Der Oger Magus

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    • „Rekruten!“, hallte Ramons Stimme über den Exerzierplatz des Ordens des Strahlenden Herzens.
      „Heute ist unser Tag. Ihr wurdet in den letzten Monaten von den höchsten Dienern Torms und den besten Lehrmeistern des Ordens, nein, ganz Athkatlas unterwiesen. Ihr habt die Lehren Torms studiert, hart mit euren Kameraden trainiert und seid an euren Blessuren gewachsen. Nicht wahr, Elgar?“
      Unter der wärmenden Frühlingssonne huschte ein verschmitztes Lächeln über die angespannten Mienen und Elgar rieb sich grinsend über den Brustpanzer. Der altgediente Paladin nutzte den Moment, um die Ausrüstung seiner Männer zu begutachten. Jeder von ihnen trug einen der für die Kanalisation notwendigen Ringe, denen ein schwacher Lichtzauber innewohnte. Genau wie Ramon waren viele Rekruten mit einem schräg auf den Rücken geschnallten Zweihänder und einer leichten Armbrust ausgestattet, die kleinen Gürteltaschen randvoll mit Bolzen. Außerdem hatte er jedem Schützen fünf verzauberte Bolzen zugeteilt, welche zumindest geringere magische Barrieren durchdringen konnten, denn zu den Schmugglern Athkatlas zählten nicht selten auch abtrünnige Mitglieder der »Verhüllten Magier«, welche eine Art magische Kavallerie der Stadtwache verkörperten. Einige Rekruten waren mit Streithämmern bewaffnet und Ramon hatte sie angewiesen, sich im Kampf auf die mit schwerer Rüstung geschützten Feinde zu konzentrieren. Elgar war der kleinste und schwächste der Rekruten, doch er hatte erstaunliches Geschick im Umgang mit Schleudern bewiesen und tat sich so als einer der gefährlichsten Fernkämpfer der Truppe hervor. Als Paladin des zweiten Rangs hatte Ramon freien Zugriff auf die Waffenkammer des Ordens und bei der Suche nach den magischen Armbrustbolzen war er zufällig auf einige scharfkantige, vermutlich magische Steinkugeln gestoßen. Als nach einer kleinen Explosion im anschließenden Training plötzlich eine Zielscheibe in Flammen stand, war auch die Art ihrer Verzauberung geklärt.
      „Männer, wie ihr wisst, ist die Kanalisation gefährliches Terrain. Sollte uns Tymora nicht hold sein, könnten wir auf Gallerte treffen, ehe wir das Schmugglerversteck erreichen.“
      „Darf ich eine Frage stellen, Kommandant?“, fragte Elgar und trat vor.
      Ramon sah ihm in die Augen und nickte.
      „Kommandant, es gehen Gerüchte um, dass ein Geistertroll in der Kanalisation haust. Sind wir gegen ein derartiges, magisches Wesen gerüstet?“
      Ramon überlegte. Er wusste genug, um die Gerüchte nicht anzweifeln zu müssen, doch den Berichten zufolge, zeigte sich der Geistertroll ausschließlich nachts. In Gedanken ging er seine persönliche Ausrüstung durch. Neben Elgars Feuerkugeln hatte auch er eine Handvoll Feuerbolzen als effektive Trollabwehr zur Verfügung. Da das Wesen im schlimmsten Fall gar der Geist eines Trollschamanen sein mochte, hatte er auch seinen geerbten, verzauberten Grünsteinring angesteckt, welcher mit Glück einige geringere Zauber abfangen konnte.
      „Ich will ehrlich sein“, begann der Paladin und ließ Elgar zurücktreten. „Der Geistertroll existiert.“
      Die Blicke und unbewussten Gesten der Rekruten sprachen Bände und Ramon wartete, bis ihm die Aufmerksamkeit der jungen Männer wieder sicher war.
      „Alle bisherigen Sichtungen waren jedoch nachts. Deshalb gehe ich davon aus, dass uns dieses Wesen nicht begegnen wird. Für den Ernstfall hat Elgar allerdings einige schlagkräftige Argumente für den Geistertroll parat und auch ich habe vorgesorgt.“
      Die größte Anspannung fiel sichtlich von den Rekruten ab und sie nahmen wieder Haltung an.
      „Wir sind bestmöglich vorbereitet“, sagte er mit Nachdruck. „Die Schmuggler werden nicht wissen, wie ihnen geschieht. Habt ihr noch Fragen zu unserem Auftrag?“
      Nach kurzem Schweigen trat Hobart, der blonde Hüne der Truppe, vor.
      „Kommandant Ramon… gibt es irgendwelche Neuigkeiten zu Kommandant Tyrion?“, fragte er und der Paladin spürte die angespannte Neugier seiner Truppe.
      „Leider nein“, antwortete er betrübt.
      Erneut zeichneten sich die Gefühle der jungen Männer deutlich in ihren Gesichtern ab und Ramon konnte seine unterschwellige Enttäuschung nicht vollends ausblenden. Doch er stand weit über derartigen Gefühlen. Er schaute in die Runde, aber es wurden keine weiteren Fragen gestellt.
      „Bevor wir aufbrechen, lasst uns für Tyrions sicheren Rückweg beten“, ordnete er an.
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    • Lieber @bigbadwolf
      Ein schöner Bogen zu Tyrion, den du am Schluß schlägst. Auch sonst hat mir der Schreibstil sehr gefallen. Ich war anfangs etwas verwirrt, die wollen wirklich in die Kanalisation gehen, scheint ja ein umfangreiches System der Abfallbeseitigung zu geben!

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      bigbadwolf schrieb:

      Jeder von ihnen trug einen der für die Kanalisation notwendigen Ringe, denen ein schwacher Lichtzauber innewohnte.
      Hier war ich kurz irritiert. Ich dachte, die brauchen die Ringe um Magie zu "Kanalisieren". Aber der Lichtzauber ist wohl als Taschenlampe gedacht :D
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • @Sensenbach Ganz genau. Zuerst dachte ich ja an Fackeln, aber das ging nicht zusammen mit den Zweihandwaffen... und es ist unpraktisch. Lichtmagie zählt in allen mir bekannten Fantasy-Welten zu den elementarsten Zaubern. Athkatla ist eine große Stadt inklusive Schutzmagiern. Da sollte ein Paladinorden doch wohl mal ein, zwei Dutzend Lichtringe ordern dürfen.

      Die Kanalisation ist groß. Ehrlich gesagt orientiere ich mich hierbei an den Karten des PC-Spiels "Baldur's Gate 2". Wäre eine große, halbwegs funktionierende Kanalisation so ungewöhnlich für eine Großstadt in einer Fantasy-Welt?
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    • bigbadwolf schrieb:

      Die Kanalisation ist groß. Ehrlich gesagt orientiere ich mich hierbei an den Karten des PC-Spiels "Baldur's Gate 2". Wäre eine große, halbwegs funktionierende Kanalisation so ungewöhnlich für eine Großstadt in einer Fantasy-Welt?
      Eine funktionierende Kanalisation gab es geschichtlich wohl schon recht früh. Es gibt ja auch Städte unter denen ein Labyrinth von Gängen und Höhlen existiert, die teilweise auch genutzt wurden. Wenn bei dir ein ganzer Trupp Soldaten durchlaufen kann, wäre es lohnend zu erfahren warum es so groß ist. Vielleicht gibt es da auch natürliche Gänge und Höhlen, die mit der Kanalisation verbunden sind. Das alles könnte irgendwann mal von Zwergen gebaut worden sein ...
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    • Das hatte er nicht kommen sehen.
      Es fiel Bjanik schwer sich diese Fehlkalkulation einzugestehen, aber noch weitaus schwerer war es für ihn, sie zu verstehen. Es gab für ihn keinen erkennbaren, rationalen Grund dafür, dass sie nicht für einen Handel in die Stadt gelassen wurden.
      „Bjanik?“, fragte Bjanka und der Gnom erkannte, dass er das Zentrum der Aufmerksamkeit aller war.
      „Ich bin offen für Vorschläge“, zuckte er etwas resigniert mit den Schultern.
      „Ich weiß zwar nicht, wie weit es bis zur Mithrilhalle ist, aber ich würde mich ungern nur auf unser Jagdglück verlassen“, gab Bjanka zu bedenken.
      Bjanik wollte bereits etwas erwidern, aber Verk kam ihm zuvor.
      „Wir nicht bereisen zu Ath… nach Athkatla?“
      „Bjanik?“, hakte die Gnomin misstrauisch nach.
      Unvermittelt kam dem Gnomenmagier ein Bild aus seiner frühen Lehrzeit in den Sinn. Es stammte aus den Notizen und Skizzen seines Meisters. Für die meisten Bewohner Faerûns waren Dinge wie Stil oder Architektur ein Luxus, welche weit hinter dem Aspekt der Nützlichkeit zurückblieben. Die wenigen Glücklichen, deren Überleben nicht von harter Arbeit, Planung und einer wehrhaften Grundhaltung abhing, hatten vor allem in den Städten für eine Vielzahl atemberaubender Schöpfungen gesorgt. In der kurzen Zeitspanne, welche Meister Nardib auf seinen Reisen in Athkatla verbracht hatte, waren ihm beeindruckende Skizzen der örtlichen Tempel gelungen. Der Tempel Lathanders, des Morgenfürsten, hatte Bjanik schon damals die Sprache verschlagen und einen Traum in ihm reifen lassen.
      „So oder so“, ergriff nun Cinnabelle das Wort, „wir brauchen irgendetwas Essbares. Vielleicht sollten wir uns zunächst darauf konzentrieren, sonst sind wir genauso dazu gezwungen, die nächsten Reisenden, auf die wir treffen, anzugreifen.“
      Nur äußerst widerwillig wendete Bjanka den Blick von ihrem Freund ab, doch sofort hellte sich ihr Gesicht auf. „Die Bauern! Sie müssen hier irgendwo einen Unterschlupf haben. Sicher finden wir dort irgendetwas Brauchbares!“ Als ihr der Blick ihrer Gefährten bewusst wurde, hielt sie dennoch trotzig stand. „Wenn euch etwas Besseres einfällt, nur zu! Verk, Iason, ihr habt doch bestimmt gesehen, wo die Leute herkamen, oder?“
      Verk zeigte mit seinem dicken Finger auf eine der heruntergekommenen Hütten.
      Die Gnomin stemmte die Hände in die Hüften, wartete noch ein paar Sekunden und ging dann los. Cinnabelle und Verk schlossen sich rasch an, wobei der Oger die Trage mit der Leiche des Paladins mit einiger Vorsicht über die unbestellten Felder zog. Mit größtem Widerwillen folgten bald darauf auch Iason und Bjanik.
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    • So, @bigbadwolf, jetzt habe ich den ersten Teil deines Ogers durch.

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      Ich muss sagen, ich war begeistert. Meistens hörte ich nur mit dem Lesen auf, wenn ich etwas anderes erledigen musste, so spannend war das.
      Du hast liebenswerte und bunte Charaktere gezeichnet, die sich in ihrer Verschiedenheit irgendwie miteinander arrangieren mussten. Dass die drei Gruppen sich (wahrscheinlich im finalen Teil) begegnen würden, war mir schon ziemlich früh klar.
      Es war interessant, sie zu begleiten, etwas über ihre Motivation zu erfahren, über das, was sie vorwärts trieb. Ihren Umgang miteinander zu erleben.
      Da war der Oger, mehr oder weniger auf der Flucht, aber auch auf der Suche mit seinem Wissensdrang und seiner Lernbegier. Ein freunlicher und umgänglicher Geselle. Ein sympathischer Oger eben, so unglaublich es auch klingt.
      Die beiden Gnome, so gegensätzlich in ihrem Wesen und trotzdem so eng aneinander gebunden. Bjanik, liebenswert in seiner Schusseligkeit und auch seinem Eifer, Verk Magie beizubringen. Bjanka, geduldig und großherzig und immer besorgt.
      Und die Geschwister Reil und Cinnabelle mit ihren magischen Fähigkeiten und ihrer Zielstrebigkeit. Ich fand es sehr schade, dass du Reil hast sterben lassen. Er wäre sicher ein starker Charakter auch im zweiten Teil geworden.
      Iason hat meine ganze Sympathie gehört. Er war die tragische Figur von Anfang an, und man hat förmlich mit ihm mitgelitten bei dem Schmerz um seinen Paladin und Freund, bei der Erkenntnis dessen, was aus ihm geworden ist und bei seinen Bemühungen, den Lich zu vernichten.
      Ich werd auf jeden Fall auch den zweiten Teil lesen und dann abonnieren, damit ich erfahre, wann du was Neues postest. :thumbup:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Es war einmal ein Gnom,
      der mochte Magie schon.
      Da war auch mal ein Oger,
      der hieß mit Namen Roger.
      Mit ihnen ging ein Ghul,
      der fiel beinah vom Stuhl.
      Find ich cool.

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    • 5. Juni

      Erst als der Fluss endlich in Sichtweite kam, konnte Tikla ihre panische Angst vor einem Hinterhalt ablegen. Seit sie zwergisches Hoheitsgebiet betreten hatten, war die Orkin darauf gefasst gewesen, rasch flüchten und einen anderen Weg über den Surbrin suchen zu müssen. Oa fest an sich gedrückt wäre sie unter den prüfenden Blicken der bärtigen Grenzpatrouillen beinahe umgekehrt. Tikla hatte von den Zwergen Feindseligkeit erwartet, Flüche, Schläge oder höhnisches Gelächter. Oder zumindest irgendetwas, dass ihre tiefe Abscheu bestätigte. Stattdessen hatte sie inzwischen Dutzende der Dreckfresser passiert, welche allenfalls mit einem steifen Nicken zum Gruße zu erkennen gaben, dass sie die beiden überhaupt wahrnahmen. Sie hatte das drohende Unheil hinter ihren Blicken gesucht, doch kein einziges zwergisches Augenpaar zeigte die Vorboten der Gewalt auch nur annähernd so deutlich, wie die lebhafte Erinnerung an das sufftrübe Gesicht ihres Mannes.
      „Tikla?“, riss Oa ihre Mutter aus ihren Gedanken.
      Der Orkin wurde bewusst, dass sie seit Minuten ein Loch in den Surbrin starrte. Sie hatte Grund Stolz auf ihre Tochter zu sein. Oa wollte nach außen hin stark und unverletzlich wirken indem sie nicht „Mutter“ sagte. Tikla wusste, dass es in dieser Umgebung keinerlei Bedeutung hatte, aber für sie machte es dennoch einen Unterschied.
      „Was gibt es?“
      „Warum sind die bösen Zwerge nicht böse zu uns?“
      Mehr als ihr eigenes Weltbild schien das ihrer Tochter ins Wanken geraten zu sein. Jeglicher Erklärung beraubt konnte sie lediglich schmallippig mit den Schultern zucken. Es musste für Oa so verwirrend sein, dass sich die Zwerge freundlicher als die meisten Orks verhielten.
      „Lass uns gehen. Sobald wir den Fluss überquert haben, können wir all diesen Wahnsinn endlich hinter uns lassen.“
      Die beiden näherten sich mit verhaltenen Schritten dem Ankerplatz zweier Flöße. Die aus mehreren dicken Baumstämmen bestehenden Fähren boten Platz für einen Händlerwagen samt Zugtieren und Wächtern. Über den Surbrin waren zwei mächtige Seile gespannt, an denen sich die Übersetzenden entlanghangeln konnten. Das flussaufwärts soeben anlandende Floß transportierte eine Handvoll Zwerge und einen großen, mit Leinensäcken beladenen Handkarren. Auf der anderen Fähre saßen ebenfalls ein schwarz- und ein braunbärtiger Zwerg, die sich, in ein gestenreiches Gespräch vertieft, gelegentlich nach Kunden umsahen. Während sich Tikla und Oa vorsichtig dem flussabwärts vertäuten Floß näherten, wurde der Karren unter lautem Schnaufen ans Ufer gezerrt. Die beiden Fährmänner unterbrachen ihr Gespräch erst, als die Orkinnen schon fast auf ihrem Floß standen.
      „Seid gegrüßt, Orks“, sprach sie der Schwarzbärtige in gut verständlichem Daraktan an. Tikla erschrak heftig, da sie nicht erwartet hatte, die Orksprache so bald wieder zu hören. Die Nase des Zwerges wirkte seltsam deformiert und unter seinem Eisenhelm entsprang eine tiefe Narbe, welche sich bis zu seiner linken Augenbraue fortsetzte.
      „Ha-hallo“, brachte sie mit Mühe hervor. Oa schaute auf die Borkenreste des Floßes und nickte verhalten zum Gruße.
      „Das Überrennen kostet fünf Kupfermünzen“, teilte der Zwerg mit.
      Nach einem Moment der Verwirrung wurde Tikla bewusst, dass sich die Worte für »fahren« und »rennen« in Daraktan nur durch ihre Betonung unterschieden. Sie entschied sich nicht darauf einzugehen und holte stattdessen einen kleinen Beutel aus einer in ihre Fellbekleidung eingenähten Innentasche hervor.
      Vielleicht hätte ich doch alles mitnehmen sollen, überlegte sie bitter, während sie fünf schmutzig-rote Münzen in die Hand des Zwergs abzählte.
      „Ihr gutes Daraktan“, versuchte es Oa plötzlich in der Gemeinsprache.
      Der Schwarzbart nickte zum Dank und half den Orkinnen auf das wackelige Floß, während der Braunbart sich bereits daran machte, die Vertäuung zu lösen.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

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    • hi @bigbadwolf

      Wow. Habe gerade die ersten paar Seiten deiner Geschichte gelesen. Deine Rechtschreibung ist klasse! Ich wünschte mir würde dies auch so gut gelingen!

      Ich mag deine Welt, trotz Oger, um die ich eigentlich einen grossen Bogen schlage :) Ich mag das Düstere deiner Geschichte und wie unglaublich viele Gedanken du dir gemacht hast. Du bist unglaublich tief in deiner Geschichte verwurzelt. Das ist toll!

      Ich werde sicher weiter lesen! Bin gespannt.

      LG

      97dragonfly
      "Ein Schloss ohne Gruft, das wäre wie, wie ein Einhorn ohne Horn!"

      Eigenes von Fly
      Schatten unter London
    • @97dragonfly Hallo! Schön, dass du hierher gefunden hast.
      Oger sind eben mehr als nur dumm und hässlich. :D
      Ja, ich habe tatsächlich im Vorfeld ziemlich viel recherchiert und durch die Drizzt-Reihe hatte ich ja auch schon viel Einblick in die Welt Faerûns. Aktuell raffe ich mich gerade wieder dazu auf, hier weiterzumachen, da mir ein bisschen die Ideen für meine Wortgefechte ausgegangen sind.

      Naja und Rechtschreibung ist eben Autodidaktik, Übungssache und Korrekturlesen. Ich hab aber schon immer einen Fable für Rechtschreibung.

      Viel Spaß hier weiterhin!
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

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    • 29. April

      Noch nie hatte das Gefühl der Sättigung für Bjanka einen derart miesen Beigeschmack gehabt. Gestärkt und einigermaßen erholt durch die letzte Nacht waren sie schon kurz vor Sonnenaufgang aufgebrochen. Die spärlichen Vorräte der geflohenen ehemaligen Bauern würden nicht besonders lang vorhalten, doch zumindest für die nächsten paar Tage würden sie sich nicht ausschließlich auf ihr Jagd- und Sammelglück verlassen müssen; falls der vor ihnen liegende Weg überhaupt etwas Essbares bereithielt und nicht von weiteren hungernden Wegelagerern strotzte. Alles in allem konnte es die Gnomin kaum erwarten, endlich Mithrilhalle, das eigentliche Ziel ihres Aufenthalts auf dem Kontinent, anzusteuern. Letztlich hat uns der Weg nach Norden nur Ärger beschert, stellte sie für sich fest. Naja, Verk bildet zwar die große Ausnahme… ja, »groß« trifft es ziemlich genau. Aber ich liebe nun mal meine Freiheit und ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass Bjanik unsere erzwungene magische Verbindung gänzlich ignoriert! Hm, vielleicht hat er ja einen Plan…, vielleicht will er mich die Strafe fühlen lassen… ach, wahrscheinlich ist er bloß ganz er selbst und hat es vergessen.
      Hinter einer entfernten Baumgruppe lugten die ersten Sonnenstrahlen hervor und strichen sanft über das langsam verwildernde Weideland zu beiden Seiten. Die aus festgetrampeltem Dreck, Geröll und vereinzeltem Kopfsteinpflaster bestehende Straße hatte nur wenig mit den sauber angelegten und gepflegten Straßen Lantans gemein. Allerdings hätte Lantans gesamtes Straßennetzwerk wohl gerade einmal gereicht, um sie aus dem Grat der Welt nach Luskan zu bringen, was in Bjankas Augen das hierzulande fehlende Interesse an einer nachhaltigen Instandhaltung rechtfertigte. Am Horizont zu ihrer Linken glühte der Grat der Welt im Morgenlicht wie eine gigantische fahlrote Schlange. Und weit im Osten, irgendwo inmitten dieses schier endlosen Gebirgsreptils, lag die Mithrilhalle verborgen.
      „Da vorne ist eine Kreuzstraße“, erklang hinter ihr Verks Stimme.
      „Straßenkreuzung… eigentlich ist es eher eine Abzweigung“, korrigierte Bjanik neben ihr und der Oger wiederholte die Worte zur besseren Einprägung.
      Und tatsächlich gab ihnen die Straße einige Atemzüge später unmissverständlich zu verstehen, dass sie nun getrennte Wege gehen würden. Sie hatten zwar bislang nicht darüber gesprochen, welches Ziel die Gnome eigentlich auf dem Kontinent ansteuerten, doch für Bjanka war es so sicher wie ein Drachenhort, dass Verk mit ihnen reisen würde. Welchen Weg Cinnabelle wählte, konnte sie nur raten, war sie doch nach wie vor erstaunt darüber, dass sich die abtrünnige Aurilitin überhaupt so problemlos in die kuriose Gruppe eingefügt hatte. Iasons Absichten wusste sie zwar zu würdigen und inzwischen vertraute sie dem Untoten auch einigermaßen, doch seit das Tauwetter seinem Körper immer neue Schwaden entlockte, konnte sie das Flehen ihrer Nase nicht mehr ignorieren.
      „Tja, hier trennen sich unsere Wege“, sagte Bjanka geradeheraus, als sie die Abzweigung erreichten. Während Verk sichtlich überrumpelt stehen blieb, schienen Cinnabelle und Iason nicht sonderlich überrascht zu sein.
      „Wohin gehen willst… gehst du denn?“, fragte der Oger angespannt.
      „Bjanik und ich sind ja eigentlich aus einem anderen Grund zum Kontinent gereist als todbringende Untote zu töten… ach, jetzt klinge ich sogar schon wie er!“, regte sich die Gnomin mit gepresster Stimme auf.
      „Eure Gesellschaft hat mir meine bisherige Reise weitaus erträglicher gemacht. Dafür danke ich euch“, ergriff nun Iason das Wort. Trotz seines inzwischen stellenweise blanken Schädels, hatten seine Worte eine eigentümlich beruhigende Wirkung. „Wohin soll eure Reise führen? Vielleicht kann ich euch zum Abschied einen Rat mit auf den Weg geben.“
      „Wir… wir müssen nach Mithrilhalle“, begann Bjanik zögerlich. „Vielleicht habt ihr schon einmal von Gond gehört?“
      „Gond Wunderbringer?“, schaltete sich nun auch Cinnabelle ein. „Interessant. Bei dir hätte ich ja eher auf Baravar Mantelschatten getippt… oder sogar Glittergold.“
      Dass Cinnabelle Bjanik den Gnomengott der Illusion und Täuschung andichten wollte, war ja noch halbwegs verständlich, aber der trickreiche, goldverliebte Weltverbesserer Glittergold galt als wohlsortiert und zielstrebig; für jemanden von Bjaniks Schlag wäre dies allenfalls eine zynische Götterwahl gewesen.
      „Nun, nein. Ich persönlich fühle mich am ehesten Mystra selbst verbunden, aber das ist nicht von Belang. Wir sollen für die Priester Gonds Informationen über die jüngsten Ereignisse im Norden des Kontinents einholen.“
      Cinnabelle lachte bitter. „Das kommt darauf an, wen ihr fragt. Ich rate euch, eure Reise spätestens bei den Orks nördlich von Mithrilhalle zu beenden. Es sei denn, ihr wollt noch einmal mit Frostriesen aneinander geraten.“
      In Bjankas Kopf regte sich eine grauenhafte Erinnerung an rotglühendes Eisen und verbranntes Fleisch. „Danke, kein Bedarf. Aber ich dachte, Orks sind allesamt brutale, stinkende Schweine auf zwei Beinen“, sagte sie, nicht zuletzt um die Erinnerung zu verdrängen. „Von denen erfahren wir doch nichts Sinnvolles!“
      „Ach?“, hob Bjanik überrascht die buschigen Brauen. „Und Oger sind allesamt dumm und gewalttätig?“
      Die Gnomin warf Verk einen verlegenen Blick zu. „Du bist ja auch nicht ganz normal“, sagte sie halblaut, während sie an ihren Wurfdolchen herumnestelte. Verk schien es ihr nicht übel zu nehmen.
      „Eure Vorurteile gründen auf einer anscheinend vergangenen Wahrheit“, sagte Iason. „Der Vertrag von Garumns Schlucht hat nicht nur das Weltbild der Zwerge der Halle erschüttert, doch bislang scheint der fragile Frieden zu halten. Es heißt, die Orks hätten alle koordinierten Angriffe eingestellt und machten das ihnen zugestandene Land urbar.“
      „Also ist die Situation derzeit stabil?“, wollte Bjanik wissen.
      „Es scheint so. Aber mein Wissen hierzu ist älter als der letzte Winter“, gestand der Untote ein. „Ob ihr auf mein Wort vertrauen solltet, kann ich nicht sagen.“
      Iason wandte sich nun direkt an Verk. „Mein Weg liegt klar vor mir. Verk, ich danke dir dafür, dass du Tyrions Körper stets umsichtig behandelt hast. Doch mehr als meine Dankbarkeit kann ich nicht anbieten.“
      „Ich nur bin froh, dass ich helfen konnte. Tyrion war nicht schwer für mich“, schüttelt Verk abwehrend seinen großen Kopf, sodass einige seiner blau schimmernden Strähnen umherflogen.
      „Wir müssen weiter helfen“, wandte er sich plötzlich an Bjanik. „Iason schafft alleine nicht.“
      Misstrauisch beobachtete Bjanka die Regung im Gesicht des Gnoms. „Oh nein, der heroische Wanderverein trennt sich! Flut und Ascheregen!“, jammerte sie theatralisch.
      „Was ist ein »Verein«?“, fragte Verk, der ihren Sarkasmus entweder ignorierte oder schlicht nicht erkannte.
      „Nur ein anderes Wort für »Gruppe«“, erklärte Bjanik langsam. „Verk, du hast recht.“
      Bjanka explodierte augenblicklich: „Das ist NICHT! DEIN! ERNST!“
      Während Iason, Cinnabelle und Verk gehörig zusammenzuckten, wirkte Bjanik kaum überrascht von ihrer Reaktion. Stattdessen starrte er sie einfach an und wartete.
      Ich könnte ihn…!, tobte die Gnomin innerlich. Aaaah! Dieser Kerl schert sich einen Dreck um… ich… er kann doch –
      „Schön“, entgegnete sie wie ein Eisberg. „Ich nehme an, du kommst auch mit, Verk?“, wandte sie sich mit einem hässlichen Lächeln an den Oger.
      Obwohl die Gnomin ihm gerade bis zu den Knien reichte, brachte er lediglich ein vorsichtiges Nicken zustande.
      „Und du, Cinnabelle? Willst du immer noch Teil dieses bekloppten Haufens sein?“
      Die junge Frau schwieg lange Zeit, ihr Blick schweifte in die Ferne, verlor sich scheinbar am Horizont, während sie sich abwesend durch ihr mittlerweile wüstes Haar fuhr.
      „Ja“, antwortete sie schließlich. „Aber du scheinst ja nicht besonders erpicht darauf zu sein.“
      Bjanka verlor erheblich an Schwung und dachte rasch nach.
      „Du kannst doch schon zur Mithrilhalle aufbrechen. Du bist geschickt genug, um etwaigen Problemen auszuweichen und die Zwerge sind weithin für ihre Gastfreundschaft bekannt“, zeigte Cinnabelle weiter auf.
      „Das kann ich euch ja nicht antun", stemmte Bjanka die Hände in die Hüften. "Wenn ich euch mit DEM allein lasse, kommt Tyrion als ein Haufen Asche in Athkatla an. Oder er lässt sich von einer Horde Kobolde gefangen nehmen, wird dann zu ihrem Anführer und versklavt den Kontinent oder...“
      Ohne ein weiteres Wort lief Bjanik los. Bjanka kochte vor Wut, aber sie war schlau genug, die Warnung der Gondpriester nicht zu ignorieren. Was auch immer er bezweckte: Offensichtlich interessierte er sich kein Bisschen für ihre Situation.
      „Super!“, rief sie dem Gnom nach, ehe sie in die ratlosen Gesichter der anderen blickte. „Auf nach Athkatla!“, verkündete sie salbungsvoll und stapfte Bjanik hinterher.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von bigbadwolf ()

    • Lieber @bigbadwolf
      Ich bin begeistert, dass es hier weiter geht, und gespannt auf die Erlebnisse der Orkin und des "Wandervereins".

      Spoiler anzeigen

      bigbadwolf schrieb:


      falls der vor ihnen liegende Weg überhaupt derartige Ressourcen bereithielt und nicht von weiteren hungernden Wegelagerern strotzte.
      Vorschlag: Ein anderes Wort für "Ressourcen". Nahrungsmittel?

      bigbadwolf schrieb:

      Alles in allem konnte es die Gnomin kaum erwarten, endlich Mithrilhalle, das eigentliche Ziel ihres Aufenthalts auf dem Kontinent, anzusteuern. Letztlich hat uns der Weg nach Norden nur Ärger beschert, stellst sie für sich fest.
      stellte

      bigbadwolf schrieb:

      was in Bjankas Augen das hierzulande fehlende Interesse an einer nachhaltigen Instandhaltung rechtfertigte.
      Vorschlag: zeigte

      bigbadwolf schrieb:

      „Ach?“, hob Bjanik überrascht die buschigen Brauen. „Und Oger sind allesamt dumm und gewalttätig?“
      Die Gnomin warf Verk einen verlegenen Blick zu. „Du bist ja auch nicht ganz normal“, sagte sie halblaut, während sie an ihren Wurfdolchen herumnestelte.
      Worauf bezieht sich das "du"? Vorher hat Bjanik geredet aber Verk ist gemeint.

      bigbadwolf schrieb:

      „Wir müssen weiter helfen“, wandte er sich plötzlich an Bjanik. „Iason schafft alleine nicht, glaube ich.“
      "glaub ich" könnte weg

      bigbadwolf schrieb:

      Bjanka explodierte augenblicklich: „Das ist NICHT! DEIN! ERSNT!
      ERNST

      bigbadwolf schrieb:

      „Das kann ich euch ja nicht antun. Wenn ich euch mit DEM allein lasse, kommt Tyrion als ein Haufen Asche in Athkatla an.
      "mit DEM" Sie meint Bjanik. Wird aber nicht ganz klar, da Cinnabelle vorher redet.

      Die Motivation von Cinnabelle mitzugehen wird nicht ganz klar.

      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • @Sensenbach Erstmal danke für die schnellen Korrekturen und Hilfen. Das "rechtfertigte" stimmt schon so. Ich will ausdrücken, dass Lantans Straßen zwar besser sind, aber insgesamt auch viel, viel kürzer und insofern leichter zu reparieren, wenn mal was hinüber ist. Lantan ist eine kleine Insel und allein die Straße, welche von Luskan nach Süden führt ist länger als alle Straßen Lantans zusammen. Es wäre also ein geradezu unermesslicher Aufwand. Und das rechtfertigt in Bjankas Augen den desaströsen Zustand.

      Alles andere habe ich eingearbeitet bzw. ganz anders gemacht. :D

      Schön, dass du die Pause hier überlebt hast.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!
    • Es war notwendig. Sie hätten jede andere Möglichkeit ergriffen, aber es gab keine, sagte Iason zum etwa tausendsten Mal zu sich. Es erschien ihm rückblickend als eine Art rachsüchtige Gerechtigkeit, doch die Bauern waren die eigentlichen Opfer. Dass Bjanik die Frau mit seinen magischen Geschossen verletzt hatte, konnte er situationsbedingt verstehen und somit nicht verurteilen, doch während der letzten Tage war es ihm unmöglich gewesen, seinen Gefährten beim Essen zuzusehen. Dass er in seinem Zustand keinen Hunger leiden konnte, hatte ihm die prekäre Entscheidung abgenommen, aber in seinem Innersten wusste er es genau. Es gab keinen Ausweg. Ich hätte es auch getan, gestand er sich ein. Ob es einem Untoten überhaupt zusteht, jemandes Handeln zu verurteilen?
      Seine Hand glitt in eine seiner Manteltaschen, die Fingerknochen umschlossen den warmen Stein. Iason wusste um seinen Zweck, hatte er doch in seinen Ordensjahren viel über Untote und ihre Prioritäten gelernt.
      Das gleichmäßige, holpernde Schleifen der Trage wurde lauter. Am Rande seines Sichtfeldes tauchte etwas stechend Weißes auf und Iason ließ beiläufig seine Hand wieder an die Seite zurücksinken. Gleich darauf erkannte er, dass der gutmütige Oger in seinem prächtigen Winterwolfsmantel zu ihm aufschloss. Cinnabelle und Bjanik liefen, in ein Gespräch vertieft, einige Schritte vor ihnen, während Bjanka in seinem Rücken eben noch leise mit Verk diskutiert hatte.
      „Du sprichst wenig“, stellte der Oger fest und passte sich Iasons Tempo an.
      „Es gibt wenig, dass es mir noch wert ist, um darüber zu reden.“
      Schweigend passierten sie einen mächtigen, eigentümlich rechteckigen Grenzstein. Iason erinnerte sich vage, ihn bereits auf dem Weg nach Norden bemerkt zu haben. Mehrere Zeitalter schienen seitdem vergangen zu sein… und wer weiß, wie viele Zeitalter ihm nun noch bevorstanden.
      „Bjanik meint, ich werde ein Hexenmeister“, sagte Verk.
      „Und was meinst du?“, fragte der Untote. Dass der Oger »Hexenmeister« und nicht »Schamane« sagte, verdeutlichte, wie sehr er sich durch die Gegenwart der Gnome von der Kultur seiner Rasse entfremdet hatte.
      „Ich denke, ich kann Magie sofort manup…“, setzte Verk an und dachte nach. „Mani… pulieren.“
      Iason schwieg und dachte nach. Vermutlich hat er nur ein falsches Wort verwendet, überlegte er und schüttelte sachte den Kopf.
      „Das wäre für einen gestandenen Hexenmeister zutreffend, aber seit wir uns kennen, hast du nichts Derartiges geübt“, antwortete Iason. „Nach allem, was ich weiß, bedarf es jahrelanger Übung Mystras unsichtbares Geflecht spontan zu formen. Ich weiß ja nicht, was Bjanik –“
      „Für mich es ist nicht unsichtbar“, stellte der Oger richtig.
      Ein Moment des Zögerns verlangsamte Iasons Schritte. Er ist wirklich ein Phänomen… das erklärt, warum Bjanik ihn so eifrig unterweist. Seine untypische Intelligenz wäre kaum Anlass genug gewesen, aber »das«…
      „Das ist… interessant“, sagte er eine Weile später.
      „Bjanka sagt, dass ich bin »nicht ganz normal«… du bist auch anders als die Skelette. Du bist netter Untoter. Nicht normal“, grübelte Verk laut vor sich hin.
      Iason lachte – ein Geräusch, welches nicht recht zu seiner magisch erzeugten Stimme passte.
      „Was ist lustig?“, wollte Verk wissen.
      Iason verfiel erneut in nachdenkliches Schweigen und starrte geradeaus. Bjanik pfiff leise eine Melodie, Cinnabelle spähte in die großen Baumgruppen am Straßenrand. Im Westen bot eine Lücke zwischen den Bäumen einen freien Blick und am Horizont meinte er, die nördlichen Ausläufer der Schwertküste zu erkennen.
      „Es gibt nichts Lustiges“, antwortete der Untote schließlich. „Ich bin mir selbst zuwider, ich weiß ja nicht einmal, wie ich überhaupt funktioniere. Szarmons Erweckung hat mir weit mehr Leben eingehaucht als ich aushalten kann. Mein Glaube an Torms Gerechtigkeit verbietet meine eigene Existenz… es wäre besser gewesen, als eines seiner willenlosen Skelette von euch zerschlagen zu werden.“
      „Aber du hast… Lich getötet. Du bringst Freund nach Athkatla. Dein Gott kann nicht dich verbieten.“
      Iason schüttelte energisch den Kopf unter seiner Kapuze. „Ich bin den Großteil meines Lebens ein Diener Torms gewesen. Jeden Tag habe ich zu ihm gebetet, ihn um Kraft und Führung ersucht.“ Er sah Verk direkt an, welcher bei seinem Anblick unbewusst zurückzuckte. „Ich habe seit meiner Wiederbelebung nicht mehr gebetet. Nicht ein einziges Mal… du fragst dich wahrscheinlich, warum. Sicher würde ich im Moment meiner Anrufung sofort von seiner heiligen Macht zerrissen werden; und ehrlich gesagt wäre mir nichts lieber. Aber ich werde mein Schicksal ertragen, bis Tyrion die Hohe Halle der strahlenden Herzen erreicht. Und danach…“, endete er zögernd und wandte den Blick wieder ab.
      „Ich hatte auch viel Angst vor Magie und Energieknoten, weil ich war große Gefahr“, erklärte Verk nachdenklich. „Aber ich weiß jetzt, ich muss nur viel damit üben. Bjanik hilft mir. Du und ich nicht normal, aber das ist gut, wenn viel üben.“
      „Verk?“, erklang Bjaniks Stimme. „Wollen wir noch ein paar neue Worte durchgehen?“
      „Ja“, antwortete er und schloss zu dem Gnom auf.
      Während Iason dem ungleichen Paar beim Unterricht zuhörte, wurde er das Gefühl nicht los, dass die unbeholfenen Worte des Ogers mehr Weisheit in sich trugen als er derzeit akzeptieren konnte.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!
    • Hi Wolfi :)
      Ich hab mal die Einleitung gelesen :D
      Der Prolog ist ziemlich gut ^^
      Auch das erste Kapitel (oder die Einleitung dazu, so genau habe ich mir deine restlichen Beiträge noch nicht angesehen).
      Ich habe mir jedenfalls vorgenommen hier öfter mal reinzulesen und aufzuschließen. Ich weiß aber nicht, ob ich diesen Vorsatz einhalte (vertrödelt immer viel Zeit mit Nichtstun XD). Dennoch, das Lesezeichen und der Abbo-Haken sind gesetzt :D

      Spoiler anzeigen

      hier musste ich an Jason und das goldene Vlies denken und wollte dich fragen, ob Iason genauso ausgesprochen wird wie Jason.
      Abschließend - nachdem ich das Ende des Prologs kenne - kann es mir auch egal sein :P

      bigbadwolf schrieb:

      , und in Gedanken dabei, einen Heiltrank aus seinem Gürtel zu ziehen.
      keine Kommas

      bigbadwolf schrieb:

      Sicher war es eine gute Sache gewesen, der Diebesgilde diesen Schlag zu versetzen, aber konnte diese durchtriebene Bande tatsächlich beim Verschwinden des magischen Schwerts ihre Finger im Spiel gehabt haben?
      kein Komma

      bigbadwolf schrieb:

      Offenbar zu der Überzeugung gelangt, dass sie mit keiner Falle versehen war, stemmte Tyrion sich gegen die Tür, welche langsam aufschwang.
      Du leitest deine Relativsätze oft mit welche/welcher/welches ein. Von mir aus darf es auch gerne mal der/die/das sein :D
      (<--- Peanuts :D )

      bigbadwolf schrieb:

      Die Ordensbrüder umrundeten vorsichtig die leuchtenden Becken und ein paar Atemzüge später waren sie bis auf wenige Schritte an den Heiligen Rächer herangetreten.
      hier wechselst du kurz die Perspektive. Du schreibst die ganze Zeit aus Iasons Sicht als dritte Person.
      Hier springst du in den allwissenden Erzähler.
      (Ich würde übe rmich und meine Schwester auch nie sagen: "Die Schwestern standen in der Küche" .... Boah schwer zu erklären :hmm: Kannst du mir folgen?
      Andererseits: Wenn es sonst keinem aufgefallen ist ... Yolo XD

      bigbadwolf schrieb:

      Obwohl er ein trainierter Krieger war und dutzende Hinterhalte überlebt hatte, konnte Iason seinen Schild nicht schnell genug vor sich bringen. Sein Freund fuhr in einer einzigen Bewegung herum und der Zweihänder schlitzte Iason von der Hüfte bis zum Schlüsselbein auf.
      Das kam unerwartet =O :thumbsup:
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Miri schrieb:

      Abschließend - nachdem ich das Ende des Prologs kenne - kann es mir auch egal sein
      Wenn du meinst... :D
      Und jain, ich orientiere mich nicht direkt daran, aber der Vergleich drängt sich eben auf, ich weiß.

      Miri schrieb:

      Das kam unerwarte
      Für ihn auch.

      Die anderen Korrekturvorschläge arbeite ich ein. Danke.

      Ja, lies, soweit du Zeit und Muse/Muße hast. Vielleicht ist dir ja schon aufgefallen, wofür ich in diesem Thread ständig gerügt wurde. Eventuell wirst du doch schneller aufholen als du erwartest. ^^
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!
    • Hallo @bigbadwolf

      Ich habe am letzten Abschnitt nicht auszusetzen. Jetzt erfahren wir mehr von Iason. Dies könnte noch interessant werden.

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      bigbadwolf schrieb:

      Es war notwendig. Sie hätten jede andere Möglichkeit ergriffen, aber es gab keine, sagte Iason zum etwa tausendsten Mal zu sich. Es erschien ihm rückblickend als eine Art rachsüchtige Gerechtigkeit, doch die Bauern waren die eigentlichen Opfer.
      Interessanter Gedankengang. Ich war erst eine wenig überrascht, dass er sich solche Gedanken macht. Es holt Iason zurück in die Geschichte.

      bigbadwolf schrieb:

      Während Iason dem ungleichen Paar beim Unterricht zuhörte, wurde er das Gefühl nicht los, dass die unbeholfenen Worte des Ogers mehr Weisheit in sich trugen (Komma?) als er derzeit akzeptieren konnte.
      Hmm. Aber ob Iason wirklich als Untoter "sinnvoll" leben kann? Ich lass mich überraschen!
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • @Sensenbach Schön, dass du wieder dran bist. Dann kann ich ja weitermachen. :D Ne, ich hatte eh gerade ne kleine Pause eingelegt.

      Sensenbach schrieb:

      Aber ob Iason wirklich als Untoter "sinnvoll" leben kann? Ich lass mich überraschen!
      "Existieren". ^^ Das ist tatsächlich genau das, was in Iasons Weltsicht absolut nicht sein kann und darf. Und da wird es interessant...

      Sensenbach schrieb:

      Es holt Iason zurück in die Geschichte.
      Ich möchte ja auch alle Charaktere beleuchten. Sie sind nun mal als Gefährten miteinander verwoben. Also bis jetzt... höhö...

      Nervt eigentlich die sprachlich unbeholfene Art die ich Verk verpasse? Oder fällt es nicht ins Gewicht?
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    • Hi Big ^^ ich habe mal wieder einen Teil gelesen :D (Post 21)

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      bigbadwolf schrieb:

      Sie trug einen Umhang aus Silberwolffell, welcher ihr Kleid aus braunem Wildleder nur teilweise verdeckte. Das hoch geschlitzte Kleid gab den Blick auf ihre ebenfalls mit silbrigem Fell besetzten, hohen Stiefel frei, welche ihre Schritte angeblich auf jedem Terrain beschleunigen konnten.

      bigbadwolf schrieb:

      Dennoch verhielt sich die Blauhäutige, welche seit nunmehr fünfzehn Wintern Jarl des Frostriesenvolkes war, auch gegenüber Auriliten, ihren menschlichen Verbündeten im Geiste Aurils, überwiegend kalt und anmaßend.


      Die Einleitung gefällt mir richtig gut.
      Ich kann mir Gerti richtig gut vorstellen und hab begonnen in Bildern zu lesen :thumbsup:
      Außerdem hab ich mich in den Namen "Leuchtendweiß" verliebt :D
      (Aber bei einer FanFiction bin ich immer unsicher, welche Namen vom Autor sind und welche nicht und überhaupt ich hab von FFs keine Ahnung :rofl: )
      Dennoch: In dem Teil erzeugst du eine Stimmung die mir richtig gut gefalle hat!
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Miri schrieb:

      Außerdem hab ich mich in den Namen "Leuchtendweiß" verliebt
      Der Name stammt nicht von mir.

      Schön, dass du in Bildern liest. Ich habe immer beabsichtigt, so zu schreiben, dass im Kopf des Lesers ein Film startet.
      Ich hoffe, es sind nicht bereits zu viele Charaktere für dich, um den Überblick zu behalten. (?) Das war ja einer der Kritikpunkte der Award-Jury.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!