Moonstone

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    • @Zarkaras Jade Du hast Recht, das mit den Verletzungen war irgendwie überfüssig. Habe es jetzt noch einmal ungeschrieben. =D
      Das mit geschlechtsneutral bis zur Vorstellung ist ebenfalls ein guter Punkt, ist mir gar nicht aufgefallen =D Und "hob" ist vermutlich wirklich Dialekt, mir ist bisher ebenfalls nicht aufgefallen, dass ich das benutze ='D Ich bin zur Zeit entwas versunken in Arbeit und bin schon froh, wenn ich die Zeit zum Schreiben/ Verbessern finde =D Ich abe angefangen mich durchs Forum zu lesen, aber mir fehlt momentan einfach die Zeit =( Aber sobald ich diese habe, werde ich definitiv mal was von dir lesen. Was würdest du denn als Erstes empfehlen? ;D
      “Right, well, we've got to work out what we need. We've got to work out what we need, how we get it, and what we need to get to get what we need.”
      Derek Landy, Skullduggery Pleasant
    • Nach Kommentaren bearbeitet ;D
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      KAPITEL 4 - TEIL 2 von 3

      Als May zurückkam, fand sie ihren Lagerplatz verwüstet vor. Ihre Sachen waren überall verstreut und das Meiste zerstört. Vieles lag verbrannt im oder um das Feuer. Chris war nirgends zu sehen. Beunruhigt ging sie näher heran. In der Nähe ihrer Schlafplätze war der Boden aufgewühlt und voller Blut. May blickte mit vor Schreck geweiteten Augen auf die scharlachroten Flecken auf dem Erdboden. Was sollte sie jetzt tun? Sie war aufgeschmissen ohne Chris!
      In diesem Moment hörte sie den krächzenden Schrei einer Eule und Zankou landete in ihrer Nähe auf einem Ast. Überrascht sah sie die weiße Eule an. „Hey, Zankou, was machst du denn hier?“
      War die Eule ihr etwa gefolgt? Zankou schloss langsam die Augen und May tat instinktiv dasselbe. In ihrem Kopf zeichnete sich ein Bild ab. Erschrocken öffnete sie die Augen wieder. Zankou warf ihr einen, wie sie meinte, tadelnden Blick zu, und May schloss die Augen wieder. Jedes Mal, wenn sie dachte, diese Welt könne sie nicht mehr überraschen, traf sie auf ein neues Wunder.
      Als das Bild langsam schärfer wurde, konnte sie eine größere Gruppe düster aussehender Männer erkennen, die wohl Banditen oder etwas Ähnliches waren. Inmitten dieser Männer lag Chris gefesselt auf einem schäbigen Holzkarren. Als das Bild zu verschwimmen begann, öffnete May die Augen und sah in Zankous kluge, schwarze Knopfaugen. Er stieß einen heiseren Schrei aus und flog auf einen anderen Ast.
      „Kannst du mich zu Chris führen, Zankou?“
      Die Eule schrie und flatterte noch einen Ast weiter. Zankou wartete geduldig in Sichtweite von May, bis sie aufgeholt hatte, dann flog er erneut zum nächsten Ast.

      Im Laufe der Stunden änderte sich die Umgebung. Der Wald wurde immer dichter. Die Eule führte sie über Stock und Stein. May erschöpfte schnell und musste regelmäßig Pausen einlegen.
      Als es schon wieder Abend wurde, kam Zankou auf sie zugeflogen und schloss die Augen. Das Bild, das May diesmal sah, zeigte sie und Zankou, wie sie jetzt gerade standen. Dann schwenkte das Bild einige Hundert Meter weiter zu dem Lager der Banditen. Überall auf der Lichtung waren kleinere Lagerfeuer entfacht worden, und in der Mitte war ein Feuer, über dem ein sehr großer Kochtopf hing. Sie haben ihn doch nicht...?! May verscheuchte den Gedanken. Wieso sollten sie Chris denn essen? Es gab genug Wild im Wald. Aber Andererseits... Wieso hatten sie Chris gefangen genommen? Das ergab doch gar keinen Nutzen für sie. Ahhhhh...! May schüttelte den Kopf. Nein, sie haben ihn bestimmt nicht gekocht. Sie zwickte sich in den Arm, um diese albernen Gedanken zu vertreiben. Fing sie an, verrückt zu werden?
      Sie konzentrierte sich wieder auf das Bild, das Zankou ihr zeigte. Am gegenüberliegenden Ende der Lichtung, auf der sich das Lager befand, konnte May einen in die Erde gesteckten Pfahl erkennen, an dem jemand angebunden war. Langsam verblasste das Bild wieder.
      May dachte kurz nach. „Wir müssen jetzt auf jeden Fall sehr leise sein, damit sie uns nicht hören.“ May traute ihren Augen nicht, aber Zankou nickte. Sie blinzelte, dann schüttelte sie den Kopf. Zankou war schon weitergeflogen und May bemühte sich, ihm nachzulaufen. Als sie am Rand der Lichtung angekommen waren, schloss die Eule wieder die Augen und zeigte May eine weitere Szene. Sie und Zankou umrundeten die Lichtung, und die Perspektive wechselte, sodass May nun Zankous weiße Federn von dem Lager aus erkennen konnte. May nickte.
      „Ich verstehe... Das heißt, ich muss jetzt allein weiter, oder? Danke für deine Hilfe, Zankou.“
      Lautlos flog die Eule davon.
      May atmete einmal tief durch und sah sich gut auf der Lichtung um. Die meisten Banditen hockten vor dem großen Feuer, nur wenige saßen in Gruppen verteilt an den Kleineren, jedoch schienen alle gut mit Wein und Essen versorgt zu sein. Wie es aussah, feierten sie etwas. Aber das war gut für May, denn so waren sie vielleicht abgelenkt oder zu betrunken, um May in die Quere zu kommen.
      Vorsichtig und sehr langsam machte sie sich daran, die Lichtung zu umrunden, um zu Chris zu gelangen. Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit bei ihm angekommen war, übersah sie noch einmal ihre Situation. Chris war vor ihr an diesen Holzpfahl gefesselt, soviel wusste sie ja schon. Dummerweise war es inzwischen so dunkel, dass sie nichts Genaueres erkennen konnte. Einige Meter entfernt saßen drei Männer im Schein eines kleineren Feuers, doch das Licht reichte gerade bis zu Chris, alles dahinter lag im Schatten. Sie seufzte leise und näherte sich langsam der gefesselten Gestalt. Chris war mit einem dicken Seil an dem Pfahl festgebunden und seine Hände waren zwischen seinem Rücken und dem Holz gefesselt und eingeklemmt. Sie dachte nach. Es schien ihr nicht sehr ratsam, ihn sofort zu befreien, da die Wachen immer wieder sorgsam zu ihm hinüberblickten. Wenn sie Chris jetzt losschneiden würde, würden sie das sofort bemerken. Vielleicht hatte May bei der nächsten Wachablösung Glück. So beschloss sie zu warten. Und sie wartete lange, sehr lange. Doch am Ende wurde ihre Geduld belohnt. Einer der drei Wachen rappelte sich auf und lief zu dem großen Feuer in der Mitte. Er besprach etwas mit einem der Männer dort, und kurz darauf kamen zwei andere Männer als Ablösung. May atmete durch. Sie hatte Glück gehabt. Die beiden Neuankömmlinge hatten schon ziemlich viel getrunken und es dauerte nicht lange, bis sie abseits von der ganzen Aufregung kaum noch die Augen aufhalten konnten. May richtete sich auf und versuchte, Chris auf sie aufmerksam zu machen, doch er war bewusstlos oder schlief. Wenn sie ihn jetzt losschnitt, würde er nach vorne kippen und das würde bestimmt nicht unbemerkt bleiben, egal wie betrunken die Banditen waren.
      Sie versuchte ihn aufzuwecken, erst durch Berührung, dann mit Rütteln, letztendlich versetzte sie ihm einen dumpfen Schlag.
      Ein leises Stöhnen erklang.
      „...Uhm … was … ?“
      May stockte. Er spricht? Was zum Teufel … Verärgert schüttelte sie den Kopf. Das war im Moment nicht wichtig. Sie mussten hier schnellstens weg.
      Dieses Mal war May richtig froh über die Dunkelheit, die sie vor unerwünschten Blicken schützte. Sie stupste Chris am Arm an, dann begann sie die Seile zu durchtrennen. Als sie es endlich geschafft hatte, kippte Chris leicht nach vorn, doch er hatte sich rechtzeitig wieder im Griff und stellte sich so an den Baum, als wäre er noch gefesselt. Er räusperte sich, dann flüsterte er ihr etwas zu. „Halte dich immer in Richtung Mond!“
      May nickte, dann fiel ihr ein, dass er sie ja nicht sehen konnte. „Ja.“
      So begann ihre Flucht.

      Nachdem May eine Zeit lang so leise wie möglich geradeaus geschlichen war, schaute sie sich nach Chris um. Obwohl sie in der Dunkelheit nur seine Umrisse erkennen konnte, sah sie, dass er mehr stolperte als lief. Er wankte von Baum zu Baum, und immer wieder geriet er in Gefahr zu fallen. May blieb stehen. Er sah auf.
      „Lauf weiter!“ May ignorierte seinen Protest. Sie lief zu ihm und schlang ihren Arm um seine Hüften. Er sackte ein Stück zusammen. May stöhnte leise.
      „Komm schon, reiß dich zusammen! Ich kann dich nicht tragen!“
      Er schaffte es, sich etwas aufzurichten. May hoffte inständig, dass ihre Flucht noch eine Weile unbemerkt blieb.
      Plötzlich tauchte Zankou wieder vor ihnen auf und übermittelte May ein Bild. Sie sah das Lager der Banditen, wo ein schreckliches Chaos herrschte. Alle liefen und schrien durcheinander und inmitten des ganzen Szenarios flog eine schwarze Eule, die immer wieder aus der Luft in den Banditenpulk hinabstieß. May atmete etwas auf. „Amalie lenkt sie ab, das ist gut. Zankou, kannst du mir den Weg zu einem sicheren Ort zeigen?“
      Zankou flatterte leise zum nächsten Baum und schien sie aufforderndanzublicken. So schnell es mit Chris im Arm ging, lief May der weißen Eule hinterher. Plötzlich sackte Chris weg. Er hatte das Bewusstsein verloren. May konnte ihn nicht mehr halten und fiel mit ihm zu Boden. Sie stand mühsam auf und versuchte ihn weiterzuziehen, doch er war zu schwer, und blieb immer wieder am Ästen und Zweigen hängen.
      „Zankou! Was soll ich nur tun? Ich kann ihn nicht ziehen...“ Die Eule schrie erneut auf und flog davon. May sank erschöpft zu Boden nieder und Hoffnungslosigkeit stürzte über ihr zusammen. Sie war in einer fremden Welt, und versuchte diesen fremden Mann, welcher ihr das Leben gerettet hatte, vor einer Gruppe Plünderer zu befreien. Doch sie konnte nichts tun. Sie hatte nicht die Kraft, um Chris außer Reichweite der Banditen zu bringen. Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, als sie in der Nähe das Geräusch sich nähernder Hufe hörte und aufschreckte. Doch statt Banditen flog erneut Zankou auf sie zu, und er war nicht alleine, sondern in Begleitung eines großen weißen Schimmels. May sah die Tränen wegblinzelnd furchtbar dankbar zu dem Pferd auf. Davon abgesehen, dass es kein Pferd war.
      Es war ein Einhorn.
      Für einen Moment starrte May das blütenweiße Wesen an, als hätte sie keinen bewusstlosen Verletzten bei sich, doch dann riss sie sich zusammen. Mit leichtem Bedauern, dieses wundervolle Wesen als Reittier zu missbrauchen hievte sie Chris auf den Rücken des Tieres, das extra in die Knie gegangen war, um sie beide aufsteigen zu lassen. Dann stieg sie ebenfalls auf und das Einhorn fing an zu laufen. May kam alles vor wie in einem Traum. Sie saß nicht sonderlich bequem und musste gleichzeitig noch Chris oben halten, dennoch genoss sie jede Sekunde auf dem Rücken des Einhorns. Es war magisch. Das Einhorn bewegte sich fast lautlos, bis auf das leise Geräusch, das die schneeweißen Hufe auf dem harten Waldboden verursachten. Außerdem wurde May nicht ein einziges Mal von einem Ast berührt, obwohl das Tier nicht gerade viel Platz zum Laufen hatte. Es war, als würden die Pflanzen vor ihnen zurückweichen.
      So ritten sie weiter, bis der Morgen graute, dann hielten sie an einem kleinen Bach an. Vorsichtig zog May Chris von dem Einhorn. Sie zog ihre Leinenjacke aus und legte sie ihm unter den Nacken. Er war immer noch bewusstlos.
      Plötzlich kam Zankou zu ihr geflogen. Er hatte verschiedene Kräuter im Schnabel und zeigte May in einer weiteren Vision, wie sie sie anwenden musste. Als sie die Augen wieder öffnete, lagen die Kräuter vor ihr. Sowohl Zankou als auch das Einhorn waren verschwunden. Sie sah sich um, doch beide waren wie vom Erdboden verschluckt.
      Leise rief sie in die Nacht. „Danke, meine Freunde. Ich danke euch...“
      Dann beugte sie sich vorsichtig über Chris und strich ihm die Haare zur Seite, um in sein Gesicht sehen zu können.
      Ein Schauer durchlief sie. Irgendwie hatte sie es die ganze Zeit über geahnt, nein, gewusst. Doch jetzt, als sie es vor sich sah, lähmte die Erkenntnis ihre Glieder. Mit grimmiger Miene wusch sie seine oberflächlichen Wunden aus und entfernte mit einem nassen Stück Stoff das Blut von seinem Oberkörper und Gesicht. Sie fand nichts, dass seine Bewusstlosigkeit erklären würde. Vielleicht hatten die Banditen ihm irgendetwas gegeben, oder ihn unter Drogen gesetzt. Sie folgte Zankous Anweisungen und zerstieß mithilfe eines Steins einen Teil der Kräuter zu einem dicken Brei, den sie auf die Wunden gab. Eine andere Pflanze, die aus ihren abgebrochenen Teilen einen klaren Saft absonderte, sollte sie Chris in den Mund legen. Als sie fertig war, blickte sie nachdenklich auf die bewusstlose Gestalt nieder, bis erneut Zankous Krächzen ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. In seinem Krallen hielt er zwei tote Fische, die er nun vor ihr ablegte, und deren Zubereitung er ihr in einer kurzen Vision zeigte. Dankbar, wenn auch etwas angewidert, blickte sie zu ihm auf, dann ging sie mit einem letzten besorgten Blick Feuerholz suchen. Zum Glück hatte Chris ihr auf ihren Reisen gezeigt, wie man ohne Streichhölzer oder Ähnliches ein Feuer machen konnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis es ihr endlich unter einem freudigen Aufschrei gelang, ein kleines Feuer zu entfachen. Sie nahm die Fische nach Zankous Anweisungen und mithilfe eines scharfkantigen Steins aus, und warf die Überreste in den Bach. Dann setzte sie sich mit dem Rücken zu Chris an das kleine Feuer. Sie konnte es nicht ertragen ihn weiter anzustarren und sich nach dem Warum zu fragen.
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      Derek Landy, Skullduggery Pleasant

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von EllieBlue ()

    • Da war also Chris entführt worden. Sehr seltsam, da er ja anfangs so überzeugt klang, sie beschützen zu können und zu wollen. Ich frage mich, warum er entführt wurde und May nicht? Du hast erwähnt, dass May wieder zurück wollte, bevor etwas passieren könnte. Aber dass es dann doch passiert, ist fast schon wieder zu offensichtlich. Immerhin waren sie schon mehrere Tage lang unterwegs und nie gab es ein Anzeichen für ernsthafte Gefahr. Vielleicht wurde May auch belauscht, wie sie baden war? :hmm:
      Das wäre doch ein Gedanke wert, ihn einzubauen. Ich meine, ich würde mich schon etwas mehr umschauen, wenn mir soetwas passieren würde. Sie wirkte etwas zu gelassen in meinen Augen. Sie ist eine Frau (vermutlich hübsch und jung...) Da sollte sie sich schon im Nachhinein etwas beobachtet fühlen und sich Gedanken machen, ob man sie schon länger beäugte. Der Gedanke, bespannt zu werden, ist nicht gerade nett.
      Dann kam die Eule dazu. Man bedenke, dass Moon ihr Zankou vorgestellt hatte. Also musste Zankou sich schnell an May gewöhnt haben. Das wirft die Frage auf, warum die Eule May gefunden hat. Denn das würde irgendwie bedeuten, dass Chris etwas mit dem Lager zu tun haben muss. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum Zankou May folgen sollte.
      Als sie dann von Zankou zum Banditenlager geführt wurde und die Eule dann einfach abhaut, dachte ich so: "Warum haut die Eule nun ab? Gerade jetzt braucht May jemanden an ihrer Seite, der ihr Kraft gibt."

      (keine Ahnung, warum der mir immer 2 Spoiler reinknallt.)
      Spoiler anzeigen

      EllieBlue schrieb:

      Etwa nach einer halben Tagesreise änderte sich die Umgebung. Der Wald wurde dichter und May musste oft klettern, um der Eule folgen zu können. Schon nach wenigen Minuten war sie völlig erschöpft.
      Sie läuft einen halben Tag lang durch den Wald, muss aber alle paar Minuten verschnaufen. Das beutet also, dass sie an sich nicht sehr schnell voran kommt. Also ist sie zwar einen halben Tag lang unterwegs, hat aber keine halbe Tagesreise geschafft.
      Ich würde das anders schreiben: "Im Laufe der Stunden änderte sich die Umgebung. Der Wald wurde immer dichter. Die Eule führte sie über Stock und Stein. May erschöpfte schnell und musste regelmäßig Pausen einlegen."
      Oder irgendwie so...

      EllieBlue schrieb:

      Lautlos flog die Eule davon.
      Das ist mir aufgefallen bei den anderen Parts, als du von den Eulen geschrieben hast. Eulen fliegen immer lautlos! Das ist das Besondere an diesen Tieren. Sie sind mit die einzigen Vögel, die nahezu lautlos fliegen können.
      Hier hast du das richtig gemacht. Aber etwas eher, wo May und Moon im Wald beim Tauren waren, hast du das nicht geschrieben. An sich ist es ja egal. Aber das ist "Insiderwissen" oder "Klugscheißerei". ^^

      EllieBlue schrieb:

      „... Was ... ? Ugh ... “
      Das klingt etwas...unbeholfen. Ich würde diese Zeile komplett rausnehmen und ihn einfach nichts sagen lassen. Ein Kopfnicken reicht vollkommen aus in meinen Augen.

      EllieBlue schrieb:

      May stockte. Er spricht??(ein ? reicht) Was zum Teufel… (dieses 3-Punkt-Gedöns habe ich nur auf dem Smartphone zur Verfügung. Aber nutze es trotzdem nicht. Das sieht nicht schön aus. Mache lieber 3 einzelne Punkte...)


      EllieBlue schrieb:

      Er räusperte sich, dann flüsterte er ihr etwas zu.
      „Halte dich immer in Richtung Mond!“ (Den Absatz bitte rausmachen/ Es gehört beides zu ihm) :)

      EllieBlue schrieb:

      Amalie lenkt sie ab, das ist gut. Zankou, kannst du mir den Weg zu einem sicheren Ort zeigen?“
      Zwei Eulen. Ich war kurz verwirrt, als der Name Amalie fiel. Hab's nochmal nachgelesen. Du hast sie beide bereits erwähnt. Bitte entschuldigen Sie sich dafür, @Zarkaras Jade. "Ich entschuldige mich dafür!"

      EllieBlue schrieb:

      Doch statt Banditen flog erneut Zankou auf sie zu, und er war nicht alleine, sondern in Begleitung eines großen weißen Schimmels.
      Das scheint eine äußerst interessante Eule zu sein. Sie kommt und geht, deutet Träume und Gedanken und bringt Hilfe. Ich hoffe, du wirst später noch mehr zu Zankou schreiben. Solche Dinge finde ich schön, wenn man stille Helfer hat. :)

      EllieBlue schrieb:

      Sie folgte Zankous Anweisungen und zerstieß einen Teil der Kräuter zu einem dicken Brei, den sie auf die Wunden gab.
      Womit zerstieß sie die Kräuter? Mit einem Stein oder einem Ast? Das hättest du noch dazuschreiben können, weil es sonst so selbstverständlich klingt, als hätte sie zufälligerweise das richtige Wertkzeugg parat.

      EllieBlue schrieb:

      Aber sobald ich diese habe, werde ich definitiv mal was von dir lesen. Was würdest du denn als Erstes empfehlen? ;D
      Helios III (Arbeitstitel) natürlich. :) Vielleicht gefällt es dir ja.
      Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

      -Albert Einstein-
      ___________________
      Helios III (Arbeitstitel)
    • So, hab auch aufgeholt und ja, es geht immer noch alles recht zackig, aber bei Weitem nicht mehr so, wie am Anfang. Die Umschreibungen reichen nun vollkommen aus, eigentlich, sind eben noch immer etwas rar, aber das kann man nun getrost unter Geschmackssache ablegen. Daher absolut okay.
      Also, ja ... die folgenden Kapitel sind daher viel flüssiger zu lesen und auch das Kopfkino rattert durch.

      Zu den anderen Kapitel sag ich aber nichts mehr, da dort schon andere augegriffen haben und widerholen muss man sich nicht.
      May hat also einen Kerl namens Chris getroffen, gut für sie, denn alleine in der fremden Welt wäre vermutlich sehr schwierig zu bewältigen. Auch die Eule ist eine interessante Sache, aber da hat sich meiner Meinung eine Logiklücke aufgetan.


      EllieBlue schrieb:

      In seinem Schnabel hielt er einige tote Fische, die er nun vor ihr ablegte, und deren Zubereitung er ihr in einer kurzen Vision zeigte. Dankbar, wenn auch etwas angewidert, blickte sie zu ihm auf, dann ging sie mit einem letzten besorgten Blick Feuerholz suchen.
      Davon abgesehen, dass ich mich frage, woher die Eule all das medizinische Wissen hat, welches sie May vermittelt, wundert es mich doch, dass sie auch noch Fische bringt. Denn bei einem Blick auf eine Eule, haben die recht kleine Schnäbel. (Männchen sind meist viel kleiner als Weibchen) Diese Tiere jagen und ernähren sich von Mäusen und anderem Kleingetier, dass solch ein Wesen z.B. "Forellen" im Schnabel tragen kann, halte ich für ausgeschlossen. Geschweige, dass sie diese einfach fischen könnten. Der Schnabel von ihnen ist so winzig, dass das Tier im Verhältnis dazu vermutlich 2m groß sein müsste. ;)

      Auch fand ich etwas ... traurig - ist nicht das richtige Wort, schade vielleicht?! :hmm: Ja, schade, dass May alles gleich gelingt. Die Befreiung, die Flucht, ein Einhorn kommt zu Hilfe, das Versorgen der Wunde, das Feuermachen. Es wird geschildert, dass sie das meiste eigentlich zum ersten Mal macht (reiten?!) und nur vom Zeigen her beherrscht sie alles. Zumindest beim Feuermachen hätte ich mir etwas mehr fluchen oder versagen gewünscht. So ist mir das zu rund. Zu perfekt eben - Charakter dürfen ja auch mal an was scheitern.

      EDIT: Mit den Krallen wäre es einer Eule vielleicht möglich 1-2 Fische zu tragen, :hmm: aber da Eulen jetzt bekanntermaßen keiner Fischer sind, sondern Nachtschwärmer, ist das doch etwas unwahrscheinlich.

      So, dass war es erstmal von meiner Seite :D

      Liebe Grüße

      Jennagon
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Spoiler anzeigen

      Jennagon schrieb:

      Es wird geschildert, dass sie das meiste eigentlich zum ersten Mal macht (reiten?!)
      Ich bin mir nicht sicher, ob ich das aus Versehen weg-geändert habe, aber ursprünglich hatte ich mal geschrieben, dass May als Kind Reitunterricht gehabt hatte ='D

      Jennagon schrieb:

      EDIT: Mit den Krallen wäre es einer Eule vielleicht möglich 1-2 Fische zu tragen, aber da Eulen jetzt bekanntermaßen keiner Fischer sind, sondern Nachtschwärmer, ist das doch etwas unwahrscheinlich.
      Habe es etwas abgeändert, aber ich schreibe das Fischen-können einfach mal der Besonderheit dieser zwei speziellen Eulen zu ;D


      Vielen Dank an @Jennagon und @Zarkaras Jade für die Rückmeldungen. Ich habe mich dieses Mal beim Lesen gefreut wie ein Honigkuchenpferd, da ich was weiß, was ihr (noch) nicht wisst. Das ist so spannend =D

      Und jetzt ohne weiteres, viel Spaß beim Lesen ;D

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      KAPITEL 4 - Teil 3 von 3


      Die Fische brieten bereits eine Weile, als es hinter ihr raschelte und sich zögerliche Schritte näherten. Wortlos setzte er sich neben sie. Die Nacht war ruhig und nur das Knistern des Feuers war zu hören. May starrte weiterhin in die Flammen.
      Nach einer Weile überwand er sich zu Sprechen. „Ich danke dir.“
      May blickte nicht auf. „Wann hattest du vor, es mir zu sagen?“
      „Du warst nicht der Grund dafür.“
      „Das ist keine Antwort auf meine Frage.“ Sie sah ihn immer noch nicht an.
      Er schwieg. Dann hob er zögernd die Hand und zwang sie mit sanften Druck auf ihre Wange, ihn anzusehen. Aufrichtig blickte Moon sie an. „Bitte verzeih mir...“
      Als sie in seine Augen blickte, durchzog ihr Körper eine seltsame Wärme. Sie senkte den Blick, in der Hoffnung, er würde nicht bemerken, was in ihr vorging. „Mir bleibt nichts anderes übrig, ich brauche dich.“ Als ihr klar wurde, was sie gerade gesagt hatte, fügte sie hastig noch etwas hinzu. „Ich kenne den Weg nicht.“
      Er nickte und wandte den Blick wieder zum Feuer, dessen Schein beängstigend mit seinen Gesichtskonturen spielte. May schwieg. Nach einiger Zeit überwand sie sich, die Frage zu stellen, die sie am Meisten quälte. „Warum..?“
      Moon senkte den Blick und vergrub das Gesicht in den Händen. Ein paar lose Haarsträhnen fielen ihm über die Hände.
      Nach einer Weile- May hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt- sagte er etwas. Doch er sprach so leise, dass sie ihn nicht verstand.
      „Was hast du gesagt?“
      „Ich … Ich sagte, ich … Ich bin Jakes großer Bruder.“
      May blinzelte. „Sein … großer Bruder? Aber wie … was …“
      Das erklärte natürlich die Ähnlichkeit. May spekulierte, dass die Banditen Moon vermutlich nur entführt hatten, weil sie ihn für den Prinzen gehalten haben.
      Moon unterbrach ihre Gedanken. „Ich erkläre es dir, aber es ist eine lange Geschichte, und ich war nie gut im Geschichten erzählen. Es ist nicht einmal eine gute Geschichte.“ Er verzog das Gesicht. „Aber danach weißt du alles. Ich hoffe, du kannst mich dann verstehen.“
      May blickte Moon abwartend an, während er sich sammelte.
      Er schluckte noch einmal schwer, dann begann er. „Wie gesagt sind Jake und ich Brüder. Unsere Geburtsnamen lauten Jacob und... Raymond Sealake. Ich … Ich war der erstgeborene Zwilling. Doch mit Beendigung unseres elften Lebensjahres wurde auch unser Familienleben beendet.“ Moon senkte den Kopf.„Jake und ich waren buchstäblich ein Herz und eine Seele. Wir machten alles gemeinsam und waren nicht nur Brüder, sondern auch beste Freunde. Wir waren unzertrennlich. Bis zu unserem zwölften Jahrestag. An diesem Tag wurden uns unsere Fähigkeiten vom Orakel des Labyrinths offenbart. Wir irrten gemeinsam durch das Dunkle Labyrinth und standen schon bald vor dem Tempel. Jake ging zuerst hinein. Als er zurückkam, strahlte er wie die Sonne an einem heißen Sonnentag. Er rief mir schon von weitem entgegen, er wäre als Weiser auserkoren. Jake war so glücklich und meinte, ich würde jetzt bestimmt der nächste Magier werden, weil ich ja auch einmal König sein würde. Also ging ich voller Vorfreude in den Tempel und...“, er räusperte sich, „Ich bekam die Fähigkeit der Tierzunge, also dass ich mit Tieren sprechen kann. Was soll ich sagen, damals war ich bitter enttäuscht, doch heute würde ich nicht tauschen wollen. Nachdem wir unsere Fähigkeiten erhalten hatten, gingen wir zurück zu unseren Eltern und berichteten. Sie freuten sich riesig über Jakes Fähigkeit und ließen ein Festmahl für uns zubereiten, an dem nur unsere Familie teilnahm. Meine Eltern, vor allem mein Vater, verhielten sich seltsam. Ich hatte an diesem Tag bereits ein komisches Gefühl, doch ich verdrängte es. Einige Zeit später geschah es dann. Jake war gerade krank, und mein Vater wollte mit mir eine Reichsbesichtigung machen. Nach einer Weile fiel mir auf, dass wir uns immer mehr vom eigentlichen Reich entfernten. Mein Vater brachte mich in das Dorf der Verborgenen im Wald Neel. Dort wurde ich gefangen gehalten und dort hast du mich getroffen. Den Grund dafür konnte ich mir denken. Ein Weiser ist allemal ein geeigneterer Thronfolger, als ein simpler Beherrscher der Tiersprache. Ich redete mir ein, meine Eltern hätten es 'nur zum Wohle des Landes getan', doch so ganz konnte ich mich selbst nicht überzeugen. Die Geschichte, die Jake erzählt wurde, erfuhr ich erst später.
      Mein Vater waralleine zurückgekehrt und hatte Jake erzählt, mein Pferd sei an den Klippen gestrauchelt und mit mir abgestürzt, was gleichzeitig auch eine gute Ausrede für meinen fehlenden Leichnam war. Die Trauer des Landes war groß, und Jake wurde Thronfolger. Sobald mich mein Vater im Dorf abgeliefert hatte, wurde ich angekettet, um mich am Fliehen zu hindern, also konnte ich nichts gegen diese falschen Gerüchte tun.“
      „Das... Das waren die Ketten, die an der Felswand in deinem Zelt hingen, nicht wahr?“
      Moon wirkte einen Moment überrascht, dann nickte er. „Ich wählte sie als Teil meines Lebens, um mich für ewig an meine Vergangenheit zu erinnern.“ Er machte eine kurze Pause. „Nun, als ich dann wieder losgebunden wurde, wurde ich dennoch weiterhin bewacht, doch zu diesem Zeitpunkt war ich mir schon nicht mehr sicher, ob ich weiterhin versuchen sollte, zu Jake zu gelangen. Verstehst du, was ich meine? Meine Eltern hätten alles getan, um mich von Jake fernzuhalten. Außerdem... Jake ist geeigneter als Thronfolger. Ich will die Krone gar nicht. Würde Jake wissen, dass ich lebe, gäbe es nur Probleme. Er würde darauf bestehen, dass ich meinen rechtmäßigen Platz einnehme. Selbst wenn ich ihn überzeugen könnte - die Beziehung zu seinem Vater und seiner Mutter wären dann nie mehr dieselbe. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um König zu werden. Außerdem sind seine Wunden jetzt sicher schon verheilt und ich möchte sie nicht wieder aufreißen. Was glaubst du, wie er sich fühlen würde, wenn herauskäme, dass er für so lange Zeit belogen worden ist?“
      May schwieg. Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Er war erst Zwölf, als er all dies erlebt hat, und diese Entscheidungen getroffen hat... „Das ist eine schreckliche Geschichte... Du vermisst ihn bestimmt sehr, nicht wahr?“
      „Das tue ich. Und als ich … Als ich erfuhr, das Jake im Todeshorn gefangen worden war, musste ich etwas unternehmen.“
      „Wie … Wie hast du das eigentlich erfahren?“
      „Ich bin dir gefolgt als du meinen Rat im Dorf auf Shen zu warten missachtet hast. Ich bin gleich danach aufgebrochen, und du hattest großes Glück, dass du zuvor dieselbe Richtung genommen hattest, sonst hätte die Begegnung mit den Wölfen schlimm enden können. Aber …“ Er blickte ernst zu ihr. „Ich weiß, ich verlange viel von dir, indem ich dich bitte, für mich zu lügen, aber, May, kannst du mir versprechen, meine Identität geheim zu halten?“
      May sah ihm in die Augen, die von den Erlebnissen seiner Vergangenheit geprägt waren, folgte einem Impuls und stand auf. Mit besorgter Miene tat er es ihr nach. Sie dachte daran, welche Lasten Moon tragen musste, ohne auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn. Moon war einen Moment zu überrascht, um zu reagieren, doch dann entspannte er sich. Er schloss die Augen, dann erwiderte er die Umarmung.
      „Ich … Ich danke dir… Du bist der erste Mensch, dem ich all das erzählt habe, und ich danke dir, dass du einen Teil meiner Last trägst. Ich hoffe, ich habe dir mit diesem Geheimnis nicht zu viel zugemutet, sonst würde ich es mir nie verzeihen…“
      May drückte ihn an sich. „Und ich danke dir, dass du mir all das erzählt hast. Ich werde dich nicht verraten. Von mir wird es Jake nicht erfahren, das schwöre ich.“
      Moon löste sich von ihr und nickte. „Ich kann dir gar nicht genug danken...“
      „Ist schon gut.“ May lächelte. „Aber jetzt,...“, sie deutete mit dem Finger auf die mittlerweile verbrannten Fische, „haben wir kein Abendessen mehr.“
      Moon blickte zu den verkohlten Überresten und musste lachen. „Sieht so aus.“
      May seufzte leise. „Ich denke, dann sollten wir wenigsten den Rest der Nacht gut schlafen, denn Morgen müssen wir weiter. Wir reisen schließlich zum Todeshorn.“
      Moon stutzte. „Bist du sicher, dass du mich dorthin begleiten willst?“
      „Ja, das bin ich. Es ist meine Schuld, dass Jake erst in diese Situation gekommen ist, und mit dir zusammen erscheint mir das ganze Unterfangen nicht ganz so hoffnungslos.“


      In den Tiefen eines Kerkers, in einem dunklen Verlies, saß einsam eine Gestalt. Zusammengesunken in einer schimmligen und feuchten Ecke, in die kaum Licht drang, saß er mit zerfetzten und schmutzigen Kleidern, die größtenteils blutverschmiert waren. Einige seiner Glieder waren gebrochen undBrandwunden zierten seinen Körper.
      Er hob zitternd die linke Hand und strich sich ein paar schmutzige Haarsträhnen aus dem Gesicht. In der Situation, in der er sich befand, eine fast lächerliche Geste. Seufzend lehnte er seinen Kopf gegen die Wand. Draußen auf den Verliesgängen ertönten Schritte und das metallische Scheppern der Zellenschlüssel. Er stöhnte auf, als Gowar ihn brutal auf die Füße zerrte.
      „Komm schon! Ich hab nich' ewig Zeit.“ Er riss ihn an den Haaren vorwärts, bis er sich taumelnd in Bewegung setzte. Das Ziel war ein Raum, in dem er die letzten Wochen fast mehr Zeit verbracht hatte als in seiner Zelle. Als Gowar ihn auf dem Stuhl festband, protestierten seine gebrochenen Rippen mit einem Knacken. Er sog heftig die Luft ein.
      „So.“ Gowar trat näher. „Wie ist es diesmal?“
      Er schüttelte nur den Kopf. Gowar seufzte gespielt.
      „Du weißt, all dies macht mir überhaupt keinen Spaß...“ Er lächelte.
      „Natürlich…“ murmelte Jake.

      Zu Jakes Erstaunen war er seit dem letzten Besuch Gowars in Ruhe gelassen worden. Er saß müde an seine Zellenwand gelehnt. Plötzlich näherten sich leise Schritte, und er sah auf. Jake fragte sich, ob denn schon Essenszeit war. Eine Frau trat an seine Zelle. Sie hatte blasse Haut und seltsame türkisfarbene Augen, umrahmt von einigen schwarzen Haarsträhnen. Sie schloss die Zellentür auf.
      „Hallo. Ich bringe dir dein…“ sie zögerte kurz, „ Essen.“ Nach einem letzten Blick auf die schleimige Pampe, die sich in ihrer Schüssel befand, reichte sie Jake die Schüssel. Er sah sie verwirrt an.
      „Wo ist die hässliche, kleine Magd, die mir sonst zu Essen gebracht hat?“
      „Sie ist tot. Ich bin die Vertretung, bis jemand Neues gefunden worden ist. Ich mache so etwas sonst eigentlich nicht. Allein vom Anblick dieses Zeugs wird mir übel.“ Sie warf wieder einen angewiderten Blick auf die Pampe, die einen nahrhaften Eintopf darstellen sollte.
      Jake lachte, zumindest versuchte er es, doch er wurde von dem heftigen Husten unterbrochen, der ihn schon seit vielen Tagen quälte.
      Das Mädchen sah ihn besorgt an. „Das hört sich nicht gut an.“ Sie trat näher und legte ihre Hand auf seine Brust. „Du solltest das behandeln lassen, sonst wird es böse enden.“
      Jake schnaubte. „Bevor ich mich von einem Heiler Morgans heilen lasse, sterbe ich lieber an einer Lungenentzündung.“
      „Ich könnte dich behandeln, ohne dass er etwas davon erfährt. Ich bin übrigens Kira.“
      Jake sah das Mädchen misstrauisch an. „Kira, so? Und wo kommst du her, Kira? Du wirkst nicht so, als wärst du hier geboren.“
      Sie lächelte. „Das stimmt, ich komme von den Atollen. Einst kam ein Vertreter König Morgans zu uns auf die Insel und wählte willkürlich junge Mädchen und Jungen aus, die hier auf dem Todeshorn in Morgans Dienst treten mussten. Ich war eine von ihnen.“
      „Dann bist du nicht… freiwillig hier?“
      „Nein, bestimmt nicht. Aber wir müssen gehorchen, weil unser Dorf ansonsten angegriffen wird“
      Jake schüttelte den Kopf. Es war naiv zu glauben, dass sich Morgan nur wegen ein paar Sklaven die Mühe um eine kleine Insel an der Küste machte. Nein, bestimmt nicht.
      Er sah auf. „Wie lange bist du schon hier, Kira?
      „Seit meinem zwölften Lebensjahr. Seit vier oder fünf Jahren, ich weiß nicht genau. Seit wann sitzt du in diesem Kerker fest?“
      „Ich... weiß es nicht. Ich glaube es müssten um die zwei Zyklen sein.“
      „Schon seit über 14 Tagen? Und du kannst noch mit mir sprechen? Das ist... beeindruckend. Wenn man bedenkt, dass die meisten hier nicht mehr als drei Tage zubringen, weil sie entweder ihr Geheimnis preisgeben oder als nutzlos eingestuft werden. Du musst sehr... widerstandsfähig sein.“
      Von weiter entfernt ertönten die scheppernden Schritte einer Wache, und Kira blickte auf. „Ich muss gehen. Nennst du mir noch deinen Namen, tapferer Krieger?“
      „Mein Name… ist Jake. Es war nett, sich mit dir zu unterhalten, Kira.“
      Sie nickte und lief mit schnellen Schritten davon. Er sank zurück und dachte über dieses neue Mädchen nach. Sollte er ihr Angebot annehmen? Sollte er zulassen, dass sie ihn heilte? Es war ein Risiko, doch er hatte noch eine Pflicht zu erfüllen. Er schloss seufzend die Augen.
      “Right, well, we've got to work out what we need. We've got to work out what we need, how we get it, and what we need to get to get what we need.”
      Derek Landy, Skullduggery Pleasant
    • Ich hatte gleich die Vermutung, dass Chris nicht Chris ist! Denn die Eulen waren ein Anzeichen dafür. Dass es nun Moon ist und nicht Jake, macht es im nachhinein sogar noch etwas logischer. Aber irgendwie auch wieder nicht. Denn es stellt sich immer noch die Frage, warum Moon verschleppt wurde. War es Absicht? Für Zufall schon etwas zu zufällig, wie ich finde. :hmm:
      Und ich finde, May stimmt allem viel zu schnell zu. Sie akzeptiert immer gleich alles und nimmt immer alles so hin, wie es ihr gesagt wird. Ich hätte mir mehr Abneigung gegenüber Moon gewünscht, weil er sie so verarscht hat. Zumal sie im Lager "gefangen" war. Und Moons Geschichte macht die Situation mit ihr und dem Lager noch weniger authentisch. Das klingt so nach: "Weil ich da ein Gefangener bin, kann den anderen Gefangenen nichts passieren, weil sie ja nicht ich sind."
      Und sie denkt so: "Er hat ja Ahnung als Gefangener. Ich kann ihm ruhig vertrauen, weil er ja nun auch abgehauen ist."
      Aber warum ausgerechnet jetzt? Warum macht er es erst jetzt? Weil May dazugekommen ist? Was sollte es ihn interessieren, wer sie ist? Er will ja Jake helfen und nicht May. Moon hätte May doch schon im Lager sagen können, was er weiß. Dann hätte May dort zustimmen können oder eben nicht.


      Der Szenenwechsel ist arg heftig. Warum trennst du es denn nicht nach "Jake" und "May"? Oder zu machst eine sichtbare Unterteilung, dass man sofort sieht, dass nun ein anderer Handlungsstrang kommt.
      Übrigens bist du schon längst bei den spannenden Stellen angelangt. Du darfst ruhig Tempo rausnehmen und die entscheidenen Momente mehr strecken und ziehen. Ich will die Emotionen der Charaktere spüren. Ich möchte Angst verspüren, wenn May welche hat. Ich will Jakes Schmerzen fühlen und seine Gedanken hören. Trau dich ruhig, mehr den Moment einzufangen. Deine Charaktere wirken immer noch so farblos und neutral.
      Wenn ich an eine meiner Nebencharaktere denke (Slay)... Sie betritt den Raum, macht nur eine Geste und sagt nur einen Satz und du weißt sofort-> Die ist ein Arschloch!
      Das fehlt mir bei dir noch etwas. Man kann deine Charaktere willkürlich untereinander austauschen, da sich alle irgendwie gleich verhalten.


      Spoiler anzeigen

      EllieBlue schrieb:

      „Schon seit über 14 Tagen? Und du kannst noch mit mir sprechen? Das ist... beeindruckend. Wenn man bedenkt, dass die meisten hier nicht mehr als drei Tage zubringen, weil sie entweder ihr Geheimnis preisgeben oder als nutzlos eingestuft werden. Du musst sehr... widerstandsfähig sein.“

      Zahlen werden grundsätzlich immer ausgeschrieben, wenn sie in der wörtlichen Rede vorkommen. Selbst die Zahl 1038448558232344 müsste ausgeschrieben werden, wenn man es korrekt nimmt. Wenn es sich natürlich um Sonderfälle handelt, wie es in meiner Geschichte ist (Miri), dann kann man da eine Ausnahme machen.
      Und die drei Punkte sind auch überflüssig. Ich weiß, du nutzt die gern, um eine Pause anzudeuten oder Spannung aufzubauen. Aber in dieser Weise wirkt das nicht schön. Es wirkt... deplatziert, weil es mitten... im Satz ist. Würdest du es so schreiben: "Das ist...", begann sie und kehrte resignierend in sich, "beeinduckend, denn bisher hat es niemand länger als drei Tage hier überstanden." So wäre das passender, finde ich.
      Und das Wort widerstandsfähig finde ich nicht passend. Das klingt so, als wäre die Folter nur aus Jucks und Gaukelei, um den Gefangenen grundlos Angst zu machen. Es würde inplizieren, dass es eine reelle Alternative gibt, wie zbs. keine Folter. Ich würde hinschreiben: "Du musst ihm sehr wichtig erscheinen, dass er dich so lange am Leben lässt."
      Denn stelle dir vor, Jake wäre nicht widerstandsfähig, dann würde er jetzt schon längst tot sein. Und das ist doch nicht das Ziel von Morgan. Er will doch bestimmt etwas Wichtiges von Jake. Übrigens sind die Verletzungen schon arg heftig. Gebrochene Gliedmaßen, Brandwunden und Blutverlust. Dass Jake sich dann auch nicht von Morgans Heilern helfen lassen will, aus Trotz, finde ich sehr merkwürdig. Eigentlich müsste er Qualen leiden, Tode sterben und keine Ahnung.
      Aber bei Kira überlegt er sofort, ob sie ihm helfen dürfte. Irgendwas stimmt da nicht. Er gibt in dieser Beziehung zu schnell nach und in der anderen zu wenig. Es bringt doch ihm nichts, wenn er an "Lungenentzündung" stirbt, und seinem Volk von weniger. Oder Will Morgan etwa Jake gefangennehmen, um herauszufinden, wo sich Moon aufhält? :hmm:
      Und Kira macht mir jetzt schon Angst. Ich weiß nicht, warum. Aber sie wirkt böse, weil sie eben nicht böse wirkt. Sie kommt mir zu lieb und zu gütig vor, um dort als "neue" Essenlieferantin tätig zu sein.


      EllieBlue schrieb:

      „Wo ist die hässliche, kleine Magd, die mir sonst zu Essen gebracht hat?“ (Na aber, Jake! Das hätte man auch netter sagen können. :rolleyes: )
      „Sie ist tot. Ich bin die Vertretung, bis jemand Neues gefunden worden ist. Ich mache so etwas sonst eigentlich nicht. Allein vom Anblick dieses Zeugs wird mir übel.“ (Sobald sie getöten wird, wollte Kira wohl eher sagen. :D )



      May muss lernen, weniger zu vertrauen und mehr Skepsis zu entwickeln. Wenn sie so weiter macht, dann wird sie schnell in Ketten hängen und ausgepeitscht werden. Ich hoffe, sie wird mehr von sich aus machen und weniger auf die Anweisungen der anderen hören.

      Nichtsdestotrotz ist es immer noch eine tolle Geschichte. :thumbup:
      Ich werde sie definitiv weiterlesen. :)
      Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

      -Albert Einstein-
      ___________________
      Helios III (Arbeitstitel)
    • Einen schönen guten Abend wünsche ich und melde mich - der Uhrzeit geschuldet - nur kurz zu Wort.
      Aber ich wollte unbedingt etwas sagen, weil ich finde, dass da echt Potential in deiner Geschichte liegt.

      Dem Gesagten meiner Vorgänger kann ich mich in vielem anschließen, das wiederhole ich jetzt nicht noch mal alles.
      Aber zwei, drei Sachen sind mir doch wichtig: Obwohl ich finde, dass sich dein Text sehr flüssig ließt - schreiben kannst du auf jeden Fall -, empfinde ich ihn als ein wenig leer. Das liegt wahrscheinlich an den fehlenden Beschreibungen, die du ja nicht so gerne magst, die ich - und ich vermute einige andere auch - aber brauchen, um in die entworfene Welt mitgenommen zu werden.

      Den allerersten Absatz fand ich aber sehr gut - ich mag es mitten ins Geschehen geworfen zu werden, ich nutze das beim Schreiben selber gerne. Dann aber fühlte ich mich ein wenig verloren in der Flut von Informationen. Beschreibungen sind da ein gutes Mittel, dem Leser eine Pause zu gönnen - finde ich, das sehen andere aber sicher auch anders.

      Du benutzt das Hilfwort "haben" in manchen Abschnitten recht häufig. An diesen Stellen holpert der Text dann und das ist schade, wobei ich mir vorstellen könnte, dass dies eine persönliche Macke von mir ist ^^

      Der vierte Teil (der, den ich dann auch mit Gefällt mir markiert habe und bis wohin ich jetzt auch gelesen habe) ist dir dann aber sehr gut gelungen. Ich habe mich beim Lesen amüsiert und fand die Dialoge gut gesetzt - nicht so lang wie den ersten.

      Also ... das soll es für diese Uhrzeit gewesen sein ... ich hoffe, das hier hilft dir irgendwie weiter und ist nicht nur müdes Geschwafel.
      Denn nach wie vor finde ich: Daumen hoch!
      Da steckt viel drin und ich glaube, das kannst du rausholen. Das Talent dazu hast du!

      lg Shaylee
      Ich bin ein Spiegel deiner Seele!
      Was also siehst du, wenn du mich anschaust?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Shaylee () aus folgendem Grund: Korrektur und Nachtrag