Gottessplitter

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    • Zu Kapitel 2 - 2

      Simbambi schrieb:

      ähnlich dem Louvre in Paris.
      Sehr gut beschrieben. Das gibt einem direkt eine gute Vorstellung der Uni, ohne viel auf Beschreibungen zu verschwenden, die ja auch schnell mal langweilen können :)

      Die Stimmung und besonders Caras Bedenken, hast du auch gut eingefangen. Schönes Kapitel.

      Lg
      Rael

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Hallo ihr Lieben! Hier ist ein neues Kapitel für euch und ihr habt hoffentlich wieder ein paar konstruktive Anmerkungen für uns :) Danke schon mal um Voraus


      Kapitel 3 Teil 2
      Von dem großen Gebäudekomplex der Vorlesungsräume aus konnte man bereits die recht kleine und unbedeutend scheinende Mensa sehen. Sie lag zwischen der mächtigen Bibliothek, die sich Heather so gerne anschauen wollte, es aber wegen Bianca noch nicht geschafft hatte und dem fast vollkommen verglasten Institut. Dieses Hochhaus ragte wie ein Splitter aus dem Boden und stellte die benachbarten Gebäude in den Schatten. Jedoch durfte es niemand von den Studenten betreten, nicht einmal in die Nähe sollten sie sich wagen. Den Grund hatte Heather noch nicht herausfinden können, aber sie würde sich weiter umhören, denn dieses Verbot machte sie neugierig. Bianca und Heather trafen sich zwischen Cafeteria und den Vorlesungsräumen mit Elias, der anscheinend den Morgen über frei gehabt hatte und nur zum Essen aufgestanden war.
      »Weißt du, was es mit dem Institut auf sich hat?«, fragte Heather, da sie die Neugier plötzlich übermannte.
      »Ach, das sollte uns nicht interessieren«, erwiderte er und winkte ab. »Sobald du dem Glaskasten auch nur einen Schritt zu nahe kommst, umringen dich die Wachmänner.«
      »Ja, das hab ich auch schon gehört, aber was geht darin vor sich ... oder warum steht dieses Forschungszentrum überhaupt auf dem Gelände einer Universität, wenn wir Studenten es nicht einmal betreten dürfen?«
      »Hm ... Soweit ich weiß, gehört das Institut Raphael Freyer, also dem Mann, der auch die Freyer Akademie gegründet hat. Vielleicht will er seine beiden Arbeitsfelder kombinieren. Vermutlich ist es für ihn einfacher, dass alles an einem Ort ist, dann muss er nicht pendeln.«
      Heather war mit dieser flapsigen Antwort nicht zufrieden, wollte aber auch nicht weiter nachhaken, da sie merkte, wie ungern Elias darüber sprach. Diese Tatsache feuerte ihr Interesse nur noch mehr an. Seine Erklärungen leuchteten ihr zwar ein, doch ein solch großes Gebäude mit den vielen Büros und Angestellten, die nicht selten in einem weißen Kitteln hineinspazierten, passte einfach nicht in das Bild dieser Einrichtung. Schließlich würde ein Labor oder Ähnliches auch von den Studenten genutzt werden dürfen, falls sich nicht noch mehr dahinter verbarg. Heather musste lächeln, da diese geheime Verschwörungstheorie sie an ein Buch ihres Vaters erinnerte. Er wusste, wie man aus banalen Gegebenheiten eine mysteriöse Botschaft heraushörte und diese verbreitete. Nicht umsonst liebte er die ägyptischen Götter und allerlei Mythen. Trotz dieser fiktiven Gedankenausflüge, musste Heather zugeben, dass ihr das Institut suspekt vorkam. Denn ihre Instinkte wiesen sie an, diesen Ort zu meiden.
      Elias hielt Bianca und Heather die Tür zur Cafeteria auf und grinste freundlich über das ganze, doch sehr markante Gesicht. Sofort kam ihnen ein Gemisch aus den verschiedensten Gerüchen entgegen, zusammen mit einer unangenehmen Hitze. Allerdings folgte Elias den Beiden nicht zu ihrem Platz, sondern setzte sich an einen langen Tisch neben ein Mädchen, das ihm verblüffend ähnlich sah. Als dieses seine Ankunft wahrnahm, schlang sie ihre Arme um seinen Hals und quietschte einmal kurz auf. Die anderen Studenten grüßten ihn und rückten etwas zur Seite, damit er sich niederlassen konnte.
      »Ich hoffe für ihn, dass das nicht seine Freundin ist«, nörgelte Bianca und setzte sich an einen leeren Fünfertisch. »Immerhin war er so nett zu uns.«
      »Ich glaube eher, dass die zwei miteinander verwandt sind. Sie haben die gleichen grünen Augen und auch sonst sehen sie sich unglaublich ähnlich. Außerdem bestimmst du ja wohl kaum, mit wem er sich trifft und mit wem nicht.«
      »Aber es wirkte so, als würde er sich für dich interessieren und falls du ihn nicht willst, würde ich ihn nicht ablehnen«, Bianca zwickte Heather in die Seite. »Es wäre nur fair, wenn er uns gesagt hätte, dass er eine Freundin hat. So machen wir uns nur unnötig Hoffnungen.«
      »Er interessiert sich wohl eher für die Schriftstücke meines Vaters, als für mich«, witzelte Heather und rückte ihren Stuhl zum Tisch heran. »Natürlich war er nett zu uns, sein sonniger Charakter würde auch nichts anderes zulassen, oder hast du nicht bemerkt, dass er gegenüber Frauen immer sehr charmant ist?«
      »Doch«, grummelte Bianca.
      Heather schüttelte langsam den Kopf und warf einen hungrigen Blick auf das reichlich gedeckte Buffet für die Stipendiaten und all jede, die sich im Vorfeld nicht über den Online-Bogen ein Gericht ausgesucht hatte. Auf der Freyer Akademie gab es nämlich eine Art Restaurant-Service für die Kinder aus den höheren Schichten. Da sowohl Bianca als auch Heather dank Elias Ratschlag ihre gewünschten Gerichte vorbestellt hatten, würde ihnen in den nächsten Minuten eine Bedienstete diese bringen. Fast wie zu Hause, dachte Heather und fühlte sich vom Rest der hiesigen Leute ein wenig abgeschottet. Doch Bianca meinte, dass sie nur dadurch ihren Stand halten konnten und andernfalls in die untere Schicht abrutschen würden. Was auch immer sie damit wieder gemeint hatte.
      »Hier ist Ihre Bestellung«, weckte eine leise, aber melodische Stimme Heather aus ihrem Monolog.
      »Du bist doch die Stipendiatin, die mit uns zusammen studiert, nicht wahr?«, erkundigte sich Bianca mit einem Unterton, den Heather nur zu gut kannte. »Wieso musst du denn arbeiten, wenn der Staat dir doch deinen Aufenthalt hier finanziert? Bist du wirklich so gierig?«
      Alle Augen in der näheren Umgebung waren auf die Drei gerichtet. Das Mädchen mit den glatten, brauen Haaren duckte sich ein bisschen, genau die Reaktion, die sich Bianca gewünscht hatte. Jetzt fühlte sie sich in ihrer Überheblichkeit bestätigt und Heather stützte müde ihren Kopf auf ihre Hände.
      »Es ist doch nicht zu fassen! Erst bekommst du einen so begehrten Platz umsonst und dann bist du immer noch nicht zufrieden? Das sind anmaßende Manieren und ich finde es schrecklich, deine Anwesenheit ertragen zu müssen.«
      »Bianca, was soll das?«, mischte sich Heather ein.
      »Es ist doch wahr. Ist dir nicht aufgefallen, wie sie sich verhält? Als könne sie alles besser, nur weil sie ein Stipendium bekommen hat. So schlau bist du nicht.« Bianca riss der Braunhaarigen das Tablett mit dem Essen aus der Hand, sodass sich dieses über den ganzen Fußboden verteilte. »Nicht einmal das kannst du.«
      Mit Tränen in den Augen bückte sich das Mädchen und sammelte die zerbrochenen Teller auf. Bianca stellte sich vor sie und rümpfte die Nase. Das matschige Essen ließ sich nur schwer aufwischen und die Servierten reichten kaum aus.
      »Jetzt komm schon, wir wollen heute noch was essen«, beschwerte sich Bianca immer wieder. »Heather, was machst du da?«
      In der Zwischenzeit hatte Heather sich ein paar Tücher von den umliegenden Tischen geschnappt und wollte gerade in die Hocke gehen, da entriss ihre Freundin ihr diese wieder.
      »Das ist nicht deine Arbeit, lass das ... äh ...«
      »Du weißt nicht mal ihren Namen«, sprach Heather das aus, was ihre Freundin zu verbergen versuchte. »Ich bin kein Stück besser, aber wenigstens mache ich hier nicht so einen Aufstand wie du.«
      »Was soll das heißen? Sie kann sich doch gar nicht mit uns messen.«
      Wütend schmiss Bianca die Servierten in den Haufen aus Essensresten und Scherben, in dem die Braunhaarige kniete. Darauf kullerten die Tränen in dicken Rinnsalen von den rosigen Wangen des Mädchens und sie stürmte hinaus. Die übrigen Studenten im Raum lachten leise oder tuschelten miteinander, wobei Heather nicht verstehe konnte, ob sie gegen Bianca oder auf ihrer Seite waren. Immerhin war es kein Geheimnis, dass die gehobene Schicht, die hier größtenteils vertreten war, etwas gegen die Stipendiaten hatte. Heather biss sich auf die Unterlippe und folgte der Brünetten nach draußen, hörte gedämpft, wie ihre Freundin ihr etwas nachrief.

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    • Simbambi schrieb:

      Das Mädchen mit den glatten, brauen Haaren duckte sich ein bisschen
      braunen.

      Bin jetzt wieder up to date :)
      Die Geschichte ist immernoch sehr gut geschrieben. Bianca ist grütze, miststück. Das Heather und Cara sich vermutlich anfreunden werden, war vorherzusehen. also ich glaube zumindest dass es darauf hinaus läuft.

      Denke du hast auch schon die Brücke zu deinem Prolog geschlagen mit der Forschungseinrichtung. War wohl der akademieleiter, der da im Prolog so "nett" war.?^^

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Kapitel 4 - Teil 1



      Draußen auf dem Hof der Universität suchte Heather nach dem braunhaarigen Mädchen, das weinend die Cafeteria verlassen hatte. Gleich vor ihr baute sich das Bibliotheksgebäude auf, dessen Fensterfronten im Inneren für ausreichend Licht sorgen mussten. Sie lief ein bisschen an der Mauer her und lauschte in die Stille. Nach einigen Metern vernahm sie ein zierliches Wimmern, das aus einer kleinen Nische des Gebäudes drang und lugte um die Ecke.


      »Hey, alles in Ordnung bei dir?«, fragte sie vorsichtig. »Ähm, das ist wahrscheinlich nach alldem gerade die falsche Formulierung. Es tut mir schrecklich Leid, dass Bianca so mit dir umgegangen ist. Sie ist im Moment sehr gestresst, aber das rechtfertigt ihr Verhalten keinesfalls.«

      »Ja, ist egal«, antwortete das Mädchen und wand ihr Gesicht zur Wand ab. »Du kannst ruhig wieder gehen.«

      Seufzend ließ Heather sich neben ihr nieder und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Mauer, deren Kälte ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Die Brünette entspannte sich allmählich und die Tränen versiegten.

      »Es ist reichlich spät, aber wie heißt du?«, hakte Heather nach, als sie bemerkte, dass sich die andere beruhigte. »Ich bin Heather McCarthy.«

      »Cara ... Cara Jackson. Muss ich dich irgendwie anders anreden, weil du aus gutem Hause kommst?«

      »Ach quatsch«, Heather stand auf und reichte Cara ihre Hand. »Begleitest du mich in die Bibliothek? Ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen, mich dort umzusehen.«

      Cara zögerte, war sie sich doch nicht sicher, ob es eine gute Idee war, sich mit Heather sehen zu lassen. Vor allem nicht, weil ihre Freundin Bianca sie ganz offensichtlich nicht mochte. Cara wollte eben widersprechen, da trafen sich ihre Blicke. Heathers Lächeln lockerte ihre Angst auf, als würde eine warme Brise über ihre Haut streichen und sie ergriff die noch immer nach ihr ausgestreckte Hand. Auch Heather spürte ihr Herz einen kleinen Sprung machen, als sich die beiden Mädchen berührten. Es glich einem Gefühl von Vertrautheit, obgleich sie sich gar nicht kannten.

      Gemeinsam setzten sie sich, jeder ein Buch in der Hand, in einen Kreis aus brauen Ledersesseln, die sich in einer von Paravents abgetrennten Ecke befanden. Einige Minuten sagte keiner ein Wort. Beide schienen in ihre Lektüre vertieft zu sein, doch es lag eine gewisse Spannung in der Luft, die sie nicht totschweigen konnten, dass wusste Heather. Der Schmerz und die Scham, die Cara durch Bianca ertragen musste, galt es zu vernichten.

      »Wegen vorhin«, setzte Heather kleinlaut an. »Verzeih, dass ich nichts gesagt habe. Bianca ist meine Freundin, auch wenn sie sich daneben benimmt, deshalb entschuldige ich mich nochmals für sie.«

      »Dir ist klar, dass du das nicht musst oder?« Cara legte den Kopf schief und musterte die Blondine, deren Haare in ihr Gesicht fielen. »Wenn sich jemand entschuldigen sollte, dann deine Freundin. Ich will nicht aufmüpfig wirken, doch sollte jemand aus ihrem Hause nicht wissen, was Benehmen bedeutet?«

      »Sie ist einfach verwöhnt und ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich es nicht sei.«

      »Wenigstens siehst du es ein.«

      Heather fing an zu Lachen und einen Tisch weiter, wo drei Jungen versuchten sich auf ihre Bücher zu konzentrieren, wurde sich beschwerend geräuspert. Cara hingegen war verwirrt, denn das reiche Mädchen vor ihr benahm sich so anders, so normal.

      »Aber sie wird sich wohl nicht bei mir entschuldigen«, erklärte Cara. »Dazu ist sie schließlich nicht verpflichtet und ich glaube, es wäre für alle besser, wenn wir das in der Mensa vergessen.«

      »Ich für meinen Teil werde es nicht einfach vergessen. Bianca ist zu weit gegangen und sollte sich langsam ihrem Alter entsprechend benehmen. Natürlich ist es schwer, sich in der neuen Situation einzufinden, aber ihren Frust an dir auszulassen, ist alles andere als gerecht.«

      Cara erwiderte nichts, sondern schaute Heather etwas unsicher an. Sie spielte mit dem Saum ihres Oberteils und biss sich auf die Lippe, während die andere Studentin die Bücher zurück ins Regal legte. Als die zwei die Bibliothek verließen, fiel Heathers Blick auf das hohe Institutsgebäude, an dessen Fenstern sich die Sonne reflektierte.

      »Cara«, begann sie. »Weißt du zufällig etwas über das Haus da?«, Cara folgte Heathers Finger, doch musste verneinend den Kopf schütteln. »Wollen wir uns das mal näher anschauen?«

      Nie hätte sie ihre Freundin Bianca so etwas fragen können, denn diese war nicht nur eine Gerüchteküche, sondern auch ein solches Plappermaul, dass sie jedem von diesem kleinen, unerlaubten Ausflug erzählen würde. Vielleicht war auch Caras Interesse an dem Institut so groß, dass sie sich darauf einließ.

      »Aber wir sollen uns doch von dort fernhalten«, erwiderte sie skeptisch.

      »Ja, das stimmt, doch niemand sagt uns den Grund dafür. Bist du denn gar nicht neugierig?«

      »Hm...«, machte das brünette Mädchen. »Na schön, solange uns keiner sieht, komme ich mit.«

      Am langen Zaun, der das gesamte Universitätsgelände absteckte, schlichen die beiden jungen Frauen entlang, zuckten bei jedem Geräusch zusammen. Schon von Weiten erkannte Heather die Überwachungskameras, aber sie erwähnte es Cara gegenüber nicht, da diese sonst wahrscheinlich nicht weitergehen würde. Und allein traue sich auch Heather nicht an diese Einrichtung, deren Inhalt ein Mysterium war. Vor dem Eingang, der höher gelegen war, standen keine Wachen, lediglich die gläserne Schiebetüren öffneten sich lautlos als die Studentinnen davor traten. Es schien totenstill im Inneren, als würden die schneeweißen Wände und Möbel jeden Mucks verschlucken, bevor er ihre Ohren erreichen konnte. Links und rechts von ihnen befand sich je ein Tisch, die wie Rezeptionen wirkten, jedoch gab es keine Empfangsdamen oder ähnliches. Hier war niemand. Sofort beugte sich Heather über einen der Tische und suchte nach einem Hinweis für das, was hier vor sich ging. Allerdings fand sie nur eine Liste mit Namen. Wofür sich die Leute eintrugen, konnte sie nicht in Erfahrung bringen.

      »Bestimmt sind das die Namen der Angestellten hier«, äußerte sich Cara zu den Zetteln, die Heather noch immer fragend in die Höhe hielt. »Sollten wir nicht besser wieder verschwinden? Wenn uns doch jemand erwischt, sind wir dran und zumindest ich kann mir keinen Ärger leisten. Dieses Studium bedeutet mir so viel.«

      »Warte noch einen Augenblick«, Heather legte die Papiere bei Seite und ließ ihre Finger über das Eingabefeld des Fahrstuhles gleiten. »Schau mal her. Man kann nur über den Fahrstuhl zu den anderen Etagen gelangen und dafür braucht man scheinbar eine ID-Karte oder so ... ist das nicht seltsam?«

      »Ja und jetzt komm endlich«, nervös zerrte Cara an Heathers Ärmel als sie bemerkte, was sie tat, ließ sie schnellstens los. »Entschuldige.«

      »Macht nichts. Du musst dich bei mir nicht verstellen.« Cara zappelte immer noch herum. Ganz offensichtlich wollte sie keine Sekunde länger hier verbringen. »Okay, wir gehen. Aber wir kommen wieder«, verkündete Heather.

      »Sehr gut«, stimmte Cara ein und stürmte zum Ausgang.

      Draußen verabschiedeten sich die Beiden. Heather war froh, mit Cara gesprochen zu haben, obwohl das die Problematik mit ihrer Freundin Bianca nur oberflächlich gelöst hatte. Es war so schade, dass die Studenten aus reichem Haus unter sich blieben, wenn man doch einiges mit den Stipendiaten gemein haben konnte. Zumindest Heather entschied sich dafür, öfter mit Cara zu reden und wenn sie es zuließ, könnten die zwei Freunde werden. Oder war das zu optimistisch gedacht?

      Heather schlenderte gedankenverloren über den Campus und dachte über Biancas Reaktion nach. Ihre Freundin verhielt sich wirklich unter aller Sau, denn jemanden aufgrund seiner Herkunft derartig zu verurteilen, missfiel Heather sehr. Immerhin konnte man sich ja nicht aussuchen, was für einer Arbeit die eignen Eltern nachgingen und wenn diese eben nicht viel verdienten, konnte man doch niemanden deshalb weniger wertschätzen.

      Schrille Schreie mit einem Hauch von Euphorie drangen zu Heather durch. Sie kamen aus der Richtung des Festsaales neben der Cafeteria und sie konnte nicht anders, als sich das Spektakel, bestehend aus vielen kreischenden Mädchen, anzuschauen. Eine Traube aus jungen Frauen hatte sich um jemanden gebildet, den Heather noch nicht ausmachen konnte, dennoch wurde auch ihre Neugierde geweckt. Von weitem beobachtete sie ihre weiblichen Kommilitonen, welche den Unbekannten wie einen Prominenten belagerten.

      Da fiel ihr ein, dass so etwas wie ein waschechter Promi bei dieser highclass Schule nicht ungewöhnlich wäre. Auf jeden Fall schien er viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und wenn Heather nicht neu hier gewesen wäre, hätte sie sich bereits denken können, wer es war.

      Milan Freyer, der Sohn des Direktors der Freyer Akademie, galt an der Universität als Frauenheld und Genie gleichermaßen. Obwohl er nur ab und zu hierher kam, waren seine Auftritte immer sehr gut besucht. Die Frauen lagen ihm regelrecht zu Füßen und das wusste er auch für sich auszunutzen. Wann immer er die Lust verspürte, konnte er beinahe jede der Studentinnen für sich gewinnen.

      Wieder einmal scharrten sich viele Mädchen um ihn, während er eigentlich nur auf dem Weg ins Institut seines Vaters war. Doch die weibliche Gesellschaft würde sich auch heute nicht allzu schnell abschütteln lassen, also spielte er ein wenig mit ihnen und ging auf die zahlreichen Fragen ein. Dieses Mal fiel ihm allerdings eine Studentin besonders auf, da sie sich seit einigen Minuten nicht heranwagte und ihre Distanz hielt. Ihre langen, blonden Haare umspielten den schmalen Körper, dessen Gewicht sie unsicher vom rechten aufs linke Bein verlagerte.

      Heather verspürte nicht das Bedürfnis, dem Aufmarsch einige Meter vor ihr näher zu kommen. Ihr Interesse an dem Ganzen wollte sich aber nicht aus ihrem Kopf vertreiben lassen, also starrte sie weiter auf das Frauenknäul, welches sich in ihre Richtung bewegte.

      »Hey, Prinzesschen!«, rief ihr der junge Mann, der die Masse wie ein Messer durchtrennte, zu und strich sich dabei die schokoladenbraunen Haare aus der Stirn. Sein Zeigefinger deutete auf Heather, worauf alle Augen der Frauen dieser Geste folgten und sie mit Blicken straften. »Gesell dich doch zu uns.«

      Heather machte auf dem Absatz kehrt und wollte so schnell wie möglich verschwinden, doch der junge Mann war schneller und packte sie am Handgelenkt. Seine strahlend blauen Augen begutachteten sie innig, versuchten etwas in ihr zu finden, von dem sie selbst nichts wusste. Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken herunter und darauf folgte ein Brennen in ihrem Magen.

      »Es ist nicht sehr freundlich, wegzulaufen wenn dich jemand anspricht«, sagte er zuerst ernst, musste aber selbst lächeln.

      »Pinzesschen ist ja auch keine sonderlich erwachsene Anrede für jemanden, den man nicht kennt«, konterte Heather und riss sich von ihm los. »Außerdem scheinen deine wohlerzogenen Schäfchen es gar nicht gern zu sehen, dass du nur mit mir redest.«

      »Wie kannst du es wagen so mit ihm zu reden?!«, rief eine des anderen Studentinnen und holte zur Ohrfeige aus, die Heather galt, aber der junge Mann stoppte sie. »Milan? Was soll das? Wer ist sie schon, dass sie sich erlaubt, dich runterzumachen?«

      Milan stieß die andere von sich und stellte sich genau vor Heather. Automatisch wich sie zurück und erntete ein breites Grinsen von dem Schönling. Mit einer einfachen Handbewegung scheuchte er die Schar Mädchen, die ihm folgte, fort und widmete seine verbleibende Zeit ganz der neuen Studentin.

      »Darf ich mich vorstellen ... Milan Freyer«, entgegnete er mit einer kleinen Verbeugung. »Und mit wem habe ich das Vergnügen?«

      »Freyer?«, Heather klang entsetzter als sie er vorhatte.

      »Ja, der einzige Sohn des Leiters dieser Akademie. Zu deinen Diensten.«

      »Ja, danke, aber ich benötige deine Unterstützung nicht. In keinster Weise.«

      Milan ergriff ein weiteres Mal die Hand des blonden Mädchens und küsste ihren Handrücken. Auffordernd trafen seine Blicke auf ihre, doch sie wand einerseits schüchtern, andererseits genervt das Gesicht ab. Wahrscheinlich wurde sie sogar rot, aber das sah sie selbst zum Glück nicht.

      »Wie lautet denn nun dein Name?«

      »Ich denke nicht, dass ich verpflichtet bin, jedem beliebigen Kerl meinen Namen zu verraten.«

      Laut lachend ließ Milan Heathers Hand los und hielt sich den Bauch. Die Tränen stiegen ihm ins Gesicht und er wusste, dass er mit dieser Frau einen interessanten Fang gemacht hatte. Falls er sie denn von sich überzeugen konnte, denn sie schien nicht viel auf seinen Charme zu geben und auch sonst nicht wirklich an ihm Gefallen zu finden.

      »Dann nenne ich dich eben weiterhin Prinzesschen«, entschloss er und setzte sich in Bewegung. Perplex schaute Heather ihm hinterher, rannte ihm schließlich nach. »Hast du es dir doch anders überlegt, Prinzesschen?«, er amüsierte sich sehr über ihre wütende Gestikulation. »Prinzesschen ist bestimmt nicht weit hergeholt. Du gehörst auch zum höheren Stand, nicht wahr?«

      »Lass endlich den Quatsch!«, zischte Heather und haschte nach seinem Anzugkragen, doch er entzog sich ihr mit einem raschen Schritt nach hinten. »Nenn mich nicht so ... Da du keine Ruhe gibt’s ... mein Name ist Heather McCarthy. Ist ja fast so, als würde man mit einem Kleinkind diskutieren ...«

      Über die Köpfe der Beiden rauschte ein Helikopter, dessen Rotorblätter nahezu kreischend die Luft zerschnitten. Die Studentin musste ihre langen Haare zusammennehmen, damit diese ihr nicht ins Gesicht peitschten und auch Milan strich sich einige der Strähnen, die ihm bis über die Ohren reichten, aus der Stirn.

      »Sieht so aus, als käme da gerade mein Abholdienst. Ich freue mich bereits jetzt auf unser Wiedersehen, Heather McCarthy.«

      Nahe des Institutsgebäudes setzte der Helikopter zur Landung an. Bis jetzt war sich Heather noch nicht im Klaren darüber gewesen, dass die hiesigen Leute wirklich aus den besten und angesehensten Häusern stammten. Und in etwa so luxuriös und exotisch reisten sie auch. Milan schritt zu dem Hubschrauber, als sei es das Normalste der Welt, doch auch für Heather war dies etwas Außergewöhnliches. Kurz beobachtete sie noch, wie der Sohn des Leiters der Freyer Akademie in den kleinen Raum hinter dem Piloten kletterte, dann fiel ihr Blick auf die Uhr und sie erkannte, dass sie noch genau fünf Minuten bis zur nächsten Vorlesung hatte.
    • Simbambi schrieb:

      »Begleitest du mich in die Bibliothek? Ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen, mich dort umzusehen.«
      Mir ist an dieser Stelle etwas unklar welche Motive Heather hat sich mit Cara zuammen zu tun. Sie kennt sie ja null. Allein Biancas Demütigung kann es ja nicht sein.

      Simbambi schrieb:

      Heathers Lächeln lockerte ihre Angst auf, als würde eine warme Brise über ihre Haut streichen und sie ergriff die noch immer nach ihr ausgestreckte Hand. Auch Heather spürte ihr Herz einen kleinen Sprung machen, als sich die beiden Mädchen berührten. Es glich einem Gefühl von Vertrautheit, obgleich sie sich gar nicht kannten.
      An dieser Stelle ist der Point of view etwas missleading. Du beschreibst beide gleichzeitig, obwohl du aus Heathers Sich erzählst.

      Die folgenden Passagen entsprechen meiner Vermutung, dass Heather und Cara sich anfreunden, doch geht mir das zu schnell ehrlich gesagt. Auf welcher Basis, soll das so schnell passieren?

      Der Freyer Sohn kommt ziemlich arrogant rüber^^ Und mir gefällt Heathers Reaktion auf ihn :) sehr schön.

      cheers
      Rael

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Die Geschichte ist gut geschrieben. Alles was du/ihr schreibt, kommt sehr authentisch und realistisch rüber. Es mangelt nicht an Details. Es ist sehr lebendig und alles ist sehr gut beschrieben. Man kann sich alles mühelos vorstellen. Am Anfang waren die Sätze noch etwas arg lang (irgendwas mit fünf Kommata) aber das hat sich auch schnell gelegt.

      Die Charaktere kommen durchweg sympathisch und authentisch rüber. Selbst so eine Person wie Bianca, obgleich ich mich frage, was ausgerechnet sie mit Geschichtswissenschaften zu tun hat.


      Spoiler anzeigen
      Ich habe mir mal die Mühe gemacht alle Zeichenfehler (auch die altbekannten Leerzeichenfehler) mal aufzulisten, die mir so auffielen. Der Brief war (gerade für so einen Elitenschrieb, den er darstellen sollte) dann doch arg verbesserungsbedürftig. Und bei dir(euch) tauchen oft diese < zu viel auf.

      Simbambi schrieb:

      Osahar lachte. »Das kenn‹ ich.
      Dieses < ist zu viel.

      Simbambi schrieb:

      Anubis erkannte sie ganz deutlich, ein Mannmit Schakalkopf.
      Mann mit (diese bekannte Leerzeichenfehler)

      Simbambi schrieb:

      und in der sich mehrere Personeneingefunden hatten
      Personen eingefunden (ebenfalls Leerzeichenfehler)

      Simbambi schrieb:

      Sehr geehrte Miss. Jackson, (Hinter "Miss" kommt kein Punkt)
      Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihnen ein Stipendium bewilligt wurde und Sie hiermit in der (Leerzeichenfehler) Freyer Akademie im Fachbereich Geschichtswissenschaften aufgenommen sind. Beigelegt finden Sie alle wichtigen Unterlagen, wo Sie sich einzufinden haben und was Sie an Büchern und Ausrüstungsgegenstände benötigen.(Leerzeichenfehler)
      Das Semester beginnt am 1. Oktober, die ertsten Vorlesungen am 12. Oktober. Wir erwarten bis zum 25. August eine Rückmeldung, ob Sie den Studienplatz annehmen.
      Den Brief habe ich mir etwas genauer vorgenommen.

      Simbambi schrieb:

      „Miss McCarthy, Ihre Eltern erwarten Sie im Speisesaal. Wenn Sie mir dann bitte folgen würden“,

      Simbambi schrieb:

      Genervt rollte Heather mit ihren Augen und ließ den Löffel in ihre Schüssel fallen, das es laut klirrte.
      *dass

      Simbambi schrieb:

      „Wenn man mal eine Sekunde nicht auf dich achtet, bist du plötzlich verschwunden", sagte Bianca, die vor Heather erschien. „Ich will jetzt unser Zimmer sehen!"

      Simbambi schrieb:

      Die ägyptische Mythologie beschreibt er einfach zu fesselnd, dass man die Seiten nur so verschlingt."
      ägyptische (klein)

      Simbambi schrieb:

      und hoffte darauf, für die privilegierten Studenten unsichtbar zusein.
      zu sein (Leerzeichen)

      Simbambi schrieb:

      Sie erhob erst wieder ihren Blick als das Raunen um sie herum erstarb.
      Blick, als (komma)

      Simbambi schrieb:

      Die Wenigen unter Ihnen, die zehn Stipendiaten, mögen dies bereits zu Schätzen wissen
      *schätzen (klein)

      Simbambi schrieb:

      »Verzeih‹ meinem Freund seine Unhöflichkeit, er ist nicht immer so griesgrämig.«
      < zu viel

      Simbambi schrieb:

      Komm‹, steh‹ auf, Jade! Bei meinem Vater sind Plätze für uns.«
      Zweimal < zu viel

      Simbambi schrieb:

      dass Milan der Sohn des Gründers war, denn einige ihrer Gesichtszüge gleichen sich.
      *glichen (Vergangenheit)

      Simbambi schrieb:

      Um ihre Mitbewohnerinnen kennenzulernen hatte sie noch genügend Zeit.
      kennenzulernen, hatte (komma)

      Simbambi schrieb:

      Von dem großen Gebäudekomplex der Vorlesungsräume aus konnte man bereits die recht kleine und unbedeutend scheinende Mensa sehen.
      aus, konnte (komma)

      Simbambi schrieb:

      »Ach quatsch«, Heather stand auf und reichte Cara ihre Hand.
      Quatsch (groß)
    • Kapitel 4 - Teil 2



      Nachdem Cara Heather verlassen hatte, suchte sie sich draußen ein ruhiges Plätzchen. Sie brauchte einige stille Minuten für sich, um den Tag Revue passieren zu lassen. Am hinteren Teil des Campus standen einige Bäume. Die Studentin lehnte sich an einen großen, sehr alten Baum, mit einer weiten Krone. Sie ließ sich am Stamm in das weiche, leicht feuchte Gras sinken. Im ersten Moment wurden ihre Beine kalt, doch ihr Körper wärmte sie schnell wieder auf. Ein leichter Wind raschelte durch die Blätter und das Rauschen hatte eine beruhigende Wirkung auf die junge Frau.


      So wie sie da saß, konnte sie gut über alles nachdenken. Von Anfang an war ihr diese Bianca unsympathisch gewesen, da war es nur eine Frage der Zeit, bis sie unliebsam aufeinander trafen, erneut.

      Auch machte sie sich Gedanken über den Studenten vom Empfangsessen. Cara hatte ihn einige Male auf dem Campus gesehen und auch in den Vorlesungssälen. Jade schien wie sie im ersten Semester zu sein und auch Geschichtswissenschaften zu studieren. Doch saß er immer alleine da und Cara hatte noch nie gesehen, dass er sich mit jemanden unterhielt, bis auf Milan, aber dieser war nur selten da. So wie sie es mitbekommen hatte, studierte der Sohn des Gründers außerhalb. Die Studentin fragte sich, ob Jade alleine sein wollte oder ob es einen anderen Grund dafür gab, dass er keinen Kontakt zu anderen suchte. Sie wusste nicht warum, doch irgendwie fühlte sie sich zu diesem Studenten hingezogen, obwohl sie ihn kaum kannte und die erste Begegnung mit ihm nicht gerade positiv war. Da war der Sohn von Professor Freyer freundlicher gewesen. Cara nahm sich vor, Jade bei der nächsten Gelegenheit anzusprechen. Aber sie fragte sich, ob sie den Mut aufbringen würde, denn sein finsterer und eiskalter Blick bereitete ihr Angst. Vielleicht war dies mit ein Grund, dass er ein Einzelgänger war.

      Plötzlich wurde die Studentin aus ihren Gedanken gerissen. Ein leises, hohes Miauen ließ sie in die Baumkrone schauen. Zwei gelbe, knopfartige Augen funkelten sie durch das Blättergewirr an. Langsam erhob sich Cara und fing an das Kätzchen vom Baum zu locken. Sie beobachtete, wie die Augen sich hin und her bewegten, bis eine kleine, schwarze Katze zum Vorschein kam und unbeholfen den dicken Stamm hinunter kletterte. Die Kleine blieb auf einem der untersten Äste hocken. Die junge Frau seufzte und hob ihre Arme, damit sie die Katze auffangen konnte. Zum Glück verstand diese den Wink und sprang in ihre Arme. Cara hatte gewusst, dass ihr das Kätzchen soweit vertrauen würde, denn sie hatte schon immer einen guten Draht zu diesen kleinen Raubtieren gehabt. Noch nie hatte sie die Krallen oder Fänge zu spüren bekommen, egal wie viele Katzen sie umgaben. Sie hatte anscheinend eine beruhigende Wirkung auf Katzen, genau wie diese auf sie.

      Die kleine Schwarze hatte sich in Caras Armbeuge gekuschelt und schnurrte laut, während die Studentin ihr weiches Fell kraulte. Cara fand, dass diese Katze so klein und zierlich war, ihr Herz erwärmte sich sogleich.

      Es wurde langsam kühl um sie herum, also beschloss die junge Frau zurück ins Wohnheim zu gehen. Vorsichtig setzte sie die Kleine ab, die daraufhin protestierend zu Miauen anfing.

      »Ich habe keine Zeit mehr, es ist schon spät.« Cara lief los in Richtung Wohnheim. Doch die Katze dachte nicht daran alleine zu bleiben und stiefelte ihr hinterher. »Du musst hier bleiben,ich kann dich nicht mitnehmen. Im Wohnheim sind Haustiere mit Sicherheit verboten.«

      Wieder ertönte ein Miauen von der kleinen Katze. Cara kicherte, die Kleine war einfach zu niedlich. Alle Versuche, sie wegzuschicken, scheiterten. Also hatte sie keine andere Wahl, die Katze ihren Willen zu lassen. Sollte sie ihr doch weiter hinterher laufen. Spätestens an der Tür des Wohnheims würde sie sehen, dass sie nicht mitkommen konnte. Sobald Cara das Gebäude erreicht hatte, öffnete sie eine der beiden gläsernen Eingangstüren und schloss diese schnell, bevor die Katze hinein huschen konnte. Beleidigt patschte sie mit ihren Samtpfoten gegen die Scheibe und jaulte laut los. Die Studentin winkte ihr noch kurz zu und verschwand dann die Treppe hoch.

      Die Gänge im ersten Stock waren menschenleer und auch ihr Zimmer fand sie verlassen vor. Die anderen hatten anscheinend noch Vorlesung. Cara wollte die momentane Ruhe nutzen, sie nahm sich eins ihrer Lehrbücher und setzte sich auf ihr Bett, welches hinten am Fenster stand. Das Studium hatte zwar erst angefangen, doch sie als Stipendiatin konnte es sich nicht erlauben mit dem Stoff hinterher zu hinken. Das Schöne war, dass das momentane Thema sehr interessant war. Sie behandelten das Alte Ägypten, von der Sprach bis hin zur Mythologie. Davon hatte sie schon etwas Ahnung, denn durch ihre zahlreichen Reisen in das alte Land am Nil, hatte sie von ihren Eltern viel gelernt. Beide hatten das Alte Ägypten als Spezialgebiet, wobei ihr Vater sich genauer mit der Sprache und den Schriften beschäftigte und ihre Mutter mit der Kunst. Vielleicht waren sie auch der Grund für ihren Ehrgeiz, denn eines Tages wollte sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

      Ein leises Kratzen am Fenster lenkte sie vom Lernen ab. Neugierig zog Cara die langen Vorhänge zurück und konnte ihren Augen nicht trauen. Dort auf dem Fenstersims saß die kleine, schwarze Katze. Verwirrt öffnete sie das Fenster, sodass das Fellbündel hinein huschen konnte.

      »Wie bist du hier hoch gekommen, wir sind im ersten Stock?« Ein kurzer Blick aus dem Fenster erbrachte sogleich die Antwort. Die Studentin hatte bis jetzt noch nicht bemerkt, dass die Rückseite des Wohnheims mit Efeu überwuchert war.

      Cara schloss das Fenster wieder und setzte sich zu der Katze, die sich mittlerweile auf ihr Bett gekuschelt hatte. »Was soll ich nur mit dir machen? Ich kann dich ja schlecht hier behalten.«

      Die Kleine schaute sie mit ihren goldenen Augen durchdringend an. Cara beschloss die Katze vorerst hier im Zimmer zu behalten, bis sie wusste, was endgültig mit ihr geschehen sollte. »Du musst aber ganz leise sein, sodass dich die anderen nicht bemerken. Und pass‘ auf, dass sie dich nicht sehen«, sagte sie zu ihr. Ein kleines Miauen ertönte, so als ob sie Cara zustimmte.

      Die Studentin gab ihr den ägyptischen Namen »Chione«, was soviel bedeutete wie »Tochter des Nils«. Dann nahm sie die Tagesdecke vom Bett, faltete diese zusammen und legte sie unter das Bett, als Schlafplatz für die Katze. Chione schien dies sogleich zu verstehen, denn kaum lag die Decke, rollte sie sich dort zusammen und fing an zu dösen. Cara folgte ihrem Beispiel und kletterte in ihr Bett. Die junge Frau war eingeschlafen, noch bevor ihre Zimmergenossen zurück waren.

      Es war kalt um Cara herum. Nebel umhüllte sie. In der Ferne war eine schemenhafte Gestalt zu erkennen. Cara lief auf diese zu, kam aber nicht voran. Doch sie wollte nicht nur zu dieser Gestalt, Gänsehaut und ein Schauer über ihrem Rücken trieben sie ebenfalls voran. Etwas schien sie zu verfolgen. Die Person im Nebel kam näher, sodass Cara nun eine Frau erkennen konnte. Das Merkwürdige an ihr war, dass sie der Studentin sehr ähnlich sah, nur war die Frau etwas älter als sie und trug antike Kleidung Ägyptens, sowie goldenen Schmuck. Plötzlich kratzte jemand oder etwas Cara von hinten am Oberarm. Ein kurzer Schmerz durchzuckte sie. In diesem Moment beobachtete sie, wie die Frau vor ihr, sich in eine wunderschöne, große Katze, mit glänzendem, schwarzen Fell verwandelte. Um ihren Hals lag ein prachtvolles Halsband aus purem Gold, welches eine Anch-Symbol zierte, das Zeichen für »Leben«.



      Cara schreckte aus dem Schlaf hoch. Was für ein komischer Traum dies gewesen war. Seit Monaten verfolgte sie dieser Traum, doch mit jedem Mal wurde er intensiver und deutlicher. In dieser Nacht, hatte sie die Frau zum ersten Mal genau gesehen. Und es war auch das erste Mal, dass sie angegriffen wurde. Was hatte dies nur zu bedeuten? Was sollte sie nun tun?
    • Gefällt mir, dass es jetzt etwas mystischer wird. Vom Schreibstil her muss ich sagen, dass du etwas zu oft "die Studentin" verwendet hast. Nimm ruhig die Namen, oder verwende "sie" (oder "er").
      Ansonsten sehr gut und flüssig zu lesen. Und authentisch. Katzen können wirklich sehr gut Fassaden hochklettern. ^^

      Spoiler anzeigen

      Simbambi schrieb:

      Das Studium hatte zwar erst angefangen, doch sie als Stipendiatin konnte es sich nicht erlauben mit dem Stoff hinterher zu hinken.
      Ich würde hier zwei Kommas mehr setzten.
      Stipendiatin, konnte
      erlauben, mit

      Simbambi schrieb:

      Sie behandelten das Alte Ägypten, von der Sprach bis hin zur Mythologie.
      *Sprache

      Simbambi schrieb:

      Doch sie wollte nicht nur zu dieser Gestalt, Gänsehaut und ein Schauer über ihrem Rücken trieben sie ebenfalls voran.
      Ich würde hier, zwischen Gestalt und Gänsehaut eher einen Punkt setzten.
    • Hallo zusammen!
      Es ist zwar etwas her, doch wir haben "endlich" mal wieder ein neues Kapitel fertig gestellt. Es geht also weiter mit Cara und Heather. Ihr könnt euch freuen. Viele neue Rätsel tauchen auf. Es wird etwas mysteriös und geheimnisvoll.
      Viel Spaß :friends:





      Kapitel 5 - Teil 1

      Dunkle Augenringe bewiesen die unruhige und fast schlaflose Nacht von Cara. Nach dem beängstigenden Traum hatte sie sich nicht mehr getraut zu schlafen. Eins ihrer Bücher hatte ihr die Zeit vertrieben.


      Doch immer wieder grübelte sie über den Traum. Wer war diese Frau, die ihr so ähnlich sah? Sie wirkte wie eine adlige Frau aus historischen Büchern und Gemälden. Vielleicht war sie sogar eine Göttin.

      Caras Kopf schmerzte und sie verbannte diese Überlegungen vorerst in die hintersten Bereiche ihrer Gedanken. Es gab im Moment andere Dinge, die ihre Aufmerksamkeit erfordern würden.

      Als sie sich im Bett umdrehte, fiel ihr Buch laut polternd zu Boden, sodass die drei Mitbewohnerinnen aus dem Schlaf schreckten.

      »Wer hat geschossen?!«, rief Susan verträumt.

      »Niemand ... sei leise, ich will schlafen«, murmelte Anna.

      Cara entschuldigte sich eilig und hob das Buch wieder auf. Als sie es neben den Wecker auf dem Nachttisch legte, bemerkte sie, dass es erst sieben Uhr war. Sie hatte demnach noch drei Stunden Zeit bis die Vorlesung anfing.

      Ingrid jedoch hatte bereits um acht Uhr die erste Vorlesung. Sie sprang aus dem Bett. Das rotblonde Haar fegte durchs Zimmer und verschwand im Bad. Susan, die nun hellwach war, setzte sich auf und kramte ihr Gesetzbuch hervor, um sich noch einige Notizen zu machen. Hin und wieder fiel ihr Blick auf Anna, von der nur ihr schwarzer Schopf zu sehen war. Sie war wieder eingeschlafen. Cara hatte in der kurzen Zeit, in der sie sich ein Zimmer teilten, festgestellt, dass Anna sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließ.

      Leicht erschöpft ließ sie sich nochmals in die weichen Kissen fallen, nur um sich dann doch dazu zu entscheiden, das Badezimmer aufzusuchen, nachdem Ingrid es wieder freigegeben hatte. Diese saß nun angezogen und mit feuchtem Haar an ihrem Schminktisch. Jeder von ihnen hatte ein solches Tischchen in Bettnähe stehen. So war das Bad auch nicht andauernd besetzt.

      Cara verschloss die Tür des Bads. An den Anblick des glänzenden Marmorraums, welcher direkt an ihr Zimmer angrenzte, würde sie sich wohl nie richtig gewöhnen können. In der Mitte des Raumes prangte ein Strauß aus fünf Waschbecken, also eines mehr als sie Personen im Zimmer waren. Über jedem hing ein golden verzierter Spiegel, groß genug, dass Cara sich bis zum Bauchnabel begutachten konnte. Dann gab es noch einen Duschraum und zwei freistehende Badewannen, die jeweils blickdicht vom Rest abgeschottet sind. Selbst die Toiletten bestanden aus Marmor, die man durch eine extra Tür erreichte. Das alles nur für ein Stipendienzimmer. Wie es wohl bei den Reichen aussah? Was gab es denn noch, was man in ein Badezimmer stecken konnte?

      Cara entledigte sich ihres Pyjamas, rot-kariert und sehr flauschig. Sie drehte das Wasser in der Dusche auf und passte die Temperatur an. Viele mochten es, wenn das Wasser richtig heiß war und ein leichter Dunst aufstieg, doch ihr Körper war sehr empfindlich, ihr war es lieber lauwarm. Cara liebte das Gefühl der prasselnden Tropfen der Regendusche auf ihrer nackten Haut. Sie zögerte jede Sekunde hinaus, in der sie einfach nur dastand, Augen geschlossen und das Gesicht nach oben gereckt. Sie genoss die wohltuende Wärme um sie herum.

      Als Cara ihre Morgendusche beendet hatte und sie mit einem Handtuch, war keiner ihrer Zimmergenossen mehr anwesend. Trotzdem vergewisserte sie sich noch einmal gründlich davon, dass sie auch wirklich alleine war. Schnell zog sie sich eine Jeans und ein rotes Shirt an, bevor sich die Studentin neben ihr Bett kniete und unter dieses luckte. Chiones leuchtend gelbe Augen funkelten sie an. Sobald Cara sie rief, kam das Kätzchen unter dem Bett hervor gekrochen. Sogleich setzte sie sich auf ihren Schoß und fing an zu schnurren als das Kraulen begann.

      »Das hat heute Nacht gut funktioniert. Du warst ruhig und die anderen haben dich nicht bemerkt. Ich bin stolz auf dich«, sagte die junge Frau liebevoll.

      Chiones Fell war so weich und kuschelig, die Kleine war einfach zum Knuddeln, doch Cara wusste genau, dass sie dafür keine Zeit mehr hatte. Sie hob die Katze von ihren Beinen und stand auf um das Fenster zu öffnen. Chione verstand sie und sprang auf den Sims. Die Studentin beobachte gespannt, wie sich das kleine schwarze Fellbündel elegant nach unten kämpfte, bis sie endlich auf der grünen Wiese hinter dem Wohnheim landete. Sie huschte in ein nahe gelegenes Gebüsch und somit verschwand sie aus Caras Blickfeld. Danach suchte sie ihre Sachen zusammen und packte die Umhängetasche, die sie immer mit in die Vorlesungen nahm. Sie verließ die Wohnräume und machte sich auf den Weg zur Cafeteria.

      Im Speisesaal war kaum etwas los, schließlich hatten die meisten Studenten auch schon ihre Vorlesungen. Cara nahm sich etwas Obst und eine Schüssel Kornflecks vom Buffet und setzte sich an einen der leeren Tische. Sie beobachtete die anderen Studenten, wie sie dort saßen und während des Essens in ihren Büchern und Unterlagen blätterten. Andere saßen in Gruppen zusammen, lachten, scherzten und diskutierten. Irgendwie stimmte sie der Anblick diese jungen Leute leicht melancholisch, wie hatten sie es nur geschafft so schnell Freundschaft mit den anderen zu schließen. Sie Selber war immer noch alleine.

      Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet Cara, dass es an der Zeit war sich im Hörsaal einzufinden. Sie brachte ihr dreckiges Geschirr zum Fließband, welches in die Küche führte und verließ dann die Cafeteria.

      Draußen schien die Sonne und ihre Wärme fühlte sich angenehm auf der Haut an. Die anderen Studierenden hielten sich bereits auf dem Campusgelände auf. Ein wenig beneidete Cara sie manchmal für die Kleidung, die sich viele der jungen Frauen leisten konnten. Eigentlich interessierte sie sich nicht sonderlich für Klamotten oder die neusten Trend, denn sie war mit dem, was sie besaß immer zufrieden gewesen. Doch jetzt, wo sie ihr vor die Nase gehalten wurden, gefielen ihr einige der Röcke und Blusen. Nicht, dass sie diese kaufen würde - sie hatte eh nicht genügend Geld für solche unnötigen Statussachen - dennoch sahen sie wirklich außergewöhnlich an den anderen aus.

      Im Vorlesungssaal saßen schon die ersten Studenten. Ihre Köpfe verschwanden immer mal wieder unter die Tische, wo ihre Taschen standen und kamen mit Block und Stiften bewaffnet wieder zum Vorschein. Cara zog ihre Tasche zurecht und tapste den Gang entlang. Sie wollte gerne vorn sitzen, damit sie auch ja nichts von den Themen verpasste. Einerseits, da sie ihr Stipendium mit allen Mitteln behalten wollte, andererseits, weil sie diese Stunden faszinierten. Wahrscheinlich lag dies auch mit an der Arbeit ihrer Eltern. Oft war sie mit auf die Ausgrabungen gegangen und hatte geholfen wo sie konnte. Die Pfunde kamen ihr immer wie alte Geschenke vor, die jemand vor vielen Jahren vergessen oder extra für sie vergraben hatte.

      Im Augenwinkel erkannte Cara, dass jemand in ihre Richtung zeigte und winkte. Sie ignorierte diese Geste erst einmal, denn die Hand gehörte zu einer der Studentinnen, der reichen Schicht. Keine Chance, dass sie gemeint war. Mit gesenktem Haupt schlich sie durch die Reihen und hielt nach einem freien Plätzchen Ausschau. Doch die wirbelnden Bewegungen ließen nicht nach und sie fühlte sich allmählich gezwungen, herüber zu sehen.

      »Cara«, begrüßte sie Heather von Weitem, deren lange blonde Strähnen über ihre Schulter fielen. »Komm hierher, neben mir ist noch Platz.«

      Cara knabberte an ihrer Unterlippe herum und wippte sachte auf der Stelle hin und her. Sollte sie das tun? Sich zu der »gehobenen« Schicht setzten. War das erlaubt? Würde man es ihr erlauben? Innerlich schüttelte sie vehement den Kopf und suchte nach dieser Bianca. Ihr wollte sie möglichst nie wieder begegnen, zumindest nicht, solange es sich verhindern ließe. Außerdem kannten sie sich doch gar nicht so gut. Heather schien zwar offen und freundlich, aber Cara blieb misstrauisch. Schüchtern zog sie die Schultern hoch und machte sich kleiner. Vermutlich würde Heather nach einigen Versuchen die Lust an ihr verlieren. Sie hatten nicht viel gemeinsam und den Tag in der Bibliothek gab es auch keine bahnbrechenden Gespräche zwischen ihnen. Wobei es trotzdem nicht unangenehm still geworden war.

      »Cara? Möchtest du nicht bei mir sitzen?«, Heather klang enttäuscht und sofort überkam Cara ein schlechtes Gewissen. »Ist schon gut, dann eben nicht.«

      »Nein, nein«, sagte Cara entschuldigend und stolperte über die flachen Treppen hinunter zu Heathers Reihe. »Ich habe dich nur nicht so gut von dahinten verstanden. Ich setzte mich gern zu dir.«

      Das war nicht mal gelogen, doch war auch ein Grund, dass sie nachgab der, dass sie der jungen Studentin gegenüber nicht unhöflich sein wollte, dies war etwas, was sie von ihren Eltern immerzu eingebläut bekommen hatte. Cara fiel neben Heather auf den Stuhl und atmete tief durch. Nur nicht auffallen, reif sie sich ins Gedächtnis. Die anderen adligen Studenten würden es vermutlich nicht gutheißen, wenn sie sich unter ihnen blicken ließ. Heather wiederum störte sich recht wenig daran. Cara beobachtete sie dabei, wie sie ihre Notizblöcke und zwei bunte Kugelschreiber hervor holte und sorgsam auf ihren Tisch legte. Danach zerrte die blonde Dame an ihrer Jeans und streifte die hellblaue Bluse glatt.

      »Ist was?«, fragte sie Cara leise, da sie ihren Blick auf sich gespürt haben musste. Cara schüttelte eifrig den Kopf, doch Heather schaute sie weiter eindringlich an. »Moment, du hast da was.«

      Heathers Hand griff nach Caras Arm und hob ihn ein Stück an, damit sie diesen besser mustern konnte. Vorsichtig drehte Heather diesen herum und ihre Augen weiteten sich. Währenddessen verkrampfte sich Cara, da sie diese Nähe gerade überraschte. Und die Berührung erinnerte sie an den Traum.

      »Wo hast du denn diese Kratzer her?«

      »Welche Kratzer? Ich hab keine Ahnung«, brachte Cara heraus, obwohl sie eine Idee hatte. »Ich meine ... ich hatte einen Traum heute Nacht. Eigentlich verfolgt mich der gleiche Traum schon eine ganze Zeit. Ach vergiss es, dass klingt einfach lächerlich. Ich rede wirres Zeug.«

      »Ein Traum? Aber das erklärt deine Verletzung doch nicht.«

      »Ah, ja«, Heather benötigte offensichtlich mehr Informationen, wie Cara auffiel. »In dem Traum traf ich auf eine Frau, die denen aus unseren Geschichtsbüchern des alten Ägyptens ähnelt. Auf einmal fühlte ich, wie mir jemand die Haut am Oberarm zerkratzte ... und jetzt ist es Wirklichkeit? Ich meine, ich bin tatsächlich verletzt. Aber wie gesagt, das ist Irrsinn. Vermutlich habe ich mich an dem Baum gestern gekratzt, unter dem ich saß, oder es war die Katze, der ich begegnet bin. Mir ist einfach nicht aufgefallen, dass ich mich verletzt habe.«

      Erst in diesem Augenblick verstand Cara, was geschehen war. Sie wusste, dass es weder der Baum noch Chione war. Die Kratzer, die sie im Traum erfahren hatte, zeichneten sich rot und mit einer dünnen Kruste auf ihrem Arm ab. Ein Schauer durchzog ihren Körper und ihr wurde eiskalt. Wie war das möglich? Traum und Realität konnten doch nicht zusammenlaufen. Das eine befand sich schließlich lediglich in ihrem Kopf und das andere war eben real. Eben nicht nur in ihrem Kopf, sondern greifbar.
    • Sehr guter Teil. Richtige Fehler habe ich eigentlich nicht gefunden. Ich habe mir jedoch die Mühe gemacht, einige Stilverbesserungen vorzuschlagen und natürlich alles, wo dir irgendwelche Wörter fehlten, anzumerken. ;)

      Inhaltlich sehr gelungen. Da kann ich nicht meckern. Nur eine Frage: Wie konnte sie lesen? War es im Zimmer nicht dunkel, beziehungsweise, hätten ihre Mitbewohnerinnen nicht gemeckert, wenn das Licht angewesen wäre?
      Auch noch eine kleine Anmerkung (du merkst, das ich aufmerksam mitgelesen habe? ;) ) :
      Anna hat einen festen Schlaf (so fest sogar, dass sie es ignoriert, wenn ein Andere sich fertigmacht?), aber Cara's runtergefallendes Buch weckt sie trotzdem auf?


      Stilverbesserung

      Simbambi schrieb:

      Eins ihrer Bücher hatte ihr die Zeit vertrieben.
      *Eines (bei "Eins" denke zumindest ich immer an die Zahl)

      Simbambi schrieb:

      Über jedem hing ein golden verzierter Spiegel, groß genug, dass Cara sich bis zum Bauchnabel begutachten konnte.
      *sie (du verwendest sonst "Cara" zu oft)

      Simbambi schrieb:

      Sie genoss die wohltuende Wärme um sie herum.
      *sich

      Simbambi schrieb:

      sein wollte, dies war etwas, was sie von ihren Eltern immerzu eingebläut bekommen hatte.
      *wollte. Dies war...

      Hier würde ich den Satz seperieren, weil du sonst einen viel zu langen Satz hast.

      Simbambi schrieb:

      Sie wollte gerne vorn sitzen
      *vorne



      fehlende Wörter oder Buchstabenverdreher und ein paar fehlende Kommas

      Simbambi schrieb:

      Als Cara ihre Morgendusche beendet hatte und sie mit einem Handtuch, war keiner ihrer Zimmergenossen mehr anwesend.
      Hier fehlt ein Teil des Satzes.

      Simbambi schrieb:

      bevor sich die Studentin neben ihr Bett kniete und unter dieses luckte.
      *lugte

      Simbambi schrieb:

      Sie hob die Katze von ihren Beinen und stand auf um das Fenster zu öffnen.
      *auf, um (Komma)

      Simbambi schrieb:

      wie hatten sie es nur geschafft so schnell Freundschaft mit den anderen zu schließen.
      geschafft, so (Komma)
      Fragezeichen am Satzende

      Simbambi schrieb:

      Sie Selber war immer noch alleine.
      *selber (klein)

      Simbambi schrieb:

      Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet Cara, dass es an der Zeit war sich im Hörsaal einzufinden.
      *war, sich (Komma, glaub ich)

      Simbambi schrieb:

      Eigentlich interessierte sie sich nicht sonderlich für Klamotten oder die neusten Trend
      *Trends (s fehlt)

      Simbambi schrieb:

      war mit dem, was sie besaß immer zufrieden gewesen.
      besaß, immer (Komma)

      Simbambi schrieb:

      Die Pfunde kamen ihr immer wie alte Geschenke vor, die jemand vor vielen Jahren vergessen oder extra für sie vergraben hatte.
      *Funde (du meinst ja keine Gewichte. ;) )
      *vergessen, oder (Komma würde ich hier hinpacken)

      Simbambi schrieb:

      Sie ignorierte diese Geste erst einmal, denn die Hand gehörte zu einer der Studentinnen, der reichen Schicht.
      Letztes Komma weg.

      Simbambi schrieb:

      Sie hatten nicht viel gemeinsam und den Tag in der Bibliothek gab es auch keine bahnbrechenden Gespräche zwischen ihnen.
      Hier fehlt mindestens ein Wort.

      Simbambi schrieb:

      Nur nicht auffallen, reif sie sich ins Gedächtnis.
      *rief (klassischer Buchstabenverdreher :D )
    • HI, @Schreibfeder,
      Danke, dass du so schnell geantwortet hast.
      Mal eben zu deinen Fragen:
      1. Es wurde jetzt nicht explizit geschrieben, dass es dunkel ist oder dass ein Licht brennt. Das könnte man sich aber auch theoretisch denken und wenn die anderen noch schlafen, bekommen die Zimmergenossen es ja nicht mit, ob Licht an ich. Es reicht ja schon ein kleines Nachtlicht und im Zimmer gibt es ja Himmelbetten mit Vorhängen (wenn du verstehst was ich meine). Aber wenn es besser ist, kann ich dass auch nochmal ergänzen, mit dem Licht.
      2. Nun zu Anna. Diejenige, die so richtig aus dem Schlaf hoch schreckt ist ja Susan. Anna murmelt ja nur im Halbschlaf was dahin. Und ich finde auch, dass das Geräusch eines Buches, welches auf dem Boden klatscht lauter ist, als wenn sich jemand fertig macht. Ich bekomme es auch nicht mit, wenn meine WG-Mitbewohner sich morgens fertig machen, im Bad und in der Küche Krach machen oder beim verlassen der Wohnung die Tür kräftig zuziehen, da von Außen keine Klinke ist XD. So einen eine Ruhe und Gelassenheit stell ich mir bei Anna vor.



      Ich finde es echt schön von dir, wenn du solche Fragen stellst, dann kommt man ins Grübeln und man denkt noch einmal ganz genau nach. Mach bitte weiter so.
    • Ich glaub, da bin ich der falsche Ansprechpartner. :D Ich habe einen extrem leichten Schlaf. Ich wache jedesmal auf, wenn vor meinen Zimmer (auch eine WG) wer über den Flur läuft (ich hab auch blöderweise das Zimmer an der Eingangstür), inklusive, wenn der Nachbar aufsteht (der hat so eine Gehhilfe), oder wenn die Nachbarn durch das Treppenhaus trampeln und so weiter. ^^
      Aber ein Buch würde mich nie wachbekommen, höchstens, wenn mir das ins Gesicht knallt. ^^

      Ja, du solltest unbedingt den Satz hinzuschreiben, der das mit dem Nachtlicht erklärt, beziehungsweise warum das die anderen nicht stört, also zugezogene Vorhänge, oder so. Und dann natürlich aufpassen, woher dann Cara weiß, dass die anderen weg sind (beziehungsweise nicht weg sind) wenn doch die Vorhänge zugezogen sind.


      Und noch eine kurze Anmerkung: Ich finde, ihr habt etwas zu viele Tags für die Geschichte definiert. So etwas wie "ägyptische Mythologie" bracht ihr nicht, wenn ihr schon "Ägypten" und "Mythologie" seperat auflistet. Schaut da doch noch einmal drüber. ;)

    • Kapitel 5 - Teil 2

      Der Tag verging eher langsam. Heather fragte sich immer noch, wer dieser junge Mann namens Milan wirklich war. Gut, sie wusste, dass er der Sohn des Leiters der Freyer Akademie und des hiesigen Institutes war, doch diese Informationen reichten ihr nicht aus. Sein Abgang erschien ihr wie ein Film. Im einen Moment unterhielten sie sich noch, dann rannte er schon zu dem Helikopter, der ihn abholte. Sie schüttelte den Kopf und kniff sich in die Wangen. Wer zum Henker war er nur?


      Auch die heutige Vorlesung hatte sich sehr hingezogen. Sie war überrascht gewesen, dass Cara sich zu ihr gesetzt hatte, nach allem, was vorgefallen war. Zwar zögerte die Stipendiatin, aber nach ein bisschen Nachdruck konnten die Zwei die Stunden miteinander verbringen. Nur dieser mysteriöse Kratzer warf bei Heather neue Fragen auf. Cara sagte, dass sie geträumt hätte und die Verletzung davon stamme. Aber war so etwas möglich? Vielleicht hatte sie sich auch irgendwo zuvor verletzt und es nur nicht mitbekommen. Die junge Studentin schüttelte langsam den Kopf. So eine Wunde wäre jedem aufgefallen. Ihre Ausreden, wie Heather sie nun betitelte, konnten nicht stimmen. Hier gingen einige seltsame Dinge vor sich, das mussten doch auch andere feststellen, oder lebten sie nur so in den Tag hinein? Bald würde sie verrückt werden, gestand sie sich ein. Diese Paranoia konnte auf Dauer nicht gut für sie sein und dennoch trieb sie etwas an, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

      Als Heather sich auf den Weg zu ihrem Zimmer machte, stieß ihr ein weißer, sich bewegender Fleck am Rande des Uni-Geländes ins Auge. Neugierig kehrte sie dem Wohnblock den Rücken und folgte dem Mann in weißem Kittel in Richtung des Institutsgebäudes. Seine schwarzen Haare bildeten einen starken Kontrast zu der reinen Kleidung. Vielleicht würde sie ja endlich ein paar lohnenswerte Antworten bezüglich dieser mehr als mysteriösen Einrichtung von ihm bekommen. Gespielt schusselig stolperte sie und stieß mit dem Mann zusammen.

      »Alles in Ordnung bei Ihnen?«, erkundigte sich dieser sofort und schaute mit kühlen blauen Augen auf sie hinab.

      »Ja, ich bin so ungeschickt«, entschuldigte sich Heather und musste ein siegreiches Grinsen unterdrücken. Der erste Schritt war getan. »Aber was machen Sie denn hier? Gibt es einen ärztlichen Notfall?«

      Der Mann schaute verwirrt an sich herunter. Seine Hand wanderte an seinen Kopf, kratzte diesen und schließlich verstand er, was Heather meinte. Ein Lächeln verzog seine trockenen Lippen.

      »Nein, nein. Verzeihen Sie dieses Missverständnis. Es gibt keinerlei Grund zur Sorge. Sie müssen verstehen, ich arbeite an dem Institut von Herrn Freyer.«

      »Sie sind also kein Arzt, tragen jedoch einen solchen Kittel?«, Heather legte den Kopf schief und schaute ihn skeptisch an.

      »Nun ja, ich bin kein Arzt im herkömmlichen Sinne. Hier in der Forschungseinrichtung gibt es eine Menge verschiedener Fachleute, die zusammen an Projekten arbeiten.«

      »Das klingt ja höchst interessant«, Heather näherte sich ein wenig. »Wissen Sie, meine Mutter ist ebenfalls in der Forschung aktiv. Könnten Sie mir eventuell einen Hinweis geben, was ihre Spezialität ist?«

      »Ah, ich muss Sie leider enttäuschen, junge Dame, aber es ist uns nicht gestattet, unsere Ergebnisse und Studien zu teilen. Eigentlich darf ich mich nicht einmal mit Ihnen unterhalten, doch das müsste Ihnen bereits erklärt worden sein.«

      Unruhig verlagerte er sein Gewicht von dem linken aufs rechte Bein. Heather nahm wieder Abstand, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern und seinen Privatraum zufrieden zu lassen. Jedoch wollte sie ihm noch weitere Details entlocken.

      »Natürlich, das kann ich nachvollziehen«, gab sie nach und winkte beschwichtigend ab. »Allerdings ... Es ist doch sehr unbefriedigend, so in der Luft hängen gelassen zu werden. Ich möchte sie nicht in Unannehmlichkeiten bringen, aber ein offensichtlich sehr gebildeter Mann wie Sie, kann sich bestimmt einen kleinen Fehler erlauben. Sie werden wohl kaum so austauschbar sein.«

      Geschmeichelt von den Worten der jungen Blondine, wandte er sich ab und überlegte mit hochrotem Kopf. Heather stellte sich abseits, zupfte nervös an ihrer Bluse herum, da sie sich in seiner Nähe nicht länger als unbedingt nötig aufhalten wollte. Einerseits, weil ihr Instinkt ihr dazu riet und andererseits, weil dieser Freyer wahrscheinlich Wachen darauf angesetzt hatte, ein Verhalten wie ihres schnellstens zu unterbinden. Was verheimlichten diese Menschen hier nur, dass sie das Institut auf ihrem Land errichteten und es vor jedem geheim hielten?

      »Mein Bedauern, junge Dame, aber ich bin leider nicht im Stande Ihnen irgendetwas zu erzählen. Ich bitte Sie, mein Berufsgeheimnis zu verstehen.«

      Heather knirschte leicht mit den Zähnen, nur so leise, dass der Kittelträger es nicht hören konnte. Ihr Plan war also nach hinten losgegangen, ganz toll. Der Mann vor ihr wurde nervös und schien den Rückwärtsgang einlegen zu wollen, da erhob Heather ein letztes Mal die Stimme.

      »Aber Ihren Namen, den könnten Sie mir doch verraten«, bat sie höflich.

      »Ah, ja ... Igor Delmor heiße ich«, er kratzte sich am Kopf. »So, ich müsste dann auch wieder-.«

      »Aber selbstverständlich«, fiel ihm Heather ins Wort, froh darüber, dass sie sich nicht länger mit diesem dubios wirkenden Mann unterhalten musste. »Viel Erfolg bei Ihren Forschungen wünsche ich Ihnen.«

      Die junge Frau biss sich schmollend auf die Unterlippe und schmeckte kurz darauf ihr eigenes Blut. Sie war so nah dran gewesen, Informationen aus diesem Mann herauszuquetschen, aber dann musste er sich ja wieder an seinen Kodex erinnert. Flüsternd fluchte sie, während etwas in ihrer Jackentasche vibrierte. Zuerst bemerkte sie es gar nicht, doch dann störte es sie plötzlich. Mit den dünnen Fingern zog sie ihr Handy hervor und starrte auf den Bildschirm. Ein »Anonym« blitze auf der leuchtenden Fläche neben dem grünen und dem roten Hörer auf. Als ob sie da ran gehen würde, dachte sie schmunzelnd und ließ das kleine Gerät zurück in ihre Tasche fallen. Falls jemand mit ihr sprechen wollte, dann sollte sich derjenige gefälligst auch preisgeben. Sie fasste sich entsetzt an die Stirn. Genau das Gleiche hätte auch Bianca gesagt

      Plötzlich fiel ich auf, dass sie den Namen dieses Möchtegern-Arztes bereits gesehen hatte. Natürlich, bei ihrem kleinen Abstecher ins Foyer des Institutes, als sie sich die dort ausliegenden Unterschriften angesehen hatte. Dr. Igor Delmor. Unschlüssig lief Heather die Straße zwischen Institut und Cafeteria auf und ab. Immer wieder, bis ihre Fußknöchel schließlich schmerzten. Wieso zum Himmel hatte sie sich noch mal für diese unbequemen Slingpumps entschieden, die ihr ihre Mutter vor Jahren gekauft hatte? Sie drückte ihren Rücken durch und stieß beinahe mit jemandem zusammen, der aus der Cafeteria kam.


      »Entschuldigung«, entgegnete sie schnell und senkte den Kopf.

      »Kein Problem«, hörte sie eine freundliche und bekannte Stimme. »Haben uns ja schon eine Zeit nicht gesehen. Und, wie gefällt dir die Freyer Akademie bis jetzt?«

      Elias grünen Augen strahlten Heather an und sie musste schlucken, bevor sie die Fähigkeit des Sprechens wiedererlangte. Seine Präsenz war gewaltig, nicht nur weil er einfach sehr groß war, sondern auch, da er den gesamten Raum einnahm. Seltsam, als würde er zwischen der Erde und dem Himmel eine unsichtbare Lücke füllen wollen.

      »Ja, es scheint hier ganz in Ordnung zu sein«, erwiderte sie und schämte sich etwas für diese flapsige Äußerung. »Danke, dass du fragst, Elias.«

      »Wir sind heute nicht sonderlich gesprächig, was? Oder liegt es daran, dass deine Freundin Bianca nicht dabei ist?«, er kam einen großen Schritt auf Heather zu, doch diese wich nicht zurück. »Scheinbar nicht. Wo musst du hin? Ich begleite dich den Weg, wenn es dir nichts ausmacht.«

      Heather schüttelte den Kopf und folgte Elias, dessen Muskeln allein beim Gehen an seinem eng anliegenden Shirt sichtbar wurden. Was er wohl für einen Sport betrieb, um so kräftig zu werden? Sie sollte auch wieder Laufen gehen, das fehlte ihr mittlerweile und tat ihr so gut. Vor allem, weil sie sich noch immer nicht richtig mit Bianca unterhalten hatte. Ein stechender Blick überwältigte Heather und sie wandte sich sofort um, erblickte eine schlanke Frau mit lockigen Haare. Sie besaßen dieselbe Farbe, wie die von Elias und Heather überlegte kurz, weil sie ihr bekannt vor kam.

      »Hey großer Bruder!«, begrüßte sie Elias stürmisch und drängte sie zwischen ihn und Heather. »Wo willst du hin, ich dachte du hättest jetzt eine Freistunde und hilfst mir beim Lernen?«

      Heather blieb derweilen stehen, denn diese beiden Geschwister strahlten eine unglaubliche Kraft aus. Sie wusste nicht, welcher Natur diese Wirkung entsprang, doch sie spürte es sehr deutlich und wurde dadurch eingeschüchtert. Eine Imposanz, die nicht einschätzen konnte und so dominant daherkam, dass sie lieber im Erdboden verschwunden wäre. Stattdessen erweckte sie die Aufmerksamkeit von Elias Schwester, die nun den Kopf schief legte und sich skeptisch näherte.

      »Und wer ist deine Begleitung?«, fragte sie Elias, wobei sie jedoch Heather musterte.

      »Julie komm schon. Sei nicht so unhöflich und unterlass das Starren. Heather, darf ich vorstellen, Julie Sander, meine kleine Schwester«, gleichzeitig machte die hübsche Frau einen Knicks. »Julie, das ist Heather McCarthy. Sie ist eine der neuen Erstsemesterstudenten, von denen ich dir erzählt habe.«

      »Ja, aber du hast mir was verheimlicht«, piepste sie und lief mit wehendem Rock um Heather herum. »Ist auch nicht so wichtig. Können wir dann lernen?«

      »Gleich«, sagte Elias sanft und trat an Heather heran, die sich offensichtlich nicht ganz wohl fühlte. Die dauerhafte Beobachtung Julies versetzte sie in eine Trance. »Ich bringe Heather nur noch schnell zu ihrem Raum«, Julie nickte sehr langsam. »Du kannst gerne mitkommen, wenn du möchtest.«

      »Nein, nein. Ich warte in der Bibliothek auf dich.«

      Damit war sie auch schon auf dem Sprung und mit flatterndem Stufenrock hüpfte sie leichtfüßig davon. Auch das Gefühl, das Heather bedrängt hatte, schien verflogen. Also beunruhigte Julie sie? Das war schlichtweg unmöglich, denn wie sollte eine so hinreißende, kleine Gestalt sie ängstigen? Das ergab keinen Sinn.

      »Sorry, sie ist ein wenig klammernd«, erklärte sich Elias.

      »Ist schon gut. Ich denke sie ist sehr nett und außerdem wunderschön.«

      »Das werde ich ihr sagen.«

      »Was?!«, Heather schaute ihn verblüfft an.

      »Na dein Kompliment. Die anderen Studentinnen ... mögen sie nicht so recht.«

      Auch wenn Heather es eigentlich nicht zugeben wollte, verstand sie allmählich die Einstellung der anderen Mädchen hier. Julie war hübsch, nein sie war wirklich eine Schönheit. Ihre Persönlichkeit konnte man nach der kurzen Begegnung nicht einschätzen, aber auf den Mund gefallen wird sie nicht sein. Eine echte Adelsdame, hörte sie die Stimme ihrer Mutter in Gedanken. So sollte sie sich auch benehmen, aber das war so langweilig. Immer nett gucken, lächeln und alles abnicken, was die anderen behaupten. Und da war es wieder, das Vibrieren in ihrer Jackentasche. Genervt fischte sie ihr Handy heraus und entsperrte den Bildschirm. »Anonym«, schon wieder. Ihr Finger schwebte über dem grünen Hörer. Sollte sie? Was konnte ihr denn schlimmsten Falls passieren? Ein Verkaufsgespräch oder jemand, der ihr einen neuen Vertrag andrehen wollte. Als sie gerade den Anruf entgegennehmen wollte, legte derjenige am anderen Ende auf.

      »Was tust du da?«, erkundigte sich Elias, der zurücklief, da Heather stehen geblieben war. Sein Blick fiel auf ihr Handy. »Etwas Wichtiges?«

      »Nur jemand, der mir seine Identität nicht verraten will«, erwiderte sie und lächelte leicht. »Zurückrufen werde ich ihn oder sie jedenfalls nicht, sonst kostet mich das nachher noch was.«

      Als die Zwei das Gebäude mit den Saals für die Vorlesungen betraten, erbebte das Handy ein weiteres Mal in Heathers Tasche. Jedoch nur einmal kurz, wie sie erkannte und betrachtete. Nun hatte sie eine SMS erhalten, von der gleichen mysteriösen Person. Vorsichtig öffnete sie den virtuellen Brief und überflog die wenigen Zeilen. Ihr Stalker, oder wer er auch immer war, wollte sich mit ihr treffen. Hinter dem Bibliotheksgebäude um 22:00 Uhr. Also exakt dann, wenn die Sperrstunde begann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Simbambi ()

    • Ich finde Julie sehr sympathisch, ich weiß gar nicht, was die haben. ^^

      Der Teil ist auf jeden Fall gut geschrieben. Etwas übertrieben/naiv fand ich zwar das Gespräch mit dem Wissenschaftler, aber das ist sicher Einstellungssache.

      Aber man merkt schon die Privatschule. Zwei Geschwister auf derselben Elite-Schule, und eines davon ist Schülerin, der andre Lehrer? Auf einer öffentlichen Schule undenkbar. Zu groß wäre die Gefahr der Korruption.

      Ansonsten nach wie vor rechtschreibtechnisch nahezu fehlerfrei. Ein paar Kommafehler, nichts Ernstes.
      Spoiler anzeigen

      Simbambi schrieb:

      Hier gingen einige seltsame Dinge vor sich, das mussten doch auch andere feststellen oder lebten sie nur so in den Tag hinein?
      Vor den "oder" könnte man ein Komma hintun.

      Simbambi schrieb:

      Ich möchte sie nicht in Unannehmlichkeiten bringen, aber ein offensichtlich sehr gebildeter Mann wie Sie kann sich bestimmt einen kleinen Fehler erlauben.
      Sie, kann (Komma)

      Simbambi schrieb:

      Genau das gleiche hätte auch Bianca gesagt.
      *Gleiche

      Simbambi schrieb:

      Natürlich, bei ihrem kleinen Abstecher ins Foyer des Institutes als sie sich die dort ausliegenden Unterschriften angesehen hatte.
      Institutes, als (Komma)

      Simbambi schrieb:

      Immer wieder, bis ihre Fußknöchel schließlich schmerzte.
      *schmerzten

      Simbambi schrieb:

      Wieso zum Himmel hatte sie sich noch mal für diese unbequemen Slingpumps entschieden, die ihr ihre Mutter vor Jahren gekauft hatte?
      Himmel, hatte (Komma)

      Simbambi schrieb:

      »Wo willst du hin, ich dachte du hättest jetzt eine Freistunde und hilfst mir beim Lernen.«
      Wo willst du hin? (Fragezeichen)
    • @Schreibfeder
      Danke für deine schnelle Antwort und dein tolles Feedback! :)
      Ja das Gespräch sollte auch ein bisschen naiv rüberkommen, denn Heather wollte sein Vertrauen gewinnen, um an Informationen über das Institut heranzukommen. Dafür hat sie sich verstellt.
      Ich glaube du hast eine Kleinigkeit vertauscht ... und zwar bei den Geschwistern, oder wir haben das zu undeutlich beschrieben? ?( Auf jeden Fall sind Elias und Julie beide im 2. Semester und keiner von beiden Lehrer (sie sind sogar Zwillinge, aber bisher haben wir "nur" Geschwister geschrieben).
    • Oh, nein, das war mein Fehler. Keine Ahnung, irgendwie die Bemerkung von wegen "das ist eine der neuen Erstsemester" hatte mir da wohl ein falsches Gefühl vermittelt.
      Nein, von euch ist das super gearbeitet, der Fehler lag diesmal ganz klar bei mir. ;)

      "Schnelle Antwort"?
      Ich habe erst nach 20 Stunden was zu den Abschnitt geschrieben. :D


      Also so ganz allgemein: Mir gefällt es, wie sich die Geschichten entwickelt. Ihr habt hier einen klar erkennbaren roten Faden, und kommt zielsicher rüber, als wenn ihr genau wisst, wie ihr die Geschichte gestalten wollt. Das gefällt mir gut. Vor allen, weil ihr weder etwas hinauszögert, noch überhastet. Ihr beweist ein gutes Fingerspitzengefühl dabei, die Balance zu finden. Außerdem schafft ihr es, alles sehr sympathisch zu gestalten und mit zahlreichen Details auszuschmücken.
      Von daher kann ich nur sagen: Weiter so! Und haltet euer Niveau.
    • Kapitel 6 - Teil 1


      Der Sekundenzeiger auf ihrem Wecker schwebte quälend langsam über die schwarzen Ziffern. Sie erinnerte Heather daran, dass die Zeit auch nur etwas war, das sich Menschen einst ausgedacht hatten, um ihr Leben in bestimmte Abschnitte zu gliedern. Müde drehte sie sich in den weichen Kissen und stöhnte auf, da sie nun ihr Handy ansah. Ihre Hand griff danach und sie las sich nochmals die SMS durch.

      Der große, gläserne Kronleuchter an der Decke des Zimmer spendete genügend Licht, denn Heather hatte schon früh die schweren, weinroten Vorhänge ihrer Fenster zugezogen. Durch die Holzvertäfelungen wirkte der Raum ein wenig wärmer und es roch angenehm nach Kiefernzapfen. Das Himmelbett mit den leichten Zierden und Schnörkeln gab keinen Mucks von sich, als sie ungeduldig und unzufrieden auf die Matratze einschlug. Kurz verfing sich ihr Blick auf dem breiten Schminktisch, mit dem ovalen Spiegel in der Mitte und den beiden seitlichen, die sich auf- und zuklappen ließen. Ihr Spiegelbild missfiel ihr ebenfalls. Die Haare standen ihr zu Berge und sie plumpste zurück in die Kissen.

      Nun lag der kleine Zeiger auf der Zehn und der große auf der Zwölf. Sollte sie die Sperrstunde ignorieren und ihren selbsternannten Stalker treffen? Das wäre wahrscheinlich keine gute Idee und widersprach all dem, was ihre Eltern ihr beigebracht und wovor sie gewarnt hatten. Dennoch kannte Heathers Neugierde keine Grenzen und ihr Herz pochte allein bei dem Gedanken wie wild. Ein Kribbeln breitete sich in ihr aus und selbst wenn sie es gewollt hätte, könnte sie jetzt auch nicht mehr schlafen. Also warum nicht die Schlaflosigkeit ausnutzen?

      Falls diese Person sie nicht sah, konnte sie ihr auch nichts antun. Heather musste sich nur bedeckt halte, die Lage ausspähen und dann zuschlagen. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen ab und sie schlug die Decke von sich. Sie zog sich rasch etwas anderes an, wickelte einen Schal bis unter ihre Nase und drückte die Tür vorsichtig auf. Kein Geräusch ertönte und ihre Schritte wurden von dem langen Teppich auf den Fluren gedämpft. Einige Kameras passierte sie ohne Probleme, nur die Türen zum Hof machten ihr Sorgen. Vielleicht waren diese gesichert, versperrt oder würden Alarm schlagen, sobald sie nach draußen trat.

      Mit zitternden Fingern berührte sie die Glastür. Nichts geschah. Dann schob sie diese zögernd auf, auch dabei gaben sie keinen Ton von sich. Ihr Puls schlug so schnell und das Rauschen übertönte alles um sie herum. Sie rannte quer über die große Grünfläche und zwischen den Wohnhäusern und dem Vorlesungsgebäude hindurch. An der Mauer schnappte sie Luft, musste ihren Herzschlag etwas zur Ruhe kommen lassen und presste ihre Stirn gegen die kalten Steine. Dadurch wurden ihre Gedanken klarer und ihre Konzentration kam zurück. Nachdem sie ihren Atem wiedergefunden hatte, schlich sie am Gebäude vorbei und zur Bibliothek.

      Ihre Hand lag immer an der Mauer, als gebe diese ihr den nötigen Schutz und damit den Mut, der sie diese gefährlich Aktion durchziehen ließ. Sie versuchte ganz leise zu atmen, jeden Schritt setzte sie bedacht und so, dass sie wenig Lärm machte. Eigentlich war sie bis jetzt recht zufrieden mit sich selbst. Sie lauschte in die Ferne. In etwa fünf Metern kam eine Reihe Zierbüsche zum Vorschein, welche ihr wunderbar als Tarnung dienen würden, um die Umgebung weiter auszukundschaften. Der Treffpunkt war nicht eindeutig, aber wenn diese Person es wirklich ernst gemeint hatte, würde sie schon hier sein und auf Heather warten. Ein dicker Kloß schnürte ihr die Luft ab. Sie tapste weiter hinter den Büschen her und blieb aufmerksam. Adrenalin schoss durch ihre Venen und ihr gesamter Körper stand unter Spannung. Sie hätte jemandem erzählen sollen, dass sie ausgeht und sich mit einem Unbekannten trifft. Nur für den Fall, dass sie entführt würde. Nur zur Sicherheit, aber das war nun auch zu spät. Also Augen zu und durch, sprach sie sich selbst gut zu.

      Plötzlich spürte sie einen Luftzug in ihrem Nacken. Sie erstarrte und eine große Hand legte sich auf ihren Mund, erstickte ihren Schrei. Hektisch zappelte sie herum, doch ihr Angreifer fixierte sie mit seinem freien Arm. In diesem Klammergriff schien sie hilflos und gefangen. Jeder Laut, den sie von sich gab, wurde von der Hand abgefangen. Niemand würde sie hören können. Tränen stiegen ihr in die Augen und sie lockerte ihren Stand, damit der Fremde dachte, sie gebe auf.

      »Jetzt nicht losschreien, Prinzessch-«, bevor der Unbekannte seinen Satz beenden konnte, trat Heather ihm mit aller Kraft auf den Fuß. »Verdammt!«, schimpfte dieser, ließ sie los und fiel zu Boden. »Ich bin’s doch nur.«

      »Milan?«, Heather schritt zurück und erkannte seine schokolanden-braunen Haare im seichten Mondlicht. Sie wischte sich rasch die Tränen von den Wangen und stemmte die Hände in die Hüfte. »Sag mal bist du verrückt? Du hast mich zu Tode erschreckt!«

      »Ja, das habe ich auch gemerkt«, langsam richtete er sich auf, sein Blick lag weiterhin auf ihr. »Ganz schön tough von dir, dich mit irgendwem, der dir eine SMS geschickt hat, mitten in der Nacht zu treffen. Was würden wohl deine Eltern dazu sagen?«

      Wütend wandte Heather sich von ihm ab und machte Anstalten, einfach zu gehen. Nach zwei großzügigen Schritten in Richtung der Vorlesungsräume, verharrte sie auf einmal. Ein Seufzen von Milan war zu vernehmen und sie kam selbstsicher zurück zu ihm. Verwundert schaute er sie an, lehnte sich gegen die Hauswand und lächelte verschmitzt.

      »Was willst du von mir?«, keifte sie ihn an.

      »Ganz ruhig«, beschwichtigend hielt er die Hände vor sich. »So stürmisch brauchst du doch nicht zu sein. Immerhin kennen wir uns ja noch gar nicht.«

      »Daran muss sich meinetwegen auch nichts ändern«, sie funkelte ihn an, was er nur als weitere Aufforderung zu verstehen schien. »Wirklich, warum hast du dir überhaupt die Mühe gemacht, mich hierher zu bestellen? Wäre es nicht leichter, mich einfach auf den Gelände anzusprechen, wie jeder normale Mensch?«

      »Natürlich«, gab er noch immer lächelnd von sich. »Aber wo bliebe denn da der Reiz? Ist es nicht viel romantischer sich verbotener Weise im Mondesschein zu sehen? Ungestört versteht sich.«

      »Keine Ahnung bei welchen Mädchen diese Masche bereits funktioniert hat, aber bitte lass mich da raus.«

      Milan stürmte auf Heather zu, schnappte sich ihre Hand und zog sie näher an sich heran. Augenblicklich fühlte sie, wie die Hitze und Röte in ihre Wangen stiegen. Sie wollte protestieren und ihm eine scheuern, aber sein ernster Blick stoppte sie abrupt. Seine Augen guckten an ihr vorbei in die Finsternis der Nacht. Ein Schauer überkam sie und kroch eiskalt ihre Wirbelsäule hinab. War da etwa noch jemand? Ängstlich hörte sie auf, sich gegen Milan zu wehren und versteckte sich bereitwillig hinter ihm.

      »Wer ist da hinten?«, hörte sie eine tiefe und verärgerte Stimme rufen. »Es ist nach zehn, die Sperrstunde hat begonnen und es ist nicht gestattet, sich außerhalb der Wohnräume aufzuhalten.«

      Ein Mann in dunkelblauer Uniform tauchte aus der Dunkelheit und lenkte den grellen Strahl seiner Taschenlampe auf Milan und Heather. Sie hatte befürchtet, dass ihr Ausflug kein gutes Ende nehmen konnte, auch wenn sie sich etwas anderes einredete, aber nun wartete eine ordentliche Strafe auf sie. Vermutlich würde die Leitung sie sogar der Akademie verweisen, denn die Richtlinien und Auflagen gestalteten sich ziemlich streng. Sie schluckte schwer. Das alles nur, weil sie ihre Neugier nicht unter Kontrolle hatte.

      Der Uniformierte baute sich eindrucksvoll vor ihnen auf, musterte sie jedoch nur beiläufig. Er schaute von Milan zu Heather. Dann ganz schnell und mit weit aufgerissenen Augen festigte sich sein Blick auf Milan. Erschrocken stolperte der Wachmann zurück, seine Hand, in der er die Taschenlampe hielt, zitterte dabei ein bisschen.

      »Milan Freyer«, brachte er hervor. »Ich wusste ja nicht, dass Sie es sind.«

      »Das habe ich mir gedacht«, er klang so ruhig und erhaben.

      »Verzeihen sie, dass ich so laut wurde. Und wer ist ihre Begleitung? Eine Studentin?«

      »Sie ist meine Freundin«, sein Griff um Heathers Hand wurde fester und dadurch konnte sie ihre Einwände für den Moment nicht äußern. »Gibt es ein Problem, oder wollen Sie mir sonst irgendetwas sagen?«

      »Keineswegs. Bitte entschuldigen Sie die Störung. Ich wünsche noch einen schönen Abend.«

      Mit diesen Worten verschwand der Wachmann eilig hinter dem Gebäude. Kurz standen die Beiden wie angewurzelt nebeneinander. Milan hielt ihre Hand, nicht mehr so fest, doch seine Wärme war deutlich spürbar. Dann besann sich Heather wieder und schüttelte Milans Hand ruppig ab und blickte ihn sauer an. Er gab ihr etwas Freiraum und das Lächeln war verflogen.

      »Deine Freundin?!«, knurrte sie. »Hättest du dir nichts anderes einfallen lassen können?«

      »Es hat doch geklappt, was willst du mehr?«

      »Zumindest nicht mit dir in Verbindung gebracht werden«, sie stapfte an ihm vorbei, bleib jedoch stehen. »Trotzdem Danke«, flüsterte sie.

      »Was? Ich habe dich so schlecht verstanden.«

      Sie drehte sich zu ihm um und schreckte zusammen, als er genau vor ihr stand. Verwirrt machte sie einige Schritte rückwärts und er folgte ihr eisern. Seine Mundwinkel zuckten aufgeregt, als unterdrückte der sein Grinsen.

      »Danke«, maulte sie und platzierte ihre Hand auf seiner Brust, um ihn von sich zu drücken. »Und das mit der Freundin ist Geschichte.«

      »Warum?«

      »Weil wir kein Paar sind!«

      »Dann lass uns eines werden.«

      »Nein!«

      Er legte den Kopf schief und musterte sie ausgiebig. Sie wusste, dass ihr Gesicht knallrot sein musste und ihr war so heiß, dass jeder Heizkörper neidisch werden würde. Verdammt, fluchte sie in Gedanken. Was machte er nur mit ihr?

      »Ich habe kein Interesse an dir, also hör auf mich zu nerven. Wie mir scheint, hast du ohnehin mehr als genug Auswahl, was die Frauen betrifft«, erklärte sie nun nüchterner. »Ich verstehe sowieso nicht, weshalb du dieses Treffen arrangiert hast.«

      »Weil ich dich sehen wollte«, er machte eine Pause, aber die schüchterne Reaktion, die er sich wahrscheinlich von Heather erhoffte, bekam er nicht. »Na schön, dir kann ich scheinbar nichts vormachen. Ich wollte dich nur warnen.«

      »Warnen? Wovor?«

      »Halte dich in Zukunft vom Institut fern. Dein kleiner Ausflug zusammen mit diesem anderen Mädchen blieb nicht unentdeckt. Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm, also glaube nicht, dass sie dich nicht bemerkt hätten, während du Detektiv spielst.«

      »Du bist also involviert«, stellte sie kritisch fest und er fuhr kaum merklich zusammen. »Fein, ich mache keine Dummheiten mehr, wenn das bedeutet, dass du mich in Ruhe lässt.«

      »Das war einfacher als erwartet«, entgegnete er. »Hm, aber wir werden uns wohl noch öfter sehen und ich lasse es mir nicht vorschreiben, wem ich meine Zeit schenke.«

      Heather stöhnte ärgerlich und winkte ab. Ihre Füße trugen sie schnell auf die weitläufige Grünfläche vor den Wohnhäusern und sie wiegte sich bereits in Sicherheit. Allerdings holte Milan sie fast ein und erst als sie im Gebäude war, konnte sie auch ihn nicht mehr erkennen. Erleichtert atmete sie aus. In ihrem Zimmer schmiss sie die Jacke und Schuhe in eine Ecke und ließ sich aufs Bett fallen. Diese Nacht würde ihr noch lange in Erinnerung bleiben. Jetzt ermahnte sie auch noch dieser Schönling, sie solle sich vom Institut fernhalten. Nur noch ein Grund, ihre Nachforschungen zu vertiefen. Ein Lächeln zierte ihr Gesicht und sie überlegte noch eine ganze Weile, wie sie unentdeckt ans Institut heran kommen konnte.

      Am nächsten Morgen wirkte der Haupteingang des Wohntraktes überfüllt. Es war sehr laut und viel zu viele Mädchen tummelten sich in dem Eingangsbereich. Ein ungutes Gefühl überkam Heather und mit geduckten Kopf zwängte sie sich durch die Massen heraus an die frische Luft. Auch hier lungerten einige Studentinnen herum und sie fragte sich gleich, ob denn keine von ihnen zu den Vorlesungen musste. Wenigstens zwei erkannte sie aus einer ihrer eigenen Vorlesungen wieder.

      »Heather McCarthy!«, rief ihr eine nur allzu bekannte Stimme zu. Quälend langsam drehte sie sich um und erblicke Milan. Schon wieder. »Ich habe auf dich gewartet.«

      »Du studierst doch überhaupt nicht hier«, konterte sie. »Musst du nicht zu deiner Uni?«

      »Und mir das hier entgehen lassen?«, seine Augen wanderten einmal ihren Körper auf und ab. »Lieber wiederhole ich ein Jahr.«

      »Was auch immer.«

      Heather machte einen großen Bogen um Milan und entdeckte jemanden, den sie bisher noch nie zuvor gesehen hatte. Ruckartig blieb sie stehen. Seine karamellblonden Haare flackerten in der Sonne und die grün-blauen Augen ruhten abschätzend auf ihr. Etwas mulmig war ihr schon, aber Milan vertrieb dieses Gefühl mit seinem erneuten Auftritt.

      »Darf ich vorstellen: Jade, das ist Heather und Heather das ist Jade Lafayette. Wir sind schon seit Jahren gute Freunde.«

      Heather verkniff sie eine unschöne Bemerkung und betrachtete Jade nun genauer. Ein dunkler Schein zeichnete sich unter seinen Augen ab und etwas ließ sie wachsam bleiben. Milan legte unverfroren einen Arm um ihre Schultern und sie trat ihm gegen das Schienbein.

      »Freut mich, dich kennen zu lernen«, sagte sie zu Jade und reichte ihm die Hand. Als er die Begrüßung erwiderte, ertönte ein abfälliger Seufzer von Milan. »Jedenfalls einer benimmt sich nicht wie ein Trottel.«

      Für eine Sekunde glaubte sie, Jade würde lächeln, doch sicher konnte sie es nicht sagen. Sie wechselten ein paar Worte, liefen gemeinsam zu den Vorlesungssälen und Milan hielt sich zu Anfang ungewohnter Weise im Hintergrund. Jade schien recht schweigsam zu sein, antwortete lediglich auf ihre Fragen und begann nie selbst das Gespräch. Einzig mit Milan wirkte er vertraut und wesentlich freundlicher. Heather musste es ihnen lassen, denn ihre Freundschaft war echt. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich wieder. Bianca und sie hatten einige Zeit nicht miteinander gesprochen. Ignorieren konnten sie sich schließlich nicht ewig und ihr war klar, dass Bianca nicht den ersten Schritt machen würde. Also blieb dies und damit eigentlich ihre gesamte Freundschaft an ihr hängen.

      »Heather, gut dass ich dich finde«, Elias bog keuchend um die Ecke. Er schwitzte leicht, sie vermutete, dass er hierher gerannt war. »Hast du Julie irgendwo gesehen?«

      »Nein, tut mir leid«, erwiderte sie besorgt und gesellte sich zu ihm. Milan und Jade beobachteten sie aus der Ferne. »Was ist denn passiert?«

      »Wenn ich das wüsste. Ich suche sie schon seit sechs Uhr, aber sie geht nicht mal an ihr Handy.«

      »Gibt es ein Problem?«, erkundigte sich Milan und kam nun doch zu ihnen dazu. »Kennt ihr euch?«

      »Ah, ich bin Elias Sander«, stellte sich dieser höflich vor. »Du bist Raphael Freyers Sohn, nicht wahr? Jeder kennt hier dein Gesicht.«

      »Ja, dagegen kann man nichts unternehmen«, scherzte er, jedoch hörte Heather einen gewissen Unterton bei ihm heraus.

      »Wenn ich Julie sehen oder etwas von den anderen mitbekomme, bist du der Erste, der es erfährt«, entgegnete Heather sanft, woraufhin Elias ihre Hand nahm und mit einem Kugelschreiber etwas auf ihre Haut schrieb. »Eine Nummer?«

      »Wie willst du mich denn sonst erreichen? Ruf mich einfach an«, erklärte Elias. »Ich suche dann mal weiter nach meiner Schwester. Weit kann sie ja nicht sein.«

      »Viel Glück!«, wünschte Heather und sah Elias nach.

      Ungeduldig tippte Milan mit seinem Fuß auf den Boden. Er wirkte unglücklich und leicht gereizt. Seine Stirn war kraus gezogen und sein Blick haftete an Elias Rücken, bis dieser von den Häuserblöcken verschluckt wurde. Heather ließ Milan stehen und sprintete an Jade vorbei in das Gebäude mit den Unterrichtsräumen. Immerhin hatte Milan hier nichts zu suchen und sie verstand nicht ganz, warum er überhaupt regelmäßig zur Freyer Akademie kam. Fragen wollte sie ihn aber auch nicht, denn gerade jetzt war sie erleichtert, dass sie ihn losgeworden war.

      Schnell fand sie einen Platz, hielt jedoch nach Bianca Ausschau und behielt sie im Auge. Während der Professor seinen Stoff durchging, achtete Heather nicht sonderlich darauf, was er ihnen vermittelte. Nur als das Wort »Exkursion« fiel, wurde sie hellhörig. Offenbar würden sie in einer Woche nach Ägypten fliegen, um an einer Ausgrabung teilzunehmen. Nach der Vorlesung fing sie diese ab, um ihre Differenzen zu klären. Bianca schien wenig begeistert von der Idee, eine Unterhaltung mit ihr zu führen, doch Heather ließ dieser keine Chance zur Flucht.

      »Bianca, wir müssen reden«, erklärte sie.

      »Wegen der Sache mit der Stipendiatin? Ich werde mich nicht bei ihr entschuldigen, wenn es das ist, worauf du hinaus willst.«

      »Das musst du selber wissen. Schließlich lebst du damit und nicht ich. Siehst du denn wenigstens ein, dass du zu weit gegangen bist?«

      Bianca überlegte anscheinend. Ihr Mund verzog sich hin und wieder, als würde sie schmollen. Dabei erkannte Heather ihre kleinen Grübchen und blieb geduldig. Sicher würde ihre Freundin nicht so einsichtig sein.

      »Irgendwie schon«, sagte sie und überraschte Heather. »Ich hab eine ganz schöne Show abgeliefert und obwohl mich keiner der anderen Studenten verurteilte, tust du das schon.«

      »Du warst ziemlich fies zu ihr.«

      »Ach was«, ihre Blick traf den Heathers und sie konnte den Kontakt nicht aufrecht halten. »Fein, ich hab mich eben daneben benommen. Bist du jetzt meine Mutter oder was?«

      »So in etwa. Einer muss ja auf dich Acht geben, dass du nicht alle Menschen hier vergraulst«, Heather schmunzelte. »Ich finde es nicht richtig, wie du dich verhalten hast und das sollst du wissen. Dennoch will ich unsere Freundschaft deshalb nicht einfach wegwerfen.«

      »Ich doch auch nicht«, gab Bianca zu und trat an Heather heran. »Ich verspreche, nicht mehr so gemein zu sein, werde einfach gar nicht mit den Stipendiaten reden. Alles wieder gut?«

      »Okay«, Heather konnte und wollte sie nicht zu einer Entschuldigung zwingen. Entweder Bianca wollte für ihre Fehler einstehen, oder eben nicht. »Lass uns was essen, ich sterbe schon vor Hunger.«



    • Du bekommst so langsam das Mystische gut hoch. Auch das zwischenmenschliche Verhalten ist absolut authentisch und auch sehr gut geschrieben. Rechtschreibfehler habe ich jetzt keine gefunden, nur ein paar Kommas, was mir sehr gut gefällt. So bleibt der Leseflß stets aufrecht.
      Ein sehr guter Teil. Das Einzige, was du noch hinzufügen solltest, ist, dass Milan (als du ihn das erste Mal in den Abschnitt erwähnst) der Sohn des Professors ist. Denn das geht sonst etwas unter, wenn man den Text nach längerer Pause liest, da du ihn länger nicht erwähntest.


      Spoiler anzeigen

      Simbambi schrieb:

      Ist es nicht viel romantischer sich verbotener Weise im Mondesschein zu sehen? Ungestört versteht sich.«
      *verbotenerweise

      Simbambi schrieb:

      »Verzeihen sie, dass ich so laut wurde. Und wer ist ihre Begleitung? Eine Studentin?«
      Verzeihen Sie...wer ist Ihre Begleitung... (groß)

      Simbambi schrieb:

      »Deine Freundin?!«, knurrte sie. »Hättest du dir nichts anderes einfallen lassen können?«
      Lass das Ausrufezeichen weg, es stört hier eher.

      Simbambi schrieb:

      Seine Mundwinkel zuckten aufgeregt, als unterdrückte der sein Grinsen.
      *er

      Simbambi schrieb:

      , sie solle sich vom Institut fernhalten. Nur noch ein Grund, ihre Nachforschungen zu vertiefen. Ein Lächeln zierte ihr Gesicht und sie überlegte noch eine ganze Weile, wie sie unentdeckt ans Institut heran kommen konnte.
      Im letzten Satz, solltest du "Institut" streichen/ersetzten, wegen Wortwiederholung.

      Simbambi schrieb:

      Sie wechselten ein paar Worte, liefen gemeinsam zu den Vorlesungssälen und Milan hielt sich zu Anfang ungewohnter Weise im Hintergrund.
      *ungewohnterweise (zusammen)
      "zu Anfang" könntest du auch weglassen.

      Simbambi schrieb:

      Also blieb dies, und damit eigentlich ihre gesamte Freundschaft, an ihr hängen.
      Ich würde es so mit Kommas bilden, damit der Sinn des Satzes klar wird.

      Simbambi schrieb:

      Bist du jetzt meine Mutter, oder was?«
      Würde ich mit Komma abtrennen.
    • So, endlich haben wir wieder Zeit, etwas zu schreiben :)
      Ganz großer Dank wieder an dich @Schreibfeder!

      Wir hätten auch mal eine inhaltliche Frage bzw. eine Idee:
      Wie man wahrscheinlich schon bemerkt, geht es in unserem Buch um die ägyptische Mythologie. Wie würdet ihr es finden, wenn wir auch einige geschichtliche Elemente mit einbeziehen? Die Historie der Götter ist natürlich so oder so dabei :D Aber wir überlegen eben, ob wir auch die Geschichte einzelner Pharaonen anschneiden, z.B. in einer Vorlesung oder so.
      Wie findet ihr diesen Gedanken?

      LG Simbambi <3