Die Nebel von Arenor

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    • Xarrot schrieb:

      Es kam mir nur ein wenig komisch vor, weil sich Reynard doch etwas sehr entspannt gegenüber Vaendur verhalten hat. Eventuell gehört es ja zu seinem Charakter oder der Geschichte, aber das er einfach so mir nichts dir nichts neben ihm einschläft. Das war eigentlich sogar schon alles xD
      Reynard erkennt zum einen, dass die Bestie offensichtlich eingekeilt ist, zum anderen erwähnt er darauf auch, dass er der Ansicht, dass der Skarne nicht für all die Toten ringsum verantwortlich ist. Hinzu kommt außerdem, dass seine Familie in der Vergangenheit offenbar mit Skarnen zu tun hatte, worauf er Vaendur auch anspricht. Das alles zusammengenommen plus die Tatsache, dass wir es hier mit einem mutigen und neugierigen Alten zu tun haben (den manchmal einfach die Erschöpfung übermannt^^) sollte seine "Gelassenheit" ganz gut erklären, hoffe ich ;)
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • WOW!
      Das ist erstmal alles, was mir bisher dazu einfällt. Aus Zeitgründen bin ich noch nicht über die ersten drei Texte gekommen, aber Wahnsinn.

      Eure Schreibstile sind wahrlich gehoben und zeugen von Geschick und gutem Stilvermögen. Eure Fantasy ist riesig und es macht wahnsinnig Spaß das zu lesen. Auch und vor allen Dingen aus zwei verschiedenen Perspektiven.

      Sobald ich vom Training heim komme muss ich einfach weiter lesen <3
      Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt
      <3

      Träum nicht, wenn du kannst
      Schicksal
      The Ghosts
    • Hallo @Ippon!

      Vielen Dank für deine netten Worte. Jeder neue Leser freut uns hier sehr.

      Lass dich nieder, leb dich ein, erhalt dir den Spaß am Lesen und gib uns deine Meinung kund. Du bist herzlich willkommen!

      Bis nach dem Training. :P


      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Maven

      Es war bereits kurz vor Mittag, als sie die Brücke beim Fyrtiotre-Wachturm unbehelligt passieren konnte. Zwar hatte die Wache auf dem Turm sie gesehen, doch ganz offensichtlich schien er nicht nach ihr Ausschau zu halten. Insgeheim hielt sie das für ein gutes Zeichen, dennoch verließ sie den Weg so oft es ging. Unliebsame Begegnungen auf den Straßen Arenors geschahen zu häufig, auch wenn die Hellwege als vermeintlich sicher galten.
      Gegen Abend hatte sie das Dorf Eir bereits hinter sich gelassen und schlug nun den Weg in Richtung Borken ein und noch während sie am Waldrand nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau hielt, brach die Dunkelheit über das Land herein. Allein die Sterne funkelten sachte am Himmelszelt und bannten Mavens Blick eine Weile, bevor sie nach einem dürftigen Mahl in den obersten Ästen einer alten Eiche den ersehnten Schlaf fand.
      Die Nacht zog ereignislos vorüber und als morgens die Sonne aufging, schlug sie etwas zäh die Augen auf. Ihre Kräfte waren dem langen Marsch vom Vortag noch nicht gewachsen gewesen und während sie mit schmerzenden Gliedern von ihrem Nachtlager herunterstieg, war sie gedanklich beim Inhalt ihres Rucksacks. Tanner hatte ihr ein deftiges Fleischbrot gebacken, das sie eigentlich hatte aufsparen wollen, doch um den weiteren Weg schnell hinter sich zu bringen, brauchte sie dringend etwas Nahrhaftes.
      Am Fuße der Eiche kramte sie in den geliehenen Habseligkeiten und fand schließlich das gewünschte Brot. Mit einem großen Stück zwischen den Zähnen, schnürte sie alles wieder fein säuberlich zu, warf sich den Ranzen über die Schulter und machte sich wieder auf den Weg.
      Vormittags passierte sie die Brücke zu Borken, nach einiger Zeit ließ sie das Dorf, sowie die Gabelung nach Oberhain hinter sich und kaum war sie neben der Straße wieder ins Dickicht des Waldes eingetaucht, donnerte eine Delegation berittener Soldaten an ihr vorbei, die in hohem Tempo in Richtung Borken unterwegs waren. Maven schätzte sie auf etwa zwei Dutzend Männer, allesamt bewaffnet und schwer gerüstet, als würden sie in den Krieg ziehen.
      Tief in Gedanken versunken setzte die Hexe ihren Weg fort und als es bereits dämmerte, entdeckte sie in der Ferne endlich die Lichter an der hohen Mauer, welche Silberstadt wie eine uneinnehmbare Festung umrahmte.
      Sie wusste, dass nach Einbruch der Nacht die Stadttore geschlossen wurden, also suchte sie sich abermals einen knorrigen, dichtbewachsenen Baum und verbrachte die Nacht dort im hohen Geäst.

      Als sie am nächsten Morgen erneut die Straße betrat, herrschte vor den Stadttoren bereits emsiges Treiben zwischen unzähligen aufgeschlagenen Zelten, in denen hier und da auch das eine oder andere feilgeboten wurde. Maven hatte allerdings kein Interesse an nutzlosen Dingen wie einfachem Schmuck, Holzfiguren oder gar Heu- oder Mistgabeln. Stattdessen zog sie die Kapuze ihres Filzmantels tiefer ins Gesicht und steuerte ihre Schritte zielstrebig in Richtung der gewaltigen, silberbeschlagenen Tore der Stadt. Jedes Mal war sie im Torbogen einen Augenblick stehengeblieben, um dieses gewaltige Bauwerk zu bewundern. Sie hatte nie herausgefunden, ob das Ganze nun tatsächlich ganz ohne Magie bewerkstelligt worden war, doch im Grunde spielte das keine Rolle. Es war erstaunlich. Schließlich wurde sie von dem Menschenstrom weiter voran und der Hauptstraße entlang in Richtung Burg getrieben.
      Als sie realisierte, wohin sie geleitet wurde, drängte sie etwas gehetzt in eine Seitengasse und versuchte sich an irgendwelchen Gebäuden zu orientieren. Vergeblich.
      „Vorsicht da unten!“, rief ein Mädchen aus einem Fenster über ihr. Sie war gerade im Begriff, den Inhalt eines Holzeimers in die Gasse zu kippen, als sie Maven offenbar bemerkt hatte. Eilig machte diese ein paar Schritte zur Seite, als schon ein Schwall Wasser und Küchenabfälle neben ihr spritzend zu Boden klatschten.
      „Warte!“, rief Maven ihr hinterher, doch das Fenster war schon wieder zugefallen und auch sonst schien sich gerade niemand in diese Seitenstraße verirrt zu haben. Tief durchatmend blickte die Hexe resigniert dem schmalen Weg zwischen den hohen Hausmauern entlang, als sich hinter ihr eine Tür öffnete.
      „Ja?“, es war das Mädchen. Die roten Locken hüpften um ihr rosiges Gesicht und die blauen, hellen Augen blickten aufgeweckt zu Maven hoch. Sie war kaum älter als sieben Lenzen.
      „Verzeih, ist vielleicht deine Mutter oder dein Vater zu Hause?“, begann sie vorsichtig und sah sich nochmals in der Gasse um. Sie wusste um ihr Äußeres und auch welche Wirkung es auf Menschen hatte, doch dieses kleine Ding schien sich nicht daran zu stören. Maven konnte sich nicht entscheiden, ob sie das nun freuen oder sorgen sollte.
      „Nein, die sind schon bei der Arbeit. Kann ich helfen?“
      Die Hexe lächelte vorsichtig, um ihre etwas zu spitzen Eckzähne bedeckt zu halten und blickte sich einen Moment etwas ratlos um.
      „Weißt du, wo ich das Gasthaus Zum Goldenen Tunichtgut finde?“
      Das Gesicht der Kleinen hellte sich auf und dann nickte sie eifrig, sodass die Locken flogen. Langsam und deutlich erklärte sie Maven den Weg und es dauerte kaum eine halbe Stunde, da stand die Hexe auch tatsächlich vor dem Schild mit besagter, glänzender Aufschrift.
      Mit pochendem Herzen stand sie unschlüssig vor dem zweistöckigen Gebäude, das von außen her einen recht einladenden Eindruck machte. Dennoch war sie skeptisch. War sie tatsächlich bereit, sich in die Hände dieser Wächter zu begeben?
      Du hast keine Wahl, wenn du deine Habe zurück willst und wenn du ehrlich bist, fehlt dir ein Ziel vor Augen. Sich tagelang durch den Wald zu schleichen und nach seltenen Kräutern und Viechern Ausschau zu halten kannst du kaum für die nächsten vierhundert Jahre durchziehen. Womöglich kannst du tatsächlich noch etwas von denen lernen…
      Jemand räusperte sich direkt neben ihr, sie blockierte den Eingang und machte einen Schritt zur Seite. Nach einem kurzen Durchatmen, betrat sie endlich den großzügigen Schankraum. Gleich zu ihrer rechten befand sich der Tresen, hinter dem sich ein junger Bursche über ein Buch beugte und einige Namen und Beträge hinein kritzelte. Der Ausschank befand sich direkt daneben und im Rest des hellen und freundlichen, wenn auch stickigen Raumes, befanden sich ausschließlich Tische und Stühle in Teils mehr oder weniger zerbeultem Zustand.
      Maven ließ ihren Blick schweifen, konnte aber Therik nirgends ausfindig machen. Womöglich war sie noch zu früh.
      „Kann ich Euch helfen, Mylady?“, sprach der Bursche und offenbar bereute er es im gleichen Moment, als Maven ihm das Gesicht zuwandte. Er erstarrte zur Salzsäule. Diese Reaktion war sie längst gewohnt und gegenüber dieses Jungen hatte sie auch keine Skrupel, ihre kurzen Fänge bei einem möglichst breiten Lächeln zu entblössen. Die Farbe wich aus seinem Gesicht.
      „Sehr gerne, mein Lieber. Ich suche Herrn Therik Lobholdt. Wahrscheinlich hat er hier genächtigt. Er erwartet mich.“
      „V-verzeiht, keiner mit diesem Namen-“
      „Du hast ja nicht mal nachgesehen“, Mavens Blick verfinsterte sich etwas ob der Unfähigkeit dieses Burschen und drehte das Buch kurzerhand in ihre Richtung. Er wagte es nicht, ihr die Stirn zu bieten, also ließ er sie zögerlich gewähren.
      Ihre Augen suchten die Namen ab, welche mehr oder weniger Leserlich die Zeilen füllten und tatsächlich fand sie Therik bei den Leuten, die vor zwei Tagen hier angekommen waren.
      „Na also“, meinte sie lediglich, merkte sich die Zimmernummer und rauschte an dem Jungen vorbei in Richtung der Treppe, welche in das obere Stockwerk führte.
      „Meister!“, rief der Bursche nur noch, da hatte Maven schon die halbe Treppe hinter sich gebracht. Beim Erklimmen der Stufen ächzten ihre vom Marsch gebeutelten Muskeln wehmütig auf. Sie war froh, als sie den letzten Absatz endlich erreicht hatte und dem Gang entlang nach hinten huschte. Vor dem Zimmer mit der Nummer vier blieb sie stehen, atmete langsam durch und klopfte höflich an. Von innen drang ein Rumpeln an ihre empfindlichen Ohren und als ein gefluchtes „Argh, vermaledeit!“, durch das Holz schallte, wusste sie, dass sie Therik gefunden hatte. Endlich nestelte es am Schloss und die Tür wurde energisch auf gezerrt. Dahinter wurde Mavens Blick zu aller erst von einer nackten, ansehnlichen Männerbrust angezogen, dann huschten ihre Augen flüchtig über das Tuch, mit welchem er seine Blöße bedeckt hielt bis hin zu seinem hochroten Kopf und seinem erstaunten Ausdruck im Gesicht.
      „M-Maven?“, brachte er lediglich hervor, ehe sie ungebeten ins Zimmer trat, ihm die Türklinke entrang und sie hinter sich ins Schloss drückte.
      „Ganz recht. Ich hoffe, ich habe dich nicht bei etwas Wichtigem gestört?“, sie konnte sich einen herausfordernden Blick nicht verkneifen, wobei sie ihn nochmals ausgiebig in Augenschein nahm, während er die Decke offenbar etwas nervös zurechtrückte.
      „Du hast mich geweckt, das ist alles“, murrte er und deutete mit einer beiläufigen Geste, dass sie sich doch umdrehen möge. Die Hexe schnaubte leise, kam dann aber seinem Wunsch nach und wandte sich dem Tischchen zu, welches an der gegenüberliegenden Wand unter einem Fenster Platz gefunden hatte.
      „Seit wann bist du in der Stadt?“, wollte er wissen, während er sich irgendetwas überzog und Maven aus dem Fenster in Richtung Burg spähte.
      „Bin erst gerade eingetroffen“, gab sie beiläufig zu wissen und während sie schweigend darauf wartete, bis er endlich salonfähig war, schweiften ihre Gedanken zum gehörnten Biest ab, welches dafür gesorgt hatte, dass sie vor wenigen Tagen nicht unter den Trümmern des Gasthauses begraben worden war.
      „Mein Vater war nicht davon ausgegangen, dass du herkommen würdest“, meinte er schließlich, als er neben sie ans Fenster trat und sein braunes Hemd zuknöpfte.
      „Trotzdem bin ich hier“, gab sie beiläufig zu verstehen, ehe sie sich ihm zuwandte und sich mit der Schulter seitlich gegen die Wand lehnte, „Wo ist-“, mit einer kleinen Geste deutete sie gigantische Hörner an und Therik verstand.
      „Vaendur?“
      Maven runzelte die Stirn, „So heißt der Riese?“
      Therik nickte kurz und Maven bemerkte aus dem Augenwinkel, wie er sie genauer betrachtete. „Gestern wurden wir von der Stadtwache zum Herzog begleitet. Eigentlich wollten wir warten, ob du tatsächlich noch herkommst, aber nunja. Wir hatten keine Wahl. Die Leichen dieses Ritters und des Magiers wurden zusammen mit deiner Kiste, einer weiteren und auch mit Vaendur dort abgeladen. Ich musste den Bericht meines Vaters abliefern…“, er stockte kurz, als Maven ihn entrüstet anblickte.
      „Was hast du ihnen erzählt? Dass ich für diese ganze Misere verantwortlich bin?“
      Therik hob beschwichtigend die Hände, während ihm die Farbe allmählich aus dem Gesicht wich, „Nein, glaub mir! Sollte dem so sein, hätte dir die Stadtwache hier doch längst aufgelauert oder hätte dich womöglich schon an den Stadttoren abgefangen. Ich habe Vaendurs Geschichte wiedergegeben. Du bist aus dem Schneider, aber dennoch war der Herzog etwas ungehaltenüber die Tatsache, dass du nicht unter den Gefangenen warst.“
      „Das interessiert mich nicht. Wo ist meine Habe jetzt?“
      „Bei ihm“
      „Bei wem?“
      „Dem Herzog…“
      Maven löste sich knurrend mit einem Ruck von der Wand und warf die Hände zornig in die Luft. Insgeheim hatte sie gehofft, dass Therik mit dem Besuch beim Herzog auf sie warten würde und somit auch mit der Auslieferung ihrer Rüstung.
      „Es tut mir Leid“, meinte er zögerlich und verzog das Gesicht leicht, als die Hexe ihn wütend anfunkelte, „Immerhin werden sie dir nicht nach dem Leben trachten, wenn du den Herzog aufsuchen willst.“
      „Was ich will, interessiert hier niemanden. Ich kann meinen wertvollsten Besitz nicht in die Hände eines… eines…“, in Mavens Kopf herrschte plötzlich gähnende Leere. Nach einigen Sekunden des Schweigens, durchbrach Therik die Stille wieder.
      „Soll ich dich begleiten?“, doch sie schüttelte entschieden den Kopf und löste den Rucksack von den Schultern, den sie dann dem Lobholdt-Spross in die Hände drückte.
      „Bring den deiner Mutter zurück. Das Essen darin würde wohl für eine Reise bis nach Löwenstein und zurück reichen“, sie rang sich ein dünnes Lächeln ab, dann wandte sie sich um und öffnete die Tür.
      „Darf ich dir noch eine Frage stellen, ehe du gehst?“, ertönte seine Stimme vom Fenster her.
      „Nämlich?“, meinte sie lediglich und blickte über die Schulter.
      „Warum haben dir meine Eltern geholfen? Das versteh‘ ich nicht“, und gerade in diesem Moment erkannte sie seinen Vater Reynard in ihm wieder. Er hatte denselben unbeugsamen und durchdringenden Ausdruck in den Augen.
      „Das wirst du sie selbst fragen müssen, Therik. Ich habe versprochen darüber zu schweigen.“
      Damit war sie zur Tür hinaus und ihre Füße trugen sie in tiefen Gedanken in Richtung Burg, während die Sonne weiterhin dem Zenit entgegen kletterte.

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chnorzi ()

    • Ippon schrieb:

      Sobald ich vom Training heim komme muss ich einfach weiter lesen
      Hui, da freuen wir uns riesig, dass es Dir gefällt und hoffen, dass wir Dich weiterhin begeistern können :D :love:

      Schreibst du auch an einer Geschichte? Dann würde ich da ebenfalls mal reinlesen :thumbsup:

      Lg Chnorzi

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • So, ich bin auch mal wieder mit dabei :fox: Die ersten zwei Threadseiten hab ich durch.

      Chnorzi schrieb:


      Windweber schrieb:

      Aneinanderreihungen von Ausrufe- und Fragezeichen würde ich vermeiden.
      Alles klar, werde ich beherzigen!
      An dieser Stelle muss ich wiedersprechen. Die Aneinanderreihung eines Frage- und Ausrufezeichens ist in meinen Augen ein wichtiges Stilmittel und bringt sehr gut einen verwirrten Ausruf zum Ausdruck.

      Maxwell schrieb:

      Der Wald schien im Licht zu ertrinken, denn wie unter den Wogen des Meeres so wandelten auch hier Schwebeteilchen scheinbar unberührt von den Gesetzen der Natur umher.
      Was für eine wunderschöne Formulierung! :golly:

      Maxwell schrieb:

      Maxwell schrieb:

      Dazu gesellte sich nun noch eine erkaltete Feuerstelle, die wohl von den beiden Söldnern stammen musste, welche bis zum Morgengrauen seine Wache gehalten hatten.
      Sollte nochmal erwähnt werden, wo die Typen hin sind?
      Wäre an dieser Stelle vielleicht ganz gut. Ich fand die Sache mit den Söldnern/Rittern teilweise etwas unübersichtlich, das hat sich jetzt etwas gelegt, seit dem Part, in dem stand, dass die Ritter freie Magier rekrutieren wollen. Dass Storges einen Hinterhalt plante, war abzusehen, aber dass er Vaendur einfach so im Wald ohne auch nur eine Wache zurücklässt, nachdem ihn seine Leute mühselig eingefangen haben, hat mich etwas stutzig gemacht.

      Zudem ging es da sehr drunter und drüber. Vaendur bekommt aufs Maul und wird bewusstlos, Maven bekommt auf Maul und wird bewusstlos. Und dann wachen sie wieder auf und als Leser weiß man gar nicht, wo sie üpberhaupt sind. Ich dachte zuerst, Maven sei bereits in Silberstadt, dann wurde sie irgendwie viel zu gut behandelt und plötzlich sind sie in Storges geplanten Verrat mittendrin und in einem Gasthaus. All das klärt sich nach und nach, war in dem Moment aber meiner Ansicht fast etwas viel Verwirrung

      Maxwell schrieb:

      Vaendur ließ von seinem Opfer ab und hechte auf den Eingang zu.
      hechtete

      Ihr lieb es, euren Figuren ordentlich aufs Maul zu geben und ihnen keine Ruhe zu geben, oder? Bereits in zwei Threadseiten, sind beide Protagonisten zweimal an die totale Erschöpfung herangekommen und einmal durch ein magisches Elixir und dasd andere Mal durch einen zwilichtigen Waldgeist aufgeputscht worden, damit es noch mal zur Sache gehen kann. Übertreibt es nicht, irgendwann kaufe ich euch die Erschöpfung eurer Leute nicht mehr ab - kenne das ja schon aus Starraider 8)

      Der Waldgeist hat auch mich verwundert - er erinnerte irgendwie nicht an einen Skarnen. Was meint er also mit "wir sind gleich?" Dass er so wenig fordert und nicht sofort hilft, sondern erst verzückt herumtänzelt, lässt ihn etwas zwielichtig erscheinen. Das macht ihn sehr gefährlich - gefällt mir.

      Euer Stil ist wie immer top :thumbup: Freue mich schon auf die nächsten Parts!

      I think the saddest people always try their hardest to make people happy. Because they know what it´s like to feel absolutely worthless and they don´t want anybody else to feel like that.

      ~ Robin Williams







      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • @Alopex Lagopus, schön, dich weiterhin an unserer Seite zu wissen!


      Alopex Lagopus schrieb:

      Wäre an dieser Stelle vielleicht ganz gut. Ich fand die Sache mit den Söldnern/Rittern teilweise etwas unübersichtlich, das hat sich jetzt etwas gelegt, seit dem Part, in dem stand, dass die Ritter freie Magier rekrutieren wollen. Dass Storges einen Hinterhalt plante, war abzusehen, aber dass er Vaendur einfach so im Wald ohne auch nur eine Wache zurücklässt, nachdem ihn seine Leute mühselig eingefangen haben, hat mich etwas stutzig gemacht.
      Ja, darüber habe ich nachgedacht. In diesem Fall werde ich aber von einer weiteren Erklärung absehen, da es einfach nicht zu Vaendur passt. Die Parts aus seiner Sicht sind auch so gehalten, dass sie widerspiegeln, wie er denkt und worüber er sich Gedanken macht. Was mit diesen Typen ist, interessiert ihn einfach Null, da hat er gerade andere Probleme.
      Achso, und er wird allein gelassen aus purem Personalmangel seitens Storges. Zudem erscheint dem Söldner die Hexe samt dem Gold der Ritter wertvoller als Vaendur. Sollte das Biest türmen, wäre es dem Hauptmann herzlich egal.


      Alopex Lagopus schrieb:

      Zudem ging es da sehr drunter und drüber. Vaendur bekommt aufs Maul und wird bewusstlos, Maven bekommt auf Maul und wird bewusstlos. Und dann wachen sie wieder auf und als Leser weiß man gar nicht, wo sie üpberhaupt sind. Ich dachte zuerst, Maven sei bereits in Silberstadt, dann wurde sie irgendwie viel zu gut behandelt und plötzlich sind sie in Storges geplanten Verrat mittendrin und in einem Gasthaus. All das klärt sich nach und nach, war in dem Moment aber meiner Ansicht fast etwas viel Verwirrung
      Hachja ... *kopfkratz* das glaube ich dir gern und stört mich auch ein wenig. Sind etwas kopflos in diese Geschichte hineingestolpert und haben etwas mehr Zeit benötigt um unseren Rhythmus zu finden. Keine Sorge, später wird es klarer und strukturierter. Bloß der Anfang, ja... holprig würde ich es wohl nennen.


      Alopex Lagopus schrieb:

      Ihr lieb es, euren Figuren ordentlich aufs Maul zu geben und ihnen keine Ruhe zu geben, oder? Bereits in zwei Threadseiten, sind beide Protagonisten zweimal an die totale Erschöpfung herangekommen und einmal durch ein magisches Elixir und dasd andere Mal durch einen zwilichtigen Waldgeist aufgeputscht worden, damit es noch mal zur Sache gehen kann. Übertreibt es nicht, irgendwann kaufe ich euch die Erschöpfung eurer Leute nicht mehr ab - kenne das ja schon aus Starraider
      Same here. Wir überspannen den Bogen gern mal, galoppieren voraus und haben dann Schwierigkeiten, uns wieder einzufangen. Aber keine Sorge, auch daran arbeiten wir! ;)


      Alopex Lagopus schrieb:

      Der Waldgeist hat auch mich verwundert - er erinnerte irgendwie nicht an einen Skarnen. Was meint er also mit "wir sind gleich?" Dass er so wenig fordert und nicht sofort hilft, sondern erst verzückt herumtänzelt, lässt ihn etwas zwielichtig erscheinen. Das macht ihn sehr gefährlich - gefällt mir
      Hehe, keine Ähnlichkeiten aufgefallen, wirklich?^^ Na, lassen wir ihm mal etwas Zeit ...


      Allerbesten Dank für Lesen und Kommentieren!

      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • So und schon bin ich auch wieder up to date ^^

      Wie es aussieht versucht ihr es diesmal mit mehr als zwei Protags ^^ Der Auror scheint noch ein ganz angenehmer Typ zu sein (scheint xD ) Aber euer Vampir/Blutmagier-kind ist gruselig. Typischer Fall einer Grauzone. Mit den vieren habt ihr auf alle Fälle schon eine ziemlich interessante Mischung. Ein Antagonist ist noch nicht in sicht, bisher werde alle mit ihren eigenen Interessen mit den Interessen anderer Konfrontiert oder in Ereignisse hineingezogen.

      Super der Übergang bei den neuen Protas :thumbsup: Bei Caspar erfährt man auch, wo dieser Ekel Storges abgeblieben ist - das Caspar ihn rettet macht das ganze echt interessant. Und bei eurem Auror habt ihr eine Verknüofung mit Maven. Auch wenn die beiden am Arsch der Welt (oder besser gesagt, gerade nicht dort, wo der Leser noch mit Maven und Vaendur war) sind, sind sie doch bereits irgendwie ins Geschehen eingebunden. Echt super raffiniert, davon kann ich mir was abgucken etwas lernen :D

      Weite so :thumbup:

      I think the saddest people always try their hardest to make people happy. Because they know what it´s like to feel absolutely worthless and they don´t want anybody else to feel like that.

      ~ Robin Williams







      :fox:


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    • @Maxwell @Chnorzi Hallöchen, kennt ihr mich denn noch? :hi2: Hab jetzt endlich mal die Zeit gefunden, weiter zu lesen.
      Spoiler anzeigen

      Maxwell schrieb:

      Dort fand man eine Kiste und Vaendur musste nicht die Gespräche der anderen überhören um zu wissen, wem der Inhalt gehört.
      lauschen, horchen etc. würde hier glaube ich besser passen. Überhören klingt für mich so, als würde er das Gespräch eher ignorieren.

      Maxwell schrieb:

      der nicht nur die Gesichtszüge des Alten, sondern wohl auch des Ausstrahlung geerbt hatte.
      Nur ein winziger Fehler: "dessen"

      Maxwell schrieb:

      Bis zu drei Tagen könne die Reise andauern, bei schlechtem Wetter oder lahmen Pferden.
      Da das ganze ja keine indirekte Rede ist, würde ich "konnte" schreiben.

      Maxwell schrieb:

      Die Blicke des jungen Mannes wanderten respektzollend zu den gewunden Hörner hinauf.
      "gewundenen" - ja, mal die ganz haarkleine Analyse, kein Tippfehler wird verschont :P

      Maxwell schrieb:

      Vaendur wusste nicht, was von ihm verlangt wurde, doch der Duft von gebratenem Huhn und frischem Brot lockte ihn
      Irgendwie hatte ich fest damit gerechnet, dass Vaendur Vegetarier ist ... aber anscheinend isst er Vegetarier :tada:

      Maxwell schrieb:

      „Nehmt auch“, bot das Biest an
      Da die Stelle aus Sicht Vaendurs geschrieben ist, finde ich es etwas seltsam wenn er hier als "Biest" bezeichnet wird. Das klingt so undankbar. Wie wäre es mit der Skarne o.ä?

      Maxwell schrieb:

      Im Gegenzug wollte er wissen, wie der Skarne sein rechtes Horn verloren hatte und bekam somit die Geschichte vom König Thorgrim zu hören, der vor Jahrzehnten die Nordvölker vereint hatte um in den Krieg gegen die Skarne zu ziehen.
      Meine Güte, wie alt ist Vaendur eigentlich? Wurde das schonmal irgendwo erwähnt? Der hat ja schon einiges erlebt! :hmm:

      Chnorzi schrieb:

      Dass er sie in gewisser Weise hatte entkommen lassen, hatte er niemandem anvertraut.
      Das "lassen" würde ich kursiv machen, dann wird die Bedeutung des Satzes deutlicher.

      Chnorzi schrieb:

      Wie von einer Witwe gebissen,
      Hier musste ich kurz lachen und der Vergleich hat mir auch gut gefallen. Nur kenn bloß ich die Redewendung nicht oder was sind das für seltsame, beißende Witwen? :xeno:

      Chnorzi schrieb:

      Körperkontakt war ihm nicht zu wider, aber lieber hätte er sich ein üppiges Flittchen über die Schulter geworfen, als dieses faserige Stück Haut und Knochen.
      Gott sei dank hast du noch diesen Satz folgen lassen! Ich dachte um ehrlich zu sein kurz an etwas anderes, dass er mit der Leiche machen wollte 8|

      Chnorzi schrieb:

      Damit hatte er seine Gedankengang abbrechen lassen und konzentrierte sich auf seinen weiteren Weg.
      Klingt etwas seltsam die Formulierung aber leider fällt mir gerade auch keine bessere ein ... Vielleicht stellst du den Satz einfach nochmal ganz um oder so.

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
    • @Alopex Lagopus

      Alopex Lagopus schrieb:

      Wie es aussieht versucht ihr es diesmal mit mehr als zwei Protags
      Jupp, next Level. Wir erhöhen den Schwierigkeitsgrad und den Spaß. :P

      Alopex Lagopus schrieb:

      Super der Übergang bei den neuen Protas Bei Caspar erfährt man auch, wo dieser Ekel Storges abgeblieben ist - das Caspar ihn rettet macht das ganze echt interessant. Und bei eurem Auror habt ihr eine Verknüofung mit Maven. Auch wenn die beiden am Arsch der Welt (oder besser gesagt, gerade nicht dort, wo der Leser noch mit Maven und Vaendur war) sind, sind sie doch bereits irgendwie ins Geschehen eingebunden. Echt super raffiniert, davon kann ich mir was abgucken etwas lernen
      Klasse! Dann klappt ja alles so, wie wir es uns vorgestellt und gewünscht haben. Freut mich, dass es dir gefällt.


      @Xarrot Jupp, willst mir bekannt vorkommen. ;)

      Xarrot schrieb:

      Da die Stelle aus Sicht Vaendurs geschrieben ist, finde ich es etwas seltsam wenn er hier als "Biest" bezeichnet wird. Das klingt so undankbar. Wie wäre es mit der Skarne o.ä?
      Ah, I see. Da aus der dritten Person geschrieben ist, geht es mMn in Ordnung, aber ich verstehe deinen Punkt. Anderseits: er IST nun mal auch ein Biest, da gibt es nichts schön zu reden. :D Zudem gingen mir sonst die Synonyme aus ... :sack: 8)

      Xarrot schrieb:

      Meine Güte, wie alt ist Vaendur eigentlich? Wurde das schonmal irgendwo erwähnt? Der hat ja schon einiges erlebt!
      Wurde glaube ich noch nicht explizit erwähnt, aber lass dir gesagt sein: er ist alt ...


      Vielen Dank für eure Anmerkungen und das Lesen!


      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Caspar


      Heute war Markttag und Caspar, als ein Bursche von gerade einmal dreizehn Lenzen, streunte über den Platz. Seit Vater sich das Bein verletzt hatte, mussten er selbst und Mutter für die Familie sorgen. Sie boten selbstgeflochtene Körbe feil, einige Felle und Selbstgeschnitztes. Mutter behielt den Stand im Auge, pries ihre Waren an und feilschte. Caspar indes stahl sich davon. In der Menge war er schnell verschwunden und besah sich somit in aller Ruhe die Stände der Händler aus fernen Ländern.
      Hier gab es seltene Gewürze, bunte Stoffe zu teuren Kleidern und Teppichen verwoben. Dazu Tiere, deren Namen er nicht kannte. Allesamt aufgespießt, gehäutet und gebraten. Es duftete köstlich.
      An einem großen Wagen, der mit zahlreichen Ornamenten geziert war, bot ein breiter Kerl mit schwarzem Rauschebart exotische Früchte an, die in Körben unter einer vielfarbigen Plane im Schatten dümpelten. Der Mann war gebaut, wie ein Fass und auf seinem nahezu kahlen Kopf ruhte ein viel zu kleiner Hut, an dem eine goldene Kordel hing. Mit donnernder Stimme pries er die Frische, die Süße und das Wilde seiner Ware an, bis es auch der letzte Kunde auf dem Platze verstanden hatte. Und tatsächlich drängelten sich die Leute um ihn.
      Auch Caspar konnte nicht widerstehen. Geschickt schlüpfte er geduckt durch die Menschenmenge bis nach vorn zu den prall gefüllten Körben hindurch. Zahlreiche Hände griffen nach den roten, grünen, gelben und rosafarbenen Früchten, drückten sie, drehten sie und schnüffelten daran. Dabei fiel hin und wieder auch eine hinab, zerplatzte auf dem staubigen Boden und spritze zu allen Seiten. Einmal jedoch bekam Caspar ein fallendes Exemplar zu fassen und wollte schnurstracks damit verschwinden, da hatte sich die Lücke hinter ihm bereits geschlossen und er stieß gegen eine Wand aus Menschenleibern. Beinah im selben Augenblick wurde er am Handgelenk gepackt und rüde herum gerissen. Der Händler schrie ihn an. Er keifte regelrecht, wobei sich Speichelbläschen in seinem Bart verfingen. Hatte er bis eben noch die werte Kundschaft in ihrer Sprache umworben, so verfiel er nun in seiner Raserei in ein polterndes Gebrabbel, dem Caspar kein Wort entnehmen konnte. Was er sehr wohl verstand, war die gebogene Klinge in der freien Hand des Rauschebarts.
      „Er gehört zu mir“, sprach jemand in ruhigem Ton und zog Caspar an den Schultern zu sich heran. Zögerlich ließ der Händler von ihm ab, grummelte noch etwas Unverständliches in seinen Bart, doch als der Fremde ein wenig Geld springen ließ, waren die Wogen schließlich geglättet.
      Nachdem sie die Menschentraube hinter sich gelassen hatten, kniete sich der Fremde vor den Jungen und sprach: „Gerade noch einmal gut gegangen, nicht wahr? Man nennt mich Valtr, und dich? Wie ist dein Name?“
      Er trug einen Talar, dem der Schmutz weiter Reisen über schlammige Straßen anhaftete. Sein Gesicht war das eines Greises, sein Haar schütter. Es waren die Augen, die man nie mehr vergaß. Das eine mit sanftmütigen Blick, das andere starr und unbeweglich. Als würde es seinen Gegenüber durchbohren wollen.
      Caspar brachte den eigenen Namen nur mit Mühe zwischen den trockenen Lippen hervor. Mehr wagte er nicht zu sagen.
      Valtr nickte, hob die grell leuchtende Frucht an den Mund und biss so herzhaft hinein, dass der Saft in Strömen an seinem Kinn hinablief. Kleine schwarze Kerne quollen aus der weichen Schale hervor wie Ameisen.
      „Probier“, schlug er vor und reichte dem Jungen das Obst.
      Gierig nahm Caspar es entgegen und schlug die Zähne hinein, worauf die Süße ihm beinah den Verstand raubte. Nie zuvor hatte er etwas so Köstliches gegessen.
      „Gut, nicht wahr?“, wollte sein Gönner wissen, während das starre Auge den Kopf des Jungen aufzubrechen schien. „Hör mir gut zu, Caspar.“
      Und Caspar hörte ihm zu. Er kaute und schluckte und biss erneut hinein, schlürfte den Saft, leckte ihn sich von den Lippen und grunzte dabei wie ein Schwein. Er hörte dem Fremden zu, auch wenn es da diese leise Stimme gab, irgendwo ganz tief hinten in seinem Hirn, die ihn anflehte zu laufen. Wegzuhören, sich umzudrehen und zu laufen. Zu fliehen. Ganz weit fort.
      „Du wirst bald sterben“, sprach Valtr und wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab. „Freust du dich auf den Tod?“

      Caspar erwachte unter dem dichten Blätterdach des Nordargs. Selbst am helllichten Tage ließen die hohen Kronen der eng beieinanderstehenden Bäume kaum einen Sonnenstrahl hindurch. Die Moose und Sträucher am Boden mochten dieses Halbdunkel und bildeten einen weichen Teppich, von dem sich Caspar nun erhob. Bei Tage schlief er meist, denn erst die Abenddämmerung weckte seine vollen Kräfte.
      Der Traum war immer der gleiche, zumindest in weiten Teilen. Hier und da gab es von Zeit zu Zeit Abweichungen. Kleine Veränderungen, wie die Farbe einer Frucht oder den Geruch eines Gewürzes. Andere Worte, gleicher Sinn. Es wirkte fast so, als wollte sich jemand einen Jux mit ihm erlauben. Als hätte Valtr ihm diese Erinnerungen absichtlich dagelassen und spielte mit ihr nach Belieben. Ganz ähnlich, wie bei dem Loch im Schädel. Caspar zweifelte nicht daran, dass es dem Magier möglich gewesen wäre, ihm diese Verletzung posthum zu nehmen. Zu heilen. Dennoch war dieser Zeuge der brutalen Tat des eigenen Vaters noch da, gut sichtbar, sofern nicht von einer Kapuze oder Hut verborgen. Auch hier hatte Valtr nach eigenem Belieben gehandelt und sich einen äußerst schlechten Scherz erlaubt.
      „Ihr seid ja noch da“, bemerkte Caspar schmunzelnd, als er den Söldnerhauptmann neben sich bemerkte. Storges hockte im Halbdunkel an einen Baumstamm gelehnt und hielt Wache.
      „Als hätte ich eine Wahl gehabt“, knurrte er. Und tatsächlich gab es für ihn keine. Das Blut, welches er gierig getrunken hatte, war Balsam für seinen geschunden Körper gewesen. Einer Wunderheilung gleich, hatten sich die Wunden geschlossen und neue Kraft flutete seine Muskeln. Im Gegenzug waren seine Seele und sein Wille an den Spender gebunden worden. Caspar genoss die unverhoffte Gesellschaft und wusste bereits, wie er seinen kräftigen Kompagnon mit dem Messer einsetzen konnte. Und nicht nur die schnöde fleischliche Hülle war ihm von Nutzen. Storges‘ Geist offenbarte allerhand Interessantes. Über eine Hexe und ein haariges Biest. Über silberne Ritter und einen abgebrannten Gasthof. Und über den Nebel, dem die Gilde Einhalt gebieten wollte.
      „Kommt schon, wir wollen weiter. Die Nacht verspricht interessant zu werden.“
      Seit Jahren suchte er nun schon nach Valtr. Dem Mann, den seine Mutter aufgesuchte hatte, damit er ihren totgeprügelten Sohn wiederbelebte. Dem sie alles anbot, was sie besaß und der sich alles nahm. Jetzt schienen sich die Wächter zusammen zu schließen um gegen den Nebelanzukämpfen. Und sollten die Magier des Zirkels der sieben Höllen, somit auch Valtr, nicht Seite an Seite mit den Wächtern kämpfen, so waren sie höchst wahrscheinlich deren Gegner. So oder so, es war die heißeste Spur seit Jahren.
      Wenn ich dich finde, alter Mann, dachte er, dann werde ich dir etwas weitaus Schlimmeres als den Tod bescheren. Verlass dich drauf.
      Sie erreichten den Waldrand und blickten über die Straße auf einen großes Gut.
      „Und hier leben die Leute, die die Hexe gefunden haben, ja?“, fragte Caspar seinen neuen Diener. „Die Ihr, als Ihr Euch feige, wie eine Ratte, in den Büschen versteckt habt, beobachten konntet?“
      Storges nickte knapp. „Ich denke schon. Die Familie kennt jeder hier in der Gegend. Zu reich um sich mit dem Pöbel abzugeben, zu unbedeutend um adelig zu sein.“
      Caspar ließ seinen Geist durch die Nacht vorausgleiten um eventuelle Gefahren auszumachen. Sie hatten einen Wachhund, sonst schliefen alle. Ein sachtes Lächeln umspielte seine dünnen Lippen. Dies versprach tatsächlich noch ein hochinteressanter Abend zu werden.
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Alopex Lagopus schrieb:

      An dieser Stelle muss ich wiedersprechen. Die Aneinanderreihung eines Frage- und Ausrufezeichens ist in meinen Augen ein wichtiges Stilmittel und bringt sehr gut einen verwirrten Ausruf zum Ausdruck.
      Aha! Dann war ich womöglich nicht ganz so falsch und mache nach Gutdünken weiter ^^

      Alopex Lagopus schrieb:

      Übertreibt es nicht, irgendwann kaufe ich euch die Erschöpfung eurer Leute nicht mehr ab - kenne das ja schon aus Starraider

      Maxwell schrieb:

      Hachja ... *kopfkratz* das glaube ich dir gern und stört mich auch ein wenig. Sind etwas kopflos in diese Geschichte hineingestolpert und haben etwas mehr Zeit benötigt um unseren Rhythmus zu finden. Keine Sorge, später wird es klarer und strukturierter. Bloß der Anfang, ja... holprig würde ich es wohl nennen.
      Jaaaaaaa... *stellt sich dazu mal hinter Maxwells Zitat und nickt bekräftigend*

      Alopex Lagopus schrieb:

      Echt super raffiniert, davon kann ich mir was abgucken etwas lernen
      Hähähä hört man gern <3

      Xarrot schrieb:

      Das "lassen" würde ich kursiv machen, dann wird die Bedeutung des Satzes deutlicher.
      Ist korrigiert :)

      Xarrot schrieb:

      Hier musste ich kurz lachen und der Vergleich hat mir auch gut gefallen. Nur kenn bloß ich die Redewendung nicht oder was sind das für seltsame, beißende Witwen?
      Ähem also... ursprünglich hatte ich geschrieben "Wie von der Tarantel gestochen" ... und fand dann irgendwie, dass die in diesen nördlichen Gefielden wohl keine Ahnung von Taranteln hätten. Da fiel mir ein Pendant dazu ein... beissende Witwen. Zweideutig wie eh und je aber macht trotzdem irgendwie Sinn im Unsinn :D

      Xarrot schrieb:

      Gott sei dank hast du noch diesen Satz folgen lassen! Ich dachte um ehrlich zu sein kurz an etwas anderes, dass er mit der Leiche machen wollte
      Ja so aus dem Zusammenhang gerissen bin ich ganz deiner Meinung 8|

      Xarrot schrieb:

      Klingt etwas seltsam die Formulierung aber leider fällt mir gerade auch keine bessere ein ... Vielleicht stellst du den Satz einfach nochmal ganz um oder so.
      Das ist bewusst so formuliert aber vielleicht in den Anfängen von Dilesos Charakter als Leser möglicherweise noch nicht nachvollziehbar. Seine Selbstkontrolle ist so fortgeschritten, dass er wortwörtlich den Gedankengang abbrechen lässt und seinen Fokus wieder auf den Weg lenkt.

      Mal wieder ein Dankeschön an euch für euer fleissiges Kommentieren! Ihr bringt uns echt voran! :love: <3

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • @Maxwell und @Chnorzi und eure Geschichte gefällt mir immer besser. Ich freu mich schon drauf, wenn es mal so richtig los geht! ^^
      Spoiler anzeigen

      Maxwell schrieb:

      Zuvor schimpfte sich das Örtchen Unkenwald, da besonders viele dieser Tierchen in dem vom Menrath gespeisten Tümpeln rundherum hausten. Ihr Quaken erfüllte die dunklen Nächte.
      Der letzte Satz erscheint mir irgendwie etwas deplatziert. Vielleicht verbindest du ihn ja noch mit dem davor, wäre mein Vorschlag.

      Ach ja und übrigens, weil ich ja mal angemerkt hatte, dass Vaendurs innere Reaktionen auf Situationen angeblich zu kurz kämen, vergiss das ich das jemals erwähnt habe. Wenn ich das nämlich mal mit den anderen Charakteren jetzt vergleiche, passt es einfach nur super in die Geschichte! Bei Caspar legst du ja scheinbar sehr wohl Wert auf das, was der gute denkt und empfindet, wodurch sich die einzelnen Personen nochmal mehr voneinander abheben. :thumbsup:

      Maxwell schrieb:

      fragte der Mann, der ihn hereingebeten hatte, während er mit einer Hand das alte Mütterchen Deryas gepackt hatte
      "Deryas altes Mütterchen" würde ich schreiben, so klang es kurz, als sei Deryas die alte Frau.

      Chnorzi schrieb:

      und gerade in diesem Moment erkannte sie Reynard in ihm wieder. Er hatte denselben unbeugsamen und durchdringenden Ausdruck in den Augen.
      "und gerade in diesem Moment erkannte sie seinen Vater Reynard in ihm wieder." - wäre ein kleiner Verbesserungsvorschlag meinerseits, damit die Bedeutung des ganzen besser rüber kommt.

      Maven gefällt mir als Charakter inzwischen sehr gut, was ich anfangs nicht dachte. Irgendwie kam sie mir da, frag mich nicht wieso, etwas kindisch rüber :pardon: . Aber mittlerweile ist sie in meiner Vorstellung eine selbstsichere und starke Frau, die einem ordentlich Feuer unterm Hintern machen kann, ohne dabei wie jemand zu wirken, der zu keinen Kompromissen in der Lage ist.
      Allerdings, aber das ist jetzt wohl nur meine eigene Meinung, hätte ich mir gern eine etwas ausführlichere Beschreibung von Silberstadt gewünscht. Gerne auch mit einer geschichtlichen Anekdote oder so etwas, damit man sich unter dem Namen auch wirklich etwas vorstellen kann. Aber ist wohl auch ein wenig Geschmackssache. :whistling:

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
    • Xarrot schrieb:

      Allerdings, aber das ist jetzt wohl nur meine eigene Meinung, hätte ich mir gern eine etwas ausführlichere Beschreibung von Silberstadt gewünscht. Gerne auch mit einer geschichtlichen Anekdote oder so etwas, damit man sich unter dem Namen auch wirklich etwas vorstellen kann. Aber ist wohl auch ein wenig Geschmackssache.
      Stimmt! Jetzt wo du es sagst, das könnte man tatsächlich noch einfügen. Wir klemmen uns da mal dahinter :)

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • Spoiler anzeigen
      Dem Mann, den seine Mutter aufgesuchte hatte, damit er ihren totgeprügelten Sohn wiederbelebte.


      aufgesucht


      Caspar sinnt also auf Rache gegen den alten :hmm: damit kommen also auch diese Bluthexer richtig ins Spiel, die amaAnfang erwähnt wurden. Auf alle Fälle wird es interessant, da man noch nicht genau weiß, auf welcher "Seite" er steht. Außerdem halte ich ihn fast für den gefährlichsten. Maven kann zwar alles nieder brennen, aber er kann Leute retten, versklaven und deren Erinnerungen teilen o. O

      Mal sehen was der andere Kerl noch so kann, dem Maven entwischt ist :D

      I think the saddest people always try their hardest to make people happy. Because they know what it´s like to feel absolutely worthless and they don´t want anybody else to feel like that.

      ~ Robin Williams







      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Ach du lieber Himmel! Hab ich da etwa bis zum aktuellen Stand aufgeholt? Was soll ich denn jetzt lesen :tumbleweed:

      Maxwell schrieb:

      Mit donnernder Stimme pries er die Frische, die Süße und das Wilde seiner Ware an, bis es auch der letzte Kunde auf dem Platze verstanden hatte.
      Ich weiß nicht was für Früchte da sind, aber "wild" finde ich im Bezug auf Obst etwas unpassend. Wie wäre es mit "das Exotische" oder etwas in der Art?

      Maxwell schrieb:

      „Du wirst bald sterben“, sprach Valtr und wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab. „Freust du dich auf den Tod?“
      Jetzt muss ich mir Valtr irgendwie als alten Pedo vorstellen ... ("Hallo Kinder!" :pooh: )

      Ansonsten ... warte ich dann mal auf die Fortsetzung ... :orc:

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
    • Dilesos

      Die Fingerspitzen der Kurtisane strichen ehrfürchtig über seinen muskulösen, behaarten Oberkörper, während er nachdenklich an die unspektakuläre Untersicht des Himmelbetts starrte, in welchem er sich vor einigen Augenblicken die wohlverdiente Entspannung gegönnt hatte. Er hatte gehofft, Sylvie würde ihn auf etwas andere Gedanken bringen und vorübergehend hatte das auch funktioniert, doch nun drängten sich ihm wieder die Erinnerungen an die letzten Stunden auf, in welchen der Dämon unter Folter dazu gebracht worden war, all sein Wissen über den Nebel zu enthüllen. Er sprach von Grungol, dem Herrscher der dritten Hölle und davon, dass die Teufel sich zurückholen würden, was ihnen rechtmäßig zustünde. Nämlich Arenor.
      „Less? Alles in Ordnung?“, hörte er die seidenweiche Stimme seiner Bettgenossin, die ihn nun mit aufgestütztem Kopf forschend ansah, „Bedrückt dich etwas?“
      Er sog die Luft scharf durch die leicht geknickte Nase ein und setzte sich schließlich mit etwas Schwung auf die Bettkante.
      „Nichts, womit ich dich belasten will“, als er sich erheben wollte, hielt sie ihn an der Schulter zurück.
      „Rede mit mir“, versuchte sie ihn eindringlich zu überzeugen, doch er lächelte nur entwaffnend und strich über ihren Handrücken.
      „Weißt du, meine Liebe, es gibt Dinge, die Lämmer nicht zu wissen brauchen.“
      Beleidigt zog sie die Hand zurück und schwang sich ihrerseits aus dem Bett. Als sie ihren nackten Hintern durch das Zimmer zu ihrem Gewand bewegte, beobachtete er sie mit einem schiefen Schmunzeln.
      Erst als sie mit einem letzten, grimmigen Blick das Zimmer verlassen hatte, erhob er sich und begann sich anzukleiden. Mit geübten Handgriffen war er innert Minuten aufbruchsbereit, doch als sein Blick das Fenster streifte, blieben seine Augen am bewaldeten, nördlichen Horizont hängen. Die Dunkelheit, die sich dort allmählich zusammenbraute, wirkte bedrohlicher denn je.

      „Ihr müsst die Kunde nach Löwenstein bringen.“
      Der weißbärtige Erzmagier zu Rilas-Tan war müde über seinem Schreibtisch zusammengesunken und stützte den Kopf in eine Hand, während er Dilesos mit der anderen einen versiegelten Brief entgegenstreckte.
      Dieser runzelte die Stirn deutlich und hielt die Arme locker hinter dem Rücken verschränkt. „Bei allem Respekt, Eminenz, warum schickt Ihr nicht einen Boten?“
      „Diese Nachricht ist zu wichtig, Auror Norvenson! Hier sind Mächte am Werk, die nicht zu unterschätzen sind!“, etwas aufgebracht stemmte sich der korpulente Alte auf die Beine und seine Augen ruhten eindringlich auf Dilesos, „Die sieben Höllen werden alle Hebel in Bewegung setzen, dass König Lester und Magister Owles nichts von alledem erfahren, damit sich der Nebel weiter in Ruhe ausbreiten kann.“
      „Würde es nicht mehr Sinn ergeben, mich nach Wolfshain zu schicken, um dort nach dem Rechten zu sehen?“, gab der Auror zu bedenken und hielt dem Blick des Erzmagiers stand, „In Löwenstein kann ich nichts ausrichten. Von Politik verstehe ich nichts, Eminenz.“
      „Offensichtlich“, grollte er und fuhr sich verärgert durch den Bart, „Nichtsdestotrotz gebe ich diese Nachricht in Eure fähigen Hände und ihr werdet noch in dieser Stunde losreiten.“
      Dilesos holte langsam Luft, nickte schließlich knapp und nahm das Schreiben entgegen, „Wie Ihr wünscht, Eminenz.“ Mit einer leichten Verneigung tat er zwei Schritte rückwärts, wandte sich dann ab und verließ das Arbeitszimmer des Erzmagiers. Während er die Gänge entlang auf den Hof hinausstapfte, versuchte er seinen Ärger zu schlucken und steuerte in Richtung der Ställe.
      „Will!“, brüllte er über den Innenhof der Akademie hinüber zur Küche, wo ein Junge von knapp zehn Lenzen auf einem Schemel saß und Kartoffeln schälte, wobei zwei junge Ferkel begierig die Schalenstücke fraßen, welche dabei zu Boden fielen. Der Junge sah hoch, sprang dann mit glänzenden Augen auf die Füße und sprintete ihm im Eiltempo hinterher.
      „Auror Norvenson, Sir?“, fragte dieser nervös und tippelte gespannt hinter dem Hünen her.
      „Ich brauche drei Tagesrationen“, nach diesen Worten drückte er dem Kleinen einen Silberling in die schrumpeligen Finger, „Ab.“
      Mit einem freudigen Fiepen und einem „Sofort, Sir!“ machte er auf dem Absatz kehrt und hastete schnurstracks zurück in Richtung Küche davon, während Dilesos die Ställe betrat. Mittig führte ein strohbedeckter Gang bis an die Rückwand des Bretterbaus, während links und rechts der Blick auf je vier Pferdeboxen frei wurde. Der Knecht war wohl mittlerweile beim Mittagessen, weswegen sich der Auror selbst um die Sattelung seines Tieres kümmerte. Bramo scharrte etwas nervös auf dem lehmigen Boden und warf ab und an den Kopf auf, während Dilesos ihm die Decke überwarf.
      „Keine Sorge, mein Freund, es wird ein kurzer und langweiliger Ritt nach Löwenstein“, murrte er und zurrte schließlich mit einem guten Ruck den Sattel fest, „Freu dich, das Heu dort soll sehr lecker sein“, mit einem schiefen Grinsen packte er die Zügel und führte seinen altgedienten Gaul auf den Innenhof hinaus, wo ihm Will schon mit einem Beutel entgegengerannt kam. „Sir, der Proviant!“, keuchte er etwas außer Atem und lächelte dem Auror mit seinen strahlend weißen Zähnen entgegen.
      „Ich danke dir, mein Junge. Grüß mir deine Mutter“, meinte er mit einem Zwinkern und befestigte erst den Beutel am Sattel, dann schwang er sich auf den Rücken des Tieres.

      Mit einem kurzen Kontrollgriff tastete er nach der versiegelten Nachricht, welche unter seiner Rüstung gut verwahrt in der Brusttasche steckte. Sollte Grungol tatsächlich vorhaben, den Brief abzufangen bevor er Löwenstein erreichte, würde er sie ihm aus den kalten, toten Händen klauben müssen. Auf dem Weg durch das Drachensteingebirge kreuzte er ab und an den Weg mit Händlern oder Reisenden, welche die Hand zum Gruße hoben und meist ein Lächeln für ihn übrig hatten. Dennoch war seine Anspannung bisher bei jeder Begegnung gestiegen. Mit Grungol war nicht zu Spaßen. Er war das Pendant zur Wächterin Gabria, Herrin über die Schatten seiner Zeit. Grungol hatte stets versucht, sie auf seine Seite zu ziehen und bei den meisten Anhängern Gabrias hatte er es auch geschafft. Die Kunst der Schatten hatte einen sehr schmalen Grat zur Teufelsmagie zu beschreiten, weshalb sie in Arenor mittlerweile auch verboten worden war. So wie die Blutmagie, welche vor unzähligen Jahrhunderten Wächter Than verkörpert hatte. Der Teufel Trolvur und der Wächter Than waren Brüder, so erzählte man sich. Während Trolvur das verderbte Blut der Toten in den Kreisen der fünften Hölle trank, tat Than alles in seiner Macht stehende, um die Sterbenden von der Verderbnis Trolvurs‘ zu befreien, um seine Macht zu schmälern und ihn in den Höllen zu halten. Untote, Blutsauger und Schattenwandler waren die Folge der höllischen Auswüchse in Arenor.
      „Möge Lex unseren Weg beleuchten, Bramo, auf dass wir unbeschadet in Löwenstein ankommen.“

      Die Reise führte ihn dem Hellweg entlang durch hohes Gebirge, doch bei seinem schnellen Ritt ließ er es schon vor der Dämmerung hinter sich. Sein Ziel war Therim, dessen Stadttore er erst erreichte, als die Nacht schon seit einigen Stunden hereingebrochen war. Bramos Mund schäumte vor Anstrengung, als Dilesos das Tempo vor den verschlossenen Toren Therims drosselte. Mit schmerzenden Gliedern liess er seinen Blick über die Mauer und die Umgebung schweifen, wobei Bramo mit lautem Schnauben und nervösem Scharren an Ort und Stelle trabte. Mit lautem Rufen machte sich Dilesos schliesslich bemerkbar.
      „Was wollt Ihr?!“, brüllte eine Wache von der hohen Steinmauer, welche den kleinen Ort umringte.
      „Herrje, was will ich wohl“, grummelte der Auror vor sich hin. Sein Rücken schmerzte, vom Hinterteil ganz zu schweigen und während sein Magen knurrend um Proviant bettelte, erhob er schließlich mit viel Überwindung höflich die Stimme wieder, „…Einlass?“
      „Die Tore sind geschlossen!“
      „Ach was?“, rief Dilesos und warf die Hände in die Luft.
      „Wer seid Ihr?“, wollte ein anderer wissen.
      „Dilesos Norvenson, Auror der Wächter von Arenor zu Rilas-Tan! Jetzt öffnet dieses verfluchte Tor!“
      Getuschel war von der Mauer zu hören, während Dilesos seinen Blick immer wieder durch die Nacht wandern ließ. Schattendämonen waren in der Dunkelheit nahezu unmöglich auszumachen, was ihn zusätzlich unruhig machte.
      Endlich knarrten die massiven, eisernen Scharniere des rechten Torflügels und es öffnete sich ein Stück. Gerade als er seinem Pferd die Sporen gab, um voranzuschreiten, warf es aufgebracht wiehernd den Kopf auf und trampelte protestierend ein paar Schritte rückwärts. Dann hörte er einen panischen Aufschrei von der anderen Seite des Tors, der abrupt in einem Gurgeln endete.
      „Nein“, stieß Dilesos keuchend aus und sprang aus dem Sattel. Seine Klinge sang leise, als er sie aus der Scheide riss und mit großen Schritten das Schlimmste befürchtend auf den offenen Türflügel zu rannte.
      Kaum hatte er den Durchgang hinter sich gelassen, bot sich ihm im Widerschein der Fackeln ein grausiges Bild. Die beiden Wachmänner hinter der Tür lagen mit aufgerissenen und blutüberströmten Kehlen reglos am Boden, während ein dritter gerade von der Mauer fiel und neben dem Auror genauso verstümmelt rasselnd in den Dreck stürzte.
      „Komm her, du Mistvieh!“, und kaum waren Dilesos' zornentbrannte Worte über die Lippen gekommen, sah er den Angriff der Höllenbrut auf sich zukommen. Geistesgegenwärtig riss er die Klinge hoch, doch der prophezeite Schlag blieb aus. Nicht schon wieder, schoss es ihm grimmig durch den Kopf, dann warnte ihn ein lauer Luftzug vor. Die Reaktion kam postwendend und seine Linke schnellte vor. Noch ehe das Wesen ihn erreichen konnte, hielt er es mit seiner Arkankraft in der Schwebe, wo es hilflos und verwirrt zappelte.
      „Richte deinem Meister aus, dass er sich gefälligst etwas mehr Mühe geben soll“, knurrte er und der darauffolgende, gewaltige Schwertstreich teilte das Wesen entzwei. Dann ließ er den leblosen Dämon achtlos zu Boden fallen und eilte zu den Wächtern, doch es war zu spät. Sie waren allesamt tot. Drei weitere Soldaten kamen kreidebleich und mit angsterfüllten Gesichtern angerannt.
      „Stehen bleiben!“, rief einer, während die beiden anderen nervös die Sehnen ihrer Bögen spannten und die Pfeilspitzen auf Dilesos richteten. Von der Spitze seiner Klinge tropfte schwarzes Blut und über sein Gesicht tanzten finstere Schatten, welche die Fackeln warfen. Er zupfte gemächlich ein Tuch von seinem Gürtel, wischte das Schwert sauber und ließ es zurück in die Scheide an seiner Hüfte gleiten. Sein Blick ruhte dabei wachsam auf den drei unruhigen Hütern, deren Aufmerksamkeit er nun auf den toten Dämon zu seinen Füssen lenkte.
      „Meine Herren, darf ich vorstellen: Ein Schattendämon aus der dritten Hölle.“
      Als sie wohl endlich davon überzeugt waren, dass der Fremde nicht ihr Feind war, entspannten sie sich etwas und während die beiden Bogenschützen sich leise würgend um die Toten zu kümmern begannen, wurde Dilesos mit Bramo im Schlepptau vom Dritten zum Dorfältesten gebracht.
      „Bei den Göttern, das ist schon der vierte Angriff in den letzten beiden Wochen“, keuchte der Wächter, während er neben dem Auroren herging und sich fassungslos die Stirn rieb, „Wenn das so weiter geht, wird uns Löwenstein Verstärkung schicken müssen, sonst sind wir diesen Bestien bald schutzlos ausgeliefert.“
      „Ich werde die Geschehnisse dem König berichten. Er wird angesichts eurer misslichen Lage sicher nicht untätig bleiben.“
      „Misslichen Lage“, schnaubte der Wächter, während er Dilesos die Zügel seines Pferdes abnahm und auf die Eingangstür eines stattlichen Hauses deutete, „Acht Opfer, Sir. Davon war eines die Tochter des Dorfältesten Sommer. Ein gut gemeinter Rat: Bezeichnet unsere Situation ihm gegenüber bloß nicht als missliche Lage…“

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • Hiho @Xarrot!


      Xarrot schrieb:

      Was soll ich denn jetzt lesen
      Ach, keine Sorge, dem kann Abhilfe geschaffen werden ;)

      Xarrot schrieb:

      Jetzt muss ich mir Valtr irgendwie als alten Pedo vorstellen ... ("Hallo Kinder!" )
      :rofl: Okay, ich muss darüber nachdenken, ob ich das so gut finde, oder nicht. Ganz verkehrt ist der Gedanke ja nicht ... :D

      Danke für's Lesen und Kommentieren.

      Viel Spaß auch weiterhin!

      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Vaendur

      Dampfende Schwaden krochen über kahlen Fels. Von allen Seiten drangen sie auf ihn ein und Vaendur glaubte seinen Sinnen kaum – er war zurück. Heimat. Unter den Füßen spürte er schroffes Gestein, harten Boden mit nicht nennenswerter Fruchtbarkeit. Die Luft war klamm und der Wind stand still. Ein fernes Brummen ertönte, wie der Ruf aus tausend Kehlen. Schlagartig wurde sich Vaendur nicht nur bewusst, wo er sich befand, sondern auch wann. Er hechte einen nahen Hügel hinauf, vorbei an dürrem Gestrüpp, welches sich verzweifelt an den Stein klammerte. Ziegen begegnete er nicht. Die hatten die Gefahr schon lange gerochen und waren in den hintersten Teil der Insel geflohen.
      Sanfter Nieselregen setzte ein und der Nebel begann sich zu lichten. Einem Vorhang gleich bot er dem geneigten Zuschauer Blick auf die Bühne. Vaendur erreichte die Spitze und hier schlug ihm nun auch der Wind entgegen. Ein aufkeimender Sturm, der die weite Amnhor See, deren Fluten das kleine Archipel umgaben, aufpeitschte. Bis zum Horizont streckte sich das dunkle Meeresband, doch auf seinen wütenden Wellenkämmen tanzten unzählige Schiffe. Ungetüme aus Holz und Eisen, deren Mannschaften sich Mut zu riefen und ihre Feinde verfluchten. Ihre Lichter flackerten und setzten das Meer in Brand.
      Nein, sprach eine Stimme, die von überallher zu kommen schien. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt. Konzentriert Euch!
      Sie klang ungehalten und hallte unangenehm laut in Vaendurs Kopf wieder. Mit klopfendem Herzen sah er sich nach ihrem Ursprung um, da erhoben sich die Lichter von den Schiffen und flogen zu tausenden auf die Nebellande zu.
      Es wurde schwarz und gleich darauf fand sich Vaendur neben den Seinen wieder.
      Sie standen an einer Senke, die hinab zu den Ufern des Midgars führte. Der Fluss entsprang einer Quelle in den zerklüfteten Bergen der größten der sieben Inseln des Archipels. Seine dunklen Wasser führten sonst nur grauen Fisch, doch am heutigen Tage kämpften sich hunderte kleinerer Boote stromaufwärts. Tausende Nordmänner in ledernen und eisernen Rüstungen, bewaffnet mit Schild, Axt, Schwert und Speer ergossen sich aus den taumelnden Nussschalen auf die sandigen Ufer. Im Verlaufe der Schlacht hatte sich der Himmel schwarz gefärbt, schickte Regengüsse mit Blitz und Donner. Die Fackeln der Menschen ergaben einen flammenden Lindwurm, der mehr und mehr ins Landesinnere vordrang.
      Ein Brüllen ertönte, das dem Donner in Nichts nachstand. Vaendur und die anderen Skarne wandten sich um. Dort, am höchsten Punkt der Senke stand Ardan Torc, der Ebermann. Dicke, schwarzglänzende Hauer drangen aus seinem platten Schädel hervor und seine breite Brust wölbte sich, als er den Befehl zum Angriff gab. Über dem Kopf hob er dabei den riesigen Zahn einer längst vergangenen Bestie, die einst, wenn nicht hier lebte, so doch hier gestorben ist.
      Nein, nein, herrschte ihn wieder die Stimme an, die überall und nur in seinem Kopf zu sein schien. Noch nicht ganz. Es ist noch nicht soweit. Konzentriert Euch mehr!
      Und als die Skarne eine Lawine an Geröll auf ihre Angreifer hinabprasseln ließen, verschwand wieder alles im Dunkeln.
      Er öffnete seine Augen in einem Blutregen. Der Mann, den er sich mit beiden Klauen über den Kopf hielt, zappelte und schrie noch, bevor er in Stücke gerissen wurde. Vaendurs Gebrüll übertönte den Sterbenden jedoch bei Weitem. Mit blutbesprenkeltem Fell, rasendem Herzen und dem Wahnsinn im Blick wütete er weiter über das Schlachtfeld. Viele Skarne waren mittlerweile gefallen, dazu weitaus mehr Menschen. Zusammen lagen sie im Schlamm, den der stetige Regen geschaffen hatte, wo sie in Dreck und Blut ertranken.
      Den Streitkolben schwingend stapfte der nächste auf ihn zu, kletterte über seine gefallenen Kameraden und wurde vom Tod empfangen. Vaendur verpasste ihm einen Kopfstoß mit den Hörnern voran, was den Nordmann förmlich in den Boden stampfte. Ein Speer flog heran, Armbrustbolzen folgten und trafen. Der Skarne taumelte zurück, schaffte es aber dennoch seinem nächsten Gegner die Axt aus der Hand zu nehmen und ihm mit der freien Pranke das Genick zu brechen. Die Waffe war zu klein für seine Hände, weswegen er sie hinfort warf – einem weiteren Mann in die Brust. Schließlich grub sich etwas Scharfes in seine Kniekehle. Knurrend ging Vaendur zu Boden, wehrte mehr Feinde ab indem er sie beiseite wischte oder in den feuchten Grund drückte. Da wurde ihm plötzlich ein Schild mit unglaublicher Wucht gegen das Kinn geschlagen, sodass er seinen Körper mit einem Arm stützen musste um nicht zu fallen. Er schlug um sich, doch der Andere tauchte darunter hinweg und verpasste ihm einen Schlag mit dem Axtblatt. Vaendur landete jaulend auf dem Rücken. Schon war der Fremde über ihm – eine Hüne mit langem Bart und entsetzlich verzerrter Fratze. Sein Brüllen dröhnte in Vaendurs Schädel bis die blau leuchtende Axt auf ihn niederging.
      Nein!, rief die Stimme aus dem Nirgendwo.
      Es wurde schwarz um ihn herum.
      Nein! Nein! Nein! Wir sind noch nicht fertig! Nein! Bei den Göttern…

      Es war, als holte man einen Ertrinkenden an die Wasseroberfläche. Vaendur durchstieß die Barriere ins Bewusstsein und wurde von hundert Eindrücken gleichzeitig empfangen. Licht, Wärme, leichter Wind, harter Boden und Gerüche. Er wollte sich aufbäumen um der Axt zu entkommen, die nicht mehr da war. Er brüllte dem alten Feind entgegen, der seit Dekaden schon tot war. Ketten rasselten und hielten ihn an Ort und Stelle.
      „Beruhigt Euch“, herrschte ihn jemand an. „Um Armenias Willen, so beruhigt Euch doch!“
      Endlich nahm Vaendur die zierliche Person vor sich wahr, die ihn auf etwas wackligen Beinen zu Ruhe gemahnte. Doch sein Körper war noch im Rausch des Kampfes. In seinen Erinnerungen hatte er soeben die größte Schlacht seines Lebens nachempfunden und die hing ihm noch in den Knochen, Muskeln und Sehnen nach. Er wollte um sich schlagen, beißen, treten, wüten. Die Ketten an seinen Hand- und Fußgelenken knirschten, die Verankerungen in der Wand hinter ihm gaben ächzende Laute von sich.
      „Genug jetzt!“, donnerte die Fremde – eine Frau, die ihm knapp über die Knie reichte. Unter ihrer langen dunklen Robe schoss ein Arm hervor und augenblicklich ertönte ein ohrenbetäubender Knall, der den Skarnen zurückwarf. Der Luftstoß zwang ihn in die Knie und wirbelte sogleich jede Menge Staub auf. Dabei gab ihr Gewand für die Zeit eines Wimpernschlags den Blick darunter frei und Vaendur erkannte, dass der rechte Ärmel ihres Kleides offenbar zugenäht war, als fehle ihr der Arm.
      „Ich dulde keine weiteren Ausbrüche dieser Art“, forderte sie. „Habt Ihr mich verstanden? Und nun…“ Sie richtete ihre Kleidung, strich einige losgelöste Strähnen silbrigen Haares zurück und ließ sich ächzend auf den Stuhl hinter sich nieder. Sofort rannten zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, herbei, um ihr zu helfen. Sie winkte ab. „Erinnert Ihr Euch, wo Ihr seid?“
      Vaendur widerstand dem Drang sich erneut in die Ketten zu werfen um alles und jeden um sich herum in Stücke zur reißen nur mit Mühe. Nur allmählich sickerte die Gegenwart wieder zurück in seinen Verstand und vertrieb die Gedanken an Mord und Blut und Tod. Tatsächlich hatte er keine Ahnung davon, wo er war. Er befand sich offenbar im Hof einer Burg. Hohe Mauern umgaben ihn und zwischen den Zinnen lugten behelmte Männer mit grimmigen Gesichter hervor, in deren Händen gespannte Armbrüste ruhten. Der Boden war festgetretener Lehm und es roch nach Hund. Am Himmel zogen ein paar Schleierwolken dahin und die Schatten des Burgfrieds verrieten, dass die zweite Tageshälfte bereits vorangeschritten war.
      Er schüttelte den Kopf.
      Ein leichtes, kaum merkliches Zucken durchstreifte die tiefen Furchen der Fremden. Ihr Gesicht war eigentlich viel zu weich und könnte fast freundlich wirken, wenn der Blick nicht diese unnachgiebige Härte ausstrahlen würde. Die beiden Kinder hinter ihr warfen sich nervöse Blicke zu.
      „Und wie ist Euer Namen? Erinnert Ihr Euch daran?“
      Er nickte. „Ich bin Brons Vaendur. Skål meines Volkes.“
      Sie schien erleichtert. „Gut, gut. Das ist gut. Erinnert Ihr Euch auch noch an meinen Namen?“
      Vaendur setzte bereits zu einem Kopfschütteln an, da keimte eine zarte Erinnerung auf. Sie wuchs heran, wurde größer und blühte. „Magistra Nyra Alysseus Milevon…“, sprach er zögerlich.
      Jetzt leuchteten die Augen der kleinen Frau regelrecht auf und sie rutschte unruhig auf dem Stuhl, den die Kinder ihr hierher getragen hatten, hin und her. „Sehr gut. Ein leichter Gedächtnisverlust, aber das ist zu verschmerzen. Ihr befindet Euch in Silberstadt, genauer in der Hohen Feste – Herzog Adalrichs Sitz. Gestern seid Ihr hier angekommen und Erzmagier Ildesar hat mich beauftragt, Euren Wert im Kampf gegen den Nebel einzuschätzen. Versteht Ihr das?“
      Vaendur stöhnte. Ihm brummte der Schädel und noch immer glaubte er Kriegsgeschrei zu hören.
      Als keine Antwort kam erhob sich die kleine Frau schließlich und streckte ihren verbliebenden Arm nach ihm aus. „Wir sollten weitermachen solange Eure Erinnerungen noch frisch sind. Wir sind noch nicht zum Kern vorgestoßen, doch ich spüre, dass es nicht mehr weit ist, wenn…“
      Sie kam nicht zum Ende des Satzes, denn allein die Androhung ihn gleich wieder dorthin zurück zu schicken, wo er beinah jeden seines Volkes verloren hatte, reichte aus um Vaendur fast in Panik zu versetzen. Er wich an die Wand zurück und knurrte: „Nein! Nicht nochmal. Nein!“
      Magistra Nyra schaute verständnislos drein, dann wurde ihr Kopf rot und sie stieß verärgert hervor: „Versteht Ihr denn nicht, wie wichtig das ist? Versteht Ihr nicht die Lage, in der wir uns befinden?!“ Langsam, ganz langsam sank sie auf den Stuhl zurück, erneut flankiert von den Kindern, und während sie sich die Nasenwurzel rieb, sprach sie: „Der Nebel schreitet unaufhörlich voran und unsere Verluste sind bereits zu hoch. Wir haben nichts, rein gar nichts in der Hand. Ihr Skarne ward einst die Hüter des letzten Restes Nebel, der in der Übereinkunft zwischen Wächtern und Teufeln vor Äonen belassen wurde um den Frieden zu wahren. Nun breitet sich der Nebel auf Arenor erneut aus und Ihr seid hier. Glaubt Ihr etwa, das ist ein Zufall? In Eurer Erinnerungen liegt ein Schlüssel oder zumindest ein Hinweis darauf, was geschehen ist und was nun zu tun ist. Es muss einfach so sein!“
      Vaendur entging nicht, wie sich ein Hauch Verzweiflung gegen Ende ihrer Rede in ihre Stimme eingeschlichen hatten. Es verursachte bei ihm eine Gänsehaut.
      „Aber ich verstehe“, sagte sie weiter und klang nun wie die alte Frau, die sie war, „dass Ihr Ruhe benötigt. Nur drängt leider die Zeit. Ich werde Euch etwas zu Essen bringen lassen und Wasser. Und in ein paar Stunden fahren wir fort. Es muss sein. Glaubt mir, wenn ich sage, dass wir hier noch lange nicht fertig sind.“
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.

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