Die Reifeprüfung (Rework)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hey @Alopex Lagopus

      Ich glaube jetzt habe ich wieder ausreichend Luft, um hier wieder ordentlich zu Lesen. Mal schauen, wie lange das so bleibt. :/

      So, dann mal ran an den Speck, ich muss gleich zwei Teile aufholen.

      zu Post 38

      Zwangshochzeiten sind doch eine tolle Sache :P Da hat sich jemand ordentlich in die Scheiße geritten ...

      Spoiler anzeigen

      Spoiler anzeigen
      „Wir haben geschlossen!“, fauchte er, was den spätabendlichen Kunden nicht von seiner Tätigkeit abbrachte.

      Ich finde der Satz könnte noch ein "jedoch" oder etwas in der Art vertragen. Auf seinen Ausruf hin erwartet er sich ja normal eine Reaktion. Da diese aber nicht eintritt, fände ich das Ergänzung ganz gut.

      Spoiler anzeigen
      Dieser trug abgewetzte und viel zu weite Hosen und ein gestreiftes Shirt

      Hosen? Mehrzahl? Stimmt das so? ?(

      Spoiler anzeigen
      „Sie lassen sich dazu herab, eine andere Sprache als ihre eigene zu sprechen?“

      Zuvor hast du "Sie" auch groß geschrieben. Also die förmliche Ansprache.

      Spoiler anzeigen
      dann die Gruppe Vorgartendeko

      :thumbsup:

      Spoiler anzeigen
      „Naja, das passiert jedem früher oder später einmal, der hier lebt. Weshalb bist du hier, Clements? Ich habe den Laden im Griff.“

      Ich denke, das könntest du weglassen. Würde ihn mehr salopp klingen lassen, was meiner Meinung nach passend wäre. Auch weil kurz darauf noch mal ein "hier" folgt.

      Spoiler anzeigen
      Draußen dämmerte es bereits, perfekt.

      Hmm, wie ist dieses "perfekt" zu verstehen? Als gedanklicher Ausruf? Also: Es dämmerte bereits. Perfekt! Ich würde es dann so schreiben, und nicht Komma.

      Spoiler anzeigen
      Je weiter er kam, desto breiter wurden die Straßen und umso sauberer die Häuser.Auf ein vergleichsweise Kleines steuerte er zu und betrat das kleines Grundstück dahinter durch die schmiedeseiserne Pforte.

      Fehlendes Leerzeichen und Wort Doppelung. Vielleicht auch eine kurze Beschreibung des Grundstücks bringen? Wäre eine Chance, noch etwas mehr Details zur Stadt zu bringen.

      Spoiler anzeigen

      Ohne den beiden Bediensteten am Eingang des Tores auch nur eines Blickes zu würdigen bog er auf das Grundstück ein und folgte der von Ziergewächsen gesäumten Allee bis zu den Stufen, die auf das Gebäude zuführten.

      Müsste das nicht "die" heißen?

      Spoiler anzeigen

      „Gut, dass Ihr hier seit, Sir, Ihr Vater erwartet Sie bereits im Salon.“

      seid nicht seit.



      zu Post 40

      Sehr unterhaltsames Gespräch, aber mit Rostbart habe ich auch nichts anderes erwartet :D
      Bin echt mal gespannt, wie dieses Rennen am Ende wirklich abläuft. Mir schwant übles und lustiges :D


      Spoiler anzeigen

      Spoiler anzeigen
      „Dann schreiben Sie ‚Rostbart Superschlittenfahrer 35‘!“

      Oh man :D :dash:
      Spoiler anzeigen
      Beim Daklautdermann!

      Diese Wortverdreher sind der Knaller xD



      Gruß
      Rebirz
      GESCHRIEBENES VON REBIRZ

      Der Gott, der nicht sein sollte (Urban Fantasy)
      Noetik (Sonstige Fantasy)


      MEINE TO-DO-LISTE

      To do... To do... To do, to do, to do, to do, to doooo, dododododo


    • @Rebirz So, jetzt hab ich endlich einmal Zeit, deine Vorschläge umzusetzen :D Vielen lieben Dank für die Anmerkungen, denen kann ich nur gänzlich zustimmen ^^




      Nacht breitete ihre dunklen Schwingen über Schwalbenkack aus. Die Sonne hatte sich bereits Schlafen gelegt und sich den Horizont wie eine Bettdecke tief über den Kopf gezogen. Anständige Bürger folgten ihrem Beispiel und lauschten fleißig an ihren Kopfkissen auf der Suche nach süßen Träumen. Weniger rechtschaffende Individuen lauschten ebenfalls, allerdings eher nach Schritten eines patroullierenden Polizisten oder dem Klicken eines Safeschlosses. Manche horchten auch an Türen. Schließlich konnte man diese leicht mit Kopfkissen verwechseln.
      So erging es wohl auch einem jungen Adeligen, dessen Sinne durch einen Streit mit seinem Vater etwas durcheinander gekommen sein mussten.
      So aktiv wie eine politische Diskussion hockte Ly Elliot Krust auf dem Boden vor seiner Zimmertür, das Ohr krampfhaft ans Holz gepresst. Sein Vater musste noch lange gearbeitet haben, da er ihn erst vor Kurzem in sein Zimmer gehen gehört hatte. Widerwillig verzog sich sein Mund zu einem freudlosem Grinsen. Immerhin schien er dem alten Griesgram um den Großteil seines Schlafs gebracht zu haben.
      Leider waren seines Vaters Probleme auch seine eigenen – oder besser gesagt: Sein Vater löste seine Probleme, indem er Lyell welche bescherte. Eine Heirat! Das war echt das Letzte, was er gebrauchen konnte: Noch eine Person, die ihm wie Kot am Schuh klebte und vermutlich auch noch Aufmerksamkeit oder ähnlich furchtbare Dinge von ihm wollte. Zum Beispiel Kinder!
      Ein Schauder floss wie das Geld an der Börse über den fallenden Aktienkurs seiner Wirbelsäule. So weit wollte er es nicht kommen lassen.
      Inzwischen knebelte Stille die Geräusche des Hauses. Der Augenblick, auf den Lyell gewartet hatte. Leise erhob er sich von seinem Horchposten, öffnete die Tür und stieß direkt auf das erste Hindernis.
      „Guten Abend, Sir. Suchen Sie etwas Bestimmtes?“
      „Clements!“, flüsterte Lyell als er sich von dem Schock erholt hatte, den alten Diener direkt in seinem Türeingang zu sehen. „Was machst du hier vor meinem Zimmer!? Du solltest längst deinen wohlverdienten Schlaf genießen!“
      „Genau wie Sie auch, Sir.“
      „Du kannst auch gerne mitkommen“, meinte Lyell. „Ein zusätzliches Paar Hände können sicher nicht ...“
      „Bedaure, Sir, aber ich muss darauf bestehen, dass Sie in ihrem Zimmer bleiben!“, schob sich Clements in seinen Weg. „Bitte, Ihr Vater hat das so angeordnet.“
      „Mir ist ziemlich egal, was mein Vater anordnet!“, murrte Lyell. Er wollte sich vorbeidrängen, doch Clements hielt ihn abermals zurück.
      „Bitte, Sir. Ihr Vater hat mich damit beauftragt. Ich habe ihrer Familie immer gut gedient. Wenn mein Name dennoch auf der Liste der Mitarbeiter landet, die Ende des Monats entlassen werden, wäre das der Tod für meine Frau und mich. Ich wüsste nicht, wie ich uns beide dann weiterhin ernähren soll. Sie kann nicht mehr laufen, wie Ihr wisst.“ Eine Träne glitzerte in den Augenwinkeln seines Dieners und gab Lyell einen entscheidenden Hinweis, um die Gefühle des Mannes zu deuten.
      „Ich muss mein Meisterwerk aus dem Laden holen und verstecken“, hielt Lyell fest. „Wenn Vater einen anderen in das Lager schickt wird dieser es noch finden und es sich unter den Nagel reißen.“
      „Dies wird nicht vor der neuen Woche geschehen“, sagte Clements hastig. „Ihr Vater hat den Schrottladen für die nächsten zwei Tage schließen lassen.“
      Diese Information beruhigte Lyell zwar nicht, aber es nahm seinem Anliegen etwas an Dringlichkeit.
      „Schön“, kam er dem Diener entgegen. Nicht, weil er Mitleid hatte, nein, sondern weil er nicht wollte, dass Clements entlassen wurde. Der alte Diener war die einzige Person in diesem Haushalt, mit der Interaktion keine unlösbare Aufgabe darstellte. „Komm“, bedeutete Lyell dem Diener ihm zu folgen, als er zurück in sein Zimmer trat. „Wenn du schon einmal hier bist, kannst du mir erzählen, was genau mein Vater nun vor hat.“ Müde ließ er sich rücklings auf sein Bett fallen, während Clements gehorsam eintrat und die Tür hinter sich schloss.
      „Ihr Vater will Sie verheiraten.“
      „Das ist nichts Neues. Hat er schon entschieden mit wem?“
      Ein Räuspern klang von der Tür zu ihm hinüber. „Also ich weiß es nicht mit Sicherheit“, hörte er die Stimme des Alten zu ihm hinüberhumpeln. „Bisher hat er nur Kandidaten in Betracht gezogen, ich kann also nicht genau ...“
      „Clements“, unterbrach Lyell ihn genervt. „Wen hat er in Betracht gezogen?“
      Abermals räusperte sich der Diener. „Ganz oben auf der Liste steht eine der Töchter seiner zwergischen Vertragspart...“
      „Bitte was!?“, rief Lyell aus und fuhr zurück in die Senkrechte. Das würde er nicht mit sich machen lassen! Eine Heirat war schlimm genug, aber das war einfach nur demütigend! An dem Tag, an dem er eine Zwergin ehelichte, mussten schon die Dächer von Schwalbenkack trocken bleiben! Er würde nie ...!
      „Allerdings konnte ihr hoher Vater bisher keinen solchen Ehevertrag unter Dach und Fach bringen“, schob Clements schnell hinterher. „Bei den hiesigen Zwergen ist ihr Name inzwischen zu einem negativ belasteten Synonym für „Rüpel“ geworden. Niemand will jemanden wie Sie in die Familie aufnehmen.“
      Lyell atmete auf. Und da behauptete man, es wäre besser sich Freunde als Feinde zu machen.
      „In Betracht kommen also nur noch die Töchter einiger wohlhabender Händlerfamilien, die in der Lage wären, den bevorstehenden finanziellen Verlust des Unternehmens für eine Weile aufzufangen, bis sich die Geschäfte Ihres Vaters erholt haben. Es gibt unter ihnen wohl genug, die nach dem Adelstitel ihres Vaters gieren.“
      „Dann soll er seinen Titel doch einfach verkaufen“, murrte Lyell und ließ sich zurück in die Kissen fallen. „Davon abgesehen ... Vater ist reich! Das Unternehmen wird schon nicht nächsten Monat Insolvenz anmelden.“
      Eine peinliche Pause schob sich in die Melodie ihres Gesprächs. „Was die zweite Frage angeht“, sagte Clements langsam, als müsste er seine Worte mit Sorgfalt wählen, „würden Sie sich wirklich um die Geschäfte ihres Vaters kümmern, wüssten Sie, dass das Unternehmen verschuldet ist. Ihr Vater verkauft seinen Stahl zu Spottpreisen, um anderen Händlern die Existenz zu nehmen und sich eine Monopolstellung aufzubauen. Arwenius Habkies leiht ihn momentan sein Geld. Wenn dieser aber erfährt, dass ihr Vater an einem Tag über achtzig Prozent seiner Handelsbeziehungen verloren hat ...“ Clements führte den Satz nicht weiter aus. „Und einen Titel kann man nicht kaufen, Sir, man bekommt ihn verliehen! Oder mit etwas Glück durch Geburt und Heirat! Ihr Vater ist sehr stolz auf seinen Titel, den ihres Vaters Vater sich erarbeitet hat. Er würde Sie nie mit der Tochter eines einfachen Händlers vermählen, wäre es nicht absolut notwendig!“
      Lyell murrte nur. Das brauchte er ihm nicht sagen. Es hatte schon Gesuche von Händlern gegeben, eine Heirat zu arrangieren, seit Lyell gerade mal sechs Jahre alt war. Im Alter von vierzehn hatten die Händler versucht, ihre Töchter Lyell auf offiziellen Anlässen vorzustellen, in der Hoffnung, er würde sich in ihre Schönheit verlieben. Doch die einzige Schönheit, die Lyell je schätzen gelernt hatte, war die Sorgfalt eines gut durchdachten Bauplans. Also blieb das Thema Heirat das einzige, in dem sich Vater und Sohn einig waren. Bis heute.
      „Siehst du irgendeinen Weg, wie ich um diese Hochzeit herum kommen kann?“, fragte Lyell, dessen eigene Überlegungen zu dem Thema bisher keine brauchbaren Erkenntnisse geliefert hatten. Dafür war das Wissen über gesellschaftliche Sitten und Bräuche einfach nicht genügend in seinem Hirn verankert worden.
      „Was ist gegen eine Heirat einzuwenden?“, stellte Clements die Gegenfrage. „Eine Ehe bringt viele Freuden mit sich...!“ Nachdenklich hielt er inne. „... an denen Sie allerdings noch nie Interesse hatten“, vervollständigte er den Satz schließlich. „Sie werden sehen. So schlimm ist es gar nicht, man lebt sich schon zusammen! Zumal Sie sowieso irgendwann heiraten müssen, um die Erbfolge zu garantieren.“
      Lyell schnaubte nur. Erbfolge. Kinder. Das Einzige, was wohl jeder Mensch „bauen“ konnte. Lyell hielt nichts davon. Es war so willkürlich, so zufällig, so undurchdacht! Könnte er seine Kinder vom Aussehen bis in ihr Verhalten hinein planen, er hätte vermutlich Spaß an dieser Aufgabe gehabt. Aber so ...
      „Ich will keine Überzeugungsversuche, ich will Lösungsvorschläge, Clements! Wie entkomme ich dieser Heirat?“ Lyell musste nicht aufsehen, um zu wissen, dass der alte Diener sich nachdenklich über die Wange rieb.
      „Sie könnten ganz schnell eine andere ehelichen“, präsentierte er das Ergebnis seines Denkprozesses. „Dann haben Sie schließlich noch die Auswahl.“
      „Abgelehnt, ich will nicht heiraten. Andere Vorschläge?“
      „Nun ja“, murmelte Clements. „Sie könnten sterben.“
      „Du meinst, meinen Tod vortäuschen?“ Wenig überzeugt setzte sich der Erbe des Krust Imperiums in seinem Bett auf. „Dann kann ich meinem Vater auch gleich den Rücken zuwenden und gehen.“
      „Das wäre auch eine Idee“, nickte Clements. „Bei Ihrem Talent finden Sie sicher schnell Arbeit. Sie sind erwachsen und in der Lage, sich selbst zu versorgen.“
      „Ich soll also etwas für andere bauen?“, fragte Lyell lauernd, da er diesen Vorschlag heute bereits zum zweiten Male hörte. „Ich soll das zusammenbauen was sich ein schlechterer Konstrukteur als ich ausgedacht hat, mein Talent damit verschwenden, billige Anweisungen zu befolgen?“
      „Sie könnten sich ihr eigenes Imperium aufbauen“, stellte Clements hastig die Weichen des Gespräches um, bevor ihn ein Wutausbruch seines Herrn überfahren würde. „Dann können Sie ihre Ideen nach Lust und Laune verwirklichen!“
      „Und von welchem Kapital soll ich das machen?“, murrte Lyell weiter. „Mein Vater überlässt mir keinen Guani und hat meine Ideen seit jeher abgelehnt! Solange das Krust Unternehmen also von seiner Inkompetenz geführt wird, kann ich nicht die Veränderung bringen, die mir vorschwebt. Solange er also noch lebt und das Unternehmen nicht mir gehört ...“
      Clements musste bemerken, welche Gedanken der junge Krust gerade weiterzuspinnen versuchte, denn er beeilte sich, ihm schnellstmöglich gewebtes Tuch zu präsentieren.
      „Sie könnten mit ihrer Idee zur Bank gehen und um Kapital bitten. Oder einen Handelspartner wie Arwenius Habkies überzeugen und für sich und ihre Pläne gewinnen, oder aber ...“
      Lyells Wirbelsäule straffte sich und sein Finger schnellte nach oben. Für Clements das unmissverständliche Zeichen, dass ein Geistesblitz seinen Herrn getroffen hatte und er sofort schweigen musste. Nervös beobachtete er den in Erdmännchenhaltung erstarrten Bastler.
      „Ich hab´s“, sagte er nur. „Gewinnen, das ist das Stichwort!“

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Hey @Alopex Lagopus ich bins mal wieder :D
      Spoiler anzeigen

      Spoiler anzeigen
      Nacht breitete ihre dunklen Schwingen über Schwalbenkack aus. Die Sonne hatte sich bereits Schlafen gelegt und sich den Horizont wie eine Bettdecke tief über den Kopf gezogen.

      Also über den ersten Satz bin ich gleich direkt gestolpert. Das klingt so, als wäre Nacht eine Person. Auch klingt es so .. abgehackt? Bin mir nicht sicher, welches Wort es am besten beschreibt. Als hätte man sich als Gitarrist gleich am Anfang des Songs verspielt und setzt erst im zweiten Anlauf - hier quasi im zweiten Satz - erst richtig an. :P
      "Die Nacht hatte ihre dunklen Schwingen bereits über Schwalbenkack ausgebreitet."
      So hätte ich es geschrieben. Ich vermute mal, das hat sich mit deinem zweiten Satz gebissen, der ja quasi genauso klingt?

      Spoiler anzeigen
      So erging es wohl auch einem [gewissen] jungen Adeligen, dessen Sinne durch einen Streit mit seinem Vater etwas durcheinander gekommen sein mussten.

      Nur so ein Vorschlag.

      Spoiler anzeigen
      So aktiv wie eine politische Diskussion hockte Ly Elliot Krust auf dem Boden vor seiner Zimmertür

      Zu geil :thumbsup:

      Spoiler anzeigen
      „Bisher hat er nur Kandidaten in Betracht gezogen, ich kann also nicht genau ...“

      Sollte man nicht Kandidatinnen schreiben? Hab mich grad kurz erschreckt :P

      Spoiler anzeigen
      „Eine Ehe bringt viele Freuden mit sich...!“ Nachdenklich hielt er inne. „... an denen Sie allerdings noch nie Interesse hatten“, vervollständigte er den Satz schließlich.

      Sind die zweiten Pünktchen vorab nötig? Du hast sie ja schon beim ersten Satzteil. Außerdem schaut es komisch aus. :)

      Spoiler anzeigen
      „Sie könnten ganz schnell eine andere [Frau] ehelichen“,

      Ob das wirklich nötig musst du entscheiden. Wollte die Anmerkung nur mal dalassen.

      Spoiler anzeigen
      „Dann können Sie ihre Ideen nach Lust und Laune verwirklichen!“

      Hmmm, "Ihre" auch groß schreiben?

      Spoiler anzeigen
      „Und von welchem Kapital soll ich das machen?“,

      Vorschlag: "Und mit welchem Kapitel soll ich das bewerkstelligen?"

      Spoiler anzeigen
      „Ich hab´s“, sagte er nur. „Gewinnen, das ist das Stichwort!“

      Lasst die Spiele beginnen :D


      Kurz dachte ich wirklich, dass er jetzt plant, seinen Vater um die Ecke zu bringen =O Gut, dass er sich doch für eine weniger blutige Lösung entschieden hat :D
      War wieder eine schöne Konversation. Flüssig und echt. Mich wundert nur, warum er nicht gleich direkt in Richtung Geschäft gestartet ist? Warum erst ins Zimmer zurückziehen? Anordnung von seinem Vater? Selbst wenn, warum ist er nicht schon viel früher getürmt?

      Gruß
      Rebirz
      GESCHRIEBENES VON REBIRZ

      Der Gott, der nicht sein sollte (Urban Fantasy)
      Noetik (Sonstige Fantasy)


      MEINE TO-DO-LISTE

      To do... To do... To do, to do, to do, to do, to doooo, dododododo


    • @Rebirz vielen lieben Dank für die Anmerkungen :thumbsup:

      Rebirz schrieb:

      Warum erst ins Zimmer zurückziehen? Anordnung von seinem Vater? Selbst wenn, warum ist er nicht schon viel früher getürmt?
      Vielleicht musste Lyell auch erstmal wütend vor sich hinschäumen, bis er einen Entschluss fassen konnte? Hätte ich an seiner Stelle getan. Und sein Entschluss ist es jetzt, sein Meisterwerk in Sicherheit zu bringen, bevor sein Vater den Schrottladen auf den Kopf stellt. Und solche Heimlichkeiten gehen in der Nacht einfach besser.




      Mühsam kletterte die Sonne über den Horizont. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedachte, dass dieser – vom Standpunkt eines morgendlichen Spaziergängers in Schwalbenkack aus gesehen – aus Wasser bestand und somit nichts zum sich-dran-festhalten bot. Kinderkacke, wenn man wusste, dass der brennende Gasball dort oben eigentlich der bewegungsfaulste Himmelskörper im Universum war und der Planet all die Arbeit selbst übernahm. Ja, die Physik gab sich alle Mühe, aufmerksame Beobachter zu verarschen. Selbst jene, die genauer hinsahen und komische Formeln dazu aufschrieben.
      Ebenjenen Gedanken hegte Vaunír Erendar, als er das morgendliche Schauspiel beobachtete. Erste Strahlen ergossen sich über die spröde Gischt der Wellen und gaben ihnen somit den Glanz von flüssigem Gold. Möwen kreischten und auf dem offenen Meer trieb ein einsames Fischerboot. Keine Wolke bedeckte den Himmel. Ein idyllisches Bild. Vaunír wandte den Blick ab und versuchte den Brechreiz zu unterdrücken, um an seiner Erhabenheit festzuhalten.
      Idylle. Es hatte schon seinen Sinn, warum sich dieses Wort so wunderbar auf „Gülle“ reimte.
      Ohne dem Himmel noch eine weiteren Moment seiner Aufmerksamkeit entgegenzubringen, schritt Vaunír über den Beschissenen Platz – ja, er hieß wirklich so! –, von dem man bei lichten Möwenschwärmen einen prachtvollen Blick über das tiefer gelegene Hafenviertel und das Meer geboten bekam.
      Es herrschte bereits ein lebhaftes Treiben, wovon der gute Wachtmeister „Ichhabsgesehn“ Piepenköhl bestimmt ein gutes Siebzehntel ausmachte. Selbstzufrieden stand er vor einem Marktverkäufer und verpasste ihm gerade einen Strafzettel, weil seine Warenkisten – und Vaunír genoss diese Formulierung beim Hören – zu weit in den Fußgängerbereich expandierten. Der Händler beteuerte, dass das nicht stimmte, woraufhin ihm Piepenköhl einen weiteren Bußgeldschein ausschrieb.
      Vaunír mochte Piepenköhl. Er hatte einen guten Blick für einen Menschen. Die Waren befanden sich tatsächlich 0,17 Fuß zu weit vorne auf dem Platz.
      Durch diesen Anblick schon gleich besser gelaunt, überquerte Vaunír das Zentrum der Schwalbenkackschen Handelswelt und versuchte jedes Detail seiner Umgebung aufzunehmen. Dabei fiel sein Blick auf einen Jungen, der an der Mündung der Schwingengasse stand und unentschlossen die urbane Landschaft betrachtete. Ein typisches Verhalten für einen Neuankömmling - für einen klugen Neuankömmling. Viele marschieren einfach drauflos und verirren sich anschließend in den verwinkelten Gassen, bis sie nicht mehr wussten, weshalb sie eigentlich in die Stadt gekommen waren. Aufgeschmissen wie er aussah, galt dies für den Jungen bereits. Umso weniger verwunderte es Vaunír, als der Junge ein Stück Papier aus der Tasche zog. Vermutlich eine Karte, womit ...
      Vaunírs Augen weiteten sich. Kerdanisches Pergament! Der Junge besaß ein Stück kerdanisches Pergament! Und er zeigte es einfach so in der Öffentlichkeit! Hastig trat Vaunír hinter einen Gemüsestand und beäugte den Neuankömmling aufmerksam. Einmal mehr bekam der Elb zu spüren, dass Menschen sehr unaufmerksame Individuen waren, denn der Junge steckte den Zettel vollkommen unbehelligt zurück in die Tasche seiner ausgeblichenen Robe. Es war ein preiswertes Kleidungsstück, aus einfacher Schafswolle gerfertigt. Demnach kam der Junge wohl von der Azurklamm.
      Vaunír gestattete sich ein schmallippiges Lächeln. Immerhin wusste er, was er mit diesem Tag anfangen würde. Er würde den mysteriösen Jungen keinen Augenblick aus den Augen lassen und nach einer Gelegenheit ...
      Etwas fiel mit einem Klatschen auf Vaunír Schulter. Zitternd, ja fast mechanisch drehte der Elb den Kopf und sah den weißen Klacks auf seinem Mantel. Seine Mundwinkel verzogen sich, wie immer, wenn etwas seine Erhabenheit störte. Erst jetzt bemerkte er, wie schlimm sein derzeitiger Zustand bereits war. Er. Ein Elb. Der sich geduckt hinter einem Gemüsestand verbarg. Und dann dieser unansehnliche Fleck auf seiner edlen Gewandung ...
      Vaunír konnte nicht anders, denn in seinem Kopf setzte alles aus. Kerdanisches Pergament, war sein letzter Gedanke, bevor er sich kopfüber in eine Gemüsekiste voller Tomaten stürzte.




      ***


      Unvorsichtig nahm Livian einen tiefen Atemzug, nur um es wenige Sekunden später aufrichtig zu bereuen. Das meinten die Leute also, wenn sie sagten Seeluft befreie die Atemwege. Befreien war gut ... noch mehr und er hätte sich die Lunge weggeätzt.
      Unentschlossen betrachtete der Junge die Menschen, die geschäftig über den Platz streiften, um ihre Vorräte an den Verkaufsständen aufzufrischen. Dies war also Schwalbenkack ...
      Livian hatte noch nie zuvor eine Stadt besucht, geschweige denn, eine der zentralsten Handelsstädte der Welt! Dieser Ort entpuppte sich als größer als gedacht. So viele Menschen ...
      Livian verspürte Unsicherheit. Ein seltsames Gefühl. Hastig tastete er nach dem Pergament in seiner Tasche. Allein der Kontakt mit der rauen Oberfläche ließ ihn aufatmen.
      Er betrachtete die Schriftzeichen, die sich seit dem Vorfall im Wald nicht verändert, die ihn überhaupt erst hierher geführt hatten. Er hob den Blick. Wie konnten so viele Menschen auf einem verhältnismäßig kleinen Raum zusammengepfercht leben und miteinander auskommen? Mussten sie nicht vollkommen durchdrehen?
      Der seltsame Mann dort vor dem Gemüsestand, der sich gerade in frischen Tomaten wälzte und mit Ausrufen wie „Damit habt ihr nicht gerechnet, was?“ und „Seht, das gehört alles dazu!“ für einen kleinen Tumult sorgte, belegte seine Ahnung bereits.
      Livian wich zurück. Nicht, dass er Angst gehabt hätte, nein, eher wusste er nicht mit all den Eindrücken umzugehen. Es war laut und er verspürte viel zu viel Bewegung um sich herum. Ein Wächter bahnte sich mit den Worten „Was ist hier los? Ichhabsgesehn!“ einen Weg nach vorne. Neugierige Schaulustige drängten sich zusammen und das beklemmende Gefühl in Livians Brust nahm weiter zu. Zeit für einen taktischen Rückzug.
      Heimlich wandte er sich ab und floh in Richtung der unbelebtesten Straße. Er wollte so schnell wie möglich erledigen, was er hier zu erledigen hatte und anschließend darauf hoffen, dass er von hier verschwinden durfte.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • So, @Alopex Lagopus

      ich hab jetzt wieder aufgeholt.

      Genial fand ich den Part mit dem Gespräch zwischen Rostbart und Arthur. Wundervolle Wortspiele verwendest du manchmal, also wirklich :rofl:

      Und der Part, in dem Lyell über die Widrigkeiten eines Lebens als Adelsspross nachdenkt fand ich auch gelungen. Am Ende dachte ich wirklich, er plant, sesinen Papa um die sprichwörtliche Ecke zu bringen.

      Und nun kommt auch dieser Junge wieder ins Spiel, der in der Kneipe so schlechte Erfahrungen gemacht hat und den ich schon fast vergessen hatte. :sack: Und er hat ein besonderes Pergament bei sich :hmm:
      Probleme hatte ich, mir die Handlung des Elben zu erkären. Was will er in der Tomatenkiste??

      Okay. Ich bleib dran. ich will wissen, wer alles am Rennen teilnimmt, will wissen, wieviele Jims dabei sind, will wissen, was aus dem verschuldeten Krust-Unternehmen wird und will wissen, was auf dem Pergament ist. Von daher - schreib schnell weiter!! :stick:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Tariq schrieb:

      Genial fand ich den Part mit dem Gespräch zwischen Rostbart und Arthur. Wundervolle Wortspiele verwendest du manchmal, also wirklich
      Freut mich, dass dir die Szene gefällt :D Ist auch eine meiner liebsten, da hatte ich einfach nen guten Tag.

      Tariq schrieb:

      Und nun kommt auch dieser Junge wieder ins Spiel, der in der Kneipe so schlechte Erfahrungen gemacht hat und den ich schon fast vergessen hatte. Und er hat ein besonderes Pergament bei sich
      Nein, das war Girome - der nur dazu da war, um zu zeigen, wie rücksichtslos Rostbart ist :D
      Livian ist der Junge aus dem Prolog, der den Mord am Donnernden Blitz beobachtet hat und der da ja auch schon ein besonderes Pergament bei sich hatte ;)

      Tariq schrieb:

      Probleme hatte ich, mir die Handlung des Elben zu erkären. Was will er in der Tomatenkiste??
      :rofl: Der Elb hat wohl den seltsamsten Dachschaden der Welt - und das macht ihn zu einem meiner Lieblingschars hier xD Aber eigentlich hat fast jeder Char in dieser Geschichte ´nen Dachschaden ... :hmm: Ich hab sie alle lieb ^^

      Tariq schrieb:

      Okay. Ich bleib dran. ich will wissen, wer alles am Rennen teilnimmt, will wissen, wieviele Jims dabei sind, will wissen, was aus dem verschuldeten Krust-Unternehmen wird und will wissen, was auf dem Pergament ist. Von daher - schreib schnell weiter!!
      Ich gebe mir Mühe. Derzeit läuft´s nicht wirklich, aber in dieser Geschichte bin ich bereits bei Seite 140 :rolleyes: Nicht, dass ich wieder, wie bei Xotaci einfach mittendrin abbreche :sack:

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Tariq schrieb:

      Ach du Schande, da hab ich die Jungs durcheinander gewürfelt. Wie peinlich. Stimmt, da gab es ja noch einen.
      Tut mir leid
      Kann passieren, lag ja schon weiter zurück ... und wenn ich dann nur zweimal die Woche poste ... typisches Forenproblem ^^

      Tariq schrieb:

      Edit: kein Stress mit dem Weiterschreiben!
      Den hab ich so oder so ^^'' Ich habe diesen Monat noch frei, dann beginnt mein letztes Semester mit Prüfungen und 80 Seiten Masterarbeit. Da werde ich wohl kaum was anderes schreiben und dann schließlich auch erstmal alle Lust am Schreiben verlieren. Würde die Geschichte also gerne vorher noch zumindest fast fertig bekommen.

      Da die nachfolgenden Szenen alle kurz sind, gibt´s gleich 3 davon ^^ viel Spaß :fox:






      Missmutig las Rostbart den Zettel, den er vom Fuße der Brieftaube gelöst hatte. Das arme Tier hockte immer noch verschreckt und zitternd im Eingang der Kapitänskajüte und bedauerte zutiefst, sich auf den in der Hängematte schlummernden Käpt´n gesetzt und ihn mit einem sanften Picken geweckt zu haben.
      Rostbart ließ die Nachricht sinken und sah zu seiner Mannschaft, die beim Ertönen seines Gezeters sofort an Deck geeilt war.
      „Schlechte Neuigkeiten, Männer“, sagte er. „Morgen findet so eine Eröffnungsrede statt. Alle Fahrer müssen sich dort vor Publikum vorstellen und Schlitten und Zugtiere präsentieren.“ Die Hand mit dem Zettel ballte sich zitternd zur Faust. „Was mich zu der Frage führt, wieso sich beides noch nicht in unserem Besitz befindet!?“
      „Es war niemals von ‚Ihr habt bis morgen Mittag Zeit‘, die Rede“, knurrte Argei und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich hasse es, mich zu beeilen.“
      „Dann bekommt ihr eben jetzt euer Ultimatum: Bis morgen will ich die Zugtiere und den Schlitten sehen! Wo willst du hin, Jim?“
      Der Matrose antwortete nicht, sondern hastete unter Deck. Kurze Zeit später tauchte er mit einer hölzernen Konstruktion in den Händen wieder auf.
      „Die Sache mit dem Schlitten ist gereglt!“, sagte er und klopfte sich selbstzufrieden auf die Brust. „Hab doch gesagt, dass ich das hinbekomme!“
      Rostbart fehlten die Worte. Sein Blick war zu sehr von dem Rodelschlitten gebannt, den Kinder in Ländern wie Djarne zur Winterzeit zum Spielen benutzten. Wut brodelte wie Lava in ihm empor.
      „Jim, du bist der unfähigste Ingeniuer, den ich je in meiner Crew hatte!“, spie er aus. „Das ist doch kein Rennschlitten! Hol mir den Navigator!“
      „Geht nicht, Chef“, erwiderte Jim in seiner Ehre gekränkt. Desinteressiert zog er seinen Schnodder hoch und rotzte ihn über die Reling. „Der ist irgendwo in der Stadt, keine Ahnung, was er dort macht.“
      Rostbart brummte unzufrieden. Wie es aussah, war wenigstens ein Jim bei der Arbeit ... auch wenn er keine Ahnung hatte, wie er diese ohne seine Körper erledigen wollte. Zum Glück wusste der Kapitän der Breiten Bertha mit solchen Situationen umzugehen. „Dann geh und such ihn gefälligst! Nimm am besten noch den Smutje mit und unterstütz ihn, bei was immer er auch vorhat. Und wehe ihr kommt zurück, bevor ihr alles erledigt habt!“
      Jim salutierte spöttisch. „Aye!“, grinste er und warf Rostbart sein schmieriges Grinsen zu, bevor er das Schiff verließ.
      Rostbarts Blick fand den seines ersten Maats. „Und du hast auch eine Aufgabe, also steh hier nicht so rum, sondern beeil dich!“


      ***


      Felia schmollte. Schon seit Stunden hockte sie in der Internatsküche und schälte Kartoffeln. Das war gemein! Sie hatte schließlich nur Arrest, wieso wurde sie also abgefertigt, als sei sie eines der Küchenmädchen? Wobei ... selbst die wälzten jede unangenehme Arbeit auf sie ab, das hieß ... Wieso wurde sie noch nicht einmal wie ein Küchenmädchen behandelt!? Und vor allem: Warum schickte man sie ausgerechnet in die Küche? Schließlich war es Fräulein Manierlich, die in einer Tour prononcierte, wie gut Bildung sei und wie viel besser man in den Augen anderer dastand, wenn man nur gebildet war und dass man niemals als Mädchen für alles endete, wenn man seinen Kopf zu gebrauchen wusste.
      Weil du eben genau das nicht kannst!, wisperte ihr Unterbewusstsein hämisch. Sieh es ein, Felia, du bist einfältig und begriffsstutzig ... oh pardon, ich meinte: Du! Blöd! Du mich verstehen?
      Wütend pfefferte sie die Kartoffel in den Topf.
      Wieso konnte sie nicht so sein wie die anderen? Wieso fiel nur ihr es schwer, die Rechenregeln der Mathematik zu behalten, die Ahnenreihen der fünf angesehensten Aristokratenfamilien Schwalbenkacks auswendig zu lernen oder sich in ihren schriftlichen Arbeiten angemessen auszudrücken, wie Fräulein Manierlich es nannte?
      Du kommst vom Land und stammst von Bauern ab! Bauern sind blöd, denn sie brauchen keine Bildung, um den Acker umzugraben. Und diese Dummheit saugst du natürlich schon mit der Muttermilch ein. Du bist so geboren worden!
      Diese Worte hatte Akazia erst vor wenigen Tagen lautstark im Speisesaal verkündet, als ihr gerade wieder danach war, ihr eigenes Ego zu polieren. Felia hasste Akazia. Sie war eine unerträgliche Zicke und die Tochter des Barons von Hällenkiesel, eines Landstriches, der so klein war, dass man ihn auf Landkarten gerne mit einem Fliegenschiss verwechselte. Dennoch spielte sich die blaublütige Gans auf, als gehöre ihr das Internat ... woran sie niemand hinderte. Fräulein Manierlich umsäuselte sie wie eine Glucke – vermutlich erhoffte sie sich die Gunst der Familie.
      Felia fragte sich, wozu das gut sein sollte. Leute, die die Gunst von Göttern besaßen, mussten meist gegen irgendwelche schrecklichen Albtraumkreaturen kämpfen, da wollte sie gar nicht wissen, wie sich die Gunst eines Adeligen auswirkte.
      Nein, ehrlich, ich habe nichts gegen dumme Leute, hallten Akazias Worte in ihren Ohren wider. Warum auch? Wer sollte sonst die ganzen schweißtreibenden Arbeiten in unserem Anwesen verrichten? Ich würde dich ja später als Hausmädchen einstellen, aber dafür bist du zu ungeschickt. Selbst ein Seehund könnte Tee besser servieren als du!
      Eine weitere Kartoffel wurde von Felia mit der Umsicht eines Henkers in den Topf geworfen. Irgendwie musste sie ihre Wut schließlich in den Griff bekommen.
      Versuchst du dich etwa abzulenken? Felia, du weißt doch, dass die Welt ungerecht ist, damit musstest du seit jeher zurechtkommen. Gib lieber zu, dass du selbst dran Schuld bist, dass du nun für eine Woche Ausgangsverbot hast und die Eröffnungsrede der Rennfahrer verpassen wirst.
      Die nächste Kartoffel flog in Richtung Wand. Doch anstatt mit ebenjener Bekanntschaft zu machen, traf sie eine der an einem Haken hängenden Pfannen, die daraufhin in Bewegung versetzt und scheppernd auf die Fliesen fiel. Dieses Geräusch rief wiederrum Frau Garzart, die Köchin, auf den Plan, deren Blick erst auf das zu Boden gegangene Küchenutensil und mit Zwischenstopp bei der Kartoffel zu Felia hinüberschwenkte. Alles in allem also ein Fall von boshafter Kausalität.
      „Was machst du hier für einen Unsinn, du dummes Gör!?“, rief sie. „Steh sofort auf und häng die Pfanne wieder dort hin, wo sie hingehört!“
      Felia hatte genug. „Nein!“, sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
      Die Köchin verzog das Gesicht. „Wie war das?“
      „Ich hab genug von der Kartoffelschälerei!“, verdeutlichte Felia. „Ich bin Schülerin und ich soll mir Bildung aneignen. Stattdessen hocke ich hier und werde noch nicht einmal dafür bezahlt! Fräulein Manierlich sagt, Hunde spazieren führen sei niedere Arbeit und meiner nicht würdig, da kann ich doch nicht hier versauern!“
      Trotzig blickte sie die Köchin an, deren Gesichtsfarbe einen Teint angenommen hatte, der sie bei jedem paarungswütigen Pavian sofort zur ersten Wahl gemacht hätte.
      „So so ... Bildung also?“ Raschen Schrittes kam die Köchin auf Felia zu und versetzte dem Mädchen eine schallende Ohrfeige. „Hör auf, Erwachsenen zu widersprechen! War das genug Bildung für dich? Dann mach endlich weiter! Der Topf muss innerhalb der nächsten zwanzig Minuten voll sein!“


      ***


      „Eine Frau?“ Der Handwerker runzelte die Stirn.
      „Ja.“ Livian lächelte gewinnend. „Für Liebe“, fügte er erklärend hinzu.
      Sein Gegenüber hob die Augenbrauen und ein Ausdruck des Verstehens durchlief sein Gesicht, eine Bremsspur aus Skepsis zurücklassend. Kritisch fühlte Livian den Blick des Schreiners auf sich ruhen. Er zog die Mundwinkel noch etwas weiter auseinander, in der Hoffnung, die gewünschte Information auf diese Weise zu bekommen.
      „Junge“, sagte der Mann dann in schroffem Tonfall. „Such dir lieber eine Lehrstelle und gib dein Geld für anständige Sachen aus.“
      Livians Lächeln verschwand. „Aber ...“
      „Nichts aber. Schlag dir die schmutzigen Gedanken aus den Kopf, dafür bist du noch viel zu jung!“
      Und mit diesen Worten wandte der Schreiner sich von ihm ab, um seinen Weg fortzusetzen. Der Junge in seiner Begleitung hingegen – augenscheinlich sein Lehrling – blieb zurück und legte Livian eine Hand auf die Schulter.
      „Bist wohl neugierig, was?“, flüsterte er. „Wenn du ein wenig Geld angespart hast, versuch es mal bei Froilein Sharleen, unten in der Kabeljau-Gasse im Hafenviertel. Nicht ganz billig, die Gute, aber jeden Guani wert!“
      Er zwinkerte wohlwollend, bevor er sich abwandte und sich beeilte, zu seinem Meister aufzuschließen, der bereits ärgerlich nach ihm rief.
      Livian starrte den beiden noch einen Augenblick hinterher. Er wusste nicht ganz, was er von der Konversation halten sollte. Nur wenig später beschloss er, dass ihn das vorerst nicht interessierte. Schließlich hatte er nun alle Informationen, um zu tun, was das Pergament von ihm verlangte. Geld war kein Problem.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • :patsch: irgendwie hab ich das mit dem Rodelschlitten kommen sehen. :rofl:

      Wiedermal für einen kurzen Abstecher bei Felia (und ihren Kartoffeln) vorbeizuschauen war auch schön.
      Und ziemlich neugierig bin ich jetzt, warum das Pergament verlangt, dass Livian eine Frau für die Liebe besorgt.
      Und natürlich der rollige Elb mit seinem Faible für zermatschte Tomaten, den will ich auch nicht aus den Augen verlieren.
      Mir ist schleierhaft, wie du diese bunte Truppe irgendwann mal alle an einem Punkt zusammenführen willst. Und ich warte schon ungeduldig auf den nächsten Part.

      Also fix :stick: schreib weiter!!

      Spoiler anzeigen

      Alopex Lagopus schrieb:

      Das arme Tier hockte immer noch verschreckt und zitternd im Eingang der Kapitänskajüte und bedauerte zutiefst, sich auf den in der Hängematte schlummernden Käpt´n gesetzt und ihn mit einem sanften Picken geweckt zu haben.
      ;(
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Dieser Teil ist recht kurz. Würde ja noch einen posten, aber der ist sehr lang xD Also nehmt den hier als Vorgeschmack auf eine weitere meiner Lieblingsszenen.


      You won´t see that coming :fox:






      Fräulein Manierlich erhob sich von ihrem Sessel als sie den fein gekleideten Besucher erkannte, der würdevoll in ihr Büro schritt.
      „Du meine Güte! Sir Krust Junior! Es kommt mir vor, als sei es erst gestern gewesen, dass Sie unsere Schule verlassen haben! Was führt Sie zu mir? Darf ich etwa schon die nächste Generation der Krusts hier in den Hallen der Bildung begrüßen?“
      Ihre von Profitaussichten erfreute Miene geriet etwas ins Wanken, als sie den Hund sah, der dem jungen Mann schwanzwedelnd ins Zimmer folgte. Tiere gehörten sich nicht, schon gar nicht in geschlossenen Räumen! Hatte er denn nichts bei ihr gelernt?
      Allerdings gehörte Ly Elliot Krust zum gehobenen Adel von Schwalbenkack, was ihn gleichzeitig das Recht auf einen oder mehrere Spleens gab. Ihre Gesichtszüge fanden in die Haltung eines Lächelns zurück.
      „Nein, dafür werden Sie sich noch mindestens sieben Jahre gedulden müssen, Miss“, sagte Krusts Diener, der mit der Leine des Hundes in der Hand als letzter ins Zimmer trat. „Die Hochzeit meines Herrn steht erst noch an.“
      Einen kurzen Moment flackerte es in den Augen des jungen Mannes. „Nein“, sagte er mit Chilipulver in der Stimme. „Ich möchte hier eine Schülerin besuchen. Wenn Sie sie eben für mich aus dem Unterricht holen würden ...“
      „... wäre mein Herr Ihnen sehr verbunden“, ergänzte der Diener hinter ihm schnell. „Sir Krust Junior bedauert es, Ihnen Umstände machen zu müssen, aber es ist sehr wichtig.“
      Frau Manierlich wäre nicht die Leiterin der angesehensten Bildungsanstalt in Schwalbenkack geworden, hätte sie keine rasche Kombinationsgabe besessen.
      „Wir sind kein Heiratsmarkt, Sir Krust!“, überpinselte sie ihre Empörung mit Unterwürfigkeit. „Die Bildung unserer Schüler – auch die Ihrer zukünftigen Braut! – ist uns sehr wichtig und sollte Priorität ...“
      „Ich habe bereits eine Braut!“, durchschnitt Krusts Stimme ihre Argumentationsfäden. „Also holen Sie jetzt endlich Felia aus ihrem Unterricht, oder ich beginne daran zu zweifeln, dass Sie dafür geeignet sind, der jungen Generation Respekt vor der gehobenen Klasse zu lehren!“
      „Dann würde Sir Krust Junior seine vielen Kinder sicher auf eine andere Schule schicken wollen“, ergänzte Clements hilfsbereit und lächelte dabei, den empörten Blick seines Herrn ignorierend.
      Ihren eigenen Ärger unterdrückend gab Fräulein Manierlich ihren Widerstand auf. So sehr sie auch an ihren Prinzipien festhalten wollte, sie lösten sich auf wie Zucker in ihrem Tee, sobald die herrschende und gut zahlende Klasse mit irgendetwas nicht einverstanden war.
      „Natürlich“, sagte sie. „Wenn Sie mir noch sagen, welche Felia sie suchen ... wie lautet ihr Familienname?“
      Einen Moment sah es so aus, als wüsste der junge Mann nicht, wie er antworten sollte. Dann brach der Bann. Unwirsch pustete er die an seinem Hut befestigte Feder zurück, welche sich neugierig in sein Gesicht lehnte.
      „Die Felia natürlich, die immer mit meinem Hund spazieren geht!“
      Frau Manierlichs Herz beschloss, dass es heute schon fleißig genug gewesen war und sich jetzt eine kurze Pause verdient hatte. Zur Abwechslung könnten ja mal die Schweißdrüsen was tun. Ihr Überlebenswille duldete jedoch keine Aufsässigkeit und schickte die Blutpumpe schnellstens zurück an die Arbeit.
      „I-ich ...“, stammelte sie bemüht, sich ihren Schock nicht ansehen zu lassen. „Warten Sie bitte hier, ich bin sofort wieder da!“ Eilig rauschte sie hinaus in Richtung Treppe. Normalerweise hätte sie sich natürlich nie selbst auf den Weg nach unten in die Küche gemacht, sondern die Sekretärin geschickt. Jetzt jedoch brauchte sie Abstand zu ihrem Besuch, um an Haltung zurückzugewinnen.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Hey @Alopex Lagopus

      ich hole mal langsam wieder auf. Erst mal nur Post 44 aber vielleicht schaffe ich heute noch mehr... Nichts los hier in der Arbeit :P

      Spoiler anzeigen

      Spoiler anzeigen
      Eine beachtliche Leistung, wenn man bedachte, dass dieser – vom Standpunkt eines morgendlichen Spaziergängers in Schwalbenkack aus gesehen – aus Wasser bestand und somit nichts zum sich-dran-festhalten bot. Kinderkacke, wenn man wusste, dass der brennende Gasball dort oben eigentlich der bewegungsfaulste Himmelskörper im Universum war und der Planet all die Arbeit selbst übernahm. Ja, die Physik gab sich alle Mühe, aufmerksame Beobachter zu verarschen. Selbst jene, die genauer hinsahen und komische Formeln dazu aufschrieben.

      Ist die Vergangenheitsform hier richtig? Der Erzähler erzählt zwar in der Vergangenheit, aber diese Art "Einschub" ist doch etwas, dass er quasi gegenwärtig hinzufügt, oder? Bin mir nicht mehr sicher, wie du es bisher gehandhabt hast, aber diesmal ist es mir irgendwie aufgefallen. Vermutlich weil du auch danach sagst, dass es Gedanken von Vaunír Erendar sind.

      Spoiler anzeigen
      Ohne dem Himmel noch eine weiteren Moment seiner Aufmerksamkeit entgegenzubringen, schritt Vaunír über den Beschissenen Platz – ja, er hieß wirklich so!

      "Einen" müsste es heißen.
      Und: Der Beschissene Platz :thumbsup:

      Spoiler anzeigen
      Er betrachtete die Schriftzeichen, die sich seit dem Vorfall im Wald nicht verändert, die ihn überhaupt erst hierher geführt hatten.

      Hmm, hier wolltest du dir vermutlich das 2x "hatten" sparen, aber ich finde des es jetzt etwas abgehackt klingt. Vielleicht lieber die Satzteile mit einem "und" verbinden?


      Ich finde Livian bisher am interessantesten mit seinem lebendigen Pergament. Der sticht irgendwie als "ernster" Charakter für mich heraus. Bin mal gespannt, was er noch so treibt. Der Elb ist total schräg und jetzt hat es ihm voll die Sicherung umgelegt xD
      Über die Qualität des Geschriebenen brauche ich glaube ich nicht wirklich etwas sagen. Da gibt's absolut nichts! TipTop! :)
      Ich mag Schwalbenkack ... so herrlich anders :D

      Gruß
      Rebirz
      GESCHRIEBENES VON REBIRZ

      Der Gott, der nicht sein sollte (Urban Fantasy)
      Noetik (Sonstige Fantasy)


      MEINE TO-DO-LISTE

      To do... To do... To do, to do, to do, to do, to doooo, dododododo


    • Hey @Alopex Lagopus

      ich bins mal wieder mit ... nicht viel xD Eigentlich hab ich nur Positives gefunden. Mir gefällt vor allem die Entwicklung mit Felia. Da hat es die alte Schachtel mal ordentlich vom Hocker gehauen. :D Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, zu was das alles eigentlich führt, weil irgendwie so viele unterschiedliche Dinge am Laufen sind und trotzdem irgendwie dieses Rennen im Mittelpunkt steht. Spannend, spannend. :)

      Spoiler anzeigen
      Sein Gegenüber hob die Augenbrauen und ein Ausdruck des Verstehens durchlief sein Gesicht, eine Bremsspur aus Skepsis zurücklassend.

      Eine Bremsspur aus Skepsis ... Einfach genial! :D

      Ich würde dir ja wirklich gerne mehr hier lassen, aber ich finde wirklich nichts, dass ich ändern / verbessern würde xD

      Gruß
      Rebirz
      GESCHRIEBENES VON REBIRZ

      Der Gott, der nicht sein sollte (Urban Fantasy)
      Noetik (Sonstige Fantasy)


      MEINE TO-DO-LISTE

      To do... To do... To do, to do, to do, to do, to doooo, dododododo


    • @Alopex Lagopus

      Von wegen

      Alopex Lagopus schrieb:

      You won´t see that coming
      GENAU DAS hab ich kommen sehen :rofl:
      Der arme Lyell. Die Verzweiflung muss schon groß sein bei ihm, dass er sich zu so einem Schritt entschlossen hat. Und dann noch dieser Diener.
      Stimmt, war ein kurzer Abschnitt. Um so ungeduldiger warte ich auf den nächsten!!
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Rebirz schrieb:

      Ich würde dir ja wirklich gerne mehr hier lassen, aber ich finde wirklich nichts, dass ich ändern / verbessern würde xD
      Aber das hier ist in meinen Augen ein ziemlich dickes Lob :blush: Vielen Dank ^^

      Tariq schrieb:

      GENAU DAS hab ich kommen sehen
      DAS meinte ich nicht. Ich meine die beiden folgenden Szenen :fox: Hier Part I ;)






      Auch wenn Felia sich freute, der Köchin für eine Weile entkommen zu können; der Umstand, dass es Fräulein Manierlich persönlich war, die sie nach oben beorderte, ließ Böses erahnen. Felia fragte sich, ob Frau Garzart sich wohl bei ihr beschwert hatte, verwarf den Gedanken aber schnell. Die Köchin hatte es nicht nötig, auf die Erziehungsmethoden der Internatsleiterin zurückzugreifen, sie besaß schließlich ihre eigenen. Felias Hand fuhr bei der Erinnerung zu ihrer immer noch geröteten Wange.
      „Und wehe, du bist wieder vorlaut!“, hörte sie Fräulein Manierlich sagen, die ihre kompakte Figur mit physikalisch abwegiger Geschwindigkeit durch den Flur trieb. „Erinnere dich an das, was du hier gelernt hast! Sprich nicht, wenn du nicht gefragt wirst und sei höflich! Und wehe dir, solltest du unsere Schule in ein schlechtes Licht rückst! Der Küchendienst war dann deine geringste Strafe!“
      Felia nickte nur, während sie sich fragte, was das alles sollte.
      „Hast du verstanden?“, keifte die Internatsleiterin und drehte ihren Kopf über die Schulter, um sie aus ihren giftgrünen Augen anzufunkeln.
      „Ja, Fräulein Manierlich“, erwiderte Felia schnell, bevor sie sich noch mehr Ärger als ohnehin einhandelte.
      „Gut“, schnaubte die Frau und rückte ihre Schneckenfrisur zurecht. „Lassen wir die Herren nicht warten.“
      Bevor Felia fragen konnte, welche Herren genau gemeint waren, erreichten sie Fräulein Manierlichs Büro. Überrascht schnappte sie nach Luft.
      „Lyell!“, rief sie aus. „Was machst du denn ...?“
      Der erstaunlich spitze Ellenbogen der Internatsleiterin traf sie schmerzhaft in der Seite und nahm ihr die Luft zum Sprechen.
      „Für dich immer noch Sir Krust Junior“, erwiderte der Mann, der Lyell zum Verwechseln ähnlich sah, wären da nicht diese Haltung und die vornehm purpurnen Klamotten gewesen.
      „Wraff!“, begrüßte sie Filius und wollte zu ihr stürmen, doch der weniger gut gekleidete Mann in seiner Gesellschaft hielt die Leine kurz.
      In diesem Moment begriff Felia, dass es sich nicht um eine Verwechslung handelte. Also beschloss sie die Klappe zu halten, bevor sie nicht wusste, was genau hier los und wieso Lyell so komisch gekleidet war.
      „Ich bitte vielmals um Verzeihung“, flötete Fräulein Manierlich mit einer Stimme, die so gar nicht wie das klang, was sonst aus ihrem Mund an Klangfarbe kam. „Sie kommt aus der Provinz und ist noch nicht lange hier“, und mit der gewohnten Härte fügte sie leiser hinzu: „Knicksen, Kind, knicksen!“
      Unbeholfen kam Felia der Aufforderung nach, den kalten Blick des Mannes auf sich spürend, den sie so nicht kannte.
      Abschätzend betrachtete er sie und sagte dann: „Sie wird es schon tun.“ Befehlsgewohnt wandte er sich wieder der Internatsleiterin zu die immer noch wie eine Kerkermeisterin hinter Felia stand und jeden ihrer Schritte belauerte. „Gibt es hier ein Zimmer, in dem wir unter vier Augen sprechen können?“
      „Der Besprechungsraum nebenan ...“
      „Vortefflich“, unterbrach der Schnösel sie und trat in Richtung Flur. „Komm mit, Kind!“
      Felia zögerte kurz, dann folgte sie Lyell aus dem Büro. Dieser verschaffte sich bereits Eintritt zum Nebenraum, als gehöre ihm das Schulgebäude. Der Besprechungsraum entpuppte sich als ein rechteckiges Zimmer, in dessen Mitte ein heller Tisch und Stühle für mindestens zehn Personen standen. An der Wand lehnten teilnahmelos einige Regale und präsentierten schwarze Aktenordner. Daneben war eine gemütlichere Sitzecke bestehend aus Sofa, Sessel und Tischen für Einzelgespräche aufgebaut worden. Überwacht wurde die Szenerie von dem Ölgemälde eines streng aussehenden Greises, den die Beschriftung als einen gewissen Hartmut Manierlich vorstellte. Direkt gegenüber hing eine weitere Malerei. Sie zeigte die auf dem Wasser erbaute Stadt Grand Canalia, wie Felia aus dem Geographieunterricht wusste. Obwohl es eher die bunten Masken daneben waren, die ihrer Erinnerung den rechten Stupps gaben. Der canalische Maskenball galt wie das schwalbenkacksche Schlittenrennen als weltweit berühmtes Volksfest.
      Etwas unsicher blieb Felia im Eingang stehen, kam in ihr doch das Gefühl auf, dass dieser Raum zu den für Schülern verbotenen gehörte. Er wirkte einfach zu komfortabel und ... freundlich.
      Lyell musste ihr Zögern bemerken. „Ich sagte ‚unter vier Augen‘!“
      Felia wandte sich um und bemerkte Fräulein Manierlichs Gestalt den Eingang ausfüllen – zumindest in der Horizontalen. Für den kompletten Türrahmen hätte es noch einer Zwillingsschwester bedurft, die auf ihre Schultern kletterte.
      „Ich kann das Kind nicht unbeaufsichtigt lassen“, beharrte die Internatsleiterin. „Zudem ist in einer solchen Situation eine Anstandsdame erforderlich!“
      Lyell musterte sie kritisch. „Ich möchte Ihren derartiges nicht zumuten“, entschied er. „Wenn ich unterhalten werden möchte, lässt mein Vater Akrobaten aufs Anwesen einladen.“
      „Ich sagte Anstandsdame, nicht Handstands...“
      „Ist auch egal“, unterbrach er sie gelangweilt. „Das Kind hier scheint genügend Stand zu haben, Ihre Anwesenheit ist also nicht erforderlich.“
      „Aber ...“, versuchte Fräulein Manierlich zu erklären.
      „Husch husch!“, sagte Lyell nun ärgerlich und wedelte mit den Fingern seiner rechten Hand, als wollte er sie nach draußen scheuchen.
      Die Internatsleiterin sah aus, als wollte sie noch etwas erwidern, überlegte es sich augenscheinlich jedoch anders. Mit hochrotem Kopf trat sie einen Schritt zurück und schloss dann hörbar die Tür.
      Felia war beeindruckt. Sie hatte noch nie gesehen, dass sich irgendwer oder irgendwas dieser Frau erfolgreich widersetzt hätte.
      „Menschen ...“, seufzte Lyell.
      Nun, da sie unter sich waren, gelang es Felia, sich aus ihrer beobachtenden Starre zu lösen. „Das war einfach nur großartig!“, stürmte sie auf ihn zu. „Überhaupt, was machst du hier? Wieso bist du nicht in deiner Werksta...?“
      Der Blizzard in Lyells Augen ließ sie innehalten. „Mein Vater hat die Werkstatt schließen lassen!“
      „Oh ...“, verlor Felias Ansturm seinen Schwung. „Ich hab dir gesagt, du solltest dich mehr um die Kunden ...ähm, ich meine, das tut mir leid für dich.“
      Lyell antwortete nicht. Sowieso machte er immer noch diesen merkwürdigen Eindruck. Dieser berechnende Blick, diese vornehm unbequeme Haltung ...
      Felia entschied sich für die Initiative. „Was machst du hier?“, fragte sie erneut. „Und was soll dieser lächerliche Aufzug?“ Schmunzelnd betrachtete sie die purpurne Jacke mit den teuer anmutenden Stickereien, die enganliegende Hose und die blank polierten Lackschuhe.
      „Lächerlich!?“, ereiferte Lyell sich, wobei er die Feder seines Hutes aus dem Gesicht pusten musste. „Du freches Gör! Wie kannst du es wagen, mir ...!“
      „Ist gut, Lyell“, lachte sie und klaubte ihm den Hut vom Kopf, da die Feder sich abermals in eine unvorteilhafte Richtung für Lyells Augen neigte. „Ich hab´s gesehen, ganz tolles Schauspiel. Aber du kannst damit jetzt aufhören, die Manierlich ist draußen. Man, dieses Ding sieht sowas von affig aus!“ Misstrauisch wiegte sie die Kopfbedeckung in ihren Händen hin und her. Wenn wirklich ein Vogel etwas von seinem Kleid als Zierart dafür hergegeben hatte, wollte sie nicht mehr Felia heißen.
      Kaum merklich ging eine Veränderung mit Lyell vor. Er wirkte plötzlich viel entspannter und nicht mehr ganz so ... unaustehlich.
      „Es ist auch nicht auszuhalten!“, erwiderte er und ließ sich erschöpft aufs Sofa fallen. „Mach´s dir bequem, ich will etwas mit dir bereden. Aber zuvor ...“ Eilig fanden seine Finger die Knöpfe an seiner Jacke, „... muss ich das hier loswerden!“
      „Ähm“, sagte Felia nervös, während sie beobachtete, wie Lyell erst die Jacke achtlos über den Tisch warf und sich dann noch an seinem drunterliegenden Wams zu schaffen machte. „So affig siehst du nun auch nicht aus, nein wirklich, die Jacke reicht! Du brauchst nicht auch noch das Wams... ähm, aber jetzt kannst du wirklich ... nein, wenigstens das Unterhemd ... Lyell hör auf!“
      Mit hochrotem Kopf stand sie da und versuchte, ein neues Ziel für ihren Blick zu finden. Sie wusste ja, dass der Schrotthändler verschroben war, aber das ging nun etwas zu weit! Die Lehrer hatten ihr beigebracht, dass man sich niemals in Gesellschaft entkleiden durfte – ohne Ausnahme!
      „Ah, schon viel besser“, seufzte Lyell und legte die Oberarme auf der Lehne ab. „Du glaubst nicht, wie beengt man sich in diesem Kram nach ein paar Stunden fühlt. Als würde es dein ganzes Selbst einpferchen! Mal ehrlich, als ob man darin arbeiten könnte!“
      „Das ist vornehme Kleidung“, sagte Felia peinlich berührt, während sie versuchte, nicht allzu deutlich auf Lyells Oberkörper zu starren. „Leute die sowas tragen, brauchen nicht arbeiten.“ Unwohl starrte sie in die linke obere Ecke des Raumes. Dass er aufgrund seiner Bastelprojekte kräftig sein musste, hatte sie geahnt, aber dass eine visuelle Bestätigung ihr ein solch unangenehmes Gefühl bereiten würde, kam unerwartet. Vermutlich gab es deswegen diese gesellschaftliche Regel mit der Kleidung.
      „Wie auch immer“, murrte Lyell. „Setz dich endlich.“
      „Ich glaube, ich bleibe lieber stehen“, erwiderte Felia. „Genau hier! Jetzt sag schon, was soll die Verkleidung?“
      „Ohne diese Verkleidung wäre es wohl kaum möglich gewesen, dass die alte Kröte dich hergebracht hätte und wir jetzt reden könnten, oder?“
      Ein warmes Gefühl breitete sich wie flüssiges Gold in ihrem Herzen aus. „Du meinst, du hast das für mich gemacht?“, fragte sie gerührt. Lyell musste gewusst haben, dass sie Schwierigkeiten bekommen hatte, schließlich war es der Wachtmeister, der gestern Filius zurückgebracht hatte. Er musste sich alles zusammengereimt haben. Und nun war er hier und veranstaltete dieses Theater, nur um sie wieder rauszuboxen! Das hatte sie ihm gar nicht zuge...
      „Nein“, unterbracht Lyell sie und das Gold verhärtete sich zu einem schweren Klumpen, der ihr Herz zu verstopfen drohte. „Ich habe mich vorhin für das schwalbenkacksche Schlittenrennen eintragen lassen und ...“
      Er unterbrach sich, da Felia ein unnatürlich hohes Quieken entwich.
      „Du wirst beim Rennen fahren?“, fragte sie, ihre Hände fest umschlugen unters Kinn gepresst. „Dass ist einfach nur toll! Ich werde garantiert dabei sein und dich anfeuern! Das ...“
      „Unsinn, ich werde nicht fahren!“, schnitt Lyell ihr das Wort ab.
      Enttäuschung tilgte das Funkeln aus Felias Augen. „Oh ... und wieso hast du dich dann angemeldet?“
      „Deswegen bin ich hier“, sagte Lyell und stützte die Arme auf den Knien ab, und verbarg somit den Blick auf seinen makellosen Oberkörper. „Filius ist ein Schlittenhund. Und er mag dich offensichtlich. Und du magst ihn auch. Und das Rennen. Und ich kann den ultimativen Schlitten für euch bauen! Ich würde ja Clements bitten zu fahren, aber seine Erscheinung ist nicht passend für ein solches Modell. Deine Figur jedoch“, sagte er grinsend und deutete mit dem Zeigefinger genau in ihre Richtung, „ist absolut perfekt!“
      Felia spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Noch nie hatte jemand ihr Aussehen als „perfekt“ bezeichnet. „Unscheinbar“ vielleicht, auch „schmächtig“, und einmal sogar „platt“ – wobei sie sich bei letzterem immer noch fragte, wie der entsprechende Mitschüler auf ein solches Wort gekommen war –, aber niemals perfekt!
      Das Kompliment ließ sie sich nicht gerade wohler fühlen. Sie mochte Lyell, allerdings hatte sie immer gedacht, dass er ihr nicht sonderlich viel Sympathie entgegenbringen würde.
      „Lyell, ich kann nicht fahren“, erwiderte sie und zog sich einen der Stühle vom Tisch heran. „Ich bin minderjährig. Du darfst mich nicht als Fahrer eintragen!“
      „Aber wenn ich ...“
      „Ich bin mir sicher, dass dieses Kostüm bei den Wachen nicht wirkt“, erahnte sie seinen Einwand und setzte sich verkehrt herum auf die Sitzfläche, die Arme auf die Lehne abgestützt.
      „Das ist kein Kostüm, das ...!“
      „Wieso tust du´s nicht einfach selbst?“, unterbrach ihn Felia erneut, mit einem Fuß unruhig über den Boden scharrend. „Du hast schließlich auch ... eine perfekte Figur.“
      „Ach was!“ Lyell machte eine wegwerfende Handbewegung und lehnte sich wieder zurück. „Ich wiege sicherlich zwanzig Kilo mehr als du, da kommt das mit der Physik nicht mehr hin!“
      Enttäuscht, dass der Wink nicht angekommen war, zog Felia einen Schmollmund. „Dann bau einen anderen Schlitten, nimm noch einen Husky dazu, weiß nicht, irgendwas wird dir doch bestimmt einfallen!“
      „Aber ich kann nicht!“, mischte sich erste Verzweiflung unter seine Stimme. „Bitte, du musst das tun!“
      „Wieso solltest du nicht selbst fahren können?“, bohrte Felia weiter, anstatt auf sein Flehen einzugehen – obwohl dieser Zug neu und interessant an ihm war.
      „Es geht einfach nicht! Ich ... ach lies selbst!“ Etwas ungelenk verlagerte er sein Gewicht und fischte anschließend einen Brief aus der Gesäßtasche, den er in Felias Richtung hielt. Neugierig kippelte die Schülerin nach vorne, um an das Schriftstück ranzukommen.
      Sehr geehrter Rennfahrerkanditat/in, stand dort in akkurat geschwungenen Lettern geschrieben. Wir möchten Sie gerne darüber informieren, dass am morgigen Tag die Eröffnungsrede der Rennfahrer stattfindet. Dazu werden alle Fahrer gebeten, sich pünktlich zur Mittagszeit an unserem Stand auf dem Beschissenen Platz zu versammeln. Bitte bereiten Sie eine kleine Vorstellungsrede vor, mit der Sie sich dem Publikum präsentieren. Dies soll ihren Kontakt als nun öffentliche Person zur Bevölkerung stärken, damit Ihre Popularität steigen kann. Bitte denken Sie außerdem daran: Sollte dies ihre erste Vorstellungsrede sein, ist es förderlich, ihren Schlitten und ihre Renntiere zu präsentieren. Bitte beachten Sie, dass Kandidaten, die beim Publikum nicht auf Resonanz stoßen, vom Wettbewerb ausgeschlossen werden.
      Viel Erfolg!
      i.A. Arthur Fuhrwerk, Veranstaltungskoordinator
      Wehmut überkam Felia beim Lesen der Zeilen. Auch wenn morgen kein Unterricht stattfinden würde, müsste sie immer noch ihre Strafe bei Frau Garzart absitzen. Es sei denn Lyell würde ...
      „Verstehst du nun?“, kam der Schrotthändler ihr zuvor. „Die wollen, dass ich eine Rede halte. Eine Rede! Vor Menschen!“
      „Und deswegen sollst du nicht fahren können?“, fragte Felia zweifelnd. „Da steht nur, dass du beim Publikum auf Resonanz stoßen musst, dass kann auch heißen, dass sie dich ausbuhen. Akazia sagte neulich, die nehmen gerne solche Leute, weil das Publikum sie verlieren sehen will. Dann steht deiner Teilnahme nichts im Weg.“
      „Wahnsinn, ganz große Klasse“, ließ Lyell seinem Sarkasmus freien Lauf. „Ich habe mich nicht eingeschrieben, um teilzunehmen, sondern um zu gewinnen! Und das werde ich, die Schlitten, die ich gebaut habe, haben immer den Sieg geholt! Nur das alles wird null und nichtig, wenn ich so eine Rede halten muss und mich alle sehen! Wenn ich Pech habe, bekommt mein Vater davon Wind!“
      Felia erkannte das Problem nicht. Ein genialer Kopf wie Lyell hätte da doch schon längst die Lösung gefunden, die ihr in diesem Moment offensichtlich schien. Entweder sah Lyell es tatsächlich nicht, weil vorzeitiges Lampenfieber bereits seinen Geist blockierte, oder aber ...
      Oder er lässt mich ihm die Lösung sagen, damit ich mich nicht ganz so dumm fühle!, dachte Felia den Gedanken zu Ende.
      „Hör doch einfach auf, Lyell zu sein“, gab sie die Idee aus dem Gefäß ihres Kopfes frei. „Genau aus diesem Grund verwenden die Fahrer doch alle einen Nick-Namen.“
      Der junge Mann auf der Couch runzelte die Stirn.
      „Na so, wie du eben den Schnösel gespielt hast“, verdeutlichte Felia und erhob sich von ihrem Stuhl. Mit einem gezielten Griff nahm sie Lyells Jacke an sich und warf sie ihm direkt ins Gesicht.
      „Mpf“, protestierte Lyell und zerrte sich das Kleidungsstück vom Kopf. „Was soll ...?“
      „Anziehen“, befahl Felia, während sie zum Gemälde von Grand Canlia schritt.
      „Aber ich will ni...!“
      „Anziehen!“, fügte sie ihr Stimmfarbe etwas mehr Rot hinzu. „Es sei denn, du willst meine Hilfe nicht!“
      Eine Murren sowie leises Rascheln hinter ihr, deuteten darauf hin, dass er ihrer Anweisung nachkam. Eine visuelle Bestätigung holte sie nicht ein, denn ihr Blick haftete an den beiden Masken, die neben dem Gemälde hingen. Sie waren Tieren nachempfunden – einem Vogel und einem Fuchs – und so geformt, dass sie einen Großteil des Gesichts bedeckten und nur Kinn und Mund freiließen. Nach kurzem Zögern, ob sie sich wirklich an Frau Manierlichs Eigentum vergreifen sollte, holten ihre Finger die schwarz-golden gemusterte Fuchsmaske von der Wand. Sie persönlich fand die bunte mit glitzernden Glasperlen verzierte Vogelmaske zwar schöner, doch war diese wohl eher für eine Frau bestimmt.
      „Hier“, sagte sie und reichte Lyell ihren Fund.
      Dieser wollte gerade mit dem Zuknöpfen der Jacke beginnen, unterbrach sich aber, um die Maske entgegenzunehmen und mit einem misstrauischen Blick zu examinieren.
      „Na los, setz sie auf!“, forderte Felia und wippte ungeduldig auf Fersen und Hacken hin und her.
      Der Schrotthändler fragte nicht weiter nach.
      „Solange du dies trägst, bist du nicht mehr Lyell der Schrotthändler“, sagte Felia, während dieser das Band hinter seinem Kopf zusammenschnürte, „sondern ab sofort Der Maskierte! Der beste Schlittenrennfahrer der Welt!“ Sie kicherte. „Und da du aus Grand Canalia kommst auch noch ein echter Edelmann und Schwarm aller Frauen!“
      Lyell griff die scherzhaft fallengelassene Randbemerkung auf wie das absichtlich verlorene Taschentuch einer Dame. „Sí, donna!“, sprach er mit einer Inbrunst, die Felias Nackenhaare zum Vibrieren brachte.
      Schwungvoll griff er nach ihrer Hand, während die andere ihre Hüfte fand und einmal im Halbkreis herumwirbelte. „Für eine schöne Frau wie Sie, werde ich dieses Schlittenrennen mit Eleganz gewinnen! Die feurige Liebe meines Herzens brennt heißer und heller als jede Petroleumlampe, wird jedoch nur für uns beide die Nacht nach meinem Sieg erhellen, in der unsere im Schweiße glitzernden Leiber den Boden unserer privaten nid d´amour zum Beben ...!“
      Hastig riss Felia ihm die Maske vom Gesicht und die Flammen in Lyells Augen erloschen augenblicklich. Nicht jedoch das Brennen auf ihren Wangen, welches sich dort hartnäckig wie ein Terrier im Hosenzipfel seines Herrchens verbiss. Es ist dieser Akzent, durchschwirrte das schwache Funkeln eines Neurons ihren Kopf. Lyell klingt tatsächlich wie ein Südländer! Aber woher zum Teufel kennt er Wörter wie‚ nid d´amour? Und was soll das überhaupt sein?
      Erstaunt nahm Lyell ihr die Maske ab und zog anschließend seine immer noch um ihre Hüfte ruhende Hand zurück, wodurch Felia wie ein Sack Mehl zu Boden plumpste.
      „Autsch! Nicht so grob!“, beschwerte sie sich lautstark über sein Verhalten.
      Lyell jedoch hatte nur Augen für die Maske. Wie einen Schatz drehte er sie zwischen seinen Fingern hin und her.
      Magie!, hallte es ihrem Kopf wieder. Es ist Magie! Die Magie der Kleider! Felia hatte mehr als einmal davon gehört. Frau Manierlich betonte es oft in ihrem Unterricht. „Merkt euch, Kleider machen Leute!“, hatte sie mehr als nur einmal zu sagen gepflegt. „Ihr könnt hier noch so tadelloses Benhmen lernen, wenn ihr euch nicht anständig kleidet, sondern wie ein finanziell Benachteiligter herumlauft, werden die Leute auch nichts anderes in euch sehen. Und dementsprechend werdet ihr euch dann auch irgendwann verhalten! Man stecke nur eine der Küchenbediensteten in ein edles Kleid, sie wird sofort aus einem reinen genetischen Impuls heraus beginnen, wie eine echte Dame zu posieren! Merkt euch das, Kinder!“
      Etwas Ähnliches musste Lyell widerfahren sein, Felia konnte es sich nicht anders erklären.
      „Ich denke“, sagte der Schrotthändler langsam. „Ich kann auf deine Unterstützung als Fahrerin verzichten. Tut mir leid, dass ich dich vom Unterricht abgehalten habe.“ Mit diesen Worten zog er die Jacke wieder aus, um nach seinem Unterhemd zu greifen.
      „Hey!“, unterbrach Felia ihm und rappelte sich vom Boden auf. „Wie wäre es mit einem kleinen Gefallen als Dank?“
      Lyell sah sie an, als hätte sie vorgeschlagen, ihr das Preisgeld zu überlassen. „Was?“, fragte er mürrisch.
      „Du boxt mich jetzt aus meinen Schwierigkeiten raus, damit ich deine flammende Rede nicht verpasse! Hör zu, ich hab da ein kleines Problem mit der Köchin ...“

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • Super.
      Es macht richtig Spaß hier weiter zu lesen. Und ich liebe die Art und Weise wie du schreibst. Moment ich fisch mal kurz was raus...

      Alopex Lagopus schrieb:

      die ihre kompakte Figur mit physikalisch abwegiger Geschwindigkeit durch den Flur trieb.
      Genial :D
      Ist aber auch nur eins von vielen Beispielen.

      Ich hätte mir zwar gewünscht das Felia gefahren wäre, doch dann gäbe es wohl nicht diese wunderschöne Szene mit der Fuchsmaske^^
      Schreib schnell weiter! Bin momentan im Schwalbenkackfieber
      PS. Selbst nach drrei Seiten im Thread feier ich den Namen immer noch ^^
    • @Etiam Vielen Dank für das Lob ^^ Diese Sätze sollen auch der stilistische MVP dieser Story sein ^^ Es freu mich wirklich, dass dir diese Beschreibungen gefallen!

      Etiam schrieb:

      Ich hätte mir zwar gewünscht das Felia gefahren wäre, doch dann gäbe es wohl nicht diese wunderschöne Szene mit der Fuchsmaske^^
      Schreib schnell weiter! Bin momentan im Schwalbenkackfieber
      PS. Selbst nach drrei Seiten im Thread feier ich den Namen immer noch
      Dieser Name entstand total aus einer Laune heraus :rofl: Eigentlich sollte der als Platzhalter dienen, bis ich etwas Besseres gefunden hätte, weil dieser - ich nennen es mal Kot-Humor - eigentlich gar nicht so mein Ding ist und die Story eventuell etwas (sorry) in den Dreck zieht :rofl: Aber iwie das mit Stories eben ist, bekam das Ganze irgendwie ein Eigenleben und der Kot-Humor fand irgendwie einen Platz in der Geschichte.

      Wenn wir gerade beim Thema Humor sind: DIESE Art von Humor wollte ich mir eigentlich auch verkneifen ... aber ich sah eine Gelegenheit und konnte nicht widerstehen.






      Schon im vorigen Jahrhundert kannte man in modernen Ländern wie Funktionalis die Nützlichkeit von Warteschlangen. Man hatte erkannt, dass Verfahren viel effektiver abgewickelt werden konnten, wenn man gewisse Gesetzmäßigkeiten definierte. Durch große Denker angeleitet sickerte dieser Geist der natürlichen Ordnung in alle Bevölkerungsschichten des Landes und verbreitete sich von dort über die Grenzen hinweg aus.
      So wurde es Gang und Gebe, dass man sich an Marktständen und Geschäften „anstellte“. Oder anders gesprochen – man zögerte die Erledigung einer Tätigkeit aus Rücksichtnahme auf die Mitmenschen hinaus. Dieser Beschreibung wurden die Menschen jedoch schnell überdrüssig, weshalb sie sie einfach mit der Substantivierung eines verwandten Begriffs ersetzen und fortan „Anstand“ nannten.
      Fräulein Manierlich bezweifelte stark, dass etwas vom ursprünglichen Geist dieses Wortes bei ihrem Gast und ehemaligen Schüler angekommen war. Eine Anstandsdame sorgte schließlich dafür, dass eine gewisse Tätigkeit auf die erste Nacht nach der Hochzeit verschoben wurde. Dass Lyell Elliot Krust sie des Raumes verwies, konnte nur bedeuten, dass er glaubte, sich als Adeliger auch über diese aus Funktionalis stammende Ordnung hinwegsetzen zu dürfen.
      Wütend starrte sie in das Gesicht des Dieners, der einem Wachtposten gleich Stellung vor der Tür bezogen hatte und nur unbeteiligt mit den Achseln zuckte, während der Köter sich neben seinen Füßen auf den Boden legte.
      Wortlos wandte sie sich ab und rauschte zurück in ihr Büro. Auch wenn sie an Sir Krust Junior später gut verdienen würde, wenn sie sich gut mit ihm stellte; sollte er wirklich ein anstandloser Flegel sein, würde sich ein von einem ehemaligen Schüler begangener Skandal in ihrem Internat, äußerst schlecht auf den guten Ruf der Bildungseinrichtung auswirken.
      Entschlossen schob sie die große Topfpflanze an der linken Wand ihres Büros beiseite, wodurch sie zwei Gucklöcher in der Wand freilegte. Ihr Vater hatte diese hineingefräst und sie im Besprechungsraum mit einem Ölgemälde seiner selbst versteckt. Er meinte, es wäre immer nützlich, bestimmte Gespräche mitverfolgen zu können.
      Normalerweise hielt Dorothea von dieser Methode nichts – sie war nicht anständig. In diesem Fall musste sie jedoch eine Ausnahme machen. Vorsichtig schob sie den Verschluss beiseite und spähte ins nebenliegende Zimmer, nur um das dünne Holz im nächsten Moment hastig wieder zurückzuschieben. Den Bruchteil einer Sekunde verharrte sie in Entsetzen, bevor sie die Gewalt über ihren Körper zurückerlangte und eilig das Büro verließ. Mehr Gründe zum Handeln brauchte sie nicht. Der kurze Blick auf einen sich entkleidenden Sir Krust Junior genügte ihr.
      „Machen Sie Platz!“, wies sie den bereits ergrauten Diener an, „dort drinnen bahnt sich eine Unsitte an, die ich hier in meinen Räumen nicht dulde!“
      Der Angesprochene hob die Hände und schob sich schützend vor die Tür.
      „Bedaure, aber mein Herr hat mich angewiesen, dafür zu sorgen, dass ihn niemand stören wird.“
      „Und doch sollte es gleichzeitig ihre Pflicht sein, den Ruf Ihres Herrn zu wahren!“, pflaumte sie ihn an.
      Ein freudloses Lächeln schlug sich für einen Moment durch seine Barriere trainierter Emotionslosigkeit. „Da gibt es nicht viel zu wahren“, mixte sich Weichspüler in seine Stimme. „Glauben Sie mir ...“
      Missbilligend hob Dorothea Manierlich die fein gezupften Augenbrauen. „Aber hier geht es um den Heiratswert einer jungen Frau ...“
      Ein freudiges Quieken aus dem Nebenraum überwand mit einem Hochsprung in der Frequenz das sonst so schallschluckende Holz der Tür.
      „... für dessen Rettung es jetzt augenscheinlich eh zu spät ist“, erwiderte der Butler trocken.
      Fräulein ignorierte diese Bemerkung. „Ich sage Ihnen, lassen Sie mich ...!“
      Ein tiefes Knurren ließ sie die restlichen Worte des Satzes vergessen. Ängstlich richtete sie den Blick auf den Köter, der sie aus seinen wilden Augen und mit gefletschten Zähnen musterte.
      „Nehmen Sie diesen keifenden Ton aus ihrer Stimme“, riet der Mann. „Filius hat heute noch nicht gegessen und es ist nicht gut, wenn Sie ihn mit noch mehr als Ihrer Figur an ein Spanferkel erinnern.“
      „Das ...!“, öffnete Fräulein Manierlich den Mund. „Das ist ... Sie ... ich ... Sie Flegel!“
      Erzürnt von diesem Maß an Impertinenz wirbelte sie auf dem Absatz herum und trat erneut den Rückzug in ihr Büro an. Dort angekommen lehnte sie sich gegen die Tür und atmete ein paarmal tief ein. Sie musste sich dringend beruhigen. Die Schulärztin hatte sie vor zu hohem Blutdruck und zu viel Aufregung gewarnt, sie musste ihre Wut hinunterschlucken, sonst würde sie die Oberhand über die Situation nicht zurückgewinnen können.
      Ihre Schritte führten Sie zurück zum Guckloch. Aus Furcht davor, eine undamenhafte Szenerie zu erblicken, entschied sie sich lieber dafür, ein Ohr an die Öffnung zu legen.
      „Wieso tust du´s nicht einfach selbst?“, hörte sie die beinahe dauernervöse Stimme des Mädchens. „Du hast schließlich auch ... eine perfekte Figur.“
      „Ach was!“, erwiderte Krust barsch. „Ich wiege sicherlich zwanzig Kilo mehr als du, da kommt das mit der Physik nicht mehr hin!“
      Sie verschloss die Öffnung und bereute ihre Entscheidung sofort in Anbetracht der unanständigen Bilder, die ihr Verstand aus den Worten zu konstruieren versuchte. Taumelnd hielt sie auf ihren Schreibtisch zu und ließ sich auf den gepolstertern Stuhl dahinter plumpsen. Ein Skandal!, tönte es nur in ihrem Kopf. Das wird das Internat ruinieren!
      Wie von Geisterhand geführt wanderte ihre Hand zur untersten Schublade ihres Schreibtisches und holte eine Flasche Kapitän Feddlerock´s Bester hervor. Sie war fast leer. Routiniert lösten ihre Finger den Verschluss und der letzte Rest des billigen Rums fand den Weg ihre Kehle hinunter.
      Wie Zunder befeuerte das Getränk die Wärmeproduktion in ihrem Körper und sie merkte, wie sie sich schon wesenlich ruhiger fühlte. Mit dem Gedanken, bald für Nachschub zu sorgen, verschwand die Flasche wieder an ihren Platz. In diesem Beruf war man einfach auf die Hilfe eines guten Freundes wie Kapitän Feddlerock angewiesen.
      Du siehst Geister, hörte sie die Stimme des Kapitäns in ihrem Ohr. Du bist eine vorbildliche Lehrerin! Deine Mädchen sind viel zu gut erzogen, um sich der Laune eines reichen Mannes hinzugeben. So wie du es ihnen mit gutem Beispiel immer zeigst!
      Entschlossen erhob sich Fräulein Dorothea Manierlich von ihrem Stuhl. Das konnte alles nur ein großes Missverständnis sein. Wie oft kam es vor, dass der Schwalbenkurier die Aussagen der Herrschenden aus ihrem Kontext riss, um so den Schein einer vollkommen anderen Situation hervorzurufen? Lehrte sie nicht ihren Kindern, nicht immer alles zu glauben, was man ihnen sagte und alles infrage zu stellen?
      Abermals trat sie an das Guckloch heran und presste ihr Ohr auf die Öffnung. Diesmal würde sie länger lauschen, um alle Missverständnisse auszuschließen!
      „Die feurige Liebe meines Herzens brennt heißer und heller als jede Petroleumlampe, wird jedoch nur für uns beide die Nacht nach meinem Sieg erhellen, in der unsere im Schweiße glitzernden Leiber den Boden unserer privaten nid d´amour zum Beben ...!“
      Erschrocken wich Fräulein Manierlich zurück. Paralysiert stand sie neben der Wand und versuchte sich erneut zum Zuhören zu zwingen. Unnötig, denn das Poltern drang auch so durch die kleine Öffnung in der Wand.
      „Autsch! Nicht so grob!“ Felias Stimme.
      Wütend schloss sie das Loch in der Wand. Hier war jedwedes Missverständnis ausgeschlossen! Dem Diener und seinem tollwütigen Köter würde sie nun Beine machen! Mit dem gerechten Zorn einer besorgten Lehrerin verließ sie das Büro, um zum zweiten Angriff überzugehen.
      „Treten Sie beiseite!“, forderte sie den Diener auf, der nach wie vor den Eingang zum Besprechungsram versperrte. „Ich lasse nicht zu, dass Ihr Herr den Ruf meines Internats weiter durch den Vogelkot zieht! Ich verlange ...!“
      „Aber, aber“, sagte der Diener steif. „Das wird nicht passieren. Alles, was in diesem Raum geschieht, bleibt auch in diesem Raum. Niemand wird einen bleibenden Schaden davontragen.“
      „Niemand!?“, ereiferte sich Fräulein Manierlich. „Und was ist mit meiner Schülerin?“
      „Nun ...“, wollte der Mann beginnen, aber die Internatsleiterin ließ ihn nicht aussprechen.
      „Spätestens wenn man ihren runden Bauch sieht, werden Fragen gestellt werden! Der Ruf meiner Schule wäre dahin!“
      „Ich bin sicher, mein Herr hat Vorkehrungen für diesen Fall getroffen – schließlich hat man ihn hier ja gut instruiert.“
      Darauf schwieg Fräulein Manierlich. Vorkehrungen standen nicht auf dem Lehrplan. Genausowenig wie alles andere, was mit Themen zu tun hatte, die nur ins Schlafzimmer verheirateter Menschen gehörten!
      „Treten Sie beiseite, oder ich werde augenblicklich die Wache informieren!“, sagte sie bestimmt.
      „Und den Skandal sofort öffentlich machen?“, fragte der Alte und ein belustigtes Lächeln umspielte seine Lippen.
      „Wenn Ihr Herr mich in den Abgrund reißen will, zerre ich ihn mit! Ich werde nicht ...!“
      Ihre Drohung wurde unnötig, da sich im nächsten Moment die Tür öffnete und den Blick auf Sir Krust Junior freigab. Wie das Modell eines altertümlichen Künstlers posierte er im Rahmen des Eingangs und maß sie mit verachtenden Blick. Sofort trat der Diener beiseite und zog den Hund an der Leine zurück, um ihn davon abzuhalten, seinem Herrchen in den Weg zu laufen.
      Fräulein Manierlich starrte ihn mühsam beherrscht an. „Haben Sie ... alles erledigt, was Sie erledigen wollten?“, quetschten sich die Worte zwischen den Gitterstäben ihre Zähne hindurch.
      „Das habe ich“, bestätigte der junge Mann und trat auf den Flur. Ihm folgte das dumme Gör, auf deren Wangen ein letzter Rest verräterischer Glut schwelte. Nervös hielt sie sich im Hintergrund, die Arme hinter dem Rücken verborgen.
      „Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag“, sagte Krust mit einem Ton, der deutlich machte, dass die Worte nur ein antrainierter Effekt ihrer Erziehung waren.
      „Warten Sie!“, hielt sie ihn zurück. „Was passiert jetzt mit dem Mädchen?“
      Krust, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, hielt inne und maß sie mit einem nicht zu deutenden Blick.
      „Ja, was passiert mit mir?“, fügte Felia hinzu und sah auffordernd zu ihm hinüber.
      Er erwiderte ihren Blick. „Das ist mir doch egal!“, antwortete der junge Mann als hätte man ihn gefragt, auf welche Gassiroute man seinen Hund heute führen sollte. „Sie sind die Lehrerin, Sie kümmern sich um ihre Bildung! Sie hat ihren Zweck erfüllt, ich brauche sie jetzt nicht mehr.“ Ungeduldig wandte er sich ab. „Komm, Clements, wir gehen.“
      „Sehr wohl“, verneigte sich der Alte vor seinem Herrn. Und an Fräulein Manierlich gerichtet: „Lord Krust Junior dankt Ihnen für Ihre Kooperation.“ Ohne ein weiteres Wort folgte er dem jungen Mann, nur der Hund sträubte sich, winselnd in Felias Richtung geneigt, gab den Widerstand gegen die Leine aber schnell auf.
      Fräulein Manierlich sah zu ihrer Schülerin, die den beiden Männern mit dem Ausdruck der Betrogenen hinterherstarrte.
      Ein kräftiger Schlag auf ihren Hinterkopf brachte sie zurück in die Realität.
      „Du brauchst gar nicht so zu glotzen, Kind“, fauchte Fräulein Manierlich sie an. „Es war doch abzusehen, dass soetwas passieren würde! Glaubst du, er heiratet dich jetzt, nur weil du dich wie ein billiges Flittchen an ihn herangeworfen hast? Nein, für die feine Gesellschaft ist dein Blut viel zu wässrig!“
      „Aber ...!“, rieb sie sich den Schädel und erste Tränen versammelten sich wie zur Beerdigung ihrer Hoffnung an den Rändern ihrer Augen.
      „Sei still!“, unterbrach die Lehrerin sie. „Du gehst als erstes zur Schulärztin und lässt den Erhalt oder Verfall deines Heiratswertes überprüfen!“
      „Meines was?“
      „Und anschließend kommst du sofort in mein Büro! Hast du das verstanden?“
      Das Mädchen ließ die Schultern hängen. „Ja, Fräulein“, wisperte sie resignierend.

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau
    • @Alopex Lagopus

      Köstlich, diese Dame!!! Ganz alte Schule, wunderbar. Ein herrlicher Abschnitt, der mir Dauergrinsen beschert hat.
      Und Clements ist ja wirklich trocken wie die Wüste Gobi. :rofl:

      Spoiler anzeigen

      Alopex Lagopus schrieb:

      Erzürnt von diesem Maß an Impertinenz wirbelte sich sie auf dem Absatz herum und zog trat erneut den Rückzug in ihr Büro an.


      Weiter, weiter! :stick:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Hey @Alopex Lagopus
      Zefix - wie wir hier Bayern sagen - du hast ja schon zwei neue Parts geposted ... Man ich hab einfach zu wenig Zeit X(

      Spoiler anzeigen

      Spoiler anzeigen
      hörte sie Fräulein Manierlich sagen, die ihre kompakte Figur mit physikalisch abwegiger Geschwindigkeit durch den Flur trieb

      :thumbsup:

      Spoiler anzeigen
      Und wehe dir, solltest du unsere Schule in ein schlechtes Licht rückst!

      Naja, das Problem siehst du denke ich. Musst dich halt für eine Formulierung entscheiden :)

      Spoiler anzeigen
      „Wraff!“, begrüßte sie Filius und wollte zu ihr stürmen, doch der weniger gut gekleidete Mann in seiner Gesellschaft hielt die Leine kurz.

      Äh ... hat sie den Hund angebellt? Bin hier gerade etwas verwirrt xD

      Spoiler anzeigen
      Sie zeigte die auf dem Wasser erbaute Stadt Grand Canalia

      Man! Warum machst du sowas?! Hab fast meinen Whiskey wieder ausgespuckt vor Lachen!

      Spoiler anzeigen
      „Ich sagte ‚unter vier Augen‘!“

      Komma ist verschoben.

      Spoiler anzeigen
      „Ich sagte Anstandsdame, nicht Handstands...“

      FFS! Stop it! xD

      Spoiler anzeigen
      Kaum merklich ging eine Veränderung mit Lyell vor.

      Nicht "in Lyell"? Oder generell eine andere Formulierung? Irgendwie klingt das sonst etwas seltsam.

      Spoiler anzeigen
      einem Vogel und einem Fuch

      Ein Fuchs ... warum wundert mich das bei dir jetzt nicht :P


      Ich finde deine Ideen wirklich genial. Kleider machen Leute - Die Magie der Kleider. :thumbsup:
      Die beiden zusammen sind bestimmt noch für einige Lacher gut! Bin ja mal gespannt, wann der Rettungsring "Notheirat" gezogen wird :)

      Den zweiten Teil schaue ich mir morgen an. Mir fallen gerade die Augen zu :sleeping:

      Gruß
      Rebirz
      GESCHRIEBENES VON REBIRZ

      Der Gott, der nicht sein sollte (Urban Fantasy)
      Noetik (Sonstige Fantasy)


      MEINE TO-DO-LISTE

      To do... To do... To do, to do, to do, to do, to doooo, dododododo


    • Rebirz schrieb:

      Äh ... hat sie den Hund angebellt? Bin hier gerade etwas verwirrt xD
      Jetzt wo du es sagst und ich die stelle noch drei Mal gelesen hab ... ja, da muss ich "Filius" und "sie" vertauschen xD Das ist, wenn der Kopf mal wieder schneller ist xD

      Rebirz schrieb:

      Man! Warum machst du sowas?! Hab fast meinen Whiskey wieder ausgespuckt vor Lachen!
      :D Vielleicht sollte ich ne Warnung vor die Geschichte schreiben. Sowas wie "NSFW" oder "Bitte beim Lesen die Einnahme von Getränken meiden, um ihren Bildschirm oder Ihren Gegenüber vor Wasserschäden zu schützen" :D
      Ich brauchte tatsächlich ziemlich lange, bis ich den Namen hatte. Ich hab erstmal Venedig gegoogelt und bei Wikipedia den Artikel gelesen. Als ich dann Canal Grande las, dachte ich "Hey, das klingt ja umgedreht fast wie diese Insel ..." :rofl:

      Rebirz schrieb:

      FFS! Stop it! xD
      Nope. Wäre ich ein Gott, ich wäre "The God of Bad Puns" :D

      Rebirz schrieb:

      Ein Fuchs ... warum wundert mich das bei dir jetzt nicht
      Es könnte an meinem Nutzernamen und dem Profilbild liegen :P
      Aber nein, irgendwie hab ich es mir zur Aufgabe gemacht, in jeder meiner Storys den Fuchs als Markenzeichen unterzubringen. Ausnahme bildet "Superior" ... es sei denn, man mag mitzählen, dass ein Char einen anderen einen "alten Fuchs" genannt hat :fox:

      Rebirz schrieb:

      Ich finde deine Ideen wirklich genial. Kleider machen Leute - Die Magie der Kleider.
      Die beiden zusammen sind bestimmt noch für einige Lacher gut! Bin ja mal gespannt, wann der Rettungsring "Notheirat" gezogen wird
      Danke, freut mich, dass es dir weiterhin gefällt :D Das hier war eigentlich auch eine total ad-hoc-Idee, aber sie passte wunderbar zu Lyell und generell einfach zu mega gut in die Story ^^ Außerdem ist es schon ne ziemlich markante Macke, die mir gefällt :D
      Danke auch für die Korrekturen, hab alles verbessert :thumbup:

      "Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen."

      ~ William Shakespeare








      :fox:


      Besucht meinen Fuchsbau