Himmelsjäger [2. Fassung]

  • Kalki bringt eine Neufassung von Himmelsjäger? - Jo da bin ich dabei :D
    Ich erinnere mich zwar kaum an die erste Variante (ist zu lange her), aber das wird vermutlich eher hilfreich sein.


    Der Wald schlief unruhig, als die verhüllte Gestalt gemächlich den Kutschenweg entlangschwebte. Begleitet wurde sie nur vom kühlen Nachtwind, der ihr leise den Weg zuflüsterte und sanft die Baumkronen streichelte.

    Der erste Satz im Prolog und ich dachte nur, jop das ist Kalki^^ Du schaffst hier mit 2 Sätzen bereits eine unglaubliche Atmosphäre. Umschreibungen waren schon immer deine Stärke. Well done!
    Ich habe mich von der Atmosphäre im Prolog einfach tragen lassen. Sehr stimmig beschrieben und man hat auch direkt ein Bild im Kopf. Und der Prolog tut auch genau das, was er soll. Er erzeugt Fragen, die einen neugierig machen sollen.




    Beim ersten Kapitel kommen dann doch Erinnerungen hoch. Stimmt! Da war was mit Sklaven XD Aber ich weiß nicht mehr, wie es von da weiterging, also lass ich mich einfach überraschen. Die Szene war ne gute Einführung in die Situation, in welcher sich Mak und Paavo befinden.
    Eine Sache hat mich aber etwas aus dem Fluss gerissen. Es war an dieser Stelle:

    Er war selbst ein Hund, schließlich nannten sie alle den Stall, in dem man sie hielt, den Zwinger. Zu gern hätte er wie die anderen auf den Gutsherren geschimpft. Monster! Mörder! Dämon! Nein. Er spürte keine Wut auf ihn. Warum auch? Die Sklaverei gab ihm Ordnung und, solange er sich an die Regeln hielt, auch Sicherheit.
    Natürlich, die, die zu alt waren, wurden irgendwann aussortiert und weggebracht. Niemand wusste wohin. Nur, dass sie nie zurückkehrten. Aber es interessierte ihn auch nicht. Er war jung. Und irgendwann würde er hier enden. Wollte er da wirklich alt werden? Mit Sicherheit nicht.
    Alles an diesem Ort war ihm gleichgültig. Mit leerem Blick stapfte er weiter über den lehmigen Boden voran.

    Ich glaube, dass eine gewisse Gleichgültigkeit ziemlich nachvollziehbar ist. Er hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. Was mir hier aber fehlt, ist etwas Angst. Auch nimmt er die Tatsache, dass die Älteren weggeschafft werden ziemlich emotionslos auf.
    Sicher, dass da nicht doch irgendwo nen Funken Wut in ihm ist?
    Gleichgültigkeit in allen Ehren, aber Sklaverrei ist Unterdrückung. Vielleicht bietet sich hier auch Raum für einen Zwiespalt in ihm an. Wobei das davon abhängt, was du mit dem Charakter vor hast. Und eigentlich ist dies auch Kritik auf hohem Niveau. Wollte dir trotzdem meine Gedanken mitteilen.


    „Gerade brauchen sie alle Arbeitskraft, die sie bekommen können, um das Feld zu bestellen. Da setzen sie die Peitsche nicht ein.“

    alle Arbeitskräfte, oder jede Arbeitskraft?


    Jo, ich bleib dran und bin gespannt, was du hier so zauberst :)
    Lg
    Rael


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • So, ich habe mich heute rangesetzt und auch die neueren Posts mit einbezogen. Manche Kleinigkeiten können einen echt in den Wahnsinn treiben. xD


    Vielleicht kommt heute noch etwas.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Ein Prinz und eine Fee


    Sonnenschein fiel in sein junges Gesicht, er blinzelte, hielt die Strahlen mit seiner Hand ab. Das Herbstblätterdach schimmerte und glänzte verträumt und warm. Lächelnd am Boden liegend beobachtete er das tanzende Licht und kuschelte die Hände in das weiche Gras.
    „Mutter“, flüsterte er.

    Ja, ich bin bei dir.
    Die Wärme kroch langsam in sein Inneres, und so schloss er glühend die Augen.
    „Danke …“
    Er spürte, wie ein Blatt sanft auf seinem Gesicht landete. Dann ein zweites, drittes. Der Wind nahm Fahrt auf, die Luft kühlte sich ab. Widerwillig öffnete er seine Augen. Nun war der Himmel wolkenverhangen, dunkel. Das Laub bedeckte bereits seinen Körper, bettete ihn. Die Kühle wich der Kälte, alle Äste und Baumkronen waren kahl.
    Die kalte Luft naschte an seiner Haut, doch noch immer blickte er verträumt in den Himmel. Gebettet lag er da, die Augenlider schwer. Sie kämpften, nicht wieder zuzufallen, und die ersten Flöckchen schwebten federgleich dem Boden entgegen. Als sie seine Stirn küssten, gab er nach. Die Dunkelheit umarmte ihn. Ein letzter warmer Hauch.
    Stille.

    „Konrad?“
    Eine Stimme. Klein, hoch, glasklar. Beflügelt.
    „Wach auf, Konrad“, sprach sie sanft. „Weißt du, welcher Tag heute ist?“

    Chisana …
    Schwerfällig riss er die Augenlider auseinander, einen Spalt nur. Die kleine Fee strahlte direkt in sein strähnenverhangenes Gesicht, während sie vor ihm schwebte. Noch ganz verschlafen richtete er sich auf und sah sich um. Eine rote, schwere Decke. Ein Himmelbett, die Säulen mit Schnitzereien verziert.
    Mein Zimmer, natürlich. Hier bin ich.
    „Komm, kleiner Prinz. Es wird Zeit aufzustehen“, piepste Chisana fröhlich.
    „Ist es wirklich heute?“, fragte er mit seiner jungen Stimme.
    Eifrig nickte sie.
    „Du hast es doch nicht vergessen? Heute ist unser Jahrestag.“
    Flink setzte sie sich auf seine Hand und diese vertraute Wärme kehrte in seinen Körper zurück. Und das Lächeln auf sein Gesicht.
    „Natürlich nicht.“
    Wieder vollends wach, kletterte er aus den Decken heraus, um sich anzukleiden.
    Gerade erst vierzehn Jahre zählte Konrad. Das Haar blond wie Weizen, die Augen saphirgrün, ein wahrer Herzogssohn. Genau das war er. Immer und überall. Ein Seufzen entfuhr ihm, als er den letzten Knopf seines Hemdes schloss, und Chisana landete auf seiner Schulter. Sie war so groß wie sein Kopf hoch.
    „Machen wir es wie üblich?“, fragte er, obwohl er die Antwort bereits kannte.
    „Wie üblich.“
    Er nickte.
    Verschwörerisch kniete er sich vor das Himmelbett und holte die abgewetzte Ledertasche darunter hervor, die er oft zu ihren heimlichen Ausflügen mitnahm. Sie gehörte einmal zur Ausrüstung in der Waffenkammer der Burg, bisher schien sie aber niemand zu vermissen. Vielleicht war es gerade ihre abgenutzte Erscheinung, wegen der er damals ausgerechnet diese Tasche aus Dutzenden anderer ausgesucht hatte.
    „Hast du einen Wunsch, Chisana?“
    Konrad spürte, wie sie sich an seinem Hals festhielt, während er sich die Tasche überwarf.
    „Äpfel!“
    „Du bist ja richtig gierig“, lachte er und warf vier Äpfel von der Obstschale, die auf dem Nachttisch stand, in den Lederbeutel.
    Einen fünften reichte er Chisana, die ein freudiges Quietschen von sich gab. Ihre winzigen Hände krallten sich in die Frucht und mit einem kleinen Stöhnen hob sie sie aus seiner Hand. Immer wieder erstaunte ihn die Kraft, die sich hinter diesem kleinen Körper verbarg.
    Chisana kaute und schmatzte in sein Ohr, und es dauerte nicht lange, bis sie den abgefressenen Apfelstiel zielsicher in die Obstschale zurückwarf. Mit einem Rülpsen wandte sie sich wieder an Konrad.
    „Du bist unglaublich“, meinte dieser kopfschüttelnd.
    Sie kicherte nur und schnipste mit den Fingern. Als Konrad an sich herunter sah, konnte er seinen Körper nicht mehr sehen. Sie waren unsichtbar.
    „Lass uns gehen, mein Prinz.“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Die Haussklaven


    Der süße Duft des Honiggebäcks kitzelte in Meddins Nase, während er sich langsamen Schrittes durch den Gang schob. Zwischen seinen Händen zitterte ein Holztablett, beladen mit einer Schüssel voll ofenwarmer Kekse und einer großen, goldverzierten Teekanne. Dabei zitterte ihr Deckel unter seinen unbeholfenen Schritten, doch er konnte es sich nicht erlauben stehenzubleiben. Man wartete auf ihn.
    Allein der Gedanke daran, erfüllte ihn bereits mit Angst. Da waren diese alten Geister, die ihn immer wieder heimsuchten.
    Minna ging hinter ihm. Sie war ein hübsches Mädchen. Lange, schwarzgelockte Haare, grüne Augen. Sie stand in ihrer frühen Blüte, es war eine Schande, dass sich ihre Wege so selten kreuzten.
    Und Meddin war klar, dass sie nicht zitterte. Niemand tat das. Nur er fror an diesem Ort.

    Du solltest dich freuen.
    Das ist besser als Feldarbeit.
    Reiß dich zusammen, bist du denn gar nicht dankbar?
    Doch, ich bin dankbar.
    Die Geister.
    Seine Augen klammerten sich an den Teppich, der im Flur des Gutshauses ausgelegt war und ihn zum Wintergarten führte. Auf dem Tablett rutschte klappernd die Teekanne umher.

    Ich habe den Teller fallen lassen. Schon wieder! Und der Koch. Der Koch! Sein Blick … Sie werden mich wegbringen … Ich-
    „Ist alles in Ordnung mit dir?“
    Sofort schreckte er hoch und riss das Tablett mit sich. In diesem Augenblick, in dem es seinem Griff entglitt, die ersten braunen Teetropfen überschwappten und seine Haut berührten, verband sich sein Schicksal mit dem Porzellan. Und zerschellte auf dem fürstlichen Boden des Guthauses. Das Klirren verhallte nur langsam in seinen Ohren. Ersticktes Entsetzen drang von hinten an ihn heran.
    „Grundgütiger! D-das wollte i-ich nicht!“, stammelte Minna hilflos und holte zu ihm auf.
    Schritte kamen aus dem Wintergarten zu ihnen herüber stolziert. Panisch schaute Meddin von den braunen Teeflecken im Teppich auf. Es war die Haushälterin. Ihre kalten Augen blickten durch den Türrahmen, auf den nassen Trümmerhaufen aus Krümeln und Porzellansplittern. Dann fuhren sie zu den beiden Sklaven hinauf.
    Das Mädchen hatte ein Tablett, der Junge nicht. Ob man den Teppich noch retten konnte? Der Fall ist eindeutig, sprachen ihre Augen. Sie warfen Meddin einen vernichtenden Blick zu. Er schnitt in seine Augen. Ein Messer. Dann wandte die Haushälterin sich wieder ab und stolzierte zurück in den Wintergarten.
    Meddins Kopf war dicht, schweiß brach ihm aus, die Haut wurde blass. Schwindel, Übelkeit. Er schnappte nach Luft, der Strick wurde enger.
    Sie werden mich töten!
    „Meddin? Meddin, komm. Komm schon. Es war meine Schuld, das können wir ihnen erklären! Ich habe dich erschreckt. Es tut mir so leid …“
    „Das sollte es auch!“, fuhr er sie an.
    Dicke Tränen standen in seinen Augen, Hitze stieg in ihm auf. Sein Zittern war geblieben. Mit einer ungelenken Bewegung verschluckte er sich an seinem Ärger. Röcheln.
    „Das ist deine Schuld! Wenn sie mich holen kommen, dann kommen sie deinetwegen!“
    Die Worte trafen. Mit stockendem Atem wich sie zurück, das Tablett sicher haltend. Sie senkte ihr Haupt, und schon bereute Meddin seine Worte. Ihr Gesicht …
    „Verdammte Scheiße“, murmelte er die Worte in sich hinein. “Wir sollten den Gutsherrn nicht warten lassen.“
    Schweigend betraten sie den Wintergarten.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Hey, schön das es weitergeht.


    Ich hab nur kurz Zeit daher das was mir am wichtigsten erscheint vorneweg.


    Du schreibst hier das Meddin wusste das Minna hinter ihm war,

    Minna ging hinter ihm. Sie war ein hübsches Mädchen. Lange, schwarzgelockte Haare, grüne Augen. Sie stand in ihrer frühen Blüte, es war eine Schande, dass sich ihre Wege so selten kreuzten.
    Und Meddin war klar, dass sie nicht zitterte. Niemand tat das. Nur er fror an diesem Ort.

    wieso erschrickt dieser dann als Minna ihn anspricht? Wäre denk ich gut zu wissen...




    „Ist alles in Ordnung mit dir?“
    Sofort schreckte er hoch und riss das Tablett mit sich.



    Und hier,

    Und Meddin war klar, dass sie nicht zitterte. Niemand tat das. Nur er fror an diesem Ort.

    nur Meddin friert an diesem Ort, vielleicht wäre es gut or noch anzumerken wie er gekleidet ist, und ob die Umgebung nun warm oder kalt ist...





    Ihre kalten Augen blickten durch den Türrahmen, auf den nassen Trümmerhaufen aus Krümeln und Porzellansplittern. Dann fuhren sie zu den beiden Sklaven hinauf.

    ich finde die Verwendung von fuhren hier irgenwie merkwürdig, vielleicht wanderte ihr Blick zu ihnen hinauf? od so...


    Mfg Ebrithil

    "Beurteile die Bücher nie nach dem, mit was sie im Anfang einleiten, sondern wozu sie am Ende hinleiten."


    Ignatius von Loyola

  • @Ebrithil Ministrant

  • Hey Kalkwiese,


    habe auch erst gestern geschnallt, dass es schon wieder weitergeht. Deshalb kommt mein Kommentar etwas verspätet :)
    Meine Gedanken zu deinen beiden Texten findest du im Spoiler:



    So, das war`s erst mal...
    Viele Grüße,
    Rainbow

  • @Rainbow

    habe auch erst gestern geschnallt, dass es schon wieder weitergeht. Deshalb kommt mein Kommentar etwas verspätet

    Könnte es davon kommen, dass ich gefühlt auf jeden Kommentar hier einzeln antworte? :rofl: Sollte das so sein, dann fahre ich das gern etwas zurück.


    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Kapitel 2
    Der Alte
    Spaziergang - Welpen - Grau zu Bunt - Sommerregen - Strickmännchen


    Spaziergang

    Mit geübter Vorsicht schwebte er den Gang entlang, immer auf seine unsichtbaren Füße achtend, die ihn auch nach Jahren noch immer aus dem Konzept brachten. Zu hören war er nach wie vor, weshalb er seine Schuhe in den Händen trug, während Socken und Teppich die Geräusche verschluckten.
    Gerade starrte er noch hypnotisiert durch seine Füße, da patschte Chisanas Hand gegen seine Wange.
    „Sieh mal, da“, flüsterte sie, mit einem Unterton voller Selbstgefälligkeit.
    Irritiert sah Konrad auf und erkannte den Bediensteten, der ihnen auf dem Flur entgegenkam. Chisana kicherte.
    „Nein!“, zischte er ihr leise zu.
    Eine sachte Bewegung auf seiner Schulter und er wusste, dass Chisana nicht mehr auf ihr saß. Entsetzt schlich er weiter, die Augen gebannt auf dem Diener. Die Fee ließ nicht lange auf sich warten, der Bedienstete fuhr verwirrt herum. Und sah niemanden. Dann noch einmal.
    „Ja, was denn,-“, murmelte er, und Konrad hielt sein glucksendes Lachen mit der Hand unter Verschluss.
    Der Bedienstete fuchtelte wild, als wollte er eine Fliege verscheuchen, nur war sein Ziel viel größer und einfacher zu treffen.
    Das reicht auch wieder. Komm zurück, bevor dir noch etwas passiert, dachte Konrad auf einmal, etwas besorgt, noch viel mehr belustigt. Dabei streckte das Lachen lauthals einen seiner glitschigen Arme durch seine Zähne, presste sie auseinander. Kalt entsetzt biss er ihn sofort ab, fühlte sich ein Blinzeln lang hohl. Um Himmels Willen! Hat er mich gehört?
    Völlig panisch machte der Bedienstete einen Satz nach hinten, weg von der Stelle, an der Chisana ihn geärgert hatte. Weg von der Richtung, aus der es eben noch durch die Wände gekichert kam. Kurz darauf fiel er nach hinten über. Die Angst bleichte ihm das Gesicht.
    Währenddessen setzte sich Chisana zufrieden wieder auf Konrads Schulter. Er bedeutete ihr, still zu sein, was ihm wieder merkwürdig vorkam, da er sie nicht sehen konnte. Sie ihn hingegen schon.
    Schnell aufgerichtet, stolperte der Diener davon, und Konrad warf dem Gefühl auf seiner Schulter einen ernsten Blick zu.
    „Es ist wirklich kein Wunder, dass sie alle diese Geistergeschichten glauben.“
    Wieder eine Bewegung auf der Schulter, dann stupste etwas gegen seine Nase.
    „Ohne diese Geschichten hätten sie mich vielleicht längst gefunden“, quiekte das Stupsen in sein Gesicht.
    Sachte hob er seine Hände davor, bis er ihre Füße auf seinen Handflächen spürte. Die Luft um Chisana wurde ruhig, als ihre Flügelchen zu flattern aufhörten.
    Natürlich war das nicht der erste Streich, den Chisana einem Bediensteten gespielt hatte, und die Gerüchteküche tat ihr Übriges.
    „Das kann schon sein. Trotzdem musst du es nicht immer wieder herausfordern.“
    Noch einmal kicherte Chisana glockenhell, dann setzte Konrad sie auf seine Schulter zurück, und sie setzten ihren Weg fort.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Welpen


    „Uff“, ließ Paavo sich auf das Stroh fallen, das seinen sonst so steinigen Schlafplatz markierte.
    Neben ihm saß Maks bereits auf seinem eigenen Strohhaufen und starrte still in den Raum. Er war schon vor Paavo von der Feuerstelle fortgegangen, die man entzündet hatte, um Ernteabfälle zu verbrennen.
    Die Sklaven nahmen die Wärme an diesem Abend gern entgegen, und auch die Sklaventreiber gaben zu dieser Jahreszeit oft nach und legten ein paar Holzscheite dazu. Denn auch wenn der Sommer noch immer in die Tage hineinstrahlte, so war der Herbst schon längst angekommen und erfrischte die Abende, trotz scheinender Sonne. Und obwohl Paavo die Wärme vermisste, so sehnte er sich nicht nach ihr. Würde in seinem Kopf nicht schon lange Winter herrschen, hätte er sich an diesen Tagen vielleicht daran erfreut.
    „Ich schwitze“, murmelte Paavo und senkte seinen Kopf, um an seiner Achselhöhle zu schnuppern. „Und rieche nach Feuer“.
    Er musste etwas grinsen.
    „Ist doch schön. Glaube ich“, sprach Maks mechanisch.
    „Ja … bis zur nächsten Wäsche stinke ich dann wohl wieder.“
    „Das tun wir doch immer.“
    „Schon, ja, ich bin es wohl mittlerweile gewöhnt“, entgegnete Paavo mit einem Seufzen. „Aber …“
    Es gab kein aber.
    Nur Stille.
    „Ja, ich weiß“, entgegnete Maks. „Und das ist schön, wie gesagt. Mir ist kalt ...“
    Paavo nickte langsam, die Augen aufmerksam an Maks‘ kraftloses Gesicht geheftet. Das braune Haar hing ihm schlaff ins Gesicht. Fettig und vollgesogen mit bereits kaltem Schweiß.
    „So wirst du dich noch erkälten, Bruder“, sprach Paavo leise. „Bitte, komm noch einmal mit mir zum Feuer zurück. Nur zum Trocknen.“
    Wieder beherrschte die Stille den Moment.
    ...
    Paavo ließ sie schließlich gewähren und erhob sich langsam. Sie würde noch eine Weile in diesem Raum bleiben. Und er wusste schmerzlich genau, dass er sie gerade nicht vertreiben konnte. Nicht, solange Maks ihr Gesellschaft leisten wollte.
    „Ich werde gehen. Du kannst mir später folgen, wenn du möchtest“, sagte er mit einem halben Blick auf seinen Bruder.
    Ohne eine Antwort abzuwarten, schritt Paavo aus der kleinen Zelle heraus, die die Aufseher jede Nacht abschlossen, und verließ den Zwinger durch das noch offene Gitterportal. Es war zwei Manneslängen hoch, damit auch Kutschenwagen mit neuen Sklaven in den Zwinger gefahren werden konnten.
    In das Gitter, das die Holzflügel verstärkte, war ein Motiv eingearbeitet, auf dem ein aufrecht gehender Wolf eine Gruppe von kleineren, gefesselten und ebenfalls aufrechten Rehen mit einer Peitsche vor sich her trieb.
    Die Aufseher und Sklaventreiber des Gutsherrn waren meist von grober, roher Gestalt und trugen in seiner Gerechtigkeit die Ordnung. Ihre Körper waren dabei die Säulen und ihr Geist ihre Farbe. Die meisten von ihnen trugen Kettengrau.
    Das Tor wurde an beiden Seiten von Aufsehern bewacht, innen wie außen, die mit bestimmten und ernsten Blicken auf ihre Rehe herabschauten. Es schüttelte Paavo, diese mordenden Blicke durchwehten alle seine Fasern, eine Eiswindböe.
    Mit diesem Gefühl im Nacken beschleunigte er seine Schritte, um die Feuerstelle zu erreichen und dieses Gefühl vielleicht abzuschütteln. Er wusste genau, dass die beiden Torwächter ihn beobachteten. In seinem Kopf zogen sie ein klebriges Grinsen.
    „Und das soll wann passieren?“
    Die Worte fielen neben Paavo zu Boden, gerade als dieser sich auf einen Holzblock vor dem Feuer setzte. Wäre das Holz nicht so flach gewesen hätte es gemütlich sein können. Paavos Front kribbelte unter der trockenen, tanzenden Feuerbrise, die ihm mit dem Wind entgegenschlug. Währenddessen fror sein Rücken, aber Paavo genoss, wie beide die Gegensätze auf seiner Haut tanzten.
    „Was weiß ich, in den nächsten Tagen wohl. Er war dann doch nicht so gesprächig.“
    „Wirst du dich melden?“
    Die Stimme spuckte aus.
    „Pah! Zu diesem Pack von öligen Stiefelleckern werde ich mich nicht gesellen. Dann sollen sie mich gleich von hier wegbringen.“
    Besorgt verstummte die andere Stimme.
    Der Alte war es, der da voll Leidenschaft schimpfte. Paavo hob seinen Blick zu ihm. Und der Alte nickte direkt zurück.
    „Na? Wieder zurück, Welpe?“
    „Ich dachte eigentlich, wir seien Rehe.“
    „Soso, leben Rehe etwa in einem Zwinger?“
    Paavo schmunzelte, wieder etwas amüsiert.
    „Nein. Noch nicht.“
    „Dann hoffe, dass es so bleiben mag, Welpe“, gluckste der Alte warm.
    Entgegen seinem Namen war er gar nicht alt. Doch mit seinem mittleren Alter und der Art und Weise, wie er mit den anderen Gefangen sprach. Diese leise, mal grobe, mal kuschelnde Wärme, die von seiner Stimme ausging. Sie ließ alle Anwesenden Respekt atmen.
    „Und … worüber habt ihr gerade gesprochen?“, fragte Paavo zurückhaltend.
    „Hm.“
    Die faltenumkränzten Augen des Alten wandten sich wieder dem Feuer zu.
    „Einer der Aufseher hatte heute wohl einen besonders guten Tag.“
    Fragend legte Paavo den Kopf schief und fühlte sich plötzlich wie ein Welpe.
    „Es war der Gleiche, der sonst auch immer wieder einmal ein Wort mit mir wechselt. Anscheinend sucht man gerade …“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Hey Kalkwiese,


    zunächst mal zu "Spaziergang". Meine Anmerkungen findest du im Spoiler:



    Viele Grüße,
    Rainbow

  • @Rainbow
    Da waren wieder gute Gedanken dabei, danke. :)

  • „So wirst du dich noch erkälten, Bruder“, sprach Paavo leise. „Bitte, komm noch einmal mit mir zum Feuer zurück. Nur zum Trocknen.“
    Wieder beherrschte die Stille den Moment.
    ...
    Paavo ließ sie schließlich gewähren und erhob sich langsam.

    Ich muss zugeben, an der Stelle war ich kurz verwirrt, wen du mit sie meinst. Die Stille ist gemeint. Im ersten Moment habe ich es jedoch auf Paavos Aussage bezogen. Das kann aber auch an mir liegen, dass ich an der Stelle einfach zu langsam geschalten habe.
    Das liegt vielleicht auch an den drei Punkten, die mir irgendwie sagen, das da etwas fehlt/ausgelassen wurde.
    Wie dem auch sei, vielleicht hilft dir dieser Eindruck doch in irgendeiner Form weiter ^^


    Ansonsten kann ich nur sagen, dass mir die letzten Teile sehr gefallen. Sowohl inhaltlich als auch schreibtechnisch.
    Wir haben neue Charaktere kennengelernt und schon vorhandene mehr vertieft. Bisher gefällt mir das hier sehr gut. Und da ich die alte Version nicht kenne, bin ich gespannt, auf was das hinauslaufen wird. :)


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Hey Kalkwiese,


    meine Anmerkungen zu deinen Anmerkungen zu meinen Anmerkungen findest du im Spoiler :)



    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Hey Kalkwiese,


    meine Anmerkungen zu deinen Anmerkungen zu meinen Anmerkungen findest du im Spoiler :)

    Dann führe ich die Kette mal weiter. :rofl:

  • Ich melde mich dann auch mal zu Wort. Ich kenne den Inhalt zwar, aber das ist ziemlich unwesentlich, ich würde die Geschichte auch noch ein drittes Mal wieder von vorne anfangen ^^ Du weißt es, ich hab es im alten Thread oft genug geschrieben, aber ich sag es trotzdem immer wieder: Dein Stil ist einfach einzigartig! Und ich liebe deine kunstvollen Formulierungen:

    So hoch die Mundwinkel auch geschnitzt waren, die Maske blieb ein Stück Holz.

    Sie ließ alle Anwesenden Respekt atmen.

    Eigentlich hätte ich noch mehr rauskopieren können, weil so vieles gut ist, aber meist bin ich dann einfach zu sehr im Lesen drin xD Gute Stellen reißen mich beim Lesen halt nicht raus xD




    Zitat von kalkwiese

    „Hört auf zu quatschen und konzentriert euch gefälligs aufs Ziehen!“, knurrte ein Aufseher, der an dem hohen Zaun lehnte, der sich um das gesamte Feld zog.

    Auch wenn Arathorn mir das übel nehmen würde, würde ich hier empfehlen, das zweite "der" durch "welcher" zu ersetzen, damit der zweite Nebensatz durch ein anderes Wort eingeleitet wird.


    Das ist alles, was ich gefunden hab, der Rest ist super!

  • Hey,


    ich schon wieder :) Also, am letzten Teil habe ich wirklich nicht viel zu beanstanden. Allerdings war ich ebenfalls kurzzeitig irritiert, als es um die "Stille" ging, die Paavo "gewähren" ließ. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn man mit der Sprache spielt...da darf man auch mal kurz verwirrt sein.


    Ansonsten waren mir nur zwei Stellen ins Auge gefallen. Siehe Spoiler:



    So, das war`s auch schon wieder...


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Grau zu Bunt


    „Der Tag ist so ruhig …“, murmelte Konrad, in der Windstille auf dieser Wiese liegend.
    „Ja. So ist es schön“, antwortete Chisana.
    Und hoffte, dass es so blieb. Die Wiese befand sich abseits des Waldweges, der für Reisende wie eine Brücke war, welche die Herzogsburg mit der Stadt verband. Von der Burg aus sollte man Konrad und Chisana nicht erkennen können.
    Die Fee ruhte eingekuschelt auf seiner Brust, die Augen geschlossen. Neben ihnen lag der Lederbeutel im Gras, auf ihm drei Äpfel und ein Apfelstiel.
    „Acht Jahre nun“, murmelte sie in einer Tonlage jenseits der Wolken. „Du bist ganz schön gewachsen, kleiner Prinz. Ich erkenne dich kaum wieder.“
    Ihre Stimme lächelte. Als würde sie ihm ins Herz scheinen wollen. Mit Sicherheit wollte sie.
    Chisana schaute auf, als sie bemerkte, wie Konrads Blick in den Himmel hinauf wanderte.
    „Aber … du kannst sie noch immer nicht deine Eltern nennen, habe ich recht?“
    Dort oben hing ein weites, raues Gewölbe vor der Sonne.
    „Nein, kann ich nicht“, gab er leise und auch beschämt zurück, und wusste wohl nicht, ob er es jemals können würde. „Ich habe sie nie kennen gelernt. Wie könnte ich jemand fremden Vater oder Mutter nennen?“
    Chisana erhob sich und flatterte zu Konrads Gesicht herüber. In ihrer Bewegung schwang Besorgnis mit.
    „Aber jetzt habe ich doch dich, Chisana“, lächelte er und tätschelte sie vorsichtig mit einem Finger. „Und Onkel Martes ist auch noch da.“
    Langsam streckte er seinen Arm gen Himmel aus.
    „Weißt du, manchmal will ich mit einer Leiter zum Himmel steigen und ihn buntstreichen. Mit allen Farben.“
    Sie sah nun selbst hinauf und hielt sich mit ihm an der hellgrauen Wolkenwolldecke fest.
    „Ja, buntstreichen, das wäre schön. Aber warum schieben wir die Wolken nicht gleich zur Seite?“, piepste sie und stützte ihre Hände an sein Kinn.
    Es folgte eine kurze Stille, in der ihre leuchtenden Blicke Farbe an die Wolken warfen, verstrichen und verschmierten. Dann umarmte Chisana sanft seinen Hals.
    Vor acht Jahren hatte sie Konrad allein im Wald umherirrend gefunden. Flammengeruch stach noch heute ihre kleine Nase, wenn sie an diese furchtbare Nacht zurück dachte:

    Mit gesenktem Kopf zitterte sich der kleine Junge durch den Wald, weit abseits vom nächsten Dorf. Die Kleidung schmutzdurchzogen, die Haut blutbetropft. Irgendwo in der Ferne leuchtete eine Lichtung die bedrohlichen Farben von Mord und Flammen in den Wald hinein.
    Chisana flatterte leise über dem Kind, das sie noch nicht bemerkt hatte. Wohin lief es? Was war dort auf der Lichtung geschehen? Folgte ihm jemand? Sie war sicher, dass hinter der Antwort auf diese Fragen auch der Grund für ihre plötzliche Angst lauerte. Ein Zittern in der Luft, ein Beben in ihrer Lunge. Sie konnte nicht anders, als ihm zu folgen.
    Der Junge stolperte von Baum zu Baum, hielt sich mit seinen Händen an den Stämmen fest und vom Fallen ab. Neugierig verängstigt flog Chisana einige Schritte voraus, um das Ziel des Jungen auszumachen. Sie huschte geschickt voran, bis ein staubiger Waldweg in Sicht kam. Sofort fing sie sich an einem Zweig ab und stieß sich wieder zurück, in Richtung des Jungen. Angestrengt fiepend schoss sie an ihm vorbei.
    Da folgte ihm etwas, das spürte sie. Und doch konnte sie es unter dem verschwommenen Nachtschleier, zwischen all dem Sommerlaub nicht ausmachen. Eine Gänsehaut brach aus ihren Poren hervor, ihr eigener Atem würgte sie. Langsam bremste sie ab und setzte sich keuchend auf einen Zweig.
    Ich will nicht wissen, was da ist, ich will es nicht, ich will es nicht, ich will es nicht!, brannte es in ihrem Kopf, und doch rastete sie dort, bis sie wieder atmen konnte.
    Sie war geradewegs der Todesangst ins Maul geflogen. Aber wenn sie nur schnell genug war, konnte sie vielleicht entkommen. Erneut machte sie kehrt und jagte dem Jungen hinterher.
    Mittlerweile hatte das Kind fast den Waldweg erreicht und Chisana hatte Mühe, es einzuholen. Noch einmal warf sie einen Blick nach hinten.
    Nichts. Nur Nacht. Doch da musste etwas sein. Ganz sicher.
    Ein Stolpern vor ihr. In der Ferne Hufgetrappel.
    Plötzlich weiteten sich ihre Augen. Die Todesangst wollte gerade zuschnappen, da wand Chisana sich stöhnend aus ihrem Würgegriff und wandte den Blick wieder der Straße zu. Das Kind lag mit den Knien im Staub. Die Hufe wurden immer lauter.
    „Sekunde mal, ist das da nicht das Herzogskind von eben?“, fragte eine Stimme entsetzt.
    Chisana wusste nicht, woher sie die Kraft nahm, als ihre Flügel mit ihr aus dem Wald brachen und sie die Luft in den Ohren pfeifen hörte. Einige Stimmen erhoben sich gerade, als sie das Kind mit ihrem kleinen Körper vom Staub der Straße auf das Moos stieß. Das Hufgetrappel stoppte direkt neben ihr.
    Gemurmel.
    „Ihr habt es doch auch gesehen, oder?“
    Eine kratzende, hässliche Stimme wandte sich an die erste Person.
    „Ja, da war etwas. Es hat wie ein Kind ausgesehen.“
    „Genau, dort war es!“

    „Da sehe ich nichts.“
    „Aber dort ist es hingekrochen“, sprach der Erste wieder und zeigte auf Chisana und den Jungen.
    Beide unsichtbar.
    „Und jetzt ist es weg“, meinte der Zweite. „War wohl nur ein Tier.“
    „Ein Tier, das wie ein Kind aussieht. Lasst uns nach Fußspuren suchen.“
    „Im Dunkeln, geht’s dir noch gut? Das war sicher bloß Einbildung!“, kratzte die Stimme erbost. „Phantasie, ein Nachtgespenst in unseren Köpfen. Ich habe dem kleinen Bastard selbst die Kehle durchgeschnitten, der kann hier nicht einfach herumspazieren. Und jetzt lasst uns weiterreiten. Ich will aus diesem Wald heraus sein, bevor jemand die Leichen findet.“
    „Aber vorhin ist uns doch gerade erst etwas begeg -“
    „Und wenn schon. Wir sind zu Pferd, es holt uns nie im Leben ein. Und jetzt schweig still, du Tölpel. Es geht weiter.“
    Es folgte ein Moment der Ruhe, gerade lang genug, dass ein Blick einen Untergebenen hätte zerquetschen können. Ein leises Winseln gab Chisana Bestätigung.
    Erleichtert erhob sie sich, als sie die Pferde davontraben hörte, und eine Weile lang schaute sie dem kleinen Trupp hinterher. Es waren vier Männer, jeder auf einem Pferd. Im Dunkel konnte sie kaum mehr erkennen. Und während ihre Silhouetten hinter dem Nachtschleier verschwanden, wusste sie:
    „Ich habe das Richtige getan ...“
    Auch wenn sie nicht begriff, weshalb sie es überhaupt getan hatte.
    Dann bemerkte sie flüchtig zwei Schatten in ihren Augenwinkeln. Und die Welt schwärzte sich um sie herum.

    An dieser Stelle endete ihre Erinnerung, aber all das hatte sich in ihrem Kopf festgebrannt. Tief, tief hinein, dass nichts verloren gehen sollte. Als sie damals erwacht war, hatte Konrad tief und fest geschlafen. Es war Morgen gewesen und der Weg zur Festung deutlich zu erkennen. Und seit dieser Nacht war sie nicht mehr von Konrads Seite gewichen.
    Doch Konrad hatte keine Erinnerung mehr daran. Oder an irgendetwas, was davor passiert war. Für ihn hatte ein neues Leben begonnen.
    „Weißt du, Konrad, wenn wir die Wolken beiseiteschieben, dann kannst du den Himmel sehen. Ist es nicht das, was du willst?“, fragte sie nach einer Weile.
    Und Konrad ließ sich Zeit. Zeit, in der sein Blick sich in die Wolkendecke kuschelte.
    „Nein, das ist es nicht. Ich will ihn buntmalen. Der freie Himmel ist schön, aber ein Himmel ohne Wolken? Die stören mich doch überhaupt nicht, sie sind ein Teil von ihm. Es ist das Grau …“
    „Hm. Na dann.“
    Mit sanften Händen tätschelte sie sein Kinn.
    „Dann lass uns ordentlich Farbe vergießen!“, jubelte die Fee und trat ihm gegen den Kiefer. „Du bist!“
    Noch tropfend vom Bad in den eigenen Gedanken, zuckte er erschrocken in sich zusammen. Chisana schwebte dabei kurz über seinem Gesicht und streckte ihm hämisch grinsend ihre Zunge entgegen.
    „Du bist ein Träumer, mein kleiner Prinz“, schlürfte sie genüsslich sein Erstaunen.
    „Na - warte nur -“, keuchte er mit angestrengtem Grinsen, während er vergeblich nach ihr griff.
    Doch die flinken, gelenken Bewegungen ihres Körpers lachten nur, zusammen mit ihrem Gesicht, während die Fee langsam auf die Wiese hinausflog.
    „Oh, bitte. Als ob du mich im Liegen fangen könntest, tihi!“
    Halb widerwillig rappelte Konrad sich auf und machte sich keine Mühe, seine Kleidung abzuklopfen.
    „Worauf wartest du denn noch?“, pfiff Chisanas Glöckchenstimme.
    Und er zögerte keinen Augenblick lang, ihr nachzujagen und die Wolken zu färben.
    Niemand von ihnen beachtete das leise Knattern, das von irgendwo in der Ferne herankroch.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    2 Mal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Hi,


    der Teil liest sich wirklich sehr schön :) Hebe nur ein paar Kleinigkeiten anzumerken:



    Viele Grüße,
    Rainbow