Der Tod eines Charakters

  • Hi zusammen,


    ich habe noch keinen Thread mit diesem Thema gefunden, falls es ihn doch schon gibt . sry


    Ich würde gerne mal dieses eigentlich etwas ernstere Thema diskutieren. In meiner Geschichte muss ich mich mit dieser Frage dauernd beschäftigen, deswegen würde mich mal eure Meinung zu diesem Thema interessieren.


    Ich habe in meinem Storybook das Schicksal jedes einzelnen Charakters festgelegt, weiß also ganz genau, ob der überleben wird oder irgendwann wegkippt. Jeder einzelne Tod hat seinen speziellen Grund, ich sehe hier den Fortschritt der Handlung im Vordergrund und die realistischen Reaktionen der anderen Charaktere. Da bleibt halt was auf der Strecke, vor allem, wenn man ein set up hat, wie in meiner Welt. Wie gesagt, es muss Sinn machen oder auch mal nur andere Charaktere durch diesen Tod zu Handlungen motivieren, sonst nichts.
    Anfangs war das ziemlich emotionslos. Ich habe die Charaktere die sterben werden, einfach mit nem X in meiner Exceltabelle markiert - Das war der einfache Part.


    Dann kam ich zu dem Punkt, als ich die erste dieser Szenen schreiben musste. Als sie fertig war, fielen mir plötzlich x Gründe ein, warum dieser Charakter genau jetzt nicht sterben sollte. Er könnte ja noch dies machen, noch jenes, oder ich schreibe da noch ne Kurve rein... bla bla....
    Anfangs war es halt nur ein Name in einer Tabelle, aber er hatte sich entwickelt. Er hatte eine Lebensgeschichte, die ich jedem beim Bierabend erklären könnte, als wäre das mein bester Freund seit Jahren. Irgendwie habe ich da gemerkt, das die kleinen Scheisser einen doch ganz schön ans Herz wachsen können.... Vor allem die Todgeglaubten.
    Ich habe mich für die Story und gegen den Charakter entschieden und so werde ich das auch weiter handhaben, aber ich habe wirklich unterschätzt wie schwer das ist. (das ist btw kein Spoiler, für die die meine Geschichte verfolgen. Der, von dem hier spreche, ist bereits tod. Name habe ich bewusst nicht geschrieben, ich denke ihr wissts schon.)


    Ich glaube, wenn man eine realistische Geschichte erzählen will, in der alles passt, dann sterben Leute halt. Den Schleier der Unverwundbarkeit, finde ich auf wichtigen Charakteren, die irgendwie jede Situation überleben auf Dauer irgendwie langweilig. Aber ich glaube, man kann sich manchmal gar nicht immer davor schützen. Ich glaube ich krieg das auch nicht immer wirklich hin. Naja, ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen :)



    Wie macht ihr das? Lasst ihr überhaupt Hauptcharaktere oder wichtige Nebencharaktere sterben. Ist das schwer für euch? Oder sucht ihr eher wege drum herum, damit es erst gar nicht zu diesen Situationen kommt? Würde es euch schwer fallen, den Tod eines Charakters zu schreiben? Oder seht ihr das eher nüchtern.


    Lasst ihr wichtigere Charaktere auch langsamer sterben? So wie im Film, wenn der noch 3 minuten redet, bevor er stirbt. Darüber musste ich eigentlich immer lachen, aber wenn man dann mal so ne Szene schreibt, dann merkt man, dass der wirklich noch was zu sagen hat - verdammt XD


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • Das ist ein Thema, dass ich durchaus interessant finde. Ich habe mich innerhalb meiner Geschichte auch schon mehr als einmal mit der Frage beschäftigt. ^^

    Wie macht ihr das? Lasst ihr überhaupt Hauptcharaktere oder wichtige Nebencharaktere sterben. Ist das schwer für euch? Oder sucht ihr eher wege drum herum, damit es erst gar nicht zu diesen Situationen kommt? Würde es euch schwer fallen, den Tod eines Charakters zu schreiben? Oder seht ihr das eher nüchtern.

    Geplant habe ich den Tod einer meiner Hauptcharaktere und das stand schon von Anfang an fest. Schon bei der Charaktererstellung. Mittlerweile habe ich den Charakter aber so lieb gewonnen, dass es mir schwer fallen wird, ihn umzubringen.
    Wie du schon so schön geschrieben hast, werden die Charakter im Laufe der Zeit und mit jedem Kapitel lebendiger, man formt sie und beginnt sie zu mögen, egal, ob es die Arschlöcher vom Dienst sind, oder aber die Sympathieträger der Geschichte.
    Allerdings wüsste ich keinen Grund, wie er/sie aus der Situation wieder herauskommen sollte. Der Tod ist die realistischste Variante.
    Da ich schon zu Beginn wusste, was mit ihm passieren wird, habe ich versucht so viel Akzeptanz zu dem Charakter zu wahren, wie nur möglich. Einfach damit es mir später leichter fällt, seinen Tod zu schreiben.
    Aber umso näher ich der Szene komme, desto weniger will ich es. Nein, also nüchtern gehe ich da sicherlich nicht mehr ran. Ich fühle mit ihm mit und ich suche auch schon nach einer Möglichkeit, doch noch etwas daran zu rütteln. Aber mir fiele nichts ein, dass es noch ändern könnte.

    Lasst ihr wichtigere Charaktere auch langsamer sterben? So wie im Film, wenn der noch 3 minuten redet, bevor er stirbt. Darüber musste ich eigentlich immer lachen, aber wenn man dann mal so ne Szene schreibt, dann merkt man, dass der wirklich noch was zu sagen hat - verdammt XD

    Ich weiß auch nicht. Wenn ich solche Szenen in Filmen sehe, frage ich mich immer, wann er denn endlich stirbt damit das Grauen ein Ende findet. Allerdings kann ich es in Büchern mittlerweile nachvollziehen. In dem Moment fallen einem tausend Sachen ein, die der Charakter noch sagen und machen könnte. Wahrscheinlich wie im richtigen Leben, wenn man dem Tod ins Auge blickt, und man sich fragt, was man noch alles hätte tun können in seinem Dasein.


    Schlimmer, als diese Szenen, der redet noch drei Kapitel über sein Leben und alles, obwohl ihm der Kopf vom Körper rasiert wurde, finde ich eigentlich, wenn der Charakter stirbt und dann durch mysteriöse Umstände wieder auftaucht. Zwar könnte ich immer heulen, wenn eine meiner liebsten Figuren in einem Buch stirbt, aber ich will dann nicht lesen, wie er/sie nach einigen Kapiteln wieder auftaucht, weil er durch eine völlig sinnlose Aktion wieder zum Leben erwacht ist. Oder auf eine komplett unrealistische Art und Weise allein gegen hundert Mann bestehen konnte. Oder noch ätzender: "Ich bin zwar der Böse, habe aber gerade keine Zeit für dich, weshalb ich dir meinen ganzen Plan erzähle und dich dann zurücklasse, um zu sterben..." Ja nee...
    Wenn der Charakter tot ist oder sterben muss, weil die Szene nichts anderes zulässt, soll er es auch, auch, wenn er ein Sympathieträger ist/war. Es macht ihn nicht glaubwürdiger, wenn er dann aus der Versenkung wieder auftaucht und meint: "Jop, bin wieder da" Nein, tot ist tot, es sei denn, es gibt einen wirklich realistischen und erklärbaren Grund, dass er/sie es überlebt hat. Ansonsten macht es keinen Sinn.



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Beruhigend, dass es nicht nur mir so geht :) Es ist auch wirklich nicht einfach...



    Ich weiß auch nicht. Wenn ich solche Szenen in Filmen sehe, frage ich mich immer, wann er denn endlich stirbt damit das Grauen ein Ende findet. Allerdings kann ich es in Büchern mittlerweile nachvollziehen. In dem Moment fallen einem tausend Sachen ein, die der Charakter noch sagen und machen könnte. Wahrscheinlich wie im richtigen Leben, wenn man dem Tod ins Auge blickt, und man sich fragt, was man noch alles hätte tun können in seinem Dasein.

    Ja. Nur was mich bei solchen Szenen extrem stört ist, wenn ein Statist vom gleichen Gift, der gleichen Höhe gefallen wäre, oder den gleichen Schwerthieb kassiert hätte. Dann schwupps tot.
    Ganz unglaubwürdig wird es, wenn das sogar kurz vorher noch gezeigt wird. "Es ist das tödlichst Gift der Welt, und man stirbt in 10sekunden", aber er darf noch 10minuten reden... - okay...^^


    Bei der Robin Hood Serie, wars sogar noch schlimmer. Da liegt das Weib auf dem Boden. Das Schwert steckt noch in ihrem Bauch. und die reden erstmal 5minuten und beschließen dann wir heiraten jetzt noch, bevor du stirbst. - jesus... so ein blödsinn..


    Schlimmer, als diese Szenen, der redet noch drei Kapitel über sein Leben und alles, obwohl ihm der Kopf vom Körper rasiert wurde, finde ich eigentlich, wenn der Charakter stirbt und dann durch mysteriöse Umstände wieder auftaucht.

    Da sprichst du einen guten Punkt an. Das stört mich auch tierisch. Ich sehe das genau wie du. Tot ist tot. Ende Punkt fertig.


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • Echt schön, das Thema. Das ist sogar eines der wichtigsten Themen, wie ich finde. Schlicht und einfach die Frage: "Sind Tode sinnlos?"

    Wie macht ihr das? Lasst ihr überhaupt Hauptcharaktere oder wichtige Nebencharaktere sterben. Ist das schwer für euch? Oder sucht ihr eher wege drum herum, damit es erst gar nicht zu diesen Situationen kommt? Würde es euch schwer fallen, den Tod eines Charakters zu schreiben? Oder seht ihr das eher nüchtern.

    In meiner ersten Geschichte, mit der ich hier damals angefangen habe, ließ ich zwei der Hauptcharaktere sterben. In beiden Fällen ging dies schnell und schmerzvoll von statten. Beide Charaktere waren stark mit den anderen Hauptcharakteren verbunden, was den Tod sehr tragisch machte. Zumindest für mich als Autor. Beide Charaktere hatten eigentlich noch immens viel zu erzählen. Ich ließ sie aber nicht, weil ich fand, dass zu viel Gelaber während des absolut sicheren Todes die ganze Szenerie kaputtgemacht hätte. Ich empfand den schnellen Tod als emotionsreicher und aussagekräftiger, als ein langsames Hinauszögern des Unvermeidlichen.
    Im ersten Fall starb der Charakter ganz simpel an einem Voodoo-Zauber, der eigentlich nicht mal auf ihn gerichtet war. Aber er war dadurch nicht mal in der Lage, überhaupt zu sprechen. Es war ein hektischer Tod, dessen Ausgang ich nur mit einer kurzen Sequenz versuchte zu verdeutlichen.
    Im zweiten Fall war es eher eine Folter. Nur ein kurzes Gespräch ließ ich da zu, weil für mehr Worte realistisch keine Zeit war und auch nicht mehr zu sagen war.
    Leider kam ich im Forum nie so weit, diese Szenen zu veröffentlichen. Was mich traurig macht, weil ich die Geschichte vom Kern her geliebt habe und immer noch liebe.


    Bei meiner aktuellen Geschichte "Helios III" sind auch einige Tode geplant. Ich unterteile es dort in drei Charakter-Teile. Die eigentlichen Hauptcharaktere "Sam" und "Hal", die Nebencharaktere, die zwar häufig in der Geschichte vorkommen, aber vom Inhalt her ersetzbar wären und den kompletten "Rest". Von dem "Rest", der ja 99,99% der Bevölkerung darstellt werden viele sterben, deren Tod in Relation zur Geschiche an sich von großer Bedeutung ist, weil sie eben das Kollektiv darstellen. Wobei sowieso laufend irgendwelche Personen sterben. Keiner lebt ja ewig und kann ewig existieren.
    Der geplante Tod einer der Nebencharaktere wird vermutlich auch wieder ein schneller, aber emotionsstarker Tod werden.


    Ich habe keine Probleme damit, Hauptcharaktere/wichtige Nebencharaktere schnell sterben zu lassen. Ich begrüße es sogar! Denn somit sind gleich wieder neue Wege offen, die sogar noch viel mehr Schreibstoff bieten. Ein guter Charakter ist erst ein perfekter Charakter, wenn sein Tod perfekt war! Die Hauptfigur wird erst zum Helden, wenn sie nicht mehr existiert. Ich lasse auch sehr gerne vermeintlich emotionslose, nervige Personen sterben, die dadurch erst richtig in die Geschichte integriert werden. Sie sind dann schlagartig der Mittelpunkt der Szenerie/Geschichte, weil sie nie wieder auftauchen und man sich dann fragt: "Warum diese unwichtige Person? Was hat die denn überhaupt vollbracht in der Geschichte?"
    Und dann lasse ich es die anderen Charaktere erklären, was die wahren Geheimnisse der Opfer waren.


    Ja. Nur was mich bei solchen Szenen extrem stört ist, wenn ein Statist vom gleichen Gift, der gleichen Höhe gefallen wäre, oder den gleichen Schwerthieb kassiert hätte. Dann schwupps tot.

    Das ist mir auch immer wieder aufgefallen in Filmen. Ich selbst muss bei Filmen immer meine Denkmurmel abschalten und mir sagen: "Es geht um die Action und das Gemetzel!


    Stell dir vor, du schaust "Herr der Ringe-Die Rückkehr des Königs" und die große Schlacht beginnt. Willst du wirklich den Stammbaum eines jeden einzelnen Soldaten, Reiters, Bogenschützen, Bürgers, etc. wissen? Nicht wirklich! ^^
    Ich will Köpfe rollen und fliegen sehen, Extremitäten durch die Luft wirbeln sehen und Blut soll spritzen. Aber ich will auch sehen, wie das arme Königstöchterchen um ihren Vater trauert und anschließend dem Bösewicht das Brotmesser ins Gesicht rammt. Einfach weil es geil ist! :D


    Andererseits gäbe es sicherlich auch kleine Helden innerhalb des Heldenwahnsinss, die eben keine Leinwandhelden sind. Eben der "Rest", der da ist, um da zu sein. Ohne die es aber nicht geht, weil man sonst 12 Hauptcharaktere hätte, die gegen 29857543 Orks und Oger antreten müssen. Und natürlich als Sieger vom Platz gehen. :rolleyes:

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
    ___________________
    Helios III (Arbeitstitel)
    --------------------------
    Purpur
    --------
    Big City Life
    ---------------
    Mana

  • Man muss Charaktere auch sterben lassen, das ist ein Fakt.


    Man darf hierbei natürlich auch keinen Stilbruch vollziehen. Also die ganze Geschichte immer nur aus der Sichtwinkel des Protagonisten schreiben und ihm kurz vorm Ende sterben lassen, wärhend die Geschichte dann noch eine Weile weitergeht, aus der Sicht eines völlig anderen Charakteres.
    Das geht überhaupt nicht. Wenn ich nur einen Protagonisten habe, kann ich den nicht sterben lassen, es sei denn, es ist das tatsächliche Ende der Geschichte.


    Was anderes ist es, wenn man mehrere Protagonisten hat. Hierbei ist es durchaus naheliegend einen umzubringen, wenn man sich in einer wirklich verzweifelten Sitation befindet.


    Ich persönlich habe wenig Probleme diverse Charaktere umzubringen. Wobei ich hier nicht sinnlos sterben lasse, sondern der Tod einen Sinn haben muss. Vielleicht der Grund, weshalb der Protagonist dem Krieg den Rücken kehrt. Irgendetwas halt, damit die Geschichte weitergeht.
    Da ich meistens Geschichten schriebe, wo recht viel Krieg herrscht, sterben auch viele meiner Charaktere mir ziemlich schnell weg. Ich lege Wert auf ausgeglichende Verhältnisse. Aus meiner SIcht wäre es fatal, wenn ich nur die eine Seite sterben lasse.


    Was für mich gar nicht geht, ist es, wenn man seine Charaktere einfach nicht sterben lassen kann. Sie entkommen wundersamerweise aus einer absolut tödlichen Falle. Oder noch schlimmer: Aus irgendwelchen mysteriösen Gründen werden sie wiedergeboren.
    Das ist auch eine Berufskrankheit bei so macnhen Autoren, scheint mir.

  • Den Schleier der Unverwundbarkeit, finde ich auf wichtigen Charakteren, die irgendwie jede Situation überleben auf Dauer irgendwie langweilig.

    Jep ...


    Was mich stört ist dieses: Ach der stirbt nicht, der ist der ja der Hauptcharakter ...
    Also wenn sich das beim Lesen einstellt, dann hat der Autor irgendwas falsch gemacht (oder richtig, weil es so spannend ist, dass man sich damit trösten muss, aber in der Regel ist dieses Denken nicht mehr so spektakulär ..)
    Klar es ist der Hauptcharakter und man kann ihn nicht auf halber Strecke verdursten lassen. @Rael hätte zum Beispiel ein Problem, wenn sie Rael jetzt sterben lassen würde. Dann wäre die Geschichte irgendwie gelaufen ^^°
    Aber was spricht dagegen, dass am Ende doch mal das Böse gewinnt? Oder der Hauptchara doch stirbt?


    Schlimmer, als diese Szenen, der redet noch drei Kapitel über sein Leben und alles, obwohl ihm der Kopf vom Körper rasiert wurde, finde ich eigentlich, wenn der Charakter stirbt und dann durch mysteriöse Umstände wieder auftaucht.

    Da kann ich mich nur anschließen. Ich hasse das an irgendwelchen Serien immer.
    Bestes Beispiel ist eine Serie aus den 80ern "Dallas", falls das jemandem noch was sagt.
    Bobby stirbt und ist für eine ganze Staffel tot (weil der Schauspieler aus der Serie ausscheiden wollte)
    Schließlich wollte er doch wieder einsteigen also wacht seine Freundin Pam aus einem schlimmen Alptraum auf. Die komplette letzte Staffel wird also als Traum dargestellt.
    Völlig bescheuert. Der Zuschauer kommt sich verarscht vor, hat er doch wirklich um Bobby getrauert und sich schlussendlich an eine Serie ohne ihn gewöhnt und dann sowas -.- Ab da wurde die Serie einfach blöd, obwohl ich Bobby eigentlich am liebsten von allen mochte.


    Ich persönlich habe wenig Probleme diverse Charaktere umzubringen.

    Ich auch nicht, so lange es Nebenfiguren sind.
    Ob ich einen Hauptchara sterben lasse, über lege ich mir ganz genau.
    Nicht, dass ich jemals in Versuchung gekommen wäre, ich schreibe ja nur Kurzgeschichten.
    Aber meine Charaktere sind ein Stück meiner Selbst und da fällt es mir entsprechend schwer, jemanden zu töten - und man kann mit dem Chara dann auch keine Geschichten mehr schreiben, schließlich ist er ja tot XD

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • auf die Gefahr hier etwas phantasielos zu sein:


    Meine "Mains" sterben nicht, es sei denn als fulminanter Schlussaccord, was aber auch ein nicht wirklich neues Stilmittel ist.
    Bruce Willis rettet die Welt und gibt dafür sein Leben. Na schön, manchmal muss es eben sein.


    Aber meine Leser dürfen ruhig zumindest ahnen, dass meine Helden dieselbe Unverwüstlichkeit mitbringen, die einen Legolas, einen Conan, einen "blutigen Neuner" etc, etc. auszeichnen.
    Man darf und soll mitfiebern, aber man darf auch getrost annehmen, dass der liebgewonnene romantragende Charakter sich auch beim Sturz von den Reichenbachfällen nur soviel Haare krümmt, wie ein guter Friseur bis zur nächsten Folge wieder hinfrisiert bekommt ^^
    Immerhin schreibe ich Fantasy-Romane, was bedeutet, ich werde doch nicht wie bei einem Krimi den großen Meistermagier am selben Gift zugrunde gehen lassen, wie Klein-Ariadne, die zufällig aus derselben Tasse getrunken hat.
    Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht trotzdem sympathische Charaktere zu Tode kommen, aber so wie Martin es in seinem Lied von Eis und Feuer zelebriert, muss es auch nicht sein.


    Wie gesagt, vielleicht ziemlich eindimensional, aber nach meinem Verständnis von Fantasy-Literatur tanzen die (mehr oder weniger) Guten am Ende auf den Gräbern der Bösen. Natürlich geht das auch anders, aber das wäre eine andere Art von Fantasy-Literatur, so wie ich es verstehe.
    Wobei ich tatsächlich mal eine Trilogie gelesen habe, wo im laufe der Handlung wirklich jeder stirbt und am Ende der "Gewinner" ist, den es in Band Eins noch nicht mal ansatzweise gegeben hat. Aber die Handlung baute auch auf die systematische Demontage der üblichen Heldengruppen auf und gewann seinen Reiz hauptsächlich aus der Neugier, wen es als Nächstes und auf welche absurde oder makabre Weise es ihn erwischt. Ich habe teilweise Tränen gelacht, vor allem da der Autor alles tief ernst beschrieben hat. Bin mir gar nicht sicher, ob er es witzig gemeint hat, oder ob der Roman so schlecht war, dass er schon wieder gut wurde. Kann mich leider nicht mehr richtig erinnern, wie der hieß. Mal sehen, vielleicht stolpere ich nochmal drüber. Es würde mich interessieren, ob ich es heute genauso lustig finden würde , wie damals.
    Wie dem auch sei: Würde ich aber ganz sicher niemand zum Lesen empfehlen, der mich nach einem "anständigen" Fantasy-Roman fragt ...


    Echte Helden in Fantasy-Romanen haben bei mir am Ende immer davon zu kommen, im Gegensatz zu dem RL, wo die echten Helden viel zu oft einen hohen, wenn nicht den höchsten Preis für ihren Heldenmut bezahlen müssen.

    -------------------
    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Ich kann es überhaupt nicht ab, wenn Autoren ihre Charaktere einfach nicht sterben lassen können. Oder noch schlimmer: Sie kommen aus jeder Schlacht siegreich raus, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Vielleicht mal einen Streifschuss.
    Das mag Geschmackssache sein, aber ich empfinde es als unrealistisch und irgendwie auch farblos.


    Meine Charaktere kassieren für gewöhnlich richtig Prügel. Wenn die in einer Schießerei geraten, fangen sie sich gewöhnlich mindestens eine Kugel ein und sie gewinnen auch nicht zwangsläufig. Natürlich teilen sie bisweilen besser aus, als das sie einstecken, aber die Schlachten sind bisweilen ausgeglichen.
    Und natürlich kommt es auch vor, dass welche in den Schlachten ums Leben kommen. Hierbei kann es auch mal wichtige Charaktere erwischen, wenn es zur Geschichte passt.

  • Kann ich diese Frage beantworten ohne zu spoilern?
    Wer meine Kurzgeschichte "Leviathan" gelesen hat weiß, was ich meinen Protas antu.
    In dem Buch, was ich vorher geschrieben habe ist der Protagonist gestorben, dazu noch ein halbes Dutzend Nebencharaktere. Es ist nicht leicht zu schreiben, aber wenn es das wäre, wäre es vielleicht auch nicht so gefühlvoll ;-)


    Aktuell (stand hier im Forum) ist ja noch nicht viel Blut vergossen worden (außer ein Paar Söldner und Sektentypies).
    Das wird sich auch noch ändern. Die Szene selbst war für mich auch sehr schwer zu schreiben aber ich glaube, dass man das aus den Zeilen liest und das auch ganz gut ist.


    Wenn man als Autor schon nicht mitfühlt, der den Charakteren das "Leben" geschenkt hat, dessen "Kinder" es beinahe sind, wie soll dann der Leser ein Gefühl aufbauen? Romane leben eben zum großen Teil von Emotionen.
    Ich kann mich noch erinnern ... in vielen Büchern sind gute Charaktere gestorben. R.I.P. (Rest in Paper)

  • Ja, okay. Alle seine Charaktere ständig umzubringen, sodass man als Leser nur noch Wetten darauf abschließt, wer als nächstes ins Gras beißt, ist auch kein guter Stil.
    Das war bisher der Hauptgrund, warum ich mit "Das Lied von Eis und Feuer" noch nicht durchgelesen habe. Auch weil das Buch so gehypted wird, hat mich eher abgeschreckt. Vor allem, da der Hype eher deshalb besteht, weil es einen Film (oder eine Serie) darüber gibt. So etwas sagt nichts zur Qualität des Buches aus. Leider.

  • ich werde doch nicht wie bei einem Krimi den großen Meistermagier am selben Gift zugrunde gehen lassen, wie Klein-Ariadne, die zufällig aus derselben Tasse getrunken hat.

    Darauf erhebe ich das Glas! :D


    Der Tod eines Hauptcharakters ist nicht leicht. Der Schreiber sollte sich im Klaren sein, dass auch der Leser diesen Protagonisten gemocht hat. Ein wenig Rücksichtnahme und eine entsprechende schriftliche Würdigung des Todes sollten drin sein. Außer, man möchte seine Leser eben gerade damit schocken. Ist ja auch eine Möglichkeit.


    Ich persönlich mag es nicht, die mühsam ersonnenen Helden ad acta zu legen, aber es geht einfach nicht ohne. Statt den Tod nur als trauriges Ereignis zu schreiben, lasse ich lieber positive Nebeneffekte daraus entstehen oder verwende ihn als roten Faden für die weitere Geschichte.


    @Rael Der Tod in einer Geschichte ist immer vom Schreiber inszeniert, also kann die Ursache so eingerichtet werden, dass dem sterbenden Charakter genügend Zeit für einen inneren Monolog, ein Gespräch oder Ähnliches bleibt - oder eben gerade nicht. Außerdem bedeutet "langsames Sterben" nicht zwangsweise, dass der Charakter vorher noch ein Gedicht aufsagen darf. Die bildhafte Beschreibung der Situation kann zeitlich nur Sekunden umfassen, dabei aber aus zig Sätzen bestehen, was auch einen Eindruck von Langsamkeit hervorruft.
    Hast du aktuell in einer Geschichte wieder mit diesem Thema/Problem zu tun?

    Humor ist, wenn man trotzdem schreibt.

  • Hast du aktuell in einer Geschichte wieder mit diesem Thema/Problem zu tun?

    Ich weiß grad nicht, ob ich lachen oder lachen soll :D
    Mein Kommi ist ja schon ne Weile her. Damals habe ich mich das erste Mal so richtig mit der Thematik auseinander sezen müssen. Heute würden die meisten mich wohl eher als "Massenmörder" bezeichnen^^
    Also ja, ich habe mit dieser Thematik zu tun^^


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • Du schlimmer Finger! :D
    Ich glaube, wenn ich mal wieder meinen blutrünstigen Tag habe, lese ich eine deiner Geschichten. Empfehlungen deinerseits?

    Da misch ich mich - quasi als objektiver Leser :D - mal mit ein und empfehle dir aus vollem Herzen "Die weiße Magierin - Kampf um Prelon".


    Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

  • Charaktere umbringen lassen macht Spaß und kommt gut an. Siehe Game of Thrones ;) Auch wenn ich es dort aktuell sehr langweilig finde. Seit den letzten 2 Staffeln, die aktuelle mit eingeschlossen, weiß man, wer "save" ist unter den Charakteren.


    Ich finde es gut, wenn auch mal Charaktere sterben, von denen man es nicht erwarten würde. Natürlich sollte man dabei auch mit bedacht vorgehen, ein mancher Fan würde es einem übel nehmen, wenn sein Lieblingscharakter das zeitliche segnen würde. Muss immer wohl dosiert sein.

  • Es ist ein wunderbarer Akt, einen liebenswerten Charakter aufzubauen und ihn dann so kaltblütig wie möglich sterben zu lassen :blush: wenn ich einen Charakter erfinde, weiß ich auch sofort, ob er sterben wird oder nicht. Es ist für mich einfach natürlicher, einen Charakter sterben zu lassen, egal wie wichtig er vielleicht ist... im echten Leben existiert auch kein Happy End. :P

  • Naja ...


    Man muss einfach mehrere interessante Charaktere haben. Dann ist es nicht so schlimm, wenn einer mal "abhanden" kommt ;)


    Ist natürlich auch eine Frage wie das Buch aufgebaut ist. Wenn es nunmal nur einen "richtigen" Hauptcharakter gibt, geht das natürlich schlecht.

  • Da ich mir so einige Blogs von Autoren durchgelesen habe und es da durchaus auch um dieses Thema ging, wollte ich mich noch einmal dazu äußern.


    Man sollte höllisch aufpassen, welche Charakter man streben lässt und weshalb. Wenn man hier einen Fehler macht, fühlt sich der Leser für dumm verkauft.
    Und das sorgt dafür, dass er nie wieder ein Buch von euch anfässt. Der Leser ist gnadenlos.


    Es ist zum Beispiel ein ganz schlechter Stil, euren Protagonisten kurz vorm Ende umzubringen und die Konflikte in dem Buch ungelöst zu lassen. Der Leser wird sich dann -zurecht- von euch hintergegangen fühlen.
    Er erwartet eine vollständige Geschichte und die besteht aus Anfang, Hauptteil und Schluß.


    Man kann sicherlich den Protagonist am Ende umbringen, doch sein Tod muss stets einen Sinn machen und angemessen sein. Der Leser muss stets das Gefühl haben, der Prota hat dieses Schicksal verdient.


    Natürlich gibt es Ausnahmen. Wenn zum Beispiel von Anfang an klar ist, dass der Prota niemals überleben kann. Zum Beispiel weil er sich 1945 in Hiroshima aufhält, an einer unheilbaren Krankheit leidet, oder der Prota mit seiner Familie auf einen unwirtlichen Planeten gestrandet sind und sie nur ein Ein-Mann-Raumschiff zur Rettung besitzen. Also grob gesagt bei Dramen.
    Der Leser weiß hierbei, dass der Protagonist niemals überleben kann und geht dementsprechend am die Geschichte ran.


    Gilt natürlich auch für Nebencharaktere, auch wenn der Leser hier etwas mehr verzeiht. Auch hier gilt, dass der Tod einen Sinn ergeben sollte. Ansonsten wirken sie wie Kanonenfutter.
    Kann man machen, sorgt aber dafür, dass der Leser keine Bindung zu euren Charakteren aufbaut. Ist eine riskante Sache.


    Auch sollte klar sein, dass der Leser stets Emotionen mit dem Nebencharakteren verbindet. Solltet ihr denn Lieblings-Char lieblos opfern, sind die Leser sauer. Sollte der besagte Char aber den Heldentod erlegen und dieser auch noch fantastisch in Szene gesetzt sein, habt ihr euch einen Vorteil erarbeitet.


    Wenn ein eher blasser Char aber im Gefecht fällt, weil es einfach realistischer ist, dass auch von der Prota-Seite jemand stirbt, zuckt der Leser nur einmal kurz mit den Achseln und gut ist.


    Das hat natürlich auch viel damit zu tun, wie liebevoll und durchdacht ihr eure Charakter aufbaut. Haben sie Tiefe, sind sie Sympatieträger etc.
    Einfach nur lieblos zu morden, wird genauso lieblos vom Leser beantwortet.

  • Es tut einer Geschichte ungemein gut, wenn ein Prota stirbt. Der Leser ist sich dann nicht mehr so sicher, was passiert oder passieren kann. Nichts ist langweiliger als eine gefährliche Situation, in welcher der Leser zu 100% weiß, dass der Prota überlebt. Da kann sie noch so gut sein.
    Ist hingegen schon mal ein wichtiger Prota gestorben, schaut die Sache ganz anders aus. Dann fiebert man wirklich mit ...


    Das habe ich bei meinem ersten Thriller schon probiert. Kam ziemlich gut bei den Lesern an ^_°