Mutant

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    • 1

      "Vater? Was machst du denn hier? Was mache ich hier? Wie bin ich hierhergekommen? Wie...?"
      Seine große, schwielige Hand packt mich am Arm und zieht mich hinter sich her, durch unzählige Straßen und Gassen. Ich überhäufe ihn weiter mit Fragen, bis wir vor einem kleinen römisch angehauchten Haus irgendwo in der mir vollkommen unbekannten Stadt angekommen sind, aber er beantwortet mir keine Einzige. Drinnen bleibt er plötzlich stehen und sagt: "Wann bist du gesprungen?" Erstaunt und mit weit aufgerissenem Mund betrachte ich den Reichtum, der sich mir im Inneren des Atriums bietet- massive, marmorne Säulen stützen die Wände des winzigen, mit bunten Mosaiken übersäten Raumes. Jeder Einzelne dieser kleinen Steine verbindet sich mit dem Nächsten und bildet ein gigantisches Bild von seltsam anmutenden Wesen, deren makellose Gesichter mich zu verfolgen scheinen, während ich mit den Fingern über die kalten, unförmigen Steinchen streiche und das Mosaik bis zu seinem Ende verfolge. Meine Fingerkuppen halten auf einer Steintafel inne, sie schweben über einem Namen.
      "Gesprungen?", frage ich verdutzt. "Bin ich tot, oder was? Ist das hier der Himmel?"
      Jegliche Ernsthaftigkeit verschwindet bei dem Gedanken an meine scheinbar sehr unverständliche Naivität aus seinem Gesicht, schallendes Lachen dringt aus tiefster Kehle. Und um seinen Mund herum kräuseln sich zahlreiche kleine Falten, er sieht aus wie um Jahrhunderte gealtert.
      Als er verschwand, von zuhause verschwand, war ich gerade mal fünf und er ging auf die 35 zu. Ich weiß noch, wie er mich immer hoch in die Luft geworfen hat und dabei gejauchzt hat: "Flieg, mein Engel!". Sein Lachen war das Gleiche.
      "Warum bist du damals gegangen, Papa?"
      Da wird sein Gesicht traurig, eine einzelne Träne rinnt aus seinem Auge über die schmutzige, schwielige Haut, die sich bereits in Falten legt und bleibt in einer davon stecken, staut sich auf, als wartete sie auf den Sprung- so wie ich es getan hatte. Ich wusste nicht, wie ich hier hergekommen war, aber ich wartete insgeheim darauf- ich wartete darauf, genau wie die Träne im Gesicht meines Vaters- wieder zu springen und irgendwo unter großen Schmerzen in tausend Einzelteile zu zerschellen.
      "Das ist eine lange Geschichte, mein Kind."
      Seine Füße tragen ihn hinüber zu einer Bank, als ich mich neben ihm niederlasse, drückt sich die Kälte, die von dem starren Marmor ausgeht, durch meine dünnen Yogapants und lässt mich erzittern, kaum, dass ich mich hingesetzt habe. Als die Kälte in meine Fingerspitzen fließt, kann ich regelrecht spüren, wie meine Finger Faser für Faser einfrieren. Die Taubheit, die meine Gelenke betäubt hat, lässt meinen ganzen Körper kribbeln und macht mich bewegungsunfähig. Die grausame Kälte wandert von meinen Armen in Richtung Hand, stellt sämtliche meiner Haare senkrecht nach oben auf, und führt ihren Feldzug über mein Handgelenk fort. Förmlich kann ich spüren, wie das Blut in meinen Adern stockt, ich kann es in meinen Ohren rauschen hören wie einen Wasserfall. Das Gefühl fließt recht schnell über meinen Handrücken, sanft, wie man Jemandem über die Hand streichelt, und nimmt mir die Kontrolle über meine Hand. Dann splittet es sich auf und nimmt Stück für Stück meine Finger ein. Die Kältewelle rollt über meine Fingergelenke und stoppt an den Nervenfasern in meinen Fingerkuppen, richtet meine Finger gerade, spannt jede einzelne Faser meines Körpers an, sodass ich mich nicht traue, mich zu bewegen, da ich sonst befürchte, in Millionen Scherben zu zerbrechen. Ich fürchte, dass die plötzliche Entspannung meines Körpers mich implodieren würde, vor meinem inneren Auge sehe ich Nervenfasern gefrieren, ich sehe, wie die Kälte meinen Körper von innen her auffrisst, wie sie wie eine Eisblume in mir aufblüht und sich ihren Weg an die Oberfläche bahnt, um mich für sich einzunehmen. Wie sie mein Herz zum Erstarren bringt und meine Haut leblos macht. Das Eis ist ein wunderschönes Schauspiel, aber es verheißt nichts Gutes. Wie das Eis an meinen Venen, Arterien und Fasern nach oben klettert und aus meinem Mund kriecht wie ein tödlicher Atem, ich kann es fühlen, mit jeder Faser meines jungen Körpers.
      Ich spüre die Hand meines Vaters auf meiner Schulter und bei seiner Berührung weicht die Kälte sofort zurück, sie sinkt in sich zusammen, die Eisblume verschließt sich wieder zu tausend Knospen und verbirgt sich in meinem Inneren.
      "Wow. Was war das?", entfährt es mir, als die Wärme in meinem Körper zurückfließt und die Kälte ablöst.
      "Was denn, Katharina? Da ist nichts." Plötzlich sticht etwas in meine Hand. Ich verziehe das Gesicht zu einer schmerzvollen Miene und öffne langsam die Faust, die ich wohl unwillkürlich gemacht haben muss. Als ich alle meine Finger von der Berührung mit meiner Handfläche gelöst habe, entdecke ich in der Mulde in meiner Handfläche eine kleine Scherbe aus Eis, die zu vibrieren scheint. "Was ist das, Vater?"
      Sein leerer Blick wandert zu dem winzigen Eisrubin in meiner Hand.
      Und seine Stimme klingt seltsam verzerrt, als er spricht.




      2

      "Der Eiskönigin ihr Gesicht wird dir verborgen bleiben nicht. Ihre Gene springen von Zeit zu Zeit- bis in alle Ewigkeit. Ihre Schönheit entgeht keinem Mann- ein Heer aus Ergebenen folgt ihr sodann. Und der schöne Prinz nie von ihrer Seite weicht, denn keiner ihm das Wasser reicht. Durch des Prinzen Mut erwacht die Königin aus der Feuerglut. Doch ihrer beider Herzen sind dem Untergang geweiht, denn im Geheimen der Hass in der Brust des Freundes gedeiht."

      Als er seine Lippen verschließt, verbleibt nur der leere Ausdruck in seinen Augen, sein Körper scheint nur wie eine Hülle seiner Selbst. Besorgt rüttle ich an der Schulter meines Vaters, dass er aus seiner Trance erwacht. Aber die leeren Augen in dem blassen Gesicht starren nur durch mich hindurch, während sich seine Züge versteifen und sich seine Haut in eine aschfahle Lederschicht verwandelt. Die starre Hand, die ich halte, beginnt, sich zu zersetzen und die oberste Hautschicht flattert mit dem leichten Windstoß davon, hoch in die Lüfte, bis sie aus meinem Blickfeld verschwindet. Entsetzt huscht mein Blick zu dem, den ich als meinen Vater bezeichnet habe, aber so regungslos sieht er mehr wie eine Statue aus, in Szene gesetzt durch die Interaktion mit mir- dem letzten lebendigen Wesen, das er gesehen hat. Die drahtigen Finger in meiner Handfläche strecken sich, die Haut über den Knöcheln platzt auf wie eine zerkochte Wurst, Lava fließt an Stelle von Blut. Hastig ziehe ich meine Hand weg und nehme Abstand von der Veränderung meines Vaters. Die faltige Haut an den Fingern meines Vaters rollt sich nach vorne auf wie Teig, den man vom Tablett abschabt, um daraus etwas zu formen- und flattert in Form von Blättern durch die Lüfte davon. Die Grausamkeit, die hier eigentlich gerade vor sich geht, bleibt mir bei dem Schauspiel, durch das sich mein Vater aus dem Staub macht, gerade gleichgültig, zu eingenommen bin ich von seiner Verwandlung. Die Haut hinter den Fingerknöcheln blubbert, kleine Lavabäche stoßen daraus hervor an die Oberfläche und bilden einen kleinen kochenden See um das ausgedürrte lederne Skelett. Jetzt löst sich auch die letzte Starre, die den brüchigen Körper noch hält- wie in Zeitlupe sinken die Knochen meines Vaters zu einem Haufen auf dem Boden nieder, ein staubiger Dunst steigt von ihm auf, der in alle Poren meines Körpers dringt und mich husten lässt. Winzige Lavageysire tanzen auf dem staubigen Haufen Klamotten, dem Leder und den Knochen meines Vaters, immer mehr von ihm versengend. Um mich herum flüstert die Luft eine letzte Botschaft: "Finde deine Bestimmung". Der Aschehaufen, wo vorher noch mein Vater war, glimmt ein letztes Mal auf und erstarrt dann für immer zu kaltem, klammen Lavagestein.
      Welche Bestimmung?

      Die Worte meines Vaters schwirren wie Geister in meinem Kopf herum. Wie kleine Sprechblasen aus Comicbüchern poppen immer wieder einzelne Wörter aus der "Prophezeiung" auf und lassen mich grübelnd im Kreis um den Lavastein herumwandern. Wer ist diese Eiskönigin? Und der schöne Prinz? Und Zeitsprünge?
      Was ist mein Schicksal?

      Entmutigt gehe ich vor dem Lavabatzen in die Knie und lege zwei meiner Finger darauf. "Ach Dad, ich wünschte, du könntest mir jetzt sagen, was ich tun soll." Kalte, verzweifelte Tränen fließen über mein Gesicht wie ein tosender Wasserfall, denn keine Falte trübt meine jungen Wangen. Nur eine Zornfalte ziert meine Stirn- weil ich nicht weiß, warum mein Vater auf solche Weise vergehen musste. Ich kann einfach nicht realisieren, dass er nicht mehr da ist. Nur diese schreckliche Wut und ich- ganz allein. Irgendwann, als ich die Balance nicht mehr halten kann, plumpse ich rücklings auf den harten Steinboden und bleibe einfach auf meinem schmerzenden Hinterteil sitzen, wo ich viele Tränen um meinen Vater weine. Um mich herum bildet sich langsam eine Mauer aus glasklaren, durchsichtigen Eisperlen, die meine gehärteten Tränen sind. Sobald sie den Boden berühren, erstarren sie und verhärten sich, bis sie einen Sichtschutz zur Asche meines Vaters bilden.

      Irgendwann, als meine Tränen schon längst getrocknet sind, während der Totenwache für meinen Vater im Atrium seines Hauses, scheint es mir, als würde ein goldroter Schimmer von dem kalten Gestein ausgehen. In seiner Mitte blubbert ein kleiner, kaum eine Fingerkuppe breiter See, der sich in einem Krater bis auf den Boden des schwarzen Haufens ausdehnt und das Gebilde wie einen Vulkan kurz vor dem Ausbruch wirken lässt. Wenige goldene Spritzer ziehen einen Kreis um den Lavahaufen und brennen eine seltsame Schrift, von der eine gewisse Hitze ausgeht, wie durch unsichtbare Finger in den Marmorboden. Plötzlich beginnt die Luft um mich herum, zu flimmern, und gerät in Bewegung, bis sie zu einem tosenden Sturm wird, der den ganzen Raum erfüllt und mich mit sich reißt. Schwärze legt sich über meine Gestalt und raubt mir die Sicht.
      Als ich meine Augen wieder öffne, ist das Haus verschwunden. Ein großer Hof breitet sich vor mir aus und an seinem anderen Ende schwebt eine Gestalt hoch über mir auf einem Thron. Ein Feuervogel fliegt über meinen Kopf hinweg und landet auf dem Arm des Inthronisierten.

      Wie auf Federn laufe ich auf den Erhobenen zu und platziere mich vor seinem Thron, allerdings in sicherer Entfernung, denn ich möchte nicht von heißer Lava versteinert werden.
      "Katharina."
      "Wer seid ihr?"
      Eine einzige Träne bahnt sich einen Weg über meine rechte Wange und tropft auf den heißen Boden, wo sie zischend verdampft, während ich verbissen versuche, meine Trauer zu unterdrücken.
      "Wieso weint ihr?"
      Die verständnislosen Worte des Aschewesens vertreiben meine Wut und rufen einen unglaublichen Zorn in mir hervor, sodass das Eis in meinem Herzen hervorbricht.
      "Ihr habt ihn getötet."
      "Wen? Euren Vater? Nein. Seine Zeit war gekommen. Aber nun bist du wohl an seiner Stelle mein Gast, auch wenn es mich überrascht. Der Alte hielt nie seine Versprechen. Aber ein Pakt ist ein Pakt. Wachen!"




      3

      Die kalten, glatt geschliffenen Eisenstangen des Gefängnisgitters widerstehen mühelos meinen darum geballten Fäusten, während ich versuche, mir auszumalen, was mich in diese missliche Lage gebracht hat, geschweige denn, wo ich hier überhaupt bin und wie ich hierhergekommen bin. Aber die Wache antwortet auf keine meiner Fragen, auch nicht darauf, was für einen Pakt mein Vater denn mit diesem König geschlossen haben soll. Und wieso mich dieser Pakt betrifft.
      Gerade, als ich einen neuen Versuch starten will, nehme ich Schritte auf der Treppe wahr und lasse meinen Mund wieder zuklappen.
      "Ich soll die Gefangene auf den Hof bringen."
      Ein scheinbar ranghöherer Soldat wartet vor meiner Zelle darauf, dass meine Wache ebendiese aufschließt und ihn zu mir hereinlässt. Quietschend gibt das ungeölte Scharnier der Zellentür nach und lässt mich nur sehr kurz den Duft der Freiheit schnuppern. Etwas unsanft packt mich die Rechte des Soldaten am Arm und zerrt mich nach draußen. Mit Handfesseln, aus Riemen, die sich eng um mein Handgelenk wickeln, werde ich nach oben an die frische Luft geführt, das gleißende Tageslicht blendet meine Augen. Gierig sauge ich blind meine Lunge voll mit reiner, unverbrauchter Luft- es sind ein paar Augenblicke, in denen ich nur Freude und Erleichterung verspüre. Trotz meiner Gefangenschaft. Dann aber, als wir den Hof erreichen, breitet sich dennoch ein Angstgefühl in meinem Bauch aus. Was erwartet mich jetzt?
      "Achtung.", warnt mich die raue, tiefe Stimme des Soldaten hinter mir. "Stufen." Seine starken Arme heben mich hoch in die Luft an seine Brust, bevor ich protestieren kann- aber kurz bevor ich mich wehre, kommt mir in den Sinn, wie viel sinnvoller es ist, mich tragen zu lassen, denn ohne ihn würde ich unweigerlich stürzen und mir das Genick brechen.
      Bei dem kläglichen Versuch meinerseits, mich mit gefesselten Händen an seinem Hals festzuhalten, rutscht ihm sein Helm vom Kopf und poltert uns voran die Stufen hinab. Peinlich berührt rinnt ein kalter Schweißstoß meinen Rücken hinab und sammelt sich an der Haut über meinem Steißbein zu einer nervigen, unangenehmen Masse zusammen. Ich möchte gar nicht daran denken, welche Wut er jetzt auf mich haben wird, weil sein Helm jetzt unweigerlich verbeult sein wird und hoffe einfach nur, dass er mich dafür nicht fallen lässt. Seufzend setzt mein unbekannter Träger einen Fuß auf die nächste Stufe und sieht irgendwie mitleidig auf mich hinab. Ich schlucke und versuche, ihn nicht anzustarren- aber seine Augen sind einfach zu hinreißend, als dass ich den Blick abwenden könnte. Und so wird der Weg die Stufen hinunter endlos lange für mich, ich blende alles um mich herum aus und konzentriere mich nur auf die grauen Augen, die mich aus dem Schatten so finster anstarren.

      Der Namenlose setzt mich direkt vor dem Thron ab, genau an der Stelle, wo ich gestern aufgetaucht bin, und tritt zurück hinter den Thron, da, wo die Lava einem die Füße nicht verbrennen kann.
      "Katharina. Oder soll ich lieber Lady Rilya sagen? So heißt ihr doch, nicht wahr?", verhöhnt der König mich und verzieht gehässig das Gesicht über meine unscheinbare Gestalt. "Jetzt schmeißt ihr euch also schon an meinen ältesten Sohn heran. Was versprecht ihr euch davon? Glaubt ihr, er würde euch erhören? Es tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen, aber er ist bereits einer Anderen versprochen. Und wie ihr schon gemerkt habt, sind Pakte in dieser, unserer, Welt etwas sehr Mächtiges." Grinsend lehnt er sich ein Stück weit vor und zischt: "Aber sicher fragt ihr euch, warum ihr hier seid. Nun, einer muss die Strafe eures Vaters absitzen. Und wer würde sich da besser eignen als seine jüngste Tochter? Da er für seine Schuld nicht mehr gerade stehen kann, nehmt ihr jetzt seinen Platz ein. Ihr werdet für immer in diesen Kerkern schmoren. Und für immer ist mitunter ganz schön lange für ein unsterbliches Wesen wie euch." Ein heiseres Lachen begleitet die Worte des Grausamen, der mir solch ein Schicksal auferlegt. Wie ein Richter schlägt er seine Hand auf die Armlehne seines Thrones und wirbelt eine riesige rote Staubwolke auf. Mein Schicksal scheint besiegelt.
      "Nein!", dringt ein verzweifelter Schrei aus meiner Kehle bei dem Gedanken daran, dort unten zu verrotten zwischen all dem Staub und dem Dreck, umgeben von stinkenden Ratten, die um meine Füße herumwuseln.
      "Gewöhnt euch am besten schon einmal daran, dass ihr jetzt zum letzten Mal für sehr lange Zeit Tageslicht sehen werdet. Arkyn, bring sie wieder nach unten." Der Älteste des Königs tritt hervor und zieht mich hilfloses hoffnungsloses Häufchen wieder vom erhitzten Boden vor dem Thron hoch. Ich kann schon fühlen, wie die Brandblasen auf meinen Knien aufplatzen und der ganze eitrige Saft langsam meine Beine hinab in meine Schuhe rinnt. Mit schmerzvoll verzogenem Gesicht kämpfe ich mich vorwärts, in Richtung der Treppe, während hinter mir der Prinz herläuft, ab und zu nach meinem Arm greifend, damit ich nicht falle. Hilfesuchend klammere ich mich an seinem Arm fest und weiß, wie lächerlich ich aussehen muss mit meinen geschundenen Beinen, dem schmerzvollen Blick in den Augen und Tränen, die bei jedem Schritt einen weiteren Abschnitt von abgöttisch glattem Eis auf dem Boden hinterlassen. Aber trotzdem halte ich an der Hoffnung fest, dass wenigstens er sich erbarmt und mir hilft.
      Aber er schubst mich nur die Treppen hoch und treibt mich immer schneller an, bis hinunter in die Kerker- bis in meine Zelle, wo er die Tür hinter mir zuknallt und knirschend abschließt.
      Mit von Tränen verschleierten Augen beobachte ich seinen Abgang, der von zwei anderen Soldaten begleitet wird, und wundere mich, wie ein Mensch so grausam sein kann.
      So sitze ich hier, versuche, die Schmerzen durch ständigen Positionswechsel zu lindern, und bin immer noch nicht schlauer als vorher. Das Gespräch mit dem König hat mir überhaupt keinen Aufschluss über den Grund meines Hierseins gegeben. Zudem weiß ich nicht, warum die Strafe meines Vaters jetzt mich betrifft.
      Leise murmle ich immer wieder den Namen, den mir der Unbekannte gegeben hat, vor mich hin- er kommt mir so bekannt vor- woher?

      Irgendwann, nach ein paar Stunden hin und her wälzen und unruhigem Sekundenschlaf, dringt vereinzelt das Tageslicht durch eine der oberen Türen, die zu den Zellen führen und eine Silhouette schleicht sich die Treppen hinunter und vorbei an den Wachen, die etwas weiter hinten zechen. Vor meiner Tür war gerade Wachwechsel, daher ist Niemand da. Das quietschende Geräusch meiner Zellentür lässt mich aufschrecken und in die hinterste Ecke kriechen, dort wo ich gestern geschlafen habe.
      "Komm her.", flüstert eine unbekannte Stimme mir zu.
      "Nein. Wer seid ihr?"
      "Arkyn." Der älteste Prinz erleuchtet sein Gesicht kurz mit einer Lampe und kriecht dann vorsichtig in der Hocke nach hinten zu mir in die Zelle hinter die Säule, hinter der ich mein Lager eingerichtet habe. "Ich wollte dir helfen. Mein Vater kann wirklich grausam sein."
      "Ihr solltet nicht hier sein."
      "Stimmt. Wenn sie uns erwischen, sind wir vermutlich beide tot." Er deutet auf meine Brandblasen. "Das wird sich hier unten ziemlich schnell entzünden und dann leidest du. Also lass mich dir helfen, bitte."
      "Warum wollt ihr mir helfen?", frage ich kritisch nach.
      "Das sagte ich doch bereits."
      "Okay.", gebe ich zerknirscht nach.

      Von da an kam mich der Prinz jeden Tag heimlich besuchen und brachte mir Essen, das er aus der Küche gemopst hatte, mit. Und dank seiner fachkundigen Hilfe wurden meine Wunden wieder besser, aber auch meine Seele heilte unter seinen Händen, weil er meinen Tag mit seinem Lachen und seinen Witzen erhellte, und mich damit ansteckte. So vergaß ich nach und nach den Kummer über meinen Vater.
      Aber ich vergaß nie, dass ich eine Gefangene war und wollte herausfinden, warum ich hier war.





      „Prinzessin?“
      Die raue Stimme des Prinzen draußen vor der Kerkertür dringt an mein Ohr und zaubert mir ein kleines Lächeln auf die Lippen. Ich höre, wie aufgeschlossen wird, und nehme seine Bemühungen, sich auf dem knisternden Stroh leise fortzubewegen, wahr.
      „Hallo.“
      Arkyn lässt sich neben mir auf der dünnen Decke auf dem Boden nieder und drückt mich kurz zur Begrüßung.
      „Frierst du etwa?“
      „Nein, ist schon gut.“, will ich protestieren, aber er hat sich schon erhoben und schält sich aus dem Umhang. Sanft drapiert er ebendiesen um meine Schultern und wickelt mich wie einen Burrito darin ein.
      „Du solltest das nicht tun.“, flüstere ich verlegen und senke den Kopf, damit der Prinz nicht sieht, wie ich erröte.
      „Ich sollte nicht hier sein, ich sollte dich nicht umarmen, ich sollte nicht an dich denken müssen, ich sollte dir meinen Umhang nicht geben, wenn du frierst. Ich sollte… Ach, Prinzessin, was ich alles nicht sollte und was ich tue, sind zwei komplett verschiedene Dinge. Ich sollte nicht so lebensmüde sein und hierherkommen, ich bin es aber. Ich sollte nicht Verrat an meinem Vater begehen, ich tue es aber. Ich sollte dir kein Essen aus der Schlossküche stehlen, ich tue es aber.“
      Er zieht ein Laib Brot aus einem kleinen Beutel und überreicht es mir. Gierig breche ich mir ein Stück davon ab und stecke die Nasenspitze in das duftende, noch warme Gebäck. Ich sauge seinen wohltuenden Geruch tief in mich auf, bevor ich es mir in den Mund stopfe und es genüsslich kaue.
      „Du bist so gut zu mir.“
      Zögerlich blicke ich zu dem viel größeren Prinzen auf und versuche, in seinen Augen zu lesen, was ihn dazu bewegt, mir zu helfen- einer Fremden. Aber ich kann nichts erkennen.
      „Ich möchte dir danken.“
      Mit einer schnellen Handbewegung ziehe ich etwas aus meiner Hosentasche, es ist das Einzige, was ich noch aus meinem alten Leben bei mir habe.
      „Hier.“
      Ich schließe seine Finger um den kleinen Gegenstand und lasse seine Hände los.
      „Was ist das? Eine Kette?“
      „Der Ring meiner Schwester. Ihr Freund steckte ihr ihn an, als sie sich verlobten. Ein paar Wochen später starb sie. Sie gab ihn mir, als sie starb, und wollte, dass ich ihn in Ehren halte. Sie dankte mir, dass ich sie gepflegt habe, als meine Eltern zu schwach waren- in ihren letzten Tagen. Und nun möchte ich dir danken. Behalte den Ring- halte ihn in Ehren. Auch wenn ich sterben sollte. Versprich es mir.“
      Er verspricht es mir und verabschiedet sich mit einem „Bis morgen“ von mir, um sich eilig den Gang hinunter zu stehlen, bevor Wachwechsel ist.






      .
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

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      Dieser Beitrag wurde bereits 22 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart ()

    • Das ist alles, auf eine positive Weise, etwas wirr undman fragt sich gleich, was das alles soll... :hmm:

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Der Eiskönigin ihr Gesicht
      Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, es sei denn, du willst, dass deine Leser der kalte Schauer der Eiskönigin gleich überkommt. ;)

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      ie Grausamkeit, die hier eigentlich gerade vor sich geht, bleibt mir verborgen bei dem Schauspiel,
      Du schreibst in der Ich-Person und im Präsens - woher weiß sie, was ihr verborgen bleibt? Weder kann sie es aus dem Rückblick wissen, denn es ist ja alles Gegenwart, noch ist sie die allwissende Erzählerin (in der dritten Person)...
      Fünf Ausrufezeichen, das sichere Zeichen für einen wahnsinnigen Geist!!!!!

      -Terry Pratchett
    • Guten Morgen,

      sorry Röschen, habe es gestern nicht mehr geschafft :whistling: Aber jetzt:

      Vorweg muss ich sagen, dass ich eigentlich immer Fan von kaltem Wasser bin. Soll heißen, ich finde es gut, wenn ich direkt ins Geschehen gezogen werde, statt lange Einleitungen zu lesen, die ein Drittel des Buches verschlingen ^^

      So...Mal sehen

      Teil 1:
      Spoiler anzeigen


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      "Vater? Was machst du denn hier? Was mache ich hier? Wie bin ich hierhergekommen? Wie...?"
      Seine große, schwielige Hand packt mich am Arm und zieht mich hinter sich her.
      Die Idee, genau dort anzufangen, finde ich gut. Was mir ein bisschen fehlt, ist das Setting. Wo sind die beiden denn nun genau, was sehen sie?


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Sein Gesicht verzieht sich zu einem schallenden Lachen
      Vielleicht könnte man hier die Mimik von dem entstehenden Geräusch trennen.
      z.B. Sein Gesicht verzieht sich zu einem Grinsen, bevor er in schallendes Gelächter ausbricht. (Nicht das beste Beispiel, zugegeben :D Aber ich hoffe, du kannst mir folgen)



      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Ich wusste nichts davon, aber ich wartete insgeheim darauf-
      Eine ähnliche Situation wie von @Windweber beschrieben : wenn der Erzähler nichts davon weiß, dann auch der Leser nicht - zumindest in dieser Perspektive nicht. Du könntest es aber so drehen, dass der Erzähler sehr wohl davon weiß, es sich aber beim besten Willen nicht eingestehen kann oder will.



      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      ich sehe, wie die Kälte meinen Körper von innen her auffrisst, wie sie wie eine Eisblume in mir aufblüht und sich ihren Weg an die Oberfläche bahnt
      Das finde ich sehr schön beschrieben. Eis hat gerne etwas "Magisches" an sich. ^^



      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Wie das Eis an meinen Venen, Arterien und Fasern nach oben klettert und aus meinem Mund kriecht wie ein tödlicher Atem, ich kann es fühlen, mit jeder Faser meines jungen Körpers.
      Auch gut beschrieben ^^


      Insgesamt:
      Wie oben schon geschrieben, mag ich es, einfach hineingeworfen zu werden. Was mir (besonders weil es der erste Teil ist) fehlt, ist einmal das Setting mit ein paar Details zu dem Ort, an dem sie sich befinden. Und das Zweite: Mir ist bis zum Ende des ersten Teils , wo der Name der Erzählerin fällt, nicht ganz klar, aus wessen Sicht diese Geschichte erzählt wird (Gut, es gibt natürlich ein paar Hinweise auf die Tochter). Das könntest du aber bestimmt noch etwas ausarbeiten.
      Dass du das kannst, hab ich gesehen :P
      Abgesehen davon möchte ich jetzt auch gerne Wissen, was das alles zu bedeuten hat - und das ist gut ^^





      Teil 2 + 3 lese ich gleich noch einmal in Ruhe ^^

      LG
      "Have I gone Mad?"
      "I'm afraid so. You're entirely bonkers. But I'll tell you a secret. All the best people are."

      - Alice in wonderland
    • Okay, erstmal danke natürlich für die ausführliche Antwort und die Kritik.
      Werde ich natürlich beachten und auch versuchen, mit einzubauen bzw. umzusetzen.

      Ansonsten bin ich natürlich total happy darüber, wenn dir gefällt, was ich mir da so zusammengereimt habe!


      LG,
      Blue
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

      Mutant (überarbeitete Version)






    • Hallo Blue

      Habe die ersten beiden Teile gelesen. Eines vorweg: Ich finde die Beschreibungen der Szene sehr gut. Gefällt mir :D

      Es braucht zwar eine gewisse Zeit der Eingewöhnung so ganz ohne Prolog oder sonstigen Einstieg aber ich finde das mal eine Abwechslung die gelungen ist.

      Nur hab ich zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann ein Mensch Lava oder frisches Lavagestein anfassen? 2. Ich verstehe Zorn als eine Steigerung von Wut, würde daher lies meine Wut zu unglaublichem Zorn in mir... nicht besser passen?

      Mir gefällt ansonsten der Text und lese gerne die weiteren Teile auch noch durch. :thumbup:

      Liebe Grüsse

      Isko
      Mögen die Flammen das Schwert stets umhüllen!

      Auferstehen wie der Phönix aus der Asche!
    • Iskossa schrieb:

      Hallo Blue

      Habe die ersten beiden Teile gelesen. Eines vorweg: Ich finde die Beschreibungen der Szene sehr gut. Gefällt mir :D
      Freut mich, wenn es dir gefällt.

      Iskossa schrieb:



      Nur hab ich zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann ein Mensch Lava oder frisches Lavagestein anfassen?
      Das wäre ein Spoiler. Und ich spoilere nicht. :P

      Iskossa schrieb:

      2. Ich verstehe Zorn als eine Steigerung von Wut, würde daher lies meine Wut zu unglaublichem Zorn in mir... nicht besser passen?
      Wo findest du das? Ich hab nur eine Stelle bei mir im Text gefunden, wo das schon so steht. Hilf mir :D
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

      Mutant (überarbeitete Version)






    • BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Die verständnislosen Worte des Aschewesens vertreiben meine Wut und rufen einen unglaublichen Zorn in mir hervor, sodass das Eis in meinem Herzen hervorbricht.
      Da. Ich verstehs einfach gesagt so: Wut weg und Zorn da. Ich selbst würde es eher so schreiben: Wut entwickelt sich zu Zorn.

      OK, Spoiler sind blöd ;)
      Mögen die Flammen das Schwert stets umhüllen!

      Auferstehen wie der Phönix aus der Asche!
    • Ich finde deine poetische Sprache zum Teil sehr schön.

      Allerdings bin ich auch etwas verwirrt, weil ich noch nicht weiss worum es in der Geschichte geht und es direkt in die Vollen geht. Ich persönlich mag es, wenn ich als Leser etwas mehr bei der Hand genommen werde. Danach kann es auch gerne Tempo aufnehmen. Trotz der Ichform wirkt der Text etwas distanziert auf mich und ich fiebere nicht wirklich mit der Protagonistin.

      Möglicherweise würde es helfen die "Hauptdarsteller" einzuführen, damit man schon weiss wie sie aussehen und was sie bewegt. Wie ihr Charakter ist und ihre Beweggründe. Danach könnten dann die schwierigeren Teile folgen. Der erste Teil wäre dann ein schöner Prolog, weil das, "ins kalte Wasser schmeissen", ja auch etwas hat.

      Ich bin gespannt wie es weiter geht!
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-
    • Hallo Blue

      Nun bin ich zum dritten Teil gekommen.

      Hier meine Anmerkungen:
      Spoiler anzeigen

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Ein scheinbar ranghöherer Soldat wartet vor meiner Zelle darauf, dass mein Bewacher ebendiese aufschließt und ihn zu mir hereinlässt.
      Ich würde Bewacher durch Wache ersetzen. Da die Protagonistin in einer Zelle ist, und nicht iwo angekettet oder anbebunden auf offenem Feld, ist für mich Bewacher ein unpassender Begriff.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Rechte des Soldaten am Arm und zerrt mich nach draußen, um mich zu übergeben.
      Ich finde den Zusatz "um mich zu übergeben" eher unnötig, da die Szenerie klar ist. Wenn du das schreiben möchtest, würde ich es umschreiben, evtl à la ... zerrt mich nach draussen. Mürrisch drückt mich die Wache dem Soldaten entgegen.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Mit Handfesseln aus Seil werde ich nach oben an die frische Luft geführt, das gleißende Tageslicht blendet meine Augen.
      Mit Handfesseln aus Seil, irgendwie liest sich das nicht rund. Möglichkeit: Mit Handfesseln, aus Riemen und Stricken, werde....

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Seine starken Arme heben mich hoch in die Luft an seine Brust, bevor ich protestieren kann- aber insgeheim ist es gut, dass er mich trägt, mit meinen Fußfesseln würde ich nämlich unweigerlich stürzen und mir das Genick brechen.
      Diese Situation liest sich so meines Erachtens komisch. Ich würde es mal so probieren: Ehe ich protestieren kann, heben mich starke Arme von hinten hoch und pressten mich an die Brust des Soldaten. Obwohl ich mich wehren wollte, merkte ich schnell, dass es besser war mich tragen zu lassen, anstatt selbst über die Stufen zu straucheln und mir womöglich noch das Genick brechen.


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      aber seine Augen sind einfach zu hinreißend, als dass ich den Blick davon abwenden könnte.
      davon passt für mich nicht. entweder ganz weglassen oder von nutzen.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      "Katharina. Oder soll ich lieber Lady Rilya sagen? So heißt ihr doch, nicht wahr?", verhöhnt er mich. "
      Wer verhöhnt die Protagonistin? Der Soldat?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Und wie ihr schon gemerkt habt, sind Pakte in dieser unserer Welt etwas sehr Mächtiges.
      in dieser, unserer, Welt. irgendwie so damit das UNSERE lesetechnisch hervorgehoben wird.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Euer Vater ist ja nicht mehr.
      Das passt in die Konversation nicht wirklich. Den Sinn kannst du lassen, ich würde es aber umformulieren.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Deswegen nehmt ihr jetzt seinen Platz ein. Ihr werdet für immer da unten in diesen Kerkern schmoren.
      Deswegen nehmt Ihr jetzt seinen Platz ein. Ihr werdet für immer in den Kerkern schmoren.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      "Katharina. Oder soll ich lieber Lady Rilya sagen? So heißt ihr doch, nicht wahr?", verhöhnt er mich. "Jetzt schmeißt ihr euch also schon an meinen ältesten Sohn heran. Was versprecht ihr euch davon? Glaubt ihr, er würde euch erhören? Es tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen, aber er ist bereits einer Anderen versprochen. Und wie ihr schon gemerkt habt, sind Pakte in dieser unserer Welt etwas sehr Mächtiges. Aber sicher fragt ihr euch, warum ihr hier seid. Nun, einer muss die Strafe eures Vaters absitzen. Und wer würde sich da besser eignen als seine jüngste Tochter? Euer Vater ist ja nicht mehr. Deswegen nehmt ihr jetzt seinen Platz ein. Ihr werdet für immer da unten in diesen Kerkern schmoren. Und für immer ist mitunter ganz schön lange für ein unsterbliches Wesen wie euch."
      Dem ganzen Monolog fehlt das gewisse etwas. Beschreib doch die Mimik und die Gestik des Sprechenden. Der wird doch auch grimmig schauen, höhnisch von oben herab sprechen oder so. Beschreibungen des Bildes in deinem Kopf sind sehr wichtig.


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      eitrige Saft langsam meine Beine hinabrinnt in meine Schuhe.
      eitrige Saft langsam meine Beine hinab in meine Schuhe rinnt.


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Bei jedem Schritt klatscht es in meinen Schuhen, die klebrige Brühe schwappt aus meinen Schuhen.
      Bei solchen Mengen Eiter ist doch deine Protagonistin bereits innert Sekunden aufgrund der Infektion Weggetreten oder gar Tod, nicht?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Aber er schubst mich nur die Treppen hoch und treibt mich immer schneller an, bis hinunter in die Kerker- bis in meine Zelle, wo er die Tür hinter mir zuknallt und knirschend abschließt.
      Sind die Kerker jetzt oben oder unten?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Mit großen Augen beobachte ich seinen Abgang, der von zwei anderen Soldaten begleitet wird, und wundere mich, wie ein Mensch so grausam sein kann.
      eher mit tränenden Augen beobachte ich seinen Abgang...

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      So sitze ich hier und bin immer noch nicht schlauer als vorher, das Gespräch mit dem König hat mir rein gar nichts über die sogenannte Strafe und den Grund dafür offenbart.
      Umformulieren, bzw anders aufbauen. Hier ein Beispiel: So sitze ich hier, schmerzerfüllt und immer noch darüber rätselnd, worum es dem König geht. Zudem weiss ich nicht, wofür ich eine solche Strafe erhalte.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      dringt knirschend das Tageslicht durch eine der oberen Türen, die zu den Zellen führen und eine Silhouette schleicht sich die Treppen hinunter und vorbei an den Wachen.
      Tageslicht knirscht? zaghaft wäre besser.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Vor meiner Tür war gerade Wachwechsel, daher ist gerade Niemand da.
      zwei Mal gerade.. Anderes Wort oder andere Umschreibung. Wenn keine Wachen da sind, wie kann die Silhouette an denen vorbei schleichen?



      Die Dialoge sind etwas klinisch. Ich würde mir mehr beschreibende Adjektive wünschen, damit die Dialoge lebhafter werden. Nach wie vor ist es mir als Leser immer noch sehr unklar worum es sich handelt.

      Ich bin gespannt wie es mit dem vierten Teil weitergeht.

      Lg Iskossa
      Mögen die Flammen das Schwert stets umhüllen!

      Auferstehen wie der Phönix aus der Asche!
    • BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Träne rinnt aus seinem Auge über die schmutzige, schwielige Haut, die sich bereits in Falten legt und bleibt in einer davon stecken, staut sich auf, als wartete sie auf den Sprung- so wie ich es getan hatte.
      Du weißt, deep.

      Es gibt ja schon ordentlich Feedback und Verbesserungsvorschläge, deswegen versuch' ich mal meinen Eindruck zu schildern.

      Was mir sehr gefällt, ist, dass du anschaulich schreibst. Ich hab bei den ersten Sätzen sofort ein Bild im Kopf und kann, dank deinen Details, immer gut mitverfolgen wie es gerade aussieht, Umgebung, wie sich Charaktere fühlen oder verhalten, etc.

      Meinen aufrichtigen Respekt, dass du es mit einem mal Schreiben ohne überarbeiten so hinbekommst.

      Was ich auch immer bei mir bemerke, ich vergesse das Aussehen von Charakteren zu beschreiben und das fehlt mir hier auch ein wenig. Ich denke es ist unpassend jeden neuen Charakter sofort bei Erscheinen vollständig zu beschreiben. Aber wenige, auffällige Details sind Top, z.B. die grauen Augen des Soldaten/Sohn. Nur vielleicht ein, zwei Dinge mehr.

      "Der Eiskönigin ihr Gesicht wird dir verborgen bleiben nicht." ( Das mit dem Zitieren/Kopieren muss ich nochmal erfragen wie das geht... )

      Es wurde schon angesprochen aber ich finde es auch unpassend, es lässt meinen Lesefluss stocken. Außerdem muss ich irgendwie an einen netten, früheren Klassenkameraden an der Hauptschule denken... "Dem Manu sei' Gsicht box ich, alda!"

      Hoffe du kannst damit etwas anfangen, ich möchte dich ermutigen dran zu bleiben, möchte weiterlesen! ;)

      Gruß Manu
      "And words just can't explain the struggle of a dead man's fight" Billy Talent - Running across the tracks

      "Er starb mitten in unserer Unterhaltung, wie unhöflich." - Fatono

      "Sie ist durch die Hölle gegangen, also glaube mir, wenn ich dir sage, dass du sie fürchten sollst, wenn sie in ein Feuer blickt und lacht." - Fatono

      "Freiheit ist eine Last. Du solltest dich glücklich schätzen, dass ich sie dir genommen habe." - Fatono
    • Manu schrieb:

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Träne rinnt aus seinem Auge über die schmutzige, schwielige Haut, die sich bereits in Falten legt und bleibt in einer davon stecken, staut sich auf, als wartete sie auf den Sprung- so wie ich es getan hatte.
      Du weißt, deep.
      Ja, deep. Ich weiß. ^^


      Danke für den Eindruck! Weiß ich sehr zu schätzen.

      Und ebenfalls danke für den Hinweis darauf, die Charaktere mehr in ihrem Aussehen zu beschreiben. Ich werde mich daran halten.

      Glg,
      Blue
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

      Mutant (überarbeitete Version)






    • Hallo Blue

      Eines vorweg:

      Bitte mach in Zukunft für jeden einzelnen Teil ein eigener Beitrag und verknüpfe diesen. Hier ein Beispiel: Schwarze Seele

      So ist es für uns Leser verständlicher und einfacher zu sehen, ob du neue Teile erstellt hast und ob du allenfalls auch die angegebenen Tipps umgesetzt hast.


      Ich hab mich nun an den vierten Teil gewagt.

      Spoiler anzeigen


      1. Glassplitter die wispern?
      2. zweimal wispern ist zu viel. Beim aufschrecken aus dem Tiefschlaf wispert man vermutlich niemanden an, sondern murmelt was vor sich hin.

      Das Wort "Plötzlich" finde ich hier fehl am Platz. Setze das Wort "Plötzlich" gezielter ein, zum Beispiel in einer an sich ruhigen doch mit Spannung erfüllten Situation.

      Logikfehler. Da die Protagonistin aus dem Tiefschlaf aufwacht, liegt diese doch auf Stroh in ihrem Lager. Wie soll sie dann von den Füssen gerissen werden?

      Feuer schreit? Oder schreit die betroffene Person? Logikfehler...

      Das Verb "verlieren" passt irgendwie nicht. Ich würde etwas in Richtung "um vor den Schmerzen zu flüchten" schreiben.

      Wieder einmal spüre ich <- Klingt für mich als Leser als sei diese Eisrose eine enorm negative nervige Sache.
      Arterien? Und was ist mit den Venen? Finde hierfür einen passenderen Oberbegriff, sonst kommts so rüber als wärst du noch mit der Körperkunde vertraut ;).

      wie zwei Heere aus tausenden Soldaten,

      Lass das "jetzt" weg, die Reihenfolge macht sich aus dem Lesen ersichtlich.

      wieder jetzt. (neues Lieblingswort?)
      übersät ist meiner Meinung nach falsch. Das Wort "überzogen" wäre besser.

      Übersät = teils bedeckt, teils nicht. / Überzogen = komplett in Eis gehüllt.

      Von ganz weit weg... Eher Weit entfernt

      demoliert ist eine unschöne Beschreibung hierfür. Eventuell in Mitleid gezogenes Ohr oder so.

      eindrücken würde eher passen.

      1. viel zu langer Satz
      2. Der (viel zu lange Satz) macht kaum Sinn.
      3. neu aufbauen :)

      Keuchend schlucken macht für mich keinen Sinn. Der Satz an sich ist auch sehr lang und liest sich sehr stockend.

      zur Räson bringen.

      und schüttel wäre schöner zu lesen.
      stammel wäre schöner zu lesen.
      einer ganz bestimmten Person? "einer bekannten Person" wäre sinnvoller.

      Ich habe leider das Gefühl, dass der vierte Teil unter den ersten vieren der schlechteste ist. In der Länge ist er sehr kurz und auch von der allgemeinen Logik ist er viel schwerer zu folgen und sich vorzustellen als die anderen 3 der 4 Teile. Ich rate dir hier zu einer Überarbeitung des gesamten Teils.

      Ich hoffe mit den folgenden Tipps dir eine Starthilfe zu geben:




      So ich hoffe sehr, dass ich dir hier die Lust an der Geschichte nicht genommen habe, es ist nur meine ehrliche Meinung zu diesem Teil.
      Die ersten 3 Teile sind angenehm zu lesen, doch der vierte schmälert deine Leistung und ich möchte dir hier nur eine Möglichkeit aufweisen, die die Leistung steigern lässt und nicht schmälert.

      Bevor ich mich an den fünften Teil setze, wollte ich dich fragen, ob dieser so wie er jetzt ist als "fertig" anzusehen ist oder ob da noch was kommt.

      LG Iskossa
      Mögen die Flammen das Schwert stets umhüllen!

      Auferstehen wie der Phönix aus der Asche!
    • Ja, das mit den einzelnen Beiträgen für jedes einzelne Kapitel werde ich beachten.
      Danke für deine Tipps. Ich werde morgen versuchen, sie umzusetzen.

      Die Lust an der Geschichte hast du mir nicht genommen, eine ehrliche Meinung ist ja gerade das, worauf es ankommt. Und für Diese danke ich dir nochmals.

      Den fünften Teil habe ich aus irgendeinem Grund gestern hier angefangen, zu schreiben, aber fertig ist er noch lange nicht.

      GlG,
      Blue
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

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    • So, ein richtiges Kapitel ist, das hier nicht, dafür ist es zu kurz. Ich habe es jetzt trotzdem mal als Kapitel vier bezeichnet, weil die kurze Handlung, die stattfindet, wichtig ist, um spätere Handlungen zu verstehen.

      Spoiler anzeigen

      „Arkyn. Was konntest du herausfinden?“
      Mein Vater packt mich unvorhergesehen am Genick und drückt mich zu Boden. Ich versuche, gegen seinen gewaltsamen Griff anzukommen, aber es ist vergebens- mich zu wehren, würde mir nur einige Knochenbrüche einbringen.
      „N- Nichts.“
      „Wieso glaube ich dir das nicht? Sie ist dir verfallen. Kitzle Informationen aus ihr heraus. Du willst doch nicht enden wie sie, oder?“

      Er glaubt mir nicht. Für den Bruchteil einer Sekunde setzt mein Atem aus- wird er mich einsperren lassen, wenn ich ihm nicht gehorche? Oder gar Schlimmeres?

      Von der Stelle in meinem Nacken, an die Vater seine Hand gedrückt hält, breitet sich wie durch ein Feuer die Hitze auf meinem Körper aus, aus den Augenwinkeln kann ich erkennen, wie kleine Flammen auf meiner Haut schlagen und mir die Nackenhaare versengen. Trotz der höllischen Schmerzen wage ich nicht, zu schreien und um Vergebung zu bitten- für was auch immer- sondern beiße mir auf die Unterlippe, um standhaft zu bleiben.

      Als seine Hände mein Genick loslassen, rapple ich mich schnell auf. Mir die schmerzende Stelle reibend, zische ich: „Du Tyrann. Sie ist ein armes junges Mädchen, sie kann nicht einmal was dafür. Und du behandelst sie wie ein Tier! Sie weiß nichts.“
      „Versuche es weiter!“, befiehlt er mir und schreitet davon.

      Am liebsten würde ich meinen Dolch tief in sein schwarzes Herz rammen.



      Während ich meinen Vater dabei beobachte, wie er um die Ecke biegt und aus meinem Sichtfeld verschwindet, wird mir klar, dass ich nicht mehr untätig herumstehen kann, sondern, dass ich alles in meiner Macht Stehende tun muss, um die Prinzessin vor einem grausigen Schicksal zu bewahren- denn die Grausamkeit meines Vaters gegenüber seinen Feinden hat schlichtweg einfach keine Grenzen.
      Sorgfältig schlage ich die Kapuze meines Umhangs hoch, um den pochenden Abdruck der Hand des Königs vor aller Augen zu verbergen, und wische mir mit dem Zipfel meines Mantels den Dreck von der Wange, damit niemand Fragen stellt.
      Hastigen Schrittes verlasse ich die Kerkeranlage des Hofes, verfolgt vom Echo meiner stampfenden Schritte, das durch die Gänge hallt und mich von allen Seiten verhöhnen zu scheint wegen meines mangelnden Mutes, dem König die Stirn zu bieten.

      Bemüht, in den Schatten des Hofes zu wandeln, gelange ich schließlich in meine Gemächer, wo ich wütend den vom Dreck des Hofes besprenkelten Umhang abwerfe und wie ein Tier von einem Ende des Raumes bis zum Anderen wandere- stundenlang, ohne Pause.
      Während all dieser Stunden ergibt sich mir aber keine geeignete Lösung für mein Dilemma- immer bestünde das Risiko, dass Jemand zu Tode kommen könnte.

      Resigniert sinke ich mit dem Rücken an der Wand zu Boden und stoße einen tiefen Seufzer aus, ich stoße die ganze verbrauchte Luft aus meiner Lunge und sauge gierig neues Lebenselixier ein. Müde und erschöpft fahre ich mir mit der rechten Hand durch die Haare, bringe die Ordnung durcheinander.
      Genau das tue ich- ich bringe die Ordnung durcheinander. Die Ordnung zu Hofe, die Ordnung in meinem Leben- und die Ordnung in Rilyas Leben.
      Durch mich könnte sie in noch viel größere Schwierigkeiten geraten. Das alles ist meine Schuld.


      Vielleicht sollte ich nicht mehr sein.


      Gleich darauf schelte ich mich für diesen absurden Gedanken. Sich in den Tod zu flüchten, wäre viel zu einfach. Außerdem wäre es ein Eingeständnis meiner Schwäche und Zuneigung gegenüber der Prinzessin. Vater würde es wissen. Es wäre ihr Tod.
      Wenn ich lebe, stirbt sie. Wenn ich sterbe, stirbt sie.

      Gedankenverloren drehe ich den Ring der Prinzessin zwischen meinen Fingern hin und her. „Halte ihn in Ehren, hat sie gesagt. Ach Prinzessin, wenn du wüsstest, wie schwer das ist.“








      Also, damit ihr wisst, warum jetzt dieser Teil nochmal kommt: Mir fehlte was und daher habe ich noch ein paar Zeilen Text ergänzt, um wieder etwas mehr Beschreibung mit rein zu bringen.
      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

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    • Kapitel fünf
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      5
      Als am nächsten Tag dreimal kurz an den Eisenstangen meiner Zellentür gerüttelt wird, schrecke ich aus dem Schlaf auf und bin fast sofort auf den Beinen, als aufgeschlossen wird und ein dunkler Schatten mit einem heiseren Protestschrei über den schwach beleuchteten Boden in die Zelle rollt. Das leise Fluchen meines neuen Mitbewohners lässt mich schließen, dass er Bekanntschaft mit der steinernen Wand der Zelle gemacht hat. Kurz darauf knallt die Tür mit einem lauten Scheppern wieder ins Schloss, während sich energische, eilige Schritte entfernen.
      Vorsichtig strecke ich meinen Kopf hinter der runden Säule hervor und betrachte den Neuankömmling unsicher. Dass er sich nicht von der Stelle rührt, macht mich stutzig. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und krieche durch die dünne Schicht Stroh zu der Person hinüber. Ungefähr einen Meter von ihr entfernt lasse ich mich im Schneidersitz zu Boden und starre sie unverhohlen an.
      In dem schwachen Licht kann ich erkennen, dass es mit der physischen Verfassung der Person nicht sehr weit her ist- die Rippen zeichnen sich deutlich unter der Haut ab, während sich ihr Brustkorb deutlich hebt und senkt.
      Zögerlich tippe ich auf die Schulter der schmächtigen Figur- aber als ich meinen Finger wieder wegnehmen will, geht es nicht. Ich klebe nahezu fest, wie festgefroren starren wir uns tief in die Augen- die Augen meines Gegenübers sind vor Angst weit geöffnet. „H-Hi.“, stottere ich, gefangen vom intensiven Blick aus diesen großen, blauen Augen. Die Kälte, die von der Haut der unbekannten Person ausgeht, dringt durch die vielen Hautschichten auf meiner Fingerkuppe bis tief in meine Nervenbahnen vor und dockt sich in millionen Synapsen an meine körpereigenen Eisporen. Erschrocken reiße ich die Augen weit auf, als das gesamte Leben der Person mir im Bruchteil einer Sekunde wie ein Film vor meinem inneren Auge abgespielt wird. „Wow.“ Ich ziehe meinen Finger weg und löse so den Kontakt zwischen uns Beiden. Der seltsame Moment ist vorbei. Hastig krieche ich rücklings ein Stück von dem seltsamen Wesen weg, als es seine Hand nach mir ausstreckt und hüpfe wieder hinter meine Säule. Intensiv versuche ich, mich wieder unter Kontrolle zu bringen, aber mein Herz schlägt, als würde es gleich aus meiner Brust springen und einen Marathon laufen, während sich eine dünne Eisschicht in mir ausbreitet und meine Atmung zu lähmen scheint. Ein leises Zischen dringt von weiter vorne zu mir heran, das Stroh raschelt, als es sich bewegt. Bemüht, keinen Laut von mir zu geben, drücke ich mich eng an die Wand und unternehme einen neuen Versuch, mich zu beruhigen.
      Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich die dünnen Finger des Wesens an die Säule anschmiegen und nach meinem Gesicht tasten. Als eine der Gliedmaßen mein Gesicht berührt, erstarre ich zu einer Eissäule, sämtliche meiner Nervenbahnen und Muskeln sind eingefroren- schon die kleinste Bewegung würde sie zum Bersten bringen, so groß ist die Anspannung, die in meinem Körper herrscht.
      Als ich dennoch wage, zu schlucken, um meine ausgetrocknete Kehle wieder zu befeuchten, bohrt sich einer der Fingernägel des Wesens in meine Haut wie eine Kralle mit tausend kleinen Widerhaken daran und ratscht über meine Wange, als gegenüber die Zellentür quietschend geöffnet wird und es erschreckt. Ich stoße einen kleinen Schmerzensschrei aus, weil die, zwar nur oberflächliche, Wunde höllisch brennt und lenke seine Aufmerksamkeit wieder auf mich. Ich kann sehen, wie es sich mit seiner langen Zunge genüsslich über die schmalen, eher wie ein Strich wirkenden Lippen leckt und seinen Kopf zu mir herabsenkt. Schwer atmend öffne ich den Mund ein Stück und atme den grausigen Geruch meines Feindes ein. Seine Zunge streicht jetzt über meine rechte Wange und hinterlässt eine ziemlich breite Schleimspur auf meiner Haut, während sein Mund sich an meinen Hals anschmiegt und scharfe Zähne über meine Haut ratschen. Verzweifelt schreie ich um Hilfe, als sich seine Zähne in meine Haut bohren- und Sekunden später wird die Zellentür quietschend aus ihren Angeln und das bösartige Wesen von mir weggerissen. Ein gurgelndes Geräusch verrät mir, dass mein Retter ihm den Garaus gemacht hat. Keuchend streife ich mir das Wasser von den Armen und aus meinem Gesicht, meine Kleidung klebt von einem Gemisch aus Angstschweiß und Eiswasser an meinem Körper wie eine zweite Haut.
      Ich werde hochgezogen und an eine breite Brust gepresst. „Rilya.“ Seine wohltuende Stimme beruhigt mich nur dadurch, dass er meinen Namen flüstert. Erleichtert schlinge ich die Arme um ihn und schluchze hilflos. „Was war das?“, bringe ich heiser hervor.
      „Es tut mir so leid, Prinzessin. Es tut mir so leid, dass dir das passiert ist- dass du so einem Wesen begegnen musstest. Der König hat das angeordnet- aber eigentlich sollte es dir nicht gelten. Ich kümmere mich darum. Kann ich dich kurz alleine lassen? Schaffst du das?“
      Zögerlich nicke ich, aber eigentlich möchte ich, dass er hier bleibt- mein Körper zittert immer noch unkontrolliert und ich weiß nicht, ob ich mich auf den Beinen halten kann.
      Aber er geht- und schreit im Kerkergang herum wie ein Berserker. „Wer hat dieses Ding zu der Prinzessin gelassen?“ Mehr höre ich nicht, nur wie Jemand über den Boden geschleift wird und eine Zellentür ins Schloss fällt.
      Dann kann ich mich endlich wieder in die tröstende Umarmung des Prinzen flüchten. „Ich hatte solche Angst.“, wispere ich in seinen feuchten Umhang. Er sagt nichts und hebt mich hoch- wie an dem Tag, an dem er mich zum ersten Mal mit seinen wunderschönen Augen angesehen hat. Auch heute fesselt mich die Intensität seines Blickes fester als jede Handfessel es jemals könnte. Bestimmt trägt Arkyn mich den Gang entlang, zum Ausgang des Kerkers. Aber dieses Mal biegt er links ab und geht nicht geradeaus weiter zum Hof. „Wo bringst du mich hin?“

      Knirschend öffnet sich vor uns die Tür zu einem weitläufigen Raum. Im Inneren des Raumes lässt mich der Prinz auf den Boden sinken und verschließt die Tür hinter uns. „Meine Gemächer.“, instruiert er mich und gräbt in einem Schrank rechts von mir nach etwas. Mit trockenen Kleidern taucht seine Hand wieder aus den Untiefen des Schrankes auf und deutet auf einen abgetrennten Raum. „Du solltest ein Bad nehmen. Du siehst scheußlich aus.“
      „Danke, Prinz Charming.“ Beleidigt rapple ich mich auf, bedenke ihn mit einem Schmollblick, reiße ihm die Klamotten aus der Hand und stolpere ins Badezimmer.

      „Rilya?“ Die Badezimmertür geht beinahe lautlos auf- genau in dem Moment, in dem ich mich bücke, um meine verschmutzten Klamotten auf dem Boden zu einem Haufen zusammenzuschieben. Kreischend versuche ich, meine intimen Stellen vor den Augen des Prinzen zu verbergen. „Arkyn! Fuck! Du kannst doch nicht einfach reinkommen!“
      „T-Tut mir leid.“ Unverhohlen starrt er mich mit großen Augen an und bewegt sich keinen Zentimeter.
      „Na- geh weg! Ich sag dir schon, wenn ich was brauche!“, fahre ich ihn gereizt an und wende ihm den Rücken zu. Sekunden später schließt sich die Tür hinter mir wieder.

      „Uff.“, mache ich und lasse meinen verspannten Körper in die Wanne gleiten. Um mich herum breitet sich der Schmutz von wochenlangem Aufenthalt im Burgkerker aus. Während ich mich im warmen Wasser entspanne, fange ich an, reuig zu werden wegen meinem rüden Verhalten gegenüber dem Prinzen- dabei hat er mich jetzt schon zum zweiten Mal gerettet. Warum eigentlich?
      Entschlossen steige ich aus der Wanne und trete nur mit einem Tuch umwickelt hinaus in seine Gemächer, wo ich ihn am Fenster stehen sehe, mit einem Glas Wein in der Hand. „Arkyn.“, wispere ich. Das Licht der untergehenden Sonne fällt direkt auf ihn und lässt ihn aussehen wie eine Gottheit. Sein perfekter Körper glänzt im Licht, als hätte man ihn mit Glitzer bestreut, denn jeder Sonnenstrahl funkelt auf seiner silbernen Haut. Trotz, dass ich seinen Namen nur geflüstert habe, hat er mich gehört- er dreht mir sein Gesicht zu und sieht mich erstaunt an. Leise tapse ich auf dem kalten Marmorboden seines Zimmers zu ihm hinüber und lege ihm eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass ich vorhin so gemein zu dir war.“, entschuldige ich mich bei ihm. „Du rettest mich- zum zweiten Mal- und ich? Ich schreie dich an. Bitte verzeih mir.“
      „Ist schon gut. Ich hätte nicht einfach reinkommen dürfen.“ Er streicht mir zärtlich mit dem Zeigefinger über die Kuppe meiner Nase und deutet dann aus dem Fenster zum nächtlichen Himmel hinauf. „Weißt du, was es mit den Sternen auf sich hat?“, fragt er mich.
      „Nein. Was denn?“
      „Man sagt sich, dass sie die Seelen unserer Verstorbenen seien. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter da oben ist und mir zukuckt, frage ich mich immer, ob sie stolz auf mich ist. Ihr perfekter kleiner Junge- das war ich immer. Sie hat mich geliebt und deswegen ist sie jetzt tot.“
      „Oh, Arkyn…“, seufze ich. „Das tut mir leid.“
      „Sie starb, weil sie mich liebte. Ich- Ich will nicht, dass du das gleiche Schicksal erleidest.“, gibt er zu und zieht mich vor sich. „Was auch immer passiert, mein Vater darf niemals erfahren, dass du mich magst. Hast du verstanden? Er darf niemals erfahren, dass ich dich nachts im Kerker besuche. Und- was er wirklich niemals herausfinden darf…“ Fragend sehe ich ihn an. Dann- presst Arkyn seine Lippen zu einem verzweifelten Kuss auf meine.
      Als er sich schwer atmend wieder von mir löst, keucht er: „Er darf niemals wissen, dass ich dich liebe.“
      Noch benommen von dem atemberaubenden Kuss nicke ich, als es an der Tür klopft.
      „Oh Mist. Versteck dich.“ Er schiebt mich hinter einen Vorhang am Fenster und eilt zur Tür.

      „Liebling.“, er klingt erstaunt. „Was machst du denn hier? Ich dachte, du bist auf dem Schloss deiner Eltern?“
      „Ich habe mich nach dir gesehnt.“, erwidert eine liebliche Stimme. „So lange schon hast du mich nicht mehr in deinen Armen gehalten und mich geküsst. Ich vermisse dich. Was ist los?“
      „Nichts. Nichts, was dich etwas anginge. Aber ich habe zu tun. Das musst du verstehen. Politik, der Hof. Vater spannt mich ein, wo es nur geht.“, lügt er. „Denk nicht, dass ich dich nicht liebe, aber du musst jetzt gehen.“
      Die Tür fällt ins Schloss und der Vorhang wird weggezogen.





      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

      Mutant (überarbeitete Version)






      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart () aus folgendem Grund: Ich habe mir die beiden letzten Kapitel durchgelesen und gemerkt, dass mir das zu schnell geht und noch einiges fehlt. Daher hier ein neues Kapitel.

    • Diesen Teil kann man eigentlich noch zu Kapitel sechs dazuzählen, ich mache aber trotzdem einen neuen Spoiler dazu.
      Spoiler anzeigen


      Nach einer Weile zieht er mitten im Wald an den Zügeln des Pferdes und schwingt sich von dessen Rücken. Aber anstatt mir zu helfen, vom Rücken unseres Reittieres zu gleiten, zieht er es weiter, in einen vom Gebüsch verdeckten schmalen Pfad, der immer dunkler wird, je weiter wir darauf vordringen. Aber ein paar Augenblicke später löst sich die Dunkelheit, die sich wie ein Mantel an uns geschmiegt hat und mich nur Arkyns Silhouette erkennen lässt, auf und offenbart uns eine große, helle Lichtung mit einer proportional dazu winzigen Hütte.
      „Wo sind wir hier?“
      „Das war einst mein Versteck als kleiner Junge, wenn Vater getobt hat. Dann bin ich hierhergelaufen und habe gewartet, bis Mutter mich wieder holen kam.“ Auf meinen besorgten Gesichtsausdruck hin fügt er schnell hinzu: „Mach dir keine Sorgen. Er weiß nichts von diesem Ort.“
      „Sicher?“
      Er schlingt seinen Arm um meine Taille und hievt mich vom Pferd, bevor er mich sanft auf den Boden gleiten lässt.
      „Ganz sicher.“ Mit seiner linken Hand streicht er mir eine dünne Strähne, die mir von den Ästen ganz zerzaust ins Gesicht hängt, hinters Ohr und haucht mir einen Kuss auf die Stirn. Mit genüsslich geschlossenen Augen genieße ich die feuchte Berührung seiner Lippen auf meiner Haut und wünsche mir, Arkyn würde mich richtig küssen.
      Ich lasse meine Finger durch sein kurzes Haar fahren und spiele mit seinen Nackenhaaren. Als er zurückweichen will, schlinge ich meine Arme um ihn und halte ihn fest.
      „Danke.“

      I will do what QUEENS do. I will RULE." - Daenerys Tagaryen

      Mutant (überarbeitete Version)






      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart () aus folgendem Grund: Dieses Kapitel werde ich demnächst durch ein anderes ersetzen.