Sternenstaub

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    • So, ich hoffe ich mache jetzt alles richtig. Ist alles schon eine Weile her.
      Bevor ich mich an das Durchstöbern der anderen Werke mache, wollte ich mich selbst mit einem kleinen Werk hier verewigen. Es ist alles noch nicht ganz ausgereift und ob der Titel so bleibt, steht auch noch in den Sternen (ha, schlechtes Wortspiel mit dem Titel ...), aber das wird schon alles.
      Über Kritik, Verbesserungen und einfach nur Gedanken freue ich mich sehr. :)

      ~.~.~

      Sternenstaub

      -1-

      Das Erste, was Kasim an ihm auffiel,war sein Gesicht; die schmalen, nah beieinanderstehenden grauen Augen, die schmalen Lippen, die etwas zu hohe Stirn und die leicht gebogene, schiefe Nase in diesem herrlich gleichmäßigem Oval, alles eingerahmt von dichtem, pechschwarzem Haar. Das warme Licht der Mittagssonne ließ es ein wenig silbern funkeln und Kasim hatte das Gefühl, Sterne darin zu sehen.
      Das Nächste, was ihm im Gedächtnis blieb, war seine Stimme. Sie war sanft und wohlklingend, zeugte von Geist und Charme, und als er ihn über die kurze Distanz, die sie voneinander trennte, lachen hörte, klang es wie Regen, der an einem Sommertag auf das Vordach des Palasteinganges prasselte.
      Bereits den ganzen Vormittag musste Kasim an sich halten, nicht dauerhaft in die Richtung des Prinzen zu starren. Er durfte es sich nicht bereits an seinen ersten Tagen bei der Leibgarde solch einen Schnitzer erlauben. Dennoch fiel es ihm unsagbar schwer. Jedes Mal, wenn er auch nur den Geruch von Oliven und Lavendel vernahm, schlich sich sein Blick zu dem jungen Mann, der auf den vielen Kissen in der Mitte des quadratischen Raumes saß.
      Kasim hatte keine Augen für die reichverzierten Wände voller Ornamente und der fremden Schrift in goldenen Lettern, oder für die schweren Behänge mit rot-goldenen Stickereien. All dies war ihm schon immer fremd gewesen. Dort, wo er herkam, zählte nur das Vieh, das man hielt. Ein großes Zelt und vielleicht ein paar Teppiche war alles, was wichtig war. Mehr war nur Ballast und eine Beleidigung für die Götter.
      Kasim senkte die Lider ein wenig und besah sich seine dunkelgrünen Schuhe aus weichem Stoff. Er konnte den kalten Marmorboden unter den Sohlen spüren.
      Nur den Rücken gerade halten und das Kinn nicht absenken, schoss es ihm durch den Kopf. Rasch verlagerte er sein Gewicht von einem Bein aufs andere.
      Der Prinz unterhielt sich angeregt mit den anderen jungen Männern, die in reich bestickter, weiter Kleidung im Halbkreis bei ihm saßen und nebenbei genüsslich Datteln, Feigen und Trauben verspeisten.
      Vorsichtig huschte Kasims Blick zurück zum Prinzen, der nun fröhlich plaudernd die Hand auf den Arm seines Nebenmannes legte. Doch plötzlich schweiften die hellen Augen in seine Richtung. Kasim schreckte innerlich zusammen und wandte sich eilig ab. Wahrscheinlich hatte der Prinz gespürt, wie er angestarrt wurde.
      Am liebsten wäre Kasim im Boden versunken. Er wagte es nicht noch einmal, den Blick zu heben, traute sich nur mehr, durch seine Wimpern zu blinzeln. Im nächsten Moment schien sein Herz einen Schlag zu überspringen. Lächelte der Prinz etwa?
      Der Ausdruck war so schnell wieder aus dem Gesicht des Prinzen verschwunden, dass es nur eine Einbildung gewesen sein konnte. Kasim lachte unsicher in sich hinein und versuchte die Hitze auf seinen Wangen zu ignorieren.
      Langsam begann sein Rücken zu schmerzen. Seit Morgengrauen stand er in diesem lichtdurchfluteten Raum mit den offenen Fenstern und Türen, direkt neben dem Durchgang zu den Fluren des Palastes, und würde es auch noch bei Sonnenuntergang. Seine Arme hingen ungenutzt zu seinen Seiten und in seinen Fingern kribbelte es, sodass er sie einige Male ballte und streckte. Keinen Ton gab er dabei von sich. Keine Klagen. Kein Jammern. Nicht einmal sein Magen wagte es zu rebellieren. Vor Anbruch der Nacht würde es ihm ohnehin nicht erlaubt sein, etwas zu essen.
      Das Gelächter der jungen Männer im Raum schwoll an und Kasim zwang sich, ihren Stimmen nicht zu lauschen. Es war nicht seine Aufgabe, an den Gesprächen Anteil zu nehmen, geschweige denn ihnen zuzuhören. Nicht, dass er viel verstanden hätte. Sie sprachen viel zu schnell in einer für ihn noch immer fremden Zunge. Wahrscheinlich war er deswegen als Leibgarde in die Nähe des Prinzen eingeteilt worden.
      Kasim seufzte stumm und versuchte sein Augenmerk auf die Spitzen seiner Schuhe zu richten.


      Das Licht wanderte von links nach rechts und immer größere Schatten tauchten verspielt über den Boden. Einer nach dem anderen verließen die Gefährten des Prinzen den Raum, stellenweise Arm in Arm. Kasim stierte eisern auf den in erdigen Farben gekachelten Boden. Nur niemandem direkt in die Augen sehen. Dafür war sein Stand zu niedrig.
      Es dauerte einen Moment, bis Kasim bemerkte, dass er allein mit dem Prinzen war. Die zweite Leibwache stand auf der anderen Seite der Wand, die kühl in seinem Rücken lag.
      Sein Herz pochte, als er das Rascheln der Kissen und das leise Seufzen vernahm. Dann sagte der Prinz etwas und Kasim benötigte einige Sekunden, um zu begreifen, dass er mit ihm sprach. Erschrocken hob er den Kopf und traf mit seinem Blick auf jenen des anderen jungen Mannes, der nun leise lächelte und die Beine von sich streckte. Dabei verrutschte seine lange weiße Robe etwas und gab den Blick auf seine dunkle Haut darunter frei. Sofort wandte Kasim das Gesicht ab.
      Das ruhige Lachen des Prinzen sorgte dafür, dass seine Wangen ein weiteres Mal heiß wurden.
      Erneut sagte er etwas, doch Kasim verstand es nicht recht. Die einzigen Dinge, die er bisher beherrschte, waren die morgendliche Aufstellung und die Worte für »essen«, »trinken« und »schlafen«.
      Als er nicht reagierte, begann der Prinz sich umständlich zu erheben. Ohne groß nachzudenken, eilte Kasim an seine Seite, um ihn zu stützen. Mit einem Lächeln dankte der Prinz ihm und deutete mit leisen Worten und einem Nicken zum offenen Bogentor zu ihrer Linken.
      Kasim versuchte krampfhaft die Wärme des anderen Mannes an seiner Seite zu ignorieren. Der Duft nach Oliven drang nun stärker denn je in seine Nase. Er fühlte sich zittrig und ein wenig unsicher, während er den Prinzen über den noch sonnengewärmten Boden in den Nebenraum geleitete.
      Mit einem Nicken gab der Prinz im zu verstehen, dass er zum großen Bett auf vier goldenen Beinen wollte.
      Mit leicht großen Augen sah Kasim sich verstohlen um. Der Raum war um einiges kleiner, doch auch hier waren die Fenster offen, ohne Glas oder Beschlägen, um vor Wind zu schützen. Doch wahrscheinlich war der Palast so gut abgeschottet, dass kein Sandsturm ihm etwas anhaben konnte. Ihm fiel auf, dass dieser Raum weit weniger geschmückt war - bis auf ein kleines, goldenes Spruchband über die gesamte Wand, wirkte er beinahe kahl. Einzig das Bett war mit etlichen Kissen und Decken ausgestattet und von der Decke hing ein heller, durchsichtiger Vorhang, der das Bett vollständig einhüllte.
      Kasim half dem Prinzen auf die weichen Bezüge und sah zu, wie er es sich zwischen all den bunten Kissen gemütlich machte. Er dankte ihm mit einem weiteren schmallippigen Lächeln.
      Kasim wollte sich bereits umdrehen und zurück zu seinem Posten, als der Prinz nach seinem Arm griff. Anscheinend war er darüber ebenso erschrocken wie Kasim selbst, denn er zuckte schnell wieder zurück und senkte den Kopf ein wenig. Dann sagte er etwas und Kasim konnte nicht verhindern, die Stirn in kleine Falten zu legen.
      Der Prinz warf ihm einen langen, nicht zu deutenden Blick zu und legte dann die Finger seiner rechten Hand an sein Kinn, bewegte sie dann mit der Handfläche nach oben in seine Richtung. Diese Geste verstand Kasim und ein breites Grinsen huschte unwillkürlich über sein Gesicht. Er schüttelte ob des Dankes nur den Kopf und wartete, bis der Prinz ihn entließ.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kitsune ()

    • Spoiler anzeigen

      Kitsune schrieb:

      Das warme Licht derMittagssonne ließ es ein wenig silbern Funkeln und Kasim hatte dasGefühl, Sterne darin zu sehen.
      klein

      Kitsune schrieb:

      Kasim hatte keine Augen für die reichverzierten Wände, voller Ornamente und der fremden Schrift ingoldenen Lettern, oder für die schweren Behänge mit rot-goldenenStickereien.
      kein Komma


      Juhu, mal wieder eine neue Geschichte! ;)
      Zur Story kann man ja noch nicht so viel sagen, aber es klingt auf jeden Fall schon sehr spannend...
      Du beschreibst zwar (noch) relativ viel, aber das stört eigentlich nicht. Wenn ich die Geschichte als Buch im Laden sehen würde, dann wäre es sehr schnell gekauft :D
      Der Prinz scheint mir auf jeden Fall sympathisch und dein Prota auch. Mal sehen, wie sich das Ganze weiter entwickelt.

      Viele Leerschläge des Textes wurden beim Einfügen gelöscht. Da kannst du nichts dafür, das passiert bei einigen irgendwie ständig. Wie du das verhindern kannst, müsstest du jemand anderen fragen (ich kenn mich da nicht wirklich aus ?( )...

      Lg Lyn
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993
    • @Lyn , @Kitsune die fehlenden Leerschläge verhindert ihr, indem ihr vor dem Einfügen das kleine Quadrat oben links für "BBCode" anklickt resp. schwarz macht. Danach kann man ihn zur leichteren Bearbeitung wieder ausschalten :)

      Spoiler anzeigen
      Das Erste, was Kasim an ihm auffiel,war sein Gesicht; die schmalen, nah beieinanderstehenden grauen Augen, die schmalen [Wortwiederholung] Lippen, die etwas zu hohe Stirn und die leicht gebogene, schiefe Nase in diesem herrlich gleichmäßigem Oval, alles eingerahmt von dichtem, pechschwarzem Haar. Das warme Licht der Mittagssonne ließ es ein wenig silbern funkeln und Kasim hatte das Gefühl, Sterne darin zu sehen.
      Das Nächste, was ihm im Gedächtnis blieb, war seine Stimme. Sie war sanft und wohlklingend, zeugte von Geist und Charme, und als er ihn über die kurze Distanz, die sie voneinander trennte, lachen hörte, klang es wie Regen, der an einem Sommertag auf das Vordach des Palasteinganges prasselte.
      Bereits den ganzen Vormittag musste Kasim an sich halten, nicht dauerhaft in die Richtung des Prinzen zu starren. Er durfte es sich nicht bereits an seinen ersten Tagen bei der Leibgarde solch einen Schnitzer erlauben. Dennoch fiel es ihm unsagbar schwer. Jedes Mal, wenn er auch nur den Geruch von Oliven und Lavendel vernahm, schlich sich sein Blick zu dem jungen Mann, der auf den vielen Kissen in der Mitte des quadratischen Raumes saß.
      Kasim hatte keine Augen für die reichverzierten Wände voller Ornamente und der fremden Schrift in goldenen Lettern, oder für die schweren Behänge mit rot-goldenen Stickereien. All dies war ihm schon immer fremd gewesen. Dort, wo er herkam, zählte nur das Vieh, das man hielt. Ein großes Zelt und vielleicht ein paar Teppiche war alles, was wichtig war. Mehr war nur Ballast und eine Beleidigung für die Götter.
      Kasim senkte die Lider ein wenig und besah sich seine dunkelgrünen Schuhe aus weichem Stoff. Er konnte den kalten Marmorboden unter den Sohlen spüren.
      Nur den Rücken gerade halten und das Kinn nicht absenken, schoss es ihm durch den Kopf. Rasch verlagerte er sein Gewicht von einem Bein aufs andere.
      Der Prinz unterhielt sich angeregt mit den anderen jungen Männern, die in reich bestickter, weiter Kleidung im Halbkreis bei ihm saßen und nebenbei genüsslich Datteln, Feigen und Trauben verspeisten.
      Vorsichtig huschte Kasims Blick zurück zum Prinzen, der nun fröhlich plaudernd die Hand auf den Arm seines Nebenmannes legte. Doch plötzlich schweiften die hellen Augen in seine Richtung. Kasim schreckte innerlich zusammen und wandte sich eilig ab. Wahrscheinlich hatte der Prinz gespürt, wie er angestarrt wurde.
      Am liebsten wäre Kasim im Boden versunken. Er wagte es nicht noch einmal, den Blick zu heben, traute sich nur mehr, durch seine Wimpern zu blinzeln. Im nächsten Moment schien sein Herz einen Schlag zu überspringen. Lächelte der Prinz etwa?
      Der Eindruck war so schnell wieder aus dem Gesicht des Prinzen verschwunden, dass es nur eine Einbildung gewesen sein konnte. Kasim lachte unsicher in sich hinein und versuchte_ die Hitze auf seinen Wangen zu ignorieren.
      Langsam begann sein Rücken zu schmerzen. Seit Morgengrauen stand er in diesem lichtdurchfluteten Raum mit den offenen Fenstern und Türen, direkte neben dem Durchgang zu den Fluren des Palastes, und würde es auch noch bei Sonnenuntergang. Seine Arme hingen ungenutzt zu seinen Seiten und in seinen Fingern kribbelte es, sodass er sie einige Male ballte und streckte. Keinen Ton gab er dabei von sich. Keine Klagen. Kein Jammern. Nicht einmal sein Magen wagte es zu rebellieren. Vor Anbruch der Nacht würde es ihm ohnehin nicht erlaubt sein, etwas zu essen.
      Das Gelächter der jungen Männer im Raum schwoll an und Kasim zwang sich, ihren Stimmen nicht zu lauschen. Es war nicht seine Aufgabe, an den Gesprächen Anteil zu nehmen, geschweige denn ihnen zuzuhören. Nicht, dass er viel verstanden hätte. Sie sprachen viel zu schnell in einer für ihn noch immer fremden Zunge. Wahrscheinlich war er deswegen als Leibgarde in die Nähe des Prinzen eingeteilt worden.
      Kasim seufzte stumm und versuchte sein Augenmerk auf die Spitzen seiner Schuhe zu richten.


      Das Licht wanderte von links nach rechts und immer größere Schatten tauchten verspielt über den Boden. Einer nach dem anderen verließen die Gefährten des Prinzen den Raum, stellenweise Arm in Arm. Kasim stierte eisern auf den in erdigen Farben gekachelten Boden. Nur niemandem direkt in die Augen sehen. Dafür war sein Stand zu niedrig.
      Es dauerte einen Moment, bis Kasim bemerkte, dass er allein mit dem Prinzen war. Die zweite Leibwache stand auf der anderen Seite der Wand, die kühl in seinem Rücken lag.
      Sein Herz pochte, als er das Rascheln der Kissen und das leise Seufzen vernahm. Dann sagte der Prinz etwas und Kasim benötigte einige Sekunden, um zu begreifen, dass er mit ihm sprach. Erschrocken hob er den Kopf und traf mit seinem Blick auf jenen des anderen jungen Mannes, der nun leise lächelte und die Beine von sich streckte. Dabei verrutschte seine lange weiße Robe etwas und gab den Blick auf seine dunkle Haut darunter frei. Sofort wandte Kasim das Gesicht ab.
      Das ruhige Lachen des Prinzen sorgte dafür, dass seine Wangen ein weiteres Mal heiß wurden.
      Erneut sagte er etwas, doch Kasim verstand es nicht recht. Die einzigen Dinge, die er bisher beherrschte, waren die morgendliche Aufstellung und die Worte für »essen«, »trinken« und »schlafen«.
      Als er nicht reagierte, begann der Prinz sich umständlich zu erheben. Ohne groß nachzudenken, eilte Kasim an seine Seite, um ihn zu stützen. Mit einem Lächeln dankte der Prinz ihm und deutete mit leisen Worten und einem Nicken zum offenen Bogentor zu ihrer Linken.
      Kasim versuchte krampfhaft die Wärme des anderen Mannes an seiner Seite zu ignorieren. Der Duft nach Oliven drang nun stärker denn je in seine Nase. Er fühlte sich zittrig und ein wenig unsicher, während er den Prinzen über den noch sonnengewärmten Boden in den Nebenraum geleitete.
      Mit einem Nicken gab der Prinz im zu verstehen, dass er zum großen Bett auf vier goldenen Beinen wollte.
      Mit leicht großen Augen sah Kasim sich verstohlen um. Der Raum war um einiges kleiner, doch auch hier waren die Fenster offen, ohne Glas oder Beschlägen Beschläge, um vor Wind zu schützen. Doch wahrscheinlich war der Palast so gut abgeschottet, dass kein Sandsturm ihm etwas anhaben konnte. Ihm fiel auf, dass dieser Raum weit weniger geschmückt war - bis auf ein kleines, goldenes Spruchband über die gesamte Wand, wirkte er beinahe kahl. Einzig das Bett war mit etlichen Kissen und Decken ausgestattet und von der Decke hing ein heller, durchsichtiger Vorhang, der das Bett vollständig einhüllte.
      Kasim half dem Prinzen auf die weichen Bezüge und sah zu, wie er es sich zwischen all den bunten Kissen gemütlich machte. Er dankte ihm mit einem weiteren schmallippigen Lächeln.
      Kasim wollte sich bereits umdrehen und zurück zu seinem Posten, als der Prinz nach seinem Arm griff. Anscheinend war er darüber ebenso erschrocken wie Kasim selbst, denn er zuckte schnell wieder zurück und senkte den Kopf ein wenig. Dann sagte er etwas und Kasim konnte nicht verhindern, die Stirn in kleine Falten zu legen.
      Der Prinz warf ihm einen langen, nicht zu deutenden Blick zu und legte dann die Finger seiner rechten Hand an sein Kinn, bewegte sie dann [Wortwiederholung] mit der Handfläche nach oben in seine Richtung. Diese Geste verstand Kasim und ein breites Grinsen huschte unwillkürlich über sein Gesicht. Er schüttelte ob des Dankes nur den Kopf und wartete, bis der Prinz ihn entließ.


      So. Technisch gibts nicht viel zu bemängeln, ein Komma, zwei Wortwiederholungen... Peanuts. Und zur Story lässt sich auch noch nicht allzu viel sagen :) Du schaffst eine tolle Stimmung, ich kann mir den Wüstenpalast lebhaft vorstellen, das Ambiente, die Farben, Gerüche...
      grosses Kino :thumbup:
      Die Handlung ... naja. Ein Kerl, der auf einen anderen Kerl fliegt. Möglich, dass ich schlicht nicht romantisch genug veranlagt bin, aber von den Socken gehauen hats mich nicht gerade :rolleyes: vielleicht liegts daran, dass wir keinen der Charaktere wirklich kennen. Oder dass ich die Story allgemein nicht einschätzen kann. Abenteuer? Liebesgeschichte? Wo gehts lang, was ist wichtig? Neugierig bin ich jedenfalls :P

      Man wird sehen, was uns erwartet :)

      LG Klim :crazypilot:

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Kitsune schrieb:

      Der Prinz warf ihm einen langen, nichtzu deutenden Blick zu und legte dann die Finger seiner rechten Handan sein Kinn und bewegte sie dann mit der Handfläche nach oben inseine Richtung. Diese Geste verstand Kasim und
      Die Geste konnte ich mir jetzt nicht so richtig vorstellen, iwie sah das in meinem Kopf aus, als wolle er sich selbst den Kiefer auskugeln Oo

      Ein sehr schöner Schreibstil. Durch die Beschreibungen der Landschaft und Gegenstände wirkt er fast etwas verträumt.
      Zu Kasim und dem Prinzen kann ich noch nichts sagen, war ja erst der Anfang und ihre Charakter wurden erst angerissen ^^
      Mich hatte das zum Bett gehen etwas aus der Handlung gerissen, da es etwas plötzlich kam, auch wenn das Aufbegehren deutlich von Kasims Seite zu erlesen war. :spiteful:
      Vielleicht brauche ich zum Prinzen einfach noch mehr Kontext, um alles nachvollziehen zu können.

      Bisher aber ein guter Anfang, der neugierig macht, wie der weitere Verlauf ist.

      Lg

      Jennagon
    • Jennagon schrieb:

      Die Geste konnte ich mir jetzt nicht so richtig vorstellen, iwie sah das in meinem Kopf aus, als wolle er sich selbst den Kiefer auskugeln Oo
      Ja, war vielleicht etwas unglücklich beschrieben. ^^' Ich schau mir das auf jeden Fall noch einmal an.

      Danke übrigens für das Aufklären, was die verschwundenen Leerzeichen angeht. (Und auch sonst, für das Interesse. ^^) Das ist mir am Anfang nicht einmal aufgefallen. Da merkt man, wie genau ich hingeschaut habe hinterher. Und das trotz Brille. Mensch.
      Eigentlich wollte ich noch etwas warten, bis ich hier weiter mache, schon allein, weil ich auf meine Betaleserin warten wollte, die von ihrem Glück noch gar nichts weiß. Doch ich war noch nie gut im Warten. Gewöhnt euch nur nicht daran, so schnell schreibe ich normalerweise nicht. =/

      ~.~.~
      Kadir sah der jungen Leibwache im Zwielicht der Dämmerung nach, bis der junge, schlaksige Mann mit dem sandbraunen Haar aus seinem Blickfeld verschwunden war. Er stellte sich vor, wie er sich steifbeinig wieder auf seinen zugeteilten Posten stellte, die Augen nach unten gerichtet und darauf lauernd, ob alles ruhig blieb. Kadir fragte sich, wie lange er dort noch ausharren musste, ehe er von einer anderen Garde abgelöst werden würde.
      Nicht vor Sonnenuntergang, dachte er und erinnerte sich daran, wie er ihm zuvor etwas von den übriggebliebenen getrockneten Früchten angeboten hatte, nur um keinerlei Reaktion von ihm zu erhaschen. Kadir war sich noch nicht sicher, ob der Junge ihn absichtlich nicht verstand oder es einfach nicht konnte.
      Seufzend lehnte er sich in den Kissen zurück und strich die zerknitterte Robe glatt.
      Er war müde und wusste doch, dass er keinen Schlaf finden würde. Er war dazu verdammt, seine Tage im Palast zu fristen, während sein Vater mit seiner eigenen Leibwache durch die Wüste ritt - ohne ihn als Hindernis. Kadir kam sich vor wie eine verlorene, vergessene Prinzessin, die ihr Dasein mit langweiligen Debatten über fremde Stoffe, Gold, Juwelen und die Unruhen in den Wüstenprovinzen ausfüllen musste, weil sie im Palast nicht umherstreifen konnte. Mit dem winzigen Unterschied, dass seine Gesellschaft eine Gruppe zurückgelassener Jungspunde war, die Alsahar oder gar den Palast noch nie verlassen hatten und nur zu gerne nach seinem Munde sprachen.
      Schnaubend lachte der Prinz auf und fuhr sich über die zerfurchte Stirn. Lieber wäre er eine Prinzessin, dann könnte er sich schöner einkleiden, tanzen lernen, die Künste genießen, Konversationen üben, jungen Männern schöne Augen machen - nun, zumindest Letzteres war nicht gänzlich ausgeschlossen.
      Ein leises Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. Er wandte den Kopf herum und hörte im selben Augenblick das vertraute Scharren, als die schmale Tür in der dunkelsten Ecke, zu der nie ein Licht drang, aufgeschoben wurde. Kurz spähte das hagere Gesicht eines Mannes durch den entstandenen Durchgang, bevor sich der großgewachsene Körper hindurchzwang. Mit knochigen, langen Fingern verschloss Galib die geheime Tür wieder.
      »Gibt es Neuigkeiten?«, fragte Kadir.
      Mit kerzengeradem Rücken schritt Galib langsam über den gekachelten Boden, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Kadir hatte schon als Kind immer eine graue Eule vor Augen, wenn er an den alten Diener des Palastes dachte. Galib war bereits damals grau und faltig gewesen, und immer wenn er sprach, bewegte sich nur sein Kopf, selten sein Hals oder etwas anderes an seinem Körper.
      »Keine Neuigkeiten über Euren Vater, mein Prinz«, sagte der Diener mit seiner heiseren Stimme, die immer klang, als scharrte ein Bettbein über Marmor. Kadir erschauderte jedes Mal dabei.
      »Und die Unruhen?«
      Galib rümpfte kaum sichtlich die Nase und sein Kopf ruckte ein wenig vor und zurück. Innerlich lachte Kadir auf. Insgeheim wartete er darauf, dass Galib den Kopf um hundertachtzig Grad wendete. »Eure Kundschafter sind noch nicht zurück, mein Prinz.«
      Kadirs flüchtige Hochstimmung sackte tiefer in seine Magengrube. Wieder ein Tag ohne Neuigkeiten, wieder ein Tag mit Nichtigkeiten vergeudet. Kein Wunder, dass sein Vater ihn für nicht würdig hielt, ihn zu begleiten. Im Hinterkopf schrie ihm die Vernunft entgegen, dass es einen anderen Grund gab, warum er den Palast nicht verlassen durfte, doch Kadir brachte sie eilig zum Schweigen.
      »Braucht ihr noch etwas für die Nacht, mein Prinz?«, fragte Galib nach einiger Zeit des Schweigens. Noch immer stand er aufrecht und steif neben dem Bett und starrte mit seinen milchig-braunen Augen auf eines der Kissen neben ihm.
      Kadir schürzte die Lippen und nickte in die Richtung des anderen Raumes. »Wer hat die neue Leibwache eingeteilt?«
      »Euer Vater, mein Prinz, auf Anraten des Hauptmannes. Bereits vor seiner Abreise.«
      »Mein Vater?« Kadir hob die Brauen. »Kam er mit einem Sklavenhändler?«
      Galib entblößte einen Teil seiner oberen Zähne, als er schnalzte. »Nein. Vor einigen Wochen tauchte er vor den Toren der Stadt auf und verbreitete Unruhe, indem er keine Papiere vorweisen konnte und sich gegen eine Befragung zur Wehr setzte. Er hielt sich drei Wachen vom Leib, bis er überwältigt werden konnte und beeindruckte den Hauptmann. Allerdings versteht er unsere Sprache nur bedingt.«
      Das erklärte seine fehlende Reaktion und das unverständliche Verhalten seinerseits. Kadir spürte, wie seine Neugier wuchs, wie sie anstieg, bis es in seinem ausgestreckten linken Bein kribbelte. Ruhig. Er musste ruhig bleiben.
      »Mit Verlaub, mein Prinz, weshalb interessiert Ihr Euch für ihn? Hat er etwas angestellt? Vielleicht war es keine gute Idee, einen Unruhestifter aufzunehmen und ihn dann auch noch in Eure Nähe zu lassen.«
      Kadir kniff die Augen leicht zusammen und hob das Kinn an. »Du hast kein Recht für eine Wertung, Galib.«
      »Verzeiht, mein Prinz, es war anmaßend von mir«, krächzte der alte Diener und senkte den Blick.
      »Allerdings. Bring mir noch einen Tee und dann kannst du dich für heute zur Ruhe begeben. Mehr brauche ich nicht.«
      Galib ruckte nur ein weiteres Mal mit dem Kopf, machte starr auf dem Absatz kehrt und verschwand auf demselben Wege, den er hereingekommen war.
      Kadir stieß schwer die angestaute Luft aus seinen Lungen und entspannte seine geballten Hände. Er mochte die alte Eule nicht sonderlich. So nützlich er sein konnte, so gern er tratschte, so war er doch in seinem Herzen nichts anderes als ein verbitterter, alter Diener, dessen Sehkraft langsam schwand.
      Dennoch war Kadir nur noch neugieriger auf die junge Garde geworden. Wenn er es schaffte, den Hauptmann und seinen Vater zu beeindrucken, so sehr, dass er bereits zu seinem Schutze eingesetzt wurde, was versteckte er dann hinter diesem unschuldigen, hellen Lächeln?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kitsune ()

    • Uh, nicht nur Kadir ist von Kasim fasziniert :D klingt, als gäbe es da weit mehr an dem jungen Leibwächter *neugierig werd*

      Schön, noch die Prinzenseite zu sehen. Ein bisschen leid tut er mir schon- muss ja stinklangweilig sein, sein Leben. Du wirfst eine Menge Fragen auf, die jetzt auch in mir bohren- Was ist mit dem König, was geschah mit Kasim?

      Technisch tiptop, stilistisch ebenso. Kleine Anmerkung, achte darauf, dass sich fremde Namen nicht zu ähnlich werden. Hier gehts noch ganz gut, ich war nicht allzu verwirrt, aber für zukünftiges: Kadir/Kasim ist schon an der Grenze und sich vom Klang und Aussehen her seeehr ähnlich. Bei längeren Namen wird das dann immer schlimmer. Ich kämpfe auch jedes Mal damit X/


      Aaanyway- weiter so :thumbsup:

      Klim

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Kitsune schrieb:

      Kadir sah der jungen Leibwache im Zwielicht der Dämmerung nach, bis der junge, schlaksige Mann_ in seiner mit dem sandbraunen Haar_ aus seinem Gesichtsfeld verschwunden war.
      in seiner - war das vielleicht ein Rest von einem alten Satz? ;)
      _ beschreibt immer fehlende Kommata.

      Kitsune schrieb:

      wie er ihm zuvor etwas von den übriggebliebenen_ getrockneten Früchten

      Kitsune schrieb:

      so war er doch in seinem Herzen nichts anderes_ als ein verbitterter, alter Diener,

      Ein Prinz, der lieber eine Prinzessin wäre ^^
      Das hat man auch nicht alle Tage, aber es ist ein schöner Konflikt und verleiht Kadir unheimlich viel Tiefe.
      Klar, dass er sich irgendwie zurückgelassen und nicht würdig fühlt, wenn sein Vater alles allein erledigt :/
      Aber anscheinend hat Kadir mindestens genauso viel Interesse an der Wache wie umgedreht, das klingt irgendwie fast etwas verhängnisvoll

      Sehr schöner Teil, der auch die andere Seite zeigt.
      Ich frage mich jetzt nur, warum Kasim dort ist und warum er sich nicht ausweisen konnte bzw. woher sein können kommt :hmm:
    • Ich habe mir deine Geschichte bis hier hin dann auch endlich mal durchgelesen. ^^ Und ich muss sagen, ich kann mich absolut nicht beschweren. Der Inhalt gefällt mir schon mal richtig gut und du hast auch bereits ein paar schöne Fragen aufgeworfen. Mehr kann ich im Moment auch nicht dazu schreiben, da eigentlich alles schon gesagt wurde. Dann ab dem nächsten Teil. :D
      Ich werde auf jeden Fall sehr gern weiter lesen und hoffe, dass einige meiner Fragen im Laufe der Geschichte beantwortet werden. :thumbsup:

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
      Síchestja - Das Erbe einer Vergangenheit
    • Ein sehr interessantes Setting, dass.du hier geschaffen hast ^^
      Fantasy spielt meistens im europäischen Mittelalter. Naher Osten finde ich persönlich immer sehr reizvoll mit all den ungewöhnlichen Wesen, aber ich habe nicht genug Ahnung von den Gegebenheiten und der Kultur um in den ortlichkeiten schreiben so können (sollte ich schleunigst ändern xD)
      Deine beiden Charaktere, die du hier beschreibst sind wirklich interessant :D
      Kasim interessiert mich auch ziemlich :D
      Aber der Prinz will hübschen Männern schöne Augen machen? Habe ich das richtig verstanden???

      LG Miri
      Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.
      1. Mose 12
    • Auch mein Interesse ist geweckt :) Aaallerdings...

      Kitsune schrieb:

      Gewöhnt euch nur nicht daran, so schnell schreibe ich normalerweise nicht.
      ich möchte mich aber daran gewöhnen! Wann gehts weiter? 8|
      "Es gibt manchmal im Lauf der Welt besondere Augenblicke […], wo es sich ergibt, dass alle Dinge und Wesen, bis zu den fernsten Sternen hinauf, in ganz einmaliger Weise zusammenwirken, sodass etwas geschehen kann, was weder vorher noch nachher je möglich wäre. [...] Aber wenn es jemand gibt, der sie erkennt, dann geschehen große Dinge." - Momo
    • @Klimbim
      Ja, ich war mir anfangs nicht sicher, ob Kadir "Kadir" bleiben soll, allerdings habe ich mich so in den Namen verliebt, nachdem er eigentlich erst anders hieß. Ich werde versuchen, das als Grenze zu halten.
      Meine Beta hat zu einem anderen Namen etwas angemerkt, deswegen überlege ich, den eventuell noch zu ändern. Mal schauen.

      @Miri
      Oh, ich würde mich mitnichten als Expertin für diese Art Setting bezeichnen, aber eine Faszination gab es schon immer dafür. Und wie du sagtest, die meiste Fantasy spielt in einem europäisch angehauchtem Mittelalter. Das erschien mir aber zu - langweilig? 8D
      Und ja, du hast richtig gelesen - der Prinz will Männern hübsche Augen machen. ;)

      An den Rest: Danke für die Kommentare.

      So, genug.

      ~.~.~

      Mit bedächtigen, leicht schleifenden Schritten streifte Galib durch die Gänge, verschmolz durch seine dunkelblaue Robe fast vollständig mit den Schatten des abendlichen Zwielichtes. Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe und knetete die ineinander verschränkten Hände hinter seinem Rücken.
      Allmählich begab sich der Palast zur Nachtruhe. Auf seinem letzten Rundgang für diesen Tag begegnete der alte Diener nur ein paar wenigen Bediensteten und den einzeln oder zu zweit aufgestellten Wachen, die ihn keines weiteren Blickes würdigten. Die alltäglichen Streifgänger Galibs waren allbekannt und er war froh, wenn er nicht groß behelligt wurde.
      In den inneren Fluren des Palastes wurden die ersten Lichter entzündet und einer der jungen Diener hastete mit wippendem Haar und einer länglichen Öllampe an ihm vorbei, als Galib um die Ecke bog. Beinahe stieß er mit ihm zusammen, doch er packte den Jungen rechtzeitig am Oberarm und zerrte ihn mit einem Ruck zur Seite. Mit vor Schreck geweiteten Augen blickte das Kind zu ihm auf. Hastig stotterte es eine Entschuldigung.
      Galib musterte den Jungen mit starrem Blick und zu gerader Linie zusammengepressten Lippen. Er löste den festen Griff um den Arm seines Gegenübers, strich dessen braune Robe glatt und ruckte schließlich mit dem Kopf in die entgegengesetzte Richtung, aus der er gekommen war. Ungelenk verbeugte sich der Bedienstete vor ihm und flitzte mit schaukelnder Lampe davon. Kurz sah Galib ihm nach, dann schnalzte er kurz und ging weiter seines Weges.
      Als er an einer dunklen, von einem seidenen Vorhang verdeckten Nische vorbeikam, raunte ihm eine dunkle Stimme einige Wort zu. Galib ging unbeirrt weiter, doch das unruhige Kneten seiner Finger hatte aufgehört.

      Die gesamte Nacht tat Kadir kein Auge zu. Obwohl ihm immer wieder die schweren Lider zuglitten, erhaschte ihn die erhoffte Ohnmacht nicht. Bei jedem kleinen Geräusch schreckte er wieder hoch und sah sich mit hämmerndem Herzen in dem finsteren, nur vom Mond und den Sternen erhellten Raum um. Hier und da vermeinte er, etwas in den Schatten zu erkennen, ein Schemen vielleicht? Er wagte es nicht, nach der Nachtwache zu rufen. Was sollte er ihr auch sagen? Dass er Angst vor der Dunkelheit hatte? Das würde ihm nur noch mehr Tratsch unter den Bediensteten einbringen. Davon hatte er bereits genug.
      Kadir wälzte sich von der linken auf die rechte Seite und zurück, bis die ersten Strahlen der Sonne über die Mauern des Palastes drangen. Seufzend vergrub er das Gesicht in eines der Kissen und hielt den Atem an. Er horchte in sich hinein, spürte das Blut durch seine Adern rauschen, zumindest bildete er es sich ein. Nur langsam hob er den Kopf wieder und atmete tief durch. Er setzte sich im Bett auf und fuhr sich durch sein dichtes, zu allen Seiten abstehendes Haar. Notdürftig versuchte er es mit den Finger zu bändigen, verfing sich dabei jedoch in mehreren Knoten und gab es schließlich mit einem leisen Brummen auf. Er war zu faul, nach einem Bediensteten zu rufen, nur um nach einer Bürste zu verlangen. Er wusste, dass er es konnte, doch er hatte es schon als Kind verabscheut, jemanden um Nichtigkeiten zu bitten. Zudem hasste er es, wenn andere sein Haar berührten.
      Zögerlich rutschte er zum Rand des Bettes und schwang die Beine über die Kante, bemüht, sich dabei nicht im dünnen Musselin des Bettvorhangs zu verfangen. Eine Weile blieb er so sitzen, die Füße nur wenige Zentimeter über dem Boden schwebend. Er starrte auf seine nackten Zehen, bewegte sie einzeln und kaute währenddessen auf der Innenseite seiner Wange.
      Einfach aufstehen. Beide Füße auf den Marmor setzen, stehen, losgehen. Wie konnte etwas so Leichtes ein ums andere Mal so schwer erscheinen?
      Kadir krallte die Finger in die Decke unter sich und kniff die Augen zu. Spring, dachte er sich für einen flüchtigen Moment, verwarf den Impuls jedoch schnell wieder. Es würde nichts bringen; stattdessen würde es die Sache nur schlimmer machen.
      Seufzend entspannte er sich und ließ sich rücklings in die Kissen fallen. Es hatte keinen Zweck. Jeden Morgen dasselbe. Wie lange würde es dauern, bis Galib wie aus dem Nichts auftauchte, um ihm beim Ankleiden für den Tag zu helfen?
      Kadir warf einen raschen Blick aus den Fenstern. Stetig wanderte die Sonne höher, tauchte den Teil des Himmels, den er von seinem Bett aus sehen konnte, in warmes, rötliches Licht. Die ersten Geräusche des Palastes drangen an seine Ohren - Diener, die durch die Flure eilten, um die ersten Speisen vorzubereiten und die Böden zu säubern; von fern meinte er sogar, das Klappern der Töpfe zu hören. Von irgendwo in den Höfen her rief jemand der Wachen etwas, das Kadir nur teilweise verstand. Augenblicklich schweiften seine Gedanken zurück zu der neuen Leibgarde. Wahrscheinlich wurde er gerade aus dem Bett geworfen. Man würde ihm mit Händen und Füßen deutlich machen, was für heute anstand. Zumindest stellte es sich der Prinz so vor.
      Leise kichernd drehte er sich auf die Seite und vergrub den Kopf zwischen seinen Armen. Wie ein kleines Kind igelte er sich zusammen und ignorierte das Ziehen in seinem linken Bein.
      Nicht einmal seinen Namen wusste er. Dabei war Kadir sonst stets bemüht, ihn von einem jeden zu erfahren und sich zu merken. Er liebte den Klang von Namen. Sie besaßen ihre eigene Macht und diese Macht war das Einzige, was ihm blieb.
      Kadir schreckte zusammen, als das Scharren der Geheimtür ihn aus einem leichten Schlummer riss. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er zwischen seinen Armen hindurch und lauschte auf die vertrauten schlurfenden Schritte der alten Eule.

      Galib half dem Prinzen beim Aufstehen und führte ihn zum Waschtisch.
      »Ich kann das allein«, protestierte Kadir und schob die knochigen Hände des alten Dieners beiseite. Es widerte ihn an, wenn seine faltige Haut ihn berührte. Kaum sichtlich neigte Galib den Oberkörper nach vorn und trat dann zwei Schritte von ihm zurück.
      Schwer stützte sich Kadir auf den runden Tisch aus massivem Olivenholz. Am Morgen trug ihn sein Bein immer am wenigsten; es dauerte eine Weile, bis er sich sicher fühlte. Umso unerträglicher war der stechende, halbblinde Blick von Galib in seinem Rücken, der darauf wartete, ihm behilflich zu sein. Am liebsten hätte er ihn fortgeschickt, doch er musste sich eingestehen, dass er auf ihn angewiesen war.
      Kadir atmete tief durch und verlagerte die Last seines eigenen Gewichtes auf sein rechtes, gutes Bein, bis er schließlich den Tisch unter sich losließ und sich die Robe über den Kopf streifte.
      »Ich möchte heute in den Garten«, sagte Kadir beiläufig, während er den Schwamm in das kalte Wasser tauchte, welches Galib ihm in die Waschschüssel goss.
      Das Schnalzen des Dieners stellte seine feinen Härchen auf den Armen auf.
      »Ich weiß nicht, ob es eine gute -«
      »Ich entscheide, was ich zu tun gedenke«, schnitt Kadir ihm das Wort ab und erstickte jegliches weiteres Widerwort mit einem Blick über die Schulter sofort im Keim.
      »Wie Ihr wünscht, mein Prinz«, sprach Galib. Kadir merkte, wie gepresst es klang, beschloss allerdings, es für den Moment zu ignorieren und sich stattdessen auf das Säubern seiner Haut zu konzentrieren, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Kitsune ()

    • Spoiler anzeigen

      Das ist noch aus dem ersten Post. ;)

      Kitsune schrieb:

      Kasim half dem Prinzen auf die weichenBezüge und sah zu, wie er es sich zwischen all den bunten Kissen gemütlich machte. Er dankte ihm mit einem weiteren schmallippigen Lächeln.
      Leerzeichen

      Kitsune schrieb:

      Mit einem Nicken gab der Prinz im zu verstehen, dass er zum großen Bett auf vier goldenen Beinen wollte.
      ihm
      Ich frage mich ja wirklich, was Kadir mit seinem Bein hat, dass sein Vater ihn auch nirgendwo hin mitnehmen will und er somit den Palast nie verlassen kann... (Hattest du das schon mal erwähnt? Bei der Vielzahl an Geschichte kann ich es ja auch einfach nur vergessen habe xD) Wen nicht, dann bin ich auf jeden Fall neugierig, was es ist. Eine Verletzung, eine alte Wunde, oder angeboren?
      Ein schöner Teil, ich habe nichts zum Meckern gefunden. ^^

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
      Síchestja - Das Erbe einer Vergangenheit
    • @Kyelia
      Nein, ich hatte noch nichts dergleichen erwähnt, was mit Kadirs Bein ist. Das kommt zu gegebener Zeit noch. :)

      Ich wollte eventuell noch warten, aber da der Abschnitt schon eine Weile fertig steht, kommt jetzt etwas weniger. Am Rest des Kapitels tüftle ich gerade etwas, da wollt ich noch paar Sachen umschreiben.
      Und ja, alles noch Einführung, Info Input etc. *hüstel*

      ~.~.~
      Kasim unterdrückte ein Gähnen und blinzelte der aufgehenden Sonne über den hohen Mauern entgegen, während sich der Großteil der Leibgarde für den morgendlichen Appell im großen Innenhof vor den Toren des Palastes versammelte. Er versuchte den Gesprächen der anderen Männer zu folgen, doch für ihn klang es weiterhin nur wie Kauderwelsch. Nur hier und da vermeinte er, einige Wörter zu erkennen.
      Stumm seufzend wünschte sich Kasim die einfache Sprache seiner Heimat zurück. Zu gern würde er sie im Ohr haben, doch den Gefallen würde ihm hier niemand tun. Schon allein, weil er nicht einmal sagen konnte, woher er kam.
      Sein Rücken schmerzte. Die ganze Nacht hatte er auf seiner viel zu harten Liegen kein Auge zugetan, sich nur von einer Seite auf die andere gedreht. Jedes Mal, wenn er die Lider senkte, war ihm das Lächeln des Prinzen wieder in den Sinn gekommen. Es hatte ihn so aufgewühlt, dass er noch vor Morgengrauen aufgestanden und durch die Flure des Palastes gelaufen war, ohne behelligt zu werden. Das waren ihm immer die liebsten Stunden, wenn der Palast noch nicht vollständig erwacht war und nur wenige Bedienstete seinen Weg kreuzten.
      Nun stand er hier und ertrug stillschweigend die Wärme der Sonne. Bereits in den frühen Stunden war es drückend und er roch den Schweiß der Männer um ihn herum. Verstohlen senkte er das Kinn und versuchte die Nase an seiner dunkelgrünen Robe zu reiben. Hoffentlich roch er nicht ebenso streng.
      Zum wiederholten Male fragte sich Kasim, wie er eigentlich hier gelandet war. Sicher, alles war besser als eine Hand zu verlieren, oder gar den Kopf. Es war auch nicht so, dass er nicht stolz war, nach seiner ziellosen Reise durch die Wüstenprovinzen irgendwo angekommen zu sein, doch es war alles zu leicht gewesen. Zu seltsam. Andererseits war er für alle hier wohl nicht minder seltsam. Sein sandfarbenes Haar und die hellere braune Haut stachen heraus wie ein buntgeschmücktes Kamel unter all den schwarzhaarigen Männern, mit ihrer tiefbraunen Haut und den bärtigen Wangen. Nicht einmal das hatte die junge Leibwache.
      Kasim schreckte zusammen, als sein Nebenmann ihm unsanft in die Seite stieß. Anscheinend hatte jemand etwas zu ihm gesagt, denn im nächsten Augenblick lachten einige der Männer laut auf. Schweiß lief Kasim den Rücken hinab. Unsicher blickte er sich um, suchte nach dem Hauptmann, dem einzigen Menschen, dem er bisher so etwas wie Vertrauen entgegenbrachte, bis er sich erinnerte, dass eben jener gemeinsam mit dem König verreist war. Kasims Hände verkrampften sich und er versuchte, das leiser gewordene Lachen und Tuscheln neben sich zu ignorieren. Er wusste, dass er mehr als gehobene Brauen verursachte. Immer wieder waren seine wenigen Habseligkeiten verschwunden oder ihm wurde ein Bein gestellt. Während der Trainingseinheiten wurde unfair gegen ihn gekämpft und niemand stand ihm zur Seite. Je mehr er zeigte, was er konnte, desto schlimmer wurde es nur.
      Mit gesenktem Kopf lächelte er schief. Zu wissen, dass er sie jederzeit in ihre Schranken weisen konnte, wenn auch nur solange, bis sie zu dritt gleichzeitig auf ihn zustürmten, war ihm genug. Stillschweigend nahm er ihre Häme und unanständigen Gesten in seine Richtung hin. Kasim wollte die Güte des Hauptmannes nicht mit Füßen treten. Zudem gefiel ihm sein Posten. Und wenn er in der Nähe des Prinzen bleiben konnte, hätte er dort zumindest seine Ruhe vor ihnen. Es war mehr als er sich jemals als kleiner Junge erhofft hatte.
      Nomaden wurden keine Wachen. Schon immer hatte Kasim diesen Gedanken für absurd gehalten. Sie führten Schwerter, reisten durch das unwirtlichste Land, das er kannte, und dennoch verteidigten Nomaden nur ihren wenigen Besitz und ihre Familie. Etwas anderes war nicht vorgesehen. Nie hatte ihn jemand gefragt, ob er sein Leben als Wanderer verbringen wollte. Rast- und Ruhelosigkeit war ihm in die Wiege gelegt worden, warum sollte er sie dann nicht für etwas Besseres nutzen, als Vieh zu hüten?
      Erneut wurde Kasim aus den Gedanken gerissen, als der befehlshabende Offizier vor die versammelte Truppe trat und mit einem einzigen schrillen Pfiff alle Gespräche verstummen ließ, bevor er seine Männer in mehrere kleine Grüppchen einteilte.
    • Der Text ist nach wie vor sehr gut ^^
      Ich frage mich auch, was mit dem Bein des Prinzen ist, hab jetzt iwie einen Klumpfuss vor Augen :hmm:
      Acuh schön ist wieder die Sicht von Kasim und dass er anscheinend dankbar ist für seinen Posten.
      Anscheinend hat er ja zumindest nichts böses geplant, gut zu wissen, war am Anfang, wegen seines Auftauchens nicht ganz klar gewesen ^^
      Hätte auch ein Attentäter sein können - rein theoretisch.
      Dieser Galib hingegen, von dem weiß ich noch nicht ganz, was ich halten soll.
      Der Prinz mag ihn nicht, scheint ihn aber doch zu brauchen.
      Ich fand den Kontrast sehr lustig, ein alter Mann hilft einem jungen beim Laufen :rofl:
      Das würde mir auch nicht passen ^^

      WEiter so :stick:
    • So, ich hab auch mal wieder aufgeholt...
      Irgendwie ist deine Geschichte bei meinen Abos untergegangen ?(
      Naja, egal, die Story bleibt auf jeden Fall spannend, und man lernt die Charaktere auch immer besser kennen :thumbsup:
      Was mit dem Bein des Prinzen los ist, würde mich auch mal interessieren. Und hinter Kasim steckt glaube ich mehr, als es bis jetzt den Anschein hat. Ob ich diesen Galid mag, weiss ich auch noch nicht wirklich :sarcastic:

      Mach auf jeden Fall weiter so!

      LG Lyn
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993
    • Haha ^^ du schaffst es echt, immer mehr von deinen Charakteren zu enthüllen und dabei die Neugierde in mir beizubehalten, wenn nicht gar zu verstärken :D
      Ich will wirklich Kasims Geschichte wissen! Wie kommts, dass sein Haar so hell ist? Wo kommt er her? Und was ist mit diesem blöden Diener? (Ich mag ihn auch nicht.)

      Gerne mehr :D

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Also es ist auf jeden Fall schön mal etwas aus Kasims Sicht zu lesen. Gemein ist es natürlich, dass er unter der Schikane der anderen Soldaten zu leiden hat. Traurig, aber immerhin nimmt er es sich nicht so an und sieht das Positive. Ich mag ihn, ein wirklich sympathischer Charakter.
      Ich bin gespannt wie es weiter geht und auf was genau die Geschichte hinauslaufen wird. Bisher kann ich es nicht beurteilen. ^^ Was nichts Schlechtes ist.

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
      Síchestja - Das Erbe einer Vergangenheit
    • Danke für die lieben Kommentare. :) Freut mich immer wieder.

      Da der letzte Teil ein klein wenig kürzer als die davor war (und ich den letzten Abschnitt des Kapitels nicht noch einmal aufteilen wollte), kommt dieses Mal etwas mehr. Und yay, ich bin immer noch bei der Einführung ...

      ~.~.~

      Der Palast von Alsahar befand sich direkt im Zentrum der Stadt, die, umgeben von Sand und Staub, mit ihren vier nach allen Himmelsrichtungen ausgerichteten Wachtürmen, Toren und einer zwei mannshohen Mauer wie eine Festung gen Himmel ragte. Alsahar selbst war seit jeher eine florierende Oase, gespeist von unzähligen unterirdischen Wasseradern, voll kleiner und großer Bazare, einer riesigen Bibliothek einem runden Versammlungsplatz vor dem Palast.
      Das Leben spielte sich vorrangig innerhalb der Stadtmauern ab, halbwegs geschützt vor heißen Wüstenwinden und verwirbelnden Sandstürmen.
      Kadir sehnte sich nach den kühlen Plätzen Alsahars. Er vermisste es, sich gemeinsam mit seinem Vater zwischen den eng beieinanderstehenden hellen Steinbauten hindurchzuschlängeln, hin zu einem der Bazare, geschützt im Schatten unzähligen Zelten, Markisen und bunten Pavillons. Dort, wo die Wunder lauerten, die Verheißungen von fremden Welten außerhalb der Stadtmauern, hereingebracht durch die fahrenden Händler und Reisenden.
      Der Prinz selbst hatte den Palast seit seiner Kindheit nicht mehr verlassen.
      Seufzend humpelte Kadir durch die offenen Gänge des Palastes, genoss den kühlen Marmor unter seinen Fußsohlen. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass sein Bein immer wieder wegknickte, stützte sich stattdessen krampfhaft auf seinen Gehstock aus dunklem Olivenholz. Für die Schönheiten um sich herum hatte er schon lange keinen Blick mehr. Sie langweilten ihn. Lieber ging er in Gedanken die Gänge ab, mit all ihren Makeln, die man versuchte irgendwie zu kaschieren und es doch nicht bewerkstelligte. Aus dem Stehgreif und mit geschlossenen Augen konnte er genau wiedergeben, an welcher Wand die Goldfarbe abblätterte, wo um die nächste Ecke welcher verdreckte Wandteppich oder welches schiefe Gemälde seiner Vorfahren hingen, wo die Löcher im Boden waren, jeder Riss im Gestein, wo in den Rundbögen der Fenster der glattgeschliffene Sandstein bröckelte. Jede Unebenheit hatte er bereits als Kind in sich aufgesaugt.
      Seine Hand verkrampfte sich um den Knauf des Gehstocks, der die Form eines Pferdekopfes besaß. Er hasste diese Tiere. Abgrundtief. Er konnte sich ihnen nicht einmal auf zehn Schritt nähern, ohne dass jede Faser in seinem Körper nach Flucht schrie. Dennoch war diese Gehhilfe ein Geschenk des Hauptmannes gewesen; er konnte ihn nicht wegwerfen.
      Der Weg bis zum inneren Garten mit dem großen, viereckigen Springbrunnen, erschöpfte Kadir. Die Schritte der alten Eule hinter ihm nagten zusätzlich an seinen Nerven. Er musste Galib loswerden, sonst würde er ihm wieder den gesamten Tag auf den Fersen bleiben, als wollte er sicherstellen, dass er sich nicht aus dem Palast verirrte.
      Warmer, trockener Wind wehte durch die Fenster herein. Kadir blieb stehen, lauschte den Stimmen aus dem Hof vor dem Haupttor. Die Männer der Leibgarde hatten sich zum morgendlichen Appell versammelt und standen nun im Halbkreis in kleinen Grüppchen zusammen, bevor sie die Nachtwachen ablösen würden.
      Kadir ging zu einem der Fenster und lehnte sich gegen den Rundbogen, beobachtete dabei das Treiben eine Weile. Einige Männer der Leibwache hatten ihr Obergewand abgelegt und ihre dunklen, fein oder grob definierten Arme und Rücken glänzten vor Schweiß.
      Die Augen des Prinzen schweiften auf der Suche nach dem sandbraunen Schopf der neuen Leibwache über die Köpfe hinweg. Er hegte die leise Hoffnung, bei einer kleinen Übung einen Blick auf sein Geschick werfen zu können, stellte jedoch rasch enttäuscht fest, dass er mit starrem Blick und zusammengepressten Lippen allein am Rand stand, während er jenen Männern zusah, die im Zentrum der Aufmerksamkeit ihre Kräfte im Nahkampf miteinander maßen. Kadir fühlte sich umso mehr beraubt, als er erkannte, dass er vollständig bekleidet war. Er wirkte etwas verloren und seine hellen Augen lagen tief in ihren dunkel umrandeten Höhlen.
      »Wie heißt er?«, fragte Kadir leise und nickte in die Richtung der Garde.
      Galib trat neben ihn, die Hände wie stets hinter dem Rücken. »Es ist nicht einmal sicher, ob er bei der Leibwache bleibt, mein Prinz.«
      Kadir verdrehte die Augen und bekämpfte die heißglühende Wut, die sich durch seinen Magen fraß. Konnte dieser Mann nicht einmal normal seine Fragen beantworten? »Habe ich dich nach deiner Meinung gefragt?«
      Das Schnalzen der Eule ließ Kadir tief durchatmen. »Nein, mein Prinz.«
      »Also?« Kadir versuchte das Zittern in seinem Bein zu verdrängen, während er eine gefühlte Ewigkeit auf eine Reaktion wartete.
      »Ich werde mich erkundigen, wenn es Euch so wichtig ist«, sagte Galib gedehnt.
      Natürlich wirst du das, dachte der Prinz säuerlich und krampfte die Finger zusammen. Er nickte dennoch und kaute auf der Innenseite seiner Wange. Einen Moment betrachtete er das Kräftemessen und lauschte den derben Scherzen der Umstehenden, dann wandte er sich seufzend ab und ging auf seinem Stock gestützt weiter, hin zum noch vor der Sonne geschützten, überdachten Garten auf der Westseite des Palastes.

      Am Abend saß Kadir allein in seinem Zimmer, gebettet auf den Kissen, und war froh über die Ruhe, die er sich hart erkämpft hatte. Galib hatte ihm die nervtötenden jungen Männer vom Leib gehalten - zumindest dafür war er gut - und auch die Leibgarde war dazu angehalten worden, außerhalb seiner Zimmer zu bleiben. Keine sinnlosen Gespräche, keine Aufmerksamkeit, niemand behelligte ihn. Wobei - eine Ausnahme hätte er gemacht. Kadir hegte die Hoffnung, dass die junge Garde wieder unter seine Augen trat.
      Im Laufe des Tages hatte sich Kadir eines jener Bücher geschnappt, die einer seine engsten Vertrauten ihm aus der Bibliothek Alsahars stibitzt hatte. Lange musterte er die Bilder neben der verschnörkelten Schrift, strich mit den Fingern über die rauen Seiten und staunte mit geweiteten Augen über die blauen Seen und grau-weißen Berge, die wie gepudert wirkten. Er erfreute sich an grünen Bäumen mit dichtem Blätterwerk, die so ganz anders aussehen wie jene feingliedrigen, länglichen Blätter der Palmen, die er kannte, und Tiere, die er noch nie mit eigenen Augen gesehen hatte. Nichts, was er kannte, nicht die schönsten Brunnen, größten Palmen oder höchsten Sanddünen reichten an die Bilder in seinen Büchern heran. Nicht einmal an die weiten, grünen Steppen, von denen er las. Er sehnte sich nach dieser Schönheit und fragte sich, wie weit er würde reisen müssen, um sie zu Gesicht zu bekommen.
      Schwer stieß Kadir die Luft aus und klappte den schweren Band zu. Mit leerem Blick fuhr er über den rauen, dunklen Ledereinband. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, woher das Buch stammte, wer es hierher in die Wüste gebracht und beschlossen hatte, es in der Bibliothek zurückzulassen, wo ein kleiner Junge es schließlich eines Tages fand und nie wieder hergeben wollte, voller Staunen und Wissensdurst.
      Ein Geräusch am Durchgang zum Flur ließ den Prinzen zusammenzucken. Hastig versteckte er das Buch unter den Kissen neben sich. Kurz darauf erschien die junge Garde vor ihm und Kadirs Laune hob sich augenblicklich. Das längliche Gesicht war blass und die Mundwinkel nach unten gezogen. Blinzelnd sah Kadir zu, wie sie sich an ihren Posten ihm schräg gegenüber stellte und über seinen Kopf hinwegsah. Der Prinz roch den leichten Schweiß auf der Haut und Kleidung.
      Ein wenig ärgerte es ihn, dass er nicht um Erlaubnis gebeten hatte, einzutreten, doch er erinnerte sich, dass da noch immer die Sprachbarriere zwischen ihnen lag, und sah darüber hinweg. Langsam lehnte er sich auf seinen Kissen zurück. Dann wartete er. Darauf, dass einer von ihnen etwas tat. Er hörte das Plätschern eines der kleineren Brunnen, durchmischt mit dem trägen Gesang einiger Zikaden; jemand rief einer Wache etwas zu und kurz darauf hallte Gelächter über die Höfe zu ihnen.
      Das letzte Licht der Sonne wärmte Kadirs Rücken, als er leicht hin und her rutschte. Bald würde ein Diener kommen und die Lampen anzünden, sofern der Prinz das wollte.
      Was sollte er sagen? Wie sprach man jemanden an, der einen offenkundig nicht richtig verstand? Nach kurzem Zaudern fasste er sich ein Herz und stellte die Frage, die ihm bereits seit vergangener Nacht auf der Zunge brannte. »Wie heißt du?«
      Der junge Mann sah mit kaum sichtlich gerunzelter Stirn zu ihm. Kadir kaute einen Moment auf seiner Wange, versuchte es anders. »Dein Name? Name?« Er deutete auf sich und das finstere Gesicht seines Gegenübers hellte sich kaum sichtlich auf.
      Kadir erwartete keine Antwort und war umso erstaunter, als er die tiefe, warme Stimme vernahm, die eindeutig aus dem Mund der Garde kam. »Kasim.«
      Kasim lächelte schwach und wich dem Blick des Prinzen aus, traft von einem Bein aufs andere.
      »Kasim«, wiederholte Kadir langsam und ließ den Klang auf sich wirken. Kurz schloss er die Augen und schmunzelte, strich über die goldene Stickerei des Kissens neben sich. »Ich heiße Kadir.«
      Die Garde blinzelte ihm entgegen und wieder bildete sich diese kleine Furche zwischen seinen Brauen, die Kadir schon zuvor aufgefallen war.
      »Kadir«, sagte der Prinz noch einmal und legte die flache Hand auf seine Brust.
      Kasim schüttelte den Kopf. »Prinz.« Seine Augen strahlten, wahrscheinlich glücklich darüber, dieses Wort zu kennen.
      Leise lachte Kadir auf. »Für dich«, er zeigte in seine Richtung, »Kadir.« Damit deutete er wieder auf sich.
      Ruhig musterte die Garde ihn, bevor sie langsam, aber bestimmt, noch einmal den Kopf schüttelte und die Lippen sich schwach zusammenzogen. »Prinz.«
      Allein bei dieser Anrede aus seinem Munde lief Kadir ein ungewollter Schauer über den Rücken. Innerlich verfluchte er sich. Zu gern wüsste er, wie es klänge, wenn diese warme, leicht angeraute Stimme seinen Namen aussprach. Doch er fürchtete, dass auch er ihm den Gefallen nicht tat. Niemand der Wache oder Bediensteten besaß das Recht, den Prinzen mit seinem Namen anzureden, ganz egal, wie vielen er es erlaubte. Kadir nahm an, dass dies selbst Kasim auf dem einen oder anderen Wege begreiflich gemacht worden war.
      Je öfter er an diesem Abend versuchte, Kasim dazu zu bewegen, ihn wenigstens einmal Kadir zu nennen, desto sturer verweigerte er dies, bis der Prinz sich ein Spiel daraus machte, nur um sein verwirrtes Gesicht und diese markante Furche zu sehen.
    • Je länger je mehr plagt mich die Frage nach der Herkunft des Krüppelbeines des Prinzen...
      Ich denke, dass es wohl nicht leicht ist für Kasim, weil er ja die Sprache (fast) nicht versteht und er so ein bisschen der "Outsider" ist.
      Mal sehen, wie es dann aussieht, wenn du mit der Einführung fertig bist ;)
      Ewigkeit

      Stell dir eine Stahlkugel vor, die so gross ist wie die Erde. Und eine Fliege, die sich einmal in einer Million Jahren darauf niederlässt. Wenn die Stahlkugel durch die damit verbundene Reibung aufgelöst ist, dann … ja dann … hat die Ewigkeit noch nicht einmal begonnen!

      – David Lodge, 1993