Was lest ihr gerade? (Non-Fantasy)

Es gibt 576 Antworten in diesem Thema, welches 88.731 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Octopoda.

  • Jo, ich habe als Hörbuch jetzt ein Mammutding angefangen, nämlich Don Quijote von der Mancha von Cervantes, übersetzt von Susanne Lange. ^^ Das ist insgesamt gut 1400 Seiten lang, mit etwa 2 x 600 Seiten der Geschichte und nochmal 2 x 100 Seiten Anmerkungen. Don Quijote besteht nämlich aus zwei Teilen, die mit um die 10 Jahre Abstand voneinander erschienen.


    Damals, als das Buch erschien, war es wohl üblich, dass den Geschichten Vorworte und Sonette vorgelagert sind. Das hat einen großen Raum eingenommen, bevor es endlich losging. :rofl: Aber es ist ganz cool zu sehen, dass Cervantes auf bestimmte Dinge wie die Unterhaltsamkeit seiner Geschichte damals schon mehr Wert gelegt hat, als schlau zu wirken.


    Don Quijote ist ein Mann, der zu viele Ritterromane gelesen hat und darüber seinen Verstand verlor. Er bastelt sich eher schlecht als recht eine Rüstung zusammen, sattelt seinen klapprigen Gaul und schwört seine Ritterlichkeit bei einer Frau, die ihn nicht kennt, mit der er nichts zu tun hat, die er plötzlich für eine adelige Dame hält, und die er auf den Namen Dulcinea tauft. (Wie er überhaupt in jeder Absteige eine Burg, in jeder Prostituierten eine Adelige sieht.)

    Bisher (3 Kapitel im Buch drin) ist es sehr unterhaltsam. :) Das Lese- bzw. Hörtempo wird aber sicher dadurch gedrosselt werden, dass ich die Anmerkungen auch noch nachlesen möchte ...


    Ich bleibe dran.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich bin ja ein großer Comedy-Fan und als ich vor ein paar Tagen im Supermarkt das Buch "Es ist nicht alles Mett, was glänzt" von Mirja Boes entdeckt habe, gab es kein Zögern und ich hab es trotz des wie ich im Nachhinein finde, doch recht stolzen Preises ( 16, 99 für234 Seiten) spontan gekauft. Mittlerweile habe ich es zweimal gelesen. (Ich lese alle Bücher mehrfach, weil ich beim zweiten Mal oft noch Dinge entdecke, die mir beim ersten Mal entgangen sind)


    Wie der Titel schon verrät, geht es ums Essen. Mirja Boes nimmt den Leser (den sie immer wieder persönlich anspricht) mit auf eine Reise ihrer persönlichen kulinarischen Abenteuer. LEIDER sind darunter auch gleich mehrere Kapitel, in denen es um das genaue Gegenteil geht, nämlich ums Übergeben (sie selbst drückt es kräftiger aus). Nun ist Mirja Boes ja bekannt für ihre freche und deftige, direkte Klappe, aber diese Kapitel hätte sie sich sparen können, ich weiß jetzt mehr über sie und ihren Mageninhalt, als ich wissen wollte.

    Dagegen finde ich das Kapitel zum Thema veganes Essen sehr gelungen und es spricht mir aus der Seele, bzw. aus dem Magen! Top!

    Was mir dann wieder sauer aufgestoßen ist, war das Eigenwerbungskapitel, in dem sie von ihrem eigenen Restaurant berichtet - natürlich mit "dezenter" Aufforderung an den Leser, da mal vorbei zu kommen. (Die Vorhänge im Rondell hat sie laut eigener Aussage selbst gewaschen.) Direkt im Anschluss kommt ein Kapitel über Meckerer im Restaurant. Nun ja ... Ich hab mal ein paar Rezessionen über ihr Restaurant gelesen und verstehe dieses Kapitel seither besser. Die sind nämlich teilweise gar nicht mal sooo toll.

    Die Kapitel über ihre zig Küchengeräte, die bei ihr im Keller stehen und die sie fast nie benutzt, sind eher langweilig. Interessant fand ich daran eigentlich nur, dass Dirk Bach ihr mal einen Hello Kitty Toaster geschenkt hat.


    Im großen und Ganzen hab ich das Buch recht gern gelesen, aber ein drittes Mal werde ich es mir wohl nicht vornehmen. Ich hab es mir auch lustiger vorgestellt. Ich gebe ihm 6 von 10 Punkten.


  • Habe ich letzte Woche aus dem offenen Bücherschrank um die Ecke gefischt.

    Vor drei Wochen war da witzigerweise dieses Buch drin, das ich ebenfalls gelesen habe:

    Nun war Sueton als mehr-oder-weniger-Zeitzeuge ja deutlich näher dran an den Lorbeerkranzträgern des römischen Imperiums und ihrem Leben und Treiben, mußte jedoch leider bei Domitian aus Gründen der eigenen Letalität Schluß machen mit der Berichterstattung.

    Ivar Lissner kann da aufgrund seines Spätgeborenenstatus deutlich mehr berichten: Nerva, Trajan, Hadrian, Marc Aurel, Antoninus Pius etc.pp.


    Trotzdem habe ich auf fast jeder Seite bei Lissner, der durchaus hohe Reputation als Historiker geniesst das Gefühl, er wäre Redakteur der BILD, während Sueton bei mir durchgehend, um im Bild zu bleiben, für die ZEIT hätte schreiben können.

    Anders ausgedrückt:

    Lissners Beschreibungen lesen sich wie Boulevard (obwohl man bei der angeführten Sekundärliteratur niederkniet!), während der Stil Suetons immer nüchtern und sachlich bleibt.


    Trotzdem wäre es natürlich völliger Humbug, Sueton als das Maß der Dinge zum Thema zu nehmen, nur weil der gerade zeitlich im Leben näher dran war als Lissner.


    Im Idealfall liest mal irgendwann jemand beide Bücher parallel und erstellt daraus eine Schnittmenge.


    Bin bei Lissner noch nicht zu Ende, ziehe trotzdem jetzt bereits Sueton vor, wenn ich was zu den Caesaren wissen will.

  • Ich hab neulich das Buch Kalmann von Joachim B. Schmidt für einen Buch-Club gelesen.


    Man würde es wohl einen Island-Krimi nennen, denn alles dreht sich um einen verschwundenen Hotelbesitzer in einem isländischen Dorf. Es ist ein sehr unaufgeregtes Buch mit einem geistig behinderten Protagonisten und Ich-Erzähler. Die Behinderung an sich wird nicht weiter spezifiziert, was wahrscheinlich eine gute Sache ist, so entgeht das Buch einem Zwang, einer realistischen Darstellung, mit der die Geschichte vielleicht nicht funktionieren würde. :hmm: Der zentrale Kunstgriff ist nämlich, das merkt der geneigte Leser schnell, das Kalmann ein Schlüsselereignis vergisst/verdrängt, weil es so viel Stress verursacht hat.

    Im Prinzip wird dem Leser so die entscheidende Information vorenthalten, man merkt immer mal, dass hier und da etwas seltsam ist, und am Ende kommt die Enthüllung. Der Geschichte fehlt es deswegen irgendwie an Dringlichkeit. Alles mögliche ist durchaus für den Fall relevant, das weiß man am Ende, aber davor fragt man sich durchaus zurecht, warum man manche Szenen jetzt unbedingt haben muss.

    Was mir am Buch gefallen hat war vor allem die naive Weisheit des Protagonisten und seine manchmal abdriftenden Gedankenströme. :) Das hat das Buch mMn getragen. Raufarhöfn und seine Bewohner sind mir ans Herz gewachsen. :)


    Ich empfehle es vor allem als Urlaubsbuch :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Momentan lese ich einen dicken Wälzer von 1280 Seiten, da finde ich durchaus okay, wenn ich nach jedem Drittel mal ein Update dazu gebe. ^^

    Das Buch heißt Das Achte Leben (Für Brilka), ist geschrieben von Nino Haratischwili und eine georgische Familiengeschichte, die in Georgien beginnt und dann irgendwann den Weg nach Deutschland finden wird. Die Originalsprache ist jedenfalls Deutsch. :)

    Familiengeschichten mag ich jedenfalls. Was ich auch durchaus mag, ist wie Haraschwili mit leuchtenfarben durchaus mal dick aufträgt. Die Familiengeschichte hangelt sich am 20. Jahrhundert entlang, natürlich mit dem Zarenreich, der Sowjetunion und den Weltkriegen und allem, und in diese Wirren geraten die Familienmitglieder, jeder irgendwie für sich. Das Buch gliedert sich in acht Bücher, die alle nach dem Familienmitglied benannt sind, das in diesem Buch das große Ereignis hat, quasi den Höhepunkt in der eigenen Geschichte.

    Erzählerin ist Brikas Tante, die ihr die Familiengeschichte erzählt, damit die zwölfjährige Brilka nicht die Fehler der Familie wiederholt und ein besseres Leben führen kann, darum ist das achte Buch auch nur eine leere Seite. Brilka soll ihre Geschichte selbst schreiben.

    Es gibt auch ein fantastisches Element, nämlich die perfekte Heiße Schokolade, die Brilkas Urururgroßvater entwickelt hat, "zähflüssig und schwarz wie die Nacht" - aber sie bringt denen, die sie essen Unheil.


    So, ich habe jetzt ein kleines bisschen mehr als ein Drittel gelesen und bin bisher sehr zufrieden. :) Haratischwili kann erzählen, das kann sie gut. Es gab ein, zwei Momente, wo eine Szene mal etwas zu melodramatisch/gefühlsbetont fand, wo es mir zu viel wurde, aber dass das Buch melodramatische Züge hat, ist ein Feature, kein Fehler.

    Ich frage mich, warum ich Familiengeschichten so mag. Ich glaube, das könnte daran liegen, dass unter einem Dach dort unterschiedlichste Ideen und Lebensweisen zusammenkommen und die Leute ja aneinander gebunden sind und miteinander klarkommen müssen. Meist haben sie sich auch gern und das führt dann zu Zerrissenheit und inneren Konflikten. :hmm: Wenn Stasias Sohn Kostja in die Armee geht und sich vollständig der UdSSR verschreibt, während ihre Tochter jemanden liebt, der von den Nazis angeworben wird, um gegen die Sowjetunion zu arbeiten, und dem man ein freies Georgien verspricht, dann kann man an einer Familie ein kleines Gesellschaftspanorama entwerfen. :hmm: Das finde ich spannend.


    Ich bleibe dran. Melde mich nach zwei Dritteln wieder.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ungewohnt, über sowas hier zu schreiben, aber ich habe gestern Novemberland, einen Sonett-Zyklus von Günter Grass, beendet. Da thematisiert Grass den erstarkten Fremdenhass nach der Wende und verbindet das mit Naturbeschreibungen. Letztere sorgen dafür, dass diese sehr zeitgenössischen Gedichte noch etwas Zeitlosigkeit bekommen. :hmm:

    Traurigerweise fühlt sich der Band aber auch sehr aktuell an, also ist die Thematik vielleicht doch nicht ganz so zeitgenössisch.


    War jedenfalls ganz schön zu lesen, aber auch etwas traurig. Grass hat's mit Bildern, das kann er wirklich gut.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Das Buch " DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME "


    Wirklich sehr interessant man hat sogar herraus gefunden das Bäume über ihre Wurzeln mit einander kommunizieren können. Aus fühlen sie eine Art Schmerzen bei äußeren Verletzungen.

  • Das Buch " DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME "

    Das habe ich auch gelesen, ist aber schon länger her. Das wurde in den Medien damals sehr gehypt. Angesichts dessen war ich dann etwas enttäuscht, weil ich den Informationsgehalt nicht so groß fand. Der Schreibstil war mir auch etwas zu trocken.

  • Das Buch " DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME "

    Hatte ich auch vor ein paar Wochen gelesen. Was mich insbesondere gestoert hat war, wie sehr Baeume personifiziert werden und ihnen Absichten unterstellt werden was einen schon ganz eigenen Eindruck hinterlaesst.


    Es gibt aber (auch nach laengerem Nachdenken ueber die Frage) keinen Hinweis drauf dass Baeume tatsaechlich Absichten hegen - sehr wahrscheinlich sind sie einfach nur und wachsen im Rahmen ihrer Moeglichkeiten.


    (Forschung wird in dem Buch leider auch eher selektiv zitiert... also, nur wenn's spektakulaer ist - auf diese Weise kann man schon reale Studien zitieren, aber nicht jede Studie ist gut und das Ergebnis nicht unbedingt Stand der Wissenschaft...)

  • Hatte ich auch vor ein paar Wochen gelesen. Was mich insbesondere gestoert hat war, wie sehr Baeume personifiziert werden und ihnen Absichten unterstellt werden was einen schon ganz eigenen Eindruck hinterlaesst.

    So ist es mir auch gegangen. Grundsätzlich stellt er interessante wissenschaftliche Erkenntnisse dar, die aber teilweise ein alter Hut sind. Aber dann wird es teilweise esoterisch. Solche Dinge wie Bäumen Schmerzempfinden zuzuschreiben, oder sie als soziale Wesen zu beschreiben geht sehr weit.

  • Thorsten & Sensenbach .

    Ich könnte mir durchaus vorstellen das Bäume ein gewisses Maß an Schmerzen fühlen können. Gut vielleicht nicht Schmerzen in dem Sinne, aber doch z. B. Temperaturen. So das Pflanzen im Allgemeinen die Abkühlung im Herbst fühlen können, so das sie wissen wann es an der Zeit ist all ihre Blätter ab zu werfen. Oder im Frühjahr wenn es wider wärmer wird ihre Blüten aus zu treiben.

  • Ich könnte mir durchaus vorstellen das Bäume ein gewisses Maß an Schmerzen fühlen können. Gut vielleicht nicht Schmerzen in dem Sinne, aber doch z. B. Temperaturen. So das Pflanzen im Allgemeinen die Abkühlung im Herbst fühlen können, so das sie wissen wann es an der Zeit ist all ihre Blätter ab zu werfen. Oder im Frühjahr wenn es wider wärmer wird ihre Blüten aus zu treiben.

    Das Pflanzen ihre Umwelt wahrnehmen können und auch darauf reagieren können ist keine Frage. Sie richten zum Beispiel ihre Blätter zum Licht aus, aber sie fühlen sich dabei nicht schön warm. Sie senden auch Warnsignale aus, zum Beispiel nach Käferbefall etc. So etwas wie Schmerz setzt per Definition jedoch ein zentrales Nervensystem (oder meinetwegen etwas ähnliches) voraus.


    PS: Unabhängig davon finde ich die Idee, dass alles mit allem verbunden ist. Ähnlich der "Macht" in Star Wars oder den Ideen in einigen Religionen sehr attraktiv. Ich habe große Sympathie für Pflanzen und fühle mich mit ihnen verbunden, aber die Begriffe umzudeuten, wie in diesem Fall den Begriff "Schmerz", finde ich nicht so zielführend.

  • Ich könnte mir durchaus vorstellen das Bäume ein gewisses Maß an Schmerzen fühlen können. Gut vielleicht nicht Schmerzen in dem Sinne, aber doch z. B. Temperaturen. So das Pflanzen im Allgemeinen die Abkühlung im Herbst fühlen können, so das sie wissen wann es an der Zeit ist all ihre Blätter ab zu werfen. Oder im Frühjahr wenn es wider wärmer wird ihre Blüten aus zu treiben.

    Pflanzen haben bestimmte Botenstoffe, die Abläufe hemmen oder fördern. Diese Botenstoffe werden entweder durch Frost abgebaut oder durch hohe Temperaturen. Dadurch werden viele Prozesse gesteuert. Ob sich daraus dann irgendeine Form von Bewusstsein ergibt, ist schwer zu beantworten. Auf jeden Fall wäre das sehr anders als beim Menschen, weil dieses System ja nur viel langsamer reagieren kann als ein Nervensystem.


    Generell haben andere Säugetiere noch ein dem Menschen relativ ähnliches Gehirn und Nervensystem. Deshalb wird sich Schmerz für Hunde oder Katzen ganz ähnlich anfühlen wie für uns Menschen. Auch elementare Gefühle wie Freude oder Angst werden die haben. Aber mit der Unterstellung von Absichten oder planvollem Handeln wird es schon da schwierig. Bei Reptilien oder Haien sind die Unterschiede schon viel größer.


    Pflanzen sind ja insgesamt sehr andersartig als tierische Organismen. Da sind Vergleiche kaum noch möglich. Wohlleben deutet ja eine Art Jungenaufzucht und Pflege der Alten bei Bäumen an, das muss man schon in ganz viele Anführungszeichen setzen.

  • Jetzt kommt die Wasserstandsmeldung nach 2/3 des Buches, also 850 Seiten.

    Also, melodramatisch Züge? Es ist gehört zur Grundlage des Buchs, meine Formulierung war etwas untertrieben :rofl: Manche Reaktionen der Figuren wirken manchmal etwas überzogen oder manche Formulierungen übermäßig pathetisch. Insgesamt würde ich das Buch eher als leidenschaftlich bezeichnen, weswegen ich sowas wirklich vergeben kann. Das alles auf keinen Fall langweilig und ich kann gut damit leben, viel Zeit mit diesem Buch zu verbringen.

    Was ich sehr gerne lese ist, wie die Autorin es schafft, mal viel Distanz aufzubauen und kleine geschichtsbuchartige Exkurse zur Sowjetunion zu geben, dann wieder zu den Figuren ran zu gehen und die Distanz dann wieder abzubauen.

    Vergleiche muss das Buch sich mit Hundert Jahre Einsamkeit gefallen lassen, das auch Melodramen erzählt, nur mMn geschmackvoller, aber aus einer sehr männlichen Perspektive heraus; das auch eine Familiengeschichte mit fantastischen Elementen ist, nur halt mir mehr davon, womit man in Kolumbien vielleicht auch besser durchkommt als in Deutschland; das kürzer ist und einfach etwas mehr auf den Punkt erzählen kann; und das ebenfalls einen Familienfluch enthält, durch den Fehler immer und immer wieder wiederholt werden.

    Haratischwilis Buch steht aber auf eigenen Füßen und das Buch kann wunderbar erzählen. Vielleicht lese ich noch mehr von der Frau.


    Nächste Meldung kommt, wenn ich durch bin. Vielleicht am Ende des Monats also. ^^

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Unabhängig davon finde ich die Idee, dass alles mit allem verbunden ist. Ähnlich der "Macht" in Star Wars oder den Ideen in einigen Religionen sehr attraktiv.

    Da bin ich komplett bei dir.

    Namika Natascha (Namika arabisch für Schreiberin) <3 <3 <3

  • Ich könnte mir durchaus vorstellen das Bäume ein gewisses Maß an Schmerzen fühlen können. Gut vielleicht nicht Schmerzen in dem Sinne, aber doch z. B. Temperaturen.

    Du kannst Dich selbst beobachten - fuehlst Du UV-Strahlung (bevor sie Dir die Haut verbrennt und tatsaechlich Schaden entsteht)?


    Nee, tun wir nicht - aber wir reagieren trotzdem drauf indem die Haut Pigmente einlagert und dunkler wird. Das geht ganz ohne Absicht oder Bewusstsein fuer den Prozess - wieso sollten Baeume das dann nicht auch ganz ohne Absicht und Bewusstsein hinbekommen auf Temperatur zu reagieren?


    Wir sehen an uns Menschen dass es eine recht grosse Menge sinnvoller Reaktionen auf die Umwelt gibt die bei uns keine Absicht oder auch nur ein Bewusstsein fuer den Prozess erfordern. Das macht es sehr unwahrscheinlich dass aehnliche Prozesse bei Baeumen ein 'fuehlen' oder etwas aehnliches erfordern.

  • Ich lese aktuell "The Great Believers" von Rebecca Makkai.

    (Auf Deutsch ist der Roman als "Die Optimisten" erschienen)


    Der Roman teilt sich in zwei Zeitstränge. Einmal begleiten wir Yale, einen jungen und von Kunst quasi besessenen jungen Mann durch das Chicago der 80er Jahre, andere Kapitel nehmen uns mit nach Frankreich ins Jahr 2015, wo wir Fiona begleiten, eine Frau, auf der Suche nach iher untergetauchten Tochter.


    Chicago, 1985: Die AIDS Pandemie greift um sich und Yale verliert und begräbt mehr Freunde, als er zählen, geschweige denn ertragen kann. Zwischen Schock, Trauer, Wut und Verzweiflung verliert selbst die Kunst ihre Magie und die Kontakte, die Yale noch hat, ziehen sich aus Angst zurück, oder leben so exzessiv, als wäre es bereits ihr letzter Tag auf Erden. Von Schuldgefühlen, Angst und zerstörten Leben umgeben, klammert sich Yale verzweifelt an einen brüchigen Optimismus, den er wie ein schlechtsitzendes Kostüm trägt. Ein Optimismus, der bitter schmeckt.


    Paris, 2015: Von allen Orten, die es auf der Welt gibt, stolpert Fiona ausgerechnet in Paris über alte Freunde aus Chicago. Eigentlich ist sie auf der Suche nach ihrer untergetauchten Tochter, muss sich aber ungewollt wieder mit dem Schmerz der Vergangenheit, einer Zeit voller Ungewissheit und Verluste, auseinandersetzen. Dabei sucht sie nach etwas, was einmal zwischen Mutter und Tochter zerbrochen, nicht einfach so wieder hergestellt werden kann.


    Fazit: Ich bin jetzt fast durch (der Roman hat 620 Seiten) und muss sagen, ich bin teilweise atemlos beim Lesen. Mir schnürt es hin und wieder die Kehle zu, wenn Yale wieder auf einer Beerdigung steht, wieder einen Freund begräbt und die Überforderung der Regierung, und gar den gehässigen Spott kleingeistiger und religiöser Idioten ertragen muss.


    Dieser Roman erschüttert, lässt ein nach Luft schnappen, macht einen wütend, traurig und bringt einen dann völlig überrschend zum Lachen. Eine Achterbahnfahrt, die ich seit knapp drei Tagen nicht aus der Hand legen kann.