Wind der Veränderung

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    • Wind der Veränderung

      Klappentext:

      Die Welt hat schon vieles gesehen. Zivilisationen stiegen auf und zerfielen, Kriege wurden ausgetragen, Völker vernichtet. Die Entdeckung von neuen Technologien und Kontinenten sollten Erleuchtung bringen, machten es aber nur noch schlimmer. Die beiden Nationen Vodrask und Ardonien tragen gestärkt durch die Kolonien einen neuen Konflikt aus. Die eine Seite klammert sich an die alten Werte und versucht, ihre einstige Macht wiederherzustellen, während die andere nach Fortschritt und Grösse sucht. Getrennt werden die Länder vom Fluss Serno, über den nur die Brücken in der Stadt Dripol führen. Einst ein Symbol des Friedens ist die geteilte Stadt nun der blutigste Kriegsschauplatz.
      Inmitten der Konflikte stecken Imorym und seine Gefährten. Eine Gruppe Leute unterschiedlicher Nationalitäten und Herkunft, die aber alle irgendwie erst am Rand der Gesellschaft und dann zwischen den Fronten gelandet sind. Sie müssen nun nicht nur den Krieg überstehen, sondern auch die Vergangenheit bewältigen und den Weg zurück in ein normales Leben finden.

      Das mal als kurze Einführung. Die Geschichte sollte später mal ein Buch werden, was ich wohl aber nicht durchziehen werde. Sie hat einen gemächlichen Anfang, Action kommt erst später. Ich hoffe, dass es dadurch nicht zu langfädig wird. Das Setting ist an das 17. Jahrhundert angelehnt. Mittelalterliche Settings gibt's ja schon ziemlich viele, da wollte ich mal etwas Neues probieren. Man wird auch viele Anlehnungen an echte Länder und Kulturen finden.

      Infos zur Welt und die Karte gibt's hier

      Kapitel 1

      Er träumte. Träumte, wie Stahl auf Stahl schlug. Immer und immer wieder. Funken sprühend, schabend, zornig. Doch das erwartete laute Klirren und Scheppern blieb aus. Kein Ton war zu hören, während die Schwerter gegeneinander prallten, obwohl seine Erinnerung vollgestopft mit diesen schrecklichen Geräuschen war. Nicht nur das Waffengeklirr, sondern auch das Brüllen von Befehlen, das Stöhnen, Knurren und Ächzen der Kämpfenden und das Schreien und Wimmern der Verwundeten. Das Alles blieb aus, stattdessen war da diese fremdartige Stille. Sein entrückter Blick schweifte über das Schlachtfeld. Er fühlte sich leicht, fliegend. Mit Schrecken stellte er fest, das die Stadt brannte. Schon wieder. Unter dem schweren, schwarzen Rauch der Häuser leckten Flammenzungen und labten sich an dem knackenden Gebälk, das sich langsam in Kohle verwandelte. Die Verteidiger mussten sich bereits zu weit zurückziehen, die Stadt war verloren. Sie wird den Morgen nicht sehen, fürchtete er. Unten am Fuss des Berges versammelten sich schemenhafte Gestalten. Krieger, die stolz das feindliche Banner schwenkten. Die zwei brüllenden Ungeheuer, die ihre weissen, schlangenhaften Leiber auf purpurnem Grund verbanden. Im Gleichschritt marschierten sie durch die Flammen den Hang hinauf, um den schwindenden Verteidigern endgültig den Garaus zu machen.
      Doch die verlorene Schlacht schien ihm unwichtig zu sein, angesichts dieses einen Hauses. Es brannte genau wie die anderen auch, nichts schien daran aussergewöhnlich und doch bedeutete es ihm viel. Einst war es ein hübsches Haus, gross, mit Blick auf die Berge und schönem Balkon, der von nun brennenden Blumen und Pflanzen bedeckt war. Die Grundmauern waren aus grobem Stein und die Balken und der erste Stock aus Holz. Er sah, wie das Ziegeldach einbrach und eine heisse Wolke Funken und Rauch freigab. Nun wurde ihm bewusst, warum ihm das Haus so viel bedeutete: Maria und Zarene waren da drin.
      Plötzlich hörte er ein Geräusch. Knack! Er schreckte hoch, seine Hand fuhr zum Rapier. Sein wohl wertvollster Besitz. Mit einer raschen Bewegung schlug er die Decke zurück und sprang auf. So stand er nun, die blanke Waffe ausgestreckt, den Blick unruhig über die Szene wandernd und die Beine leicht gebeugt in Kampfpose. Stille. Sie waren noch immer im Wald, auf einer kleinen, von Nadeln und Wurzeln bedeckter Lichtung. Das Knacken wurde von einem kleinen Tier verursacht, das nun im morgendlichen Dunst verschwand. Erleichtert atmete Imorym aus und setzte sich. Das überstürzte Erwachen verwirrte ihn. Nicht nur das, der Traum nagte an seinen Gefühlen, auch wenn er das sich nur ungern eingestand. Er fuhr sich einmal mit der schwieligen Hand quer über das eingefallene Gesicht und das kratzende Kinn und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Es war lange her, seit er das letzte Mal vom Krieg träumte. Schon fast war er so naiv gewesen zu glauben, er hätte die Ereignisse endlich hinter sich gelassen. Als der Ritter von Rabenkamm sich beruhigte, warf er einen Blick auf die anderen. Die Sucherin schlief, Ulrich und Tamera ebenso. Keine Überraschung, sie schlief gern und lang, wofür aber keine Zeit war. Der Herzog hatte ihnen gesagt, die Sache dulde keinen Aufschub. Mit einem Ächzen stand er auf, streckte sich und stupste Ulrich und die Sucherin mit dem Fuss an. "Aufwachen, die Sonne ist aufgegangen." Bei Tamera ging er etwas freundlicher vor und rüttelte sie leicht an der Schulter, bevor er sie leise mahnte: "He, aufstehen. Wir müssen los." Während die drei gähnten und murmelten und langsam aufstanden, suchte Imorym nach der Sonne. Sie glänzte schüchtern zwischen den Stämmen der Kiefern und Birken und dem Nebel hervor und tauchte die Lichtung in diffuses, rötliches Licht.
      Der Ritter schlurfte zu seinem grossen, grauen Beutel und wühlte darin nach Essen. Gepökeltes Fleisch, Käse und Brot. Das Brot war, obwohl in Zeitungspapier eingewickelt, feucht geworden und wies etwas Schimmel auf. Er setzte sich im Schneidersitz auf seinen Schlafsack, nahm das Messer und schnitt den Teil grosszügig weg. Danach säbelte er auch etwas von der Trockenwurst und dem Käse ab und nahm von allem einen Bissen. Das Brot war zäh und etwas feucht, aber der Belag schmeckte gut. Als Tamara sich aus dem Schlafsack gekämpft hatte und müde eine ihrer langen, dunklen Strähnen aus dem Gesicht strich, reichte er ihr das Brot mit dem Messer. "Schau besser zweimal hin", warnte er, "weisse Pferde trampeln drauf rum."
      "Solange sie noch nicht alles wegfressen...Ich wüsste nämlich nicht, wo wir neues Brot bekommen sollten, wir haben gestern Borheim verlassen und kaum Vodraskische Kronen dabei."
      "Wir könnten zur Not welches stehlen, falls du und Ulrich kein Wild findet. Es gibt hier viele Bauerndörfer, die von Weizen und Windmühlen leben."
      "Stehlen? Wirklich?", zweifelte Tamera. "Wir haben gerade erst Vodrask erreicht und sollten uns schon strafbar machen."
      Imorym zuckte mit den Schultern: "Ich will keinen Hunger leiden. Mir gefällt die Idee allerdings auch nicht, immerhin ist der Zlakta dieser Provinz unser Ziel, da wollen wir nicht in Ketten vor ihn geführt werden. Aber wenn wir nur einige Laibe nehmen, werden sie uns - für den unwahrscheinlichen Fall, das wir erwischt werden - mit einem Schwall Flüche laufen lassen."
      "Die Bauern von Urzagov, so heisst die Provinz, sind nicht zu unterschätzen. Weder die Priester Zarims, noch die Soldaten und Husaren des Zlakta haben hier viel zu sagen. Es ist abgelegenes Gebiet, fern von der Metropole Krusk. das Einzige was es hier gibt ist Holz, Wild und Korn. Die Bauern gewinnen es unter grosser Anstrengung. Nimmt man es ihnen weg, holen sie es mit Äxten und Mistgabeln zurück. Selbstjustiz ist hier an der Tagesordnung, die Bauern leben nach ihren eigenen Regeln und sehen zu, das sie selbst über den Winter kommen. Ihr tätet besser daran, sie in Ruhe zu lassen", die Sucherin war aufgestanden und hat sich zu ihnen gesetzt. ihre Miene unter den kurzen, strubbligen Haaren verriet wenig. Wie immer. Ein schmales Gesicht, dünne Lippen, ernste, grüne Augen. Ihr Gesicht war geheimnissvoll, genau wie ihr Name. Sucherin. Niemand wusste mehr. Ihre Aufgabe war es, sie durch Vodrask zu führen, ihnen den Weg zu zeigen, nicht ihren Namen zu verraten.
      "Na dann verlassen wir uns eben auf die Jagd oder versuchen, so schnell wie möglich zum Zlakta von Urzagov zu gelangen."
      "Und ich frage mich noch immer, was wir bei dem wollen", Ulrich gesellte sich zu ihnen. Der junge Ardonier setzte sich und griff nach dem Essen. "Du hast etwas von einer Nachricht gesagt, aber mehr wolltest du nicht verraten."
      "Es gibt auch nicht viel mehr zu sagen", meinte Imorym ausweichend. "Ein ardonischer Expeditionskorps hat die Grenzen Borheims im umkämpften Gebiet überschritten und ihr Lager in den Ruinen von Terjut aufgeschlagen, um dort zu forschen. Mehr weiss ich nicht. Der Herzog war sehr sparsam mit seinen Informationen." Der Ritter erinnerte sich gut an das Gespräch. Es war vor drei Tagen gewesen. Sie sassen im Büro des Herzogs, nur er und Thomes von Grauburg. Nachdem er ihnen beiden Rum aus einer hübschen Karaffe eingeschenkt hatte, sassen sie an seinem Arbeitstisch und redeten. Sie hatten das nicht zum ersten Mal getan, schon seit Imoryms Zeit als Borheimischer Ritter kannten sie sich gut.
      "Imorym, es gibt einen Grund, weshalb ich dich hergerufen habe", sagte Herzog Thomes und nippte an seinem eisgekühlten Getränk. "Wir brauchen im Moment alle verfügbaren Soldaten an der Front, alle offiziellen Boten pendeln zwischen Grauburg, Tanningen und Weitfeld hin und her oder sind unterwegs in ferne Länder. Und doch habe ich eine Botschaft nach Vodrask. Ich weiss nicht, ob sie von Belang ist, lange zweifelte ich, ob ich sie überhaupt melden sollte. Aber zu Kriegszeiten könnte jede Information wichtig sein."
      Imorym beugte sich etwas vor: "Nun, was ist denn die Botschaft, Mein Herr?"
      "Im Süden meines Herzogtums, in den Trauernden Bergen, wo sich die Ardonier Gefechte mit unseren Truppen liefern, hat sich auch einer ihrer Expeditionskorps niedergelassen. Die Forscher werden von Soldaten bewacht und scheinen an den Ruinen von Terjut interessiert zu sein. Wir vermuten, das die Ruinen einst eine Stadt der Zarjchem war."
      Imorym nickte geistesabwesend. Um das vergessene Volk rankten sich viele Legenden. So viele, dass er sich nicht sicher war, ob die Zarjchem menschlich waren. Sie schienen den heutigen Menschen in jeder Hinsicht überlegen. Kriegskunst, Handwerk, Bewässerung, Abwassersysteme, Architektur. Und doch verschwanden sie. Innert wenigen Stunden zerfiel ihre Zivilisation mit Krach und Staub und nach einigen hundert Jahren verschwanden auch die letzen ihres Volkes.
      "Was könnte Ardonien von den Ruinen wollen? Krieg ist ein schlechter Zeitpunkt, Archäologie zu betreiben."
      Der Herzog rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl herum. Er schien mit sich selbst zu kämpfen. "Ich kann es dir nicht sagen", meinte er schliesslich. "zu gefährlich, sollte sich nicht herumsprechen. Der Zlakta von Urzagov wird schon verstehen, worum es geht. Er lebt in der Grenzregion Vodrasks, etwa eine Woche von hier. Du musst ihm oder einem seiner Untergebenen diese Botschaft übermitteln. Was meinst du, klingt das nach einem Auftrag für dich?"
      "Natürlich. Ihr wisst, es gibt wenig zu tun, seit ich nicht mehr im Dienst bin", sagte Imorym nicht ganz ohne Bitterkeit und trank einen Schluck Rum. Thomes sah ihn eingehend an: "Ich weiss auch, das du nicht viel anders tun willst. Du bist der geborene Soldat, Imorym. Und noch nicht zu alt, eine neue Karriere bei der Reiterei zu beginnen."
      "Das könnte ich tatsächlich", der Ritter sah in sein Glas und schwenkte es nachdenklich. "als ich vor zwanzig Jahren in der Kathedrale von Tanningen zum Ritter geschlagen wurde, wusste ich, das es diesen Titel schon sehr bald nicht mehr geben würde. Schon da kauften sich viele von uns eine Pistole und ein Säbel, statt Lanze und Langschwert. Die Rüstungen waren billig und in Mengen produziert, keine massgeschneiderte Handarbeit mehr. Mir war bewusst, das die Zeit des Rittertums vergangen war, aber wahrhaben wollte ich es nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich es auch heute nicht einsehen will. Immer ist da diese kleine Leise Stimme, die mir sagt: 'Du wirst noch gebraucht. All die Schlachten, der hundertfache Tod vor deinen Augen, es war nicht umsonst.'", er seufzte und trank, setzte erneut zum Reden an, schwieg und trank stattdessen. "Ich will nicht, dass das Rittertum verschwindet", fuhr er schliesslich fort. "Vermutlich bin ich einfach noch nicht bereit für ein neues Zeitalter."
      Thomes nickte langsam und sah ihn eindringlich an. Der Herzog war kein Krieger und doch hatte Imorym das Gefühl, er wisse genau, wovon er sprach.
      "Es wird der Tag kommen, an dem Borheim wieder Ritter braucht. Und an diesem Tag will ich hoffen, dich lebend und kampffähig zu finden. Bis dahin wirst du dich leider damit begnügen müssen, halbwegs offizielle Botengänge zu erledigen." Er schob ihm einen Umschlag mit dem Siegel des Herzogtums Grauburg, links ein hoher Turm, rechts der Bär Borheims, entgegen. "Unter keinen Umständen öffnen. Ich werde den König verständigen, Ihr Vodrask. Nicht dass die Sache sie etwas anginge, aber ich finde, als unser Verbündeter und Erzfeind Ardoniens haben sie das Recht, von den Aktivitäten des Gegners zu erfahren."
      "Natürlich, mein Herr." Da waren sie wieder, Vorgesetzter und Untergebener. Der Ritter von Rabenkamm erhob sich. "Ich werde dem Zlakta von...dieser Provinz die Nachricht überbringen."
      "Urzagov", erinnerte Thomes Imorym, während dieser sich rasch verbeugte. "Die Provinz heisst Urzagov."

      "Und du weisst sicher nicht mehr? Ganz sicher?", fragte Ulrich eindringlich, während er auf einem Stück Wurst kaute.
      "Ganz sicher. Der alte Thomes hat gesagt, wir dürfen den Umschlag nicht öffnen und das tun wir auch nicht. Wer sich dem widersetzt, kann seine Finger danach selbst vom Boden aufsammeln", Imorym stand auf und ging zu seiner Rüstung. Er begann, sich das Kettenhemd über den Gambeson zu streifen.
      "Mein lieber Imorym, du vergisst wohl, das uns das einen Scheissdreck interessiert. Wir sind Banditen, verdammt!", rief Tamera aus.
      "Ihr vielleicht, ja. Aber ich trage noch immer ein 'Sir' im Namen. Und solange ich als Ritter unterwegs bin, verhalte ich mich auch wie einer. Um ehrlich zu sein, gefällt mir das auch deutlich mehr als plündern und ergaunern."
      Jetzt war seine gute Laune verflogen. Mürrisch zwängte er sich in seine hohen Reiterstiefel. Er hasste es, daran erinnert zu werden, dass sie nichts als ein Haufen Halunken waren. Er hasste die Vergangenheit mit ihren blutigen Scharmützeln, das Waffengeklirre und der Verlust und er hasste die Gegenwart, wo er nichts als ein Relikt vergangener Zeiten war und sich als Bandit und Laufbursche durchschlagen musste. Einst ein stolzer Ritter der Krone Borheims, Hüter der Trauernden Berge, nun ein verbittertes Wrack, das sich mit vierzig fühlte wie mit sechzig.
      "Kann mir mal jemand beim Anlegen der Rüstung helfen?", knurrte er. Tamera stand auf und schnappte sich die Halsberge. Schlicht und wie alles andere auch dunkelgrau lackiert. Sie legte sie um seinen Hals, befestigte sie und griff nach dem Harnisch. Ein schweres, spitz zulaufendes Ding, das sie nun erst bei der Brust, dann am Rücken an die Halsberge hing und beide Seiten mit Schnallen verband. Danach holte sie das Schienengeschübe, das die Beine bis fast zu den Knien schützte. Mit diesem rockartigem Panzer konnte sich Imorym Beinschienen sparen und stattdessen ganz modern Stiefel tragen. Sie befestigte es am Harnisch und griff nach dem Schulterpanzer. Eine Reihe abgerundeter Metallplatten, die sich nach unten hin verjüngten. Nachdem sie am Harnisch befestigt wurden, kamen die letzten Teile: Die Schienen für die Oberarme und die dazugehörigen Ellbogenkacheln. Die einzigen Stücke der Rüstung, die noch etwas verziert waren. Sonderanfertigung eines Schmieds aus Palus. Als auch die angelegt waren, bedankte er sich knapp und streifte sich seine ledernen Handschuhe mit den breiten Krempen über. Es war nicht nötig, die ganze Rüstung anzulegen, aber er fühlte sich sicherer, wenn er sich gut gerüstet in einem fremden Land bewegte. Das einzige Stück Metall, das er sich ersparte, anzuziehen, war sein Helm. Der hing noch immer an seiner Satteltasche, wo er nun hinging und den Rest seines Gepäcks verstaute. "Auf, auf, es ist Zeit, weiter zu ziehen."
      Der Trupp brummte und gähnte und machte sich für die Abreise bereit. Ein seltsamer Haufen. Ein Ritter, eine Schuhsterin, ein Ardonischer Schütze und eine...was auch immer. Eine unbekannte Führerin. Sie alle rollten ihre Matten und Schlafsäcke zusammen, verstauten ihre Lasten bei den Pferden und erleichterten sich vor der Reise. Ulrich pisste auf die Überreste des Feuers und die Sucherin warf einen Blick auf ihre Karte. Nicht dass sie sie unbedingt brauchte, sie kannte sich hier gut genug aus. Er war der festen Überzeugung, sie hätte schon anhand von Baumgruppen, Felsen und Gerüchen erkannt, wo sie sich befanden.
      Imorym setzte einen Fuss in den Steigbügel und schwang sich auf seinen Braunen. Dann ritt er los. Der Wald war kühl und feucht und von goldenem Licht erfüllt. Es war überraschend, das der Boden nicht gefroren war. Nach einem kurzen Ritt, der durch Baumstämme und Wachholdersträucher führte, fanden sie sich auf dem Feldweg am Waldrand wieder und führten die Reise fort. Ulrich wühlte im Reiten in seiner Tasche und holte seine Flöte hervor, auf der er erst einige schiefe Töne blies, bis er schliesslich ein Stück begann. Es klang wie ardonische Marschmusik, nur mit etwas weniger strengem Takt und mehr Abwechslung.

      "Was glaubst du, wer wird den Krieg gewinnen?", fragte Tamera, die neben Imorym ritt. Dieser liess sich mit seiner Antwort Zeit.
      "Es ist schwierig. Auf der einen Seite haben wir Vodrask und ihre Verbündeten, sie schätzen die alten Werte und kämpfen mit bewährten Taktiken. Leider haben ihre Ansichten aber keinen Platz mehr in der Welt. Noch sind die Husaren gefürchtet, aber was, wenn Schusswaffen noch schlagkräftiger werden? Sie können ihre Stahlrüstungen nicht ewig dicker machen, bereits jetzt ist ein pferdeloser Husar schneller erschöpft, als er 'Zarim ist mit uns' rufen kann. So sehr es schmerzt, das zu sagen, aber um zu gewinnen, werden sie Ehre und Tradition aufgeben müssen. Ardonien auf der anderen Seite verlässt sich ganz auf ihren Fortschritt und Disziplin. Sie streben nach grösserem, wollen ein Imperium aufbauen, das alle vergangenen Reiche in den Schatten stellt und es schien ihnen bisher zu gelingen. Ihr Reich ist rasch gewachsen, aber vielen missfällt das. Auch wenn man im Krieg keine Nachrichten von dort erhält, kann ich mir gut vorstellen, das sie bald auch mit Unruhen auf eigenem Grund und Boden zu kämpfen haben."

      "Was ist mit dem Serno? Wie soll eine der beiden Seiten ihn überqueren?", Tamera sah ihn eindringlich an. Die Frage interessierte sie wirklich.
      "Der Fluss ist breit, aber träge. Am Fuss der Trauernden Berge, wo er seinen Ursprung findet, ist der Übertritt einfach, aber auf beiden Ufern warten Forts und Patrouillen. In Dripol, wo seit zwei Jahren, seit Beginn des Konflikts, der Stellungskrieg tobt, wird früher oder später eine der Seiten die Oberhand gewinnen und die Brücken stürmen. Der heikelste Punkt befindet sich aber im Süden. Dort, wo der Serno breit wie ein See ist, erwartet niemand eine Überquerung. Allerdings ist es durchaus möglich, mit Flössen und Schiffen die andere Seite zu erreichen."
      Tamera verinnerlichte sich das Gesagte. "Der zweite Serno-Krieg...oder wie ich ihn genannt hätte: Der zweite Krieg ums Pisswasser."
      Ulrich brach hinter ihnen kurz sein Stück ab, weil er leise kichern musste. Auch die Sucherin drehte sich zu ihnen um und erlaubte sich ein seltenes Schmunzeln. Nur Imorym lachte nicht. Er lachte generell nicht oft, aber wenn es um Krieg ging, verstand er gar keinen Spass.
      "Ich bin froh, in diesem Krieg nicht mitkämpfen zu müssen", murmelte er nach einer Weile, den Blick starr geradeaus. "Bei Zarim, ich kann dir kaum sagen, wie froh ich bin."
      Tamera sah ihn an und legte den Kopf schief, als ob sie in seinem Gesicht nach etwas suchte. "Du hast wieder geträumt, nicht wahr? Vom Krieg."
      "Ja. Ja, ich habe geträumt. Von der letzten Schlacht, vom Sturm auf Karstberg, von der Niederlage...von Maria und Zarene."
      Darauf schwieg Tamera, wissend, ihn durch alles, was sie nun sagte, nur noch weiter zu verärgern. Stattdessen tat sie es ihm gleich und starrte geradeaus auf den Weg und den Rücken der Sucherin vor ihnen. Und sie lauschten Ulrichs Lied. Mittlerweile hatte er ein neues, fröhliches begonnen, doch so sehr sich Imorym anstrengte, die Melodie wollte für ihn einfach nicht nach Frohmut klingen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Sir Jufington ()

    • Erstmal: HI ^^

      Ja, das dachte ich mir schon, dass es ein paar Probleme mit der Formatierung geben könnte. Du siehst bestimmt, dass die alten Absätze von deinem Text nnu zusammengeschriebene Wörter sind, die es aufwendig zu trennen gilt. Um dem aus dem Weg zu gehen, drücke das Kästen oben links beim Erstellen einer Atnwort und füge deinen TExt dort ein, dann kannst du wieder auf das Kästchen drücken und Schrift, Schriftgröße und co anpassen ^^
      Dann wird der Text als Quellcode übernommen, du musst nur alles, was zurvor kursiv war nochmal raussuchen, was aber meist nicht viel Arbeit ist, man kennt ja seinen Text ;)

      Das vorab schon mal und nu les ich weiter ... ;)
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Spoiler anzeigen

      Sir Jufington schrieb:

      Maria und Zarene waren da drin.
      Waren sie da drin oder wohnten sie da ^^
      Fand ich etwas unglücklich formuliert. "Marie und Zarene lebten dort!" - klingt freundlicher, aber nur ein Vorschlag.


      Sir Jufington schrieb:

      Nicht nur das, der Traum nagte an seinen Gefühlen,
      Nicht nur, dass der


      Sir Jufington schrieb:

      Als der Ritter von Rabenkamm sich beruhigte, warfer einen Blick auf die anderen.
      Wrong Tur ... Time ^^. Da der Satz darauf hinweisen soll, dass der Ritter sich erst beruhigt und DANN umsieht, ist die korrekte Zeit Plusquamperfekt. "Als der Ritter sich beruhigt hatte, warf er einen Blick auf die anderen." - "beruhigen" ein abgeschlossener Vorgang.


      Sir Jufington schrieb:

      Die Sucherin schlief, Ulrich und Tamera ebenso.
      Kein Fehler, ich kenn den begriff nur aus Dragon Age 2+3 hahahaha :thumbsup:

      Sir Jufington schrieb:

      Sie glänzteschüchtern zwischen den Stämmen der Kiefern und Birken und dem Nebel hervor undtauchte die Lichtung in diffuses, rötliches Licht.
      Achte auf Wiederholungen. Und lässt sich oftmals durch Kommata verhindern, gerade bei Aufzählungen.


      Sir Jufington schrieb:

      kaum Vodraskische Kronen dabei."
      Eigenname oder Beschreibung. Wenn Beschreibung, dann klein schreiben ^^

      Sir Jufington schrieb:

      "Wir haben gerade erst Vodrask erreichtund sollten uns schon strafbar machen."
      sollen, noch ist es nicht passiert.


      Sir Jufington schrieb:

      das Einzigewas es hier gibt ist Holz, Wild und Korn.
      Groß


      Sir Jufington schrieb:

      Ihr tätetbesser daran, sie in Ruhe zu lassen", die Sucherin war aufgestanden undhat sich zu ihnen gesetzt.
      Punkt und neuer Satzbeginn. Es sagt ja keiner iwie was, zum Beispiel: "mahnte er ... und die Sucherin ..."


      Sir Jufington schrieb:

      ihre Miene unter den kurzen, strubbligen Haarenverriet wenig.
      Ihre


      Sir Jufington schrieb:

      "Nun, was ist denn die Botschaft, Mein Herr?"
      mein


      Sir Jufington schrieb:

      "Daskönnte ich tatsächlich", der Ritter sah in sein Glas und schwenkte esnachdenklich.
      Er hat ein Glas dabei? Auf Reisen? Das hält in einer Tasche doch keinen Tag :D
      Gerade auf einem Pferd ... :P Ich glaub, da würde ich von einem Becher sprechen oder so ... ;)



      Sir Jufington schrieb:

      Immer ist dadiese kleine Leise Stimme, die mir sagt: '
      kleine, leise Stimme, die mir sagt:


      Sir Jufington schrieb:

      Nicht_ (Komma)dass die Sache sie etwas anginge, aber ich finde, als unser Verbündeter undErzfeind Ardoniens haben sie das Recht, von den Aktivitäten des Gegners zuerfahren."

      Sir Jufington schrieb:

      "Urzagov",erinnerte Thomes Imorym, während dieser sich rasch verbeugte. "Die Provinzheisst Urzagov."
      <--- bis dahin hab ich erstmal gelesen. Der Text ist sehr klein am PC und deshalb auch extrem lang.
      Ich würde ihn bis zu diesem Absatz erstmal kürzen, wenn ich du wäre. Es schreckt etwas ab, zu Anfang gleich so einen langen, kleingeschriebenen Text zu sehen, denn die Korrekturen sind dann mühseliger und auch das Lesen wird etwas erschwert ^^
      Die Norm sind immer so ca. 3 Seiten oder, wenn schon in Buchformat formatiert 4- max. 5 (30 Zeilen á 60 Anschläge)
      Damit würdest du es UNS leichter machen :P



      So, erstmal so viel dazu ...
      Ich hab den ersten Teil deeines Textes gelesen und muss sagen, er liest sich so gar nicht schlecht, wenn man mal die Formatierung außen vor lässt ;)
      Der Anfang ist ruhig, das ist aber nicht schlimm, denn es muss nicht immer gleich mit einer epischen Schlacht beginnen, tut es bei mir auch nicht. ^^
      Ich bin auch ein Fan davon erstmal die Charakter kennenzulernen und von denen hast du auch einige, wobei ich mir den Ritter gut vorstellen kann, gerade als alten "Haudegen" der einer aussterbenden Rasse angehört.

      So weit schon mal :super:

      Der Text selbst wimmelt jedoch vor Flüchtigkeitsfehler, da würde ich nochmal drüber gehen, denn ich denke nicht, dass du pinzipiell nach einem Punkt klein schreibst. :rolleyes:
      Dieser Fehler taucht aber leider häufiger auf.
      Deshalb ist es auch praktischer, wenn du kürzere Teile hochlädst, denn auch du kannst diese nochmal leichter Korrekturlesen und dann absenden.

      Wir korrigieren und helfen gerne, aber auch nur dann, wenn wir merken, dass der Schreiber selbst zuvor erstmal Vorarbeit geleistet hat, denn so eine Korrektur kann schon mal bis zu einer Stunde dauern, bis man gelesen und dann die Fehler rausgesucht hat und die Arbeit dieser User sollte damit anerkannt werden, indem man vorab schon mal selbst versucht die meisten Fehler zu vermeiden ;)

      Es sei denn, es ist keine Korrektur gewünscht, dann einfach Bescheid geben :thumbup:

      Viel weiter kann man noch nichts sagen, es ist ein häufig genutztes Mittel Leute in die Walachhai zu schicken, nutze ich selbst in meinen aktuellen Geschichten ... Ritual der Wanderschaft - sagt ja schon der Name :P
      Aber irgendwer muss ja irgendwo hin, um irgendwas zu machen - also ist deine obere Selbstkritik gar nicht nötig ^^

      DAnn schreib mal schön weiter und wir sehen mal, wie lange du es durchhältst hahahaha
      Immer einfach am Ball bleiben, denn Meister fallen nicht vom Himmel und vielleicht bekommst du mit solchen Rückmeldungen doch Lust etwas zu Ende zu schreiben ^^

      LG

      Jennagon
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Danke vielmals für die Korrektur, so was hilft wirklich weiter. In Zukunft werde ich die Kapitel auch besser selbst durchlesen und etwas kürzen, damit nicht alle vom "Wall of Text" erschlagen werden.^^

      Jennagon schrieb:

      Sir Jufington schrieb:

      "Das könnte ich tatsächlich", der Ritter sah in sein Glas und schwenkte es nachdenklich.
      Er hat ein Glas dabei? Auf Reisen? Das hält in einer Tasche doch keinen Tag :D Gerade auf einem Pferd ... :P Ich glaub, da würde ich von einem Becher sprechen oder so ... ;)
      Oh, da habe ich wohl nicht klar genug geschrieben. Das ganze sollte ein Flashback sein, wo Imorym mit einem Herzog in seinem Arbeitszimmer spricht.

      Edit: Und das mit der Sucherin ist doof. Ich spiele gar kein Dragon Age und sehe gerade auf Google: Die sieht sogar ähnlich aus, wie ich mir meine Sucherin vorgestellt habe!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sir Jufington ()

    • Sir Jufington schrieb:

      Oh, da habe ich wohl nicht klar genug geschrieben. Das ganze sollte ein Flashback sein, wo Imorym mit einem Herzog in seinem Arbeitszimmer spricht.
      Macvh bei solchen Sachen Absätze. ^^
      Dann wird etwas klarer oder erwähne, dass er gedanklich abtriftet:P
      Es ist ein wenig undeutlich, ja, aber jetzt wo du es sagst, verstehe ich es :lol:
      Dennoch können Absätze, wenn ein "Setting" sich ändert, es nochmal hervorheben.
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Hey Sir Jufington,

      ich habe mir den Beginn deiner Geschichte nun auch mal durchgelesen. An sich finde ich den Beginn schon mal nicht schlecht. Es klingt interessant und ich finde, dass er sich auch schön flüssig lesen lässt. Auch deine Wortwahl finde ich abwechslungsreich.
      Allerdings könnten ein paar mehr Absätze deinen Text noch etwas aufwerten. Zum Beispiel war ich erst ziemlich verwirrt, als mitten drin erstmal eine Rückblende kam. Danach hast du zwar einen Absatz gesetzt, aber vielleicht könntest du auch noch den Anfang der Rückblende deutlich machen. :rolleyes:
      Ansonsten sind gerade im ersten Teil sehr viele Informationen drin. Wer gegen wen kämpft, wo wer hin will und wie wer heißt. Das ist an sich nicht schlimm, allerdings finde ich, dass die Flut an Informationen doch etwas erdrückend wirkt. Ich musste den Text zweimal lesen und das hochkonzentriert, damit ich die Zusammenhänge mitschneiden konnte. Es kann natürlich auch sein, dass es an mir liegt, oder an der Länge des Textes. ^^

      Aber mal fern ab von meinem Gemecker: Die Geschichte gefällt mir bis hierher ziemlich gut und auch deine Charaktere machen auf mich einen lebendigen Eindruck. Ich werde auf jeden Fall mal dran bleiben und weiter lesen. ;)

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Spoiler anzeigen

      Sir Jufington schrieb:

      Inmitten dieses Kriegs stecken Imorym und seine Gefährten. Eine Gruppe Leute unterschiedlicher Nationalitäten und Herkunft, die aber alle irgendwie erst am Rand der Gesellschaft und dann mitten im Krieg gelandet sind.
      Zweimal mitten im Krieg. Eigentlich nicht schlimm, aber vielleicht fällt dir zufällig noch was anderes ein, dass du dafür einsetzen könntest.

      Sir Jufington schrieb:

      Die zwei brüllenden Ungeheuer, die ihre weissen, schlangenhaften Leiber auf purpurnem Grund verbanden.
      brüllende Schlagen(oder schlangenartige Wesen)? Etwas merkwürdig, aber egal...

      Ich hab deine Geschichte jetzt auch mal gelesen und sie gefällt mir ehrlich gesagt sehr gut ^^
      Ich finde, du hast eine sehr gute Wortwahl, das gefällt mir;

      Sir Jufington schrieb:

      Als Tamara sich aus dem Schlafsack gekämpft hatte und müde eine ihrer langen, dunklen Strähnen aus dem Gesicht strich, reichte er ihr das Brot mit dem Messer. "Schau besser zweimal hin", warnte er, "weisse Pferde trampeln drauf rum."
      Super Interpretation (oder wie auch immer man das nennen mag)! :thumbsup:

      Es sind angfangs wirklich etwas viel Informationen auf einmal, und ich bin mit den Ländern und Personen auch nicht ganz mitgekommen, aber ich finde das nicht schlimm. ich mag es sogar, wenn man am Anfang noch etwas verwirrt ist und weiterlesen muss um alles zu verstehen. Aber das ist, denke ich, Geschmacksache.
      Ich habe jetzt mal den ersten Teil gelesen, und weiss nicht, ob ich heute Abend noch dazukomme, den zweiten zu lesen (es ist schon ein wenig lang). Wenn ich den Zweiten dann durch hab, geb ich dir wahrscheinlich noch mal Rückmeldung, aber erstmals:
      Weiter so und ja nicht aufgeben! :!: ;)

      Lg Lyn
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993
    • @Kyelia Das du die Charaktere lebendig findest, freut mich. ^^ Genau das war früher nämlich oft mein Problem. Ich hatte zwar halbwegs originelle Nebencharaktere, aber die Protagonisten blieben stumpf und langweilig. Dieses Mal wollte ich es besser machen und den Personen mehr Aufmerksamkeit schenken, nicht nur dem Worldbuilding, das ich halt sehr gerne mache.

      @Lyn Ja, die Beschreibung ist nicht so doll. Ich wollte nicht zu viel Zeit an Details verbringen. Es geht aber um dieses Wappen hier:

      Ich nehme mir die Rückmeldungen zu herzen, vielen dank. Gerade bei der Sache mit der Informationsflut bin ich am überlegen, ob ich es noch umschreiben will. Ich werde einige Infos in der fertigen Version wohl erst später erwähnen und mich erst auf die Gegebenen konzentrieren.
      Jetzt aber zur Fortsetzung. Diesmal nicht ganz so lang:

      Kapitel 2


      Wer ist sie wirklich? Diese Frage ging ihr nun schon öfters durch den Kopf. Und warum begleitet sie uns? Misstrauisch sah Tamera auf den Rücken der Sucherin. Sie ritt geübt und gerade, wusste genau wohin der Weg sie führte und sprach nur wenn es wirklich nötig war, um sie zu belehren oder um den Weg zu beschreiben. Das nördliche Vodrask war ohne Führer umständlich zu bereisen, daran zweifelte sie nicht, aber brauchte es für einen simplen Auftrag wie die Überbringung eines Umschlags wirklich einen vodraskischen Begleiter? Sie hatten Zeit, von Eile hatte der Herzog nichts gesagt, da mussten sie nicht auf Anhieb den Weg durch jeden Sumpf und Wald finden, bloss den ungeöffneten Brief beim Zlakta von Urzagov oder einem seiner Bediensteten abliefern. Warum begleitet sie uns also?
      Die Sucherin tauchte am Morgen des ersten Tags bei ihnen auf. Sie standen gerade auf dem Marktplatz von Grauburg, die Pferde gesattelt, der Proviant gepackt und den Auftrag besprochen, da tauchte sie auf. Schwarzes, strubbliges Haar, dunkle, grüne Augen und ein breites Kinn mit schmalem Mund, das so gar nicht zu dem flachen, zierlichen Körper passte. Sie redete schon da nicht viel, nur dass sie von Thomes geschickt wurde und sie ihre Reiseführerin sei. Natürlich war das keine Überraschung, laut Imorym erwähnte der Herzog einen Führer, der auf dem Marktplatz zu ihnen stiesse. Dennoch, Tamera hätte etwas mehr gegenseitiges Vertrauen erwartet, zumindest einen Namen. Es war der Frau ja nicht zu verübeln, ihnen nicht zu vertrauen. Zumindest seit Ulrich versehentlich einen vergangenen Raubzug erwähnte, war bekannt, dass sie Banditen waren. Auch wenn die Sucherin darauf nicht reagierte.


      "Wir legen hier eine Rast ein!", rief Imorym und zügelte sein Pferd. Es war Mittag, sie befanden sich wieder in einem Wald. Fichten, Buchen und Eichen, deren knorrigen Stämme aus den sanften Hügeln ragten, blockierten die halbwegs warme Sonne, allerdings boten sie auch ein Heim für Zahlreiche Tiere, die sie jagen konnten. Bei einem ebenen Stück Gras stiegen sie ab und banden die Pferde an die alten Bäume. Scheinbar wurde hier schon kürzlich ein Lager aufgeschlagen. Baumstämme und Felsen als Sitze, ein feuchtes Häuflein Kohle und Asche in der Mitte. Ulrich nahm seine Armbrust vom Sattel und legte eine neue Sehne auf. Der Ardonier mit dem kurzen, dunkelblonden Haar und dem kurzen Kinnbart schoss meist mit der Muskete, aber zum Jagen fand er die leise und zuverlässige Armbrust besser.
      "Ich gehe uns etwas zum beissen besorgen", meldete er, hob die Armbrust, hing sich den Köcher um und verschwand auf leisen Sohlen im Dickicht. Tamera sah sich um. Die Sucherin versorgte die Pferde und Imorym packte die Resten ihres Proviants aus. Es war Zeit, dass sie auch kurz verschwand. Nur noch einmal, nur ganz kurz. "Ich suche auch nach etwas zu essen", verkündete sie und trat zwischen die niedrig hängenden Äste in den dichten Wald. Ihre Tasche hatte sie dabei, fehlte nur noch der Nachschub.
      Sie zwängte sich an harmlosen oder dornigen Büschen vorbei, sprang über winzige Wasserläufe und umgestürzte Baumstämme, auf deren moderigem Holz Pilze wuchsen und duckte sich unter Vorhängen aus Blättern und Zweigen. Bei jedem Schritt raschelte oder knackte es unter ihren Stiefeln. Nicht, dass sie nicht schleichen könnte, aber da sie im Vergleich zu Ulrich nicht auf der Jagd war, brachte es ihr nichts, sich so leise zu bewegen. Nach einigen Minuten kamen Tamera dann doch Zweifel. Das nördliche Vodrask war doch bekannt für seine Braunbären, die viele junge Husaren als Mutprobe jagten. Von plötzlichem Verfolgungswahn erfüllt, begann sie doch zu schleichen und bewegte sich geduckt durch den dichten Wald. Nach einer Weile fand sie schliesslich die gesuchte Pflanze. zwei ausgewachsene Morkmablumen und drei Junge. Tiefrote, beckenförmige Blüten mit leuchtend gelbem Pollenstand. Der Stiel war hoch und dick, hellgrün mit weissen Streifen, beschattet von einigen spitzen Blättern. Sie kniete sich auf den Waldboden und legte ihre Tasche neben sich. Ungeduldig tastete sie die Innenseite ab, bis sie eine Erhebung im Futter fand. Sie zwängte die Finger durch einen Spalt und holte eines der Reagenzgläser hervor, die sie vorsichtig im Innenfutter ihrer Tasche versteckte. Danach klemmte sie eine Morkmablume weit unten zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte sie mit den Fingernägeln ab. Geübt hielt sie den abgebrochenen Stängel über das Glas und drückte darauf rum. Ein hellgrüner, fast weisser Saft quoll aus der Pflanze und rann auf den Boden des Glases. Es duftete bitter und stechend. Und doch so süss, dachte Tamera. Die Prozedur wiederholte sie bei den restlichen vier Blumen, bis alle flach und ausgepresst auf einem kleinen Haufen lagen und das Reagenzglas zu etwa zwei Dritteln mit dem rohen Saft gefüllt war. Eine gute Ernte.
      Zufrieden stand sie auf, nahm ihre Tasche und setzte sich auf einen nahen Baumstrunk. In der Nähe musste es ein Dorf geben. Schleifspuren führten durch den Wald, wo das Holz wohl verarbeitet wurde. Sehnsüchtig verschloss sie das Glas mit einem Korken und verstaute es im Innenfutter. Nun hatte sie aber lange genug gewartet. Sie holte zwei weitere Reagenzgläser hervor, ein leeres und ein volles, dessen Inhalt bereits gekocht war. Sie hob das volle nervös, aber doch vorsichtig an das andere und mass die Tropfen ab. Einer, zwei, drei, vier, fünf. Sie brauchte mindestens zwölf. Nachdem die Dosis abgemessen und der Saft verstaut war, hob sie ihren Schuss an die Lippen und warf den Kopf in den Nacken. Erst schmeckte sie Bitterkeit und ein leichtes Brennen, wie stärkerer Alkohol. Dann breitete sich eine wohltuende Wärme in ihrem Körper aus. Es kribbelte, pulsierte und erfrischte, sodass sie die Augen schloss und erschauerte. Eine lang ersehnte Ruhe überkam Tamera und sie rutschte von ihrem modrigen Sitz, unfähig sich darauf zu halten.
      Noch immer etwas zitternd sass sie da eine Weile, das dunkelblaue Hemd und die braune Weste etwas verrutscht und die Beine lang ausgestreckt. Ich sollte wohl langsam los, dachte sie schliesslich und erhob sich schwindelig. Langsam und gemächlich packte sie ihre Sachen. Es wurde höchste Zeit, dass sie ihren Morkmasaft schluckte, ihre Unruhe und Übellaune hätte sie nicht viel länger verbergen können. Nun konnte ihr wieder alles egal sein. Der Auftrag, die verdammte Sucherin, ihr armseliges Leben, sogar ihr tiefer Wunsch, wieder eine normale, gesittete Bürgerin zu werden, vergass sie einen Moment. was spielte es schon für eine Rolle? Schusterin in einem Geschäft in Weitfeld oder Banditin auf Lauer in einem Wald?
      Gelassen schlenderte sich durch das Gebüsch, schwankte etwas und strich sich eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht, die sich aus dem Pferdeschwanz befreit hatte. Sie erklomm mit Anlauf einen kleinen Hügel, hangelte sich an jungen Bäumchen entlang nach oben, lief einige Schritte auf dem Grat und rutschte dann lachend auf dem Hosenboden runter auf die andere Seite. Ihr Hintern war nun voll mit Dreck, Nadeln und Blättern, aber es war ihr egal. Alles war egal.
      Als sie schliesslich das kleine Lager erreichte, war sie ganz zerzaust, aber glücklich. Es brannte bereits knisternd ein Feuer. Die Sucherin blies auf allen Vieren in die kleinen Flammen, bis es auch die dickeren Äste umhüllte. Imorym sass auf dem Baumstamm und schnitt eine Kartoffel über dem kleinen Gusseisentopf auf seiner Schoss in Stücke. Er sah auf, als Tamera erschien und wendete sich wieder seinem unfertigen Mahl zu. Sie betrachtete ihn. Dann die Sucherin und wieder ihn. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt und ein breites Lächeln auf dem Gesicht.
      "Tamera", sagte er schliesslich. "Komm mal kurz mit." Er legte seinen Topf weg und erhob sich. Das Klappern seiner Rüstung blieb aus, nur das Kettenhemd, das er noch anbehielt klirrte leise. "Haben wir nicht vor drei Wochen abgemacht, dass du aufhörst?", fragte er streng, als sie sich ausser Hörweite der Sucherin etwas weiter vorne am Weg befanden.
      "Womit aufhören?", ihr Ton sprach von Unschuld, die geröteten Wangen von Schuld.
      "Du weisst es genau, Morkma. Das Zeug benebelt die Sinne, langfristig. Es dauert eine Woche, bis dein Geist von einem einzigen Schuss befreit ist und Jahre, bis man sich von einigen Duzend erholt hat. Willst du als Dummerchen enden? Sabbernd in einer Gosse sitzen und um Almosen betteln?"
      "Du klingst wie mein alter Vater", brummte sie und sah zu einer Fichte hoch, in der sie gerade ein Eichhörnchen erspäht hatte.
      "Das ist auch gut so,, es heisst, ich liege im Recht, denn ein Vater weiss, was für sein Kind am Besten ist. Nun gib mir diese Tasche!"
      "Nein." Leck mich, wollte sie sagen, aber der strenge Blick des Ritters vom Rabenkamm liess sie verstummen. Widerwillig streifte sie den Beutel ab und reichte ihn ihm. Er kniete sich hin und begann zu wühlen. Wühlte und wühlte, bis er schliesslich das winzige Fläschchen mit dem grünen Saft fand.
      "Wusste ich's doch", rief er triumphierend und warf es auf den Boden, bevor er es mit seinem Stiefel zermalmte. "Du wirst ohne den Mist auskommen müssen. Und wenn du mich einen Monat lang hassen wirst, dich kratzt, schlecht träumst und alle, die dir zu nahe kommen anfauchst, musst du mir irgendwann danken."
      Idiot, dachte sie. Das war bloss Gurkensaft, zur Tarnung. Fast hätte sie gekichert, verklemmte es sich aber doch und versuchte, eine mürrische Miene aufzusetzen, was ihr aber auch nicht gelang. Stattdessen lächelte sie vor sich hin und machte einen entrückten Eindruck. Sie bemerkte, dass Imorym sie ansah. Er war nun nicht mehr Imorym, die Vaterfigur, auch nicht Imorym, der Ritter. Seine Masken waren gefallen. Er mochte sie, das wusste sie schon lange. Er mochte sie nicht nur als Gefährtin, denn in seinem Blick war Begierde. Im Moment war ihr das egal, egal wie der Gurkensaft und der Umschlag.
    • Spoiler anzeigen

      Sir Jufington schrieb:

      Es war Mittag, sie befanden sich wieder in einem Wald. Fichten, Buchen und Eichen, deren knorrigen Stämme aus den sanften Hügeln ragten, blockierten die halbwegs warme Sonne, allerdings boten sie auch ein Heim für Zahlreiche Tiere, die sie jagen konnten.
      klein

      Sir Jufington schrieb:

      Nach einer Weile fand sie schliesslich die gesuchte Pflanze. zwei ausgewachsene Morkmablumen und drei Junge.
      Gross

      Sir Jufington schrieb:

      Danach klemmte sie eine Morkmablume weit unten zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte sie mit den Fingernägeln ab. Geübt hielt sie den abgebrochenen Stängel über das Glas und drückte darauf rum.
      Zweimal drückte, vielleicht findest du da noch was besseres...

      Sir Jufington schrieb:

      Zufrieden stand sie auf, nahm ihre Tasche und setzte sich auf einen nahen Baumstrunk.
      Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass es das Wort Baumstrunk im Hochdeutschen nicht gibt (falls ich mich irre, möge mich gerne jemand korrigieren). Das Wort ist meines Wissens nach schweizerdeutsch (da du aus Bern kommst gut möglich ^^ ). Auf hochdeutsch sollte es (glaube ich) Baumstumpf heissen.

      Sir Jufington schrieb:

      was spielte es schon für eine Rolle?
      gross

      Sir Jufington schrieb:

      "Tamera", sagte er schliesslich. "Komm mal kurz mit." Er legte seinen Topf weg und erhob sich. Das Klappern seiner Rüstung blieb aus, nur das Kettenhemd, das er noch anbehielt klirrte leise. "Haben wir nicht vor drei Wochen abgemacht, dass du aufhörst?", fragte er streng, als sie sich ausser Hörweite der Sucherin etwas weiter vorne am Weg befanden.
      Müsste es da nicht heissen, "nur das Kettenhemd, das er noch anbehalten hatte, klirrte leise."?

      Sir Jufington schrieb:

      "Das ist auch gut so,, es heisst, ich liege im Recht, denn ein Vater weiss, was für sein Kind am Besten ist.
      Ein Komma zu viel.
      Ich würde schreiben "das Beste"


      Hahahahaha! Gurkensaft, das ist gut :rofl:
      Mir gefällt dein Schreibstil und deine Wortwahl sehr gut, muss ich sagen. Dass Tamera von dieser Droge abhängig ist, macht die Sache noch spannender. Dass Imorym sie mag (also Tamera, nicht die Droge), könnte noch mehr Komplikationen geben. Und auch diese Sucherin ist sehr geheimnisvoll. Nur von diesem Ulrich hat man noch nicht viel gehört, aber das kommt sicher noch.
      Ja mehr kann ich eigentlich nicht sagen, ausser:

      MEHR, und zwar dalli !!! ^^
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993
    • @Lyn Besten Dank auch! Freut mich, dass es trotz (bisher) wenig Action gut ankommt. Ulrich bekommt schon noch seine Parts. Irgendwann.
      Und danke für die Korrekturen, ich hatte gehofft, dieses Mal die meisten Flüchtigkeitsfehler erwischt zu haben, aber es sind immer noch viel ._.

      Ich habe gerade ein Kopfkino, wie Imorym mit NICHTS als einem Kettemhemd rumläuft. Das hatte ich beim Schreiben nicht. XD
    • Ein interessanter Teil. Tamera ist also abhängig von diesem Saft? Diese Schwäche macht sie gleich noch lebendiger und für mich auch sympathischer. Nicht, weil sie drogenabhängig ist, sondern, weil sie so menschlich wirkt. Sie steckt nicht alles weg, sondern leidet mit. Ich frage mich, was sie einst dazu trieb, die Droge überhaupt zu nehmen. Ich hoffe, dass du das irgendwann noch erklären wirst. (wenn nicht, ist das auch nicht schlimm xD) Gefällt mir. :thumbsup:

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Spoiler anzeigen

      Sir Jufington schrieb:

      aber brauchte es für einen simplen Auftrag_ wie die Überbringung eines Umschlags_ wirklich einen vodraskischen Begleiter?
      Kommata - und an dieser Stelle sollte man überlegen, ob man anstatt "die Überbringung", nicht "das Überbringen" benutzt. Das andere klingt so gezwungen nominalisiert ^^


      Sir Jufington schrieb:

      Die Sucherin tauchte am Morgen des ersten Tags bei ihnen auf.
      Tages

      Sir Jufington schrieb:

      Die Sucherin (war am Morgen des ersten Tages bei ihnen aufgetaucht gewesen) tauchte am Morgen des ersten Tags bei ihnen auf. Sie (hatten gerade auf dem Markplatz von von Grauburg gestanden, die Pferde waren gesattelt, der Proviant gepackt worden und der Auftrag war besprochen.)standen gerade auf dem Marktplatz von Grauburg, die Pferde gesattelt, der Proviant gepackt und den Auftrag besprochen, da tauchte sie auf. Schwarzes, strubbliges Haar, dunkle, grüne Augen und ein breites Kinn mit schmalem Mund, das so gar nicht zu dem flachen, zierlichen Körper passte. Sie (sprach dort schon nicht viel, nur, dass sie von Thomes geschickt worden war und sie ihre Reiseführerin sei.)redete schon da nicht viel, nur dass sie von Thomes geschickt wurde und sie ihre Reiseführerin sei. Natürlich war das keine Überraschung gewesen, laut Imorym_ (Komma) (hatte der Herzog einen Führer erwähnt) erwähnte der Herzog einen Führer, der auf dem Marktplatz zu ihnen stiesse (stoßen sollte). Dennoch, Tamera hätte (wenn sie es immer noch erwartet, das Vertrauen, dann stimmt es) etwas mehr gegenseitiges Vertrauen erwartet, zumindest einen Namen. Es war der Frau ja nicht zu verübeln, ihnen nicht zu vertrauen. Zumindest seit Ulrich versehentlich einen vergangenen Raubzug erwähnte (erwähnt hatte), war bekannt (gewesen), dass sie Banditen waren. Auch wenn die Sucherin darauf nicht reagierte.
      Es kommt immer darauf an, in einer Nacherzählung, ob vergangene Prozesse abgeschlossen sind. Die Sucherin ist ja bereits Teil der Gruppe, der Aufbruch ist verangen und sie sind bereits unterwegs, also gehören manche Dinge ins Plusquamperfekt ^^
      Ich komm da selbst immer durcheinander, aber so muss man differenzieren, wenn man bereits im Präteritum schreibt :dash:
      Bin da auch kein Meister drin (eher Master of Disaster) :whistling:

      Sir Jufington schrieb:

      Scheinbar wurde hier schon kürzlich ein Lager aufgeschlagen.
      dort. Es sei denn, der Erzähler befindet sich, zum Zeitpunkt seines Erzählens in diesem Wald, an dieser Stelle, dann stimmt es ^^


      Sir Jufington schrieb:

      "Ich gehe uns etwas zum beissen besorgen"
      Beissen - nominalisiert durch "zum"


      Sir Jufington schrieb:

      meldete er, hob die Armbrust, hing sich den Köcher um
      hängte - es heißt ja auch nicht "Ich hing das Bild auf." sondern "Ich hängte das Bild auf!" :P Hat iwas mit Objekt und Bla zutun.


      Sir Jufington schrieb:

      Nicht, dass sie nicht schleichen könnte,
      konnte


      Sir Jufington schrieb:

      zwei ausgewachsene Morkmablumen und drei Junge.
      groß ^^


      Sir Jufington schrieb:

      was spielte es schon für eine Rolle?
      groß


      Sir Jufington schrieb:

      nur das Kettenhemd, das er noch anbehielt klirrte leise.
      das er noch anbehalten hatte, klirrte leise

      Sir Jufington schrieb:

      "Das ist auch gut so,, es heisst, ich liege im Recht, denn ein Vater weiss, was für sein Kind am Besten ist.

      Sir Jufington schrieb:

      und versuchte, eine mürrische Miene aufzusetzen,



      Gurkensaft, einerseits eine gute Idee, anderseits schade ... Mit Suchtis hat man es da nicht leicht, wenn sie allesamt irgendwann mal in eine gefährliche Situation geraten ... Ich find das aber trotzdem iwie gut ... das macht sie so fehlerhaft ^^ :super:
      Hat anscheinend jeder so seine Macken :P
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Oh, das Plusquamperfekt. Mein alter Erzfeind.

      Der Rest des zweiten Kapitels. Ich glaube, mehr gibt es dazu gerade nicht zu sagen. Ausser vielleicht, das ich wenig Ahnung vom Kochen habe und gar keine vom Drogenkonsum. :/ Die Wirkung des Morkmasafts soll etwas an Cannabis angelehnt sein, korrigiert mich bitte wenn da etwas nicht sein kann.

      Nachdem sie das geklärt hatten, kehrten sie zum Lager zurück, wo Ulrich gerade einem Hasen das Fell abzog. Er war kein echter Jäger, machte seine Sache aber ganz gut. zumindest war das Fell am Ende vollständig vom Fleisch getrennt und sah auch nicht übel aus. Der Hase wurde zerteilt und zusammen mit Karotten, Salz, Pfeffer, Rosmarin und Petersilie in den Topf geworfen und in Bachwasser mit einem Schuss Öl gekocht. Nicht übel, dachte Tamera, als sie zusammensassen und die Suppe mit Holzlöffeln aus Schalen schlürften. Es tat gut, wieder eine warme Mahlzeit zu haben. Es war Spätsommer und die Tage wurden bereits kurz, die ersten Blätter golden und das Wetter mies.
      Gleich nach dem Essen löschten sie die Glut, packten die Reste ein und zogen weiter. Sie ritten vom Wald in die Felder hinein. Gelbes Korn, Möhren und Kohl warteten dort auf die Ernte. Das Land war meist flach, manchmal sanft hügelig und von vereinzelten Dörfern durchzogen, die nur aus wenigen Gebäuden bestanden. Holzhütten mit Strohdächern, steinerne Kirchen, bestenfalls zweistöckige Fachwerkhäuser mit Holzschindel- oder sogar Ziegeldächern. Die Bewohner sahen neugierig von ihrer Arbeit auf, als sie näher ritten. Einfache Leute mit Fellmützen, Wamse aus Wolle oder Leinen, einfache oder bauschige Hosen, traditionelle Röcke und Kleider. Ihre Gesichter waren von bäuerlichen Sorgen gezeichnet. Wettergegerbt, gebräunt oder voller Pockennarben. Genau wie meine eigenen, dachte sie und strich sich über ihre linke Wange, wo die feinen Spuren der Infektion am Besten erkennbar waren.
      Man sah in den Dörfern nur wenige Händler, Kaufleute und Beamte, mit den typisch vodraskischen Fellbesetzten Mänteln und Wickelröcken. Sie trieben, begleitet von Wachen mit Speeren und Langäxten, Steuern ein oder zählten die Schafe, Schweine oder Rinder der Hirten. Einer begutachtete eine Wagenladung Korn, ein anderer stand vor einer offenen Scheune voller Möhren und führte Buch. Sie ritten auch an hämmernden Hufschmieden, Säcke schleppenden Müllern und schwitzenden Baumeistern vorbei. Die allergrösste Mehrheit Menschen die sie im Verlauf des Tages sahen, waren aber tatsächlich Bauern, die sie misstrauisch ansahen und wieder wegschauten, sobald sie vorbeigeritten waren. Wie konnte ein solch rückständiges Land eine derart erfolgsgekrönte Geschichte haben? Einst erstreckte sich das vodraskische Reich nicht nur über das eigene Gebiet, sondern auf die nördlichen Königreiche und manche der Fürstentümern, die heute von Ardonien beherrscht wurden, standen unter ihrer Fuchtel. Beim besten Willen konnte sie sich nicht vorstellen, dass dieses Land sich seither viel entwickelte. Auch nachdem das Königreich seine einstige Pracht verloren hatte, die Bauern pflügten noch immer den gleichen Boden und schliefen in den gleichen Betten.

      Während sie grösstenteils schweigend durch Urzagov ritten, stellte Tamera enttäuscht fest, dass die Wirkung des Safts verschwunden war. Doch obschon sie die Felder, Bäume und Bauern nun bewusst mit nüchternen Augen betrachtete, einen grossen Unterschied machte es nicht. Die Wirkung flaute wohl schon länger ohne ihr Bemerken ab.
      Während die Sonne langsam an ihren Köpfen vorbei über den Horizont wanderte, ritt sie neben Ulrich und unterhielt sich mit ihm. Falls er ihren Rausch bemerkt hatte, liess er sich das nicht anmerken. Sie redeten locker über das Leben auf dem Land, Handfeuerwaffen und ihre Tücken und die Zarimskirche. Wie doof es war, von Liebe, Ruhe und Freiheit zu predigen und alle, die sich nicht daran hielten mit Knüppeln zu verfolgen. Und ob Zarim, der Bote der Götter, nun tatsächlich ein ewiger Friedensbringer oder bloss ein revolutionärer Heerführer war. Während dem Gespräch fühlte Tamera sich etwas schlecht. Sie wusste, dass Ulrich wie viele Ardonier nicht viel wert auf Religion legte, sie selbst glaubte aber an Zarim und die Gesichtslosen und mochte es immer, während den Messen in den fünf Büchern zu lesen. So war sie auf eine makabere Art schon fast froh, als sie vor den heikelsten Fragen das Schlachtfeld erreichten.

      Als sie gerade über flaches Land ritten, dass von Gehölzen und Sumpf durchzogen war, stieg ihnen ein Gestank in die Nase. Süsslich, faul. Da sahen sie das erste Opfer dieses Kriegs. Ein Ardonier. Mit dem Gesicht im Gras lag er im Strassenrand. Neben ihm eine Muskete, der federgeschmückte Hut vor ihm und die Lederweste vom Blut getränkt, das ihm aus der Pfeilwunde im Rücken gesickert war. Teilweise sah es bereits braun und trocken aus, mindestens einen Tag alt. Der Gestank und das Summen der Aasfliegen, das immer lauter wurde, bestätigte ihren Verdacht. Weitere Leichen lagen auf dem Feld. Pikeniere, die ihre langen Waffen längst zurückgelassen hatten und mit Messern und Rapieren gestorben waren, Pikenbrecher, deren Holzschilder von Kugeln gesplittert und durchschlagen waren, Milizsoldaten, die in den vielen Pfützen und Tümpeln lagen und deren Gesichter dadurch bleich und aufgedunsen wirkten. Sogar einen Husaren sahen sie. Er lag auch auf dem Boden, keine Spur von seinem Pferd. Die hölzernen, mit langen Federn geschmückten Schwingen auf seinem Rücken ragten aus dem Gras empor, der Schmuck leicht im Wind raschelnd. Seine Plattenrüstung und der tiefrote Gambeson waren schmutzig und sein Helm war zertrümmert. Metall mischte sich mit den Überresten seines Schädels. Spätestens bei dem Anblick wurde ihr übel. Um den Husaren herum standen drei Bauern. Zwei stritten sich um eine hübsche Goldkette und Einer zog dem Toten die Stiefel aus. Auch überall sonst waren Plünderer zu sehen. Sie wühlten in Taschen, entnahmen den Leichen Waffen, Munition und Kleidungsstücke, und rissen glänzende Knöpfe und Broschen von den Kleidern und Hüten. Vermutlich ging es hier nur noch um übersehene oder schlicht wertlose Stücke. Das Meiste hatten wohl die Sieger selbst schon geplündert.
      "Was glaubt ihr, sollten wir auch unser Glück versuchen?", schlug sie zögernd vor. Sie hatte noch nie so viele Tote auf einem Haufen gesehen. Es waren bestimmt dreissig, in der gesamten Gegend vielleicht doppelt so viel.
      "Nein...Nein. Die Bauern brauchen es dringender als wir. Sieh nur, wie sie sich um diesen Mantel streiten." Ulrich sah zu, wie vier zugleich versuchten, sich gegenseitig den Mantel eines Soldaten zu entreissen.
      "Es liegen viele der Ardonier auf dem Bauch, mit Wunden am Rücken. Sie sind wohl über den Serno gekommen, wurden von einer grösseren Macht überrascht und mussten fliehen", meinte Tamera.
      "Wären sie einfach nur geflohen, lägen da keine Vodrasker. Auch hier musste noch gekämpft werden. Vielleicht floh ein Regiment, während ein weiteres den Rückzug deckte. Was weiss ich?"
      "Jedenfalls dachte ich immer, Kriegsführung mit Schusswaffen wäre weniger eklig als mit Schwertern und Äxten. Scheinbar habe ich mich geirrt." Sie betrachtete einen toten Borheimer, dessen rechte Gesichtshälfte vom Austritt einer Kugel fast unkenntlich verunstaltet war. Als sie merkte, wie ihr Magen zu rebellieren begann, drehte sie sich rasch ab und versuchte, es zu vergessen.
      Ulrich seufzte: "Und ich dachte, ich wüsste, für welche Seite ich mich entschieden habe. Jetzt, wo ich diesen Krieg zum ersten Mal mit eigenen Augen betrachte, bin ich mir da nicht mehr sicher. Man vergisst seine eigene Herkunft nun mal nicht so leicht."
      "Mach dir keinen Kopf", Tamera lächelte. Nicht nur um ihn aufzuheitern, sondern auch vor Erleichterung, weil der Gestank abflaute und sie das Feld der Toten hinter sich liessen. "Wir sind neutral. Nur Bürger - ich meine Bewohner der einen Seite, die wie alle ihren Beitrag leisten müssen."
      "Solange dieser Auftrag nur darin besteht, Postbote zu spielen, ist das in Ordnung. Wenn die mich aber für die Miliz einschreiben wollen, gibt's Ärger."
      "Keine Sorge, eher werden sie dich für einen Spion halten und einsperren. Falls dir das lieber ist." Tamera sah sich nach Imorym um, weil sie ihn fragen wollte, ob dieser Fall tatsächlich eine Möglichkeit wäre. Doch sie verstummte, als sie seinen Gesichtsausdruck sah. Er war bleich, der Blick auf dem Weg vor ihm erstarrt. Sie kannte ihn nun lange genug, um zu wissen, was in seinem Kopf vor sich ging. Das Schlachtfeld von vorhin war für ihn eines von vergangenen Zeiten. Er erinnerte sich an alte Gefechte, Gesichter von Kameraden und Feinden, die tot vor ihm gelegen waren. Den kalten Winter und die Opfer, die er gefordert hat. Tamera wusste, das er für dienstuntauglich erklärt wurde, auch wenn er es nicht zugeben mochte. Imorym hatte eine Schlacht zu viel gesehen und sich davon nie erholt.
    • Schöner Teil und man erfährt immer mehr über die Gruppe.
      Die Korrektur verschieb ich oder überlasse sie mal anderen, da ich heute wenig Zeit habe ^^
      Aber du schreibst schön flüßig und nachvollziehbar und deine Figuren werden durch die Pausen immer lebendiger.

      Was ich zum Konsum von ... naja, sagen kann ist, dass das von PErson zu PErson unterschiedlich ist.
      Es gibt die, die davon sau müde werden und irgendwo einfach einpennen.
      Es gibt die, die plötzliche Lach-flashs haben und sich deren Mundwinkel automatisch zu einem Grinsen verziehen und sie können es nicht verhindern.
      Dann gibt es die Konsorte, die nach anfänglichen Schwachsinn - labbern, Munshies bekommen - Fress-Flash und sich haufenweise Süßkram reinfahren.
      Allgemein zeichnen sie sich durch leicht gerötete Augen und diesem "Ich weiß nicht, was du von mir willst, ich raff es eh nicht - Schlafzimmerblick aus"
      :hmm: was gibt es da noch ... also die wenigsten haben von purem Cannabis (Pflanze) Halluzinationen. Das ist echt selten ... meist nur, wenn es "gestreckt" wurde und da weiß man nie mit was ... Autoreifen ... ect. Gehen wir also von der reinen Pflanze aus, ist es wie siehe oben.

      Nicht, dass ich mich damit auskennen würde ... *hust*
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Spoiler anzeigen


      Sir Jufington schrieb:

      zumindest war das Fell am Ende vollständig vom Fleisch getrennt und sah auch nicht übel aus.
      groß

      Sir Jufington schrieb:

      Die allergrösste Mehrheit Menschen (Komma) die sie im Verlauf des Tages sahen, waren aber tatsächlich Bauern, die sie misstrauisch ansahen und wieder wegschauten, sobald sie vorbeigeritten waren.

      Sir Jufington schrieb:

      Mit dem Gesicht im Gras lag er im Strassenrand.

      entweder am Strassenrand ODER im Strassengraben, aber ich glaube so gibt es das nicht o.O


      Ein schöner Teil mit schönen flüssigen Beschreibungen. Man konnte sich das Dort, die Umgebung und auch das Schlachtfeld gut vorstellen. Auch die Charaktere gefallen mir immer noch sehr gut. Tamera vor allem. Sie scheint zumindest trotz ihres Konsums nicht blöd zu sein und aufmerksam ist sie auch. Ansonsten wäre ihr das bleiche Gesicht ihres Freundes wohl kaum aufgefallen. ^^
      Bin gespannt, wie es weiter geht. ;)

      LG, Kyelia


      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Hallo auch von mir. Ich habe erst einmal vorsichtig abgewartet, was aus deiner Geschichte wird.

      Dein erster Post hatte einen großen Pluspunkt: Die Karte. Ich bin ein absoluter Fan von Fantasykarten und am liebsten habe ich die Bücher, bei denen am Anfang eines Kapitels auf der Karte markiert ist, wo man sich gerade befindet. Deine Karte hat etwas von Europa und das passt gut, denn immerhin hast du ja ein halbwegs reales Szenario entwickelt, mit den Knarren und Rapieren, Husaren usw... Außerdem hilft es, allgemein einfach mal die Situation einschätzen zu können, wenn man anfangs eine Karte sieht.

      Dann kam die Ernüchterung. Ich habe, um ehrlich zu sein, das Kapitel 1 nicht einmal gelesen. Wall of Text, unzählige Namen (ist am Anfang einer GEschichte ja normal, aber diesmal wurde ich irgendwie erschlagen, abgeschreckt), und sehr viele Informationen. Und ich dachte mir, bevor ich nur maule, kommentiere ich lieber gar nicht xD
      Auch jetzt, nachdem ich zum dritten Mal diesen Thread aufrufe und die Kommentare lese, habe ich den Anfang noch nicht gelesen. Dafür aber z. B. Post Nr. 14, wo die ganzen Toten gefunden werden. Und jetzt hast du mich wieder.
      :thumbsup:
      Das war schon um Längen besser als der Anfang, stilistisch sicherer und vollkommen natürlich geschrieben. Gefällt mir gut.
      Du musst nur aufpassen, dass du in der großen Gruppe keinen untergehen lässt. Ich bin nicht so der Fan von reisenden Cliquen, denn da passiert das zwangsläufig.

      Jetzt schaue ich einfach mal, ob und wie du das löst, und bleibe vorerst dabei.

      Nochmal zur Karte (da ich gerade selber eine zeichne, mit Gimp und Pad): Wie hast du die erstellt?
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Danke für die Korrekturen, Kritken und Erläuterungen zum Thema Drogen. Ich bin einfach zu brav...

      @Wysenfelder Die Karte habe ich mit Photoshop gemacht. Jede Menge Ebenen, Viel Pinselwerkzeug für die Outlines und Zauberstab und Füllwerkzeug für die Farben.

      Dem unübersichtlichen Anfang bin ich mir mittlerweile bewusst. Ich hab lokal bei mir schon mal ein paar wenige Informationen rausgestrichen. Hoffentlich gibst du ihm irgendwann noch eine Chance.^^
    • Die anderen vor mir haben ja eigentlich schon alles nennenswerte zu dem Teil zur Sprache gebraucht, und ich finde auch, dass du deinen Charakteren immer mehr Tiefe gibst. Besonders mit dem Schluss machst du deutlich, was Imorym erlebt hat und was das für ihn bedeutet.
      Weiter so! :thumbsup:
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993
    • Kapitel 3

      "Glaubst du, wir sollten es wagen?" Seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Piepsen. Zu lange hatten sie schon geschwiegen und zu bedrohlich die Stille. Die Jungen sassen bestimmt schon zwei Stunden zwischen den Büschen am Waldrand und beobachteten das Dorf. Mikolaj sah zu den Umrissen seines Bruders, die selbst in der klaren Vollmondnacht schwer zu erkennen waren.
      "Nein, warten wir noch ein wenig", kam schliesslich Pjotrs geflüsterte Antwort. "Vielleicht geht er nur kurz zu seinen Nachbarn oder holt etwas hinter dem Haus."
      Mikolaj murrte und tastete den Boden zwischen langem Gras und feuchter Erde nach einem Zweig ab. Er musste irgendetwas zwischen die Finger bekommen, um sich zu beschäftigen, sei es noch so klein. Schliesslich bekam er ein Stück Holz zu greifen und brach es still in kleine Stücke. Warum warteten sie bloss so lang? Der Kerl hatte sein Haus schon längst verlassen, auf der Dorfstrasse war niemand und ihre Mägen waren leerer als die Versprechen eines Quacksalbers. Sie mussten nur in die leere Hütte, ein-zwei Brote klauen und wieder raus. Das wäre in keinen fünf Minuten erledigt. Vielleicht fanden sie auch Käse. Er hatte hinter dem Haus etwas blöken gehört. Frischer Schafskäse oder geräucherte Ziegenwurst, beim Gedanken lief ihm das Wasser im Mund zusammen.
      Es klapperte, als Mikolaj eine Bewegung bei Pjotrs Schatten sah. Er prüfte wieder seine Pistole, so wie er es alle paar Stunden tat. Eine einfache Steinschlosspistole. Das Holz vom Alter und Gebrauch dunkel verfärbt, die eisernen Verzierungen verwaschen und der Mechanismus sah aus, als könnte er klemmen. Da sie sie noch nie gefeuert hatten, gab es natürlich keine Gewissheit. Die Pistole war Pjotrs ganzer Stolz, ihr einziger Besitz nebst den schmutzigen, verschwitzen Kleidern und Mützen, die sie trugen und ihre dürftig mit allerlei Kram gefüllten Beuteln. Sein Bruder hatte sie einem haarigen Landstreicher beim Kartenspiel abgeknöpft. Dieser wiederum hatte sie einem toten Soldaten abgenommen. Zu schade, dass sie nur noch drei Kugeln dazu hatten.

      Sehnsüchtig spähte Mikolaj in den Schemenhaften Wald. Dort irgendwo hatten sie ihr Lager. Das Feuer brannte vielleicht noch etwas, zumindest gab es warme Glut. Herrlich knisternde Kohlen, die die Kälte im Handumdrehen aus den Gliedern vertrieben. Wenn sie doch bloss rasch etwas zu Essen holen und danach wieder dorthin verschwinden könnten. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Pjotr kam ihm zuvor: "Genug gewartet, ich habe Hunger." Seine Umrisse erhoben sich und Mikolaj tat es ihm erleichtert gleich. Dabei knackten die Gelenke vom langen Sitzen etwas und in seinem rechten Fuss rauschte es taub. Rasch liefen die beiden gebückt über das offene Feld. In Krusk, der Hauptstadt Vodrasks hatten sie dieses Problem nicht. Die verworrenen Gassen der Armenviertel waren wie geschaffen für Strassenjungen. Hier auf dem Land aber, mussten sie oft weites Terrain möglichst ungesehen überqueren.
      Nachdem sie die Wiese möglichst schnell überquert hatten, blieben sie vor der Haustür stehen. Es war eines der grösseren Häuser, hier in diesem kleinen Dorf. Einstöckig nur, aber mit Wänden aus soliden Baumstämmen auf denen selbst im Dunkeln noch die abblätternde blaue Farbe zu erkennen war. Das Dach war strohgedeckt und an den kürzeren Seiten leicht abgerundet. Das typische Haus eines Kleinbauern. Zaghaft öffnete Pjotr die Tür. Wie erwartet war es dunkel im Innern. Sie huschten hinein, wohl wissend, dass ihnen niemand auflauerte, und sahen sich dennoch auf leisen Sohlen um.
      Dafür, das der Kerl hier offenbar allein wohnte, hatte er es gut. Dank dem schwachen Mondlicht, das durch das verglaste Fenster fiel, konnten sie einen Tisch und eine ordentliche Küche ausmachen. Ausserdem stand da eine einsame Kerze auf dem Tisch. Mikolaj ging zu den Fenstern und zog die Vorhänge zu, bis er sich schliesslich sicher genug fühlte, Feuer zu machen. Behutsam zog er eine kleine Schachtel und ein winziges Glas aus seinem Beutel. Tunkzündhölzer aus dem Osten. Auch ein Ergebnis des Kartenspiels. Sie besassen nur wenige davon und hoben sie für Notfälle auf. Da sie eine Kerze ja schwer mit Flintstein und Stahl anzünden konnten, blieb ihnen nichts anderes übrig. Er nahm eines davon, öffnete das Glas und hob es vorsichtig über das Zündholz. Vorsichtig jetzt, bloss ein Tropfen. Da drin ist Schwefelsäure, so schnell bekommen wir die nicht wieder. Der erste ging knapp daneben, der zweite auch. Erst der dritte Tropfen traf auf den Zündkopf und tat seine Magie, als fauchend eine Flamme aufloderte. Die Alte, der sie die Hölzer und die Säure abgeknöpft hatten, erzählte, die Zündköpfe seien aus Zucker und sonst irgendwas und die Reaktion war keine Magie, sondern Chemie. Für Mikolaj machte es keinen Unterschied, beide Fälle waren verwirrend. Er hielt das Holz über die Kerze und entzündete sie, bevor es ganz abbrannte. Nun, da Licht den Raum erhellte, konnte er ihn auch genauer erkennen. Die Wände des Zimmers waren teils holzig, teils weiss gestrichen. Ein einzelnes Gemälde einer Frau, die auf dem Feld arbeitete, hing da. An den Tisch gerückt waren zwei Bänke, ein kleiner Teppich zierte den Boden und eine Kommode stand an der Wand. Mikolaj, der so etwas nicht zum ersten Mal machte, wusste, was er nun zu erwarten hatte. Für ihn waren Häuser und ihre Besitzer wie Schubladen. Dieses einstöckige Landhaus mit dem Strohdach, den weissen Wänden und dem grossen, verkohlten Ofen befand sich in einer dieser Schubladen. In solchen Häusern gab es meist wenig Geld, kaum Dekoration oder Wertgegenstände, viel Werkzeug und Kleider und gutes Essen.


      Sein Verdacht stellte sich bald als richtig heraus. Nachdem sie einige Minuten alle Schränke der Küche durchsuchten, unter dem Bett im Schlafzimmer nachsahen und den Schrank in der Stube durchwühlten, fanden sie nichts Wertvolles, dafür aber eine Decke, ein gutes Messer, ein Laib Brot, Äpfel, Salz, Butter und tatsächlich - Zwei geräucherte Ziegenwürste.
      Als Mikolaj triumphierend mit beiden Händen voll Essen ins Schlafzimmer kam, sass da Pjotr im Licht einer zweiten Kerze auf der Bettkante und zog sich ein Paar Schuhe an. Solide, frisch gewichste Wanderschuhe.
      "Passen wie angegossen", meinte er zufrieden. "Die Alten lasse ich ihm hier, als Andenken."
      "Ich hab Essen gefunden. Genug für einige Tage. Und ein Messer. Mit dem Alten kann man ja keinen Grashalm mehr schnei..."
      Knarz. Die Haustüre öffnete sich, schwere Tritte klopften auf den Holzboden, begleitet von einem ungläubigen Fluchen. Die Kerze stand noch brennend auf dem Tisch! Mikolaj sah sich panisch im Zimmer um. Während Pjotr sein eigenes Licht löschte und leise unter dem Bett verschwand, suchte er hinter der Türe Deckung. Dort wartete er im Dunkeln, seine Beute umklammernd und lauschend.
      "Kann doch nicht sein, verdammte Kacke. Hab die niemals brennen lassen, niemals."
      Die Schritte durchwanderten die Stube, als ob sie einer Spur folgen würden. Weiteres Fluchen ertönte und ein Schaben, wie ein metallener Gegenstand, der irgendwo entnommen wird. Die stampfenden Schritte näherten sich und er nahm ängstlich den Geruch von Bier, Schweiss, Dung und Wolle wahr. Näher und näher kamen sie, bis sie schliesslich neben ihm, auf der anderen Seite der offenen Schlafzimmertüre stehen blieben. Flackerndes Licht flutete durch den schmalen Spalt, den einen Blick auf die grobe Kleidung und die fleischigen Oberarme des Bauern liessen.
      "Da muss doch jemand gewesen sein", schnarrte es beängstigend laut neben Mikolaj. "Verflixt, mein gutes Essen. Beschissene Diebe!" Die Schritte stapften zum Bett. Nun konnte er die Umrisse des Kerls ganz erkennen. Breit, etwas dick sogar, kurzer Hals, überraschend kleine Hände und lockiges Haar, das schon etwas vom Schädel wich. In der Linken hielt er die Kerze, in der Rechten ein schwerer Schürhaken für den Herd. Er beugte sich zum Nachttisch hinab und entzündete dort die zweite Kerze. Das die bis vor Kurzem selbst noch brannte, schien ihm nicht aufzufallen. Danach ging er noch immer fluchend zum Schrank und öffnete ihn, entweder um den Inhalt zu prüfen, oder um nach Dieben zu suchen. Unter dem Bett schob sich indes eine Hand hervor. Langsam erschien Pjotr. War das der richtige Zeitpunkt, die Flucht zu ergreifen? Scheinbar, er vertraute seinem Bruder und kam ebenfalls hinter der Türe hervor, solange der Hausherr noch abgelenkt war. Leise schlichen sie durch das Schlafzimmer, näherten sich vorsichtig und doch möglichst schnell dem rettenden Türrahmen, bis der Kerl seine Inspektion zu früh beendete und sich umdrehte.
      "Dieb! DIEB!"

      Mikolaj liess die Beute erschrocken fallen. Pjotr, der den Türrahmen noch nicht erreicht hatte, hob die Pistole hoch. Offenbar hatte er sie ohnehin schon gezückt. Die dicken Wangen des Hausherrn bebten vor Zorn und vielleicht auch Furcht. Die breite Nase blähte sich auf, die Äugelein verengten sich und die Faust schloss sich enger um den Schürhaken, mit dem nun bedrohlich gefuchtelt wurde. "Ihr glaubtet, mich einfach bestehlen zu können, was? Das Essen, für das ich das ganze Jahr schuftete, die Würste, die ich selbst gemacht habe, das Brot, das ich für gutes Geld gekauft habe? Ihr Halunken ihr, wollt ehrlichen, tüchtigen Menschen ihr Gut nehmen, uns über den Winter hungern sehen, beraubt, aus den eigenen vier Wänden!"
      "Guter Mann, bitte. Uns trieb der Hunger! Wir lassen alles hier, bis auf den letzten Apfel, doch bitte bestraft uns nicht, wir sind auch ganz schnell weg!"
      "Nachdem ihr in mein Haus eingedrungen seit, mein Habe ergaunern wolltet und mich bedroht habt verlangt ihr, einfach so gehen zu können? Ihr haltet mir eine Waffe auf die Brust, verflucht! Halunke!"
      Mikolaj sah, wie Pjotr sich nervös auf die Lippen biss. Seine Hand zitterte, während der Kerl sich immer weiter in Rage redete. Er schien nicht mehr zu wissen, was er machen sollte und gerade als er wieder zu ein paar beruhigenden Worten ansetzte, geschah es. Ein Knall, der in dem kleinen Zimmer betäubend laut wiederhallte und ein Stoss Rauch und Funken, der oben an der Pulverpfanne und vorne am Lauf wie ein Blitz ganz kurz die Szene erhellte. Der Hausherr wurde, wie von einer Faust in die Brust geschlagen, gegen den Schrank geworfen, prallte daran ab und fiel Bäuchlings auf den blutbesudelten Boden. Auf den Knall folgte erschreckende Stille.