Wortklaubereien [Kurzgeschichten]

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    • Phi schrieb:

      dabei das Leben fast vergessen
      Ich weiß nicht warum, aber das fast stört mich an der Stelle ... :hmm:
      *ist wenig hilfreich*

      Ansonsten wieder gewohnt deprimierend XD
      Die Pointe ist wie immer schön grausam und trotzdem berührend.
      Allerdings musste die Geschichte dieses Mal eine Nacht sacken, ehe ich sie vollkommen ... "verstanden" habe.
      Ich glaube bei mir ist es an der Grenze zwischen ihrem Tagtraum und der Realität gescheitert.
      Da du aber das hier geschrieben hast:

      Phi schrieb:

      immer noch zerrissen zwischen Realität und Tagtraum.
      kannst du das als Kompliment werten, weil es mir wie deinem Chara ergangen ist :)
      Dreck auf Toast!
    • Miri schrieb:

      Ich weiß nicht warum, aber das fast stört mich an der Stelle ...
      *ist wenig hilfreich*
      Eher sehr hilfreich :D Mir ist jetzt nämlich aufgefallen, dass ich die Zeile drunter auch schon "fast" stehen habe, deswegen klang es vielleicht doof? Ich habe das erste "fast" mal durch "beinahe" ersetzt, vielleicht klingt es jetzt besser ^^

      Wie könnte man den Übergang denn deutlicher machen? Vielleicht einen größeren Absatz an der Stelle, an der ihr Tagtraum anfängt?


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
    • @Miri Das liegt daran, dass sie nur im Tagtraum zur Tür rennt - in Wirklichkeit bleibt sie die ganze Zeit angewurzelt vor dem Fenster in ihrer Zelle stehen. Vielleicht kann ich das irgendwo deutlicher machen...


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
    • Opa

      Heute gehen wir wieder ins Krankenhaus, Opa besuchen. Mama sagt, dass es nichts schlimmes ist. Eigentlich, sagt sie, ist er fast gesund.

      Wir klopfen an das Zimmer 17 an. Opa sagt, dass wir reinkommen können. Als ich meinen Opa angucke, erschrecke ich. Er ist ganz gelb, vor allem in den Augen.

      Ich gehe zu ihm und umarme ihn. Ich glaube, er freut sich, dass wir gekommen sind. Das freut mich auch.
      Aber noch mehr freue ich mich darauf, bald wieder mit ihm spielen zu können. Dann kann er im Winter mit mir und meinem Bruder Schneemänner bauen und wir können im Frühling wieder in den Wald gehen, unserem Märchenwald.

      Er redet irgendwie leiser als sonst.
      Mama sagt, er ist nur müde.

      Als wir wieder gehen, erklärt sie mir das mit der gelben Farbe. Die Krankheit heißt Gelbsucht, da wird man überall ganz gelb. Aber es ist nichts schlimmes, sagt sie. Das geht alles wieder vorbei.

      Ein paar Wochen später ist mein Opa nicht mehr im Krankenhaus. Er durfte nach Hause, zu Oma. Ich durfte nicht mehr mit, wenn Mama ihn besucht hat. Aber dann ruft Oma an, mein Bruder und ich sollen diesmal auch mitkommen. Ich freue mich, ich vermisse meinen Opa langsam. Aber wenn er schon zu Hause ist, wird er bald wieder richtig gesund.

      Oma führt uns in das Schlafzimmer, da liegt Opa im Bett. Ich sage hallo zu ihm, aber er antwortet mir nicht. Mama sagt, er ist zu müde zum Reden. Auf seinem Nachttisch steht eine Glocke, damit er Oma trotzdem rufen kann, wenn er etwas braucht.

      Wir bleiben nicht sehr lange. Das strengt ihn sonst zu sehr an, sagt Mama. Zum Abschied umarme ich ihn.
      Ich sage ihm, dass ich ihn sehr lieb habe und dass ich ihn bestimmt bald wieder besuchen komme. Als wir zurück zum Auto laufen, frage ich meine Mutter, ob Opa wirklich bald wieder gesund ist. Natürlich, sagt sie.

      Als ich am nächsten Tag von der Schule heimkomme, liegt mein Bruder mit seinem Teddy auf dem Sofa. Papa ist schon von der Arbeit zurück, dafür ist Mama weg. Ich frage meinen Bruder, ob er krank ist. Er sieht mich nicht mal an. Papa setzt sich mit mir hin.
      Opa ist tot, sagt er.
      Er gibt mir meinen Teddy.


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    • Ich habe eben mal die Kurzgeschichte "Künstlertod" ausgegraben und mir ist da leider eine Lücke aufgefallen.

      Phi schrieb:

      Nachdenklich schaut er aus dem Fenster.

      Phi schrieb:

      Lächelnd dreht er sich um und springt von dem Dach.
      Wenn man den letzten Satz liest, hat man vor Augen, wie gerade jemand vom Dach hoppst. Im ersten Satz schaut er aber aus dem Fenster, weswegen man sich den Künstler in einem Raum vorstellt. Selbst wenn man argumentiert, dass er losgeht, um sich vom Dach zu stürzen, würde das nicht zu dem passen, was die Worte einem implizieren. :hmm: Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.
    • :sack: Was ein Glück, dass wir den Smiley mit aufgenommen haben. Wie peinlich :D Du hast natürlich vollkommen Recht, ich besser es gleich aus.


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    • Der Tanz

      Langsam, um keine Geräusche zu machen, schlich er zur Tür. Sie war einen großen Spalt offen und so konnte er vorsichtig in den Raum sehen.
      Das Mädchen stand genau in der Mitte. Das konnte er an den Linien am Boden der Sporthalle erkennen. Ob das Absicht war oder es sie zufällig dorthin gezogen hatte? Er würde alles tun, um das zu wissen. Um alles über sie zu wissen.
      Ihr Kinn lag auf ihrem Brustkorb auf und er glaubte zu erkennen, dass ihre Augen geschlossen waren. Er traute sich einen Schritt mehr in den Raum hinein. Ja, die Augen waren geschlossen.
      Sie war wunderschön.
      Als die Musik anfing zu spielen, atmete sie einmal tief durch. Sie hob die Arme langsam über den Kopf und tanzte. Wie immer konnte er den Blick nicht von ihr wenden und hatte Angst zu blinzeln. Wenn er etwas verpassen würde...
      Das Lied ging zu schnell zu Ende. Mit dem letzten Ton sank sie in die Hocke und verharrte auf dem Boden. Er ging langsam rückwärst durch die Tür hinaus.

      Sie stellte die Musik ab und löschte alle Lichter in der Halle. Durch die schmalen Fenster an der Decke wurde die Dunkelheit kaum vertrieben.
      Ohne sich umzuziehen, verließ sie das Schulgebäude und ging in den gegenüberliegenden Park. Dort stellte sie sich in die Mitte dreier Bäume, mit dem Kinn auf ihrem Brustkorb. Sie schloss die Augen und verwandelte sich zurück in die Ballerina-Statue, der seit Jahrzehnten niemand mehr Beachtung geschenkt hatte, nichtmal der Junge.
      Es störte sie nicht. Morgen würde sie wieder für ihn tanzen dürfen.


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Phi ()

    • @Shaylee Vielen Dank für deinen Kommentar :) Freut mich natürlich immer, wenn ich irgendwelche Gefühlsregungen beim Leser erwecken konnte.
      Falls es jemanden nicht gefallen hat, auch nur her damit ^^


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    • öh der Junge ist schon gruselig XD
      Ich hab mit nem herberen Ende gerechnet. Mehr so Mord und Blut und Vergewaltigung, weil der Typ einfach wie der übelste Stalker rüberkommt XD (Ich hab zu viele Thriller gesehen/gelesen XD)

      Dem entsprechend war das Ende für mich überraschend :thumbsup:
      Nur das Ende kommt mir ein wenig ... gehetzt vor. Du beschreibst oben relativ ausführlich, wie der Junge sie beobachtet. Und dann:
      Die macht das Licht aus, geht in den Park, stellt sich zwischen die Bäume, wird zur Statue XD
      Tut dem traurigen und überraschenden Ende allerdings wenig Abbruch :)
      Dreck auf Toast!
    • Ja, ausgelöst hast du definitiv etwas :D

      Und ich finde das Ende übrigens gerade gut so - entschuldige Miri, ich verstehe deine Anmerkung, aber empfinde es anders :)
      Das verleiht dem ganzen so etwas Endgültiges. Warum soll sie sich noch lange mit irgendetwas aufhalten. Es ist eben so, wie es ist. Es wird sich nicht ändern, egal wie lange sie hinauszögert wieder an ihren Platz zu gehen.
      Ach mist, ich glaube, das ist nicht, was ich sagen wollte.
      Ich meine, sie wirkt einfach in sich ruhend und stringend. Sie tanzt für ihn und dann kehrt sie wieder zurück. Mir gefällt das - wollte ich glaube ich einfach nur sagen.
      Ich bin ein Spiegel deiner Seele!
      Was also siehst du, wenn du mich anschaust?
    • Naaaw :3 Die Geschichte ist wirklich schön. Ich würde sie am liebsten klauen! Das Kompliment sollte man als Schreiber doch zu schätzen wissen. :D Ich denke, ich grabe mich irgendwann mal durch diesen Thread. Die zwei Geschichten, die ich bisher gelesen habe, waren toll.

      Wie auch bei der anderen Geschichte, sind mir hier nochmal Details aufgefallen, die sich verbessern lassen und wegen denen die Geschichte noch nicht ganz so gut ist, wie sie sein könnte.
      Spoiler anzeigen

      Phi schrieb:

      Langsam, um keine Geräusche zu machen, schlich er zur Tür. Sie war einen großen Spalt offen und so konnte er vorsichtig in den Raum sehen.
      Sie stand genau in der Mitte.
      Im zweiten Satz bezieht sich das "sie" auf die Tür. Im dritten Satz bezieht sich das "sie" auf die Tänzerin. Das hat mich ins Stocken gebracht. o:
      Man muss zwar nicht alle Pronomen grammatisch eindeutig zuordnen, meistens kann man da ohne Probleme drüberlesen, aber hier hat es mich gestört. "Sie" lässt sich auch problemlos durch "Die Tänzerin" oder Ähnliches ersetzen.

      Phi schrieb:

      Er traute sich einen Schritt mehr in den Raum rein.
      Ich würde "hinein" schreiben. So klingt es für mich zu umgangssprachlich und reißt mich wieder kurz aus dem Lesefluss.

      Phi schrieb:

      Ob das Absicht war oder es sie zufällig dorthin gezogen hat?
      Ich glaube, dass man dort "hatte" schreiben müsste. Die Tänzerin steht ja bereits dort, wenn der Junge sie erblickt. Das ist für mich dann abgeschlossene Vergangenheit, PQP statt Perfekt.

      Phi schrieb:

      Wenn er etwas verpassen würde...
      Die Auslassungspunkte habe ich auch oft so geschrieben wie hier. Aber wenn man sie am Satzende stehen hat und man den Satz nicht gerade mitten im Wort abschneidet, sollte man ein Leerzeichen zwischen dem Wort und den Punkten setzen.
    • Ich bekomm Antworten! Der Herr hat Dobby Antworten geschenkt =O
      Freut mich gerade ungemein!

      @Miri Was denkst du denn immer von mir? :rofl: Danke für deine Anmerkung wegen dem gehetzten Ende, allerdings werde ich das nicht abändern, da ich es wie @Shaylee empfinde und es für mich persönlich so stimmiger wirkt, als wenn ich das jetzt noch aufplustern würde :)

      @kalkwiese Vielen Dank für deine ganzen Anmerkungen :love: Das mit dem "sie" (wäre mir nie aufgefallen), das "rein" und das "hat" habe ich ausgebessert. Die "..." lasse ich allerdings wie sie sind, weil ich es furchtbar finde, wenn da so drei Punkte in der Prärie rumstehen :D
      Es würde mich wahnsinnig freuen, wenn du dir wirklich noch die ein oder andere Geschichte angucken könntest und solche Fehler aufdeckst, die mir auch beim 100. Durchlesen nicht auffallen. Ist wohl Betriebsblindheit 8o


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    • Oh Phi, diese Sammlung zeigt nur mal wieder was für ein wundervoll begabter und außerordentlich fantasie- und empathiereicher Mensch du bist. Demütig streue ich Asche auf mein Haupt, Buße zu tun, diesen Thread nicht früher entdeckt zu haben.
      Auch wenn ich bisher nicht viele dieser Meisterwerke gelesen habe, bin ich doch bereits zutiefst gerührt.



      Zur ersten Geschichte hätte ich trotzdem noch was anzumerken :pinch:

      Phi schrieb:

      Du hast immer Sachen gemacht, bei denen ich so getan habe, als würde ich sie ermüdend und langweilig finden. Dabei war ich neidisch darauf, dass nicht ich diese Sachen gemacht habe, dass nicht ich auf die Idee gekommen bin.
      beißt sich irgendwie efühlt mit der Aussage, er/sie habe sein Leben nicht so sehr genutzt.


      Die mit der Ballerina ist toll ^^
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • @Kelamith Daaaaaw danke, da werde ich ja ganz rot :love: Danke! <3

      Zu deiner Anmerkung: Die Ich-Person "beschwert" sich darüber, dass er in seinen letzten Tagen nicht nochmal alles (un)mögliche gemacht hat, also quasi seit er weiß, dass er sterben wird - er hat sich stattdessen dazu entschieden, seine verbleibende Zeit mit der Ich-Person zu verbringen und nicht um die Welt zu reisen etc. In der Zeit vor der Krankheit/Unfall/whatever hat er aber Sachen gemacht, um die die Ich-Person ihn beneidet hat.
      Hoffe, ich hab das irgendwie verständlich erklärt x)


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    • ^^


      Phi schrieb:

      immerhin hast du so vieles einfacher als ich. Ich frage mich oft, wieso du es nicht mehr genutzt hast.
      So wie du es beschreibts macht das Sinn. Das hier klang für mich eher nach bezogen auf das ganze Leben. Vielleicht ein jetzt, oder in den letztn Wochen oder so einfügen?
      - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -

      - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -
    • @Kelamith Dieser Satz wiederum ist tatsächlich aufs ganze Leben bezogen. Ich habe ein "noch" eingefügt, also dass er es nicht noch mehr genutzt hat. Ich hoffe, so ist es jetzt besser ^^


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