Wortgefechte

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    • 9

      Rhythmisch hallten die Schritte des Helden von den glatten Steinfliesen wider. Mindestens fünfhundert Kerzen, so schätzte er, erhellten die städtische Bibliothek, in welcher sich die bis zur Decke reichenden Bücherregale erschöpft an die hölzerne Wandvertäfelung lehnten. Während er noch den Bibliothekar suchte, bemerkte er die Anwesenheit seiner magischen Waffe in seinem Kopf.
      „Beeindruckend, nicht wahr?“, fragte er leise, um die anderen Bibliotheksbesucher nicht zu irritieren.
      Findest du? Ach ja, klar, sagte die Waffe, als hätte sie sich gerade an etwas erinnert. Das in den Regalen nennt man Bücher, erklärte sie ernst.
      „Pah, mich überrascht es ja, dass DU weißt, was ein Buch ist“, entgegnete der Held gelassen.
      Stille, wärmend und wohltuend.
      Das Schwert räusperte sich irritiert.
      Ähm…, setzte es an.
      „Ja, bitte?“
      Ähm… das hat mich jetzt doch etwas durcheinander gewirbelt… erinnert mich an damals, als wir uns getroffen haben.
      Der Held erinnerte sich ebenfalls. „Du meinst wohl eher, als du mich getroffen hast!“, entgegnete er prompt.
      Ja, das könnte man so sagen… was hattest du gerade, ähm…?, überlegte die Stimme angestrengt. Hey! –
      „Ist es dir wieder eingefallen?“, fragte er grinsend.
      Ja! Und ich weiß in der Tat, was ein Buch ist. Ich weiß eine ganze Menge.
      „Hm“, sagte der Held geistesabwesend, denn er hatte endlich den Bibliothekar hinter einem kleinen, vollgepackten Tisch in einer Nische der weitläufigen Halle gefunden.
      Dankenswerterweise hielt sich das Schwert zurück, während er die Bestellung und den Namen seines Auftraggebers an den Mann weitergab. Als dieser sich erhob, um das georderte Werk zu holen, staunte der Held nicht schlecht. Der Bibliothekar war gut einen Kopf größer und unter den schlichten Leinen zeichneten sich Muskeln ab, welche seinen in Nichts nachstanden.
      Und da sagt man, »Hirn und Muskeln gehören nicht zusammen«, dachte der Held beeindruckt.
      Kann ja nicht jeder so ein Musterbeispiel sein wie du, merkte das Schwert an.
      Zur Strafe lüftete er seinen Umhang, musste jedoch feststellen, dass die Unmengen an Kerzen einfach zu viel Wärme erzeugten, um die Waffe zu ärgern. Missmutig verbarg er die Schwertscheide wieder, als auch schon das Buch samt Riese zurückkehrte. Dankend nahm er den Wälzer entgegen und wandte sich zum Gehen.
      Und?, fragte die Stimme mit mäßigem Interesse.
      Der Held wagte einen Blick auf den Einband und las: »Kannibale und Diebe«.
      Klingt total interessant.
      „Mein Auftraggeber hat sicher seine Gründe“, entgegnete der Held wenig überzeugt.
      Der alte Knacker? Der weiß doch nur nicht, was er noch mit seiner Zeit anfangen soll.
      „Na, vielleicht kann er mit diesem Text sein Wissen –“, der Held betrachtete nochmals den Titel des Buches, „… irgendetwas Sinnvolles wird da schon drinstehen!“, endete er und beschleunigte seine Schritte.
      Ich sollte auch ein Buch schreiben!, sagte das Schwert plötzlich.
      „Ich werde das ganz sicher bereuen, aber: WIESO solltest DU ein Buch schreiben?“, fragte er zweifelnd.
      Ich weiß einen Haufen nützliche Dinge und die sollten bewahrt werden, entgegnete die Stimme überzeugt.
      Der Held atmete schwer ein und aus, ehe er antwortete.
      „Also erstens: Du wirst nie sterben und daher noch Generation um Generation… sagen wir belehren", konstatierte er, „und zweitens: Welche nützlichen Dinge denn und wer wöllte das schon lesen?“
      Hey, ich weiß wirklich vieles!, entrüstete sich das Schwert. Wusstest du zum Beispiel, dass orkische Eingeweide von allen am wärmsten sind?
      „Ähm…“, unterdrückte der Held ein Würgen.
      Oder –
      „Hab’s verstanden“, würgte er das Schwert schnell ab. „Bücher sind doch nur was für Gelehrte. Was sollen die denn mit deinen… speziellen Weisheiten anfangen?“
      Ich finde, auch Gelehrte können immer noch etwas dazulernen… und ich könnte damit angehenden Abenteurern helfen.
      „Aber Abenteurer sind keine Gelehrten…“
      Offensichtlich!, spöttelte die Stimme.
      „Jetzt hör auf, du Zwergenzweihänder!“, riss ihm der Geduldsfaden. „Ich meine, sie lesen keine Bücher, sie… na, sie erleben eben Abenteuer… und selbst, wenn sie ein Buch lesen würden, wie solltest du überhaupt –“
      Abrupt hörte er auf zu sprechen. Er hoffte inständig, dass es noch nicht zu spät war und dachte angestrengt an seinen Auftrag, den Treffpunkt mit seinem Auftraggeber, Dämonen, Marder –
      Genau, DU könntest mein Biograph sein!, jubelte das Schwert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von bigbadwolf ()

    • Wie gewohnt - :super: , bigbadwolf! Made my morning (und der war nicht der beste heute ... )

      Heute sind mir ein paar winzige Sachen aufgefallen, ich pack sie in den Spoiler.
      Kleinkram-Box

      bigbadwolf schrieb:

      „Ähm…“, unterdrückte der Held ein Würgen.
      Oder –
      „Hab’s verstanden“, würgte er das Schwert schnell ab.
      Wiederholung

      bigbadwolf schrieb:

      Das in den Regalen nennt man Bücher, erklärte sie ernst.
      Im Text oben ist das Wort "Bücher" nicht kursiv

      bigbadwolf schrieb:

      Ich weiß einen Haufen nützliche Dinge und das sollte bewahrt werden, entgegnete die Stimme sicher.
      vielleicht eher "und die sollten bewahrt werden" (weil Dinge Mehrzahl sind)

      bigbadwolf schrieb:

      „Also erstens: Du wirst nie sterben und daher noch Generation um Generation… sagen wir belehren, konstatierte er,
      Hier weiß ich nicht, ob der Held alles spricht, zwischendurch in Gedanken weiterspricht oder alles denkt. Villeicht fehlen die oberen Gänsefüßchen? :hmm:


      Ich freu mich auf mehr! :thumbsup:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Wieder sehr unterhaltsam. Der Held hat wirklich starke Nerven. Ich glaube ich hätte es schon längst eingeschmolzen oder mit Helene zusammen eingesperrt.

      Der Titel "Kannibale und Diebe" erinnerte mich etwas an eine beliebte Schullektüre von Schiller. Klasse!

      Bin schon auf die nächsten Teile gespannt.

      Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!
    • @Tariq Das mit den zwei "Würgen" ist Absicht. Ich fand die Gegenüberstellung der Bedeutung hübsch. Hemmt es den Lesefluss tatsächlich?

      Die "Bücher" sind im kursiven Text hervorgehoben, indem sie als einziges Wort nicht kursiv geschrieben sind.

      Alles andere hab ich verbessert. Danke.

      @Alexander2213 Schön, dass die Anspielung durchdringt. :D
      Na, und vielleicht treffen wir Helene ja auch mal wieder. Wer weiß?
    • @bigbadwolf

      Hm, wenn das Absicht war, dann ist es mir nicht als solche aufgefallen. Ich habe die gewollte Gegenüberstellung nicht darin erkennen können. Liegt aber vielleicht auch an mir. ^^
      Und die nichtkursiven Bücher wirken wie ein Versehen, weil sie gerade am Zeilenumbruch stehen. Und sie heben sich von dem Nachsatz nicht mehr ab. Sorry. :/
      VG Tariq
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

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    • 10

      Ich hab dir doch gesagt, dass der Bogenmacher heute nicht da ist, sagte die Stimme schnippisch.
      „Ja“, erwiderte der Held gereizt und wandte sich zum nahen Stadttor um. Die zwei gerüsteten Wachen, welche mit ihren übermannshohen Hellebarden den Durchgang flankierten, führten ein lautstarkes Gespräch. Dabei achteten sie darauf, unablässig geradeaus zu starren.
      Und ich betone nochmals, dass du sowieso keinen Bogen brauchst, ergänzte sie.
      „Ja!“, zischte der Held genervt.
      Außerdem wärest du sowieso viel zu ungeschickt für –
      „Schnauze, verdammt!“
      Dass er immer noch eine der Stadtwachen ansah, wurde ihm erst jetzt klar. Die beiden Männer beendeten abrupt ihr Gespräch samt Wettstarren und fassten den Fremden mit ziemlich eindeutigem Blick ins Auge. Wie auf Kommando lösten sie sich von ihren Posten und die Hellebardenspitzen sausten in die Horizontale. „Halt, Fremder!“, befahl der Linke.
      Oh klasse!, jubelte das magische Schwert. Die können bestimmt gut kämpfen! Los, los, los!
      Da er nach dem nächtlichen Angriff des Wer-Auch-Immer-Assassinen keinen selbstverschuldeten Ärger heraufbeschwören wollte, streckte er in üblicher Manier die Hände von sich, wodurch das Schwert unter seinem langen Mantel sichtbar wurde.
      Langweilig.
      „Jetzt sei… äh… ähm“, hüstelte der Held, „ich meine: Seid gegrüßt, Stadtwachen! Welchem Umstand verdanke ich Eure Aufmerksamkeit?“
      In seinen Gedanken hörte er das Schwert leise kichern.
      Die beiden Männer tauschten einen Blick aus. Einen Augenblick später streckte der Rechte fordernd die unbewaffnete Hand aus. „Euer Schwert!“, verlangte er ruhig.
      „Oh, davon rate ich Euch ab“, entgegnete der Held.
      Trotz seiner unverändert ungefährlichen Körperhaltung schienen die Stadtwachen eine Drohung herausgehört zu haben und die Hellebarde des Linken näherte sich noch ein Stück.
      „Schon gut, schon gut…“, kam der Held einer erneuten Aufforderung zuvor und löste langsam seinen Waffengurt.
      „Wir werden uns beraten, wie wir weiter mit Euch verfahren. Ihr werdet hier warten!“, befahl der Rechte und nahm den Gurt entgegen. Hinter den Wachen, welche zum Tor zurückgingen, konnte der Held die Straße und den fernen Pfad ins Grotgebirge erkennen. Wie gern wäre er bereits dort gewesen, um seine Suche nach der Grotrakhöhle fortzusetzen.
      Die Diskussion der beiden Männer brach plötzlich ab, der Rechte schien den Linken etwas zu fragen und reichte ihm dann plötzlich den Schwertgurt. Der Held biss sich auf die Lippe. Der verblüffte Gesichtsausdruck des Linken wurde nach und nach durch diverse andere Empfindungen ersetzt. Letztlich starrte er den Helden schockiert an und kam, seinem Kameraden vorauseilend, auf ihn zu.
      „Gehabt Euch wohl! Geht!“, sprach die Stadtwache mit bebender Stimme, während sie dem Helden eilends den Gurt reichte.
      Dankbar, nicht mehr aufgehalten zu werden, nickte der Held knapp, erwiderte den Abschiedsgruß und marschierte rasch aus der Stadt, während er seinen Waffengurt wieder anlegte.
      „Was hast du ihnen erzählt?“, wollte er schließlich wissen.
      Du bist ein Prinz aus der südlichen Geserobwüste, mit geheimem Auftrag, antwortete das Schwert.
      „Ah ja… du weißt aber schon, dass dort nur Orks und Halborks leben?“
      Ja.
      Er blieb stehen.
      Ach Quatsch, ich hab ihnen gar nichts erzählt, beeilte sich das Schwert hinzuzufügen.
      „Also was jetzt?“, fragte er misstrauisch und setzte seinen Weg fort.
      Ich hab nur etwas in Dewalts und Selwigs Gedächtnis gekramt und dabei sehr laut gedacht… da fällt mir ein: Ist es bei euch Menschen nicht eigentlich üblich, dass jede Frau nur mit einem Mann… du-weißt-schon?
      „Ha! Los, erzähl!“, grinste der Held.

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    • Haha, das war genial. Ich stelle mir gerade das in den schönsten Farben vor. Aus Sicht der Wachen, versteht sich. xD


      Zwei Kleinigkeiten im Spoiler
      Spoiler anzeigen

      bigbadwolf schrieb:

      „Ja“, erwiderte der Held gereizt und wandte sich zum nahen Stadttor um.
      Das ist unnötig? Ich weiß nichtmal, ob das korrekte Grammtik ist. :huh:
      Kann aber natürlich sein, dann habe ich nichts gesagt.

      bigbadwolf schrieb:

      Hellebarden den Durchgang flankierten, führten einlautstarkes Gespräch.
      Leerzeichenfehler
    • Miri schrieb:

      KEINE NEUE SZENE!
      Hier bitte anschließen!
      Das werde ich nicht machen, aber vielleicht wird der entsprechende Inhalt ja anderweitig nochmal erwähnt... :D

      Schreibfeder schrieb:

      Das ist unnötig? Ich weiß nichtmal, ob das korrekte Grammtik ist.
      Kann aber natürlich sein, dann habe ich nichts gesagt.
      Ich glaube, es geht sowohl mit als auch ohne "um". "sich umwenden" existiert jedenfalls.



      Ich habe überlegt, ob die vielen Querverweise im letzten Post übertrieben waren, aber anscheinend ist das nicht der Fall, oder? Sonstige Anmerkungen?
      Danke für euer anhaltendes Interesse!
    • Hallihallo,

      warum fällt mir in dem Moment als das Schwert "langweilig" sagt, der Spruch "M. i. l." ein...

      Wieder mal eine schön-verquere Situation, in die das Schwert deinen Helden bringt. Mir gefällts.

      Die Querverweise sind mir auch aufgefallen. Beim ersten dachte ich noch, es wäre Zufall. Solls am Ende doch eine zusammenhängende Geschichte werden?

      LG
    • littlelovelywolf schrieb:

      Solls am Ende doch eine zusammenhängende Geschichte werden?
      Also das hab ich dann doch nicht vor. Aber weitere Verbindungen zwischen den einzelnen Teilen werden vermutlich folgen, zumal es zum Teil der Handlung zuträglich ist. Ich muss mal sehen, was mir noch so einfällt. Ein paar Eisen hab ich allerdings noch im Feuer.

      Der letzte Teil war außerdem in Anlehnung an deinen Vorschlag mit dem "geklauten und zurückgegebenen Schwert" geschrieben.
    • 11

      „Wir hätten sicher für ein noch größeres Publikum gesorgt. Schon schade, dass wir nicht zugelassen wurden“, neckte er.
      So langsam traue ich es dir echt zu, grummelte das magische Schwert. Ich hätte dir jedenfalls nicht geholfen.
      Lächelnd sah der Held den bemerkenswert verschiedenen Schützen zu, wie sie Aufstellung vor ihren Zielen bezogen. Eine untersetzte Gnomin und ein Zwerg, deren Kurzbögen lächerlich groß wirkten, und zwei typisch gekleidete Waldläuferelfen und eine Menschenfrau mit kunstvoll verzierten Langbögen traten in Wettstreit mit einem äußerst fehl am Platz wirkenden Halbork. Auch er trug einen Kurzbogen bei sich, welcher kaum die Länge seines Arms hatte. Die hölzernen Zielscheiben standen in etwa vierzig Schritt Entfernung. Der Held fragte sich nun doch ernsthaft, ob er das Schwert überhaupt irgendwie so weit hätte schmeißen können.
      Haha, merkte das Schwert trocken an.
      „Raus aus meinem Schädel, sonst besteche ich die Turnierleitung“, drohte der Held leise.
      Schon gut. Sehen wir uns einfach das Turnier an.
      Die erste Salve war lediglich ein Probeschuss. Während die jungen Turnierhelfer sich mühten, die Pfeile aus Holz, Schlamm und Wiese zu bergen, legten die Schützen bereits erneut an. Nachdenklich betrachtete der Held die Kontrahenten, als die Langbögen eine Erinnerung in ihm weckten.
      „Sag mal, wie war das eigentlich mit dir und Helene?“
      Die Stimme schaffte es nicht, ein Stöhnen zu unterdrücken. Es folgte ein Moment unwilliger Stille in den Gedanken des Helden.
      Der Halbork sieht mit dem winzigen Teil total bescheuert aus, merkte das Schwert an.
      Der Held schwieg und betrachtete betont interessiert die Szenerie vor ihm.
      Muss ich?, seufzte es nach einer Weile.
      Die zweite Salve war bereits wesentlich zielsicherer, sodass bis auf die beiden Elfen alle Teilnehmer trafen. Die anderen Turnierhelfer machten hämische Gesten zu den beiden Jungen, die erneut die Pfeile aus dem Schlamm bergen mussten.
      „Du erzählst doch sonst so gern… und so viel von dir. Was ist diesmal so schlimm daran?“, wollte er wissen.
      Es brauchte noch die dritte, weniger erfolgreiche Salve, ehe die magische Waffe antwortete.
      Das erste Mal haben wir uns in einer Absteige in Holfgard getroffen – lass es, kennst du sowieso nicht. Zur selben Zeit habe ich auch meinen neuen Besitzer Ashtar kennengelernt.
      „Du meinst, er hat dich in einem heruntergekommenen Wirtshaus gefunden?“, fragte der Held irritiert.
      Ich meine, Ashtar war ein Assassine, stellte das Schwert richtig.
      „Oh“, erwiderte er mit angemessener Betroffenheit. Mittlerweile war das Turnier in vollem Gange und die unterschiedlich großen Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer zeichneten sich langsam ab. Erstaunlicherweise hatte der Zwerg die knubbelige Nase knapp vorn.
      „Hm…, war er denn wenigstens ein versierter Schwertkämpfer?“
      Keine Ahnung.
      „»Keine Ahnung«?!“
      Ich weiß es nicht, er hat mich nie benutzt, erklärte das Schwert bitter. Dabei hab ich es ihm so oft gesagt! Aber nein: Helene dies, Helene das!
      „Ich verstehe.“
      Meinst du? Ich denke nicht!, regte sich die Waffe auf. Ignoriert hat er mich! Die ganze Zeit! Kannst du dir das vorstellen?
      „Also ehrlich ges –“
      Wenn SIE mich doch nur auch so ignoriert hätte!, fuhr die Stimme unbeirrt fort. »Ich schieße NIE daneben!«, schien sie jemanden nachzuäffen. Von wegen! Ashtar hat ständig Giftpeile verwendet. Da bedeutete selbst ein Streifschuss fast immer den sicheren Tod. Für Helene zählte es trotzdem immer als »Volltreffer«… und dieses ständige Geträller!, zeterte sie weiter. Du machst dir kein Bild! Ashtar konnte ja immerhin einen halbwegs soliden Tenor vorweisen, aber Helenes Stimmlage befand sich irgendwo zwischen Pferdewiehern und Todesfee!
      „Wirst du jetzt nicht ein wenig unfair?“, unterbrach der Held die Tirade.
      Kurzes Schweigen. Du erinnerst dich noch an ihre Sprechstimme, oder?, fragte das Schwert, als wäre er nicht bei Sinnen.
      Der Held stieß beim Nachdenken auf die akustisch ziemlich einzigartige Erinnerung.
      „Tut mir leid, erzähl bitte weiter“, besann er sich.
      Hm… jedenfalls hat Ashtar sie ständig für ihre Treffsicherheit gelobt, mit ihr herumgejault und ich hab mich zurück in ein wundervoll ruhiges Flussbett gewünscht.
      Inzwischen waren nur noch drei Bogenschützen übrig. Für das Finale wurden noch kleinere Zielscheiben in noch größerer Entfernung aufgestellt. Der Zwerg, die Menschenfrau und der Halbork nutzten die kurze Unterbrechung, um sich zu dehnen, was außer bei der Frau unheimlich komisch aussah.
      Der Held seufzte. „Ich glaube, ich verstehe jetzt, warum du es mir nicht erzählen wolltest. Nur eins noch: Wer hat dich denn letztlich vor den Sangeskünsten der beiden gerettet? Oder bin etwa ich sein Nachfolger?“
      Nun, das war tatsächlich ganz lustig für mich, schien das Schwert gehässig zu grinsen.
      „Ich fürchte, ich werde doch noch Mitleid mit ihm haben…“
      Ashtar sollte einem unkooperativen Händler mit einem Warnschuss gehörige Angst einjagen. Allerdings hat Ich-schieße-NIE-daneben-Helene dem Händler den Pfeil in den Fuß gejagt.
      „Einen Giftpfeil.“ Der Held verstand. „Und dann?“
      Ashtar sagte »Aber Helene! –“ und dann traf ihn ein Pfeil ins Herz. Tja, Diebesgilde eben.
      Der Held zog eine Grimasse. „Wie unangenehm. Der Ersatzmann, nehme ich an?“
      Wohl eher der Aufpasser und Spurenverwischer…, korrigierte die Stimme.
      Mit einem letzten Treffer ins Schwarze gewann der Zwerg unter tosendem Applaus das Finale.
      „Und dieser Aufpasser-Kerl hat dich dann an sich genommen?“, fragte der Held, während er lautstark applaudierte.

      Ja…, aber bei dem war ich auch nicht lange. Er hat seinen Bogen durch Helene ersetzt und… naja, irgendwann nervte sie die Weise, wie er ihre Sehne spannte. Den Rest kannst du dir ja denken.

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    • bigbadwolf schrieb:

      Der Held stieß beim Nachdenken auf die akustisch ziemlich einzigartige Erinnerung.
      „Tut mir leid, erzähl bitte weiter“, besann er sich.
      Ich mag deine Trockenheit XD

      bigbadwolf schrieb:

      Hm… jedenfalls hat Ashtar sie ständig für ihre Treffsicherheit gelobt, mit ihr herumgejault und ich hab mich zurück in ein wundervoll ruhige Flussbett gewünscht.
      ruhiges, wahlweise auch "wundervolles, ruhiges"

      Und meine Schwester hat ein Couchkissen mit Namen Helene, aber sie spricht es "Chelene" aus XD
      Das macht den Bogen noch beschränkter und lustiger XD
      Dreck auf Toast!
    • @Miri Danke für die kleine Korrektur.
      Ein Couchkissen namens Helene?! ^^

      Mir ist der Bogen auch irgendwie ans Herz gewachsen. Erschütternd. Aber was solls. :D
      Ich hätte nie gedacht, dass ich auch nur 10 Teile zusammenkriege... und jetzt sind es schon 11! Und ein paar Eisen hab ich sogar noch im Feuer.
      Danke an alle Leser! Zu wissen, dass die kruden Szenen gelesen werden, ist ungemein motivierend.
    • bigbadwolf schrieb:

      Zu wissen, dass die kruden Szenen gelesen werden, ist ungemein motivierend.
      Das freut mich :D
      Bin gespannt, was dir noch einfällt. Und wenn alle Eisen aufgebraucht sind, hoffe ich, dass du ab und zu trotzdem noch eines findest :D

      bigbadwolf schrieb:

      Ein Couchkissen namens Helene?!
      Bei uns hat so ziemlich alles einen Namen XD
      Unsere Autos heißen "Fuchsi" und "KA-AB", mein Obst- und Gemüsedörrer heißt ganz kreativ "Dörte" (Den Namen hab ich aber vom Freund meiner Schwester übernommen XD Kann die arme Dörte doch nicht einfach umtaufen!) und das Couchkissen (eigentlich ist es nur eine grüne Rolle) heißt eben Helene XD
      Dreck auf Toast!
    • 12

      Hey, hey! Ich hab noch ein Rätsel für dich!, frohlockte die Stimme.
      „Jippie“, brummte der Held und versuchte sich auf die Waren zu konzentrieren.
      Es geht um die Legierung, aus der mein hervorragender Knauf hergestellt ist. Also: Die erste –
      „Heptiron.“
      – Hey! Ich war noch gar nicht fertig!
      „Aber ich habe recht, nicht wahr? Der charakteristische Farbschimmer im Sonnenschein, die von innen abgestrahlte Wärme… “
      Das Schwert machte ein zerknirschtes Geräusch.
      „Dreißig Silbertaler für diese Beinschienen“, wandte sich der Held nun an den bärbeißigen Schmied. Jener verwies ihn jedoch unwirsch an eine zierliche junge Frau hinter dem vollgestellten Verkaufstresen am hinteren Ende des Raumes.
      Im Ernst?, fragte das Schwert.
      „Täusch dich mal nicht. Der Laden heißt immer noch »Schwert und Bogen« und ich müsste mich schwer irren, wenn der Grizzly hier einen Bogen überhaupt anfassen kann, ohne ihn zu Holzmehl zu verarbeiten.“
      Nachdenkliches Schweigen entfuhr der magischen Waffe. Der Held winkte die junge Frau zu sich und unterbreitete ihr sein Angebot für die robust aussehenden Beinschienen. Ein honigsüßes Lächeln erschien in ihrem schmalen Gesicht.
      „Werter Herr, für fünfzig Taler würde ich Ihnen noch einen Pfeil dazugeben.“
      Uiuiui, die gefällt mir. Ob sie kämpfen kann?
      „Junge Dame, Sie überschätzen den Wert dieser verkupferten Schienen sichtlich. Aber ich habe heute meinen großzügigen Tag und wäre daher bereit, mich in der Mitte mit Ihnen zu treffen. Auf den Pfeil müsste ich jedoch bestehen“, grinste er, ihr Lächeln imitierend.
      Mit einem Nicken wurde der Handel besiegelt, Ware und Münzen wechselten den Besitzer und der Held wandte sich den anderen Stücken des Ladens zu. Als sein Blick zurück zum Verkaufstresen wanderte, fiel ihm der gehörnte Helm mit V-förmigem Visier auf. Eine Erinnerung stieg in ihm auf und ließ ihn neugierig werden.
      Hey, ich hab noch was zum Knobeln für dich.
      „Jetzt nicht!“, flüsterte der Held genervt und trat an den Tresen heran. Die junge Frau war gerade dabei einige Pfeile mit Spitzen zu versehen. Sie sah erst auf, als er nach dem Helm verlangte.
      „Ich möchte zunächst sehen, ob er passt“, fordert er.
      „Verständlich. Wenn ihr mir den Pfeil wiedergebt, reiche ich ihn Euch“, entgegnete sie lächelnd.
      Das Schwert versuchte erfolglos ein Kichern zu unterdrücken.
      „Ihr seht nicht wie ein Bogenschütze aus, einen Bogen habt Ihr nicht, Ihr interessiert euch auch nicht für meine Bögen. Ihr braucht den Pfeil also sowieso nicht.“
      „Da habt Ihr wohl leider recht“, übertönte er das Lachen in seinem Kopf.
      Während die lächelnde Dame den Pfeil in einem Köcher verschwinden ließ, setzte sich der Held den Helm auf. Er passte erstaunlich gut und sobald er mit den Händen das Visier bedeckte, bestätigte sich seine Vermutung. Nach einem kurzen Moment der Dunkelheit konnte er seine Handinnenflächen deutlich sehen – in abgestuften Rottönen.
      Infravision. Nett… OH, PRIMA!, fiel dem Schwert nun auf. Dann können wir uns jetzt auch nachts durch unsere Feinde metzeln und du kannst dieses blöde Schlafen endlich sein lassen.
      "Abwarten", bremste der Held den Begeisterungssturm.
      „Was meinen Sie damit?“, fragte die Bogenmacherin interessiert.
      „Wie viel verlangen Sie für diesen hübschen Helm?“, überging er die Frage.
      Es dauerte eine Weile, bis die junge Frau antwortete.
      „Ich denke, nichts Geringeres als Euer hübsches Schwert.“
      Wie bitte?!
      „Wie bitte?!“, wiederholte der Held.
      „Nun“, erklärte sie, „Euch ist offensichtlich aufgefallen, dass dieser »hübsche Helm« weit mehr ist, als »hübsch«.“ Sie bedeckte ihre Augen mit den Händen und zwinkerte ihm dann durch ihre geöffneten Finger hindurch zu. „Aber… Euer »hübsches Schwert« scheint mir auch mehr zu bieten zu haben als einen Heptironknauf…
      Maaaaaan…, stöhnte das Schwert.
      Stille. Nachdenklich und abwägend.
      Heyheyhey! Hör auf! Nicht an sowas denken!, verlangte sie empört. Ich hing schon mal an so einer dämlichen Wand, das ist todlangweilig!
      Der Held wog noch immer ab.
      Hallo?! Du würdest mich doch nicht ernsthaft verkaufen?! Niemand ist so, ähm, gut geeignet mich zu führen wie du!
      Der Held grinste und fasste einen Entschluss.
      Tu mir das nicht an! Wir sind doch so ein tolles Gespann!, bettelte die Stimme weinerlich.
      „Das Schwert ist unverkäuflich… leider.“
      Die Stimme machte ein Geräusch, als erlitte sie einen Herzinfarkt.
      „Ich… ich verstehe“, antwortete die junge Frau und ihr Lächeln verschwand. „Habt ihr noch an anderen Waren Interesse?“
      „Nein, ich denke nicht. Gute Geschäfte!“, verabschiedete er sich.
      „Lebt wohl.“
      Im Hinausgehen nickte der Held noch dem Schmied zu und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
      Puh…, keuchte die Stimme. Ich… ich hab echt kurz geglaubt, dass… dass du… man, war das gruselig…
      „Ein Helm ist eben keine sonderlich effektive Waffe“, zuckte der Held mit den Schultern. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass sie so dreist ist“, schüttelte er den Kopf. „So leicht lasse ich mich dann doch nicht ausnehmen.“
      Dir ist aber schon klar, dass sie dich voll übers Ohr gehauen hat, ja?
      „Was meinst du damit?“
      Hm, du bist echt erstaunlich. Du kannst Heptiron erkennen, aber Kupfer nicht von Rost unterscheiden.

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