Auf der Spur ...

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    • "Ich wüsste nicht, warum ich dir die Genugtuung geben sollte, dir mein Gesicht zu zeigen. Meine Hilfe wolltest du gestern ja auch nicht", knurrte Gyahara auf die Aussage der Elfe. Nicht, dass sie Neneve am Abend gern geholfen hätte, aber anschreien musste sie sich noch lang nicht lassen. Und auf Beleidigungen reagierte sie erst recht nicht. Sie hatte immerhin auch ihren Stolz.
      "Ich sterbe lieber, anstatt die unqualifizierte Hilfe irgendwelcher Fremden anzunehmen", zischte die Elfe.
      Gyahara verdrehte die Augen, auch, wenn es die anderen nicht sehen konnten. Sie nahm ihre zugegeben widerliche Suppe und stocherte etwas darin herum. Ja, sie verstand das Misstrauen, aber sie sah keinen Grund die schlechte Laune der Elfen ausbaden zu müssen.
      "Das klang gestern noch ganz anders. Ihr hättet uns niemals als Söldner aufgenommen, wenn ihr nicht verzweifelt nach Unterstützung gesucht hättet." Mit diesen Worten wandte sich Gyahara ab. Sie wollte sich nicht streiten. Für solche Kindereien war sie wirklich zu alt.
      "Wohin geht die Reise jetzt eigentlich?", lenkte sie deshalb ein, als sie sah, dass Neneve schon zu einem Konter ansetzen wollte. Anstatt sich in die Haare zu greifen, sollte sie lieber in Erfahrung bringen, was das Ziel ihrer Reise war.
      Mit erhobener Augenbraue blickte sie in die Runde.

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    • Cifer hatte schnell den Versuch aufgegeben, ein Gespräch mit der Elfe anzufangen und musste zugeben dass es ihn überraschte, wie er sie gleichzeitig sowohl als unsympathisch als auch als sympathisch empfinden konnte, als sie sich wiederum für den Henker einsetzte und beinahe im gleichen Atemzug, die verhüllte Gestalt angriff. Der Gestaltenwandler hoffte, dass sich nicht alle Elfen so benahmen. Eine weitere Offenbarung war, dass die andere Person wohl weiblich war. Zumindest ihrer Stimme nach zu urteilen. Dem Streit hörte er nur halbherzig zu, auch weil das Schmerzmittel gerade seine Wirkung zu entfalten begann und als sie die Frage zu besprechen begannen, wohin es gehen sollte, bekam er gerade mit, dass es wohl irgendeine Stadt am Rand des Elfenreiches war. Immerhin die richtige Richtung, aber in einer größeren Gruppe würden sie wahrscheinlich ewig brauchen und wer wusste schon, wie lange sie sich in dieser Stadt aufhalten würden, bis der Fürst endlich beschloss, dass er vertrauenswürdig war, um endlich gehen zu dürfen. Ja es war definitiv an der Zeit zu verschwinden. Ich geh mich waschen. murmelte der Bote halbherzig und als er aufstand wurde ihm kurz schwarz vor Augen und er schaffte es gerade noch, nicht direkt vor den Anderen umzuknicken. Das hieß entweder, dass das Mal irgendwelche wichtigen Stellen erreicht hatte, oder er hatte einfach nur zu viel von der Mischung erwischt. Sein Spiegelbild im Wasser wirkte blass aber er konnte keine schwarzen Spuren in seinem Gesicht erkennen, immerhin etwas. Was er jedoch erkennen konnte, war einer der beiden Krieger, der ein Stück oberhalb stand und ihn grimmig beobachtete. So schnell würden sie ihn wohl nicht aus den Augen lassen. Er seufzte. Hoffst du, irgendwas interessantes zu entdecken. In dem Moment wandte sich der Soldat Richtung Lager und als Cifer seinem Blick folgte, erkannte er, dass der Fürst wohl endlich aufgetaucht war und wirkte, als wolle er etwas ankündigen.
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      GNU Terry Pratchett

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Korus ()

    • Sedar horchte auf, als Gyahara die Frage nach dem ziel der Reise stellte. Er wusste noch immer nicht wie der Name des Königreichs war, dem er soviel Leid zugefügt hatte, aber trotzdem konnte ein Name nicht schaden. Das Elfenreich klang interessant, doch er wusste nicht, ob dies der richtige Ort für ihn war. Dass er lange genug teil dieser Gruppe bliebe um das herauszufinden, war jedoch sowieso recht unwahrscheinlich. Vermutlich würde er sie früher oder später verlassen müssen, bevor sie sein Geheimnis herausfanden, oder sie jagten ihn weg, sobald sie dies taten. Deswegen missfiel es ihm auch, dass der Fürst die Bezahlung erst am Ende der Reise entrichten würde. Andererseits. Was war schon Geld.
      Was ihn eher störte war die Tatsache, dass er wohl Casper und Gyahara im Stich würde lassen müssen, nachdem sie für ihn ihr Leben zerstört hatten. Doch vielleicht ergab sich bis dahin ja noch eine Gelegenheit ihnen etwas zurückzuzahlen.
      Er aß schweigend die zugegebenermaßen ekelhafte Suppe, doch er hatte schon schlimmeres ertragen müssen. Ein Leben wie seines brachte nicht viel Luxus mit sich. In diesem Moment trat der Fürst aus seinem Zelt- ob er gerade erst aufgestanden war oder sich nur dort verkrochen hatte, ließ sich nicht feststellen - und stellte sich aufmerksamkeitsheischend vor die Gruppe.
      "Ich habe entschieden, dass wir unsere Route geringfügig ändern", verkündete er als wolle er ihnen sagen, dass er allen Hunger der Welt besiegt hatte. "Es hat mich viele Überlegungen gekostet wie wir diesem Mordanschlag begegnen können und so habe ich entschieden, dass wir dringend an einen Ort müssen, wo wir neue Söldner, einen Detektiv und eine Möglichkeit meinem allseits geliebten Vater eine Nachricht zu schicken gibt. Die Söldner werden mit uns reisen, der Detektiv versuchen diesen Fall aufzuklären und die Nachricht meinen Vater warnen, dass ihn eventuell ein gleicher Anschlag treffen könnte. All diese Dinge finden wir in Jerigo." Jerigo. Von dieser Stadt hatte selbst Sedar in seiner Weltfremde schon gehört. Es war eine angebliche großartige Stadt, welche nicht nur die Hauptstadt dieses Königreiches, sondern auch ihr kulturelles und industrielles Zentrum war. Und offensichtlich würden sie dort einige Tage verbringen. Etwas anderes zog jedoch seine Aufmerksamkeit auf sich. Der Detektiv. Ein Detektiv war, soweit er wusste jemand der Ermittlungen anstellte und Geheimnisse offenbarte und anders als dem Fürsten würde ihm sicherlich auffallen, dass Casper, Gyahara und Sedar am Tag des Anschlags zum Fürsten gestoßen waren. Er würde ihn mit Sicherheit befragen wollen.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley
    • Casper runzelte die Stirn.
      Jerigo ... na seinetwegen sollten sie ruhig dahin, so weit weg wie möglich von Jariam.
      Kurz dachte er an sein kleines Haus in Anklam und Casper, den Zweiten, aber es würde niemand wagen sein Hab und Gut anzurühren, bis er vielleicht zurück kehrte.
      Seine Gedanken wanderten zurück zu dem, was der Fürst gesagt hatte. Weitere Söldner und ein ... Dedektiv, hatte er es genannt.
      Immer diese neumodischen Berufe. Caspe hatte keine Ahnung, was ein Dedektiv so tat.
      Als Fürst Keios wieder in sein Zelt verschwunden war, bließ Neneve zur Weiterreise. Widerwillig wiesen der vergiftete Soldat und sein Freund ihre neuen Begleiter in ihre Aufgaben ein. Caspers Aufgabe war es sich um die Pferde zu kümmern, da er Franz dabei hatte, wussten sie, dass er sich etwas auskannte. Und er sollte die Pferdeäpfel während der gesamten Reise aufsammeln, damit sie den Dung abends zum Feuer machen nutzen konnten.
      Casper seufzte, machte seine Arbeit aber ohne Widerspruch. Die Pferde gefielen ihm. Es waren prächtige braune Hengste mit seidigem Fell, deutlich jünger als Franz.
      Franz lud Casper ihr Zelt auf, mehr wollte er seinem alten Klepper nicht zumuten.
      Als er die Pferde vor die Kutsche gespannt hatte und alles gepackt war, bewaffnete sich Casper mit Sack und eiber kleinen Schaufel und gesellte sich ans Ende der Karawane.
      Hier ging auch der Fremde. Den armen Tropf hatten sie an einen Wagen gebunden, so dass er gezwungen war mit ihnen zu laufen, egal welches Tempo. Das machte Casper Sorgen. Dee Mann sah jetzt schon so aus, als wäre er nicht ganz gesund.
      Dreck auf Toast!
    • Jerigo also. Cifer erinnerte sich vage an diese Stadt, er wusste dass sie im Norden an gigantische Wasserfälle grenzte aber, was noch wichtiger war, dass sich im Südteil der Stadt vor ein paar Jahren in den Vergnügungsvierteln aufgehalten hatte. Er würde versuchen diese Gegend zu meiden sonst stieß er am Ende noch auf 'alte Freunde'. Aber alles in allem waren es gar keine so schlechten Aussichten. Wenn dieser Detektiv mit ihm fertig war würde er wohl verschwinden können da er, zur Abwechslung, diesmal wirklich unschuldig war. Und es war auch nicht so schlecht sich mal wieder in einer Gruppe zu bewegen zu können, bei der man nicht fürchten musste, dass man ihn ausraubte, oder ihm nachts die Kehle durchschnitt. Zumindest war er sich bei den meisten seiner Mitreisenden da sicher. Der Wagen an den man ihn band, hatte hinten eine kleine Kante und Cifer verbrachte einen Großteil der Zeit mit dem Versuch, hinauf zu gelangen, um wenigstens ein bisschen stehen zu können statt laufen zu müssen. Der Schatten warf immer wieder Bemerkungen ein, dass er hoffte er würde unter die Räder kommen, oder sich wenigstens ein Bein brechen. Er rutschte gerade zu achten Mal ab, als der Henker sich zu ihm gesellte. "Du hast nicht zufällig irgendwo meine Dolche gesehen oder?" fragte er ihn hoffnungsvoll, doch der große Mann schüttelte nur den Kopf." Nein tut mir Leid." während er die Pferdeäpfel aufsammelte, die eines der Tiere gerade fallen gelassen hatte. "In Ordnung, sag einfach bescheid, wenn du sie irgendwo siehst." Erst jetzt fiel ihm ein, das er nicht einmal die Namen seiner Mitreisenden kannte. "Ähm, ich glaube ich habe eure Namen noch nicht ganz mitbekommen." "Ich bin Casper". meinte der Henker, dann deutete er auf die vermummte Frau und den Jungen die etwas weiter vorne neben den Kutschen ritten, sie hatten wohl die Aufgabe bekommen, aufzupassen." Das da vorne sind San und Gyahara. Die Elfe heißt Neneve und bei den Soldaten bin ich mir nicht ganz sicher." Cifer nickte. Die Elfe konnte er nicht gut sehen, weil sie ein Stück voraus geritten war, wahrscheinlich um den Weg zu sichern. Er hatte sie nur kurz vor der Abreise auf einer Art Hirsch gesehen, aber er hatte ohnehin nicht gedacht, das er nochmal dazu kommen würde mit ihr rede zu können. "Cifer. Nun denn Casper. Ich würde dir ja die Hand reichen, aber naja." Er hob in einer entschuldigenden Geste so gut es ging die gefesselten Hände. Darauf hin schwiegen sie beide einige Minuten, in denen es Cifer nach ein paar mehr Versuchen doch noch gelang, auf die Kante zu kommen, und sein Gleichgewicht zu behalten. Sie würden noch eine ganze Weile unterwegs sein, bevor sie wieder Rast machten und bis dahin war es wohl keine schlechte Idee, den Anderen etwas besser kennen zu lernen. "Sag mal, was bringt einen Henker eigentlich dazu, Söldner zu werden. Gab es in der Stadt zu wenig Verbrecher um von dem Beruf leben zu können?" fragte er, während er sich in einer eher verdrehten Position an die Wand des Wagens lehnte.
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    • Casper wurde rot.
      Er konnte seine Gefühle nur schlecht verbergen, wenn er überrumpelt wurde.
      Eigentlich hätte er mit so einer Frage rechnen sollen, aber naja, hatte er eben nicht. Zumindest hatte er sich noch keine Geschichte zurecht gelegt, also entschied er sich für die Wahrheit, aber seine Beweggründe würde er Cifer nicht verraten.
      "Nun ich habe ... San nicht hingerichtet."
      Sein Gegenüber musterte ihn stutzig. "Du rettest einem undankbaren Soldaten das Leben und du richtest keine Menschen hin. Meinst du nicht, dass du deinen Beruf verfehlt hast?" Cifer grinste. Casper erwiderte es schief. Er musste schon einen seltsamen Anblick abliefern.
      "Ich kann nichts anderes."
      "Ich kann auch nicht viel", entgegnete der Rothaarige. "Aber deswegen Henker werden, kam mir nie in den Sinn."
      "Ich sagte nicht, dass ich nichts kann!", verteidigte sich Casper. "Den Kopf mit einem hieb und ohne große Sauerei abzutrennen ist gar nicht so einfach." Dann fiel ihm ein, dass so eine Fertigkeit kein Grund zum Stolz war und sah beschämt zu Boden. Schnell sammelte er weitere Pferdeäpfel ein.
      "Ich glaube, ich kann dich gut leiden." Der Mann warf dem Henker einen wohlwollenden Blick von der Wagenkante aus zu. Casper lächelte unsicher. Er war sich nicht sicher, ob er das als Kompliment nehmen konnte ...
      Dreck auf Toast!
    • Sedar hielt sich in der Nähe des Wagens. Wenn jemand bemerkte, dass er Casper und den Fremden belauschte, würde das sicher nicht positiv aufgenommen werden. Zum Glück ging Gyhara ein paar Schritte vor ihm und die Soldaten kümmerten sich sowieso nur um sich selbst. Neneve war bereits kurz nach dem Aufbruch auf ihrem Hirsch vor geritten um den Weg auszuspähen und vermutlich auch um sie loszuwerden. Als Casper freiheraus einem komplett Fremden erzählte, dass erhätte hingerichtet werden sollen, runzelte er die Stirn. Wenn hier jeder erfuhr, dass er ein Verbrecher war, würde das viel Misstrauen erregen. Außerdem könnte der Fremde dem Detektiv davon erzählen, um sich aus dem Verdacht zu ziehen. Würde es nicht bedeuten, zuzugeben, dass er gelauscht hatte, hätte er Casper wohl darauf angesprochen, künftig vorsichtiger zu sein. Doch so saß er in einer verzwickten Lage. Er würde aufpassen müssen, dass er floh, bevor die Luft zu dünn zum atmen wurde. Falls ihm die Elfe nicht schon davor den Garaus machte. Sie schien ihm die Wunde nicht wirklich verziehen zu haben und er zweifelte nicht daran, dass sie sich gerne an ihm rächen würde. Dabei spielte wohl weniger die Wunde an sich, als ihr gekränkter Stolz eine Rolle. Er seufzte. Da reiste er zum ersten Mal in seinem Leben in Gesellschaft, die Aufträge, bei denen ihn ein Meister begleitet hatte, mal ausgenommen, und sofort lief alles falsch. Mehr hatte er wohl auch nicht verdient.

      Am Abend ließen sie die beiden eleganten Rappen, die die Kutsche zogen, auf einer Wiese neben der Straße halten. Um sie herum lauerte der Wald, der bereits die Dunkelheit willkommen geheißen hatte. Bevor ihm irgendjemand eine Aufgabe zuweisen konnte, verschwand Sedar inmitten des Dickichts. Er genoss die Gesellschaft, doch hin und wieder musste er auch allein sein. Insbesondere dann, wenn er seine Gesellschaft belog. Mit einem Sprung griff er sich den tiefsten Ast des nächsten Baumes und zog sich daran hoch. Mit wenigen Bewegungen erreichte er die Krone. Entspannt lehnte er sich zurück. Von hier oben hatte man einen wunderbaren Blick auf das Lager. Die Soldaten hatten mittlerweile eine Fackel entzündet, die die Dunkelheit fernhalten sollte, doch sonst hatte sich noch nicht allzu viel getan. Ein Wind frischte auf und brachte nach dem Tag in der brütenden Hitze etwas Linderung. Einem Vogel in einem anderem Baum hatte wohl niemand gesagt, dass es langsam Nacht wurde, denn er sang tapfer weiter. Niemand hier betrachtete ihn misstrauisch oder warf ihm offen oder verdeckt etwas vor. Sedar konnte gut verstehen, wieso die Elfe lieber auf einem Baum schlief. Langsam ließ er seinen Blick über die Landschaft vor ihm wandern. Am Horizont konnte man sogar das Glühen einer fernen Stadt sehen.
      "Ist das schon Jerigo", fragte er sich und spürte wie aufgeregt er bei diesem Gedanken wurde. So viel hatte er bereits über diesen Ort gehört. Vielleicht sollte er einfach dort bleiben, wenn sie erstmal angekommen wären. Vielleicht fanden sogar Casper und Gyahara dort ein neues Zuhause. Einen Moment lang ertappte er sich bei dem Gedanken ein normales Leben zu führen.
      "Du bist ein Narr", dachte er sich. Er würde immer auf der Flucht sein, niemals ein Zuhause haben. Solche Wünsche wirkten sich nur auf seine Aufmerksamkeit aus und er hatte ja schon in Jariam gesehen, welche Folgen das haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er nochmal von einem Henker verschont werden würde, war recht gering.
      "San", erklang plötzlich die raue Stimme eines des Soldatens. Offenbar war sein Fehlen nicht unbemerkt geblieben. Er sprang aus seiner erhöten Position ab, und griff im Fallen nach einem hervorstehendem Ast, der ihn bremste bevor er mit voller Wucht auf den Waldboden krachte. Dann ließ er wieder los und landete auf Händen und Füßen, die seinen Fall abfederten. Auf dem Weg zurück ins Lager sammelte er schnell ein paar morsche Zweige, die verstreut herumlagen. Als er ins Licht der Fackel trat, bemerkte er den misstrauischen Blick der Elfe, die neben dem Wagen stand und ihn musterte.
      "Wo warst du", maulte ihn einer der Soldaten an. Vermutlich der, der ihn gerufen hatte.
      "Ich habe nur etwas Feuerholz gesammelt", behauptete er und zeigte ihm die Zweige.
      "Und dafür hast du so lange gebraucht", fragte der Soldat abschätzig. Sedar antwortete nichts, sondern warf ihm die Zweige einfach vor die Füße. Sollte sich doch dieser Idiot um ein Feuer kümmern. Gerade als der Krieger seinen Mund öffnete, wahrscheinlich um irgendeine Beleidigung fallen zu lassen, trat der Fürst aus seinem Wagen. Sofort schloss der Mann den Mund wieder um keinen Streit vor seinem Herrn anzufangen.
      "Heda", rief der Fürst aus und sah in ihre Richtung. "Was stehst du da einfach so vor dem Holz rum Jego? Wartest du bis die Flammen von alleine sprießen." Dann sah er einen der anderen beiden Soldaten an, bis dieser anfing über den "Witz" zu lachen.
      "Wir müssen morgen früher als heute los, wenn wir die Stadt noch vor morgen Mittag erreichen wollen", verkündete er nachdem er sich einen Moment lang in seiner eigenen Selbstgefälligkeit gesonnt hatte. "Also solltet ihr versuchen heute etwas früher schlafen zu gehen, damit ihr nicht so müde seid wie heute. Und weckt mich nicht, bevor ihr nicht das Lager abgebaut habt und wir auch wirklich bereit sind aufzubrechen." Mit diesen Worten verschwand der Fürst wieder in den Wagen und schloss die Tür hinter sich. So langsam fragte sich Sedar, was er darin die ganze Zeit über dadrin machte. Soviel Schlaf konnte doch keiner brauchen. Grummelnd begann Jego, wie der Soldat offensichtlich hieß, die Zweige für ein Feuer aufzuschichten. Ein Schosshündchen wie er würde sich sicherlich keinem direktem Befehl seines Fürsten widersetzen. Sedar konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er an ihm vorbeiging um Casper mit dem Aufbau ihres Zeltes zu helfen. Er würde wahrscheinlich wieder den freien Himmel vorziehen, doch er konnte sich auch schlecht in eine Ecke setzen, während alle anderen, mit Ausnahme von Neneve, um ihn herum arbeiteten.
      "Was hältst du von unserem kleinem Zwischenstopp", fragte er den Henker im Plauderton, während er ihm half die Plane über die Stangen zu ziehen.
      "Solange es dort wenigstens eine gute Taverne gibt, kann ich damit leben", behauptete der große Mann mit einem Grinsen. Sedar wusste nicht recht, ob das ein Witz sein sollte, lächelte aber trotzdem. Vielleicht sollte er wirklich mal eine dieser Tavernen betreten, wenn der Henker so begeistert von ihnen war. Er hatte schon gehört, dass die Leute sie besuchten um Spaß zu haben und ein wenig Spaß könnte wohl kaum schaden.
      "Tut mir nur bitte den Gefallen und erzählt niemandem, dass ich ein Dieb bin", bat er nach einiger Zeit des Schweigens. "Die meisten hier würden es wohl eher nicht so gut aufnehmen." Sein Gewissen meldete sich, als er den schuldbewussten Gesichtsausdruck des Henkers sah. Casper konnte ja schlecht wissen, das Sedar wusste, was er mit dem Fremden besprochen hatte. Obwohl es Sedar leid tat, dass der große Mann seinetwegen Schuldgefühle hatte, musste er tun was er konnte um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Zumindest nicht mehr, als ohnehin schon.
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      Aldous Huxley
    • Casper baute das Zelt schnell gemeinsam mit San auf und machte sich dann daran das Feuer zu entzünden.
      Der Soldat stellte sich mehr als ungeschickt an. Wahrscheinlich stellte er sich aus Trotz dumm.
      Es tat ihm leid, dass er so leichtfertig erzählt hatte, dass San hatte hingerichtet werden sollen.
      Er war nicht gut im Verbrecher sein. Er überhaupt in gar nichts gut, außer im Töten.
      Der Funken sprang über und verbrannte ihm die Finger. Der Soldat, der ihn beobachtete, lachte gehässig, aber Casper kümmerte sich nicht darum. Stattdessen lutsche er kurz an seinem Zeigefinger und legte dann ein bisschen Reisig nach.
      Etwas abseits beobachtete er die Elfe, die immer noch mit ihrer Wunde im Bauch kämpfte. Weil er nichts zu tun hatte und sie offensichtlich Schmerzen hatte, ging er auf sie zu.
      "Sauerampfer hilft bei Franz immer. Ich weiß, Ihr seid eine Elfe und kennt Euch sicherlich mit Pflanzen aus und ein Pferd seid Ihr auch nicht, aber .."
      "Du sagst es! Ich bin kein Pferd!", fauchte Neneve ihn an. Der Wolf fletschte die Zähne und knurrte. Hastig entfernte er sich wieder und setzte sich in den Schatten eines Baumes.
      Niedergeschlagen pflückte er ein paar Gänseblümchen und flocht sie zu einem Kranz. Kaisa hatte oft Kränze aus Blumen getragen. Er seufzte schwer.
      Neben ihm kicherte jemand. Er ließ die Blumen fallen und fuhr herum. Erleichtert ließ er die Schultern sinken, als er erkannte, dass es Gyahara war.
      "Was tust du da?", fragte sie.
      "Nichts." Unbeholfen verstreute er die restlichen Blumen um sich herum.
      "Mach nur weiter, ich verurteile dich nicht."
      Er war dankbar für ihre Worte, aber jetzt hatte er keine Lust mehr. Außerdem drückten ihn die Gedanken an Kaisa nur noch weiter nieder.
      Gyahara lehnte sich an den Baumstamm und blickte in die Krone.
      "Lass und schlafen, Casper. Morgen der Tag wird anstrengend."
      Sie hatte Recht. In ihrer Nähe rollte er sich auf dem Gras zusammen. Er fragte sich noch, wozu San und er das Zelt aufgebaut hatten, aber seine Augen fielen schon zu und er in einen unruhigen Schlaf. Unterbewusst wusste er jetzt schon, dass er schweißgebadet aufwachen würde.
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    • Neneve war froh, dass der bärtige, schwarzgekleidete Mensch gegangen war, ohne ein weiteres Wort verloren zu haben. Sie hatte keine Lust, sich mit irgendjemandem zu unterhalten. Zugegeben, sie hätte sich gerne mit jemandem unterhalten und sich über ihre Mitreisenden beschwert, aber sie kannte die Menschen inzwischen gut genug um zu wissen, dass sie keinen solchen Gesprächspartner finden würde. Menschen waren sehr empfindlich und überkorrekt. In ihrer Heimat war es normal, dass auch die besten Freundinnen hinter dem Rücken der dritten über sie herzogen. Doch dies war nicht unbedingt böse gemeint, es diente oftmals einfach nur als Zeitvertreib. Als Elfe empfand man solche Gespräche auch nicht als verletzend oder unhöflich, schließlich tat es jeder.
      Neneve seufzte auf. Die einzigen wahren, treuen Freunde, die ihr in dieser Fremde geblieben waren, waren ihre Tiere. Überhaupt waren diese Wesen wohl die einzigen Gefährten, die bedingungslos zu einem hielten und einen nie hintergangen. Nur zu gerne dachte Neneve an ihre ehemaligen Begleiter vor Lovia und Aiana zurück. Sie waren noch viel zu jung, um sich an die anderen zu erinnern. Nur Vargas kannte sie – und vermutlich vermisste er sie genauso wie Neneve selbst. Nicht das sie gestorben waren, aber jedes Tier verspürte irgendwann den Drang, eigene Wege zu gehen und das alte Leben hinter sich zu lassen. So war ihre Natur und Neneve akzeptierte dies schmerzlich. Nur Vargas war ihr geblieben. Vermutlich, da er einen ähnlichen Charakter wie sie hatte und nur schlecht mit anderen Hirschen und Rehen konnte. Dass die beiden überhaupt zueinander gefunden hatten, war wohl auf die Gunst der Naturgeister zu schließen. Denn beide waren nicht gerade dafür bekannt, sich rasch Freunde zu machen – ganz im Gegenteil.

      Neneve dehnte ihre verspannten Glieder und ließ sich schließlich in das trockene Gras der Wiese sinken. Vargas und Aiana waren losgezogen, um den Wald um das kleine Lager herum näher zu erkunden, sodass Neneve nur noch Lovia als Gesprächspartnerin hatte.
      Was hältst du von unseren Mitreisenden?“, fragte sie sogleich die kleine Maus, als diese sich neben ihr ein kleines Loch in den Boden grub. Sie stoppte kurz, hob den Kopf und ließ ihre Barthaare wackeln.
      Sie verschweigen alle etwas“, stellte sie dann fest, „das ist deutlich zu spüren. Vor allem der Jüngling und der Umhang. Wie war ihr Name gleich? Irgendetwas mit G…“ Neneve zuckte mit den Schultern, die Namen der anderen interessierte sie nicht. Überhaupt empfand sie diese nur als lästig.
      Zumindest scheint sie sich sehr unwohl zu fühlen. Und der dritte mit diesen Stoppeln im Gesicht, der verbirgt etwas. Aber ich habe sein Geheimnis gelüftet! Diese schwarzen Anzüge trägt nur eine ganz bestimmte Berufsgruppe der Menschen“. Lovia kräuselte ihr Näschen und legte ihre winzige Pfote auf Neneves Finger. Fragend sah diese sie daraufhin fragend an.
      Als Lovia nicht antwortete, fragte Neneve: „Ja…?
      Rattenfänger! Er riecht sogar nach Tod! Er ist mit Sicherheit ein Mörder!“, murmelte Lovia, „dem würde ich auf keinen Fall über den Weg trauen!
      Aha“, erwiderte Neneve, nicht wirklich überzeugt.
      Lovia sah sie fassungslos an und erwiderte mit ihrem hohen Stimmchen beleidigt: „Du wirst es schon sehen! Spätestens wenn ich eines Tages Tod vor deinem Schlafplatz liege, hast du den Beweis!
      Jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt! Aber er macht auf mich eigentlich nicht den Eindruck, als könnte er Tiere töten. Oder überhaupt irgendetwas. Er ist viel zu … freundlich und … gutgläubig! Einfach naiv dumm! Ich würde mir einen Rattenfänger irgendwie gerissener vorstellen“, grübelte Neneve.

      Glem mig
      Og la' vær' at fiks' et smadret glas
      Min hånd ville stadig mærke revnerne

      Se frem, vi ka' hurtigt ende rundt i ring
      Ærligt, var vi kun bundet sammen af drømmene
    • An diesem Abend trauten sie ihm immerhin schon gut genug, um ihn nicht wieder an einen Baum zu fesseln und Cifer war froh darüber. Er hatte zwei Eimer Wasser von einer nahen Quelle geholt, nachdem er dazu angewiesen worden war, und saß jetzt am Feuer und beobachtete das treiben im Lager. Sein Blick fiel wieder auf die Elfe, die etwas entfernt auf an einen Baum gelehnt hockte und neben sich eine Art geflügelte Maus hatte. Offenbar kam diese Neneve mit Tieren besser zurecht als mit Menschen. Er überlegte, ob sie ihm mehr über das Elfenreich erzählen würde, wenn er ihr als Rabe erschien, bezweifelte es aber. Er versuchte eine Weile, einzuschlafen, gab es allerdings auf, als das stechende Gefühl in seiner Brust begann. Er hätte noch etwas von seinem Schmerzmittel nehmen können, es war allerdings fast leer und bis nach Jerigo, wo er die Flasche bei einem Heiler nachfüllen konnte, waren es, obwohl man die Stadt aus höheren Positionen wahrscheinlich bereits sehen konnte immer noch ein Tag und mindestens eine Nacht, wenn sie durchliefen. Er wollte sich den Rest lieber einteilen. An einem Baumstamm konnte er die große Gestalt des Henkers und die Vermummte, Gyahara, erkennen. Den Jungen sah er nirgends, also musste er wohl eines der Zelte nutzen. Schließlich kehrte Cifer doch zum Feuer zurück. Wenn er schon nicht schlief, konnte er vielleicht Wache halten, was hieß, dass er die Anderen wecken und dann verschwinden würde, sobald es Schwierigkeiten gab.
      Zum Glück verlief die Nacht friedlich und am Morgen brach die kleine Karawane schon früh wieder auf. Weniger glücklich war der Gestaltenwandler, als man ihm ebenfalls eine Schaufel in die Hand drückte und meinte, wenn er schon da war, solle er sich auch nützlich machen und helfen, den Mist aufzusammeln.
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    • Gyahara beobachtete die Umgebung nur halbherzig. Die Gegend war so übersichtlich, dass man herannahende Feinde schon von sehr weit weg sehen konnte. Selbst die Stadt, die wohl noch einige Stunden entfernt lag, war bereits am vergangenen Abend zu sehen gewesen. Wirklich achtgeben, in keinen Hinterhalt zu laufen, musste sie also nicht. Mal ganz davon zu schweigen, dass ihre Augen sowieso zu schlecht waren, um mit ihnen wirklich etwas zu erkennen.
      Die Soldaten schienen allerdings auch kein Interesse daran zu haben, stur auf die Umgebung zu achten, denn diese unterhielten sich schon seit einer guten halben Stunde über irgendwelche Wirtshäuser, die sie besuchen wollten. Zum Glück für diese hatte Casper den Vergifteten retten können. Die beiden wären wohl sonst auf immer getrennt worden. Und das wollte man ja nicht.
      Gyahara verdrehte die Augen und sah stattdessen dabei zu, wie der Henker und der alte Mann, dessen Namen sie noch nicht einmal kannte, den Dung der Pferde einsammelten. Den ganzen Tag bückten sie sich immer wieder nach dem Mist und zumindest dem älteren Mann war es langsam anzusehen, dass es ihm zunehmend schwerer fiel. Überhaupt schien er nicht ganz gesund zu sein.
      Sie gähnte einmal und kratzte sich dann am Kopf. Es war wirklich warm und der Marsch unter der prallen Mittagssonne, machte es auch nicht besser. Sicher wäre es eine Wohltat, wenn sie ihren dicken schwarzen Mantel einfach ablegen würde. Deshalb ließ sie den Blick einmal in jede Himmelsrichtung schweifen, ob sie jemand beobachtete, dann ließ sie sich zurückfallen, bis sie neben Casper wanderte. Dieser beachtete sie nur kurz, ehe er weiter seiner Aufgabe nachkam. Eines musste sie ihm lassen, er zog durch, dass man ihm auftrug.
      Gyahara positionierte sich so neben dem Klotz, dass der andere Mann sie nicht direkt sehen konnte, dann begann sie damit, sich die Ärmel ihrer weißen Bluse hochzukrempeln. Dadurch sah man zwar für einen kurzen Moment ihre graue Haut, aber sie ließ schnell den Mantel darüber fallen. Hauptsache, sie spürte zumindest etwas frische Luft auf ihrem Körper.
      „Was glaubst du, wie lang es noch dauert bis wir in Jerigo sind?“, fragte Casper irgendwann. Scheinbar hatte er vor den Fußmarsch nicht allein und ohne Gespräch zu verbringen.
      „Ich habe doch keine Ahnung“, knurrte Gyahara zurück. Sie wollte nicht unfreundlich sein, aber woher zum Teufel sollte sie wissen, wie lang es noch dauerte?
      „Es wird wohl noch etwas dauern“, meinte der Mann. „Ich denke, nicht vor morgen früh, wenn wir die Nacht durchlaufen würden.“
      „Und das weißt du woher?“ Misstrauisch sah Gyahara ihn an.
      „Ach, ich bin einfach gut im Schätzen“, gab er unsicher von sich. Die Dämonin musterte ihn noch einen Augenblick, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorn.
      „Da man die Stadt gestern schon sehen konnte, hast du vermutlich recht.“
      „Übrigens Gyahara, das ist Cifer“, mischte sich Casper ein. mit der Schaufel deutete er zwischen ihnen beiden hin und her.
      „Cifer also“, murmelte sie, „freut mich, oder so.“

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    • Eine Reise stand in dem Ruf aufregend zu sein. Abwechslungsreich und spannend. Der stumpfsinnige Marsch war es nicht. Umso glücklicher war Sedar, als sie endlich Rast machten und wieder begannen die Zelte aufzubauen. Die letzte Rast vor Jerigo. Die Sonne war wieder einmal untergegangen und die Temperatur glücklicherweise gesunken, doch selbst er, der es gewohnt war weite Strecken zu Fuß zurückzulegen, konnte den Schmerz in seinen Füßen nicht bestreiten. Wieder übernahm er das sammeln des Feuerholzes um wenigstens einige Minuten den misstrauischen Blicken entgehen zu können und wieder musste er viel zu früh zurückkehren um nicht noch mehr Verdacht zu schöpfen. Während des Abendessens, er hoffte wirklich, dass es in Jerigo etwas anderes geben würde als dünne fade Suppe, redete niemand ein Wort. Danach mussten sie sich noch eine Gardinenpredigt des Fürsten anhören, was es bedeutete Strapazen mit Würde zu ertragen - er litt offenbar immens unter den Unebenheiten des Weges -, bevor sie endlich alle auf ihre improvisierten Schlafstätten fallen ließen. Sedar brauchte, der immer noch reelen Gefahr eines Überfalls zum trotz nur Minuten um einzuschlafen.

      Feuerschein erhellte den Gang vor ihm. Er stammte von den Fackeln, die die Wände in regelmäßigen Abständen schmückten. Am Ende des Ganges standen zwei Wachen vor einer massiven Holztür. All dies sagte ihm ein kurzer Blick. Mehr wagte er nicht. Er stand hinter einer Biegung und presste sich an den kühlen Stein. Sein Herz schlug schnell, sein bisher größter Auftrag. Mit einem zweiten kurzem Spähen schätzte er die Entfernung zu den Soldaten ab. Etwa 5 meter. Gerade so in Reichweite. Ein kurzer Griff in seine Tasche am Gürtel förderte die matten Klingen zweier Wurfsterne hervor. Nach einem tiefen Atemzug sprang er in den Gang und warf beide Klingen kurz nacheinander. Zwei mal ertönte ein leises Röcheln, zwei Körper fielen mit einem dumpfen Geräusch beim Aufprall zu Boden. Mit wenigen Schritten war er bei ihnen, überprüfte ob sie auch wirklich tot waren und nahm seine Wurfsterne wieder an sich. Jeden Gedanken an ihr Leben, ab ihre möglichen Familien verdrängte er. Mit einem leisem Klicken öffnete sich die Tür, sie war nicht verschlossen gewesen. Sedar trat ein.
      Der Raum vor ihm lag in Dunkelheit, doch man konnte erkennen wie riesig er sein musste. Zum Glück stand das Bett gut sichtbar genau in der Mitte, so dass er nicht erst danach suchen musste. Vorsichtig schlich er darauf zu, immer nach Fallen Ausschau haltend. Es gab keine. Am Bett angekommen beugte er sich über die darin schlafende Gestalt. Der Mann war alt geworden, ein grauer Bart umhüllte sein Kinn. Mit einem weiterem Griff in seine Tasche förderte Sedar ein Messer zutage.

      Mit aufgerissenen Augen schreckte Sedar aus dem Schlaf. Er war völlig verschwitzt und sein Herz pochte ein wildes Stakkato in seiner Brust. Halb aufgerichtet guckte er sich gehetzt um. Das Feuer vor ihm war völlig herunter gebrannt, der Wald lag friedlich da, der Mondschein warf sein Licht auf das Lager. Einen Moment lang glaubte er Gyahara auf der anderen Seite des Feuers blinzeln zu sehen, doch wer konnte das schon sagen. Ihre Kapuze legte sie auch in der Nacht nicht ab. Außerdem war es ihm auch egal. Mit einem Ruck sprang er auf die Beine und nahm seinen Rucksack, welchen er neben sich gestellt hatte. Es war jetzt einiges an Zeit vergangen, seitdem er sich geschworen hatte seine Fehler wieder gut zu machen. Alles was er, von ein paar vereitelten Raubüberfällen mal abgesehen, zustande gebracht hatte, war die Zerstörung von zwei Menschenleben, die zuvor ein Zuhause und einen Beruf gehabt hatten. Bis er kam. Er war wie einer der Dämonen, von denen sich die Leute immer erzählten. Er brachte wo er auch war Pech. Es war Zeit, dass er diese Gruppe endlich sich selbst überließ, bevor er ihr Leben endgültig zunichte machte. Es war ihm in diesem Moment gleich, ob die Elfe oder sonst jemand ihn beobachtete, als er über die Asche des Feuers stieg und das Lager verließ. Niemand würde ihn aufhalten können. Zum Glück versuchte es auch niemand. Der Elfe wäre es vermutlich ohnehin egal.
      Der Wald empfing ihn mit beruhigender Dunkelheit, augenblicklich fühlte er sich nicht mehr ganz so wie auf einem Präsentierteller. Auf leisen Sohlen schlich er zwischen den Bäumen umher, wich verräterisch knisterndem Laub und zerbrechlichen Ästen aus. Ihm war es egal, ob überhaupt jemand es hören könnte, wenn er einen Laut verursachte. Er fühlte sich sich sicherer so. Ein Griff in seine Tasche förderte einen Wurfstern hervor, einen wie denen aus seinem Traum. Er schleuderte ihn wütend in Richtung eines Baumes und ein plocken ertönte, als die rasiermesserscharfen Schneiden in das Holz der Rinde schnitten. Mit einem tiefen Atemzug versuchte er sich zu beruhigen. Nicht die Waffe, sondern ihr Träger war schuld. Er allein also. Mit wenigen Schritten war er beim Baum und zog den Stern heraus, als er plötzlich Stimmen hörte. Sofort hielt er die Luft an. Hatten sie etwas gehört.
      "Wir sollten es jetzt tun", sagte eine tiefe gerade. Sie gehörte wahrscheinlich einem größerem Mann.
      "Nein, erst in den Morgenstunden, dann ist es dunkler", antwortete eine hellere. Sedar schlich in die Richtung aus der beide kamen.
      "Aber dann könnten die ersten schon erwachen, jetzt schlafen sie", behauptete wieder die tiefe. Sedar schob einen Ast zur Seite und sah auf eine kleine Lichtung. Drei Männer standen um ein Feuer herum. Er konnte nur das Gesicht von einem sehen. Es war von Narben unterdeckt. Die anderen beiden Männer hatten ihm den Rücken zugekehrt. Der eine war groß und breitschultrig wie ein Bulle, die tiefe Stimme, und der andere klein und schmal, die helle.
      "Als ob die dann schon wach wären. Wir sprechen hier von Söldnern", erwiderte die helle. Jedoch kam sie von dem Riesen. Sedar wäre vermutlich belustigt gewesen, hätte er nicht verstanden worum es hier ging. Sie wollten jemanden angreifen und die einzigen anderen, von denen er wusste, war die Gruppe, die er eben verlassen hatte. Sofort zog er sich etwas zurück. Ein Griff in seinen Rucksack, und seine andere Kleidung und die übrige Ausrüstung lag ausgebreitet vor ihm. Lautlos zog er sich um. Beließ es jedoch bei den Messern und der Kette in seiner Tasche. Schwert, Sichel Seil und übriges ließ er neben seinem Rucksack liegen. Er schlang sich noch das Tuch um seinen Mund und Nase, bedeckte sein Haar damit und nahm wieder seinen Platz am Rande der Lichtung auf.
      "Wir können keinen Tag mehr warten. Sie kommen morgen in die Stadt", beharrte gerade der kleine mit der tiefen Stimme. Sedar atmete tief ein. Keine Toten. Er nahm zwei Wurfdolche in die Hände. Zielte. Warf den einen und dann direkt darauf den anderen. Noch während die beiden von ihm abgewandten mit einem Schrei zu Boden gingen, die Dolche aus der jeweils rechten Kniebeuge ragend, riss der ihm zugewandte die Augen auf und öffnete den Mund um etwas zu sagen. Sedar hatte die ganze Zeit über kein Wort von ihm gehört. Dabei sollte es auch beiden. Er sprang über die beiden knienden und das Feuer hinweg, warf die Kette im vorbeirennen um den Hals des dritten und spannte diese darauf hin hinter ihm. Ein Röcheln ertönte. Die Kette gespannt haltend dreht er sich um, setzte beide knienden Wachen mit zwei schnellen Tritten gegen die Schläfe außer Gefecht und wartete dann bis dem dritten die Luft ausging und er in Ohnmacht fiel. Bevor mehr als nur eine Ohnmacht daraus würde, ließ er die Kette aus einer Hand gleiten, wickelte sie in der anderen auf und verstaute sie wieder in seiner Tasche. Kurz überprüfte er, ob die drei Männer noch lebten, holte sich seine Dolche zurück und verließ dann die Lichtung. Sie würden in dieser Nacht keinen mehr überfallen. Auf dem Weg zurück ins Lager, nachdem er sich wieder umgezogen und alles im Rucksack verstaut hatte, beschloss er die Nacht kein Auge zu zutun. Auch wenn das bedeutete, dass ihm morgen jeder seine Müdigkeit sehen können würde. Er war töricht gewesen, als er glaubte, er könne die Gruppe allein lassen und sie sei sicher. Diese Typen würden nicht einfach aufgeben. Er musste bei den anderen bleiben und sie beschützen. Das war seine Chance wenigstens einmal etwas richtig zu machen.
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      Aldous Huxley
    • Casper hatte beobachtet wie San hochgefahren war. Er schien nicht der einzige zu sein, der von Alpträumen geplagt wurde. Nach seiner letzten Nacht, in der er immer wieder verbrannt worden war, hatte er keine Lust gehabt einzuschlafen und sich wachgehalten. So hatte er auch gesehen, dass San im Wald verschwunden war. Verübeln konnte er es ihm nicht. Auch ihm halfen dann frische Luft und rennen, aber er kehrte völlig verändert zurück. Aufmerksam blickte er sich immer wieder um und lauschte, als rechne er mit einem Angriff. Was hatte der Junge im Wald gesehen? Oder viel schlimmer: Rechnete er mit einem Angriff, weil er selbst einen eingefädelt hatte?
      Hätte er ihn vielleicht doch hinrichten sollen?
      Casper schüttelte den Kopf. Kaisa war ihm begegnet, seine Entscheidung war richtig gewesen... Dennoch, irgendetwas mit San stimmte nicht.
      Als der Morgen graute fielen dem Henker über diese Gedanken doch noch die Augen zu, aber er sollte nur noch eine Stunde Schlaf bekommen, bevor es weiterging.
      Das einzige was ihn tröstete, war der Gedanke, dass sie heute Jerigo erreichen würden.
      Dreck auf Toast!
    • Cifer verbrachte den Tag wieder mit Schaufel, auch wenn seine Glieder noch von gestern schmerzten. Die Landschaft um sie herum veränderte sich in einfaches Weideland und sie passierten im Laufe des Tages mehrere Bauernhöfe. Anfangs lenkte sich Cifer noch von der Arbeit ab indem er mit Caspar über ein paar nebensächliche Dinge plauderte. Er hätte ihm von Jerigo erzählt, doch er erinnerte sich kaum an die Stadt. Seitdem sie den Wald verlassen hatten, brannte die Sonne heiß auf sie herunter, weshalb er sich irgendwann entschloss, seinen Mantel auszuziehen und hinten an den Wagen zu hängen. Außerdem zog er sich das Stück Tuch seinen Halstuches als Sonnenschutz wie eine Kapuze in die Stirn. Falls dem Anderen die Verbände um seine Arme aufgefallen war, so gab er dazu keinen Kommentar ab. Irgendwann ließ sich auch Gyahara zu den Beiden zurückfallen und klinkte sich in das Gespräch mit ein. Cifer fragte sich, wie sie es in ihrem schwarzen Umhang geschafft hatte, der Hitze so lange stand zu halten. Diese Verhüllung wunderte ihn schon eine ganze Weile, aber nach dem Streit den sie mit der Elfe geführt hatte, hielt er es für besser, sie nicht darüber aus zu fragen. Vielleicht hatte sie ja eine Narbe oder so etwas. Oder sie war eine jener Frauen, die sich für zu schön hielten, um es mit der Welt zu teilen, aber das schien eher unwahrscheinlich. "Sieh mal" meinte er zu ihr, mit einer Geste auf seine Kapuze. "Wir sehen fast gleich aus. Ich meine ich habe schon Frauen gesehen die sich gegenseitig die Augen ausgekratzt haben, weil sie das gleiche.... "Wir sehen nicht gleich aus!" fauchte sie ihn nur an, und entfernte sich wieder. "Ich denke ich sehe langsam, warum sie mit unserer Elfenfreundin so gut auskommt. meinte Cifer als er ihr verwirrt hinterher blickte. "Ach, sie ist eigentlich ganz nett, wenn man sie näher kennt." meinte der Henker. Bevor er den Anderen fragen konnte, woher sie sich denn so gut kannten, tauchten vor ihnen auch schon die Tore Jerigos auf. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Oder zumindest ihr Zwischenziel.
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    • Eine gewaltige Mauer erhob sich vor ihnen. Bestimmt höher als 10 Meter ragte sie empor und warf ihren unheilverkündenden Schatten auf die lange Schlange der Wartenden. Der Grund für die lange Wartezeit waren die Wachen, die jeden, der das Tor durchqueren wollte, sorgfältig überprüften. Kutsche wurden durchsucht, Menschen befragt, Rucksäcke ausgeleert. Sedar spürte wie seine Nervosität mit jeden meter, den sie voranrückten, zunahm. Was, wenn die Wachen seinen Rucksack aufrissen und den Inhalt in Betracht nahmen. Vor seinem innerem Auge sah er schon den Kerker vor sich, den von Jariam hatte er ja im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen, und die glänzende Axt eines Henkers, der bestimmt kein Mitleid mit ihm haben würde. In ihm wuchs der Drang wegzulaufen, doch er hatte sich vorige Nacht geschworen die Gruppe an ihr Ziel zu bringen. Koste es was es wolle. Trotzdem war er froh, dass ihnen allen dank der Sonne der Schweiß ohnehin schon in Strömen lief, sonst hätte man ihm seine Nervosität wohl einfach angesehen. Als sie endlich an der Reihe waren griff Sedar bereits in seine Tasche und umfasste den tröstenden Griff eines seiner Wurfmesser, doch als die Soldaten das Wappen auf der Kutsche sahen winkten sie sie einfach durch. Erleichtert atmete Sedar aus. Vielleicht ein wenig zu offensichtlich, denn Casper hieb ihm mit seiner Pranke heftig auf den Rücken. Es war vermutlich freundlich gemeint, doch Sedar musste sich ernsthaft bemühen auf den Füßen zu bleiben.
      "Keine Angst", flüsterte ihm der Henker zu, "Einfache Diebe suchen sie nicht in so einem Umkreis." Der Assassine sah sich erschrocken um - Casper schien etwas anderes unter Flüstern zu verstehen als andere Leute -, doch zum Glück war jeder mit sich selbst beschäftigt. Deshalb schenkte er dem Henker ein freundliches Lächeln, bevor dieser auf die falschen Gedanken kam. Wirklich überzeugt sah der nicht aus, aber soziale Interaktion hatte noch nie zu seinen Stärken gehört.

      Jetzt, da die Bedrohung durch die Wachen Vergangenheit war, konnte sich Sedar auf die Stadt konzentrieren. Sie gingen auf einer breiten gepflasterten Straße, auf der es von Kutschen und Menschen nur so wimmelte. Ein paar Händler hatten auf den Bürgersteigen kleine Stände aufgebaut und gaben mit ihrem Geschrei einen Vorgeschmack auf den Markt, der sich unzweifelhaft irgendwo in der Stadtmitte befand. Hohe mehrstöckige Steinhäuser flankierte die Straßen zu beiden Seiten, während in den Gassen zwischen ihnen Kinder spielten. Alles war voller Lärm, Geschäftigkeit und Hektik. Eine anonyme Masse, perfekt um unterzutauchen. Genau der richtige Ort für einen Assassinen. Die Menschenmenge hatte jedoch auch einen entscheidenden Nachteil. Sie teilte sich nur widerstrebend für die große Kutsche. So dauerte es beinahe eine volle Stunde bis der Soldat, der auf dem Kutschbock saß, das Gefährt an die Straßenseite lenkte. Sie kam neben einem großen vierstöckigen Haus stehen, dessen Schild über der Tür verkündete, dies sei die Gaststätte zum weinenden Eber. Alles an diesem Gebäude schrie nach Geld und Sedar ging auf, dass sie wohl kaum wie er bisher in verdreckten Ställen oder unbeaufsichtigten Dachböden schlafen würden. Nicht mit einem Fürst in der Hinterhand. Das Lächeln, das sich auf sein Gesicht stahl, könnte fast als fröhlich interpretiert werden, er ließ es jedoch sofort verschwinden, als der Fürst hochnäsig wie eh und je aus der Kutsche stieg.
      "Lasst die Pferde abschirren und in den Stall bringen", verlangte er lauthals, um sich im allgemeinem Geschrei Gehör zu verschaffen. "Und bringt die Kutsche persönlich in den Hof, ich möchte nicht, dass sie irgendjemand betritt. Ach ja. Lasst das Gepäck auf mein Zimmer schaffen. Ich nehme selbstverständlich das Größte. Für euch sollen sie zwei gewöhnliche herrichten, die ihr euch teilen könnt." Die Soldaten nickten und einer von ihnen verschwand bereits in der Gaststube, während die anderen sich um die Kutsche kümmerte.
      "Helft uns mal", rief einer von ihnen in Sedars, Caspers und Gyaharas Richtung. Die Elfe war verschwunden. Vermutlich suchte sie nach den neuen Söldnern und dem Detektiv. Bei dem Gedanken an den Ermittler lief es Sedar kalt den Rücken herunter. Er würde sich dringend etwas dafür einfallen lassen müssen.
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      Aldous Huxley
    • Neneve war wütend hinter dem Fürsten in das protzige Haus gestapft. Nicht dass es ihr mit den bunten Fenstern und ausladenden, frisch gestrichenen grünen Fensterläden gefallen hätte, aber es strahlte doch einen gewissen Respekt aus. Der Fürst drehte sich um, als sie zornesbleich hinter ihm stehen blieb. Er sah sie fragend an, was Neneves Wut nicht gerade linderte.
      Was gibt es?“, wollte er wissen.
      Neneve verschränkte ablehnend die Arme und erwiderte pampig: „Wollt Ihr mir etwa zumuten mit diesen … diesem ABSCHAUM ein Zimmer zu teilen? Ich?! Eine Botin der elfischen Königin Zumina?!“ Der Fürst biss sich auf die Unterlippe und sah sie verwirrt an.
      Nun… ich dachte, es wäre sicherlich besser für die Atmosphäre, wenn Ihr sie besser kennenlernen würdet“, stotterte ein wenig eingeschüchtert.
      Ihr könnt das Denken getrost mir überlassen!“, fauchte sie ihn an. Doch damit hatte sie einen wunden Punkt getroffen.
      Überhaupt, was fällt Euch ein? Ihr seid hier zu meinem Schutz, nicht als mein Berater. Ihr tut gefälligst, was ich sage!“ Die beiden standen sich nun direkt gegenüber, die vor Wut bebenden Nasenspitzen nur noch Daumenlängen voneinander entfernt.
      Neneve ballte die Hände zu Fäusten und zischte: „Das wird Euch leidtun. Ich werde sogleich meiner Königin davon berichten. Ihr werdet sehen, dass Ihr Euch mit der Falschen angelegt hat!
      Mit diesen Worten rauschte sie an ihm vorbei und aus der Tür hinaus. Vermutlich wären die einzigen, die sie hätten besänftigen können, ihre Tiere gewesen. Doch die hatten sich seit sie die Stadt betreten hatten, aus dem Staub gemacht. Aiana und Vargas blieben lieber im Wald außerhalb. Die Stadt, so sagten sie, sei kein Aufenthaltsort für sie. Nur zu gerne hätte Neneve es ihnen gleichgetan. Denn beim Hinaustreten auf die staubige Straße, bestätigten sich ihre Vorurteile: Diese Menschen waren einfach nur hässlich. Von dem Armen hatte sie bereits nicht mehr erwartet, besaßen sie doch kaum genug um sich zu ernähren. Aber auch die Reichen waren nicht viel besser. Zugegeben, sie trugen feinere Stoffe und goldschimmernden Schmuck. Doch die männlichen Wesen besaßen fast ausnahmslos unangenehme Bierbäuche und die Frauen hatten harte Züge in ihrem Gesicht, die ihr temperamentloses Wesen nur allzu deutlich zur Schau trugen. Nein, die Menschen waren wirklich keinen Umgang für eine Elfe.
      Neneve erinnerte sich daran, dass sie eigentlich einen Detektiv aufsuchen sollte, doch sie hatte darauf wenig Lust. So winkte sie den Jüngling herbei. Für irgendetwas musste er doch zu gebrauchen sein. Sie rief vergeblich nach ihm, ohne seinen Namen zu wissen, war dies auch ein wenig schwierig. Aber da bekam sie ihn an der Schulter zu fassen.
      Mach dich gefälligst nützlich und suche einen Detektiv auf. Das wird dir ja wohl hoffentlich nicht zu schwer fallen. Ich habe wichtigeres zu tun.Neneve zögerte einen Augenblick und sah hinauf zu den rot, grün und blau leuchtenden Fenstern. Sie biss sich auf die Unterlippe um nicht vor Zorn einen der herumliegenden, losen Pflastersteine zu greifen und eine Scheibe zu zertrümmern. Stattdessen tauchte sie in der lärmenden Menge ein und bahnte sich ihren Weg zum Marktplatz. Irgendwo musste es doch etwas wie eine Schreiberstube geben.

      Glem mig
      Og la' vær' at fiks' et smadret glas
      Min hånd ville stadig mærke revnerne

      Se frem, vi ka' hurtigt ende rundt i ring
      Ærligt, var vi kun bundet sammen af drømmene
    • Mit den ganzen Menschen um sich herum fühlte sich Gyahara seltsamerweise viel besser. Wo es viele Leute gab, achtete man weniger auf seine Mitmenschen.
      Kaum dass sie die Kutsche des Fürsten auf dem Innenhof abgestellt hatten, und Casper sich um die Pferde gekümmert hatte, waren die Soldaten im weinenden Eber verschwunden. Sie blieb allein zurück und wusste nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollte. Es gab keinen Grund, sich jetzt schon mit den anderen in ein Gebäude zu verschanzen, geschweige denn, jetzt schon in das Zimmer zu gehen, dass sie sich teilen durfte. Davon abgesehen, lief ihr der Schweiß wie salzige Suppe über den Körper. Ein schönes Bad war sicher eine gute Idee.
      Eventuell sollte sie die Stadt nach einem öffentlichen Bad absuchen, dass sie für die wenigen Kronen, die sie noch in den Taschen hatte, einließ.
      Sie merkte sich also das Aussehen der Gaststätte und verschwand dann im Strom der Menschen, die Richtung Stadtmitte und damit zum Markt pilgerten. Dabei schob sie ihre Kapuze ein Stück weit nach hinten, um sich besser in der Stadt umsehen zu können. Wie erwartet, waren die Leute um sie herum zu beschäftigt, um sie wirklich wahrzunehmen, weshalb es bei angewiderten Blicken blieb.
      Die Stadt war wirklich schön und gut gefüllt. Außerdem lag der Geruch nach Salz in der Luft, was sie stark an Jariam erinnerte. Vielleicht konnte sie nach dem Bad auch noch mal am Hafen vorbeischauen.
      Am Markt angekommen, fand sie nach einigem Suchen und Drängeln tatsächlich ein Badehaus, dass sie bezahlen konnte, und dem es scheinbar egal war, wer es besuchte.

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    • Irgendwie waren alle verschwunden und er wusste nicht wohin. Die Soldaten allerdings waren ins Gasthaus gegangen, um sich ein Feierabendbier zu gönnen. Gegen ein Bier hätte Casper auch nichts einzuwenden gehabt, aber nicht in der Gesellschaft dieser beiden ... hohlen Baumstämme!
      Unschlüssig trat er von einem auf den anderen Fuß, dann entschloss er sich, dass er mit Franz dem Salzgeruch folgen und eine dreckige Kaschemme am Hafen aufsuchen würde. Mit Matrosen saufen machte am meisten Spaß. Die interessierten sich nicht für die Hierarchie der Landratten.

      Wie erwartet hatte er jede Menge Spaß. Ein bärtiger Käpt'n hatte ihn nun schon auf das dritte Bier eingeladen und aus seiner Kehle drangen lauthals Seemanslieder.
      "Es gibt nur Wasser, Wasser, Wasser überall, doch wir haben nichts zu trinken! Es gibt nur Wasser, Wasser, Wasser überall und das Schiff droht zu versinken. Wir brauchen Rum, Rum, Rum, sonst verdursten wir!"
      Caspers Laune war bestens. Keine dunklen Gedanken trübten seine Stimmung, als er noch immer singend und grölend auf Franz zu später Stunde zurück auf dem Weg zum Gasthof war.
      Um niemanden zu wecken, führte er Franz in den Stall und grub sich neben ihm ins Stroh, damit er seinen Rausch ausschlafen konnte.

      (Quelle für den Liedtext: Santanio ... Plagiat und so wah? ^^°)
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    • Nachdem er sIch bei einem Heiler seinen Trank hatte auffüllen lassen beschloss Cifer, noch in einer der unzähligen Tavernen etwas zu trinken, seine Reisegefährten taten vermutlich das Gleiche. Bevor er losgegangen war, hatte er sich noch ein Säckchen Golbel-Spielsteine von einem der beiden Soldaten "geliehen". Er glaubte es war Jego gewesen, zumindest hatte dieser ihn auch an seinem Halstuch und Kragen gepackt und ihn nahe genug an sich heran gezogen um ihn an zu zischen, er solle keinen Ärger machen. Golbel war eines der weiter verbreiteten Spiele und Cifer würde zweifellos auch hier ein paar Mitspieler finden. Er suchte sich die wichtigeren Steine heraus, Trolle und Fünfer, und verstaute diese in seinem Ärmel bei den Würfeln. Immerhin war sein Heilmittel teuer gewesen und er hatte keine Lust mehr, sich mit Botengängen quer durch die Stadt seine Freizeit zu vertreiben. Er war in den letzten Tagen mehr als genug gelaufen. Zu seinem Glück befanden sich in der kleinen Tavernen die er schließlich betrat sogar einige Spieler, die mit ihren Bieren an einem Tisch in der hintersten Ecke hockten. Er ging zu ihnen und sah ihnen eine Weile zu. "Nettes Spiel." kommentierte er nach einer Weile. "Wie lauten die Regeln?" Die Männer warfen sich verstohlen Blicke untereinander zu, sie schienen alle dasselbe zu denken. Leichte Beute. Der Mann dem Cifer am nächsten Stand zog einen leeren Stuhl an den Tisch heran. "Versucht es doch selbst." Meinte er lächelnd. Die ersten paar Runden verlor er, bis plötzlich Cifers "mysteriöse" Glückssträhne begann. Einige Stunden später hatte bereits zwei der vier Männer an die Wand gespielt. Obwohl es eine Weile zurück lag, dass er dieser Tätigkeit nachgegangen war fühlte Cifer doch, dass er keine Probleme gehabt hätte, die ganze Nacht so weiter zu machen. Vielleicht nicht unbedingt mit diesen Partnern, so dumm sie auch waren, wahrscheinlich würden sogar sie irgendwann den Braten wittern, aber an anderen Orten. Für einen Moment hatte er das Vermögen vor Augen, das er sich hier mit ein paar Idioten holen könnte und Jerigo war immerhin eine dieser Städte die nie schlief. Sogar der Schatten schien ihm in dieser Sache zuzustimmen. Wahrscheinlich war jedoch genau das der Grund, warum er sich schließlich doch aus der Runde zurückzog.Der Schatten und er waren nie der gleichen Meinung. Im nächsten Moment, wollte er nur noch raus. "Meine Herren" meinte er, während er seinen Gewinn zusammen suchte. "Es war mir eine Freude mit ihnen spielen zu können." Sie blickten ihm Verdutzt hinterher, als er hastig die Taverne verließ. Die Sonne war schon lange untergegangen und es war ruhig, zumindest in dieser Nebengasse. Ach was. Du gibst so schnell auf. Oder gehen wir in die nächste Bar? Cifer bemühte sich, ihn zu ignorieren, während er die Gasse entlang stapfte und ein paar große Schlucke des Schmerzmittels nahm, auch wenn sein Mal im Moment sein geringstes Problem war. Wie viel Zeit hatte er überhaupt da drin verbracht? Bist du böse? Wir hatten doch Spaß. Wie in alten Zeiten. Nur du und ich, ein Haufen Geld, eine Gruppe Idioten die du in die Irre führst. Cifer hatte sich inzwischen die Finger in die Ohren gepresst. "Lass mich in Ruhe. Hau ab!" Er fasste in seine Tasche und schleuderte einige der Münzen gegen den Schatten, wobei sie nur laut klirrend die Steinmauer trafen. Über ihm öffnete sich ein Fenster und eine Frau brüllte wütend herunter.Ist hier endlich mal Ruhe?! Jede Nacht das Gleiche mit diesen Säufern! Danach beeilte sich der Gestaltenwandler, zur Taverne zurück zu kehren und vielleicht wieder Kontakt zu echten Menschen zu suchen. Das Geld ließ er liegen.
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    • Er sollte also den Detektiv finden, der ihn entlarven könnte. So sehr er es auch versuchte, er konnte schwerlich einen Vorteil darin sehen. Holte er einen kompletten Idioten, so würde selbst der Fürst es merken. Gab er ihm anfangs falsche Informationen, würde sich dies wohl schnell aufklären. Sollte er den Mann zu bedrohen versuchen, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass der die Stadtwache alarmierte. Fürs bestechen hatte er zu wenig Geld. Wie man es auch drehte und wendete. Am Ende würde er als Verlierer dastehen. Also irrte er durch die Stadt, bis ihm aufkam, dass er vor einem ganz anderem Problem stand. Wie zum Teufel fand man überhaupt so einen Detektiven und wie warb man ihn dann an. Mittlerweile hatte sich die Sonne bereits dem Horizont genähert und die ersten Läden schlossen die Verschläge. Sedar hätte erwartet, dass die Leute nun nach Hause gingen und zu Abend aßen, doch stattdessen schien das Treiben, sollte dies überhaupt möglich sein, noch geschäftiger zu werden. Stadtwachen, mit dicken Knüppeln statt Schwertern ausgerüstet, gingen von Laterne zu Laterne und zündeten diese an, so dass die Straße bald in ein flackerndes warmes Licht getaucht war. Männer mit ungepflegten Dreitagebärten und in geflickter Kleidung ersetzten die Händler und Familien. Sie torkelten bereits jetzt stark und sangen dabei unartikulierte Lieder.
      "Wo finde ich jetzt einen Detektiv?", fragte er sich erneut und sah sich ratlos um. In allen Städten, in denen er bisher war, hatte er sich sobald es dunkel wurde auf die Dächer verzogen um diesem ganzen Wirrwarr fern zu bleiben, doch auf den Dächern fand er wohl niemanden. So blieb ihm keine Wahl.
      "Entschuldigen sie bitte", sprach er den nächstbesten Fußgänger an, "Können sie mir vielleicht sagen, wo genau ich einen Detektiv finden kann." Normalerweise hätte er sich lieber auf die Zunge gebissen, als um Hilfe zu fragen. Noch dazu einen komplett Fremden. Doch er zweifelte, dass er nach Sonnenuntergang noch viele Chancen haben würde. Der Angesprochene starrte ihn nur dämlich an, als hätte er eine wirklich dumme Frage gestellt und lachte dann laut auf. Seine Pranken schossen hervor und Sedar musste sich ernsthaft zurückhalten ihm nicht augenblicklich die Finger zu brechen, bevor sich diese auf seine Schultern legten. Mit mehr Schwung, als es wünschenswert gewesen wäre, drehte der Mann ihn um, so dass er mitten auf eine braune und offensichtlich morsche Holztür blickte.
      "Einfach den Wirt fragen", sagte eine raue Stimme hinter ihm und die Pranken entfernten sich. Dann erklangen laute Schritte, die leiser wurden. Sedar atmete aus und ließ das Messer wieder in seine Tasche gleiten. Bis zuletzt war er sich nicht sicher gewesen, ob der Fremde ihn töten oder ihm helfen wollte. Dann untersuchte er die Tür vor sich genauer. Sie gehörte zu einem altem Haus, das genauso heruntergekommen war wie die Tür selbst, und über ihr hing ein verostetes Eisenschild. Ein Wildschwein war darauf noch geradeso erahnbar, die ausgeblichene Schrift vermochte Sedar ohnehin nicht zu lesen. Und dort drin sollte er einen Detektiv finden. Er zweifelte doch sehr an der Urteilskraft des Fremden.
      Trotzdem öffnete er die Tür vorsichtig und wagte sich dann hinein. Sofort stieg die Lautstärke auf einen markerschütternden Pegel und der Geruch der ihm entgegen schlug hätte ihn beinahe würgen lassen. Langsam um nicht aufzufallen suchte er sich einen Weg durch die Tische, an denen unzählige Volltrunkene in Karten- oder Würfelspiele vertieft oder in lauten Gespräche verwickelt waren. Mehrmals musste er geschäftigen Schankmädchen ausweichen, die damit beschäftigt waren die anzüglichen Sprüche und Witze zu ignorieren, welche ihnen aus jeder Ecke der Schankstube hinterher gerufen wurden. Sedar hätte beinahe die Nase gerümpft, doch er durfte sich in einer so ungewohnten Umgebung nicht durch Emotionen verraten. Dem Rat des Fremden folgend bahnte er sich seinen Weg zu der Bar, hinter der ein großer glatzköpfiger Mann mit aufgerollten Ärmeln ein Glas mithilfe eines Lappens putzte, der schmutziger als das Glas selbst zu sein schien.
      "Entschuldigen sie", versuchte er es freundlich, doch der Mann reagierte nicht.
      "Heda, Wirt", rief er lauter aus, was endlich etwas Bewegung in diesen brachte. Die trüben Augen betrachteten ihn stumpfsinnig.
      "Ich suche einen Detektiv", erklärte Sedar schnell, bevor er die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, wieder verlor, denn sie schien begrenzt zu sein. Einen Moment lang passierte rein gar nichts, als müsse das Gehirn des Wirts die Aussage erst in kleine mundgerechte Happen aufteilen, bevor es sie dann zu einer Bedeutung zusammensetzten. Dann beugte sich der Wirt zu einem anderem Mann am Tresen und stupste diesen an.
      "He John, da will dich wer sprechen", sagte er mit monotoner Stimme und wandte sich dann wieder seinen Putzkünsten zu. Der angestupste Mann hob den Kopf, den er in die Arme gelegt hatte, an und blickte sich um, bis er Sedar neben sich stehen sah.
      "Sehr geehrt, mein Name ist John", stellte er sich geschäftsmäßig vor, während er sich schon von dem Barhocker erhob und ihm die Hand hinhielt.
      "San", antwortete Sedar schnell und ergriff die hingehaltene Hand.
      "Wollen wir vielleicht an einen etwas ruhigeren Ort gehen", fragte John, nachdem er sich bereits auf den Weg in Richtung Ausgang gemacht hatte. Sedar musste sich beeilen um hinterher zu kommen. An der Tür griff sich der Mann ein Barrett und einen Mantel, dann stieß er die Tür nach draußen auf und schritt gemütlich in die warme Sommerluft. Sedar beäugte diesen John, der sich trotz der Milde den Mantel überwarf misstrauisch. Entgegen seines Aufenthaltsort schien er seltsamerweise nicht betrunken zu sein.
      "Ihr wollt mich also arrangieren. Wofür?", fragte der Mann ohne viel Zeit zu verlieren. Offenbar war er der Detektiv, auch wenn Sedar sich so jemanden anders vorgestellt hatte. Schnell begann er dem Mann die Geschichte zu erzählen, da schon eine zu lange Pause entstanden war, ließ dabei jedoch die Umstände seiner Herkunft, so wie die von Gyahara und Casper, aus. Der Detektiv stellte keine Fragen, sondern nickte nur nachdenklich. Dann versprach er am morgigen Tag in der Gaststube zu erscheinen und verschwand inmitten des Gassengewirrs. Sedar blickte ihm noch eine ganze Weile nach. Zumindest so lange bis er bemerkte, dass er zum ersten Mal seitdem er die Stadt betreten hatte wirklich allein war. Die Gasse in der er sich befand, lag völlig ausgestorben vor ihm. Nichtmal das Licht in den Fenstern der Häuser zu seinen Seiten brannte. Ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus. Mit einem Sprung bekam er einen kleinen Vorstoß in der Mauer des Hauses zu seiner Rechten zu fassen und zog sich daran hoch. Von da aus war es dank der Fenster und weiterer Vorstöße ein leichtes die Wand bis zum Dach hinaufzuklettern. Er brauchte nicht einmal seine Ausrüstung. Oben angekommen ließ er sich auf den Giebel fallen und die Beine ins leere Baumeln. Er mochte die Geschäftigkeit der Stadt, liebte aber die einsame Aussicht, die ihm die Dächer boten. Außerdem musste man hier weniger auf Diebe oder Räuber achten, die einen auf den Straßen jederzeit überfallen könnten.
      "Ein seltsamer Mann", dachte er sich. Jedoch sicherlich kein dummer. Er würde Schwierigkeiten haben ihn zu täuschen und sich eine Lügengeschichte ausdenken müssen, die seine Herkunft und sein Zusammentreffen mit Casper und Gyahara erklärte. Auch die beiden würde er wohl einweihen und über sein vorheriges Leben belügen müssen, anstatt sie wie bisher einfach im Unklarem zu lassen. Dies machte ihm mehr zu schaffen, als er es gedacht hätte. Würde er je jemanden wieder die Wahrheit erzählen können? Er verdrängte einen Seufzer und sein Gewissen noch dazu. Was hatte er für eine Wahl? Mit einem kleinem Hauch Wehmut richtete er sich auf dem schmalen First auf. Wenn er zurück in der Taverne war, wäre er wieder in einer Welt des Betrugs und des Verdachts. Doch wenn er zu lange wegblieb, würde dies vermutlich auffallen. Wenigstens würde er den Weg dorthin nicht über die Straße gehen müssen.
      Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

      Aldous Huxley