Schreibwettbewerb Dezember/Januar 2017/2018 - Voting

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  • Schreibwettbewerb Dezember/Januar 2017/2018 - Voting

    Welche Geschichte hat euch am Besten gefallen? 14
    1.  
      Die schlimmste Zeit im Jahr (6) 43%
    2.  
      Der Besucher (2) 14%
    3.  
      Die Kunst des Angepisst-seins (0) 0%
    4.  
      Elfenbier und Zwergensang (6) 43%
    Ahoi zusammen!

    Das FGF wünscht euch auch an dieser Stelle nochmal ein frohes und gesundes Jahr 2018!

    Natürlich haben wir keine Pause gemacht und so geht es gleich weiter mit dem Schreibewettbewerb - dem ersten im neuen Jahr. Trotz der stressigen Feiertage sind 4 Geschichten bei uns eingetroffen und ihr habt mal wieder die Qual der Wahl - im positiven Sinn. ;)

    Und somit geht der Schreibwettbewerb Dezember/Januar 2017/2018 ins entscheidende Uservoting.

    Folgendes Thema wurde von unserem letzten Gewinner Xarrot vorgegeben:

    Volles Pfund auf`s Maul!

    Die Geschichten werden gemessen am Datum ihres Einreichens willkürlich gepostet. So steht ihr im Bezug auf deren Autoren völlig im Dunkeln. ;)

    ACHTUNG: Beim Voten ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte bei eurer Stimmenabgabe!

    Das Voting dauert bis 31. Januar 2018 um 23:59:59 Uhr.

    Viel Spass beim Lesen und Voten! :)

    Euer Fantasy-Geschichten Forum

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  • Die schlimmste Zeit im Jahr

    Mit infernalischem Getöse riss ein klappriger Wecker, der auf einem kleinen, schmalen Holztischchen stand, Esualc aus seinem Schlaf. Mit dunklem Grunzen ließ er als Antwort seine geballte Faust auf die Apparatur herabsausen, die ihn so unsanft aus seinen Alpträumen gerissen hat. Der Wecker zersprang in tausende kleine Teilchen, die quer durch den Raum flogen und an Wänden und der Decke zerbarsten. Der Holztisch krachte in sich zusammen. Stöhnend richtete sich sein dunkler Körper aus einem Pritschen-artigem Bett auf, lies eine zerlumpte und durchlöcherte Flechtdecke auf den kalten Steinboden fallen und stellt sich ächzend auf zwei rußbedeckte und zerkratzte Füße. Immer noch grummelnd, wankte er zu einem Gitterfenster, aus dem helles Mondlicht in den Raum fiel. Das Gemach war sehr klein, unbeleuchtet und bis auf einen schweren Eichenschrank und der Pritsche, aus dem Esualc soeben aufgestanden ist, lag noch eine Art Jutesack und ein Holzprügel in einer Ecke. Gegenüber vom Fenster war eine eisenbeschlagene Tür in die Wand gelassen. Ein eisiger Wind fuhr durch die Gitterstäbe in den Raum und lies die Lumpen an seinem dürren und schmutzigen Körper hin und herwinken.
    „Es ist wieder soweit…“, sagte Esualc mit einer dunklen Stimme, die sich wie die eines Trolls anhörte.
    Er schleppte sich zum Eichenschrank und stieß ihn auf. Darin befand sich ein verfilzter und von Motten geschändeter, Ruß überzogener, schwarzer Mantel. Esualc warf ihn sich über seine Schultern, nahm den Holzprügel und den Jutesack in jeweils eine Hand und stellte sich mit finsterer Miene vor die schwere Eisentür. Ein goldenes, leuchtendes Türschloss hing unter dem Griff, was von der düsteren Gestalt im schwarzen Mantel grimmig angestarrt wurde. Sein Blick wechselte immer wieder vom Fenster, in welches das silberfarbene Mondlicht einfiel zum Türschloss, welches regungslos und verschlossen an der Tür prangte.
    Wenige Sekunden später zog ein besonders heller Silberschein vorbei an der Schulter des Grimmigen und schien auf das goldene Türschloss, welches langsam anfing, zu schmelzen, wie eine Schneeflocke über dem Lagerfeuer. Dann fiel es mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden und die Tür öffnete sich und gab den Blick auf eine trostlose und verlassene Landschaft frei. Die Gestalt warf sich die Kapuze über den kahlen Kopf und durch das Dunkel der Kapuze war nun ein aufblitzen vieler Zähne zu sehen, die böse lächelnd Preis gegeben wurden.
    „Dann wollen wir doch mal sehen, wer noch alles wach ist…“, flüsterte Esualc.
    Mit einem kleinen „Puff“ löste sich die Gestalt des mysteriösen Mannes in eine schwarze Wolke auf und hinterließ eine kleine Betonhütte, die nun mit offener Eisentür inmitten eines Feldes stand. Außen an der Wand lehnte eine seltsame und große Maschine, die plötzlich leise surrend zum Leben erwachte und rhythmisch zu brummen begann.
    Der kleine Timmy hat ein Geräusch gehört.
    „Das muss er sein…“, flüsterte er aufgeregt und sprang aus seinem warmen Bett und schlich leise den Flur entlang in das Wohnzimmer. Er spähte um die Ecke, um den Weihnachtsmann zu überraschen. Er hatte ein leises Rascheln gehört und war sich nun sicher, dass er gekommen war. Timmy sah die vielen Geschenke unter dem prunkvoll beleuchteten Tannenbaum aber niemanden, der sie dorthin gelegt hatte. Er trat vor die Geschenke und suchte nach Spuren, die seine Vermutungen bestätigen könnten. Fand aber nichts.
    „Sieh an, sieh an…“, sprach da eine dunkle Stimme, die lauernd aus einer Ecke zu hören war.
    Timmy wirbelte herum und sah einen rußverschmierten Mann mit schwarzem Mantel auf den Schultern, einem Holzknüppel in der rechten und einen Jutesack in der linken Hand in der Wohnzimmerecke stehen der ihn musterte.
    „Bist du Knecht Ruprecht?“, fragte Timmy neugierig.
    Der Mann trat in den Schein des Weihnachtsbaums und tat einen Schritt auf Timmy zu.
    „Nein…“, sagte er. Dann fiel der Holzknüppel mit einem dumpfen Geräusch auf den Kopf vom kleinen Timmy. Esualc packte das bewusstlose Kind am Fuß, hob es hoch und steckte es in seinen Jutesack. Dann sah er sein Spiegelbild in eine der Christbaumkugeln glitzern und fuhr mit leeren Augen fort.
    „… viel schlimmer…“
    Mit einem Windstoß erschien Esualc vor seiner Behausung. Sein Holzknüppel war blutbefleckt und der Jutesack war so riesig wie ein ganzes Haus. Mühelos zog er den gigantischen Sack hinter sich her, warf im Vorbeigehen den Holzknüppel zurück in eine Ecke seines Raumes und schleifte in einer Blutspur den Jutesack zur bereits surrenden Maschine außen an der Wand seines Gefängnisses. Dort angekommen, nahm er das offene Ende des Sackes und stülpte es in eine Öffnung der Maschine. Nach und nach schienen schwere Körper in das Innere der Maschine zu fallen. Ein knistern, knacken, sägen, und mahlen war zu hören. Vereinzelnd drangen kurze, spitze Schreie in die Nacht, die aber sofort verstummten.
    Die dunkle Gestalt begab sich zu einer kleinen Ausgabe der maschinellen Monstrosität und hielt die Hände auf. Kleine schwarze Stäbchen fielen aus einer Öffnung heraus, die Esualc geschwind aufsammelte und auf eine Art Trockenrost legte. Aus den kleinen Stäbchen tropfte vereinzelt Blut und befleckte den Boden unter der Trockenvorrichtung.
    Dann nahm er aus einem Fass hinter dem Bunker längliche Holzstäbe und verschnürte die einzelnen Stäbchen an ihnen und steckte sie in den Boden.
    Die Prozedur wiederholte sich Minuten, Stunden und Tage, bis das Summen der Maschine verstummte, die letzten schwarzen Stäbchen herausgenommen, getrocknet und mit Holzstäben in den Boden gesteckt wurden. Inzwischen hatte sich ein ganzes Feld dieser seltsamen Konstrukte hinter der Behausung des grausamen Mannes gebildet. Dieser hatte nicht eine Sekunde geruht und sein grausames Werk schweigend verrichtet.
    Nun aber blickte er auf und breitete die Arme aus, als ob er der Welt zeigen möchte, welch tolles Werk er vollbracht hatte. Flammen züngelten aus den Händen der Gestalt und flogen zu seinen Füßen. Danach schossen sie schnell wie Blitze über das Feld hinweg und unter die Holzstäbe entlang, die zischend entflammten und hell funkelnd brannten.
    Esualc setzte sich auf den Boden, streckte die Beine aus und lehnte sich zurück. Er betrachtete den Mond und grinste breit, als die ersten Holzstäbe von den Flammen entzündet in den Nachthimmel aufstiegen. Mehrere Dutzend Meter über dem Boden explodierten die dunklen Stäbchen mitsamt den Holzstäben in beeindruckenden Farben, Formen und Geräuschen.
    Der Himmel war erfüllt von hellem Licht, leuchtenden Farben und lautem Getöse. Das Gesicht des Mannes leuchtete auf und lachend warf er sich auf den Rücken und bestaunte das Spektakel am Himmel.
    Nach einigen Minuten wich dem entflammten Nachthimmel wieder eine eisige Dunkelheit und Esualc saß in die Ferne starrend vor seinem Werk in absoluter Ruhe.
    Plötzlich stand hinter ihm eine weitere Gestalt.
    „Ich habe die Lichter gesehen…“, sagte sie traurig.
    Esualc lachte laut auf.
    „Es war wunderbar!“, grölte es aus seiner Kehle.
    Er blickt hinter sich auf die Person. Sie trug einen leuchtend roten Mantel und eine rote Mütze. Weiße, buschige Nähte waren in seine Kleidung genäht.
    Der Mann hatte weiße Haare, einen weißen Bart und rosige Wangen über die nun eine Träne sickerte.
    „Ich hasse dich…“, schluchzte die Person in Trauer ergriffen.
    Esualc lachte wieder, erhob sich ächzend und ging dann zurück in sein Haus. Die andere Person folgte ihm und schloss die Tür hinter Esualc. Dieser blickte hinter sich auf die Tür und sah ein goldenes, leuchtendes Schloss an seiner eisenbeschlagenen Tür. Er spuckte verächtlich aus, dann hing er seinen schwarzen Mantel in den Schrank, legte seinen Jutesack zu dem Holzknüppel und legte sich schwer atmend in seine Pritsche, neben dem ein kleiner, schmaler Holztisch stand – mit einem Wecker darauf.

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  • Der Besucher

    Donner grollte vor dem Fenster, während der Blitz die menschenleere Straße vor dem Krankenhaus erleuchtete. Die dicken Regentropfen, welche unbeirrt auf die Scheibe einprasselten und die nächtliche Metropole in eine nasse Geisterstadt verwandelten, unterstrichen nur Adams schlechte Laune. Er sollte eigentlich längst nicht mehr hier sein, aber er hatte sich geweigert zu gehen, als die Schwestern ihn nach Hause schicken wollten. Nun saß er in dem Besuchersessel des dunklen Patientenzimmers der Intensivstation und beobachte Sarah, die noch immer bewusstlos im Bett lag. Nur das regelmäßige Piepen ihres Herzmonitors und das keuchende Geräusch des Beatmungsgerätes verriet ihm, dass sie noch lebte. Gerade so.
    Die Ärzte hatten gemeint, es sei knapp gewesen. Hätte das Messer sie nur wenige Zentimeter weiter getroffen, hätte sie es vermutlich nicht einmal mehr in den Rettungswagen geschafft.
    In den zweiunddreißig Jahren seines Lebens hatte sich Adam noch nie so hilflos gefühlt, wie in diesem Moment. Müde hielt er sich den noch immer schmerzenden Kopf und überlegte, wie es soweit hatte kommen können. Eine kleine Streiterei zwischen zwei Fremden am Bahnhof, nichts Ernstes. Irgendwie war die Situation dann eskaliert und er hatte sich inmitten einer Schlägerei wiedergefunden. Er war ahnungslos, warum der Kerl mit der braunen Lederjacke sein Messer zweimal im Bauch seiner Freundin versenkt hatte. Alles was er wusste war, dass der Typ die nächsten acht Wochen mit einem Strohhalm essen würde und Sarah nun um ihr Leben kämpfte.
    Die Operation war gut verlaufen, aber sie war noch nicht über den Berg. Es konnte noch so vieles schiefgehen …
    Ein dumpfer Schmerz bohrte sich seitdem durch Adams Schädel und quälte ihn zusätzlich zu der Ungewissheit über die Zukunft der jungen Frau. Vielleicht hätte er die Schmerzmittel doch nicht ablehnen sollen, aber er war zu sehr mit der Sorge um Sarah beschäftigt gewesen, als dass er an sich selbst hätte denken können.
    Er warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr.
    Kurz vor Mitternacht.
    Er wollte nicht schlafen, er wollte wachbleiben und auf sie aufpassen. Er wollte bei Sinnen sein, falls etwas schiefging und er Hilfe holen musste. Er wollte wenigstens jetzt für sie da sein, wenn er es am Bahnhof schon nicht gewesen war. Obwohl Adam sich nach Kräften mühte, die Augen offen zu halten, spürte er, wie die eintönigen Geräusche der medizinischen Geräte ihn langsam ins Reich der Träume beförderten.

    Ein Klopfen an der Tür ließ ihn hochschrecken. Noch immer war es dunkel draußen und flüchtig wanderten seine Augen über das Ziffernblatt.
    „Halb vier Uhr morgens?“, murmelte er schlaftrunken. „Wer stört denn um diese Zeit?“
    Eigentlich konnte es sich nur um die Nachtschwester handeln, aber warum sollte diese anklopfen und eventuell einen Patienten wecken.
    Er fühlte sich nicht wirklich ausgeruht, aber wenigstens hatte der kurze Schlaf seine Kopfschmerzen vertrieben. Sarah hingegen lag noch immer reglos in ihrem Bett.
    Noch einmal verlangte jemand danach, hereingebeten zu werden, dieses Mal deutlich bestimmter.
    „Ja?“, raunte Adam und räusperte sich dann, da seine Stimme beinahe versagte.
    Quälend langsam öffnete sich die Tür zum beleuchteten Gang und eine dunkle Figur trat ein. Nur die Umrisse eines langen Mantels und breitkrempigen Hutes waren vor dem hellen Hintergrund zu erkennen.
    Der Raum versank wieder in Dunkelheit, als die Tür leise hinter dem Besucher zufiel. Ein Blitz erhellte den Raum und offenbarte für einen Augenblick das unbekannte Gesicht des Fremden. Vom Geräusch des rollenden Donners begleitet erhob sich Adam hastig von seinem Sessel.
    „Wer sind Sie?“, fragte er leise, aber energisch. „Was wollen Sie hier?“
    „Begrüßt du jeden Gast so unfreundlich?“, entgegnete der Mann amüsiert und betätigte den Lichtschalter.
    Adam sah über die Tatsache hinweg, dass er geduzt wurde und beschwerte sich bemüht ruhig, was das sollte.
    „Sie wird noch aufwachen!“, meinte er und deutete auf Sarah.
    „Würde es dich stören, wenn sie aufwacht?“, forderte ihn der Fremde heraus und nahm seinen Hut ab.
    Mit zusammengebissenen Zähnen richtete Adam seinen Blick auf den Boden. Nichts wünschte er sich mehr, als dass sie wieder aufwachte, wieder lachte und wieder mit ihm am Leben teilhaben konnte. Niemand wusste, ob sie morgen erwachen, ob sie je wieder ganz gesund werden würde. Sacht schüttelte er den Kopf und sah sein Gegenüber dann wieder an.
    Zufrieden grinsend warf der Besucher den Hut auf den kleinen Tisch und fuhr sich durch die langen schwarzen Haare.
    Noch immer war unklar, wer der Mann war, oder was er dort in Sarahs Krankenzimmer wollte, weshalb Adam seine Frage wiederholte.
    „Wer sind Sie?“
    Der Besucher musterte ihn eindringlich.
    „Was glaubst du denn, wer ich bin?“
    „Woher soll ich das wissen?“, maulte Adam und zuckte mit den Schultern. „Jetzt sagen Sie mir endlich wer Sie sind, oder ich rufe die Schwester!“
    Um seine Drohung zu unterstützen machte er einen Schritt auf Sarahs Bett zu und legte den Finger auf den Schalter, der die Pfleger alarmierte.
    „Das geht leider nicht“, meinte der Fremde mit ruhiger Stimme, woraufhin der junge Mann genervt schnaubte und versuchte den Knopf zu betätigen.
    Nichts tat sich. Keinen Millimeter konnte er den Schalter hinunter drücken.
    „Verdammt nochmal!“, fluchte er. „Dieses Drecksding klemmt!“
    „Nun beruhige dich, du weckst sie noch auf!“, mahnte der Besucher amüsiert.
    Wütend sah Adam ihn an.
    „Wer. Sind. Sie?“, fauchte er zum dritten Mal und war bemüht, sich zurückzuhalten.
    Langsam und bedächtig kam der Mann zu ihm herüber und stellte sich neben ihn an das Bett der jungen Frau. Irgendetwas sagte ihm, dass er es zulassen sollte.
    „Charon“, hauchte der ungebetene Gast. „Thanatos. Anubis. Osiris. Mors.“
    Verständnislos sah Adam zu dem Fremden auf, der deutlich größer war, als er zunächst geschätzt hatte.
    „Was?“, hakte er vorsichtig nach. „Warum zählen Sie antike Götter auf?“
    Was stimmt denn mit dem Kerl nicht?
    Das dunkle Haar hing dem unheimlichen Mann ins Gesicht, als er zu Sarahs Freund hinunterblickte.
    „Weil das die Namen sind, die man mir gab.“
    „Ihnen … gegeben hat?“
    Nur ein Nicken bekam er als Antwort.
    „Ich verstehe nicht, worauf Sie hinauswollen“, gab er zu und richtete seinen Blick wieder auf die bewusstlose Frau vor sich. „Wer hat Ihnen diese Namen gegeben?“
    „Die Menschen jener Zeit.“
    Schweigend wartete Adam auf eine weitere Erklärung, welche nach einem Moment der Stille auch folgte.
    „Einige Jahrhunderte später nannten sie mich dann den ‚Schnitter‘ oder ‚Gevatter Tod‘.“
    Wieder breitete sich eine angespannte Ruhe im Raum aus, welche lediglich von den Geräuschen der medizinischen Geräte und gelegentlichem Donnergrollen unterbrochen wurde.
    Hatte dieser Mann gerade behauptet, er sei der Tod?
    „Das ist nicht witzig“, raunte Adam leise und nahm Sarahs Finger in die seinen.
    Er verstand nicht, wie jemand im Krankenhaus am Bett einer schwer verletzten jungen Frau so etwas sagen konnte.
    „Das war kein Witz“, antwortete der Besucher und legte seine Hand auf die des Paares.
    Die knöchernen Fingerglieder fühlten sich kalt und hart auf Adams Haut an, sodass er seinen Arm erschrocken zurückzog und dem Fremden mit klopfendem Herzen ins Gesicht sah. Leere Augenhöhlen, leer von jeglicher Wärme oder Leben dominierten den Totenschädel, der nun von den dunklen Haaren des Mannes umrahmt wurden. Nur einen Augenblick später war das Gesicht wieder wie zuvor, aber Adam starrte den Tod noch immer entsetzt an.
    „W-Was … aber, warum …“, fing er an, unterbrach sich aber sofort wieder als ihm das beständige Piepen von Sarahs Herzmonitors auffiel.
    „Nein! Sie können sie nicht haben!“, beharrte er und schüttelte vehement den Kopf. „Sie ist noch so jung! Das hat sie nicht verdient!“
    Wortlos verschränkte der Seelensammler die Arme vor der Brust und schüttelte mitleidig den Kopf.
    „Bitte! Warum soll sie sterben und der Idiot, der ihr das angetan hat, darf weiterleben?“
    Weiterhin schwieg der dunkle Besucher und Adam spürte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.
    „Nein, bitte …“, hauchte er. „Sie darf nicht sterben! Sie ist …“
    „Sie wird gesund“, wurde er unterbrochen.
    „W-was?“
    Erleichterung machte sich in seiner Brust breit, als er die Aussage des Todes vernahm. Gleichzeitig jedoch drängte sich ihm die Frage auf, warum dieser dann dort im Krankenzimmer stand.
    „Ich bin nicht wegen Sarah hier, Adam“, beantwortete der Besucher die unausgesprochenen Worte. „Warum glaubst du, rede ich mit dir?“
    Überrascht riss der junge Mann die Augen auf.
    „S-Sie meinen …“, stammelte er und versuchte einen Weg zu finden, die Äußerung in einer positiven Weise zu interpretieren. Es gelang ihm nicht.
    „Ja, Adam. Ich bin wegen dir hier.“
    Die Erkenntnis, dass er sterben würde traf ihn wie der Schlag vor wenigen Stunden. Nur diesmal befielen ihn keine Kopfschmerzen, kein Schwindel und keine Übelkeit.
    „Wann ist es soweit?“, fragte er gefasst. Seine eigene Ruhe überraschte ihn beinahe. Es war, als ob es nicht mehr wichtig war, ob er in der Welt verbleiben würde oder nicht.
    „Es ist bereits geschehen“, meinte der Tod und deutete auf den Sessel, in dem Adam zuvor geschlafen hatte.
    Dort saß er noch immer. Entspannt zurückgelehnt verriet nur das fehlende Heben und Senken des Brustkorbs, dass der junge Mann im Sessel nicht mehr am Leben war.
    Fragend sah Adam seinen Körper an, ehe er einen hilfesuchenden Blick zu dem Besucher warf.
    „Der Schlag hat dich schwerer verletzt als du vermutet hast“, eröffnete ihm der Tod. „Eine Blutung im Gehirn kann schlimme Folgen haben.“
    „Daher die Kopfschmerzen und die Übelkeit …“, erkannte Adam seinen Fehler. Tatsächlich hätte er sich untersuchen lassen sollen, für eine Sekunde an sich selbst denken. Aber das war nun egal. Ein kleines Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus, als er erkannte, dass wenigstens Sarah wieder gesund werden würde.
    „Werde ich sie wiedersehen?“, wollte er dann wissen und hoffte, die Antwort würde positiv ausfallen.
    Der Tod nickte lächelnd.
    „In dreiundfünfzig Jahren, vier Monaten und achtzehn Tagen.“
    „So lange …“, murmelte Adam und war sich nicht sicher, ob er darüber wirklich traurig war. Immerhin bedeutete es auch, dass Sarah noch ein langes Leben vor sich hatte.
    „Was ist das Leben eines Menschen gegen die Ewigkeit“, gab der Tod ihm zu bedenken, woraufhin der Verstorbene sacht nickte und sich ein Lächeln abrang.
    „Kann ich mich noch verabschieden?“
    Wortlos bestätigte ihn der dunkle Besucher, nahm seinen Hut wieder vom Tisch und stellte sich neben die Tür.
    Adam ging ein letztes Mal zu Sarah hinüber und nahm noch einmal ihre Hand. Er nahm sich etwas Zeit, seiner jungen Freundin alles zu sagen, was er ihr nicht mehr sagen können würde. Er erzählte, wie er sich die Zukunft mit ihr vorgestellt hatte und wie leid es ihm tat, sie nun alleine zu lassen.
    „Adam“, hörte er leise den Tod neben der Tür sagen. „Es wird Zeit.“
    Seufzend nickte der Angesprochene und ging langsam und mit einem wehmütigen Blick auf Sarah zur Tür.
    „Hat sie irgendetwas davon gehört, was ich ihr gesagt habe?“, fragte er unsicher.
    „In ihren Träumen“, war die beruhigende Antwort, was Adam erneut ein Lächeln abrang.
    Der Seelensammler erkannte wohl, dass der Verstorbene bereit war, seine letzte Reise anzutreten und öffnete die Tür. Ein grelles Licht blendete Adam, der einen tiefen Atemzug nahm und zögerlich durch die Tür trat. Das Piepen, das Sarahs Herzschlag darstellte wurde leiser und verstummte schließlich, während das Leuchten den Verstorbenen umfing und seinen Geist aus dem Leben trug.

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  • Die Kunst des Angepisst-seins

    »Die Gestirne über Siltuar, dem dritten Planeten des Grepola-Umlaufsystems, schienen sich nicht sicher zu sein, ob sie ihren Ellipsen treu bleiben sollten. Gleichwohl schauten die Legionen des geflügelten Himmelspaladins Herion in der vierten Höllenebene verdutzt um sich und unterbrachen ihren Ansturm auf die Schlundfeste des Dämonenfürsten Yich’Tarz.«

    Was hat denn das alles damit zu tun?
    Bitte gedulden sie sich, verehrter Leser. Nun, Ihre Frage ist berechtigt und Sie sollen recht bald eine Antwort erhalten.

    »Doch zunächst muss ich von den wirbelnden, einzigartigen Schneeflocken berichten, die just im Moment des Augenblicks vergaßen, weiter gen Siltuarboden zu schweben und von der klapprigen Kälte, die sich vor Schreck an ihrem Odem verschluckte. Die Nadeln der mächtigen, geschmückten Kiefer erbebten, einige fielen gar ohnmächtig zu Boden. Wie ihr euch sicher denken könnt, war auch die gefrorene, kleine Pfütze, die sich ganz in der Nähe des Geschehens befand, zutiefst erschüttert. Und auch…«

    Was hat denn jetzt die dämliche Pfütze damit zu tun?
    Also bitte! Ich versuche nur, ein umfassendes Bild zu jener gerechten Untat zu vermitteln. SIE haben doch danach gefragt, falls Sie sich noch entsinnen… also nun, wo war ich? …

    »Ach ja, die Pfütze – diese überaus bedeutsame Pfütze – schämte sich geradezu. Ja, die Schameswärme ließ sie glatt ein wenig antauen! Und auch für die umstehenden Kinder war der Vorfall so unerwartet wie Hedgars Rache…«

    Hedgars Rache?
    Ähm, was? Achso, sie sind ja nicht von hier. Nun, werter Leser, Hedgars Rache ist hier sozusagen ein gebräuchliches Sprichwort. Angeblich gab es mal einen gewitzten Magier, der herausfand, dass seine Frau ihn betrog. Zur Strafe belegte er sie mit einem Fluch, der ihr unvermittelt unsägliche Kopfschmerzen bereitete, sobald sie sich erneut zu einem Fremden legte. Sie verstehen? Ja? Ja? Hervorglänzend.

    »Also die Kinder waren jedenfalls äußerst verblüfft und auch die erwachsenen Besucher des alljährlichen Frosttagfestes auf dem Markt Andertals würden sich bis an ihr Lebensende daran erinnern. Denn als der kleine Kevin Jaden Brian dem ehrwürdigen Frostmann zum wiederholten Male den berüchtigtsten Finger seiner Hand entgegen hob, schien die umfängliche Barmherzigkeit, Güte, Mildtätigkeit und…«

    WAS DENN NUN?!
    Was… WAS DENN NUN?! BEIM BARTE MEINES TOTEN HAMSTERS!

    »Der Frostmann versenkte seine bewollhandschuhte Faust im Gesicht des blöden Bengels, der dann rücklings in besagte Pfütze fiel!«

    TOLLE GESCHICHTE! DANKE FÜR DIE ERKLÄRUNG!!
    BITTESCHÖN!!!

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  • Elfenbier und Zwergensang

    Drafi, seines Zeichens einer der fünfzehn Tavernenwirte der zwergischen Gemeinde der Stadt der tausend Völker, gähnte herzhaft. Es war früh am Morgen und ein nicht enden wollendes Geklopfe an seiner Haustür hatten ihn dazu bewogen, aufzustehen und nachzusehen, wer ihn um diese Tageszeit störte. Der Riegel quietschte, als Drafi ihn mit Schwung zurückschob. Schnell setzte er ein besonders griesgrämiges Gesicht auf, dann riss er die Tür auf. Vor ihm stand ein Elf.
    Gut gekleidet, schlank und groß, das Haar seidig weich schimmernd und natürlich mit bartlosem, nacktem Gesicht war der Anblick so früh am morgen einfach ekelerregend. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, lächelte ihn dieser Fatzke auch noch offen an. Und er hielt sogar Blickkontakt! Drafi war viel zu verblüfft, um sich aufzuregen. Normalerweise sahen Elfen nie jemanden direkt in die Augen. Immer blickten sie gen Horizont, in weite Ferne oder durch die Zeit in längst vergangene Vergangenheit, die nur sie in ihrer längst verlorenen und unvergleichlich holden Jugend erlebt hatten.
    „Guten Morgen, werter Herr Zwerg“, säuselte der Elf mit weicher, melodischer Stimme. „Schön, dass Ihr die Gunst der Stunde erkannt und mir geöffnet habt.“ Er machte eine Kunstpause, die Drafi fast dazu brachte, sich zu übergeben. Doch in zwergischer Zähigkeit hielt er dem Drang noch stand. „Ich habe ein Angebot für Euch, das Ihr nicht ablehnen könnt. Hier...“ Er zog eine schlanke, gläserne Flasche unter seinem Mantel hervor. „... habe ich eine kostenlose, aber kostbare Kostprobe des ersten Bieres aus der Brauerei Eldrith Langblatts. Goldene Farbe,...“ Drafi konnte nicht mehr an sich halten und begann schallend zu lachen. Der Elf blickte ihn ratlos und ob der Unhöflichkeit irritiert an. Es dauerte ein wenig, bis Drafi sich wieder beruhigt hatte.
    „Sagt das nochmal!“, forderte er den Elf auf.
    „Es ist das erste Bier aus der elfischen Brauerei...“ Prustend und sich den Bauch haltend brach Drafi wieder in Lachen aus. Tränen stiegen ihm in die Augen. Immer wieder versuchte er, das Lachen zu unterdrücken, aber stets gewann es neue Kraft und trug ihn mit sich davon. Schließlich lag er vor dem Elfen lachend auf dem Boden und schnappte nach Luft.
    Der Elf, anscheinend ein ganz hartnäckiger, wartete geduldig ab, bis sich Drafi etwas beruhigt hatte. Dann streckte er ihm die Flasche hin und sagte mit wesentlich rauerer Stimme nur: „Trinkt.“
    Nur mit Mühe gelang es Drafi, bei dem Gedanken an von Elfen gebrautes Bier nicht wieder zu lachen. Er ließ den Bügelverschluss der Flasche ploppen und nahm einen kräftigen Schluck. Wenn das Bier so dünn schmeckte, wie diese blubbernden Schaumweinmischgetränke, die die Elfen sonst so arrogant schlürften, dann müsste er sowieso gleich die ganze Flasche trinken, um überhaupt etwas Geschmack auf seine Zunge zu bekommen.
    Das Bier war kühl und fühlte sich angenehm an. Zuerst schmeckte Drafi wirklich wenig. Höchstens eine malzige Note. Für einen kurzen Augenblick behielt er das Bier im Mund, dann schluckte er es hinunter. Im Abgang entfaltete sich ein dunkles, aber blumiges Hopfenaroma auf seiner Zunge und erfüllte dann seinen ganzen Mund.
    Zum zweiten Mal an diesem Morgen war Drafi sprachlos. Er wusste nicht, ob er überhaupt etwas von dem Bier erwartet hatte, aber er musste sich selbst eingestehen, dass er noch nie ein so gutes Bier getrunken hatte.
    „Ja,“ sagte er zu dem Elfen deshalb. „Es ist nicht ganz schlecht. Es könnte etwas stärker sein. Vielleicht solltet Ihr einen zwergischen Braumeister einstellen.“ Er versuchte gleichgültig zu wirken, während er noch einen Schluck nahm. Aber er brannte darauf, den Rest der Flasche zu genießen. Doch die Hand des Elfen war schneller. Sie schloss sich um die Flasche und hielt Drafi mit erstaunlicher Kraft davon ab, sie an die Lippen zu setzen.
    „Ich könnte Euer Wirtshaus damit beliefern. Wie wäre das? Zum gleichen Preis, wie Ihr jetzt Euer Bier bezieht. Und Ihr bekommt ein Faß pro Woche für Euren persönlichen Verbrauch dazu.“
    „Zwei!“, rief Drafi ohne darüber nachzudenken.
    „Hand drauf und Zwergenehrenwort!“, erwiderte der Elf schnell und lächelte. Drafi lächelte zurück und schüttelte die Hand des Elfen.

    Der Abend kroch langsam näher. Bald würde Drafi sein Wirtshaus aufsperren und seine Gäste mit einem grummeligen Nicken willkommen heißen. Er war ein Wirt der eher stummen Sorte. Ein Fels in der Brandung, eine Konstante im Sturm der Zeit. Und seit heute morgen war er auch der erste Zwerg, der in seinem Wirtshaus elfisches Bier anbieten musste. Damit hatte er alles verraten, wofür die Zwerge standen.
    In seinem Bauch rumorte es. Er hatte kaum etwas essen können. Seine Stammgäste würden ihn lynchen und ohne Prozess in einem Fass elfischen Biers ertränken. Gut, er konnte sich einen schlimmeren Tod vorstellen. Aber das Leben war auch schön. Und er mochte sein eigenes ganz besonders.
    Vielleicht würde es nicht so schlimm werden, versuchte er sich zu beruhigen.
    Als es Zeit war, schloss er die Tür auf. Es dauerte nicht lange, bis ein alter Zwergensang gedämpft an sein Ohr drang und die Ankunft Eduard Steinbrechers ankündigte. Eduard, den alle nur Eddi nannten, war Drafis Stammgast, außerdem ein heldenhafter Krieger und in seiner Freizeit Sänger von Zwergenschlagern. Seinen bekanntesten Hit – Marmor, Stein und Eisen bricht -, der bei allen zwergischen Handwerkern sehr beliebt war, hatte er in Drafis Gasthaus zum ersten Mal zum Besten gegeben. Eddi verstummte, bevor er die Tür aufstieß und hereinkam. Grußlos wie immer verlangte er mit einem Nicken nach einem Bier. Mit zitternden Händen zapfte Drafi ihm einen Humpen vom Elfischen, wie er es im Geiste schon nannte.
    „Hier, Eddi. Prost!“
    Eddi nickte ihm zu und setzte den Humpen an die Lippen. Schweiß sammelte sich so schnell auf Drafis Stirn, als wäre in seinem Kopf ein Feuer ausgebrochen und seine Stirn der einzige Ort, an dem man davor sicher war. Ein wahrer Sturzbach floss nun über sein Gesicht, während sein Blick an Eddi klebte. Dessen Nasenflügel bebten zweimal, bevor sie hinter dem Humpen verschwanden. Schnell setzte Eddie den Humpen wieder ab.
    „Was ist das für ein Bier? Es riecht ganz anders.“ Eddi war misstrauisch geworden. Drafi hatte das Gefühl am Abgrund zu stehen. Und seine nächsten Worte würden darüber entscheiden, ob Eddi ihn über den Rand schubste oder ihm nur ein Bein stellte, damit er selbst hineinstürzte.
    „Das...äh.... mal ein anderes,“ antwortete er mit leiser werdender Stimme.
    „Was. Ist. Das. Für. Ein. Bier?“ Eddis Worte fielen langsam, schwer und so unverrückbar wie eine von Zwergen errichtete Mauer. Drafi murmelte etwas unverständliches in seinen Bart. Eddi blickte mit einem so bösen und scharfen Blick, dass man damit auch jedes noch so feine Haar spalten konnte.
    „Trink einfach, bitte!“, flehte Drafi ihn an. Doch es war zu spät. Eddi hatte schon angefangen zu denken.
    „Das ist nicht etwa das von dem verrückten und dreimal verfluchten Elfen gepanschte Gesöff, Drafi? Wenn das so ist und mir nichts davon sagen wolltest, dann wird hier bald mehr zerbrechen als nur Marmor, Stein und Eisen.“ Er stellte den Humpen auf dem Tresen ab und ließ seine Fingerknöchelchen so laut knacken, dass sich Drafi fast in die Hosen machte.
    Drafi wusste, dass er lügen und irgendeine Geschichte erfinden sollte. Vielleicht, dass er jetzt selbst Bier brauen wollte und das wäre der erste Versuch. Aber Drafi war dafür einfach zu sehr Zwerg.
    „Doch,“ gab er kleinlaut zu. „Es ist das Elfische Bier.“

    Als Drafi wieder zu sich kam, lag er hinter dem Tresen. Sei Gesicht schmerzte, als hätten es alle Schmiede des Zwergenreiches so lange als Amboss benutzt, bis es so dünn wie ein Blatt Papier war.
    „Ah...“, stöhnte er. Erst jetzt fiel ihm auf, dass seine Ohren klingelten. Ein Schatten fiel über ihn. Drafi blinzelte. Über ihm stand Eddi Steinbrecher und grinste ihn an.
    „Steh auf, du alter Halunke!“ Mit kräftigen Händen packte Eddi ihn an den Schultern und zog ihn auf die Füße. Der Schankraum des Wirtshauses war voll. So voll, dass die Gäste sogar auf der Straße standen. Oder war die Straße nun auch im Wirtshaus? Drafi rieb sich die Augen. Doch, er hatte richtig gesehen. Dort, wo früher die lange Wand im Schankraum gewesen war, befand sich nun ein großes, mehr oder weniger rundes Loch. Wie die Bresche in der Stadtmauer einer belagerten Stadt. Überhaupt glich das Geschehen hier einer Schlacht. Es schien, als versuchte die eine Hälfte der Gäste die andere davon zu überzeugen, einen Schluck aus ihrem Bierhumpen zu nehmen. Kein echter Zwerg würde so etwas tun.
    „Was ist geschehen?“, fragte Drafi Eddi verzweifelt.
    „Nun,“ druckste Eddi herum. „Du wolltest mir Elfenbier geben. Deswegen habe ich dir ordentlich auf's Maul gegeben. Irgendwann war ich so durstig, dass ich gedankenlos zum Bier griff und einen kräftigen Schluck nahm. Das hat mich überzeugt. Und solange du hier dein Nickerchen machst, dachte ich, übernehme ich den Laden mal eine Weile. Leider sind nicht alle so begeistert davon, dass es hier elfisches Bier gibt. Oder dass die Elfen jetzt mit dem Bierbrauen begonnen haben. Deswegen wird jetzt heiß diskutiert.“
    „Heiß diskutiert?“, Drafi war sprachlos. Keine Schlacht der Welt konnte schlimmer sein oder verbitterter geführt werden wie diese hier in seinem Wirtshaus. Gedankenverloren griff er sich einen Humpen und nahm einen tiefen Schluck. Von irgendwoher kam ein Stuhlbein geflogen. Es verfehlte ihn knapp. Der Geschmack des Elfenbiers erweckte seine Lebensgeister, der Alkohol seine zwergische Sturheit. Nach zwei weiteren Schlucken war der Humpen leer und Drafi dazu bereit, sein Heim gegen die Streitsüchtigen zu verteidigen. Den leeren Humpen schwingend und eine Kampfparole auf den Lippen stürzte er sich ins Gefecht. Eigentlich hatte er „Für die Freiheit aller Völker, Bier brauen und trinken zu dürfen. Ein jeder nach seinem Geschmack!“ schreien wollen, aber für eine Kampfparole schien im das doch zu sperrig. Darum schrie er einfach „Elfenbier!“ und verschwand wild um sich schlagend im Getümmel.

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