Wechsel zwischen den Perspektiven - ja/nein?

  • Hallo miteinander xD
    Nachdem ich ein solches oder ein ähnliches Thema jetzt noch nirgends entdeckt habe, musste ich dies gleich mal ändern ;D


    Also, wie bereits der Titel verrät, geht es mir um den Wechsel zwischen den Perspektiven innerhalb einer Geschichte, eventuell sogar innerhalb eines Kapitels (?). Ich würde einfach gerne einmal eure Meinung dazu hören.
    Stört es euch, wenn in einer Geschichte/ in einem Buch etc. des Öfteren Sprünge zwischen den Personen, die das Ganze erzählen, gemacht werden oder nicht? Findet ihr, dass dies die Geschichte unterhaltsamer und spannender macht? Gibt es eurer Meinung nach da eine Maximalgrenze, nach der es dann einfach nur noch unübersichtlich wird?
    Sind solche Wechsel schwieriger zu schreiben oder eigentlich sogar einfacher? :hmm:


    Ich selbst bin nämlich noch ein wenig unentschlossen, denn zum einen reißen mich diese Wechsel des Öfteren ein bisschen aus dem Konzept, wenn plötzlich eine eine ganz andere Situation beschrieben wird. Also mit neuem Umfeld, Nebencharaktern etc. Aber da ich jetzt viele Geschichten bereits gelesen habe, in denen dies immer wieder der Fall ist, wollte ich einfach mal eure Meinung dazu hören. Zudem lernt man dadurch ja auch andere Denk - und Sichtweisen über bestimmte Ereignisse etc. kennen, wodurch die Geschichte interessanter wirken kann...


    LG Nyneve


    Glem mig
    Og la' vær' at fiks' et smadret glas
    Min hånd ville stadig mærke revnerne


    Se frem, vi ka' hurtigt ende rundt i ring
    Ærligt, var vi kun bundet sammen af drømmene

    Einmal editiert, zuletzt von Nyneve ()

  • Ich sehe das eigentlich ziemlich locker. Je nachdem was zur Szene passt und sie am besten trägt.
    Immer nur eine sichtweise finde ich eher gesagt sogar etwas langweilig. Muss jetzt aber auch nicht x mal springen, dann wirds unübersichtlich. Ich glaube die antwort ist irgendwo in der Mitte^^



    Sind solche Wechsel schwieriger zu schreiben oder eigentlich sogar einfacher?

    Iich finds einfacher. Gibt die auch mehr Möglichkeiten die Story zu erzählen, bzw betrachten zu lassen.


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • Sprünge zwischen den Personen innerhalb einer Geschichte stören mich nicht, im Gegenteil, durch das Erzählen aus mehreren Perspektiven wird das Geschehen imo viel interessanter, da die Figuren im Normalfall andere Ansichten haben und Dinge unterschiedlich wahrnehmen, außerdem lassen sich so viel komplexere Handlungen aufbauen. Unterhaltsamer und spannender wird eine Geschichte dadurch also auf jeden Fall, sofern alle Handlungsstränge qualitativ dem der Hauptperson (so eine existiert) entsprechen und nicht lieblose Ergänzungen sind, um die Hintergründe irgendwie zu übermitteln. :thumbup:
    Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels dagegen sehe ich kritisch, da der Leser eventuell erst nach einigen Zeilen bemerkt, dass nun eine andere Person erzählt, und deswegen den betroffenen Teil noch einmal lesen muss, um ihn korrekt aufzunehmen, und zudem sehr verwirrt sein könnte. Die Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels sind mir, als ich noch nicht so lange geschrieben habe, versehentlich unterlaufen, als ich unbewusst die Gedanken und Ansichten verschiedener Personen munter vermischt habe :whistling:
    Die Existenz einer Maximalgrenze wird durch ASOIAF recht eindrücklich widerlegt :D Auch wenn da einige Personen ihre Probleme mit haben :hmm:
    Insgesamt bin ich Perspektivwechseln gegenüber jedoch sehr positiv eingestellt, zumindest bei längeren Geschichten, da sie das Geschehen viel interessanter machen können.


    LG
    Arathorn

  • Ich wollte hier grad was schreiben, da merkte ich, dass Arathorn schon genau das geschrieben hat, was ich auch vertrete :rofl:
    Also generell mag ich beides. Geschichten aus der Perspektive eines Protas haben ja meist den und seine Entwicklung im Fokus. Aber der Held kann nicht immer an allen Orten sein und so bieten sich Perspektivwechsel geradezu an, gerade, wenn man eine komplexere Story schreibt, wo die Handlungen an verschiedenen Orten entscheidend für das Gesamtbild sind.
    Kritisch sehe ich genauso wie Arathorn den Perspektivwechsel mittem im fließtext. Wenn eine Leerzeile kommt, okay, aber so mittendrin wirft es mich immer total raus, weil ich mich beim lesen immer in eine person reinversetzte. Perspektivwechsel brechen dann immer und ich fliege unweigerlich aus dem Text raus, weil ich plötzlich nicht mehr verstehe, wieso der Prota, dessen Gefühle ich gerade noch gelesen hab, nun auf einmal von außen mit den Gefühlen von jemand anderen in verbuindung gebracht wird.
    Allerdings habe ich auch Geschichten gelesen, wo das gekonnt gelingt, Jennagon kann das zum Beispiel zur Perfektion. Hab bei ihr nie Probleme mit dem Lesen, auch wenn manchmal plötzlich die Perspektive wechselt :D Ich hab nur noch nicht raus, wie sie das macht ^^

  • Szenewechsel finde ich ebenfalls sehr schön. Was soll ich auch sagen? Meine Geschichten bestehen ja quasi daraus. xD
    Nein, ich finde, es lässt eine Geschichte komplexer wirken, wenn die Sichtweisen verschiedener Personen eingefangen werden. Das heißt natürlich nicht, dass Geschichten mit nur einer Sicht nicht komplex sein können. xD Es muss auch das Gesamtpaket stimmen. Wenn die Szenenwechsel blöd gemacht sind, kann man auch sehr schnell den Überblick verlieren. Zum Beispiel wenn innerhalb eines Kapitels Hundertmal gewechselt wird und keine Szene ein vernünftiges Ende findet. Dann kann man sich in nichts wirklich hineinversetzen und bekommt auch die Figuren nicht zu fassen - man hat ja ständig eine andere, auf die man sich dann konzentrieren muss. Es darf kein Chaos entstehen. Dafür müssen sich meiner Meinung nach auch die Charaktere deutlich voneinander unterscheiden. Man braucht nicht fünf Sichtweisen auf eine einzige Szene, wenn jede Person ungefähr den gleichen Gedanken dazu hegt. Es muss aussagekräftig und klar abzutrennen sein, sonst macht es keinen Sinn und man kann genauso gut aus einer Sicht schreiben. ^^



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Ah, es gibt also schon einen Thread zu dem Thema o:


    Verschiedene Perspektiven in zu nutze, kann einer Geschichte viel geben. Am einfachsten wäre es dafür wohl, jede Szene immer aus der Sicht einer Person zu schreiben.
    Ich muss aber sagen, dass ich gerne auch im Fließtext mal von einer Person in die nächste schlüpfe. Bisher habe ich mir dazu wenig Gedanken gemacht und darum fallen diese Stellen auch negativ auf. Allerdings gibt es auch Beispiele, wo das gut funktioniert.
    Wie schreibt man also einen Perspektivenwechsel im Fließtext, der den Leser nicht rauswirft? :hmm:
    Meine Theorie dazu ist Folgende:
    Wenn man in einer Szene in eine Person schlüpft, begibt man sich auf eine Art untergeordnete Erzählebene. Diese Ebene mit einem Dateiordner in einem Dateiordner vergleichbar. Andere Personen sind demnach eigene, parallele Ebenen, die man nicht einfach wechseln kann. Zuerst muss man dafür in den übergeordneten Dateiordner zurückkehren (also von der personalen Ebene zum auktorialen Erzähler wechseln). Und von dort aus kann man wieder in eine andere Person hinein schlüpfen, ohne den Leser zu sehr rauszuwerfen.


    Aber wenn @Jennagon das gut beherrscht, dann kann sie vielleicht auch helfen.
    Jen, wie schreibt man einen Perspektivenwechsel in einem Fließtext, ohne, dass man den Leser rauswirft?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Allerdings habe ich auch Geschichten gelesen, wo das gekonnt gelingt, Jennagon kann das zum Beispiel zur Perfektion. Hab bei ihr nie Probleme mit dem Lesen, auch wenn manchmal plötzlich die Perspektive wechselt Ich hab nur noch nicht raus, wie sie das macht

    Aber wenn @Jennagon das gut beherrscht, dann kann sie vielleicht auch helfen.
    Jen, wie schreibt man einen Perspektivenwechsel in einem Fließtext, ohne, dass man den Leser rauswirft?


    @Alopex Lagopus Danke erst einmal für dein Lob :blush: Da werd ich ja ganz rot. *Knuddel*
    Aber mir ist ehrlich gar nicht so bewusst, wie ich das mache - ich erzähle einfach.


    Ich unterscheide da immer im Kopf zwischen harten Sprüngen und weichen.
    Sprich: Harter Sprung *Der Sprung an ein anderes Setting und zu einem anderen Geschehen. Da versuche ich eine Gemeinsamkeit zu bekommen, die beide Situationen haben und baue darauf auf, damit wirkt es verbundener und nicht so aus dem Zusammenhang gerissen.
    Weicherer Sprung: Gleiche "Szene" verschiedene Charackter. Das mach ich rein nach Gespür. Wie der Erzähler es sehen würde und wie es den meisten und kürzesten Sinn ergibt. Wie ich die Charackter sehe und was sie sehen, fühlen ... und co.
    Mehr kann ich dazu gar nicht sagen, leider ... :hmm:

    "Habent sua fata libelli."

    ("Bücher haben ihre Schicksale.")

    - Terentianus Maurus

  • Man muss allerdings auch sagen, dass es kein Wechsel der Perspektive in dem Sinne ist, wenn man mit einem auktorialen Erzähler arbeitet, der also Zugang zu allen Gedanken hat, und dann fie Gedanken von zwei verschiedenen Leuten in der selben Szene darstellt. Der auktoriale Erzähler erlaubt das und es ist nicht falsch. Allerdings kann man seine Leser damit verwirren und das ist dann wohl das eigentliche Problem aus meinem vorangehenden Post. Man muss es eindeutig machen, dass man vom einen Charakter weg geht und in einen neuen Kopf schaut. Das war es dann im Prinzip wohl auch.
    Für mich ist das Problem damit im Prinzip geklärt. Muss es nur noch umsetzen.
    Puh, wieder was gelernt und damit ein kleines Bisschen besser geworden. xD

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • @kalkwiese du liest doch Pratchett, wenn ich das richtig im Kopf habe ... nimm "Einfach göttlich" zur Hand und schau da auf den ersten ~50 Seiten, wie die Sprünge in der Perspektive gemacht sind. Ich hab das Buch angefangen, nachdem ich deine Geschichte gelesen hatte, deswegen hab ich ein bisschen genauer darauf geschaut - dort ist es meiner Meinung nach gut gelöst ^^ Wie du es auch beschrieben hast, wird dort ganz langsam über einen allgemeineren Part, der keinem Charakter eindeutig zugeordnet werden kann (meist ein Gespräch, das keine Gedanken, sondern nur Dialogteile enthält) übergeleitet, sodass ein sehr weicher/fließender Eindruck entsteht, der einen als Leser nicht aus dem Text reißt und zum nochmaligen Lesen zwingt. Vielleicht hilft dir das Buch ja als Vorlage ein bisdchen weiter.


    :hi1:


    EDIT @kalkwiese wenn dus nicht hast, schau einfach nach einer Leseprobe im Netz. Entweder 'Blick ins Buch' auf amazon oder eine pdf-Datei sollte sicherlich zu finden sein. Ich nehme mal an, diese grandiose Idee hattest du auch selbst schon :sack:

  • @Arathorn
    Seit ich studiere lese ich schrecklich langsam (hing jetzt ein Jahr lang am gleichen Buch) und mein letzter Roman von Pratchett liegt etwas zurück. Das Buch habe ich leider nicht xD Ich habe gestern mit "Die Farben der Magie" von ihm angefangen und wollte dort auf vergleichbare Szenen achten.
    Aber dass sich meine Vermutung bestätigt, ist schonmal eine große Hilfe :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Jetzt muss ich mir doch mal diesen Thread zunutze machen und hoffe, dass mir irgendjemand helfen kann :)
    Als ich anfing zu schreiben, habe ich mir überhaupt keinen Kopf über die Erzählperspektive gemacht. Alles was ich wusste war: Es ist nicht die Ich-Perspektive!


    Ich habe dann also (aus heutiger Sicht weiß ich das) die personale Erzählweise gewählt, wobei ich ohne Sinn und Verstand innerhalb der Kapitel die Perspektive zwischen den Protas habe wechseln lassen. Damals fand ich das nicht weiter schlimm, inzwischen stört es mich, weshalb ich auch alles noch einmal komplett überarbeite. Ich versuche nun darauf zu achten, die Perspektive zumindest kapitelweise einzuhalten.


    Jetzt habe ich folgendes Problem: Ich habe ein Kapitel, in dem es mir echt Probleme bereitet, mich für eine Perspektive zu entscheiden. Das Problem ist, dass die Person, aus deren Sicht ich gerne schreiben möchte, erst später in der Szene hinzukommt. Hier müsste insofern ein Wechsel stattfinden. Und das mittendrin....denn vorher müsste ich ja jemand anders auswählen, der erzählt. (Frage: Muss ich das? Oder könnte ich vielleicht komplett darauf verzichten, die Perspektive von jemandem einzunehmen?)


    Ansonsten ergibt sich für mich quasi ein grundsätzlches Problem für mein Vorhaben: Wenn ich das wie geplant durchziehen wollte, dürfte es in Zukunft rein theoretisch keine Szenen mehr geben, in denen der Erzählende früher geht oder später kommt, ...weil dann Wechsel! Oder anderes Beispiel: Mein erzählender Prota bekommt ein paar auf den Kopf und ist quasi außer Gefecht gesetzt, aber dennoch geht die Szene weiter...auch in diesem Fall hätte ich ja einen Wechsel...


    Vielleicht mache ich mir auch einen zu großen Kopf darum und das ist alles halb so schlimm. Ich habe keinen Bock, das Kapitel komplett umzuschreiben...


    Jemand eine Idee? Oder wie handhabt ihr das so?


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • @Rainbow was das ausknocken angeht, kann man eine Szene auch einen anderen Charakter das ganze im Nachhinein der ausgeknockten Person erzählen lassen. Eine andere Lösung ist, in die Sicht einer dritten Person zu schlüpfen, die dann meinetwegen auch nur einmal kurz vorkommt. Das mache ich ganz gerne bei Schlachten, um auch wirklich den Kampf als ganzes darstellen zu können. Ansonsten stimme ich Windweber zu: Absatz, Sichtwechsel und fertig.
    Eine letzte Methode wäre noch, in eine auktoriale Erzählweise zu wechseln, aber das passt nicht unbedingt immer. Auch wenn man durch Übergänge ala "was x jedoch nicht wusste..." relativ gut dazwischen wechseln kann (klingt nur meist abgedroschen).

    "Vem har trampat mina svampar ner?!"

  • Ich denke, ich würde es so machen wie @Windweber empfohlen hat. Das klingt jedenfalls nach einer effizienten Arbeitsstrategie.


    Spricht etwas dagegen, den Erzählcharakter mitten ins Geschehen treten zu lassen und als erste einmal unbeteiligter / sich zurückhaltender Beobachter sich selbst erschließen zu lassen, was bisher geschehe sein musste? Er / sie könnte auch jemanden / alle nach Details fragen. Das würde es dir erlauben, die vorher beteiligten Charaktere aus Sicht des Erzählers zu charakterisieren, denn er / sie würde sich bei der Rekonstruktion natürlich auf ihr Wissen / ihre Einschätzungen der beteiligten Charaktere verlassen. Also wenn jemand als fies und hinterhältig wahrgenommen wird, dann wird der Erzähler die Situation als Resultat eben diesen Verhaltens interpretieren. Damit hast du auch die Möglichkeit, einen Charakter bewusst für die Leser "falsch" darzustellen. Manchmal kann das ja von Vorteil sein.


    Etwas allgemeiner: Ich finde Perspektivwechsel eigentlich eine tolle und spannende Sache, weil man eine Situation / Szene eben aus verschiedenen Blickwinkeln mit verschiedenen Beurteilungen / Wahrnehmungen erzählen kann.


    Ziemlich cool finde ich "Staffellauf" (hab ich mal so genannt, wird wohl kein bestehender Ausdruck dafür sein). Ein Charakter beginnt (die erste Runde), übergibt dann an den zweiten (zweite Runde) etc. Dabei sollten sich die Charaktere natürlich schon auch treffen, um den "Erzählstab" weiterzugeben. Ich hab diese Technik bewusst das erste Mal bei Joe Abercrombie (The Heroes) gelesen und fand es richtig cool. Der "Erzählstab" wird dabei in einer Schlacht auch zwischen den Seiten übergeben und die Erzählcharaktere tauchen als Erzählcharaktere teilweise nur dort auf und sterben (manchmal wegen des nächsten Staffelläufers). Die Folge dieser Erzähltechnik ist mMn eine schnelles Tempo mit vielen verschiedenen Eindrücken (wenn man es entsprechend beschreib). Genau passend für eine Schlacht.


    Eine weitere Idee kam mir gerade, während ich den oberen Absatz geschrieben habe. Die würde ich mal "Ping-Pong" nennen. Die Idee ist wahrscheinlich schon klar: ein Charakter beginnt damit, seine Sicht zu erzählen. Bei einem wichtigen Satz (oder auch nicht) spielt er den "Erzählball" an sein Gegenüber und der erzählt solange weiter, bis er den Ball wieder zurückspielt... Ob das funktioniert, weiß ich nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das unter Umständen auch gut funktionieren kann, um aus zwei Beobachterperspektiven ein eher langsameres Geschehen wie einen Turniertag, eine Hochzeit oä. zu erzählen. Den Kontakt zwischen den Erzählern könnten dabei ganz verschiedene Dinge sein, wie etwa Blicke, die sich treffen. Man könnte auch einen Fanfarenspieler als erzählenden Beobachter verwenden, der solange erzählt, bis er wieder ein Signal geben muss. Die Perspektive wechselt dann zu einem, der - warum auch immer - zu dem Trompetenspieler geblickt hat.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • @Asni's "Ping-Pong" erinnert mich stark an ein Bilderbuch, das ich als Kind mega toll fand! Es hieß glaub ich "Wolfi und die 7 Geislein" (oder so) und die Sicht (aus der ersten Person erzählt) wechselte auf jeder neuen Seite zwischen dem jüngsten Geislein und dem Wolf hin und her und so haben die beiden je ihre Version der Geschichte erzählt :D


    Ich finde solche Erzähltaktiken extrem interessant, aber man muss dabei auch aufpassen, dass es nicht zu unübersichtlich wird. Bei dem Bilderbuch zum Beispiel wusste man, dass das Zicklein auf der linken und der Wolf auf der rechten Seite erzählt, bei einem Roman braucht man andere schnell erkennbare Regelmäßigkeiten (wie zum Beispiel jedes neue Kapitel aus der Sicht eines anderen Charakters erzählen), damit der Leser nicht zu stark verwirrt wird.



    "Seit Urzeiten ist Fantasy das beliebteste aller Genre. Fantasy-Autoren der zweiten großen Welle wie Johannes, Lukas, Markus und Mel Gibson haben zum Beispiel selbst heute noch fanatische Fans, die ganze Passagen auswendig kennen und sich regelmäßig in mittelalterlichen Gebäuden zu Conventions treffen, bei denen sie sich gegenseitig ihre Lieblingsstellen vorlesen und absurde Rituale aus den Büchern nachspielen. Totale Nerds.
    (Anmerkung des Kängurus)"

  • aber man muss dabei auch aufpassen, dass es nicht zu unübersichtlich wird

    Ja, da stimme ich zu. Ich hoffe aber, dass man, wenn man sich für verschiedene personale Erzählperspektiven entscheidet, sich auch Gedanken darüber macht, was die einzelnen Erzähler jeweils ausmacht. Um mal ein schnelles Beispiel zu konstruieren: Nehmen wir an, Erzähler A ist ein erfahrener Söldner, der schon in gefühlt tausenden Scharmützeln und Schlachten aller Art gekämpft hat. Er nimmt z.B. die Landschaft um sich herum ganz anders war als Erzähler B, der Gelehrter ist und vor allem eines hat: einen unfassbaren Schatz an Detailwissen über Planzen, Tiere und Geologie (nur Beispiel), den er sich über Jahre des zurückgezogenen Klosterlebens angelesen hat. Wenn diese beiden Erzähler an einer Reise beteiligt sind und sich der Weg z.B. durch ein bewaldetes oder von Büschen übersätes Tal schlängelt, dann müssen beide das jeweils entsprechend ihrer Eigenschaften auch darstellen. Wenn man das gut einhält, dann denke ich nicht, dass es zu so großer Verwirrung bei den Lesern kommt.
    Natürlich spricht nichts dagegen, immer ein Kapitel einem Erzähler zuzuordnen und vielleicht auch die Anzahl der Erzähler überschaubar zu halten. Sonst vermartint.... äh... verzettelt man sich noch ;-)


    Im Moment sehe ich einen großen Vorteil dieser Erzähltechnik(en) darin, dass ich selbst gezwungen werde, mehr und genauer über die Charaktere nachzudenken. Das verhindert (hoffentlich) ein Stück weit, dass sehr platte Charaktere entstehen, die z.B. durch junger, elternloser Auserwählter der Prophezeihung, die am Ende den Drachen töten und die Prinzessin heiraten vollständig beschrieben sind.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hallo Forum,


    Ich denke das ist auch ein interesanntes diskussions Thema.


    Ich habe in meinem Roman jetzt den ersten Plottpunkt vor mir. Also das wo der Anfang endet und der Held zb. Bei der Heldenreiße aufbricht und sein Abenteuer besteht.


    Das Problem ist jetzt, dass eine Ereignis zwei Protagonisten beeinflusst.


    Hier mal die Planung:


    Alessandro befindet sich in Italien. Er wird in einen Verlag gelocklt und trifft dort auf Henry( Antoganist)- Henry zeigt ihm per Liveübertragung seine Tochter Aleena in einem Sarg. Also er sieht nur Aleena in dem Sarg mit einer Nachtsichtkamera. Er hat keine Ahnung wie der Sarg von Außen aussieht.


    Adam hockt gleichzeitig bei der Beerdigung seines Pflegevaters in Frankreich. Henry behaubtet, dass Aleena in dem Sarg des Pflegevaters steckt. Daraufhin ruft Alessandro den Vampirkönig von Frankreich an. Neben dem König steht Adam und hört das Gespräch mit an. ( Natürlich nur, dass was der König sagt). Alessandro telefoniert mit dem König.


    Da ich sowohl aus Adams Sicht als auch aus Alessandros schreibe, muss ich dieses Telefonat quasi zwei mal schreiben. Würde euch das Als Leser aufregen?


    Ich muss dazu sagen, dass Zwischen Adams und Alessandros Sicht noch einmal Jasper mit Kapitel kommt. Also mann würde nicht hintereinander beide Sichten lesen.


    Wie seht ihr das`? Habt ihr so etwas schon mal gelesen?

  • Tatsächlich finde ich das ein interessantes Thema. Und ein sehr gutes Stilmittel, um Plottwists oder neue Information vor den Leser zu bringen.


    Ich fänds blöd, dieselbe Szene zweimal lesen zu müssen, wenn mir zweimal dasselbe beschrieben wird und nichts neues in die Geschichte bringt. Es wäre eine Verschwendung von Zeit und Energie für Leser und Autor.


    ABER: Wenn dieselbe Szene ein zweites Mal aufkommt, und etwas völlig neues reinbringt, oder dem Leser eine ganz neue Perspektive auf das Bisherige gibt, dann ist es ziemlich cool imho. Wie in Detektiv- und Mystery-Geschichten, wo bei der Auflösung am Ende alles erklärt wird, was wir eigentlich schon wissen, aber es nicht im richtigen Licht oder aus der richtigen Perspektive betrachtet haben.


    Um dein Beispiel zu nutzen @Mephistoria: Wenn du das Gespräch geschickt aufbaust, kann viel Spannung in so etwas liegen. Also wir hören das Gespräch erst aus Alessandros Perspektive, und er erhält da eine Information, die uns noch fehlt, was die nächsten Szenen spannender/interessanter gestalten kann. Und dann später dasselbe nochmal aus Sicht des Königs, was uns dann das letzte Puzzleteil liefert, um alles zu verstehen.


    Das ist nicht einfach, aber es kann eine Geschichte oder Szene um einiges interessanter gestalten :)


    "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve


  • Ich denke, man muss die beiden Szenen auch nicht in voller Länge zweimal erzählen sondern man könnte stattdessen eine kleinere Überschneidung einbauen.


    Wenn beispielsweise Adam etwas zur Lösung von Alessandros Problem beitragen kann und er später das laufende Gespräch unterbricht, um das dem König zu sagen oder selbst mit Alessandro zu reden, könnte Alessandros Szene als kleiner Cliffhanger mit dieser Unterbrechung aufhören.
    Adams Szene fängt dann damit an, wie er aus den Gesprächsfetzen zusammenstückelt, worum es im Gespräch geht, was dann zu seinem Einschreiten führt.


    Natürlich weiß ich nicht, ob Adam da überhaupt eine aktive Rolle spielt oder nur ein passiver Zuhörer ist.
    Aber auch als Zuhörer könnte man die Szenen evtl fließend ineinander übergehen lassen, indem Adam sich später mit dem König über das Telefonat unterhält und seine Szene kurz vor dem Auflegen beginnt? Wenn in diesem Gespräch auch andere Entwicklungen geschehen, z.B. ein Ausbau der Beziehung zwischen König und Adam, wäre es für den Leser auch nicht unbedingt ermüdend.


    Ich weiß nicht, ob ich damit dem Problem nicht eher aus dem Weg gehe statt es zu lösen, aber so würde ich da rangehen ^^


    Liebe Grüße,
    Carpe