Die Schatten der Magie

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      Und hier mal wieder nach reichlich Zeit eine weitere Seite:


      Telepter zeigte ein gänzlich anderes Gesicht als die anderen Städte der Mittlande; lange schon lebten Menschen an der Küste, wo der Herbst später kam und der Winter früher ging, und von den weiten Rändern der Stadt aus lag das Land blank. Heidekraut hatte das Land erobert, das die Menschen in ihrer noch recht kurzen Geschichte auf diesem Teil der Welt vom Wald befreit hatten. Durch die weitläufigen Wiesen und steinigen Abhänge zogen in den warmen Jahreszeiten Herden von Schafen, deren dichte Wolle im ganzen Land begehrt war.
      Doch der Fisch war es, der die Stadt ernährte, und Eisen und Bernstein hatten sie reich gemacht. Bis an die Zähne bewaffnete Karawanen fuhren Erze und fertige Barren aus dem Noden nach Telepter, und von hier fuhren Schiffe zu den nahen und fernen Küsten des Kashetenreiches, dem einstigen Kaiserreich Kash. Fischerboote fuhren noch vor dem Morgengrauen in die seichten Gewässer in Küstennähe, und ihre Netze zogen reichlich Fisch und Meeresgetier an Deck.
      Arbor hasste Telepter, ihre billige Imitation der kashetischen Kultur, die mit dem engen Kontakt der Stadt mit den Stämmen der östlichen Völker einherging. Er hasste die Freizügigkeit der Menschen, die Zerstreuung und Dekadenz, denn all dies hielt er für schwächen, Genüsse, die den Verstand stumpf werden ließen. Doch auch Limina profitierte von der Nähe zu jenem Knotenpunkt des Handels, und so auch Arbor, ihr Patron. Karawanen aus dem Norden und dem Westen schätzten die kleine Stadt als Rast-und Zwischenpunkt auf ihrem Weg nach Telepter und zahlten gut, oft sogar in Silber. Trotzdem vermied Tecenis es, mehr als alle zwei Jahre der Küstenstadt einen Besuch abzustatten – wenn es sich denn vermeiden ließ.
      Und so trat Tecenis durch die Tore Telepters, noch schlichter gekleidet als üblich, das Gesicht halb in den Schatten einer Kapuze verborgen. Hier gab es niemanden, der ihm gefährlich werden konnte, und doch zog er es vor, kein Aufsehen zu erregen. Auch über Telepter wachten Patrone, nicht nur einer, sondern gleich vier; doch sie alle waren niedere Zauberer, zusammen nicht halb so gut bewandert in den Dingen der Magie, wie er selbst. Sie würden ihn und seine Anwesenheit nicht bemerken, nicht erspüren – solange er nicht mit Stab und Gewandung durch die engen Gassen zog. Verächtlich blickte Tecenis zu den vier Magiertürmen der Stadt auf, aus Holz erbaut, auf jede der vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Auch sie verströmten mit ihrer schlanken Form und den bunt gedeckten Dächern eine arrogante Lebensfreude und Lust an den schönen Dingen, die Tecenis so hasste.
      „Sie wird nicht in den Hafenvierteln arbeiten, wenn sie eine höhere Kundschaft bedient“, flüsterte Arbor vor sich hin, inmitten des Getümmels der Märkte. „Sie wird eine eigene Unterkunft haben.“ Das würde es nur schwerer machen, sie zu finden, doch gegen Arbors Entschlossenheit war dies kein Hindernis. Und doch würde er warten müssen, warten, bis die Stunde der Huren und Ehebrecher angebrochen war und Dunkelheit die Freier vor allzu neugierigen Augen verbargen.
      Arbor wartete im Schatten der Kirche Telepters, und jeder unkundige Blick, der den alten Magier gestreift hätte, wäre über ihn hinfortgezogen, ohne etwas wahrzunehmen; nur ganz wenige aber narrten Tecenis‘ Versteckungskünste nicht, doch auch sie sahen dort nicht mehr als einen alten Mann in dunkler Wanderkleidung, an dem sie schon bald ihr Interesse verloren.
      Als die Sonne hinter den Wällen der Stadt unterzugehen begann, stand der Alte auf, rieb sich die klammen Hände. Stunden hatte er gegrübelt, darüber nachgedacht, wohin sein Weg ihn nun führen würde, und nur mit Widerwillen hatte er sich eingestanden, dass es nur eine Art von Ort gab, an dem er Chancen auf Erfolg haben würde.
      Es war nicht schwierig, eine Schenke in Telepter zu finden, besonders am Hafen, wo für Kupfer und Silber alles zu kaufen war und wo Matrosen ihre Einsamkeit in Bier und Frauenschößen ertranken. Tecenis brauchte nur dem Lärm hinterherzuziehen, durch die schmalen Gassen und Hinterhöfe, unsichtbar für die einfachen Menschen der Stadt.
      Sperrangelweit standen hier die Türen eines Schankraums offen, und ein fast einladender Schwall Wärme spielte um die Wangen des Magiers, als er seine Abscheu überwand und über die Schwelle des Hauses trat. Schweiß- und Biergestank lagen so penetrant in der Luft, dass Tecenis darüber nachdachte, eine andere Schenke aufzusuchen – doch in keiner würden die Zustände besser sein als hier.
      Phyrene lag am Rande eines Hügels, inmitten des Waldes, als versuche es,sich zwischen den Stämmen zu verstecken, unsichtbar zu werden in einer Welt, inder das Unauffällige überlebte. Ein Palisadenwall umgab die Stadt und die Höferingsum, schien die letzten Spuren der Menschlichkeit einzufassen, als könntesie durch die kleinste Lücke entströmen und in der Unbarmherzigkeit der Zonevergehen, verklingen wie der letzte Ton eines Liedes.
      Das Lied der Stille
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      Sehr schön geschrieben, @Myrtana222. Man hat förmlich den Eindruck, dass man an Tecenis' Seite durch die Stadt wandert, sich misstrauisch nach allen Seiten umblickt und halblaut vor sich hinmurmelt, während man über die diversen Gerüche abfällig die Nase rümpft. Man kann sich gut in ihn reinfühlen.
      Die Stadt hast du sehr gut beschrieben und nebenbei uns noch einen kleinen Einblick in die dort herrschenden Verhältnisse gegeben. :thumbup:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Myrtana222 schrieb:

      und von den weiten Rändern der Stadt aus lag das Land blank. Heidekraut hatte das Land erobert, das die Menschen in ihrer noch recht kurzen Geschichte auf diesem Teil der Welt vom Wald befreit hatten.
      Das zweite Mal könte man statt "Land" einfach "es" schreiben.

      Myrtana222 schrieb:

      lange schon lebten Menschen an der Küste, wo der Herbst später kam und der Winter früher ging, und von den weiten Rändern der Stadt aus lag das Land blank. Heidekraut hatte das Land erobert, das die Menschen in ihrer noch recht kurzen Geschichte auf diesem Teil der Welt vom Wald befreit hatten.
      Kommt das nur mir so vor, oder widerspricht sich das nicht ein bisschen? :hmm:
      Wie lange leben denn die Menschen nun schon dort? Ode rbezog sich das kurz nur auf die Abholzung der Wälder?

      Myrtana222 schrieb:

      Trotzdem vermied Tecenis es, mehr als alle zwei Jahre der Küstenstadt einen Besuch abzustatten – wenn es sich denn vermeiden ließ.
      Und so trat Tecenis durch die Tore Telepters,
      Ich würde hier vielleicht eine andere Einleitung in den nächsten Absatz nehmen, die den Widerwillen, mit dem Tecenis die Stadt betritt, besser einfängt. Zum Beispiel:
      "Trotzdem vermied Tecenis es, mehr als alle zwei Jahre der Küstenstadt einen Besuch abzustatten – wenn es sich denn vermeiden ließ.
      Heute führte dagegen kein Weg daran vorbei und naserümpfend trat der alte Hexenmeister/ Zauberer/ whatever durch das Tor, noch schlichter gekleidet als üblich, das Gesicht halb in den Schatten einer Kapuze verborgen."

      Zu dem neuen Teil lässt sich eigentlich nicht viel sagen, denn viel passiert ist ja nicht. Mir gefällt die Beschreibung Telepters sehr gut und wie ihre charakteristischen Merkmale hervorgehoben wurden. :)
      "Vem har trampat mina svampar ner?!"
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      Viel ist im neuen Setting noch nicht passiert, daher... weiter schreiben!!! ^^

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      Myrtana222 schrieb:

      Telepter zeigte ein gänzlich anderes Gesicht als die anderen Städte der Mittlande;

      Myrtana222 schrieb:

      Arbor hasste Telepter, ihre billige Imitation der kashetischen Kultur
      Ich finde es ein bisschen schade, dass ich mir Telepter kein bisschen vorstellen kann. Ne, dass ich nicht weiß, wie du möchtest, dass ich mir die Stadt vorstelle. Die Beschreibung des Lebens und des Hintergrunds der Stadt finde ich gut, aber "geographisch" erfährt man recht wenig, außer dass es wohl eine Mauer geben muss (zumindest gibt es ein Tor), es gibt eine Kirche, vier hölzerne Magiertürme und Tavernen, Kneipen und Wirtshäuser. Und den Hafen, den hätte ich jetzt fast vergessen. Gibt es irgendetwas, was einem Wanderer, der schon viele Städte der Mittlande gesehen hat, ganz besonders ins Auge sticht, wenn am Abend bei Sonnenuntergang das erste Mal Telepter erblickt?
      Ich bin jetzt nicht so gut mit deiner Welt vertraut... das ehemalige Kaiserreich Kash gehört nicht zu den Mittlanden, oder?

      Myrtana222 schrieb:

      fertige Barren aus dem Noden nach Telepter
      Kleine Nachfrage: Fehlt da ein r oder ist das hier ein Eigenname?

      Myrtana222 schrieb:

      Zerstreuung und Dekadenz, denn all dies hielt er für schwächen, Genüsse, die den Verstand stumpf werden ließen
      --> groß schreiben: Schwächen.

      Myrtana222 schrieb:

      Es war nicht schwierig, eine Schenke in Telepter zu finden, besonders am Hafen, wo für Kupfer und Silber alles zu kaufen war und wo Matrosen ihre Einsamkeit in Bier und Frauenschößen ertranken.
      Müsste das nicht "ertränkten" heißen, weil die Matrosen das aktiv tun? :hmm:
      Eine Hand wäscht die andere.
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      Myrtana222 schrieb:

      wo für Kupfer und Silber alles zu kaufen war und wo Matrosen ihre Einsamkeit in Bier und Frauenschößen ertranken.
      ertränkten

      So :)
      Ansonsten kann ich mich den anderen nur anschließen :)
      Es klingt ein wenig ... ausladender als sonst, aber besonders der Teil hat mir sehr gut gefallen:

      Myrtana222 schrieb:

      Telepter zeigte ein gänzlich anderes Gesicht als die anderen Städte der Mittlande; lange schon lebten Menschen an der Küste, wo der Herbst später kam und der Winter früher ging, und von den weiten Rändern der Stadt aus lag das Land blank. Heidekraut hatte das Land erobert, das die Menschen in ihrer noch recht kurzen Geschichte auf diesem Teil der Welt vom Wald befreit hatten. Durch die weitläufigen Wiesen und steinigen Abhänge zogen in den warmen Jahreszeiten Herden von Schafen, deren dichte Wolle im ganzen Land begehrt war.
      Doch der Fisch war es, der die Stadt ernährte, und Eisen und Bernstein hatten sie reich gemacht. Bis an die Zähne bewaffnete Karawanen fuhren Erze und fertige Barren aus dem Noden nach Telepter, und von hier fuhren Schiffe zu den nahen und fernen Küsten des Kashetenreiches, dem einstigen Kaiserreich Kash. Fischerboote fuhren noch vor dem Morgengrauen in die seichten Gewässer in Küstennähe, und ihre Netze zogen reichlich Fisch und Meeresgetier an Deck.
      Arbor hasste Telepter,
      Der Umbruch ist klasse.
      Oben beschreibst du Telepter und ich glaube jedem ging es wie mir:
      Oh Schafe und Wolle, Eisen, Bernstein, Reichtum, Lebensfreude ... und dann Aror Hasste Telepter und man fragt sich: "What?!" 8|
      Okay XD Ich hoffe, du verstehst was ich meine XD
      Dreck auf Toast!
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      Das ist atmosphärisch ein sehr schöner Abschnitt.

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      Myrtana222 schrieb:

      fertige Barren aus dem Noden nach Telepte
      Norden?

      Myrtana222 schrieb:

      em Morgengrauen in die seichten Gewässer in Küstennähe, und ihre Netze zogen reichlich Fisch und Meeresgetier an Deck.
      und anderes Meeresgetier an Deck

      Myrtana222 schrieb:

      doch gegen Arbors Entschlossenheit war dies kein Hindernis.
      doch für Arbors ...

      Myrtana222 schrieb:

      und Dunkelheit die Freier vor allzu neugierigen Augen verbargen.
      verbarg? (Bezieht sich ja auf Dunkelheit)
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz