Die Nebel von Arenor

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    • Die Nebel von Arenor

      Hallo Leute!

      Auf ein Neues... @Chnorzi und ich haben ein weiteres Projekt in den Startlöchern und diesmal bleiben wir dem Forenmotto getreu und stürzen uns Hals über Kopf in die Tiefen der High Fantasy. Dabei versuchen wir uns an einer etwas ungewöhnlicheren Geschichte, bzw. Charakterkonstellation. Sicher hat jeder schon einmal davon gehört "Feuer mit Feuer" zu bekämpfen? :evil:

      Ohne weitere Umschweife soll es losgehen. Erst noch eine kleine Einführung und schon befinden wir uns mitten im Abenteuer.

      Kritik jedweder Art ist herzlich willkommen. ^^

      Aber allen voran: Viel Spaß beim Lesen! 8)



      Die Nebel von Arenor

      Am Anfang war der Nebel. Er lag schwer über den Ebenen, umhüllte die hohen Berge, füllte die Täler und ertränkte die Wälder in mattem Schein. Die Welt war gedämpft, erstickte in weißen Schwaden.
      Unter der Herrschaft der Sieben Teufel wandelten Schattenkreaturen durch die Lande. Grausame Gestalten, Dämonen, deren Lust und Gier nach Blut und Qualen ihrer Welt ein baldiges Ende bescheren sollten. Ein Ungleichgewicht war entstanden, dem bald entgegengewirkt wurde. Als es am Schlimmsten war, erschienen die Wächter Arenors, ebenfalls sieben an der Zahl, und vertrieben den Nebel mitsamt seinen Ungeheuern. Ein grausiges Spektakel entstand, an dessen Ende sich Teufel und Wächter gegenüberstanden. Sie schmiedeten einen Pakt. Während die Teufel fortan in der Unterwelt hausten, bezogen die Wächter Sitz im Himmelsreich und niemand von ihnen sollte jemals wieder die Erde betreten. Stattdessen wurden die fruchtbaren Ländereien Arenors der gemeinsamen Schöpfung, den Menschen, überlassen.
      Die Nachkommen der Wächter, Arkane und Elementarmagier, schlossen sich zu einer Gilde zusammen um der Menschheit als Vertreter der Götter beizustehen.
      Der Nebel war verdrängt worden bis auf ein kleines Inselarchipel im hohen Norden. Noch Jahrhunderte nach dem Pakt wurden vereinzelt verunstaltete Kinder geboren, mehr Tier als Mensch, die den Traditionen nach auf diese fernen Inseln gebracht wurden. Doch selbst diese uralte Macht schwand schließlich.

      Jahrtausende später erlebte Arenor eine Zeit des Friedens, nachdem diverse Kriege um die Thronfolge das Volk gebeutelt hatten. Nun füllten sich allmählich wieder die Kornspeicher, das vergossene Blut nährte den Boden und ließ die Ähren sprießen. Niedergebrannte Dörfer wurden erneut aufgebaut und aus dem Ächzen der Bevölkerung wurde ein Aufatmen.
      Zu dieser Zeit trug es sich zu, dass ein uraltes Übel in die Welt zurückkehrte. Von Nordwesten her zogen graubleiche Schwaden durch die Wälder und verschlangen alles und jeden, den sie zu schlucken bekamen.
      Der König auf Löwenfels suchte nun in allen Winkeln seines Reiches und darüber hinaus nach Wegen und Möglichkeiten um diesem Nebel und seiner Ursache Herr zu werden. Bisher vergebens…

      Es war früher Abend und die Gegend fand sich bedeckt mit einer Schicht träger Wolken. An einer Weggabelung, am Rande des finsteren Nordarg-Waldes, stand ein zweistöckiges Wirtshaus. Dahinter rauschte der trübe Hurth, ein Arm des großen Flusses Menrath, der das Wasserrad antrieb. Davor schmatzten die Pferde am Trog, denn der Gasthof war in dieser Nacht gut besucht. Von Westen her, aus den Klingenhügeln, kam eine Gruppe Söldner, die sich derzeit als Kopfgeldjäger verdingten. Sie führten einen Karren mit sich, auf den ein eiserner Käfig geschnallt war. Ihr größter Fang seit langem lag darin auf etwas feuchtem Stroh. Eine hünenhafte Kreatur, nur noch annähernd menschlich, mit widderähnlichen Hörnern am Kopf und struppigem Haar am ganzen Körper. Ein Skarne von den fernen Nebellanden. Eine lebende Legende.
      Von Osten her, von einem Ausritt in die Wälder Nordargs, war eine kleine Delegation Silberritter gekommen, im Auftrag des Herrn von Silberstadt. Bei einem (oder auch mehreren) Humpen kamen die Herrschaften ins Plaudern, genossen eine deftige Mahlzeit und bemerkten dabei nicht, wie sie durch die offenen Fenster des Wirtshauses belauscht wurden…
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.

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    • Vaendur

      Das haarige Biest, wie die Söldner ihn nannten, schlief scheinbar tief und fest. Doch war es lediglich sein Geist, der ruhte, als wäre er zu einem Stein geworden, den das Meer der Zeit zwar schleifen aber niemals brechen konnte. Seine Sinne jedoch waren aufs Äußerste geschärft. Er spürte eine leichte Nordbrise, die bereits eine Ahnung des nahenden Winters in sich trug. Er roch die Pferde im Stall und den schwitzenden Stallburschen, sowie die drei Rüden an der Leine. Aus dem Gasthof kamen die Gerüche von geschmorten Rind, dampfenden Kräutern und süßem Met so intensiv, dass ihm alsbald der Speichel aus dem Maul troff. Die Stimmen, die lallend aus dem schmalen Fenster hervorquollen, gehörten seinen Peinigern, allen voran dem Söldnerhauptmann Storges, der sich vor den hohen Herren mit seinem neuesten Fang brüstete.
      „Ihr habt sicher von der Bestie gehört? Dem Schrecken von Nassfurt und Rhön, nicht? Spielt auch keine Rolle, denn wir haben ihm den Garaus gemacht. Er hat sein letztes Kind verspeist und wird die treuen Bewohner nicht mehr in Angst und Schrecken versetzen. Hab drei Männer bei dem Kampf verloren, gute Männer, aber dem Biest schließlich höchst selbst die Ketten angelegt. Der wird einen vollen Sack Gold bringen, oder was meint Ihr?“
      Um der Wahrheit Genüge zu tun: Vaendur hatte sich nicht einmal gewehrt. Die Söldner hatten ihn an einem Flussufer aufgegriffen, als er ziellos dahingetrottet war.
      „Sprecht ihr die Wahrheit, so hätte der König womöglich noch Verwendung für dieses Biest“, sprach einer der hohen Herren, der nebst Schweiß und Leder noch andere Düfte auf sich vereinte. Vaendur hatte solche Geruchsmischungen schon bei einigen Menschen erlebt. Sie nannten es Parfum.
      „Was meint Ihr?“, wollte Storges wissen, dem die Gier im Nacken saß.
      „Habt Ihr es denn nicht gehört?“, gab der Ritter aus Silberstadt zurück. „Vom Nebel im Nordwesten? Die Wälder nördlich Horknirs sollen bereits verschlungen sein, so sagt man. Und die Feste sei als nächstes dran. Der König sammelt derzeit sämtliche Kräfte um dagegen vorzugehen. Ein Wesen, wie das Eure, könnte sogar von Nutzen sein.“ Seine Begleiter stimmten ihm da zu.
      Vaendur wusste mit dem Gehörten nicht allzu viel anzufangen, doch erfasste ihn in seinem Käfig bei der Erwähnung des Nebels ein eisiger Schauer.
      „Und ihr meint“, griff Storges den Gesprächsfaden auf, „dass der König wirklich verzweifelt genug wäre, mir meinen Fang abzukaufen um ihn in den Nebel zu schicken?“
      „Ich verspreche überhaupt nichts“, wehrte der duftende Ritter ab. „Nur so viel: mein Herr hat mich und meine Leute auf eine Mission in die östlichen Wälder geschickt, von der wir gerade zurückkehren. Was glaubt Ihr, was wir dort suchen sollen? Hm? Eine Hexe. Eine Feuerhexe. Ja, so habe ich auch dreingeschaut. Doch tatsächlich soll, sofern man den Leuten hier Glauben schenken darf, eine solche in diesen Wäldern hausen. Wir sind der Beschreibung gefolgt, doch bislang… hmpf. Nichts!“ Er trank. Vaendur hörte das Gluckern des Hefeweizens, das Schmatzen und den dumpfen Schlag, als der Krug wieder abgesetzt wurde.
      Storges schien verwundert. „Eine Feuerhexe sagt Ihr?“
      „Ja, eine Abtrünnige, wie es scheint. Wie auch immer, wir haben Befehl ihr Reichtümer und Ländereien als Gegenleistungen anzubieten und notfalls Gewalt anzuwenden, sollte sie sich weigern. Aber wie gesagt… diese Wälder sind alt und… groß.“
      Die Wolkendecke brach ein Stück weit auf und ließ den Vollmond durchscheinen. In seinem Licht wurde Vaendur des Wächters Olindir, dem Schutzherrn der Skarne, gewahr und traute seinen Augen nicht. Seit Jahren nun schon wartete er auf ein Zeichen von ihm, seit die Seuche in seiner Heimat ausgebrochen und sein Volk dahinzuraffen versuchte. Und nun das: ein Nebel? Eine Feuerhexe in den Wäldern? Vaendur nutze seine Sinne um die Fährte der königlichen Reiter durch den Wald zurückzuverfolgen.
      Geduldig wie Stein ließ er die Nacht gewähren und erst, als sich nichts mehr rührte außer einem gelegentlichen Schnauben der Rösser im Stall, erhob sich der Skarne mit klirrenden Ketten. Unter der ledrigen Haut spannten seine Muskeln und ein knurrender Laut entrang seiner Kehle, da barst das spröde Metall. Der Lärm ließ den Wärter aufhorchen, doch ehe jemand bei ihm war, rammte Vaendur bereits seinen gehörnten Schädel gegen das Schloss des Käfigs. Einmal, zweimal und der Stahl gab krachend nach. Vaendur sprang heraus, da erschien sein Wärter neben ihm mit einer Fackel in der Hand. Das Licht der Flammen blendete Vaendurs nachtliebende Augen für einen Moment, wodurch er dem Schwerthieb nicht ausweichen konnte, der ihn am Bein traf. Der Skarne brüllte den Söldner an, worauf der Mann verschreckt zurückwich und Waffe wie Fackel fallen ließ. Vaendur kümmerte sich nicht weiter um ihn, sondern rannte quer über den Hof, da trat einer der duftenden Männer in edlem Wams aus dem Gebäude. Die Hörner des Biests trafen den Fremden in vollem Lauf mitten in die Brust, worauf er gute drei Meter weit flog und reglos im Schlamm liegen blieb. Vaendur rannte derweil leicht humpelnd weiter, ließ den Aufruhr hinter sich und wurde bald darauf von der Dunkelheit des Nordarg-Waldes verschluckt.
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

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    • Maven

      Die Prozedur war immer wieder unglaublich aufwändig, doch lohnte es sich jedes Mal von neuem. Sobald der Zauber erfolgreich vollendet war und sie sich das neue Amulett um den Hals hängte, spürte sie die Kraft in jeder Faser ihres Körpers.
      Nur war es leider noch nicht so weit. Zwar waren die zehn Zutaten endlich zusammengetragen und bereit, doch der kräftezehrende Teil stand noch bevor.
      Auf dem dunklen Waldboden zu Mavens Füssen zeichnete sich im Widerschein dreier Fackeln ein weißes Triquetra aus Salz ab, in dessen Mitte ein kleines, wunderliches Geschöpf lag. Überlange, spitze Schlappohren ragten aus dem wild wuchernden Haarschopf des nackten Kobolds, den sie zuvor behutsam dort abgelegt hatte. Aus dem Rücken des armen Wesens ragte der fein geschliffene Pfeil eines Königsritters und aus der Wunde quoll langsam braunes Blut, das allmählich in der Erde versickerte. Die Ritter hatten ihn am verbotenen Weiher aufgescheucht und kaum war er panisch aus seinem Versteck gerannt, sirrte schon der Pfeil todbringend durch die Luft und hatte ihn in vollem Laufe grausam zu Boden gerissen. Aus ihrem sicheren Versteck sah Maven die verwerfliche Tat und wenn sie nicht gewusst hätte, dass die Männer eigentlich auf der Suche nach ihr gewesen waren, wäre sie dem Geschöpf zu Hilfe geeilt. Niemand hatte es verdient durch einen Pfeil im Rücken an seinem eigenen Blut zu ersticken.
      Nun, da die Seele des Kobolds in die Zwischenwelt gelangt war, sorgte sie dafür, dass die verbliebenen Energien seiner schelmischen Magie an das Schmuckstück in ihren Händen gebunden wurden, bevor sie verloren waren. Die Zeit drängte.
      Endlich hatte sie die letzte der Ingredienzien in das Salzsymbol gelegt. Konzentriert erhob sie sich wieder und als sie das dunkle, lange Haar zurück über die Schultern warf, sangen die kleinen Metallanhänger leise, die sie - neben einzelnen Glasperlen und wenigen Federn - in die kleinen Zöpfchen zwischen den zotteligen Locken eingeflochten hatte. Langsam zog sie die Ärmel ihres dunklen Hemdes zurück, umschloss den Anhänger fest mit beiden Händen und kniete sich behutsam auf den trockenen Boden.
      Das Ritual besaß drei Phasen. In den ersten beiden galt es die wichtigen Bestandteile der Zutaten aus den äußeren beiden Kreisen mittels einfacher Zauberworte zu lösen, in der Letzten drangen diese Essenzen in den Leichnahm ein, um die verbliebenen Energien zu lösen und im speziell geschmiedeten und bereits magisch vorbereiteten Amulett zu speichern.
      Maven hatte die Prozedur schon dutzende Male durchgeführt und nur eine Handvoll Versuche waren ihr misslungen.
      Wie im Gebet kniete sie mit gefalteten Händen vor dem magischen Konstrukt und begann mit dem monotonen, leisen Singsang, welcher die Essenz aus dem äußersten Zirkel lösen sollte. Ein lauer Luftzug umwehte sie nun und ließ das Blätterdach, das über die kleine Lichtung ragte, leise im Dunkel der Nacht rauschen. Das Feuer der Fackeln loderte auf und finstere Schatten züngelten über die Szenerie, während sich silbern leuchtende Schwaden aus den Zutaten emporschlängelten. Kaum hatte sich die Essenz gelöst, zerfiel der Rest zu grauer Asche, welche vom Wind erfasst und davongeweht wurde. Allmählich begann sich der Silberrauch im Kreis über den zweiten Teil der Zutaten zu drehen. Als sie die nächsten Zauberwörter mit erhobener Stimme und mehr Kraft aus der Kehle entließ, entstieg auch aus dem nächsten Kreis die Magie. Diesmal jedoch in Form von Rot leuchtenden Körnern, die sich zum silbernen Dampf dazugesellten und in rasantem Tempo den Kreis um den toten Kobold immer enger zogen, bis sie schließlich den Körper einzuhüllen begannen. Nun schlug Maven die Augen auf, die im Widerschein der Fackeln und den fließenden Energien in flackerndem Gold aufflammten. Als sie den richtigen Moment erkannte, öffnete sie ihre Hände und reckte den Anhänger dem eingehüllten Geschöpf entgegen, während ihre gebieterische Stimme nun im letzten Teil des Spruches die ganze Lichtung einnahm. Der Wind war zu einem reißenden Sturm herangewachsen und ließ ihr Haar wild ins Gesicht peitschen, während sie ihre Augen unbeirrt auf den blauen Dunst richtete, welcher sich nun zäh in das Silber und Rot mischte und die ganze Essenz eine violette Färbung annahm. Gleich war es so weit. Ihr Körper begann vor Anstrengung zu beben, doch ihr Atem hielt sie konzentriert unter Kontrolle, um den Bindungszauber nicht zu unterbrechen. Ansonsten wäre alles umsonst gewesen. Nach einigen Minuten war es endlich so weit. Der Körper des magischen Geschöpfes zerfiel zu Staub und in demselben Augenblick, sprach Maven das letzte Wort der Formel in herrischem Tonfall, woraufhin das Schmuckstück in ihren Händen mit einem Schlag zu glühen begann und der Wind die Richtung änderte. Jetzt schlug er ihr mit voller Kraft entgegen, peitschte ihr den Staub des Kobolds entgegen und riss kleine Zweige von den Bäumen. Die Hexe ließ sich davon nicht beirren und auch das leise Knacken im Unterholz ignorierte sie in diesem Moment. Zu viel Aufwand hatte sie bereits betrieben, zu viel Macht würde ihr durch die Finger gleiten, wenn sie nun den Zauber abbrechen würde.
      Endlich, zuerst wie ein dünnes Haar, dann immer breiter, begann der Strom aus der violetten Essenz in das Amulett zu fließen. Sie wollte auch den letzten Rest davon binden, mit weniger gab sie sich nicht zufrieden. Unendliche Sekunden verstrichen, bis das Hexenwerk mit einem ohrenbetäubenden Donnern vollbracht war und Maven schwer atmend vornüber auf die Hände fiel. Vor ihr lag das glühende Schmuckstück, das rundum den Waldboden zum Glimmen brachte.
      Endlich.
      Mühselig richtete sie sich wieder auf, strich sich mit zitternden Fingern die schweren Locken aus dem Gesicht und wischte sich mit den Ärmeln den Schweiß von der Stirn. Das Knacken im Unterholz in unmittelbarer Nähe war immer noch leise zu hören. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie beobachtet wurde, doch sie ließ sich nichts anmerken.
      Leise loderten die drei Fackeln vor sich hin und hüllten das unversehrte, weiße Triquetra in ein mystisches Schattenspiel. In der Mitte lag der glatte Pfeil des Silberritters. Ob einer von ihnen dort im Dickicht lauerte?
      Gemächlich griff sie nach dem gleißenden Amulett und kaum hatte sie es mit ihren kühlen Fingern umschlossen, ging ein Aufseufzen durch ihren Körper, wie bei einem Ertrinkenden, der mit einem rettenden Atemzug seine brennenden Lungen flutet.
      Wer auch immer da im Wald lauerte, nun würde sie ihm entgegentreten können. Ihr war zwar bewusst, dass ein großer Teil ihrer Macht durch das Ritual aufgezehrt worden war, doch gegen einen einzelnen Angreifer würde es mit der Unterstützung des Schmuckstücks allemal ausreichen.
      Sie stemmte sich langsam auf die Füße und klopfte sich die Erde von den dunklen, dicht anliegenden Hosen, an deren Seiten zwei Lederteile ihre Oberschenkel schützten. Darüber war ein silberner Langdolch gebunden, an dessen Griff ein grüner Stein eingelassen war. Von lauter Taschen und Beutelchen gesäumt, hielt ein enggeschnallter Gürtel Hose und Rüstung an ihrem Platz. Über ihrem schwarzen Hemd lagen weitere, zusammengewürfelte Teile von Ketten- und Lederrüstungen mit Schnüren und Bändern angeschnallt, die ihre Schultern, die Brust und die Bauchpartie schützten. Im flackernden Licht der Fackeln zeichneten sich feine, goldene Linien an ihrer Kleidung ab, die sich über jedes Teil erstreckten, das sie trug. Betrachtete man es genauer, konnte man Buchstaben, Symbole und gar Wörter erkennen, die sich in Bahnen darüber zogen. Besonnen griff sie nach den zierlichen, ledernen Handschuhen, die an ihrem Gürtel hingen und streifte sie sich über. Auch diese waren mit Schriftzeichen überzogen und entblößten jeweils die obersten beiden Fingerglieder. Nach ein paar Schritten war sie in der Mitte des Triquetra angelangt und bückte sich nach dem Pfeil. Mit finsterem Blick erhob sie sich wieder und mit einer kleinen Stichflamme, ließ sie diesen in ihrer Hand zu Asche zerfallen, bis nur noch die scharfe Silberspitze glühend zurückblieb.
      Dann richtete sie ihre noch immer golden glimmenden Augen wachsam in Richtung des Beobachters.
      „Wer auch immer Ihr seid. Die Vorstellung ist vorbei. Zeigt Euch“, angespannt und kampfbereit waren ihre Sinne geschärft. Sie war auf alles vorbereitet, was nun aus dem Dunkel des Waldes treten würde. So glaubte sie zumindest, denn als das Wesen zwischen brechenden Ästen und raschelnden Blättern ins Licht der Fackeln trat, verfluchte Maven ihre vorschnellen Worte innerlich. Damit hatte sie bestimmt nicht gerechnet.

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chnorzi ()

    • Na sowas, sind eure Starraider auf dem falschen Planeten gelandet, haben ein Schwarzes Loch durchquert und jetzt wird die Erde von Ochsenmännern und Hexen bevölkert?

      Also zunächst mal muss ich sagen, dass ein Titel mit dem Wort "Nebel" für mich immer Klickbait ist. Das hat ja schon etwas Gespenstisches, wenn man nur zum Fenster herausschaut, und in einer Fantasygeschichte kann es nur noch interessanter werden. Insofern war ich mit dem kleinen Prolog voll bedient xD
      Stichwort kurzer Prolog: Die knapp angerissene Schöpfungsgeschichte fand ich ausreichend informativ, verglichen mit dem, was man sonst liest. Ellenlange Ausführungen müssen nicht immer sein. Ich fand es ganz geschickt gemacht, wie kurz und bündig zur Handlung übergeleitet wird.

      Mein erster Gedanke zu Vaendur war: wieso hat er sich nicht gewehrt und einfach schnappen lassen, wenn er körperlich doch so überlegen ist? Dann habe ich mich an deine Charaktererstellung erinnert, in der steht, dass ihm Gefangenschaft nichts mehr ausmacht. Aber wer weiß das denn noch? Ich denke mal, dass das noch aufgeklärt wird.

      Maxwell schrieb:

      wir haben Befehl ihr Reichtümer und Ländereien als Gegenleistungen anzubieten und notfalls Gewalt anzuwenden, sollte sie sich weigern.
      Als Gegenleistung für was, und wovor sollte sie sich weigern? Das erfährt man nicht, nur, dass der Trupp sie suchen soll.


      Maxwell schrieb:

      In seinem Licht wurde Vaendur des Wächters Olindir, dem Schutzherrn der Skarne, gewahr
      Das fehlt irgendwie noch ein Detail. Sieht er ein Sternbild, eine Sternschnuppe, schaut er den Mond an, oder wie nimmt er Olindir wahr?

      Der Schluss des ersten Teils ist super. Wie er ausbricht und durchgeht wie ein wildes Tier, das passt zu dem, wie ich Vaendur vor mir habe.


      Mavens Part kann ich gerade nicht so recht kommentieren. Es ist kaum etwas passiert, sie hat einen Kobold geopfert, um sich zu stärken, dann kam jemand aus dem Gebüsch (ich tippe auf Vaendur). Von der Beschreibung war mir die Szene fast zu ausladend, verglichen mit Maxwells Teil. Da hat das Zusammenspiel bei Starraider besser funktioniert, hier sieht man deutlich, dass zwei Personen schreiben :D
      Auffällig war nur, dass sie trotz drohender Verfolger einfach ihr Ritual durchzieht. Echt jetzt? Wenn es Soldaten wären, könnten sie sie einfach erschießen oder während dem Ritual unterbrechen (darauf habe ich nur gewartet), dann wäre die Macht futsch und sie hätten sie geschnappt. Da wäre der erste Reflex doch eher die eigene Sicherheit, oder?
      Und dann, als es spannend wird, folgt eine lange Beschreibung aller Dinge, die sie am Körper trägt - das ist ungefähr die Handbremse eines LKWs im Anschlag bei voller Fahrt bergab in einer Kurve auf glatter Fahrbahn mit Gegenverkehr und Wildwechsel xD Lässt einen irgendwie straucheln.

      Fazit: Setting klingt spannend, macht Lust auf mehr. Es sollen noch mehrere Charaktere vorgestellt werden (laut Lexikoneintrag) - immer her damit. Bin gespannt, was ihr diesmal gemeinsam hervorbringt.

      Hier noch etwas Kleinkram:

      Spoiler anzeigen

      Maxwell schrieb:

      Der König aus Löwenstein
      Der Ortsname kam etwas plötzlich

      Maxwell schrieb:

      mit widderähnlichen Hörnern am Kopf und struppigem Haar

      Maxwell schrieb:

      wir haben ihm den Garaus gemacht

      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • @Wysenfelder - schön, dich an wieder an Bord zu wissen ;)


      Wysenfelder schrieb:

      Mein erster Gedanke zu Vaendur war: wieso hat er sich nicht gewehrt und einfach schnappen lassen, wenn er körperlich doch so überlegen ist?
      Gute Frage! Genau die Frage, die sich der aufmerksame Leser hier auch stellen sollte und (so meine Hoffnung) irgendwo im Hinterkopf abspeichert. Weitere Erklärungen würde ich an diesem frühen Punkt der Geschichte noch nicht anführen. Derartiges gehört zur Charakterisierung, die mit Voranschreiten der Handlung weiter ausgebaut wird.


      Wysenfelder schrieb:

      Als Gegenleistung für was, und wovor sollte sie sich weigern? Das erfährt man nicht, nur, dass der Trupp sie suchen soll.
      Genau, für weitere Infos: bitte bleiben Sie in der Leitung. :D Oder auch: bitte lesen Sie weiter. :P


      Wysenfelder schrieb:

      Das fehlt irgendwie noch ein Detail. Sieht er ein Sternbild, eine Sternschnuppe, schaut er den Mond an, oder wie nimmt er Olindir wahr?
      Hm... :hmm: Er schaut den Mond an und sieht darin seinen "Gott", reicht das an Erklärung noch nicht? Könnte man sicher noch mit ein paar Worten ergänzen. Ich überleg mir was.

      Um den Kleinkram wird sich gekümmert! :thumbup:

      Wysenfelder schrieb:

      Da hat das Zusammenspiel bei Starraider besser funktioniert, hier sieht man deutlich, dass zwei Personen schreiben
      Ja, hier wir müssen wir noch eine gemeinsame Stimme, ein Tonlage für die Geschichte finden. Bessert sich sicher noch. 8)


      Wysenfelder schrieb:

      Und dann, als es spannend wird, folgt eine lange Beschreibung aller Dinge, die sie am Körper trägt - das ist ungefähr die Handbremse eines LKWs im Anschlag bei voller Fahrt bergab in einer Kurve auf glatter Fahrbahn mit Gegenverkehr und Wildwechsel xD Lässt einen irgendwie straucheln.
      Also den Wechsel von einem Charakter zum anderen muss man immer auch als Szenenwechsel verstehen - quasi als "umblättern". Und natürlich wird aus der Szene geschnitten, wenn's spannend wird. Ist doch gängige Praxis in der Geschichtenerzählung. :evil: Aufhören, wenn's am Schönsten ist.^^

      @Tnodm0309

      Besten Dank fürs Reinlesen und ich hoffe, doch wirst auch weiterhin deinen Spaß daran haben. ;)


      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

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    • Wysenfelder schrieb:

      Und dann, als es spannend wird, folgt eine lange Beschreibung aller Dinge, die sie am Körper trägt - das ist ungefähr die Handbremse eines LKWs im Anschlag bei voller Fahrt bergab in einer Kurve auf glatter Fahrbahn mit Gegenverkehr und Wildwechsel xD Lässt einen irgendwie straucheln.
      :rofl: Witzigerweise versteh' ich genau, was du damit meinst *räusper* Würde es aber gerne mal so stehen lassen. Ich seh' es als Baustelle und werd die Beschreibungen, zusätzlich in die weitere Geschichte einbauen, damit ich den ersten Teil etwas abspecken kann. Da war ich wohl zu sehr darauf bedacht, dass man sich Maven bildlich vorstellen kann ...

      Tnodm0309 schrieb:

      Nyom nyom, was habe ich denn da für einen schmackhaften Schmaus gefunden! Sehr schön, sehr sehr schön... Diese Geschichte verdient es verfolgt zu werden
      Tshihihi, schön, dass du mit an Bord bist ^^

      @Wysenfelder: Einmal mehr einen grossen Dank an Dich und dein Engagement :love:

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    • Ich bin auch wieder mit dabei, ich lass mir von euch zwei doch keine Geschichte entgehen ^^ wie immer macht es richtig Freude, eure Texte zu lesen - auch wenn ich wysenfelder zustimmen muss, dass ihr hier euren gemeinsamen Rhythmus noch nicht gefunden habt, dafür haben sich die beiden Parts doch etwas stark unterschieden.
      Bis jetzt schaut alles noch ganz "klassisch" aus. Ein paar Dämonen, ein paar Wächter und am Ende sind alle weg die Menschen sich selbst überlassen und am Ende wiederholt sich die Katastrophe von damals. Hoffe also ein wenig, dass, auch wenn ihr im High Fantasy unterwegs seid, nicht zu klassisch werdet ^^
      Freuemich auf mehr :fox:

      I think the saddest people always try their hardest to make people happy. Because they know what it´s like to feel absolutely worthless and they don´t want anybody else to feel like that.

      ~ Robin Williams







      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Hi @Alopex Lagopus!


      Alopex Lagopus schrieb:

      Ich bin auch wieder mit dabei, ich lass mir von euch zwei doch keine Geschichte entgehen
      Yeah! Freut uns! :party:


      Alopex Lagopus schrieb:

      Hoffe also ein wenig, dass, auch wenn ihr im High Fantasy unterwegs seid, nicht zu klassisch werdet
      Der "klassische" Rahmen ist bislang gewollt. Wie auch bei Starraider liegt der Fokus hier wieder auf den Charakteren, ihren Entwicklungen und Beziehungen zueinander. Dabei soll das Klassische auf Dauer auch ein wenig aufgebrochen werden, ohne seine Epik zu verlieren. Ob und wie uns dieser Spagat gelingt, das erfahren wir hoffentlich von so treuen Lesern wie dir ;)


      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.
    • Vaendur

      Er trat auf die Lichtung und hatte nur Augen für das aus Salz gestaltete Symbol auf dem dunklen Waldboden. Dasselbe Zeichen, welches den Meerschaumthron in seiner Heimat zierte – ein Sinnbild des Wächters Olindir. Ungläubig folgte er den weißen Linien zwischen den Fackeln. Seit Jahren hatte er auf eine Botschaft gewartet, hatte gedarbt und in der Hoffnung geharrt, eines Tages möge ihm Olindir die Hand reichen und ihn führen. Zurück auf den Pfad, der ihn und sein Volk retten sollte.
      Nun stand er hier, inmitten eines alten Waldes hunderte, wenn nicht gar tausende Kilometer von Skarnland entfernt. Und zu seinen Füßen ruhte eben jene Rune, die ihn sein ganzes Leben auf den kargen Inseln in der Amnhor See weit im Norden über begleitet hatte.
      Die warme Luft war noch erfüllt vom Duft würziger Baumharze, herber Kräuter und einiger Tiere, deren Gebeine den Flammen überantwortet wurden. Mittlerweile hatte sich der Wind gelegt, der die Lichtung bis vor kurzem noch zum Beben gebracht hatte. Im Blattwerk über den Köpfen echote noch ein Geflüster magischer Worte.
      Vaendurs Blick erreichte schließlich die Lederstiefel der Fremden. Eine zierliche Gestalt, deren dunkle Kleidung mit Zaubern durchwirkt war und vor magischen Symbolen strotzte. Jedoch nicht nur die Riemen, Schnüre und Bänder schienen von innen heraus zu leuchten, sondern auch sie selbst, die junge Frau, war von einer inneren Glut erfüllt. Einer Macht, die Vaendur auf der Haut prickelte.
      Hexe, dachte er. Die duftenden Männer haben sie Hexe genannt…
      Und als Vaendur ihren Geruch wahrnahm begann er zu verstehen, was sie damit gemeint hatten. Seinem scharfen Blick, dem die Dunkelheit eher dienlich denn hinderlich war, hatte sich bereits offenbart, dass sie kein Mensch war. Zumindest nicht nur ein Mensch. Ihre Haut ging ein wenig zu sehr ins grünliche und ihre Ohren waren zu spitz. Prägnanter war jedoch der Geruch, denn neben dem Menschschweiß, der ihre Angst verriet, mischte sich etwas Altes, Ursprüngliches und Wildes mit hinein. Es erinnerte ihn an feuchte Erde, warmen Südwind und…Minze. Einst hatte er diesen Duft einmal gerochen, vor langer Zeit.
      Um ihren Hals lag ein Amulett an einer Kette und funkelte in dunklem Violett. Die Flammen der Fackeln ließen Schatten über ihr Gesicht tanzen und als sie den Kopf leicht schief legte, glommen ihre Augen für einen kurzen Moment golden auf.
      „Was bist du?“, fragte sie ehrlich irritiert, was er ihrer Atmung und ihrem Herzschlag entnehmen konnte.
      Vaendur, im unbedachten Versuch zu kommunizieren, trat knurrend auf sie zu. Sogleich ging sie in eine Verteidigungsposition über und in ihren Händen erschienen gleißende Feuerbälle. Entgegen seiner Art zwang er sich wieder Abstand zu nehmen und hob abwehrend die Hände. Er kannte die Worte der Menschen, hatte ihre Sprache von den Schmugglern und Schatzsuchern gelernt, die hin und wieder nach Skarnland gereist waren um das Abenteuer zu suchen. Zudem trug er sie in sich, waren die Skarne doch von Geburt an mit den Völkern der Welt verwurzelt. Bloß, die Worte zu finden und sie zu verstehen, war bei weitem einfacher, denn sie auszusprechen. Seine Stimme hatte er über Jahre zu nichts anderem als Brüllen und gelegentlichen Knurren verwendet.
      „Ich…“, polterte es dumpf aus ihm heraus. „Nicht…“, setzte er noch kopfschüttelnd hinzu und bemerkte, wie er schwitzte und nervös nach dem richtigen Ausdruck kramte. In seiner Kehle begann es zu kratzen, grollte hinauf und schließlich brummte er: „… lørck…“ Ihrer Verwirrung entnahm er, dass er sich geirrt hatte. Es war das richtige Wort, bloß in der falschen Sprache. Verzweifelt strengte er seinen lahmen Geist an, suchte in seinem Kopf, doch ehe er weiterknurren konnte, sprach die Fremde: „Gefahr? Willst du mir sagen, dass du keine Gefahr bist?“
      Sie versteht mich…
      Aufregung erfasste ihn und er nickte zustimmend.
      Sie schien sich ein wenig zu entspannen und die feurigen Kugeln in ihren Handschuhen schrumpften. „Nun“, sagte sie neckisch, „sei mir nicht böse, aber du vermittelst einen anderen Eindruck. Mit den Hörnern und… allem.“
      Täuschte er sich oder umspielte da tatsächlich ein schelmisches Lächeln ihre Lippen, wodurch zwei scharfe Eckzähne hervorblitzten? Seine Faszination für dieses Geschöpf wuchs mit jeder Sekunde.
      Da vernahmen sie beide das ferne Gebell von Hunden. Vaendur fuhr herum und starrte in die Dunkelheit. Die Söldner und die duftenden Männer waren auf der Jagd nach ihm, ihre Fackeln wanderten durch den Wald. Die duftenden Männer waren sogar so dumm, auf ihren Pferden zu reiten, was ihnen in der Dunkelheit sicher bald den Hals kosten würde. Zwar wusste keiner der Menschen, welchen Weg sie einschlagen sollten, doch ihre Bluthunde konnten der Spur des Biests mit Leichtigkeit folgen.
      „Die sind wohl hinter dir her“, bemerkte die Hexe und wies auf die eisernen Schellen um Vaendurs Handgelenke, von denen noch immer die Reste der geborstenen Kette baumelten. Das Biest nickte und zeigte dann mit einer seiner Krallen auf sie.
      „Ja, ich weiß“, bestätigte die Hexe mit hochgezogenen Brauen. „Sie sind auch hinter mir her.“
      Je näher das Kläffen kam, desto mehr wurde Vaendur klar, wie dumm er gewesen war. Hals über Kopf war er davongerannt und hatte seine Verfolger nun genau dahin geführt, wo sie hin wollten.
      „Wir sollten-“, begann die Fremde, doch Vaendur rannte bereits weg von der Lichtung in den Wald hinein. Trotz seines hinkenden Beines war er immer noch so schnell wie ein Pferd im Galopp, bloß, dass er im Dunkeln sehen konnte und sich somit nicht an einer hervorstehenden Baumwurzel den Knöchel brach. Er preschte durchs Unterholz, nah genug an seinen Verfolgern vorbei, sodass sie seiner Spur folgen konnten und dann führte er sie zum Fluss. Dort wollte er abtauchen um eine Meile flussabwärts wieder hervorzukommen in der Hoffnung, sie hätten seine Fährte bis dahin verloren. Doch kaum hatte er das gurgelnde Ufer erreicht, schossen drei schwarze vierbeinige Gestalten auf ihn zu. Die erste sprang ihn an und verbiss sich in seinen Arm, den er zum Schutz erhoben hatte. Vaendur taumelte zurück und spritzte Wasser auf. Der zweite Köter fand mit seinen Zähnen das verletzte Bein des Skarnen und ließ ihn aufbrüllend in die Knie gehen. Der dritte und letzte bellte in einigem Abstand laut genug, damit seine Herrchen ihn finden konnten.
      Vaendur schlug mit der geballten Faust auf den Schädel des Rüden ein, der seinen Arm traktierte. Leider schien das Vieh sich dadurch nur noch stärker in das zähe Skarnenfleisch zu verbeißen. Da suchte er im knöcheltiefen Wasser nach einem Stein, fand einen in angebrachter Größe und drosch damit wieder und wieder auf die Hundeschnauze ein, bis das Tier endlich zuckend und röchelnd zu Boden fiel. Dann umschlang er den muskulösen Körper des zweiten Jägers mit seinen kräftigen Armen und bog dessen Rücken so weit durch, bis ein feuchtes Knacken zu hören war. Der Hund platschte leblos ins Wasser.
      Keuchend, knurrend und vor Anstrengung dampfend baute sich der Skarne in voller Größe vor dem letzten verbliebenden Köter auf, der winselnd den Schwanz einzog und sich davon machte.
      Seine menschlichen Verfolger kamen nun auf ihn zu, doch ohne die Hunde würden sie ihn bald wieder verloren haben und so schnell nicht mehr finden. Vaendur stapfte in den Fluss, versank ganz darin und ließ sich treiben.
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

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    • Maven

      Maven stand da wie vom Donner gerührt und starrte auf die Stelle, an welcher das wortkarge Biest gerade im Unterholz verschwunden war. Das dumpfe Aufschlagen zweier Körper, begleitet vom Wiehern eines Pferdes und dem erbärmlichen Schrei eines Menschen, ließ sie aus der Starre erwachen. Dieses Ungetüm lockte die Jäger von ihr weg, doch wurde ihr schlagartig bewusst, dass die Fackeln wie ein Leuchtfeuer durch das Dickicht brannten. Ein kalter Schauer jagte über ihren Rücken, als sie mit einer kurzen Handbewegung die Flammen ersticken ließ.
      „Hauptmann, da drüben!“, brach ganz in der Nähe eine kräftige Stimme durch die Dunkelheit. Maven schluckte leer. Neben dem ganzen Lärm, den die Pferde verursacht hatten, hatte sie nicht daran gedacht, dass Späher der Rittersmänner zu Fuß durch den Wald preschten. Seine Schritte kamen näher und noch bevor die Hexe auch nur an den Rand der Lichtung gelangen konnte, sirrte schon ein Pfeil nahe an ihrem Ohr vorbei und bohrte sich Späne schlagend in die Borke eines Baums.
      „Stehen bleiben! Im Namen des Herzogs!“, brüllte der Ritter und Maven konnte schon seinen Atem im Nacken spüren. Mit hämmerndem Herzen hob sie schützend ihre Arme und durchbrach das Unterholz, das mit seinen Dornen rote Spuren über ihre Haut zog. Sie rannte so schnell ihre Füße sie tragen konnten und nach kurzer Zeit brannten ihre Lungen, die keuchend immer wieder die verbrauchte Luft ausstießen. Sie musste sich Vorsprung verschaffen, doch allem Anschein nach holte ihr Verfolger gar auf. Schwer atmend wirbelte sie herum, reckte ihre Arme mit einem Mal empor, wobei erneut ihre Augen aufglühten und sich durch das Dunkel der Nacht brannten. Sie hörte die Schritte des Spähers stocken, kurz bevor sie zwischen sich und ihm eine meterhohe Feuerwand beschwor. Kurz begannen Punkte vor ihren Augen zu tanzen, zu sehr war sie von dem Ritual und dem Spurt geschwächt, doch blieb ihr keine Wahl. Sie wandte sich gehetzt ab und bahnte sich von neuem einen Weg nach Südosten und tiefer in den Wald hinein. Sie konnte nur hoffen, dass die Sagen und Legenden über die Tiefen des Nordarg ihre Verfolger aufhalten würden. Sofern sie denn so weit kam.
      Eine verräterische Wurzel brachte sie mit einem Aufkeuchen zu Fall. Für einen Moment drehte sich alles und während sie sich die Hand gegen die Stirn drückte, um dem Schwindel Einhalt zu gebieten, drangen wieder die schnellen Schritte leichter Stiefel an ihre Ohren, welche direkt auf sie zuhielten.
      Maven hatte keine Chance mehr, sich aufzurappeln, also rollte sie sich lautlos zur Seite und blieb unter einem niederen Busch auf dem Rücken liegen. Angestrengt kontrollierte sie ihren Atem, während Schweißperlen über ihre Schläfen rannen und zwischen den Locken und Zöpfen versickerten. Vielleicht würde er sie in der Dunkelheit übersehen. Vielleicht würde er einfach weiter rennen, dann könnte sie eine andere Richtung einschlagen. Bisher hatte nur das Biest sie richtig zu Gesicht bekommen. Keiner ihrer Verfolger wusste also, wie sie genau aussah. Wenn sie Zirath im Osten erreichen würde-
      Doch die Hexe verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Die Bewohner dieses Dorfes würden sie ohne mit der Wimper zu zucken an die Ritter ausliefern. Zudem stach sie zwischen den Menschen heraus wie zwischen den Bäumen des Waldes.
      Sie musste diesen Späher loswerden. Doch wie? Wenn sie ihn tötete, würden die restlichen Ritter sicher nach ihrem Leben trachten. Leer schluckend hielt sie den Atem an, als die Stiefel des Spähers das Tempo verlangsamten und auf ihrer Höhe inne hielten.
      „Verdammt“, fluchte er schnaufend.
      Maven sah aus ihrem Versteck, wie der Mann vornüber gebeugt die Hände auf die Knie stützte und nach Luft schnappte. Auch seine Ausdauer schien endlich ein Ende zu haben. Sie regte sich keinen Millimeter und verharrte Lautlos, während sie nur mit ihren Augen seine Bewegungen verfolgte. Endlich richtete er sich wieder auf und ließ den Blick ratlos schweifen, wobei sie sein Gesicht erkennen konnte. Kantige, magere Züge, durchdringende Augen und ein kurzer Vollbart zierten sein Gesicht. Er war drahtig, nicht sonderlich groß und in seiner Hand ruhte ein Bogen, auf dem bereits der nächste Pfeil lauerte.
      „Ich weiß, dass du dich hier irgendwo versteckst, Hexe!“, rief er durch den finsteren Wald. Rufe der anderen Männer wurden aus Richtung Westen laut, Hundegebell ebenso. Offenbar hatten sie das Biest erwischt und nun waren sie auf ihre Fährte gesetzt worden. Diese Mistköter würden sie trotz Dunkelheit in ihrem Versteck aufspüren und um zu entkommen müsste sie wohl den halben Wald in Flammen aufgehen lassen, doch dafür hatte sie in diesem Zustand einfach nicht mehr die Kraft. Sie verfluchte sich innerlich. Die Gier nach Macht hatte sie nun fast wehrlos gemacht.
      Es gab nur noch eines, worauf sie hoffen konnte. Die Angst vor einer Hexe.
      Gerade als ihr der Späher den Rücken kehrte, ließ sie mit ein paar Sekunden an Konzentration, seine Rüstung in Flammen aufgehen. Mit einem überraschten Aufschrei ließ er Bogen und Pfeil fallen und versuchte mit seinen lederumschlungenen Händen den Brand zu ersticken, doch erfolglos. Maven nutzte die Zeit, um sich aus ihrem Versteck zu erheben, streckte die Hand nach der Rüstung aus und sog das Feuer von seiner Kleidung in ihre Hand, wo es lichterloh weiter loderte. Mit glühenden Augen fixierte sie den zitternden Mann, dessen Grauen in seinen Zügen nun klar zu lesen war.
      „Warum jagt ihr mich?“, grollte sie ihm finster entgegen und ließ die Flammen in ihrer Hand bedeutungsschwer aufflackern. Sie war noch immer merklich außer Atem.
      „Sie ist hier!“, brüllte er aller Angst zum Trotz und während Maven für den Bruchteil einer Sekunde einen erschrockenen Blick über die Schulter warf, nutzte der Späher die Gelegenheit sofort aus und setzte zu einem gewaltigen Sprung an. Mit aller Wucht riss er die Hexe zu Boden, während das Donnern der Hufe immer lauter wurde.
      „Du bist nicht so mächtig, wie du glaubst, Hexe“, zischelte er ihr bebend ins Ohr, während sie von der plötzlichen Attacke noch merklich benebelt war, doch dieser unbedachte Satz war sein Verhängnis. Maven hatte diese Worte schon einmal vernommen. Vor mehr als hundert Jahren, als man ihren ersten und einzigen Mann ermordet hatte und sie kraftlos neben der Leiche ihres zweijährigen Sohnes darnieder lag. Diese Erinnerung entfachte einen Sturm in ihr, wie er es auch damals tat. An diesem Tag hatte sie sich geschworen, nie wieder schwach zu sein. Sie spürte, wie ihr endloser Zorn den Waldboden in nächster Nähe lichterloh in meterhohen Flammen aufgehen ließ. Ebenso den Soldaten, der mit aller Kraft versucht hatte, sie an der Flucht zu hindern. Er sprang schreiend und brennend auf und vollführte einen irren Tanz ums Überleben. Er rannte um sein Leben und begann sich am Boden zu wälzen, den die Hexe aber immerzu in Flammen aufgehen ließ. Sie erhob sich, während die Glut die Baumstämme ansengte, das Moos aufglimmte, das Blätterdach in Brand setzte und ein Schrei des Zorns bahnte sich in ihrer Kehle an. Mit einer gewaltigen Explosion entlud sie ihre Macht in ihrer ganzen Zerstörungskraft und mähte mit einer furchterregenden Feuerwalze eine neue Lichtung zwischen die dichten Bäume des Waldes.
      Erst der Pfeil, der ihre Schulter durchbohrte und sie gnadenlos zu Boden riss, gebot ihr Einhalt. Durch den Schock ins Diesseits zurückgeholt, blieb sie benommen und schwer atmend auf dem brennenden Humus liegen, wobei ihre Tränen im Feuer verdampften.
      Adjal… Liam…, hauchte sie lautlos. Die Gesichter ihrer beiden Liebsten schwebten vor ihrem geistigen Auge. So nah. Sie wollte eine Hand nach ihnen ausstrecken, doch eine undurchdringliche Dunkelheit begann Maven zu verschlucken.
      Dann fiel sie in Ohnmacht.

      Immanuel Kant schrieb:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
      Sapere Aude!
      Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

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    • Maxwell schrieb:

      hatte gedarbt und in der Hoffnung geharrt
      Was für schöne Archaismen! Sowas gefällt mir gut, aber nicht jeder versteht diese Worte heutzutage noch. Dass sie sich fast reimen, macht es fast poetisch, was mitten im Prosatext aber etwas irritierend wirkt (zumindest für mich).

      Maxwell schrieb:

      Doch kaum hatte er das gurgelnde Ufer erreicht, schossen drei schwarze vierbeinige Gestalten auf ihn zu. Die erste sprang ihn an und verbiss sich in seinen Arm, den er zum Schutz erhoben hatte. Vaendur taumelte zurück und spritzte Wasser auf. Der zweite Köter fand mit seinen Zähnen das verletzte Bein des Skarnen und ließ ihn aufbrüllend in die Knie gehen. Der dritte und letzte bellte in einigem Abstand laut genug, damit seine Herrchen ihn finden konnten.
      Da fehlen mir die Gedanken und Gefühle der Charakters. Du kannst dir an @Chnorzi eine Scheibe abschneiden, die macht das sehr gut. :) So wirkt das halt plötzlich etwas wie in Außenperspektive.

      Chnorzi schrieb:

      und sie kraftlos neben der Leiche ihres zweijährigen Sohnes darnieder lag.
      Noch so ein schöner Archaismus! Die scheint ihr zu mögen. ^^ Ich auch!

      Gefällt mir gut, was ihr macht!
      Fünf Ausrufezeichen, das sichere Zeichen für einen wahnsinnigen Geist!!!!!

      -Terry Pratchett
    • Hallo @Windweber! Schön, dich als Leser hier begrüßen zu dürfen. 8)


      Windweber schrieb:

      Dass sie sich fast reimen, macht es fast poetisch, was mitten im Prosatext aber etwas irritierend wirkt (zumindest für mich).
      Oha, ist mir so nie aufgefallen, hab einfach immer drauflos geschrieben. Kommt davon, wenn man eine Liebe für Wörter hegt, die es nicht allzu häufig in den Alltagsgebrauch schaffen. ;)


      Windweber schrieb:

      Da fehlen mir die Gedanken und Gefühle der Charakters.
      Hmmm... :hmm: Gefühle im Kampf, während er die Viecher zermalmt... Meinst du, dieses Wesen spürt sonderlich viel dabei, wenn es sich gegen seine Angreifer erwehrt? Sorry, aber ich seh's grad nicht, werde es mir aber durch den Kopf gehen lassen.


      Windweber schrieb:

      Du kannst dir an @Chnorzi eine Scheibe abschneiden, die macht das sehr gut.
      Das stimmt, das kann sie wirklich sehr gut! :heart:

      Windweber schrieb:

      Gefällt mir gut, was ihr macht!
      Uns auch und besten Dank! :thumbsup:


      Gruß!
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    • Vaendur

      Schwer schleppte sich Vaendur aus dem träge dahinfließenden Nass über das sandige Ufer. Sein Fell triefte vom Flusswasser und jeder Schritt kostete Kraft. Die Wunden an Arm und Bein pochten, gaben sich ein Stelldichein mit rasenden Kopfschmerzen. Er ließ sich auf die Knie fallen und atmete tief durch, sog die kühle Nachtluft ein und stieß sie grollend wieder aus. Dabei nahm er den Geruch des Waldes wahr. Alt, modrig, erdig. Etwas lag in der Luft, eine lebendige Essenz, die jeden Stamm, jeden Ast und jedes Blatt durchdrang, sie umgab und erfüllte. Vaendur konnte diese Magie nicht benennen, doch er zweifelte nicht daran, dass sie bereits seit Anbeginn der Zeit hier verweilte. Und sie kam ihm bekannt vor…
      Ein laues Lüftchen umwehte seine tierische Gestalt und brachte den Duft seiner Verfolger mit sich. Sie waren fern und nicht auf seiner Spur, offenbar war es ihm tatsächlich gelungen, sie abzuschütteln. Selbstzufrieden erhob er sich, da glaubte er noch weiterer Aromen gewahr zu werden – verbranntes Holz, schmorendes Fleisch und ein leichter Hauch Minze.
      Sie haben sie gefunden, schoss es ihm durch den Kopf. Sie haben die Hexe.
      Er schalt sich einen Narren dafür, dass er geglaubt hatte, es würde so einfach werden. Natürlich war man nicht nur hinter ihm her gewesen, sondern auch hinter der Fremden mit dem feurigen Temperament. Und während er gerade mal zwei ihrer Jagdhunde bekämpft hatte, war der Reste der Meute über die Frau hergefallen wie Schmeißfliegen.
      Seine Schuld – und er gedachte, diese alsbald zu begleichen.
      Vaendur rannte los und knickte beinah sofort ein, als er das verletzte Bein belastete. Schwankend fand er an einem Baum Halt, stieß sich davon ab und stürmte weiter. Bald schon fand er Nutzen im Schmerz, ließ sich davon antreiben, gar voranpeitschen. Und obgleich jeder Schritt von einem zähneknirschenden Knurren begleitet wurde, verlangsamte es ihn nicht. Wie wild pflügte er durchs Gebüsch und schlug eine Schneise ins Unterholz.
      Die Gruppe, auf die er zusteuerte, bewegte sich nur langsam durch den Wald. Sie standen dicht beieinander – duftende Ritter und Söldner – hatten die Pferde in die Mitte genommen und sich mit ihren Fackeln drum herum postiert. Vorsichtig und scheinbar ohne Eile folgten sie dem Pfad zurück zum Gasthof an der Weggabelung. Ihre Beute war gelegt und verschnürt. Vaendur spürte die Essenz der Hexe – eine Nachwehe der Wärme, wie bei einem erloschenen Lagerfeuer, in dem die Glut noch unter der kalten Asche loderte.
      Sie hörten ihn kommen, eine brüllende Bestie, die den Boden zum Zittern brachte, doch ihre Fackeln machten sie blind. Eine Welle aus Angstschweiß brandete ihm entgegen, sog ihn förmlich an und schleuderte seine gesamte Masse in die Runde. Ein Pfeil traf ihn irgendwo, machte jedoch keinen Unterschied. Der Skarne preschte in das Oval aus Fackellicht, riss zwei Männer mit sich, die nicht mehr aufstehen würden, fing sich einen zweiten Pfeil ein und rollte in die Mitte. Die Pferde scheuten, bäumten sich auf und drohten ihre Reiter abzuwerfen. Vaendur brüllte und schlug mit seiner Pranke nach dem entblößten Hals eines Rosses. Die Krallen fuhren ins Fleisch und warmes Blut ergoss sich über seinen Arm. Mit einem letzten kreischenden Aufschrei ging das Tier zu Boden und begrub den silbergewandten Ritter unter sich. Aufgeschreckt tänzelten die anderen Pferde umher, wobei ihre Reiter alle Mühe hatten, sie im Zaum zu halten. Weitere Pfeile flogen. Vaendur sprang mit dem gesunden Bein voran und zermalmte einen der Schützen unter sich. Neben ihn stand ein junger Mann mit Fackel und Schwert, der wie Espenlaub zitterte, als der Skarne sich zu voller Größe erhob und auf ihn hinabblickte. Dumm nur, dass der junge Soldat seinen Mut wiederfand und die Klinge erhob. Vaendur packte dessen Kopf und schmetterte ihn gegen den dicken Baumstamm einer uralten Esche.
      Ein weiterer Pfeil bohrte sich ihm in die Schulter und wirbelte ihn herum. Ein silberner Reiter war auf ihn zugeritten, ließ sein Tier sich aufbäumen, dessen Vorderhufe Vaendur am Kinn trafen und ihn gegen denselben Baum warfen. Noch ein Pfeil durchschlug seine lederne Haut, worauf er knurrend nach vorn sackte. Schreiend, seinen ganzen Mut zusammennehmend, rannte einer von Storges Söldnern auf ihn zu und rammte den Skarnen einen Speer in den Unterleib, der ihn glatt durchdrang und an den Stamm pfählte. Vaendur brüllte schmerzerfüllt.
      „Schnell, fesselt ihn!“, herrschte eine barsche Stimme die Männer an. „Seine Arme, los! Nehmt die Eisen!“
      Vaendur wollte sich wehren, schlug nach den Kerlen, die ihn anleinen wollten, doch mit jeder Bewegung grub sich der Speerschaft tiefer. Keuchend musste der Skarne nachgeben. Sie bogen ihm die Arme nach hinten um den Baum und pflockten die Seile in den Boden. Seine Beine ketten sie aneinander.
      Der duftende Mann, der ihn mit dem Pferd zurückgeschlagen hatte, trabte auf ihn zu, das Haupt stolz erhoben. Seine Rüstung war silbern mit dunklen Intarsien und auf dem schwarzen Wappenrock prunkte ein in Silber gestickter Adler. Er war hochgewachsen, glatt rasiert an Kinn und Schädel. In seine Augen spiegelte sich eine belustigte Grausamkeit wieder, die auf eine unheimliche Leere dahinter schließen ließ.
      Der Silberritter nahm eine Fackel an sich und auf seinem hohen Ross waren er und Vaendur beinah auf Augenhöhe.
      „Kannst du mich verstehen, Biest?“, fragte er und hielt die Flamme nah an Vaendurs Gesicht. Gierig leckte das Feuer nach ihm und drohte ihn zu blenden.
      „Du hast den Falschen getötet. Hörst du mich? Der Mann, den du auf dem Gehöft umgerannt hast war ein guter Freund. Erinnerst du dich, Biest?“ Wieder hielt er die Fackel ein Stück näher an Vaendurs Gesicht und der Skarne wandte sich knurrend ab, bevor ihm das Feuer das Augenlicht nahm.
      „Keine Sorge…“, der Silberritter führte die Fackel tiefer auf Vaendurs Brust zu, „ich, Cedric Inmher, werde dafür sorgen, dass du es nicht vergisst.“
      Das Feuer versengte Vaendur die Haare auf der Brust bis er wieder vor Schmerzen brüllte und sich wand.
      „Mehr habe ich von dieser Kreatur auch nicht erwartet“, höhnte der duftende Mann, während er dem Skarnen das Brandmal aufdrückte. „In den Kerkern meines Herrn wird sich eine tiefe dunkle Zelle finden, in der du versauern kannst bis zum Ende deiner jämmerlichen Tage.“ Dann ließ er endlich ab und warf die Fackel einem Untergebenen zu.
      „Storges“, rief er, worauf der Söldner neben ihn trat. „Ihr wolltet Euch doch ein wenig dazu verdienen, habe ich das richtig verstanden? Nun, ich stelle Euch hiermit in meine Dienste. Stellt sicher, dass dieses Ungeheuer nach Silberstadt gebracht und meinem Herrn übergeben wird. Dann sollt Ihr entlohnt werden. Enttäuscht mich und ihr sollt nach den Gesetzen Arenors gerichtet werden. Ist das angekommen?“
      Der Söldner verzog das Gesicht, zwang sich aber zu einem Lächeln und antwortete: „Natürlich, Sir Cedric, wie Ihr befiehlt.“
      „Gut.“ Der Silberritter wendete sein Pferd und gab seinen Leuten neue Befehle: „Sorgt für die Verwundeten und folgt uns dann zurück zur Herberge, dort wird sich Meriaz um sie kümmern. Die Bestie lasst vorerst hier. Im Morgengrauen schicke ich einen Boten um Verstärkung aus Silberstadt zu holen. Bis dahin bleibt sie an Ort und Stelle.“ Damit gab er seinem Tier die Sporen und ritt mit einer kleinen Gruppe, darunter die gefangene Hexe, weiter durch den Wald. Die Zurückgebliebenen sorgten sich um das sterbende Pferd, indem sie ihm den Gnadenstoß gewährten. Die Verwundeten wurden geschultert und den Pfad entlang getragen.
      Einzig Storges Söldnerbande tat nichts von alledem, sondern scharte sich um den vor Schmerzen grollenden Vaendur.
      „Hört mir genau zu“, sprach Storges. „Wir können darauf warten, dass Sir Silberlöffel den ganzen Ruhm und das Gold einheimst und uns wie räudige Hunde vom Hof jagt, oder wir nehmen uns, was uns gebührt, wenn ihr versteht? Nias, Horace, ihr bleibt bei dem Biest und sichert es, so gut ihr könnt. Dann will ich, dass ihr euch an die Straße nach Silberstadt auf die Lauer legt um den Boten im Morgengrauen abzufangen und zu töten. Wenn mein Plan allerdings wie erhofft verläuft, dann wird er nie auftauchen.“
      „Was meinst du damit?“, wollte Horace wissen, der so groß wie dumm war.
      „Ich meine, dass Sir Silberlöffel gerade mehr Wunden zu versorgen hat, als ihm gut täte. Wir sind zurzeit in der Überzahl. Erst recht, wenn seine Nachhut, die gerade die Verwundeten durch den Wald schleift, nie am Gasthof ankommen wird…“ Er legte einen vielsagenden Blick und ein breites Grinsen auf. „Sind wir erst wieder zurück, so wissen wir natürlich von nichts und wenn Sir Silberlöffel sich mal umdreht und etwas zu sehr mit seiner neuen Gefangenen beschäftigt ist…“ Storges zog seinen Dolch und fuhr mit den Fingern liebevoll über die Klinge. „Damit sacken wir das Gold, die Belohnungen für die Hexe UND das Biest ein.“
      „Aber…“, begann Nias, der sich den läuseverseuchten Kopf kratzte, „wie wollen wir den Tod von so vielen Silberrittern erklären? Ich meine… die werden doch misstrauisch in Silberstadt, oder?“
      „Guter Einwand“, fand Storges und wedelte mit den Dolch in Richtung des gepfählten Vaendurs. „Doch niemand wird sich mehr wundern, wenn wir diese Bestie präsentieren und alle Morde ihr anheften.“
      „Aber…“, begann einer der anderen Männer, „was ist mit diesem Magier? Meriaz? Was sollen wir denn gegen ihn ausrichten?“
      „Den Plantscher? Vergesst ihn, der ist kaum mehr, als ein Heiler. Ein Schlag auf den Kopf oder ein Messer in die Rippen und die Sache ist erledigt. Noch Fragen? Nein? Dann also los. Nias und Horace, ihr kennt eure Aufgabe?“
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    • Gefällt mir gut! Du hast hier die düstere Stimmung sehr gut eingefangen!
      Ein kleiner Kritikpunkt zu folgenden Zitaten:

      Maxwell schrieb:

      duftende Männer und Söldner

      Maxwell schrieb:

      Der duftende Mann
      Du willst hier klarmachen, dass der Geruchsinn für die "Bestie" wichtig ist, nehme ich an? Das Problem, dass ich sehe, ist, dass duftend nichtssagend ist. "Nach Angst riechend/duftend", "stinkend", "lecker duftend" oder ähnliches wäre in meinen Augen besser, duftend allein ist wie aussehend allein - recht sinnleer. Bei den Männern und Söldnern würde ich eher Söldner und andere Männer schreiben - die Söldner sind ja (zum Teil) auch Männer, oder? Sonst wären es ja Söldnerinnen...
      Du schaffst hier einen schönen Gegner mit dem Silberritter, der unnötig grausam und seinen eigenen Söldnern gegenüber rücksichtslos vorgeht!
      Fünf Ausrufezeichen, das sichere Zeichen für einen wahnsinnigen Geist!!!!!

      -Terry Pratchett
    • Hallo @Windweber, schön, dass es dir gefällt! :thumbup:


      Windweber schrieb:

      Das Problem, dass ich sehe, ist, dass duftend nichtssagend ist. "Nach Angst riechend/duftend", "stinkend", "lecker duftend" oder ähnliches wäre in meinen Augen besser, duftend allein ist wie aussehend allein - recht sinnleer.
      ich verstehe, was du meinst, muss dir allerdings widersprechen. Das Wort Duft ist (sofern ich nicht völlig daneben liege) grundsätzlich positiv besetzt, beschreibt also ein angenehmen Geruch. Etwas, das duftet, ist somit wohlriechend. Gestank wäre hierbei das genaue Gegenteil - ein unangenehmer Geruch. Verstehst du, was ich damit sagen will? Das Wort "Geruch" hingegen ist neutral und benötigt ein Adjektiv um wertend zu wirken.
      Duftende Ritter sind demnach wohlriechende, oder auch parfümierte, Ritter. Wobei "parfümiert" nicht in den Sprachgebrauch des Skarnen passte, fand ich.


      Windweber schrieb:

      Bei den Männern und Söldnern würde ich eher Söldner und andere Männer schreiben - die Söldner sind ja (zum Teil) auch Männer, oder? Sonst wären es ja Söldnerinnen...
      Ahh, verstehe. Ich denke, da lässt sich Abhilfe schaffen.


      Besten Dank!

      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

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    • Maxwell schrieb:

      ich verstehe, was du meinst, muss dir allerdings widersprechen. Das Wort Duft ist (sofern ich nicht völlig daneben liege) grundsätzlich positiv besetzt, beschreibt also ein angenehmen Geruch. Etwas, das duftet, ist somit wohlriechend. Gestank wäre hierbei das genaue Gegenteil - ein unangenehmer Geruch. Verstehst du, was ich damit sagen will? Das Wort "Geruch" hingegen ist neutral und benötigt ein Adjektiv um wertend zu wirken.
      Duftende Ritter sind demnach wohlriechende, oder auch parfümierte, Ritter. Wobei "parfümiert" nicht in den Sprachgebrauch des Skarnen passte, fand ich.
      Da hast du natürlich auch wieder recht. Ich würde aber dennoch etwas wie "blumig", "fruchtig" einfügen oder dass sie nach Duftwasser rochen, um alles noch etwas klarer zu machen. :)
      Fünf Ausrufezeichen, das sichere Zeichen für einen wahnsinnigen Geist!!!!!

      -Terry Pratchett
    • Maxwell schrieb:

      „Nun“, sagte sie neckisch, „sei mir nicht böse, aber du vermittelst einen anderen Eindruck.
      Ich habe den Text gelesen, als er hier hochgeladen wurde, und jetzt noch einmal - das Wort stört mich immer noch. Das wollte ich nur sagen^^

      Chnorzi schrieb:

      Auch seine Ausdauer schien endlich ein Ende zu haben
      Diese Passage war super. Wie beide am Ende sind und man nicht weiß, was jetzt kommt.

      Vaendurs Angriff war ebenfalls sehr stimmungsvoll, da kann ich Windweber nur zustimmen. Was er wohl anrichten mag, wenn er unverletzt ist? Auch wenn ich es gerne anders gelesen hätte, war es nur passend, dass er am Ende doch gefallen ist. So viele Pfeile, verwundet und in Unterzahl, irgendwie konnte er nicht gewinnen. Passt also. Jetzt bin ich gespannt, was er mit dem Söldnerproblem machen wird. Erst einmal nichts, vermute ich.

      Kurzer Kommentar für viel Text heißt, dass es nichts zu Maulen gibt. :thumbsup:
      "Sehe ich aus wie einer, der Geld für einen Blumentopf ausgibt, in den schon die Pharaonen gepisst haben?"
    • Wysenfelder schrieb:

      Was er wohl anrichten mag, wenn er unverletzt ist?
      Hrhr, ja, darauf freue ich mich auch schon... :evil:


      Wysenfelder schrieb:

      Kurzer Kommentar für viel Text heißt, dass es nichts zu Maulen gibt.
      Danke, bist der Beste! :thumbsup:


      Gruß!
      Starraider - Die Sternenjäger: Eine verwegene Crew, ein waghalsiger Coup und das Schicksal der Galaxie auf Messers Schneide.

      Die Nebel von Arenor: Ein uraltes Übel kehrt zurück und nur eine Gruppe ungewöhnlicher "Helden" kann noch helfen.