Der Oger Magus

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      Tut mir leid, dass ihr jetzt zwei Cliffhanger aushalten müsst... :whistling:



      Aurils Diener


      7. Ches

      Gerti Orelsdottr war wirklich eine imposante Erscheinung. Mit ihrer blauen Haut wirkte die elegante, über zwölf Fuß große Frostriesin, als wäre sie direkt dem eisigen Atem Aurils, der Göttin der Kälte, entsprungen. Sie trug einen Umhang aus Silberwolffell, welcher ihr Kleid aus braunem Wildleder nur teilweise verdeckte. Das hoch geschlitzte Kleid gab den Blick auf ihre ebenfalls mit silbrigem Fell besetzten, hohen Stiefel frei, welche ihre Schritte angeblich auf jedem Terrain beschleunigen konnten. Obgleich ihre Wachen noch größer als Gerti und mit zentnerschweren Äxten bewaffnet waren, war nichts so einschüchternd wie die Anführerin der Frostriesenstämme des Grats der Welt. Auf ihrem aus schwarzem Stein gefertigten Thron war sie das unbestrittene Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst im Sitzen überragte sie ihre Untergebenen mit Leichtigkeit und ihr langes, goldenes Haar reflektierte den Schein der Fackeln ebenso wie das Eis, welches die Felswände des Thronraumes überwiegend bedeckte. Gerti stand in dem Ruf, alle niederen Völker als Untergebene und zudem als minderwertig anzusehen, unabhängig davon, ob sie ihr tatsächlich dienten. Wie bei den meisten Riesen galt ihr besonderer Hass den Angehörigen des Zwergenvolkes. Dennoch verhielt sich die Blauhäutige, welche seit nunmehr fünfzehn Wintern Jarl des Frostriesenvolkes war, auch gegenüber Auriliten, ihren menschlichen Verbündeten im Geiste Aurils, überwiegend kalt und anmaßend.
      Es war erst vor wenigen Zehntagen, als die etwa zwei Dutzend Individuen zählende Aurilitengruppe in den östlichen Teil des Grats der Welt zurückgekehrt war und sich den Frostriesen angenähert hatte. Zu jener Zeit hatten die Ältesten der Gruppe Geschichten aus der Zeit vor Gertis Herrschaft erzählt, über den alten Jarl Orel, welcher die Frostriesenstämme der Region unter sich vereint hatte. Insgeheim verspotteten sie Gerti für ihre bislang eher erfolglosen Unternehmungen. Die Etablierung eines Orkkönigreiches und der damit einhergegangene Tod mehrerer Frostriesen zählten zu den wenigen großen Ereignissen während ihrer Regentschaft. Solcherlei Tatsachen ließ man in ihrer Gegenwart besser unerwähnt, sofern man anstrebte, ihren Herrschaftbereich, die Höhle Leuchtendweiß, in einem Stück zu verlassen .

      Reil und Cinnabelle waren sowohl auf Geheiß der Auriliten-Ältesten als auch auf den Ruf Gertis hin nach Leuchtendweiß gekommen, dem eisigen Höhlenkomplex der mächtigen Frostriesin, die gleichsam eine Anhängerin Aurils, der Frostmaid, war. Nachdem die beiden Menschen den gewaltigen Thronsaal unter den verächtlichen, amüsierten Blicken der Riesenwachen durchschritten hatten, erhob sich Gerti von ihrem Thron. Im Gegensatz zu Reil maß Cinnabelle kaum mehr als fünf Fuß, sodass sie sich noch schneller verbeugt hatte, als ihr hochgewachsener, muskelbepackter Bruder. Die feuchte, kalte Luft kräuselte ihr rotbraunes Haar inzwischen so stark, dass es nicht mehr bis zu ihrem Kettenhemd herunter reichte, als sie sich schließlich wieder aufrichtete. Im Angesicht dieser kolossalen Geschöpfe erschien ihr solider Körperschutz jedoch absolut lächerlich – ein sauberer Treffer einer Frostriesenaxt genügte, sie samt ihrer Rüstung in zwei Teile zu spalten. Als junge Akolythin verfügte sie nur über geringere Zauber und hätte den Frostriesen im Falle eines Kampfes nur wenig Unterhaltung bieten können. Da das harte Training und die Rituale der Auriliten sie gegen Kälte fast so unempfindlich gemacht hatte, wie die Frostriesen selbst, war ihr unübersehbares Zittern entsprechend leicht zu deuten...
      In diesem Moment war sie wirklich froh, Reil das Reden überlassen zu können. Da keiner von ihnen die Sprache der Frostriesen, Jotunise, beherrschte, ging Cinnabelle davon aus, dass die Audienz in der Gemeinsprache erfolgen würde.

      „Seid gegrüßt, Madame Orelsdottr!“, rief Reil aus, kreuzte seinen magischen Streitkolben und seinen metallenen Schild vor der Brust und verbeugte sich erneut. Cinnabelle tat es ihm mit ihrem gewöhnlichen Streitkolben eilig gleich.
      „Ich hatte nach Geldin schicken lassen!“, erwiderte Gerti barsch. „Wo ist dieses Stück Orkdung? Hat er so große Angst vor mir, dass er seine Welpen schickt?“, spottete sie über einen der ranghöchsten Priester der Aurilitengruppe. Von den umstehenden Frostriesenwachen ging ein leises Dröhnen aus, als sie verhalten über Gertis eröffnende Tirade lachten.
      „Wie viele andere unserer Gruppe erfüllt Sturmbruder Geldin den Willen der Frostmaid bereits an einem anderen Ort. Wir…“, wollte Reil weiter ausführen, doch er verstummte rasch, als Gerti ihm mit einer Geste zu schweigen gebot.
      „Sei’s drum. Verschwindet und schickt mir jemand… größeren!“ sagte sie in einem Ton, welcher das Gespräch beendete und wandte sich ab. Cinnabelle wusste, dass die Anspielung vor allem dem niederen Rang galt, welchen Reil unter den Auriliten einnahm.
      „Mit Verlaub, worum ersucht ihr unsere Gruppe, Madame Orelsdottr?“, fragte Reil mit fester Stimme, wobei er sich nicht anmerken ließ, ob die Worte der Frostriesin ihn gereizt hatten.
      Als sie sich Reil erneut zuwandte, mahlten ihre massigen Kiefer.
      „Ich verlange von euch, Ungeziefer, ich ersuche nicht!“, presste sie durch sehr schmale Lippen. Gleichzeitig studierte sie Reil etwas genauer.
      Reil verbeugte sich erneut, um sich für seine Ausdrucksweise zu entschuldigen, obgleich auch sein Kiefer angespannt war. Er richtete sich wieder auf, wobei die an seiner Rüstung angebrachte Schneeflocke, das Symbol Aurils, den Schein einer Fackel stark genug reflektierte, dass Cinnabelle ihre Position verändern musste, um nicht geblendet zu werden. Ihr Bruder wartete – auf einen Auftrag und auf einen Angriff gleichermaßen. Schließlich erklang Gertis Stimme erneut, diesmal jedoch in einem weitaus sachlicheren Tonfall.
      „Ich habe einen Auftrag, für den ich entbehrliche Truppen benötige. Eine … Quelle hat mich über die Lage eines verlassenen Tempels informiert, welcher zu Ehren Aurils errichtet wurde. Ihr werdet diesen Tempel finden und seine Tauglichkeit als Basislager überprüfen.“
      Die Frostriesin sah ihn mit durchdringendem Blick an.
      „Wir werden unsere…“, setzte Reil an.
      „ICH werde einen Boten senden, der eure Vorgesetzten in Kenntnis setzt“, unterbrach ihn Gerti erneut mit voller Absicht und die Wachen begannen hämisch zu lachen, während Gerti ein sehr selbstgefälliges Lächeln aufsetzte. „Falls es mir beliebt, lasse ich ihn sogar Proviant von eurer Gruppe mitbringen.“
      „Eine solch wichtige Aufgabe erscheint mir doch nur im Beisein mächtiger Frostriesen erfüllbar, Madame Orelsdottr“, entgegnete Reil schnell und verbeugte sich erneut. Nach allem, was Cinnabelle von den anderen Auriliten über die mächtige Anführerin wusste, waren ihr Stolz und ihr unverhohlener Rassismus einer ihrer wenigen Schwachpunkte. Dennoch hielt sie ob dieser versteckten Forderung ihres Bruders die Luft an.
      Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, sodass Gerti glaubhaft in Aussicht stellte, den Boten und einen weiteren Frostriesen mit auf die Reise zu schicken. Vermutlich um die Weisheit dieser von ihr vollkommen unbeeinflusst getroffenen Entscheidung zu bekräftigen, erzählte sie außerdem, dass die beiden Riesen sich ihren Zorn zugezogen hatten, als sie einen unbewaffneten Boten des neuen Orkkönigreichs Todespfeil getötet hatten. Das allein hätte Gerti damals höchstens amüsiert, aber der Bote war tot, bevor er seine wichtige Botschaft überbringen konnte.
      „Bis Mittsommer erwarte ich euch zurück“, schloss sie im Befehlston, um nicht versehentlich doch noch handfeste Informationen, etwa über jene Botschaft, preiszugeben.
      „Darf ich zuletzt fragen, warum ihr zur Sicherung dieser heilige Stätte keine größeren…“
      „Oh, ihr dürft fragen“, unterbrach die Blauhäutige ein weiteres Mal und ihr höhnisches Lächeln kehrte zurück.
      „Bis Mittsommer!“, wiederholte Gerti und Reil verbeugte sich sogleich.

      Dieses Gespräch war beendet.
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    • Ein strahlender Gnom

      12. Mirtul

      Verk verstand zwar kein Wort, aber es war offensichtlich genug, dass die kleine Gnomin, die unvermittelt aufgetaucht war, seinetwegen tobte. Was auch immer Bjanik ihn als Letztes wieder in der fremden Sprache gefragt hatte, es war nicht in ihrem Interesse. Hoffentlich Zauberstab nicht kaputt, dachte er ein wenig besorgt. Er hatte das Gefühl, dass die Frage seine derzeitige Situation vollkommen ändern würde.

      Während Bjanik die Diskussion mit eher ruhigen Gesten führte, explodierte die Gnomin förmlich in wilden Bewegungen, sowohl in Verks als auch in Bjaniks Richtung. Zuletzt verschränkte sie demonstrativ die Arme, nickte steif und schien auf etwas zu warten.
      Bjanik wandte sich wieder Verk zu und begann zu sprechen, richtete jedoch rasch erneut den Zauberstab auf sich, als ihm die fragende Miene des Ogers auffiel. Er murmelte ein Befehlswort und vor Verks Augen begann der Stab erneut in hellem Gelb zu glühen, ehe er das gebündelte Licht auf den Körper des Gnoms übertrug. Genau wie beim ersten Mal umfing Bjanik der wabernde Energienebel.
      „Ist es so wieder besser?“, fragte er.
      „Ja, du wieder leuchten!“, antwortete der Oger.
      „Dann ist ja…“, setzte Bjanik an, ehe die Worte zu ihm durchdrangen. In offensichtlicher Verwirrung untersuchte er seinen Körper. Er schien jedoch nichts Ungewöhnliches festzustellen und zuckte schließlich mit den Schultern.
      „Nun, ähm, meine Freundin Bjanka und ich wollen dich fragen, ob du mit uns in die Berge reisen willst?“
      Die angespannte, misstrauische Mimik der kleinen Gnomin machte Verk klar, wie sehr sie sich über seine Gesellschaft freuen würde. Dann wurde ihm klar, welche Möglichkeiten die Gesellschaft eines Magiers für ihn barg.
      „Verk mit Bjanik und Bjanja gehen!“, beantwortete er die Frage eifrig nickend.
      „BjanKA!“, rief die kleine Gnomin sofort erbost. Ob sie die Augen anschließend wegen des falsch ausgesprochenen Namens oder wegen Verks überdeutlicher Bejahung der Frage verdrehte, war für den Oger nicht offensichtlich. Er tippte jedoch auf beides.
      Auf Bjaniks Gesicht hingegen breitete sich ein warmes Lächeln aus, ein Gesichtszug, den Verk in den vielen Jahren seines bisherigen Lebens nur sehr selten gesehen hatte. Er wusste nicht einmal, wie man wirklich lächelte. Insofern war sein Versuch eines ebenso breiten, einladenden Lächelns in Bjankas Richtung zum Scheitern verdammt, ließ sie sogar ihr Gesicht angewidert verziehen. Das kränkte den Oger dann doch und er unterließ die missglückte Mimik.
      Stattdessen spannte er seine enormen Muskeln an und sagte stolz: „Verk stark. Verk euch beschützen und helfen mit Klettern. Berge gefährlich und… schwierig.“ Zur Bekräftigung seiner Worte deutete er auf die verzauberte Keule des letzten Angreifers, welche nun harmlos am Wegesrand lag. Bjanik schien seine Worte in der Sprache der Gnome zu wiederholen, aber Bjankas Gesichtsausdruck blieb wie versteinert.

      Bjanik wandte sich wieder zu Verk um, wobei der gelbliche Energiedunst bereits viel durchsichtiger war als direkt nach dem Wirken.
      „Zauber bald weg, Bjanik reden“, sagte Verk und deutete auf Bjanik.
      Bjaniks Lächeln verschwand und seine Augen wurden groß. „Woher willst du das wissen?“, fragte er zweifelnd.
      „Ich gesagt, du leuchten, jetzt leuchten weniger. Leuchten sicher bald weg.“
      Bjanik betrachtete erneut interessiert seinen Körper und drehte sich um die eigene Achse, ehe er Verk schließlich anstarrte.
      „Du SIEHST den Zauber?!“, fragte er fassungslos.
      Verk zuckte nur mit den Schultern. „Verk sieht gelbes Licht an Bjanik,“ sagte er und das Leuchten verebbte rasch, „und jetzt Leuchten wieder weg.“
      Bei den letzten Worten des Ogers zuckte der Gnom erschrocken zusammen und wich zurück. Er hatte sich aber schnell wieder im Griff und richtete erneut den Stab auf sich und dann unvermittelt auch auf Bjanka, welche sofort vehement den Kopf schüttelte, aber der magischen Entladung nicht mehr ausweichen konnte.

      „Leuchte ich jetzt wieder? Und Bjanka auch?“, fragte er eifrig, seine Augen in froher Erwartung geweitet.
      Verk begriff die ganze Aufregung zwar nicht, aber er nickte einfach und wiederholte: „Verk sieht gelbes Licht an Bjanik… und an Bjanka.“
      Während Bjanka verwundert dreinschaute, überschlug sich Bjaniks Stimme fast: „Bjanka, hast du das gehört? Das ist ja fantastisch!“
      „Was ist fantastisch? Dass wir in den Augen dieses Ogers Glühwürmchen sind?“
      „Nein, nein, nein!“ Der Gnom schüttelte so heftig den Kopf, dass sein kleines Metallband bedenklich hin- und herrutschte. „Ach, das erkläre ich dir gleich! Aber er MUSS UNBEDINGT mit uns kommen!“
      „Du musst mir ALLES über das, ähm... Leuchten erzählen!“, fuhr er, an Verk gewandt, fort.
      „Bjanik zeigen Verk Magie und Verk sprechen über Leuchten?“, fragte der Oger hoffnungsvoll.
      Der Gnomenmagier stutzte trotz seiner Euphorie. „Du willst, dass ich dir Zauber beibringe? Aber du….“ Dann hatte er anscheinend einen Gedankenblitz. „Nein, ich werde dir sogar Zauber UND die Gemeinsprache beibringen“, sagte er feierlich.
      „Ich habe nämlich keine Ahnung, wie oft mein Stab noch funktioniert“, ergänzte er kleinlaut.

      Verk nickte.

      „Das wird großartig, einfach fantastisch!“, jauchzte Bjanik, während er im Kreis hüpfte.
      „Einfach fantastisch…“, wiederholte Bjanka und seufzte laut.
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    • So ...
      Erstmal möchte ich dich zu den beiden neuen Teilen beglückwünschen, sie sind dir sehr gelungen. Ich gespannt wie du sie verbinden wirst!

      Zum vorletzten Teil
      Sieht die Frostriesin eigentlich gut aus? Also, ist sie eine attraktive Frau? Ich könnte mir vorstellen hier etwas mehr Beschreibung zu lesen.

      bigbadwolf schrieb:

      warum ihr zur Sicherung dieser heilige Stätte keine größeren…“
      Ich verstehe hier nicht was er mit "grösseren" meint. Wahrscheinlich zu warm heute, mein Kopf funktioniert irgendwie nicht richtig.
      Er fragt warum Menschen gehen sollen und keine Frostriesen mitkommen, oder?

      Zum letzten Teil
      Finde ich super. Ein gelungene Beschreibung der schwierigen Kommunikation über Artgrenzen hinweg.
      Du stellst die unterschiedlichen Charaktere auch schön da. Das gibt bestimmt noch interessante Gespräche.
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

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    • @Sensenbach: Ich hab da mal noch ein wenig Beschreibung ergänzt.

      Und es sollte eigentlich "größere" heißen, dann ist es einleuchtender, wie der Satz hätte enden sollen. Aber du liegst in etwa richtig.

      Danke für den Kommentar. Ich würde mich über weitere Anmerkungen, natürlich auch von euch anderen geschätzten Lesern, sehr freuen.
      Mich würde vor allem interessieren, wie ihr die Charaktere bislang findet.
      Danke.
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    • So, hab jetzt wenigstens alles bis auf die letzten zwei Teile aufgeholt.
      Ich muss sagen, Vark wird langsam mein Liebling, der ist schon ziemlich drollig :D Bjanka hingegen könnte sich zu einer Furie entwickeln, mal gucken..

      Den Teil mit der Frosteiskönigin-dingens hab ich zwar angefangen, aber dafür bin ich grade nicht zu konzentriert genug, weil doch wieder ziemlich viele neue Sachen vorgestellt werden.

      Übrigens fällt es mir auch sehr schwer, die Daten der verschiedenen Ereignisse miteinander zu vergleichen. Die Monate sagen mir nichts, ich muss erst ewig hin- und herscrollen und hab bis dahin aber schon wieder vergessen, was das Wort im vorherigen Beitrag jetzt nochmal für ein Monat war...


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
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      Diesmal ein eher kurzer Teil. Zurück zu unserem Dreiergespann. Begeben wir uns nun in Bjankas Perspektive .

      Viel Spaß!




      Inventur

      13. Mirtul

      Die beiden Gnome und ihr neuer, riesiger Gefährte kamen gut voran. Sowohl Bjaniks als auch Verks Wunden hatten am Morgen wesentlich besser ausgesehen. Die Lähmungserscheinungen in Verks linkem Arm waren abgeklungen und Bjanka war zuversichtlich, dass bei beiden kein Schaden zurückbleiben würde. Zumindest kein Schaden, den Bjanik nicht sowieso schon hatte.
      Verk half Bjanik gerade beim Überwinden einer für die Gnome zu breiten Felsspalte, während Bjanka lieber auf ihre eigene Geschicklichkeit und ihre Kletterfähigkeiten vertraute, als sich von dem Oger anfassen zu lassen. Sie betrachtete kurz das zerklüftete Gestein und sprang aus vollem Lauf in die Spalte. Ihre Hände fanden an einem breiten, zur Wand hin abfallenden Riss Halt und ihre gegen den Stein gestemmten Beine federten den Schwung weitgehend ab, sodass sie, mit den Füßen jede Kerbe und jeden Sims nutzend, rasch die Felswand hinaufkletterte. Als sie oben ankam, konnte sie gerade noch Bjaniks besorgte Miene sehen, ehe er sich wieder dem Oger widmete.

      Nach dem Überfall und dem seltsamen Gespräch hatte Bjanik zunächst einmal die Taschen seiner Robe geleert, um sicher zu gehen, dass während des Kampfes nichts ernsthaft beschädigt worden war. Auch Bjanka wollte sich lieber nicht vorstellen, was die versehentliche Vermischung verschiedener Zaubertränke bewirken konnte. Der Armbrustschütze, welchen einer von Bjankas Wurfdolchen am Bein getroffen hatte, war samt seiner Räuberbande irgendwie davongekommen. Lediglich die schwere, dunkelrote Keule hatten die Menschen zurückgelassen. Seiner angeborenen Neugier folgend hatte Bjanik natürlich einen Identifikationszauber gewirkt. Der gewaltigen Eichenkeule, die den Beinamen Schwarzblut trug, wohnte starke Magie inne, wodurch sie im Kampf dickflüssige Säure absonderte. Aus diversen Experimenten Bjaniks wusste die Gnomin, dass Verätzungen fürchterliche Schmerzen verursachten und hatte doch etwas Mitleid für den Oger empfunden. Letztlich hatte Verk seine eigene, noch größere Keule gegen Schwarzblut eingetauscht.

      Ihr erster gemeinsamer Reisetag war danach recht ereignislos geblieben. Bjanik hatte ihrem neuen Gefährten die Karte gezeigt, in der Hoffnung, dass ihre Suche nun leichter würde, aber der Oger kannte das Gebiet nicht, welches die letzten Seiten zeigten. Bjanka war sich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sicher gewesen, ob er das Wort „Zauberbuch“ verstanden hatte. Sie vertraute dem hässlichen Ungetüm keineswegs, obwohl sie zugeben musste, dass er sich sehr rassenuntypisch verhielt. Innerhalb des ersten Tages hatte Bjanik ihm bereits viele einfache Worte der Gemeinsprache vermittelt und nutzte seinen Zauberstab so selten wie möglich. Da sich Verk wohl noch nie bewusst mit geistigen Anstrengungen auseinandergesetzt hatte, konnte er sein Lerntempo und seine schnelle Auffassungsgabe nicht einschätzen, denn er hatte sich jedes Mal sichtlich über Bjaniks lobende Worte gewundert. Zudem schien Verk neben seinen verbesserungswürdigen Jagdfähigkeiten ein ziemlich gutes Gespür für bewohnbare Höhlen zu haben, sodass sie die regnerische Nacht zum Glück nicht hatten im Freien verbringen müssen.
      Ein magisch ambitionierter Oger. Wenn wir jetzt noch einen orkischen Paladin und einen Lich-Druiden aufgabeln, ist unsere Gruppe komplett, dachte Bjanka und schüttelte lachend den Kopf. Sie wusste nicht, dass dieser Gedanke sich als weit weniger unrealistisch herausstellen würde, als sie vermutete.
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      Jene unter euch, die Baldur's Gate 2 gespielt haben, werden nun vielleicht einen Charakter wiedererkennen.
      @Sensenbach: Jetzt geht es endlich weiter mit Iason. :D



      Hinter feindlichen Linien

      - ohne Datum -

      Seine Gedanken kehrten als wabernde Masse zurück. Das wohltuende Gefühl ließ allmählich nach und Iason wurde sich seiner Sehkraft wieder bewusst. Auch sein Gehör nahm den Dienst wieder auf und er konnte die entfernte Stimme des zweiten Magiers hören. Dann…
      Dann muss der Zauber funktioniert haben, dachte Iason erschüttert. In ihm keimte eine Furcht auf, die den rechtschaffenen Kleriker über den Rand des Wahnsinns hinaus treiben wollte. Aber diese Magie funktioniert…, kein Magier kann einen Zauber so verbiegen. Was…? Der üble Fäulnisgeruch und der Geschmack von Blut kehrten ebenfalls zurück, aber er konnte keine Untoten sehen. Mit dem Gesicht in Richtung Wand war sein Sichtkegel allerdings sehr klein. Ist der Lich noch anwesend? Kann ich es wagen, mich zu bewegen?
      Mit ungekanntem Grauen sah er nach unten. Es war ihm egal, ob der Nekromant ihn bemerkte, denn nichts war mehr wichtig, bis er Gewissheit hatte.

      Maden. Sein Oberkörper war zur Hälfte davon bedeckt. Reflexartig wischten seine Hände das Ungeziefer fort. Er wollte schreien und nur sein Instinkt hielt ihn davon ab, als seine Brust sichtbar wurde. Der Zweihänder hatte ihn förmlich aufgerissen, die Wundränder glänzten rot, sein Fleisch war an vielen Stellen weggefressen und er konnte seine eigenen Rippen sehen! Eine gallertartige Masse tropfte aus seiner Bauchhöhle auf den Boden. Iason empfand den intensiven Drang, sich zu übergeben, aber sein Körper gehorchte dem Gefühl nicht. Furchtbare Qualen müsste er leiden, aber da war... nichts. Erst jetzt nahm er bewusst seine sehnigen Hände und Arme wahr, die aufgedunsene, löchrige Haut, das offenliegende, verfärbte Fleisch und… sich selbst als Ursprung des unerträglichen Gestanks. Seine Gedanken überschlugen sich, suchten nach einer anderen Erklärung, einer anderen Wahrheit, welche zu akzeptieren er in der Lage war, aber er fand keine und die schiere Verzweiflung übermannte ihn. Zusammen mit der Gewissheit, ein Untoter zu sein.

      Bei Torm, ich bin ein Affront gegen die Natur, dachte er hilflos. Deshalb hat der Beherrschungszauber des Lichs funktioniert. Gerade, weil er auf negative Energie ausgerichtet war. Aber warum bin ich kein hirnloser, gewöhnlicher Zombie? Warum hat er mein Bewusstsein wieder an meinen Körper gebunden? Um mich zu quälen, so wie Tyrion?

      „Ich habe die Illusion erneuert. Bring es diesmal nach Nesmé“, ertönte die emotionslose Stimme des Lichs in der Ferne.
      Dann stimmte die zweite Stimme einen Zauber an, vermutlich einen Teleportationszauber.

      Der Lich.
      Iason wollte das Monstrum vernichten, welches ihn zu seinesgleichen gemacht hatte. Er wollte seine verdorbene Energie zerschlagen, ihn in die Neun Höllen verbannen und…
      Was dann? Allein Iasons derzeitige Existenzform widersprach seinem Glauben grundlegend. Torms Getreue fanden ihren persönlichen Frieden und die Erlösung durch den Dienst im Namen des Guten und Rechten. Wie konnte er aber seine Erlösung im Dienste des Strahlenden Ordens finden, wenn ihm dieser Frieden verwehrt blieb, wenn ihm gar der echte Tod verwehrt blieb? Sollte er dem Lich in die Neun Höllen folgen, sich seinem Orden stellen und sich gerechterweise vernichten lassen?
      Der untote Priester überlegte fieberhaft, wie er einer magischen Waffe habhaft werden konnte, denn soweit er wusste, waren nur solche Waffen in der Lage, die eigentliche Lebenskraft des Lichs zu verletzen. Als Erstes fiel ihm der Zweihänder mit dem Rubin ein, welcher ihn getötet hatte. Brachte der zweite Nekromant das Schwert nach Nesmé? Iason bezweifelte, dass er dem Lich mit seinen bloßen, faulenden Händen oder den Waffen der Skelettarmee schaden konnte. Wenn er Tyrion zur Besinnung bringen konnte…, aber was dann?
      Er wusste einfach viel zu wenig über seine Gefangenschaft und seine Peiniger.

      Gerade als er den neuerlichen telephatischen Ruf des Lichs vernahm, fiel ihm eine Szene aus seiner frühen Kriegerausbildung im Orden ein. Damals war er gerade erst dem Orden beigetreten und hatte noch nicht einmal den ersten Flaum am Kinn gehabt. Völlig unvorbereitet war er zu einem Übungskampf im Trainingsraum zitiert worden, wo er lediglich auf seinen Ausbilder und einen unbewaffneten, kaum zehn Sommer alten Knaben traf. Nach wenigen Sekunden des Taktierens konnte er die gut koordinierten, ausweichenden Bewegungen des Jungen einschätzen. Er stürmte heran und seine Axt, welche für das Training von einem dicken Stoffüberzug verhüllt war, fuhr treffsicher auf die Hüfte des Jungen herab. Plötzlich erstarrte er mitten im Schwung seiner Axt, als er einen festen Widerstand in Brusthöhe spürte, der seine Vorwärtsbewegung abrupt stoppte. Vor seinen Augen verschwamm das Bildnis des Jungen und an seine Stelle trat das lächelnde Antlitz einer Halblingsdame, die er noch nie zuvor gesehen hatte und die ihn soeben mit ihrem hölzernen Kurzschwert aufspießte. Hinter ihr erschien, wie aus dem Nichts, ein dürrer, alter Mann in einer grauen Robe, der, sich den Bauch vor Lachen haltend, Iasons Gesichtsausdruck imitierte. Später hatte er herausgefunden, dass dieser Illusionskampf allen neuen Ordensmitgliedern wiederfuhr, die, bis auf wenige Ausnahmen, allesamt von der magischen Illusion überrascht wurden.

      Als der Lich ihn in seinen Gedanken rief, gehorchte Iason widerstandslos. Noch hatte es keinen Zweck, sich zu widersetzen, aber irgendwann würde der Lich einen Moment unachtsam sein und dann würde Iason bereit stehen. Mit gezücktem Holzschwert.
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    • Das sieht ja unangenehm für Iason aus.

      Ich habe mir jetzt alle Teile mit Iason noch mal durchgelesen und bin hier noch etwas verwirrt.

      Ich muss zugeben, dass ich mich mit Untoten nicht gut auskenne. Wie sehen die aus? Mit Bandagen, damit sie nicht auseinander fallen? Haben sie rote, im dunkeln leuchtende Augen? Essen die etwas?
      Bei dem untoten Priester habe ich auch noch kein richtiges Bild vor Augen. Bei den anderen Akteuren ist das bisher anders.
      Vielleicht kannst du da noch nachbessern.

      Es ist wie immer gut geschrieben.
      Vor allem wird es jetzt sehr interessant, wie du die verschiedenen Teile verknüpfst und was hier eigentlich los ist.

      Ich freue mich schon darauf.
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • @Sensenbach Gib einfach mal im Internet Lich, Leichnam (Fantasy), Nekromant oder sowas ein, dann kriegst du automatisch ein Bild davon.

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      Thema Körperfixierung: Ja, da gibts verschiedene Ansätze. Bei dem Spiel Planescape: Torment (übrigens äußerst empfehlenswert für RPG-Fans), welches auch in den Forgotten Realms spielt, werden Untote tatsächlich mit Bolzen, Bandagen, Tüchern und Ähnlichem zusammengehalten. Es gibt aber auch die Variante, dass die negative Lebensenergie der Untoten ihre Körper (Zombie, Ghul, Mumie...), ihre bloßen Knochen (Skelett) oder gar nur ihre Gestalt (Geist, Alp, ...) zusammenhält.
      Ich gehe von Letzterem aus.
      Und ja, bei mir (und auch bei vielen anderen Autoren, glaube ich) sind die Augen von Untoten für gewöhnlich rote Punkte in den leeren Augenhöhlen.
      Thema Fresszwang: Untote können keine Nahrung verwerten, haben aber für gewöhnlich großen Hass auf die Lebenden und existieren in dem Irrglauben, durch Aufnahme von Lebendfleisch wieder zu Lebenden zu werden. (So kenne ich das zumindest.) Das gilt aber vorrangig für Untote, welche aus mehr als nur Knochen bestehen.

      Sensenbach schrieb:

      Bei dem untoten Priester habe ich auch noch kein richtiges Bild vor Augen. Bei den anderen Akteuren ist das bisher anders.
      Vielleicht kannst du da noch nachbessern.
      Ich werde mal sehen, was ich für dich tun kann. Kann aber etwas dauern.

      Danke für den hilfreichen Kommentar.

      Edit: Im unteren Eintrag erfahrt ihr, wie das hier zustande kam. Argh.
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      Werte Leserschaft. Ich bin ein IDIOT!!! Ich habe euch zwei Abschnitte aus dem ersten Kapitel vorenthalten! Und das sind auch noch DIE Abschnitte gewesen! Aaaaaahhhhhhh! :dash: :dash: :dash:

      Ich hoffe, ihr kriegt den zeitlichen Sprung hin. Weiß nicht, wie das passiert ist.
      Die beiden Abschnitte liegen zwischen meinen Posts vom 22. August und dem 23. August 2017.

      Tut mir echt leid. :pardon:
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      Edit, 3.9.2017: Hab den folgenden Text jetzt in einen zeitlich passenden Post eingefügt. Ein Hin- und Herspringen ist also nicht mehr nötig. Gegebenenfalls also diesen Beitrag überspringen.




      - Ohne Datum -

      Wie aus einem tiefen Schlaf erwachte Iason schlagartig, eingehüllt in ein wohltuendes warmes Gefühl. Gleichzeitig spürte er, dass sein Körper unkontrollierbar zuckte und durch die geschlossenen Lider blendete ihn ein intensives blaues Licht. Iason riss die Augen auf und sah nur lodernde blaue Flammen. Plötzlich verebbte das Feuer und nur ein blaues Leuchten blieb.

      Was ist geschehen? Müssten die Flammen mich nicht eigentlich verbrennen, statt mich bloß zu wärmen? Wo ist Tyrion? Warum hat mich Tyrion mit Carsomyr angegriffen? Hat er mich doch verfehlt?
      Aber Iason erinnerte sich an die höllische Qual, als der Zweihänder ihm die Brust aufschlitzte. Sein Freund hatte ihn tödlich verwundet, aber nun spürte er keinen Schmerz. Wer hatte ihn dann aber geheilt? Oder stand er unter Schock? Hatten die blauen Flammen etwas damit zu tun?

      Als das Leuchten ebenfalls soweit nachließ, dass Iason zunächst wie durch einen Tunnel seine Umgebung erahnen konnte, wünschte er sich sogleich das Flammenmeer zurück. Direkt ihm gegenüber stand unverkennbar ein Zombie, dessen feuchte, faulige Haut im Fackelschein glänzte. Als geweihter Priester im Dienste Torms hatte er während seiner Ausbildung natürlich Umgang mit Untoten gehabt, sowohl in glaubenstheoretischer Hinsicht als auch in der praktischen Auftrennung negativer Energie, was die Zerstörung der „Lebensessenz“ eines Untoten bewirkte. Sein Kampftraining rief ihm zudem die zentralen Schwächen und Stärken solcher widernatürlicher Hüllen ins Gedächtnis, sodass er innerlich sofort auf den bevorstehenden Kampf vorbereitet war. Als sich seine eingeschränkte Sicht zunehmend normalisierte, erstarrte er jedoch und der Mut verließ ihn.
      Der Zombie war nicht allein.
      Seitlich hinter ihm stand eine ganze Armee aus Skeletten und Zombies. Ausdruckslose Leichen, an denen noch Hautfetzen herunterhingen, teilweise sichtbare Eingeweide und angenagte, blanke Knochen. Die Untoten trugen die verschiedensten Waffen bei sich, vom Dolch bis zur zweihändigen Axt und füllten eine große, spärlich beleuchtete Halle. Dies war jedoch nicht die Halle mit den leuchtenden Steinbecken.
      Plötzlich konnte er auch den Fäulnisgeruch wahrnehmen und Blut schmecken. Erst als Iason leise Stimmen vernahm, welche allmählich lauter wurden, bemerkte er, dass sein Hörvermögen ebenfalls zurückkehrte. Am Rande seines Sichtkegels sah er zwei Gestalten, von denen eine in Iasons Richtung gestikulierte. Angesichts der Unzahl belebter Leichen war die offensichtlichste Erklärung, dass er hier zwei Nekromanten gegenüber stand. Vielleicht hatten sie versucht, ihn mit einem Zauber zu belegen, dem er aber irgendwie widerstanden hatte. Obgleich er noch immer nichts verstehen konnte, bemühte er sich, auch weiterhin keine Regung zu zeigen, falls der gescheiterte Zauber ihn festhalten sollte. Die vermutliche Anwesenheit von Magiern erklärte aber immer noch nicht, wo genau er sich befand und wie er hergekommen war. Die Wärme ließ langsam nach und an ihre Stelle trat ein seltsames Gefühl, das er nicht einordnen konnte.

      „… alle möglichen Auswirkungen haben“, sagte die erste Gestalt, welche noch immer in seine Richtung zeigte, gerade mit einer seltsam heiseren, wispernden Stimme.
      „Also wollt ihr noch einmal beginnen, Meister?“, fragte die zweite, offensichtlich männliche Person.
      Die Temperatur fehlte. Das war das Gefühl. Ihm fehlte jegliche Wahrnehmung der Temperatur. Vielleicht hing dies mit dem Zauber zusammen, überlegte Iason.
      Plötzlich kam die erste Gestalt auf ihn zu. Indem sie schließlich vor ihm stehen blieb, übertraf sie Iasons Befürchtung bei weitem.
      Nekromanten waren die beiden, daran bestand nun kein Zweifel mehr. Aber mindestens einer der beiden war zudem selbst ein Untoter. Vor ihm stand ein Lich. Eingehüllt in ein eisblaues Gewand fixierte er Iason mit rotglühenden Punkten aus den leeren Höhlen seines bleichen Schädels heraus. Mehr wollte der Kleriker auch nicht sehen, da er aus den Büchern seines Ordens Beschreibungen und Kohlezeichnungen dieser überaus mächtigen Untoten kannte. Er versuchte, einen Punkt hinter dem Lich zu fokussieren. Es kostete ihn all seine Disziplin, bewegungslos zu verharren, als das Monstrum einen knöchernen Finger an seine Stirn hielt. Die Wärme kehrte zurück, zusammen mit Gedanken, die nicht seine eigenen waren.

      ----------------------------------------

      Während er das löchrige Bärenfell ausschabte, achtete Verk darauf, sich die Fleischreste nur dann in den Mund zu stopfen, wenn Glurrg mit seiner dröhnenden Stimme alle Aufmerksamkeit beanspruchte. Mit wuchtigen Bewegungen stellte er den Ablauf der Jagd nach. Abgesehen von den erlegten Tieren hatten die Jäger auch bei einem Überfall auf einen Menschen Beute gemacht. Als Glurrg endlich aufhörte, damit zu protzen, wie er den Menschen mit samt seinem Helm zermalmt hatte, war Verk bereits mit dem Hirschfell zugange. Da nichts von dem schmackhaften Menschenfleisch unter der Beute war, ging Verk davon aus, dass sie ihn noch warm gefressen hatten.Inzwischen war es so dunkel, dass nur noch die Sterne das ausladende Gestikulieren des Ogerhäuptlings beleuchteten. Auf dem leeren Beutesack lagen nun zwei glänzende Ringe, ein paar Goldmünzen und die Ausrüstung des Menschen: Eine zerrissene Lederrüstung, ein Dolch, ein kleiner Bogen, ein Lederköcher mit vielen Pfeilen und ein Fischkopfknochen. Vor allem der letzte Gegenstand würde beim Tauschen mit den anderen Ogerclans viel Fleisch bringen. Verk war einmal einem Oger aus einem anderen Clan begegnet, als er nach essbaren Wurzeln gegraben hatte. Der andere Oger trug damals eine Kette mit einem solchen Knochen dran und hatte ihn mit seiner Keule weggejagt. Bestimmt machten diese Ketten ihren Träger viel stärker.
      Aber Verk konnte keine Ketten machen, er konnte nur Felle machen.
      Nachdem er mit dem Hirschfell fertig war, wollte Verk nur weg von seinem verhassten Vater. Er warf das Fell auf den Boden und zog sich langsam tiefer in die Höhle zurück. Keiner scherte sich um ihn, keiner sah, wie er sich hastig ein paar Wurzelknollen aus dem Vorrat in den Mund warf. Hätte ihn Glurrg dabei gesehen, wäre er wieder schlimm verprügelt worden.

      Verk schlug seine stinkende Felldecke zurück. Darunter befand sich sein ganzer Stolz: seine Keule, ein dicker, alter Eibenast. Aber im selben Moment wurde er zornig. Seine weichen Tannennadeln waren wieder weg. Ein Blick unter das Fell seiner Mutter bestätigte seine Vermutung. Er hasste sie. Hungrig und zornig legte sich der Oger auf seine harte Schlafstelle und zog die wärmende Decke über sich. Schon lange bevor der Lärm von Glurrgs donnernder Selbstverherrlichung plötzlich aufhörte, war Verk eingeschlafen. Er bekam nicht mit, wie die anderen Oger gebannt das blaue Energiegeflecht anstarrten, welches mit rasender Geschwindigkeit über den Berghang auf die Höhle zusteuerte. Er bemerkte auch nicht, wie die anderen Oger panisch an die Seitenwände der Höhle zurückwichen, als der blaue Blitz und der Vorhang aus blauem Feuer, welcher sich auf seinem Weg entfaltete, den Höhleneingang hinter sich ließen. Erst als unter ungeahnten Schmerzen blaue Funken aus seinen Gliedmaßen stoben und sein Körper durch den Energieblitz mit zum Zerreißen gespannten Muskeln in die Luft gerissen wurde, sah er, wie sein Clan aus der Höhle flüchtete.

      Er hasste sie alle.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ok! Ich geh da lang und du da lang...

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    • Schönes Kapitel.

      Mit Beschreibung der Untoten und des untoten Magiers :)

      Vielleicht hilft es den nachfolgenden Generationen, wenn du die Teile mit Nummern versiehst. Wegen der Zuordnung.
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Ich sehe du warst einkaufen und hast dir einen neuen Avatar gekauft. Nett. Teuer?

      Geht es hier weiter? (Aber keinen Druck)
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Spoiler anzeigen
      Dieser Abschnitt ist recht lang. Ihn geteilt zu posten erscheint mir allerdings unfair, da sonst wahrscheinlich Fragen offen blieben. Und so gemein bin ich nicht. :saint:
      Hier würde ich gern von euch erfahren, ob die Erklärungen für euch nachvollziehbar sind und ob ich euch mit Infos überhäufe. Also bitte PN, Like oder Kommi, falls ihr Anmerkungen für mich habt.


      Jetzt wird es magisch!


      Die Welt der Magie

      20. Mirtul

      Als Verk am Abend offensichtlich zum ersten Mal einen Spiegel in seinen Händen hielt, betrachtete er sich selbst interessiert im Schein des Lagerfeuers, dass ihre kleine Höhle erhellte. Seine Augen weiteten sich, aber auf Bjankas Nachfrage, was los sei, schüttelte er nur den Kopf und gab ihr den Spiegel schnell zurück.
      Inzwischen war das Eis zwischen den beiden ansatzweise gebrochen, vor allem durch Verks unaufdringliches, freundliches Verhalten. Er schien sich wirklich über ihre Gesellschaft zu freuen und sog alles in sich auf, was sie ihm erklärten oder zeigten. Im Gegenzug lauschte Bjanik gebannt den Beschreibungen magischer Energie durch den Oger, wenngleich diesem das Vokabular fehlte, um mehr als die Farben und die Intensität des Lichts in Worte zu fassen.

      Kurz nach dem Beginn ihrer gemeinsamen Reise vor knapp einem Zehntag hatte Bjanik das Wesen der Säurekeule untersucht und war in ihre brutale Vorgeschichte eingetaucht. Nun ja, genau genommen war der erste Zauber aus unerfindlichen Gründen verpufft.
      „Schwarzblut“, wie die Waffe ursprünglich hieß, wurde schon bei vielen, vornehmlich niederträchtigen Unternehmungen von vornehmlich niederträchtigen Besitzern geführt. Die Größe der Waffe erklärte sich dadurch, dass sie zuerst einem mächtigen Ogrillon, einer Mischung aus Ork und Oger, gehört hatte, der im fernöstlichen Thar lebte.
      Verk hatte ihm danach in Jogishk beschrieben, wie Bjanik durch den Identifikationszauber begonnen hatte, weißes Licht abzustrahlen. Beim ersten Mal habe das Leuchten aber feine Risse bekommen und sei dann einfach verschwunden, ehe er den Zauber beendet hatte. Beim zweiten Versuch hatte das Licht Bjaniks kahlen Kopf kurzzeitig umhüllt und war danach implodiert. Bjanik vermutete zumindest, dass der Oger diesen Vorgang beschrieb, da sich die Sprache Jogishk nicht gerade durch ihre Wortvielfalt auszeichnete. Nichtsdestotrotz waren Verks Ausführungen jedes Mal eine Notiz an den Rändern der Seiten seines Zauberbuches wert.

      Da Bjanik heute die erste Wache hatte, zog Bjanka ihre Decke über die Schultern, wandte sich von der Feuerstelle ab. Bald atmete sie gleichmäßig.
      Zeit für weitere Lehrstunden. Diesmal sollte es um Bezeichnungen in großen Städten, die Namen verschiedener Bauwerke und zugehörige Beschreibungen gehen.
      „Was ist Magie?“, unterbrach Verk plötzlich, als Bjanik gerade dabei war, dass Wort Brückenpfeiler zu erklären.
      „Magie?“, fragte er. „Magie ist… ähm, naja, eben Magie...“
      Bjanik kam sich plötzlich unglaublich dumm vor, während Verk ihn weiterhin fragend anblickte.
      „Das ist, … lass mich kurz nachdenken.“
      Bjanik wusste durchaus eine Antwort auf die Frage, der geringe Wortschatz seines Gegenübers stand einer solch umfassenden Erklärung allerdings definitiv im Weg. Er konnte dem Oger sein großes Interesse aber auch nicht verdenken, Zeit also für eine weitere Ladung. Er kramte wie so oft in den letzten Tagen in seiner übergroßen Tasche und zückte seinen Verständigungszauberstab. Während Bjanik den Stab verwendete, fragte er sich, ob die Ogersprache überhaupt sämtliche Worte seiner Erklärung bereithielt, aber Verk würde schon nachfragen.
      Nachdem er Verk seine Absicht kurz erklärt hatte, vergewisserte er sich, ob Bjankas Schlaf durch die gutturale Sprache gestört wurde. Die Decke der Gnomin hob und senkte sich jedoch weiterhin gleichmäßig.

      „Magie, tja. Wo soll ich anfangen?“, grübelte Bjanik.
      „Sag, was Verk sieht! Wenn ich erzähle von Leuchten, du sagst immer nur, das Magie.“
      „Was du siehst, wird wohl Mystras Gewebe sein“, überlegte der Gnom laut. „Der Ursprung der Magie“, ergänzte er auf Verks gehobene Brauen hin hastig. Bei Gonds Hammer, woher soll er wissen, wer Mystra ist?!, schimpfte er mit sich selbst.
      „Gut, frag immer nach, wenn du etwas nicht verstehst, ja?“
      Verk nickte.
      „Also Mystra ist die Göttin der Magie. Was eine Göttin ist, weißt du ja sicherlich… also Mystra bewacht das magische Gewebe, welches Magier benutzen, um ihre Zauber zu wirken. Mein Lehrmeister hat mir einmal erklärt, dass wir das Gewebe mit Worten und Gesten so verformen können, dass der beabsichtigte Zauber entsteht.“
      „Dann kann Verk auch zaubern?“, fragte Verk begeistert.
      „Ja, theoretisch schon“, antwortete der Gnom. „Aber die Manipulation magischer Energie ist ein wenig heikel. Kleinste Abweichungen können, sagen wir, unschöne Auswirkungen haben.“
      „Unschöne Auswirkungen?“, wollte der Oger wissen.

      Als Erklärung zog Bjanik seinen linken Schuh aus und zeigte ihm eine große, gezackte Narbe, welche quer über seinen Fuß verlief. „Eigentlich wollte ich mich beschleunigen, aber ich bin wohl nicht der geborene Wandler“, sagte Bjanik achselzuckend, wobei er sich auf die Schule der Verwandlungszauber bezog. „Erinnere dich bloß mal daran, wie du mich zuerst kennengelernt hast“, fügte er an und Verk musste grinsen, als er an den grün leuchtenden Oger-Bjanik dachte.

      „Du erklären... Wandler..., bitte“, fügte der Oger noch an.
      Daran, wie er das Wort aussprach, konnte Bjanik selbst in Jogishk erkennen, dass Verk quasi noch nie um etwas gebeten hatte.

      „Wandler ist eigentlich nur die Kurzform von ‚Gestaltwandler‘. Das sind Magier, die sich auf die Zaubersprüche zur Veränderung eines Körpers oder Gegenstandes spezialisiert haben. Eine andere Sorte von Magiern sind die Illusionisten, die sich besonders gut mit solchen Zaubern auskennen, welche die Sinne betrügen, zum Beispiel durch Unsichtbarkeit, Verzerrung oder falsche Abbilder. Die meisten gnomischen Magier sind zum Beispiel Illusionisten. Alle Gnome haben von Geburt an sozusagen ein Händchen für Illusionen, sowohl was die Erzeugung als auch das Durchschauen derselben betrifft. Für diese Art von Zaubern konsumiert man das Gewebe aber anders als zum Beispiel ein Nekromant, der mit Hilfe magischer Energie vor allem auf die sogenannte negative Energieebene zugreift, um…“

      Verks Blick nach zu urteilen, wünschte er sich die Brückenpfeiler zurück.

      „Ähm, sagen wir einfach, ein Illusionist wird für Energien, die für nekromantische Zauber Voraussetzung sind, unempfänglicher und kann somit auch diese Zauber nicht mehr wirken. Illusionisten können keine Nekromantie“, konstatierte Bjanik.
      „Und Ne… Nekromanten können keine Illusion?“, fragte Verk.
      „Ja, Nekromanten haben stattdessen in der Regel mit Illusionsmagie so ihre Probleme.“
      „Hm, und Bjanik auch Energie kon… kum…?“
      „Konsumieren? Sag einfach ‚Aufnehmen‘ dazu. Ja, wenn ein geschulter Magier seine Zauber vorbereitet, nimmt er die für seine geplanten Zauber nötigen magischen Energien in sich auf, um sie dann beim Wirken des Zaubers wieder freizugeben und zu formen. Ein sehr erfahrener Magier kann sogar Zauberbewegungen oder -worte durch zusätzlichen Energieeinsatz ausgleichen, also gestenlos oder vollkommen stumm zaubern. Das erfordert allerdings beträchtliche mentale Stärke, die nur besonders helle Köpfe mit viel Übung aufbringen können. Einige Zauber erfordern Komponenten. Denk zum Beispiel mal an die Eulenfeder, die ich für den Identifikationszauber verwendet habe. Der Zauber ist auch ohne diese Komponente durchführbar, allerdings erfordert er dann größere Energiemengen, welche die fehlende Feder ausgleichen. Da traue ich mich aber auch noch nicht ran.“

      Nach einer Weile schien Verk das Gesagte soweit verdaut zu haben und stellte seine nächste Frage.

      „Also Mystra macht Magie und gibt Magie dann schlauen Magiern?“ Er war sichtlich bemüht, seine Gedanken verständlich zu formulieren, was ihm selbst in seiner eigenen Sprache nicht leicht fiel.
      „Genau… also… nein, eigentlich nicht. Mystra gewährt keine Magie, sie hat das magische Gewebe lediglich erschaffen. Sie wacht über das Gewebe und repariert es, wenn Probleme auftreten. Das soll sogar ziemlich häufig der Fall sein. Nun, also diese Magie nennt man arkane Magie. Dann gibt es noch die göttliche Magie, die Priester und Paladine nutzen, etwa um den Heiltrank zu segnen, der unser beider Wunden verschlossen hat. Göttliche Magie wird ausschließlich von den Göttern des Gläubigen gewährt.“
      „Aber Mystra…“
      „… ist doch auch eine Göttin?“, beendete Bjanik die Frage. „Jaja, das stimmt schon, aber es gibt einen wesentlichen Unterschied: Auf das magische Gewebe kann jedes intelligente Geschöpf zugreifen, unabhängig von Glauben, persönlichen Bestrebungen und Gesinnung. Mystra will dafür nicht verehrt werden. Hm..., eigentlich scheint sie da generell ziemlich unvoreingenommen zu sein“, sagte Bjanik mehr zu sich selbst als zu Verk.
      „... dann gibt es da noch Druiden“, nahm er den Faden wieder auf. „Druiden behaupten zwar gern, dass ihre Magie direkt von der Natur kommt, aber eigentlich beziehen sie ihre Zauber von den Naturgöttern Silvanus und Chauntea. Letztendlich Haarspalterei, wenn du mich fragst.“

      Verk zuckte nur mit den Achseln.
      „Kannst du Verk Magier machen?“, fragte der Oger unvermittelt.

      Bjanik dachte nach. Er wusste zwar von mächtigen Oger Magi, aber sie waren extrem selten, da das Wirken eines Zaubers neben den Worten und Gesten eben auch große mentale Stärke erforderte, eine Fähigkeit, die den meisten Angehörigen dieser Rasse eher nicht in die Wiege gelegt war.
      „Lass mich dir etwas zeigen“, sagte er schließlich.

      Der Gnomenmagier konzentrierte sich und wirkte einen eher simplen Zauber, den er bereits seit seinem zweiten Lehrjahr beherrschte. Seine Hände sandten klares, blaues Licht aus und strahlten eine unnatürliche Eiseskälte ab. Verk beobachtete den Vorgang mit unverhohlenem Interesse und Bjanik freute sich schon auf die spätere Beschreibung der Farben und Formen des Zaubers. Der Gnom hielt beide Hände direkt in die Flammen des kleinen Lagerfeuers. Er zuckte jedoch schnell zurück, weil die Flammen augenblicklich so weit schrumpften, dass sie zu verlöschen drohten. Bjanik sah sich kurz um und ergriff einen faustgroßen Stein, auf welchem sich sofort eine dünne Eisschicht bildete. Er hielt ihn eine Weile demonstrativ in der Hand und legte ihn dann vorsichtig zurück. Hätte er den magisch durchgefrorenen Stein fallen lassen, wäre er womöglich mit einem lauten Knall in tausend Teile zersplittert und er konnte sich Bjankas Reaktion darauf nur zu lebhaft vorstellen.

      „Diesen Zauber habe ich mir gestern Abend eingeprägt, wie auch die Abende zuvor. Dabei habe ich nicht nur die dafür nötigen Anweisungen verinnerlicht, sondern auch die notwendige magische Energie in mich aufgenommen. Gerade eben habe ich diese Energie im Einklang mit den nötigen Gesten und Worten freigegeben und sie so zur Kalten Hand geformt… also zu dem Zauber ‚Kalte Hand‘. Um ihn morgen wieder wirken zu können, muss ich mir den Zauber heute Abend erneut einprägen, beziehungsweise die Energie dafür wieder in mich aufnehmen...“

      Seine Hände hörten plötzlich auf zu leuchten und die Kälte verflog. Ein Gefühl von Müdigkeit und geistiger Erschöpfung strömte auf den Gnom ein, wie es nach jedem Zauber der Fall war. Allerdings hatte der heutige Tag ihn auch körperlich sehr ermüdet. Verk war ihnen bei der Kletterei zwar eine große Hilfe, aber ein Gnom war nun mal ein Gnom.

      „Ich glaube, wir sollten morgen weiter sprechen“, sagte Bjanik daher und gähnte sogleich herzhaft.
      Verk wollte protestieren, aber Bjanik hob abwehrend die Hand und schloss seinen Mund wieder. „Ich bin wirklich müde. Die Fähigkeit der Magieformung ist auf ihre spezielle Art sehr anstrengend und die Berge machen unsere Reise nicht gerade einfacher. Morgen erzähle ich dir gern mehr…“ Er fühlte bereits, wie seine Lider schwer wurden. Obwohl er wusste, dass Bjanka Verk noch immer nicht ganz vertraute, sah er keine andere Möglichkeit, als den großen Oger zu fragen. „Würde es dir etwas ausmachen, die erste Wache für mich zu übernehmen?“
      Der Oger schüttelte den großen Kopf und wandte den Blick von ihm ab. Bjanik legte sich neben seine Freundin und das monotone Knistern der Flammen begleitete ihn in den Schlaf.

      Verk hatte in den letzten Tagen häufig zusammen mit Bjanik Wache gehalten, was eine gänzlich neue Erfahrung für ihn darstellte. Oger vertrauten stets auf ihre Größe und Stärke, sodass sein Clan nachts nie Wachen aufgestellt hatte. Aber auch jahrelange Erfahrung hätte ihm nicht geholfen, den unsichtbaren Elfenmagier wahrzunehmen, der sich lautlos in Position brachte.

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      Ja, ich weiß, dass ich doch gemein bin. :D
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ok! Ich geh da lang und du da lang...
    • Wie immer ein erzählerisch sehr gelungener Abschnitt. Ich mag den Oger!

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      bigbadwolf schrieb:

      Diesen Zauber habe ich mir gestern Abend eingeprägt, wie auch die Abende zuvor
      Weiter oben sagst du, er hätte den Zauber schon im zweiten Lehrjahr gekonnt. Wieso muss man sich den Zauber immer wieder einprägen? Diesen Abschnitt verstehe ich nicht wirklich.

      Zur Magie: Gibt es diese Götter, die Magie ermöglichen, wirklich in deiner Welt? Oder sind sie nur eine Art Aberglaube und die wirkliche Quelle der Magie ist für alle gleich?

      In der Geschichte gibt es bereits sehr viele Wesen und Personen die Magie benutzen können. Magie ist also sehr verbreitet in deiner Welt?
      Das ist natürlich ein interessanter Unterschied zu anderen Welten, wo Magie eher die Ausnahme und daher etwas besonderes ist.

      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
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      Danke für den Kommentar. Ich versuche mal, deine Fragen zu beantworten.

      Sensenbach schrieb:

      Weiter oben sagst du, er hätte den Zauber schon im zweiten Lehrjahr gekonnt. Wieso muss man sich den Zauber immer wieder einprägen?
      Dazu hab ich das Folgende im Geschichtentext geschrieben:

      bigbadwolf schrieb:

      Um ihn morgen wieder wirken zu können, muss ich mir den Zauber heute Abend erneut einprägen, beziehungsweise die Energie dafür wieder in mich aufnehmen...“

      bigbadwolf schrieb:

      Ja, wenn ein geschulter Magier seine Zauber vorbereitet, nimmt er die für seine geplanten Zauber nötigen magischen Energien in sich auf, um sie dann beim Wirken des Zaubers wieder freizugeben und zu formen.
      Beim Einprägen wird die Energie aus Mystras Gewebe temporär abgezweigt und vom Magier aufgenommen. Dies geschieht unter Verwendung eines Zauberbuchs. Das Wort "Einprägen" beschreibt gewissermaßen den gesamten Vorgang, aber ich will jetzt nicht spoilern. Deine Frage wird für Verk (und für dich) an späterer Stelle geklärt. Es hat jedenfalls keine Bewandtnis, dass Bjanik den Zauber schon seit dem zweiten Lehrjahr "kann".

      Sensenbach schrieb:

      Zur Magie: Gibt es diese Götter, die Magie ermöglichen, wirklich in deiner Welt? Oder sind sie nur eine Art Aberglaube und die wirkliche Quelle der Magie ist für alle gleich?
      Ja, es gibt sie wirklich. Es gibt neben der materiellen Welt (wo die Handlung spielt) noch verschiedene parallele Existenzebenen (z. B. die Schattenebene, die Kerkerebene Tartarus, Curst, die chaotische Ebene Limbo, ...) und abseits der materiellen Welt existieren die entsprechenden Götter wirklich. Wie genau allerdings der "Transfer" der göttlichen Energie vom Gott zum Gläubigen funktioniert, hab ich mir erstens noch nicht überlegt und zweitens noch nirgendwo zum Nachlesen gefunden, falls sich das schon mal jemand en detail ausgedacht hat.

      Sensenbach schrieb:

      Magie ist also sehr verbreitet in deiner Welt?
      Hm, da Magie wie ein unsichtbares Netz die gesamte Welt durchzieht, ist sie wirklich quasi sehr verbreitet, aber die Fähigkeit, dieses Netz anzuzapfen oder die Gunst eines Gottes zu erlangen, ist eher wenigen gegeben. Dass dir das allerdings in meiner Geschichte so vorkommt, ist verständlich, aber eher zufällig der bisherigen Handlung geschuldet.

      Sagen wir: Priester, Druiden und Magier (und Hexenmeister, kommt später noch) sind besonders, aber nicht die Ausnahme.

      Ich möchte hier allerdings nicht mit Zahlen herumjonglieren.
      Genaueres erkläre ich per PN. Falls gewünscht, bitte anschreiben.


      Hilft das?
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    • 3. Kapitel: „Annäherung“

      Verk übernimmt die Wache?! Gut, dass ich noch nicht schlafe… ein Oger, der zwei Gnome bewacht?!

      Ach, wer weiß, was ich heute machen würde, wenn Bjanik nicht so gutmütig wäre. Nardib hätte mich damals wahrscheinlich geröstet, wenn er mich in seinem Turm erwischt hätte. Ob Bjanik ihm je verraten hat, wohin die beiden Roben eigentlich verschwunden sind? ...Naja, von irgendwas musste ich schließlich leben und obwohl ich das Fallenstellen zu diesem Zeitpunkt schon recht gut beherrschte, brachten die Tiere auf dem Markt doch zu wenige Münzen ein. Gnome! Im Prinzip haben diese Geizhälse mich auch die ganze Zeit beklaut! Ich habe mich also quasi nur revanchiert. Wer es auf Lantan zu etwas bringen will, muss eben Erfinder oder Agronom werden. Aber da ich mich weder für Papa Trebliks Steckrübenmaschinen noch für Rauchpulver oder dergleichen interessiere und Pflanzen – ach, wen interessieren denn Pflanzen?!
      Wenn Mama und Papa nur nicht gestorben wären…

      Seit wir die Insel vor knapp drei Zehntagen verlassen haben, ist alles besser geworden. Und komplizierter. Erst dieses dumme Karten-Buch, dann die Beinahe-Katastrophe mit den Luskaner Torwachen an der Nordstraße, der Überfall auf dem Pass, dieser Verk…

      Wie sollen wir denn mit einem Oger im Schlepptau in irgendeine Stadt reinkommen? Und dann auch noch in eine Zwergenstadt?!


      Naja, zumindest scheint er wirklich in Ordnung zu sein. Gut, dass er mittlerweile mit seinem Speer geschickter geworden ist; wenn er kleinere Finger hätte, würde er wahrscheinlich sogar meine Fallen nachmachen können. Trotzdem ist es ein Wunder, dass wir genügend erlegen, um satt zu werden. Geschick und Wissbegierde…, wenn sein Geruch doch nicht so ogerhaft wäre! Und sein ständiges Schnaufen – hoffentlich hat er bloß einen Schnupfen…
      Moment mal…
      Verk schnauft gar nicht mehr!

      Bjanka
      20. Mirtul 1385 TZ
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ok! Ich geh da lang und du da lang...