarbeiten. Er hat allen Grund dazu und ich werde ihn bei Rhenus nicht daran hindern.“
      „Euren was?!“, keifte Cecil. „Was wollt ihr mit diesem Kerl, dessen Magie offensichtlich nur fauler Zauber ist?“
      Er schien bemerkt zu haben, dass Daphne von den Flammen unbeeinträchtigt ließen. Wütend, dass seine Männer nicht mehr auf ihn hörten, machte der König einen Schritt nach vorn und versuchte Daphnes Arm zu packen.
      Mit einem raschen Griff fing Daryk den Arm ab und drehte ihn herum. Schreiend und fluchend ging Cecil in die Knie und sah dann zum Hünen auf, der seinen Helm verschwinden ließ und dem Mann sein Gesicht offenbarte.
      Einen Augenblick schien die Zeit still zu stehen, als der König entsetzt in Daryks Gesicht starrte.
      „Nein…“, stotterte er. „Das kann nicht sein!“
      Wortlos griff der Ritter seinem Opfer ins Gesicht und nahm bald darauf den Geruch verbrannten Fleisches wahr.
      "Every moment of anger, hate, deceit, pain, suffering, pleasure, and desire is mirrored in the power of Chaos."
      — Arenal, Eldar Farseer


      Projekte:

      Die Flammen von Narak
      Zwischen Leben und Tod (zusammen mit Jennagon)

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    • Jaris war Milde überrascht, als Daphne Daryk als ihren Anverlobten bezeichnete. Weniger über die Verlobung sondern darüber, dass sie das öffentlich tat. Doch er hatte nicht wirklich Zeit sich zu wundern, denn einen Moment darauf zogen alle ihre Schwerter und es roch intensiv nach Barbecue. Er tat es seinen Kameraden gleich, zog sein Schwert und trat drohend auf die Matrosen vom Schiff des Königs zu. Die Besatzung von Daphnes Schiff stand zuerst ratlos um die bewaffneten herum, dann läutete eine Glocke. Der Bootsmann stand auf dem Achterdeck und zwei stämmige Matrosen schleppten die Waffenkisten an Bord. Die ersten Männer griffen sich bereits Entermesser und Speere, während die nun führungslosen Matrosen des Königs ratlos in einem immer enger werdenden Kreis standen. Es dauerte nicht lange bis sich die ersten ergaben.

      Jaris stand reglos an der Reling, während er auf die wenigen Überreste, des königlichen Schiffes starrte. Außer ein paar Planken und Kisten war alles dem hungrigem Rachen der See zum Opfer gefallen.
      "Was starrst du so", fragte Thyra, die neben ihn getreten war.
      "Ich frage mich nur wie unser Empfang in Lys aussehen wird, nachdem wir ihrem König gebraten haben", antwortete er ihr und legte einen Arm um sie. Der Sonnenschein spiegelte sich auf der glatten Meeresoberfläche wieder und ließ sie wie Glas schimmern. Ein erstaunlicher Moment der Ruhe, wenn man bedachte, dass sich noch vor wenigen Stunden meterhohe Wellen vor ihnen aufgetürmt hatten.
      "Auf jeden Fall werden wir einige Fragen zu beantworten haben", vermutete sie. Er stimmte ihr zu.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley