Das vorletzte Einhorn

    • [Kurzgeschichte]

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    • Das vorletzte Einhorn

      Das vorletzte Einhorn

      Prolog
      Der Tod durchzieht das Leben wie der Hallimasch den Waldboden. Seine Hyphen berühren jeden, seine Opfer sind die Schwachen und Kranken. Und doch ist er wahllos, tötet eine Buche, während er die Birke daneben unberührt lässt, ohne Grund und erkennbaren Plan.
      Er ist unmoralisch wie ein Despot und unschuldig wie ein kleines Kind. Aus dem Tod nährt sich sein Fruchtkörper und bringt die neue Generation hervor. Er ist der Herrscher der Welt, verborgen im Humus ist er unbeachtet aber machtvoll. Niemand kann sich ihm entziehen, seine Rhizomorphen durchdringen schon die Neugeborenen.

      Der Tod verbindet uns mehr als das Leben.
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-
    • Ich las das Wort Einhorn und dachte, da muss ich doch mal gucken :jennagorn:
      :rofl:

      Sensenbach schrieb:

      Prolog
      Der Tod durchzieht das Leben wie der Hallimasch den Waldboden.

      Der Tod durchzieht das Leben wie der Hallimasch den Waldboden. :hmm: Da finde ich die bildliche Sprache noch sehr schön. Es ist ein Gleichnis, dass beides zusammengehört.
      :super: Sowas mag ich immer ... :heart:

      Sensenbach schrieb:

      Seine Hyphen berühren jeden, seine Opfer sind die Schwachen und Kranken.
      Hier hab ich das Gefühl, ist auch noch vom Tod die Rede, finde die Darstellung gut, wenn man mal vergisst, dass der Tod auf die Gemordeten heimsucht und die, die einen blöden Unfall haben. Nicht zwangläufig immer nur die, die schwach und krank sind. :P ;)


      Sensenbach schrieb:

      Und doch ist er wahllos, tötet eine Buche, während er die Birke daneben unberührt lässt, ohne Grund und erkennbaren Plan.
      Das empfand ich als Bruch und bekam mehr das Bild eines Pilzes. Weil, klar - nehmen wir mal den Krieg, kann dein Nebenmann sterben und du überleben, aber das ist ja dann nicht ohne Grund oder erkennbaren Plan - naja, der Plan vielleicht schon unbekannt, warum du leben darfst, aber der Kalle Depp neben dir nicht, allerdings ist ein Schwert im Kopf oder ein Pfeil im Rücken schon ein Grund. Wenn nicht High Fantasy, eben eine Pistole oder eine AK47. Allgemein hat der Tod immer einen Grund oder Ursprung. Man fällt nicht einfach tot um, auch wenn es von außen so scheint. Schlafanfall, Krebs oder Herzinfarkt. Der Tod hat immer einen Begleiter/Grund.

      Was allerdings die Natur angeht, erkennen wir diese auch nicht immer. Gerade bei einem Pils, der den einen Baum befällt und den anderen nicht, was ich aber auf die Vitalität oder eben Gattung des Baumes schieben würde. :hmm: Dauer des Befalls?!
      Wie gesagt, bei diesem Satz hatte ich dann tatsächlich mehr einen Pils im Kopf.

      Sensenbach schrieb:

      Er ist unmoralisch wie ein Despot und unschuldig wie ein kleines Kind.
      Passt hier auch zu beidem. Ein Pilz macht halt, was er machen muss, um zu überleben, der Tod an sich lebt ja nicht/es sei denn anders dargestellt, von den Lebenden. Ich empfinde den Tod nicht als Parasit, dass ist eher der Mensch selbst. :hmm:

      Sensenbach schrieb:

      Aus dem Tod nährt sich sein Fruchtkörper und bringt die neue Generation hervor.
      Da hab ich dann iwann nur noch Fragezeichen über den Kopf gehabt. Denn hier war für mich entgültig von dem Pilz die Rede. Weil was tot ist, kann ja nichts mehr auf die Welt bringen. Nährt sich vom Tod - totes Holz - stünde dann eindeutig für den Pilz.

      Sensenbach schrieb:

      Er ist der Herrscher der Welt, verborgen im Humus ist er unbeachtet aber machtvoll. Niemand kann sich ihm entziehen, seine Rhizomorphen durchdringen schon die Neugeborenen.
      Neugeborenen WAS? Bäume? Einhörner? Gummibären?
      Hier hatte ich dann entgültig den Faden verloren, was der Prolog mir erzählen oder sagen will. Gehts wieder um den Tod, der Babys genau wie alte Leute heimsucht?! ?( :S

      Fazit: Es ist an sich eine super Metapher, aber die Formulierung verwirrt mich und macht nicht direkt deutlich, um was es gehen soll. Wenn ich zu viel nachdenken muss, verliere ich schon die Lust und würde das Buch zuklappen. Das hat aber nur damit zu tun, da ich gerade einen Prolog eben genauer lese, weil ich ja wissen will, was mich im Buch erwartet. Dieser kleiner Text erinnert allerdings mehr an einen Klappentext, der noch viel mehr offen lässt, anstatt an einen richtigen Prolog.
      Die Art der Sprache - das etwas Lyrische ist super - allerdings bedeutet das auch, dass man es nicht immer gleich verstehen muss/soll, weswegen ich die Zeilen fast totgegrübelt habe, was du mir damit sagen willst. Zugegeben, ich hatte keine Ahnung, ob es nun um den Tod geht oder einen parasitären Hallimasch. Da fehlt vielleicht ein bisschen das Muster ...

      Wir haben Gleichnis Tod:Pilz
      Er ist der Herrscher der Welt, verborgen im Humus ist er (+und) unbeachtet(,) aber machtvoll. Niemand kann sich ihm entziehen, seine Rhizomorphen durchdringen schon die Neugeborenen.
      <--- Dann passt es wieder zu beiden. Den Tod kann man nicht sehen, den Pilz auch nicht immer auf den ersten Blick.

      Ich hoffe, ich zerschieße dir nicht deine Idee, zerdenke sie nicht, aber ich kann nur beurteilen, was ich sehe bzw. lese und was ich dabei empfinde - wie ich es erlese. :D :whistling:

      Spoiler anzeigen
      Ich fand, auch wenn es nur ein kurzer Text ist, gab es dazu mehr zu sagen, als: "Bin dabei!" Als Autor will man ja wissen, was denkt sich der Leser, wenn er das liest. ^^
      Weswegen ich von meinen Vorrednern auch etwas enttäuscht bin. Solche Kommentare sehe ich, sorry für meine Ehrlichkeit, immer als Beitragserschleichen, im Grunde Spam.
      Ein: "Super toll geschrieben, mach mal weiter" + "Bin dabei!" kann ich unter einen Text schreiben, ohne ihn zu kennen oder wirklich gelesen zu haben und zeigt für mich als Autor, dass mein Text wohl nichts ausgelöst hat.
      Ich versuche immer etwas zu Figuren oder Handlung zu sagen, schreibe was mir auffällt, mich beschäftigt ect. Schlichtweg versuche ich meinen Kommentar zu rechtferitgen, mit IRGENDETWAS, was im Text steht. Mal Kurz oder lang.
      Gerade von erfahrenen Autoren erhoffe ich mir da mehr ...Nee, eigentlich kein "Sorry" für meine Ehrlichkeit, ist in meinen Augen gerechtfertigt.
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • @Jennagon
      Genau, die Bedeutung flackert zwischen Pilz und Tod hin und her. Diese Uneindeutigkeit ist gewollt. Dadurch wird es kein Gleichnis, sondern eine Metapher (auf LSD, zugegeben). Der Pilz ist der Tod und umgekehrt.

      Spoiler anzeigen

      Gleichnis: Jenna ist magisch wie ein Einhorn
      Metapher: Jenna ist ein Einhorn


      „Seine Rhizomorphen durchdringen schon die Neugeborenen.“
      Damit meine ich: Schon bei deiner Geburt ist es klar, dass du sterben musst.
      Mensch, Baum, Jenna, das Universum, alle tragen schon bei ihrer Geburt den Tod in sich. Das ist es, was uns allen gleich ist.


      Es geht gibt später aber noch richtige Einhörner!
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-
    • Sensenbach schrieb:

      Gleichnis: Jenna ist magisch wie ein Einhorn
      Metapher: Jenna ist ein Einhorn
      Uh ... ich bin ein Einhorn ... :panik: <3 - rein metaphorisch :rofl:

      Ja, das dachte ich mir, dass das mehr eine Metapher sein sollte. Las sich an manchen Stellen etwas anders. Auch weil im ersten Satz eben das Wort "wie" drin ist. Vielleicht hatte ich das ständig im Ohr/Kopf. ^^ Aber das ist ja das schöne am Schreiben - jeder liest was anderes ^^ (heraus)
      Gut, mit der Beschreibung geb ich mich dann zufrieden und hab den Text ja dann doch verstanden ... Wird also doch kein Biobuch über den Waldboden :P

      Sensenbach schrieb:

      Dadurch wird es kein Gleichnis, sondern eine Metapher (auf LSD, zugegeben).
      Deswegen die bunten Farben beim Lesen :hmm: und ich dachte auf Mushrooms ... ts ts

      Sensenbach schrieb:

      Mensch, Baum, Jenna, das Universum, alle tragen schon bei ihrer Geburt den Tod in sich. Das ist es, was uns allen gleich ist.
      Ja, so hab ich dem Text auch verstanden, dass alles von Beginn an auch zu sterben anfängt. Jeder Tag bringt uns näher ans Ende :rofl:

      Schön, dass sind wir uns einig :D


      Sensenbach schrieb:

      Es geht gibt später aber noch richtige Einhörner!
      Puh, da bin ich jetzt aber beruhigt, dachte schon, das wäre nun auch eine Methapher. :rofl:
      Sei wie du bist, es sei denn, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!!!
      :jennagorn:
    • Sensenbach schrieb:

      Kranken. Und doch ist er wahllos,
      Einen Satz beginnt man niemals mit "Und".
      Edit: Zumindest halte ich das so :D

      Es geht also um Pilze, sehr interessant, aber vor allem ungewöhnilch.
      Schöne verwendung der bildlichen Sprache, ist nur etwas anstrengend zu lesen,
      da bin ich nicht so ein großer Freund von. Es sei denn es handelt sich um Philosophie,
      dort lässt sich komplexität selten vermeiden. Ein guter Beispiel für solche philosophische Werke ist "Über die Toleranz" von Voltaire.
      Ich denke aber nicht das du unbedingt auf Philosophie abzielst.
      Mir ist zwar nicht bekannt worauf du genau abzielen möchtest,
      dennoch ein schöner Text. :)

      LG Lion

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BraveLion ()

    • BraveLion schrieb:

      Einen Satz beginnt man niemals mit "Und".
      Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.

      Bibel 1 Buch Mose :D
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-
    • Teil I. Von der Unmöglichkeit zu Fliegen

      Es ist offensichtlich nicht möglich, zu fliegen. Das Gewicht der Fluggeräte ist einfach zu groß. Zwar mag es noch angehen bei einer Konstruktion des Otto Lilienthals oder bei den wächsernen Flügeln des Ikarus. Bei einer ausgewachsenen 747, den Bauch gefüllt mit schweren Touristen und in Aluminium verpackten Speisen, ist es jedoch gänzlich unmöglich. Und doch vermögen die Geräte aus Stahl uns, in sagen wir acht Stunden, von Europa nach Amerika zu bringen. Ich vermute dahinter eine geheime Zutat, die von einer holländischen Geheimorganisation im Westindischen entdeckt und seither gehütet wird.
      Mein Flug sollte mich tatsächlich von Holland aus nach New York bringen, das ja in seiner Jugend Nieuw Amsterdam hieß. Dort wartete mein neues Leben in Amerika. Als die Reihen sich füllten, nahm ich meinen Platz am Fenster ein, ich mag den Blick auf den Flügel. Dann weiß man als Erster wenn etwas schief geht, der Flügel abfällt oder der Motor Feuer fängt. Das gibt mir ein, zugegebenermaßen trügerisches, Gefühl der Kontrolle. Ich sah den anderen Passagieren zu, wie sie sich setzten und ungeschickt ihr Gepäck verstauten.
      Ein Mädchen suchte die Reihen ab, sie war recht jung, vielleicht zwölf oder vierzehn Jahre. Sie entledigte sich ihrer Schuhe und setzte sich grußlos neben mich. Ihre langen schwarzen Haare hingen ihr unordentlich ins Gesicht. Mit angezogenen Knien, in einer Art Embryonalstellung, kauerte sie in ihrem Sitz und hatte die Decke bis ans Kinn gezogen.
      Flugangst, dachte ich.
      Wir hoben ab und das Mädchen schlief.
      Die Stewardess ging herum und teilte Essen aus. Ich bestellte Rotwein, mein Lippenstift hinterließ den Abdruck meiner Lippen an dem kleinen Glas. Gelangweilt sah ich nach draußen und dachte darüber nach, wie es wäre, die Tür zu öffnen und auf dem Flügel eine wenig spazieren zu gehen. Ich könnte etwas von dem Rotwein mitnehmen, den Sonnenuntergang betrachten und mich auf den Flügel setzen, um auszuruhen. Zur Landung würde ich natürlich hineingehen. Sicher ist sicher!
      Mit ein wenig von der holländischen Rezeptur sollte es schon gehen.
      Meine Sitznachbarin wurde mir inzwischen unheimlich, sie aß nichts und bestellte nur ein Glas Orangensaft. Offensichtlich war sie auch auf dem Weg nach New York. Vielleicht wusste sie, wie man an das Rezept zum Fliegen kommt, aber ich traute mich nicht zu fragen.
      Inzwischen zeichneten die Siedlungen und Straßen ein spinnenartiges Netz aus Licht auf den nächtlichen Globus. Die nächtliche bernsteinfarbene Beleuchtung wirkte von hier oben wie eine schlimme dermatologische Verletzung, eine Entzündung, die sich überall hin ausgebreitet hatte.
      Bald aß ich eine Kleinigkeit, weniger, weil ich Hunger verspürte, sondern mehr als Zeitvertreib und weil es gerade angeboten wurde. Als abgetragen wurde, bestellte ich noch ein Glas Rotwein.
      Dann sah ich das Einhorn!
      Es stand auf der Tragfläche und schien den Fahrtwind, oder nein ... ich sollte besser sagen, es schien den Flugwind zu genießen.
      Ob mich das beunruhigt hat?
      Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass es für mich durchaus nicht ungewöhnlich ist, Fabelwesen wie Einhörner zu sehen. Das war bei mir schon immer so, obwohl ich zugeben muss, dass dies mein erstes Einhorn war.
      Einhörner sind wohl eher selten anzutreffen!
      Gerechterweise sollte dies wohl näher erklärt werden. Es ist folgendermaßen. Schon immer sehe ich Dinge, die außer mir niemand sehen kann. Nur ich konnte den kleinen Kobold sehen, als er der Kindergärtnerin in den Rücken pikste, sodass sie erschrocken aufschrie. Ich kann mich gut an meine Verzweiflung erinnern, als ich einsehen musste, dass die anderen Kinder es nicht bemerkten. Auch den Tod sah ich als Einzige, als er in unser Haus kam, an dem Tag als meine Oma starb. Er nickte mir kurz zu, als er bemerkte, dass ich ihn sehen konnte und tätschelte mir den Kopf.
      Das hat mich natürlich geängstigt, wie man sich denken kann.
      Meine Eltern waren verständlicherweise sehr beunruhigt über meine Schilderungen und dachten zuerst, ich hätte eine lebhafte Fantasie. Als meine Einbildungskraft aber nicht nachließ, gingen sie mit mir zu einem Arzt, dann zu einem anderen Arzt und schließlich zu einem Neurologen. Der steckte mich in die enge Röhre des Computertomografen und sah eine Art Tumor. Das heißt, es befindet sich ein Stück Gewebe zwischen beiden Hälften meines Gehirns, ganz oben. Man kann es auch als Laie auf den Bildern der Computertomografie gut erkennen. Es scheint beide Hirnhälften zu verbinden, wie eine Brücke.
      Wie ihr möglicherweise wisst, spezialisieren sich beide Hälften des Gehirns während der Entwicklung, die eine Hälfte besitzt ein Talent für Logik und Zahlen, während die andere Hälfte Sprachen mag und fantasiebegabt ist. Diese Trennung schien bei mir nicht richtig ausgeprägt. Bei kleinen Kindern ist es wohl so ähnlich, dadurch haben sie Zugang zu einem Teil der Wirklichkeit, der Erwachsenen verschlossen bleibt. Die Neurologen wollten natürlich sofort operieren, aber ich war inzwischen mitten in der Pubertät und hatte meine eigenen Vorstellungen. Inzwischen lernte ich auch, mich in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und meine Beobachtungen für mich zu behalten. Meine spezielle Sicht auf die Wirklichkeit war ein Teil meiner Persönlichkeit geworden, den ich mir nicht wegoperieren lassen wollte.
      Es war ja auch nicht so, dass es von Fabelwesen nur so wimmelte. Nur diese daumengroßen Elfen waren sehr häufig anzutreffen. Seltsamerweise, obwohl ich diese Wesen sehen konnte, nahmen sie selbst kaum Notiz von mir. Außer in der Episode mit dem Tod, ignorierten die Geschöpfe mich geflissentlich, daher war ich nur Beobachter einer rätselhaften parallelen Welt.
      Aber ich schweife ab.
      Da stand also ein Einhorn auf der Tragfläche und genoss den Flugwind. Nach einer Weile schaute es zu mir rüber und zu meinem Erstaunen kam es näher. Hatte es bemerkt, dass ich es beobachtete? Aber es schien an mir vorbei zu sehen, zu dem Mädchen hin. Es war ein beinahe liebevoller Blick.
      Das kam mir verständlicherweise alles sehr seltsam vor, aber immerhin konnte ich mir das Geschöpf jetzt genauer anschauen.
      Die Ähnlichkeit mit einem Pferd war offensichtlich, allerdings war es kleiner und weitaus schlanker. Das Horn maß etwa 30 Zentimeter, lief spitz zu und war in sich gedreht, ähnlich dem Stoßzahn eines Narwals. Das Einhorn trat einen Schritt zurück, sein Blick streifte mich und für einen Moment schien es mir, als würde es mir zublinzeln. Daraufhin schwang sich das grazile Wesen elegant in die Luft und verschwand im Dunkel der Nacht.
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Sensenbach ()

    • Gefällt mir sehr gut. Erinnert aber irgendwie noch so gar nicht an Dark Fantasy, eher an All-Age-Fantasy. Mit dem kleinen schalen Beigeschmack, dass es auch einfach von einem Hirntumor herrühren könnte, es Halluzinationen und übertriebene, nicht vom rationalen Denken getrennte Phantasien sind statt Visionen und seherische Fähigkeiten. Bei der Episode über die Flugunfähigkeit von Flugzeugen fühlte ich mich etwas an die erste Folge American Gods erinnert, wo eine Figur sich über diese Absurdität beklagt. Dort allerdings sind es Glaube und Überzeugung der Menschen, die dies ermöglichen, keine Geheimzutat. Der Hauptcharakter verwirrt mich etwas - er spricht von seiner Kindheit mit Hirnchirurgen und Kindergärten, aber er spricht von New York lieber als Nieuw Amsterdam, wie mir scheint... lebt er in der Vergangenheit? Möglich... Und was macht ein EInhorn auf einem Flugzeugflügel?
      Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.
      -Mutter Teresa
    • @Windweber

      Vielen Dank für die Anmerkungen. Da muss ich mir noch ein paar Gedanken machen, der Klarheit wegen.

      Windweber schrieb:

      Und was macht ein Einhorn auf einem Flugzeugflügel?
      "Aber es schien an mir vorbei zu sehen, zu dem Mädchen hin." (Schlüsselszene)

      Ich muss dazu auch sagen, das es eine lange Kurzgeschichte wird. Dieser erste Teil war nur zum Aufwärmen!
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-
    • @Jennagon Manchmal gibt es zu einem Text aber nicht mehr zu sagen, als dass man ihn gern weiterlesen möchte. Besonders dann, wenn er ein so kurzes Stück Wortkultur ist. Ich finde, auch die Rückmeldung "Will/Möchte mehr" ist für einen Autor Motivation (zumindest für mich wäre es das voll umfänglich).

      @Sensenbach Mir gefällt die Beschreibung der nächtlichen Erde sehr gut. Hat irgendwie den Beigeschmack von Wahrheit. Was ich persönlich jetzt vielleicht noch nicht vermerkt hätte, ist, dass der Prota eine Hirn-Anomalie hat. Das gibt dem ganzen einen etwas pathologischen Tatsch.

      btw: Kann man sich so eine Hirnbrücke auch EINoperieren lassen? :thumbsup:
      Es ist ein Gerücht, dass Zeit ein Geschenk sei. Man muss sie sich nehmen! (Ania Vitale)

      Wer immer nur tut, was er schon kann, wird auch immer nur bleiben, was er schon ist. (Henry Ford)

      Master of Desaster - born to be bunt ^^
    • Ein Tumor, der einen die verborgene Wirklichkeit sehen lässt? Sehr cooles Crossover aus Realität und Fantasie. Da steckt sehr viel Potenzial drin. Du schreibst recht locker daher, plauderst geradezu mit uns über diese äußerst ungewöhnliche Fähigkeit, sodass sie mir gar nicht mehr sooo ungewöhnlich vorkommt. Jetzt möchte ich auch so einen Tumor.
      Was mich ja noch interessiert: Wie passt der Prolog zum 1. Teil? MMn passen weder Stil noch Inhalt zusammen. Wahrscheinlich Absicht.

      Ein paar Fehlerchen:
      Spoiler anzeigen

      Sensenbach schrieb:

      zugegebener maßen
      zugegebenermaßen

      Sensenbach schrieb:

      Die Stewardess ging herum und verteilte Flugutensilien und etwas zu essen
      zu Essen

      Sensenbach schrieb:

      Gelangweilt sah ich nach draußen und dachte darüber nach, wie es wäre, die Tür zu öffnen und auf dem Flügel eine wenig spazieren zu gehen. Ich könnte etwas von dem Rotwein mitnehmen, den Sonnenuntergang betrachten und mich auf den Flügel setzen, um auszuruhen. Zur Landung würde ich natürlich hineingehen, sicher ist sicher.
      Dieser Teil ist mMn sehr gut geschrieben! Just perfect!

      Sensenbach schrieb:

      Offensichtlich war sie auch auf dem Weg nach Niew Amsterdam.
      Niew oder Nieuw? Oben steht es mit Nieuw...

      Sensenbach schrieb:

      Als abgetragen wurde Komma bestellte ich noch ein Glas Rotwein.

      Sensenbach schrieb:

      Ich kann mich gut daran erinnern Komma wie verzweifelt ich war,

      Sensenbach schrieb:

      Auch den Tod sah ich als Einzige,
      Protagonist ist also eine Frau, ja?

      Sensenbach schrieb:

      über meine Schilderungen und dachten zuerst Komma ich hätte eine


      Es verspricht, eine gute, unterhaltsame Geschichte zu werden. :D
      Reim dich oder ich fress dich... [Kurzgeschichten]
      Der Oger Magus

      Wenn Link Peach retten müsste, reichten dann drei Schwerthiebe für Bowser?
    • Kapitel II. Immigration

      Das Flugzeug setzte holpernd auf und rollte dann langsam über das Rollfeld. Nachdem das ‚fasten seatbelts’ Zeichen erloschen war, half ich dem Mädchen ihr Gepäck aus dem Fach zu heben und sie gönnte mir zumindest die Andeutung eines Lächelns.
      Was für ein ernsthaftes Kind!
      Unter meinen Füßen schepperte das Metall der Gangway und erinnerte mich daran, wie trügerisch die Sicherheit menschlicher Unternehmungen doch war. Auf dem Weg in Richtung ‚Immigration’, der Pass- und Zollkontrolle, verschwand das Mädchen zwischen den anderen Passagieren.
      Ich sah ihr noch kurz nach und ihre schlanke Gestalt erinnerte mich für einen Moment an den grazilen Anblick des Einhorns, wie es auf der Tragfläche gestanden hatte, bevor es sich in die Lüfte erhob. Manchmal gönnen sich meine verbundenen Hirnhälften verwegene Assoziationen.
      Nirgends auf der Welt fühlt sich der Mensch fremden Mächten so ausgeliefert, wie während der Pass-und Visakontrolle bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika. Schon im Flugzeug hatte ich einen grünen Zettel ausgefüllt und damit versichert, keine ungesetzlichen Devisen oder landwirtschaftliche Produkte einzuführen. Den mitgeführten Apfel aß ich noch schnell auf, ich denke, er kam ursprünglich aus Neuseeland und war dadurch also in doppelter Hinsicht ein Migrant. Mit dem zweiten Zettel, einem weißen, erklärte ich keine kriminellen Handlungen in den USA vorzubereiten und keine terroristischen Anschläge zu planen.
      Der Witz geht um, dass man im Zweifelsfall dafür bestraft wird, beim Ausfüllen des weißen Zettels gelogen zu haben.
      Das Ausfüllen der Papiere war natürlich nur eine Kleinigkeit. Die Hauptsache wartete in der großen Halle, als ich diese betrat, strömten gerade die Passagiere eines Großraumflugzeuges aus Asien herein. Die Menschen fluteten wie zappelnde Heringe in den sich öffnenden Schlund und verfingen sich im Netz aus Absperrbändern. Ein aus Nylon gewobenes Labyrinth, das in Umwegen in Richtung der nummerierten Befragungsstellen führte. Schicksalsergeben und mit nach vorne gebeugten Schultern schob sich der gesichtslose Schwarm dem Gerichtsstand entgegen. Nervös wurden Pässe gesucht, gefunden, kontrolliert, diskutiert, verloren und wiedergefunden.
      Derweilen drängten wir uns dem Tor zur Erlösung entgegen, vor dem Passieren aber mussten zwei Prüfungen bestanden werden. Die erste Prüfung bildeten die Einweiser, deren Aufgabe es war, die homogene Herde wieder in Einzelwesen zu zerteilen. Ihnen musste man in angemessen devoter Haltung begegnen. Gib einem Menschen nur ein kleines Gefühl von Macht über andere und du wirst das Schlechteste in ihm wecken. Ich wurde von der Ausnahme der Regel, einer gutmütigen, leicht untersetzten Frau in imponierender Uniform, zum Schalter fünfzehn dirigiert. Die letzte Hürde bestand in einem gelangweilten Mann ende Fünfzig. Ich gab dem Officer meinen Pass, die Seite mit dem J1 Austauschvisum hatte ich zuvorkommend aufgeschlagen.
      Ein Blick über die Brille. Woher? Wo? Warum?
      „Have a nice time in the United States of Amerika“.
      Ich nickte. Yes Sir!
      Ein Yellow Cab brachte mich der Stadt von New Jersey aus näher. Als der Wagen auf eine Schnellstraße einbog, eröffnete sich ein spektakulärer Blick auf die Skyline von New York. Am Horizont ragten die Wolkenkratzer gen Himmel wie ein grandioses Gebirge und bildeten in ihrer Gesamtheit eine imponierende Komposition. Es als hätte sich ein amorpher Organismus aus dem Schoss der Erde erhoben. Freudig aufgeregt und gleichzeitig ängstlich schlug mein Herz schneller, als wir uns dem Gebirgsmassiv näherten.
      Wir nahmen den Weg am Central Park vorbei, alles schien mir hier doppelt so groß wie zu Hause. Die kleinen Elfen gab es hier aber auch, sie schimmerten bläulich und zischten durch die Straßen wie Libellen auf Droge.
      Dann: York Avenue 63rd Street, Rockefeller University.
      Mein neues Zuhause.
      Meine Wohnung war ein kleines Studio-Apartment im zweiunddreißigsten Stock. Ein grandioser Blick über den East River und das Gebirge aus Hochhäusern in Richtung Central Park. Ich hatte zunächst keine Möbel, aber irgendjemand hatte einen Stuhl da gelassen.
      Immerhin!
      Mit den wenigen mitgebrachten Dollarscheinen, hatte ich mir ein Bett, ein Aerobed, im nahen „Bed, Bath and Beyond“ gekauft und ein Sixpack Bier.
      Ich setzte mich auf den Stuhl vor das Panoramafenster, öffnete eine Dose Bier und zündete mir eine Zigarette an. Über den Hochhäusern, in Richtung Central Park, türmten sich die Wolken auf. Es schien sich ein Gewitter anzubahnen. Ich nahm einen Schluck Bier und war bereit für das Schauspiel.
      Als ich den Zigarettenrauch an dem gekippten Fenster vorbei blies, bemerkte ich in der Ferne einen Schwarm großer Vögel. Für Vögel schienen sie mir seltsam groß zu sein. Ich stand auf, starrte in Richtung Brooklyn und versuchte mir darüber klar zu werden, was dort am Horizont seine Kreise zog.
      Ein Schwarm Drachen auf dem Weg ins Nest, dachte ich belustigt über meinen eigenen verdrehten Scharfsinn.
      Inzwischen fuhren Blitze zwischen den Hochhäusern hinab und der Donner grollte zornig.
      Ich hätte nie gedachte, dass ich so etwas Aufregendes sehen würde und das gleich am ersten Tag!


      Spoiler anzeigen

      Drachen? Da war doch etwas!
      Der letzte Flug des Phönix
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      -Bono-

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    • Kapitel III. Walk and Talk

      Milton, war mein neuer Chef und er lächelte. „Well, lets walk and talk!“ Ich wusste mit diesem Ausdruck nicht viel anzufangen, verstand aber, dass ich mitkommen sollte. „Well, I am heading a 1000 square foot lab, we have 5 postdocs now and I think they are very happy with what they are doing.“ Milton lächelte selbstzufrieden. „Justine is an extremely talented student, she will publish her results in the end of this year and start as a very successful md/phd student.“
      Ich hatte mit Justine geredet. Es gab keine Ergebnisse!
      Milton ging schnell, ich bemühte mich zu gehen und nicht zu laufen, dies hielt ich für unangemessen, ich war ja schließlich frischgebackene Doktorin der Neurobiologie, mit einer wegweisenden Publikation in einem der angesehensten wissenschaftlichen Zeitschriften. Es ging in meiner Doktorarbeit um den Informationsaustausch zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte. Naheliegend, oder? Dieses Thema hatte mich nie mehr losgelassen seit dem CT-Scan meines Gehirns in meiner Kindheit.
      Milton öffnete eine Tür, das gab mir eine Verschnaufpause, dann rannte er förmlich in den Raum und bediente ein Gerät. „This is a Bruker 800 Mhz NMR machine. When they installed the machine, they had to open the roof, my lab is the main user.“
      Bevor er weiter ging, warf er einen eindeutigen Blick auf meinen Hintern. Auch das noch! Nicht, dass ich etwas dagegen habe, wenn mir jemand auf den Hintern schaut. Ich finde sogar, dass mein Hintern ganz hübsch ist. Aber ich hatte mit der Zeit einzuschätzen gelernt, ob diese Blicke respektvoll und anerkennend gemeint waren oder einen dieser unpersönlichen Arschlochblicke darstellten. Miltons Blick war ein eindeutiger Arschlochblick, kein Zweifel, es hätte nur noch seine Hand auf meinem Po gefehlt. So etwas brauche ich gar nicht!
      Aber weiter ging die Tour, eine Flut leerer Informationen rauschte an mir vorbei, große Publikationen in Vorbereitung, glorreiche Zukunft, alle Wissenschaftler im Labor sind glücklich und erfolgreich. Immer wieder lächelte Milton selbstzufrieden.
      In meinem Hinterkopf schrillten die Alarmglocken, aber ich wollte meinen Traum nicht aufgeben. Denn dieser Ort war am besten geeignet, um herauszufinden, was mit meinem Gehirn anders war, als bei allen anderen Menschen.
      Und das war er wirklich, nur anders, als ich mir je hätte denken können!

      Die Rockefeller Universität bildete einen eigenen kleinen Mikrokosmos, eigentlich musste man das Gelände gar nicht verlassen. Bis auf meinen Psychopatenchef war alles sehr beeindruckend, nirgends zuvor hatte ich so viele kluge Menschen versammelt gesehen. Mein eigenes Ego erhielt dadurch einen heilsamen Dämpfer. Zum Frühstück und zum Mittagessen ging ich in die Cafeteria, abends erkundete ich den Faculty-Club, eine Bar, und versuche Billard zu spielen. Dort stellte mir Nick, der Bartender nach einigen Tagen automatisch ein Beck's auf den Tresen.
      Als ich mich vom Faculty-Club auf den Heimweg machte, lugte die warme, helle Sommersonne noch über den Horizont. Im sanften Wind flatterten die Blätter der Platanen über meinen Kopf und das Bier hatte meine gute Laune wohltuend verstärkt. Außerdem hatte ich gerade gelernt, was 'Scheiße' auf Japanisch heißt. Japaner verlieren nicht gern beim Billard!
      Über mir rauschte es jetzt stärker, ein Schatten fiel auf den Gehsteig. Über mir lärmten die Blätter, als währen sie in der Wirbelschleppe einer Boeing gefangen. Ich wollte mich gerade nach der Ursache für die seltsame Windböe umsehen. Da sah ich die beiden großen Hunde, sie hielten direkt auf mich zu, ich blieb erschrocken stehen und dachte 'Scheiße' auf Japanisch. Es waren zwei Golden Retriever, die harmloseste Hunderasse der Welt. Ohne von mir Notiz zu nehmen, sprinteten sie an mir vorbei. In einigem Abstand folgte der Hundehalter, als er an mir vorbeiging, nickte er mir lächelnd zu. Ich schaute ihm nach, seine weißen Haare schienen zu leuchten. Er ging etwas steif, möglicherweise ein Hüftleiden, aber immerhin, Nobelpreis für Medizin 1999.
      Ein paar Schritte hinter ihm ging ein Mädchen, das mir bekannt vorkam. Das Mädchen aus dem Flugzeug! Sie ging an dem Nobelpreismann vorbei und umarmte einen blond gelockten Mann, dann kam eine kleine Frau mit schwarzen glatten Haaren dazu. Mama und Papa! Als ich an ihnen vorbei ging, sah sie kurz auf und lächelte mir zu, als sie mich erkannte.

      Auf dem Weg nach Hause machte ich noch einen kurzen Abstecher zur Terrasse vor dem Forschungsgebäude. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Queensboro Bridge und auf Roosevelt Island. Wer Spider Man gesehen hat, würde den Anblick erkennen. Von dort aus wurde die Szene gedreht, wo Spider Man gegen den Green Goblin kämpfte. Roosevelt Island war nördlich der Brücke bebaut, aber auf der südlichen Seite wucherten wildes Buschwerk und kleine Bäumchen. Dazwischen erkannte ich die Ruine eines Gebäudekomplexes. Die Überreste des Krankenhauses für Pockenerkrankte von 1856, das aus Quarantänegründen auf der Insel erbaut wurde. Wie es wohl damals gewesen sein mochte, auf dieser Insel der Kranken?
      Eine Weile hing ich meinen Gedanken nach, da bemerkte ich, dass jemand neben mir stand. Die feinen Haare auf meinen Unterarmen richteten sich auf. Ein sehr seltsames Gefühl beschlich mich, langsam drehte ich mich zur Seite. Neben mir stand ein ausgewachsener Troll, er war etwa drei Meter groß, hatte eine grau-blaue Haut und trug nur einen knappen Lendenschurz. Seine Hauer waren beeindruckend, es war offensichtlich ein Männchen. Aus der Ferne hatte ich schon mal einem Troll gesehen, dem Klischee entsprechend, war es in Schweden gewesen. Natürlich starrte ich ihn an! Der Troll schaute zum Horizont in Richtung Brooklyn, dann hob er seinen Kopf und schien den Himmel zu mustern.
      Plötzlich wandte er sich mir zu und sah mich direkt an.
      Mir stockte der Atem.
      „Hast du sie gesehen?“, brummte er.
      Ich konnte es kaum glauben, er redete mit mir! Mein Herz pochte.
      „W... Wen?“, brachte ich hervor.
      „Die Drachen, hast du die Drachen gesehen?“
      „Drachen?“, fragte ich dümmlich.
      Der Troll neigte fragend den Kopf.
      „Gestern, gestern... dort drüben, ich weiß nicht genau, was es war, aber...“, ich dachte auch an die seltsame Böe vor einigen Augenblicken. „Und...“
      „Ja?“
      „Da war gerade eben so ein seltsamer Wind direkt über mir“, brachte ich hervor.
      „So nahe!“ Der Troll grunzte betroffen und seufzte. „Drachen sind nicht gut, weißt du.“
      „Ich... ich hab auch ein Einhorn gesehen, vor zwei Wochen.“
      „Natürlich hast du das“, schnaubte der Troll und sah mich dann mitleidig an.
      „Du hast keine Ahnung, nicht wahr?“
      Ich schüttelte den Kopf.
      „Das tut mir alles sehr leid“, brummte er. Seine Handfläche berührte meine Stirn und mir wurde schwarz vor Augen.
      Als ich erwachte, stand der Mond schon hell und groß über der Brücke. Hastig rappelte ich mich auf, der verdammte Troll war natürlich auf und davon. Mein Kopf rauschte, ich hatte heftige Kopfschmerzen.
      „Chikushou“, fluchte ich auf Japanisch und wankte mehr schlecht als recht nach Hause.

      Es war wie ein Zauber aus altvergangenen Tagen. Offensichtlich hatte ich es in mein Bett geschafft und ich lag jetzt auf dem Rücken, halb schlafend und halb aufwachend. Zu meinem Erstaunen schwebte ich etwa einen Zentimeter über dem Bett. Mit ausgestreckten Armen und leichten Bewegungen ließ sich die Position steuern, leicht nach rechts oder etwas weiter nach links. Die Höhe zu verändern kostete etwas mehr Anstrengung, man musste sich konzentrieren, um den Zustand aufrechtzuerhalten. Aber dieser Aspekt wäre sicher nur eine Frage der Übung und kein generelles Problem. Ich fragte mich im Halbschlaf, warum die Fähigkeit zu fliegen nicht allgemein bekannt ist. Vermutlich besitzen mehr Menschen diese Begabung, als man allgemein erwartet, aber sie trauen sich nicht, die gesellschaftlichen Konventionen zu verlassen und sich zu outen. Wer möchte schon als fliegender Freak gelten und im Zirkus an einem Seil, von einem Elefanten geführt, bis hoch zum Zeltdach schweben? Man macht sich eigenartige Gedanken in diesem Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Die pochenden Kopfschmerzen weckten mich endgültig. Ich schlug die Augen auf. Mit einem Ruck fiel ich aus fast einem halben Meter Höhe aufs Bett zurück.
      Dies war kein Traum gewesen? Hatte ich tatsächlich über dem Bett geschwebt? Mein Herz pochte wild, dass konnte doch alles nicht wahr sein!
      Irgendetwas passierte mit mir.
      Mir kam die seltsame Begegnung mit dem Troll wieder ins Bewusstsein. Er hatte mit mir geredet, als wäre ich eine alte Bekannte und jetzt mache ich nächtliche Flugversuche in meinem Bett.
      Nun hatte ich ein wenig Angst, tatsächlich verrückt zu werden.
      Ich rollte mich aus dem Bett und zog mich aus, offensichtlich hatte ich in meinen Kleidern geschlafen. Nach einer schnellen Dusche zog ich ein frisches T-Shirt an. Die Kopfschmerzen hallten weiter durch meinen Schädel, ich suchte nach meinen Zigaretten und fand eine halb zerknitterte Schachtel Marlboroughs in der Gesäßtasche meiner Jeans. Seufzend zündete ich mir eine an und öffnete den Kühlschrank, ein Sixpack Bier begrüßte mich.
      Das Frühstück war also gesichert!
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-

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      Sensenbach schrieb:

      Kapitel II. Immigration

      Das Flugzeug setzte holpernd auf und rollte dann langsam über das Rollfeld. Nachdem das ‚fasten seatbelts’ Zeichen erloschen war, half ich dem Mädchen ihr Gepäck aus dem Fach zu heben und sie gönnte mir zumindest die Andeutung eines Lächelns.
      Was für ein ernsthaftes Kind!
      Unter meinen Füssen Füßen schepperte das Metall der Gangway und erinnerte mich? daran, wie trügerisch die Sicherheit menschlicher Unternehmungen doch war. Auf dem Weg in Richtung ‚Immigration’, der Pass(-) und Zollkontrolle, verschwand das Mädchen zwischen den anderen Passagieren.
      Ich sah ihr noch kurz nach und ihre schlanke Gestalt erinnerte mich für einen Moment an den grazilen Anblick des Einhorns, wie es auf der Tragfläche stand gestanden hatte (Zeitform), bevor es sich in die Lüfte erhob. Manchmal gönnen sich meine verbundenen Hirnhälften verwegene Assoziationen.
      Nirgends auf der Welt fühlt sich der Mensch fremden Mächten so ausgeliefert, wie während der Pass-und Visakontrolle bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika. Schon im Flugzeug hatte ich einen grünen Zettel ausgefüllt und damit versichert, keine ungesetzlichen Devisen oder landwirtschaftliche Produkte einzuführen. Den mitgeführten Apfel aß ich noch schnell auf, ich denke, er kam ursprünglich aus Neuseeland und war dadurch also in doppelter Hinsicht ein Migrant. Mit dem zweiten Zettel, einem weißen, erklärte ich keine kriminellen Handlungen in den USA vorzubereiten und keine terroristischen Anschläge zu planen.
      Der Witz geht um, dass man im Zweifelsfall dafür bestraft wird, beim Ausfüllen des weißen Zettels gelogen zu haben.
      Das Ausfüllen der Papiere war natürlich nur eine Kleinigkeit. Die Hauptsache wartete in der großen Halle, als ich diese betrat, strömten gerade die Passagiere eines Großraumflugzeuges aus Asien herein. Die Menschen fluteten wie zappelnde Heringe in den sich öffnenden Schlund und verfingen sich im Netz aus Absperrbändern. Ein aus Nylon gewobenes Labyrinth, das in Umwegen in Richtung der nummerierten Befragungsstellen führte. Schicksalsergeben und mit nach vorne gebeugten Schultern schob sich der gesichtslose Schwarm dem Gerichtsstand entgegen. Nervös wurden Pässe gesucht, gefunden, kontrolliert, diskutiert, verloren und wiedergefunden. Schön geschrieben!

      Derweilen drängten wir uns dem Tor zur Erlösung entgegen, vor dem Passieren aber waren zwei Prüfungen zu bestehen. Die erste Prüfung bildeten die Einweiser, deren Aufgabe es war, die homogene Herde wieder in Einzelwesen zu zerteilen. Ihnen musste in angemessen devoter Haltung begegnet werden. Gebe Gib einem Menschen nur ein kleines Gefühl von Macht über andere und du wirst das Schlechteste in ihnen ihm (in Bezug auf "einem Menschen") wecken. Ich wurde von der Ausnahme von der Regel, einer gutmütigen, leicht untersetzten Frau in imponierender Uniform, zum Schalter fünfzehn dirigiert. Einem vorschnellen Chinesen mit wenigen geringen?/kryptischen/desaströsen Englischkenntnissen, erging es schlechter, er wurde beiseite geführt Das klingt seltsam, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein.... Ich habe keine Ahnung, was aus ihm geworden ist.
      Die letzte Prüfung bestand in einem gelangweilten Mann ende Ende fünfzig. Ich gab dem Officer meinen Pass, die Seite mit dem J1 Austauschvisum hatte ich zuvorkommend aufgeschlagen.
      Ein Blick über die Brille. Woher? Wo? Warum?
      „Have a nice time in the United States of Amerika“.
      Ich nickte, Yes Sir.
      Ein Yellow Cab brachte mich der Stadt von New Jersey aus näher. Als der Wagen auf eine Schnellstraße einbog, eröffnete sich ein spektakulärer Blick auf die Stadt. Am Horizont ragten die Wolkenkratzer gen Himmel wie ein grandioses Gebirge und bildeten in ihrer Gesamtheit eine imponierende Komposition, es als hätte sich ein unförmiger?/amorpher Organismus aus dem Schoss der Erde erhoben. Ich war freudig aufgeregt und gleichzeitig ängstlich, mein Herz schlug schneller, als wir uns der Stadt näherten, wie zum Treffen mit einem schroffen Liebhaber.
      Wir fuhren am Central Park vorbei, alles schien mir hier doppelt so groß wie zu Hause.
      Die kleinen Elfen gab es hier auch, sie schimmerten bläulich und zischten durch die Straßen wie Libellen auf Droge. :rofl:
      Dann. Besser ein Doppelpunkt? York Avenue 63rd Street, Rockefeller University.
      Mein neues Zuhause.
      Meine Wohnung war ein kleines Studio-Apartment im zweiunddreißigsten Stock. Ein grandioser Blick über den East River und das Gebirge aus Hochhäusern in Richtung Central Park. Ich hatte zunächst keine Möbel, aber irgendjemand hatte einen Stuhl da gelassen.
      Immerhin!
      Mit den wenigen mitgebrachten Dollarscheinen, hatte ich mir ein Bett, ein Airobed Sicher, dass es nicht "Aerobed" geschrieben wird?, im nahen „Bed, Bath and Beyond“ gekauft und ein Sixpack Bier.
      Ich setzte mich auf den Stuhl vor das Panoramafenster, öffnete eine Dose Bier und zündete mir? eine Zigarette an. Über den Hochhäusern, in Richtung Central Park, türmten sich die Wolken auf. Es schien sich ein Gewitter anzubahnen. Ich nahm einen Schluck Bier und war bereit für die Show.
      Als ich den Zigarettenrauch an dem gekippten Fenster vorbei blies, bemerkte ich auf der anderen Seite, kein Komma einen Schwarm großer Vögel. Sie waren recht weit weg, für Vögel schienen sie mir seltsam groß zu sein. Ich stand auf, starrte in Richtung Brooklyn und versuchte mir darüber klar zu werden, was dort am Horizont seine Kreise zog.
      Ein Schwarm Drachen auf dem Weg ins Nest, dachte ich belustigt über meinen eigenen verdrehten Scharfsinn.
      Inzwischen fuhren Blitze zwischen den Hochhäusern hinab und der Donner grollte zornig.
      Ich hätte nie gedachte, dass ich so etwas Aufregendes sehen würde und das gleich am ersten Tag!

      Sensenbach schrieb:

      Kapitel III. Walk and Talk

      Milton war mein neuer Chef und er lächelte. „Well, lets walk and talk“, ich wusste mit diesem Ausdruck nicht viel anzufangen, verstand aber, dass ich mitkommen sollte. „Well, I am heading a 1000 square foot lab, we have 5 postdocs now and I think they are very happy with what they are doing.“ Milton lächelte selbstzufrieden. „Justine, no komma is an extremely talented student, she will publish her results in the end of this year and start as a very succesfull successful md/phd student“.
      Milton ging schnell, ich bemühte mich zu gehen und nicht zu laufen, dies hielt ich für unangemessen, ich war ja schließlich frischgebackene Doktorin der Neurobiologie, mit einer wegweisenden Publikation in einem der angesehensten wissenschaftlichen Zeitschriften. Es ging in meiner Doktorarbeit, kein Komma um den Informationsaustausch zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte. Naheliegend, oder? Dieses Thema hatte mich nie mehr losgelassen, kein Komma seit dem CT-Scan meines Gehirns in meiner Kindheit.
      Milton öffnete eine Tür, das gab mir eine Verschnaufpause, dann rannte er förmlich in den Raum und bediente ein Gerät. „This is a Bruker 800 Mhz NMR machine, Punkt, neuer Satz?when they installed the machine, they had to open the roof, my lab is the main user“.
      Bevor er weiter ging, warf er einen eindeutigen Blick auf meinen Hintern. Auch das noch! Nicht, dass ich etwas dagegen habe, wenn mir jemand auf den Hintern schaut. Ich finde sogar, dass mein Hintern ganz hübsch ist. Aber ich hatte mit der Zeit einzuschätzen gelernt, ob diese Blicke respektvoll und anerkennend gemeint waren, kein Komma oder einen dieser unpersönlichen Arschlochblicke darstellten. Miltons Blick war ein eindeutiger Arschlochblick, kein Zweifel, es hätte nur noch seine Hand auf meinem Po gefehlt. So etwas brauche ich gar nicht.
      Aber weiter ging die Tour, eine Flut von leerer Information Plural klänge hier gewohnter rauschte an mir vorbei, große Publikationen in Vorbereitung, glorreiche Zukunft, alle Wissenschaftler im Labor sind glücklich und erfolgreich.
      In meinem Hinterkopf schrillten die Alarmglocken, aber ich wollte meinen Traum nicht aufgeben. Denn dieser Ort war am besten geeignet, um herauszufinden, was mit meinem Gehirn anders war, als bei allen anderen Menschen.
      Und das war er wirklich, nur anders, als ich mir je hätte denken können!

      Die Rockefeller Universität war ein eigener kleiner Mikrokosmos, eigentlich musste man das Gelände gar nicht verlassen. Bis auf meinen Psychopatenchef war alles sehr beeindruckend, nirgends zuvor hatte ich so viele kluge Menschen versammelt gesehen. Mein eigenes Ego erhielt dadurch einen heilsamen Dämpfer. Zum Frühstück und zum Mittagessen ging ich in die Cafeteria Caféteria, abends erkundete ich den Faculty-Club, eine Bar, und versuche Billard zu spielen. Dort stellte mir Nick, der Bartender, kein Komma nach einigen Tagen automatisch ein Beck's auf den Tresen.
      Als ich mich vom Faculty-Club auf den Heimweg machte, war es ein herrlich warmer, heller Sommerabend. Im Wind rauschten die Blätter der Platanen über meinen Kopf und das Bier hatte meine gute Laune wohltuend verstärkt. Außerdem hatte ich gerade gelernt Komma was 'Scheiße' auf Japanisch heißt. Japaner verlieren nicht gern beim Billard!
      Über mir rauschte es jetzt stärker, ein Schatten fiel auf den Gehsteig. Über mir Zweimal dasselbe? Absicht? lärmten die Blätter, als währen sie in der Wirbelschleppe einer Boeing gefangen. Ich wollte mich gerade nach der Ursache für die seltsame Windböe kümmern umsehen?. Da sah ich die beiden großen Hunde, sie hielten direkt auf mich zu, ich blieb erschrocken stehen und dachte 'Scheiße' auf Japanisch. Es waren zwei 'Golden Retriever' Ich glaube, da brauchst du keine Anführungszeichen., die harmloseste Hunderasse der Welt. Ohne von mir Notiz zu nehmen, sprinteten sie an mir vorbei. In einigem Abstand folgte der Hundehalter, als er an mir vorbeiging, nickte er mir lächelnd zu. Ich schaute ihm nach, seine weißen Haare schienen zu leuchten. Er ging etwas steif, möglicherweise ein Hüftleiden, aber immerhin, Nobelpreis für Medizin 1999, so etwas will ich auch!
      Ein paar Schritte hinter ihm ging ein Mädchen, das mir bekannt vorkam, es war das Mädchen aus dem Flugzeug. Sie ging an dem Nobelpreismann vorbei und umarmte einen blond gelockten Mann, dann kam eine kleine Frau mit schwarzen glatten Haaren dazu. Mamma Mama und Papa! Als ich an ihnen vorbei ging, sah sie kurz auf und schien mich zu erkennen.
      Sie lächelte mir tatsächlich zu!
      Auf dem Weg nach Hause machte ich noch einen kurzen Abstecher zur Terrasse vor dem Forschungsgebäude. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Queensboro Bridge und auf Roosevelt Island. Wer Spider Man gesehen hat, würde den Anblick erkennen. Von dort aus wurde die Szene gedreht, wo Spider Man gegen den Green Goblin kämpfte. Roosevelt Island war nördlich der Brücke bebaut, aber auf der südlichen Seite wucherte wucherten wildes Buschwerk und kleine Bäumchen. Dazwischen war die Ruine eines Gebäudekomplexes zu erkennen. Die Überreste des Krankenhauses für Pockenerkrankte von 1856, das aus Quarantänegründen auf der Insel erbaut wurde. Wie es wohl damals gewesen sein mochte, auf dieser Insel der Kranken?
      Ich hing meinen Gedanken nach, da bemerkte ich, dass jemand neben mir stand. Die feinen Haare auf meinen Unterarmen richteten sich auf. Ich hatte ein sehr seltsames Gefühl und drehte mich langsam zu zur Seite. Neben mir stand ein ausgewachsener Troll, er war etwa drei Meter groß, hatte eine grau-blaue Haut und trug nur einen knappen Lendenschurz. Seine Hauer waren beeindruckend, es war offensichtlich ein Männchen. Aus der Ferne hatte schon mal einem Troll gesehen Bitte nochmal überprüfen!, dem Klischee entsprechend, war es in Schweden gewesen. Natürlich starrte ich ihn an. Der Troll schaute zum Horizont in Richtung Brooklyn, dann drehte er seinen Kopf und schien den Himmel zu mustern.
      Plötzlich wandte er sich mir zu und sah mich direkt an.
      Mir stockte der Atem.
      „Hast du sie gesehen?“
      Ich konnte es kaum glauben, er redete mit mir.Ausrufezeichen! Mein Herz pochte.
      „W... Wen?“, brachte ich hervor.
      „Die Drachen, hast du die Drachen gesehen Fragezeichen
      „Drachen?“, fragte ich dümmlich.
      Der Troll neigte fragend den Kopf.
      „Gestern, gestern... dort drüben, ich weiß nicht genau Komma was es war, aber...“, ich dachte auch an die seltsame Böe vor einigen Augenblicken. „Und...“
      „Ja?“
      „Da war gerade eben so ein seltsamer Wind direkt über mir“, brachte ich hervor.
      „So nahe“, der Troll grunzte betroffen und seufzte dann, „Drachen sind nicht gut, weißt du.“
      „Ich... ich hab auch ein Einhorn gesehen, vor zwei Wochen Ausrufezeichen?
      „Natürlich hast du das“, schnaubte der Troll und sah mich dann mitleidig an. „Du hast keine Ahnung Komma nicht wahr?“
      Ich schüttelte den Kopf.
      „Das tut mir alles sehr leid“, brummte er. Seine Handfläche berührte Netter Effekt, ich hab mich sofort gewundert, da man ja bei Trollen erstmal an "Draufhauen" denkt... meine Stirn und mir wurde schwarz vor Augen.
      Als ich erwachte, stand der Mond schon hell und groß über der Brücke. Hastig rappelte ich mich auf, der verdammte Troll war natürlich auf und davon. Mein Kopf rauschte, ich hatte heftige Kopfschmerzen. „Damned Shit“, stöhnte ich und wankte mehr schlecht als recht nach Hause. Hier wäre auch der japanische Fluch nochmal als Running Gag gut.


      Es war wie ein Zauber aus altvergangenen Tagen. Offensichtlich hatte ich es in mein Bett geschafft und ich lag jetzt auf dem Rücken, halb schlafend und halb aufwachend. Zu meinem Erstaunen schwebte ich etwa einen Zentimeter über dem Bett. AHA Habs erkannt. ;) Mit ausgestreckten Armen und leichten Bewegungen ließ sich die Position steuern, leicht nach rechts oder etwas weiter nach links. Die Höhe zu verändern kostete etwas mehr Anstrengung, man musste sich konzentrieren, um den Zustand aufrechtzuerhalten. Aber dieser Aspekt wäre sicher nur eine Frage der Übung und kein generelles Problem. Ich fragte mich im Halbschlaf, warum die Fähigkeit zu fliegen nicht allgemein bekannt ist. Vermutlich besitzen mehr Menschen diese Begabung, als man allgemein erwartet, aber sie trauen sich nicht, die gesellschaftlichen Konventionen zu verlassen und sich zu outen. Wer möchte schon als fliegender Freak gelten und im Zirkus an einem Seil, von einem Elefanten geführt, bis hoch zur (Zelt?)Decke schweben? Man macht sich eigenartige Gedanken in diesem Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Die pochenden Kopfschmerzen weckten mich endgültig. Ich schlug die Augen auf. Mit einem Ruck fiel ich aus fast einem halben Meter Höhe aufs Bett zurück.
      Dies war kein Traum gewesen? Hatte ich tatsächlich über dem Bett geschwebt? Das klingt mir irgendwie bei Weitem nicht perplex genug für jemand, der gerade geschwebt ist.

      Mir kam die seltsame Begegnung mit dem Troll wieder zu ins Bewusstsein/bewusst werden. Er hatte mit mir geredet, als wäre ich eine alte Bekannte und jetzt mache ich nächtliche Flugversuche in meinem Bett.
      Nun hatte ich ein wenig Angst, tatsächlich verrückt zu werden.
      Ich rollte mich aus dem Bett und zog mich aus, offensichtlich hatte ich in meinen Kleidern geschlafen. Nach einer schnellen Dusche zog ich ein frisches T-Shirt an. Die Kopfschmerzen hallten weiter durch meinen Schädel, ich suchte nach meinen Zigaretten und fand eine halb zerknitterte Schachtel Marlboroughs in der Gesäßtasche meiner Jeans. Seufzend zündete ich mir eine an und öffnete den Kühlschrank, es war noch Bier da. Das Frühstück war also gesichert.
      Heute würde ich ganz sicher nicht mehr ins Labor gehen.

      Jetzt bin ich endgültig in deiner Geschichte gefangen. Exzellente inhaltliche Weiterführung. Die Grundidee gefällt mir nach wie vor sehr. Und aus irgendeinem Grund habe ich die ganze Zeit gedacht, das ein Mann der Protagonist sei. Jetzt stutze ich jedes mal bei "sie" oder "ihr"... :rolleyes:
      Hoffe, du kannst was mit meinen Anmerkungen anfangen.
      Reim dich oder ich fress dich... [Kurzgeschichten]
      Der Oger Magus

      Wenn Link Peach retten müsste, reichten dann drei Schwerthiebe für Bowser?
    • @bigbadwolf
      Vielen Dank für deine Kommentare, alles super hilfreich :D
      Es ist das erste Mal, dass ich etwas poste, was noch nicht zumindest in erster Fassung fertig gestellt ist. Ich hab zwar eine grobe Idee, wie es weiter geht, bin aber selbst gespannt (und etwas nervös), was noch alles passiert. Eine weibliche Protagonistin in der Ich-Form ist auch Premiere bei mir.

      Anbei ein Bild ihres Wohnhochhauses, von Roosevelt Island aus. Es ist das Gebäude in der Mitte. Das Forschungsgebäude ist rechts daneben.


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      -Bono-

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    • Kapitel IV All about Jaz

      Das Laborleben entwickelte sich recht ambivalent, um es vorsichtig auszudrücken. Der Chef hatte massive Persönlichkeitsstörungen, das war klar. Andererseits war mein Experiment bald fertig und es sollte mir endlich eine Antwort darauf liefern, was ‚what the fuck’ mit meinem Gehirn los war. Ohne meine Kollegen wäre der Alltag allerdings schwierig gewesen. Zwei Franzosen, zwei Japaner, ein Engländer und ein Rumäne, wir bildeten eine Art Schicksalsgemeinschaft und ich schien das Maskottchen der Männergruppe zu sein. Zumindest waren die Franzosen dieser Meinung und fanden diese Idee recht witzig.
      Diese Art von Humor fand ich erst gewöhnungsbedürftig. Ich bin doch kein Stofftier! Bis die beiden dem Chef unmissverständlich klarmachten, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Man kann sagen, was man will, Machos waren die beiden Frenchies, aber einschüchtern ließen sie sich nicht.
      Meine Bodyguards!
      Beinahe jedes Wochenende zogen wir in wechselnder Besetzung um die Häuser. In jener Nacht waren wir in Richtung East-Houston Street unterwegs und kehrten zunächst in einer dieser Kellerbars ein. Jazzmusik!
      Nach einigen Stunden verließen wir die ‘ZincBar’, mit einem guten Quantum Mochito im Blut und Jazzmusik im Herzen. Wir wollten aber noch weiter. Takashi und Naresh führten an, Gaku und ich folgten. Unser Ziel bildete eine japanische Bar im East Village, Takashis Lieblingskneipe. Dort sollte es gutes Essen und für den, der noch trinken konnte, gutes Bier geben. An der Häuserfront, links und rechts von den Hauseingängen, stapelten sich große, schwarze Mülltüten, die darauf warteten am nächsten Tag entsorgt zu werden. An einem der Hausaufgänge sah ich eine Bewegung.
      Direkt neben mir!
      Die Ratten saßen auf den Müllsäcken, sie hatten Löcher in die Säcke gebissen, um sich Zugang zu verschaffen. Jetzt hockten sie nur neugierig da und sahen mich an. Es waren große, wohlgenährte Tiere mit flauschigem, dichtem Fell. Ich starrte dieses alkoholschwere Starren, das einem selbst scharfsinnig und flink vorkommt, aber eigentlich tumb und langsam ist.
      Die Ratten starrten zurück. Wohl hatte ich von dem Rattenproblem in New York gehört, mir die Tiere aber nicht so zutraulich vorgestellt.

      Als ich aufsah, traute ich meinen Augen kaum, eine zwergenhafte Gestalt wankte auf der anderen Straßenseite vorbei. Der Gnom hatte eine Flasche Tullamore Dew in der Hand und sang ein Lied, „It is the end of the world as we know it.“ Irgendetwas von REM, denke ich. Er trug Flip Flops, Bermuda Shorts und ein Metallica T-Shirt.
      Ich ignorierte ihn gekonnt, obwohl es schon ein irrer Anblick war.
      "Hey look at this, Rats!", rief ich meinen Freunden hinterher. Aber Takashi und Naresh gingen einfach weiter, Gaku trottete hinterher und verschwand ebenfalls um die nächste Hausecke.
      Ratten sind wohl doch nicht so bemerkenswert, entschied ich und wollte weiter gehen. Da fühlte ich, wie etwas Weiches unter meinem Schuh nachgab, ich stolperte unbeholfen. Als ich wieder fest auf meinen Füßen stand, lag die Ratte auf dem Bürgersteig in den letzten Zuckungen. Irgendwie hatte ich das Tier mit meinem Schuh erwischt und jetzt verendete es vor meinen Augen, Blut sickerte aus der Schnauze und tropfte auf den Beton.
      „Chikushou“, fluchte ich auf Japanisch.
      „Ja, das ist Scheiße“, sagte der Gnom plötzlich direkt neben mir und sah betrübt auf die Ratte herab. Er stützte die Hände in den Hüften ab und sah mich missbilligend an. Ich starrte zurück, er ging mir bis zu den Schultern. Seine Haare wirkten, als hätte ein Vogel sein Nest zwischen die langen spitzen Ohren gebaut.
      „Ich ..., ich hab das doch nicht mit Absicht gemacht“, brachte ich schließlich entschuldigend hervor.
      Der Gnom schrak zurück. „Du kannst mich sehen. Verdammt!“ Er schien jetzt genauso durcheinander wie ich. Misstrauisch musterte er mich, dann schien ihm etwas einzufallen. „Ahh, du bist Jelena!“, rief er aus. Als wäre dies eine legitime Erklärung.
      „Ja, so heiße ich, aber woher weißt du...?“
      „Gerüchte“, sagte er geheimnisvoll. „Ich hab von dir gehört.“
      Dann sah er sich unschlüssig um und setzte sich schließlich auf die Stufen des Hauseingangs.
      „Du bist sozusagen eine Berühmtheit unter unser gleichen“, er hielt mir die Flasche hin. “Willst du ‘nen Schluck?“
      Das war jetzt schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass mich ein Fabelwesen unvermittelt anspricht. Jahrelang hätte ich schreiend im Kreis tanzen können und sie hätten mich ignoriert. Ich nahm die Flasche, setzte mich neben ihn auf die Treppenstufen und trank einen großen Schluck. Er lächelte und musterte mich interessiert von der Seite als begutachtete er eine seltene Tierart.
      „Was?“, ich war leicht genervt.
      „Es ist lange her, dass ich mit einem Menschen getrunken habe“, er lächelte immer noch.
      „Geht mir genauso“, sagte ich, was etwas unlogisch war. „Ich meine ...“
      „Ja, schon gut“, grinste der Gnom. „Ich heiße Jaz“
      „Hi Jaz, ich bin Jelena.“
      Ich zog die Schachtel Zigaretten aus der Hosentasche. „Willst du eine?“
      „Ja, warum nicht?“ Ich zündete ihm eine Zigarette an und er sah mich an wie ein Golden Retriever. „Danke“
      Es entstand ein etwas peinliches Schweigen.
      „Seit ich ein Kind bin, sehe ich euch, aber keiner von euch Kobolden und Elfen reagiert auf mich“, brach es halb fluchend aus mir heraus. “Was ist jetzt auf einmal passiert?“
      „Hey, was heißt hier, euch? Ich bin keiner von diesen blöden Kobolden oder sehe ich aus wie ein Elf?“
      Jaz war anscheinend beleidigt!
      Ich sah ihn erstaunt an. Ich hab Männer noch nie verstanden, auf dicke Hose machen, aber dann wegen jeder Kleinigkeit anfangen zu heulen. Hatte ich ihn in seinem Stolz verletzt? Oder mochte er einfach nur Elfen nicht?
      „Ey Jaz, das war nicht böse gemeint, es ist alles nur sehr verwirrend“, denkt mal jemand an meine Gefühle?
      Die Ereignisse der letzten Tage. Ein Einhorn, ein Troll, ein irrer Chef, die tote Ratte und jetzt auch noch ein übersensibler Zwerg! Das war alles zu viel für mich. Dazu kam, dass ich sehr emotional sein kann, wenn ich etwas getrunken habe. Ich wollte nicht weinen, konnte aber ein Schluchzen kaum unterdrücken.
      „Jelena!“, Jaz legte beruhigend seinen Arm um mich. „Ist gut. Ist gut. Weine ruhig mein kleines Einhorn.“
      „Was denn für ein Einhorn?“, schniefte ich.
      „Hab ich Einhorn gesagt? Ich meinte Eichhörnchen. Das ist nur so eine Redewendung. Es sind seltsame Zeiten Jelena.“
      Jaz wirkte tatsächlich beruhigend auf mich.
      Ich setzte mich auf. Es war mir peinlich, dass ich mich so hatte gehen lassen, vor einem wildfremden Kobold, Gnom, Zwerg. Oder ..., was auch immer!
      „Also gut“, seufzte ich, „was bist du, wenn du kein Kobold bist? Für einen Zwerg erscheint mir dein Bart zu dezent.“ Er hatte so eine Art Grunge Bart, ähnlich wie dieser Typ von Soundgarden.
      „Es ..., es ist nicht so einfach“, druckste Jaz herum, das Thema schien ihm unangenehm zu sein. „Meine Familiengeschichte ist kompliziert. Sagen wir mal, ich bin so eine Art Halbgnom.“
      Ich wollte nicht weiter nachfragen, obwohl mich das Thema schon interessierte. Nach all den Jahren war da jemand, dem ich die Fragen stellen konnte, die ich immer schon stellen wollte.
      „Du sagtest, es seien seltsame Zeiten Jaz. Was ist denn bloß passiert?“
      Jaz schwieg eine Weile, sah mich ernst an und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
      „Irgendetwas ist geschehen, drüben in Eurasien. Manche sagen, jemand hätte die Drachen wieder erweckt“, flüsterte Jaz. “Die blöden Elfen reden schon vom großen Krieg, der kommen wird und kriegen sich kaum noch ein. Blödes Volk!“, brummte er.
      „Von Drachen hat der Troll auch geredet.“ Ich zündete mir eine frische Zigarette an.
      „Ein Troll, hier in Manhattan? Hmm, das muss Gared gewesen sein, der wohnt mit seinen Leuten in Queens.“
      Jaz klang besorgt und nahm noch einen Schluck aus der Flasche.
      „Hmm, jetzt ist sie leer“, bedauerte Jaz und legte die Flasche beiseite.
      „Ich hab noch ein paar Bier im Kühlschrank.“
      „Ist das eine Einladung?“
      „Klar, ist allerdings ein paar Blocks entfernt“, gab ich zu bedenken.
      „Du weißt was passiert, wenn man einen Kobold zu sich nach Hause einlädt?“
      Jaz legte seine Hand frech auf meine Hüfte.
      „Das ist so bei Vampiren“, korrigierte ich und schob seine Hand beiseite
      „Ach so. Woher weißt du das denn?“
      „Kino“, grunzte ich. Der Gnom war ja ganz süß, auf seine Weise, aber eine Spur zu zutraulich.
      Jaz schien meine Bedenken zu spüren und schwieg eine Weile, als wir in Richtung U-Bahn gingen, und räusperte sich dann.
      „Jelana?“
      „Ja?“
      „Du bist ein ziemlich hübscher Mensch“, sagte er anerkennend. Also eher so auf die nette Art.

      Als ich erwachte, brummte mir der Schädel.
      Schon wieder!
      Ich sollte anfangen, weniger zu trinken.
      „Damned Shit!“, fluchte ich, als ich mich umsah. Überall lagen leere Bierdosen und Chipstüten, der Aschenbecher quoll mehr als über und der Fikus, meine einzige Topfpflanze, lag außerhalb seines Topfes. Die Dusche rauschte, das war natürlich auch seltsam! Als das Rauschen aber plötzlich aufhörte, kam ein wenig Panik in mir auf.
      „Dam da da di dam dam, dam da da di dam dam. Say your prayers little one. Don't forget, my son. To include everyone.“
      Der Halbgnom hatte mein Lieblingshandtuch um die Hüften geschlungen, hielt meine Zahnbürste in der Hand und veranstaltete eine denkwürdige Metallica Imitationen.
      „Exit, light. Enter, night. Take my hand. We're off to never-never land.“
      Jaz hüpfte aufs Bett, er hatte Haare an den Zehen, bemerkte ich und die Zehennägel konnten auch mal wieder geschnitten werden.
      Der Gnom grinste fast im Kreis.
      „Hübsch“, nickte er mir anerkennend zu.
      Hastig zog ich die Bettdecke hoch und langsam erinnerte ich mich wieder.
      „Chikushou!“
      Und ich möchte jetzt keine blöden Kommentare hören, so was kann schließlich jedem Mal passieren!
      “Every artist is a cannibal, every poet is a thief. All kill for inspiration and then sing about the grief.”
      -Bono-

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    • Ich zog die Schachtel Zigaretten aus der Hosentasche. „Willst du eine?“
      „Ja, warum nicht?“, ich zündete ihm eine Zigarette an und sah mich an wie ein Golden Retriever. „Danke“
      Wer jetzt wen und so?

      Ansonsten: Wunderbar! Solche eindrücklichen Anti-Sauf-Demonstrationen liest man als verantwortungsvoller Bürger sehr gern... Es ist schon mancher nach durchzechter Nacht neben einem Gnom aufgewacht. Männlich oder weiblich.

      (Stimmt das, das Chikushou auf Japanisch Chaife heißt?)
      Es ist ein Gerücht, dass Zeit ein Geschenk sei. Man muss sie sich nehmen! (Ania Vitale)

      Wer immer nur tut, was er schon kann, wird auch immer nur bleiben, was er schon ist. (Henry Ford)

      Master of Desaster - born to be bunt ^^