Gottessplitter

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    • Gottessplitter

      Hallo zusammen!
      Hier haben wir eine neue Geschichte für euch :nummer1:
      Der Name der Strory lautet "Gottessplitter".

      Wir hoffen sie gefällt euch.


      Prolog

      Ein ganz in Schwarz gekleideter Mann schritt den langen, von Kunstlicht beschienen Flur entlang. Rechts und links von ihm tauchten immer wieder die gleichen, stahlgrauen Türen auf. Auf seinem Gesicht lag tiefe Trauer und zusammen mit dem dunklen Anzug wirkte es so, als käme er von einer Beerdigung oder wolle jemanden zu Grabe tragen.

      Vor einem der vielen Räume machte er Halt, fuhr sich mit einer Hand durch die graumelierten Haare und rückte seine Brille zurecht. Sein Atem ging ruhiger als erwartet, vielleicht sogar zu ruhig für das, was er in ein paar Minuten tun würde.

      Beherzt griff er nach dem Türknauf und drehte diesen um. Mit einem Klicken sprang die Tür auf und gab den Blick ins kahle Zimmer frei. An den makellos weißen Wänden standen Regale und Schränke, in denen allerlei medizinische Utensilien aufbewahrt wurden. Eine Liege bildete das Zentrum des Raumes. Alle bunt blinkenden und piependen Maschinen waren an dem Patienten angeschlossen, der auf dem Bettgestell lag. Lediglich eine mintgrüne Decke hüllte den kleinen Körper ein, der beinahe all seine Farbe verloren hatte. An seiner Seite überprüfte in diesem Moment ein Doktor die Werte, welche ein Gerät in endlosen Zahlencodes ausspuckte.

      Der Doktor schaute erstaunt von seinen Aufzeichnungen auf und blickte verwirrt zum Mann in Schwarz. »Ich wusste nicht, dass Sie heute hier erscheinen würden.«

      »Ich hab es mir anders überlegt. Wie sieht es aus? Haben Sie erste Ergebnisse?«, erkundigte sich der Mann in Schwarz.

      »Bis jetzt keine neuen Befunde. Die Vitalwerte der Testperson sind stabil, jedoch im unteren Bereich. Seit den letzten Untersuchungen, ergeht es ihm immer schlechter. Vielleicht sollten wir eine Pause einlegen, damit sich sein Körper regenerieren kann.«

      »Nein!«, drohend erhob der Mann in Schwarz seine Faust. »Wir müssen endlich Ergebnisse erzielen. Sie sind nah dran, oder liege ich da falsch?«

      »Ich bin mir unsicher, ob solche vagen Vermutungen als Errungenschaften abgestempelt werden sollten. Unsere Therapie nimmt einige Zeit in Anspruch und jedes Mal muss sich der Körper des Patienten unvorhergesehenen Qualen unterziehen. Wir stützen uns hier schließlich nur auf Spekulationen.«

      »Ich will das nicht hören! Sie wissen genauso gut wie ich, dass unsere Forschungen der Welt helfen sollen. Meine Thesen stützen sich auf altes Wissen, welches ich mit den jetzigen Methoden zu verknüpfen versuche. Sie haben Ihre Anweisungen, also tun Sie das, was nötig ist.«

      »Auch wenn es den Tod für den Patienten bedeuten könnte?«

      Stille flutete das kleine Zimmer wie eine mächtige Welle, die sogar das ewige Piepen der Maschinen überdeckte. Der Mann in Schwarz begutachtete den Patienten, der regungslos auf dem kargen Bett lag und zu schlafen schien. Doch er wusste, dass sich die Testperson in einer anderen Form von Schlaf befand, den die Menschen nicht kannten und noch weniger verstehen wollten.

      »Er wird nicht sterben. Er ist stark«, sagte der Mann in Schwarz. »Bereitet den letzten Test vor. Danach machen wir Schluss für heute und den nächsten Termin setze ich für die kommenden Woche fest.«

      Der Doktor legte einige Schalter um, wodurch die Geräte neue Geräusche von sich gaben. Ein unterdrücktes Stöhnen entrann der Kehle des Patienten und währenddessen hob sich seine Brust einmal.

      »Wir beginnen mit der ersten Stufe«, erklärte der Doktor und spritzte der Testperson etwas unter die Haut. »Er wird wahrscheinlich schreien, aber das ist normal.«

      Es dauerte drei volle Stunden bis die Schreie des Patienten abklangen und er seine Fäuste entspannte. Zum Ende hin, waren die Laute, die er von sich gab, nicht mehr als ein heiseres Röcheln. Obwohl seine Augen geschlossen waren, erkannte man die schnellen Bewegungen dieser unter den Lidern.

      »Er träumt nun«, stellte der Doktor fest und drückt einen Knopf. »In Zehn Minuten können wir beginnen. Dann müsste er für die Befragung empfänglich sein.« Mit schnellen Schritten verließ er den Raum.

      Der Mann in Schwarz setzte sich nieder auf einen der Schreibtischstühle und atmete durch. Zehn Minuten, wiederholte er in Gedanken und ließ den Blick auf die Wanduhr schweifen. Dann nur noch fünf, vier, drei, zwei und eine weitere. Die Tür öffnete sich leise und mit weichen Schritten traten der Doktor von vorher und dessen Vorgesetzter herein.

      »Professor, Sie sind spät dran.«

      »Verzeihen Sie mir diese Unachtsamkeit, bitte«, erwiderte der Professor und strich sich seinen Kittel glatt. »Ich habe neue Informationen zu unserer Studie gefunden, die sich ebenfalls auf ältere Aufzeichnungen der Antike stützen.«

      Die Augen des Mannes weiteten sich und er schob den Stuhl, auf dem er gerade noch gesessen hatte, rasch in die Ecke. Sein Knie rammte einen der Tische, doch wie in Trance blendete er den Schmerz aus. Der Doktor gab den anderen Beiden etwas Raum und widmete sich wieder den Maschinen, an denen der Patient verkabelt war.

      »Wie meinen Sie das, Professor?«

      »Ich habe einige sehr interessante und aufschlussreiche Dokumente über die Lobotomie gefunden. Es wäre mir eine Ehre, Ihre Forschungen auf diese Weise voranzutreiben. Falls Sie mir diese Form von Eingriff erlauben.«

      »Lobotomie, sagten Sie? Wurden diese Versuche nicht bei psychisch kranken Menschen durchgeführt? Unsere Testperson erfreut sich allerdings bester psychischer Gesundheit.«

      »Ich verstehe Ihre Zweifel nur zu gut, trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass das Unterbewusstsein einen weiten Teil der menschlichen Psyche einnimmt. Wenn das, was wir suchen also im Zusammenhang mit dem Unterbewusstsein steht, könnten wir darüber eine Verbindung zu Ihm herstellen. Das ist es doch, was Sie sich erhoffen.«

      »Ich kann von so einer wahnwitzigen Untersuchung nur abraten«, entgegnete der Doktor, der sich nervös an sein Klemmbrett klammerte. »Die Wahrscheinlichkeit, dass massive Schäden zurückbleiben, ist einfach zu groß. Das können Sie nicht verantworten.«

      »Mit Ihren kleinen Hypnotherapieversuchen sind wir kaum einen Schritt weitergekommen, deshalb bin ich für den waghalsigeren Schritt, wenn Sie es denn so ausdrücken möchten«, bekräftigte der Professor und baute sich vor seinem Assistenten auf. »In jedem Fall obliegt die Entscheidung Ihnen, Herr Direktor.«

      Ein ohrenbetäubendes, schrilles Geräusch löste die zu eskalieren drohende Debatte der Männer auf und ließ diese erstarren. Nacheinander gingen die Geräte, die noch immer mit dem Patienten verbunden waren, in Rauch auf. Der dichte Qualm raubte ihnen die Sicht und schon bald sprangen die Sprinkleranlagen an.

      »Schnell! Wir müssen ihn von den Maschinen nehmen, sonst bekommt er noch einen elektrischen Schlag. Und macht die Trage bereit, sein Puls ist sehr schwach.«




      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Simbambi ()

    • Spoiler anzeigen

      Simbambi schrieb:

      »Nein!«, drohend erhob der Mann in Schwarz seine Faust. »Wir müssen endlich Ergebnisse erzielen. Sie sind nah dran, oder liege ich da falsch?«
      Neuen Satz beginnen, es geht ja in der Handlung weiter ^^

      Simbambi schrieb:

      »Ich bin mir unsicher, ob solche wagen Vermutungen als Errungenschaften abgestempelt werden sollten.
      vagen

      Simbambi schrieb:

      könnten wir darüber eine Verbindung zu Ihm herstellen.
      klein

      Simbambi schrieb:

      Die Tür öffnete sich leise und mit weichen Schritten traten der Doktor von eben und dessen Vorgesetzter herein.
      zuvor- Präteritum. Erzählersicht. ^^

      Simbambi schrieb:

      Das ist es doch, was sie sich erhoffen.«
      groß

      Simbambi schrieb:

      »Die Wahrscheinlichkeit, dass massive Schäden zurückbleiben_ ist einfach zu groß.
      Komma


      Interessanter Anfang, schöner Schreibstil und lässt sich flüssig lesen. Der Prolog ist einer, der einem noch nicht allzu viel verrät ^^
      Man fragt sich gleich, WAS die da eigentlich machen, was natürlich zum Weiterlesen animiert.
      Vor allem fragt man sich, wer die Testperson ist, warum die Geräte plötzlich anfanchen zu rauchen und ...
      Himmel was machen die da eigentlich?
      Der Mann in Schwarz scheint ja zumindest sehr energisch zu sein und auf jedenfall Ergebnisse haben zu wollen :hmm:

      Bisher hab ich noch keine Idee, um was es sich dabei handeln könnte :stick:
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Viel lässt sich anhand des Prologs noch nicht sagen, aber das ist ja nicht unbedingt schlecht. Es macht mich auf jeden Fall neugierig, wie die Geschichte weiter gehen wird. ^^
      Dein Schreibstil ist auch sehr schön und das Kopfkino läuft wunderbar mit.
      Ich bin ja mal gespannt, was die da mit dem armen Patienten veranstalten und warum genau nun alle Geräte anfangen zu qualmen. Normals ist das zumindest nicht. 8|

      LG, Kyelia

      Für eine Welt, die mehr Einhörner braucht! #Vote4Jen!
    • Simbambi schrieb:

      An seiner Seite überprüfte in diesem Moment ein Doktor die Werte, welche ein Gerät in endlosen Zahlencodes ausspuckte.

      Der Doktor(Arzt) schaute erstaunt von seinen Aufzeichnungen auf und blickte verwirrt zum Mann in Schwarz.
      Mir hat der Anfang sehr gut gefallen und ich sehe darin eine Menge potenzial. ich bin mal gespannt wie es weiter geht und was hinter diesem Prolog stecken mag. also mich hast du auf alle Fälle als Leser gewonnen. mach weiter so :D
      Allerdings habe ich auch etwas anzumerken. du hast in diesem Teil sehr oft die beiden Wörter "Patient" und "Testperson" verwendet. Vielleicht kannst du noch ein anderes Wort finden, dass genau das selbe ausdrückt wie diese beiden, da sie sich öfters widerholen, wird dein schreibstill dadurch etwas geschmälert, weil es immer wieder gleich klingt. wie wäre es mit "Proband", oder Versuchsobjekt, Experiment. ich weiß nicht ob die beiden letzten wirklich passen, aber es sollte eine Anregung für dich sein...
      Ich bin neugierig wie es weiter geht :stick:

      LG
      Kisa
    • Kapitel 1 – Teil 1

      Es war noch früh am Morgen, doch Caras Eltern waren schon unterwegs. Sie hatte noch versucht, ein Wenig zu schlafen, aber der Tumult von draußen hielt sie wach. Träge erhob sie sich von der Liege und das Erste, was sie machte, war sich zu strecken. In der letzten Nacht war sie immer wieder aus dem Schlaf hoch geschreckt.

      Schon immer hatte Cara die Nächte auf dem Feldbett gehasst, es war hart und unbequem. Sie wollte sich nicht beklagen, schließlich hatte es schon schlimmere Schlafplätze gegeben. Doch hin und wieder wünschte sie sich ein normales Leben. Schon seit ihrer frühsten Kindheit reiste sie mit ihren Eltern um die halbe Welt. Ein richtiges Zuhause konnte sie nicht nennen, denn kaum gewöhnte sie sich an einen Ort , zogen sie auch schon wieder um. Sie hatte in ihrem Leben mehrfach die Schule gewechselt, schaffte es aber dank ihres Eigenstudiums, diese mit einem sehr guten Notendurchschnitt abzuschließen. Caras Eltern hatten einmal überlegt, für sie einen Privatlehrer zu engagieren, doch dafür fehlte ihnen das Geld. So war es auch schwer für das junge Mädchen Freundschaften mit Leuten in ihrem Alter zu schließen.

      Cara band sich ihre langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Ein Blick in den großen Standspiegel ließ sie aufseufzen. Ihre grünen Augen umrandeten dicke Augenringen. Sie könnte diese mit Makeup überdecken, doch es war draußen zu heiß, sodass die Schminke ihr nur in Strömen hinunterlaufen würde.

      Eilig schnappte Cara sich ihren abgenutzten Strohhut und ging vor die Tür. Ein starker Wind fegte durchs Lager und ließ die Zeltplanen flattern. Cara musste den Hut festhalten, damit er nicht davon flog. Ihre Haare peitschten durch ihr Gesicht, gefolgt von riesigen Sandböen. Mit einer Hand bedeckte die Zwanzigjährige ihr Gesicht, während die andere den Hut noch immer auf ihren Kopf presste. Sie stapfte schweren Schrittes gegen den Wind durch den Sand.

      Einige Männer mit vermummten Gesichtern kamen ihr entgegen. Sie hatten Schaufeln oder andere Gerätschaften geschultert und sahen ziemlich erschöpft aus. Einer der Männer lief zu ihr hinüber, währenddessen enthüllte er sein Gesicht. Kurze, schwarze Haare und honigfarbende Haut kamen zum Vorschein. Er lächelte freundlich und hob begrüßend die Hand. Cara kannte ihn, er war schon lange mit ihrer Familie befreundet. Sein Name war Osahar und er begleitete Caras Eltern schon seit fünf Jahren hin und wieder auf ihren Reisen. Er war Mitte zwanzig gewesen, als sie ihn kennen gelernt haben. Cara mochte ihn sehr, er heiterte sie an öden Tagen immer auf.

      »Guten Morgen, Cara. Hast du gut geschlafen?«

      »Es geht so. Ich werde mich an die harten Liegen wohl nie gewöhnen.«

      Osahar lachte. »Das kenn‹ ich. Wenn du deine Eltern suchst, die sind an der neuen Fundstelle«, er zeigte Richtung der hohen Sanddünen.

      »Das habe ich mir schon gedacht. Würdest du mich vielleicht begleiten?«

      Er nickte ihr zu und hielt ihr gentlemanlike den Arm hin, damit Cara sich bei ihm unterhaken konnte. Freudestrahlend nahm sie seinen Arm und gemeinsam spazierten sie durch den Sand.

      Der Wind blies immer noch stark, doch nun fand Cara durch ihren Begleiter Halt. Sie überquerten die Sandhügel südlich vom Lager, bis sie an den Ort kamen, an dem sich viele Leute versammelten. Es herrschte ein reges Treiben. Zum größten Teil waren es Männer, die mit den schweren Geräten und Maschinen hantierten. Durch die Hitze schwitzten die Männer stark, auch der Wind, der die Arbeit nur erschwerte und Sand aufwirbelte, brachte keine Abkühlung.

      Im Zentrum der Ebene ragten riesige Steine aus dem Boden, die mit wunderschönen Ornamenten versetzt waren. Es war ein Gebäude, eine Ruine, welcher mit der Zeit im unendlichen Sand der Wüste Ägyptens versunken war. Ein großes Loch am Boden zeigte den Eingang zur Ruine. Cara vermutete, dass sich ihre Eltern dort unten aufhielten. Sie ging zum Eingang und schaute die lange, in die dunkle Tiefe führende Treppe hinunter. Osahar hatte für sie eine Lampe besorgt, sodass sie nun gemeinsam hinunter stiegen.

      Es fühlte sich kalt an und roch moderig. Bis auf das Licht, welches die Lampe warf, war es stockdunkel. An den Wänden konnte Cara einige Zeichnungen erkennen, oft waren Bildnisse der alten Götter Ägyptens zu sehen. Das Bild vom Gott Anubis erkannte sie ganz deutlich, ein Mannmit Schakalkopf. Dieses Gebäude galt wohl einst als Tempel für diesen Gott der Totenriten. Cara kannte sich gut mit den Götter des alten Ägyptens aus, denn ihre Mutter hatte ihr als Kind immer die Geschichten dieser erzählt.

      Osahar und sie kamen in eine Kammer, die durch große Strahler hell erleuchtet war und in der sich mehrere Personeneingefunden hatten. Einige dokumentierten die Gegenstände, die am Boden lagen, wie zum Beispiel alte Vasen, kleine Scherben oder antike Münzen. Andere standen vor den Wänden und zeichneten die Malereien ab. Für Cara war das alles nichts Besonderes mehr, sie war schon in vielen alten Ruinen gewesen.

      Weiter hinten sah sie ihre Eltern, die gerade dabei waren alte Schriftrollen zu begutachten. Sie lief zusammen mit ihrem Begleiter zu ihnen hinüber. Ihre Mutter bemerkte sie sofort und lächelte sie freundlich an. »Guten Morgen, mein Schatz. Hast du gut geschlafen?«

      »Es ging so, hab schon mal besser geschlafen.« Cara war drauf und dran, ihrer Mutter etwas Beunruhigendes zu erzählen, doch es waren ihr zu viele Leute vor Ort, also beließ sie es dabei.

      »Guten Morgen, Mr. und Mrs. Jackson«, sagte Osahar höflich.

      Caras Mutter kicherte vergnügt. »Osahar, wie oft haben wir dir jetzt schon gesagt, du sollst uns mit unserem Vornamen ansprechen, schließlich kennen wir uns schon lange.«

      »Tut mir Leid, Mr. und Mrs., ... äh, ich meine ..., tut mir Leid Daniela und Stephen.«

      Auch Caras Vater Stephen fing an zu lachen. Dann faltete er die Schriftrolle in seiner Hand zusammen und schaute seine Tochter glücklich an. »Hast du schon gefrühstückt?«

      »Nein, noch nicht. Ich dachte das könnten wir gemeinsam machen.«

      Stephen und Daniela nickten beide und packten ihre Sachen zusammen. Osahar ging schon vor, während Cara noch auf ihre Eltern wartete. Sie brauchten nicht lange, sodass die Zwanzigjährige das muffige Gemäuer schnell wieder verlassen konnte.

      Gemeinsam gingen sie zurück ins Zeltlager, wo in einem riesigen Zelt mit jeder Menge Tischen und Bänken, das Frühstücksbuffet bereit stand. Cara lud sich den Teller voll, sie hatte großen Hunger, besonders nach der vergangenen Nacht. Sie wollte es ihrer Mutter unbedingt erzählen, also nahm sie sich vor, Daniela nach dem Essen abzufangen.

      Doch Caras Plan wurde zunichte gemacht, als ein Mann an ihren Tisch trat. »Ist hier eine Cara Jackson?«

      »Ja, das bin ich!« Sie erhob sich von der Bank und ging zu dem Mann an der Stirnseite des Tisches. Er überreichte ihr einen Brief und verabschiedete sich rasch von ihnen.

      Der Brief lag schwer in ihrer Hand und der Umschlag sah sehr edel aus. Auch das Papier fühlte sich anders an als das, welches sie gewohnt war. Caras Name war in einer feinen, geschwungenen Schrift auf dem Umschlag geschrieben worden. Die Rückseite des Briefes schloss ein Wassersiegel. Vorsichtig löste Cara das Siegel und entnahm das Schreiben. Es waren mehrere Seiten schweren Papiers. Neugierig, von wem der Brief wohl stammen mochte, las sie eilig die Zeilen durch und traute ihren Augen kaum.

      FREYER AKADEMIE
      Direktor: Prof. Dr. e. h. Raphael Freyer


      Sehr geehrte Miss. Jackson,
      Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihnen ein Stipendium bewilligt wurde und Sie hiermitder Freyer Akademy im Fachbereich Geschichtswissenschaften aufgenommen sind. Beigelegt finden sie alle wichtigen Unterlagen, wo Sie sich einzufinden haben und was sie an Büchern und Ausrüstungsgegenständebenötigen.
      Das Semester beginnt am 1. Oktober, die ertsten Vorlesungen am 12. Oktober. Wir erwarten bis zum 25. August eine Rückmeldung, ob sie den Studienplatz annehmen.


      Mit freundlichen Grüßen
      R. Freyer
    • Simbambi schrieb:

      hatte noch versucht, ein Wenig(klein) zu schlafen, aber der Tumult von draußen hielt sie wach

      Simbambi schrieb:

      Ein richtiges Zuhause konnte sie nicht nennen, denn kaum gewöhnte sie sich an einen Ort (Leerzeichen weg), zogen sie auch schon wieder um.

      Simbambi schrieb:

      Eilig schnappte Cara sich ihren abgenutzten Strohhut und ging vor die Tür. Ein starker Wind fegte durchs Lager und ließ die Zeltplanen flattern. Cara(Sie) musste den Hut festhalten, damit er nicht davon flog.

      Simbambi schrieb:

      Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihnen ein Stipendium bewilligt wurde und Sie hiermit_(Leerzeichen)der Freyer Akademy(Deutsche oder Englische/amerikanische Schreibweise?! Hat das einen Einfluss? Denn ansonsten würde ich die Deutsche vorziehen also Akademie) im Fachbereich Geschichtswissenschaften aufgenommen sind. Beigelegt finden sie alle wichtigen Unterlagen, wo Sie sich einzufinden haben und was sie an Büchern und Ausrüstungsgegenstände_(Leerzeichen)benötigen.

      Das geht ja gut weiter.
      Da kann man mal wirklich gespannt sein, was da noch so alles passieren wird.
      Also lass schnell wieder was von dir hören :D

      LG
      Kisa
    • So, erstmal lieben Dank fürs Feedback @Kisa :)
      Ich denke mal (spreche eben schnell für uns Beide, weil Simbambi aus zwei Persönchen besteht), dass der 1.Teil bald überarbeitet wird. Bis dahin lade ich schon mal den 2.Teil hoch, auch wenns dann nicht so schön aussehen wird :D und versüße euch vielleicht die Woche. Und bitte nicht wundern, dass sich die Perspektive ändert, ist alles geplant 8)

      Euch allen trotzdem viel Spaß beim Lesen!


      Kapitel 1 – Teil 2
      Die morgendlich kühle Luft erfüllte ihre Lungen, während sie den alten Kanal entlangjoggte und gab ihr ein Gefühl von Freiheit, das sie sonst nicht hatte. In Gedanken ging sie zum gefühlt hundertsten Mal ihre Liste für den Umzug durch und befürchtete dennoch, dass sie etwas vergessen würde. In nicht einmal mehr zwei Tagen würde sie sich ihre Koffer schnappen und endlich aus ihrem Elternhaus verschwinden.
      Ihre Augen tränten, ließen die blauen Irden verschwimmen und trübten die Sicht für wenige Augenblicke. Der Pferdeschwanz, den sie sich immer zum Sport machte, da ihre Haare sie sonst zu sehr störten, wippte bei jedem Schritt hin und her, ähnelte dem Pendel einer Standuhr. Das angrenzende Waldstück schmiegte sich an den geraden Fluss, über dem kleine Nebelschwaden hingen. Ihre Muskeln begannen zu brennen, das Zeichen, dass sie das Training in den letzten Wochen vernachlässigt hat.

      Plötzlich hörte Heather ein Knacken, das sie aufschrecken ließ. In den Baumwipfeln musste sich etwas bewegt haben, denn ein paar der goldbraunen Blätter rieselten hinab auf den steinigen Weg. Ihre Augen suchten hektisch die Äste ab, fanden jedoch nichts. Sofort fühlte sie sich beobachtet und beschleunigte ihr Tempo. Es war wahrscheinlich nur ein Eichhörnchen oder ein Vogel, redete sie sich ein, doch ihre Instinkte wiesen ihr an, auf der Hut zu bleiben. Sie verstand dieses Gefühl, das sich in ihrer Brust ausbreitete, nicht, aber sie wollte so schnell wie möglich von hier verschwinden.

      Als sie schweißgebadet auf dem kleinen Vorplatz eines Bürogebäudes angekommen war, beruhigte sich ihr Puls allmählich. Während das Rauschen in ihren Ohren abnahm, sah sie bereits den schwarzen Wagen um die Ecke biegen, der sie wie jeden Morgen von hier abholte. Sie zupfte noch immer nervös an dem Saum ihres Shirts herum, doch der Blick, welcher bis hierher auf ihr gehaftet hatte, war verschwunden.
      Das leichte Vibrieren des Motors ließ die Angst nun ganz verblassen. Wie bunte Streifen flogen die Hauswände und Ampellichter am Fenster vorbei. Heather lehnte ihr Gesicht an die kühle Scheibe, sodass diese beschlug. Das abgedunkelte Glas mischte sich mit dem weißen Nebel, der wie eine Sonne von ihr ausging. Unbewusst spielte sie mit ihren Fingern, verschränkte sie ineinander und drehte an ihrem Daumen herum. Der Wagen kam zum Stehen und ihr Fahrer öffnete die Tür leise. Sie standen auf der kreisrunden Einfahrt des Anwesend der McCarthys, welche ein dreistöckiger Brunnen in der Mitte zierte.

      „Miss McCarthy, Ihre Eltern erwarten sie im Speisesaal. Wenn Sie mir dann bitte folgen würden“, erklärte er mit einer unterwürfigen Haltung.

      Stöhnend wich sie der Hand des Fahrers aus, der sie noch zur Tür begleiten wollte und stapfte stattdessen an der Seite der Villa vorbei, um in den Garten zu gelangen. Ihre Augen blieben kaum merklich an den bekannt aufwendigen Blumenbeeten und Zierpflanzen hängen, die sich ihre Mutter vor einigen Wochen neu ausgesucht hatte. Elisabeths Geschmack wandelte sich beinahe stündlich, da wunderte Heather der wöchentliche Wechsel der Gartenanlagen nur noch wenig.

      Von hier aus gelangte sie sofort in das große Wohnzimmer mit den alten Ledersofas und dem antiken Tisch, der aus ihrer Sicht etwas zu plump wirkte. Die riesige, rotbraune Standuhr würde bald Sieben schlagen. Noch fünf Stunden, dann hob Heathers Flieger ab und brachte sie in ihr neues Leben. Rasch spurtete sie die Treppe hinauf ins erste Stockwerk, wo sich ihr Zimmer befand. Sie erreichte das eigene Bad und genehmigte sich noch eine Dusche, bevor sie sich ihren Eltern zeigte. Als sie sich abtrocknete, entdeckte sie das dunkelrote Seidenkleid, welches vermutlich eine der Bediensteten gebracht hatte. Widerwillig zog sie es an und knotete ihre langen, blonden Haare zu einem Dutt, der ihr dieses Mal recht gut gelang.

      Im Esszimmer erwarteten ihre Eltern Heather bereits. An dem weißen Esstisch mit den goldenen Schnörkeln und Zierden, lagen drei Gedecke für das Frühstück. Am Kopfe saß ihr Vater Bernhard und blätterte in einem Wirtschaftsmagazin. Ihre Mutter nahm den Platz zu seiner rechten ein und begutachtete ihre Tochter ausgiebig. Heather schob ihren Stuhl zurecht und ließ sich dann darauf nieder. Aus der Küche nahm sie das Geklapper von Geschirr und Besteck wahr, welches sich ihnen näherte. Eine Schale voll Müsli wurde ihr vorgesetzt und sie rührte lustlos darin herum, beachtete die Blicke ihrer Mutter gar nicht.

      „So mein Liebling“, begann ihr Vater, ohne von seinem Magazin aufzuschauen. „Auf der Freyer Akademie werden nur die Besten der Besten aufgenommen und unterrichtet, das bedeutet für dich, uns keine Schande zu bereiten.“

      „Aber Bernhard, Heather weiß sich zu benehmen. Schatz, hör gar nicht so sehr auf deinen Vater.“

      „Ich will nur sagen, dass es wichtig ist, sich dort anzupassen und auf seine Professoren zu hören. Außerdem wirst du anderen adligen oder wirtschaftlich angesehenen Leuten begegnen und es kann nicht schaden, Kontakte zu knüpfen“, als Elisabeth die Worte ihres Mannes ab nickte, führte er seine Erklärungen fort. „Heather, wir haben dir über die Jahre all die Gepflogenheiten der oberen Gesellschaft beigebracht und nun wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass du einen guten Partner findest.“

      Genervt rollte Heather mit ihren Augen und ließ den Löffel in ihre Schüssel fallen, das es laut klirrte. Sie erhob sich von ihrem Stuhl und musste sich kurz sammeln, um ihren Ärger nicht rauszuschreien.

      „Ihr beiden glaubt doch wohl nicht ernsthaft, dass ich mir diese Uni ausgesucht habe, weil ich dort meinen neuen Ehemann, der ganz zufälligerweise reich und adlig ist, finden will. Ich möchte an die Freyer Akademie, um zu studieren und sonst nichts!“

      „Was erlaubst du dir, Kind?“, Bernhard sprang auf und sein Stuhl fiel gleichzeitig nach hinten hin um. „Genau das meinte ich Elisabeth. Ihr Benehmen lässt seit einigen Monaten zu wünschen übrig. Wenn ich darüber nachdenken, dann ist sie so unbeholfen, seitdem sie von ihrer Annahme an dieser Universität weiß.“

      „Vater, rede nicht so über mich, als wäre ich gar nicht hier. Warum will ich wohl mein eigenes Leben selbst gestalten? Ich sag es euch. Weil ihr mir nie die Möglichkeit dazu gegeben habt.“

      „Aber Schätzchen“, Heathers Mutter versuchte die Lage zu beruhigen und wies eine der Angestellten an, den Tisch abzuräumen. „Wir haben dir doch immer alles gegeben, was du dir gewünscht hast.“

      „Mama, man kann nicht alles mit Geld kaufen. Ich will mich selbst ausprobieren und nicht auf ewig in eurer Welt der Etikette leben.“

      „Aber genau in dieser Welt bist du aufgewachsen und hast deine Freunde gefunden. Willst du das alles nur für einen vagen Gedanken wegwerfen?“

      Die Argumente ihres Vaters machten Heather nachdenklich, konnten dennoch nicht ihre momentane Wut zügeln. Zu lange hatte sie immer das getan, was von ihr verlangt wurde. Sagte man ihr, sie solle aufrecht sitzen, saß sie aufrecht. Sagte man ihr, sie solle nicht mit den Kindern im Park spielen, tat sie dies nicht. Aus ihrer Sicht verpasste sie so viele Möglichkeiten, nur weil ihre Eltern sie beschützen wollten und ihre Zukunft bereits verplant hatten.

      „Meine Entscheidung steht fest. Ich fliege heute und bin damit aus eurer unmittelbaren Reichweite, also lasst mir dieses eine Mal meine Freiheit“, sie schluckte schwer, denn diese harten Worte gingen ihr alles andere als leicht über die bebenden Lippen. „Und ich werde euch keine Schwierigkeiten bereiten, das wisst ihr doch.“

      „Geh schon mal nach oben und hol deinen Mantel. Der Chauffeur wird in einer Stunde da sein und dich zum Flughafen bringen“, Elisabeth legte Heather eine Hand auf die Schulter. „Dein Vater macht sich nur Sorgen um dich. Das wird das erste Mal sein, dass er dich eine lange Zeit nicht sehen kann.“

      „Ja, ich weiß, aber das mit der „Suche nach einem Partner“ war wirklich überflüssig.“

      „Wir wollen doch nur das Beste für dich und wenn sich so eine Gelegenheit ergibt, dann sollte man sie nutzen. Dein Stand ist nichts, wofür man sich schämen müsste, ganz im Gegenteil. Wahrscheinlich werden die jungen Männer von allein auf dich zukommen.“

      „Vater, lass das!“, Heather boxte ihm neckend in die Seite. „Über so etwas will ich nicht mal reden.“

      „Aber wenn du jemanden siehst, dann-.“

      „Rede ich mit ihm. Ganz normal und gesittet“, beendete sie den Satz ihres Vaters.

      Während Heather ihre Eltern weiterreden hörte, kletterte sie bereits die Treppe hinauf ins erste Obergeschoss und verschwand in ihr Zimmer. Die von ihrem Lauf verschwitzte Kleidung hatte eine der Bediensteten offensichtlich weggeräumt und dazu noch ihr Bett gemacht. Diesen Luxus würde sie vermutlich in der Uni bald vermissen, andererseits konnte sie so endlich lernen, was es bedeutete auf eigenen Füßen zu stehen und sich selbst zu managen. Ein Lächeln zauberte sich auf ihr Gesicht.
    • Hiho,

      zwei gelungene Kapitel wie ich finde. Man kann sich alles super vorstellen, trotzdem wirkt es nicht so überladen vom Detalierungsgrad.

      Cara und Heather sind zwei interessante Characktere, die an der Uni sicherlich aufeinander prallen werden. Ich weiss nur nicht, ob Cara sich da so wohl fühlen wird. Irgendwie macht sie nicht den Eindruck, dieses hochgeschraubten volkes, das dort sonst rumlaufen soll. Aber auch Heather wirkt eher wie ne kleine Rebellin. Ihr Vater ist lustig :D Erstmal nen Mann organisieren *g* Da musste ich lachen, das passt.

      Ich habe keine groben Fehler gefunden, und die kleinen, überlasse ich den Experten :)

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Simbambi schrieb:

      Die morgendlich kühle Luft erfüllte ihre Lungen, während sie den alten Kanal entlang_(Leerzeichen)joggte und gab ihr ein Gefühl von Freiheit, das sie sonst nicht hatte.

      Simbambi schrieb:

      Sie standen auf der kreisrunden Einfahrt des Anwesend(Anwesens) der McCarthys, welche ein dreistöckiger Brunnen in der Mitte zierte.
      Ein toller Teil, wobei mir das Hickhack mit den Eltern von Heather sehr gut gefällt.
      Vor allem die gegensätzlichen Charaktere die ihre Eltern verkörpern kommen sehr gut rüber und man kann sie deutlich von einander unterscheiden.
      Zudem stehen beide im klaren Gegensatz zu Heather selber.
      Alles richtig gemacht!
      Daumen hoch :thumbsup:
      Ich bin neugierig wie es weiter geht :stick:

      LG
      Kisa
    • Hi ihr alle!
      Wie immer erstmal Dankeschön für die Kommentare, das Feedback hilft echt immer sehr :)
      Ja, Cara wird wohl einige Problemchen bekommen und wir feilen noch an der Stelle, wo Cara und Heather aufeinander treffen, vor allem weil noch einige wichtige Personen dazukommen werden.
      Wir beeilen uns, neben Uni und Privatleben (okay seit der Uni haben wir keine Freizeit mehr, aber was solls) einige Kapitel zu schreiben :D
    • @Simbambi
      Lasst euch zeit. Keiner drängt euch was neues online zu stellen, zumal dann meistens die Qualität des Geschriebenen nur darunter leidet, also nehmt euch so viel Zeit wie ihr braucht, wir werden so lange schon geduldig auf den neuen Teil warten :D
      Macht euch da mal keinen Stress!

      LG
      Kisa
    • So, endlich geht's weiter :) wir haben uns viel Mühe gegeben und hoffen, dass es euch gefallen wird. Ich entschuldige mich mal stellvertretend für uns beide für die nicht so schöne Formatierung des Textes. Ich krieg das einfach nicht besser hin, aber man kann es ja trotzdem lesen :D

      Kapitel 2 Teil 1

      Am Flughafen angekommen, erkannte Heather bereits von weitem den auffallenden, pinken Hartschalenkoffer ihrer Freundin. Daneben stand wie erwartet Bianca, die nervös an ihrer Lederjacke herumfummelte und auf ihren Absätzen auf und ab wippte. Die platinblonden Haare, die sicherlich nicht ihre Naturhaarfarbe waren, auch wenn sie dies immer behauptete, hatte sie zu einem nahezu perfekten Dutt zusammengesteckt. Als ihre Augen durch die Sonnenbrille hindurchblinzelten, trafen sich die Blicke der jungen Frauen und Heather genoss eine überschwängliche Umarmung.

      „Hey Süße", säuselte Bianca. „Ich hab schon auf dich gewartet. Was hat dich aufgehalten?"

      „Ach, der übliche Kram."

      Bianca zog die Stirn kraus und legte den Kopf schief. Belustig hob Heather die Hände in die Luft und deutete ihr an, dass es sich um nichts Wichtiges handelte. Während die zwei noch eine Weile redeten, brachte Heathers Chauffeur ihre Koffer zum Empfang.

      „Wenigstens haben wir erste Klasse gebucht", stöhnte Bianca und ließ ihr Handgepäck von einer Angestellten begutachten. „Ganz ehrlich, Economy würde ich mir nicht mal für Geld geben."

      „Komm schon. So schlimm ist es auch nicht und sei lieber froh, dass wir uns den Luxus noch leisten können. In ein paar Tagen sieht das wahrscheinlich ganz anders aus."

      „Sag das nicht", sie klammerte sich an Heathers Arm. „Ich vermisse mein Zimmer ja jetzt schon. Wieso haben wir uns noch mal bei der Uni eingeschrieben? Wenn ich genau drüber nachdenken, war das deine geniale Idee."

      „Ja, deshalb ist sie ja auch genial", lachte Heather und schob ihre Freundin weiter. „Wenn wir weiter trödeln, dann verpassen wir noch unseren Flug."

      „Ach, die warten bestimmt auf uns."

      Der Start des Fliegers erfolgte wie geplant und selbst die Landung, vor der sich Heather heimlich fürchtete, verlief problemlos. Einzig auf ihre Koffer mussten die Beiden über eine Stunde warten, was Bianca sichtlich missfiel und die machte ihrem Ärger lautstark Luft.

      „Das kann ja mal nicht angehen, dass wir hier eine geschlagene Stunde auf unsrer dämlichen Koffer warten müssen. Ich meine, wir haben schließlich was Besseres zu tun als hier herum zu vegetieren."

      „Ich bitte vielmals um Verzeihung", versuchte der Mann an der Information zu beschwichtigen. „Die Verspätung tut uns schrecklich leid, aber im Moment kann ich daran auch nichts ändern, Miss LeBelle."

      „Das ist ja mal wieder typisch!", keifte sie weiter. „Da verlässt man sich einmal auf andere und wird schon-."

      „Bianca", unterbrach Heather ihre Freundin, die bereits rot angelaufen war. „Deine Beschwerden werden die Koffer auch nicht schneller kommen lassen."

      „Stört dich das alles etwa kein bisschen?"

      „Natürlich stört mich das, doch was sollen wir schon großartig machen? Ich denke nicht, dass du über das Gepäckband hinter die Kulissen kriechen und dort nach unseren Sachen suchen willst", daraufhin wandte der Mann sich ab, um sein Grinsen zu verstecken. „Komm, wir holen uns einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Allzu lang kann es nun nicht mehr dauern und wir haben schließlich keinen Zeitdruck."

      „Du magst gar keinen Kaffee", beschwerte sie sich.

      „Aber Kuchen!"

      „Das werde ich nie verstehen, wie du so viel Süßkram in dich hineinstopfen kannst und dabei nicht anschwillst wie ein Fuß, der in die höchsten High Heels der Welt gequetscht wurde."

      „Ja, schöner Vergleich ... danke für die Blumen."

      Schmunzelnd, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, schlenderten die Mädchen zur nächstgelegenen Bäckerei und deckten sich dort für die kommende halbe Stunde ein. Länger brauchte das Flughafenpersonal dann auch nicht, um die Problematik mit den Koffern zu beheben. Sie entschuldigten sich noch einige Male für die Unannehmlichkeit, was Bianca nur mit einem Naserümpfen anerkannte.

      „Nehmen Sie es ihr nicht übel", sagte Heather an die Angestellten, die nur noch einen gefühlten Meter groß waren, nachdem Bianca sie zusammengestaucht hatte. „Sie meint es nicht so ... wir haben nur eine stressige Woche hinter uns."

      Das entsprach zumindest teilweise der Wahrheit, dachte sie sich. Die letzten Wochen bestanden zum größten Teil daraus, die eigenen Wertsachen für die Wohnhäuser der Freyer Akademie zusammen zu suchen und gleichzeitig diejenigen zu kontrollieren, die diese Sachen abholten und an ihren neuen Platz brachten. Heather wollte das alleine durchziehen und hatte sich Adressen und Telefonnummern für die Umzugsdienste von ihrem Vater geholt, diesen aber komplett von der Aktion ausgeschlossen. Insgeheim betete sie nun dafür, dass auch alles angekommen war.

      Mit einem schwarzen BMW, den sie sich zum Flughafen bestellt hatten, wurden die beiden angehenden Studentinnen zur Uni gefahren. Die Betonlandschaft, die an Heathers Augen vorbei raste, erschien ihr wenig einladend, allerdings hatte sie nichts anderes erwartet. Eine weitere Großstadt, sagte sie zu sich und kniff sich in den Unterarm. Mit schlechten Gedanken wollte sie sich den ersten Tag nicht vermiesen und hier gab es bestimmt auch ein paar grüne Plätze. Vielleicht sogar so wie man es aus Filmen kannte. Viele junge Studenten, die sich mit Büchern auf den Wiesen unter die Bäume setzten und lasen.

      „Hey, du Tagträumerin", witzelte Bianca, die bereits aus dem Auto gestiegen war. „Wir sind da. Beeil dich, ich will mich umsehen."

      Der BMW war durch das große Eingangstor gefahren, wo zwei Wachmänner diesen durch gewinkt hatten. Auf eine Art Rondell waren sie bis zum Eingang in die Haupthalle, die links und rechts von sich weiter nach vorne reichte als das gigantische Mittelstück, vorgefahren. In der Mitte gab es einen kreisrunden Garten, wo sich bereits einige Studenten tummelten, die allesamt nach gehobenem Stand aussahen. Heather warf sich ihre Umhängetasche über die Schulter und staunte bei dem Anblick des Festsaales nicht schlecht, welcher sich direkt im Hauptgebäude befand. Sie war nicht überrascht, denn die Bälle und Veranstaltungen, die sie mit ihren Eltern besuchte, besaßen ähnlich pompöse Inneneinrichtungen. Dennoch überkam sie eine andere Atmosphäre. Das Gefühl von Freiheit konnte sie deutlich feststellen, sowie das der sie umgebenen Jungend. Die Professoren schienen noch nicht anwesend zu sein, kein Wunder, wenn man bedachte, dass die Vorlesungen erst morgen begannen. Heather lauschte ein wenig, wurde jedoch schnell aus ihrer Trance gerissen, da sich ihr lautnachhallende Schritte auf dem beigen Mosaikboden näherten. Dabei fielen ihr die Muster des Bodens auf, die wie große Sonnenstrahlen von der Mitte aus in alle erdenklichen Richtungen verliefen.

      „Wenn man mal eine Sekunde nicht auf die achtet, bist du plötzlich verschwunden", sagte Bianca, die vor Heather erschien. „Ich will jetzt unser Zimmer sehen!"

      Heather lachte und darauf erntete sie einen leichten Schlag gegen die Seite. Sie schrie gespielt verletzt auf und wollte weglaufen, doch als sie sich umdrehte, stand ein großer, junger Mann vor ihr. Seine grünen Augen tanzten interessiert auf Heather umher und wanderten dann zu Bianca, die sich zusammennahm und ladylike dastand. Wie aus dem Bilderbuch, dachte Heather.

      „Seid ihr zwei Erstsemester?", erkundigte er sich und ließ damit das eher kindische Verhalten der Beiden unter den Tisch fallen. Die Freundinnen nickten bedacht. „Freut mich, eure Bekanntschaft zu machen. Mein Name ist Elias Sander, ich studiere schon seit einem halben Jahr hier."

      „Sehr erfreut. Das dort drüben ist meine Freundin und Zimmergenossin Bianca LeBelle und ich heiße Heather McCarthy. Wir sind eben erst angekommen und schauen uns ein wenig um."

      „Ja, das habe ich gesehen", ein seichtes Grinsen zog seine Mundwinkel in die Höhe. „Wollt ihr eine kleine Führung? Ich biete mich gern als Geleit an."

      Die beiden Mädchen tauschten ein paar Blicke aus, aber ihre Antwort wäre ohnehin dieselbe gewesen. Wer hätte einem offensichtlich sportlich begeisterten Zweitsemester schon so ein verlockendes Angebot ausschlagen können?

      „Das ist überaus freundlich von Ihnen", erwiderte Bianca, zog ihren Jeansrock zurecht und stellte sich neben Heather, die sich plötzlich ein bisschen unscheinbar in ihrem grauen Pulli und der hellblauen Jeans vorkam. „Es wäre uns beiden eine Freude, denn wir kennen uns hier nun mal nicht sonderlich gut aus und würden uns nur ungern verlaufen."

      „Ihr zwei dürft „Du" zu mir sagen. LeBelle und McCarthy ... Also eine Adelstochter und der Spross des berühmten Schriftstellers Bernhard McCarthy. Eine angemessenere Gesellschaft könnte ich mir nicht vorstellen."

      Wieder zierte ein strahlendes Lächeln Elias Lippen und entblößte zwei Reihen makelloser Zähne. Heather hörte, wie Bianca die Luft scharf einzog, sie wirkte ihm sehr angetan. Nun musste sie selbst lachen, fühlte sich zugleich angesteckt von seinem Grinsen und empfand die Situation ziemlich merkwürdig, obgleich sie dies nicht sollte. Eigentlich müsste ihr alles normal vorkommen, aber sie hatte gehofft, dieser hochgestochenen Welt endlich entkommen zu sein.

      „Und mit wem haben wir das Vergnügen? Elias Sander kommt mir irgendwie bekannt vor", grübelte Bianca laut vor sich hin.

      „Meine Eltern sind in der Wirtschaft tätig. Nichts Besonderes hier", entgegnete er. „Du hingegen", er beugte sich hinunter zu Heather, die dem Gespräch nicht mehr aufmerksam gefolgt war. „Ich habe einen Roman deines Vaters vor kurzer Zeit gelesen."

      „Oh, tatsächlich. Ich hätte nie damit gerechnet, dass seine Werke so eine junge Zielgruppe ansprechen", antwortete sie und wich etwas zurück. „Er missbraucht mich nur manchmal als Testleserin."

      „Du solltest dich glücklich schätzen, Heather! Ich bin ein sehr begeisterter Leser seiner Bücher, ob nun zur Unterhaltung oder Bildung. Die Ägyptische Mythologie beschreibt er einfach zu fesselnd, dass man die Seiten nur so verschlingt."

      „Vielen Dank. Ich werde ihm deine Begeisterung mitteilen."

      „Das wäre sehr nett, danke. Und jetzt will ich euch herumführen. Wir haben eine Menge vor, denn das Gelände ist sehr weitläufig." Elias bot den beiden jungen Damen sein Geleit an und sie hakten sich fröhlich gestimmt bei ihm ein.



    • Simbambi schrieb:

      Einzig auf ihre Koffer mussten die Beiden über eine Stunde warten, was Bianca sichtlich missfiel und die(diese- klingt etwas besser in meinen Ohren) machte ihrem Ärger lautstark Luft.

      Simbambi schrieb:

      „Das kann ja mal nicht angehen, dass wir hier eine geschlagene Stunde auf unsrer(unsere) dämlichen Koffer warten müssen.
      Dieser Teil ist euch beiden gut gelungen. Ihr achtet sehr darauf wie ihr euch ausdrückt, was mir persönlich ganz gut gefällt. Nebenbei bemerkt achtete ihr beim schreiben auch auf viele kleine Details, was eine Geschichte erst lesenswert macht. :D Ich bin jedenfalls mal neugierig wie die Geschichte weiter gehen wird :stick:

      LG
      Kisa
    • Simbambi schrieb:

      lautnachhallende
      getrennt oder?


      Also die Uni ist ja wirklich was für reiche, wenn ich das richtig sehe. Man scheint da auch sher viel wert auf den Stand zu legen. Das wird für Cara aber dann nicht sonderlich leicht, wie schon vermutet.
      Gerade Bianca... irgendwie mag ich die nicht so gerne. Also aktuell kommt sie halt ziemlich arrogant rüber

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Kapitel 2 Teil 2



      Voller Erstaunen stand Cara zusammen mit ihren Eltern vor dem imposanten Hauptgebäude der Freyer Akademie, dessen Zinnen sich weit hoch in den Himmel erstreckten. Hätte die frischgebackene Studentin nicht gewusst, dass es sich bei den Gemäuern um sie herum um eine Universität handelte, wäre sie davon ausgegangen, vor einem großen Museum zu stehen, ähnlich dem Louvre in Paris.
      Auf der Wiese vor dem Hauptgebäude tummelten sich einige Studenten. Sie saßen auf einer großen Picknickdecke und genossen die vielleicht letzten sonnigen Tag in diesem Jahr. Man würde meinen, dass dies eine ganz normale Situation im Leben eines Studenten war, doch es gab etwas, das Cara an diesem Bild störte. Die jungen Leute saßen nicht direkt auf den ausgebreiteten Decken, sondern auf dicken Kissen. Vor ihnen standen Teller und Tassen aus Porzellan und die Mitte zierte ein großer, voll beladener Etageren. Cara erkannte von weitem kleine Schnittchen und Pralinen, eingepackt in feinem, bunten Papier. Ihr bereitete dieser Anblick Unbehagen. Sie konnte sich nicht vorstellen, an solchem Schickimicki Teepartys teilzunehmen.
      Sie wendete sich ihren Eltern zu, die sie besorgt an schauten. Auch sie hatten die Studentengrüppchen auf der Wiese betrachtet. Daniela legte ihre Hände auf Caras Schultern.
      "Bist du dir sicher, Schatz, dass du hier zurecht kommst? Die meisten Studenten hier kommen aus einer ganz anderen Welt, als wir."
      Cara schnaubte, wie oft hatte sie diese Worte in den letzten Wochen schon auf die eine oder andere Art und Weise gehört.
      "Ja, bin ich. Dies ist eine Chance, die man kein zweites Mal erhält. Ich habe mich sehr angestrengt, um von einer solch renommierte Universität angenommen zu werden. Vielleicht finde ich jemanden, der so bodenständig ist wie meine Wenigkeit." Sie kicherte vergnügt, doch dies war nur Fassade, um ihre Eltern zu beruhigen.
      Cara wusste genau, wie schwer es werden würde, an einem solchen Ort, wo überwiegend nur Kinder aus reichem Hause studierten, ihresgleichen kennenzulernen. Aber sie war es bereits gewohnt alleine zu sein, ihr machte die Einsamkeit nichts mehr aus.
      Nun war Cara bereit. Sie verabschiedet sich von ihren Eltern. Daniela gab ihre Tochter einen sanften Kuss auf die Stirn und knuddelte sie fest. Stephan umarmte sie ebenfalls und wuschelte durch ihr braunes Haar.
      "Dad!", rief Cara empört. Eilig sortierte sie ihre Strähnen wieder und schaute ihren Vater vorwurfsvoll an.
      Stephan grinste. "Du bist doch mein kleines Mädchen. Als du klein warst, hast du das immer gemocht."
      "Ich bin aber kein Kind mehr. Nun bin ich zwanzig und fange an zu studieren."
      "Ich kann es noch gar nicht fassen. Wir werden dich eine lange Zeit nicht sehen", sprach Caras Mutter und fing an zu schluchzen. "Versprich, dass du dich melden wirst. Schreib uns einfach eine SMS oder ruf an. Lern fleißig, aber passt auch auf, dass du dich nicht überanstrengst. Ich habe dich lieb, meine Kleine. Ich werde dich vermissen."
      Zusammen gingen sie wider durch das Hauptgebäude, zu dem Platz, an dem Autos an- und abfuhren. Ein letztes Mal verabschiedete sich Cara, bevor sie sah, wie ihre Eltern ins Auto stiegen und davon fuhren. Sie winkte ihnen hinterher, bis sie hinter einer Kurve verschwunden waren.
      Sie holte einmal sehr tief Luft und atmete seufzend aus. Es war ein komisches Gefühl, nun von ihren Eltern getrennt zu sein. Und ihr bereitete dieser Ort etwas Angst. Sie hatte gewusst, dass diese Universität hauptsächlich für Studenten aus höherem Hause war, doch hatte sie gehofft, dass sie wenigsten einige halbwegs normale junge Leute treffen würde, doch bis zum jetzigen Zeitpunk war von ihren keine Spur.
      Cara schaute auf den Campusplan, den sie zusammen mit ihren Uniunterlagen zu geschickt bekommen hatte. Sie suchte nach dem Wohnheim, fand es auch gleich. Es war von dem Hauptgebäude nicht weit entfernt. Zum Glück musste sie ihre Koffer nicht selber schleppen. Kurz nachdem sie mit ihren Eltern eingetroffen war, war ein freundlicher junger Mann in einer roten Uniform gekommen und hatte ihr Gepäck auf einen Karren geladen. Er hatte sich die Zimmernummer der jungen Studentin auf einem Klemmbrett notiert und war davon gehuscht. Aus dem Augenwinkel hatte Cara vieler solcher uniformierten Männer gesehen.
      Wieder kam sie zu der großen Wiese, auf der noch immer zahlreicher junger Leute picknickten. Das Wohnheim lag direkt östlich daneben und wirkte ähnlich imposant wie das riesige Hauptgebäude. Etwas schüchtern drückte sie die Flügeltüren auf und vor ihr blitzte makelloser Marmorboden und spiegelte die Lichter der Kronleuchter hoch über ihr wieder. Meterhohe Säulen, die der Halle einen leichten römischen Touch gaben, wanden sich bis zur Decke und als sie an ihnen vorbei ging, dachte sie einen Augenblick, sie könnten umfallen. Bei dem Gedanken von einer Säule zerquetscht zu werden, statt sich von irgendwelchen Adligen als unwürdig abstempeln zu lassen, zauberte ihr ein Lachen ins Gesicht.
      An der Rückwand der Eingangshalle des Wohnblocks baute sich eine Kieferntreppe vor dem Mädchen auf, das gar nicht mehr aus dem Staunen heraus kam. Ihre Augen weiteten sich, denn das dunkle Holz erinnerte sie sehr an eine alte Bibliothek, die sie und ihre Eltern einst besucht hatten. Etwas wehmütig kletterte sie die Stufen hinauf und bog in den Westflügel ab, der für die Mädchenwohnheime gedacht war. Die Flure wurden von dem Sonnenlicht, welches durch die hohen Fenster schien, geradezu geflutet. Cara achtete nicht mehr sonderlich auf ihren Weg und stieß mit einem anderen Mädchen zusammen.
      "Pass doch auf!", empörte diese sich und schubste Cara. "Wo kommst du denn her, dass du dich nicht mal auf den Weg vor deiner Nase konzentrieren kannst?"
      "Ich bitte vielmals um Verzeihung", entschuldigte sich Cara, die eigentlich lieber etwas anderes auf diese hochnäsige Art erwidert hätte, aber dazu fühlte sie sich nicht in der Lage. "Ich bin gerade erst angekommen und ein wenig von der Schönheit dieser Uni überwältigt."
      "Wenigstens hast du ein paar Manieren."
      Mit erhobenem Kopf stolzierte die platinblonde Studentin auf ihren High Heels und mit ihrer superteuren Lederjacke davon, hin zu einer anderen Studentin mit goldblondem Haar. Die beiden verschwanden den Gang hinunter. Cara plagte dabei nur ein Gedanke, hoffentlich würde sie nicht dasselbe wie sie studieren, dann müsste sie diese unfreundliche Person nämlich auch noch die nächsten Jahre Tag für Tag ertragen. Kurz vor ihrem Zimmer blieb sie stehen. Von dort drangen gedämpfte Stimmen zu ihr durch. Sie zählte die verschiedenen Stimmlagen, sie würde sich wohl mit drei weiteren Mädchen einen Schlafsaal teilen. Mit einem mulmigen Gefühl öffnete sie die Tür und einige Augenpaare blickten neugierig zu ihr rüber. Doch statt sich vorzustellen, kümmerten sie sich wieder um ihre Koffer, die sie eifrig auspackten und die Kleidung in den Wandschränken verstauten. Auch Cara tat es ihnen gleich und grüßte sie nur freundlich. Die Himmelbetten hatten es ihr auf den ersten Blick hin angetan. Müde von der Reise und erschöpft von dem Abschied ihrer Eltern ließ sie sich in den weichen Laken versinken und zog die Vorhänge ein Stück zu. Würde sie hier wohl Leute kennenlernen, die zumindest ein paar Worte mit ihr wechselten? Nach einer halben Stunde hatte sie ihren Mitbewohnerinnen wenigstens entlocken könne, dass sie ebenfalls aus gewöhnlichen Familien stammten, also keinerlei Reichtum besaßen und dazu auch durch ein Stipendium an diesen Ort gelangt waren. Dennoch schien es Cara unmöglich, ein vernünftiges Gespräch mit ihnen zu führen.
      Etwas niedergeschlagen stiefelte sie hinaus auf die Außenanlage und schlenderte über die großzügigen Grünanlagen. Sie musste sich eingestehen, dass diese Akademie ganz anders war, als sie es sich erhofft hatte. Trotzdem würde sie nur, weil sie an ihrem ersten Tag noch niemanden gefunden hatte, der ihr freundlich gesinnt war, nicht so einfach alles hinwerfen.
      Sie machte sich wieder auf den Weg Richtung Hauptgebäude. Die Begrüßungsveranstaltung der Erstsemester würde gleich beginnen.


    • Simbambi schrieb:

      Hätte die frischgebackene Studentin nicht gewusst, dass es sich bei den Gemäuern_(Komma) um sie herum_(Komma) um eine Universität handelte, wäre sie davon ausgegangen, vor einem großen Museum zu stehen, ähnlich dem Louvre in Paris.
      Ein guter Teil, besonders authentisch fand ich die kurze Sequenz die sich zwischen Cara und ihren Eltern abgespielt hat. Das könnte ohne Frage aus dem wahren Leben gegriffen werden. ich finde es super, dass ihr die Szene so gut aufgegriffen habt, dass man diese ohne Frage im normalen Leben wiederfinden kann. Macht weiter so :D

      LG
      Kisa
    • Hallo, ihr da draußen oder wo ihr euch so rumtreibt. Es geht mit einem neuen Kapitel weiter. Wir taufen es mal auf "Kollisionen".
      Viel Spaß :party:



      Kapitel 3 - Teil 1
      Cara folgte dem Strom der vielen jungen Leute, die alle in den Festsaal stürmten. An der hinteren Wand, gegenüber der großen Flügeltür, war ein Podium aufgebaut. Unzählige Stuhlreihen waren darauf ausgerichtet. Die frisch gebackene Studentin nahm in der Mitte Platz, von dort aus konnte sie das Podest gut sehen, doch sie war vor den Blicken anderer geschützt. Wer würde auch auf ein normales Mädchen wie sie aufmerksam werden? Erst hatte sie gehofft, eine ihrer Zimmergenossinnen wiederzufinden, doch es waren einfach zu viele Erstsemester vor Ort.

      Der Saal füllte sich schnell, doch Cara achtete nicht auf die anderen, sie schaute auf den Boden und hoffte darauf, für die privilegierten Studenten unsichtbar zusein. Sie erhob erst wieder ihren Blick als das Raunen um sie herum erstarb. Der Grund für die plötzliche Ruhe war der, dass ein Mann die Bühne betrat. Er trug einen schwarzen Anzug, mit schwarzem Hemd und Krawatte. Seine dunklen Haare waren leicht grau meliert. Er legte einige Zettel auf das dunkle Pult in der Mitte der Bühne und rückte dann seine Brille zurecht. Um Cara herum begann ein erstauntes und ehrfürchtiges Zischen. Was sie einige Male hörte war: »Er ist es wirklich. Professor Freyer wird zu uns sprechen.« Nun war auch Cara gespannt, sie hätte nicht erwartet, dass der Leiter der Akademie persönlich erscheinen würde. Dem Anschein nach war sie nicht die Einzige, die so dachte.

      »Meine sehr geehrten Studierenden des ersten Semesters!« Als Professor Freyer seine dunkle, kräftige Stimme erhob, war es im Saal schlagartig still. Alle hatten ihren Blick gespannt zu dem Mann am Pult gerichtet. »Ab heute nehmen Sie ihr Studium an der Freyer Akademie auf. Im Namen des Kollegiums der Professorinnen und Professoren, aller wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und all jener, die auf andere Weise an diesem Institut arbeiten - von der Pforte über die Bibliothek bis hin zur Mensa - heiße ich Sie hier herzlich willkommen. Ich tue das auch ganz persönlich als Leiter und Gründer dieser Universität.« Er machte eine ausgedehnte Pause, während der er sich im Saal umsah. Cara kam es so vor, dass er jeden einzelnen hier im Raum einmal tief in die Augen schaute. Seine braunen Augen blitzten kalt hinter den Brillengläsern hervor und brachte sie zum Erschauern. Dennoch hing sie weiterhin an seinen Lippen, wie alle anderen Studenten ebenfalls, als er weiter sprach. »Von nun an sind Sie erwachsen und selbstständig. Die Schule ist beendet. Wir, das Kollegium und auch ich, werden Sie nicht mehr so verhätscheln, wie es die Lehrenden an den Schulen oder die Hauslehrer getan haben. Ab jetzt sind Sie für alles eigenverantwortlich. Ihnen allen sollte es bewusst sein, dass es ein Privileg ist, Student an dieser Universität zu sein. Die Wenigen unter Ihnen, die zehn Stipendiaten, mögen dies bereits zu Schätzen wissen, aber auch diejenigen von Ihnen, welche durch einen guten Abschluss an Eliteschulen oder durch gute Beziehungen aufgenommen wurden, sollten dies nie vergessen. Von Ihnen wird in den Prüfungen viel abverlangt, dies will ich nicht verleugnen, doch wer von Ihnen mit Fleiß und Disziplin dabei ist, sollte ohne Probleme einen guten Abschluss absolvieren.«

      Der Professor erzählte noch einiges Organisatorisches, bevor er alle Studenten in den Speisesaal einlud, wo ein prächtiges Festmahl aufgebaut war. Cara konnte ihren Augen kaum trauen, sie hatte noch nie in ihrem Leben so viel Essen gesehen. Aus allen möglichen Ländern gab es die reinsten Feinheiten. Cara erkannte Trüffel, Schalen voll Kaviar und einige Speisen mit Blattgold überzogen, doch die meisten Gerichte waren ihr fremd. Zaghaft probierte sie einige der ihr unbekannten Speisen. Sie wusste nicht genau, was sie aß, doch ihr Gaumen erlebte ein Geschmackserlebnis nach dem anderen.

      Als bei ihr die Sättigung einsetzte, schaute sie sich an dem langen Tisch, an dem sie saß, um. Es war sehr laut, denn nachdem alle so langsam fertig waren mit dem Essen, brachen Gespräche aus. Die meisten unterhielten sich mit ihrem Tischnachbarn oder mit ihrem Gegenüber. Cara kam es so vor, dass die Studenten sich größtenteils untereinander kannten oder sich gerade erst kennen gelernt haben und sich dann auf Anhieb verstanden. Ihre Tischnachbarn links und rechts hatten ihr mittlerweile den Rücken zugewandt und unterhielten sich angeregt mit andern. Nur der Junge ihr gegenüber schien keinen Gesprächspartner zu haben. Irgendwie fand die junge Studentin ihn sehr anziehend. Seine blondes Haar war wie flüssiges Karamell, welches perfekt mit seinen grünen Augen harmonierte. Doch hatte er auch etwas Bedrohliches an sich, besonders durch seine verschränkte Haltung und seiner schwarzen Kleidung.

      »Hallo ... Ich bin Cara!«, sagte sie schüchtern.

      Der Blick des Studenten verfinsterte sich mit einem Schlag. »Laisse-moi tranquille!«, zischte er ihr zu. Caras Französisch war nicht sehr gut, doch sie wusste sofort, dass ein Gespräch mit ihm keinen Sinn hatte.

      In diesem Moment trat ein weiterer gut aussehender, junger Mann hinter den Sitzenden und schlug ihm kräftig auf die Schulter. Dieser hatte braunes Haar, welches ihm leicht übers Ohr hing. Seine blauen Augen strahlten Cara freundlich an. »Verzeih‹ meinem Freund seine Unhöflichkeit, er ist nicht immer so griesgrämig.«

      Der Blonde schaute verwirrt zu seinem Freund auf. »Was willst du hier, Milan? Solltest du nicht irgendwo ganz weit weg sein?«, murrte er.

      Milan lachte. »Ich kann doch nicht die ›achsowichtige‹ Eröffnungsfeier verpassen. Es ist meine Pflicht hier zu erscheinen. Komm‹, steh‹ auf, Jade! Bei meinem Vater sind Plätze für uns.«

      Die beiden Männer verschwanden von dem Tisch. Cara sah, wie sie durch den Saal liefen und am großen Tisch platz nahmen, an dem die Professor zusammen mit den Studenten des oberen Standes saßen. Der mit dem Namen Milan setzte sich neben Professor Freyer. Die Zwanzigjährige fragte sich, ob die Möglichkeit bestand, dass Milan der Sohn des Gründers war, denn einige ihrer Gesichtszüge gleichen sich.

      Nach einer Weile fingen die ersten Studenten an aufzustehen. Cara hatte es nicht geschafft, mit anderen ein Gespräch anzufangen. Sie war einfach zu schüchtern, es hatte ihr schon große Überwindung gekostet diesen Jade anzusprechen, noch so ein Fiasko konnte sie nicht vertragen. Also stand sie nun auch auf und schlenderte zurück in ihr Zimmer. Ihre Zimmergenossinnen waren noch nicht da, so konnte sie noch ein wenig auspacken und sich in Ruhe eine Ecke einrichten. Um ihre Mitbewohnerinnen kennenzulernen hatte sie noch genügend Zeit.

      Die erste Woche verging wie im Fluge. Mittlerweile hatte sie die drei Studentinnen aus ihrem Schlafsaal kennengelernt, Anna, Ingrid und Susan. Leider studierte keine von ihnen Geschichte so wie Cara. Anna studierte Wirtschaft, in ihr steckte das reinstes Mathegenie. Ingrid war begeistert von der Theologie, für sie verging auch kein Abend ohne Gebet. Und Susan trat in die Fußstapfen ihres Vaters, der eine kleine Anwaltskanzlei besaß, doch er verdiente nicht genug um diese Akademie finanzieren zu können, besonders, da Susan noch vier weitere Geschwister hatte. Sie alle verstanden sich recht gut, doch hatte Cara das Gefühl, nicht so recht zu ihnen zu passen, vor allem da sie in besseren Verhältnissen aufgewachsen waren als sie selbst.

      Die ersten Vorlesungen hatten ebenfalls begonnen, doch bis jetzt begannen die Professoren noch nicht mit dem Stoff, sondern führten die Studenten erst in die Themengebiete ein. Cara fand es trotzdem schon sehr interessant und es machte ihr großen Spaß zu den Veranstaltungen zu gehen. Das Einzige, was ihrer Freude einen Dämpfer aufsetzte, war, dass die hochnäsige Blondine auch in dem Vorlesungssaal saß. Zum Glück waren sie nicht wieder aufeinander gestoßen.

      Nach einem langen Telefonat mit ihren Eltern hatte Cara sich dazu entschlossen, sich in der Mensa einen Job zu suchen. Sie wusste genau, dass ihre Familie kaum Geld hatte und trotz Stipendium wurden nicht alle Kosten abgedeckt. Das Geld vom Stipendium ermöglichte ihr an der Freyer Akademie zu studieren, an der der Semesterbeitrag enorm war. Auch ihr Zimmer im Wohnheim kostete eine Menge, sodass nur ein Teil der Gebühr durchs Stipendium abgedeckt wurde, den Rest trugen ihre Eltern. Cara wollte nicht, dass ihre Eltern jeden Stein umdrehen mussten, um ihr dieses Studium zu ermöglichen. Zwar hatten Daniela und Stephan gesagt, sie müsse nicht arbeiten, doch die Studentin hatte sich durchgesetzt. Nun war es ihre Aufgabe, den Studenten aus der Oberschicht das Essen zu servieren. Doch das würde sie irgendwie bewerkstelligen, bis sie irgendwann etwas Besseres finden würde.