Dein ist das Reich (Krimi)

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    • Dein ist das Reich (Krimi)

      Hallo,

      ich habe auf Wunsch meiner Freundin, Familie und anderen Personen (insbesondere mir selbst) habe ich mal mit einer Geschichte fernab der Fantasy begonnen. Es ist eine Art Krimi mit religiösen Inhalten. Ich habe bisher nur etwa 20 Seiten und schreibe das zusätzlich zum "Orden der Geweihten", aber ich werde versuchen so schnell wie möglich Nachschub zu liefern und etwas Vorlaufzeit habe ich ja noch. Ich hoffe, dass es den einen oder anderen interessiert und ich ein wenig Feedback und Verbesserungsvorschläge bekomme. :) Dann mal viel Spaß!

      Der Polizist Volker Erder hat nicht mehr lange zur Pension. In der Kleinstadt Goslar versucht er seine letzten Monate möglichst ruhig über die Bühne zu bringen. Auch sein Partner Finn konzentriert sich lieber auf das weibliche Geschlecht, als auf seine Karriere. Als Goslar allerdings von einer Reihe Morde erschüttert wird, bei der junge Frauen rituell ermordet werden, und mit diesen Geschehnissen die attraktive Theologie-Studentin Nikki Von Nema auftaucht ändern sich die Pritoritäten der beiden Polizisten. Doch wem ist diese Gräuel zuzutrauen? Und was haben die seit Ewigkeiten verwaisten Katakomben unter der Uralten Stadt damit zu tun?

      Kapitel 1
      Er musste noch 934 Tage aushalten.
      Dann war es endlich so weit. Jahrzehnte hatte er auf dieses Ziel hingearbeitet: Die Pension!
      Aber es waren auch noch 934 Arbeitstage. Urlaub, Wochenenden und Feiertage hatte Volker Erder vorsorglich abgezogen. Das Leben wurde nicht leichter. Er hatte es vollbracht sein Gewicht in den letzten zwanzig Jahren zu verdoppeln und sein Haar war auf der Flucht Richtung Hinterkopf längst ergraut.
      Mit einem kräftigen Ruck wuchtete er den Schaltknauf in den vierten Gang, als säße er nicht am Steuer eines neuen Mercedes, sondern auf einem Traktor.
      »Hier sind fünfzig, du Spinner!«, empörte er sich lautstark, hob den Arm zu einer ausladenden Geste und schüttelte genervt den Kopf, als ihn ein BMW überholte.
      Das war nichts besonderes. Als Polizist hatte er ständig mit diesen Idioten zu tun. Oft genug hatte er sie vom Baum kratzen müssen. Leider war er nicht im Dienst, sondern auf dem Heimweg. Seine Frau wartete sicher schon mit dem Essen auf ihn und das Bier stand sicher auch schon kalt. Wie jeden Abend.
      Während er links auf die Hauptstraße einbog, fingerte er in der Hemdtasche herum und holte eine halb zerknüllte Schachtel Marlboro hervor. Jeden Tag das gleiche Prozedere.
      Volker leckte über seine spröden Lippen, kramte das Feuerzeug aus seiner Hosentasche und entzündete sich eine Zigarette. Das beruhigte ihn ein wenig.
      Seit zwanzig Jahren pendelte er bereits. Damals hatte er zusammen mit seiner Frau ein kleines Haus gekauft. Seit zwanzig Jahren bereute er das nun schon.
      Er sagte immer: Lebenstedt ist die Wiege der Zivilisation - nirgendwo sonst findet man so viele Neandertaler.
      Genervt blickte Volker von der roten Ampel auf die Armbanduhr.
      19:30 Uhr.
      Das Essen wurde kalt, das Bier warm.
      »Herrgott, grüner wird es nicht!«
      Endlich setzte sich sein Vordermann in Bewegung, hob entschuldigend den Arm und bog ab.
      »Willst du bei mir im Kofferraum mitfahren?«, fragte er mit einem Blick in den Rückspiegel.
      Ein tiefergelegter Sportwagen fuhr so dicht auf, dass die Motorhaube im Spiegel nicht mehr zu erkennen war.
      Volker fuhr genau fünfzig und schneller durfte man hier auch nicht fahren. Geschwindigkeitsbegrenzungen gab es nicht zum Spaß. Sie retteten Menschenleben.
      19:35 Uhr
      Fünf Minuten später als geplant erstarb der Motor des Mercedes und Volker stemmte seinen schweren Körper aus den Ledersitzen. Kühle, frische Luft brandete ihm entgegen, als er den verrauchten Wagen verließ.
      Der Polizist seufzte schwer, als er sein Gefährt zurückließ und den passenden Schlüssel herauskramte. Es duftete bereits hier draußen nach Braten.
      Mit einem Klicken öffnete sich die Haustür.
      »Ich bin Zuhause!«, rief Volker in den hell erleuchteten Flur.
      »Ich bin in der Küche!«, schallte es zurück.
      Der Polizist streifte die Schuhe ab, stellte sie feinsäuberlich neben die anderen beiden Paar Arbeitsschuhe und stapfte schwerfällig ins Esszimmer. Seine Frau, eine Mittfünfzigerin, die ihrem Mann an Leibesfülle in nichts nachstand, brachte gerade den Rinderbraten aus der Küche herüber und drapierte ihn auf dem mächtigen Esstisch.
      »Das sieht wunderbar aus«, sprach Volker den ersten positiven Satz seit mehreren Stunden aus. »Womit habe ich dich nur verdient, Erna?«
      »Ja«, war der einzige Kommentar, während sie wieder in der Küche verschwand.
      Volker nahm Platz und griff nach dem Weizenglas. Darauf arbeitete er tagtäglich hin. Das kleine Ziel: Feierabendbier.
      Früher hatte er es häufiger mit Kollegen auf der Wache getrunken, aber diese Zeiten waren längst vorbei. Die meisten waren bereits im Ruhestand oder die weite Welt hatte sie geholt.
      »Wie war dein Tag?«, fragte Erna, die gerade eine dampfende Schale Kartoffeln ins Esszimmer trug.
      »Perfekt!«, kommentierte Volker die Krone, die leicht aus dem Bierglas ragte.
      »Das ist schön. Ich dachte schon, die Arbeit mache dir gar keinen Spaß mehr.« Erna stellte die Schale neben den Braten und nahm neben ihrem Gatten Platz.
      »Wie?«, fragte Volker und stellte die nun leere Weizenflasche auf den Tisch zurück.
      »Ich meine ja nur ... wegen deinem neuen Partner.«
      Während er begann sich Kartoffeln und Gemüse auf den Teller zu laden, schnitt sie den Braten in ansehnliche Stücke.
      »Man kann es nicht ändern. Der gute Willi hat sich seinen Ruhestand redlich verdient. Die Dinge ändern sich eben.« Er zuckte die Achseln und begann so viel Soße über seine Kartoffeln zu gießen, dass man annehmen könnte, es handle sich um eine Suppe.
      »Du magst keine Veränderungen. Das mochtest du noch nie.«
      »Was willst du damit sagen?«, fragte Volker und schnitt ein Stück Braten ab.
      »Sieh dich hier doch um. Die Vorhänge sind noch von deinen Eltern.«
      Sein Blick fiel auf die schweren, dunklen Vorhänge, die bereits seinem Elternhaus einen geschmacklosen Touch verliehen hatten.
      »Die sind doch schön. Mir gefällt es hier, so wie es ist. Wenn du etwas neu einrichten willst, warte, bis ich tot bin.«
      Während des restlichen Essens schwiegen die Eheleute.
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Geweihter () aus folgendem Grund: "Klappentext" eingefügt.

    • Normalerweise les ich ja keine Krimis und hab mich hier eher unabsichtlich reingeklickt, aber nachdem ich die ersten zwei Sätze gelesen hatte, hab ich auch den Rest gelesen :thumbup:
      Sehr gut geschrieben, es fehlen lediglich ein paar Kommata vor Infinitivsätzen (werden dir beim Überarbeiten wahrscheinlich selber auffallen, deshalb such ich nicht nochmal alle raus) :P Die Dialogparts von Erna wirken ein bisschen gestellt, aber das ist Geschmackssache ;)

      Obwohl ... eine Sache noch: Das hier ist ein wenig umständlich formuliert und bringt den Leser ins Stolpern

      Geweihter schrieb:

      und begann so viel Soße über seine Kartoffeln zu gießen, dass man annehmen könnte, es handle sich um eine Suppe.

      Die Hauptfigur hast du in diesem kurzen Part, eigentlich schon in den ersten paar Sätzen, erstaunlich gut herausgearbeitet; ich freue mich auf mehr :thumbsup:

      Geweihter schrieb:

      Das Essen wurde kalt, das Bier warm.
      Sehr schöne Antithese :hi1: Schreckliche Vorahnungen, mit denen du den Leser da konfrontierst :fie:

      LG
      Arathorn
    • Da hast du aber tief in die Skill-Kiste gegriffen. Um gleich voll draufzuhauen: Stilistisch um Welten besser als dein Orden der Geweihten.

      Was für ein eigenartiger alter Cop, tolle Vorstellung. Ich habe maximal einen Krimi in meinem Leben gelesen, aber hier bleibe ich mal dabei. Sofern es kein Tatort-Verschnitt wird. Und sofern du nicht wieder 80 % des geposteten Textes plötzlich löschst :D

      Also wirklich gelungener Einstieg, weiter so.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Heeey,

      vielen Dank für euer aller Feedback. Ich war mir erst nicht sicher, ob sich hier überhaupt jemand für einen Krimi interessiert. Ich werde gleich in den ersten post mal eine ungefähre Handlung und Inhalte einfließen lassen, damit ihr euch vorstellen könnt, was da so kommt.

      @Arathorn
      Was hältst du von: ... und versteckte seine Kartoffeln unter einem Schwall Soße.


      Wysenfelder schrieb:

      aber hier bleibe ich mal dabei. Sofern es kein Tatort-Verschnitt wird. Und sofern du nicht wieder 80 % des geposteten Textes plötzlich löschst
      Schön, dass du dran bleibst.
      Ich habe nicht geplant etwas wieder zu löschen. ;)


      Wysenfelder schrieb:

      Stilistisch um Welten besser als dein Orden der Geweihten.
      Das hat mich erstmal ein wenig verletzt. Dann habe ich mir aber gedacht, dass etwas, was ich letztes Jahr geschrieben habe doch besser sein sollte, als etwas, das ich vor 4 Jahren geschrieben habe. Also werte ich das als Kompliment an meine Entwicklung ;) Danke.

      @sneaky bastard
      Danke für dein Feedback. Habe das geändert :)

      Ich habe hier nicht sonderlich viel Vorsprung beim Schreiben, also werde ich wohl nur einmal die Woche einen neuen Part hochladen können. Ich hoffe, dass das für euch in Ordnung ist. Dafür bekommt ihr aber auch vernünftig ausgearbeitete Abschnitte und keine "Panik-Kapitel" :D

      Werde morgen einen weiteren Teil hochladen. habe die Datei leider auf dem Firmenlaptop :whistling:

      Liebe Grüße
      Jan
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • Geweihter schrieb:

      Firmenlaptop
      Noch einer, der in der Arbeit schreibt? :thumbsup:

      Geweihter schrieb:

      Das hat mich erstmal ein wenig verletzt. Dann habe ich mir aber gedacht, dass etwas, was ich letztes Jahr geschrieben habe doch besser sein sollte, als etwas, das ich vor 4 Jahren geschrieben habe.
      Ja, sorry, das war mit dem Holzhammer geschrieben. "Welten besser" klingt nach Verriss, was es sicher nicht sein sollte :) Schließlich gibt es im Orden der Geweihten auch kaum etwas zu korrigieren, und wenn, nur auf hohem Niveau (ich wäre sonst gar nicht erst dabei).
      Und so wie du es auffasst, ist es durchaus richtig.
      Ich fand das hier beim Lesen vom Stil her einfach super ansprechend und dann kam es mir so in den Sinn. Hättest du jetzt gefragt, was ich genau besser finde, müsste ich auch zurückrudern, weil das ja zwei vollständig unterschiedliche Geschichten, ja sogar Epochen, sind.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Wysenfelder schrieb:

      Noch einer, der in der Arbeit schreibt?
      Sogesehen nich ... arbeite ja selbstständig und nehme mir dann mal ne Stunde frei ;)

      Wysenfelder schrieb:

      Hättest du jetzt gefragt, was ich genau besser finde, müsste ich auch zurückrudern, weil das ja zwei vollständig unterschiedliche Geschichten, ja sogar Epochen, sind.
      Die Geschichte hier spiegelt eher meine Persönlichkeit und meinen Humor wieder. Der Orden ist ja doch recht düster, denke ich.
      Deswegen kann ich mich hier vielleicht auch einfach besser entfalten, obgleich ich zugeben muss, dass ich selbst keine Krimis lesen.
      Vielleicht ist da aber sogar mein riesen Vorteil.

      Hier zumindest erstmal der 2. Part. Darf ich vorstellen? Finn!


      »Dann bis morgen Abend«, verabschiedete sich Finn und warf sich seine Tasche über die Schulter.
      Mit einem Klacken löste sich die Zentralverrieglung seines Audi und er öffnete den Kofferraum. Darin lagen schwarze Boxhandschuhe und ein passender kleiner Boxsack, den er Zuhause hatte abhängen müssen, weil der Lärm die Nachbarn zur Weißglut gebracht hatte.
      Jetzt wollte er ihn noch zu seinen Eltern bringen, in deren Keller das Trainingsgerät bereits vor seinem Auszug gehangen hatte. Dort hatte sich nie jemand beschwert.
      Finn warf seine Tasche in den Kofferraum, fuhr sich mit der Hand durch seine feuchten kurzen Haare und schloss die Klappe.
      Er warf noch einen Blick auf den Eingang seiner Wing-Tsun-Schule, wo sich sein Lehrer noch mit einem der fortgeschrittenen Schüler unterhielt.
      Der Meister war ein recht kleiner Mann, der die fünfzig bereits hinter sich gelassen hatte. Er wirkte harmlos und so als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun.
      Aber mit Menschen ist es wie mit dem Geld: Der Schein trügt.
      Finn öffnete die Fahrertür und ließ sich in den Sitz fallen. Sein Audi war längst nicht mehr neu, hatte unterdurchschnittlich viel PS und strotzte nicht gerade vor Extras. Aber er war bezahlt, und darauf war er stolz.
      Der Motor jammerte kurz, bevor der Anlasser die nötige Kraft fand, um dem Fahrzeug ein wohliges Brummen zu entlocken.
      Finn fuhr gern Auto. Es gab ihm ein Gefühl von Freiheit. Manchmal stand er morgens extra früher auf, um noch vor der Arbeit eine Runde durch den Harz zu fahren. Das Mittelgebirge war nicht nur für Motorradfahrer ein wahrer Spielplatz voller Höhenunterschiede und enger Kurven, nein, auch dem geeigneten Autofahrer versprach er Fahrspaß.
      Satte Bässe erklangen und ließen den Audi rhythmisch pulsieren. Es war schön, im eigenen Auto zu sitzen und selbst zu entscheiden, welche Art von Musik seine Ohren flutete.
      Wenn er mit Herrn Erder auf Streife war, dann blieb ihm nichts anderes übrig, als sich den Musikwünschen des erfahrenen Kommissars zu beugen.
      Finn nahm nicht den direkten Weg nach Haus, sondern fuhr noch etwas durch die engen Gassen Goslars. Die Weltkulturerbestadt lockte jährlich tausende Urlauber an, aber wenn man ein paar Jahre in ihr verbracht hatte, verlor das Auge den Blick für die vielen Schönheiten der mittelalterlichen Bauwerke.
      »Why?«, drang eine kräftige, von Gitarren unterlegte Männerstimme aus den Lautsprechern. »Die for a lie? Die for ... NDR2 Verkehrsservice; immer fünf Minuten ... for a Lie!«
      »Nicht dein Ernst«, lachte Finn.
      Sein Auto stellte automatisch auf Radio um, wenn irgendwo Informationen über die aktuelle Verkehrslage zu hören waren. Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt, den »CD«-Button zu drücken, um wieder zu seiner geliebten Musik zurückzukehren.
      Finn bog rechts ab und passierte kurze Zeit später das Breite Tor, das einst Teil der mächtigen Verteidigungsanlagen der Stadt gewesen war. Damals, als die Hansestadt Goslar zu den wichtigsten Handelsposten Europas gehörte und die Befestigung als undurchdringbar galten.
      Acht Meter dicke Mauern schindeten durchaus Eindruck, wenn man nur über Schwerter und Katapulte verfügte. Später war die Stadt trotzdem eingenommen worden.
      Die schmale Straße wurde von hübschen Fachwerkhäusern flankiert. Hier in dieser Straße hatte George Clooney vor einem oder zwei Jahren einen Film gedreht, sich dann aber entschieden, alle Szenen herauszuschneiden, die in Goslar spielten. Verständlich.
      Gemächlich folgte der Audi der schmalen Straße, die zur Innenstadt führte. Finn war wie die meisten anderen Goslarer: Er hatte keinen Sinn für die Schönheit um ihn herum. Für ihn war architektonischer Prunk zu milchiger Alltäglichkeit verkommen.
      20:00 Uhr.
      Auf NDR-Info übertrugen sie jetzt die Tagesthemen.
      »Im Gazastreifen wurde bei Luftangriffen des israelischen Militärs ein Pilot getötet. Die israelische Regierung gibt den Hamas die Schuld an dem Angriff.«
      Es wurde immer schlimmer. Die Bild-Zeitung schien nicht auszureichen, jetzt berichtete nicht einmal mehr die von GEZ-Gebühren subventionierte ARD unabhänging.
      »Kiew. Bei Kämpfen zwischen bewaffneten Separatisten und dem Militär sind allein heute sechzehn Menschen getötet worden. Darunter eine Deutsche.«
      Finn schüttelte den Kopf. Das machte die Lage natürlich ernst. Wenn eine Deutsche getötet wurde, dann gab es wirklich etwas zu beklagen. Die fünfzehn Ukrainer waren schlicht Kollateralschäden. Gesichtslose Zahlen, die man hörte und sofort wieder vergaß.
      Eigentlich waren die eigenen Probleme doch nichtig. Das Gefühl dafür, was man im Radio hörte, war abhandengekommen. Zu stark bombardierten die Massenmedien mit immer neuen Gräueltaten.
      Als der Sprecher zum Sport überging, schaltete Finn das Radio komplett aus und seine Tour wurde nur noch vom Rauschen des Fahrtwindes und vom gleichmäßigen Brummen des Motors begleitet.
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Geweihter () aus folgendem Grund: Korrekturen von Arathorn eingepflegt. Danke!

    • Spoiler anzeigen

      Geweihter schrieb:

      Er wirkte harmlos und so als würde er keiner Fliege etwas zuleide tun können.
      als könnte er keiner Fliege etwas zuleide tun. (zu Leide tun?)

      Geweihter schrieb:

      Aber er war bezahlt und darauf war er stolz.
      Komma nach bezahlt, da das Subjekt wechselt :P

      Geweihter schrieb:

      nein auch dem geeigneten Autofahrer versprach er Fahrspaß pur.
      Komma nach nein ... und Fahrspaß pur solltest du nochmal überdenken, klingt wie billige werbung :D

      Geweihter schrieb:

      Es war schön im eigenen Auto zu sitzen und selbst zu entscheiden, welche Art von Musik seine Ohren fluteten.
      Komma nach schön; flutete ohne n am Schluss

      Geweihter schrieb:

      dann blieb ihm nichts anderes übrig als sich den Musikwünschen des erfahrenen Kommissars zu beugen.
      Komma nach übrig

      Geweihter schrieb:

      »Why?« drang eine kräftige, von Gitarren unterlegte
      Komma nach dem Abführungszeichen, auch wenns nicht direkt wörtliche Rede ist; grammatikalisch ist da kein Unterschied

      Geweihter schrieb:

      hatte er sich daran gewöhnt den »CD«-Button zu drücken
      Komma nach gewöhnt

      Geweihter schrieb:

      das einst Teil der mächtigen Verteidigungsanlagen der Stadt war
      gewesen war

      Geweihter schrieb:

      Damals, als Goslar als Hansestadt zu den wichtigsten Handelsposten Europas gehörte und die Befestigung als undurchdringbar galten.
      als die Hansestadt Goslar (so vermeidest du die Wiederholung von als), und dann gehören die Verben auch wieder ins PPQ, weil das noch früher spielt

      Geweihter schrieb:

      Georg Clooney
      Der liebe Georg(E) :D

      Geweihter schrieb:

      sich dann aber entschieden alle Szenen herauszuschneiden, die in Goslar spielten.
      Komma nach entschieden; schöner Satz übrigens :thumbup:

      Geweihter schrieb:

      Er hatte keinen Sinn für die Schönheit um ihn herum.
      Das kam schon weiter oben vor

      Geweihter schrieb:

      an dem feigen Angriff.
      so redet kein Nachrichtensprecher, auch wenn du im nächsten Satz näher darauf eingehst; ein bisschen weniger wertend passt es besser :P


      Der Teil gefällt mir sehr gut, man lernt Finn und seine Art zu denken kennen (etwas resigniert, aber mit Galgenhumor und ziemlich sympathisch, der Gute :thumbsup: ) und du gibst eine Menge Infos zur Stadt und zum Hintergrund der Story, baust das aber sehr geschickt in seine Gedankenströme ein, anstatt es wie manche Kollegen einfach hinzuklatschen und dich dann zu beschweren, dass man sich deine Welt sonst nicht richtig vorstellt :whistling: :thumbup: Die Formulierungen sind teilweise ziemlich cool, dein Humor gefällt mir, hat etwas hübsch Zynisches an sich :D

      LG
      Arathorn
    • Der Titel ist schon ziemlich nice, muss ich echt sagen :thumbup: Ich greife oft nach Büchern nur wegen dem Titel, das hier wäre auch so ein Fall. Egal ob Krimi oder sonstwas.

      Oha, noch so ein angesäuerter Zeitgenosse. Ich nehme an, er arbeitet mit dem Halbrentner zusammen? Dann bilden sie bestimmt ein Dream Team und bieten dir viel Stoff für Dialoge.
      Ich weiß auch nichts mehr zu sagen, als die anderen und übergebe das Wort wieder an dich.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • @Arathorn Vielen dank für die sehr detaillierte Korrektur. Ich hatte gehofft, dass Papyrus das mit der Kommasetzung für mich macht :D Wenn du auf die Fehler hinweist sehe ich sie komischerweise auch. Aber wie Voltaire schon sagte: "Alle Menschen sind klug - manche vorher, manche nachher" ;)

      @sneaky bastard
      Schön, dass mein Humor bei dir gut ankommt. Es wird so weitergehen, also muss man sich damit anfreunden oder ich habe leider nicht das richtige Buch für den Leser geschrieben ;)

      @Wysenfelder
      Schön, dass dir der Titel gefällt. Irgendwie haben meine Bücher immer irgendwas mit Religion oder so zu tun. Ich habe vor einige aktuelle Aspekte reinzubringen und ein wenig zu verknüpfen. Volker und Finn sind die Protagonisten, auch wenn noch 2 wichtige Figuren später dazukommen. Dann natürlich die üblichen Verdächtigen :D

      Eigentlich wollte ich ja nur einmal die Woche etwa reinstellen, aber ich werf jetzt einfach mal den nächsten Abschnitt rein. Jetzt gehen wir wieder zu Volker zurück. Das wechselt im 1. Kapitel immer. Mit der Story geht es erst im 2. Kapitel wirklich los ... oder etwa nicht? :?:


      20:35 Uhr
      Volker hatte seine Leibesmasse großzügig im Sessel verteilt und die Füße auf einem kleinen Hocker drapiert. Zwischen Zeige- und Mittelfinger glomm eine Zigarette und die andere Hand umklammerte einen Teil der Tageszeitung. Sein kritischer Blick warf tiefe Falten auf seiner Stirn auf, die von allem herrühren mochten, aber nicht von übermäßigem Humor-Konsum, und zwischen dem gesenkten Kopf und der Brust türmte sich überschüssige Haut zu einem ausladenden Gebirge.
      »Tzz ...«, kommentierte er einen besonders widersinnigen Artikel über die Kontrolle, die am Vortag auf der Bundesstraße 6, die einmal mitten durch die altertümliche Stadt führte, von der Polizei vorgenommen worden war.
      Die Kontrolle war gut geplant und massiv gewesen. Jedes Auto hatte die Fahrbahn verlassen müssen und fachkundiges Personal, wie Volker Erder, hatte eine Vorauswahl getroffen, wer unbehelligt geblieben und wer kontrolliert worden war.
      Das Ergebnis war erschreckend: Jeder zehnte kontrollierte Fahrer stand unter Drogeneinfluss.
      Auf der Rückfahrt vom Dienst hatte Volker die Fahrzeuge im Gegenverkehr gezählt. Ihm kamen an diesem Abend, statistisch gesehen, dreizehn unter Drogen stehende Fahrer entgegen. Einzig das Wort statistisch hatte verhindert, dass er selbst zu Beruhigungsmitteln hatte greifen müssen.
      Man musste dazu sagen: Goslar war der östliche Rand des Westens.
      Und alle wissen, wie das bei den Ossis läuft ...
      Volker nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, die das Einzige im Raum war, das in letzter Zeit abgenommen hatte, und blies einen Schwall Rauch in die stickige Luft.
      Aus der Küche drang das leise Plätschern von Wasser, was davon zeugte, dass Erna noch nicht mit dem Abwasch fertig war.
      Die schweren Vorhänge waren zugezogen und wirkten wie eine in Falten gelegte Wand. Kein einziger Lichtstrahl durchdrang den dichten Stoff und fand seinen Weg ins Wohnzimmer. Einzige eine silberne Tischlampe, die neben dem wuchtigen Sessel auf einem Buchentischchen thronte, spendete Volker genügend Licht zum Lesen.
      Das Plätschern des Wassers verstummte und absolute Stille legte sich über das Anwesen. Beinahe konnte man die letzten Reste des Tabaks brennen hören, als Volker seine Zigarette in einem tönernen Aschenbecher ausdrückte.
      Dann leckte er sich über den Zeigefinger und schlug die Seite der »Goslarschen Zeitung« um.
      In Salzgitter gab es eigentlich auch eine eigene Tageszeitung, aber Volker zog es vor, die Goslarer Ausgabe aus dem Pausenraum der Polizeiwache mitzunehmen.
      Der folgende Sportteil war für Volker uninteressant. Weder der Profisport, noch die regionalen Amateurligen übten auf ihn irgendeinen Reiz aus.
      Früher hatte er manchmal mit einem Bekannten auf F-Jugend-Spiele gewettet, aber diese Zeiten waren vorbei, seitdem unbekannte alte Männer, die kleine Jungen auf dem Fußballplatz beobachteten, schief angesehen wurden.
      Als er zu den Todesanzeigen kam, entzündete Volker sich eine neue Zigarette. Die Schachtel war nun leer. Wie jeden Abend.
      Klingeln ließ ihn zusammenfahren. Es hallte beinahe gespenstisch durch das sonst so stille Haus und sorgte beinahe dafür, dass Volker seine Zigarette fallen ließ.
      »Telefon!«, donnerte Ernas Stimme aus der Küche.
      »Ich weiß!«, rief Volker zurück, knüllte die Zeitung zusammen und schob den Filter seines Glimmstängels zwischen die Lippen.
      Wenn das nicht wichtig ist, dachte er und sog entnervt Rauch in seine Lunge, während er sich schwerfällig auf die Suche nach dem Ursprung des Lärms machte.
      »Wo ist denn das Telefon?«
      Das Klingeln hallte so stark durch das Haus, dass es beinahe unmöglich war, genau herauszufinden, woher es kam.
      »Im Badezimmer!«, antwortete seine Frau brüllenderweise aus der Küche.
      »Was hast du denn mit dem Telefon im Badezimmer gemacht?«
      »Telefoniert!«
      Mit dem Ellenbogen stieß Volker die Tür auf und sah sich seinem Ebenbild gegenüber, wie es ihn durch eine beständige Rauchfahne anglotzte. Der Einbauschrank mit der Spiegelverkleidung war mit Abstand das Modernste, was dieses Haus zu bieten hatte.
      Das Telefon blinkte aufgeregt; hechelte nach Aufmerksamkeit.
      Volker griff nach dem Hörer. »Ja?«
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • Spoiler anzeigen
      20:35 Uhr
      Volker hatte seine Leibesmasse großzügig im Sessel verteilt [gleich der erste Satz ist genial :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: ) und die Füße auf einem kleinen Hocker drapiert (ein im allgemeinen Sprachgebrauch nicht oft verwendetes Wort, das du deswegen auch möglichst selten verwenden solltest; kam im vorigen Kapitel schon vor). Zwischen Zeige- und Mittelfinger glomm eine Zigarette und die andere Hand umklammerte einen Teil der Tageszeitung. Sein kritischer Blick warf tiefe Falten auf seiner Stirn auf, die von allem herrühren mochten, aber nicht von übermäßigem Humor-Konsum, und zwischen dem gesenkten Kopf und der Brust türmte sich überschüssige Haut zu einem ausladenden Gebirge.
      »Tzz ...«, kommentierte er einen besonders widersinnigen Artikel über die Kontrolle, die am Vortag auf der Bundesstraße 6, die einmal mitten durch die altertümliche Stadt führte, von der Polizei vorgenommen worden war.
      Die Kontrolle war gut geplant und massiv gewesen. Jedes Auto hatte die Fahrbahn verlassen müssen und fachkundiges Personal, wie Volker Erder, hatte eine Vorauswahl getroffen, wer unbehelligt geblieben und wer kontrolliert worden war.
      Das Ergebnis war erschreckend: Jeder zehnte kontrollierte Fahrer stand unter Drogeneinfluss.
      Auf der Rückfahrt vom Dienst hatte Volker die Fahrzeuge im Gegenverkehr gezählt. Ihm kamen an diesem Abend, statistisch gesehen, dreizehn unter Drogen stehende Fahrer entgegen. Einzig das Wort statistisch hatte verhindert, dass er selbst zu Beruhigungsmitteln hatte greifen müssen.
      Man musste dazu sagen: Goslar war der östliche Rand des Westens.
      Und alle wissen, wie das bei den Ossis läuft ... ( :thumbsup: )

      Volker nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, die das Einzige im Raum war, das (was) in letzter Zeit abgenommen hatte, und blies einen Schwall Rauch in die stickige Luft.
      Aus der Küche drang das leise Plätschern von Wasser, was davon zeugte, dass Erna noch nicht mit dem Abwasch fertig war.
      Die schweren Vorhänge waren zugezogen und wirkten wie eine in Falten gelegte Wand (kein sonderlich anschaulicher Vergleich, außerdem hat er oben schon seine Stirn in Falten gelegt, wenn auch mit anderen Worten). Kein einziger Lichtstrahl durchdrang den dichten Stoff und fand seinen Weg ins Wohnzimmer. Einzige eine silberne Tischlampe, die neben dem wuchtigen Sessel auf einem Buchentischchen thronte, spendete Volker genügend Licht zum Lesen.
      Das Plätschern des Wassers verstummte und absolute Stille legte sich über das Anwesen. Beinahe konnte man die letzten Reste des Tabaks brennen hören, als Volker seine Zigarette in einem tönernen Aschenbecher ausdrückte.
      Dann leckte er sich über den Zeigefinger und schlug die Seite der »Goslarschen Zeitung« um.
      In Salzgitter gab es eigentlich auch eine eigene Tageszeitung, aber Volker zog es vor, die Goslarer Ausgabe aus dem Pausenraum der Polizeiwache mitzunehmen. ( :D )

      Der folgende Sportteil war für Volker uninteressant. Weder der Profisport, [das darf weg :P ] noch die regionalen Amateurligen übten auf ihn irgendeinen Reiz aus.
      Früher hatte er manchmal mit einem Bekannten auf F-Jugend-Spiele gewettet, aber diese Zeiten waren vorbei, seitdem unbekannte alte Männer, die kleine Jungen auf dem Fußballplatz beobachteten, schief angesehen wurden.
      Als er zu den Todesanzeigen kam, entzündete Volker sich eine neue Zigarette. Die Schachtel war nun leer. Wie jeden Abend.
      Klingeln ließ ihn zusammenfahren. Es hallte beinahe gespenstisch durch das sonst so stille Haus und sorgte beinahe dafür, dass Volker seine Zigarette fallen ließ.
      »Telefon!«, donnerte Ernas Stimme aus der Küche.
      »Ich weiß!«, rief Volker zurück, knüllte die Zeitung zusammen und schob den Filter seines Glimmstängels zwischen die Lippen.
      Wenn das nicht wichtig ist, dachte er und sog entnervt Rauch in seine Lunge, während er sich schwerfällig auf die Suche nach dem Ursprung des Lärms machte.
      »Wo ist denn das Telefon?«
      Das Klingeln hallte so stark durch das Haus, dass es beinahe unmöglich war, genau herauszufinden, woher es kam. ("seinen Ursprung zu orten" oder sowas in der Art; so ist das zu umständlich und leseflusshemmend formuliert)

      »Im Badezimmer!«, antwortete seine Frau brüllenderweise aus der Küche.
      »Was hast du denn mit dem Telefon im Badezimmer gemacht?«
      »Telefoniert!«
      Mit dem Ellenbogen stieß Volker die Tür auf und sah sich seinem Ebenbild gegenüber, wie es ihn durch eine beständige Rauchfahne anglotzte. Der Einbauschrank mit der Spiegelverkleidung war mit Abstand das Modernste, was dieses Haus zu bieten hatte.
      Das Telefon blinkte aufgeregt; hechelte nach Aufmerksamkeit.
      Volker griff nach dem Hörer. »Ja?«


      Der Teil ist noch ein Stück besser geschrieben als der vorige, vor allem fehlt kein einziges Komma 8o (sofern ich keins übersehen habe, falls man das so sagen kann, da es in dem Fall ja nicht da wäre :hmm: )
      Wenn du dieses Maß an Humor die ganze Geschichte über durchhältst und mit einer Portion Spannung und einem gut ausgedachten Plot verknüpfst ... :thumbup:

      LG
      Arathorn
    • @Arathorn
      Danke für dein Feedback. Das drapieren habe ich komischerweise erst beim letzten Überarbeiten eingepflegt, weil ich "abgelegt" so langweilig fand :D Jetzt muss ich wieder nach ner Alternative suchen.

      Arathorn schrieb:

      ("seinen Ursprung zu orten" oder sowas in der Art; so ist das zu umständlich und leseflusshemmend formuliert)
      Hier ist das Problem, dass vor der Wörtlichen Rede bereits "Ursprung" steht. Da muss ich nochmal Brainstormen :D

      Das mit dem "Durchs Haus hallen" ist mir nicht aufgefallen. Wird geändert :)


      Arathorn schrieb:

      Wenn du dieses Maß an Humor die ganze Geschichte über durchhältst und mit einer Portion Spannung und einem gut ausgedachten Plot verknüpfst ...
      Ich denke eigentlich nach jedem Abschnitt den ich schreibe, dass ich das mit dem Humor unmöglich durchhalten kann. Und dann schreibe ich weiter und irgendwie findet sich immer wieder sowas. Ein Vorteil, wenn man nicht geradeaus sondern nur Knoten denken kann ...
      Mit dem Plot kann ichs nicht sagen. Ich habe ne Grundstory, habe alle Inhalte durchgeplant, aber ob der nun gut wird weiß ich nicht. (Wer weiß das bei seinen geschichten schon? :D) Ich kenne auch keine Krimis und werde auch keinen lesen, damit ich mir die Freiheit nicht verbaue. Vielleicht ist es gut mal keine Ahnung vom Genre zu haben (nicht zu Verwechseln mit Ahnung vom Inhalt und den Hintergründen)

      Also nochmal danke fürs Feedback!

      Liebe Grüße
      Jan
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • Geweihter schrieb:

      »Telefon!«, donnerte Ernas Stimme aus der Küche.
      Ich weiß nicht. Donnernde Stimme? Bei einer Frau? Auch wenn ich mir Erna als derbe, rustikale alte Frau vorstelle, passt das nicht so. Da bin ich gestern beim Lesen schon drübergestolpert und der Eindruck ist geblieben xD

      So stimmungsvoll beschrieben, diese gammligen Zustände bei dem Ehepaar. Sie macht den Abwasch, er sifft nur rum. Den Klick auf's Krimi-Thema bereue ich nicht. Und Arathorn spricht mir aus der Seele.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • @Wysenfelder Also ich finde die donnernden stimme zu dieser, wie du sagst, derben und auch etwas stämmige gebauten frau, die wird kein zartes stimmchen haben :D

      @Geweihter dass die humorvollen Stellen spontan entstehen, muss auch so sein :P wenn du dir vorher was überlegst und das zwanghaft einbauen willst, passts ja für gewöhnlich net besonders gut rein, es kommt immer aus der Situation der Figuren raus, und bei deinen wird dich das vor keine Probleme stellen, denke ich :thumbsup:
    • @Arathorn
      Ja, da hast du sicher recht. Jetzt gehts ja wieder mit Finn weiter.

      21:00 Uhr
      »Ich bin unterwegs«, sagte Finn und legte auf.
      Ein breites Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, als er den Motor aufheulen ließ und mit quitschenden Reifen losfuhr.
      Mit einer Hand steuerte er sein Fahrzeug sicher über die Straße, mit der anderen tastete er seine Jackentaschen nach dem Mundspray ab. Schließlich fand er es und erfrischte seinen Atem.
      Die Musiklautstärke hatte er heruntergedreht, als er sein Smartphone vibrieren gespürt hatte. Jetzt stellte er den Regler wieder auf ein deutlich höheres Maß.
      Bis zu seinem Ziel brauchte er nur ein paar Minuten - was nicht gänzlich seinem Fahrstil zuzurechnen war. Allerdings bog er eine Straße früher links ab, parkte seinen Wagen am Rand und stellte den Motor ab.
      Dann schaltete er das Licht ein, klappte die Blende herunter und öffnete das Türchen, hinter dem sich der Spiegel verborgen hielt.
      »Joa ... passt schon«, kommentierte er das Ergebnis seines Umstylings.
      Das blonde Haar hatte er in wilden Fransen nach oben gegelt und nun wusch er sich durch das geöffnete Fenster die Hände mit den Resten seines Mineralwassers.
      Ein letztes Mal begutachtete er sein kantiges Gesicht im Spiegel, blickte in seine grünen Augen und befand das Ergebnis für gut.
      Er öffnete das Handschuhfach, kramte eine kleine Box mit CDs hervor und opferte seiner Metal-Musik für eine deutlich sanftere, kuschlige Variante.
      »Es kann los gehen«, sagte er zu sich selbst, als er die Box wieder verstaut hatte und den Motor erneut startete. Dann fuhr er die restlichen Meter deutlich langsamer und achtete auf jede Verkehrsregel.
      Das Scheinwerferlicht erfasste das Mädchen. Das blonde Haar hatte es nach hinten gebunden. Es wirkte etwas zu streng, wie Finn fand. Vor nicht ganz zwei Wochen in der Disco hatte Sina es offen getragen und das hatte ihr viel besser gestanden. Vielleicht wollte sie älter, reifer wirken.
      Ihr Outfit stand dem von vor zwei Wochen allerdings in nichts nach: Sie trug ein rotes Top mit Spaghettiträgern und darüber eine modische, an der Taille eng geschnittene Jeansjacke. Dazu einen schwarzen Rock und schwarze Sandaletten.
      Sina war keine von den Frauen, die sich auf High Heels lächerlich machen oder durch kurze Kleider auffallen mussten. Sie hatte ihren eigenen Stil und das mochte Finn.
      Aber vor allem war er an dem interessiert, was unter der Kleidung steckte.
      Der Polizist hielt einige Meter von ihr entfernt, damit sie zu ihm laufen musste. In dieser Zeit stieg er aus, kam ihr entgegen und nahm sie so unaufdringlich wie möglich in den Arm.
      »Schön dich wiederzusehen, Sina«, sagte er freundlich mit ruhiger, sonorer Stimme, die Frauen bei ihm so anziehend fanden - ganz sicher.
      Sanft aber bestimmt legte er seine Hand an ihr Rückrad und führte sie zu seinem Auto.
      Er öffnete ihr die Beifahrertür, wie er es schon dutzende Male für andere Damen und Festgenommene getan hatte.
      Ihr Dank bestand aus einem süßen Lächeln.
      Er umrundete den Wagen angemessenen Schrittes und ließ sich dann gelassen auf den Fahrersitz fallen.
      »Fühl dich wie Zuhause«, bot er Sina an. »Es ist zwar nicht das, womit man eine bezaubernde junge Dame abends abholen sollte, aber mein Ferrari wird gerade gewaschen.«
      Erneut ein süßes Lächeln. Ihre blauen Augen leuchteten förmlich. Sie hatte ein etwas zu rundliches Gesicht für Finn` Geschmack, aber ihr Lächeln und die schmale, kleine Nase machten diesen Makel wieder wett. Er musste sie ja nicht heiraten ...
      »Ich steh nicht so auf Ferraris«, gab das Mädchen zurück und sah ihm direkt in die Augen.
      »Dann lag ich mit dem uralten Audi also zumindest bei deinem Autogeschmack richtig?« Er lächelte sie an und sie erwiderte es.
      Einen Moment war alles still, bis Finn den Blick abwandte. »Wohin möchtest du?«
      »Weg von hier«, erwiderte sie und warf einen gequälten Blick auf ihr Elternhaus.
      An einem beleuchteten Fenster im Erdgeschoss konnte Finn eine Gestalt entdecken, die sie regungslos beobachtete.
      »Das ist mein Vater«, erklärte Sina leise, als schäme sie sich für ihre Worte.
      »Er ist ... unheimlich«, gab Finn zu und fragte dann an sie gewandt: »Ist alles okay bei dir?«
      »Ja, klar«, log sie.
      »Gut«, sagte der Polizist, der sie nicht weiter unter Druck setzen wollte, indem er sie mit Fragen löcherte.
      Einen Moment fühlte er sich unwohl, weil er im Begriff war, die Verletzlichkeit des Mädchens auszunutzen. Aber er half ihr doch auch.
      »Also weg von hier«, wiederholte Finn und legte den ersten Gang ein. Gemächlich rollte der Audi vor und der junge Mann beschleunigte leicht.
      »Du hörst gute Musik«, sagte Sina schließlich.
      »Danke. Ist nicht so bekannt die Gruppe, aber die machen echt gute Musik«, erklärte Finn ein wenig stolz, weil er offenbar die richtige CD ausgewählt hatte. »Was hörst du denn so für Musik?«
      Es war sicherer sich über seichte Themen auszutauschen und nicht über die Probleme zu sprechen, vor denen sie gerade floh. Zum einen konnte dann ein einziges falsches Wort den Abend vorzeitig beenden und zum anderen konnte es dazu führen, dass sie sich den ganzen Abend nur bei ihm ausheulte ... verbal!
      Sina lächelte unsicher, als sie antwortete: »Nichts Besonderes eigentlich. Ich mag dieses Ruhige, Rockige ganz gerne.«
      »Dann scheinen wir ja den gleichen Musikgeschmack zu haben«, stellte Finn fest und warf einen flüchtigen Blick auf sie.
      »Das stimmt. Komisch. Ich hätte gedacht, dass du härtere Musik hörst.«
      »Härtere?« Der junge Mann sah sie fragend an. »Metal oder was meinst du?«
      Sie nickte nur.
      »Ach manchmal höre ich normalen Rock, aber Metal ist nichts für mich. Zu viel Gekreische und Herumgebrülle und so. Dann schlagen die immer ihre Gitarren kaputt.«
      Sina kicherte süß. »So habe ich mir das auch immer vorgestellt. Aber das Zerstören von Gitarren sichert immerhin Arbeitsplätze und auch die Nachfrage nach Ohrenärzten nimmt drastisch zu.«
      Verdammt, dachte Finn, sie ist intelligent.
      Sie nutzte komplizierte Satzgebilde und Begriffe wie »drastisch«, was gerade für eine 19-Jährige sehr ungewöhnlich war. Intelligente Mädchen waren schwerere Ziele. Andererseits reizte ihn das.
      »Ich hätte wohl auch Ohrenarzt werden sollen«, überlegte Finn laut. »Das ist viel sicherer und ruhiger, als die Arbeit als Polizist.«
      Er hatte letztes Mal schon eingeworfen, dass er bei der Polizei arbeitete, aber solch wichtigen Details mussten der Zielperson geläufig sein. Lügen brachte Frauen gegenüber nicht viel, zumindest nicht in dieser Größenordnung. Aber seine guten Seiten ins Rampenlicht zu stellen, damit die schlechten in deren Schatten unkenntlich blieben, das war ein altbewährtes Mittel.
      »Ohrenarzt?«, echote Sina. »Dein Ernst? Und dann fährst du mit deinem Porsche auch mit sechzig über die Landstraße?«
      »Ohrenärzte machen soetwas?«, fragt Finn belustigt.
      »Alle«, versicherte Sina. »Alle.«
      Sie lachten.
      Eigentlich war sie gar kein so schlechtes Mädchen, aber Beziehungen waren für Finn tabu. Er musste sich auf seine Arbeit konzentrieren. Gelegentlich ein Date und eine ablenkungsreiche Nacht konnten nicht schaden, aber eine Freundin würde nur stören. Also würde es bei diesem Abend bleiben.
      »Wo fahren wir hin?«, fragte das Mädchen einen Moment später, als sie eine verwaiste Kreuzung passierten.
      »Ich würde dich gerne auf ein Getränk einladen, wenn du möchtest«, offenbarte Finn und Sina nickte schnell zustimmend.
      Was erhoffte sie sich wohl von diesem Abend? Ablenkung, jemanden zum Reden, Sex oder vielleicht einen liebevollen Freund?
      Frauen interpretierten gerne Eigenschaften in Männer hinein. Das war wohl auch der Grund, warum viele so enttäuscht wurden. Mit welchem Gefühl würde sie morgen erwachen?
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • @sneaky bastard
      Danke fürs Feedback, werde da nochmal drüber gehen.

      Es geht mal wieder weiter. 2 kleine Abschnitte über Volker.

      21:20 Uhr
      Volker legte seine Zeigefinger an die Schläfen und massierte diese.
      »Hier, trink einen Schluck Wasser« Erna stellte das Glas vorsichtig vor ihrem Mann auf den Tisch.
      Sie bedachte ihn mit mitleidigen Blicken. Sie wusste, wie er sich fühlte, denn auch sie hatte schon nahe Verwandte zu Grabe tragen müssen.
      »Ich brauche kein Wasser. Ich hole mir einen Whisky«, brummte Volker mehr zu sich selbst, als zu seiner Gattin.
      Seufzend erhob er sich und wankte zu einer mächtigen Vitrine, in der unterschiedlichste Schnapssorten sehnsüchtig darauf warteten, einen dicken Kopf zu verursachen.
      Erna sah ihm hilflos nach und beobachtete, wie er kraftlos die Tür öffnete und nach einer noch verschlossenen Flasche Scotch griff.
      »Aber Volker«, versuchte sie ihn abzuhalten. »Das ist der teure Scotch von ...«
      Ihre Stimme erstarb, als sich ihr Ehemann umdrehte und sie glucksend ansah. »Von wem? Von meinem Bruder, ja. Und jetzt ist er tot. Ich will seinen teuren Scotch nicht mehr im Schrank haben. Vielleicht hat er ihn mir deshalb geschenkt, damit ... damit ...«
      Seine Stimme erstarb in einem Schüttelanfall. Tränen rannen über seine Wange und er presste die Flasche an seine Brust wie ein Kind seine Puppe.
      Erna kam zu ihm, wollte ihn in den Arm nehmen, aber er wandte ihr nur den Rücken zu.
      »Lass mich in Ruhe.« Seine Stimme vibrierte, war viel höher als sonst.
      Volker wusste, dass es nicht in Ordnung war, seine Frau so zu behandeln, wo sie doch nur versuchte ihm zu helfen, aber diese Erkenntnis führte nicht dazu, dass er sein Verhalten änderte. Im Moment dachte er nur an seinen eigenen Schmerz.
      Sein Bruder war zwei Jahre jünger als Volker gewesen und mit 57 einfach viel zu jung, zum Sterben.
      Seine Hand zitterte, als er nach dem Cognac-Glas in der Vitrine griff und sich damit auf seinen Lieblingssessel zurückzog, in dem er nur eine Stunde zuvor zufrieden die Zeitung gelesen hatte.
      Er konnte sich noch daran erinnern, wie er daran gedacht hatte, dass zwölf Tote in der Ukraine doch noch ganz erträglich waren, wenn man bedachte, dass dort kriegsähnliche Zustände herrschten. Aber es waren zwölf Brüder gewesen. Zwölf Väter und Söhne. Die Zahl der Trauernden war ungleich höher als die der Toten.
      Volker verschüttete einen nicht zu verachtenden Teil des teuren Alkohols, als er sein Glas zu füllen versuchte. Ihn scherte das wenig, wollte er doch einfach nur, dass das hochprozentige Getränk sein Leid verbrannte.

      21:45 Uhr
      Der Alkohol begann endlich zu wirken. Das Cognac-Glas war fast bis zum Rand gefüllt und auf dem kleinen Beistelltisch verbündeten sich die Pfützen zu einem See aus Schnaps.
      »57«, sagte Volker. »So jung. Nicht getrunken, nicht geraucht und Sport gemacht. Und was mache ich? Saufen, rauchen und fettige Sachen fressen. So gerecht ist das Leben.«
      Er vernahm Ernas Wimmern. Sie war nicht von seiner Seite gewichen und er hörte, wie sie sich erhob, der Stuhl unsanft über das Parkett kratzte und sie zu ihm kam.
      Er spürte, wie sie sanft eine Hand auf seine Schulter legte und sie vorsichtig massierte. Alkohol konnte vielleicht vorübergehend beim Verdrängen helfen, aber Liebe half beim Verarbeiten.
      »Das Leben ist nicht fair. Wer weiß das besser, als ein Polizist?«, flüsterte sie in sein Ohr und er nickte. Er war ganz weit weg. Er schwelgte in vergangenen Tagen; Tagen, an denen er einen Bruder gehabt hatte.
      Die Hände seiner Frau waren weich und warm wie seit Jahren nicht mehr. Er hatte sie beinahe vergessen. Die Nähe, die Zärtlichkeit, die früher von ihnen ausgegangen waren.
      Schmerz fraß sich in seine Leibesmitte und schnürte seine Kehle zu. Der Alkohol verklärte seinen sonst so scharfen Verstand und er hing Gedankenströmen nach, die er selbst nicht zu deuten wusste.
      Die tröstenden Hände an seiner Schulter blieben und gaben ihm Halt, den ihm Alkohol nicht zu schenken vermocht hatte.
      Manchmal flüstert der Wind eine Legende,
      bevor die Geschichte sie zu schreiben vermag.

      Hört das Flüstern:

      Der Orden der Geweihten


    • Spoiler anzeigen
      21:00 Uhr
      »Ich bin unterwegs«, sagte Finn und legte auf.
      Ein breites Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, als er den Motor aufheulen ließ und mit quitschenden (quietschenden) Reifen losfuhr.
      Mit einer Hand steuerte er sein Fahrzeug sicher über die Straße, mit der anderen tastete er seine Jackentaschen nach dem Mundspray ab. Schließlich fand er es und erfrischte seinen Atem.
      Die Musiklautstärke hatte er heruntergedreht, als er sein Smartphone vibrieren gespürt hatte. Jetzt stellte er den Regler wieder auf ein deutlich höheres Maß.
      Bis zu seinem Ziel brauchte er nur ein paar Minuten - was nicht gänzlich seinem Fahrstil zuzurechnen war. Allerdings bog er eine Straße früher links ab, parkte seinen Wagen am Rand und stellte den Motor ab.
      Dann schaltete er das Licht ein, klappte die Blende herunter und öffnete das Türchen, hinter dem sich der Spiegel verborgen hielt.
      »Joa ... passt schon«, kommentierte er das Ergebnis seines Umstylings.
      Das blonde Haar hatte er in wilden Fransen nach oben gegelt und nun wusch er sich durch das geöffnete Fenster die Hände mit den Resten seines Mineralwassers.
      Ein letztes Mal begutachtete er sein kantiges Gesicht im Spiegel, blickte in seine grünen Augen und befand das Ergebnis für gut.
      Er öffnete das Handschuhfach, kramte eine kleine Box mit CDs hervor und opferte seiner Metal-Musik für eine deutlich sanftere, kuschlige (kuschelige) Variante.
      »Es kann los gehen (zusammen)«, sagte er zu sich selbst, als er die Box wieder verstaut hatte und den Motor erneut startete. Dann fuhr er die restlichen Meter deutlich langsamer und achtete auf jede Verkehrsregel.
      Das Scheinwerferlicht erfasste das Mädchen. Das blonde Haar hatte es nach hinten gebunden. Es wirkte etwas zu streng, wie Finn fand. Vor nicht ganz zwei Wochen in der Disco hatte Sina es offen getragen und das hatte ihr viel besser gestanden. Vielleicht wollte sie älter, reifer wirken.
      Ihr Outfit stand dem von vor zwei Wochen allerdings in nichts nach: Sie trug ein rotes Top mit Spaghettiträgern und darüber eine modische, an der Taille eng geschnittene Jeansjacke. Dazu einen schwarzen Rock und schwarze Sandaletten (der Satz lässt sich auch so umformulieren, dass du das schwarz auf beide Kleidungsstücke beziehst und nicht doppelt schreiben musst).
      Sina war keine von den Frauen, die sich auf High Heels lächerlich machen oder durch kurze Kleider auffallen mussten. Sie hatte ihren eigenen Stil [Komma] und das mochte Finn.
      Aber vor allem war er an dem interessiert, was unter der Kleidung steckte.
      Der Polizist hielt einige Meter von ihr entfernt, damit sie zu ihm laufen musste. In dieser Zeit stieg er aus, kam ihr entgegen und nahm sie so unaufdringlich wie möglich in den Arm.
      »Schön dich wiederzusehen, Sina«, sagte er freundlich mit ruhiger, sonorer Stimme (zu viele Adjektive), die Frauen bei ihm so anziehend fanden - ganz sicher.
      Sanft [Komma] aber bestimmt legte er seine Hand an ihr Rückrad (Ich schätze mal, dass sie keine Räder hat und du "Rückgrat" meinst, aber das Wort passt in dem Bezug so oder so nicht besonders gut :D ) und führte sie zu seinem Auto.
      Er öffnete ihr die Beifahrertür, wie er es schon dutzende Male für andere Damen und Festgenommene getan hatte.
      Ihr Dank bestand aus einem süßen Lächeln.
      Er umrundete den Wagen angemessenen Schrittes und ließ sich dann gelassen auf den Fahrersitz fallen.
      »Fühl dich wie Zuhause (zu Hause - wenn er von seinem Haus redet, kann er es sein Zuhause nennen, aber so wie du es hier verwendest, gehört es auseinander)«, bot er Sina an. »Es ist zwar nicht das, womit man eine bezaubernde junge Dame abends abholen sollte, aber mein Ferrari wird gerade gewaschen.«
      Erneut ein süßes Lächeln. Ihre blauen Augen leuchteten förmlich. Sie hatte ein etwas zu rundliches Gesicht für Finn` ( =O Finns!!!! Mach diesen Apostroph ja nicht nochmal :P ) Geschmack, aber ihr Lächeln und die schmale, kleine Nase machten diesen Makel wieder wett. Er musste sie ja nicht heiraten ...
      »Ich steh nicht so auf Ferraris«, gab das Mädchen zurück und sah ihm direkt in die Augen.
      »Dann lag ich mit dem uralten Audi also zumindest bei deinem Autogeschmack richtig?« Er lächelte sie an und sie erwiderte es.
      Einen Moment war alles still, bis Finn den Blick abwandte. »Wohin möchtest du?«
      »Weg von hier«, erwiderte sie und warf einen gequälten Blick auf ihr Elternhaus.
      An einem beleuchteten Fenster im Erdgeschoss konnte Finn eine Gestalt entdecken, die sie regungslos beobachtete.
      »Das ist mein Vater«, erklärte Sina leise, als schäme sie sich für ihre Worte.
      »Er ist ... unheimlich«, gab Finn zu und fragte dann an sie gewandt: »Ist alles okay bei dir?«
      »Ja, klar«, log sie.
      »Gut«, sagte der Polizist, der sie nicht weiter unter Druck setzen wollte, indem er sie mit Fragen löcherte.
      Einen Moment fühlte er sich unwohl, weil er im Begriff war, die Verletzlichkeit des Mädchens auszunutzen. Aber er half ihr doch auch.
      »Also weg von hier«, wiederholte Finn und legte den ersten Gang ein. Gemächlich rollte der Audi vor und der junge Mann beschleunigte leicht.
      »Du hörst gute Musik«, sagte Sina schließlich.
      »Danke. Ist nicht so bekannt [Komma] die Gruppe, aber die machen echt gute Musik«, erklärte Finn ein wenig stolz, weil er offenbar die richtige CD ausgewählt hatte. »Was hörst du denn so für Musik
      Es war sicherer [Komma] sich über seichte Themen auszutauschen und nicht über die Probleme zu sprechen, vor denen sie gerade floh. Zum einen konnte dann ein einziges falsches Wort den Abend vorzeitig beenden und zum anderen konnte es dazu führen, dass sie sich den ganzen Abend nur bei ihm ausheulte ... verbal!
      Sina lächelte unsicher, als sie antwortete: »Nichts Besonderes eigentlich. Ich mag dieses Ruhige, Rockige ganz gerne.«
      »Dann scheinen wir ja den gleichen Musikgeschmack zu haben«, stellte Finn fest und warf einen flüchtigen Blick auf sie.
      »Das stimmt. Komisch. Ich hätte gedacht, dass du härtere Musik hörst.«
      »Härtere?« Der junge Mann sah sie fragend an. »Metal [Komma] oder was meinst du?«
      Sie nickte nur.
      »Ach manchmal höre ich normalen Rock, aber Metal ist nichts für mich. Zu viel Gekreische und Herumgebrülle und so. Dann schlagen die immer ihre Gitarren kaputt.«
      Sina kicherte süß. (sie kichert ein bisschen zu oft süß, solltest du vlt noch ein paar Mal streichen) »So habe ich mir das auch immer vorgestellt. Aber das Zerstören von Gitarren sichert immerhin Arbeitsplätze und auch die Nachfrage nach Ohrenärzten nimmt drastisch zu.«
      Verdammt, dachte Finn, sie ist intelligent.
      Sie nutzte komplizierte Satzgebilde und Begriffe wie »drastisch«, was gerade für eine 19-Jährige sehr ungewöhnlich war. (so kompliziert waren ihre Satzgebilde eigentlich nicht, und dass eine 19jährige solche Begriffe benutzt ist auch nicht DIE riesige Seltenheit :D ) Intelligente Mädchen waren schwerere Ziele. Andererseits reizte ihn das.
      »Ich hätte wohl auch Ohrenarzt werden sollen«, überlegte Finn laut. »Das ist viel sicherer und ruhiger, (weg damit) als die Arbeit als Polizist.«
      Er hatte letztes Mal schon eingeworfen, dass er bei der Polizei arbeitete, aber solch wichtigen (solch wichtige/solche wichtigen) Details mussten der Zielperson geläufig sein. Lügen brachte Frauen gegenüber nicht viel, zumindest nicht in dieser Größenordnung. Aber seine guten Seiten ins Rampenlicht zu stellen, damit die schlechten in deren Schatten unkenntlich blieben, das war ein altbewährtes Mittel.
      »Ohrenarzt?«, echote Sina. »Dein Ernst? Und dann fährst du mit deinem Porsche auch (stell das "auch" hinter das "du", das passt hier besser) mit sechzig über die Landstraße?«
      »Ohrenärzte machen soetwas?«, fragt Finn belustigt.
      »Alle«, versicherte Sina. »Alle.«
      Sie lachten.
      Eigentlich war sie gar kein so schlechtes Mädchen, aber Beziehungen waren für Finn tabu. Er musste sich auf seine Arbeit konzentrieren. Gelegentlich ein Date und eine ablenkungsreiche Nacht konnten nicht schaden, aber eine Freundin würde nur stören. Also würde es bei diesem Abend bleiben.
      »Wo fahren wir hin?«, fragte das Mädchen einen Moment später, als sie eine verwaiste Kreuzung passierten.
      »Ich würde dich gerne auf ein Getränk einladen, wenn du möchtest«, offenbarte Finn [Komma] und Sina nickte schnell zustimmend.
      Was erhoffte sie sich wohl von diesem Abend? Ablenkung, jemanden zum Reden, Sex oder vielleicht einen liebevollen Freund?
      Frauen interpretierten gerne Eigenschaften in Männer hinein. Das war wohl auch der Grund, warum viele so enttäuscht wurden. Mit welchem Gefühl würde sie morgen erwachen?


      So, endlich mal den ersten Teil nachgeholt :whistling:
      Nicht ganz so gut geschrieben wie die vorigen, alles etwas umständlich, mit vielen Adjektiven, oft den gleichen Wendungen ... kann man aber durchaus lesen, wenn du den Sachen nochmal ein wenig Aufmerksamkeit schenkst :thumbsup:
      Mal sehen, ob sie überhaupt noch dazu kommen, was zu trinken.

      LG
      Arathorn
    • Nun der zweite Teil:

      Spoiler anzeigen
      21:20 Uhr
      Volker legte seine Zeigefinger an die Schläfen und massierte diese.
      »Hier, trink einen Schluck Wasser« Erna stellte das Glas vorsichtig vor ihrem Mann auf den Tisch.
      Sie bedachte ihn mit mitleidigen Blicken. Sie wusste, wie er sich fühlte, denn auch sie hatte schon nahe Verwandte zu Grabe tragen müssen.
      »Ich brauche kein Wasser. Ich hole mir einen Whisky«, brummte Volker mehr zu sich selbst, (weg damit) als zu seiner Gattin.
      Seufzend erhob er sich und wankte zu einer mächtigen Vitrine, in der unterschiedlichste Schnapssorten sehnsüchtig darauf warteten, [jemandem] einen dicken Kopf zu verursachen.
      Erna sah ihm hilflos nach und beobachtete, wie er kraftlos die Tür öffnete und nach einer noch verschlossenen Flasche Scotch griff.
      »Aber Volker«, versuchte sie ihn abzuhalten. »Das ist der teure Scotch von ...«
      Ihre Stimme erstarb, als sich ihr Ehemann umdrehte und sie glucksend ansah. »Von wem? Von meinem Bruder, ja. Und jetzt ist er tot. Ich will seinen teuren Scotch nicht mehr im Schrank haben. Vielleicht hat er ihn mir deshalb geschenkt, damit ... damit ...«
      Seine Stimme erstarb in einem Schüttelanfall. Tränen rannen über seine Wange und er presste die Flasche an seine Brust wie ein Kind seine Puppe.
      Erna kam zu ihm, wollte ihn in den Arm nehmen, aber er wandte ihr nur den Rücken zu.
      »Lass mich in Ruhe.« Seine Stimme vibrierte, war viel höher als sonst.
      Volker wusste, dass es nicht in Ordnung war, seine Frau so zu behandeln, wo sie doch nur versuchte ihm zu helfen (ihm doch nur zu helfen versuchte; wenn dus nicht umstellen willst, muss ein Komma rein), aber diese Erkenntnis führte nicht dazu, dass er sein Verhalten änderte. Im Moment dachte er nur an seinen eigenen Schmerz.
      Sein Bruder war zwei Jahre jünger als Volker gewesen und mit 57 einfach viel zu jung, (weg) zum Sterben.
      Seine Hand zitterte, als er nach dem Cognac-Glas in der Vitrine griff und sich damit auf seinen Lieblingssessel zurückzog, in dem er nur eine Stunde zuvor zufrieden die Zeitung gelesen hatte.
      Er konnte sich noch daran erinnern, wie er daran gedacht hatte, dass zwölf Tote in der Ukraine doch noch ganz erträglich waren, wenn man bedachte, dass dort kriegsähnliche Zustände herrschten. Aber es waren zwölf Brüder gewesen. Zwölf Väter und Söhne. Die Zahl der Trauernden war ungleich höher als die der Toten.
      Volker verschüttete einen nicht zu verachtenden Teil des teuren Alkohols, als er sein Glas zu füllen versuchte. Ihn scherte das wenig, wollte er doch einfach nur (streich eins von beiden), dass das hochprozentige Getränk sein Leid verbrannte.

      21:45 Uhr
      Der Alkohol begann endlich zu wirken. Das Cognac-Glas war fast bis zum Rand gefüllt und auf dem kleinen Beistelltisch verbündeten sich die Pfützen zu einem See aus Schnaps.
      »57«, sagte Volker. »So jung. Nicht getrunken, nicht geraucht und Sport gemacht. Und was mache ich? Saufen, rauchen und fettige Sachen fressen. So gerecht ist das Leben.«
      Er vernahm Ernas Wimmern. Sie war nicht von seiner Seite gewichen und er hörte, wie sie sich erhob, der Stuhl unsanft über das Parkett kratzte und sie zu ihm kam.
      Er spürte, wie sie sanft eine Hand auf seine Schulter legte und sie vorsichtig massierte. Alkohol konnte vielleicht vorübergehend beim Verdrängen helfen, aber Liebe half beim Verarbeiten.
      »Das Leben ist nicht fair. Wer weiß das besser, (weg) als ein Polizist?«, flüsterte sie in sein Ohr und er nickte. Er war ganz weit weg. Er schwelgte in vergangenen Tagen; Tagen, an denen er einen Bruder gehabt hatte.
      Die Hände seiner Frau waren weich und warm wie seit Jahren nicht mehr. Er hatte sie beinahe vergessen. Die Nähe, die Zärtlichkeit, die früher von ihnen ausgegangen waren.
      Schmerz fraß sich in seine Leibesmitte und schnürte seine Kehle zu. Der Alkohol verklärte seinen sonst so scharfen Verstand und er hing Gedankenströmen nach, die er selbst nicht zu deuten wusste.
      Die tröstenden Hände an seiner Schulter blieben und gaben ihm Halt, den ihm Alkohol nicht zu schenken vermocht hatte.


      Ausgezeichneter Teil, sowohl ortographisch als auch inhaltlich :thumbup:
      Du bringst die Gefühle sehr gut rüber, seine Reaktionen und Gedanken sind nachvollziehbar und vor allem die Verbindung zu dem, was er in der Zeitung gelesen hatte (Ukraine) passt rein :thumbsup:

      LG
      Arathorn