Greta [Arbeitstitel]

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    • Ich muss sagen, dieses Wesen scheint doch ziemlich sympathisch zu sein, immerhin quasselt es nicht die ganze Zeit :D
      Aber jetzt muss ich auch mal ein ernstes Wörtchen mit dir reden @Kitsune ! DU MUSS MIR AUCH SCHON NOCH WAS ZUM MECKERN LASSEN! ;( Ich sitze jedes mal da und kann nichts weiter tun als den Text zu GENIESSEN!!! Kannst du dir das vorstellen? Keine Fehler oder Unstimmigkeiten und dieser Satzbau erst ... Selbst die Charaktere sind tadellos geschrieben (sollte ich mir ein Beispiel dran nehmen *hust*).
      Was soll ich denn jetzt nur tun?! :panik:

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
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      @Xarrot
      Ich würde dir ja gern was zu meckern geben, aber ... aber ... :panik:




      Nach einem schweigsamen Frühstück machten wir uns ebenso still auf den Weg zum Büro - der sich als Hürdenlauf herausstellte.
      Erste Hürde: Wohin mit dem Wesen? Schmitti wollte es in meiner Wohnung lassen, ich stimmte ihm nach einem kleinen Streitgespräch zu, doch kaum hatte ich alles meinem Besucher erklärt, die Sachen gepackt und die Wohnungstür von außen abgeschlossen, tauchte das Wesen vor uns auf der Treppe wieder auf. Schmitti sprang mit einem Satz hinter mich, während ich nur den Kopf zur Seite neigte und die Arme vor der Brust verschränkte.
      Ich entschied mich kurzerhand alte Kleider aus den tiefsten Tiefen meines Schrankes herauszusuchen, um diese dem Wesen überzuhelfen. Schließlich nahm ich es an der Hand und ignorierte Schmittis Schnappatmung.
      Zweite Hürde: Schmittis Auto wiederfinden. Am Abend zuvor hatte er es irgendwo bei irgendeinem Club stehenlassen. Natürlich konnte der Herr sich nicht erinnern, wo dieses irgendwo und welcher dieser irgendeine Club war, schließlich habe nicht er den Ort ausgesucht. Am liebsten hätte ich ihm den Kopf abgerissen und ihn verkehrt wieder auf den Hals gesetzt. Nach einer Stunde der Suche fanden wir seinen klapprigen Passat nur durch Zufall in einer Einbahnstraße in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Schräg eingeparkt. Drei Querstraßen weit entfernt vom nächsten Club. Ich fragte nicht nach.
      Nun starrte ich stumm vom Beifahrersitz aus dem Fenster, die Schatulle in meiner Tasche auf dem Schoß, während Schmitti mit grimmiger Miene auf die Schnellstraße bog. Auf der Rückbank hockte - in alter Jogginghose, einem ausgeleierten Pulli und aussortierten Turnschuhen meinerseits - das Wesen, dessen geisterhaftes Gesicht im Schatten einer Kapuze verborgen lag.
      »Wir sollten ihm langsam einen Namen geben«, durchbrach Schmitti die Stille. Bei seinem Versuch zu Beginn der Fahrt das Radio einzuschalten, hatte sich stets dagegengehalten, weil unser Gast auf der Rückbank jedes Mal fauchte, sobald die Stimme des nervigen Morgenmoderators mit seiner guten Laune erklang. »Es sei denn, du willst, dass ich es nur Vieh nenne.«
      Seufzend rutschte ich tiefer. »Und wenn es bereits einen hat?«
      »He, du! Hast du einen Namen?« Schmitti warf einen Blick in den Rückspiegel. Das Wesen drückte sich an die Autotür, während es die Nase an der Scheibe plattdrückte. Eine Antwort gab es nicht.
      »Anscheinend nicht«, murmelte mein Freund. Er sah flüchtig zu mir. »Also?«
      Ich überlegte. »Hans - vielleicht?«
      »Hans?« Schmitti lachte. »Weil er dann zu unserem Team passt? Rudi, Greta, Karl und Hans.« Er kicherte. Anscheinend gehörte das Wesen für ihn bereits zu uns, ohne dass es ihm bewusst war.
      »Wieso nicht?«, fragte ich und musterte den schwarzen BMW finster, der gerade mit überhöhter Geschwindigkeit an uns vorbeiraste. Ich atmete das mulmige Gefühl in meinem Bauch weg.
      »Und wenn es eine sie ist?«, hakte Schmitti nach.
      Ich sah über die Schulter nach hinten. »Ich glaube nicht, dass es überhaupt ein Geschlecht hat.«
      »Hast du ihm etwa in den Schritt geschaut?«
      Ich boxte Schmitti auf den Oberarm. »Nein! Und das werde ich auch nicht, du Blödmann.«
      »Wir wäre es dann mit Kim? Oder Kai? Oder ... Irgendeinen Namen, der für beides geht?«
      »Ich finde Hans schön«, raunte ich. Zudem war es der Name unseres Hausarztes, der, wenn ich nun recht darüber nachdachte, sogar ein wenig Ähnlichkeit mit unserem Wesen besaß. Schütteres, weißes Haar, bleiche Haut, lange Glieder ... Vielleicht war mir deswegen der Name in den Sinn gekommen.
      Schmitti bog von der Schnellstraße auf die Landstraße, die aus der Stadt führte, und beschleunigte erneut. »Nenn es doch gleich Dieter, wenn du schon so anfängst.«
      »Als Geschenk für den Chef?«, fragte ich grinsend, doch mein Freund blieb ernst. Wir waren uns einig gewesen, dass der Chef von dem Ganzen nichts erfahren durfte. Ich räusperte mich. »War doch nur ein Witz.«
      »Für blöde Witze bin ich zuständig«, sagte Schmitti. Ich zuckte mit den Schultern und verfiel wieder in meine eigenen Gedanken.
      Am Horizont wuchs ein grauer Gewerbekomplex heran. Die drei- bis vierstöckigen Gebäude schraubten sich vor uns in die Höhe und zogen schließlich wie Gespenster an uns vorbei, als wir von der Landstraße nach rechts direkt in den Gewerbepark einbogen. Die Häuser lichteten sich etwas, wurden niedriger, dafür aber breiter. Hinter den Fenster lag nur Schwärze, während sich der Himmel langsam hellblau färbte.
      Wir hielten auf das fünfstöckige Haus zu, das am Ende der Straße lag und von einer langen Reihe Eisengitter umzäunt wurde. Schmitti hielt am Tor, kurbelte das Fenster herunter und zog seine ID Karte durch den Schlitz am Automaten, um uns den Weg freizumachen.
      Auf dem Parkplatz vor dem Haupthaus standen nur wenige Fahrzeuge, alles eine unauffällig graue oder schwarze Masse, eng beieinander. Die meisten unserer Kollegen lagen noch in ihrem warmen Betten und würden erst in zwei Stunden eintrudeln, wenn sie nicht von vornherein im Außeneinsatz waren.
      »Wir sollten Hans im Auto lassen«, sagte Schmitti, nachdem er den Passat auf seinen angestammten Platz direkt vor dem Hauseingang stellte.
      »Weil es ja so gut geklappt hat, Hans in meiner Wohnung zu lassen?«, fragte ich, als ich den Gurt aus seiner Verankerung schnippen ließ.
      »Punkt für dich«, seufzte mein Freund und stieg aus.

      Leo erwartete uns im dritten Stock vor der Tür zu unserem Büro, ziemlich am Ende des schmalen, fensterlosen Flurs. Ihre langen Beine und Arme umschmeichelte ein dunkler Hosenanzug, während sie ihr blondes Haar zu einem Dutt gebändigt hatte. Ihr langer Hals umspielte ein roséfarbener Schal, auf dem Schmetterlinge zu tanzen schienen, wenn sie sich bewegte. Trotz des leichten Farbtupfers ließ ihre Kleiderwahl sie an diesem Morgen blass und streng wirken. Ihr langes Gesicht zierte dennoch ein warmes Lächeln.
      Wir nickten ihr zu, doch ihr Blick wanderte hinter uns. Stumm musterte sie Hans, drehte sich dann lediglich um und ging ins Zimmer, wo Klager bereits an meinen Schreibtisch gelehnt wartete. Die Fenster neben den aneinandergeschobenen Tischen von Schmitti und mir waren abgedunkelt, ließen jedoch genug Licht herein, um die grelle Deckenbeleuchtung nicht zu benötigen. Klager sah von seinem Bericht auf, in dem er blätterte, stockte jedoch, als er Hans entdeckte. Seine Miene verfinsterte sich. Schmitti schloss als Letzter die Tür.
      »Wo ist die Schatulle?«, kam Leo gleich auf den Punkt, wie immer. Dafür liebte ich sie.
      Ich atmete tief durch, ging zu meinem Tisch, auf dem sich stapelweise Akten am Rand sammelten, und legte die Tasche darauf. Bevor ich die Schatulle hervorholte, wartete ich, bis das Wesen dicht an meiner Seite war; ich fühlte mich seltsam wohler dabei.
      »Das ist sie?«, fragte Leo, als die Schatulle zwischen einem Haufen dünner Aktenordner und meinem Computer lag.
      »Das ist sie«, sagte ich nur. Ich suchte die Hand des Wesens und schauderte, als die Kälte wieder in meine Finger kroch.
      Leo beugte sich über den Tisch. Ohne aufzublicken fragte sie: »Ist Es mit der Schatulle verbunden?«
      »Vermutlich«, antwortete Schmitti. Er saß mit verschränkten Armen auf der Kante seines Schreibtischs - der natürlich wesentlich aufgeräumter wirkte, ohne Akten und lediglich voller bunter Stifte und Zettel. »Jedenfalls ist es einfach bei Greta aufgetaucht und lässt die Schatulle seitdem nicht mehr aus den Augen.«
      »Was habt ihr euch jetzt wieder eingebrockt?«, seufzte Leo kopfschüttelnd.
      »Immerhin ist es kein entlaufenes Mammut«, versuchte Schmitti die Stimmung etwas aufzulockern, doch keiner von uns lachte. Die Geschichte mit dem Mammut war noch zu frisch, um wirklich lustig zu sein.
      »Du kannst uns später belehren, Leo. Kannst du sie öffnen?«, drängte ich, verlagerte mein Gewicht von einem Bein aufs andere.
      Leo legte ihre längliche Hand auf das glatte Holz, schloss einen Moment die Augen. Als sie sie wieder aufschlug, trat sie einen Schritt zurück. »Mach sie auf.«
      Ich blinzelte. »Das war's?«
      »Das war's.« Sie zuckte mit den Schultern.
      »Wie - unspektakulär«, jammerte Schmitti. »Ich hätte ja mit einem kleinen Feuerwerk gerechnet. Oder einer Beschwörung. Oder einem Knall. Wenigstens ein Puffen hätte drin sein können. Ich bin enttäuscht, Leo.«
      Leos Ohren zuckten. »Wenn du etwas mehr auf deine Magie hören würdest, Karl«, sagte sie betont langsam, »anstatt sie zu ignorieren, dann hättest du das Schloss auch aufbekommen.«
      Der Hieb saß. Schmitti verzog das Gesicht, brummte vor sich hin und wandte sich lieber wieder mir zu. Ich stand vor meinem Tisch und wusste nicht, was ich tun sollte, war mindestens genauso enttäuscht wie mein Freund. Ein wenig mehr Show hätte Leo schon machen können. So kam man sich nur wie der letzte Depp vor, der nicht einmal die Grundlagen der Magie beherrschte. Zugegeben, Leo bestand quasi aus Magie, ihr fiel es schon von Natur aus leichter. Dennoch ...
      »Wenn du sie nicht öffnest, mach ich es«, sagte Klager. Er trat neben mich, doch ich kam ihm zuvor. Mit bebenden Fingern fuhr ich über den Deckel. Mein Daumen streifte das zerkratzte Schloss. Ein Schauer durchfuhr mich, in meinem Inneren vibrierte es. Ich schluckte, rief mich zur Ruhe, war mir mit einem Mal sicher, dass es nicht allein meine Aufregung war, die ich spürte. Zumindest hoffte ich es, denn ich wollte nicht vor aller Augen etwas Dummes anstellen. Das war Schmittis Job.
      Es klemmte etwas, doch schließlich ließ sich der Deckel mit einem Ruck anheben. Sobald er zur Hälfte oben war, setzte sich etwas Mechanisches in Gang. Blechern ertönte eine sanfte Melodie. Ich blinzelte erneut.
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

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    • Kitsune schrieb:

      Jedenfalls ist es einfach bei Greta aufgetaucht und lässt die Schatulle seitdem nicht mehr aus den Augen.«
      Jetzt muss ich aber zugeben, dass ich glatt den Namen des Protas vergessen hatte, bis Schmitti ihn genannt hat. Ich dachte nämlich schon die ganze Zeit der Name der Geschichte wäre auf das Wesen bezogen xD

      Kitsune schrieb:

      »Immerhin ist es kein entlaufenes Mammut«, versuchte Schmitti die Stimmung etwas aufzulockern, doch keiner von uns lachte. Die Geschichte mit dem Mammut war noch zu frisch, um wirklich lustig zu sein.
      Ach du lieber Himmel ... was haben die denn für einen Job?! :rofl:

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      Xarrot schrieb:

      Ach du lieber Himmel ... was haben die denn für einen Job?!
      Tjaaaaa, entlaufene Mammuts sind da noch harmlos bei. :D Vielleicht schreib ich irgendwann genauer, was sie machen. ^^


      Ich bin dann mal wieder in Unsicherhausen, weil ich bei einem Teil des neuen Abschnitts nicht weiß, ob das nicht zu ... merkwürdig klingt. Also mehr als sonst. Möh.





      »Eine Spieluhr?«, sprach Schmitti meinen Gedanken aus. Er beugte sich zu meinem Tisch herüber und rümpfte die Nase.
      »Warte«, sagte Klager und drückte ihn leicht zurück, um selbst einen besseren Blick zu erlangen.
      Ich öffnete die Schatulle ganz, offenbarte die längliche Walze mit ihren feinen Erhebungen, die sich langsam drehte. An manchen Stellen fehlten bereits Stifte; ein paar Töne sprangen und blieben aus. Die Melodie kam mir vertraut vor, doch ich konnte den Finger nicht darauf legen.
      Mit einem Mal schnappten dürre Hände nach der Schatulle. Das Wesen zog sie zu sich, hielt sie nah vor das eigene Gesicht, schielte sogar etwas, während es die Walze beobachtete.
      »Okay, das ist echt enttäuschend«, sagte Schmitti und sprang von seinem Tisch. »All der Aufriss für eine lächerliche Spieluhr.«
      »Dennoch merkwürdig, sie magisch zu verschließen, auch wenn das Schloss etwas ...« Leo hielt inne, dann griff sie unvermittelt nach der Schatulle. Sie zuckte zurück, als das Wesen sie mit zurückgezogenen Lippen anfauchte.
      »Vorsicht, bissig«, raunte Schmitti. Ich warf ihm einen bösen Blick zu. Gebissen hatte Hans noch nie. Gekratzt vielleicht, aber nicht gebissen.
      Leo spitzte die Lippen, dann fragte sie das Wesen, ob sie die Schatulle nur kurz haben dürfe. Hans sah zu mir; ich nickte, ermutigte ihn stumm. Ohne weitere Umschweife drückte Hans die Spieluhr in Leos Hände. Sie zuckte sichtlich bei der Berührung mit seinen Fingern zusammen, sagte jedoch nichts. Stattdessen stellte sie die Schatulle wieder auf meinen Arbeitsplatz, friemelte schließlich an der Innenseite des Deckels. Sie bat um Schmittis Taschenmesser, das er in seiner Schublade aufbewahrte, und löste damit eine dünne Platte heraus.
      Schmitti stellte sich hinter uns und stieß einen leisen Pfiff aus. »Geheime Botschaften.« Er rieb sich die Hände und wollte nach den Papieren greifen, die nun hervorquollen, doch ich klopfte ihm auf die Finger.
      »Leo hat sie gefunden, also darf sie zuerst«, schalt ich. Mein Freund rieb sich grummelnd den Handrücken.
      »Ich mach Kaffee«, seufzte Klager. Er verschwand durch eine schmale Tür, umgeben von mannshohen Aktenregalen, welche die gesamte Wand hinter uns einnahmen; im Nebenraum befand sich sein eigenes kleines Reich – und dort stand, aus welchem Grund auch immer, eine Kaffeemaschine. Bevor Klager zu uns gestoßen war, hatten wir nicht einmal gewusst, dass neben unserem Büro noch ein Zimmer existiert.
      Schmitti und ich drängten uns um Leo; sie hatte die Schatulle an Hans zurückgereicht, der sich nun mitten auf den Boden setzte, um gebannt der Melodie zu lauschen.
      Ich sah über Leos Schulter, während sie das gebleichte Papier auseinanderfaltete und laut las:

      »Mein Kind,

      es tut mir leid, wie es kommen musste, doch du wirst verstehen, dass du mir keine andere Wahl gelassen hast.
      Du weißt, ich habe stets alles für dich getan. Alles erdenkliche habe ich versucht, um dir ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch seit dieses Mädchen in dein Leben getreten ist, hast du hierfür keine Augen und Ohren mehr.
      Ich habe es nicht mehr ertragen, euch so zu sehen, nein, dich so zu sehen.
      Tag und Nacht diese Geräusche, als würdet ihr euch zerfleischen. Die Bissspuren am Morgen. Der Gestank. Und ihre böse Zunge erst! Ich hätte dieses Weibsbild sofort vor die Tür setzen sollen, als ich noch die Möglichkeit hatte. Doch ich wollte nicht auch dich verlieren.
      Euch anzuketten schien die einzige Möglichkeit. Du wirst es verstehen. Eines Tages, dessen bin ich mir sicher. Anders als von dir behauptet, besitze ich nämlich ein Herz und seit dem Tod deiner Mutter gehört es nur mehr dir, meinem einzigen Kind.
      Ich kenne nun einen Weg, dir das Leben zu schenken, das du verdient hast, seit du zur Welt kamst. So winzig. Ich hoffe nur, für deine Seele ist es noch nicht zu spät. Denn ich habe Wahnsinn in deinen Augen gesehen. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran zurückdenke, wie entrückt du mich angestarrt hast, als ich ...

      Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es bewegt sich bereits. Sein Verstand wird begrenzt sein, es braucht nur für dich am Leben zu bleiben. Es sieht dir sogar ähnlich, was ich nicht für möglich hielt.
      Ich warte auf den Tag, an dem ich mein Kind wieder bei mir habe ...«

      Leo ließ den Brief sinken.
      »War das alles?«, fragte Schmitti mit gehobener Augenbraue. »Ziemlich wirr.«
      »Es scheint, er habe immer wieder ab- und neu angesetzt«, murmelte ich, als ich Leo über die Schulter blickte, um den Brief genauer in Augenschein zu nehmen.
      Klager kam mit einem Tablett klappernder Tassen zurück zu uns und stellte es auf Schmittis Tisch, wobei er Stifte und Zettel beiseiteschob. »Wenigstens scheinen wir auf eine Spur wegen der Skelette gelangt zu sein«, sagte unser Kollege.
      Schmitti schnappte sich die oberste Akte von meinem Stapel und blätterte sie durch. »Simon von Hahnstein. Sechzehn. Laut medizinischer Anmerkung ist er mit einem Gendefekt geboren worden. Keine genaueren Angaben - verschlossene Akte.« Er murmelte: »War ja klar.« Und wieder lauter: »Jedenfalls gilt er seit mehr als einem Jahr als vermisst.«
      Ich sah zu Hans. Das Wesen hielt die Spieluhr weiterhin fest umklammert; es lächelte schief, neigte den Kopf, bis sein Ohr auf dem Holz der Schatulle lag. »Meint ihr, dass ist es, wovon von Hahnstein in seinem Brief gesprochen hat?«
      »Alles ist möglich bei einem Wahnsinnigen«, sagte Leo schulterzuckend. »Ich habe diese Hexer ohnehin noch nie verstanden. Und noch weniger, dass die Regierung sie schützt.«
      »Und wenn sie verschwinden, sind wir wieder für die Drecksarbeit zuständig«, brummte Schmitti und ließ sich gegenüber auf seinen Stuhl fallen, der dabei gefährlich quietschte.
      »Aber warum etwas zurücklassen, was eine Hoffnung für den Sohn sein sollte?«, überlegte ich laut.
      Klager musterte Hans ebenfalls einen Moment. »Sein Sohn ist an was auch immer gestorben und er hatte keine Verwendung mehr dafür. Das würde auch das Verschwinden des Hexers erklären. Hier hat ihn wohl nichts mehr gehalten.«
      »Wirklich?«, fragte ich mit krauser Stirn. »Hätte er dann nicht auch versucht, es zu beseitigen und seine Spuren so besser zu verwischen?«
      »Vielleicht konnte er das nicht.«
      »Ihr Menschen denkt nicht so weit«, flüsterte Leo vor mir. Ich stupste ihr leicht in den Rücken ohne in weiteres Wort über ihre Bemerkung zu verlieren.
      »Oder aber«, begann Schmitti, »jemand hat das ominöse Mädchen vermisst, sich auf die Suche begeben, es gefunden und den Hexer - schwupps - verschwinden lassen.« Er nahm sich eine Tasse vom Tablett und pustete über den Rand hinweg.
      Leo wirkte inzwischen nachdenklich; sie las die Zeilen noch einmal, dann fragte sie: »Die Skelette wurden im Keller gefunden, richtig?« Ich bejahte. »Und es war trocken? Kein Ungeziefer?«
      »Ich wusste doch, dass mir was merkwürdig vorkam!«, rief Schmitti auf und schimpfte im nächsten Moment, als Kaffee auf einige seiner Zettel schwappte.
      »Also sind sie nicht dort verrottet«, mutmaßte Klager. Leo nickte.
      »Wahrscheinlich sind beide angekettet gestorben. Wo auch immer«, sagte Schmitti und tupfte mit einem Papiertaschentuch auf seinem Tisch herum. »Unser Hexer hat sie verbuddelt, ist dann auf den Trichter gekommen, wie er seinen Sohn zurückholen kann und hat sie wieder ausgebuddelt. Dazu kam er aber nicht mehr, weil ihn irgendwas dabei gestört hat und seitdem ist er verschwunden.« Er sah zu uns auf. »Möglich, oder?« Er schauderte über seinen eigenen Gedanken. »Darf ich anmerken, dass man mit Toten nicht rumspielt?«
      »Warum sollte er auch das Mädchen wieder ausgraben? Und warum erst als sie bereits skelettiert sind?«, hakte Klager nach.
      Mir kam ein anderer Gedanke. »Unser Hexer kann sie nicht wieder ausgegraben haben, weil er seit mindestens einem halben Jahr verschwunden ist. Wir haben den Fall nur erst jetzt erhalten, weil er zuvor nicht bei uns, sondern bei der Vermisstenstelle der Polizei gelandet ist.«
      »Wer hat das dort gemeldet?«, fragte Leo, während sie vor dem Wesen in die Hocke ging.
      Schmitti blätterte noch einmal in den Akten. »Eine gewisse Manon - kein Nachname. Sie soll unseren von Hahnstein angeblich im Internet kennengelernt haben.«
      »Im Internet?« Ich schnaubte. »Wo? Auf einer Plattform für einsame Hexerherzen?«
      »Gibt es so etwas überhaupt?«, fragte Schmitti.
      »Bin ich Hexer?«, stellte ich die Gegenfrage. »Oder einsam?«
      »Hexer nicht, aber einsam ...«
      »Klappe.« Ich funkelte Schmitti finster an, nickte zu Klager und grinste, als mein Freund das Gesicht zu einer Grimasse verzog.
      »Könntet ihr das auf später verschieben?«, meldete sich unser Kollege zu Wort, bevor er sich an Leo wandte. »Woran denkst du?«
      »Es ist ein Unding, Gott spielen zu wollen«, raunte Leo. Sie fuhr Hans sanft über den Kopf. Augenblicklich drückte er seine Wange gegen ihre Hand und Leo lächelte schwach. »Es ist wie ein Kleinkind.«
      »Oder ein Tier«, murmelte Schmitti, der sofort abwehrend die Hände hob, als ich ihm einen weiteren bösen Blick zuwarf.
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    • Kitsune schrieb:

      »Eine Spieluhr?«, sprach Schmitti meinen Gedanken aus.
      Danke. Immer wenn ich an Spieluhren denke, kommt mir dieses eine Lied von Nightwishs Album Imaginaerum in den Kopf und will da nicht mehr raus ...

      Kitsune schrieb:

      Tag und Nacht diese Geräusche, als würdet ihr euch zerfleischen. Die Bissspuren am Morgen. Der Gestank. Und ihre böse Zunge erst!
      :grinstare: Oje, wenn ich meinem Sohn jeden Tag dabei zuhören müsste würde ich vermutlich auch durchdrehen ... :whistling:

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    • »Gibt es noch weitere Briefe? Oder eine Art Aufzeichnung, was es hiermit auf sich hat?«, fragte Klager, der sich nun hinter Leo hockte.
      »Da ist nur noch eine kleine Schachtel«, erklärte sie, nachdem sie die Schatulle mit Hans' Erlaubnis noch einmal genauer in Augenschein nahm.
      Klager streckte die Hand aus, bis Leo nachgab und etwas hineinlegte, das kaum größer als eine Streichholzschachtel war.
      »Was ist drin?«, erkundigte sich Schmitti und reckte den Hals, während er sich auf seinem Stuhl hin und her drehte.
      »Eine weiße Haarlocke«, bemerkte unser Kollege erstaunt, klappte die Schachtel wieder zu und beäugte Hans einige Zeitlang schweigend. »Wir werden um die Spezis nicht mehr herumkommen.« Er richtete sich auf, wobei er sich den kleinen Gegenstand in die Tasche steckte.
      »Vielleicht sollten wir dann auch Hans eine Strähne abschneiden«, überlegte Schmitti und drehte sich mit Schwung einmal um sich selbst.
      »Hans?« Klager blickte zu meinem Freund.
      »Hans«, sagte ich und kniete mich vor das Wesen. »Wir konnten es nicht einfach Vieh nennen.«
      »Ich schon«, raunte Schmitti, worauf ich ihm hinter meinem Rücken den Mittelfinger entgegenstreckte.
      »Was auch immer ihr zu tun gedenkt, macht es schnell.« Leo stellte sich neben mir auf, drückte den Rücken durch. »Meine Arbeit ist vorerst getan.« Sie hielt noch einmal inne. »Ich verlasse mich darauf, dass ihr mich auf dem Laufenden haltet.«
      Ich schmunzelte zu ihr herauf. »Klar.«
      Sie verabschiedete sich kurz angebunden. Schmitti trank inzwischen schweigsam seinen Kaffee, während er zum Fenster hinaussah, vor dem sich der Morgen wolkenverhangen und trüb präsentierte; Nebel legte die Welt in einen seltsam melancholischen Schleier.
      Klager lief im Zimmer auf und ab, wobei er deutlichen Abstand zum Wesen hielt, das weiterhin der Spieluhr lauschte. Zwischendurch schloss es den Deckel der Schatulle, nur um ihn kurz darauf behutsam anzuheben, bis die Melodie leiernd den Raum erfüllte.
      Ich selbst setzte mich an meinen Tisch, die Ellenbogen aufgestützt, und verbarg das Gesicht in den Händen. Mich beschlich das Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasste. Dass wir weiterhin etwas übersahen. Stück für Stück ging ich den ganzen Fall gedanklich durch, versuchte jedes Teil dieses Puzzles neu zusammenzusetzen. Doch entweder passte der eine Rand nicht zum anderen oder ich versuchte ein Dreieck in einen viel zu kleinen Kreis zu stopfen.
      »Das passt doch alles nicht zusammen«, sagte Klager unvermittelt und blieb direkt vor meinem Schreibtisch stehen.
      Schmitti sah träge zu ihm herum. »Häh?«
      »Die ganze Sache mit den Skeletten, mit der Villa an sich, wie leicht die Schatulle zu finden war. Da passt was nicht zusammen«, sprach unser Kollege mit Nachdruck weiter. Seine Augen glänzten, als er von Schmitti zu mir sah.
      »Du meinst, jemand hat das alles inszeniert?«, versuchte ich Klager zu folgen.
      »Genau.« Er schlug die Hände gegeneinander. »Als habe jemand gewollt, dass wir genau das finden, was wir gefunden haben.«
      Schmitti stöhnte auf. »Ich schwöre euch, wenn das ein Scherz der Spürhunde ist, dann dreh ich denen den Hals um!«
      »Dann hätten sie aber mehr als nur dich als Problem«, sagte ich, während ich auf der Unterlippe kaute. »Unser Hexer?«
      »Oder jemand, der mit ihm zu tun hat«, überlegte Klager weiter.
      »Warum?«, stellte ich die Frage, auf die alles am Ende hinauslief.
      »Es steckt mehr dahinter. Das da«, er deutete mit einem Nicken zu Hans, »ist sicher nicht zufällig mit der Schatulle bei dir aufgetaucht.«
      »Aber am Ende war es nur Zufall, dass ich die Schatulle gefunden habe.« Ich zog die Brauen tief ins Gesicht.
      »Kannst du dir da am Ende so sicher sein? Warum war am Ende genau das Zimmer nicht verschlossen?«
      »Warum war der Keller nicht verschlossen?«, schaltete sich nun auch Schmitti wieder ins Gespräch ein. Mittlerweile saß er aufrecht an seinem Tisch.
      »Nachlässigkeit?«, versuchte ich eine mögliche Erklärung, auch wenn ich daran selbst nicht glaubte. »Keine Zeit?« Ich rieb mir über die pochende Stirn. »Letztendlich bringt uns spekulieren nicht weiter.« Hans klappte zum wiederholten Male die Spieluhr auf und zu. »Herrgott, Hans, entscheide dich endlich, ob du dieses verdammte Gedudel hören willst oder nicht!«, fuhr ich auf und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass der Aktenstapel neben mir ins Wanken geriet. Augenblicklich spürte ich die Blicke aller auf mir - auch jenen des Wesens, welches die Schatulle in seinen Schoß sinken ließ, worauf der Deckel zuklappte.
      »Ich denke, ihr beide solltet noch eine Runde schlafen«, sagte Klager, der mich lange aus dunklen Augen betrachtete. »Besonders du, Greta.«
      »Dem stimme ich zu.« Schmitti stemmte sich von seinem Platz hoch und ging zu dem zweisitzigen Ledersofa in der hinteren Ecke des Raumes, das zwischen einem Aktenschrank und der Tür dicht an die Wand gerückt war. Das Polster gab sichtlich unter ihm nach, als er sich darauf warf.
      Klager beobachtete ihn skeptisch dabei. »Gibt man nicht der Dame das Sofa?«
      »Lass stecken«, seufzte ich, schnappte mir meine Kaffeetasse, um daran zu nippen. »Ich kann mich ohnehin nicht auf dem Ding ausruhen.« Schmitti konnte derweil überall schlafen. So wie jetzt; kaum hatte er die Augen geschlossen, schnarchte er bereits. Klager schüttelte den Kopf, sah ein letztes Mal zu mir, um sich dann schweigend in sein eigenes Büro zu begeben.
      Ich versuchte mich mit Arbeit abzulenken, ebenso wie ich bemüht war, Hans zu ignorieren. Inzwischen war er zwar wieder dazu übergegangen, die Spieluhr zu öffnen und zu schließen, doch sein Blick ruhte weiterhin starr auf mir.
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

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    • Kitsune schrieb:

      »Herrgott, Hans, entscheide dich endlich, ob du dieses verdammte Gedudel hören willst oder nicht!«, fuhr ich auf und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch,
      JA KRUZIFIX NOCHMOL! LOSS DEN SCHEISSDRÄCK, HANS! In dem Moment konnte ich mir in Gedanken einfach nicht verkneifen, Greta einen schön bayrischen Akzent zu verpassen ... :ugly:
      Ansonsten ... was soll ich denn noch groß dazu sagen außer gefällt mir, bitte weitermachen? :pardon:

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

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      @Xarrot Danke für die bayrisch sprechende Greta in meinem Kopf. :rofl:



      Tja, das ist wieder so ein Abschnitt, wo ich mir noch nicht sicher bin, ob er so komplett am Leben bleibt ... Übergänge, gnargh.

      ~+~



      Mein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment wie eine unter Druck stehende Dose in der Sonne mit einem lauten Knall explodieren. Knurrend riss ich die Arme in die Luft, drehte mich herum und sprang vom Stuhl hoch. Schmitti schreckte hoch, um mich verschlafen vom Sofa aus zu mustern, während Klager seinen Kopf durch den Türrahmen streckte.
      »Ich dreh noch durch. So kommen wir nicht weiter!«, sagte ich schnaufend, machte mit einem Ruck das Fenster vor mir auf und hielt das Gesicht in den kühlen Wind, wobei mir einige kurze dunkle Haarsträhnen in die Stirn fielen.
      »Du hast recht. Aber darüber können wir auch noch morgen reden«, bemerkte Klager, der mich spürbar von hinten musterte. »Mach Schluss für heute.«
      Seufzend schloss ich die Augen, rieb mir fröstelnd über die Oberarme.
      »Rudi hat recht«, gähnte Schmitti. »Geh nach Haus, Gretchen. Siehst scheiße aus.«
      »Wie charmant«, murmelte Klager. Mit einem schwachen Lächeln gab ich mich wortlos geschlagen. Ich wusste selbst, dass ich an diesem Tag zu nichts mehr zu gebrauchen war und bevor ich jedem auf den Senkel ging ... So protestierte ich auch nicht gegen die Bekundungen meiner Kollegen, sie würden meine Arbeit schon schultern und mit dem Chef reden.
      Dennoch räumte ich schweigsam meine Sachen zusammen, bevor ich Hans die Schatulle aus den Armen nahm. Mit einer beherzten Geste zog ich ihm die Kapuze tief ins Gesicht, bis nur mehr sein bartloses Kinn auszumachen war. Ich hievte ihn auf die dürren Beine, wobei ihm die Jogginghose lose um die Knie schlapperte, und führte ihn an der Hand hinter mir her. Wortlos, ohne mich von den anderen zu verabschieden, verließen wir das Büro und schlichen über den noch leeren Flur bis hin zum Fahrstuhl. Die Lampe über uns flackerte und ich drückte den Knopf, entschied mich jedoch um, als ich aus dem Schacht das laute Lachen der ersten Kollegen hörte. Treppe ging ohnehin schneller.
      Hans stolperte hinter mir her, strauchelte über einen geöffneten Schnürsenkel, den ich geduldig auf einem Absatz zusammenband, ehe es weiter ging - hinaus aus dem Gebäude, quer über den Parkplatz, hin zum Bus, der uns nach Hause bringen würde.

      Der Tag zog wie im Zeitraffer an mir vorbei. Ich konnte mich am Ende nicht einmal mehr entsinnen, wie ich überhaupt ins Bett gekommen war. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein. Ich schlief so gut, dass ich am nächsten Morgen erst durch das schrille Piepsen meines Weckers hochschreckte. Mit fahrigen Bewegungen suchte ich bäuchlings und blind auf der anderen Seite meines Bettes nach dem Handy, fand jedoch nur eine eiskalte Hand. Ich wich zurück, mit wummerndem Herzen, bis ich mich erinnerte. Langsam drehte ich den Kopf herum, sah in das Gesicht von Hans, das nur wenige Zentimeter von mir entfernt war. Irgendwann in der Nacht musste er zu mir ins Bett gekrochen sein.
      Ich fand mein Handy unter meinem Kissen, schaffte es endlich, den Weckton abzustellen. Stöhnend warf ich das Telefon auf die Decke hinter mir. Eine Weile starrte ich starr vor mich hin, vergrub dann das Gesicht im Kissen. Hans rutschte ein weniger näher zu mir, als suche er neuerdings meine Wärme. Schmunzelnd drehte ich mich auf die Seite, sodass unsere Gesichter erneut auf gleicher Höhe waren.
      »Was mache ich mit dir?«, murmelte ich, ohne eine Antwort zu erwarten. Vielleicht war es besser, ihn gemeinsam mit der Schatulle den Spezis zu überlassen. Doch vieles in mir sträubte sich dagegen. Es erschien mir nicht richtig. Hans war kein Gegenstand, über den man einfach so hinweg entscheiden konnte. Zudem konnte ich die Methoden der Spezis nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Hätten sie Hans erst einmal in ihren Fittichen, würden sie ihn nie wieder aus den Tiefen der Kellerräume gehen lassen. Ihre Gier für alles Unnatürliche war grenzenlos - und beängstigend.
      Dennoch: Hans' gesamte Existenz schien ein Rätsel. Wahrscheinlich war er einst eine Hoffnung gewesen, doch nun? Warum hatte man ihn allein zurückgelassen?
      Mir schwirrte bereits wieder der Kopf. Ich zuckte zusammen, als Hans unvermittelt seine kalte Hand auf meine Wange legte. Mir kamen die Tränen, dabei fühlte ich mich nicht traurig, nur - verwirrt.
      »Bist du traurig?«, fragte ich. Hans sah mir nur starr entgegen. Zögernd streckte ich meine eigene Hand aus, berührte nun im Gegenzug die Wange des Wesens, das sich sofort gegen die Berührung schmiegte.
      In diesem Moment vibrierte mein Telefon zweimal kurz hintereinander. Ich wollte es nicht weiter beachten, doch mit einem Mal richtete sich Hans auf, beugte sich über mich und schnappte nach dem Handy, um es mir kurz darauf direkt vor die Nase zu halten. Ich blinzelte, dann lachte ich auf, als er es mir gegen die Nasenspitze drückte, dann seine Finger zwischen meine schob und sie gegen das schwarze Gehäuse presste.
      »Okay, okay, du hast gewonnen«, sagte ich, setzte mich auf und sah nach meinen Nachrichten. Klager. Überrascht hob ich die Brauen und las:

      Bleibe du heute zuhause. Ruh dich aus. Du sahst gestern ziemlich bleich aus. Ich gebe dem Chef Bescheid, keine Sorge.

      Schmunzelnd sah ich auf die Zeilen, bis sich das Display verdunkelte, dann vibrierte es erneut, kurz darauf ein weiteres Mal.

      Ich schicke Schmitt gegen Mittag vorbei, in Ordnung?
      Und: Ich sage dem Chef vorerst nichts von »Hans«. K.

      Ich schluckte und schrieb mit leicht zittrigen Fingern meine Antwort, dass es in Ordnung war, wenn Schmitti vorbeikam, und einen Dank, dass Hans vorerst unser Geheimnis blieb.
      Sogleich kam eine Nachricht zurück.

      Darum kümmern wir uns, wenn es dir besser geht. Schlaf dich aus. K.

      Seufzend warf ich das Handy auf den Nachttisch. Ich legte mich zurück ins Kissen und schloss die Augen, merkte jedoch schnell, dass ich nicht wieder einschlafen konnte. Brummend stieg ich aus dem Bett und tapste Richtung Küche. »Ich mach uns Frühstück.« Dabei wusste ich nicht einmal, ob Hans überhaupt etwas aß. Nun, Zeit, es herauszufinden.
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kitsune ()

    • "Ich weiß nicht ob der Teil gut geworden ist ..."
      Ja wenn es denn mal so wäre! Immerhin hatte ich diesmal ein bisschen was zu meckern ... es wird also schon besser! Oder schlechter?! Verwirrung! :panik:

      Kitsune schrieb:

      Ich hievte ihn auf die dürren Beine, um welche die Jogginghose schlapperte,
      Klingt nicht ganz so schön. Wie wäre es mit: "Ich hievte ihn auf die dürren Beine, wobei ihm die Jogginghose locker um die Knie schlapperte, ..."

      Kitsune schrieb:

      Wortlos, ohne mich von den anderen zu verabschieden, verließen wir das Büro.
      Wir schlichen über den noch leeren Flur bis hin zum Fahrstuhl.
      Subtrahieren wir das zweite "wir" und addieren ein "und": "Wortlos, ohne mich von den anderen zu verabschieden, verließen wir das Büro und schlichen über den noch leeren Flur bis hin zum Fahrstuhl."

      Ansonsten kann ich eigentlich nicht wirklich an etwas mäkeln ... dein Schreibstil ist nun mal einfach aller erste Sahne! Klager erscheint mir dafür aber doch etwas sehr fürsorglich, der scheint Greta ja wirklich sehr gern zu haben :hmm: Steckt da vielleicht mehr dahinter?! :grinstare:

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
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      @Xarrot :panik:
      Ich wollt beim letzten Mal übrigens nicht ausdrücken, dass ich nicht weiß, ob der Teil gut ist, sondern nur, dass ich ihn fast um die Hälfte eingestrichen hätte - mehr als ich schon habe. Bin mir nicht sicher, was davon bleiben kann und was nicht weiterhilft. .-.

      Xarrot schrieb:

      Klager erscheint mir dafür aber doch etwas sehr fürsorglich, der scheint Greta ja wirklich sehr gern zu haben Steckt da vielleicht mehr dahinter?!
      :grinstare:
      Mein Name ist Hase ...




      Gegen Mittag gesellte sich Schmitti zu unserer kleinen gemütlichen Runde in der Küche. Ich stopfte mir gerade mehrere der Pommes in den Mund, die mein Freund mitsamt einem saftigen Burger von meinem Lieblingsimbiss mitgebracht hatte. Er selbst süffelte nur ab und zu an seiner Cola, während er mich beim Essen beobachtete.
      »Was hast du eigentlich nun mit ihm vor?«, fragte Schmitti.
      Mit aus den Mundwinkeln hängenden Pommes sah ich zu ihm auf. »Waff?«
      Er nickte zu Hans, der auf dem Stuhl gegenüber hockte. »Du kannst ihn nicht einfach behalten wie ein Haustier.«
      Ohne Eile kaute ich herunter, trank einen Schluck Wasser, bevor ich nach einem Rülpsen verkündete: »Vorerst bleibt Hans hier.«
      Schmitti stützte das Kinn auf die Hand. »Du hast das Ding gern.«
      »Nicht Ding«, schalt ich, während ich mit der Gabel vor seiner Nase fuchtelte. »Hans.«
      »Willst du echt dabei bleiben?« Er sah zu dem Wesen. »Mein Beileid. Heißt wie unser mürrischer Hausarzt, dem langsam die Haare ausfallen.«
      »Wer ist denn Schuld, dass ihm die Haare ausfallen?«, fragte ich mit einem Seitenblick zu meinem Freund.
      Er hob die Hände. »Ich habe mir ewig nichts eingefangen.«
      »Was war das dann letzte Woche? Waren das keine Greifenflöhe?«
      Schnaubend stibitzte Schmitti eine Pommes von meinem Teller, um sie sich hastig in den Mund zu stecken. »Fass dir an die eigene Nase«, bemerkte er kauend und klaubte eine weitere Pommes auf. Ich klopfte sie ihm aus den Fingern, doch er fing sie geschickt auf, bevor sie ihm in den Schoß fiel.
      Hans sah derweil schweigend zwischen Schmitti und mir hin und her. Er hatte die Beine angewinkelt vor sich auf der Sitzfläche, die Arme fest um die Knie geschlungen. In den Falten des Pullovers lag die Schatulle verborgen. Seit das Wesen mich heute früh so sitzen gesehen hatte, völlig in Gedanken versunken, ahmte es dieses Verhalten nach. Selbst wenn ich aufgestanden war, verharrte es dort am Tisch, schaute mir nur stumm nach.
      »Jetzt ernsthaft, Gretchen.« Schmitti lehnte sich zurück, rieb sich die Hände an der Hose. »Hans kann nicht hierbleiben. Du wirst ihn früher oder später den Spezis überlassen müssen.«
      »Nein.« Ich stopfte mir die restlichen Pommes in den Mund, eine nach der anderen.
      »Nein? Weißt du eigentlich, was du damit ins Rollen bringst?«, fragte Schmitti, doch ich zuckte mit den Schultern, legte die Gabel beiseite und leckte die Finger sauber. Er beugte sich vor. »Greta, ich mein's ernst. Hans ist in einen Fall verwickelt. Wir wissen nicht einmal, was er ist! Selbst einer, der die Magie vergessen hat, sieht, dass er kein Mensch ist.«
      »Sie sehen auch jeden Tag Elfen um sich herum. Und?«
      »Elfen wie Leo haben aber im Gegensatz zu unserem künstlichen Wesen hier«, er zeigte mit dem Daumen zu Hans, »eine gesunde Hautfarbe und starren dich nicht die ganze Zeit ohne ein Blinzeln an.« Er wandte sich herum. »Hör auf damit!«
      Das Wesen legte den Kopf schief, ohne etwas an seinem eindringlichen Blick zu ändern. Seufzend sprach Schmitti wieder zu mir: »Und sie sind auch nicht so eiskalt.«
      »Hans lernt«, bemerkte ich zögernd. »Er könnte auch lernen, menschlicher zu werden.«
      »Und wie? Mag ja möglich sein, aber deswegen wird aus einer Eispuppe nicht plötzlich ein richtiger Junge.«
      »Lass das meine Sorge sein.« Ich stand auf, um das Geschirr in die Spüle hinter uns zu räumen.
      »Es ist aber nicht allein deine Sorge. Greta, wir sind ein Team, vergessen? Alleingänge gibt's nicht. Wenn du was verbockst, dann sind wir alle dran.«
      »Dann geh doch zum Chef und erzähl alles!«, fuhr ich auf und wirbelte herum. »Ach, warte, das hat Klager sicher schon erledigt.«
      Schmitti musterte mich schweigend mit ruhiger Miene. »Er wird es, wenn du nicht zur Vernunft kommst.«
      »Die Spezis werden Hans nicht mehr aus ihren Fittichen lassen.«
      »Die Spezis sind dafür da, dass wir endlich Gewissheit haben, was es mit Hans auf sich hat. Wir wissen nicht, ob er gefährlich ist. Oder ob unser von Hahnstein nicht irgendwann bei dir auftaucht, um ihn sich wiederzuholen. Und was dann? Hm? Deine Magie reicht bei Weitem nicht aus, sich mit einem Hexer höchster Güte anzulegen.« Er legte den Kopf schief. »Überhaupt ist deine Magie nicht körperlicher Natur. Ebenso wenig wie meine. Deswegen sind wir nicht bei den Spürhunden oder den Spezis.«
      »Danke. Hatte ganz vergessen, dass wir die Deppen vom Dienst sind. Die Einäugigen unter den Blinden«, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als ich seinem drängenden Blick auswich.
      »Ich mach mir doch nur Sorgen um dich«, flüsterte Schmitti, der langsam aufstand und schließlich die Hände auf meine Schultern legte. Ich starrte nur auf seine regenbogenfarbenen Ringelsocken. Irgendwo im Schrank hatte ich das passende Gegenpaar. »Ebenso wie Klager. Seit wir in der Villa waren, benimmst du dich merkwürdig.«
      »Ich kann ihn aber nicht einfach den Spezis überlassen«, wisperte ich, schlang die Arme um mich selbst, weil ich mit einem Mal furchtbar fröstelte. »Sie werden Hans bis auf die Knochen untersuchen. Und wer weiß, ob er das überhaupt überlebt?«
      »Der Oger letztens hat es überlebt«, erklärte Schmitti leise.
      Ich lachte schnaubend. »Weil sie Oger kennen. Aber so etwas wie Hans?«
      »Na ja, er war schon anders. Er hatte einen ziemlich hohen Intellekt, deswegen ist er ja auch abgehauen ...«
      »Karl, Klappe!« Ich lehnte meine Stirn gegen seine und schloss die Augen. Einige Zeit lauschte ich nur seinem Atem, der über meine Wangen kitzelte. Schmitti war in keiner Weise hilfreich. Dazu war er viel zu sehr in seine Meinung verbissen. Aber war ich denn anders? Wieso bestand ich eigentlich wirklich so vehement darauf, Hans nicht an die Spezis zu geben? Wirklich allein deswegen, weil ich Angst hatte, ich würde ihn nicht wiedersehen? Oder nicht mehr an einem Stück? Am Ende verschwand er wie alle anderen Dinge, die von den Spezis als zu gefährlich eingestuft wurden.
      »Du kannst ihn nicht behalten«, sagte mein Freund leise. Er drückte seinen Nasenrücken gegen meinen, dann löste er sich von mir. »Vorschlag: Wir besprechen es mit dem Chef. Okay?«
      Ich verzog das Gesicht. »Nein. Ich kenne seine Antwort.« Wie ein bockiges Kind verschränkte ich die Arme vor der Brust.
      »Wenn du meinst.« Schmitti seufzte. »Ich muss jedenfalls zurück ins Büro. Überleg dir bis morgen, was du machen willst, aber irgendwann wird Hans' Dasein Fragen aufwerfen.« Damit drückte er mir einen sanften Kuss auf die Stirn und ließ mich allein mit Hans zurück.
      Er hatte ja recht. Ich wusste das, dennoch wollte ich nicht nachgeben. Wollte der Vernunft trotzen. Langsam sah ich zu Hans auf, der mich unerbittlich betrachtete. Ich versuchte zu lächeln, doch es wurde schief und einseitig.
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

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    • Oh, oh, oh, da bahnt sich ganz schön was an mit Hans. Der gute alte Hans ... Zu meckern hab ich (wie immer ...) nix, dafür kann ich aber mit etwas Lob um mich werfen, damit dieser Kommentar nicht ganz so inhaltslos wird :crazy:
      Zum einen muss ich wieder einmal anmerken, dass du es ausgezeichnet verstehst Dialoge zu schreiben. Sie wirken in keinster Weise zu belanglos, allerdings auch nicht zu künstlich sondern schlichtweg authentisch. Man hat wirklich das Gefühl, als würden sich zwei tatsächliche Menschen miteinander unterhalten. :D
      Als nächstes dein Schreibstil: Was soll ich rumnörgeln? Vielleicht könnten ein paar Szenen in ihrer Äußeren Beschreibung hier und da noch ein wenig ausladender sein, aber was das Innenleben sowie das Verhalten allgemein angeht, werde ich mich hüten was zu sagen (gerade ich, als Schöpfer der platten Gremlinhorde ...).
      Und aus irgendeinem Grund sieht in meinem Kopf Gretas Wohnung genau so aus, wie die Wohnung in der ich früher gewohnt hab. Frag mich nicht warum, aber sie passt für mich perfekt zu deiner Beschreibung und lässt sich auch nicht mehr aus meiner Vorstellung vertreiben :rofl:

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    • Wenn es denn ein Aufsatz wäre, würde ich als Lehrerin sagen: "Hinsetzen, eine Eins".

      Außer zwei, drei belanglose Kleinigkeiten habe ich nichts zu bemängeln, deswegen erwähne ich sie auch nicht.

      Die Geschichte ist rund und in sich stimmig. Die Dialoge klingen glaubwürdig, als ob es so gewesen sein könnte.
      Und Hans erst mal, da wird man schon neugierig. So kann nur ein Hans sein. :D
      Und deine Rechtschreibung ist super. Mach weiter so. :thumbsup:
      Auch wenn heute dein warmes Blut die Erde gierig trinkt,
      so bist du es, der tanzend auf den Knochen der Feinde singt.
    • Hey Kitsune,

      ich steige dann mal mit ein :) Habe zunächst nur den ersten Teil gelesen, gelobe aber hiermit feierlich, dass ich bald aufholen werde.
      Die Idee mit der Gruppe, die das Haus eines Hexers untersucht finde ich gut. Du bekommst es super hin, die drei über ihre Headsets (oder was ach immer die da auf dem Kopf haben) miteinander kommunizieren zu lassen. Ich konnte mir die Atmosphäre in diesem Haus ziemlich gut vorstellen und hatte beinahe das Gefühl, mit denen zusammen dort zu sein. Uahhh...zum Ende steigt die Spannung immer weiter und der einzige Grund, warum ich jetzt nicht weiterlese, ist der, dass ich jetzt meine Kinder ins Bett bringen muss...

      Ich habe nur ein paar Kleinigkeiten gefunden:

      Spoiler anzeigen


      Kitsune schrieb:

      Ich steckte sie zurück an meinen Gürtel und tastete mich mit ausgestreckte Hand voran. La
      ausgestreckter

      Kitsune schrieb:

      Ich beruhigte ihn, sagte, dass ich mich nur selbst außer Gefecht setzte.
      außer Gefecht gesetzt hatte (?)

      Kitsune schrieb:

      »Man, jag mir nicht so 'nen Schrecken ein«, jammerte Schm
      "Mann, jag mir ..."



      Viele Grüße,
      Rainbow
    • Hey,

      zu Post 4: Es setzt sich gruselig fort. Der Fund, den die da im Keller machen ist ja ganz schön schaurig...und die ganze Zeit denkt man, gleich passiert was....gleich passiert was....du schaffst es mit wenigen Mitteln Spannung zu erzeugen, das ist so bisschen wie in diesen uralten Gruselfilmen, wo eigentlich gar nicht viel passiert, sondern nur angedeutet wird.
      Also, ich lese gerne weiter :)

      Meine Anmerkungen packe ich dir in den Spoiler. Schau mal, was du damit anfangen kannst:

      Spoiler anzeigen



      Kitsune schrieb:

      vielmehr schwebte in der Luft der allgegenwärtige Duft von alter Luft und Staub.
      Wiederholung (kann man vielleicht irgendwie umgehen)

      Kitsune schrieb:

      Der Raum, der sich im Licht der beiden Taschenlampen offenbarte, war gefühlt doppelt so groß wie der eigentlich Kellerraum, in dem wir standen. Klager richtete neben mir sein Licht
      um die Wortwiederholung zu vermeiden, könnte man oben vielleicht schreiben:"...der sich im Schein der Taschenlampfen offenbarte...." (nur so ne Idee)

      Kitsune schrieb:

      sagte ich leichthin und nickte zurück zu den umgefallenen Kisten, aus dem etliche jener Figürchen ragten, von denen er mir zuvor über Funk erzählt hatte.
      aus denen

      Kitsune schrieb:

      »Teenager, aber das müsste jemand genauer prüfen.« Mit überlegten Griffen hob er einen Arm an und hielt ihn sich vor die Taschenlampe. »Das hier trägt Armfesseln.
      Hier war ich kurz irritiert.Zuerst dachte ich, er hebt seinen eigenen Arm an... :dash: Vielleicht ist das ausschließlich mein Problem, man könnte es aber sicher verdeutlichen, indem man schreibt: "...hob er den Arm des einen Skeletts an..." Dann wäre auch deutlicher, dass sich der darauffolgende Satz auf "das Skelett" bezieht. Hier bin ich nämlich schon wieder hängengeblieben :) (Rainbow outet sich wahrscheinlich wieder als Mega-Depp, aber ich will dir ja schließlich ehrlich schildern, was mir beim Lesen so auffällt)

      Kitsune schrieb:

      »Gretchen, komm endlich«, rief Schmitti. Ich schreckte herum und mir schien, als würde in diesem Moment etwas an meinem Ohr zerplatzen. Langsam taumelte ich vorwärts, stolperte dabei über einen Kistenstapel, der polternd in sich zusammenstürzte. Bevor ich mich versah, war Schmitt an meiner Seite und fing einen Karton ab, der mich beinahe unter ihm begraben hätte. »He, Prinzessin, alles klar?«
      Ich verzog das Gesicht, boxte ihm derweil auf den Oberarm. »Selber Prinzessin.«
      Was genau ist da jetzt eigentlich passiert? Was war das für ein lautes Geräusch, das Greta ins Taumeln brachte? War es überhaupt ein Geräusch? Du schreibst, es habe sich angefühlt, als würde etwas in ihrem Ohr zerplatzen, weshalb sie gegen die Kisten rempelt...und dann ist mit einem Mal alles wieder okay? Sie wundert sich nicht weiter darüber und erzählt den anderen nichts davon? :hmm:



      Viele Grüße,
      Rainbow
    • Spoiler anzeigen

      Xarrot schrieb:

      Vielleicht könnten ein paar Szenen in ihrer Äußeren Beschreibung hier und da noch ein wenig ausladender sein,
      Gut, dass du das ansprichst. Es fällt auf, ne? Da muss ich mich an manche Stellen nochmal ransetzen. Ich verliere mich zu gern in Dialogen ... Gnargh. xD

      Sandlov schrieb:

      Die Dialoge klingen glaubwürdig, als ob es so gewesen sein könnte.
      Und Hans erst mal, da wird man schon neugierig. So kann nur ein Hans sein.
      Danke. Es freut mich jedes Mal, wenn meine Dialoge gut ankommen. Natürlich auch bei allem anderen, aber keine Ahnung warum ich immer hoffe, dass meine Dialoge auch so verstanden werden, wie sie ankommen sollten. *schwitzt* ^^
      Ja, der Hans. Ich will den ulkigen Kerl nicht mehr missen ...

      @Rainbow
      Willkommen an Bord! ^^ Und wie immer danke für deine Eindrücke - und Anmerkungen.

      Rainbow schrieb:

      Was genau ist da jetzt eigentlich passiert? Was war das für ein lautes Geräusch, das Greta ins Taumeln brachte? War es überhaupt ein Geräusch? Du schreibst, es habe sich angefühlt, als würde etwas in ihrem Ohr zerplatzen, weshalb sie gegen die Kisten rempelt...und dann ist mit einem Mal alles wieder okay? Sie wundert sich nicht weiter darüber und erzählt den anderen nichts davon?
      Hm, du hast recht, sie verschwendet danach keinen Gedanken mehr daran. Mag daran liegen, das Schmitti sie da ziemlich schnell von ablenkt.
      Vielleicht mach ich das noch deutlicher. Ne gewisse Bewandnis hatte das "Geräusch" sogar, aber darauf geh ich noch nicht ein. Man, manchmal könnt ich mich für meine winzig verstreuten Hinweise, an die sich am Ende keiner mehr erinnert, selbst hauen.





      »Wir kriegen das schon hin«, murmelte ich mehr zu mir selbst als zu Hans, der seinen Kopf nun zur anderen Seite neigte. Resigniert ließ ich die Schultern sinken.
      Statt weiter stumm und grüblerisch am Tisch zu sitzen, machte ich mich daran, meine winzige Küche und schließlich den Rest meiner Zweiraumwohnung auf Vordermann zu bringen, doch die ganze Zeit spürte ich den sturen Blick von Hans auf mir, der mir langsam mehr wie eine Last erschien. Beinahe wie eine Anklage. Kurzzeitig tauchte die Erinnerung eines Gefühls auf, etwas, das mich bereits in der Villa des Hexers nicht losgelassen hatte. Als müsste ich auf alles eine Antwort finden, so schnell wie möglich, am besten schon gestern.
      Während ich versuchte, mich mit Saugen und Wischen von dem Karussell in meinem Kopf auszusperren, klammerte sich die Unruhe wie ein verängstigtes Tier an mich. Und kaum sah ich nach Hans, der noch immer mir angewinkelten Beinen an meinem Küchentisch saß, kehrten die Gedanken wie eine Woge zurück, schwemmten mein Hirn auf, sodass es sich schwer wie ein Felsbrocken anfühlte.
      Was, wenn Schmittis Bedenken mehr als berechtigt waren? Was, wenn jemand auf meiner Türschwelle auftauchte, der Hans ohne Rücksicht auf Verluste haben wollte? Ich konnte mich zwar durchaus zur Wehr setzen und kannte einige Kniffe, mir unliebsame Gestalten vom Hals zu halten, doch auch dies hatte Grenzen, wenn mein Gegenüber das Kaliber eines von Hahnstein besaß. Was, wenn es am Ende von Hahnstein war, der vor meiner Tür stand? Zumindest wäre dann unser Fall einer Aufklärung ein Stück nähergerückt …
      Frustriert schnaubend warf ich den Mopp von mir, dessen Stiel mit einem Klappern gegen die Flurwand schlug. Vor mir taten sich nur neue Abgründe auf. Ich sah ein, dass Hans nicht auf ewig bei mir bleiben konnte, aber ihn kampflos den schmierigen Klauen der Spezialabteilung überlassen? Niemals.
      Ich sah durch die geöffnete Wohnzimmertür, direkt zum Fenster hinaus. Draußen sprangen die ersten Lichter an, während über den Himmel graue Schatten zogen. Die Baumwipfel vor meinem Wohnhaus tanzten im Wind, als wollten sie meine Unruhe mit Hypnose besänftigen.
      »Ich hab so die Schnauze voll!«, schimpfte ich unvermittelt laut. »Schnauze, Hirn, Mensch!« Ich raufte mir die kurzen Haare, wuschelte sie durcheinander und beschloss, den Tag sein zu lassen. Ich warf meine Kleider von mir, ließ sie einfach an Ort und Stelle liegen, während ich ins Schlafzimmer tapste. Dort schlüpfte ich in einen übergroßen Pullover und steifte mir die regenbogenfarbenen Ringelsocken über, die mir bis zu den Knien reichten und eigentlich Schmitti gehörten - ihm waren sie allerdings zu klein.
      Mit Chips, Bier und einer gesamten Staffeln Doctor Who bewaffnet verkroch ich mich aufs Sofa, fest eingewickelt in meine dickste Decke.
      Ich rief nach Hans, der kurz darauf wie ein Hund aus der Küche zu mir kam, um sich neben mich auf meinen Zweisitzer zu hocken.
      Kaum war der Fernseher jedoch eingeschaltet, rutschte Hans wie eine Schlange vom Sofa und kroch auf die gegenüberliegende Seite. Am Ende konnte ich ihn nur mit der Fernbedienung davon abhalten, sich die Nase am Bildschirm plattzudrücken. Ich lockte ihn wie einen Hund, pfiff sogar leise, worauf er seltsamerweise mit gehobenem Kopf reagierte. Ich klopfte auf den Platz neben mich, bis er sich wieder hinsetzte.
      Eine Weile starrte er auf die Fernbedienung in seinen Händen, bis er begann, die Programme zu ändern. Anfangs wollte ich protestieren, doch ich schloss den Mund wieder, kaum dass er offenstand. Hans hielt inzwischen beinahe verbissen den Knopf für die Programmwahl, während sich die Fernsehbilder in rascher Abfolge änderten. Zu allem Übel entdeckte er bald darauf die Lautstärke, stellte lauter, dann wieder leiser, ließ die Gespräche einer Talkshow, bei der er zuvor stehengeblieben war, ganz verstummen. Dann fand er den Knopf zum Ein- und Ausschalten ...
      Seufzend erhob ich vom Sofa und schleppte mich mitsamt Decke in den Flur, wo ich die Tür heranzog. Nach einer kurzen Suche mit meinem Telefon bewaffnet, setzte ich mich in die Küche und tippte eine Kurzwahl.
      »Du schaffst es immer wieder, im schlechtesten Moment anzurufen«, ertönte Leos dunkle Stimme nach dem ersten Freizeichen, auch wenn sie nicht im Geringsten verärgert klang. Im Hintergrund raunten leise Stimmen, deren Gespräch für mich keinen Sinn ergab. »Was gibt es? Ärger unterm Sonnenschein?«
      Schmunzelnd sah ich zum Fenster hinaus, lehnte die Stirn gegen das kühle Glas, während ich im Dunkeln hockte. Im Haus gegenüber gingen mehrere Lichter an und aus; hier und da huschte eine Gestalt hinter Vorhängen oder an offenen Fenstern vorbei. Manchmal fragte ich mich, was meine Nachbarn für Leben führten; ob sie glücklich waren oder Probleme hatten, die sie ebenfalls nicht so einfach lösen konnten.
      »Ich brauche gerade einfach deine Stimme«, murmelte ich.
      Das Gespräch bei Leo wurde leiser, bis es ganz verstummte. Leo schien sich inzwischen ein ruhiges Plätzchen gesucht zu haben. Gut, denn das bedeutete, dass sie mir zuhören wollte. »Mit Schmitti kannst du wohl gerade nicht reden?«
      »Nicht wirklich«, seufzte ich, bevor ich ihr die Lage erklärte. Die ganze Zeit sprach sie kein Wort. Als ich endete, schwiegen wir uns einige Sekunden an.
      Es war Leo, die zuerst tief Luft holte. Ich hörte ihr Feuerzeug zünden, das kurz darauf achtlos auf einen Glastisch geworfen wurde. »Liebes, ich muss mich den Jungs anschließen.«
      »Dachte ich mir.« Ich war auf niemanden böse. Natürlich nicht, denn in ihrer Situation hätte ich genau dieselben Argumente vorgebracht. Nur stellte mich diese Erkenntnis nicht zufrieden.
      »Du solltest mit Dieter reden. Zusammen findet sich eine Lösung. Und den Kopf wird er dir auch nicht gleich abreißen.«
      »Dir vielleicht nicht - mir schon«, murrte ich. »Er wird Hans zu den Spezis zerren.« Ich lehnte mich zurück, legte den Kopf dabei in den Nacken, starrte an die Zimmerdecke, die dringend mal wieder gestrichen werden müsste. Oder ich lud Schmitti einfach nicht mehr zum Kochen ein ...
      »Er lässt dich sicher dabei sein und Händchen halten, wenn es sein muss. So sehr vertraut er den Spezis auch nicht, seit sie ...« Leo hielt inne; ich wartete, dass sie den Satz fortführte, doch sie stieß nur lautstark die Luft aus. »Jedenfalls kann ich bei Dieter auch ein gutes Wort für dich einlegen.«
      »Lass stecken«, raunte ich und schloss die Augen. »Ich will dir dein gutes Verhältnis zum Chef nicht verderben.«
      »Was ist eigentlich los mit dir, Greta? So niedergeschlagen und pessimistisch habe ich dich seit Jahren nicht erlebt. Ist alles in Ordnung? Fühlst du dich nicht gut?« Leo klang ernsthaft besorgt. Kurz blitzten Bilder vor mir auf, die ich tief vergraben glaubte. Ungemütliche Zeiten, aus denen nicht nur Schmitti mich mit Arschtritten hinausbefördert hatte. Kurz huschte ein trauriges Lächeln über meine Lippen, dann schubste ich die Erinnerungen zurück den Abgrund hinab und schüttete einen frischen Haufen Erde hinterher.
      Nur zu gut konnte ich mir vorstellen, wie Leo sich inzwischen aufrechter setzte und ihre Ohren verräterisch zuckten. Ich konnte ihr keine Antwort geben. Tatsächlich fühlte ich mich schwermütiger als ich es von mir gewohnt war. Als hätte sich etwas auf meinen Schultern mit scharfen Zähnen festgebissen.
      Ich runzelte die Stirn. »Kann ich dich zurückrufen?«
      »Du doch immer, Liebes«, sagte Leo, doch ihr typisches Lachen, das diese Aussage stets begleitete, fehlte.
      Ich legte einfach auf. Mit einem flauen Gefühl im Magen und leicht zittrigen Knien schlich ich zurück zum Wohnzimmer. Unsicher blieb ich im Türrahmen stehen, sah zu Hans, der die Fernbedienung inzwischen auf den Teppich geworfen hatte, wo sie nun mit offenem Batteriefach lag. Der flimmernde Fernseher war das einzige Licht und ließ Hans' langes, hohlwangiges Gesicht noch gespenstischer wirken.
      Das Wesen saß im Schneidersitz mit der Schatulle im Schoß, klappte den Deckel hoch und schloss die Augen wie in Zeitlupe, als die Walze sich leiernd in Bewegung setzte. Fast zeitgleich spürte ich einen Stich im Magen, während Tränen unter meinen Lidern brannten. Ich straffte die Schultern.
      »Hör auf«, flüsterte ich in seine Richtung. Hans sah nicht zu mir, lauschte stattdessen nur weiterhin der lückenhaften Melodie. Ich ballte die Hände zu Fäusten, stapfte auf Hans zu und riss ihm die Schatulle aus den Händen. Fauchend fuhr das Wesen herum, doch ich warf die Schatulle achtlos beiseite und packte Hans an den schmalen Schultern. »Ich sagte: Hör auf!«
      Ich rüttelte regelrecht an ihm, während die Tränen sich formten und ihren Weg ins Freie fanden. Trotzig zog ich die Nase hoch. »Ich bin nicht dein Filter! Verstanden? Hör auf damit!«
      In diesem Moment brach alles über mir zusammen. Alles wollte zeitgleich aus mir herausplatzen. Meine Schlaflosigkeit, unser laufender Fall, der Stress, die Gewissheit, dass Hans mich mit seinen Gefühlen manipulierte - dabei wusste ich nicht einmal, ob er es mit Absicht tat. Vielleicht irrte ich mich ja doch und es steckte etwas anderes dahinter.
      Nein. Stimmungsschwankungen waren mir nicht fremd, doch das, was ich in den letzten Stunden wie eine Achterbahn durchlebt hatte, war etwas ganz anderes. Ich wusste es einfach.
      Hans musterte mich mit aufgerissenen Augen. Seine Nasenflügel blähten sich auf und fielen wieder zusammen. Sonst geschah nichts. Mein Herz schlug so heftig in meiner Brust, dass mir schwindelig wurde. Ich taumelte einen Schritt von Hans zurück und hielt mir den Kopf.
      »So geht das nicht weiter«, raunte ich, bevor ich die Fernbedienung wieder zusammensetzte und den Fernseher ausstellte. Ohne ein weiteres Wort wankte ich hinaus.
      Ich schloss mich in meinem Schlafzimmer ein, auch wenn ich befürchtete, dass es das Wesen nicht aufhalten konnte. Ich kroch so wie ich war unter meine Decke und zog sie mir über den Kopf. Fest kniff ich die Augen zusammen; mein Blut rauschte in meinen Ohren, als ich die Luft anhielt.
      Schließlich entspannte sich mein Körper, doch innerlich kam ich nicht zur Ruhe, auch nicht nach mehrmaligem tiefen Ein- und Ausatmen. Während sich langsam der Mond vor meinem Fenster zwischen den dunklen Wolken hindurchschob, lauschte ich die ganze Zeit auf verräterische Geräusche. Wartete regelrecht darauf, dass das Wesen plötzlich neben meinem Bett stand, um mit diesen kalten Augen auf mich herabzustarren.
      Fluchend setzte ich mich auf, warf mein Kissen gegen die Tür und mich wieder längs aufs Bett. Schlaf fand ich die ganze Nacht keinen.
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

      Library of Souls - Ransom Riggs
    • Ich habe heute Lust zu lesen, von daher kommen meine Anmerkungen zum neuen Teil auch besonders früh :whistling:

      Kitsune schrieb:

      »Er lässt dich sicher dabei sein und Händchen halten, wenn es sein muss. So sehr vertraut er den Spezis auch nicht, seit sie ...« Leo hielt inne; ich wartete, dass sie den Satz fortführte, doch sie stieß nur lautstark die Luft aus
      Du deutest ständig solche Sachen an, schon mit dem Mammut ... ich kann nicht anders, als mich zu fragen, was bei denen auf der Arbeit alles abgeht? :hmm:
      Einzige andere Anmerkung:

      Kitsune schrieb:

      »Ich bin nicht dein Filter!
      Da verstehe ich nicht ganz, was Greta mit "Filter" meint.

      "Vem har trampat mina svampar ner?!"

      "Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod unda est." - Ovid, Metamorphosen
    • Hey,

      zu Post 6: Ich folge dir wirklich sehr gerne. Die sind ein echt cooles Team und so langsam entwickeln sich die Charaktere. Das gefällt mir.
      Was mag wohl in der Schatulle sein? Uahhhh....bin schon gespannt :)

      Was ich gefunden habe...wie immer im Spoiler:

      Spoiler anzeigen

      Kitsune schrieb:

      »Du hältst es für nicht klug, sie einfach mitzunehmen.«
      Ich würde den Satz umstellen: "Du hältst es nicht für klug..."

      Kitsune schrieb:

      Seine Brauen zogen sich zu einer Linien zusammen
      Linie


      Kitsune schrieb:

      Während ich mit die Haare trockenrieb,
      mir

      Kitsune schrieb:

      Karl Schmitt, halt die Klappe und geh endlich ohne mich!«
      Der Name ist der Hammer! :rofl:



      Viele Grüße,
      Rainbow
    • Hey Kitsune,

      bin in Post 8 angelangt. Die Sache mit dieser Schatulle ist wirklich äußerst kurios. Den Wahnsinn, der sich hinter dieser ganzen Situation verbirgt, hast du meiner Meinung nach gut eingefangen. Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee war, dieses Ding mit nach Hause zu nehmen. By the way, warum hat sie das eigentlich? Gibt es nicht irgendwelche Statuten, dass Beweismaterial irgendwo abgegeben werden muss?
      Ich weiß, du hast das während der Autoszene kurz angeschnitten, aber so richtig deutlich geworden ist nicht, warum sie das Kästchen nun mitnimmt. Offensichtlich scheint eine Art magische Anziehung von diesem Fundstück auszugehen... aber deshalb darf man sowas trotzdem bestimmt nicht einfach mitnehmen... :hmm: Oder ist das üblich? Vielleicht könnte man dazu noch irgendwo einen Satz einbauen, um das nachvollziehbarer zu machen. (vielleicht habe ich irgendwas überlesen, könnte auch sein)

      Ansonsten supi...lese weiter, sobald ich kann :)

      Viele Grüße,
      Rainbow

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    • Spoiler anzeigen

      @Xarrot

      Xarrot schrieb:

      Du deutest ständig solche Sachen an, schon mit dem Mammut ... ich kann nicht anders, als mich zu fragen, was bei denen auf der Arbeit alles abgeht?
      Das ist auch Sinn der Sache. :D
      Was speziell jetzt Leos Äußerung betrifft muss ich sagen, dass das wohl ein Geheimnis zwischen Leo und dem Chef bleiben wird. D:
      Zum Mammut ... Vielleicht schreib ich dazu noch irgendwann eine Geschichte. Auch was normalerweise bei ihnen auf Arbeit alles so läuft. Ist derzeit alles Ausnahmezustand. Wah. :panik:

      Xarrot schrieb:

      Da verstehe ich nicht ganz, was Greta mit "Filter" meint.
      Hm, da gehe ich bei Gelegenheit nochmal drüber.

      @Rainbow
      Wie immer ein Dank für deine Anmerkungen. ^^

      Rainbow schrieb:

      By the way, warum hat sie das eigentlich? Gibt es nicht irgendwelche Statuten, dass Beweismaterial irgendwo abgegeben werden muss?
      Die gibt es in der Tat. Ich schau, dass ich da noch etwas genauer drauf eingehe. Wobei ich sagen muss, dass Gretchen und Schmitti, was das Thema betrifft, etwas ... die Regeln dehnen. *hüstel*





      Müde und aufgewühlt fuhr ich am nächsten Morgen in der beginnenden Dämmerung mit dem Bus zur Arbeit. Zu meinem Glück waren um halb Fünf noch nicht allzu viele Menschen unterwegs, schon gar nicht aus der Stadt heraus. Ich verzog mich auf die freie Rückbank, die Kapuze meiner Jacke tief ins Gesicht gezogen, den Kopf gegen die milchig verdreckte Scheibe gedrückt. Die Musik, die aus meinen Ohrstöpseln in meine Gehörgänge schallte, übertönte alle Umgebungsgeräusche. Ich versank in harten Rhythmen und eindringlichen Bässen, in der Hoffnung, sie bliesen mir jegliche unliebsamen Gedanken aus dem Hirn.
      Hans war in meiner Wohnung zurückgeblieben. Bei der Schatulle. Sollte sich das Ding doch jemand anderes holen. Ich hatte jedenfalls nicht den Mut aufgebracht, sie Hans wegzunehmen, geschweige denn mich ihm noch einmal zu nähern. Stattdessen war ich ohne Frühstück verschwunden, hatte mich davongestohlen wie auf der Flucht.
      Als der Bus von der Schnellstraße ins Gewerbeviertel abbog, erhob ich mich seufzend, drückte im Vorbeigehen einen der dunkelblauen Halteknöpfe. Ich stieg gerade eine Querstraße vor dem Haupthaus aus dem Bus, als neben mir ein Motorrad hielt, das mich mit seinem Scheinwerfer einen Moment blendete. Ich hüpfte auf den Gehweg, ließ den Bus weiterfahren und blinzelte unter einer Laterne zu dem Idioten, der noch immer an Ort und Stelle verharrte. Ich rupfte mir bereits die Kopfhörer aus den Ohren, bereit zu meckern, als mir die ersten Worte im Hals stecken blieben.
      Klager klappte das verdunkelte Visier seines Helms hoch, grüßte mich dabei leise. Er wirkte in seiner dunklen Lederkleidung mehr wie ein Schatten.
      Schweigend nickte Klager hinter sich. Ich haderte einen Moment mit mir, dann setzte ich mich wortlos hinter ihn auf die Maschine, hielt mich an ihm fest, während er uns durch die Dämmerung Richtung Haupthaus lenkte. Am Tor schob er seine ID Karte in die Vorrichtung; noch bevor sich das Tor halb zur Seite geschoben hatte, fuhr Klager hindurch.
      Ich stieg bereits ab, als Klager auf dem Parkplatz Motor und Licht abstellte. Er blieb noch einen Moment sitzen, nahm den Helm vom Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch das geplättete Haar, um es wieder etwas aufzurichten. Die ganze Zeit beäugte er mich dabei von der Seite. »Du siehst nicht besser als vorgestern aus.«
      Brummend ließ ich ihn auf seiner Maschine zurück und ging zum Seiteneingang, vor dem er stets hielt. Klager folgte mir ohne Eile, war am Ende dank seiner ausladenden Schritte vor mir an der Tür, um sie mir aufzuhalten. Mit finsterer Miene betrat ich vor ihm das Haus.
      »Schmitt meinte gestern, du würdest besser aussehen«, sagte Klager auf dem Weg zum Fahrstuhl. Kurz war ich geneigt, auf die Treppe umzusteigen, drückte jedoch bereits auf den runden Rufknopf, der nun rot unter meinem Finger leuchtete.
      »Gut, kein Gespräch heute«, seufzte Klager, als ich eisern schwieg, und drängte sich vor mir in die Aufzugkabine.
      Ohne ein weiteres Gespräch fuhren wir hinauf, folgten schlussendlich dem gespenstisch leeren Flur hinab. Die grauen Türen links und rechts von uns waren verschlossen; einzig jene zu unserem Büro am Ende des Ganges stand bereits einen Spaltbreit offen. Warmes Licht erfüllte den kalten Flur, dessen Deckenbeleuchtung vollkommen weiß erscheinen ließ.
      Klager und ich hielten inne, sahen fast zeitgleich mit gerunzelter Stirn zum jeweils anderen. Ich sah auf meine Uhr. Fünf.
      »Leute, das müsst ihr euch ansehen«, begrüßte Schmitti uns, kaum dass wir den Raum betraten. Er winkte uns heran, huschte dann zur Tür, um sie zu schließen, bevor er uns zu seinem Schreibtisch schob. Wir hatten nicht einmal die Gelegenheit, richtig anzukommen, die Jacken auszuziehen oder einen Kaffee zu trinken. Sein Bildschirm war bereits voll von geöffneten Dateien, die er hastig sortierte, dann vergrößerte er eine von ihnen.
      Klager zog stoisch seine Jacke aus und warf sie über Schmittis Stuhl, auf den er sich wie selbstverständlich setzte. Mein Freund lehnte sich derweil so dicht neben ihn auf den Tisch, dass ich mich wunderte, warum er ihm nicht gleich die Zunge in den Hals steckte.
      Ich schob meine schlechte Laune vorerst beiseite, sah über Klagers Schulter auf den Bildschirm. »Was ist das?«
      »Das vorläufige DNA Ergebnis von der Haarlocke. Die aus der Schatulle, mein ich«, erklärte Schmitti.
      »Und?« Ich verspürte keine große Lust zu lesen, was Schmitti mir auch in wenigen Worten erläutern könnte. Zudem verschwammen die Buchstaben vor meinen Augen.
      Klager überflog den Text. »Die Haarlocke stammt nicht von Simon von Hahnstein. Das Vergleichsmaterial aus der Villa, das wir haben, stimmt nicht überein.«
      »Dann ist sie von Hans?«, fragte ich gähnend. Murrend rieb ich mir über die Augen, ignorierte dabei Schmittis Seitenblick.
      »Nein«, sagte Klager. Er griff nach der Maus, um in der Datei nach unten zu scrollen. »Hier. Ich habe ›Hans‹ ein paar Haare abgenommen, als es mit der Spieluhr beschäftigt war, und sie ebenfalls an die Spezis gegeben.«
      Ich rieb mir die pochende Stirn. Dann wussten sie nun bereits über Hans Bescheid und es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen vor der Tür stand. Oder der Chef bei uns auf der Matte stand. »Und sie stimmt auch nicht überein?«
      »Nope«, schaltete sich Schmitti dazwischen. »Sie stimmt aber auch nicht ansatzweise mit der von Simon überein.«
      Langsam ließ ich die Hand sinken. »Das heißt?«
      »Das heißt, dass Hans nichts mit dem Sohn des Hexers zu tun hat.« Er griff nach der Akte neben dem Bildschirm, blätterte auf eine bestimmte Seite und hielt sie mir schließlich unter die Nase. »Hans sieht dem Jungen nicht einmal ähnlich.«
      Ich kniff die Augen ein wenig zusammen, als ich auf das verblasste Abbild starrte. Simon von Hahnstein war ein pickeliger, pausbäckiger Teenager, dessen dunkelbraunes Haar ihm fettig und strähnig ins kugelrunde Gesicht hing. »Verblüffende Ähnlichkeit«, murmelte ich.
      »Ja, nicht?« Schmitti warf die Akte schulterzuckend zurück auf den Tisch.
      »Ich bezweifle langsam, dass Hans das ist, was unser Hexer in seinem Brief erwähnte«, bemerkte Klager, der sich nun mit verschränkten Armen zurücklehnte, nachdenklich.
      »Steht denn fest, dass der Brief echt ist?«, hakte ich nach.
      »Noch nicht ganz«, erklärte Schmitti, der sich zu seinem Aktenschrank herumdrehte und die oberste dünne Papierakte herunterholte, die oben auf lag. »Allerdings zeigt ein rascher Schriftvergleich, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist. Unter welchen Umständen der Brief verfasst wurde - keine Ahnung.«
      Klager drehte sich auf dem Stuhl zu mir. »Das heißt aber auch, dass dieses Wesen etwas vollkommen Fremdes sein kann, das nichts mit unserem Hexer zu tun hat.«
      »Aber die Schatulle?« Meine Hände kribbelten. »Es ist eindeutig auf die Schatulle fixiert.«
      »Möglich, dass es einfach nur verrückt nach der Melodie ist«, sagte Schmitti und setzte sich mit dem Rücken zum Bildschirm auf seinen Tisch. Sein Blick ruhte eingehend auf mir. »Es wäre besser, wenn das Ding endlich zu den Spezis gebracht wird.«
      Die Blicke meiner beiden Kollegen richteten sich auf mich. Ich selbst sah wie gebannt auf den Monitor. Mir wurde heiß und kalt zugleich; seufzend gab ich mich geschlagen, meine Schultern sackten nach vorn. »Ihr habt recht.«
      Schmitti atmete hörbar auf, wohingegen Klager mich weiterhin stumm betrachtete. Bevor ich jedoch noch etwas sagen konnte, blinkte plötzlich ein Fenster auf Schmittis Statusleiste, begleitet von einem schrillen Pfeifen. Mein Freund tippte ohne Hast auf seine Tastatur, um sein Mailprogramm zu öffnen. Ich streckte mich derweil und schlenderte zu meinem Schreibtisch, um endlich meine Jacke von mir zu werfen.
      Es war seltsam, doch die Entscheidung ließ mich mit einem Mal freier atmen. Hans gehörte in die Hände der Spezis. Er war kein Mensch, egal wie oft ich versuchte, es mir einzureden. Dennoch stimmte es mich gleichzeitig unheimlich traurig. So einfach war es doch nicht. Es zog mir beinahe die Brust zusammen, wenn ich mir vorstellte, wie sie Hans aus meiner Wohnung holen würden. Wie er schrie und sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, während er die Lippen zurückzog, um fauchend seine Zähne zu zeigen.
      »Oha«, fuhr Schmitti auf. Ich sah fragend zu ihm. »Oha, oha, oha.« Seine Augen huschten hin und her, als er seine Nachricht weiterhin hastig las.
      »Was?«, fragte ich ungehalten, stapfte bereits wieder zu ihm, um selbst nachzuschauen.
      »Unsere Skelette? Die im Keller der Villa?« Sowohl Klager als auch ich sahen gespannt zu Schmitti, der erst nach kurzem Luftschnappen weitersprach: »Sind nicht menschlich.«
      "Don't worry, Xavier's on the job," said Sharon. We heard a squeak and looked down to see the rat in question with a piece of cheese in its mouth. Sharon picked him up and scolded him. "Keys, I said, not cheese!"

      Library of Souls - Ransom Riggs
    • Neu

      Hey,

      zu Post 13: Ich finde den Teil gut geschrieben und wichtig, um die Beziehung zwischen Greta und Schmitti zu beleuchten. Die Art und Weise, wie die miteinander umgehen ist wirklich cool. Das können nur richtig gute Freunde so rüberbringen :)

      Kitsune schrieb:

      so heftig schlug, dass ich fürchtete, es könnte jeden Moment vor Erschöpung stillstehen
      vielleicht besser: ...zum Stillstand kommen ? es klingt sonst irgendwie widersprüchlich. also: es schlägt heftig, ist aber erschöpft... :hmm: (kann irgendjemand meinen wirren Gedanken folgen?)


      Kitsune schrieb:

      »Weißt du, Klager könnte auch einfach mal seinen verdammten Stock aus dem Arsch ziehen.«
      »Weil du ihn mit was anderem ersetzen willst?«, fragte ich, ohne mich aufhalten zu können
      :rofl: Sehr geil! Hab`mich weggeschmissen...

      LG,
      Rainbow