Auf der Spur ...

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    • Neneve hatte die drei „Söldner“ zu ihrem Zelt gebracht und stand nun wieder bei ihren drei Tieren. Sie waren wohl die einzigen, denen sie wirklich über den Weg trauen konnte. Neneve war sich sicher, dass die drei seltsamen Gestalten alles andere als Söldner waren, dafür hatte sie bereits zu viele gesehen. Sie hatten ihre Namen genannt, doch Neneve hatte sie bereits wieder vergessen. Es interessierte sie nicht, wie Wachen hießen, sie standen schließlich unter ihr. Dann seufzte sie auf. Das würde bedeuten, dass sie den ganzen Tag die drei beaufsichtigen musste. Eine Tätigkeit, die ihr sehr widerstrebte.
      Während sie sich also missmutig an Vargas lehnte und Lovia gestattete, es sich auf ihrer Hand bequem zu machen, linste sie doch einmal zu den drei Gestalten. Waren es überhaupt Menschen?
      Sie musterte zuerst den Riesen mit den seltsamen Haaren im Gesicht. Neneve wusste, dass die Rasse der Menschen oft dies als Schmuck trug, doch sie konnte dem nichts abgewinnen. Zuhause, im Königreich der Elfen, gab es so etwas nicht. Hier legte jeder sehr viel Wert auf Aussehen und Ästhetik. Aber die Menschen schienen ihre Faulheit hinter dem Begriff „Schönheit“ zu verstecken. Obwohl sie offenkundig keine Ahnung hatten, was dieses Wort bedeutete.
      Neneves Blick wanderte weiter zu dem jüngeren, er war ja beinahe noch ein Jüngling. Er hatte wie der Riese braune Haare und besaß ansonsten keine auffallenden Merkmale. Ein Gesicht, das man sicherlich nicht wiedererkennen würde.
      Zuletzt fixierte Neneve die dritte Person, eindeutig weiblich aufgrund ihrer Stimme. Wobei, konnte man da bei Menschen so genau sein? Sie hatte sie noch nicht zu Gesicht bekommen, doch vermutete sie, dass sie ebenfalls ein Mensch war. Andere Wesen taten sich nur sehr selten mit diesen zusammen. Aber irgendetwas stimmte mit ihr nicht. Sie war deutlich größer als alle Weibchen dieser Rasse, die sie bisher gesehen hatte.
      Neneve kam zu einem Entschluss. Trotzig, aber dennoch elegant wie es sich für eine Elfe gehörte, schritt sie auf die kleine Gruppe zu.
      Ihr wisst hoffentlich, auf was ihr euch da eingelassen habt?“ Ihre Stimme war sehr arrogant und abwertend und sie verschränkte demonstrativ ihre Arme vor der Brust. Die drei schienen für einen Moment aus dem Konzept gebracht, denn sie sahen sich schweigend an.
      Neneve seufzte, bevor sie fortfuhr: „Als erstes müssen einige Dinge angesprochen werden. Ihr untersteht MIR, das bedeutet auch, dass ich einen gewissen Respekt für angebracht halte. Dann will ich nicht, dass ihr euch in MEINE Angelegenheiten einmischt, verstanden? Ich bin nicht so gutgläubig wie der… Fürst. Heute Mittag werdet ihr mir zeigen, wie gut eure Kampftechniken sind. Ach, und abschließend: Ich dulde nicht, dass man sich in meiner Anwesenheit verhüllt.“ Zornig sah sie zu der Frau hinüber – wie war ihr Name noch einmal? Egal, das war unwichtig.

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    • Gyahara sah Neneve schockiert an. Sie hatte schon damit gerechnet, dass sie nicht einfach davon kam, wenn sie sich unter ihrem Mantel versteckte. Bisher war ihr das zwar immer gelungen, aber hauptsächlich deshalb, weil sich in einer großen Stadt niemand für den jeweils anderen interessierte, erst recht nicht, für einen Totengräber. Aber hier gab es nur sie drei und die Elfe hatte allen Grund ihnen zu misstrauen. Sie musste sich erst sicher sein mit wem sie es zu tun hatte. Natürlich wollte sie also ihr Gesicht sehen.
      Die Dämonin musterte Neneve. Arrogant und selbstsicher sah sie zu ihr hinauf. Wobei es Gyahara trotz ihrer Größe so vorkam, als würde die Elfe auf sie herabblicken.
      Es war aber leider keine gute Idee, nun ihr Aussehen preis zu geben. Wahrscheinlich würde man sie dann davon jagen, wie man es immer getan hatte. Nicht, dass es ihr wirklich etwas ausmachen würde, wenn sie sich von der Gruppe trennen musste, aber es war dennoch jedes Mal schmerzhaft zu erfahren, dass sie nie jemand an der Seite wissen wollte. Und gerade die Elfe wäre über ihr Äußeres sicher nicht erfreut. Zum einen weil diese Rasse einen unglaublichen Wert auf Aussehen und Ästhetik legte und zum zweiten standen die Elfen für das Gute in der Natur, nicht wie sie, die das Ende aller Pflanzen und Tiere begleitete. Da machte es sicher auch keinen Unterschied, dass sie ihr Handwerk als Dämon nicht beherrschte.
      Mal ganz davon zu schweigen, dass sie sich auf der Flucht befand und allein wusste sie nicht einmal, wohin sie sollte. Und verteidigen konnte sie sich in einer Gruppe sicherlich auch besser. So sehr es ihr missfiel, hier war sie vorerst wohl besser aufgehoben.
      „Was ist, wenn ich keine Lust dazu habe?“, meinte Gyahara schließlich. Sie verschränkte die Arme und baute sich zu ihrer vollen Größe auf, um sich selbst Mut zu machen und ihre Unsicherheit zu verstecken.
      „Ich werde gar nicht erst so tun, als würde ich euch vertrauen. Und wenn ich einen Grund habe, euch wirklich zu misstrauen, dann werde ich euch einfach wieder wegschicken. Also entweder zeigst du mir dein Gesicht, oder du kannst machen, dass du verschwindest.“ Neneves Stimme klang kalt und beinahe wie das unangenehme Zischen des Windes durch einen Spalt.
      Hilfesuchend sah Gyahara noch einmal zu Casper, doch dieser zuckte nur die breiten Schultern und schenkte ihr ein versucht aufmunterndes Lächeln. Zumindest bildete sie sich ein, eines unter dem Bart zu sehen.
      „Nein“, blieb sie dennoch stur. Dann ließ sie sich doch lieber aus dem Grund davonjagen, weil man ihr nicht traute, als aus dem, dass man sie aufgrund ihres Äußeren schon abstempelte. „Ich bin ein Söldner und als solcher sollte mein Können dein Vertrauen gewinnen und nicht mein Äußeres.“

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    • Die kühle Nachtluft streifte Cifer um die Nase, als er vor der Taverne lehnte. Die Straße der Stadt war um diese Uhrzeit vollkommen leer, nur die Pferde im angrenzenden Stall gaben ab und zu Geräusche von sich. Und natürlich die Gäste in der Taverne. Er hatte einige Stunden drinnen verbracht, aber dann war einer seiner Gesprächspartner auf die Idee gekommen, dass eine Kneipenschlägerei eine lustige Idee wäre und der Gestaltenwandler hatte sich, angesichts der Tatsache, dass seine Hände, genauso wie der Rest seines Körpers, nicht für Faustkämpfe geschaffen waren entschieden, dass er lieber ein wenig frische Luft schnappen wollte. Er hatte ohnehin nicht vorgehabt, sich lange in diesem Dorf aufzuhalten. Er hatte andere Ziele. Du weißt, dass dir das auch nichts bringen wird, oder? Die Elfen werden auch nicht mehr wissen. Es wird sie wahrscheinlich nicht einmal interessieren. Die Stimme des Schattens erinnerte ihn daran, warum er überhaupt erst die Gesellschaft der Kerle in der Taverne gesucht hatte. Beinahe im selben Moment als er das dachte, zerbrach klirrend eine Scheibe neben ihm, als ein ziemlich kleiner Mann auf die Straße fiel. Der Zwerg rappelte sich sofort auf, brüllte etwas verwaschen klingendes und sprang durch das Fenster wieder hinein. Cifer seufzte. Vielleicht sollte er sich mit dem weiterziehen beeilen. Je früher er ankam, umso besser, er hing hier eh schon viel zu lang herum. He. rief eine Stimme ihm aus der Richtung der Ställe zu. Du siehst aus wie jemand, der sich gerne ein paar Kronen dazu verdienen möchte. Cife wollte zuerst erwidern, dass er solche Arten von Angeboten nicht annahm, doch dann trat die vermummte Person die ihn Angesprochen hatte mit einem Umschlag in der Hand vor ihn und er atmete erleichtert auf. Fürst Keios, er lagert westlich von hier, überbring ihm das. Und damit drückte ihm die Gestalt ein paar Kronen in die Hand und war auch schon wieder verschwunden. Cifer musterte den Brief kurz. Es stand kein Absender darauf aber das war meistens so. Die letzten unbeschrifteten Botschaften die ihm vermummte Gestalten in Gassen in die Hand gedrückt hatten, hatten sich im Nachhinein meist als Liebesbotschaften oder Juxbriefe entpuppt. Und er war lang genug in dem Dorf gewesen, damit wenigstens ein paar Leute wussten, wie er sein Geld in letzter Zeit verdiente. Nur ein anderer Brief. dachte er sich, außerdem war die Bezahlung gut. Es war wirklich an der Zeit, aufzubrechen.
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      GNU Terry Pratchett
    • Die Elfe lieferte sich eine Zeit lang ein Blickduell mit Gyahara, was sich als schwierig erwies, da Gyaharas Gesicht noch immer unter der Kapuze verborgen war. Immerhin vermutete Sedar, dass diese jedoch den Blick der Elfe erwiderte.
      "Nun gut", sagte Neneve schließlich mit einem hinterlistigem Lächeln. " Ein Duell. Ich nehme das Schwert, welche Waffe wählst du."
      "Wie wärs mit einem Kampf ohne Waffen", schlug die andere Frau vor, was Neneve nur auflachen ließ.
      "Und die Banditen lassen ihre Waffen auch ganz bestimmt fallen, wenn du sie ganz lieb drum bittest."
      "Dann will ich einen Dolch haben", entschied die große Frau, was ein Stirnrunzeln bei Sedar hervorrief. Einen Dolch? Ein Dolchkämpfer musste schnell und effizient sein. Gyahara sah eher aus, als sollte sie sich auf ihre Kraft verlassen. Die Elfe entgegnete die Wahl mit keinem Wort, sondern verlangte nur, dass jemand ihr einen Dolch bringen sollte. Einer der drei Wächter warf ihr schließlich seinen zu. Ein schmuckvolles besseres Messer, das die Elfe behände fing und Gyahara reichte. Beide nahmen ein paar Meter voneinander entfernt Aufstellung. Neneve zückte mit einem Schaben ihre Klinge, die elegant in der Sonne funkelte. Auf ihr waren sich blumenartige Verzierungen zu sehen, die dem Schwert eine gewisse Anmut verlieh. Dann näherten sich beide. Gyahara mit ihrem Dolch in der Rechten und Neneve mit dem Schwert erhoben. Sedar wollte der großen Frau zurufen, näher an die Elfe heranzurücken um deren größere Reichweite gegen sie zu verwenden, aber erstens hätte dies vermutlich Verwunderung über sein Vermögen Tipps zum Kämpfen zu geben ausgelöst und zweitens jegliche Chance für diese Taktik zerstört, also hielt er die Klappe. Neneve griff mit einem Schlag auf Gyaharas Hals - ihr schien nicht viel an deren Leben zu liegen - an, doch die größere wich mit einer Schnelligkeit, die er ihr nicht zugetraut hätte, zurück. Das Schwert schnitt nur Zentimeter von ihrem Hals durch die Luft und Gyahara konterte sogleich mit einem Stich von oben. Neneve fasste sich sofort und riss das Schwert hoch um die Klinge zu parieren, doch Gyahara brach den ursprünglichen Angriff ab, um der Elfe stattdessen einen festen Tritt gegen den Brustkorb zu verpassen. Diese stolperte einen Schritt zurück, schaute ungläubig drein und griff dann entschlossen wieder an. Diesmal war sie gewarnt und ließ sich nicht mehr überrumpeln, doch Gyahara gab sich auch noch nicht so schnell geschlagen. Beide umkreisten sich vorsichtig, stets auf einen Fehler der anderen wartend und Sedar musste zugestehen, dass Neneve eine hervorragende Schwertkämpferin und Gyahara ausgesprochen gut im Nahkampf war. Den Dolch schien sie eher durch die Notwendigkeit eine Waffe zu tragen zu führen. Genauso gut hätte sie ihn fallen lassen können. Letztlich beendete Neneve den Kampf dann doch mit einem schnellem Angriff, der die kürzere Klinge im Boden zurückließ, während sich die längere an den Hals ihrer Gegnerin drückte. Die Elfe lächelte trumphierend, doch trotz des Sieges schien sie nicht mehr ganz so verächtlich auf die größere Frau herab zu Blicken.
      "In Ordnung", sagte sie nur, was für ihre Verhältnisse wohl einem Lob gleichkam, und trat zurück. "Du kannst bleiben." Sofort wandte sie sich Casper zu. Auch er musste sich mit ihr messen. Eine Pause schien sie für unnötig zu erachten. Dieser Kampf zog sich nicht ganz so in die Länge, doch immerhin konnte der Henker trotz seines spürbaren Unbehagens zu kämpfen ein paar Hiebe mit der Axt austeilen, denen Neneve nur mit Mühe entkommen konnte und die seine Kraft demonstrierten. Auch dieser Kampf endete mit einem Sieg für die Elfe, doch Casper hatte sich wie Gyahara das Recht verdient zu bleiben. Als letztes wandte sie sich Sedar zu. Die Tatsache, dass er nach den beiden dran kam, zeigte ihm, dass sie ihn als den Schwächsten der Gruppe einschätzte. Normalerweise würde ihm dies entgegenkommen, doch jetzt musste er beweisen, dass auch er es zu bleiben verdient hatte, ohne dass er die niedrigen Erwartungen zu sehr übertraf. Deshalb war die Nervösität, die er zur Schau stellte, als er ihr entgegen trat, nicht einmal völlig gespielt, doch sie erreichte ihren Zweck. Neneve zeigte ein hämisches Grinsen.
      "Du kannst auch einfach aufgeben und verschwinden, Kleiner", bot sie, die Tatsache missachtend, dass er größer als sie war, an. Sedar blendete die mitleidigen Blicke der anderen beiden aus, die ihm in Gedanken wohl bereits Lebewohl gesagt hatten, und zog sein Schwert. Das sollte als Antwort genügen. Er trat ein paar Schritte zurück und hob die Klinge. Die Stelle, an der sich die harte Schneide vom weicherem Kern trennte, glänzte im Sonnenlicht. Wenn er ehrlich war, war er sich nicht einmal sicher, ob er die Elfe besiegen konnte. Sie war trotz ihres jungen Alters bereits eine hervorragende Kämpferin, doch heute würde sich die Frage sowieso nicht klären. Vielleicht an einem anderem Tag.
      Erwartungsgemäß begann die Elfe mit dem erstem Schlag, den Sedar vielleicht etwas zu souverän parierte. Auf jeden Fall verhärtete sich der Gesichtsausdruck Neneves augenblicklich und sie begann mit einer schnelleren Kombination aus Stichen und Hieben. Ihr aggressiver Stil war ihm bereits vorher aufgefallen, auch wenn er vermutlich eher der Tatsache geschuldet war, dass sie das hier schnell hinter sich bringen wollte, als einer generellen Schwäche. Also ließ er sich zurück treiben und ihre Angriffe an seiner Klinge abgleiten. Ihm war vollkommen klar, dass sie längst nicht die gesamte Bandbreite ihres Könnens zeigte, andernfalls hätte er seines wohl nicht mal annähernd verbergen können.
      "Einen guten Angriff", dachte er. Einen guten Schlag musste er austeilen, bevor er sich geschlagen geben konnte. Sonst würde sie seine Leistung wohl kaum akzeptieren. Gerade als sie zu einem starken Hieb ausholte, ließ er seine Klinge vorschnellen. Das sie nicht damit gerechnet hatte, dass auch er sich schnell bewegen konnte, sah man an ihren aufgerissenen Augen, und als seine Schneide tatsächlich den Stoff über ihrem Bauch durchschnitt, ohne ihr dabei jedoch mehr als einen winzigen Kratzer zuzufügen, mischte sich Zorn in ihren Blick. Augenblicklich erhöhte sie das Tempo und deckte ihn mit einem wahren Hagel aus Angriffen ein. Sein Zurückweichen war nun noch nicht einmal ausschließlich vorgetäuscht. Schließlich ließ er das Schwert bei einer Parade einfach fallen, als hätte ihr zugegebenermaßen sehr harter Schlag es aus seiner Hand geschlagen, um den Kampf zu beenden. Andernfalls hätte er wohl seine Tarnung aufgeben müssen, oder es wäre schlecht für ihn ausgegangen. Einen Moment lang dachte er schon, sie wollte ihm trotzdem dem Kopf abhacken, es wäre immerhin nicht das erste Mal an diesem Tag gewesen, doch dann senkte sie schließlich auch ihr Schwert.
      "Das war ein Übungskampf", schrie sie ihn sofort darauf beinahe an. "Keiner hat dir gesagt, du sollst versuchen mich zu verletzen." Sie ging offenbar davon aus, dass er einfach nur blind zugeschlagen hatte und dass es ein reiner Zufall war, dass er sie nicht schlimmer verletzt hatte. Entschuldigend hob er die Hände und beteuerte, dass er das nicht gewollt hätte. Schließlich beruhigte sie sich.
      "Na gut, du darfst ebenfalls bleiben", äußerte sie schließlich die Worte, die er sich erhofft hatte. "Geht jetzt zum Fürsten und fragt ihn, ob er noch Arbeit für euch hat. Morgen will ich, dass ihr in aller Frühe wach seid. Wir brechen vor dem ersten Sonnenstrahl auf."
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • Neneve knirschte mit den Zähnen, während sie ihre Wunde mit einem feuchten Stofffetzen reinigte. Sie war froh, in der Nähe einen kleinen Bach gefunden zu haben. „Dieser Narr“, dachte sie immer wieder.
      Wenn ihr Arm nicht unter dem provisorischen Verband höllisch geschmerzt hätte, wäre er wohl kaum noch am Leben gewesen. Doch ihr Verstand war zu diesem Zeitpunkt wieder Herr über sie geworden und hatte sie zur Raison gerufen. Sie wusste, dass sie jeden zusätzlichen Mann brauchen konnte, doch irgendetwas stimmte mit dem Jüngling nicht. Wie er das Schwert gehalten hatte und vor allem dieser Blick – nein, Neneve war sich sicher, dass dies nicht sein erster Schwertkampf war.
      Das schwächte ihren Zorn über ihr Versagen jedoch nicht. Sie war zu selbstsicher geworden, hatte ihn unterschätzt und prompt die Strafe dafür bekommen.
      Neneve biss die Zähne fest zusammen um nicht vor Schmerzen aufzuschreien, als sie den Verband um ihren Bauch fest zuknotete. Stilistisch sah es vermutlich furchtbar aus, doch sie hatte gelernt, dass das Aussehen hier sowieso niemanden interessierte. Als sie schließlich diese schmerzende Prozedur hinter sich hatte, ging sie noch einmal zu der Quelle um sich das klare Wasser ins Gesicht zu schöpfen.
      Was für ein A…arroganter Mistkerl“, ertönte die piepsende Stimme von Lovia, als sie auf Neneves Schulter flog und sich eng an sie schmiegte.
      Während Neneve begann, ihr winziges Köpfchen zu kraulen, bemerkte Vargas, der gerade einen großen Schluck vom Bachwasser genommen hatte: „Er ist gefährlich. Er ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Und wenn er nicht ist, was er zu sein schein, was ist er dann? Ist er dann nichts?“ Neneve sah bewundernd zu ihm hinüber. Vargas hatte voll ins Schwarze getroffen und das Problem auf den Punkt gebracht.
      Aber wenn er nichts ist, dann ist er doch auch nicht gefährlich, oder?“, fragte Aiana, die sich neben Neneve auf den warmen, moosbewachsenen Boden gelegt hatte und sich sonnte.
      Neneve runzelte die Stirn, doch Vargas kam ihr zuvor: „Du siehst das falsch, Aiana, Liebes. WEIL er nicht ist, was er zu sein scheint und so nichts ist, ist er doch gerade so gefährlich. Wie dieses furchtbare Donnergrollen. Es scheint eine andonnernde Meute von Bären zu sein und doch ist das Donnergrollen nicht. Aber ist es nun gefährlich oder nicht?“ Aiana kräuselte ihre feine Nase.
      Es ist gefährlich, oder?“, fragte Lovia und kratzte sich mit der hinteren Kralle am Ohr, „ein heller Pfeil und du bist tot. Für immer. Mausetot.“ Neneve zwirbelte eine Locke, während sie das Gespräch weiter verfolgte. Es hielt sie zumindest davon ab, weitere mordslüsterne Gedanken bezüglich des Jünglings zu machen.
      Genau, Kleine“, erwiderte Vargas und legte seinen Kopf schräg.
      Aiana drehte sich um und grummelte: „Ich glaube, da kommt dein Problem, Neneve.

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    • Casper hatte sich mach dem Duell mit der Elfe zu Franz geflüchtet.
      Es war anstrengend gewesen. Die verdammte Elfe war einfach richtig gut und er hatte nur dank seiner körperlichen Überlegenheit punkten können.
      Gyahara war überraschend flink gewesen und er war sich sicher, dass sie noch andere Register ziehen konnte, wenn sie ihre "wahre Gestalt" offenbaren würde.
      San hatte ziemlich souverän gewirkt. Er hatte nichts anderes erwartet. Irgendetwas verbarg er ...
      "Kommst du?", fragte eine Stimme plötzlich.
      Sofort begann Franz zu bocken und Casper sprang einige Schritte zurück. "Ho! Hoooo!" Beruhigend hob er die Arme und redete dem in die Jahre gekommenen Hengst leise zu.
      "Wir sollten aufhören ihn zu erschrecken", sagte er und drehte sich um. Vor ihm stand Gyahara und betrachtete ihn.
      "Entschuldige, das wollte ich nicht. Aber das Abendessen ist fertig." Schuldbewusst rieb sie sich über den Oberarm. Casper lächelte. "Ist nicht schlimm, du konntest es ja nicht wissen."
      Dreck auf Toast!
    • Nach dem wenig ergiebigen Essen hatten sich alle in ihre Zelte zurückgezogen, nur einer der anderen Soldaten hockte noch am Feuer und schürte es ab und zu.
      Gyahara saß an die Zeltplane gelehnt und beobachtete, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Sie verspürte keine große Lust, sich zu den beiden Kerlen in das kleine Zelt zu zwängen. Zwar bot es genug Platz für drei Personen, aber sie sah keinen Grund sich ebenfalls in den beengten Raum zu quetschen, wenn sie genauso gut auch außerhalb schlafen konnte. Tatsächlich war es schon sehr lang her, dass sie das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen hatte. Zumal sie diesem San nicht über den Weg traute. Sie war zwar eine der Letzten, die sich über ihn beschweren sollte, aber etwas sagte ihr, dass er ihnen etwas verschwieg. Mal davon zu schweigen, dass er dieser Neneve vorhin nachgefolgt war. Ganz als wollte er sie im Auge behalten. Aber was wusste sie schon von menschlichem Verhalten?
      Ein Krächzen riss sie aus ihren Gedanken. Und ehe sie sich versah, landete Sasch, die kleine fette Krähe auf ihrem angewinkelten Knie.
      "Was willst du denn?", zischte sie mit zusammengepressten Zähnen. "Los flieg zurück in die Stadt und geh dem nächsten Totengräber auf die Nerven, aber lass mich in Ruhe." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung, aber der Vogel betrachtete sie nur mit schief gelegtem Kopf. Dann hüpfte er von ihrem Bein auf die Schulter und plusterte sich dort auf. Vorerst beschloss Gyahara das Tier zu ignorieren und schloss stattdessen die Augen. Den Kopf in die Hand gestützt, versuchte sie ihren Tag zu verarbeiten.

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    • Als Sedar sich dem Bachlauf näherte, bemerkte er, dass er nicht als einziger diesen Gedanken gehabt hatte. Die Elfe hatte sich auf einem Stein niedergelassen und war offenbar gerade dabei sich zu verbinden. Es tat Sedar leid, dass er sie hatte verletzen müssen, aber er war sich nicht sicher, ob sie ihm den Schlag sonst anerkannt hätte. Und immerhin hatte er sich alle Mühe gegeben den Schaden so gering wie möglich zu halten.
      "Willst du den Job zuende bringen", fragte sie ihn gereizt, als sie ihn erkannt hatte. Die Tiere, die sie schon zuvor dabei gehabt hatte, hatten sich nun um sie verteilt und ein Hirsch war auch noch dazu gekommen. Alle sahen ihn mindestens so misstrauisch an wie ihre elfische Begleiterin.
      Irgendetwas war seltsam an diesen Tieren. Nicht nur die äußeren Besonderheiten. Der Hirsch hatte ein Geweih aus Blumen und die Maus Flügel, während der kleine etwas ängstlich scheinende Wolf ein Medaillon um den Hals trug. Doch das störte ihn nicht weiter, immerhin hatte er viel zu wenig gesehen, um zu wissen was wirklich normal war. Es war eher die Intelligenz in ihren Augen, die ihn beunruhigte.
      "Es tut mir ehrlich leid", beteuerte er und griff an sein Schwert. Sofort verwandelte sich das Misstrauen der Tiere in Feindseligkeit. Auch der kleine Wolf ließ die Zähne sehen und Sedar beschlich der Gedanke, dass er es bestimmt bereuen würde, dieses Tier zu verärgern. Egal wie ängstlich es ihm eben noch erschienen war. Also bewegte er sich langsam, als er die Scheide von seinem Gürtel band und sie samt Schwert vorsichtig ins Gras legte. Dann erinnerte er sich, dass er eigentlich ein angsterfüllter Junge war.
      "Wisst ihr, ich war so versessen, wenigstens einen Angriff zu führen, dass ich gar nicht über die Folgen nachgedacht habe. Ich hätte nie gedacht, dass meine Klinge überhaupt so weit kommen würde. Es wird niemals wieder vorkommen", ergänzte er deshalb schnell, was die Elfe jedoch auch nicht gerade besänftigte. Mühsam unterdrückte er ein Seufzen. Er hatte sich nur waschen wollen und jetzt musste er diesen stechenden Blick ertragen. Und sie schien auch nicht gewillt ihn alleine zu lassen. Scheinbar wollte sie ihn im Auge behalten. Neneve schien zu wissen, dass etwas mit ihm nicht stimmte stimmte.
      "Schöne Tiere habt ihr da", sagte er deshalb in der Hoffnung eine Unterhaltung würde sie davon abhalten ihnin den nächsten Minuten umzubringen.
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      Aldous Huxley
    • Die Aussage "Er lager westlich von hier" war mehr als einfach nur vage gewesen dachte sich Cifer, als er den Blick über die Landschaft unter sich schweifen ließ. Er war als Rabe mehr oder weniger einen Tag lang geflogen, und ein Lager hatte er bis jetzt noch nicht entdeckt. Wahrscheinlich hatte dieser Fürst mit seinem Gefolge schon längst in einem Gasthaus Rast gemacht und ging jetzt dem hiesigen Wirt auf die Nerven, oder tat was immer Fürsten eben so taten, wenn sie reisten und gelangweilt waren. Seine Flügel schmerzten schon und er sehnte sich danach, wieder landen zu können. Das Fliegen an sich war immer wieder ein Erlebnis, aber für so lange Reisen hatte er einfach nicht genug Ausdauer. Als er sich gerade entschlossen hatte zu landen und irgendwo zu übernachten entdeckte der Gestaltwandler doch noch ein Feuer. Aus der Ferne konnte er auch einige Zelte und ein paar Gestalten, die sich im und ums Lager verteilt hatten, erkennen. Endlich, Zeit die Federn abzulegen. Cifer landete im Dickicht etwas oberhalb des Lagers. Er konnte schon fühlen wie sein Mal zu kribbeln begann, was für gewöhnlich nichts Gutes bedeutete. Trotzdem biss er die Zähne zusammen und beeilte er sich, dass Lager zu erreichen. Wer weiß, vielleicht waren die Nachrichten die er brachte ja gut genug, das man ihn ein bisschen am Feuer sitzen lassen würde. Mit etwas Glück würde vielleicht sogar noch eine warme Mahlzeit für ihn dazu kommen. Er ging auf das größte der Zelte zu und schenkte der vermummten Gestalt, die an einem der Zelte lehnte eine grüßende Geste. Wahrscheinlich hatte sie ihn nicht sofort gesehen, denn sie erwiderte die Geste erst leicht verzögert, als er schon an ihr vorbei war. Kurz vor dem Zelt stellte sich ihm ein anderer Mann in den Weg, wahrscheinlich der Leibwächter des Fürsten oder so. Ein zweiter trat neben ihn. Was willst du hier? Der Andere musterte ihn abwertend. Dem Abstand nach zu schätzen, den die Beiden von ihm hielte sah er wohl im Moment genau schlecht aus, er sich fühlte. Ich überbringe eine Nachricht, für Fürst Kreio oder so. Der Blick des Wächters verfinsterte sich. Er machte eine Geste, die wohl bedeutete, dass er den Brieg haben wollte und wagte sich etwa ein Millisekunde lang nahe genug an ihn heran, um ihm den Umschlag aus der Hand zu reißen. Nicht die unsympathischten Menschen, die er je getroffen hatte, aber immerhin irgendwo unter den ersten fünfzig. Ich bin nicht ansteckend wisst ihr. Murmelte Cifer, aber der Wächter hatte sich schon von ihm abgewandt, um den Brief zu öffnen. Sicherheit war ihm wohl sehr wichtig, auch wenn sich der Bote nicht sicher war, welche Gefahr denn in einem Brieg lauern könnte, außer vielleicht harte Worte. Er wandte sich um, um noch etwas am Feuer sitzen zu können, bevor man ihn wegjagte. Das Kribbeln hatte sich inzwischen in echte Schmerzen verwandelt und etwas sitzen war gar keine so schlechte Idee. Im nächsten Augenblick wurde er von hinten zu Boden gestoßen, als er sich auf den Rücken drehte hatte er auch schon die Klinge des Wächters am Hals. Sein Kumpane lag etwas entfernt am Boden, röchelnd und zitternd, während ihm Schaum aus dem Mund quoll. Scheiße. Bravo mein Freund, tolle Leistung. Du weichst dem Ärger ja fast so gut aus, wie eine Katze einer Kutsche. Eine tote Katze. Auch andere Gestalten tauchten jetzt auf. Cifer hob abwehrend die Hände. Schlimmer konnte er es jetzt ohnehin nicht mehr machen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass ihr euch nahes gestanden seit, oder..?
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      GNU Terry Pratchett
    • Casper stolperte aus dem Zelt.
      Klirren von Rüstungen und Schleifen von Wachen hatten ihn aufgeweckt.
      Aus dem Augenwinkel sah er Gyaharas dunkle Gestalt an einem Zelt lehnen.
      Die Axt in der Hand gesellte er sich zu den Soldaten, die einen Mann mittleren Alters am Boden festnagelten.
      "He, he, he", sagte er. "Immer langsam, was ist denn passiert?"
      "Langsam?!" Die Stimme des Soldaten überschlug sich regelrecht. "DAS ist passiert ich soll langsam machen?"
      Casper warf einen Blick in die Richtung, in die der Soldat deutete und erkannte einen weiteren Mann, der röchelnd am Boden lag.
      Sofort war der Henker bei ihm. Am Rande bekam er mit, wie Neneve in das Geschehen eingriff, er aber hatte nur Augen für die Wache.
      Er legte die Axt neben dem Opfer ab und betrachtete ihn genau. Der Atem ging stoßweise, Schaum vor dem Mund, verdrehte Augen.
      Das selbe hatte Franz mal gehabt, als er in seinem Garten an einer kräftig gelben Pflanze geknabbert hatte. Casper hatte keine Ahnung, ob der Mann mit der selben Pflanze in Berührung gekommen war, noch ob man ein Pferd mit einem Menschen vergleichen konnte, aber es war der einzige Anhaltspunkt den er hatte.
      "Gyahara! Besorg uns Fingerhut und Wasser!"
      "Ist der nicht giftig?", fragte sie stutzig. Vor wenigen Augenblicken war sie neben ihn getreten.
      "Nicht in Kombination mit dem Kraut, was dem Mann Probleme bereitet. Sie neutralisieren sich. Mach schon!"
      "Ich ...", Gyahara druckste herum, Casper musterte sie ungeduldig.
      "Ich ... ich kann nicht. Ich verderbe Pflanzen!", flüsterte sie schließlich aufgewühlt.
      Der Henker seufzte, aber da trat der Soldat, der den Fremden eben noch an den Boden gepresst hatte - offensichtlich hatte sich Neneve der Situation ganz angenommen - an ihn heran und drückte ihm eine pinke Pflanze in die Hand. "Ich hoffe du weißt was du tust!", sagte er.
      "Das weiß ich seit heute Morgen schon nicht mehr", seufzte Casper schwarzhumorig.
      Er mischte das Kraut mit dem Wasser und flößte es dem Soldaten vorsichtig ein.
      Oh Gott, bitte mach, dass das klappt!
      Dreck auf Toast!
    • Vermutlich wären Aiana oder Lovia dem Jüngling in wenigen Augenblicken an den Hals gesprungen, wenn nicht eine männliche Stimme vom Lager her gerufen hätte: „Mittagessen!
      Sogleich verzog sich der Mensch und Neneve atmete erleichtert auf. Solange sie nicht wusste, was mit ihm nicht stimmte, wollte sie ihm lieber aus dem Weg gehen.
      Neneve hatte nicht mit den anderen am Lager gegessen, sie hatte zum einen wenig Lust auf Gesellschaft und Unterhaltung, noch aß sie die menschlichen Speisen. Daher hatte sie sich in den Wald zurückgezogen und mümmelte einige Waldbeeren, kombiniert mit knackigen Nüssen. Sie schmeckten nicht so gut, wie die zu Hause, aber sie waren ganz passabel.
      Deswegen bekam sie auch erst nichts von den Tumulten am Lager mit. Doch als Aiana die Ohren aufrichtete und heftig zu bellen begann, folgte sie ihr zu den Zelten.
      Eine bizarre Kulisse erwartete sie: Die anderen standen wie ein Haufen ängstlicher Hühner um einen der Soldaten herum, der am Boden lag und widerliche, röchelnde Geräusche von sich gab. Neneve seufzte auf, nicht einmal sterben konnten die Menschen elegant.
      Als sie auch noch den Schaum sah, der dem Mann von den Lippen tropfte, wandte sie sich ab. Nein, die Menschen waren wirklich ekelerregend. Der andere Soldat lief panisch umher und nachdem der Mensch mit der Axt – wie war nochmal sein Name? – einige, hastig hervorgestoßene Befehle erteilt hatte, rannte er davon. Calper? Kater? Nein, Neneve konnte sich beim besten Willen nicht an seinen Namen erinnern.
      Kurz darauf kehrte er mit einer pinken Pflanze – Fingerhut, soweit Neneve dies erkennen konnte zurück. Als schweigender Beobachter verfolgte sie gespannt die weiteren Geschehnisse:
      Jasper, wie sie den Axtmensch jetzt einfach nannte, träufelte dem Soldaten einige Schluck Wasser in die Mundhöhle und hielt seinen Kopf. Der andere spukte, hustete und würgte.
      Erneut bestätigte sein Handeln das Bild eines Menschen, das sich Neneve gemacht hatte. Eine Elfe wäre lieber gestorben, als sich so gehen zu lassen.
      Eigentlich wollte Neneve das Ende der Szene noch miterleben, doch pochende Schmerzen an einer bestimmten Stelle am Bauch ließen sie zu Boden gehen. Der Jüngling musste sie wohl doch schwerer verletzt haben, als sie erwartet hatte. Der wird sein blaues Wunder erleben, dachte Neneve mit zusammengebissenen Zähnen, während sie versuchte, sich hochzuhieven. Doch ihr fehlte die Kraft: Ihr linker Arm war immer noch angeschlagen und die Schmerzen raubten ihr die Luft zum Atmen. Sie konnte sich nur hilflos an einen Ast krallen, der in ihrer Nähe ungewöhnlich tief nach unten hing. Aiana kam und versuchte ihr mit energischem Stupsen zu helfen, aber Neneve konnte nur zornig auf dem Boden sitzen bleiben und musste warten, bis die Stiche am Bauch nachließen und der Schmerz abebbte.
      So bekam sie gar nicht mit, ob der Soldat überlebte oder ob der Axtmensch mit seiner Aussage falsch lag.

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    • Sedar stand etwas abseits und beobachtete skeptisch den am Boden liegenden Mann. Dabei war es nicht der Tod, der ihn zurückhielt, damit kannte er sich aus, sondern die Tatsache, dass die anderen versuchten den Mann zu retten. Darin hatte er nun wirklich keine Erfahrung. Alles was man ihnen in der Enklave zum Thema Medizin gelehrt hatte, dass man, wenn man bei Bewusstsein war auch gesund war. Der Mann am Boden keuchte laut, als habe er gerade einen 500 Kilometerlauf mit Gepäck gemacht und hatte sich auf dem Bauch liegend auf die Ellenbogen gestützt. Immerhin schien er wieder Luft zu bekommen.
      "Das war er", sagte einer der anderen Soldaten - der der Casper die Pflanze gebracht hatte - und zeigte auf einen etwas kleineren Mann in einem dunklen Mantel. Er mochte etwa um die 50 sein, hatte kurzes rotes Haar und saß auf dem Boden. Was er da machte, wusste Sedar nicht. Vielleicht war er ja gefallen. Sofort hob er abwehrend die Arme.
      "Ich hatte keine Ahnung ehrlich. Ich sollte die Nachricht nur überbringen", beteuerte er und richtete sich rasch auf. Der Soldat, der ihn angeklagt hatte, zog sein Schwert und richtete es auf den Mann.
      "Wieso glaube ich dir nicht", fragte der Soldat und wollte augenscheinlich auf den anderen losgehen. Doch Casper stellte sich dazwischen.
      "Lass ihn doch erst einmal erklären", maulte der Henker den Soldaten an. Sedar war wie immer erstaunt über die Gutherzigkeit des Mannes. In Relation zu seinem Beruf natürlich.
      "Hört den Mann an", meldete sich der Fürst nun zum ersten Mal in der ganzen Situation zu Wort. Sein Gesicht war weiß angelaufen und er zitterte bedrohlich, doch immerhin verteidigte er den kleinen Mann. Sedar konnte diesen voll und ganz verstehen. Es war nie schön für ein Attentat missbraucht zu werden. Und der Mann hatte nicht einmal gewusst was er tat, sofern er denn die Wahrheit sagte.
      "Irgendwer will mich tot sehen und ich will wissen wer", erklärte der Fürst, als er sah wie seine Soldaten ihn ansahen. Der kleine Mann durfte sich ans Feuer setzen und seine Geschichte erzählen.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • Der Mann kauerte sich ans Feuer und wirkte dabei in seinem Mantel, als wollte er sich vor irgendetwas verstecken. Es fiel Gyahara schwer ihn auf ein Alter zu schätzen, aber fest stand, dass er einige Jahre älter war, als sie selbst, wenn auch nicht viele.
      "In dieser Stadt, ich habe den Namen vergessen - sie liegt aber östlich von hier", er stoppte und schien darauf zu warten, dass ihm jemand den Namen der Stadt nannte, aber von keinem kam eine Reaktion. Gyahara war sich aber sicher, dass er Jariam meinte. Schließlich war es die einzige größere Stadt in der unmittelbaren Nähe.
      Das er keine Antwort erhielt, sprach der Mann unruhig weiter. "Jedenfalls habe ich mich wegen einer Kneipenschlägerei aus einer Taverne verzogen und wie ich in den Gassen umherlief, kam mir eine vermummte Gestalt entgegen. Sie meinte, ich solle den Brief an Fürst Kreio überreichen, der westlich von der Stadt lagern würde. Er gab mir einige Kronen dafür." Wieder machte der Mann eine Pause und blickte in die rötlichen Flammen des Feuers. Gyahara überlegte schon, ob er überhaupt weitersprechen würde. "Er drückte mir die wenigen Kronen in die Hand noch ehe ich reagieren konnte. Da ich keine schlechten Erfahrungen mit solcherlei Briefen gemacht habe - meist waren es nur Liebesbotschaften - und die Bezahlung stimmte, habe ich den Brief eben übergeben." Seine Miene war mitleidvoll, als er zu dem immer noch stöhnenden Soldaten blickte, der sich aber mittlerweile zu beruhigen schien. "Das so etwas passiert, habe ich nicht geahnt."
      Gyahara wusste nicht recht, was sie von seiner Geschichte halten sollte. Die ganze Sache sah nicht gut für ihn aus, immerhin konnte er nicht nachweisen wirklich von jemandem beauftragt wurden zu sein.
      "Ich glaube ihm nicht", meinte schließlich der eine Soldat und blickte auf seinen Kameraden.
      "Du hast also keinen Namen?", fragte der Fürst nach. In seinem Gesicht war noch immer kein Leben zu erkennen, als wäre er erstarrt in einen Sack Mehl gefallen.
      Der Mann schüttelte den Kopf. "Leider nicht."
      "Dann haben wir auch keinen Grund, dir zu trauen." Der Soldat zog sein Schwert und richtete es wieder auf den Fremden.
      "Wir haben aber auch keinen Grund, es nicht zu tun", meinte Casper und stellte sich einmal mehr zwischen die beiden. "Es muss eine andere Möglichkeit geben." Gyahara war wirklich erstaunt, wie der Henker immer versuchte Unrecht zu vermeinen. Bisher war sie derartige Sachen nicht von dieser Berufsgruppe gewöhnt. Aber es bewies ihr, dass man nicht alle über einen Kamm scheren durfte.
      Eine Weile verfolgte sie noch das Hin und Her um den Mann, als sie bemerkte, dass Neneve gar nicht an der Diskussion beteiligt war. gerade sie hätte sie hier vermutet. Suchend sah sie sich um und schließlich entdeckte sie die Elfe etwas abseits auf dem Boden sitzend. Mit glasigem Blick hockte sie da und hielt sich den Bauch.
      Mit einem letzten Blick auf die Gruppe, schritt sie auf die Elfe zu. Nicht, dass es sie wirklich interessierte, was mit ihr war, aber sie war noch nie jemand gewesen, den man nach einer gerechten Meinung fragen sollte, weshalb sie sich auch nicht in die Diskussion einmischen wollte.
      Als sie näher an Neneve herantrat wurde sie von einer jungen Wölfin angefaucht und auch der Hirsch machte Geräusche, die ihr wohl bedeuten sollten, sich fern zu halten und beinahe hätte Gyahara sich auch umgedreht, aber stattdessen blieb sie in gebührendem Abstand stehen.
      "Fehlt dir etwas? Kann ich helfen?", fragte sie tonlos. Sie war nicht scharf darauf, wirklich zu helfen, aber zumindest fragen, gehörte zum guten Ton. Denn scheinbar durfte sie jetzt noch einige Zeit mit der Elfe und den anderen verbringen.

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    • Die Geschichte zu erzählen, fiel Cifer schwer. Einerseits weil er sich wegen seiner Dummheit, den Brief und dessen Opfer betreffend schämte, andererseits, weil der Schatten immer wieder spöttische Bemerkungen mit einwarf. So dumm wie du dich anstellst frage ich mich, warum das nicht schon bei den letzten drei Briefen so passiert ist. Hat dich die hohe Bezahlung nicht gewundert, oder warst du wieder mal nur aufs Geld aus? Wenn ich ein Assassine wäre, dann wäre ich schon ganz schön blöd mein Gift hier selber abzuliefern. verteidigte er sich gegen den Soldaten. Cifer verstand das Misstrauen der Anderen aber er war dem großen, braunhaarigem Mann dankbar, dass er ihm wenigstens eine Chance gab, auch wenn ihn die Axt auf dessen Rücken sowie die schwarze Kleidung leicht verunsicherte. Er kannte nur eine Berufsgruppe, die sich so kleidete und solche Äxte trug und er hatte bis jetzt noch keine guten Erfahrungen mit ihnen gemacht. Andererseits erinnerte er sich daran, dass er es auch gewesen war, der versucht hatte, den Wächter zu retten. Cifer wandte sich an den Großen vor ihm. Wird er durchkommen? Bevor der Andere etwas erwidern konnte, zischte der Mann hinter ihm. Was geht dich das an du Ratte? Der harte Ton ließ ihn etwas zurückweichen. Weil ich ungern das Blut von anderen Menschen an meinen Händen hätte. Naja Er kratzte sich am Kopf. es ist wichtig weil ich wissen möchte, ob ich nur eine harte Tracht Prügel bekomme, oder ob mir heute noch jemand den Kopf vom Rest meines Körpers trennt. Und ich meine nicht unseren Freund mit der Axt. Der Krieger hatte die Hand schon am Schwertgriff, entschied sich dann jedoch anders knurrte nur wütend und verschwand in einem der Zelte. Bevor er seine Frage noch einmal wiederholen konnte antwortete der Henker. Nun, ich bin kein Heiler, aber er hat aufgehört zu Zucken und der Schaum ist größtenteils verschwunden, im Moment schläft er. Atmet er wenigstens noch? Einen Moment fragte sich Cifer ob er zu weit gegangen war, aber der Andere lächelte ihn an. Ich denke bis morgen ist er wieder auf den Beinen. Er nickte erleichtert. Dann sollte ich wohl aufpassen, wenn ich bis dahin noch hier bin. Der Fürst mischte sich nun ebenfalls wieder ein. Nun, bis ich dir nicht trauen kann, kann ich dich leider auch nicht gehen lassen. Der Gestaltwandler schluckte. Gut ich hatte die nächsten Tage ohnehin keine großen Pläne. Sobald sie schlafen verschwinden wir... ich. Er entfernte sich ein Stück von den Menschen am Feuer, um sich schlafend zu stellen. Den Rest ihres Gesprächs bekam er nicht mit genauso wenig, wie den Fürst, der den Anderen zumurmelte. Bindet ihn irgendwo an sobald er schläft. Ich kann mir einfach keine Verluste mehr leisten.
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      GNU Terry Pratchett
    • Sedar zuckte leicht zusammen, als er die Begründung hörte, dass der kleine Mann als Assassine das Gift nicht selbst abgeliefert hätte. Schnell sah er sich um, ob das jemand bemerkt hatte, doch keiner sah in seine Richtung. Innerlich musste er ihm widersprechen. Der Assassine war immer der, der den Anschlag verübte. Der Mann wirkte auf ihn jedoch nicht im Mindesten wie ein professioneller Mörder. Zum einen wäre er als solcher schon längst geflohen, bevor der Brief überhaupt geöffnet worden wäre, zum anderen machte der kleine Mann einfach nicht den Eindruck. Natürlich konnte er sich auch Täuschen und vielleicht blieb der Mann auch, da der Brief sein eigentliches Ziel, den Fürsten nicht erreicht hatte, doch er war bereit der Geschichte, die der Mann erzählte, Glauben zu schenken. Nichtsdestotrotz würde er ihn nicht aus den Augen lassen. Zu vertrauensselig zu sein war eine Schwäche, die man schnell bereuen konnte. Deshalb blieb er auch draußen am Feuer sitzen. Nahe an dem Fremden. Oder zumindest dem, den er die kürzeste Zeit kannte. Als er jedoch hörte, dass dieser festgebunden werden sollte, um die Fluchtmöglichkeit zu verringern, empfand er zugleich Erleichterung, dass seine Aufgabe erleichtert wurde, als auch Mitleid, da dies die Nacht des Fremden sicher nicht verschönern würde. Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, das Seil heimlich durchzuschneiden, doch dies dem Fremden und, falls er erwischt wurde, den anderen zu erklären könnte einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Also blieb er am Feuer sitzen, bis alle Menschen außer Gyahara und dem Fremden sich in ihre Zelte verkrochen hatten. Der eine, weil er nicht anders konnte, die andere, weil sie es wohl bevorzugte draußen zu schlafen. Auf eine offizielle Wache verzichtete man, was angesichts der heutigen Vorfälle etwas riskant anmutete. Zu Sedars missfallen, war die Elfe jedoch ebenfalls nicht in einem der Zelte verschwunden, sondern war stattdessen in der Krone eines nahen Baumes verschwunden. Ob sie dort schlief oder die Augen offen hielt, vielleicht sogar ihn im Auge behielt, konnte er nicht sagen, doch auf jeden Fall vereitelte dies seinen Plan im Schutze der Nacht noch etwas zu trainieren. Eine menschliche Wache hätte er vermutlich umgehen können. Bei der Elfe war er sich diesbezüglich nicht ganz so sicher. Also lehnte er sich zurück und starrte in die Sterne. Nach einer Weile schloss er die Augen und verließ sich ganz auf seine Ohren. Wenn ein Mörder in den Büschen lauerte, müsste er jetzt etwa angreifen. Mittlerweile könnte er davon ausgehen, dass alle schliefen, jedoch auch nicht mehr allzu lange Warten, da die Sonne bald aufgehen musste. Als nichts passierte entschloss er, dass es hier draußen allemal so sicher war wie im Zelt, und glitt in einen tiefen traumlosen Schlaf über.

      LG TiKa
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      Aldous Huxley
    • Neneve hatte sich nur mühsam aufrappeln können. Natürlich wäre es deutlich einfacher gewesen, die Fremde um Hilfe zu fragen, doch diese Blöße hätte sich Neneve nie gegeben.
      Stattdessen hatte sie die Frau wütend angeschrien: „Hau ab! Lass mich in Ruhe! Kümmere dich gefälligst um deine eigenen Probleme!“ Nachdem diese dann kopfschüttelnd weggegangen war, blieb Neneve noch eine Weile sitzen.
      Doch schließlich ebbte der Schmerz tatsächlich ab und sie konnte mühsam aufstehen. Ich bringe ihn um, schwor sie sich dabei.
      Sie würde mit Sicherheit nicht die Nacht in einem dieser stickigen, übel riechenden Zelte verbringen. Natürlich hätte sie ein eigenes Zelt bekommen, doch Neneve grauste es dennoch vor einem solchen Schlafgemach. Nur ein Fluchtweg, Platznot und vor allem nicht die Sterne über einem – nein, Neneve verstand auf ein Neues die Menschen nicht. Daher flog Neneve zu dem stärksten Ast eines nahestehenden Baums und ließ sich darauf nieder. Wenigstens waren ihre Flügel in Takt und vollkommen gesund.
      Aber obwohl sie die frische, kühle Nachtluft einatmete und sich zu entspannen versuchte, konnte sie nicht einschlafen. Sie hatte Angst, auch wenn sie sich dies nie eingestanden hätte. Angst, einen erneuten Angriff zu verpassen und an ihrer Mission zu scheitern. Sie wusste, was mit Königsboten geschah, die ihre Aufgaben nicht penibel und perfekt ausführten: Im besten Falle wurden sie nur entlassen, aber meistens wurden sie vertrieben und wenn es ganz schlimm kam sogar getötet. Im Königreich der Elfen unter Zumina gab es keine schwächlichen Elfen, das hatte diese bereits bei ihrem Amtsantritt verkündet. Sie war eine starke Königin, aber auch eine harte. Viele Elfen wussten bereits, dass ihr die Güte und Sanftheit ihres Vaters, dem alten König Eurai, fehlten. Aber dennoch, sie führte ihr Reich eisern und weise, sodass keine Elfe im Traum daran gedacht hätte, sich gegen sie aufzulehnen.
      Neneve seufzte auf, drehte sich auf die Seite und betrachtete das Lager. Sie erschrak einen Augenblick, als sie den Jüngling dort erkannte. Was tat er dort? Neneves Misstrauen gegen ihn wuchs erneut. Sie war sich sicher, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Wie Vargas bereits verkündet hatte, war er wie Donnergrollen. Nein, sie würde ihn diese Nacht nicht aus den Augen lassen, auch wenn dies bedeutete, dass sie auf ihren herbeigesehnten Schlaf verzichten musste.

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    • Die Sonne schleppte sich noch nicht einmal über den Horizont, als sich Gyahara bereits erhob. Sie hatte die ganze Nacht kein Auge zubekommen, war bei jedem Geräusch zusammengezuckt und hatte immer mit einem Angriff der städtischen Soldaten gerechnet. Doch nichts dergleichen war geschehen und nun bereute es die Dämonin, dass sie nicht geschlafen hatte. Sie fühlte sie wie erschlagen ganz zu schwiegen davon, dass ihr alles wehtat.
      Als sie stand, streckte sie ihren Rücken. Es würde wohl noch etwas dauern, ehe die anderen aufwachen und das Lager abbauen würden, schließlich war der Abend lang gewesen. Also entschied sie sich dazu, diese Zeit für sich zu nutzen. Sie entfernte sich von der Gruppe und beschloss sich an dem kleinen Bachlauf, der sich unweit ihres Lagers befand, etwas frisch zu machen. Seit dem gestrigen Tag hatte sie nicht einmal ihre Kapuze vom Kopf genommen und so langsam störte sie der schwere Stoff. Der Gedanke an den vergangenen Tag erinnerte sie schmerzhaft daran, dass sie nun auf der Flucht war. Was würde jetzt aus ihr werden und wohin ging ihre Reise überhaupt? Musste sie sich nun immer vor den anderen verhüllen, oder würde man sie irgendwann akzeptieren? Casper war der einzige, der bisher ihr Gesicht kannte und sie war ihm dankbar, dass er es niemandem verraten hatte. Für einen Henker war er wirklich okay.
      Am Bach angekommen, setzte sie sich ins feuchte Gras und musterte eine Weile die Wasseroberfläche. Das Wasser war klar und floss gemächlich einen kleinen Hang hinunter.
      Noch einmal ging Gyahara sicher, dass ihr niemand gefolgt war, dann warf sie den Mantel ab, streifte ihr weißes Hemd an den Armen nach oben und begann damit sich Gesicht und Arme zu waschen. Sofort fühlte sie sich munterer und sie spürte, wie die Energie in ihren Körper zurückkehrte. Eindeutig ein Placeboeffekt, denn die Augenringe blieben ihrem Spiegelbild erhalten. Schwarz klafften sie unter ihren ebenfalls schwarzen Augen. Sie musste unbedingt in der nächsten Nacht schlafen, ihr Mistrauen hin oder her. Denn todmüde wäre sie noch unaufmerksamer, als wenn sie schlief.
      Von weiten waren Stimmen zu hören, die ihr verrieten, dass auch die anderen endlich erwacht waren und wohl begannen, sich für den Tag vorzubereiten. Sicher würde der eine oder andere seinen Weg ebenfalls hierher finden, weshalb Gyahara es vorzog, sich den Mantel wieder überzuwerfen. Sie blieb noch etwas sitzen und lauschte den Vögeln in den Bäumen, ehe sie zum Lager zurückkehrte.

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    • Casper begenete Gyahara als er auf dem Weg zu dem kleinen Bach war. Sie ging in die entgegen gesetzte Richtung und nickte ihm im Vorbeigehen zu.
      Er tat es ihr gleich, wusch sich flüchtig und kehrte zum Lager zurück.
      Er sah nach dem Soldaten, der sich gestern vergiftet hatte. Dieser saß am Feuer und aß eine Schale dünne Suppe. Neneve saß ihm gegenüber und musterte das Gebräu beinahe angewidert. Selbst für elfische Maßstäbe schien sie schwierig zu sein. Casper ließ sich neben dem Soldaten nieder und füllte sich ebenfalls eine Schale.
      "Du bist Henker und kein Söldner, oder?", fragte der Soldat unvermittelt.
      Casper musterte ihn.überrascht.
      "Glaubst du ich bin doof?" Der Soldat wurde unfreundlich, rückte sogar etwas von ihm ab.
      Traurig sah Casper in seine Schale. Plötzlich war ihm der Hunger vergangen. Da tat er einmal das Richtige und es wurde so gedankt.
      Lustlos ließ er die Suppe von seinem Löffel tropfen.
      "Ich war von Anfang an der Meinung, dass du ihn hättest sterben lassen sollen." Casper zuckte zusammen. Er San sich nicht nähern gehört.
      Niedergeschlagen sah er zu dem Jungen auf. "Aber es wäre falsch gewesen."
      Dreck auf Toast!
    • Sie hatten ihn irgendwann in der Nacht an den Händen an einen Baum gefesselt, der nahe beim Feuer war. Cifer hatte nicht genau erkennen können wer es gewesen war. Zwei seiner Dolche hatten sie ihm auch abgenommen und der Dritte in seinem Stiefel nützte ihm nichts. Und verwandeln hatte er sich auch nicht können, weil der Junge, er schätzte ihn irgendwo auf zwanzig, und die andere vermummte Gestalt die ganze Nacht in der Nähe gewesen waren. Diesen einen Trumpf wollte er sich lieber für später aufheben, wenn die Situation günstig war. In der sitzenden, an den Baum gelehnten Position hatte er kein Auge zumachen können. Was wenn das seine letzte Nacht war? Was wenn er seine letzten Stunden gefesselt an einen Baum verbringen würde? Wie sich zu seiner Erleichterung jedoch herausstellte, hatte er wohl doch noch einen weiteren Tag zu leben. Schon bald darauf versammelten sich die Menschen aus dem Lager am Feuer, viele waren es wohl nicht, und einer der Soldaten löste ihn sogar los und stieß ihn unsanft näher zur Feuerstelle. Cifer vermutete, dass es der Unvergiftete war. Nach der unsanften Nacht schmerzten alle seine Gelenke und das beißende Gefühl des Mals machte es auch nicht besser. Als er eine Schüssel mit einer besonders kleinen Portion Suppe von dem Wächter in die Hand gedrückt bekam, holte er seine Flasche mit Schmerzmittel heraus und goss ein wenig davon dazu. Er konnte den misstrauischen Blick des Mannes beinahe spüren sagte jedoch nichts. Er hatte einfach nicht die Kraft für spöttische Bemerkungen. Am Feuer saßen der Henker, der sich wohl gerade mit dem anderen Soldaten stritt, der Junge und noch eine weitere Frau. Der Fürst war nirgends zu sehen. Erst jetzt fiel auf, dass die Frau eine Elfe war. Gestern hatte er sie nicht bemerkt und entschloss sich, dass es vielleicht keine schlechte Idee war, sie näher kennen zu lernen. Wenn er bald Richtung Elfenreich weiter zog, war es sicher nicht schlecht, diese Leute besser kennen zu lernen. Morgen. Sie schien sich lieber auf den Inhalt ihrer Suppe zu konzentrieren. Weist du, ich bin schon mit Elfen gereist. Auch wenn die ein Paar Flügel weniger hatten als du. Noch immer keine Reaktion, auch wenn sie jetzt die Augenbrauen genervt zusammen zog. Wahrscheinlich dachte sie ja, dass sie es nicht nötig hatte zu antworten. Naja, ein bisschen höflicher waren sie auch. Also nehme ich an es waren keine Verwandten von dir. meinte er und machte sich daran, seine Suppe zu trinken.
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    • Neneve schüttelte leicht den Kopf und seufzte auf. Sie hatte erneut etwas Abstoßendes über die Menschen erfahren: Entweder gifteten sie sich an, verdarben einem das sowieso schon widerliche Essen, oder sie begannen unnötige Dinge zu erzählen.
      Als sie sich umsah, erkannte sie, dass tatsächlich alle Mitglieder ihrer Reisetruppe anwesend war – den Fürsten ausgenommen. Er zog es vor, in seinem Zelt zu essen. Vermutlich, damit er nicht noch braun wird, dachte Neneve. Der Soldat, der bereits vor wenigen Augenblicken eine überaus geistreiche Aussage gemacht hatte, stichelte gegen den Henker weiter.
      Neneve ging sein Verhalten sehr auf die Nerven, sodass sie schließlich ihn anzischte: „Kannst du nicht deinen Mund halten und einfach essen? Wir haben schon genug Schwierigkeiten, musst du uns jetzt auch noch bis auf’s Blut nerven? Wenn du ein Problem damit hast, neben einem Henker zu sitzen, dann verschwinde gefälligst! Iss irgendwo anders, am besten so weit wie möglich von mir entfernt!“ Neneve zögerte einen Augenblick, doch dann gab sie sich einen Ruck. „Sei lieber dankbar, dass er deinen Freund gerettet hat. Ansonsten hättest du wohl gar keinen mehr, dem du die Ohren volljammern kannst!“ Als sie fertig war, betrachtete sie wieder die Brühe in ihrem Teller und verzog das Gesicht. Die Menschen verstanden die Kunst des Kochens wirklich nicht. Dieses Gebräu konnte man doch wahrlich nicht als Essen bezeichnen. Um ihrem Ärger Luft zu machen, fixierte sie die Frau ihr gegenüber mit ihren dunkelgrünen Augen. Sie war erneut in diesen furchtbar schäbigen Umhang gehüllt.
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass du so furchtbar hässlich bist, dass du dich verhüllen musst. Sieh dich doch um, die Chance, dass du die Unansehnlichste hier bist, ist sehr gering.“ Erneut streifte ihr bohrender Blick alle Anwesenden. Bevor sie noch weiter ausholen konnte, lenkten jedoch Aiana und Lovia ihre Aufmerksamkeit auf sich. Lovia kuschelte sich in ihre Hand, während Aiana einen Tropfen Suppe von ihrem Finger ableckte. Dieser kam eindeutig von dem Soldaten neben Neneve, der schmatzend und rülpsend sein Mahl zu sich nahm.
      Doch Neneve übersah ihn geflissentlich und streichelte Aiana über den seidigen Kopf. Die Hand, auf der Lovia ruhte, hob sie hoch um sie näher bei sich zu haben.
      Na, Kleine. Hast du ein paar Haselnüsse gefunden? Ich habe dir auch noch ein Stückchen Käse aufgehoben. Weichkäse vom Hofe Zuminas, den isst du doch am liebsten.“ Vorsichtig berührte sie Lovias winziges Näschen. Diese begann wie ein Kätzchen zu schnurren und legte ihre kleine Pfote auf Neneves Zeigefinger.
      Beinahe hätte Neneve ihre Umgebung vergessen, aber leider nur fast.

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