Die Kinder des Jenseits (Arbeitstitel)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Kinder des Jenseits (Arbeitstitel)

      So, ich habe auch mal noch eine neue Geschichte angefangen... und gleich nochmal danke an Myrti und Chaos für die Diskussionen und fachkundigen Tipps zum ersten Kapitel/ Prolog und der Geschichte ;)

      Also, die Idee zu der Geschichte kam mir, weil ein Zeuge Jehovas mir vor der Universität, an der ich studiere, einen kleinen Zettel mit einem Zitat drauf in die Hand gedrückt hat. Und da dachte ich, ich könnte das Zitat ja auf meine Art und Weise deuten und was dazu schreiben.
      Ich weiß auch gar nicht, was ich sonst zu der Geschichte erzählen soll, ich schmeiss euch einfach wieder ins kalte Wasser :D


      Kapitel eins/ Prolog:

      Spoiler anzeigen


      „Es wird keinen Tod mehr geben und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz. Was früher war, ist für immer vorbei. So sagt es die Offenbarung. Und wir- wir werden unseren langgehegten Traum endlich erfüllen“, schallen die Worte des Hohepriesters durch die große Halle, in der Hunderte von vermummten Menschen leise wispernd ihrer Arbeit nachgehen. Dichte Schwaden zeremoniellen Weihrauchs aus den vielen Gebetsstätten machen die Luft in der Halle schwer. Das murmelnde Raunen der vielen Personen dringt nur gedämpft an die Ohren des Sektenführers, der über Ihnen erhoben auf einem Podest am Altar steht. Doch aufmerksam geworden durch seine Worte verstummt die Menge, eine angespannte Stille zieht sich durch den Raum und dringt in jeden einzelnen Anwesenden ein, bis alle schweigend nach vorne starren- nur ab und zu dringt ein leises Husten durch die Stille.
      „Die Zeiten, in denen wir vergeblich versucht haben, zu erreichen, was wir wollen, die Zeiten des Misserfolges- diese Zeiten sind jetzt vorbei. Unser hochangesehener Rat hatte sich zurückgezogen, um sich das weitere Vorgehen zu planen, wie ihr wisst. Und nun stehe ich hier, um euch zu sagen, dass jetzt eine bessere Ära für uns alle anbrechen wird! Nie wieder werden wir unter unseren Mitmenschen leiden müssen, nie wieder wird man uns mit Ihnen vergleichen oder gar gleichstellen! Bald werden wir alles haben, was wir uns je gewünscht haben. Wir werden uns nicht mehr sagen lassen, dass wir Versager sind.“ Gedämpfte Schritte bewegen sich vom Altar weg, der Hohepriester bahnt sich seinen Weg durch die dichten Nebelschwaden im Raum und der beißende Rauch lässt seine Augen tränen. Seine Hände ziehen an dünnen Kordeln und berühren die nackten Körper der Menschen unter den schwarzen Umhängen, während er sich durch den Raum bewegt, ein kaum hörbares Wispern dringt aus dem Mund des spirituellen Führers.
      „Wir müssen uns nicht mehr verstecken. Unsere Leben haben endlich einen Sinn. Ihr- ich- werdet alles haben, was ihr immer wolltet.“ Die Finger seiner rechten Hand streichen über die entblößten Brüste einer jungen Frau, liebkosen sie. Sein eindringender Blick zieht sie durch das Dunkel in seinen Bann.
      „Ihr müsst nicht mehr denen gehorsam sein, die über euch stehen. Du, Elena, wirst deinem grausamen Mann nicht mehr untertan sein müssen… du wirst frei sein! Das ist es doch, was du willst?“ Ein nahezu nicht sichtbares Nicken bestätigt die Worte des Priesters, als er seine Schritte weiterlenkt.
      „Und auch du, Jonathan, wirst endlich frei sein.“ Geschickt streifen seine Hände den Mantel des Mannes ab und präsentieren seinen Körper der Gemeinschaft.
      „Und ihr alle“- seine Stimme hebt sich- „ihr alle werdet frei sein, zu sein, wer ihr wollt, und zu tun, was ihr wollt. Wie ihr eure Kleidung abstreift, so werdet ihr die Lasten dieser Welt abstreifen! Wir suchen nach einer besseren Welt, nach einer Welt, in der wir sein können, wer wir wollen. Eine Welt ohne Furcht, ohne Trauer, ohne Leid. Und heute Nacht werden wir sie finden!“
      Die Menschen schlagen ihre schwarzen Kapuzen auf ihre Schultern zurück und sinken zu Boden, sie flüstern durcheinander, wiederholen ihre Mantren und wispern Lobeshymnen auf den Hohepriester. Immer lauter wird dieses Getuschel, die Betenden beginnen auf den Boden zu schlagen. Durch die Ritzen der allzeit verschlossenen Türen dringt dieser Lärm der Hoffnung nach draußen, die Kerzen, die wie winzige Funken in der Dunkelheit sind, flackern, selbst der Marmorboden beginnt unter den Schlägen zu erzittern.
      „Wir werden heute Nacht ein Opfer bringen! Die Offenbarung wird sich erfüllen!“ Ein heiseres Lachen begleitet die Worte des Mannes, der sich zu Boden fallen lässt und seinen Gott anbetet, während der Sturm der Begeisterung alle um ihn herum mit sich reißt.


      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart ()

    • Hey, @BlueRosesInMyHeart,
      starker Einstieg in eine Geschichte. Mich hat vor allem der Titel neugierig gemacht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie düster es wird :D

      Anmerkungen

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      erfüllen.“, schallen die Worte des Hohepriesters
      kein Punkt glaube ich.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      zeremoniellen Weihrauchs
      Im Lesefluss fand ich den Ausdruck mit "zeremoniell" als Adjektiv ungewöhnlich. Jetzt, da ich es isoliert lese, stört es mich gar nicht mehr so. Wenn's dich auch stört, dann kannst du es ja ändern, wenn nicht, dann nicht ^^

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Doch aufmerksam geworden durch seine Worte KOMMA verstummt die Menge,

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Wir werden uns nicht mehr sagen lassen, dass wir Versager sind. Wir suchen nach dem wahren Glück, nach der Erlösung von allen diesen Dingen!“
      Ich fand das die Rede vorher auf einen Höhepunkt zustrebt (also das Gefühl hatte ich). Der letzte Satz hier nimmt diese Spannung aber wieder raus; ich hätte hier eher erwartet, dass sie etwas FINDEN oder ERREICHEN, aber nicht SUCHEN. Später kommt das ja dann noch. Evtl. magst du daran noch was ändern, musst aber vielleicht auch nicht.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Gedämpfte Schritte bewegen sich vom Altar weg, der Hohepriester bahnt sich seinen Weg durch die dichten Nebelschwaden im Raum
      Der erste Satz klingt so, als wäre nicht ganz klar, von wem die Schritte stammen. Da würde ich einfach die Konstruktion ein wenig ändern.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Seine Hände berühren die nackten Körper der Menschen unter den schwarzen Umhängen,
      Vorher beschreibst du die Menschen als vermummt, hier stößt man dann auf "nackte Körper"... das ging mir zu schnell. Mir wäre geholfen, wenn du einmal explizit schreiben würdest, dass der Hohepriester seine Hand unter einen Umhang gleiten lässt.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      ein kaum hörbares Wispern dringt aus dem Mund des Führers.
      Ah, da muss ich an einen... nein, an JEDEN Übersetzungskurs denken, den ich in der Uni besucht habe. Da haben wir gelernt, dass es im Deutschen Worte gibt, die so stark eine Bedeutung haben, dass man sie nur dafür verwenden kann. "Der Führer" ist dabei der Prototyp, d.h. "guide" oder "leader" darf man NIE mit "Führer" übersetzen, weil damit immer auf Adolf Hitler verwiesen wird. Darüber kann man natürlich streiten und anderer Meinung sein, aber ich wollte dich trotzdem darauf hinweisen. Entschärfen kann man das dadurch, dass man z.B. ein Adjektiv wie "spirituell" davor setzt oder eben das Wort ganz austauscht. :pardon:

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Das ist es doch, was du wolltest?
      Müsste das nicht "willst" heißen? Sie hat es ja noch nicht...

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      „Und ihr alle“- seine Stimme hebt sich-
      Ich stelle mir da vor, dass er auch seine Arme ausbreitet und in dieser Geste alle miteinschließt. Vielleicht dreht er sich auch noch im Kreis?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      und wispern Lobhymnen auf den Hohepriester
      Lobeshymnen?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      während der Sturm der Begeisterung alle um ihn herum wahnsinnig zu machen scheint.
      Ein Begeisterungssturm könnte die Leute auch mitsichreißen (z.B. in den Wahnsinn; Rechtschreibung müsstest du nochmal prüfen, bin mir da nicht sicher) oder die Vernunft hinweg fegen. Das wäre ein etwas stärkerer Abschluss, der hier vielleicht auch gut passt.


      Weiter so! ^^
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Liebe @BlueRosesInMyHeart,

      das war der intensivste Text, den ich bisher von dir gelesen habe!

      Ich finde du hast die Stimmung des religiösen Wahns sehr gut eingefangen.
      Das geht alles bestimmt nicht gut, wenn schon von Opfern geredet wird!
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Hey @BlueRosesInMyHeart

      dein Prolog gefällt mir gut. Schön flüssig zu lesen und durchgehend seine Stimmung aufbauend. Auch wirft er Fragen auf, die einen natürlich zum Weiterlesen animieren. Was ist das für eine Gruppe? Welche Offenbarung? Wer oder was wird geopfert?

      Hier nur ein paar Kleinigkeiten die ich noch gefunden habe, ansonsten hat Asni bereit das meiste Angemerkt, dass ich ebenfalls bemerkt habe:

      Spoiler anzeigen
      Doch aufmerksam geworden durch seine Worte verstummt die Menge, eine angespannte Stille zieht sich durch den Raum und dringt in jeden einzelnen Anwesenden ein, bis alle stumm nach vorne starren- nur ab und zu dringt ein leises Husten durch die Stille.

      Hier gäbe es sicherlich noch eine Möglichkeit zum Verschönern. Bei Zweiten z.B. "schweigend" oder "wortlos" verwenden

      Spoiler anzeigen
      Unser hochangesehener Rat hatte sich zurückgezogen, um sich zu beraten, wie ihr wisst.

      Rat und beraten. Ja, ich weiß, ist jetzt vielleicht etwas Kleinkariert, aber irgendwie klingt es für mich zum einen nicht so schön und zweitens finde ich, dass dieser Satz generell etwas den Redefluss des Priesters stört. Vielleicht könntest du sie ja nicht beraten lassen, sondern "die zukünftigen Schritte planen lassen"

      Spoiler anzeigen
      Ihr müsst nicht mehr denen gehorsam sein, die über euch stehen

      Hier würde ich schreiben "die meinen / glauben über euch zu stehen."
      Weil du dich im nächsten Satz ja auf die Frau mit ihrem Mann beziehst. Der steht ja nicht wirklich über ihr (außer deine Welt sagt etwas anderes!) daher würde ich die Formulierung anpassen.

      Ansonsten wie bereits gesagt, schön geschrieben.
      Werde gerne mehr lesen.

      Gruß
      Rebirz
      Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!
    • @Rebirz

      Danke für deinen Kommentar :)

      Ist gar nicht kleinkariert- im Gegenteil, solche Dinge seh ich manchmal gar nicht xD Und dann ist es gut, dass es Leute gibt, die einem das sagen. Danke :)

      Ich werde auch versuchen, bzw ich werde deine Kritik natürlich umsetzen.
      Und ich freue mich, dass du dranbleiben willst ^^


      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Gerne :D

      Mir gefällt der Anfang gut :)
      Man merkt schon, dass der gute Prediger nicht alle Latten am Zaun hat (zumindest aus unserer Sicht xD) und irgendwas vorhat. Vermutlich wird das auch keine Teeparty sein xD
      Ich weiß ja ein wenig was der Gute vorhat und bin gespannt, wie du das rüberbringst und wie es dann weitergeht :)

      Viele Anmerkungen hab ich nicht, weil Asni schon alles rausgeplückt hat xD

      LG Chaos
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Iirg, das war so ne richtig ekelhafte Sekten Stimmung/Atmosphäre...

      Gefällt mir^^

      Der Hohepriester scheint voll Panne zu sein, die Gläubiger scheinen völlig isoliert und schon fast wie Zombies O.o und sie haben ihr eigenes Gotteshaus in dem sie sich zurück ziehen, wenn nicht sogar abschotten (vor der ach so bösen Außenwelt). Guter Nährboden für Scientologyjehovawatweißich Gruppierungen.

      War das Zitat jetzt schon im Text enthalten? Würde mich jetzt so aus Neugierde interessieren.
    • Von mir weist du ja schon, was ich gesagt habe :D Habe nichts hinzuzufügen und hoffe, dass die Geschichte bald wächst. Der Abbohacken ist auf jeden Fall schon mal gesetzt.
      Magie hat etwas einzigartiges: Sie berührt alle Sinne. Sie ist wie ein Geruch, der sich nicht wirklich wahrnehmen lässt, wie Sand, der durch Fingerrillen rinnt. Sie ist ein Geschmack auf der Zunge, der sich nicht benennen lässt, und wie ein Lied, dessen Melodie einem nicht im Kopf bleiben will.
      So lernte Aer die flüchtigste aller Künste kennen: Das Weben von Zaubern, das Formen der Magie.

      Die Schatten der Magie
    • @BlueRosesInMyHeart

      Hallo Blue,
      bin jetzt auch mal bei deiner neuen Geschichte eingestiegen. Fängt ja wirklich seeeeehr spannend an, hab so'n bisschen Gänsehaut bekommen. So, wie du ihn beschreibst, scheint der Mann genau richtig auf seinem Posten zu sein. :evilgrin: Der hat das Potenzial, die Massen in Bewegung zu setzen!
      Ich kann mir die ganze Szene wirklich gut vorstellen und ich bin schon total gespannt, wie es weitergehen wird. Also, wenn dir danach ist - schreib schnell weiter :stick:

      LG Tari
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Hier habe ich mal das erste Kapitel für euch... es ist kein satanistisch angehauchtes Kapitel, gleich mal vorweg. Sondern eher so ein ruhiges, aber etwas "langweiliges" Geplänkel, das auch dazugehört... :D

      Spoiler anzeigen


      Ich schlüpfe in das traditionelle Gewand der Sekte- eine schwarze Kutte, ähnlich der eines Mönches, mit einer silbernen Kordel als Zeichen meines einfachen Mitgliederstatus- und beobachte, wie Sanaha das dunkle, breite Cape, das wir in der Öffentlichkeit tragen müssen, um unsere Gesichter zu bedecken, über ihre tiefschwarzen Haare zieht. Ihr hautenge Lederkluft, die ihren wunderschönen Körper so fabelhaft betont, verschwindet unter dem schweren Stoff des Umhangs, ihre Seite schmücken ihre heiß geliebten sabarischen Dolche, die wir von einer Reise mitgebracht haben- höllisch scharfe Klingen zieren das schwarze Metall der Griffe. So viele Leben haben sie schon gekostet, um unsere zu schützen. Gierig lasse ich meinen Blick über den Körper meiner Partnerin gleiten, an der kleinen Wölbung ihres Bauches bleibt er hängen- und innerlich verfluche ich mich, ihr gestattet zu haben, dass sie bei diesem Auftrag dabei sein darf. In einem Anflug der Besorgnis stottere ich: „Ich… kann das auch…“
      „Thelion. Mach dir keine Sorgen um mich“, unterbricht sie mich mit ihrer honigsüßen Stimme, die uns schon so oft von großem Nutzen war. Tief in mir bin ich neidisch auf jeden Mann, den sie mit ihrer Stimme schon betören durfte.
      „Wir schaffen das schon.“ Sie schlingt ihre zierlichen Arme um mich und drückt sich fest an mich. Ich vergrabe mein Gesicht an ihrem Hals und sauge ihren nach Holunderblüten riechenden, süchtig machenden Duft tief in mich auf, um ihn mir als meinen Glücksbringer einzuprägen. Dann greife ich an eine Stelle in meinem Genick und löse meine metallene Kette mit den blauen Ranken aus Rosen, die sich um einen Dolch winden, aus ihrem Verschluss. Das so gewohnte Gefühl des Metalls auf meinem Hals verschwindet, aber ich lege meiner Partnerin das Geschmeide um den Hals und fahre über die kleinen, roten Knutschflecken in ihrer Halsbeuge, die ich letzte Nacht bei ihr hinterlassen habe. Für einen Moment fesselt mich der Blick ihrer bernsteinfarbenen Augen, ein Bild schießt durch meine Gedanken- wie sie an meinen Lippen stöhnt, weil sie unsere Liebe genießt.
      Aber als die Tür aufgestoßen wird und ein eiskalter, unangenehmer Schwall von Regen herein stürmt, verfliegen diese Gedanken fast augenblicklich wieder. Die Silhouette einer dunklen Person im Türrahmen lässt sie ganz schnell wieder zu der bevorstehenden Mission wandern.
      „Nyvet.“ Mit einem Nicken begrüße ich unseren heutigen Mitstreiter.
      „Wir müssen los.“, verkündet er mit seiner tiefen, brummigen Stimme und wir folgen ihm Hand in Hand in die stürmische Nacht hinaus. Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick verabschiede ich mich für eine gewisse Zeit von unserem trockenen, gemütlichen Zuhause, in das wir vor ein paar Wochen eingezogen sind- unwissend, ob wir alle es jemals gesund und munter wiedersehen werden.
      Der Köcher an meinem Bein schlägt bei jedem Schritt gegen den durch den Regen vollgesogenen schweren Mantel, der Bogen auf meinem Rücken scheuert durch meine Kleider, und meine rechte Hand erstarrt allmählich ob der Kälte unter Sanahas festem Griff, aber ich richte meinen Fokus auf die Halle hoch oben im Schatten der Berge von Shishouk, über der Stadt Kyhara. 738 Stufen trennen den Versammlungsort der „Kinder des Jenseits“ von den Normalsterblichen, das hatte ich nachgelesen. Schwer atmend blicke ich mitleidig zu meiner keuchenden Partnerin hinüber- dann halte ich sie kurzerhand auf und hebe sie hoch an meine Brust. „Du musst das nicht…“
      Ich unterdrücke ihren Protest mit einem kurzen, atemlosen Kuss, bevor ich all meine Kraft zusammennehme und uns die restlichen Stufen hinauf schleppe. Nach einer Weile schmerzen bei jedem Schritt die Muskeln in meinen Beinen und Armen und mein salziger Schweiß vermischt sich mit dem Regen, der mir vom beißenden Wind, der von den Bergen her rührt, ins Gesicht gepeitscht wird.
      Aber ich ignoriere Sanahas Betteln, sie auf den Boden zu stellen, und marschiere verbissen weiter- auch wenn meine Miene sehr besorgniserregend aussehen muss.

      Oben angekommen sehe ich, dass Nyvet bereits auf uns wartet und lasse meine Freundin auf ihre Füße gleiten, dann atme ich einmal tief durch und verharre auf der Stelle, bis meine Atmung sich wieder beruhigt hat. Dann geselle ich mich zu meinen beiden Kameraden.
      „Also los“, versuche ich bestimmt zu klingen.
      Aber als wir über die Schwelle des Gebäudes treten, holen mich die Erinnerungen an die Tage, die wir auf diesen Moment hingearbeitet haben, wieder ein…

      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • So, liebe @Blue,

      dieses erste Kapitel hat mich so atemlos zurückgelassen wie den armen Thelion (superschöner Name übrigens!!) der Treppen-Aufstieg am Ende des Textabschnittes. Klasse geschrieben!!!
      Man spürt die tiefe Liebe zwischen den Beiden, man meint auch den Regen im Gesicht zu spüren und man rennt quasi selbst mit durch die stürmische Nacht.

      Mach schnell weiter damit!! :stick: Es ist so spannend.

      LG Tari
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • @Tariq

      Danke <3
      Es freut mich wie immer sehr, wenn es dir gefällt!
      Ich bin auch mit den Beiden durch die Nacht gelaufen- wenn dir das genauso gegangen bist, bin ich froh und erleichtert, dass es so rüberkommt, wie ich es beabsichtigt habe :D

      Und ich bemühe mich, auch schnell weiterzuschreiben- sofern die anstehende Klausurenphase es mir erlaubt :/

      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hey @BlueRosesInMyHeart

      bin etwas spät dran. Dein erstes Kapitel ist ja schon einige Zeit online.

      Ich muss sagen, dass mir dieser Teil fast noch besser gefällt als der Erste. Wie du die beiden und ihre Beziehung beschrieben hast ist wirklich spitze.
      Auch möchte ich anmerken, dass mir deine Namen sehr gut gefallen. Da bin ich selber im absolut mies ...

      Diesmal habe ich auch nur ein paar Kleinigkeiten anzumerken:

      Bluerosesinmyheart schrieb:

      in einem Anflug der Besorgnis stottere ich: „Ich… kann das auch…“
      Das ist natürlich eine persönliche Präferenz aber ich finde, dass diese Art die wörtliche Rede einzuleiten den Lesefluss stört.
      Der Doppelpunkt wirkt für mich immer wie eine dieser Schleusen an z.B. Bahnhöfen. Die Dinger die sich drehen lassen wenn man seine Karte durchzieht. Was ich damit meine, ist, dass man schon durchgehen kann, aber es hält einen für einen Augenblick auf und man muss seinen Schritt verlangsamen.

      Bluerosesinmyheart schrieb:

      dann halte ich sie kurzerhand auf und hebe sie hoch an meine Brust.
      Das könntest du vielleicht noch etwas detaillierter schreiben. Obwohl ich mir schon denken kann wie er sie trägt, habe ich kurz überlegt und sogar an einen Bearhug gedacht. xD

      Bluerosesinmyheart schrieb:

      „Du musst das nicht…“
      Die wörtliche Rede ist doch Sanaha, oder? Dann müsste das in die nächste Zeile gesetzt werden. Jede wörtliche Rede, die jemand anderes spricht, sollte der Übersicht halber so gehandhabt werden.


      Was mich noch mehr im Detail interessiert hätte, wäre diese Halle am Berg. Ist sie groß? Ein Tempel? Bauart? Man weiß noch nicht, wie deine Welt aussieht, von daher weiß ich nicht so recht, was ich mit einer "Halle" in meinem Kopf anstellen soll. :)

      Noch eine Anmerkung: Vor und nach Bindestrichen und ... sollten Leerzeichen stehen. Zumindest wurde mir das so beigebracht. :)

      Gruß
      Rebirz
      Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!
    • So, dann kommentiere ich auch endlich mal.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      wie Sanaha das dunkle, breite Cape, das wir in der Öffentlichkeit tragen müssen, um unsere Gesichter zu bedecken,
      Das hat mich ein bisschen gestört. Für eine Sekte wäre es doch recht bedenklich, zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, gerade, wenn sie was echt verdorbenes planen. Vielleicht hänge ich mich auch zu sehr an "in der Öffentlichkeit" auf :hmm: Ist es wirklich so gedacht, dass sie unter Fremden und im Alltag vermummt sind oder ist das etwas, was in der Sekte getragen wird?

      An und für sich ist es gut geschrieben und entwickelt sich sehr anders, als ich erwartet hätte, und das macht es interessant. Hast du schon weitergeschrieben?

      Grüße,
      Myrti
      Magie hat etwas einzigartiges: Sie berührt alle Sinne. Sie ist wie ein Geruch, der sich nicht wirklich wahrnehmen lässt, wie Sand, der durch Fingerrillen rinnt. Sie ist ein Geschmack auf der Zunge, der sich nicht benennen lässt, und wie ein Lied, dessen Melodie einem nicht im Kopf bleiben will.
      So lernte Aer die flüchtigste aller Künste kennen: Das Weben von Zaubern, das Formen der Magie.

      Die Schatten der Magie
    • @Rebirz

      Danke :D
      Der Fairness halber muss ich sagen, dass ich den Namen meines männlichen Protas von Chaos hab *grins*
      Weibliche Namen hab ich viele in Petto, aber bei Männlichen bin ich auch oft überfragt... xD

      Danke auch für deine Kritikpunkte- ich versuche, die Umarmung da noch genauer zu beschreiben. Und die anderen zwei Sachen werde ich auch ausbessern- vielleicht hab ich das beim Copy & Paste hier ins Forum verpatzt :D

      Und das mit der Halle- das wirst du schon noch herausfinden. Vielleicht. :D



      @Myrtana222

      Ich dachte tatsächlich daran, dass das das offizielle Gewand der Sektenmitglieder ist- auch in der Öffentlichkeit. Außerdem sind sie ja nicht direkt vermummt, sie tragen halt ein Cape/ eine Kapuze.
      Und, dass die Sekte ihr "Vorhaben" nicht direkt nach außen trägt, sondern halt nur die Mitglieder darüber Bescheid wissen- daher ist das Auftreten in der Öffentlichkeit auch relativ angenehm.

      Freut mich, wenn ich dich überrascht habe ;)
      Weitergeschrieben habe ich allerdings noch nicht, die Klausuren halten mich etwas davon ab... vielleicht mache ich heute Abend aber noch weiter damit.

      LG,
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Kapitel zwei.
      Hoffe, es ist eine gute Methode, um ihn anfangen zu lassen, ihn in seinen Erinnerungen zu schwelgen...

      Spoiler anzeigen


      Noch schlaftrunken werfe ich die Decke zurück und schwinge die Beine aus dem von der Feuchtigkeit schwarzen hölzernen Bett, das inmitten unserer allgemein dunkel gehaltenen Schlafkammer steht. Ich hieve meinen Körper träge aus dem Bett und entdecke eine Gestalt in den Schatten des Zimmers über einen Tisch gebeugt.
      „Sanaha…“, ich werfe einen Blick auf die Sonnenstrahlen, die durch die löchrigen Schiffsplanken fallen, „was machst du so früh am Morgen schon wach?“ Wie ein kleines Bärenkind tapse ich torkelnd zu ihr hinüber- eine Welle prallt gegen den Bug, schwappt mir salziges Meerwasser durchs Bugfenster ins Gesicht und wirft mich gegen die Bordwand.
      „Himmel und Hölle. Geht die Welt unter, oder was?“, fauche ich. Ich fasse mir an den Kopf und als ich die Hand wieder von meiner Stirn nehme, schimmert das Blut rot auf den Kuppen meiner Finger.
      „Verdammt.“ Mit einem Ärmel auf die Wunde gepresst schiebe ich mich mit der anderen Hand vom Boden hoch an der Wand entlang und hangle mich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Rippen des Schiffskörpers nach vorne zu meiner Freundin.
      „Ja, dieser Sturm geht schon die ganze Nacht über. Hier, ich habe mich schon am Tischbein festgebunden, um nicht umzufallen.“ Ich stocke.
      „Hast du die ganze Nacht hier gestanden? Wieso hast du dich nicht zu mir gelegt?“ Seufzend löst sie den Strick von ihrer Hüfte und umarmt mich haltsuchend.
      „Du weißt, was geschieht, wenn mein Vater davon Wind bekommt, dass wir etwas miteinander haben… er lässt dich über Bord werfen.“ Ihr Blick fällt auf das blutige Rinnsal, das über meine Nase nach unten fließt.
      „Mein Vater ist ein Ehrenmann, aber er wird niemals zulassen, dass du und ich eine Zukunft haben. Er ist wie besessen von mir. Und sollte er es jemals erfahren“- sie zuckt vor meinem zärtlichen Kuss zurück- „wird diese kleine Wunde nichts sein im Vergleich zu den Qualen, die du erleiden wirst.“
      Ich setze dazu an, etwas zu erwidern- aber eine weitere gigantische Welle reißt mich von den Füßen. Ich sehe, wie der Schiffsbug zu splittern beginnt, dann geht alles schnell. Da, wo eben noch Sanaha gestanden hatte, reißt ein gewaltiger Windstoß die rostigen Nägel aus den Planken und schleudert sie in einem Tempo herum, in dem sie einem garantiert gravierende Wunden hinzufügen könnten, würde man getroffen.
      „Sanaha!“ Hektisch greife ich nach einem herumschwirrenden Brett und höre, wie das Echo meines verzweifelten Rufes ungehört im Tosen des Sturms verhallt.
      Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mich an dem nassen Brett festgeklammert habe und mich bemüht habe, mit meinen von der Kälte steifen und klammen Fingern nicht abzurutschen.





      Ich kralle meine Finger in den heißen Sand und… Sand? In Sekundenschnelle schießen mir die Bilder der vergangenen Stunden durch den Kopf. Oder waren es Tage?
      Hastig springe ich auf und sehe mich wie ein verschrecktes Reh um- aber ich kann weit und breit Niemanden entdecken. Das verzogene Stück Treibholz, dessen Kerben in meiner linken Hand tiefe Abdrücke hinterlassen haben, lasse ich achtlos in den Sand fallen. Benommen sehe ich auf meine Füße hinunter, einer meiner Schuhe fehlt, meine Kleidung tropft und klebt an meinem Körper wie eine zweite Haut, das ganze Salz juckt wie verrückt und scheuert zwischen meinen Beinen. Mit vor die Augen gehaltenem Handrücken prüfe ich den Stand der Sonne und entscheide mich durch Abzählen an fünf Fingern, in welche Richtung ich gehen soll. Humpelnd wende ich mich nach rechts, immer wieder den Namen der einzigen Person rufend, die in meinen Gedanken präsent ist- Sanaha.
      Aber alles, was ich sehe und fühle, ist der heiße Sand unter meinen Füßen. Irgendwann werfe ich auch meinen zweiten Schuh weg, um besser laufen zu können. Ab und zu trete ich auf die gehäckselten Teile des Schiffes, das uns eigentlich sicher nach Shishouk bringen sollte, und frage mich, ob ich jemals wieder hier wegkommen werde. Wo immer ich auch gerade bin.
      Irgendwann, so gegen fünf Uhr nachmittags, sacken mir einfach die Beine weg, mein Körper lechzt nach Wasser. Aber ich habe auf dem ganzen Weg, den ich mich bis hierher geschleppt habe, noch keinen Tropfen Süßwasser zu Gesicht bekommen.

      Hoffnungslos beschließe ich einfach, hier zu sitzen, und auf den Tod zu warten.



      und ich hoffe, man merkt, dass es so wirken soll, als wäre das gerade real und würde wirklich passieren.
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...