Die Herrin der Ringe

  • Ich und eine Freundin haben neulich "Die Rückkehr des Königs" geschaut und, genervt von all den Jammernder-Frodo-Szenen befunden, dass Frauen die Sache weitaus besser und effizienter gelöst hätten. Der Gedanke wurde am Tage darauf im Chat mit Begeisterung aufgenommen und weitergesponnen und als ich dann meinte, dass wir das Ganze tatsächlich zu Papier bringen sollten, fand sich eine wundervolle @Phi, die mit mir sofort das Brainstorming begann <3 So haben wir gleich angefangen, Charakterbögen für unsere Figuren auszufüllen und ein System für das Schreiben auszutüfteln und hier ist es also: Genderswapped Herr der Ringe. Oder


    Die Herrin der Ringe


    Dem Aufmerksamen Leser mögen Parallelen zum bekannten Werk von J.R.R. Tolkien auffallen. Die sind tatsächlich so vorgesehen. Wir werden die Geschichte in Episoden aus Sicht der einzelnen Figuren niederschreiben und sie wird sich ausschliesslich an den Filmen, nicht den Büchern orientieren, aber diese Dinge werdet ihr selbst merken. Anfangs mögen gewisse Änderungen seltsam und verwirrend erscheinen, aber wir bitten um Geduld und sind auch gerne bereit, Fragen zu unseren Gedankengängen zu beantworten.


    Disclaimer: Die Rechte an den hier zitierten Passagen und dem geistigen Eigentum der Herr der Ringe-Trilogie liegen beim ihrem Eigentümer. Wir haben hiermit lediglich Spass und verdienen kein Geld.


    Anmerkungen für die Leser:


    - Bitte Postet eure Kommentare, Kritiken und Korrekturen in Spoiler, damit der Thread übersichtlich bleibt.
    - Sollte Interesse bestehen, ein oder zwei Beiträge zu schreiben, aber keine Zeit für die ganze Story, kann man sich gerne melden. Gastauftritte von Dritt-Autoren, die kleinere Rollen wie Haldir, Elrond und Eomer schreiben, sind sehr willkommen.




    Nun, ohne viel länger labern zu wollen, leg ich mal los ^^




    Die Welt ist im Wandel,
    Ich spüre es im Wasser,
    Ich spüre es in der Erde,
    Ich rieche es in der Luft.


    Vieles, was einst war, ist verloren,
    da niemand mehr lebt, der sich erinnert.


    Alles begann mit dem Schmieden der großen Ringe,
    drei wurden den Elben gegeben, unsterblich, und die weisesten und reinsten aller Lebewesen.


    Sieben den Zwergenherrschern, großen Bergleuten und geschickten Handwerkern, in ihren Hallen aus Stein.


    Und neun, neun Ringe wurden den Menschen geschenkt,
    die vor allem anderen nach Macht streben.


    Denn diese Ringe bargen die Stärke und den Willen jedes Volk zu leiten.


    Doch sie wurden alle betrogen.


    Denn es wurde noch ein Ring gefertigt,
    im Lande Mordor, im Feuer des Schicksalberges, schmiedete die Dunkle Herrscherin Saurah heimlich einen Meisterring,
    um alle anderen in den Schatten zu stellen.


    In diesen Ring floss ihre Eitelkeit, ihre Bosheit,
    und ihr Wille, jeden an Schönheit zu übertreffen.


    Ein Ring sie zu knechten.



    “Wundersamerweise gelang ihr, was keiner geglaubt hätte - Ihr Plan ging auf!”
    “Schatz, bitte.”
    “Ach, gibs doch zu! Es handelte sich wohl kaum um die Glanzstunde der Herren dieser Welt!”



    Der Reihe nach gerieten die freien Länder Mittelerdes unter die Herrschaft des Ringes.



    “Das ist so etwas, was ich an dir liebe und hasse: Dein Talent, alles in schöneren Worten zu formulieren, als die Situation eigentlich verdient hätte.”
    “Liebling, ich muss das hier fertig machen.”
    “Du machst hier so was wie Geschichtsschreibung, Schatz. Bitte bleib korrekt und präzise.”
    “Na schön, wenn es dich glücklich macht.”



    Der Reihe nach gerieten die freien Männer Mittelerdes unter die Herrschaft des Ringes.



    “Besser?”
    “Viel besser.”


    Doch einige leisteten Widerstand.



    “Einige?”



    Doch die Frauen leisteten Widerstand.



    “Weiss ohnehin nicht, was Saurah genau erwartete? Möglich, dass Männer Heere in ihren Untergang schicken, um ihr und ihrer magischen Schönheit nahe zu sein - aber Frauen sehen in dem Zusammenhang klarer. Und ich hätte nie zugelassen, dass sie dir an den Kragen kann.”
    “Weiss ich doch, Liebling. Lass mich das hier bitte beenden”



    Ein letztes Bündnis von Elben und Menschen zog in die Schlacht gegen Mordor, und kämpfte an den Hängen des Schicksalberges für die Freiheit Mittelerdes.



    “Ähem.”



    … für die Freiheit der Männer Mittelerdes?



    “Geht doch.”



    Der Sieg war nahe, doch die Macht des Ringes konnte nicht gebrochen werden.



    “Oh, daran erinnere ich mich. Es war so peinlich, als sie über das Schlachtfeld stolziert kam und ihr bei ihrem Anblick zu sabberndem Stein erstarrt seid.”
    “Schatz!”
    “Ist doch wahr! Aber mach nur weiter.”



    Und es geschah in jenem Moment, als es keine Hoffnung mehr gab,
    dass Isilde, des Königs Tochter, ihres Vaters Schwert ergriff.



    “Auch das weiss ich noch genau. Als der Ring endlich weg war, wart ihr wie Blinde, die wieder sehen konnten.”



    Saurah, die Feindin der freien Männer Mittelerdes, war besiegt.



    Der Ring ging an Isilde, die nun die Gelegenheit hatte, das Böse für immer zu vernichten.


    Doch die Herzen der Menschen sind leicht zu verführen, und der Ring der Macht besitzt einen eigenen Willen.


    “Arme Isilde. All der Druck, der sich während der Kriege aufgebaut hatte. Die einzige Nachkommin ihres Vaters und damit Erbin des Thrones… dabei war sie so unsicher! Sie hatte gehofft, dass die Macht des Ringes ihr bei der Ausführung ihres Amtes helfen könnte…”


    Er verriet Isilde, und brachte ihr den Tod.


    “Armes Ding. Wurde von einer Horde verrückter Weiber überrannt, die sich ebenfalls viel von der Macht des Ringes versprachen…”


    Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren.


    Geschichte wurde Legende,
    Legende wurde Mythos,
    und zweieinhalb tausend Jahre lang wusste niemand mehr um den Ring.


    Bis er sich eines Tages einen neuen Träger suchte.


    Der Ring geriet dem Geschöpf Goldie in die Hände, die ihn tief hinein in das Nebelgebirge trug - und dort verfiel sie dem Ring.


    “Ich frage mich ja schon, wie es sich anfühlt, das Ding zu tragen. Wird man wirklich selbstbewusster? Fühlt man sich so schön, wie man aussieht? Was genau ist es, das so eine Anziehungskraft auf uns Frauen ausübt?”
    “Tja, wer weiss…”
    “Nun, zumindest wissen wir genau, welche Macht er auf Männer ausübt.”


    Der Ring verlieh Goldie ein unnatürlich langes Leben, fünfhundert Jahre vergiftete er ihren Verstand und ihre Selbstwahrnehmung und in der Finsternis von Goldies Höhle wartete er.


    Dunkelheit legte sich über den Wald der Welt.
    Gerüchte wurden laut über einen Schatten im Osten, ein namenloses Grauen ging herum und der Ring der Macht spürte, daß seine Zeit gekommen war.


    Er verließ Goldie.


    Doch dann geschah etwas, was der Ring nicht beabsichtigt hatte,
    er wurde von dem unwahrscheinlichsten Geschöpf gefunden,
    das man sich vorstellen kann.


    Von einem Hobbit!
    Billa Beutlin aus dem Auenland.


    Und bald wird eine Zeit kommen,
    Da die Hobbits das Schicksal aller bestimmen.


    “Gut gemacht, mein Schatz.”
    “Danke. Ich wäre allerdings doch ganz froh, wenn du mich in Zukunft nicht mehr unterbrechen würdest, Celeste.”
    “Bitte entschuldige, Liebling. Ich mag es halt, wenn du so stoisch in die Ferne schaust und Selbstgespräche führst.”
    “Äh… Danke.”
    “Ich frage mich nur… Sollten wir nicht irgendwem sagen, dass der Ring bei Billa liegt?”
    “Liebling, Billa ist ein Hobbit. Für die interessiert sich ohnehin kein Schwein.”
    “Da hast du auch wieder Recht, Gabriel. Komm, es ist Zeit für das ominöse Rumstolzieren am Nachmittag.”


    "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve


  • „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten


  • Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

    Einmal editiert, zuletzt von Phi ()


  • 22. September 1400,
    Auenlandzeitrechnung

    Beutelsend, Beutelhaldenweg, Hobbingen,
    Westviertel, Auenland, Mittelerde


    Hin und wieder zurück
    von
    Billa Beutlin



    Billa lehnte sich zufrieden zurück und nahm einen tiefen Zug von ihrer Pfeife. Der erste Schritt wäre gemacht.
    Aber wo sollte sie anfangen? Ach ja, am Besten bei sich selbst.


    Über Hobbits


    Die Hobbits bewohnen und bewirtschaften die vier Viertel des Auenlandes seit vielen Jahrhunderten. Durchaus zufrieden damit, die Welt des großen Volkes zu meiden und von ihr gemieden zu werden. Und da es in Mittelerde von unzähligen seltsamen Geschöpfen wimmelt, erscheinen die Hobbits wohl sehr wenig wichtig. Denn sie sind weder als große Krieger bekannt, noch zählen sie zu den besonders Weisen.


    Als es klopfte, zuckte Billa kurz vor Schreck zusammen, ließ sich aber nicht weiter stören.
    “Frodette, da ist jemand an der Tür!”


    Übrigens, einige sind der Meinung, dass die einzig wahre Leidenschaft der Hobbits dem Essen gilt. Eine ziemlich ungerechte Behauptung, da wir ebenfalls ein großes Interesse für das Bierbrauen entwickelt haben und gerne Pfeifenkraut rauchen. Aber was uns wirklich am Herzen liegt ist Frieden und Stille und ein gutbestellter Boden. Denn nichts lieben Hobbits mehr als Dinge, die wachsen.
    Natürlich mag einigen unsere Lebensweise verschroben vorkommen, aber gerade am heutigen Tag wird mir bewusst: Es ist nicht das Schlechteste, sich am einfachen Leben zu erfreuen.


    Schon wieder klopfte jemand, diesmal penetrante dreimal, sodass Billa es sehr schwer fiel, sich an ihrem Leben zu erfreuen.
    “Frodette, die Tür!”, rief sie leicht genervt. In aller Hobbits Namen, war ihre Nichte taub?
    Billa sammelte sich kurz und strich sich über das rote Mieder ihres Kleides. Wo war sie stehen geblieben?
    Gerade griff sie nach ihrem Federkiel, als es schon wieder klopfte. Langsam atmete die Hobbitfrau tief ein und aus, um sich zu beruhigen.
    “Herrjemine, wo steckt das Mädchen? FRODETTE!”


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  • :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:


  • Frodette - Part 1



    Die junge Hobbitdame sass unter dem Baum und feilte sich gedankenverloren die Fingernägel. Irgendwo in den Ecken ihres Gewissens rief die Stimme ihrer Tante “Grundgütiger, Mädchen, lass doch wenigstens ein bisschen was dran!”, aber sie hasste lange Fingernägel.
    Was die Feile nicht erwischte, wurde früher oder später abgekaut, und das erntete erst recht entrüstete Blicke von Billa. Also feilte sich Frodette schon fast aus Reflex alle paar Stunden die Fingernägel. Wenn sie sich langweilte, wenn sie cool wirken wollte (was öfter vorkam, denn so ganz allgemein galt ihr und Tante Billas Lebensstil als wunderlich und alles andere als cool), wenn sie sich nervte, wenn sie nervös war, sich freute oder wenn sie sauer war.


    Oder wenn sie wartete, so wie jetzt. Oben im Wäldchen auf der Böschung am Weg nach Froschmoorstetten. Seit Tagen freute sie sich auf den zu erwartenden Gast und setzte sich hier zu jeder freien Minute hin (was ihrer allgemeinen Coolness nicht unbedingt förderlich war. Dem Wachstum ihrer Fingernägel ebenso wenig).


    Hm… sie schaute auf ihre Finger hinunter. Vielleicht sollte sie sie noch lackieren. So zur feier des Tages am Fest, das bald stattfinden sollte. Sie seufzte. Ach Mist! Das Festkleid, das sie tragen wollte, hatte immer noch diesen Weinfleck vom letzten Mal. Inzwischen müsste sich darauf bereits neues Leben entwickelt haben und Frodette war eine absolute Niete, wenn es um derartige Hausarbeit ging- wie ihre Tante, die sich auch lieber in ihre Bücher vergrub, als sich um die Höhle zu kümmern. Gut, dass sie sich Gehilfen leisten konnten.


    Frodette lächelte. Auch sie rannte lieber durch die Wälder im Auenland und dachte sich Abenteuer aus, anstatt-


    Frodette hielt inne, als sie das altbekannte Lied vernahm, das eine Männerstimme zufrieden vor sich herträllerte.


    Die Frauen kamen an die Macht
    Weg von dem Herd, wo sie gebannt


    Frodette stand so schnell auf, wie die Coolness es zuließ, und wurde dann schneller, als sie realisierte, dass eh keiner da war, der sie sah. Sie lief zur Straße, um dort auf der Böschung auf den Ankömmling zu warten.


    Auf, voraus in vollbus’ger Pracht
    Der Mann, der folgt so gut er-


    Der Alte entdeckte Frodette, wie sie mit einem, wie sie glaubte, strengen Blick auf ihn hinab sah. Er stoppte sein Pony.
    Sie verschränkte die Arme.
    “Du bist spät.”
    Eine der buschigen Augenbrauen hob sich.
    “Ein Zauberer ist niemals zu spät, Frodette Beutlin. Auch nicht zu früh. Er kommt immer genau dann, wann er es für richtig hält.”
    Frodette kniff die Augen zusammen und starrte ihn an.
    Der Zauberer starrte zurück.
    Frodettes Mundwinkel zuckte.
    Sein rechtes Auge zwinkerte.
    Schließlich konnte sich der Hobbit das Lachen nicht mehr verkneifen, und der Alte fiel mit ein.
    “Oh, ich freue mich, dass du da bist, Gayndalf!”, rief sie und kletterte neben den Zauberer auf den Wagen, um ihn zur Begrüßung zu umarmen.
    Gayndalf lachte. “Du dachtest doch nicht, dass ich Tante Billas Geburtstag versäumen würde?” Er ließ sein Pony wieder lostrotten.
    “Wie gehts denn dem alten Mädchen? Wie ich höre, soll es eine besonders prächtige Feier werden.”
    Frodette lächelte und zückte die Feile. “Du kennst Tante Billa doch. Hier sind alle gewaltig aus dem Häuschen.”
    “Das ist genau nach ihrem Geschmack”, erwiderte Gandalf und nahm ihr die Feile mit einem “Zt zt” weg.
    “Ja. Sie hat das halbe Auenland eingeladen, und der Rest kommt sowieso.”
    Der Zauberer kicherte und lenkte sein Gefährt über die kleine Brücke ins Dorf Hobbingen. Er atmete einmal tief ein und konnte förmlich fühlen, wie die Sorgen vom Rest der Welt von seinen Schultern fielen.
    Frodette runzelte die Stirn. “Sag mal, Gayndalf...”
    “Hmm?”
    “Du hast doch eben die Ballade aus Saurahs Tagen gesungen.”
    “Hab ich das?”
    “Oh ja. Warum singst du das Lied so gern? Du bist doch ein Mann, oder? Zumindest … naja, ein … Zauberer eben.”
    Gayndalf kicherte. “Nun, wie mein Name wohl bereits antönt, bin ich durchaus männlich. Und zu Saurahs Krieg war ich einer der wenigen Männer, der nicht ihrem Schönheitszauber erlag. Ich hatte … anderes im Sinne.” Frodette sah, wie seine Augen einen verträumten Glanz bekamen.
    “Nämlich?”, fragte sie unschuldig.
    Gayndalf fasste sich wieder. “Anderes halt. Naseweiser Hobbit. Wie dem auch sei- vor Saurahs Krieg, als die Männer noch an der Macht waren, wurden wir Zauberer zwar gefürchtet- wir sind schließlich Zauberer, aber der … andere Aspekt unseres Daseins war eher verpönt. Ihr Damen hingegen seid uns gegenüber offener, schätzt unsere Ratschläge sogar sehr, in allen Lebensbereichen. Deshalb ist dieses Lied auch für mich ein … nennen wir es “Empowerment”.”
    “Ich verstehe.”
    “Vieles hat sich seitdem geändert. Manches zum Besseren, manches zum Schlechteren. Ich jedenfalls blicke auf die Geschehnisse mit Wohlwollen.”
    Das Hobbitmädchen lächelte und umarmte den alten Mann. “Ich bin froh, dass du zurück bist, Gayndalf.” Damit sprang sie vom Wagen.
    “Ich auch, Frodette!”
    Sie winkte dem weiterfahrenden Zauberer zum Abschied zu und machte sich auf, eine neue Feile zu suchen.


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  • Gayndalf - Part 1

    Kein Eintritt!


    Ausnahme: Festangelegenheiten


    Schmunzelnd betrachtete Gayndalf das Schild, das Billa vor ihrer Hobbithöhle aufgehangen hatte. Er hätte wetten können, dass selbst “Festangelegenheiten” nicht Anlass genug waren, die Tür für unwillkommene Gäste zu öffnen.


    Er hob seinen Stab und klopfte mit dem einhornförmigen Knauf - natürlich in glitzergrau - dreimal an die Tür. Schon hörte er die vertraute Stimme:
    “Nein, danke, wir brauchen keine weiteren Besucher, Gratulanten oder entfernte Verwandte!”
    Wie konnte jemand ein so großes Fest ausrichten und gleichzeitig so eine Einsiedlerin sein?
    “Und was ist mit sehr alten Freunden?”, rief Gayndalf durch die verschlossene Tür.
    Wie erwartet öffnete sie sich mit Schwung. Es kam eine Hobbitfrau zum Vorschein, die trotz der grauen Haare und der Falten im Gesicht noch äußerst jung und frisch wirkte. Ihr rotes Schnürkleid wirkte im Gegensatz zu seinem grauen Mantel geradezu lebensbejahend, was für eine 111-jährige durchaus beeindruckend war.


    “Gayndalf…? Gayndalf, bist du es wirklich?”
    “Billa Beutlin! Schön, dich zu sehen. Schon 111 Jahre, ist das zu glauben? Und”, der Zauberer musterte den Hobbit gründlich, “du bist um keinen Tag gealtert.”
    “Komm, komm rein! Willkommen, willkommen, schön dich zu sehen! Tee? Hm, vielleicht doch etwas Stärkeres. Ich habe noch ein paar Flaschen Prosecco übrig, 1296er, sehr guter Jahrgang, fast so alt wie ich selber bin. Den hat noch meine Mutter gekeltert. Was meinst du, machen wir eine auf, he?”, plapperte Billa, während sie in ihrem Haus verschwand.
    “Nur Tee, vielen Dank.” Würden sie jetzt schon mit dem Alkohol anfangen, würden sie bald töricht kichernd in der Ecke liegen.
    Gayndalf wollte Billa folgen, blieb allerdings mit dem Einhorn-Horn seines Stabes in dem Kronleuchter des Eingangsbereichs hängen - diese Hobbithöhlen waren einfach viel zu klein für einen Normalwüchsigen.
    Er drehte sich kopfschüttelnd schwungvoll nach links, um einen anderen Weg als den durch die Eingangshalle zu wählen - und schlug seinen Kopf mit einem matschigen Geräusch gegen einen Torbogen.
    “Oooooou”, stöhnte er. Wwnn sich das zu einem blauen Fleck entwickeln, würde das sein ganzes Outfit über den Haufen werfen!
    Die Hand gegen die schmerzende Stelle gedrückt, bückte Gayndalf sich vorsichtig und betrat die Küche. Aus der Speisekammer heraus hörte er weiterhin Billas Selbstgespräche. Irgendetwas mit Apfelkuchen und… Essiggurken? Um Himmels Willen.
    “Nur Tee, vielen Dank”, unterbrach der Zauberer eilig den Monolog.


    In diesem Moment waren Rufe von draußen zu hören. Billa reagierte, als hätte sie den Ernstfall eines spontanen Bombenabwurfes tausendmal geübt: Sie schmiss sich zu Boden, robbte in Sekunden durch die Küche zur Hauswand und drückte sich so flach wie möglich an sie ran - so flach es mit ihrer Oberweite nunmal möglich war.
    Auf Gayndalfs fragenden Blick erklärte sie:
    “Ich tu so, als wäre ich nicht da. Das sind die Sackheimbeutlins!”
    Von draußen hörte man ein aggressives “Ich weiß, dass du da drin bist!”
    Wenn man schon das Wort im Namen hatte, MUSSTE man wohl allen auf den Sack gehen.
    “Die haben es auf das Haus abgesehen. Die können es nicht ertragen, dass ich schon so lange lebe und trotzdem keine Anti-Faltencreme brauche. Ich muss weg von dieser Verwandtschaft, die sich gegenseitig die Klinke in die Hand drückt und mir keine Ruhe lässt! Ich will wieder Berge sehen, Berge, Gayndalf. Und mir dann irgendwo ein stilles Plätzchen suchen, wo ich mein Buch fertig schreiben kann.”
    Billa seufzte sehnsüchtig.
    “Dann hast du also vor, deinen Plan durchzuführen? Mein Gefühl sagt mir, dass Frodette bereits Verdacht geschöpft hat…”, warnte Gayndalf sie.
    “Natürlich hat sie das, sie ist ein Beutlin! Keine von den einfältigen Straffgürtels aus Steinbüttel! Würde ich sie fragen, käme sie wahrscheinlich mit. Ich glaube, tief in ihrem Herzen hängt Frodette noch am Auenland. Mit seinen Wäldern und Feldern und kleinen Flüssen.” An dieser Stelle seufzte Billa nochmal. “Ich bin alt, Gayndalf. Man sieht es mir nicht an, aber im tiefsten Herzensgrunde fühle ich es. Ich... ich komme mir ganz dünn vor, ausgemergelt, wie Butter auf zu viel Brot verstrichen.” Der Zauberer zog eine Augenbraue hoch - was war das denn für ein Vergleich?
    Billa machte eine kurze Pause, in der sie in die Luft starrte.
    “Ferien, ich brauche Ferien! Ich glaube nicht, dass ich zurückkommen werde, ich habe es ehrlich gesagt gar nicht vor.”
    Während ihrer kleinen Rede nestelte sie die ganze Zeit an ihrer Brusttasche herum. Dem Zauberer war klar, was sich dort befand, aber für diesen Moment ließ er es gut sein. Wozu die Stimmung noch mehr drücken? Niemand interessierte sich für diesen dämlichen Ring.


    Die Idee von Billa, ein bisschen Pfeife zu rauchen und das friedliche Auenland zu betrachten, fand er da schon viel angenehmer.
    Zu zweit setzten sie sich auf die Bank vor dem Häuschen - die Säcke von Verwandtschaft waren mittlerweile zum Glück verschwunden - und genehmigten sich eine Handvoll Alte Toni, das beste Kraut im ganzen Südviertel. Das Beste deswegen, weil es ungewöhnlich schnell wirkte. Bereits nach dem ersten Zug lachten und kicherten der Zauberer und der Hobbit fest in der Annahme, sie würden von Kreisen bis hin zu ganzen Schiffen allerlei wundersame Rauchgestalten mit ihren Pfeifen erschaffen.
    Wieder mit der Welt im Reinen lächelte Billa selig und sagte zwischen zwei Zügen: “Gayndalf, mein alter Freund, an diesen Abend werden wir uns noch oft erinnern.”


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    4 Mal editiert, zuletzt von Phi ()


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