Was lest ihr gerade? (Non-Fantasy)

  • Ich habe nicht mal den Hobbit "geschafft", der war mir derart dröge, den hab ich schon nach zehn Seiten als Cory-unlesbar deklariert.

    Dieselbe Erfahrung habe ich mit dem ersten Teil der Herr der Ringe gemacht. Nachdem ich gefühlt 250 Seiten gelesen habe und die Hobbits an diesem Punkt immer noch nicht aus ihrem Auenland aufgebrochen sind, habe ich den Autoren für mich aufgegeben.

    Ich mein, wenn ich mich derart intensiv damit beschäftigen will, welcher Verwandter welches Silberbesteck vererbt bekommt und wieso oder wieso auch nicht, lese ich mir lieber das Testament von meiner Uroma durch :| Da sagen mir die aufgelisteten Namen wenigstens was :rofl:

  • Die eingefleischten Tolkien-Fans kreischen jetzt vermutlich "Dieser Idiot treibt sich in einem Fantasy-Forum herum und hat den Fantasy Epos schlechthin nicht gelesen!" (ich meine sogar wenn ich im Internet nach "Fantasy-Epos" such setzt mir Google den Herr der Ringe vor die Nase.)

    Ja warum denn das?


    Grundsaetzlich - Rothfuss ist ja auch ein Autor der sich Zeit laesst und sehr viel subtiles in sein Buch einfliessen laesst - wenn der Dir zusagt, dann koennte Tolkien das auch tun, aber muss nicht.


    Uebrigends - falls Du die Moeglichkeit hast - 'The Name of the Wind' und 'The Wise Man's Fear' auf Englisch lesen. Da sind einige recht subtile Hinweise auf die Geschichte im Text drin die ich fuer praktisch unuebersetzbar halte (falls der Uebersetzer sie ueberhaupt geschnallt hat - ich hab' dreimal Lesen gebraucht...) Das duerfte eines der Buecher sein die in der Uebersetzung viel verlieren.


    (Disclaimer: Ich beschaeftige mich viel mit Tolkien's erfundenen Sprachen, und hab' meinen Regalmeter unveroeffentlichtes und Sekundaerliteratur ueber ihn zu Hause - kann man machen, muss man aber nicht...)


    Dieselbe Erfahrung habe ich mit dem ersten Teil der Herr der Ringe gemacht. Nachdem ich gefühlt 250 Seiten gelesen habe und die Hobbits an diesem Punkt immer noch nicht aus ihrem Auenland aufgebrochen sind, habe ich den Autoren für mich aufgegeben.


    Jo, kenne ich aus eigener Erfahrung. Ich hab's erst im dritten Anlauf geschafft zu der Stelle zu kommen an der es richtig gut wird - in Moria geht's dann zur Sache und bleibt ab da spannend, aber bis zu der Stelle zieht es sich grausam lang.


    Ein Vorbild wie man ein Buch anfaengt ist HdR irgendwie nicht...

  • Heyho spiller

    Was sagt ihr? Ist der Herr der Ringe ein Meisterwerk oder überbewertet?

    Tja, darauf weiß ich jetzt auch keine Antwort, auch wenn ich die Bücher liebe. Daß sich Tolkien viel Zeit genommen hat, bis es zum ersten Mal "richtige Action" gibt, hat mich persönlich nie gestört. Ich kann aber durchaus verstehen, wenn man kein Freund von langen Einleitungen ist.


    Meisterhaft finde ich jedoch die Gesamtleistung von Tolkien. Aus dem "Kleinen Hobbit" heraus ein ganzes Universum geschaffen zu haben mit, wie Thorsten erwähnt hat, eigenen Sprachen, schlüssig in Syntax und Grammatik. Dem ganzen mit dem "Silmarillion" auch noch eine Art altes Testament hinzuzufügen, die verschiedenen erwähnten Zeitalter in das gesamte Werk einzubetten, Stammbäume und Blutlinien und einzelne Personen wie z.B. Tom Bombadil passend der Geschichte hinzuzufügen...ganz schön viel Arbeit für einen einzigen Menschen, finde ich.

    Deswegen war's ja auch Tolkiens Lebenswerk.:)


    Trotzdem muß man seine Büchern nicht gelesen haben.

    Tolkien ist große Fantasy - aber Fantasy ist nicht Tolkien.:D


    Und was in diesem Forum geschrieben und diskutiert wird, ist die Fantasy, die unseren Köpfen entsprungen ist. Und, ganz ehrliche Meinung: Da gibt's viel Gutes zu entdecken!:panik::panik::panik:


    In diesem Sinne: Viel Spaß!^^

  • Ist der Herr der Ringe ein Meisterwerk oder überbewertet?

    Mit etwas mehr Zeit - ich denke HdR ist ohne Frage ein Meisterwerk - ganz unabhaengig davon ob jemand persoenlich das Buch mag oder nicht, und trotz der Schwaechen in Tolkien's Erzaehltechnik und in der Darstellung der Protagonisten. Man kann da Vinci zugestehen Meisterwerke gemalt zu haben ohne sich eines davon ins Zimmer haengen zu wollen - muss nicht jedem gefallen.


    HdR hat Schwaechen - von Shippey wird z.B. zum Rat von Elrond kommentiert dass in dem Kapitel ganz viel passiert von dem man Schreibern dringend abraet - fuer 15.000 Woerter passiert nichts ausser dass geredet wird, ein Grossteil der Sprecher ist neu in der Geschichte, teilweise zitieren diese auch noch das was andere gesprochen haben, mehrere der neu eingefuehrten Sprecher kommen nacher nicht so richtig wieder vor... Tolkien's Meisterwerk ist ein 'trotzdem', dass nicht alles meisterhaft ist, ist bekannt und ausfuehrlich kommentiert.


    Also - warum Meisterwerk?


    Erstmal hat Tolkien das Genre 'Fantasy' quasi definiert - er hatte keine Vorbilder die ihm gesagt haetten wie er das nun machen soll, er wollte ein 'Legendarium' erschaffen und eine Welt in der elbische Sprachen Sinn machen. Anders als wir hatte er auch keine Negativbeispiele die ihm gesagt haetten wie man Dinge nicht tut - auch das musste er selber rausfinden. Aber sein Einfluss ist ungeheuer - Elben/Elfen, Zwerge, Orks, Goblins, Trolle und Halblinge sind Themen in unzaehligen Fantasy-Romanen und Geschichten seitdem - ganze Generationen von Schreibern sind von seinem Werk inspiriert.



    Dann hat Tolkiens Text Tiefe - deutlich mehr als die meisten anderen Fantasy Texte - man kann in ihn reinschauen und sich fragen - was hat er sich da gedacht - und normalerweise wird man fuendig werden. Das geht mit Namen los - wer glaubt dass es Zufall ist das Sam Gamgee Rosi Cotton heiratet, sollte mal kurz bei Google nachschauen was 'Gamgee' eigentlich ist...


    Hinter den meisten Namen steht eine Geschichte - manchmal wird sie erzaehlt, manchmal ist sie einfach nur da und muss erforscht werden. Der Brandywine-River heisst auf Elbisch Baranduin - das ist eine klassische Verballhornung wie man sie in Irland hundertmal finden kann wenn irische Ortsnamen ins Englische uebertragen wurden - Tolkien kennt diese Prozesse alle, und sie finden in seinen Geschichten statt. Baranduin wiederum heisst auf Sindarin 'brauner Fluss' - da kann man davon ausgehen dass er oft Schlamm fuehrt.


    Wenn man die Mondphasen in Tolkien's Werk mit den Reisezeiten abgleicht, dann sieht man, dass der Mond nie ein Szenenelement ist das ihm da passend erschien, sondern die hat er immer ausgerechnet und die Geschichte entsprechend angepasst.


    Vor ein paar Monaten habe ich bei einem Militaerhistoriker im Blog eine Eroerterung von der Strategie und Taktik beim Angriff auf Minas Tirith gelesen - auch das hat Hand und Fuss, Tolkien als ehemaliger Soldat kennt die Probleme von Logistik und welche Taktik man gegen einen ueberlegenen Gegner fahren wuerde, Denethors Konzept zur Verteidigung findet sich in Lehrbuechern als 'defense in depth' und wird in der Wirkung gut beschrieben...


    Es gibt, bei naeherem Hinsehen, wenig was 'einfach nur so' passiert oder als Beiwerk fuer eine Szene ist - Tolkien setzt eine riesige Maschienerie einer Welt in Bewegung und zeigt dem Leser nur einen Bruchteil davon - aber der Rest findet trotzdem konsistent statt (und wir koennen in seinen Briefen, Entwuerfen etc. teilweise davon erfahren - oder es uns zusammenreimen).


    (Grade an diesem Punkt sehe ich die Verwandschaft zu Rothfuss, der mir ebenfalls ungewoehnlich viel Tiefe in seine Texte zu stecken scheint).


    Fuer jeden der sich dafuer interessiert dass sich beinahe auf jeder Seite eine Geschichte hinter einem Namen oder einem Platz oder... finden laesst, kann ich nur den 'Reader's Companion' von Hammond und Scull empfehlen - da kann man mal sehen wie sehr der Text Tiefe hat.


    Daher - mehr als man auf den ersten Blick erkennt ist da drin, man muss das Buch nicht moegen, aber die Meisterschaft mit der hier eine Welt entworfen und in Bewegung gesetzt wurde und die Wucht mit der ein ganzes Genre inspiriert wurde kann man anerkennen.

  • Abgesehen davon, dass das hier irgendwie im flaschen Thread abläuft, doch teilweise spannende (wenn auch nicht neue) Diskussionen ^^


    Vor ein paar Monaten habe ich bei einem Militaerhistoriker im Blog eine Eroerterung von der Strategie und Taktik beim Angriff auf Minas Tirith gelesen

    Zufällig bei Bret Devereaux? Da hab ich das gelesen und etwas später ein sehr guter Vergleich mit Sarumans Fehlern in dessen Strategie bei seinem Angriff auf Rohan. Das ist schon krass, was ein Militärhistoriker noch aus den Büchern zieht, was mir in der Tiefe völlig entgangen wäre.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Pudotuspeli (finnische Uebersetzung von Misterioso) von Arne Dahl


    Der erste Band (und fuer mich als Leser der letzte) der Schwedenkrimireihe um das A-Team. Ich muss sagen, ich hab' selten ein Buch gelesen bei dem die Story so absurd war, und das mir dann doch irgendwie gefallen hat.


    Es geht also um eine Mordserie, und der Taeter wird anhand einer Musikkassette mit Jazz identifiziert die er am Tatort zurueckgelassen hat, denn auf dem Band ist eine nicht-veroeffentlichte Aufnahme, und in Schweden gibt's nur einen Haendler fuer solche Ware, der auch die Addressen seiner wenigen Kunden hat.


    Nur hat der Taeter sie da nicht gekauft - sondern er hat sie eher zufaellig bekommen. Er war naemlich ein ehemaliger Bankangestellter der seinen Ex-Arbeitgeber ueberfallen wollte, und genau in dem Moment kam ein Bankraeuber in die Bank und wollte sie auch ueberfallen. Nachdem der Ex-Angestellte ein begnadeter Darts-Spieler ist, hat er den Raeuber, einen Angehoerigen der russischem Mafia, mit einem Dart ins Auge erledigt, und kam so an dessen Waffe und Munition - und das Jazz-Band. Das der Mafioso wiederum als Teil einer Schutzgelderpressung von einem Restaurantbesitzer hatte - dessen Partner es irgendwann gekauft hatte. Jedenfalls war das fuer den Ex-Banker die Musik zu der er vor Jahren mal zusammengeschlagen wurde, und deswegen wurde er durch den Vorfall inspiriert zu einem Rachefeldzug gegen den Aufsichtsrat der Bank zu starten - und nachdem der schwedische Geheimdienst den Dart-Toten vertuscht hatte (warum auch immer) und die Munition mit der er seinen Feldzug gestartet hat aus Kasachstan war, war das ein richtig schwerer Fall...


    Naja, ich dachte immer Agatha Christie denkt sich absurd komplizierte konstruierte Geschichten aus, aber das schlaegt jetzt schon einiges...


    Trotzdem liest es sich irgendwie gut... ich frage mich, was Dahl machen koennte wenn er mal eine sinnvolle Story versuchen wuerde? Naja, wir werden es nicht erfahren, denn was nach den 10 A-Team Geschichten kommt (Sam Berger und Molly Blohm) ist ein gutes Stueck absurder...


    Jetzt muss ich mir leider eine neue Serie suchen wenn ich das naechste Mal in die Bibliothek komme...

  • Guten Tag,

    Mein derzeitiges Schriftstück, welches ich gerade lese ist eines aus meiner eigenen Feder.

    Ich überarbeite meinen neuesten Fantasyroman.


    Doch davor habe ich *DIE GNOLLE* von Olaf Raack gelesen.


    Auch Fantasy 🤭🤭 wie mir gerade in den Sinn kommt.


    Naja, wie auch immer. 😆

  • Habe Nobel House von James Clavell angefangen.

    Er versteht es mich in eine andere Kultur hinein versetzen zu lassen.

    Das Anfangskapitel mit der Dschunke wurde gelebt.

    Ein richig dicker Wälzer und mit ganz kleinen Buchstaben geschrieben.

    Ich bin glücklich.

    :)

    333 halfevil


    Feilt an euren Fähigkeiten, nicht an den Eitelkeiten.
    Und ihr werdet eines Tages vom Duft der Lorbeeren umgeben sein.


    Fragen zur Kritik werden gerne beantwortet. :)

  • Ich habe gerade "Das Herrenhaus im Moor" gelesen, ein Buch, das ich im Regal unseres Ferienhauses gefunden und mit Begeisterung verschlungen habe. Urlaubslektüre, ja, bis man zwei Drittel gelesen hat und das Ganze dann merklich Fahrt aufnimmt und man es fast nicht mehr aus der Hand legen kann.

    Zum Inhalt möchte ich nicht viel sagen, aber ich mag halt Romane, die auf mehreren Zeitebenen gleichzeitig ablaufen und mich zwingen, mich ständig an die jeweils aktuelle Zeit anzupassen. Das hat die Autorin mMn hervorragend geschafft.

    Die Protagonistin Laura hat mich einige Male dazu gebracht, verzweifelt den Kopf zu schütteln wegen so viel Naivität und mangelnder Vorsicht. Aber es sei ihr verziehen, denn viele spannende Sequenzen des Buches resultierten genau daraus.

    Mein Fazit: Man muss ein Faible haben für Zeitsprünge und viele Protagonisten (was das Vorhandensein von zwei Zeitebenen ja irgendwie mit sich bringt). Und man sollte England und alte Herrenhäuser und eine großen Portion Rätsel im Plot lieben. Das Ganze gewürzt mit eine Prise Schauer, Gänsehaut und Grauen und einer gerade noch vertretbaren Menge an Romantik. Alles in allem - Daumen hoch!

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


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  • Sodan tiedustelu (finnische Uebersetzung von Intelligence in war) von John Keegan


    Das Buch beschaeftigt sich mit der Frage, inwieweit Aufklaerung im weitesten Sinne (Gelaendescouting, Abfangen von Nachrichten, klassische Spionage,...) zum taktischen Erfolg auf dem Schlachtfeld beitraegt - erst mit allgemeinen Bemerkungen, dann anhand von Fallstudien.


    Gleich zu Anfang schon einige Aha-Erlebnisse fuer mich - bis zur Neuzeit war praktisch nur strategische Aufklaerung relevant (wie schaut das Gelaende aus? Ueber welche Truppen verfuegt der Feind? Wo sind Wirtschaftszentren?) - taktische Aufklaerung (wo ist der Feind jetzt? Was sind seine Angriffsplaene?) war de facto wertlos, weil die Information hoechstens mit der Geschwindigkeit eines Reiters transportiert werden konnte - und zum Zeitpunkt an dem sie verwertet werden haette koennen schon veraltet war. Strategische Ueberraschungen (eine Armee ist an einer unerwarteten Stelle) waren moeglich, taktische (wir greifen an waehrend der Feind noch seine Schlachtreihe formt) nicht.


    Keegan stellt auch heraus dass die Rolle von klassischer Spionage (Agentenfilme,...) gegenueber dem simplen Abfangen und decodieren von Nachrichten praktisch vernachlaessigt werden kann. Und macht auch sehr klar, dass auch totale Information kein Garant fuer einen Sieg ist - der wird immer noch auf dem Schlachtfeld geholt.


    Schon im ersten Fallbeispiel geht's dann um die Frage - Napoleon ist mit seiner Flotte von Schlachtschiffen und Truppentransportern ausgelaufen, Nelson soll ihm abfangen, hat aber dank eines Sturms die Flotte um 7 Tage verpasst - wohin soll er sich wenden? Will Napoleon Sizilien angreifen? Irland? Ins schwarze Meer? Malta - oder Aegypten? Die Admiralitaet in London kennt die Antwort zwei Wochen spaeter (dank Wissenschaftlern in Napoleons Expedition die gegenueber Kollegen getratscht haben) - aber Nelson ist auf dem Meer und kann nicht erreicht werden. Welche Schlusskette bringt ihn schliesslich (zu spaet um die Transporter zu versenken, aber immerhin... nach Abukir?) Falls es jemand interessiert wie man auf dem Meer Spuren verfolgt - man kapert Handelsschiffe und befragt die Kapitaene. Und die Gegenstrategie ist es, Handelsschiffe zu versenken, oder zu kapern und der Flotte anzugliedern...


    Im zweiten Beispiel geht's dann um Andrew 'Stonewall' Jackson, der im Buergerkrieg durch gute Gelaendekenntnis im Shenandoah Valley mit anfangs 5000 Mann (spaeter auf 16.000 verstaerkt) insgesamt 40.000 Mann der Gegenseite effektiv aus dem Gefecht genommen hat - sehr faszinierende Lektuere.


    Insgesamt - sehr lesenswert.

  • Suomalainen saamanismi (Finnischer Schamanismus) von Anna-Leena Siikala


    Der Aufhaenger des Buches ist die Frage - weisen die in der Kalevala beschriebenen Reisen von Väinämöinen nach Tuonela oder in das Innere des Riesen auf eine schamanische Tradition in Finnland hin?


    Es geht also darum was Schamanismus ausmacht, was davon man in der Kalavala findet, wie die Kalevala ueberhaupt datiert werden kann, was der vermutete kulturelle Kontext der einzelnen Strata ist,...


    Im Prinzip finde ich das alles sehr interessant und spannend... aber:


    Das Buch ist von einer Historikerin geschrieben, und es leidet drunter dass sie keinen Einblick in die Sache 'Schamanismus' an sich zu haben scheint - aka, was geht eigentlich im Schamanen vor? Ich bin also schon durch Definitionen von 'Weltanschauungsgeschichte', was ihrer Meinung nach 'Beobachtung, Vorstellungsbild und mythische Phantasie' unterscheidet,... (was in vielen Faellen einfach eine akademische Aufblaehung eines einfachen Sachverhalts zu sein scheint - dass etwa die Norm wie ein gutes Gedicht gemacht wird von der umgebenden kulturellen Norm abhaengt braucht meiner Meinung nach nicht fuenf Seiten mit Zitaten aus anderen Werken zur Erklaerung...)


    Ich stelle mir vor was passieren wuerden wenn jemand ohne Kenntnis von Mathematik versuchen wuerde darueber zu schreiben was denn ein theoretischer Physiker so tut. Irgendwie wuerde er zu komischen Schluessen kommen - erst mal tut der ja nicht viel ausserhalb seines Kopfes (bei 'Big Bang Theory' gibt's eine schoene Szene wo die Protagonisten zu der dramatischen Musik von 'Eye of the Tiger' regungslos auf eine Tafel mit Formeln starren), offensichtlich verwendet er kultische Symbole die auf irgendwas anderes verweisen, und wenn er erklaeren soll was er so tut, dann geht's um Zuege und Uhren und Meterstaebe (das ist so der Inhalt der populaerwissenschaftlichen Darstellung der Relativitaetstheorie).


    Was genau da eigentlich passiert kann man nicht verstehen ohne zu wissen wie Menschen mathematische Intuition entwickeln oder Formeln visualisieren, wie sie die kryptischen Kritzeleien auf einer Tafel in irgendeine sinnvoll bearbeitbare Repraesentation im Kopf uebersetzen - und jeder der darueber schreibt ohne das (zumindest rudimentaer) zu verstehen wird irgendwas ganz wesentliches weglassen und statt dessen gezwungen sein, einen Eiertanz aussenrum zu machen.


    So aehnlich kommt mir das hier vor - die Frage ob 'Hexer/Weiser' jetzt 'trancereisender Hexer/Weiser' bedeutet oder nicht kommt mir sinnlos vor, ich kenne kein einziges Beispiel einer Tradition wo Trancereisen nicht dazugehoeren wuerde.


    Naja, ich hoffe dass trotzdem interessantes Material drin zu finden sein wird...

  • Das Buch ist von einer Historikerin geschrieben, und es leidet drunter dass sie keinen Einblick in die Sache 'Schamanismus' an sich zu haben scheint - aka, was geht eigentlich im Schamanen vor?

    Okay, ich bin jetzt an dem Punkt angekommen dass mich die akademische Blasiertheit an machen Stellen wirklich aergert.


    Es geht um Jenseitsvorstellungen, und anscheinend wird in weiten Teilen des Feldes argumentiert - Grabstaetten nahe beim Dorf und Grabbeigaben = Vorstellung dass der Tote da im Grab wohnt.


    Echt jetzt?


    Heutige Friedhoefe sind teilweise in den Staedten, und wie an den Wohnungstueren stehen auch auf den Grabsteinen Namen drauf - und auf vielen Graebern sind Laternen - bedeutet dass das die Menschen weithin glauben dass die Toten da wohnen und nachts rauskommen und ein Licht brauchen? Und die Tatsaeche dass so viele Blumen ins Grab gelegt werden bedeutet dann dass man die Vorstellung hat dass es im Jenseits keine Blumenlaeden gibt oder was?


    Der Bronzezeitmensch war ein Homo Sapiens - die waren genauso intelligent wie wir und genauso faehig zu komplexen Gedanken. Genauso faehig zur Introspektion - es gibt keinen Grund anzunehmen dass sie nicht auf ihre Art ein genau so genaues Verstaendnis von Psychologie und Seelenleben hatten wie wir (tatsaechlich gibt's auf Aegyptisch einen Text 'Diskussion eines Mannes mit seinem Ba' der beschreibt wie ein Mensch psychische Probleme entwickelt). Die Literatur die man aus der Zeit kennt hat kraftvolle Sprache und intelligende Metaphern (Sinuhe kommt mir in den Sinn...) - braucht sich vor der heutigen nicht zu verstecken.


    Es gibt keinen Grund dass die Vorstellung der Bronzezeitmenschen vom Jenseits nicht genauso komplex sein koennten wie die der heutigen Menschen. Auf keinen Fall war der Bronzezeitmensch irgend ein daemlicher Halbaffe der immer die duemmste anzunehmende Vorstellung hatte.


    Meh - ich verstehe wenn Archaeologen Probleme haben die Jenseitsvorstellung aus der Info von Ausgrabungen zu ermitteln - aber manchmal ist ein einfaches 'geht halt nicht' besser als die Menschen anderer Zeiten summarisch fuer daemlich zu erklaeren.

  • In einem Anfall von geistiger Umnachtung hab ich "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi angefangen XD
    Weit gekommen bin ich noch nicht (und bei über 1500 Seiten wird es auch noch Weile dauern, sofern ich wirklich bis zum Schluss durchhalte :P )
    Bisher finde ich es eigentlich ganz cool. Die Namen sind zwar gewöhnungsbedürftig (ehrlich gesagt lese ich sie nicht, sondern merke mir einfach das Buchstabenmuster, damit ich weiß, um es geht XD), aber es ist ganz interessant, weil ich persönlich wenig russische Literatur kenne und dementsprechend noch weniger von der Kultur. Mit Tolstois Büchern kriegt man einen netten Eindruck von den Gepflogenheiten zu Zeiten der Buddenbrroks nur eben in Russland ^^
    Außerdem versteht Tolstoi es tolle Charaktere zu erschaffen und schon gleich zu Begionn Sympathien und Antipathien mit bestimmten Protas zu wecken. Aber keiner ist einfach weiß oder schwarz. Sie sind alle grau und haben ihre Laster.

    Naja, viel mehr kann ich dazu noch nicht sagen :pardon:


    Von Anna Karenina weiß ich allerdings, dass Tolstoi echt zur Langatmigkeit neigt und vieles bis ins letzte Detail ausführt. Das macht die Umgebung in der das Buch spielt zwar echt realistisch, aber irgendwann dachte ich mir "KOMM AUF DEN PUNKT!"
    Anna Karenina hab ich dann bis zur Hälfte durchgehalten und danach den Wikipediaeintrag gelesen :saint:

    Mal sehen, ob es mit mit Krieg und Frieden ebenso geht :P

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Ich hatte oft die Erfahrung gemacht dass Klassiker... unerwartet sind

    Das stimmt ^^ Vom Winde verweht zählt zu meinen Lieblingsbüchern und das, obwohl ich bestimmt 3 Jahre lang unentschlossen einen Bogen um das Buch gemacht hab =O Bisher macht Krieg und Frieden auch Spaß. Man taucht so ein bisschen in den Klatsch und die Oberflächlichkeit der Gesellschaft ein und bemerkt, wie sehr sich alle hinter ihren Fassaden verstecken. Zu Hause kommen dann die Probleme, Wünsche und Sehnsüchte der Protas ans Licht ^^

    Abgesehen von den russichen Namen und der Namensflut (manchmal muss ich nochmal zurückblättern, um herauszufinden, wer gemeint ist), ist es bisher wirklich gut ^^
    Kennst du es schon?

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • was sagst du denn zu stolz und Vorurteil?

    Ist 'ne Weile her, aber ich habe eigentlich gute Erinnerungen daran. Manchmal ein bisschen zaeh (als moderner Leser wuenscht man sich ja dass die Story mal weitermachen moege), aber der Kern der Geschichte ist ja, dass Elizabeth Bennet und Mr. Darcy ihr Verhalten am Anfang gegenseitig voellig fehlinterpretieren, und das finde ich nicht nur interessant, sondern auch ziemlich gut eingefangen.


    Einen guten Kommentar dazu fand ich, dass fuer 2/3 des Buches Elizabeth Bennet und Mr. Darcy, wenn man sie fragen wuerde in welchem Stueck sie spielen, das Stueck Wuerde und Beobachtungsgabe (Dignity and Perception) statt Pride and Prejudice nennen wuerden - denn sie sind der Ueberzeugung dass genau diese Dinge ihr Verhalten bestimmen, und erst im dritten Teil passieren Dinge, die diese Selbstbilder broeckeln lassen.


    Ich steh' ja auch gut geschriebene Psychologie, und von daher, doch - hat mir gut gefallen.

  • Heyho Miri & Thorsten


    Man muß nicht mit Tolstoi anfangen.

    Ich empfehle jedem Interessierten an russischer Literatur erst mal Michail Scholochov's "Geschichten vom Don" oder Ivan Turgenjews "Aufzeichnungen eines Jägers".

    Kleine,kurze Erzählungen von den einfachen Leuten Russlands. Zugegeben: Fast hundert Jahre alt zum Teil. Aber man ist dicht dran und kann die Schicksale nachvollziehen.