Charaktere und Krankheit

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Verwundungen sind in allen meinen Geschichten stets präsent. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, einem angriffslustigen Char zu haben, der aus Einen wilden Schlägerei nicht mit nem blauen Auge herausgeht und seine Hand tagelang nicht mehr richtig belasten kann.
      Und den Soldaten, der das härteste Gefecht übersteht, ohne das es ihm oder einem seiner Kameraden erwischt, erscheint ebenfalls unglaubwürdig.

      Aber ich habe auch zahlreiche Krankheiten in meinen Geschichten. Zumeist magischer Natur.
      Eine meiner Geschichten handelt um einen (magisch gebildeten, auch wenn er selbst kein Magier ist) Heiler, der durchs Lande zieht. Da gibt es sowas laufend. Und logischerweise erwischt es dort auch meine Chars.

      Eine andere Geschichte, an der ich aktiv schreibe, können sich Menschen, die mächtige, magische Gegenstände verwahren, an diesen vergiften, und die Bandbreite der darauffolgenden Einschränkungen sind gewaltig. Und diese magischen Krankheiten sind zumeist unheilbar.


      Aber auch in der "klassischen" Fantasy gibt es zahlreiche Beispiele. In den Büchern von Dennis McKiernan erkrankt beispielsweise einer der Protagonisten an der Pest.
      Aber es stimmt schon, dass in der Fantasy wenig Krankheiten thematisiert werden.

      In normalen Krimis sind Krankheiten auch gang und gäbe. Die normale Literatur ist hiervon meines Erachtens unberührt. In der Urban Fantasy tauchen Krankheiten auch häufiger auf. Allerdings entpuppen sie sich häufiger als magische Verwandlung. Naja.
    • Das ist eine gute Frage. In der Kurzgeschichte, die ich gerade verfasse, und von der ich weitere Teile plane, ist eigentlich sogar eine „magiebehinderte“ Figur mein Protagonist.

      Ich habe mir da keine konkreten Gedanken gemacht, ob sein sensibles Thema ist oder nicht, ich hatte plötzlich diese Idee, dass ich halt eine Figur haben wollte, die in seinen magischen Fähigkeiten durch eine Art magischen Krankheit oder psychologischer Probleme beschränkt ist, weil die Figur eben nach ungewöhnlichen Lösungswegen suchen soll, um mit der Behinderung zu leben.

      So wie ein Sehbehinderter eben eine Brille zur Hilfe nimmt, sucht also mein Magier, der nur begrenzt zaubern kann, obgleich er ein echtes Talent dafür hat, nach anderen Wegen sein Talent umzusetzen als es eben alle anderen Charaktere seines Standes tun.

      In meinen Augen ist also nicht die Frage, ob man das mit einer Krankheit oder Behinderung in einer Story bringen kann, sondern nur, ob du damit eine fesselnde Geschichte schreiben kannst. Ob deine Story spannend wird, wenn dein Protagonist versucht, mit seinem Handicap klar zu kommen und die zweite Frage, die man sich stellens ollte, wäre wohl die, ob du die Krankheit deiner Figur dazu nutzten, kannst, deinen Protagonisten von den Charakteren abzuheben, die andere Schreiberlinge so für gewöhnlich erfinden.

      Und wenn du beide Fragen mit „ja“ beantworten kannst, denke ich, hast du schon gute Gründe so ein Merkmal einzubinden?
      Cohen, der Barbar: "Ich meine ... früher gab's unter jeder Brücke einen Troll. Man konnte keinen Wald durchqueren, ohne dass es von Goblins nur so wimmelte. Heute hat es den Anschein, als könne man als Held kein Geld mehr machen. Was ist ihnen bloss passiert?"

      Cohens Pferd: "Du bist ihnen passiert."

      Cohen, der Barbar: "Oh ..."

      ::: GESCHICHTEN VOM 3 GROSCHEN MAGIER :::

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Robert Poster ()

    • Krankheiten und körperliche Gebrechen (falls der Charakter einen Körper besitzt) sind gute Möglichkeiten, einer Person eine Identität zu geben. Und sei es nur im Erschaffungsprozess. Wenn ich zum Beispiel einen Charakter mit panischer Angst vor Geistlichen erschaffen möchte, bin ich gezwungen, mir eine kluge Begründung für diese ungewöhnliche aber interessante Eigenschaft auszudenken. Hat er/sie zudem von nie heilenden Brandwunden übersäte Arme, werden weitere Ideen (bei mir jedenfalls) spontan aus meinem Gehirn auf die Tastatur fallen und mich erwartungsvoll ansehen.

      Oder nehmen wir eine alte Zwergenfrau, die nicht sterben kann und nicht weiß, wieso.

      Oder ein Goblinhexer, der seinen Clan anführt, obwohl er keine Beine mehr hat.

      Oder...

      :)
      Der Oger Magus

      Gegen die vertikale Benachteiligung von Zwergen und Gnomen!
    • In meinem ersten fertigen Buch hatte der Vater der Protagonistin eine schleichend verlaufende, tötliche Krankheit, und um ihn zu retten sucht sie ihren Großvater, der eine Art menschlicher Gottheit ist. Ziemlich cheezy die ganze Sache, war noch ein sehr holpriger, erster Versuch. Na ja, bis zu seiner Heilung kam ich dann auch gar nicht, aber er hätte sie überlebt, als bisher einziger. Andere sind daran gestorben, wie die Mutter der Protagonistin und die Frau eines Freundes ihres Vaters. Wenn, dann finde ich konsequente Umsetzungen der Krankheit wichtig, heißt, es sterben Menschen daran und wenn es sein muss auch Hauptfiguren.
      Phyrene lag am Rande eines Hügels, inmitten des Waldes, als versuche es,sich zwischen den Stämmen zu verstecken, unsichtbar zu werden in einer Welt, inder das Unauffällige überlebte. Ein Palisadenwall umgab die Stadt und die Höferingsum, schien die letzten Spuren der Menschlichkeit einzufassen, als könntesie durch die kleinste Lücke entströmen und in der Unbarmherzigkeit der Zonevergehen, verklingen wie der letzte Ton eines Liedes.
      Das Lied der Stille
    • Es ist generell ein enormer Spannungpotenzierer, einen/den Protagonisten sterben zu lassen. Oder zumindest so zu tun als ob... oder ihn später irgendwie wieder ins Spiel zu bringen.
      Vielleicht in Pratchett-Manier: eine Krankheit, die Tote lebendig macht. Wäre doch auch unschön, so aus dem ewigen Schlaf gerissen zu werden, um dann wieder unter diesen laaaaaangweiligen Lebenden herumzuirren.
      Der Oger Magus

      Gegen die vertikale Benachteiligung von Zwergen und Gnomen!
    • Eigentlich sind (vor allem psychische) Krankheiten etwas, was in Fantasyromanen vorkommen sollte. Gerade beim Thema Posttraumatische Belastungssyndrom (PTBS, wie von Windweber erwähnt). Panzerritter, die sich durch die übelsten Schlachtfelder metzeln, in Ork-Gefängissen landen, gefoltert werden, jemanden enthaupten, Untote niederwerfen, den besten Freund lebendig verbennen sehen, - normale Menschen, würde das fertigmachen.
      Die würden Zeit ihres Lebens an Alpträumen leiden, kaum noch Sozialkompetenz aufweisen (Entfremdung), unter Depressionen und Schreckhaftigkeit leiden, erhöhte Aggression, Konzentrationsstörungen, sich ständig hilflos fühlen. Jetzt natürlich nicht alles auf einmal, und betrifft auch nicht jeden (statistisch 30% aller Kriegsteilnehmer), aber es wäre vermessen, zu glauben, dass die "Helden" dann in die nächste Schenke einkehren, sich ständig lachend einen hinter die Birne kippen und dann die Schankmaid vernaschen. (Sexuelle Probleme, Sucht und Suizid sind Begleiterscheinungen).

      Der Panzerritter würde wahrscheinlich Zeit seines Lebens an Alpträumen leiden, wo ihn die Toten versuchen vom Pferd zu ziehen und er in ein Gewühl von Blut und Glieedmaßen erstickt wird. Der Krieger, der gegen Untote gekämpft hat, würde vermutlich ständig unter Schreckhaftigkeit, Aggression und Hilflosigkeit leiden. Und Folteropfer sind noch eine Nummer für sich, das verschlimmert noch alles deutlich.

      Bekannte Autoren schaffen das bisweilen gut einzubauen. Beispielsweise Frodo war, nachdem er von Kranka verwundet, von Gollum verraten und von Orks gefangen wurde, nicht mehr derselbe. Er verlor sämtlichen Lebenswillen. Sam, der schon vorher viele Entscheidungen übernahm, musste nun die treibene Kraft werden.
      Aber auch das keiner der Hobbits sich jemals wieder zuhause wohlgefühlt hat (Bilbo, Frodo und Sam schloßen sich schlußendlich sogar den Elben an), spricht stark für ein Trauma.

      Tobias O. Meisner hat seinen Leutnant Fenna, der in einer vergifteten Stadt Leichen bergen und verbennen musste, zusammenbrechen und Zwangsversetzen lassen.

      Die Protagonistin in Feuerjäger von Suzanne Pavlovic war beispielsweise eine alkoholkranke Kriegerin, die weder die Toten, noch auf ihr Alter (und vergeudetes Leben) noch auf ihren ermordeten Ehemann anders verarbeiten konnte.

      Aber das gilt natürlich nicht für alle Autoren. John Scalzi hat seinen Soldaten Perry (nach endlosen Aliengemetzeln) nur einmal zusammenbrechen lassen und anschließend war er ein Spaßvogel wie vorher auch.

      Und bei der Buchreihe "Die Zwerge" bricht auch niemand von denen geistig zusammen. Zwerge eh nicht, die sind zu hart dafür. Und bei den Menschen? Naja. In Anbetracht der Umstände sind die geradezu ein Vorbild, was Streßbewältigung angeht. Furgas wird wahnsinnig, gut, aber Rodario bleibt ein Scherzkeks, nur jetzt kann er zusätzlich noch kämpfen wie ein Krieger. Ganz zu Schweigen von den Prinzen und Königen, die teilweise in der ersten Reihe kämpfen.

      ---
      Und in meinen eigenen Geschichten? Irgendwie stets ein Thema. In meiner 300-Seiten-Fanfiktion ist meine Protagonistin am Ende ein Wrack, körperlich versehrt, geistig hat sie sich nur mit großer Mühe (und starken Medikamenten) wieder selbst aufgebaut.
      In meiner Steampunk-Geschichte leiden alle mehr oder weniger an ihrer knapp überwundenen Gefangenschaft und den überlebenden Kriegen.

      Peinlich: Bei meiner Zeitreise-Geschichte kommen mit den Gemetzeln alle gut klar, obwohl sie jünger ist, als der Großteil meiner anderen Geschichten. Und die Zeitreise ist jetzt so weit fortgeschritten, dass ich diesen Aspekt kaum noch einbauen kann.
    • Gerade wenn man sich an einen Mehrteiler macht, stellt es doch den Spannungsbogen schlechthin dar, den Prota am Ende des ersten Teils verletzt oder sterbend liegen zu lassen. Das ist doch ein Cliffhanger par excellence. Mich wundert es, dass es so wenige Autoren nutzen.

      In meinem neune Projekt lass ich meinen Prota so einiges erleiden. Inklusive schwerer Fleischwunde an der Schulder, Schädelbruch, ausgeschlagenen Zähnen und einer ausgewachsenen Blutvergiftung. Der Junge muss so richtig leiden. :D
    • Mir fallen hierzu gerade die Protagonisten der Drizzt-Reihe ein.
      Ich gebe mir Mühe, hier nicht zu spoilern.
      Drizzt ist das Töten ja aus seiner Jugend notwendigerweise nicht fremd. Belastend wird es für ihn jedoch erst, als er jemand in seinen Augen Unschuldiges tötet. Der Autor verwendet viele Passagen darauf, seine Verzweiflung und Schuldgefühle aufzuzeigen.
      Cattie-Brie erleidet einen regelrechten Nervenzusammenbruch, als sie das erste Mal einen Menschen tötet (Orks und so sind kein Problem für sie).
      Bruenor, ein Zwerg, tötet, soweit ich mich erinnere, niemanden, der es seiner Meinung nach nicht verdient hat. Er zeigt keinerlei Symptome trotz vieler Schlachten mit viiiiielen Toten.
      Wulfgar, der menschliche Barbar durchlebt diverse andere seelisch zermürbende Dinge. Ein Kriegertrauma wäre quasi der Schneemann auf der Skihütte auf dem Gipfel der Übertreibung.
      Und der Halbling Regis? Ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, bei ihm wird es gar nicht thematisiert. (?)
      Fazit: Ich finde, Salvatore bezieht die Thematik ein, nutzt aber einen Mittelweg, indem er nicht jedem Protagonisten ein Trauma oder Ähnliches auf den Leib schreibt.
      Der Oger Magus

      Gegen die vertikale Benachteiligung von Zwergen und Gnomen!