Starraider - Die Sternenjäger (Arbeitstitel)

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    • Wysenfelder schrieb:

      Nicht schlimm, wenn sie gut ist :D
      Ich werd mir Mühe geben!

      Wysenfelder schrieb:

      Wobei zu ihm ja auch passen würde, dass er das dann nicht so ernst sieht und mit der vierarmigen Bardame auch noch herummacht xD Ärger vorprogrammiert, passt also in die Geschichte.
      Jaaah, das klingt nach einer guten Idee! :grinstare:

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • Ich habe ja das Gefühl, dass man elli nicht alles gesagt hat. Dass da ein Schiff geklaut ist, ist ja tatsächlich nicht neu, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das Ding ist irgendwie ne Falle - aber wenn elli ausliefern, wieso sie nicht einfach betäuben und her geben? :hmm: da ist doch irgendwas im Busch, denn ich denke, Hal will auch lieber ein Auge auf Stirlings Tochter behalten können.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Es gefällt mir wie du denkst, @Alopex Lagopus. Das stimmt mich zuversichtlich, denn es zeigt mir, dass wir nicht alles falsch gemacht haben, sondern sich beim Leser genau die Frage entwickeln, die beabsichtigt waren.^^
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Narrow (1/2)


      Narrow befand sich in einem kleinen Raum etwas abgeschieden am Ende eines Ganges. Vier harte Bänke standen in seinem Rücken und warteten auf Gläubige. Der Raum wurde die Kapelle genannt und war keinem Glauben gewidmet. Blanke Wände und ein schmuckloser Altar boten allen Religionen Platz. Ein jeder war willkommen, der Betende gleichsam wie der Unschlüssige.
      Narrow war allein. Er trug den linken Arm in einem zu einer Schlinge geknoteten Dreieckstuch. Seine angeschossene Schulter hatte gute und schlechte Tage und an den schlechten half die Entlastung den Schmerz zu lindern. Nebst den Tabletten.
      Das Bild in dem dunklen Rahmen zeigte einen glücklichen Mikhail Alexej Sokolow, der mit nicht ganz lückenloser Zahnreihe in die Runde grinsend sein heimisches Bier zum Prost erhob. Er war ein regelrechter Clown gewesen, immer ganz vorne mit dabei, wenn es etwas zu feiern gegeben hatte und zur Not hatte er selbst für Gründe gesorgt einen heben zu können. Die Vogelscheuche hatten sie ihn genannt, da der Mann allein aufgrund seiner schlaksigen, nie stillstehen wollenden Statur bereits für helle Begeisterung gesorgt hatte. Kaum einer hatte je die Lieder aus seinem Munde verstanden, zumindest nicht den Text. Doch nach zwei oder drei Kurzen war ein jeder lallend in die herzergreifenden Melodien eingefallen.
      Mike hatte Hals kleinem Unternehmen bereits angehört, bevor Narrow dazu gestoßen war. Zu einer Zeit, da die Mündung eines Pistolenlaufs an der Schläfe wahnsinnig attraktiv gewirkt hatte, war die Begegnung mit der Vogelscheuche für Narrow das Beste gewesen, das ihm hätte passieren könnte.
      Neben dem gerahmten Foto lagen einige persönliche Gegenstände der Crew, im Andenken an den Verschiedenen. Darunter waren ein silberner Flachmann, eine kleine Figur aus Holz, die ein altes Mütterchen darstellte, und ein kleiner Strauß Blumen, dem die dezente Note von Roses Parfum anhing. Am anderen Ende des Altars stand ein kleiner MusicPlayer, bespielt mit einigen von Mikes Lieblingstiteln. Ted hatte sich darum gekümmert. Die beiden hatte schon immer eine besondere Beziehung verbunden, wohl durch ihre Herkunft. Oft waren ihre Unterhaltungen von Begriffen geprägt gewesen, die Narrow bis heute nicht aussprechen konnte.
      Er tippte auf das schwarze Display und drückte Play. Der erste Song begann mit einem Gitarrenspiel, zudem Narrow den Flachmann öffnete, Mikes Foto zuprostete und trank. Das Gesöff war stark und scheußlich. Irgendetwas Selbstgebranntes – eine Leidenschaft, die Ramirez und die Vogelscheuche verbunden und einige Maschinen lahm gelegt hatte.
      Schließlich begann ein Mann zu singen, der schon vor langer Zeit gestorben war:

      Ground Control to Major Tom
      Ground Control to Major Tom
      Take your protein pills and put your helmet on…

      Narrow stellte den Flachmann zurück und zog sich den dicken Ring vom Daumen. Einen Augenblick lang drehte er das schwere Schmuckstück zwischen den Fingern, ehe er es neben die kleine Holzfigur legte.

      This is Ground Control to Major Tom
      You've really made the grade
      And the papers want to know whose shirts you wear
      Now it's time to leave the capsule if you dare…

      Hinter ihm klopfte jemand gegen den Türrahmen. „Ich bin der Musik gefolgt, aber dich habe ich hier nicht erwartet.“
      Zu den Klängen dieses alten Hits wandte sich Narrow zu der ihm nur allzu bekannten Stimme um und als er die Frau im Türrahmen sah, stahl sich ein sehr willkommenes Lächeln auf seine Lippen.
      „Cass!“, rief er. „Seit wann bist du hier?“
      „Bin gerade erst angekommen“, meinte sie und trat mit langen Schritten herein. „Habe euch ein neues Schiff gebracht.“
      Narrow nickte. „Die Retterin in der Not, wie immer. Wem hast du’s geklaut?“ Er nahm sie in den Arm. „Schön, dich zu sehen.“ Sie erwiderte seine Umarmung herzlich. „Dito, Brüderchen. Und du musst nicht alles wissen. Wie lange ist es jetzt her, auch schon wieder knapp über ein Jahr? Ich glaube das letzte Mal haben wir uns auf dieser grausigen Jubiläumsfeier deines Chefs gesehen.“
      „Ja, die vergisst so schnell keiner“, bestätigte Narrow lachend. „Sein selbstgekochtes Dolgasch blieb den meisten noch lange im Gedächtnis.“
      „Nun, zumindest ist es nicht sonderlich lang im Magen verblieben.“ Daraufhin glucksten beide.
      Cassandra Mary-Jones war eine schöne Frau. Trotz ihrer fünf Jahre, die sie Narrow voraus hatte, schätzten sie viele jünger, wenngleich die zarten Fältchen um Augen und Mund nicht mehr wegzureden waren. Einzig ihr breites ehrliches Lachen verkehrte diese vermeintliche Altersschwäche in eine Stärke. Vom Nasenrücken aus fächerten sich zu beiden Seiten freche Sommersprossen auf der hellen Haut und knapp darüber wurde man von zwei wachen Augen in stechendem Grün genauestens beobachtet. Ein Geschenk ihres Vaters. Ihren jüngeren Halbbruder überragte sie um einige wenige Zentimeter. Das gekräuselte Haar in kupfrigem Rot hielt sie in einem strengen Zopf, der ihr fast bis zum Po reichte.
      Über einem hellen Top trug sie eine robuste Mehrzweckjacke, die zahlreiche Taschen unterschiedlichster Größe aufwies. Ihre schwarze Hose stand ihr wie angegossen und wurde von einem Gürtel gehalten, der darüber hinaus einem Blasterhalfter und einer Messerschneide Halt bot. Die kleinen Füße steckten in flachen Stiefeln.
      „Herrje, Billy, wie schaust du nur wieder aus?“, bemerkte sie kopfschüttelnd, als sie den Blick über ihn wandern ließ. „Viel zu dürr, der Bart unordentlich, die Haare zu lang und dein Ohr… wie zur Hölle ist das nun wieder passiert?“
      Narrow winkte ab. „Lange Geschichte. Und hör‘ bitte damit auf wie Mutter zu klingen. Das ist ja gruselig.“
      „Apropos, wann hast du sie das letzte Mal besucht? Ich weiß, die alte Dame ist verwirrt und spricht nicht sonderlich viel, dennoch freut sie sich jedes Mal. Immerhin bist du ihr einziger Sohn, hm?“
      Trotz seiner morgendlichen Dosis verspürte Narrow das warnende Klopfen sich anbahnender Kopfschmerzen im Schädel. „Ich weiß, ich weiß, ich weiß... aber… können wir das bitte nicht ausgerechnet jetzt besprechen?“
      Cassandra gab ihm einen vielsagenden Blick, dann schaute sie über seine Schulter hinweg zu dem Foto auf dem Altar. „Ich kenne ihn. Mike, nicht wahr? Er ist doch auf Hals Jubiläum mit diesem Lharmischgeweih auf dem Kopf durch den Saal gesprungen, oder?“
      Narrow schmunzelte. „Ja, sein Brunftschrei ist vom Original kaum zu unterscheiden.“
      Schulter an Schulter standen sie vor den aufgereihten Gaben und lauschten der Musik. „Darf ich?“, fragte Cass und griff nach dem Flachmann. Sie prostete dem ewig grinsenden Mike zu, hob das Gesöff an den Mund und kippte es herunter. „Das ist ja furchtbar! Schlimmer als Maschinenöl.“ Mit ekelverzerrtem Gesicht stellte sie das Gebräu an seinen Platz zurück.
      „Mike und Ramirez hatten einen Faible für Selbstgebranntes“, gab Narrow kopfschüttelnd zu. „Und die Basis war hin und wieder tatsächlich Getriebeschmiere. Komm, du hast sicher noch nichts gegessen. Ich sorge dafür, dass dir der Bulle etwas Vernünftiges zu beißen heraussucht.“
      „Ich liebe dich, Brüderchen. Du weißt, wie man eine Frau glücklich macht!“ Sie hakte sich bei ihm ein und gemeinsam gingen sie in Richtung Kantine.
      „Apropos, was ist eigentlich aus dieser hübschen Kleinen mit den großen Ohren geworden?“, wollte sie wissen. „Liara? Lianna?“
      „Lihara!“, verbesserte Narrow, der einen Augenblick lang selbst ins Schlingern geraten war. „Ich glaube zumindest, dass du sie meinst.“
      „Ja! Ja, genau. Etwas kleiner, niedliche Grübchen und so nett… was? Nicht mehr?“
      Verkniffen schüttelte Narrow den Kopf.
      „Oh, schade. Ich mochte sie wirklich.“
      „Und bei dir? Was ist aus Jared geworden? Immer noch glücklich wie am ersten Tag?“, fragte er mit einem überheblichen Grinsen und zitierte ihre Worte vom letzten Treffen. Darauf handelte er sich einen Hieb gegen die Schulter ein. „Au!“
      „Ist Geschichte und mehr sage ich dazu nicht.“
      „Und seitdem?“
      „Alles nicht der Rede wert.“ Damit war das Thema beendet und sie betraten die Kantine. Cassandra besorgte zwei Tassen schwarzen Kaffees und nahm an einem der Tische Platz, während Narrow in der Küche verschwand um von Ramirez‘ Eintopf zu stibitzen. Unter dem gerahmten Surrealismus Salvador Dalis saßen sie einander gegenüber und aßen Dolgasch mit Brot. Wohliges Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus.
      „Ich sehe, ihr zwei habt euch bereits bedient“, meinte Ramirez beim Eintreten. „Schmeckt’s?“
      Cassandra legte Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis an ihren Mund und gab den Fingerspitzen einen trockenen Kuss. „¡Fantástico! Wie immer, Darling. Und ich verlange Nachschlag!“
      „¡Gracias!“, dankte er mit einer leichten Verbeugung, holte sich ebenfalls eine Schüssel und setzte sich zu ihnen. Sie sprachen über dieses und jenes, hauptsächlich aber über Cass‘ Arbeit. Sie besorgte Dinge aller Art. Meistens Schiffe, oder Ersatzteile, aber auch Informationen und nahm auch hin und wieder das ein oder andere Kopfgeld entgegen. Sie war Händlerin, Diebin, Piratin, Headhunter und Freischärlerin. Alles ein bisschen und nichts so ganz.
      „Was macht der Rest der Bande?“, erkundigte sich Narrow beim Bullen.
      „Ted macht sich mit dem Schiff vertraut, scheint ganz verliebt in das Ding. Ellie hat sich im Maschinenraum vergraben, während Whip seine gesamte Armada an Rechnern auf der Brücke aufgebaut hat. Zusammen kümmern sie sich darum die Kiste zu säubern. Außerdem fehlt noch unser übliches Arbeitsgerät. Du weißt schon: Schleppseil und so’n Kram.“
      Narrow bedachte seine Halbschwester mit einem amüsierten Blick. „Bist du Henry schon begegnet?“
      Cass schluckte einen Löffel Dolgasch herunter und gewehrte sich ein spitzbübisches Lächeln. „Habe ihn gesehen, ja. Und er mich auch, soweit ich weiß.“
      Ramirez brach in schallendes Gelächter aus. „Und ob! Er ist knallrot geworden und schien plötzlich Siebenmeilenstiefel zu tragen, so schnell ist er an dir vorbei gewieselt!“
      „Immerhin hat er mir noch ein höfliches Hallo zugeraunt“, meinte Cass achselzuckend. „Naja, zugenuschelt trifft es wohl eher.“
      Die Sache mit Whip hatte ebenfalls auf Hals Jubiläum stattgefunden und gehörte zu dem Teil, an dem man sich noch Jahre später ergötzen würde. Cassandra war relativ frisch getrennt und hatte eine Ablenkung gesucht, die in Form eines äußerst willigen Henry Monroe dahergekommen war, der sich dummerweise in sie verliebt und auch nach mehreren Körben nicht locker gelassen hatte.
      „Hört auf zu feixen, Jungs“, versuchte sie zu beschwichtigen. „Er ist trotz allem ein netter Kerl.“
      „Oh ja?“, fragte Ramirez. „Nach wie vielen Drinks?“
      Wenig später gesellte sich noch Ted zu ihnen, der etwas hüftsteif daherkam. Sein angeschossenes Bein heilte gut, jedoch sehr viel langsamer als unter professioneller medizinischer Betreuung. Dank einer Zusammenarbeit von i’Taanohs ehemaligem DocBot und Ellie trug er nun eine mechanische Schiene, die jede Bewegung unterstützte. Zum Essen kam er kaum, da er immerzu von dem neuen Schiff schwärmte: „Eine Gray Hawk, Capt’n, aber keine von der Stange. Diese wurde mit nur allen erdenklichen Zusatzspielchen aufgemotzt, die man sich vorstellen kann. Seien es die Antriebsdüsen, Schilde (Aegis-III-Klasse), Stabilisatoren, Zielerkennung, Radar… der AMG macht locker 20.000fache ÜLG plus und erst die Bewaffnung!“ Er schaufelte Eintopf in sich rein und beschrieb das Schiff in allen Einzelheiten, wobei Narrow die technischen Details kein bisschen verstand und wieder einmal das Gefühl nicht loswurde, dass der Junge dringend ein Mädchen bräuchte.
      Cassandra lachte. „Ich wusste, es würde dir gefallen, Sweetheart! Hal hatte diesmal die Spendierhosen an und so viel angeboten wie noch nie. Dennoch wäre so ein Schiff weit außerhalb eurer Preisklasse, aber ich dachte mir…“, sie zielte mit ihrem Löffel auf Ted, „…wenn so ein Schlitten in gute Hände gehört, dann sind es definitiv deine!“ Ähnlich wie Narrow hatte auch Cass den Jungen bei ihrer ersten Begegnung in ihr Herz geschlossen und die Rolle der coolen Tante übernommen, die immer mit den besten Geschenken um die Ecke kam.
      Bald schwang das Gespräch auf die jüngsten Ereignisse um und Narrow, Ramirez und Ted schwadronierten abwechselnd über den letzten Auftrag; die Beschaffung der Energiezelle. Vom Diebstahl über den Absturz auf Lu-68, dem Treffen mit Ellie und dem Überfall der Sim-80. Bei ihrer Reise durch die halbe Galaxie in nur einem Wimperschlag staunte selbst Cass, die sonst mit nichts mehr zu überraschen war. Selbst die blutigen Querelen auf der Tatauri-Station quittierte sie nur mit einem Kopfschütteln. Sie endeten mit ihrem Kurzbesuch auf Vedorrha und der Flucht durchs Portal.
      „Ihr Teufelskerle. Ein Wunder, dass ihr überhaupt noch lebt!“
      Ramirez sammelte schließlich die leeren Teller samt Besteck ein. „Ich werde mal noch zwei Portion für die einzigen beiden mitnehmen, die zurzeit arbeiten.“
      „Willst du damit irgendetwas andeuten?“, fragte Narrow mit hochgezogener Braue.
      „Würde ich nie wagen, Row“, zwinkerte der Hüne zurück und nahm für Ellie und Whip noch je eine Schüssel Dolgasch mit. Ted folgte ihm, ganz fiebrig darauf, sein neues Schiff näher zu inspizieren.
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    • Narrow (2/2)


      Wieder allein holte sich Cass ein Bier aus dem Kühlschrank. „Du auch?“
      Narrow winkte ab, kramte eine Fluppe hervor und zündete sie sich mit einem Feuerzeug an. Er sog am Glimmstängel und blies den Rauch gen Raumdecke. Seine Schwester nahm diesmal neben ihm Platz und öffnete ihre Flasche zischend mit Narrows Zippo.
      Er sagte: „Erzähl mal, was geht da draußen vor sich? Wir sind hier so abgeschnitten, wir würden es wahrscheinlich nicht einmal bemerken, wenn im Zentrum eine Supernova stattfinden würde.“
      „Nun, wo ihr euer kleines Intermezzo auf der Tatauri-Station erwähnt habt… dieser Vorstoß der Liberty hat Konsequenzen. Die Tartari sind außer sich, beharren im Senat auf Vergeltung. Allianz-Truppen sollen in den Zurad-Sektor um den Kern der Liberty anzugreifen und sie ein für alle Mal zu vernichten. Die Besprechungen dazu laufen, während wir hier reden. Kannst du dir das vorstellen?“
      Narrow nickte langsam. Beim letzten Mal, da Allianz-Truppen in den Zurad-Sektor vorgedrungen waren, herrschte Krieg in der Galaxis. „Aber dazu wird es nicht kommen, oder?“, zweifelte er. „Die Hyperion-II-Verträge verbieten doch derartiges Eingreifen, oder sehe ich das falsch?“
      „Nun, ich glaube, man hat sich damals ein juristisches Hintertürchen offen gelassen. Vergiss nicht, dass die Siegermächte diese Verträge aufgesetzt haben. Zumal der Kampf gegen die Liberty im Zurad bereits läuft. Die Allianz hat ihre Verbündeten mobilisiert und versorgt die Milizen und Guerillas bereits mit Geld, schwerem Gerät und Waffen.“ Sie starrten eine Weile in ihr Essen und Narrow befürchtete schon, sie hätte einen Fingernagel zwischen den Fleischbrocken entdeckt, als seine Schwester etwas kleinlaut zugab: „Auch meine alte Einheit hat ein Angebot erhalten.“
      Ein wenig paranoid sah sich Narrow nach allen Seiten um, denn Kriegsgeschichten plauderte man lieber nicht aus, ohne sich zu vergewissern, wer zu hörte. „Was meinst du damit – will man die Desert Eagles reaktivieren? Gegen Dark Liberty? Aber du hast nein gesagt! Sag mir, dass du das Angebot abgelehnt hast!“
      Cass legte den Kopf leicht schief und reckte das Kinn herausfordernd. „Was glaubst du? Ich bin nicht mehr die Jüngste und das letzte Mal, da ich dieses Ding hier“, dabei nickte sie auf den Blaster an der Hüfte, „gebraucht habe, ist Jahre her. Seit damals hat sich zu viel verändert.“
      „Apropos“, setzte Narrow nach einer kleinen Pause an der Stelle an, „wie geht es Carl? Geht er noch zur Uni? Muss doch inzwischen Mitte Zwanzig sein.“
      Cass fuhr sich durch die Haare und wirkte mit einem Mal um Jahre gealtert. Sie blickte in ihre Flasche und seufzte. „Ja… er studiert. Irgendwas mit altertümlicher anthroposischer Geschichte oder so ähnlich. Frag mich bitte nicht. Sein vierter Studiengang mittlerweile, die anderen hat er allesamt abgebrochen. Wäre nichts für ihn. Meiner Meinung nach hat er sich nur wegen irgendeinem Mädchen eingeschrieben, ist bei ihr nicht gelandet und hat deshalb auch wieder abgebrochen.“ Sie trank. „Kommt ganz nach seinem missratenen Vater.“
      „Die stolze Mama…“, schmunzelte Narrow und nahm einen tiefen Zug.
      „Was hast du eigentlich auf dem Herzen?“, fragte sie plötzlich.
      „Hm? Was meinst du?“
      Sie setzte sich wieder aufrecht und gab ihm einen forschenden Blick. „Du sitzt hier wie ein Schluck Wasser in der Kurve und hast diesen Dackelblick. Sobald das Schiff gesäubert wurde macht ihr euch wieder auf und davon. Wenn du mir also was zu sagen hast, dann mach es jetzt.“
      Entwaffnet beugte sich Narrow weit über den Tisch, zerdrückte die Zigarette im Aschenbecher und stützte den Kopf in die Hände. Schon als sie noch klein waren, und kurz bevor Cassandra die Familie wutschnaubend verlassen hatte, war es ihre große Stärke gewesen, die Geheimnisse ihres kleinen Bruders an seinem Gesicht abzulesen. Er wusste zwar um die tiefen Augenringe und den kränklichen Teint, doch für so offensichtlich hatte er seine Sorgen dann auch nicht gehalten.
      „Es…“, begann er, nach Worten suchend. „Es geht um die Neue. Elenora Stirling. Ellie oder Gecko, wegen der kleinen Echse auf ihrer Schläfe. Hast du sie gesehen?“
      Cass nickte und bedeutete ihm mit einer Handbewegung fortzufahren. Und er erzählte ihr alles. Angefangen von dem dahingehauchten Shakkar der bewusstlosen Ellie, über den Kleinkrieg zwischen Stirling und Morg bis zu der Novus Aetas. Sie lauschte angespannt, nickte ab und zu, während die Furchen auf ihrer Stirn immer tiefer wurden. Als er geendet hatte, war sie offenbar tief in Gedanken versunken.
      „Und?“, wollte Narrow wissen, dem bis eben nicht klar war, für wie wichtig er die Meinung seiner Schwester hielt. Bislang hatte er noch nicht einmal Ramirez oder Ted davon erzählt. Sie war die erste. „Was meinst du?“
      Sie schüttelte nachdenklich den Kopf, trank ihr Bier aus und fasste sich an die Stirn. „Verdammt nochmal. Das gibt’s doch nicht, wieso kann ich mich daran nicht erinnern? Dieser Name… Shakkar. Den habe ich schon mal irgendwo gehört. Und Novus Aetas…“ Gebannt starrte sie auf einen imaginären Punkt im Nirgendwo, schien ihn niederringen zu wollen, und blies die Sache schließlich ab. „Ich weiß es nicht. Sorry.“
      „Kein Problem“, meinte Narrow. „Aber was sagst du zu der ganzen Sache?“
      „Nun, wenn du wirklich meine Meinung hören willst, dann bitte: ich sage, rede mit ihr. Mit dieser Ellie. Nach allem was du und deine Kameraden mir erzählt haben, hat sie ein gehöriges Maß an Vertrauen und Ehrlichkeit verdient. Ich weiß, du bist verwirrt und hast das Gefühl zwischen den Stühlen zu stehen, da dir Hal viel bedeutet, aber… wenn du dir wirklich eine Meinung bilden möchtest, dann höre dir beide Seiten an. Du kennst nun die Sicht von dem Alten, aber wie sieht es mit der anderen Seite aus? Was sagt Ellie dazu, hm? Mal daran gedacht, mit ihr darüber zu sprechen?“
      Narrow seufzte. „Jede Medaille hat zwei Seiten, ich weiß.“
      Sie wuschelte ihm liebevoll durchs Haar und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Ich liebe dich, Brüderchen. Aber manchmal verhältst du dich wie ein sturer Bock.“
      Lächelnd nickte er und sah zu ihr auf, als sie sich erhob.
      „Ich werde dann mal Hal suchen gehen“, sagte Cass. „Wir haben da noch ein zwei Dinge zu besprechen. Hauptsächlich finanzieller Natur.“ Narrow beschrieb ihr den Weg zum Büro des Qunoriggs und war bald darauf allein.
      Sich noch eine weitere Kippe ansteckend, verließ er die Kantine ebenfalls. Kaum war er jedoch auf den Gang hinausgetreten, hörte einen scharrenden Ruf: „Verzeihung. Könnte mir bitte jemand helfen? Ich scheine festzustecken.“
      Er folgte der Stimme und fand James, den schwarzglänzenden Roboter, in der MedStation vor. Seine Reparatur war kaum vorangekommen, weil ihnen die Ersatzteile fehlten, für die man schon ganz spezielle Geschäfte aufsuchen musste. Da Ted seinen Rollstuhl fortan nicht mehr benötigte, hatte man den Torso des Metallmanns draufgeschnallt um ihm seine Mobilität, wenngleich eingeschränkt, wiederzugeben. Die Löcher in Brust und Kopf waren behelfsmäßig mit dünnen Aluminiumplatten verschweißt um weiteres Verdrecken zu unterbinden. Sie wirkten wie Narben aus Quecksilber inmitten des schwarzen Panzers.
      „Wie Ihr seht, Sir, hat sich eines der Räder quer gestellt – mal wieder. Wann glaubt Ihr, wird man mich wohl wieder mit Beinen ausstatten können, wenn die Frage erlaubt ist?“
      „Bald“, antwortete Narrow nur knapp und gab dem verkanteten Rad einen Tritt. Dann packte er die Griffe und rollte den Stuhl hinaus. „Ich nehme mal an, du wolltest zum Schiff?“
      „Sehr wohl, Sir. Ich wollte mir die Krankenstation ansehen um den Bedarf zu sondieren. Was ist vorhanden, was wird gebraucht. Mit Beinen wäre das schneller gegangen, jedoch…“
      „Ich sagte doch schon: bald.“
      „Sehr wohl, Sir. Hätte man sie mir nur nicht weggeschossen, säße ich jetzt nicht in diesem Dilemma.“
      „Hätte man dir nicht die Beine weggeschossen, was glaubst du, wo ich dann wäre? Nicht mehr laufen zu können wäre dann mein kleinstes Problem gewesen.“ Daraufhin schwieg der Roboter und erst kurz bevor sie den Hangar erreichten, schnarrte er in absolut neutralem Ton: „Sehr wohl, Sir.“
      Die Gray Hawk machte zumindest der Hälfte ihres Namens alle Ehre. So grau wie ein Mäuschen, so unauffällig war sie auf den ersten Blick. Perfekt für ihre Zwecke. Mit nur zwei Decks und einem geräumigen Laderaum im Heck war sie recht klein und auch das passte ihnen gut. Dem unwissenden Auge blieben die von Ted beschrieben Extras beinahe völlig verborgen.
      Narrow schob den Roboter über die breite Verladerampe hinauf.
      „Warte hier. Ich schau mich erst einmal um.“ Dann erklomm er eine Leiter zum Oberdeck, während von unten Lärm aus dem Maschinenraum drang. Sein Weg führte ihn in einen runden Raum, der zugleich als Gemeinschaftsraum, Küche und Esszimmer diente. Von hier aus gingen vier Türen zu den Crewkabinen ab, während geradeaus weiter die Brücke lag. In ihrer Größe erinnerte sie Narrow an die Alte Bess, nur nicht ganz so heruntergewirtschaftet. Der Sitz des Captains befand sich in der Mitte des Raums und hing an einem hydraulischen Arm von der Decke herab. Narrow nahm Platz und beobachtete Whip, der vor einer der Konsolen hockte, umringt von einer Batterie an Bildschirmen, Laptops und Pads.
      „Hi!“, grüßte Narrow, bekam aber nur einen flüchtigen Blick und ein erkennendes Nicken zurück, dann widmete sich Henry wieder seinem Kram. Die Schüssel Dolgasch stand unberührt neben ihm auf dem Boden.
      Narrow kümmerte sich nicht weiter um ihn; stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Bildschirm, der an seiner rechten Armlehne angebracht war. Mit ein paar Eingaben rief er alle Informationen zur nächsten Mission auf und warf sie auf ein großes Display in der Frontscheibe. Eine Karte erschien, zeigte die Gegend um Eagle-Head und wanderte schließlich tiefer in die EMZ zu einem kleinen gelb blinkenden Punkt. Der Ort des Notrufs. Ihr Ziel. Unweit von dieser Stelle waren damals die Antimateriebomben hochgegangen, die die Ordnung von Raum und Zeit durcheinandergebracht und der Allianz den Sieg verschafft hatten.
      Oh, Rufus…, dachte Narrow und lehnte sich nach vorn. Wo bist du da nur hineingeraten?
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    • So viel neuer Text, das ist ein Segen für meine Augen.

      Es ist einfach unglaublich, wie man hier mit in die Atmosphäre reingezogen wird. Wie Narrows Schwester auftaucht (die ich vom Namen irgendwie erst für seine Frau gehalten habe ^^) und den Geschwisterplausch abzieht. Das alles während einer "Trauerfeier" *hust*, und dann ab in die Kantine, Gulasch schaufeln. Beinahe normal liest sich das, wie in einem Film aus unserer Zeit. Warum muss ich immer an Mad Max oder so denken? Ist es dieses rostige, heruntergekommene Feeling, das vermittelt wird? Sind wir überhaupt auf einem Wüstenplaneten? Ich weiß es gar nicht mehr. Der letzte Teil liegt ja schon so lange zurück, nicht wahr, @Chnorzi? Nicht wahr? Hm? 8)
      Dann kommt das James Bond-mäßige Raumschiff samt quatschendem Roboarzt und alles rückt wieder in ein anderes Szenario. Tolle Dialoge, ich bin begeistert und amüsiert, und das, obwohl eigentlich keine Witze gerissen wurden, nur trockene Sprüche, die einfach ins Cowboy und Piratensetting passen.

      Mehr habe ich auch nicht zu sagen, obwohl ich weiß, dass das der Geschichte unwürdig ist :D
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Hallo @Wysenfelder, mein Bester!

      Hach, das geht runter wie Öl. Freut mich wieder sehr, dass es dir gefällt!


      Wysenfelder schrieb:

      (die ich vom Namen irgendwie erst für seine Frau gehalten habe ^^)
      Oha, vielleicht kann ich das noch etwas präzisieren ;)


      Wysenfelder schrieb:

      Warum muss ich immer an Mad Max oder so denken? Ist es dieses rostige, heruntergekommene Feeling, das vermittelt wird?
      Ha, der Vergleich gefällt mir gut. Tatsächlich war ein Grundgedanke, bevor @Chnorzi und ich zu schreiben anfingen, ein Steampunk-Abenteuer in den Weltraum zu verfrachten. Scheinbar haben wir das in Teilen auch hinbekommen mit alle dem Rost, dem Schimmel und der... ja, "Normalität" trotz des Sci-Fi-Settings. Die Zukunft ist halt auch nur Realität, oder so.


      Wysenfelder schrieb:

      Sind wir überhaupt auf einem Wüstenplaneten?
      Auf dem Asteroiden, aber - pfft, geschenkt! Diese Details... :rofl:


      Wysenfelder schrieb:

      Cowboy und Piratensetting passen
      Ja, geil. Gefällt mir - genauso sollte es sich anfühlen. :thumbsup:

      Gruß!
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    • Ellie

      Es dauerte eine Weile, bis Ellie sich endlich dazu überwand, ihr Werkzeug ruhen zu lassen. Der leere Teller von Ramirez‘ Dolgasch stand noch neben dem Eingang auf dem Boden und die Überreste waren längst eingetrocknet. Mit einem leisen Gähnen wischte sie Ölreste von ihren Gloves an einem Tuch ab, das lose aus der Hosentasche ihres neuen, blauen Overalls hing und griff dann nach dem Porzellan, um es zurück in die Küche der Station zu bringen. Insgeheim hoffte sie, unterwegs niemandem zu begegnen. Sie wollte sich nur noch aufs Ohr hauen. Naja. Vielleicht noch etwas lesen? Ein schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht, als sie den Hangar verließ und die Gänge der Station entlang schlenderte. Wo war sie in der Geschichte nochmals stecken geblieben? Vor ihrem inneren Auge bildete sich die Szenerie eines gewissen Pärchens, das erschöpft im Bett lag. Sie wollte wissen wie es weitergeht!
      Endlich war sie in der verlassenen Küche angelangt und schob Teller und Besteck in den Hydrocleaner, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Ruckartig schnellte sie hoch und da saß Ragaz mit einer Fluppe zwischen den Lippen am Tresen. Er beäugte sie mit undurchdringlicher Miene, wobei er die Fingerspitzen aneinanderlegte.
      „Alles erledigt?“, meinte er beiläufig.
      „Was meinst du?“, Ellie runzelte die Stirn und drückte müde den Rücken durch, wobei es leise knackte.
      „Die Schiffs-ID und so weiter… alles Nötige neu angelegt?“, präzisierte er seine ursprüngliche Frage, wobei sein Blick stechender wurde.
      „Natürlich“
      Sie fühlte sich unwohl. Vielleicht lag es an seinen kalten Augen oder möglicherweise an seinem offenen Misstrauen … eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf riet ihr zur Vorsicht.
      „Dann solltest du dich jetzt ausruhen. Nicht dass du wegen Übermüdung die ganze Crew in Gefahr bringst, nicht wahr?“, das teilnahmslose Lächeln auf seinen knorpeligen Zügen ließ ihr die Nackenhaare zu Berge stehen.
      „Das war der Plan“, sie schluckte leer und sie spürte, wie er sich ihre Unsicherheit auf der Zunge zergehen ließ. Das wiederum stachelte ihren Trotz an. Immerhin trug sie die neuen, modifizierten Gloves!
      Der kann mir nichts sprach sie sich in Gedanken Mut zu und trat hinter dem Tresen hervor. Mit gehörigem Abstand zu Ragaz schlängelte sie sich zwischen den wenigen Tischen hindurch in Richtung Gangway.
      „Nacht“, rief sie noch über die Schulter und es war ihr nicht entgangen, dass er sie keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte.
      Es schien fast so, als wollte Hal nach der Unterzeichnung ihrer Anstellungspapiere sichergehen, dass sie auch an Bord des Schiffes ging. Als sie die Unterschrift unter den Arbeitsvertrag gesetzt hatte, kam er ihr ohnehin etwas zu glücklich vor. Hier waren mehr Dinge am Laufen, als sie sich bewusst war. Sie musste auf der Hut sein. Irgendetwas stimmte mit diesem Laden ganz und gar nicht. Auch der Captain verhielt sich ihr gegenüber mittlerweile ziemlich seltsam.
      Während sie durch die Gänge zurück zum Hangar schlurfte, schweiften ihre Gedanken immer wieder zu dieser Schattengestalt ab. Shakkar. Sie wusste, dass sie die Sache auf sich beruhen lassen musste, da die Zelle jetzt außer Reichweite war. Dennoch wurde sie das Gefühl nicht los, dass damit nun Ereignisse in Gang gesetzt worden waren, die nicht mehr zu stoppen sein würden.

      Das energische Poltern gegen ihre Quartierstür riss sie unsanft aus dem Schlaf. Als sie sich ruckartig aufsetzte, rutschte der Reader von ihrer Brust und polterte geräuschvoll zu Boden. Sie musste letzte Nacht wohl beim Lesen eingeschlafen sein.
      Wieder hämmerte jemand seine Faust gegen die Tür und dumpfes Fluchen war von der anderen Seite zu hören.
      „Ich komm‘ ja schon, beim Nether…“, grollte die Mechanikerin und schwang sich aus dem Bett. Sie trug noch immer den Overall und stieg in ihre Schlappen, bevor sie hinüber zur Tür schlürfte und das Schloss entriegelte. Sie glitt zur Seite und draußen stand Bull mit einer ziemlich genervten Schnute.
      „Hat sich die Prinzessin auch endlich bequemt, ihren Hintern aus dem Bett zu bewegen? Wir müssen los!“, er ließ seinen Blick kurz durch ihr Quartier schweifen und weitete die Augen, „Du hast noch nicht mal gepackt?“
      „Jetz‘ mach dich mal nich‘ nass, Großer. Ich bin in fünf Minuten abflugbereit“, murrte sie lediglich und ließ die Tür vor der Nase des Herrn zugleiten. Kaum hatten sich die Flügel geschlossen, wirbelte sie herum, während ihr das Herz bis zum Hals schlug.
      „Himmel! Verpennt!“, stieß sie fluchend aus und in Windeseile wuselte sie durch ihr Zimmer, griff sich die große Tasche und befüllte sie mit all ihrem Krempel, den sie herumliegen hatte. Zwar hatte sie tatsächlich nicht viel Zeug, das sie einpacken musste, doch nach einem Blick in den Spiegel, stieß sie schnaubend die Luft aus der Nase. Sie sah schrecklich aus. Selbst wenn ihr Haar ohnehin jederzeit in alle Richtungen abstand, sah es in diesem Augenblick noch schlimmer aus als gewöhnlich. Zudem war ihr Eyeliner derart verschmiert, dass sie prompt mit einem dieser ausgestorbenen, schwarzweißen Bären verwechselt werden konnte. Notdürftig bändigte sie ihre Mähne mit Wasser und wischte mit einem Tuch die verwischten Ränder ihres Make-ups einigermaßen wieder in Form.
      Es polterte abermals gegen die Tür.
      Tief durchatmend eilte sie schließlich durch das Zimmer, griff nach ihrer Tasche und ließ ihren Blick nochmals durch den Raum schweifen.
      Der Reader! Mit zwei Sätzen war sie neben dem Bett angelangt und fischte ihn darunter hervor. Erleichtert, ihn nicht vergessen zu haben, schritt sie zur Tür. Jetzt war alles eingepackt.

      Kaum hatte Ellie die Einstiegsluke der Hawk betreten, schloss sie sich schon hinter ihr. Die Motoren hatten sich bereits warmgelaufen und mit einem kleinen Ruck lösten sich die Landestützen vom Hangar. Der Boden unter ihren Füssen wackelte dabei leicht, was sie beinahe straucheln ließ.
      „Boah, Ted!“, rief sie in ihr Schulter-Mic und klammerte sich an ihre Tasche, „Halt den Kahn still!“
      „Muss mich erst eingewöhnen, ‚tschuldige, Ellie…“, hörte sie ihn kleinlaut über den winzigen Lautsprecher. Leise schnaubend setzte sie ihren Weg durch den Frachtraum fort und stieg dann die Treppe zum Gemeinschaftsraum hoch. Die Hawk war nicht besonders geräumig, aber für ihre fünfköpfige Crew reichte es allemal und sie wirkte, als ob das Schiff noch nicht lange in Betrieb gewesen war. Dafür war sie viel zu sauber.
      Als sie den Treppenabsatz erreicht hatte, schritt sie durch den Gang und kam schließlich in einen großzügigen Wohnraum, von welchem an beiden Seiten je drei Türen zu den Einzelkajüten wegführten. Bull stand bereits in der Küche und stellte grummelnd umgefallene Gläser wieder an ihren Platz. Als er Ellie bemerkte, deutete er mit einem Kopfnicken auf die erste Tür links.
      „Das ist deine. Richte dich ein und dann ab mit dir in den Maschinenraum“, brummte er ihr entgegen, woraufhin sie ihm lediglich zunickte. Die Schläfrigkeit war mittlerweile wie weggeblasen. Entweder vor Nervosität oder von der Vorfreude, an den Eigenweiden dieses wunderbaren Schiffes ihre Fähigkeiten zu testen.
      „Ich hoffe, Ted fährt dieses Mordsding nicht an den nächsten Asteroiden“, murmelte sie bei sich, als sie die Tür ihres Zimmers wieder hinter sich zu schob. Nun. Zimmer war etwas übertrieben. Es war eine bessere Besenkammer. Gerade mal ein schmales Bett fand darin Platz und die linke Wand bestand vollständig aus einem Ziehschrank, um all ihren Kram darin zu verstauen. Dazwischen hatte sie gerade genug Platz um zu stehen. Die Erbauer der Hawk waren wohl davon ausgegangen, dass die Crew mehr Zeit im Gemeinschaftsraum verbringen würde, als in den Schlafräumen.
      Nun. Sie würde sich daran gewöhnen, nur fragte sie sich, ob alle Kajüten gleich groß waren. Wenn ja, dann würde Ramirez wohl Bauch und Kopf einziehen müssen.
      Leise seufzend schob sie die wenigen Klamotten in den Schrank und verstaute da auch ihre Tasche. Den Reader versteckte sie geflissentlich unter dem Kopfkissen und streckte sich dann einmal ausgiebig. Nun würden sie auf die Suche nach dem Freund des Käpt’ns gehen. In ihrem Innersten hoffte sie, nicht auf Jones zu treffen, wenn sie gleich hinunter in den Maschinenraum schlendern würde.
      Vorsichtig schob sie wieder ihre Tür auf und streckte den Lockenkopf hinaus. Die Luft war rein. Rasch schloss sie ihre Kajüte ab und huschte hinter dem geschäftigen Bull hindurch wieder die Treppe zum Laderaum herunter. Dann nahm sie die weiteren Stufen in den Maschinenraum in Angriff, wo Whip bereits an einem Terminal saß und seine Finger über das Bedienfeld fliegen ließ.
      „Na sowas! Auch schon da?“, feixte er, ohne aufzusehen und wirkte konzentriert.
      „Kalibrierst du die Scanner neu?“, meinte sie lediglich, als sie hinter ihm stehen blieb und ihm über die Schulter linste. Er nickte nur beiläufig.
      „Wird nicht einfach, die Nadel im Trümmerfeld zu finden, aber ich hab‘ mir da etwas überlegt, womit wir Rufus‘ Schiff schnell aufspüren könnten, sofern noch ein Fitzelchen Saft im Getriebe über ist“
      „Und wie stellst du dir das vor?“, fragte Ellie nachdenklich, als sie die Arme vor der Brust verschränkte und auf das Kauderwelsch blickte, welches Whip auf den Bildschirmen offenbar ganz interessiert zu verfolgen schien.
      „Wir haben Rufus‘ Schiffs- und Antriebssignatur. Wenn wir also eine Anomalie in unberührtem Raum finden, wird es einfach sein, der Spur zu folgen. Die Anomalie finden wir allerdings nur mit frisch kalibrierten Sensoren“, dann reichte er Ellie einen Zettel, der von Zahlen nur so überquoll, „Mach dich nützlich und hilf mir damit.“
      Gecko schnalzte mit der Zunge und warf Henry stirnrunzelnd einen kurzen Seitenblick zu.
      „Und was soll ich mit diesen Zahlen anfangen?“, fragte sie langsam.
      Monroe sah nur zögerlich auf und starrte dann ebenfalls auf den Wisch, ehe er leise gluckste und ihn ihr wieder aus den Fingern zupfte. Dann reichte er ihr ein anderes Blatt, auf dem sie einwandfrei die neuen Parameter für eine Kalibrierung ausmachen konnte.
      „Hoppla“, meinte Monroe lediglich und widmete sich wieder seinen Bildschirmen. Ellie verdrehte leicht die Augen und schlenderte hinüber zu ihrem Spind, wo sie den Werkzeuggürtel herausholte und ihn sich umschnallte.
      Dann wollen wir mal.

      „Wie weit seid ihr?“, hallte nach einiger Zeit Jones’ Stimme von den Lautsprechern des Maschinenraums wider.
      „Ich bin so weit und Geck‘ auch, glaub‘ ich?“, hörte sie Monroe darauf antworten, ehe sie unter dem Generator hervorrief:
      „Alles bereit!“
      „Na schön“, sprach Jones weiter und es folgte eine kurze Pause, „Wir haben das Zielgebiet mittlerweile erreicht und schicken die Sonden los. Scanner an. Dann heißt es jetzt wohl warten.“
      Ellie ließ etwas müde die Arme sinken und blieb einen Moment leise seufzend auf dem Rücken liegen, während sie von unten in das Kabelgewirr des Generators blickte. Überall blinkten diverse, grüne Lämpchen, welche sie irgendwie an die Leuchtschrift des Bulletproof auf Luna-68 erinnerten. Heimweh zwickte sie, doch die Gefühlsduselei hielt nur kurz an. Das hier war es, was sie wollte. Dieses wunderbare Schiff, die Crew… auch wenn sie Hal für undurchsichtig und unheimlich hielt, war sie dennoch überzeugt, dass er seine schützenden Hände nun auch über sie halten würde.
      „Was machst du da unten? Urlaub?“, hörte sie Whips feixende Stimme und im nächsten Moment schob er sich neben sie unter den Generator, „Na ist ja wirklich ein lauschiges Plätzchen. Da könnte man glatt auf falsche Gedanken kommen.“
      Sein gewinnbringendes Grinsen ließ Ellie die Stirn runzeln, ehe sie kommentarlos wieder die Hände hob und eine dickere Plasmaleitung an den letzten freien Steckplatz schloss.
      „Was tust du?“, sprach er nach kurzem Schweigen, während er ihr sein Gesicht zuwandte. Sie spürte, wie er sie von der Seite her musterte. Wohl eine Antwort abwartend, während sein Atem warm ihre Haut streifte.
      „Urlaub“, meinte sie knapp. Sie ignorierte die Gänsehaut, die er gerade ungewollt verursachte und konzentrierte sich angestrengt auf ihre Arbeit. Trotzdem bemerkte sie, wie er leise grunzend den Blick wieder abwandte und ihn ebenfalls auf die Innereien des Generators richtete.
      „Ich könnte mir da ja bessere Orte vorstellen, meine Liebe. Vielleicht nehm‘ ich dich nächstes Mal-“
      Ellie rutschte in diesem Moment mit dem Schlüssel von der Mutter ab und schlug ihn versehentlich mit einem dröhnenden Klönggegen die Generatorinnenwand. Ungeschickt entglitt das Werkzeug ihrem Griff und für einen zähen Augenblick sah sie es auf ihr Gesicht zufliegen. Im nächsten Moment durchzuckte ein stechender Schmerz ihre Stirn.
      „Verfluchte Scheisse!“, platzte es aus ihr heraus und hielt sich die Hand an die getroffene Stelle, wobei sie dem glucksenden Monroe einen vernichtenden Blick zuwarf, „Hau ab, Mann!“
      „Was denn? Was kann ich dafür, wenn du in meiner Gegenwart nervös wirst!“
      „Wenn du nicht willst, dass ich dir mit der nächsten Plasmaleitung einen Einlauf verpasse, dann schieb ab!“
      „War das ein Angebot?“, grinste er sie feist an, wobei er seine weißen Beißer entblößte und herausfordernd die Brauen hob.
      Kurzerhand ließ Ellie mit finsterem Blick ihre Gloves aufglühen und schob den Störenfried mit einer ordentlichen Ladung telekinetischer Energie über den glänzenden Metallboden zurück in den Maschinenraum, wo er nicht ganz so sanft gegen ein Terminal knallte.
      „Argh. Verflucht, Weib, was stimmt nicht mit dir?“, hörte sie ihn keifen, was ihr ein süffisantes Lächeln auf die Lippen zauberte.

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • <- hat anscheinend heute eine lange Leitung

      Chnorzi schrieb:

      Ellie rutschte in diesem Moment mit dem Schlüssel von der Mutter ab und schlug ihn versehentlich mit einem dröhnenden Klönggegen die Generatorinnenwand.
      Ich hab ewig über diesem Satz gebrütet, bis ich zu dem Schluss kam, dass er richtig ist :rofl: Da Whip gerade mal wieder übergriffig wurde, dachte ich, dass sich dieses "ihn" auf ihn bezog, wodurch aber der ganze Rest des Satzes keinen Sinn ergab xD Bis ich begriff, dass sich das auf den Schlüssel bezog, hat es etwas gedauert


      Anyway, sorry, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen ^^' Wird in nächster Zeit vermutlich auch nicht so viel werden, deswegen nutze ich meine kurze Lesemotivation mal aus und bin jetzt up to date. Die Geschichte bleibt einfach super und in meinen Augen tut es ihr auch richtig gut, dass gerade wirklich auch mal ein paar Seiten Ruhe drin waren - was der Spannung absolut keinen Abbruch tut. Es liest sich alles super und die ganzen Details in den Beschreibungen sind einfach klasse - es wird kein Stück langatmig, wie das ja leicht mal die Gefahr ist.

      Top, weiter so :thumbsup:

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Alopex Lagopus schrieb:

      Anyway, sorry, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen ^^'
      Kein Ding nicht! Freuen uns über jeden glücklichen Leser, egal, wie lange er/sie auf sich warten lässt. :P

      Viel "super", ein wenig "gut" und auch etwas "klasse" in deinem Post - Fazit: bin überaus zufrieden! :D Danke für's Lesen und kommentieren und schön zu sehen, dass wir weiterhin unterhalten können. Hoffe, du bleibst dran, ob stumm oder nicht.

      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Chnorzi schrieb:

      Als sie sich ruckartig aufsetzte, rutschte der Reader von ihrer Brust und polterte geräuschvoll zu Boden.
      Sicher, dass ein kleiner Reader (ich denke da an den Kindle) poltert, als wäre eine Standuhr umgestürzt? :D

      Ellie und Whip geben der Geschichte echt eine neue Würze. Die hätte es nicht einmal unbedingt gebraucht, schließlich gab es schon genug Charaktere, aber sie schadet auch keineswegs. Im Gegenteil, wie gesagt. Der alte Lustmolch und sie mit ihrem shades of gay Verschnitt auf dem Reader :D

      Also ja, @Alopex Lagopus Lobeshymne ließe sich nach wie vor beliebig erweitern.
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"