Red Moon

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    • Hey Leute,

      Ich gerade mal wieder ein altes Werk von uns ausgegraben, wo wir schon einige Kapitel haben, doch noch nicht fertig sind.
      Immer wieder kommt die Geschichte zum Stillstand. Vielleicht könnt ihr uns helfen, die Blockade zu durchbrachen.
      Hier das passende Cover dafür, das meine werte Kollegin entworfen hat.

      Die Karte soll euch etwas helfen, damit ihr es euch etwas besser vorstellen könnt. Sie ist zwar noch nicht ganz fertig, denn sie wächst pro Kapitel. Aber soweit wir bis jetzt haben passt die Karte noch.

      Dann legen wir mal los. Hoffen es gefällt euch.





      Vorwort

      Als wir die bewaffneten Geschöpfe sahen, die in panischer Furcht den Kampf begannen, mussten wir unsere Völker vereinen. Doch wir wussten, dass es neue Probleme aufrufen würde, denn die Unseren hassten sich schon seit Anbeginn der Zeit. Sogar jetzt noch, wo schon so viele von ihnen in blutigen Auseinandersetzungen gestorben waren. Probleme, die wir uns jetzt noch nicht auszumalen erlaubten.

      Aber wir vertrauten uns gegenseitig...

    • Der Klan der Wölfe
      (Teil 1)


      Aus Sicht einer Wölfin

      An einem sonnigen Tag streckte ich mein noch müdes Gesicht aus dem Unterschlupf unserer Höhle. Die Sonnenstrahlen breiteten sich warm über mein Fell aus. Die Pfoten ließen das noch feuchte Moos unter ihnen sachte in den Boden sinken. Hier und da waren vereinzelt Vögel zu hören, die ebenfalls das laue Wetter zu genießen schienen. Meine Mutter Moro saß bereits mit Isao, einem meiner Brüder, vor der Höhle und wartete auf mich. Mein Bruder Nero hatte sich ein schattiges Plätzchen unter einer der vielen riesigen Wurzeln des Baumes, unter dem die Höhle sich befand, gesucht. Trotzdem erreichten ihn vereinzelt Sonnenstrahlen, die sein kastanienbraunes Fell zum Funkeln brachte.

      Akiba, mein Vater und den Leitwolf unseres Rudels konnte ich zuerst nirgendwo sehen. Jedoch tauchte er bald aus dem Schatten hervor, mit welchem sein schwarzes Fell zu verschmelzen schien. Lediglich seine gelben Augen leuchteten mich erwartungsvoll an, während er sich zu Moro begab.

      „Luna.“, begann er. „Meine weiße kleine Luna.“ Er kam auf mich zu und guckte von oben auf mich herab. Instinktiv duckte ich mich und presste meine Brust auf den Waldboden. „Heute steht dir deine erste richtige Jagd bevor.“

      Ich nickte und zog mich dann zurück. Isao und Nero hatten sich inzwischen zu uns gesellt. Nachdem unser Vater sich auf eine der aus der Erde ragenden Wurzel des riesigen Baumes gestiegen war und döste, liefen wir zu dem ältesten Wolf unseres Rudels Lan, dem Vater meines Vaters. Als wir klein waren hat er uns immer viele Geschichten über unsere Herkunft erzählt. Seine Geschichten handelten von unseren Ahnen, den Wesen, denen wir unsere Fähigkeiten zu verdanken haben. Ganz zu Anfang, in einer Zeit, die so weit entfernt ist, dass wir sie uns nicht einmal vorstellen können, lebte eine Halbgöttin. Sie war wunderschön und streifte in den Wäldern beinahe aller Länder umher. Bis sie eines Tages auf einen grauen Wolf traf, dessen Erscheinung sie in seinen Bann zog. Sie verliebte sich in ihn und bald erwartete sie zwei Kinder von ihm. Sie gebar eine braune Wölfin, die sie Fuscus taufte und einen grauen Wolf, den sie Albus nannte. Beide gründeten ihre eigenen Familien und über die Jahrhunderte entstanden so zwei eigenständige Stammbäume. Lan zur Folge ist der Urahne unseres Rudels Albus, der Graue. Was das nun genau mit uns und unseren Fähigkeiten zu tun hatte, wollte er uns noch nicht verraten.

      Bei Lan angekommen, er schlief unter einem umgestürzten Baum, fiel mir auf wie alt er wirklich aussah. Sein graues Fell war verblichen und er war auf seinem rechten Auge blind. Ich berührte vorsichtig seine Lefzen mit meiner Nase und er öffnete langsam die Augen

      „Haltet euch bloß von den Parasiten fern!“, riet er uns mit rauer Stimme.

      „Den Parasiten?“, fragte Nero erstaunt. „Wen meinst du damit?“

      Ein tiefes und dröhnendes Knurren kam aus Akibas Richtung. Widerwillig legte Lan seinen Kopf auf die Vorderbeine. Er machte uns Andeutungen, dass wir besser keine weiteren Fragen stellen sollten und so trabten wir ein Stückchen durch den Wald. Nero und Isao kämpften spielerisch, während ich einfach nur in die Wolken starrte. In ein paar Stunden würde es wohl regnen, dachte ich.

      Im Augenwinkel sah ich, wie plötzlich etwas kleines Schwarzes vor meinen Füßen gelandet war. Seine Flügel wirbelten Staub auf, der sich beim Einatmen in meiner Lunge abzusetzen schien. Ich hustete und trat ein paar Schritte zurück.

      „Haha!“, schrie er. „Da hab ich dich mal wieder beim Tagträumen erwischt!“

      Kito, ein kleiner Rabe, der irgendwie zu unserem Rudel gehörte, als sei er auch ein Wolf, badete sich genüsslich im Sand. Er war ein Späher und anscheinend sehr hilfreich auf der Jagd, was ich bis heute noch nicht verstehen konnte. Hopsend krächzte er mich an und verschwand dann so schnell er konnte in einem der Holunderbüsche.

      Gegen Abend rief mich meine Mutter zu sich. Auch meine Brüder hatten sich um sie herum gesetzt und selbst der mürrische Loki lag ganz in der Nähe. So würde also meine erste Jagd beginnen. Moro verteilte, wie vor jeder größeren Jagd, die Aufgaben. Sie selbst und Loki würden der Beute in einem Versteck auflauern. Nero und ich sollten als Treiber das schwächste Glied der Herde herauspicken und zu ihnen treiben, wobei Isao neben uns herlief, damit die Beute auch wirklich nicht entwischen konnte.

      Ich war unglaublich aufgeregt. Adrenalin schoss mir durch die Venen, schärfte meine Sinne merklich. Moro hatte sich eine der mittelgroßen Hirschherden ausgesucht, die auf einer breiten Lichtung grasten. Im Schutz der Gebüsche schlichen wir an die Herde heran. Mein Atem ging regelmäßig und leise. Auf ein unsichtbares Zeichen hin schossen Nero und ich aus dem Versteck hervor. Die Hirsche erschraken und preschten in die gewünschte Richtung. Ihre Hufe donnerten auf den Boden, ließen ihn vibrieren. Ich hastete hinterher. Meine Pfoten berührten kaum den Boden, ich fühlte mich als würde ich von ihnen in einem Strom mitgezogen werden. In meiner Lunge breitete sich die kühle Abendluft aus, es tat etwas weh, aber ich ignorierte es. Nero war dicht bei mir und auch Isao konnte nicht allzu weit weg sein. Die Hirsche ließen sich wunderbar treiben, alles verlief nach Plan. Das schwächste Tier war schon nach kurzer Zeit ausgemacht. Ein alter Hirsch mit einem riesigen Geweih, doch sein Humpeln konnte er nicht verbergen. Lange würde er nicht mit der restlichen Herde mithalten können und dann mussten wir ihn nur noch zu Moro und Loki scheuchen.

      Tatsächlich wurde der Hirsch bald langsamer und wurde von seiner Herde zurückgelassen. Für einen Augenblick fühlte ich mich schuldig und bemitleidete ihn. Allerdings mussten wir jagen und töten, um zu überleben. Es war also beinahe geschafft, den Todesbiss würde Moro ausführen und wir waren nur noch gute hundert Meter von ihr entfernt. Das Keuchen des Hirsches war deutlich zu hören. Nero hinderte ihn an seinem letzten Fluchtversuch. Ich passte hinten auf, dass er sein Tempo nicht verlor.

      Ohne jede Vorwarnung kam uns die gerade erst verschwundene Herde wieder entgegen. Der alte Hirsch machte ruckartig kehrt und hätte mich fast zertrampelt. Nero rempelte mich an und stieß mich so zur Seite, sodass wir beide in den angrenzenden Gebüschen vor der panischen Herde in Sicherheit waren. Ein unglaubliches Gewirr aus Tierkörpern und Dreck, der aufgewühlt wurde, versperrte uns die Sicht. Ein aufgeregtes Heulen meiner Mutter riss mich aus meinem eigenen Schock. Meine gerade noch steifen Beine konnten sich wieder bewegen. Ich zwickte Nero in die Seite, damit auch er wieder zu sich kam. Zusammen krochen wir durch das Unterholz, wo sich die Hirsche nicht hin wagten.

      Mein Atem ging schwer und hustend, als wir an den Hügel angekommen waren, von dem aus Moro geheult hatte. Jedoch war sie hier nicht zu sehen. Mit der Nase auf dem Boden suchten Nero und ich gemeinsam nach ihrer Fährte.

      „Ich hab sie!“, reif Nero nach einiger Zeit und rang immer noch nach Luft. „Sie ist in Richtung Fluss gelaufen.“

      Der einzige Fluss, der durch unser Tal floss, hatte seinen Ursprung in einem der Gebirge, die unser Tal umschlossen. Ein Wasserfall speiste den Fluss das ganze Jahr über mit frischem Wasser. Der Fluss war für unser Überleben notwendig, da er allein unseren gesamten Wasservorrat ausmachte und unsere Umgebung nährte. Ohne ihn würden wir zusammen mit all den anderen Lebewesen des Waldes sterben.



      Hier kommt nun ein kleiner Break, da das Kapitel so lang ist, so werden wir das bei jedem Kapitel machen, sonst sind die zu lang. :D
    • Hey ihr beiden. ^^
      Das mit dem Break ist ja nicht schlimm. Fast jeder macht das so ... :)


      Spoiler anzeigen

      Simbambi schrieb:

      Trotzdem erreichten ihn vereinzelt Sonnenstrahlen, die sein kastanienbraunes Fell zum Funkeln brachte
      brachten

      Simbambi schrieb:

      Akiba, mein Vater und den Leitwolf unseres Rudels konnte ich zuerst nirgendwo sehen.
      der

      Simbambi schrieb:

      während er sich zu Moro begab.

      „Luna.“, begann er. „Meine weiße kleine Luna.“
      Er kam auf mich zu und guckte von oben auf mich herab. Instinktiv duckte ich mich und presste meine Brust auf den Waldboden. „Heute steht dir deine erste richtige Jagd bevor.“
      er läuft zu Moro spricht aber Luna an. Unterbricht den Lesefluss. Vielleicht solltet ihr gar nicht erst schreiben, dass er sich zu Moro begibt, schließlich schaut er Luna ja auch an und will offenbar was von ihr, warum sollte er deshalb zu Moro gehen?

      Simbambi schrieb:

      Albus, der Graue.
      thihi eine Mischung aus Harry Potter und Herr der Ringe ^^


      So also euer Cover finde ich gut gelungen ^^ Sieht gut aus :thumbsup:
      Eure Welt wird sicherlich noch hilfreich werden, auch damit scheint ihr euch wirklich Mühe gegeben zu haben ^^
      Was euer Kapitel angeht finde ich es am Anfang etwas zu langamtig ... es tauchen haufenweise Charaktere auf die im weiteren Verlauf keine Rolle mehr spielen (erstmal). Der Großvater Lan zum Beispiel.
      Ihr müsst im ersten Kapitel nicht alle Charas vorstellen, die noch dran kommen :) Den großvater kann man sicherlich auch noch später vorstellen ^^
      Das Detail mit dem Raben ist allerings ganz witzig ^^
      Gegen Ende nimmt euer Kapitel wieder an Fahrt auf auch wenn ich mich frage warum die Hirsche wieder zurück gekommen sind ?( Der gefahr direkt in die Arme laufen ist schon dämlich, außer aus der anderen Richtung droht eine noch größere ...
      Naja ich hoffe Moro ist nichts passiert ... =O

      LG Miri
      Menschen, die von sich behaupten, sie seien "positiv bekloppt", sind meistens einfach nur negativ grenzdebil.
      Patrick Salmen

      Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber nicht jeder ist Schmied.
      Till Reiners
    • Der Klan der Wölfe (Teil 2)



      Mitten im Wald stießen wir schließlich auf die Ursache für die Massenpanik derHirsche. Ein fremder Wolf versuchte sich gegen Loki zu behaupten, der diesen indie Enge getrieben hatte. Das Rudel sah es gar nicht gerne, wenn ein fremderWolf in ihrem Gebiet jagte. Moro hatte ebenfalls die Zähne entblößt, hielt sichaber aus den körperlichen Attacken heraus. Der fremde Wolf machte allerdingskeine Anstalten, sich zu unterwerfen. Ganz im Gegenteil. Obwohl er jünger alsLoki und offensichtlich in einem schlechten gesundheitlichen Zustand war,schnappte er mit gefletschten Zähnen und knurrend nach diesem. Loki wich jedesMal aus. Mit den Vorderbeinen weit auseinander, raffte sich der Fremde wiederund wieder auf. Er wurde sichtlich mit jedem Mal schwächer. Nero schlich zuMoro und ich blieb einfach wo ich war, beobachtete alles aus sichererEntfernung. Ich war noch zu jung, um mich in so einen Kampf einzumischen undmein Rang erlaubte es mir ebenso wenig. Unterdessen gefiel Loki die Tatsache,dass er die Oberhand hatte. Er verbiss sich in der Flanke und im Nacken desFremden, sodass Blutrinnsale dessen hellbraunes Fell rötlich färbten. Als Lokiihn ein weiteres Mal zu fassen bekam, schleuderte er ihn gegen einen Baum.Blätter rieselten herab und blieben auf dem reglosen Körper liegen. Stolz auf seineTat schlenderte Loki an meiner Mutter und Nero vorbei. Aber seine Anerkennungsollte ausbleiben. Ein tiefes und dunkles Knurren erschreckte uns alle. Akibatrat auf den Schauplatz und Loki zog auf der Stelle den Schwanz ein.
      „Mitwelchem Recht übernimmst du meine Aufgaben?“, fragte er Loki ernst.
      „Ichwollte deine Aufgaben nicht übernehmen. Ich wollte ihm nur zeigen, wer hier dasSagen hat.“, erwiderte Loki unsicher.
      „Undwer hat hier das sagen?“, knurrte mein Vater wütender.
      „Dunatürlich.“
      „Undwieso musstest du deinen Frust an ihm auslassen?“
      „Ich-.“
      Ohneeine weitere Entschuldigung von Loki abzuwarten, packte Akiba diesen im Nackenund biss einmal kräftig zu. Ein leises, unterdrücktes Wimmern kam als Antwortvon Loki. Erhaben stand Akiba über ihm, um diesem seine eigene Unterlegenheitzu zeigen. Dann wendete er sich dem fremden Wolf zu, der lediglich seine Augengeöffnet hatte. Sonst war keinerlei Regung von ihm zu erkennen, bis Akiba genauvor ihm stand. Mit einem Satz nach vorne wollte er Akiba am Hals verletzen,erwischte aber nur Luft und prallte auf den Boden vor Akibas Pfoten. Dieserbeäugte ihn lange und durchdringlich. Moro hatte sich beruhigt und schaute nachNero und mir, ob wir unverletzt waren. Isao war zusammen mit Akiba zu uns gestoßenund saß neben mir. Er hatte meine Schürfwunde an der Schulter bemerkt undstupste mich vorsichtig an. Als ich ihm vergewisserte, dass es nichts Schlimmeswar, knuffte er mich spielerisch in die Seite und ich küsste ihn auf die Wange.Meine Mutter wendete sich zögerlich dem Fremden zu. Sie kam hinter Akiba, ihremGefährten, hervor.
      „Weißtdu überhaupt wo du bist und was du da gerade angerichtet hast?“, harkte siesauer nach.
      Eskam keinerlei Antwort von den Fremden. Er lag noch immer so da, wie er zuvor gefallenwar. Seine Erscheinung war erschreckend. Die Rippen stachen scharf unter seinemFell hervor, welches verfilzt war. Seine Augen wirkten glasig und ohne Leben.
      „Hastdu sie nicht verstanden?“, ergänzte Akiba. „Sie hat dir eine Frage gestellt.Wenn du schon die Frechheit besitzt in unser Territorium einzudringen undunsere Beute zu jagen, dann solltest du wohl auch noch die Stärke besitzen ihrzu antworten.“ Akiba wies uns an, den fremden Wolf in die Mitte zu nehmen undals Rudel zu handeln.
      „MeinName ist Saein… Ich komme von weit her. Mein Rudel wurde vernichtet… von denWesen… Ich kam hierher, weil es heißt, dass ihr das stärkste Rudel seid… Und naja, manche erzählen noch andere Sachen. Jedenfalls wollte ich euch nur warnen,vor diesen Wesen… diesen bestialischen Wesen… die…“, mit diesen spärlichenWorten brach er endgültig bewusstlos zusammen.
      Akibaschien Gefallen an dem fremden Wolf gefunden zu haben. So viel Mut undDurchhaltevermögen sah man selten bei einem Jungwolf. Auch wenn der Rest desRudels von seiner Entscheidung, Saein aufzunehmen nicht gerade begeistert war,fügten sich dennoch alle seinem Willen. Saein passte recht gut in das Rudel. Erwar zwei Jahre älter als meine Brüder und ich, somit genauso alt wie Loki.Irgendwie würde er sich schon mit einbringen können, wenn er sich erholt hatte.
      Nacheinigen Tagen ging es Saein besser. Er bekam von jedem Beutefang seinen Anteilab, obwohl er für uns noch keine Hilfe war. Wenn Akiba nicht in Hörweite war,beschwerte sich Loki ununterbrochen über dessen Entscheidung. Mir war esehrlich gesagt ziemlich egal. An Saeins Stelle wäre ich einfach nur froh unddankbar gewesen, dass mein Leben verschon wurde. Jedoch bekam niemand ein Wortaus ihm raus. Er lag still und einsam unter einer der Wurzeln, die eine kleineNische gebildet hatte.
      „Luna.“,hörte ich meinen Vater von weitem rufen. Er und Isao waren im Tal unterwegsgewesen, um die Grenzen zu kontrollieren. „Hat er mit jemandem gesprochen?“
      „Neinbis jetzt noch nicht.“, erwiderte ich bedrückt. „Mutter bringt ihm Nahrung,aber er hat sich nicht ein einziges Mal bedankt.“
      „Seiihm nicht böse, das kommt noch.“
      „Wiekannst du nur so gelassen sein?“, unterbrach Isao unser Gespräch. „Warum hastdu ihn überhaupt aufgenommen? Was soll das Ganze?“
      Überraschtdrehte sich Akiba zu Isao um, welcher von seinen eigenen Worten verwundert war.Unterwürfig neigte er den Kopf und wedelte sachte mit der Rute.
      „Ichweiß, dass ihr das alles noch nicht verstehen könnt. Wie denn auch, wenn wireuch bis jetzt in Unwissenheit gelassen haben.“, antwortete Akiba ruhig. Errief Nero zu sich und wir folgten ihm alle zu Saein. „Ihr müsst wissen, wirbesitzen eine Fähigkeit, die uns unsere Ahnen vererbt haben. Es gibt nicht mehrviele von uns und Saein hier weiß bereits warum. Die Menschen beginnen von unszu erfahren. Sie wissen, dass wir existieren und das allein macht siegefährlich. Aus Angst werden sie uns jagen, aus purer Neugierde werden sie unserforschen wollen. Saein hat einen derartigen Angriff miterlebt und sein Rudel,seine Familie verloren. Er ist uns sehr ähnlich, wenn auch seine Fähigkeitennicht so stark ausgeprägt sind, wie bei euch."
      „Wasdenn für Fähigkeiten?“, fragte ich verwirrt.
      „DieFähigkeit, eine menschliche Gestalt anzunehmen.“, entgegnete mein Vater. „Wir sindreinblütige Werwölfe, die stärkste Form, die unsere Spezies hervorbringen kann.Unser Ahne ist Albus, der Graue, Sohn einer Halbgöttin und eines Wolfes.“
      „Dasbedeutet also, dass wir uns in Menschen verwandeln können?“, fragte dieses MalNero.
      „Nichtin irgendeinen Menschen. Ihr sei halb Mensch, halb Wolf. Beide Formen gehörenzu euch. Die eine gibt es nicht ohne die andere. Wir werden sehen, wann ihrbereit seid euch zu verwandeln und wie gut ihr diese Fähigkeit nutzen könnt.Sie kann euch noch sehr nützlich sein, nicht wahr Saein?“
      Saeinzuckte zusammen und stand langsam auf. Seine Ohren waren angelegt und seineRute hing schlaff herunter. Er trottete an mir und meinen Brüdern vorbei undstellte sich direkt vor Akiba.
      „Wenndu meinst, dass ich den Angriff auf mein Rudel nur deswegen überlebenkonnte, weil ich im Gegensatz zu ihnen meine menschliche Form ohne Problemeannehmen kann, wann und wo ich will, dann hast du wohl recht.“, antworteteSaein trocken auf die nicht wirklich gestellte Frage meines Vaters.
      „Dukannst deine Gestalt also ändern wie du willst?“, mischte Nero sich erstauntein. „Kannst du es uns zeigen?“
      Saeinwartete keine weitere Aufforderung ab und erstrahlte in einem hellen Licht,welches seinen kompletten Körper umhüllte. Ich musste die Augen schließen undals ich sie wieder öffnete, saß ein junger Mann vor uns. Er war muskulös undseine hellbraunen schulterlangen Haare hatten dieselbe Farbe wie sein Fell.Auch seine Augen waren dieselben, goldbraunen Bernsteine, die starr in die Leereblickten.
      „Beeindruckend,das muss ich schon zugeben.“, lobte ihn Akiba. „Es war also keine schlechteIdee, dich bei uns aufzunehmen.“
      Diefolgenden Tage verliefen normal und ruhig. Saein sprach noch immer nicht vielmit uns, beteiligte sich aber bei der Jagd. Und er war ein sehr guter Jäger. Erwar stark und konnte eine Menge aushalten. Ich hingegen war schnell und wendig.Ich liebte es den Wind in meinem Fell zu spüren, den Boden unter meinen Pfotenfast zu verlieren. Zusammen mit Isao und Nero waren wir ein ganz gutes Team.Das schweißte uns aneinander, sodass Saein sich langsam öffnete. Wirakzeptierten seine stille Art, vor allem ich selbst konnte ihn verstehen. Erhatte viel durchgemacht, Dinge erlebet, die wir uns in unseren Albträumen nichtauszumalen wünschten. Und doch kämpfe er weiter um sein Leben, riskierte vonunserem Rudel getötet zu werden.
      Eswar spät in der Nacht und ich konnte nicht schlafen, also wanderte ich auf derLichtung umher, die unser momentaner Lagerplatz war. Irgendwie war ich nervös.Mein Herz pochte ungewöhnlich stark in meiner Brust. Ein unangenehmer Geschmackstieg mir in den Mund, weshalb ich runter an den Fluss lief. Nach ein paarSchlucken Wasser, ging es mir schon besser. Als ich den Rückweg antretenwollte, erschrak ich. Saein stand direkt hinter mir.
      „Entschuldige,ich wollte dich nicht erschrecken.“, sagte er. „Alles in Ordnung?“
      „Ja,ja“, stotterte ich.
      „Ichhab dich auf der Lichtung gesehen. Kannst du nicht schlafen?“
      „Ichweiß nicht. Mir ist so komisch.“ Einen Moment lang herrschte Stille. „Du musstdir keine Sorgen machen. Es ist bestimmt nichts. Ich bin einfach nur müde.“
      Mitmeiner Antwort scheinbar unzufrieden folgte Saein mir zurück ins Lager. Ichrollte mich zu einer Kugel zusammen, damit mir schön warm wurde. Saein legtesich in meine Nähe. Er musste wirklich besorg sein, denn für gewöhnlich schliefer immer abseits vom Rudel. Ein wohliges Gefühl breitete sich in mir aus undließ mich endlich zur Ruhe kommen. Bald schlief ich ein, über mir nur der Mondund die Sterne.