Noiona

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    • Hallo alle zusammen. Kennt ihr das, wenn ihr mit einer Geschichte anfangt und sie dann nach paar Kapiteln nicht mehr so passt oder ihr die Idee ändern wollt. So geht es mir mit dieser Geschichte. Hab schon ein paar Mal angefangen und einen kleinen Teil auch schon Mal hier veröffentlicht. Nun habe ich das Alte nochmal über den Haufen geworfen und bin nochmal zum Anfang zurück. Es kann sein, dass ein paar von euch den Anfang kennen, an den ersten Kapitel hat sich nicht so viel geändert. Die Namen haben sich geändert und es sind auch ein paar Teile raus geflogen, weil sie nicht mehr zu dem Konzept passten. Doch ich gebe alles, damit die Geschichte jetzt so bleibt und ich zu einem Ende komme. Denn irgendwann will ich sie meiner besten Freundin schenken, die mich inspiriert hat. Darum würde ich euch um eure Hilfe bitten. Wenn euch die Geschichte gefällt, gebt bitte herzhafte Kritik ab. Ob es Grammatik- oder Rechtschreibfehler sind, oder irgendetwas nicht logisch ist. Danke schonmal im Vorraus.

      Kapitel 01
      Schwarze Wolken bedeckten den sonst so strahlenden Himmel über dem Land Elavinor. Nicht ein Fünkchen Licht brach durch die Wolkendecke. Die Vögel waren verstummt, denn große Trauer bekümmerte das Reich, nur ein Klagelied wurde von dem Wind in jeden Winkel Elavinors getragen. Der gute und gerechte König der Elfen dieses Königreiches war verstorben.

      Ich wich nicht von der Grabstätte meines Vaters. Die Krypta war kalt und dunkel, nur ein hohes Fenster beleuchtete den weißen Stein des Grabmals. Ich kniete davor und obwohl ich am ganzen Leibe zitterte, wollte ich meinen Vater noch nicht verlassen, ihm die letzte Ehre erweisen. Mehr als dieses Denkmal war mir nicht geblieben, sein Leichnam war in den frühen Mittagsstunden im Innenhof des Palastes verbrannt worden. Ich hatte kaum Zeit gehabt, mich zu verabschieden. Der Tod des Elfenkönigs war zu plötzlich gekommen. Man hatte ihn am Morgen in seinem Gemach aufgefunden. Sein Körper war kalt und leer, ohne einen Hauch von Leben in ihm. Die Ursache seines Todes war noch unbekannt, jedoch hatten die Heiler und Gelehrten keine Gelegenheit den Verstorbenen zu untersuchen. Die Königin hatte für eine schnelle Feuerbestattung gesorgt, so wie es einem König gebührte. Allerdings in Abwesenheit des Volkes, was von der Tradition und den Bräuchen abwich.

      Noch vor einigen Tagen waren wir glücklich gewesen. König Himirúth war ein gütiger und liebevoller Mann gewesen, der mich sehr geliebt hatte. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie er mir Bogenschießen und das Kämpfen mit dem Schwert beigebracht hatte. Diese Momente, wenn wir im Hof kleine Duelle bestritten hatten und er mich am Anfang immer gewinnen ließ. Doch nach kürzester Zeit musste mein Vater sich anstrengen, um mich zu besiegen, denn ich war zu einer starken und mutigen Kriegerin herangewachsen. Ich hatte meinen Vater oft auf Jagdausflüge begleitet und die Ausritte sehr genossen. Dies alles waren wundervolle Erinnerungen an ihn, welche ich auf ewig in meinem Herz bewahren würde.

      Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter. Königin Vabea war von hinten an mich heran getreten. Ich brachte dieser Frau großes Misstrauen entgegen. Meine leibliche Mutter war gestorben, als ich noch sehr jung war und Vabea hatte bald ihren Platz eingenommen. Nicht lange nach der Trauerzeit hatte Himirúth Vabea zu seiner Frau gemacht, in der Hoffnung eine neue gute Mutter, oder zumindestens eine Freundin für seine Tochter zu finden. Jedoch hatte ich Kenntnis davon, dass die Königin von Eifersucht geplagt wurde. Vabea wusste, dass sie niemals einen derartigen Platz im Herzen meines Vaters einnehmen würde, wie ich und die letzte Gemahlin des Königs, Bigesia. Schon bei vielen Gelegenheiten hatte Vabea ihre Abneigung für mich gezeigt. Bei Veranstaltungen mied die Königin Blickkontakt mit mir oder fiel mir vor Gästen ins Wort. Anzeichen, die auf Verachtung hindeuteten und nicht den Gepflogenheiten entsprachen. Ebenso war sie immer darauf bedacht gewesen, Himirúth von mir fernzuhalten.

      Ich schaute die Königin mit entwürdigtem Blick an. Die Frau lächelte und dies in Zeiten der Trauer. Zudem trug sie ein prachtvolles, farbenfrohes Gewand, womit sie ihre Schönheit zur Schau stellte. Es blieb außer Frage, dass Vabea eine wunderschöne Elfe war, da sie mit ihren goldenen Haaren und ihrem vorgetäuschten Liebreiz die Männer um sich herum verzauberte. So war es schon mit Himirúth gewesen.

      „Liebes Kind, arme Liasanya, es muss sehr schwer für dich sein. Ich habe meinen Gemahl verloren, doch du deinen Vater. Nun bist du ganz alleine, keiner aus deiner Familie ist mehr da. Doch glaube mir, ich werde dafür sorgen, dass dein Schmerz bald vergeht.“

      Ihr finsteres Lächeln besorgte mich. Diese Elfe schmiedete vermutlich bereits dunkle Pläne. Erst als Vabea den Raum verlassen hatte, atmete ich wieder auf. Behutsam stand ich auf und trat ans Fenster. Mein schwarzes Kleid passte zu den dunklen Wolken am Himmel, aus denen sich in Strömen Wasser ergoss. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wann es zuletzt in Elavinor geregnet hatte, seitdem mussten schon viele Jahre vergangen sein. Eine tiefe Melancholie packte mich bei dem Anblick der Dunkelheit, welche sich über das Königreich gelegt hatte. Die Sterne und der Mond, die Lichtspender, welche sonst immer da waren, wurden verdeckt. Auch die Stadt Creastao erstreckte sich düster vor mir. Nur in einzelnen Häusern brannte zaghaft Licht. Es war so leicht, wie das Flackern einer einzelnen Kerze. In diesem Raum hingegen war es stockfinster. Zwar waren Bedienstete hereingekommen, um die Fackeln zu entfachen, allerdings hatte ich dies abgelehnt. Ich wusste nicht wieso, aber die Dunkelheit hatte etwas Tröstliches an sich.

      Das Quietschen der Holztür erregte meine Aufmerksamkeit und ich wandte mich vom Fenster ab. Meine engste Vertraute war mit besorgtem Blick eingetreten. Ihr Name war Teleria, sie und ich kannten uns schon seit frühster Kindheit. Telerias Vater war ein großer Krieger gewesen und meinem Vater ein ergebener Freund. Er war der Hauptmann über die Armee Elavinors gewesen. Als er in einer Schlacht gefallen war, hatte der König sie als sein Mündel aufgenommen und sich um sie gekümmert. So hatte ich wenigstens eine Freundin hinter den hohen Palastmauern, an die ich mich wenden konnte. Teleria kannte alle meine Geheimnisse. Besonders nach dem Tod meiner Mutter und der erneuten Heirat meines Vaters, war das junge Mündel eine große Stütze gewesen.

      Teleria trat an das Grabmal Himirúths heran und strich mit ihrer Hand über den hellen Stein. Dabei betrachtete ich sie. Die junge Frau war von zierlicher Gestalt und ihre Haut fast so weiß wie der Marmor vor ihr. Ihre roten Haare waren elegant nach oben gesteckt, diese trug sie nur sehr selten offen. Dadurch sah man das Merkmal der Elfen noch besser: lange, spitze Ohren, die jedoch etwas kürzer waren als die meinen. Wie ich, trug Teleria ein dunkles Kleid. Ich bewunderte ihre Standhaftigkeit, denn sie zeigte ihre Trauer kaum, obwohl Himirúth wie ein Vater für sie gewesen war. Sie erfüllte gewissenhaft ihre täglichen Aufgaben und auch nun war sie an meiner Seite.

      „Prinzessin Liasanya, du solltest dich ausruhen. Du bist bestimmt sehr erschöpft. Die Nacht ist schon fast vorbei.“

      „Nein, ich kann noch nicht von der Seite meines Vaters weichen. Ich kann ihn nicht alleine lassen“, sagte ich mit zitternder Stimme. „Ich kann einfach nicht glauben, dass er von uns gegangen ist. Er war doch kerngesund.“

      „Ich kann dich gut verstehen, Liasanya, doch wir können nichts gegen diese Ungerechtigkeit tun. Und bedenke, auf dich kommen nun wichtige Aufgaben zu. Bereits am morgigen Tag gibt es viel zu tun. Du brauchst wirklich Ruhe. Nun komm', ich begleite dich in dein Schlafgemach!“

      Ich wusste, dass es nicht viel brachte Teleria zu widersprechen, diese hatte ihren eigenen Kopf. Also begleitete ich meine Freundin schweigend.

      Die Lichter im Palast waren gedämpft, nur in großen Abständen erleuchteten die Fackeln den Gang, sodass man vom Weiten nur Schemen erkennen konnte. Zusammen durchquerten wir fast das ganze Schloss, da mein Zimmer im gegenüber liegenden Flügel lag. Wir kamen an den weiten Gärten vorbei und an dem kleinen Park, der im Innenhof lag. Erinnerungen drangen lebhaft in mein Gedächtnis ein, wie ich früher immer mit meinem Vater bei Mondschein durch die Gärten spaziert war. Denn viele Blumen zeigten nur im Licht des Mondes ihre volle Schönheit. Doch nun stimmte mich nur der Gedanke an das Vergangene traurig. Es würden keine neuen Erlebnisse mit meinem Vater geben. Ich konnte nur hoffen, dass die glücklichen Gedanken an ihn nicht in Vergessenheit geraten würden. Ich fragte mich, ob der Schmerz und die Trauer seines Verlustes eines Tages vorbeigingen und ich wieder Hoffnung fassen konnte. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht daran glauben.

      Wir erreichten die Tür zu meinen Gemächern und Teleria öffnete sie sogleich. Mir kam mein Zimmer nun so fremd und einsam vor. Alles lag im Dunkeln da, doch auch die Kerzen, die meine Vertraute anzündete, konnten die Finsternis, welche weiterhin in den Schatten lungerte, nicht vertreiben.

      Die rothaarige Elfe half mir aus meinem schwarzen Kleid und legte es behutsam zur Seite. Geschwind holte sie das Nachtgewand und half mir beim Überstülpen des bleichen Leinenhemdes. Danach setzte ich mich hin und Teleria begann meine langen silbernen Strähnen zu bürsten. Meine Haarfarbe war ungewöhnlich, besonders da Bigesia schwarze und Himirúth dunkelbraune Haare hatten. Bei meiner Geburt waren Gerüchte aufgekommen, die mein Vater schnell zerschlug. Nie hatte er mir erzählt, wie er dies getan hatte und nun würde ich es auch nie erfahren.

      „Ich lasse dich nun alleine. Ruf nach mir, wenn du noch etwas benötigst. Ich wünsche dir eine geruhsame Nacht.“ Teleria verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.

      Nun schlich sich das Gefühl der Einsamkeit noch weiter in mein Herz. Ich hatte Angst von allen, die ich liebte verlassen zu werden, obwohl sie in der Nähe waren. Mit diesen Gedanken legte ich mich in das riesige Himmelbett. Ich wollte versuchen, wenigstens etwas Schlaf zu finden, auch wenn es schwer werden würde.

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    • Jacquy94 schrieb:

      König Himirúth war ein gütiger und liebevoller Mann gewesen, mich sehr geliebt hatte.
      "gewesen, der mich sehr"

      Ja, das Gefühl kenne ich. Viel ist ja noch nicht passiert. Ein König, der stirbt, ist ein solider Anfang, schließlich muss sein Platz eingenommen werden und bei der Gelegenheit kann sich einiges ändern.
      Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.
      -Mutter Teresa
    • Danke schon mal für die erste Rückmeldung @Windweber
      Hier ist nun das nächste Kapitel:


      Kapitel 02



      Es war schon hell, als ich erwachte. Doch ich wollte noch nicht aufstehen, denn ich fühlte mich noch sehr erschöpft und die Erinnerung an meinen verstorbenen Vater schlich sich wieder qualvoll in meine Gedanken. Mir wurde klar, dass ich nun für das Land verantwortlich war, so wie es mein Vater gewollt hatte. Er hatte immer zu mir gesagt, dass ich einmal eine große Herrscherin werden und Elavinor weise und gerecht regieren würde. Doch ich hätte nie gedacht, dass dieser Moment schon so bald eintreten würde.

      Ein vorsichtiges Klopfen ließ mich von meinen schmerzlichen Gedanken Abstand nehmen.

      „Ja, bitte!“, sagte ich.

      Teleria trat ein. Sie lächelte sanft und verbeugte sich. „Guten Morgen, Prinzessin. Es wird Zeit aufzustehen. Die Königin verlangt nach dir, sie erwartet dich im Thronsaal.“

      „Vielen Dank. Könntest du ihr bitte ausrichten, dass ich sofort komme?“

      „Natürlich, Prinzessin!“

      Ich stand langsam auf und kleidete mich in das feengleiche Gewand, welches für mich bereit gelegt worden war. Es war ein zartes, helles blau und schmiegte sich sanft an meinen Körper. Ich war nicht erfreut, dass meine Stiefmutter mich bereits so früh am Morgen sehen wollte. Trotzdem beeilte ich mich.

      Im Schloss war es noch sehr still, auch die Vögel hatten ihren Gesang noch nicht wieder begonnen. Mir fehlte das liederähnliche Gezwitscher, welches mich stets begleitet hatte, egal wo ich war. Glücklicherweise hatten sich die dunklen Wolken verzogen und die ersten Sonnenstrahlen vielen auf das Land. Am Fenster des Gartens blieb ich stehen. Die Blumen blühten in den schönsten Farben. Ich beschloss, später am Tag welche zu pflücken, zum Beispiel die weißen Rosen, um sie aufs Grab meines Vaters zu legen. Er hatte die Rosen im Garten sehr geliebt und sich persönlich um sie gekümmert. Er hatte immer gemeint, dass ein Königreich wie eine Blume sei. Kümmert man sich gut um das Reich, so erblüht es zur vollen Pracht, aber vernachlässigt man es, geht es ein und es kommt zu Unzufriedenheit im Volk. Die liebevoll gemeinten Ratschläge des Königs nahm ich mir sehr zu Herzen, damit ich ihn eines Tages nicht enttäuschen würde. Doch nun würde er es nicht mehr miterleben, wie ich eines Tages zur Königin gekrönt werde. Er hatte gesagt, wenn die Zeit gekommen sei, so würde er abdanken und mir den Thron überlassen, um mir danach noch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

      Da fiel mir wieder ein, dass ich erwartet wurde. Eilig ging ich den Gang zum Thronsaal weiter. Dort angekommen traf mich der Schlag. Vabea hatte es sich schon auf dem Thron gemütlich gemacht, der oben auf der Empore stand. Ich sah dies ungern, da dies der Platz des rechtmäßigen Herrschers war und nach dem plötzlichen Tod meines Vaters war nun ich die Thronfolgerin, nicht meine Stiefmutter.

      „Guten Morgen, Liasanya.“

      „Guten Morgen, Majestät. Ich hoffe Ihr hattet eine erholsame Nacht.“ Ich füllte meine Stimme mit einem leichten sarkastischen Unterton, doch der Königin fiel es nicht auf, denn sie war zu sehr mit sich selber beschäftigt.

      „Ganz gut, ich kann mich nicht beklagen.“

      Nun platzte mir der Kragen, als ich sah, dass die Frau vor mir das goldene Diadem meiner Mutter trug und das königliche Siegel meines Vaters am Finger. „Was hat das hier zu bedeuten? Warum sitzt Ihr auf dem Thron des Herrschers und tragt seinen Siegelring? Dazu habt Ihr nicht das Recht. Nach seinem Tod bin ich nach Gesetz die rechtmäßige Erbin des Thrones.“

      „Ich habe beschlossen, die Regierungsgeschäfte vorerst zu übernehmen. Du bist noch sehr jung und hast noch keine Erfahrung. Aber ich verspreche dir, wenn die Zeit reif ist, werde ich dir das Zepter überlassen.“

      Ich misstraute diesen Worten. Ich wusste, dass diese Frau niemals ihr Wort halten würde. Den Thron gäbe sie nicht kampflos auf. Außerdem war ich nicht mehr so jung, so wie es die Königin behauptete, ich war vor fünfzig Jahren geboren worden.

      Vabea stieg von der Empore hinunter und kam zu mir. Sie hatte ein breites Lächeln aufgesetzt, doch ich wusste, dass dies nur Fassade war. Die Königin trat nur so sanft auf, um ihr wahres, abgrundtief böses Wesen zu verbergen.

      „Ich habe mir überlegt, dass es an der Zeit ist, dass du dir einen Gemahl nimmst. Ich dachte mir, der junge Prinz Osin wäre die perfekte Wahl für dich.“

      Natürlich war Osin eine gute Wahl, weil er noch nicht einmal in diesem Königreich lebte. Er war der zweite Prinz von Nornas, ein Land, welches nördlich an Elavinor angrenzte. Beide Königreiche waren durch eine Gebirgskette getrennte und somit bestand wenig Kontakt zwischen ihnen.

      „Majestät, ich kann Prinz Osin nicht ehelichen. Nornas und Elavinor sind keine Verbündeten. Sein Vater, König Calomel, war immer gegen die Politik unseres Königs und würde das Gebirge nicht zwischen uns liegen, so wäre es bestimmt schon zum Krieg gekommen. Durch eine Heirat könnten sie Elavinor an sich reißen. Schließlich bin ich die Thronfolgerin.“

      „Ich weiß um deine Bedenken, doch glaube mir, ich habe darüber bereits nachgedacht. Diese Vermählung wäre von Vorteil für das Land. Seine Familie würde uns nicht mehr mit einem Dolch im Nacken sitzen und sie hätten ebenfalls was sie wollen: einen Platz auf dem Thron von Elavinor. Ich habe Osin bereits hierher eingeladen, sobald er hier ist, geben wir eure Verlobung bekannt. Ihr werdet hier in Creastao heiraten, danach wirst du mit dem Prinzen nach Nornas gehen. Wenn die Zeit gekommen ist und ich dich zurückrufen lasse, kehrst du mit deinem Gemahl zurück und gemeinsam werdet ihr über Elavinor herrschen. So ist es auch der Wunsch von König Calomel. Sei froh, dass ich dich nicht jenseits des großen Meeres entsende“, erzählte Vabea, während sie mich umkreiste. Mir blieb der leichte Hauch von Häme nicht unbemerkt.

      Ich konnte meinen Ohren kaum glauben. Ich musste diese Verlobung irgendwie verhindern. Würde es dazu kommen, wäre ich der Königin aus dem Weg, so würde ich mich nicht in die politischen Belange einmischen können. Dies konnte ich nicht zulassen. Elavinor durfte nicht in die Hände dieser Frau fallen, das wäre der Untergang für das Land. Das wurde mir schnell bewusst. Nicht länger wollte ich in der Nähe von Vabea bleiben, also drehte ich mich um und verließ den Thronsaal ohne ein weiteres Wort.

      Mein Weg führte mich direkt in den Garten. Wutentbrannt setzte ich mich unter eine alte Buche, dies war einer meiner Lieblingsorte, denn der knorrige, dicht bewachsene Baum gab mir genug Schutz. Hier konnte ich in Ruhe über meine momentan klägliche Lage nachdenken.

      Einige Zeit saß ich unter der Buche, die Sonne stand mittlerweile hoch im Zenit. Ich hatte über einiges nachgedacht. Mit Sicherheit würde ich Osin nicht heiraten und ich würde den Thron auch nicht so einfach meiner Stiefmutter überlassen. Ich erhob mich und betrat wieder den Palast. Auf direktem Wege wollte ich zu Vabea gehen und ihr den Kampf um den Thron ansagen. Ich durchquerte die große Eingangshalle und ging Richtung Thronsaal. Es war verdächtig still in den Gängen. Wo sonst die Bediensteten umher irrten, war keine einzige Seele zu sehen. Auch standen keine Wachen in den Gängen, irgendjemand musste sie abtreten gelassen haben, was mich zutiefst verwunderte. Soweit ich mich erinnern konnte, hatten immer Wachen auf den Fluren gestanden, um für die Sicherheit im Palast zu Sorgen.

      Ich näherte mich immer weiter dem Thronsaal und so vernahm ich Stimmen aus der Richtung, in die ich ging. Ich sah, dass die hölzerne Tür des Saales einen Spalt aufstand. Die Stimmen, welche ich hörte kamen aus dem Raum dahinter. Ich erkannte die hohe, durchdringende Stimme meiner Stiefmutter, sowie die eines Mannes. Langsam und vorsichtig schlich ich mich an die Tür heran, um das Gespräch zwischen Vabea und dem unbekannten Mann zu belauschen.

      „Die Prinzessin steht mir im Weg. Rechtmäßig steht der Thron ihr zu, doch was habe ich nicht alles auf mich genommen, um über Elavinor zu herrschen. Ich habe meine Heimat und meine Familie hinter mir gelassen, nur um einen Elf zu heiraten, den ich nicht liebe und meiner Familie zutiefst verhasst ist. Und dann habe ich mich diesem König entledigt, aber an seine Tochter komme ich nicht heran. Liasanya vertraut mir nicht, denn sie vermutet, dass ich etwas im Schilde führe. Da hat sie nicht so Unrecht. Dieses kleine Biest muss verschwinden.“

      Ich erstarrte. Also war die Königin schuld an dem Tod meines Vaters und nun war mein eigenes Leben in Gefahr.

      Der Mann meldete sich zu Wort und seine Stimme war rau und tief. Bei seinen Worten lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. „Meine Königin, was verlangt Ihr von mir?“

      „Du bist der beste Bogenschütze und Jäger in ganz Elavinor. Liasanya geht gerne auf die Jagd. Es wäre ein Jammer, wenn sie versehentlich von einem verirrten Pfeil getroffen wird. Vergiss nicht, dass du eine Schuld bei mir hast. Im Falle deines kläglichen Versagens wartet der Kerker auf dich. Die Prinzessin muss sterben, damit ich Königin bleiben kann!“

      „Betrachtet den Auftrag als erledigt!“ Nachdem der Mann seinen Satz beendet hatte, ertönten Schritte, die genau auf die Tür zu kamen, hinter der ich mich verbarg. Eilig versuchte ich mich lautlos davon zu stehlen. Als der Mann aus dem Saal trat, verschwand ich schnell um die nächste Ecke. Zum Glück verließ er den Gang in die andere Richtung.

      Mein Herz raste wild, es sprang mir beinahe aus dem Brustkorb. Meine Atmung ging schwer und mein Brustkorb war wie zugeschnürt. Nur sehr langsam wurde mir bewusst, was ich soeben vernommen hatte. Ich war hier nicht mehr sicher, denn die Königin schreckte vor nichts zurück, nicht einmal vor Königsmord. Ich wusste, was ich nun zu tun hatte. Eilig machte ich mich zu meinen Gemächern auf.

      Dort angekommen wartete bereits meine Vertraute auf mich. Als ich den Raum betrat, sah Teleria den Schrecken in meinem Gesicht und den Zorn in den Augen. Sie trat auf mich zu. Ich wusste, dass ich der rothaarigen Elfe vertrauen konnte und erzählte ihr von dem zuvor Gehörten. Teleria war sehr erstaunt über das, was ich über die Königin berichtete, denn sie hatte Vabea nie so misstraut, wie ich es tat. Dies war eine von Telerias guten Eigenschaften, sie sah in fast jedem nur das Gute. Doch als sie nun hörte, in welcher Gefahr ich schwebte, sprang sie auf und suchte sogleich meine Jagdkleidung heraus. Sie wollte, dass ich mich im nahe gelegenen Wald versteckte, denn niemand kannte den Wald so gut wie ich. Auch ich hielt dies für die beste Idee.

      Ohne zu zögern begannen wir alles für die Flucht bereit zu machen. Ich entledigte mich meines erhabenen Gewandes und kleidete mich in ein kurzes, smaragdfarbendes Kleid mit braunem Mieder. Teleria brachte einen passenden Umhang, denn die Nächte in Elavinors Wäldern konnten sehr kalt werden. Ich griff nach meinem Bogen und dem Köcher, mehr brauchte ich für die Flucht nicht.

      Der Palast war so gebaut, dass eine Flucht aus den königlichen Gemächern, im Falle eines Angriffs, unbemerkt von Statte gehen konnte. Überall zwischen dem Mauerwerk waren Geheimgänge angelegt worden. Ich betrat einen solchen Gang, dessen Eingang sich hinter einem Landschaftsgemälde befand und der von meinen Gemächern zu den Ställen führte. Es war stockfinster, aber Teleria hatte daran gedacht Fackeln mitzunehmen. Am Boden lag eine dicke Staubschicht, die unter unseren Füßen knisterte. Ebenfalls hingen überall Spinnweben, die wir mit den Fackeln entfernten, um nicht in diese hinein zu laufen.

      Am Ziel angekommen verließ zuerst Teleria den Geheimgang, um sich zu vergewissern, dass die Stallungen verlassen waren. Leise kehrte sie in den Gang zurück. „Die Luft ist rein! Du solltest dich beeilen und Randor satteln. Mit ihm kommst du hier schneller weg.“

      Randor war mein stolzer Schimmel. Der Hengst galt in ganz Elavinor als das schnellste Pferd und er ließ sich nur von mir reiten. Nicht einmal die mutigsten Krieger trauten sich in seine Nähe. Ich hatte ihn gefunden, als ich mit meinem Vater auf der Jagd gewesen war. Damals war das Fohlen mutterlos durch die Wälder gestreift. Ich hatte sein Vertrauen gewonnen, indem ich täglich die Lichtung besuchte, wo er sich von Zeit zu Zeit aufgehalten hatte. Da er so wild war und nur mich in seine Nähe ließ, glaubten viele, dass Randor zu den Weißen Wanderern gehörte. Die Weißen Wanderer waren besondere und legendenumwobene Pferde. Es waren Hengste, die sich nur selten zeigten und sich einen einzigen Reiter erwählten. Nur der eine Erwählte konnte auf dem Rücken eines dieser Hengste die Welt erkunden. In einer Sage hieß es, dass die Weißen Wanderer nur Reiter auserwählten, auf die ein großes Schicksal wartete. Seit Jahrtausenden war keins dieser Pferde mehr gesichtet worden und die Weißen Wanderer gerieten in Vergessenheit. Ich glaubte nicht an solche Märchen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass auf mich ein großes Schicksal warten würde. Natürlich hielt ich es für mein Bestimmung den Thron Elavinors zu besteigen, doch mir war schleierhaft, ob dies groß genug war, um einer solchen Sage gerecht zu werden.

      Ich schritt aus dem Geheimgang in den hellen, lichtdurchfluteten Stall. Randors Box befand sich im hinteren Teil des Stalles, weit ab von den anderen Pferden. Ich eilte zu ihm hin und er blieb still, da er mich gleich erkannte. Ich trat an den Hengst heran und streichelte seinen warmen Hals. Ich bedeutete ihm keinen Mucks von sich zu geben.

      Teleria brachte den Sattel und das Zaumzeug, hielt aber von der Box Abstand. Ich ging zu ihr und nahm die Reitsachen an mich. Schnell beeilte ich mich wieder zu meinem Pferd zu kommen, damit ich es satteln konnte. Unterdessen öffnete meine Vertraute das Stalltor und eine versteckte Tür in der Palastmauer, wodurch ich unbemerkt fliehen konnte. Leise führte ich Randor durch die Tür nach draußen. Bevor ich aufsaß, wand ich mich noch einmal Teleria zu. „Bitte, gib auf dich Acht. Vabea wird vermuten, dass du mir bei der Flucht geholfen hast. Am besten verschwindest du auch von hier. Flieh in ein Dorf, weit draußen auf dem Land, dort werden die Königin und ihre Schergen dich nicht suchen. Sie werden ohnehin hinter mir her sein.“

      „Mach dir keine Sorgen um mich. Hauptsache du bist in Sicherheit. Finde einen Weg die Königin vom Thron zu stoßen!“ Teleria lächelte und in ihren blass grünen Augen konnte man Hoffnung aufschimmern sehen.

      Ich bestieg Randor und galoppierte los. Ich versuchte nicht zurück zu blicken, was mir sehr schwer fiel. Doch der Wind trieb mich immer schneller voran.

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    • Kapitel 03


      Creastao kam mir beim Durchqueren wie eine Geisterstadt vor, kein Elf oder Mensch war auf den Straßen anzutreffen. Noch vor einigen Tagen war diese Stadt noch voller Leben gewesen. Es stimmte mich traurig, dass es so still war, obwohl die Sonne erst im Zenit stand. Besonders zu dieser Zeit, in der die Straßen reich bevölkert sein müssten. In zwei Tagen sollte das Sternenlichtfest stattfinden. Dieses Event war jedes Jahr der Höhepunkt zur Zeit des Feuers. Im vergangenen Jahr hatte an diesem Ort ein reges Treiben geherrscht. Es wurde getanzt und musiziert, während man die Stadt in neuem Licht erstrahlen ließ. Aber nun vernahm man nicht den kleinsten Laut. Natürlich war mir bewusst, dass alle in Trauer waren, genauso wie ich selber. Dennoch war dieses Fest meinem Vater und mir sehr wichtig gewesen. Am Abend der Feierlichkeiten waren wir nicht der König und die Prinzessin von Elavinor gewesen, sondern einfache Elfen, die mit allen anderen unter dem Licht der Sterne tanzten und glücklich waren. Ihm zu Ehren sollte es auch im diesen Jahr stattfinden.

      Das Sternenlichtfest hatte eine lange Tradition in Elavinor. Doch nicht nur in diesem Königreich ehrte man in dieser Nacht die Gottheiten der Elfen. In ganz Eleamber gab es Länder, die diese Feierlichkeiten achteten. Es gab viele verschiedene Gottheiten, vier Haupt- und einige Untergötter. Die oberste Göttin in Elavinor war Noiona, Herrin des Lichts. In der Nacht des Sternenlichtfestes strahlte ihr Stern am allerhellsten. Denn der Stern der Göttin Noiona strahlte in dieser Nacht das erste Mal im Jahr und leitet somit die Zeit des Feuers ein. Wenn er leuchtete, so wussten die Elfen, dass Noiona ihnen noch immer wohlgesonnen war und ihr Land noch immer unter ihrem Schutz stand. Die Elfen verehrten sie. Sie gab ihnen Hoffnung, Liebe und Mut. Eine alte Legende besagte, dass in Zeiten großer Not der Geist Noionas hinab steigen würde, um dem Volk der Elfen beizustehen. Doch wie entschied die Göttin, ob sie Hilfe brauchten? Es gab bereits viele Zeitalter, die von Kriegen um Macht und Land geprägt wurden. Auch Zeiten großen Hungers hatte es gegeben. Immer litten die Elfen und Menschen an deren Folgen, doch nie gab es nur Gemunkel, dass der Geist Noiona zu ihnen gekommen sei. Das Volk musste sich selber retten. Trotzdem verloren sie nie die Hoffnung und huldigten der Lichtgöttin weiterhin.

      Randor trug mich immer weiter und so ließen wir Creastao hinter uns. Ich schaute nicht zurück, denn es fiel mir sehr schwer mein Heim zu verlassen. Ein Blick auf die Stadt, in der ich aufgewachsen war, würde mich nur zum Umkehren bewegen. Schon jetzt verunsicherte mich der Gedanke, dies alles unter Vabeas Führung zurückzulassen. Welche Veränderungen würde dieser Ort in meiner Abwesenheit durchmachen? Aber ich gab die Hoffnung nicht auf. Eines Tages würde ich widerkehren und mein Volk aus den Klauen meiner Stiefmutter befreien.

      Mein Blick war nun nach vorne gerichtet, in die Ferne zum Horizont. Hoffentlich würde ich dort Hilfe finden. Der Wind wehte durch meine langen Haare, sodass ich mich frei wie ein Vogel fühlen konnte. Randor legte noch an Tempo zu und wir flogen buchstäblich über das Gelände. Wir folgten dem Flusslauf, bis wir zu einer kleinen Brücke kamen. Im gemächlichen Tempo überquerten wir diese. Der Fluss war an dieser Stelle sehr reißend. Fiele man hier in ihn hinein, so würde man meilenweit mit ihm gezogen werden. Spitze Felsen machten es zudem noch gefährlicher.

      Ich schaute mir den schnellen Strom verloren an. Es war ein Wunder, dass das schnelle Wasser die Stützen der Brücke nicht mit sich riss. Ich wand mich ab und konzentrierte mich wieder auf meinen Weg, als ich einen Waldelfen bemerkte, der auf mich zukam. Langsam und ohne den Elf aus den Augen zu lassen, beugte ich mich vor und zog ein Messer aus meinem braunen Lederstiefel. Man konnte nicht vorsichtig genug sein. Ich durfte niemanden Trauen, schließlich kannte ich das Gesicht des Jägers nicht, der hinter mir her war. Nur seine tiefe, raue Stimme kannte ich.

      Ich erkannte den Waldelf kaum. Die Sonne versank am Horizont und die Bäume eines nahegelegenen Waldes zogen lange Schatten. Ich blieb wachsam, immer bereit meine Waffe gegen den Elf zu richten.

      Er blieb neben Randor stehen und schaute zu mir hinauf. „Verzeiht, doch könnt ihr mir den Weg zur Hauptstadt erklären?“

      Ich entspannte mich etwas, gab meine Wachsamkeit jedoch nicht auf. „Natürlich! Folgt dem Fluss Strom abwärts, ungefähr eine halbe Tagesreise zu Fuß. Dann müsstet ihr die hohen Zinnen der Stadtmauer erkennen können.“

      „Ich danke Euch“, sagte der Reisende und neigte seinen Kopf.

      Ich schaute ihm hinterher und fragte mich, warum der Elf noch zu dieser Stunde weitergehen wollte. Von hier bis Creastao würde er durch kein einziges Dorf kommen. Entweder musste er die Nacht durchmarschieren oder unter freiem Himmel schlafen. Letzteres stellte zwar kein Problem dar, doch es wäre weiser in das Dorf nahe dieser Brücke zu gehen.

      Der Waldelf kam noch einmal zurück und stellte sich wieder neben das Pferd. „Könnt Ihr mir sagen, warum es in den Dörfern und Städten so still ist? Ich komme aus einem anderen Königreich, wo zu dieser Zeit zu ehern der Götter Feierlichkeiten stattfinden.“

      Mein Blick senkte sich zu Boden und meine Hände krallten sich in Randors Mähne, sodass die Knöchel weiß hervortraten. „Unser König ist verstorben. Alle Elfen im Reich trauern.“

      Der Waldelf sprach dazu kein Wort. Er verneigte und verabschiedete sich, dann ging er seines Weges.

      Ich ritt zu dem Dorf jenseits der Brücke und suchte das dortige Gasthaus auf. Die Nacht würde ich hier verbringen und am nächsten Morgen weiterreiten. Der Wirt, ein älterer Unterelf, begrüßte mich freundlich. Sein Haar war weiß und seine Haltung leicht gebeugt. In seinen braunen, leeren Augen spiegelte sich sein Alter wider. Ich vermutete, dass er schon mehrere hundert Jahre durchlebt hatte.

      Ich gab ihm ein paar Silbermünzen, bevor er mich in ein kleines Zimmer führte, in dem nur eine Liege und ein Nachttopf standen. Ich beschwerte mich nicht, für eine Nacht würde dies reichen. Außerdem hatte ich schon unter freiem Himmel auf hartem Waldboden geschlafen, wenn ich auf Jagdausflügen gewesen war.

      Ich legte meine Ausrüstung ab und legte mich ins Bett. Den Dolch packte ich unter das Kopfkissen. Schnell schlief ich ein.



      Ein helles Leuchten erstrahlte über mir. Ein Stern, so deutlich erkennbar wie kein anderer. Magisch wurde ich von dem Stern angezogen. Wenn ich mich nicht irrte, so war dies Noiona, die Göttin des Lichtes. Ich tat einen Schritt auf den Stern zu, ohne ihn auch nur aus den Augen zu lassen. In diesem Moment fing das Leuchten an sich zu bewegen. Der Himmel verdunkelte sich, als der Stern in der Ferne zu Boden fiel, in einen Wald hinein. Eins wusste ich sofort: Ich musste den gefallenen Stern finden.




      Ich erwachte und erhob mich aus dem Bett. Als ich aus dem Fenster schaute, war die Sonne im Osten bereits über den Horizont hinaus gezogen. Ich packte meine Sachen zusammen und verließ das Gasthaus.

      Als Randor mich erkannte, scharrte er ungeduldig mit den Hufen. Eilig sattelte ich ihn und saß auf.

      Im gemächlichen Schritt durchquerten wir den anliegenden Wald. Ich nutzte nicht die bekannten Pfade, sondern suchte mir einen Weg durchs Dickicht. Verfolger würden so viel schneller meine Spur verlieren. Schließlich wusste ich, wie man sich im Wald unsichtbar machte. Teleria kannte sich mit dem Leben zwischen den Bäumen bestens aus. Das sie als Waldelfe in der Stadt, noch dazu im Palast lebte war eher ungewöhnlich. Dennoch hatte die rothaarige Elfe viele Freunde in Elavinors Wäldern. Manchmal wünschte ich mir, ebenfalls als Waldelfe und nicht als Hochelfe geboren worden zu sein. Ich bewunderte ihre starke Verbindung zur Natur und deren Lebewesen, manche von ihnen hatten ausgeprägte Naturkräfte. Hochelfen besaßen keinerlei magischer Kräfte. Das Einzige, was sie kennzeichnete, war ihre Stärke im Kampf und ihr strategisches Denken. Diese Geschicke haben ihnen schon einige Siege in den Kriegen beschert und machten sie zu den Herrschern. Die Hochelfen bildeten den Großteil des Adels in ganz Eleamber.

      Die Sonne stand bereits weit westlich, als ich den Wald hinter mir ließ. Ich wusste, dass wir in der Dämmerung einen See erreichen würden. Dort wollte ich mein Lager aufschlagen. Am Ufer gab es hohe Sträucher, die mir Deckung geben würde.

      Nun wo ich aus dem Wald heraus war, konnte ich meinen Weg auch wieder schneller fortsetzen. Ich trieb Randor zum Galopp an.

      Auf den Feldern an denen ich vorbei kam, sah ich ein paar Unterelfen und Menschen. Trotz der Trauerzeit mussten sich einige Bewohner um die Ernte kümmern, ansonsten würde Elavinor Hunger leiden. Die Unterelfen waren die schwächste Elfenrasse, standen in der Hierarchie des Landes aber noch über den Menschen. Sie waren die Bürger, ohne die dieses Reich nicht bestehen könnte. Soldaten, Heiler, Schmiede, Bauern und noch viele weitere. Bei vielen Dingen beaufsichtigten sie die Menschen, die die niederen Arbeiten verrichteten, wie die Felder zu bestellen. Äußerlich unterschieden sie sich kaum von den anderen Elfenarten, nur die langen, spitzen Ohren hatten sich bei ihnen mit jeder Generation immer mehr zurückgebildet. Sie ähnelten schon mehr den Ohren eines Menschen. Dennoch waren es Elfen und dem entsprechend erreichten sie ein hohes Alter von mehreren hundert Jahren.

      Am Horizont kam der See in Sicht und die untergehende Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Am Ufer brachte ich mein Pferd zum Stehen und stieg ab. Ich nahm den Sattel von seinem Rücken und suchte mir ein Bündel getrocknetes Gras. Damit rieb ich ihn ordentlich ab. Das Fell glänzte schweißnass in dem rötlichen Licht. Der Hengst schnaubte zufrieden und neigte seinen Kopf zum grasen. Ich holte aus einer der Satteltaschen meinen grünen Umhang und breitete ihn auf dem Boden aus. Noch war die Luft angenehm warm und ein kleines Feuer würde mich die Nacht über wärmen. Meinen Kopf bettete ich auf den Köcher. Ich schaute hinauf in den immer klarer erkennbaren Nachthimmel. Die Sonne war noch nicht zur Gänze untergegangen, aber die ersten Sterne waren bereits zu erkennen.

      Wie ich so unter dem freien Himmel da lag, erinnerte ich mich an die Jagdausflüge mit meinem Vater. Nur dann hatte ich ihn mal für mich ganz alleine gehabt, fernab der Stiefmutter und den Regierungsgeschäften. An einem knisternden Feuer wie diesem hatte ich mir erlauben können meinen Kopf auf Himirúths Schulter zu legen und die Wärme einer väterlichen Umarmung zu spüren, denn im Palast war er immer so unnahbar. Er hatte mir alles beigebracht, wie man jenseits des Palastes überlebte. Dies kam mir jetzt zugute.

      Die Sterne leuchteten nun sehr hell. Bei diesem Anblick empfand ich Trost und Hoffnung. Irgendwo unter diesem Himmel musste es jemanden geben, der mir helfen konnte.



      Ich fand mich in einem Wald wieder. Es war dunkel, kalt und der Boden war von einer dichten Nebelschicht bedeckt.

      Ein lautes Knacken ließ mich zusammenfahren. Wie von selber setzten sich meine Beine in Bewegung und ich begann zu rennen. Mein Herz klopfte wild, es sprang mir förmlich aus der Brust und meine Atmung ging schnell.

      Ein Schatte huschte in meinem Rücken hin und her, verfolgte mich, trieb mich immer weiter ins Dickicht rein. Ohne zu halten oder mich umzusehen, stolperte ich auf eine Lichtung. Ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit breitete sich in mir aus.

      Nun bemerkte ich, dass ich nicht alleine war. Vor mir stand eine Gestalt, die von Licht umhüllt wurde. Vorsichtig trat ich einige Schritte näher, so nah, dass das gleißende Licht mich wärmte. Ich streckte meine Hand nach der Gestalt aus.

      „Wer bist du“, fragte ich.

      Als ich sie berührte, erwachte in mir ein neues Gefühl der Hoffnung und des Mutes. Die Gestalt, oder eher die Person, war die Hilfe, die ich gesucht und ersehnt hatte. Das Licht, welches so strahlend war wie ein Stern, verschlang mich.




      Ich schreckte aus dem Schlaf hoch. Der Traum war so real gewesen, dass ich dachte es wäre wirklich passiert. Auch jetzt noch spürte ich die Angst, aber auch das wohlig warme Gefühl, welches ich durch die in Licht gehüllte Gestalt bekommen hatte. Das Licht, so strahlend hell wie ein Stern. Diese Hoffnung, die ich gespürt hatte, kam mir so bekannt vor. Es war wie an den Tagen des Sternenlichtfestes, wenn Noiona am Himmelszelt erstrahlte.

      Ich richtete meinen Blick gen Himmel. Im Osten fing die Morgenröte an den Horizont einzufärben. Die meisten Sterne waren bereits verblasst. Plötzlich schaute ich verwirrt drein. Dort am Himmelszelt erstrahlte er heller als alle anderen. Der Stern der Göttin Noiona leuchtete, obwohl seine Zeit noch nicht gekommen war. Erst in der nächsten Nacht sollte er zu sehen sein. Vielleicht hatten meine merkwürdigen Träume mit diesem Ereignis zu tun.

      Schnell packte ich meine Sachen zusammen und sattelte Randor. Ich wollte dem Stern folgen, der mich weiter nach Osten führte.

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    • Kapitel 04


      Nach einem halben Tagesritt erreichte ich ein kleines Dorf. Ich beschloss dort eine kurze Rast einzulegen und meinen Proviant aufzufüllen.

      Ich ließ Randor am Dorfrand auf einem kleinen Grasstück grasen. Ich wusste, dass er nicht abhauen würde, es sei denn Gefahr würde sich anbahnen. Aus der Satteltasche nahm ich eine Handvoll Hafer, die ich dem Hengst als Belohnung gab und einen Beutel mit Gold- und Silbertalern, den ich mir an den Gürtel band.

      Schon zwei Tage war es her, dass ich Creastao verlassen hatte, doch mir kam es bereits wie eine Ewigkeit vor.

      Ich machte mich auf dem Weg zum Marktplatz, wo ein reges Treiben herrschte. In diesem kleinen Dorf lebten hauptsächlich Menschen. Kaum einen Elf konnte ich auf den Straßen entdecken. Die Menschen schauten mich erstaunt an. Ich vermutete, dass nicht oft Elfen in dieses Dorf kamen. Und mit Sicherheit war es auch so. Die meisten meiner Art machten einen Bogen um die Menschen. Für die Elfen waren sie einfache, sterbliche Wesen, die nicht annähernd die Lebensspanne der Elfen erreichten. Allein beim Anblick des Dorfes sah man, welche Stellung sie hatten. Der nächste See oder Fluss war Meilen weit entfernt. Während Elfen ihre Städte immer an einer solchen Wasserquelle errichteten, stand dieses Dorf auf offenem Gelände. Soweit ich es sehen konnte, schöpften diese Leute ihr Wasser aus Brunnen. Auch hatte ich keinerlei Verteidigungsmaßnahmen gesehen. Im Falle eines Angriffs wären diese Bewohner den Feinden schutzlos ausgeliefert. Um das Dorf herum gab es nur Felder, nirgends etwas, wo man Schutz suchen konnte.

      Ich ging von einem Marktstand zum anderen und kaufte mir neuen Proviant. Ich ignorierte die Blicke und das Getuschel um mich herum.

      Plötzlich wurde ich angerempelt und stolperte gegen einen Mann, der neben mir stand. Ich entschuldigte mich, während er mich mit finsterem Blick musterte und ich mich nach dem Rempler umschaute. In der Ferne sah ich einen rot-goldenen Schopf schnell in einer Gasse verschwinden. Einer unguten Ahnung folgend, kontrollierte ich meinen Gürtel.

      „Bei der Göttin, das darf doch nicht wahr sein.“ Mein Geldbeutel war verschwunden. Voller Wut stürmte ich los, dem Dieb hinterher. Die Sachen, die ich kaufen wollte, ließ ich bei dem Händler zurück. Ich müsste später zurückkehren um den Proviant zu erstehen.

      Die Gasse war von Schatten durchdrungen, trotz der hellen Mittagssonne. Der Boden war sandig und eine leichte Staubschicht legte sich auf meine Stiefelspitzen. Zwischen einigen Fässern hockte der Übeltäter im Dreck. Zu meinem Erstaunen handelte es sich bei dem Dieb um einen kleinen Jungen. Seine lockigen Haare waren zerzaust und dreckig, genauso wie seine zerschlissene Kleidung. Mit angezogenen Beinen saß er da und zählte die goldenen Münzen.

      Ich hockte mich ebenfalls hin und schaute ihn durchdringend an. „Ich glaube, die gehören mir!“

      Der Junge zuckte erschrocken zusammen. Seine weit aufgerissenen, braunen Augen suchten verzweifelt nach einem Fluchtweg.

      Beruhigend versuchte ich auf ihn einzureden. „Alles gut. Ich bin dir nicht böse. Sag mir, wie heißt du?“

      „Juan“, sagte eine hohe, leise Stimme. Der Junge sah mich nicht an, wich immer wieder meinen Blicken aus. Verlegen rutschte er immer weiter zwischen die Fässer. Jetzt erst bemerkte ich, dass er kein Mensch war. Zwischen seinen Locken blitzten kleine, spitze Ohren hervor. Ein Elf an diesem Ort? Die einzige, logische Erklärung war, dass er ein Halbelf war. Dies wiederum sprach für sein Aussehen. Die Ohren ähnelten fast denen eines Menschen, sie waren nur ganz leicht spitz. Nicht so wie meine, die fast zwei Hände lang waren. Auch waren seine Nase und Wangen mit Sommersprossen übersäht, was ich bei anderen Elfen noch nie gesehen hatte.

      „Komm, Juan! Ich bring dich nach Hause“, bot ich an.

      Wild schüttelte das Kind mit dem Kopf. Ich verstand nicht, wieso er nicht Heim wollte. Ob dort vielleicht etwas Schlimmes vorgefallen war?

      „Wieso willst du dort nicht hin?“

      „Ich mag es nicht, wenn Mama meinetwegen weint.“

      Der Anblick von Juans betrübten Augen versetzte mein Herz einen schmerzhaften Stich. Ich kannte den Jungen zwar nicht, wollte ihn trotzdem trösten. „Deine Mutter hat bestimmt nicht wegen dir geweint.“

      „Doch! Ihr würde es besser gehen, wenn ich nicht da wäre.“ Nun fing Juan an zu weinen. Seine Tränen rannen bitterlich die Wangen hinunter. Ich zog ihn zwischen den Fässern hervor und schloss ihn in meine Arme. Der zierliche Körper bebte an meinem, er wirkte so zerbrechlich. Es fühlte sich so an, als ob Juan nur aus Haut und Knochen bestehen würde. Ich hielt ihn so lange, bis er aufhörte zu zittern.

      „Ich bringe dich jetzt nach Hause!“

      Der junge Halbelf nickte nur und stand dann auf. Zögerlich griff er nach meiner Hand und zog mich mit sich. Er führte mich abseits der Hauptwege durch das Dorf. Immer weiter entfernten wir uns vom Marktplatz, bis wir die nah aneinander stehenden Häuser hinter uns ließen. Wir überquerten ein Feld und gingen auf ein einsames, kleines Haus zu.

      Juan zögerte, bis er die Tür zum Haus öffnete. Er drückte meine Hand fest, bevor er hinein ging und ich ihm folgte.

      „Juan, bist du das?“, rief eine liebliche Stimme. Eine menschliche Frau betrat den kleinen Wohnraum. Sie war recht schön. Ihre Haare hatten einen dunklen Goldton und waren zu einem Dutt zusammengebunden. Leichte Falten um Mund und Augen zierten ihr bleiches Gesicht, dennoch wirkte sie noch jung. Sie wischte ihre Hände an einer bereits dreckigen Schürze ab, welches sie über einem einfachen, braunen Bauernkleid trug. In ihren haselnussbraunen Augen standen Tränen, die beim Anblick ihres Sohnes überquollen. Sie kam auf Juan zugestürmt und umarmte ihn herzlich. „Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Plötzlich warst du verschwunden. Was ist, wenn dir was passiert wäre? Jage mir nie wieder so einen Schrecken ein.“

      „Ja, Mama!“

      Nun bemerkte die Frau mich. Erstaunt richtete sie sich auf. Ich bemerkte, wie die Frau Juan einige Schritte von mir wegzog und ihn hinter ihren Rücken schob, aus Angst, wie ich bedauerlich feststellte.

      „Vielen Dank, dass Ihr ihn Heim gebracht habt.“

      „Ich hielt dies für besser. Euer Sohn stahl meinen Münzbeutel.“

      „Juan!“, sagte die Frau vorwurfsvoll.

      Der Halbelf hielt mir verlegen den Beutel entgegen, den ich wieder an meinem Gürtel befestigte.

      Die Frau entschuldigte sich immer wieder für ihren Sohn und lud mich zum Essen ein, was ich dankbar annahm.

      Juans Mutter, ihr Name lautete Amalie, huschte hinüber zur Feuerstelle, wo bereits ein verbeulter Kessel über den Flammen hing. Währenddessen holte der Junge Schalen und Löffel aus Holz hervor und verteilte sie auf dem runden Tisch in der Mitte des Raumes. Ich hasste es untätig herum zu stehen, weshalb ich zu Amalie hinüber ging, um ihr irgendwie zu helfen. Diese wiederrum, forderte mich auf, schon mal Platz zu nehmen. Also setzte ich mich auf einen der Schemel. Juan brachte eine Schüssel Wasser und ein kleines Tuch, sodass ich mir vor dem Essen die Hände waschen konnte.

      Kurze Zeit danach kam die Frau mit dem Kessel zum Tisch und füllte jede Schüssel mit weißem Brei.

      „Ich würde Euch gerne etwas Besseres servieren, doch wir haben nichts anderes.“

      „Macht Euch wegen mir keine Umstände. Ich bin schon froh, heute in Gesellschaft zu speisen.“

      Amalie lächelte zaghaft und reichte mir meine Schüssel.

      Ich tat mir etwas von dem Brei auf den Löffel und schob ihn in den Mund. Ein fahler Geschmack breitete sich auf meiner Zunge aus. Nicht einmal das Brot, welches schon etwas alt und zäh war, konnte diesen Geschmack vertreiben. Wir alle nahmen das Mahl schweigsam ein und als alle aufgegessen hatten, erhob Amalie sich und sammelte die Schalen ein.

      „Juan, sei ein guter Junge und wasch die Schalen am Trog. Und füttere dann auch gleich die Hühner!“

      Gehorsam stand der kleine Halbelf auf und eilte durch eine Hintertür hinaus.

      Amalie setzte sich wieder zu mir und schaute mich mit ihren braunen Augen durchdringend an. „Nun, was führt Euch nach Mubrington? Seit Jahren hat sich kein fremder Elf mehr in unser Dorf verirrt.“

      „Ich bin nur auf der Durchreise. Auf dem Markt habe ich Proviant gekauft wollen, als sich Euer Sohn meines Geldbeutels bemächtigte.“

      Der Blick der Menschenfrau wurde misstrauisch. „Aber wieso hierher? Nicht weit von hier gibt es eine Stadt der Elfen. Dort wärt Ihr unter Euresgleichen.“

      Ich musste zugeben, dass ich die Möglichkeit gehabt hatte weiter nordwärts zu reiten. Die dortige Stadt war mir auch nicht ganz unbekannt. Aber dort war die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden größer. Die meisten Elfen, die in Elavinor lebten, kannten mein Gesicht. Zwar nur die in den großen Städten, dennoch zu viele. Außerdem hoffte ich, dass mein Verfolger in der Elfenstadt nach mir suchen würde. Doch von dem Jäger sollte ich Amalie lieber nichts erzählen und sie noch mehr zu beunruhigen. „Ich bin von meinem Zuhause geflohen. Meine Steifmutter und ich haben nicht das beste Verhältnis zueinander. Nun hat sie mich einem Fremden versprochen, aber ich lasse mich nicht verkaufen!“

      Amalies raue, schwielige Hand legte sich auf meine. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie sehr ich mich angespannt hatte. Meine Hände hatte ich zu Fäusten geballt und meine Fingernägel hinterließen Furchen in den Handflächen. Allein die kurze, sanfte Berührung der Frau, beruhigte mich. Ohne es vorher gewusst zu haben, merkte ich, wie mir die Zuneigung von anderen fehlte. Ich war noch jung, unerfahren und – auch wenn ich es mir nicht gerne eingestand – unsicher. Viele Entscheidungen hatte mein Vater mir abgenommen. Und wenn ich einen Fehler gemacht hatte, war er da und half mir es wieder in Ordnung zu bringen. Doch nun würde von jeder meiner Entscheidungen das Schicksal des Reiches abhängen. Vielleicht hatte Vabea Recht und ich war wirklich noch nicht bereit den Thron zu besteigen. Aber meine Stiefmutter war die falsche Person, um über Elavinor zu wachen. Und wenn ich selber nicht für dieses Land kämpfte, wer sollte es sonst tun? Ich musste die Verantwortung übernehmen und kämpfen, so wie es mein Vater gewollt hätte.

      „Nun, wie wäre es, wenn Ihr die Nacht über hierbleibt. Die Sonne steht bereits tief im Westen und es wäre nicht weise, die Reise heute noch fortzusetzen“, sagte Amalie.

      Ich teilte der Frau mit, dass ich ihr keine Umstände machen wollte, doch Amalie bestand darauf. Ich gab keine Widerworte von mir. Die Nacht über würde ich draußen verbringen. Ich wollte keinen Augenblick des Strahlens von Noiona verpassen.

      Amalie zeigte mir den kleinen Hof, auf dem Juan herumtollte und den Hühnern Körner zuwarf. Ich verabschiedete mich für kurze Zeit von ihnen, um Randor zu holen. Der Himmel war in einem blutroten Ton gefärbt. Das Zirpen der Grillen hatte eingesetzt und eine Nachtigall sang in der Ferne. Als Randor in Sicht kam, hörte ich bereits sein ungeduldiges Schnauben. Wiehernd kam der Hengst auf mich zugetrabt und rieb seinen Kopf an meiner Schulter. Ich nahm eine Strähne seiner Mähne und führte ihn zu dem kleinen Bauernhaus. Im Hof lag ein Haufen Heu, auf den der Hengst direkt zusteuerte. Ich ließ Randor in Ruhe fressen und betrat wieder das Haus.

      Amalie saß in einer Ecke an einem Webstuhl. So wie es aussah fertigte sie eine Decke an. Juan spielte auf dem Boden mit kleinen Figuren aus Holz. Ich hockte mich zu ihm und betrachtete die Figuren genau. Sie waren alle sehr detailliert gefertigt worden. Bei den Pferden waren Mähne und Nüstern gut erkennbar, bei den Menschen und Elfen waren sogar Gesichter fein ins Holz gearbeitet worden.

      „Juans Vater hat sie für ihn angefertigt“, erklärte Amalie.

      Ich erhob mich und setzte mich auf einen Schemel neben der Frau. „Sein Vater ist ein Elf, nicht wahr?“

      „So ist es. Er stammt nicht aus Elavinor, sondern aus einem Land weit im Süden. Er ist Händler, der aus seiner Reise hier durchkam.“ Amalies Augen fingen an zu funkeln und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Er blieb in Mubrington, meinetwegen. Jeden Tag umwarb er mich mit den schönsten Blumen, bis ich ihm zur Gänze verfallen war. Er ignorierte das Gerede der Dorfbewohner, die eine Beziehung zwischen Elfen und Menschen nicht gutheißen konnten. Farion machte mich zu seiner Frau und wir zogen in diese Hütte. Nach ein paar Jahren kam dann Juan zur Welt und alles schien perfekt.“ Die Frau verstummte und ihre Miene verfinsterte sich.

      „Was ist mit ihm passiert?“, fragte ich vorsichtig.

      Amalie seufzte. Schockiert sah ich zu, wie Tränen an den Wangen der Frau entlang ronnen. Nun hatte ich etwas Angst, das Ende der Erzählung zu hören.

      „Eines Tages kamen die Dorfbewohner und griffen ihn an. Farion wehrte sich nicht, ließ sie einfach gewähren. Sie richteten ihn schlimm zu und ich pflegte ihn dann über mehrere Wochen gesund. Als er soweit genesen war, zog er los, um anderswo ein Heim für uns zu finden. Seit einem Jahr ist er nun fort und jeden Tag warte ich auf seine Rückkehr.“

      Juan hatte seine Holzfiguren niedergelegt und war zu seiner Mutter hinübergegangen, um sie in den Arm zu nehmen. Amalie wischte ihre Tränen mit dem Handrücken von der Wange und lächelte ihren Sohn liebevoll an.

      „Nun, wollen wir nach draußen gehen? Es ist bereits dunkel und Noionas Stern müsste zu sehen sein“, schlug die Menschenfrau vor.

      Ich nickte ihr zu und alle zusammen verließen wir die Hütte durch die Vordertür.

      Der hellste Stern am Firmament in dieser Nacht war der von Noiona im Osten. Sobald die Sonne am Morgen aufgehen würde, würde er verblassen. Doch ich hatte den Stern anders in Erinnerung. Er schien zu flimmern und am Himmelszelt zu schwanken. Ich kniff die Augen zusammen und meine Stirn legte sich merklich in Falten. Ich wollte das Leuchten fixieren. Aber je mehr ich es versuchte, schien der Himmelskörper sich mehr zu bewegen.

      Ich fragte mich, ob ich mir das Ganze nur einbildete. Doch ein Blick auf Amalie und Juan zeigte mir, dass ich nicht die Einzige war, die verwirrt dreinschaute. Ich wand meine Augen wieder gen Himmel. Mein Atem stockte, als ich beobachtete, wie der Himmelskörper wie eine Sternschnuppe Richtung Horizont fiel.

      „Was… was hat das zu bedeuten?“, rief ich laut aus. Ich konnte nicht glauben, was soeben passiert war. War dies wieder ein Traum? Doch dafür fühlte sich alles so real an. Der Wind, der durch mein silbernes Haar wehte, die Kälte, die mich zum Erzittern brachte und mein wild schlagendes Herz. Es war so gekommen, wie es in dem Traum passiert war, in der ersten Nacht meiner Flucht. Was war, wenn der zweite Traum sich ebenfalls bewahrheiten würde.

      Ich stieß einen lauten Pfiff aus und sofort kam Randor um das Haus herum galoppiert.

      Ohne den Anwesenden von meinem Plan zu erzählen, rannte ich ins Haus und sammelte meine Sachen zusammen. Wieder draußen, sattelte sie den Hengst mit großer Eile.

      Die Frau und ihr Sohn schauten mich verblüfft und wortlos an. Erst als ich mich in den Sattel zog, trat Amalie an mich heran.

      „Was habt Ihr vor? Ihr könnt doch nicht Mitten in der Nacht aufbrechen wollen.“

      „Ich muss!“, sagte ich entschlossen. „Das ist ein Zeichen der Götter. Der Grund für den gefallenen Stern liegt nun vor mir. Ich werde ihn finden! Vielen Dank für alles, ich wäre gerne noch geblieben.“ Mit diesen Worten gab ich Randor die Sporen und galoppierte davon. Ich warf noch einen Blick zurück und beobachtete, wie Amalie und Juan in der Ferne immer kleiner wurden.

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    • Hallo @Jacquy94

      habe jetzt erstmal nur das erste Kapitel gelesen.
      Ein schön gemächlicher Beginn, der behutsam Einblicke in die Gedankenwelt der Erzählerin gibt. Liasanyas Gefühle der Trauer sind, meiner Meinung nach, ganz gut eingefangen. Generell mag ich deinen Stil. Dein Text ist angenehm und flüssig zu lesen.

      Es wirkt natürlich auf den ersten Blick ein wenig klischeehaft. Vater und Mutter tot und die in Verdacht stehende, kalte Stiefmutter so gar nicht um ein überzeugendes Alibi bemüht.
      Da ich aber nicht glaube, dass du mich so gar nicht zu überraschen gedenkst, will ich das jetzt nicht als Kritikpunkt verstanden wissen. Es sei hier lediglich mein persönlicher erster Eindruck.

      Normalerweise überlasse ich die Fehlersuche und deren Korrektur ja denen, die das weitaus besser beherrschen als ich, doch da sich hier leider so gar niemand findet, der das übernehmen möchte (was sehr schade ist), habe ich mir mal notiert, was mir so ins Auge gefallen ist.

      "König Himirúth war ein gütiger und liebevoller Mann gewesen, WELCHER/DER mich sehr geliebt hatte" (fehlendes Relativpronomen)

      "[...]eine neue gute Mutter, oder ZUMINDEST eine Freundin[...]" (falsche Schreibweise)

      "Aber DOCH/JEDOCH die ich hatte ICH Kenntnis davon, dass die Königin von Eifersucht geplagt wurde[...]" (Form)

      "Es BLIEB außer Frage, dass Vabea eine wunderschöne Elfe war[...]" (Buchstabendreher)

      "[...]und ich WANDTE mich vom Fenster ab[...]" (falsche Schreibweise)

      "Die junge Frau war von zierlicher Gestalt und ihre Haut war fast so weiß wie der Marmor vor ihr." (unnötige Wortwiederholung)

      "[...]nur in großen Abständen brannten die Kerzenständer[...]" -> man weiß zwar, was du meinst, aber ich würde eher "erleuchteten die Kerzenständer den Palast" o.ä. verwenden.

      Was mir sonst noch auffiel, war die Stelle, an der Liasanya noch einmal explizit ein (für sie) selbstverständliches Merkmal der Elfen, nämlich die spitzen Ohren, an ihrer Freundin Teleria hervorhebt. Das wirkt ein bisschen seltsam aus ihrer Sicht.
      Falls du es dennoch für erwähnenswert hältst, würde ich es an deiner Stelle eher beiläufig in den Text verweben.

      Achja, ich finde das Vorhaben die Geschichte deiner Freundin zu schenken sehr süß. :love:
      Das ist doch gleich mal eine ganz andere Motivation! :)

      LG
      Rika
    • Hallo Jacquy94

      Ich hab mir das Kapitel 2 durchgelesen und versuch ein paar Tipps zu geben.
      Da ich noch nicht viele Korrekturen getätigt habe, bin auch ich offen gegenüber Tipps von anderen Foren-Mitglieder selbstverständlich offen. :)

      Nun zu den Anmerkungen:

      Jacquy94 schrieb:

      Im Schloss war es immer noch sehr still, auch die Vögel hatten ihren Gesang noch nicht wieder begonnen.
      Ich würde das Wort "immer" streichen. Für mich birgt sich hier der Gedanke, dass das Schloss seit jeher ein stiller Ort ist.


      Jacquy94 schrieb:

      Doch nun würde er es nicht mehr miterleben, wie ich eines Tages zur Königin gekrönt wurde.
      Anstatt gekrönt wurde, gekrönt werde.


      Jacquy94 schrieb:

      Ich hoffe Ihr hattet eine erholsame Nacht.“ Ich füllte meine Stimme mit einem leichten sarkastischen Unterton, doch der Königin fiel es nicht auf, denn sie war zu sehr mit sich Selber beschäftigt.
      selber (nicht Selber)


      Jacquy94 schrieb:

      Seine Familie würde uns nicht mehr mit einem Dolch im Nacken sitzen und sie hätten ebenfalls war sie wollen:
      was sie wollen:



      Das Kapitel lässt sich sehr angenehm lesen und es bildet sich ein Bild in meinem Kopf, welches die Szenerie aufbaut. Ich fand gefallen daran. :)

      Ich hoffe dir mit den Anmerkungen weitergeholfen zu haben. Weiter so :thumbup:
    • Hallo Jacquy hab mich noch ans Kapitel 3 gesetzt.

      Auch hier gefällt mir das Kapitel, gibt aber kleinere Sachen die ich dir als Anregung mitteilen möchte:

      Jacquy94 schrieb:

      Ich schaute nicht zurück, denn es viel mir sehr schwer mein Heim zu verlassen.
      , denn es fiel mir sehr...


      Jacquy94 schrieb:

      Eines Tages würde ich widerkehren und mein Volk aus den Klauen meiner Stiefmutter befreien
      Eines Tages würde ich wiederkehren.


      Jacquy94 schrieb:

      Würde man hier in ihn fallen, so würde man meilenweit mit ihm gezogen werden.
      Fiele man hier in ihn hinein, so würde man .... (Zweimal "würde" ist meiner Meinung nach einmal zu viel)


      Jacquy94 schrieb:

      Es war ein Wunder, dass das schnelle Wasser die Stützen der Brücke nicht mitriss.
      ,dass das schnelle Wasser die Stützen der Brücke nicht mit sich riss.

      Jacquy94 schrieb:

      Ich wand mich ab und konzentrierte mich wieder auf meinen Weg, als ich eine Waldelfen bemerkte,
      einen Waldelfen bemerkte,

      Jacquy94 schrieb:

      In seinen braunen, leeren Augen spiegelte sich sein Alter wieder.
      spiegelte sich sein Alter wider. (kein ie.)

      Ein Erklärungsversuch:
      Spoiler anzeigen
      Das Verb widerspiegeln gehört nach meinem Empfinden zu den am häufigsten falsch geschriebenen Wörtern. Man schreibt es ohne «ie», weil die Vorsilbe wider nicht ausdrückt, dass etwas erneut/wieder/wiederum gespiegelt wird, sondern dass etwas «zurückgeworfen» und dadurch für das Gegenüber sichtbar wird. Zum Beispiel wird Licht von einem Spiegel «zurückgeworfen», wodurch man sein Spiegelbild im Spiegel sehen kann. Der Spiegel widerspiegelt also mein Gesicht. Die Vorsilbe «wider» stammt vom althochdeutschen Wort «widar», was «gegen bzw. gegenüber» bedeutet.




      Jacquy94 schrieb:

      Ich legte meine Ausrüstung ab und legte mich in das Bett, meinen Dolch packte ich unter das Kopfkissen.
      Ich legte meine Ausrüstung ab und legte mich ins Bett. Den Dolch packte ich unter das Kopfkissen.

      Jacquy94 schrieb:

      Eilig sattelte ich ihn und saß dann auf.
      lass das dann weg. Die Reihenfolge ist auch so gegeben.



      Jacquy94 schrieb:

      Schließlich wusste ich, wie man mich im Wald unsichtbar machte.
      , wie ich mich im Wald unsichtbar machen musste.


      Jacquy94 schrieb:

      spitzen Ohren hatten sich bei ihnen mit jeder Generation zurückgebildet.
      mit jeder Generation immer mehr zurückgebildet.


      Jacquy94 schrieb:

      Am Ufer brachte ich mein Pferd zum Stehen und saß ab.
      zum stehen und stieg ab.


      Jacquy94 schrieb:

      Der Hengst schnaubte zufrieden und neigte seinen Kopf zum Grasen.
      zum grasen. (Verb)


      Jacquy94 schrieb:

      Wie ich so unter dem freien Himmel dalag,
      da lag,

      Jacquy94 schrieb:

      Ohne zu Halten
      Ohne zu halten (Verb)


      Jacquy94 schrieb:

      Die Gestalt, oder eher Person,
      Die Gestalt, oder eher die Person,


      Auch das Kapitel lässt sich flüssig lesen und ich finde die Geschichte gut. :thumbsup: Ich hoffe mit den Anregungen, deinen Schreibfluss nicht gestört zu haben, sondern dir aufgezeigt, wo du etwas verbessern kannst.

      Liebe Grüsse Isko :D
    • Hallo Jacquy

      Super, dass dir die Anregungen positiv einwirken. Ich hab es mir nicht nehmen lassen und das 4. Kapitel gelesen.

      Auch hier meine Anregungen:

      Jacquy94 schrieb:

      Ich ließ Randor am Stadtrand auf einem kleinen Grasstück grasen.
      Ist es ein Dorf oder eine Stadt? (Siehe erster Satz des Kapitels)


      Jacquy94 schrieb:

      Zum Erstaunen handelte es sich bei dem Dieb um einen kleinen Jungen.
      Zu meinem Erstaunen handelte es


      Jacquy94 schrieb:

      Die einzige, logische Erklärung war, dass er ein Halbelf war, was für sein Aussehen sprach.
      Ich würde es folgendermaßen schreiben: Die einzige, logische Erklärung war, dass er ein Halbelf war. Dies wiederum sprach für sein Aussehen.


      Jacquy94 schrieb:

      „Macht Euch keine Umstände wegen mir. Ich bin schon froh heute in Gesellschaft zu speisen.“
      "Macht euch wegen mir keine Umstände. Ich bin froh, heute in Gesellschaft zu speisen."


      Jacquy94 schrieb:

      „Ich bin nur auf der Durchreise. Auf dem Markt habe ich Proviant gekauft, als Euer Sohn mich bestohlen hat.“
      Hier eine mögliche Umformulierung: "Ich bin auf der Durchreise. Auf dem Markt habe ich Proviant kaufen wollen, als sich Euer Sohn meines Geldbeutels bemächtigte."


      Jacquy94 schrieb:

      meine Fingernägel hinterließen Furchen in der Handfläche.
      in den Handflächen. (zwei Hände, zwei Fäuste, zwei Handflächen ;) )


      Jacquy94 schrieb:

      – auch wenn ich es sich nicht gerne eingestand –
      - auch wenn ich es mir nicht gerne eingestand -


      Jacquy94 schrieb:

      Viele Entscheidungen hatte mein Vater mir abgenommen.
      hatte mir mein Vater


      Jacquy94 schrieb:

      Er ist Händler, der aus seiner Reise hier durchkam.“
      Er ist Händler, der auf seiner Reise hier durchkam."


      Ich habe betreffend dem Proviant eine Ungereimtheit. Hat Sie nun den Händler auch bestohlen, oder konnte Sie den Proviant bezahlen bevor Sie bestohlen wurde? Oder reitet Sie geradewegs ohne Proviant ins fünfte Kapitel? Ich würde das noch ein bisschen ausschmücken und detaillierter schreiben.

      Ansonsten lässt sich das Kapitel ebenfalls flüssig lesen. Ich bin gespannt wie es weiter geht. :D

      :thumbsup:
    • Hi :D
      Also fang ich mal an.
      An sich finde ich die Idee der Geschichte gut, eine freie Prinzessin auf dem Weg zu sich selbst und der Befreiung ihres geliebten Königreiches. Das mit dem Stern klingt ebenfalls interessant und vielversprechend.
      Mal sehen, was du daraus noch machst :D

      Jacquy94 schrieb:

      König Himirúth
      Keine Kritik, sondern eine Frage :) Wie kommt du auf deine Namen? Ich finde es immer total spannend so etwas zu erfahren.

      Jetzt aber ein kleiner Geschmackspunkt. Ich finde deinen Text, zumindest anfänglich, ein wenig kompliziert und anstrengend zu lesen. Du häufst zumeist lediglich Hauptsätze aneinander, und manchmal entdecke ich Konjunktionen, die ich anders gewählt hätte. Also ist lediglich Geschmackssache. Jedoch denke ich, dass bei einer genaueren Betrachtung dein Schreibstil dadurch erhöht werden könnte, sodass der Lesefluss leichter werden könnte. :D

      Dennoch freue ich mich auf das nächste Kapitel <3
      Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt
      <3

      Träum nicht, wenn du kannst
      Schicksal
      Hogwarts and you
    • Ippon schrieb:

      Keine Kritik, sondern eine Frage Wie kommt du auf deine Namen? Ich finde es immer total spannend so etwas zu erfahren.
      Ich muss gestehen: ich bin nicht gerade gut in Namen erfinden. Meistens streife ich durch die tiefen des Internets und suche mir z.B. bei Pinterest oder bei Namens-Generatoren Inspiration. Wenn mir ein Name ins Auge fällt, wiederhole ich ihn oft laut und wenn sich dann das Bild einer Person in meinem Kopf entwickelt notiere ich ihn mir gleich.
    • Kapitel 05


      Ich trieb den Hengst so schnell an, dass sein Herz raste und sein Atem schwer ging. Ich durfte keine Zeit mehr verlieren. Viel zu lange hatte ich mich in dem Dorf Mubrington aufgehalten und mich ablenken lassen. Dies durfte mir nicht noch einmal passieren. Ich musste wieder mehr Strecke dazugewinnen. Ich fragte mich, wie weit mein Verfolger entfernt war? Bei dem Gedanken trieb ich Randor noch schneller voran. Auch wenn ich noch keine Spur von einem Verfolger gesehen hatte, sagte mir mein Instinkt, dass es einen gab.

      Der Morgen graute und vor mir baute sich ein gewaltiger Wald auf, mit Bäumen, die größer waren als die, die ich bisher gesehen hatte. Auf der Wiese, welche sich davor erstreckte, hatten sich leichte Nebelschwaden gebildet. Als ich durch die hohen Gräser ritt, benässten die Tautropfen leicht meine Stiefel. Zirpen und Rascheln umgab mich und überall bewegten sich die Grashalme.

      Am Rande des Waldes angekommen, hielt ich an und sprang von Randors Rücken. Ich hielt seine Zügel fest umklammert, denn ich bemerkte wie der Hengst unruhig wurde. Er wich einige Schritte zurück und scheute davor, näher an die Bäume zu treten. Der Grund für seine Aufregung, so vermutete ich, war der Wald und das, was man über ihn erzählte.

      Diese Ansammlung von Bäumen hatte bei den Jägern und Waldelfen den Namen Ognureau – Wald des Grauens. In alten Geschichten hieß es, wenn man ihn betrat, würde man ihn nie wieder verlassen. Man munkelte, dass dunkle Wesen zwischen den Bäumen hausten und diese schon viele Tode verursacht hatten. Geister, Kobolde und finstere Wesen, so hieß es. Außerdem sollen sogar die Waldelfen ihre Kräfte in diesem Wald verlieren.

      Von solchem Gerede durfte ich mich nicht verängstigen lassen. Mein Gefühl sagte mir, dass der Stern im Inneren des Waldes abgestürzt war. Mein Weg führte mich dort hinein. Es gab keine Straßen, die durch den Wald führten. Die meisten Elfen nahmen den längeren Weg um den Wald herum in Kauf. Der war sicherer und für die Händler gut mit dem Karren zu befahren. Ich musste mich also durch das Dickicht kämpfen. Aber ich vertraute auf die Kraft der Göttin, denn mein Glaube war stark.

      Ich strich über den warmen, feuchten Hals von Randor. Er sollte nicht mit in den dunklen Wald kommen. Für ihn war es besser an Ort und Stelle zu bleiben, da ich ihn auch nicht einen solchen Stress aussetzten wollte. Außerdem gab es zwischen uns ein unsichtbares Band, welches sie immer wieder zueinander finden ließ, egal wie groß die Entfernung auch war. Meine Finger kämmten durch die schneeweiße Mähne und dann ließ ich ihn ziehen.

      Langsam betrat ich den Ognureau, dabei machte ich jeden Schritt mit Bedacht. Wo sich auf der Wiese ein sonnenreicher Tag ankündigte, war das Innere des Waldes in tiefste Nacht gehüllt. Man sah nicht weiter als eine Armlänge, was das Laufen und Orientieren erschwerte. Immer wieder verhing ich mich in riesige Spinnennetze, welche von einem Baum zum anderen gespannt waren. Meine silbernen Strähnen verklebten sich zunehmend. Die Spinnen, welche solche Netze webten mussten gewaltig sein. Ich hoffte, dass es nicht noch schlimmere Wesen in diesem Wald gab.

      Zwar hatte man mich nie in der Magie unterwandert und dadurch verstand ich davon nur sehr wenig, dennoch spürte ich die dunkle Aura, die jede Zelle des Waldes durchdrang. Je tiefer ich in den Ognureau eindrang, desto stiller und dunkler wurde es. Die natürlichen Geräusche, wie das Singen der Vögel oder das Rascheln des Windes in den Blättern, waren verschwunden. Nichtmal der Ton von zertretenem Laub unter meinen Füßen erklang.

      Plötzlich hörte ich doch ein Geräusch hinter mir, erst ein leises Rascheln und dann ein Knacken von Zweigen. Doch als ich mich umsah, konnte ich nichts erkennen. Mein wild pochendes Herz dröhnte in meinem Kopf. Ich betete zur Göttin, dass es nur eines der hier lebenden Wesen war.

      Meine Hoffnung wurde zunichte gemacht, als ein Pfeil knapp an meinem Kopf vorbei schoss und sich in den Baum hinter mir bohrte. Panisch schaute ich mich nach der Herkunft des Geschosses um. Auf einem dicken Ast über mir erkannte ich einen dunklen Umriss. Als das dumpfe Sirren einer zurückschnellenden Sehne durch die Luft tönte, sprang ich instinktiv zur Seite. Der Pfeil verfehlte mich nur haarscharf.

      Ich wollte keine weitere Attacke abwarten, also wirbelte ich herum und begann zu rennen.

      Die dunkle Gestalt war von dem Ast gesprungen und seine schweren Schritte näherten sich mit jeder Sekunde, die verging. Auch schoss er immer wieder auf mich. Ich schaffte es gerade so den Pfeilen auszuweichen. Ich schlug Hacken, um meinen Verfolger kein klares Ziel zu bieten. Nun zahlte sich das harte Training, welches ich seit meiner Kindheit verfolgte aus. Nur aus diesem Grund war ich so flink, beweglich und noch nicht tot. Aber meine Kräfte verließen mich langsam, lange würde ich diese Jagd nicht mehr ertragen können. Ich wusste nicht einmal mehr, in welche Richtung ich lief.

      Plötzlich stieg dichter Nebel auf. In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr diese Situation dem Traum ähnelte, den ich in der vorletzten Nacht am See gehabt hatte. Er hatte sich also auch bewahrheitet, doch was bedeuteten die Träume? Sollten sie als Warnung dienen? Ich musste die Antwort ein anderes Mal finden, denn der graue Dunst verschleierte meine Sicht. Der einzige Vorteil war, dass die Gestalt nun kein Ziel mehr vor Augen hatte, denn der Pfeilhagel erstarb. Der Nachteil: es war so, als on ich blind durch die Gegend tappte. Ich tastete mir einen Weg zwischen den Bäumen weiter entlang. Ich wusste, dass mein Verfolger ganz in der Nähe war. Zu nah. Hin und wieder hörte ich einen brechenden Zweig hinter mir. Das Renn hatte ich aufgegeben, es war zu anstrengend, besonders, wenn man die Hand nicht vor den Augen sah. Und es war zu laut. Stattdessen versuchte ich ruhiger zu werden. Mein wild schlagendes Herz verlangsamte sich und auch das Atmen fiel mir nun wieder leichter. Vorsichtig und leichtfüßig versuchte ich mich fortzubewegen. Der Nebel stellte sich als gutes Versteck da, doch leider konnte ich die Gestalt so nicht ausmachen. Doch etwas Angst blieb trotzdem. Mit jedem Schritt, den ich tat, hatte ich die Befürchtung einen Abhang hinunter zu stürzen. Ich hasste es, dass ich den Wald so wenig kannte und mich nicht orientieren konnte.

      Auf einmal legte sich eine große, kräftige Hand um meinen Oberarm und zog mich zurück. Ich schaute in zwei tief grüne Augen, über dessen linkes sich eine lange Narbe zog. Die Kapuze seines schwarzen Umhanges fiel zurück und entblößte sein dunkles, goldenes Haar. Er trug die Strähnen kurz, im Gegensatz zu den meisten anderen Elfenmännern. Sein kantiges Gesicht gab ihm ein gefährliches Aussehen. Er hatte die Ohren eines Waldelfen, nicht so lang wie die eines Hoch- oder Meereselfen, aber auch nicht so kurz wie die eines Unterelfen.

      Er hielt ein gebogenes Kurzschwert an meine Kehle und drückte mich fest gegen einen Baumstamm. Die Unebenheiten bohrten sich tief in meinen Rücken.

      „Noch irgendwelche letzten Worte?“, sagte der Elf mit einer sehr tiefen Stimme.

      Ich antwortete ihm nicht, schaute ihm nur direkt in die Augen. Mit dieser Frage hatte er einen gravierenden Fehler gemacht. Diese gab mir genug Zeit, um mich etwas seitlich nach unten zu beugen. Mit den Fingerspitzen konnte ich den Knauf des kleinen Dolches zu fassen bekommen, den ich immer in meinem Stiefel trug. Ich verbarg die Waffe vor seinen Augen hinter meinem Rücken und versuchte ihn irgendwie abzulenken. Mit aller Kraft trat ich dem Elf gegens Bein, was ihn nicht sonderlich Beeindruckte. Jedoch hatte ich erreicht, dass er für einen kurzen Augenblick seinen Blick nach unten richtete. Diesen nutzte ich und rammte ihn den Dolch in die Schulter. Er schrie schmerzvoll auf und gab mich frei. Die Waffe steckte noch immer in seinem Körper. Mir war es egal. Ich rannte los und entfloh seinem zornigen Blick. Ich wollte einfach nur noch aus diesem Wald heraus und Abstand zwischen mir und dem Elf bringen.

      Der Waldboden war nun verwachsener. Immer wieder beliebt ich in Sträuchern, die oftmals Dornen hatten, hängen oder ich fiel über Wurzeln. Panisch warf ich Blicke nach hinten, doch der Nebel raubte mir noch immer die Sicht. Aber ich hörte ihn, sein schmerzerfülltes Stöhnen. Schnell schleppte ich mich weiter, bevor mein Verfolger seine Kraft wiedergefunden hatte.

      Immer noch hatte ich große Angst. Ich war noch nicht bereit zum Sterben. Dennoch fragte ich mich, ob ich in diesem Wald mein Ende finden würde.

      In diesem Moment stolperte ich zwischen den Bäumen hervor und fand mich auf einer hellen Lichtung wieder. Die Sonne blendete mich und wärmte meinen zitternden Körper.
      Zwischen ein paar Augenaufschlägen sah ich eine hochgewachsene Buche, die ihr Blätterzelt in alle Himmelsrichtungen erstreckte. Der Baum schienen zu strahlen, ein sanftes Leuchten ging von ihm aus.

      Ich schaute mich noch einmal um, um mich zu vergewissern, dass der Waldelf mich noch nicht wieder entdeckt hatte. Dann ging ich langsam um den dicken Stamm der alten Buche herum.

      Ich riss meine Augen weit auf, als ich auf der anderen Seite, zwischen ein paar Wurzeln, eine schlafende Gestalt fand. Es war eine junge Menschenfrau. Ihr langes, braunes Haar lag ausgebreitet über den Wurzeln und sah aus wie die Wellen des Meeres. Ihr bleiches Gesicht sah so friedlich aus. Die vollen Lippen waren einen Spalt breit geöffnet, wodurch sie atmete und der Brustkorb sich hob. Was mich an ihr verwunderte, war die Kleidung. Sie trug nur ein einfaches weißes Nachtgewand welches bis zu ihren Knien reichte und mit blauen Punkten übersät war.

      Ich wagte mich ein paar weitere Schritte an sie heran. Eine helle Aura schien von der Schlafenden auszugehen. Ein merkwürdiger Gedanke kam mir. Vielleicht war sie der gefallene Stern, die Hilfe auf die ich gehofft hatte. War es möglich, dass dies Noiona war? Doch warum zeigt sich die Göttin dann in der Gestalt einer Menschenfrau? Fürs Erste verwarf ich den Gedanken. Später würde ich es noch herausfinden.

      Ich beugte mich über die Frau und rüttelte leicht an ihrer Schulter. Plötzlich öffneten sich die Augen, die von einem wunderschönen Blau waren. Diese strahlten Kraft und Macht aus.

      „Noiona!“, sagte ich. Ich wollte es eigentlich nicht, aber es erschien mir richtig. Nur durch den Blick in ihre Augen war ich leicht eingeschüchtert.

      Der Ausdruck auf ihrem Gesicht veränderte sich. Es war voller Verwirrung und Angst. Sie versuchte von mir weg zu rutschen, doch wegen der alten Buche kann sie nicht weit. Ihr Kopf schnellte in alle Richtungen, vermutlich auf der Suche nach einem Ausweg.

      „Wo bin ich?“, sagte sie panisch. Ihre Stimme war hell und klang sehr lieblich.

      „In einem Wald namens Ognureau, im Königreich Elavinor.“

      „Wer seid ihr?“

      Ich hockte mich zu ihren Füßen hin und schaute in ihre klaren Augen. „Liasanya, aus dem Hause Eldor. Prinzessin von Elavinor.“ Eine Vorstellung wie aus dem Lehrbuch. Mein Lehrer für Etikette und Anstand, in der Kindheit, hatte mir diesen Satz Tag für Tag eingebläut. Er meinte, jeder mit dem ich sprach, sollte wissen wer vor ihm stand. Dabei hatte ich doch beschlossen im Geheimen zu reisen und niemanden über meine Herkunft zu informieren. Aber in diesem Moment war es einfach aus mir heraus geschossen.

      „Und… und wer bin ich?“, fragte die junge Menschenfrau plötzlich.

      Hatte ich das gerade richtig gehört? Sie wusste nicht, wer sie war. Ich schaute verwirrt drein, wusste nicht, was ich antworten sollte.

      „Ihr mich doch gerade Noiona genannt. Ist das mein Name“, schluchzte sie und ich beobachtete, wie Tränen wie Perlen ihr Gesicht hinunter liefen. „Wieso kann ich mich an nichts erinnern? Wer bin ich bloß? Sagt es mir!“ Sie war aufgestanden. Ihr Stand war unsicher und als sie einen Schritt auf mich zu machte, stolperte sie mit ihren wackeligen Beinen und viel gegen mich. Sie krallte ihre Finger in mein grünes Kleid und schaute mich erwartungsvoll an.

      „Ich denke…“

      Weiter kam ich nicht. In dem Waldgebiet, welches in meinem Rücken lag, begangen ein lautes Rascheln und zwischen den Bäumen huschte ein Schatten umher.

      „Der Jäger!“, rief ich. „Wir müssen schnell fort von hier!“ Ich packte die Frau am Handgelenk und zog sie mit mir. Aber sie waren nicht schnell genug.

      Plötzlich stand der Waldelf vor uns, aus seiner Schulter tropfte noch immer Blut. Er hatte ein Pfeil im Anschlag, welcher auf mein Herz gerichtet war. Es pochte wild und ich zitterte am ganzen Leib. Wie festgefroren stand ich an Ort und Stelle, konnte mich nicht rühren. Ich hatte Angst. Ich wollte noch nicht sterben, dazu hatte ich zu viel zu verlieren. Noch nie hatte ich mich in einer solchen Situation befunden; mein Leben war nie so in Gefahr gewesen. Was sollte ich nur tun? Mein Instinkt, der mich zuvor vorangetrieben hatte, versagte nun.

      Der Jäger schoss den Pfeil ab. Jeden Moment erwartete ich, dass der Pfeil in meiner Brust eindrang, doch der Schmerz blieb aus. Stattdessen flog ich leicht durch die Luft und fand mich auf dem Boden wieder. So viel passiert in diesem Augenblick. Die Menschenfrau hatte mich zu Seite gestoßen und meinen Platz eingenommen. Ich schrie laut auf. Sie durfte nicht sterben. Wenn sie wirklich die war, für die ich sie hielt, war sie die einzige Hoffnung und Rettung für mein Land. Ich brauchte sie.

      Plötzlich wurde die Lichtung von einem hellen, gleißenden Licht durchflutet. Es war so grell, dass ich meine Augen schließen und abwenden musste. Auch der Jäger wurde geblendet.

      Das Licht verschwand. Als ich wieder sehen konnte und mein Blick nicht mehr von einem Flimmern durchzogen wurde, wollte ich gleich wissen was mit der Frau war. Sie kniete am Boden und keuchte erschöpft. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass der Pfeil vor ihr auf dem Boden lag.

      „Was ist das für ein fauler Zauber?“, rief der Jäger. Ich hatte nicht damit gerechnet, doch er nahm seinen Bogen und zog sich wieder in den dunklen Wald zurück.
      Ich kroch über dem Boden zu der jungen Frau hinüber. Sie hob den Blick. Ihre Pupillen waren geweitet, sodass man das grau-blau ihre Augen kaum noch erkennen konnte.
      „Wir sollten weg von hier, bevor er doch zurückkehrt“, sagte ich.

      Sie nickte zustimmen. Ich stand auf und zog sie dann auf die Beine. Sie schwankte, sodass ich sie stützen musste.

      Ratlos schaute ich mich um, versuchte mich zu orientieren. Ich hatte keine Ahnung in welche Richtung wir gehen mussten. Ein Blick zum Himmel verriet mir, dass der Abend hereinbrach. Ein leichtes, zartes Rot überlagerte das Blau im Westen. Ich entschied mich dafür, weiter gen Osten zu gehen. Wenn ich mich nicht täuschte, müsste dort ein Dorf der Menschen unweit des Waldes sein. Dort konnten wir ausruhen und für die Frau andere Kleidung besorgen. Das Gewand, was sie jetzt trug war zu ungewöhnlich und hing wie ein Sack an ihren Körper. Ebenfalls konnte ich dort Proviant kaufen, was ich dank des kleinen Juans in Mubrington nicht geschafft hatte. Danach konnte ich mir dann Gedanken machen, wie es weiterging.
    • Hallo Jacquy

      Das Kapitel befasst sehr bildliche Situationen. Mir gefällt wie die Spannung aufgebaut wird.

      Hier die Anregungen:

      Jacquy94 schrieb:

      Der war sicherer und für die Händler gut mit dem Karren zu befahren.
      Der War sicherer und für die Händler mit ihren Karren gut zu befahren.

      Jacquy94 schrieb:

      da ich ihn auch nicht einen solchen Stress aussetzten wollte.
      da ich ihn auch nicht einem solchen Stress aussetzen wollte.

      Jacquy94 schrieb:

      welches sie immer wieder zueinander finden ließ,
      welches uns immer wieder zueinander finden ließ,

      Jacquy94 schrieb:

      Meine Finger kämmten durch die schneeweiße Mähne und dann ließ ich ihn ziehen.
      Bevor ich ihn ziehen ließ, kämmte ich mit meinen Fingern durch die schneeweiße Mähne.


      Jacquy94 schrieb:

      Immer wieder verhing ich mich in riesige Spinnennetze
      Immer wieder verfing ich mich in riesige Spinnennetze

      Jacquy94 schrieb:

      Zwar hatte man mich nie in der Magie unterwandert
      Vorschlag 1: Zwar hatte man mich nie in der Magie unterrichtet
      Vorschlag 2: Zwar hatte man mich nie der Magie gelehrt

      Jacquy94 schrieb:

      Nichtmal der Ton von zertretenem Laub unter meinen Füßen erklang.
      Nicht mal das Knirschen von zertretenem Laub unter meinen Füßen erklang.

      (Ich würde das Wort "Ton" immer so gut es geht ersetzen durch ein zutreffendes Adjektiv / Nomen)


      Jacquy94 schrieb:

      Die dunkle Gestalt war von dem Ast gesprungen und seine schweren Schritte näherten sich mit jeder Sekunde, die verging.
      Verständnisfrage: Wenn du rennst und die Gestalt sich nähert, ist die Gestalt schneller unterwegs als du? Wenn nicht würde ich es folgendermaßen schreiben: Die dunkle Gestalt war vom Ast gesprungen und deren schweren Schritte folgten mir unentwegt.


      Jacquy94 schrieb:

      Ich schlug Hacken,
      Ich schlug Haken,


      Jacquy94 schrieb:

      Nun zahlte sich das harte Training, welches ich seit meiner Kindheit verfolgte aus.
      Nun zahlte sich das harte Training, welches ich seit meiner Kindheit verfolgte, aus.


      Jacquy94 schrieb:

      als on ich blind durch die Gegend tappte.
      als ob ich blind durch die Gegend tappte.


      Jacquy94 schrieb:

      Ich tastete mir einen Weg zwischen den Bäumen weiter entlang.
      Vorschlag: Ich ertastete mir einen Weg zwischen den Bäumen hindurch.


      Jacquy94 schrieb:

      Vorsichtig und leichtfüßig versuchte ich mich fortzubewegen.
      Vorsichtig und möglichst leise versuchte ich mich fortzubewegen. (Finde leichtfüßig ein falsches Wort für diese Situation).


      Jacquy94 schrieb:

      Ich antwortete ihm nicht, schaute ihm nur direkt in die Augen. Mit dieser Frage hatte er einen gravierenden Fehler gemacht. Diese gab mir genug Zeit, um mich etwas seitlich nach unten zu beugen. Mit den Fingerspitzen konnte ich den Knauf des kleinen Dolches zu fassen bekommen, den ich immer in meinem Stiefel trug. Ich verbarg die Waffe vor seinen Augen hinter meinem Rücken und versuchte ihn irgendwie abzulenken. Mit aller Kraft trat ich dem Elf gegens Bein, was ihn nicht sonderlich Beeindruckte.
      Diese ganze Situation kommt mir kaum logisch vor. Wenn dir jemand ein Messer / Schwert an die Kehle hält und dich auch noch mit dem Rücken hin an einen rauen Baum drückt, ist dieser jemand sicher aufmerksam genug um jede kleinste Bewegung zu bemerken. Ich würde diese Situation eher bei einer Fesselung an einem Baum etc. sehen, aber nicht bei einer Situation wie dieser. Ich würde an deiner Stelle diesen Teil überdenken und anpassen.


      Jacquy94 schrieb:

      „Ihr mich doch gerade Noiona genannt. Ist das mein Name“,
      "Ihr habt mich doch gerate Noiona genannt. Ist das mein Name?",


      Jacquy94 schrieb:

      wie Tränen wie Perlen ihr Gesicht hinunter liefen.
      wie die Tränen wie Perlen ihr Gesicht hinunter liefen.


      Jacquy94 schrieb:

      viel gegen mich.
      fiel gegen mich. (fiel kommt von fallen, viel = Menge (viele, viel))


      Jacquy94 schrieb:

      Plötzlich wurde die Lichtung von einem hellen, gleißenden Licht durchflutet. Es war so grell, dass ich meine Augen schließen und abwenden musste. Auch der Jäger wurde geblendet.
      Die ganze Aktion fand in einem Augenblick statt, da passt "Plötzlich" nicht. Hier mein Vorschlag: Als der Pfeil sein Ziel treffen sollte, wurde die Lichtung von einem hellen, gleißenden Licht durchflutet. Es war so grell, dass ich und auch der Jäger die Augen schließen mussten. Ich wendete mich gar ab um meine Augen zu schützen.


      Jacquy94 schrieb:

      „Wir sollten weg von hier, bevor er doch zurückkehrt“, sagte ich.
      "Wir sollten weg von hier, bevor er doch noch zurückkehrt.", sprach ich zu ihr. ("Sagen" ist auch so ein Wort, welches man eher selten nutzen sollte, es gibt so viele und schöne andere Ausdrücke hierfür :D )



      Jacquy94 schrieb:

      Sie nickte zustimmen. Ich stand auf und zog sie dann auf die Beine. Sie schwankte, sodass ich sie stützen musste.
      Sie nickte zustimmend. Ich stand auf und zog sie auf die Beine. Ich stützte Sie, da sie stark schwankte und drohte hinzufallen.


      Die Kapitel bis jetzt fand ich gut und die Geschichte interessiert mich. :thumbsup: Weiter so :thumbup:
    • Hallo @Jacquy94

      ich habe da so ein kleines Problemchen mit Kapitel 2.
      Ich weiß ja nicht, wie die Gesetze in deiner Welt aussehen, aber für mich mutet es zunächst mal ein wenig unlogisch an, dass sich die Königinmutter einfach ungehindert als Regentin einsetzen und ihrer Stieftochter, immerhin legitime Thronfolgerin, überhaupt irgendetwas diktieren kann. Wo sind die königlichen Berater, die dem entgegenwirken? Wo sind ihre Verbündeten, die verhindern, dass sie aus ihrem eigenen Palast fliehen muss? Telaria kann doch unmöglich ihre einzige Unterstützerin sein?

      Am Anfang wirkte es auf mich noch ein wenig kindlich-naiv, dass Liasanya nach dem Aufwachen in vorauseilendem Gehorsam dem Gesuch ihrer Stiefmutter folgt, da sie, dem Anschein nach, noch Probleme damit hat, aus ihrem alten Rollenbild auszubrechen und sich selbst eben noch nicht wirklich als Herrscherin versteht bzw. dies noch nicht so ganz realisiert hat.

      So jedoch ist das Ganze für mich ein ungewollter, da für mich zunächst, unlogischer Plottwist.

      Was mir noch an kleineren (Schreib)Fehlern ins Auge gefallen ist:

      "[...]ersten Sonnenstrahlen FIELEN auf das Land." (Schreibweise)

      "[...]um sie AUF DAS Grab meines Vaters zu legen." (Ausdruck passt sonst nicht wirklich zum gewählten Stil)

      "Er hatte die Rosen im Garten sehr geliebt und sich persönlich um sie gekümmert. Er hatte immer gemeint, dass[...]" (Identischer Satzanfang)

      "Wutentbrannt setzte ich mich unter eine alte Buche PUNKT -> Neuer Satz: Dies war einer meiner Lieblingsorte[...]"

      "Mein Herz raste WIE wild"

      "[...]eine dicke Staubschicht, die unter unseren Füßen knisterte[...]" - KNIRSCHTE wäre hier mMn passender

      "Ich bedeutete ihm keinen Mucks von sich zu geben." -> Ich zeigte ihm an, keinen Mucks (als Beispiel) - "bedeutete" passt hier jedenfalls nicht

      "Bevor ich aufsaß, WANDTE ich mich noch einmal Teleria zu" (Schreibweise)

      "[...]in ihren blassgrünen Augen[...]" (Zusammenschreibung)

      "Ich versuchte nicht zurückzublicken, was mir sehr schwer fiel" (Zusammenschreibung)

      LG
      Rika
    • Hallo @Jacquy94, ich hab deine spannende Geschichte bis hierher mal verfolgt und wollte eigentlich nur wissen, ob es irgendwann weitergeht? Dass du Probleme mit ihr hast, hattest du ja in deinem ersten Post schon erwähnt.
      Also wenn es dir bei der Entscheidungsfindung hilft - ich würde gerne weiterlesen! ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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