Die Herrin der Ringe

  • Super Sache hier!


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

    Einmal editiert, zuletzt von Sensenbach ()


  • Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

  • "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]



  • Marie 1 - Das Feuerwerk



    Marie amüsierte sich prächtig. Das Fest war in vollem Gange, sie hatte die Korsage ihres Kleides etwas lockern können, und es war keiner weit und breit, der ihr den zweiten ganzen halben Humpen Bier verbot.
    Mit ihrer Cousine Pippa zog sie über das Festgelände um zu sehen, wo sich die Veranstalterin der Feier befand. Offenbar hatte Pippa die Idee, was sich hier anstellen ließe, sie mussten aber sichergehen, dass keiner hinsah, der ihnen Ärger machen konnte. Sprich, Frau Beutlin, die zur Zeit aber schwer damit beschäftigt schien, mit wilder Gestik und noch wilderen Gesichtsausdrücken eine ihrer berühmt-berüchtigten Geschichten zu erzählen. Die Kinder im Publikum, kaum faszinierter als ihre Eltern, folgten mit angehaltenem Atem jedem von Billas Worten. Marie lächelte. Sie kannte und liebte Billas wundersame Geschichten wie jeder andere Hobbinger. Aber jetzt hatten sie anderes zu tun.


    Sie wurde von Pippa aufgeregt am Ärmel an der Tanzfläche vorbeigezogen, wo die jüngeren Hobbits ihre Reigen drehten. Da war sogar Sam, am Rande sass sie, machte sich klein hinter ihrem Bierkrug und beobachtete heimlich Rosso, der sich elegant durch die Reihen bewegte.
    Jeder wusste, dass sie schon lange in den Schenkengehilfen verliebt war, alle ausser Rosso selbst.
    Vielleicht mag Sam ja hier mithelfen? So als Ablenkung...
    Gerade wollte sie Pippa bremsen, als sich eine bereits leicht angetüdelte Frodette neben Sam setzte und versuchte, sie aufzuheitern.
    Nun gut. Dann nicht..
    “Komm schon!”
    Marie folgte ihrer Cousine und bester Freundin zwischen die Festzelte bis nach ganz hinten, wo ein sehr spezieller Karren wartete.
    “Warte- ist das Gayndalfs Wagen?”
    “Ja! Sieh dir nur die Ladung an!”
    Die anfängliche Vorsicht war schnell überwunden, als Marie all das Feuerwerk entdeckte. Nur wenig liebte sie so sehr wie Dinge, die mit viel Krach in die Luft flogen.
    Sofort machte sie für Pippa die Räuberleiter und stand dann Schmiere, aber das war kaum nötig. Die Party lief anderswo.
    Nur wenige Momente später kam ihre Cousine mit einem Arm voll Raketen von der Ladefläche geklettert.
    Mit einem letzten Blick zurück hauchte Marie “Nein, warte- nimm die grosse noch mit!”. Sie hatte eine Schönheit entdeckt, der sie direkt den Namen “Armageddon” verpasste.
    Mit ihrer Beute suchten sich die beiden Hobbits ein ruhiges Plätzchen, wo sie Armageddon in den Boden steckten - eine gut zehnpfündige Mutter aller Raketen in Form eines Frosches (Gayndalfs Humor war stets eine Geschichte für sich).
    “Hast du ein Feuerzeug?” Maries Augen glänzten im leisen Wahnsinn einer Pyromanin im Anfangsstadium.
    Wenn Pippa noch protestieren und die Schnur selbst anzünden wollte, liess sie es jetzt doch lieber bleiben.
    “Klar, hier. Ich… äh…” Sie machte ein paar Schritte zurück.
    Marie kniete sich nieder und entzündete das kleine Flämmchen, um es an die Zündschnur zu halten.
    Es zischte, als auch Marie zurücktrat und die sprühenden Funken beobachtete, die der Schnur entlang hochwanderten. Pippas leiser Protest über das eingesteckte Feuerzeug wurde gekonnt ignoriert. Marie ließ die Flamme keine Sekunde aus den Augen.
    “Äh… Marie?” Pippa zog an ihrem Ärmel.
    Was?
    “Sie… kippt…”
    “Was? Ich-” Oh. Sie kippte tatsächlich.
    Marie reagierte sofort und gab Armageddon einen Stoss, bevor er sich ganz Richtung Festgesellschaft neigte. Da zog dieser auch schon los.
    Mit einem lauten “WRUMMS!” hinterließ die Rakete nichts als einen traurig rauchenden Stab und zwei russverschmierte junge Hobbits.
    Marie rappelte sich auf und lief zu einer Stelle, von der aus ihr Werk sich besser beobachten ließ, dicht gefolgt von einer nicht weniger neugierigen Pippa.


    Der riesige Frosch zog gelbe Funken sprühend gegen den Nachthimmel und gab ein klagendes Pfeifen von sich. Dann explodierte er - ein Schauer lief über Maries Rücken - und die Funken stoben in alle Richtungen, um dann die Form von einer riesigen Kugel anzunehmen, mit seltsamen geometrischen Mustern darauf. Kleinere Dinge flogen um den großen Ball, das sich langsam drehte, und gaben seltsame “biuu, biuu”-Geräusche von sich, bis eins mitten in die Kugel hinein tauchte. Und kurz darauf explodierte diese mit Radau und ließ bunte Funken auf die Festgesellschaft regnen.
    Es herrschte einige Sekunden lang Stille, dann jubelten die Hobbits - ein Feuerwerk war ein Feuerwerk, und dies war ein besonders prächtiges, und so etwas wusste man zu würdigen, auch wenn der Rest völlig unverständlich war.
    Marie und Pippa sahen sich zufrieden an. “Das war gut!”
    “Ja- holen wir uns noch eine!” Doch sie wurden plötzlich von hinten im Nacken gepackt- Gayndalf. “Marianne Brandybock und Peregra Tuk. Ich hätte es wissen müssen. Ist euch klar, dass ihr mir grade das Ende gespoilert habt? Na danke. Aber glücklicherweise habe ich genau die richtige Aufgabe für euch, damit ihr euch nützlich machen könnt und nicht auf noch mehr dumme Gedanken kommt.”


    Und so waren die beiden kurz darauf mit nur wenig Murren beim Abwaschen, unter strenger Aufsicht von Gayndalf. Nun, musste sich Marie sagen, im Großen und Ganzen war es das wohl wert.


    Vom Festgelände her wurden Rufe laut. “Eine Rede!” “Eine Rede vom Geburtstagskind!”


    "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve



  • Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.


  • "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve


  • Billa 2 - Billas Rede


    Billa stand auf einer Bühne unter dem freien Nachthimmel. Ihre Gäste verteilten sich auf der Wiese, auf der auch das Festzelt aufgestellt wurde und saßen teilweise auf den Holzbänken, die großzügig über die Fläche verteilt worden sind.
    Dieses Fest hatte sie sich nur aus einem einzigen Grund angetan - schließlich hasste sie die meisten ihrer Mithobbits, besonders die Verwandtschaft. Aber ohne Publikum kein Auftritt, ohne Ohr keine Rede und ohne Getratsche am nächsten Tag kein dramatischer Abgang.
    Und den wollte sie unbedingt haben - tief im Inneren wünschte sich sowas doch jede anständige Hobbitdame!


    “Meine lieben Beutlins und Boffins, Tuks und Brandybocks, Rubers und Pausbackens, Hornbläsers, Bolgers, Straffgürtels und Stolzfußens…”
    Billa nutzte den Applaus, der in ihrem Publikum aufkeimte, um nach Luft zu schnappen. Dabei fragte sie sich genau zwei Sachen: Erstens, wieso zur Hölle hieß ihre Verwandtschaft, als wären sie die Namensgeber von ekelhaften Krankheiten? Und zweitens, warum vermehrten sich diese Idioten wie die Karnickel?
    “Heute ist mein hunnerelfzichza Geburtsaaag!”
    Hoppala, vielleicht war der letzte Krug Wein doch die falsche Entscheidung gewesen? Ach was, das würde ihrer Rede nur noch mehr Dramatik verleihen! Sie war schließlich eine Beutlin, man erwartete geradezu einen letzten Geniestreich von ihr. Innerlich freute sie sich diebisch auf die langen Gesichter und das aufgeregte Getuschel, was unweigerlich folgen würde.
    Billa merkte, dass sie komisch angestarrt wurde. Achja, die Rede!
    “Aber leider sind einunelfzig Jahre eine viel su kurze Ssseit, um unter solch vortrefflichen und bewunnanswerten Hobbits su leben!“ Alle klatschten wieder begeistert. Selbstverliebtes Volk.
    “Ich kenn die Hälffe von euch nur halb so gut, wie ich’s gern möchte und ich mag wenniga als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr’s verdient.. oder so ähnlich!” Billa hörte die Grillen im Gras zirpen. Niemand schien sich sicher zu sein, ob das nun eine Beleidigung oder ein Kompliment war - Billa eingeschlossen. Aber egal, weiter!
    “Ich... ääh.... ich... ääh hab was zu erledigen....”, stammelte die alte Hobbitdame zerstreut. Weggeblasen war der letzte Teil ihrer Rede und der kurze Anflug von Trunkenheit. Billa schaute auf den Boden, nicht mehr in die Gesichter der anderen. Hinter ihrem Rücken drehte sie ihren Ring zwischen den Fingern. Ihr größter Schatz. Ihr Trumpf des Abends.
    “Ich hab’s viel zu lange vor mir hergeschoben... ich bedaure kundtun zu müssen, dass dies das Ende ist. Ich gehe nun. Ich wünsche euch zum Abschied alles Gute.”
    Sie hob den Blick wieder und fand zwischen den verwirrten Mienen die Augen ihrer Nichte Frodette. Einen kurzen Moment zögerte sie, hinterfragte ihre Entscheidung und sprach trotzdem die Worte: “Lebt wohl.”
    Der Ring fand fast wie von selbst auf ihren Finger und von einem Moment auf den anderen war Billa verschwunden.


    Stattdessen stand dort auf der Bühne eine strahlende Schönheit. Ihr blondes, gelocktes Haar umschmeichelte das perfekte Gesicht und ging ihr bis zu ihrem üppigen Hintern. Ihr Brüste sprengten fast die Schnürung des Kleides und nirgends war mehr die Pummeligkeit eines Hobbits zu entdecken. Die Beine schienen länger geworden zu sein, sodass das Kleid nun eine unanständige Kürze besaß.
    Augenblicklich sprangen die Herren der Schöpfung von ihren Sitzen auf und stürmten zur Bühne, um diesem heißen Feger so nah wie möglich zu sein. Das Supermodel beachtete die peinlichen Avancen der Männer allerdings nicht und ignorierte mit einer wahnsinnigen Ausstrahlung die Beulen, die sich in den Hosen gebildet hatten.
    Stattdessen schritt sie mit einem Hüftschwung, der dem Publikum ein sehnsüchtiges Stöhnen entlockte, die Treppe der Bühne hinab. An deren Ende blieb sie kurz stehen, um eine Kusshand in die Menge zu schicken - in diesem Moment bemerkte sie auch die eifersüchtigen Blicke der anderen Hobbitfrauen, die sie wie Dolche zu erstechen drohten - und bahnte sich ihren Weg durch die lüsterne Menge. Hier und da ein Zwinkern verteilend verließ die fremde Schönheit den Festplatz. Männer kippten in Ohnmacht, andere fielen geflasht auf die Knie und einer zog sich sogar mehr oder weniger diskret mit einem steifen Gang zurück. Nur ihr zu folgen traute sich niemand, wer hätte bei solch einer Wahnsinnsfrau schon eine Chance?


    Zurück in ihrer Hobbithöhle zog Billa den Ring wieder ab, warf ihn einmal gut gelaunt in die Luft und fing ihn zielsicher wieder. Hah, was für ein Spaß! Diese Feier wird kein Hobbit je wieder vergessen, da war sie sich sicher.
    Sie steckte den Ring zurück in ihre Tasche, die im Kleid versteckt eingenäht war, bedauerte kurz ihren zwar weiterhin großen, aber leider wieder etwas hängenden Busen und klopfte zufrieden auf den Stoff. Genauso hatte sie es sich vorgestellt.
    “Das fandest du wohl unheimlich schlau, was?”
    Billa zuckte zu Tode erschrocken zusammen und drehte sich panisch zur Durchgangstür in die Küche um. Dort stand Gayndalf und sah nicht annähernd so fröhlich aus, wie der Hobbit es eben noch gewesen war.
    “Ah, komm schon Gayndalf! Hast du ihre Gesichter gesehen?”, fragte Billa unschuldig und versuchte sich an einem verführerischen Augenaufschlag. Dann fiel ihr wieder ein, dass sie den Ring nicht mehr trug. Und wer da überhaupt vor ihr stand. Also tat sie schnell so, als hätte sie nur etwas ins Auge bekommen.
    “Es gibt viele Zauberringe auf dieser Welt, Billa Beutlin, und keinen davon sollte man leichtfertig benutzen”, moserte der Zauberer.
    Diese Aussage ignorierte Billa gekonnt. Leichtfertig? Als ob ihr 111. Geburtstag irgendein X-beliebiges Festgelage wäre, pah!
    “Du wirst ein Auge auf Frodette haben, nicht wahr?”, versicherte sie sich stattdessen.
    “Zwei Augen, so oft ich sie entbehren kann. Den Ring wirst du doch hier lassen, nicht wahr?”
    Billa starrte ihn entsetzt an. Den Ring hierlassen? Weg von ihr? Nie wieder schön sein, nie wieder sich in den Reaktionen der Männer suhlen? Nie wieder vor Selbstbewusstsein strotzen? Nein, niemals. Das konnte er nicht verlangen. Der Ring war ihrer, ihr Eigen, ihr…
    “Schaaaaatzzzzz, du bekommst ihn nicht!”, zischte sie Gayndalf an.
    Dieser reagierte sofort. Er beschwor eine dunkle Aura um sich herum und hüllte den Raum in Finsternis. Er schien größer zu werden und strahlte eine unbändige Macht aus, dass Billa in die Knie gehen musste.
    Ganydalfs Stimme klang bedrohlich und erklang mit einem Hall, als würden zwei gleichzeitig sprechen:
    “Billa Beutlin, halte mich nicht für jemanden, der mit faulem Zauber arbeitet! Ich will dich nicht berauben!”
    Als Gayndalf sah, dass Billa nicht mehr gierig, sondern zu Tode verängstigt aussah, ließ er den Zauber wieder verschwinden und sprach freundlich weiter: “Ich will dir helfen.”
    Der Hobbit nickte benommen und rappelte sich wieder auf. Sie starrte kurz ins Leere, bevor sie Gayndalf wieder mit festen Blick ansah.
    “Du hast Recht, Gayndalf, der Ring muss an Frodette gehen! Es ist schon spät und der Weg ist lang. Ja, ich muss aufbrechen. Mir ist soeben auch ein hervorragender Schluss für mein Buch eingefallen: Und dann lebte sie vergnügt bis an… bis ans Ende ihrer Tage.”
    “Und ich bin sicher, das wird sie, meine Freundin.”
    Billa holte den Ring aus ihrer Tasche und ließ ihn langsam von ihrer Handfläche gleiten, bis er mit einem dumpfen Laut auf den Holzboden fiel. Dann ging ein Ruck durch ihren Körper, sie schnappte sich ihren Rucksack, der bereits an der Tür lehnte und verließ ohne sich noch einmal umzudrehen ihr Zuhause.
    Der Zauberer blieb im Eingangsbereich allein zurück und hörte dem immer leiser werdenden Gesang des Hobbits zu.


    Die Frauen kamen an die Macht,
    weg von dem Herd, wo sie gebannt...


    Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

    Einmal editiert, zuletzt von Phi ()


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  • "Es sind die kleinen Dinge. Alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten."
    - Gandalf -




  • "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve


  • Frodette 2 - Billa ist weg



    “Billa? Billa!” Atemlos kam Frodette durch den Vordergarten gerannt. Sie stoppte, als sie den goldenen Ring auf dem Boden liegen sah, und hob ihn auf. Sofort war ihr klar, was dies bedeutete. Sie schluckte einmal leer und sah zu Gayndalf, der im Wohnzimmer saß und schweigend ins Kaminfeuer starrte.
    “Sie ist weg, nicht wahr? Sie hat so oft davon gesprochen, aber ich hatte nicht geglaubt, dass sie es tun würde.”
    Gayndalf reagierte nicht und murmelte gedankenversunken vor sich hin. Kleine lila Rauchwölkchen kamen ihm in regelmässigen Abständen aus den Ohren. Frodette gesellte sich zu ihrem Freund und fischte eine Feile aus ihrer Tasche.
    “Ich meine- sie hat immer so ominöse Andeutungen gemacht, zu allem eigentlich. Ich dachte, sie wäre einfach langsam etwas verschroben. Sie hätte es mir auch gerne direkt ins Gesicht sagen können, dass ihr etwas nicht passt.” Sie schniefte.
    Gayndalf machte ein brummendes Geräusch und nahm ihr, ohne aus seinen Gedanken zu erwachen, die Feile wieder weg.
    “Hab ich etwas gemacht, um sie sauer zu machen? Dann find ich es aber ziemlich unreif von ihr, einfach so zu gehen, ohne überhaupt ein Gespräch zu suchen. Und egoistisch! Und überhaupt- sie ist auch nicht grade einfach so als Mitbewohnerin!” Langsam redete das Mädchen sich in Rage. Mangels Feile griff sie nach dem Ring und drehte ihn unruhig zwischen den Fingern.
    “Ich finde ja…”
    “Billlas Ring”, wurde sie plötzlich von Gayndalf unterbrochen. “Sie hat sich zu den Elben aufgemacht. Und dir Beutelsend hinterlassen - mit all seinem Besitz!” Er sah sich suchend um und schnappte den nächsten Behälter, der greifbar war. Frodette nahm eine der Pralinen aus der Schachtel und ließ den Ring in die Mulde fallen.
    “Der Ring gehört jetzt dir. Bewahre ihn sicher auf.”
    Frodette legte die Schachtel ab und folgte dem Zauberer unsicher, der sich zum Aufbruch bereit machte.
    “Du reist schon ab?”
    “Ja. Es gibt Dinge, um die ich mich kümmern muss.” Mit ernstem Blick warf Gayndalf seinen Schal um.
    “Dinge? Was für Dinge?”
    “Fragen.” Der Zauberer wühlte in seiner Tasche und brachte eine kleine Bürste zum Vorschein. “Fragen die nach einer Antwort verlangen.” Mit kurzen, aber liebevollen Strichen bürstete er das Haar seines Einhornstabs.
    “Aber du bist doch erst gerade angekommen! Das verstehe ich nicht!”
    Gayndalf hielt inne. “Ich auch nicht.” Er steckte die Bürste zurück in die Tasche und sah Frodette an. “Bewahre ihn sicher auf.”
    Mit einem letzten Lächeln war er zur Tür hinaus und hinterließ eine sehr verwirrte, von lila Rauch umwaberte Frodette.


    "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."


    - Twelve


  • @Phi und @Klimbim