Kind im Dunkeln

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    • Kind im Dunkeln

      Kind im Dunkeln

      Wie immer dasselbe,
      wie gestern, so heut.
      Ich sitz da, lausche still,
      denn gleich beginnt es erneut.

      Es raschelt ganz leise,
      es knistert und knackt,
      und ich merke sofort,
      wie das Entsetzen mich packt.

      Verwirrende Lichter -
      es sind immer zwei -
      leuchten kurz nur mal auf
      und huschen lautlos vorbei.

      Sie kommen sehr oft
      und zieh‘n eine Spur,
      einen Bogen aus Licht.
      Ich fürcht mich. Was ist das nur?

      Ganz schwer geht mein Atem,
      ich würde gern schrein.
      Doch ich tu’s nicht aus Angst
      vor dem, was danach wird sein.

      Denn dort ist was Schwarzes,
      sehr groß und ganz nah!
      Ich kann hören, es schnauft
      und kommt hierher, ist fast da.

      Streckt es nicht die Hand aus?
      Berührt es mich schon?
      Es hat Augen, ganz rot,
      und brummt mit klagendem Ton.

      Mein Herz klopft wie rasend!
      Ich schwitze dabei.
      Und dann endlich, befreit
      aus meiner Kehle: ein Schrei!

      So hoch und so schrill durch
      das Dunkel er gellt!
      Zeig verzweifelt durch ihn
      all mein Entsetzen der Welt.

      Dann höre ich Schritte,
      sie nähern sich schnell,
      und die Türe geht auf,
      es leuchtet Licht auf ganz hell!

      Ich sitze im Bett völlig
      tränenverschmiert.
      Doch jetzt werde ich still,
      denn meine Mama ist hier.
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Tariq () aus folgendem Grund: Absatzformatierung

    • Ein sehr schöner Versuch sich in die Seele eines Kindes hineinzuversetzen. Witzigerweise hab ich die Überschrift übersehen und dann erst gemerkt, dass es sich um eine Kind handelt, als ich gelesen habe "denn meine Mama ist hier". Das war, für mich, ein schöner Effekt.
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz