Wortgefechte

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    • Wieder mal sehr schöne Ideen :) . Ich find's auch gut, dass das Ende des Kampfes in 22b nicht lustig ist.

      Beim Kampf in der Arena hat mich allerdings der Anfang verwirrt. Du sagst weiter hinten zum Glück nochmal konkret, dass der Held statt der Frau in den Kampf geht. Von mir aus könnte das auch am Anfang stehen. Mir war nämlich nicht klar, vor was er die Frau rettet. Oder ist die Verwirrung so angedacht?

      Hat die Zauberin in der letzten Geschichte eigentlich einen Unkrautvernichtungszauber erfunden? :wizard:

      LG LLW
    • Neu

      25

      Zusätzlich zu den vertrauten Stadttoren kam nun auch ein stämmiger Mann, kaum älter als der Held selbst, in Sicht. Er schien es jedoch nicht besonders eilig zu haben.
      Sag mal, brennt sein Gesicht etwa?, fragte das magische Schwert mit leichter Besorgnis.
      „Sag nicht, dass das der erste Raucher ist, dem du begegnest!“, wunderte sich der Held und fasste den Entgegenkommenden genauer ins Auge. Was auch immer er da rauchte, es qualmte wirklich wie ein Waldbrand im Mai. Und je näher er kam, desto wunderlicher wurde es. Entweder versteckte der Mann seine Waffen außerordentlich gut oder er trug tatsächlich keine bei sich. Zudem wirkte seine saubere Kleidung weder robust noch magisch verstärkt.
      Na, neugierig?
      „Seid gegrüßt!“, rief der Held dem Fremden zu, der lässig winkte. „Wohin führt Euer Weg?“
      „Das weiß ich, wenn ich dort bin“, entgegnete der Mann lachend und nahm den dampfenden Stängel aus dem Mund.
      „Ihr wirkt nicht besonders gut vorbereitet für eine Reise… darf ich fragen, warum Ihr dennoch so unbeschwert seid?“
      „Ich habe endlich Urlaub!“, strahlte der Mann.
      Häh?, erklang die Stimme und der Held setzte die Frage mimisch um.
      „Urlaub!“, wiederholte der Fremde etwas eindringlicher. Als sein Gegenüber immer noch nicht reagierte, bot er ihm sein Rauchstäbchen an und der Held nahm einen Zug. Der ausdörrende Qualm reizte seine Kehle, löste Husten, Schwindel und ein dumpfes Glücksgefühl aus.
      „Ich bin der Tjostschmied der Stadt und das letzte Turnier des Jahres ist seit zwei Tagen vorbei“, erklärte der Mann über das Husten hinweg.
      Was hat das denn jetzt mit diesen alten Blättern zu tun?, überlegte das Schwert angestrengt.
      „Ur… laub?“, fragte der Held nach und räusperte sich mehrmals, um seine Lunge zu entqualmen.
      „Hm, Ihr seid vermutlich einer von diesen Selbstständigen… »Urlaub« steht für frei verfügbare Erholungszeit und da ich gern wandere, wollte ich diesmal vielleicht nach Baelin“, erklärte der Schmied.
      „Hm…, und wovon müsst Ihr Euch erholen? Habt Ihr Euch in der Schmiede verletzt?“, wollte der Held wissen und musterte aufmerksam Arme und Beine des Mannes.
      Hat wohl seinen Kopf mit dem Amboss verwechselt, mutmaßte das Schwert und kratzte sich sinnbildlich am Heft.
      „Darf ich fragen, wie Ihr Euer Leben bestreitet?“, entgegnete der Mann stattdessen.
      „Ich? Ich bin Abenteurer“, sagte der Held und zog seinen Mantel über die Schwertscheide zurück.
      „Ah, selbstständig. Sag ich doch!“, nickte der Mann mit offensichtlichem Mitleid. „Nun, ich hatte natürlich keinen Arbeitsunfall, für meinen Dienst steht mir der Urlaub einfach so zu.“
      „Einfach so?“, staunte der Held.
      „Einfach so“, bestätigte der Schmied.
      Einfach so!, wiederholte die Stimme fassungslos. Oh, oh…
      Der Held verlangte erneut nach dem Rauchstäbchen und sog daran. „Was ist das eigentlich für ein Kraut?“, fragte er mit zusammengekniffenen Augen.
      „Hab ich aus der Stadt… fragt einfach nach Magenbrechers »Drachenodem«. Hoffentlich gibt Euer Geldbeutel so viel her… und Eure Konstitution“, erwiderte der Mann lachend und schlug dem Helden auf die Schulter. „Ich gehe jetzt, sonst ist mein Urlaub vorbei, bevor ich Baelin auch nur von Weitem gesehen habe. Gehabt Euch wohl… oh, und grüßt den alten Magenbrecher von mir!“, bat er und reichte dem Helden zur Verabschiedung eine starke, schwielige Hand. Dann ließ er den Helden stehen.
      Ja, dann lass uns mal diesen Magenbrecher suchen, oder?, schlug das Schwert rasch vor.
      „Urlaub“, sprach der Held das ominöse Wort aus und sah dem Schmied nach. „Urlaub. Ur… laub.“
      Drachenodem. Drachen… odem, versuchte es die Stimme angespannt.
      „Urlaub, ja!“
      Oh nein!
      „Das könnte ich eigentlich auch mal gebrauchen“, verkündete der Held und betrachtete den fast wolkenlosen Himmel. Die Möglichkeiten schienen auf einmal unbegrenzt. „So ein wenig Abwechslung von dem ganzen Alltagskram…“
      Also von diesem blöden Essen und Trinken?
      „Ich meine: Keine Kämpfe, Höhlen und Kerker, keine dummen Kurieraufträge, keine Untoten, Schleimmonster, Drachen, Pilze… nur neue Leute und Länder kennenlernen, gutes Essen, in der Sonne dösen…“
      Und was genau erhoffst du dir davon?
      „Erhoffen?“
      Na, WOZU?
      „Na, weil es einfach schön und entspannend sein wird. Ich habe genügend, ähm, Rücklagen, um, hm…, um ein paar Wochen »frei« zu sein!“, stellte er erfreut fest.
      Bloß nicht! Da wirst du ja noch schwerfälliger! Willst du jetzt allen Ernstes wochenlang völlig ziellos durch die Gegend latschen… am besten noch mit Drachenodem im Mund?!, entrüstete sich die Stimme.
      „Ich sehe da kein Problem.“
      Aber –
      „Nein.“
      ABER!
      „Hach, ok!“, lenkte der Held ein. „Was würdest DU denn im Urlaub… ach, vergiss es, du willst natürlich irgendwas bekämpfen oder niedermetzeln…“, besann er sich.
      Ja, sagte die Stimme vorwurfsvoll, weil ich das eben gern mache!
      Eine Weile schwiegen beide und der Held schritt weiter auf das nahe Stadttor zu.
      Och, na gut!, grummelte die Stimme schließlich. Aber wenn uns jemand dumm kommt, habe ICH Urlaub!
      Wortgefechte

      Jetzt kam er sich schmutzig vor.
    • Neu

      Wie immer, @bigbadwolf: Ein Text, gespickt mit kleinen Feinheiten und wohldurchdachten Formulierungen, die es einem unmöglich machen, das Ganze mal fix nebenbei zu lesen. Also: Kaffee machen, hinsetzen, lesen - und genießen. Wie im Urlaub :rofl:
      Der letzte Satz war der Brüller. :thumbup:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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