Fate- Another Story

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    • Fate- Another Story

      Wie ihr schon wisst, habe ich angefangen, eine Maze Runner- Fanfiction zu schreiben. Und irgendwie, irgendwie habe ich es (mal wieder) geschafft, daraus zwei Geschichten entstehen zu lassen. Daher habt ihr jetzt das Vergnügen (oder auch nicht, wenn ihr keine Fanfictions mögt), euch mit Version Zwei herumzuschlagen- die aber, als kleine Anmerkung, im Begriff ist, viel länger und umfangreicher zu werden, und auch einen komplett anderen Handlungsstrang hat als Version Eins. Ein paar Abschnitte, vor allem in Kapitel Eins, überschneiden sich aber vom Text her, weil es da einfach zu beiden Versionen gepasst hat.


      Von daher, hier wäre der Prolog dazu:

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      Vor vielen Wochen geschah das Schreckliche, vor dem sich Jeder unter Ihnen gefürchtet hatte, seit sie es erfahren hatten.
      Er war fort. Er hatte seinen Tod frei gewählt, er hatte sich selbst den Dolch ins Herz gestoßen.
      Es hatte sie alle tief getroffen, aber Thomas fühlte sich verantwortlich dafür- er machte sich die größten Vorwürfe, weil er zugelassen hatte, dass es so weit gekommen war. Newt war gestorben, weil er, Thomas, unbedingt in die Stadt wollte, um Wicked ein für alle Mal den Garaus zu machen. Er hätte seinem minderjährigen Freund niemals erlauben sollen, dass er mitkommen durfte. Newt war der Bruder gewesen, den er wahrscheinlich nie hatte- und er war ihm überall hin gefolgt. Und was hatte er getan? Er hatte ihn in den Tod getrieben.
      Seine Gedanken wanderten zu dem Ort, wo die Leiche seines Freundes heute noch liegen musste…

      Blaue, helle Streifen zogen sich unter der blassen Haut des Toten über den ganzen steifen Körper, der mit seltsam verdrehten Armen und Beinen auf dem kalten Stein eines Platzes inmitten der Ruinen von Wohnhäusern und Fabrikgebäuden lag. Seine schwarzen Augen starrten ins Leere, kein Schimmer Menschlichkeit war mehr in Ihnen, das Virus hatte das wunderschöne Grün seiner einst so strahlenden Augen aufgefressen. Der Dolch mit dem schwarzen Ledergriff, der das Leben des zweiten Anführers beendet hatte, als er beinahe schon nicht mehr er selbst war, ragte zwischen dem zerfetzten Stoff des Leinenhemdes aus der eingesunkenen Brust. Und überall war Blut- schwarzes, gestocktes, eingetrocknetes Blut eines Menschen, der sein Leben für eine größere Sache geopfert hatte.

      Würde man sich all diese Dinge, die den Toten so entehrten, wegdenken, könnte man glauben, er würde dort auf dem Boden liegen und in die weißen Wolken starren, die in Fetzen über den blauen Himmel über ihm zogen. Aber in den schwarzen Pupillen waren die Wolken nur graue Schatten über einer längst vergangenen Seele, die sich nicht mehr an Ihnen erfreuen konnte.

      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Damit @Tariq von ihrem "Ach Menno..." wegkommt, Kapitel Eins (ist auktorial geschrieben) :D



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      Ein plötzlicher Windstoß wirbelte den gesamten Staub auf dem Plateau auf, wie ein Wirbelsturm zwirbelten Dreck und Gesteinsbrocken um Newts Leiche herum, als wie aus dem Nichts ein kleines Hovercraft in den Landeanflug auf die freie Fläche zu seinen Füßen ging. Der Wind blies die mit Blut verklebten blonden Haare aus dem verzerrten Gesicht des Jungen, während der Pilot des Flugzeugs die Haltearme ausfuhr, die es stützen sollten. Nachdem die Ladeklappe ausgefahren war, trampelten aus dem dunklen Bauch ein paar Soldaten, vier an der Zahl, mit Planen und einer Trage bewaffnet zu der Leiche und luden sie darauf, um sie mitzunehmen. Dies geschah ebenso schnell wie leise, aber ein Augenpaar, zu Schlitzen zusammengekniffen, beobachtete den Raub der Leiche verärgert und verschwand so schnell wie möglich wieder im Schatten, als das Hovercraft abhob, um nicht entdeckt zu werden. Doch den Namen „Wicked“, der in weißen Buchstaben auf das Heck der Maschine gedruckt war, prägte es sich genau ein.
      Die Person, zu der die braunen, verärgert blitzenden Augen gehörten, griff zu einem Fernsprechgerät, das sie stets an ihrem Gürtel bei sich trug.
      „Neil, hier ist Sheyle. Ich bin gerade in der Stadt unterwegs und du glaubst nicht, was ich hier in Sektor C eben gesehen habe. Ein kleines Transportflugzeug von Wicked hat eine Zombieleiche auf einem Platz eingesammelt und mitgenommen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, entfernte sie sich schnellstmöglich vom Ort, denn sie wusste nicht, wer noch hier war und ob sie nicht gar beobachtet wurde.


      „Meinst du, sie führen Versuche an der Leiche durch, um herauszufinden, wie man den Virus stoppen könnte?“ Sheyle trat an den Tisch neben den Anführer ihres unterirdischen Unterschlupfes und knallte die schmutzigen Handschuhe und das Funkgerät auf das morsche Holz. Dann deutete sie mit einem ihrer langen Fingernägel auf eine Stelle auf dem Stadtplan, der ausgebreitet dalag.
      „Da haben sie die Leiche aufgegriffen. Ich weiß echt nicht, wieso sie sich gerade Diesen ausgesucht haben. Sie hätten jeden beliebigen toten Zombie mitnehmen können. Die gibt es in den Straßen ja gerade zu Spottpreisen.“ Ein heiseres Lachen drang aus ihrem Mund. Schnaubend wandte sich Neil ihr zu und blickte ihr wütend ins Gesicht.
      „Sheyle, dein idiotischer Humor ist hier gerade wirklich fehl am Platze! Kapierst du denn nicht, dass Wicked keine halben Sachen macht und sie wirklich nur Interesse an dieser einen ganz bestimmten Leiche hatten? Aber wieso. War irgendetwas besonders an dem Toten?“, herrschte der Schwarzhaarige sie an.
      „Nein. Die gleichen schwarzen Augen und die blauen Adern unter schneeweißer Haut wie bei jeder Anderen auch. Keine Auffälligkeiten.“, gab sie resigniert preis.
      „Danke. Du kannst jetzt gehen. Und ihr Anderen auch.“ Die Ratsmitglieder, die noch im Hauptgebäude anwesend waren, drückten sich an ihr vorbei durch die schmale Tür nach draußen.
      Als auch sie sich zum Gehen wenden wollte, packte Neil sie am Arm und zog sie an sich.
      „Sheyle, ich… Ich weiß, du bist eine kluge junge Frau. Und es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe. Aber ich glaube wirklich, dass Wicked einen Sinn hinter dieser heutigen Aktion sieht. Wenn es etwas bringen würde, an den Zombies zu forschen, dann hätten sie das längst schon getan. Nein, das muss andere Hintergründe haben.“ Er legte seine Lippen auf Ihre und küsste sie innig, doch sie drückte ihn weg.
      „Wenn es wirklich so ist, wie du sagst, dann haben wir jetzt keine Zeit, so zu tun, als wäre nichts und uns zu küssen. Ehrlich, du weißt, ich liebe dich, aber unsere Prioritäten sollten jetzt woanders liegen.“
      „Du hast recht. Lass uns herausfinden, was Wicked vorhat.“
      Sie lächelte.
      „Sehr gut. Wir sollten Wachen dort postieren. Falls sie wiederkommen.“




      Thomas

      Wieder einmal drehte er die kleine Kapsel mit dem Abschiedsbrief von Newt in den Händen und dachte an den zweiten Anführer, der, nachdem er ins Labyrinth kam, sein bester Freund geworden war, und jetzt für seine Sache sterben musste. Er würde alles tun, um Newt zurückzuholen, wenn er nur nicht wüsste, dass alles vergebens sein würde. Das entstellte Gesicht seines treuen Freundes quälte ihn jede Nacht aufs Neue in seinen Träumen. Keine ruhige Nacht war für Thomas vergangen, seit Newt gestorben war. Mehr noch als Teresas Leben wünschte er sich, Newt würde dort am Lagerfeuer bei den Anderen sitzen und mit Ihnen über einen schlechten Witz lachen. Er wünschte sich jeden Abend, bevor er einschlief, dass sein Name anstatt Newts auf diesem Stein stünde. Newt war der Bruder für ihn gewesen, den er nie hatte. Und nun war er fort.
      Und es war alles nur seine Schuld. Er hätte niemals erlauben dürfen, dass Newt ihn begleitet. Er hätte einfach alleine in die Stadt gehen sollen. "Bitte, Thomas. Lass mich nicht zu einem von Ihnen werden." Noch heute hörte er manchmal Newts Stimme in seinem Kopf. Thomas wusste, Newt hatte den Gedanken verabscheut, ein Zombie zu werden.
      Er hätte ihn erschießen sollen- es wäre allemal gnädiger gewesen als ihn sich selbst erstechen zu lassen.
      Seufzend ließ sich der Junge in seine Hängematte fallen und starrte am Zeltdach vorbei in den Himmel.
      "Thomas?" Jemand näherte sich seinem Schlafplatz. Es war das Mädchen, das er am Vortag fast über den Haufen gerannt hatte.
      "Thalia." Er setzte sich wieder auf und klopfte auf den Stoff seiner Matte, um sie zu sich einzuladen. Sie ließ ihren schlanken Körper neben ihn plumpsen und sah ihn forschend an.
      "Denkst du wieder an Newt?" Wie sie seinen Namen mit ihrer tiefen, ungewohnten Stimme aussprach, stach etwas in seiner Brust- das Thema war ihm sehr unangenehm. Und seit Teresas Tod hatte er nur mit Brenda gesprochen.
      "Ja. Ich wünschte, ich wäre an seiner Stelle. Er sollte hier sitzen und nicht ich."
      Leise seufzend antwortete Thalia: "Ich hätte ihn gerne kennengelernt. Was du so erzählst, scheint er ein super Freund und Mensch gewesen zu sein."

      "Er war der Beste."
      Für einen Moment legte sich das Schweigen über die Beiden, die so ganz und gar abseits von allen anderen saßen. Doch dann brach aus Thomas alles hervor, was er noch nie Jemandem sonst erzählt hatte:
      "Er war der Einzige, der mir im Labyrinth vertraut hat, er stand immer auf meiner Seite. Er ist mir überall hin gefolgt- sogar in den Tod. Und selbst als er starb, war er noch stärker als ich. Ich konnte es nicht- ich konnte ihn nicht erschießen, so sehr er mich auch anflehte, es zu tun. Da erstach er sich selbst. Ich kannte noch nie einen so starken Menschen. Er sollte an meiner Stelle sein, Thalia. Er sollte hier sitzen und sich mit dir über mich unterhalten, denn er würde irgendwann meinen Tod verkraften und weitermachen, er würde es schaffen, nach vorne zu schauen. Und ich, ich lese immer wieder diesen Brief und sehe ihn vor meinen Augen sterben. Ich hätte ihn niemals mitnehmen dürfen. Mein Name sollte auf diesem Stein stehen. Nicht seiner. Weil er ein Held ist. Und ich ein Feigling… Ich habe ihn sterben lassen."

      "Wir werden ihn nie vergessen."
      "Du kanntest ihn doch gar nicht."
      Tröstend nahm das Mädchen Thomas' Hand, während er zum ersten Mal seit ihrer Flucht in der Dämmerung um seinen verlorenen Freund weinte und sich dafür verfluchte, Newt das angetan zu haben.




      Wicked

      Das Lastenflugzeug landete auf dem Dach des höchsten Gebäudes der Stadt, wo schon eine schwarz gekleidete Person wartete, um den Toten in Empfang zu nehmen.
      Nervös zupfte sie an ihren ledernen Handschuhen herum, um die Stelle aufzulockern, wo der etwas zu kleine Siegelring sich durch das Leder in ihr Fleisch bohrte und das Blut abquetschte. Die Lederkluft, in die man sie gesteckt hatte, gefiel ihr ebenfalls nicht- sie juckte und scheuerte an unangenehmen Stellen, vor allem zwischen ihren Beinen.
      Nachdem die Ladeklappe mit einem scheppernden Geräusch auf den Boden gekracht war, lief sie geduckt, um ihre Frisur einigermaßen zu wahren, auf das Fluggerät zu, und wartete, bis die Männer ihr die Bahre übergeben hatten, um sie ins Gebäude zu fahren.
      Das entstellte Gesicht des Zombies mit seinen leeren, ausdruckslosen Augen schien direkt in ihre Seele zu starren- als wüsste er, warum sie seine letzte Ruhe gestört hatten. Für einen Moment glaubte sie sogar, aus den Augenwinkeln gesehen zu haben, wie seine linke Hand zuckte. Dann schüttelte sie entrüstet den Kopf und schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, der sich beim Anblick der Leiche gebildet hatte. Doch der Gedanke, dass ihr Vater immer recht damit hatte, wenn er sagte, dass sie niemals in die Forensik gehen sollte, weil es nichts für sie wäre, bahnte sich in ihren Kopf und ließ sie nicht mehr los. Am liebsten würde sie zu Boden sinken und schreien, weil sie den blutleeren Körper nicht einmal mit Handschuhen anfassen wollen würde, den sie neben sich herzog. Aber dieser Auftrag wurde ihr von oberster Stelle zugetragen und sie würde ihn wohl oder übel ausführen müssen.
      Als sie das fahrbare Gestell durch die metallene Tür ins Gebäude zog, klemmte sich einer der Reifen an der Leiste fest, die zwei Zentimeter über den Boden stand. Sie stemmte sich dagegen, aber der Wagen rührte sich nicht. Und der Soldat, der ihr die Tür aufhielt, stand nur regungslos da und dachte scheinbar gar nicht daran, ihr zu helfen.
      Sie räusperte sich und herrschte den Offizier an: „Denken sie nicht, es wäre höflich, mir zu helfen?!“
      „Natürlich, Mam.“ Der in olivgrün gekleidete Mann salutierte kurz und hob dann das hintere Ende, wo die Füße des Toten über die Bahre hinausstanden, an. Fassungslos strich sie sich über den weißen Kittel, ihre Arbeitskleidung, und stolzierte mit zurückgeworfenen Haaren den Gang hinunter, die Reifen des Wagens klackerten jedes Mal, wenn sie über eine Kachel fuhren, und brachten ihr die Aufmerksamkeit der ganzen forensischen Abteilung ein.
      Am Ende des Ganges rangierte sie in einen weiß gestrichenen Raum, stellte die Leiche dort ab und flüchtete dann schnell durch die nahegelegene Tür wieder nach draußen. Sie nahm einen tiefen Atemzug und begrüßte dann die leitende Forensikerin, die den Jungen begutachten würde, bevor sie ihn in eine luftdichte Zelle sperren würden, denn einen Aufbewahrungsort für Tote gab es im Wicked- Wolkenkratzer nicht.
      Die Frau strich dem Jungen eine blonde Strähne aus dem Gesicht und stockte.
      „Nein. Das kann nicht sein.“ Ihr faltiges Gesicht verzog sich zu einer traurigen Miene, dann stürmte sie unter Tränen aus dem Raum. Joanna verstand die so plötzliche Sentimentalität ihrer Mentorin nicht. Sie lief hinaus auf den Gang und rief: „Frau Kemansky! Wo wollen sie denn hin? Was soll ich mit der Leiche machen?“
      „Schaffen Sie sie weg! Ich habe genug gesehen!“, schallte es durch den Gang zurück an ihr Ohr. Seufzend drehte sie sich um und tippelte bedrückt zurück in das Behandlungszimmer, wo sie verwirrt auf den toten Jungen hinab starrte und sich fragte, was an ihm so besonders war, bis einer ihrer Kollegen aus dem gegenüberliegenden Raum kam und sie entdeckte.
      „Joanna? Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich besorgt. Sie warf ihm nur einen finsteren Blick zu, der ihrer Meinung nach alles sagte, was sie sich gerade dachte.
      „Wouh. Jo, der hat sich gerade bewegt. Geh weg da!“ Sie wurde am Arm vom Tisch weggezogen und hörte nur, wie die Tür hinter ihr zugeknallt und abgeschlossen wurde.
      „Du spinnst doch. Der ist seit Tagen tot, der Leichenstarre nach zu urteilen. Wie soll er…“ Sie wurde in ihrer Tirade unterbrochen, als es von drinnen leise klopfte, und stürzte zur Tür. Fast klebte sie mit dem Gesicht an der Glasscheibe, so fasziniert war sie von den Zuckungen, die in regelmäßigen Abständen durch den tot geglaubten Körper liefen.
      „Hol die Chefin, schnell!“, befahl sie ihrem Kollegen mit harscher Stimme.
      Die Schritte ihres Kollegen entfernten sich schnell über den gefliesten hellblauen Boden und schon wenige Minuten später kam er mit der Chefärztin zurück.
      „Sehen sie sich das an“, platzte es aus Joanna hervor- seit fünf Minuten waren die Muskeln des Jungen ständig in Bewegung.
      „Das ist… unglaublich. Okay, schließen sie ihn an alle Geräte an, die wir zur Verfügung haben. Und schnallen sie ihn am Tisch fest. Nicht, dass sein Zombieverhalten zum Vorschein kommt und er uns angreift.“
      Unter strenger Aufsicht der zwanzig Jahre älteren Frau taten ihr männliches Gegenüber und sie, was ihnen angeschafft wurde. Dabei ließ Joanna jedoch keine Sekunde lang das Gesicht der Leiche aus den Augen, denn sie hatte Angst, er würde sie anspringen und beißen. Erst, als seine Hände am Tisch festgebunden waren, wagte sie es, erleichtert auszuatmen.
      Sie verließ den Raum und stellte sich neben die erfahrene Ärztin.
      „Wieso sind sie gerade eben so schnell weg?“
      „Das ist eine persönliche Angelegenheit, Praktikantin. Das geht sie nichts an.“
      Respektvoll nickte Joanna mit dem Kopf und klackerte dann mit ihren kleinen Absätzen an den Schuhen den Gang hinauf, aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass ihre Chefin ihr etwas verschwieg und mehr wusste, als sie zugab.

      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Mal Kapitel Zwei :)


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      Der sichere Hafen


      Thalia

      Thalia marschierte entspannt an der Brandung entlang und sah aufs offene Meer hinaus. Ihr langes schwarzes Haar wehte in der steifen Brise, die heute die See aufwühlte und ihr salzige Tropfen entgegen schoss. Sie blieb stehen und wandte sich vom Wasser ab, um mit dem Stoff ihres T- Shirts ihr Gesicht zu trocknen, da fiel ihr Blick auf Thomas, der mit gesenktem Haupt auf einer der Bänke am Lagerfeuer saß, welches aber wegen dem Sturm nicht angezündet war. Es würde die erste Nacht von vielen sein, in der das Feuer nicht brannte- sonst starrte der junge Mann immer in die Flammen, als wären sie seine letzte Hoffnung, aber heute blieb ihm sogar das verwehrt. Er tat ihr richtig leid- es musste schrecklich sein, einen Freund zu verlieren. Und sie wusste nicht einmal, wer Newt war und wie er war. Sie kannte nur den Namen auf dem Stein, auf dem alle standen, die es nicht hierher in den sicheren Hafen geschafft hatten und stattdessen ihre letzte Reise in den Himmel angetreten hatten. Seufzend strich sie sich die Tropfen aus ihren Haaren und stapfte zu ihm ans Lagerfeuer. „Hey…“, wisperte sie ihm zu, aber er rührte sich nicht. Thalia sah die schreckliche Wut, die in seinen Augen aufblitzte, als sie ihn ansprach, und erhob sich leise wieder- es hätte keinen Zweck, jetzt auf ihn einzureden. Betroffen setzte sie sich in ihre leinene Hängematte und beobachtete durch die Dunkelheit die Silhouette des grimmigen Thomas, sie wollte ihm irgendwie helfen- aber sie konnte es nicht. Denn niemand konnte die Toten zurück ins Leben holen.
      Aber sein Gemütszustand wirkte sich auf die gesamte Atmosphäre im Lager aus, und es wurde schlimmer. Keiner schien mehr Lebensfreude zu verspüren, alle waren nur mit sich selbst beschäftigt und in ihren Gedanken versunken. Sie fühlte sich allein, als wäre sie das einzige Wesen auf dieser Welt, das noch irgendeinen Sinn im Leben sah.
      Doch Newts Geist begann auch in ihren Gedanken herum zu spuken- sie fragte sich, wer er wohl gewesen sein mochte, dass er selbst nach seinem Tod noch so großen Einfluss auf seine Freunde hatte. Es war ihr klar, dass sie noch lange trauern würden, aber das Leben schien zum Stillstand gekommen zu sein. Wie konnte ein einziger Mann alle so in seinen Bann ziehen?
      Am liebsten wollte sie sie alle anschreien, dass sie aufstünden und weitermachten.
      Newts Tod schien eine größere Macht über ihre Mitbewohner zu haben, als sie je erahnen könnte.


      Thomas

      Er hob den Kopf und sah zu Thalia hinüber, die zusammengesunken in ihrer Hängematte saß und verspürte plötzlich Schuldgefühle, weil er sie so böse angesehen hatte und beinahe noch etwas Falsches gesagt hätte, wäre sie nicht vorher abgehauen- sie hatte ihm ja nur Beistand leisten wollen. Langsam schlich er zu ihr hinüber und setzte sich vor ihren Füßen in den kalten, klammen Sand.
      „Thalia, es…“, setzte er an, aber er wurde harsch unterbrochen.
      „Sag mal, was glaubst du eigentlich? Glaubst du, das macht Spaß? Ihr alle dümpelt nur dahin in eurer Trauer und keiner sagt mir, wer dieser Newt eigentlich war, dass ihr ihn selbst nach seinem Tod noch so vergöttert!“, schrie sie ihm ins Gesicht und sprang auf. „Lasst mich doch einfach alle in Ruhe!“ Thomas wollte sie am Arm festhalten, aber sie riss sich los und klatschte ihm ihre Hand mitten ins Gesicht.
      „Fass mich nicht an, verdammt! Geh doch zu deinen Freunden und blase mit Ihnen Trübsal. Aber ich werde das hier nicht mehr länger mitmachen!“
      Entsetzt hielt er sich die Wange und rieb mit der linken Hand über die schmerzende Stelle, Tränen standen in seinen Augen, weil Thalia einfach nicht verstehen konnte, was Newt für ihn war. Er hatte sich in ihr getäuscht und fühlte sich betrogen in seinem Vertrauen in sie.

      Brenda beobachtete das Geschehen geschockt von der einzigen Lichtquelle aus, die an diesem Abend brannte- dem riesigen Kerzenständer im Eingang der Lagerhalle.



      Entrüstet lief Thalia hinüber zu den Toiletten, der Sand rieb zwischen ihren nackten Zehen. Thomas sah ihr mit großen, entsetzten und tränennassen Augen nach. Sie schlug die hölzerne Tür einer Kabine hinter sich zu und kauerte sich auf dem Klodeckel zu einem kleinen Päckchen zusammen, wo sie anfing zu schluchzen.
      Die Tränen rannen ihr in Bächen über das schmutzige Gesicht und dort, wo sie auf die Haut trafen, nahm diese langsam wieder die blasse Farbe an, mit der ihr ganzer Körper gespickt war. Voller Frust stand sie schließlich auf und wusch sich das ganze Gesicht in der Hoffnung, dass es ihr dadurch wieder besser ginge, bis ihr Shirt oben durchnässt war, weil das Wasser darauf tropfte. Aber es half nichts. Thalia betrachtete sich im Spiegel und fragte sich, was aus Ihnen allen geworden war. Da klopfte es an der Tür.
      „Thalia?“ Es war Thomas.
      „Komm raus. Es tut mir leid.“
      Mit dem betrübten Unterton in seiner Stimme klang es, als würde er es ernst meinen.
      „Geh weg!“, fauchte sie ihn an und schlug von innen gegen ihre Seite der Tür.
      Dann ließ sie sich mit dem Rücken daran zu Boden sinken und wartete, bis er verschwunden war.
      Als seine Schritte sich entfernten, erhob sie sich und spähte durch einen Spalt im Holz, ob die Luft rein war. Quietschend öffnete sich die Tür vor ihr und ließ kalte Nachtluft zu ihr herein, sodass sie zu frösteln begann.
      Sie rannte auf Zehenspitzen durch die Dunkelheit und schlich sich in ihr Schlafabteil, wo sie ihren Kopf auf das Kissen in der Hängematte bettete. Das Mädchen spürte den durchdringenden Blick von Thomas in ihrem Rücken, aber sie ignorierte ihn und schloss die Augen.

      Thomas fand nicht viel Schlaf in dieser Nacht, denn er konnte nicht fassen, dass Thalia von so geringem Verstand war, Newt´s Andenken herabzuwürdigen.


      Als er am nächsten Tag erwachte, schaukelte Thalias Hängematte quietschend im Wind und schlug immer wieder klackernd gegen einen der Pfosten, die das Schlafzelt stützten. Von ihr jedoch war keine Spur zu sehen. Müde wollte er sich umdrehen und noch ein wenig sein vom Schlaf geschwollenes Gesicht in den kalten Wind halten, der von der See heran wehte, da fielen ihm die Worte, die sie ihm am Vortag entgegen geschleudert hatte, wieder ein. Macht doch was ihr wollt, aber ich mache das nicht mehr länger mit. So in etwa hatte sie es gesagt. Nein, geschrien hatte sie es. Und plötzlich war er in Sorge um sie. Er setzte sich ruckartig auf und sah sich um, doch alle anderen waren in ihren Betten. Hektisch griff er nach seinen Schuhen, die neben ihm auf dem Boden standen, und wollte aus der Matte steigen, doch seine Beine verhedderten sich in dem Stoff und so wurde er der Länge nach hingestreckt, sein Kinn schlug schmerzhaft auf dem Boden auf. Hinter ihm regte sich etwas, ein Gesicht blickte unter dem weißgelblichen Stoff hindurch- Gally.
      „Thomas, was machst du da?“ Stöhnend richtete er sich auf die Knie auf und fasste sich ans Kinn.
      „Thalia ist weg.“, grummelte er. „Ich wollte sie suchen.“

      „Die kommt schon zurecht. Wahrscheinlich ist sie nur auf die Toilette gegangen.“, gähnte Gally ihn an.
      „Wir haben uns gestern gestritten.“, gab Thomas zu.
      „Sie war total sauer und hat mich angeschrien, sie würde nicht verstehen, was Newt so besonders mache, dass wir ihn selbst nach seinem Tod noch so verehren. Dann meinte sie, sie würde das nicht mehr länger mitmachen. Ich glaube, sie ist abgehauen, Gally.“ Die Miene seines Gegenübers verzog sich mit einem bitteren, grimmigen Blick- aber es lag auch etwas Sorgenvolles darin.
      Thomas befreite seine Beine aus dem Stoffwirrwarr und kam wieder vom Boden hoch.
      „Ich werde sie suchen gehen. Sie ist nicht sicher alleine da draußen.“ Thalia hatte zwar das Andenken seines verstorbenen Freundes beleidigt, aber deswegen konnte er sie nicht umkommen lassen. Er packte den Rucksack, der an einen Pfosten gelehnt stand, und wandte sich gen Ausgang des Zeltes. Aber Gally hielt ihn zurück.
      „Thomas. Lauf nicht wieder in dein Unglück.“ Er sah etwas in den Augen seines Anführers aufblitzten, noch nie hatte er ihn so melancholisch erlebt. Gally war forsch und unhöflich, wenn ihn etwas bedrückte, aber niemals traurig.
      „Newt würde das nicht wollen.“ Thomas klopfte ihm ermutigend auf die Schulter.
      „Newt würde nicht wollen, dass wir sie sterben lassen. Er würde vorne sitzen, das weißt du doch.“
      Seufzend gab der große, stämmige Junge nach.
      „Also gut. Ich komme mit.“

      Leise schlichen sie sich über den sandigen Boden davon ins anliegende Gebäude- jeder mit einem Beutel in der Hand-, das Vorratslager, und deckten sich mit den nötigsten Vorräten für die nächsten Tage ein. Nachdem sie ihre Rucksäcke so vollgefüllt haben, dass Thomas glaubte, die Naht würde aufspringen, griff sich jeder von Ihnen eine Machete und schob sie leise klirrend in eine Masche seines Gürtels, um noch genug Beinfreiheit zum Laufen zu haben.
      Eines der Pferde, die sie vor Wochen in einer Oase gefangen hatten und in einem selbst gebauten Paddock eingesperrt hatten, schnaubte leise, als es die beiden Schatten vorbeihuschen sah, und stob davon.
      „Scchh“, versuchte Gally die Tiere zu beruhigen.
      „Wir brauchen Transportmittel. Eines der Autos können wir nicht nehmen, das würde auffallen.“, wisperte Thomas ihm zu und lehnte sich auf die oberste Holzstrebe des Gatters.
      „Meinst du, man kann sie reiten?“ Er legte seine rechte Hand auf die Nüstern eines schwarzen Hengstes, der nahe am Zaun stand und warf Gally einen fragenden Blick zu. Der schüttelte nur heftig den Kopf, seine Haut wurde totenbleich.
      „Ich steige nicht auf eines von denen. Vergiss es, Thomas.“
      „Gut, dann bleibst du hier.“ Er öffnete das Gatter und nahm eine der Decken und einen provisorischen Gurt von einer Stange, welchen Thalia kunstvoll angefertigt hatte. Sie hatte auch die Tiere zahm gemacht und sie hoffentlich auch an einen Menschen auf ihrem Rücken gewöhnt. Einzig von dem schwarzen Tier wusste er, dass es sich reiten ließ, denn er hatte das Mädchen erst kürzlich darauf sitzen sehen.

      „Was ist? Kommst du?“ Er sah aus den Augenwinkeln, wie Gally widerwillig nach einem Zaum griff und zu einem der Rösser marschierte.
      Bewundernd strich Thomas über das weiche Fell des Rappen und schwang seinen rechten Fuß über seinen Rücken. Erschrocken riss der Hengst den Kopf hoch und tänzelte unruhig auf der Stelle, aber er flüsterte ihm gut zu und seltsamerweise beruhigte sich das große Tier wieder. Er ließ die Zügel aus der Hand gleiten und bewunderte die wellige Mähne, die so schön weich aussah- wie es die Tiere wohl geschafft hatten, das Virus zu überleben? Das würde wohl immer ein Rätsel bleiben.
      Dann wandte er den Kopf zu seinem Kumpanen, der noch mit dem Braunen kämpfte, den er auserkoren hatte. Fünf Minuten später jedoch, nachdem Gally es geschafft hatte, einigermaßen ruhig auf dem Pferderücken zu sitzen, konnten sie endlich los.

      Sie lenkten die Pferde im Schritt den einzigen Pfad hinauf, der aus dem Lager führte. Oben zog Thomas die Zügel an, um auf die friedliche Idylle zurückzublicken.
      Er war verrückt, von hier wegzugehen.
      Aber er konnte nicht noch einen von seinen Kameraden an das Virus verlieren.


      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • @BlueRosesInMyHeart

      So, jetzt hab ich Zeit.

      Also dass ich Maze Runner nicht kenne, habe ich ja schon gesagt. Ich kann dir deshalb nur etwas sagen über das, was ich lese. ^^

      Du bringst allerhand Handlung. Es gibt jetzt schon drei Erzählstränge (Thomas & Thalia, Sheyle & Neil und die Forensik bei Wicked).
      Denen kann ich gut folgen, besonders der Wicked-teil liest sich super. Aber ich kann mir räumlich nicht richtig vorstellen, wo man ist. Gut, bei Wicked sind wir in einem Hochaus. Aber Ruinen von Wohnhäusern und Fabriken dort, wo die Leiche lag? Warum Ruinen? Gab es Krieg? Erdbeben?

      Und wo halten sich Thomas und Thalia auf? Am Meer, ja, aber was ist der sichere Hafen? Warum ist es am Meer sicher? Ich erfahre nur, dass es Zelte, Betten, Hängematten gibt und ein Haus, in dem die Vorräte sind. Auch Autos werden erwähnt. Aber warum müssen sich Thomas und Gally heimlich fortschleichen? Werden sie bewacht? Und warum suchen sie nicht erst einmal innerhalb vom sicheren Hafen nach Thalia? Ist er zu groß? Zu unübersichtlich? Für mich liest es sich so, dass sie quasi von der Hängematte weg ins Vorratslager marschieren, sich mit Vorräten eindecken und dann die Pferde besteigen. Nicht mal ein bisschen umsehen nach ihr?

      Und wozu braucht man einen unterirdischen Unterschlupf? Und wo ist der? Wer sind die Leute, die sich da aufhalten? Und da gibt es ein Hauptgebäude unter der Erde? Also wahrscheinlich auch noch andere... Und diese Ratsmitglieder, was ist das für ein Rat?

      Ich weiß nicht recht, was ich damit machen soll, Blue. Ist das bei FanFiction so, dass es generell nur für Kenner der Originalstory gedacht ist? Dann würde ich mich hier an der Stelle ausklinken (nicht böse sein).
      Aber wenn du tatsächlich auch Leser erreichen möchtest, die Maze Runner nicht kennen, dann lass uns nicht verhungern ^^ Füttere uns mit ein paar Beschreibungen und vor allem Erklärungen. Von Neil weiß ich nur, dass er schwarze Haare hat und von Sheyle, dass sie lange Nägel hat. Und dass sie einander küssen. :rolleyes:
      Thalia hat schwarze, lange Haare. Aber Thomas, Gally, Brenda sind ohne die kleinste Beschreibung bis jetzt.
      Gefühle beschreibst du hingegen wunderbar. Auch das Dilemma, in dem sich Thalia befindet kann ich gut nachvollziehen.

      Ach ich hab keine Ahnung, ob ich mich richtig ausdrücke, Blue. Hoffentlich nehm ich dir nicht den Mut mit meinem Geschreibsel. Aber du kannst vielleicht verstehen, dass ich das alles vermisse, ja? Weil - ich kenn den Film (die Filme) nicht.
      Wenn du sagst, dass es nur für Insider geschrieben ist, dann ist das okay. Dann brauchst du das alles natürlich nicht zu ergänzen, denn die wissen das ja alles schon. Aber dann werde ich an der Stelle abbrechen. Verstehst du sicher, oder? :huh:
      LG Tari
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • @Tariq

      Das, was du da jetzt bemängelst, sind natürlich alles Dinge, die im Film vorkommen und daher für die, die den Film gesehen haben, bekannt. :D
      Wenn du den natürlich nicht gesehen hast, kannst du gar nicht wissen, dass der sichere Hafen der Ort ist, an den sich die Überlebenden und Immunen geflüchtet haben, nachdem sie Wicked entkommen sind.
      Das mit den Ruinen stammt auch aus dem Film, wie so ungefähr alles andere, was du angemerkt hast :)

      Ich glaube, ich muss das mit mehr Infos spicken, jap :D

      Ich weiß auch nicht, von welchem Neil du redest- aber ich glaube, du meinst Newt? :) Und der hat btw. blonde Haare, Thomas ist der mit den schwarzen Haaren. :)



      Und du nimmst mir überhaupt keinen Mut, nicht im Geringsten, du sagst ja nur, was du denkst. Völlig verständlich, wenn du die Filme nicht kennst.
      Wenn ich mal Zeit habe, überarbeite ich die Geschichte mal- vielleicht liest du ja dann wieder mit, wenn ich alles bis ins Detail beschrieben habe ;)
      Ich wollte mir hier einfach die Zeit sparen, alles nochmal ins Detail zu beschreiben- weil im Film schon die Szenerien beschrieben sind, die ich verwende. Aber ich verstehe es natürlich. Wenn man´s nicht gesehen hat, isses schwer, es sich vorzustellen.

      Danke für den Kommentar! :)


      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • @BlueRosesInMyHeart

      Hallo Blue, :gutenmorgen:
      ich bin total froh, dass du so cool auf mein Gejammer reagiert hast. *erleichtert Stirn abwisch*
      Nein, im Ernst. ich dachte einfach, ich sag dir mal, wie die Story bei jemandem ankommt, der den Hintergrund nicht kennt. Ich würde sehr gern weiterlesen, wirklich!! Drum noch mal die Bitte: lass die "Film-Nicht-Kenner" bisschen Einblick bekommen in die Szenerie. Du kannst doch super beschreiben. ^^

      Und keine Sorge, der Abo-Haken bleibt. Nur wenn du die ersten beiden Kapitel veränderst, da würde ich mich freuen, wenn du mir kurz ne Info gibst, weil - DAS erfahr ich ja dann nicht, nur neue Posts.
      Wünsch dir nen schönen Tag!
      VG Tari

      Spoiler anzeigen

      Ich meinte diesen Neil aus Kap. 1

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      „Meinst du, sie führen Versuche an der Leiche durch, um herauszufinden, wie man den Virus stoppen könnte?“ Sheyle trat an den Tisch neben den Anführer ihres unterirdischen Unterschlupfes und knallte die schmutzigen Handschuhe und das Funkgerät auf das morsche Holz. Dann deutete sie mit einem ihrer langen Fingernägel auf eine Stelle auf dem Stadtplan, der ausgebreitet dalag.
      „Da haben sie die Leiche aufgegriffen. Ich weiß echt nicht, wieso sie sich gerade Diesen ausgesucht haben. Sie hätten jeden beliebigen toten Zombie mitnehmen können. Die gibt es in den Straßen ja gerade zu Spottpreisen.“ Ein heiseres Lachen drang aus ihrem Mund. Schnaubend wandte sich Neil ihr zu und blickte ihr wütend ins Gesicht.
      „Sheyle, dein idiotischer Humor ist hier gerade wirklich fehl am Platze! Kapierst du denn nicht, dass Wicked keine halben Sachen macht und sie wirklich nur Interesse an dieser einen ganz bestimmten Leiche hatten? Aber wieso. War irgendetwas besonders an dem Toten?“, herrschte der Schwarzhaarige sie an.
      „Nein. Die gleichen schwarzen Augen und die blauen Adern unter schneeweißer Haut wie bei jeder Anderen auch. Keine Auffälligkeiten.“, gab sie resigniert preis.
      „Danke. Du kannst jetzt gehen. Und ihr Anderen auch.“ Die Ratsmitglieder, die noch im Hauptgebäude anwesend waren, drückten sich an ihr vorbei durch die schmale Tür nach draußen.
      Als auch sie sich zum Gehen wenden wollte, packte Neil sie am Arm und zog sie an sich.
      „Sheyle, ich… Ich weiß, du bist eine kluge junge Frau. Und es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe. Aber ich glaube wirklich, dass Wicked einen Sinn hinter dieser heutigen Aktion sieht. Wenn es etwas bringen würde, an den Zombies zu forschen, dann hätten sie das längst schon getan. Nein, das muss andere Hintergründe haben.“ Er legte seine Lippen auf Ihre und küsste sie innig, doch sie drückte ihn weg.
      „Wenn es wirklich so ist, wie du sagst, dann haben wir jetzt keine Zeit, so zu tun, als wäre nichts und uns zu küssen. Ehrlich, du weißt, ich liebe dich, aber unsere Prioritäten sollten jetzt woanders liegen.“
      „Du hast recht. Lass uns herausfinden, was Wicked vorhat.“
      Sie lächelte.
      „Sehr gut. Wir sollten Wachen dort postieren. Falls sie wiederkommen.“
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Also, ich habe spontan entschieden, ich mache hier mal weiter...

      Die Geschichte ist jetzt viel VIEL länger xD
      Eigentlich ist es auch in der überarbeiteten Version keine Fanfiction mehr, weil ich die Namen der Charaktere geändert habe und auch ein bisschen die Settings.
      Aber ich schreibe die Geschichte hier in diesem Thread weiter (möchte nicht noch einen Neuen eröffnen).

      Von dem her, den Prolog kennt ihr ja schon- der ist gleich geblieben. Aber der Vollständigkeit halber poste ich ihn hier mal nochmal mit dazu, dass man nicht ewig rumscrollen muss:

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      Vor vielen Wochen geschah das Schreckliche, vor dem sich Jeder unter Ihnen gefürchtet hatte, seit sie es erfahren hatten. Er war fort. Er hatte seinen Tod frei gewählt, er hatte sich selbst den Dolch ins Herz gestoßen.
      Es hatte sie alle tief getroffen, aber Kian fühlte sich verantwortlich dafür- er machte sich die größten Vorwürfe, weil er zugelassen hatte, dass es so weit gekommen war. Rouven war gestorben, weil er, Kian, unbedingt in die Stadt wollte, um Savage ein für alle Mal den Garaus zu machen. Er hätte seinem jüngeren Freund niemals erlauben sollen, dass er mitkommen durfte. Rouven war der Bruder gewesen, den er wahrscheinlich nie hatte- und er war ihm überall hin gefolgt. Und was hatte er getan? Er hatte ihn in den Tod getrieben. Seine Gedanken wanderten zu dem Ort, wo die Leiche seines Freundes heute noch liegen musste…

      Blaue, helle Streifen zogen sich unter der blassen Haut des Toten über den ganzen steifen Körper, der mit seltsam verdrehten Armen und Beinen auf dem kalten Stein eines Platzes inmitten der Ruinen von Wohnhäusern und Fabrikgebäuden lag. Seine schwarzen Augen starrten ins Leere, kein Schimmer Menschlichkeit war mehr in Ihnen, das Virus hatte das wunderschöne Grün seiner einst so strahlenden Augen aufgefressen. Der Dolch mit dem schwarzen Ledergriff, der das Leben des zweiten Anführers beendet hatte, als er beinahe schon nicht mehr er selbst war, ragte zwischen dem zerfetzten Stoff des Leinenhemdes aus der eingesunkenen Brust. Und überall war Blut- schwarzes, gestocktes, eingetrocknetes Blut eines Menschen, der sein Leben für eine größere Sache geopfert hatte.
      Würde man sich all diese Dinge, die den Toten so entehrten, wegdenken, könnte man glauben, er würde dort auf dem Boden liegen und in die weißen Wolken starren, die in Fetzen über den blauen Himmel über ihm zogen. Aber in den schwarzen Pupillen waren die Wolken nur graue Schatten über einer längst vergangenen Seele, die sich nicht mehr an Ihnen erfreuen konnte.



      Da ich ja die Namen geändert habe, hierzu auch noch eine kleine Info zu den Namen von Thomas und Newt, damit man noch mitkommt:

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      Newt= Rouven
      Thomas= Kian



      Die Charaktere sehen aber auch nicht mehr so aus wie die aus dem Film. Hab da ein bisschen am Aussehen gebastelt.


      In diesem Sinne gleich noch anschließend Kapitel Eins (welches ziemlich lang geworden ist, aber ich habe keine passende Stelle gefunden, um es zu kappen):

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      Ein plötzlicher Windstoß wirbelte den gesamten Staub auf dem Plateau auf und wie ein Wirbelsturm zwirbelten Dreck und Gesteinsbrocken um Rouvens Leiche herum, als wie aus dem Nichts ein kleines, graues Hovercraft in den Landeanflug auf die freie Fläche zu seinen Füßen ging. Der Wind blies die mit Blut verklebten schwarzen Haare aus dem verzerrten Gesicht des Jungen, während der Pilot des Flugzeugs den Schalter betätigte, der den Mechanismus zum Ausklappen der Haltearme aktivierte-damit das Gerät einen sicheren Stand hatte. Denn der Boden zwischen den eingestürzten, zerbombten Häusern konnte mitunter ziemlich uneben sein. Ein lautes surrendes Geräusch begleitete diesen Vorgang. Kaum, dass es ausbalanciert war, öffnete sich der metallene Bauch und ein paar Soldaten trampelten aus dem Dunkel heraus. Das grelle Licht des Tages blendete ihre Augen und manche hielten eine freie Hand vor die Sonne. Die Männer sahen alle gleich aus- fast wie Klone. Ihre Köpfe wurden von schwarzroten Helmen bedeckt und von außen undurchsichtige Visiere schützen ihre Gesichter vor den herumwirbelnden Partikeln. Sie packten den toten Körper ziemlich unsanft und warfen ihn mehr auf die Trage, als dass sie ihn legten. Niemand von ihnen wollte in direkten Kontakt mit einem dieser vergifteten Wesen kommen. Dies geschah ebenso schnell wie leise, aber ein Augenpaar, zu Schlitzen zusammengekniffen, beobachtete den Raub der Leiche verärgert und verschwand so schnell wie möglich wieder im Schatten einer von oben an Stahlträgern herabhängenden Steinplatte, als das Hovercraft abhob, um nicht entdeckt zu werden. Die Gesichter der Soldaten hatte es nicht erkennen können, doch den Namen „Savage“, der in weißen Buchstaben auf das graue Heck der Maschine gedruckt war, prägte es sich genau ein. Durch die vor Hitze flimmernde Luft war es schon nach wenigen Minuten nicht mehr am Horizont zu sehen.
      Wo es hinflog, war kein großes Rätsel. Sein Ziel würde der große, schlanke Turm im Inneren der Stadt sein, auf dem in leuchtend blauen Lettern der Name dieser verruchten Organisation stand. Die Glasfassade des Gebäudes wand sich 200 Meter in den Himmel wie eine übel gelaunte Schlange, deren Biss einen jederzeit töten konnte.

      Die Person, zu der die braunen, verärgert blitzenden Augen gehörten, griff zu einem Fernsprechgerät, das sie stets an ihrem Gürtel bei sich trug. Bei dem Gedanken an Savage drehte sich ihr der Magen um.
      „Neil, hier ist Sheyle. Ich bin gerade in der Stadt unterwegs und du glaubst nicht, was ich hier in Sektor C eben gesehen habe. Ein kleines Transportflugzeug von Savage hat eine Zombieleiche auf einem Platz eingesammelt und mitgenommen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, entfernte sie sich schnellstmöglich vom Ort, denn sie wusste nicht, wer noch hier war und ob sie nicht gar beobachtet wurde.

      Neil traute seinen Ohren kaum und glaubte, sich verhört zu haben, als Sheyles Funkspruch ihn erreichte. Paul hatte ihm das Gerät gebracht, denn eigentlich wollte er sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigen, sie war schon mehrere Stunden da draußen unterwegs, und es machte ihm Sorgen, dass sie sich nicht meldete. Da klackte es in der Leitung und ihre Stimme drang etwas verzerrt durch die verstaubten Schlitze des braunen Kästchens zu ihm heran. Die Übertragung nach hier unten funktionierte immer besonders schlecht.
      Und so hörte er nur Wortfetzen: „ Neil… Ich… gerade… Stadt. … Glaubst nicht… Sektor C. … Transportflugzeug… Savage… Zombieleiche… mitgenommen.“
      Entsetzt drückte er auf den Knopf, um ihr zu antworten, aber es rauschte nur- sie nahm das Gespräch nicht wieder an.
      Nachdenklich raufte er sich die Haare und flüsterte die Worte, die sie ihm gesagt hatte, vor sich hin.
      Dabei ließ er das Funkgerät keine Sekunde aus den Augen. Sein Herz schlug panisch schneller, als er daran dachte, dass sie mit diesen Unmenschen da draußen alleine gewesen war. Was, wenn sie sie entdeckt hätten? Neil sprang auf die Füße und lief unruhig in der Halle hin und her, leise zu sich selbst redend, um sich zu beruhigen. Aber es half nichts. Und das leise Rascheln seiner Mitmenschen um ihn herum trug nicht gerade dazu bei, dass es besser wurde. In seinen Ohren wirkte es eher wie ein lautes Rumoren, sein Kopf drohte zu platzen. Er ließ sich auf den Boden fallen und schrie in seine schmutzigen Handflächen, damit ihn keiner hörte. Doch seine Verzweiflung drang lauter aus ihm hervor, als er es beabsichtigt hatte. Alle Anwesenden hörten sofort auf, ihren Aufgaben nachzugehen, und sahen besorgt- manche auch voller Furcht- zu ihm hinüber. Aus den Augenwinkeln sah er, wie eine Silhouette sich ihm näherte. Tobias ließ sich neben ihn auf den Betonboden sinken und verschränkte seine dünnen Beine im Schneidersitz. Seine Hose knisterte, bis er endlich die angenehme Sitzposition eingenommen hatte, und legte sich an seinen Kniekehlen in Falten. Die schwarzen Strähnen, die dem Jungen ins Gesicht hingen, rutschten dabei ein Stück zurück und die blauen Augen musterten ihren Anführer voller Sorge.
      „Alles okay?“, fragte ihn der 24- Jährige.
      „Nein“, gab Neil zu. „Mich hat gerade ein Funkspruch von Sheyle erreicht. Savage hat eine Zombieleiche entführt. Was, wenn sie sie entdeckt hätten?“ Ein Zittern lag in seiner Stimme und auch seine Unterlippe bibberte vor Aufregung.
      „Es geht ihr sicher gut.“ Die zierlichen Hände seines Freundes spielten nervös mit einem Zipfel seines weißen T- Shirts und erzeugten dabei ein leises Knirsch- Geräusch, als die vom Arbeiten raue Haut seiner Finger über den Nylonstoff rieb. Neil beobachtete ihn dabei, wie er auf seiner Unterlippe zu kauen begann, Tobias schien nun auch beunruhigt zu sein wegen der erschreckenden Neuigkeiten, die seine Freundin ihnen offenbart hatte.
      „Mir stellt sich die Frage, was Savage mit dem Zombie vorhat, Neil.“, legte Tobi ihm nach einem Moment bedrückten Schweigens nahe.

      „Wir sollten das mit dem Rat diskutieren. Vielleicht hat Sheyle ja etwas in der Art mitbekommen, irgendwelche Gesprächsfetzen oder so.“

      Zehn Minuten später befanden sie sich in dem grünen Zelt, wo Neil schlief und lebte- und wo die wichtigsten Entscheidungen in diesem Lebensverbund getroffen wurden. Tobias, Paul und die braunhaarige Evelyn diskutierten heftig über das brandneue Geschehnis des heutigen Tages. Neil stand nur über den Tisch gebeugt und dachte an seine Freundin. Die Karte raschelte, als er seine Hände darüber zu Fäusten ballte und zerknitterte zwischen seinen Fingern. Er wünschte, er könnte schon sicher sein, dass sie wohlbehalten zuhause angekommen war. Denn solange sie nicht hier war, würde er sich unmöglich konzentrieren können. Sie war nämlich verdammt nochmal das Einzige, was er noch hatte.


      Sheyle schlüpfte durch ein loses Brett in der Wand eines alten Fabrikgebäudes, dessen oberirdischer Teil, soweit, wie er noch nicht eingestürzt war, kurz vor dem Zusammenbruch stand. Es quietschte, als sie es beiseiteschob, denn die Nägel, die es an der Wand hielten, waren schon rostig. Drei fingerbreite Stahlträger standen aus einer Fertigbauwand, die schräg nach unten hängend die Sicht auf den geheimen Zugang zu ihrem Lager verdunkelte und so die Sicht darauf erschwerte. Sheyle hielt mit den Zähnen das Funkgerät, während sie am Schalter ihrer Taschenlampe herumfummelte. Das gute Teil hatte nämlich auch manchmal einen schlechten Tag und ließ sie gerne im Stich. Sie schlug das Metallgehäuse gegen ihren rechten Oberschenkel und flackernd sprang ihre Lichtquelle an. Dann stieß sie sich von der Kante der Röhre ab, in der sie saß, und kam mit einem platschenden Geräusch zwei Meter weiter unten im knöcheltiefen Wasser eines Abwasserkanals auf, der direkt in den Raum führte, wo sie sich häuslich eingerichtet hatten. Hastig lief sie durch die Betonleitung, die hoch genug gebaut war, dass sie aufrecht gehen konnte.
      „Puh.“ Angewidert drückte sich die junge Frau den Ärmel ihres Shirts gegen die Nase, um den schrecklichen Geruch nicht einzuatmen. Denn obwohl sie sehr oft- zu oft für ihren Geschmack- in diesen Tunneln unterwegs war, wollte sie sich nicht an den Gestank gewöhnen. Das war nichts für ihre feine Nase. Und sie fühlte sich manchmal wie eine von den großen Kanalratten selbst, weil sie hier leben musste. Als wäre sie eine von Ihnen wuselten sie um ihre Füße herum und verschwanden in der Dunkelheit.
      Umso erleichterter stieß sie mit den Füßen das Gatter auf, an dem eines der Rohre, das vom Hauptkanal abzweigte, endete und kletterte heraus. Sheyle richtete sich wieder zu voller Größe auf und roch an ihren Klamotten. Der Gestank der Kanalisation hing an ihr- die Ratten würden sie heute lieben. Aber konnte sie so Neil unter die Augen treten? Seufzend griff sie in die Kiste, die neben dem fein geschnittenen Gitter stand und wollte sich ein frisches Oberteil herausgreifen, aber sie fasste ins Leere. Heute schien ihr das Glück wahrlich nicht hold zu sein. Sie wandte sich dem grünen Zelt zu, das mitten in der großen Lagerhalle, die absolut zombiesicher gemacht worden war, aufgebaut war. Sie hatten Barrieren errichtet, aus Holz und allen möglichen Dingen und Gegenständen, die sie hatten finden können. Diese zogen sich um einen zentralen Platz in der Mitte der Halle, wo sie sich zum Schlafen, Essen und zu eigentlich allen anderen Aktivitäten, die ihr tägliches Leben ausmachten, aufhielten. Die Mitte des eingezäunten Bereiches bildete der abgewrackte Wachturm aus morschem Holz, das sie gesammelt und provisorisch zusammengezimmert hatten. Es war nicht viel, was sie zum Leben hatten, aber wenigsten hatten sie etwas.
      Auf dem Weg dahin musste sie um zahlreiche Holzkisten herumlaufen, die zwei ihrer Mitbewohner wahllos dahin gestapelt hatten. Durch die etwas löchrige Decke fielen vereinzelt Sonnenstrahlen herein, aber durch die großflächigen Lampen an der Decke, die per Notstromgenerator angetrieben wurden, waren sie mit bloßem Auge nicht vom gewöhnlichen Licht zu trennen. Sheyle wusste das nur, weil sie schon einmal zwischen die Trümmerhaufen dort oben gekrochen war und durch eines dieser Löcher hinuntergesehen hatte auf ihr neues Leben nach der Flucht. Neil kam ihr in den Sinn, als sie daran dachte, wie sie gemeinsam lange Zeit bei Savage eingesperrt waren. Ohne ihn wäre sie wahrscheinlich immer noch dort oder schlimmer noch, tot. Die Menschen dort hatten ihnen Schreckliches angetan, ihnen Schmerzen zugefügt- und immer, wenn sie an der Reihe gewesen war, hatte er sie in den Arm genommen und sie so lange festgehalten, bis sie aufgehört hatte, zu weinen. Da hatte sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt und es hatte sie auch nicht gekümmert, dass der Mann sieben Jahre älter war als sie. Sie wusste noch, dass sie seine Berührungen genossen hatte und sah seine schmalen, glänzenden Lippen vor sich, die sie zögerlich geküsst hatte, als sie einmal einen Moment für sich hatten. Nie würde sie diesen Kuss vergessen. Neil hatte sie zwar verwundert angesehen und sie gefragt, ob sie das ernst meine, aber seit diesem Tag waren sie ein Paar. Und Sheyle schwor sich, dass nichts sie jemals wieder voneinander trennen würde. Wenn sie ihn verlieren würde, hätte sie nichts mehr, was sie auf dieser Welt hielt. Er war alles für sie. Ihre Eltern waren tot und von ihren anderen Verwandten wusste sie nichts, sie hatte seit Jahren nichts von Ihnen gehört. Vielleicht hatte das Virus sie dahingerafft, vielleicht waren sie nach unbekannt verzogen, vielleicht lebten sie irgendwo halb zwischen Tod und Leben wie sie selbst oder zogen irgendwo als Untote durch die leeren, verfallenen Straßen. Vielleicht würden sie ihr morgen gegenüberstehen und sie mit toten, ausdruckslosen Augen anstarren, bevor sie sie jagen und versuchen würden, sie zu töten. Aber das alles scherte sie einen Dreck, schließlich hatten sie sich nie wirklich für sie interessiert. Und sie würde jetzt auch nicht anfangen, sich für sie zu interessieren. Aber wenn man hier unten herumwanderte, konnten die Gedanken schon mal abschweifen- denn wenn man sich nicht auskannte, konnte man sich sehr leicht verirren. Ja, Neil war der Einzige auf dieser schrecklichen Welt, den es noch kümmerte, ob sie lebte und ob es ihr gut ging.
      Im Näherkommen konnte sie schon die heftige Diskussion hören, die die Ratsmitglieder führten.

      Sie schob die Zeltplane zurück und trat an den Tisch neben den Anführer ihres unterirdischen Unterschlupfes, die schmutzigen Handschuhe und das Funkgerät knallte sie mit einem leisen Platschen auf das morsche Holz, die Taschenlampe verstaute sie in der tiefen Hosentasche ihrer viel zu weiten Joggingpants. Der Lärm der Diskussion verstummte.
      „Meinst du, sie führen Versuche an der Leiche durch, um herauszufinden, wie man den Virus stoppen könnte?“
      Wie immer kam sie direkt zum Punkt, wie immer, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gab. Aber alles blieb still, niemand antwortete ihr.
      Neil zuckte zusammen ob des Aufpralls der Gegenstände und warf ihr einen kurzen, verbitterten Blick zu. Entschuldigend hob sie die Schultern. Sie wusste, dass er schreckhaft war- aber sie tat das ja nicht absichtlich, sie vergaß diese Tatsache nur immer wieder. Und so laut war sie ja eigentlich auch nicht gewesen.
      Mit ihrer rechten Hand griff sie unter der grob gearbeiteten Tischkante nach seiner, verwob ihre langen dünnen Finger mit seiner von der Arbeit schwieligen Pranke. Erleichtert atmete Neil endlich auf, sie war wieder bei ihm. Das Paar tauschte einen zärtlichen Blick aus und Sheyle sah in seinen braunen Augen, dass er ihr schon verziehen hatte. Aber sie sah darin auch die Furcht, die ihm immer noch in den Gliedern saß, weil sie alleine da draußen gewesen war und -nebenbei- auch nicht auf seinen Anruf geantwortet hatte. Beruhigend strich sie ihm mit dem Daumen über den Handrücken und murmelte eine leise, schnelle Entschuldigung.
      Dann deutete sie mit einem ihrer langen Fingernägel auf eine Stelle auf dem Stadtplan, der ausgebreitet dalag. Sektor C, in dem auch ihr Versteck lag, war einer der Größten, in die sie die Stadt, beziehungsweise das, was davon noch übrig war, unterteilt hatten. Insgesamt hatten sie die Stadt in fünf Sektoren aufgeteilt. Den Sektor, in dem das Hauptgebäude von Savage lag, nannten sie „Das Feindesland“. An ihn grenzten alle umliegenden Bereiche der Stadt an. Sektor C, in dem sich ihr Quartier befand, lag nordwestlich vom Feindesland, Sektor D direkt unter C, Sektor B östlich davon und A lag südöstlich vom Stadtzentrum. Dass Savage sich nun so nahe an ihrer neuen Heimat herumtrieb, war sehr beunruhigend. Bisher waren ihre Aktivitäten auf ihren Sektor beschränkt gewesen. Lediglich an manchen Tagen führten sie Versuche in einem der anderen Stadtteile durch, meistens in Sektor A und D. Doch bis nach C waren sie noch nie gekommen. Daher bedeutete das einen Ausnahmezustand. Sie war aufgeregt und beunruhigt zugleich. Auch in der Luft lag eine riesige Anspannung, als sie anfing zu sprechen- die Anderen waren ebenso verunsichert wie sie. An der Silhouette ihres Partners in dem düsteren Zelt sah sie, dass er vor Nervosität beinahe umzukommen schien. Neils Füße tippelten unruhig auf dem Boden hin und her. Auch in den Gesichtern der Anderen stand die pure Panik. Sie rechneten wohl alle mit dem Schlimmsten.

      „Da haben sie die Leiche aufgegriffen. Ich weiß echt nicht, wieso sie sich gerade Diesen ausgesucht haben. Sie hätten jeden beliebigen toten Zombie mitnehmen können. Die gibt es in den Straßen ja gerade zu Spottpreisen.“

      Es knisterte, als sie den Finger wieder von der Karte nahm und eine kleine Delle blieb darin zurück. Scheinbar bildete die Tischplatte dort eine Mulde. Ein heiseres Lachen drang aus ihrem Mund.
      Schnaubend wandte sich Neil ihr zu und blickte ihr wütend ins Gesicht, dabei hatte sie doch eigentlich nur versucht, mit einem trockenen Scherz die Situation etwas aufzulockern. Sie ließ einen Blick in die Runde wandern und auch die Mitglieder des Rates, den der Chef zu einer Sondersitzung einberufen hatte, sahen sie erschrocken an. Das waren Tobias, Paul und Evelyn. Seit sie hier waren, berieten sie ihren Freund in entscheidenden Dingen- denn sie waren neben Sheyle seine treuesten Mitglieder.
      Was dachte Sheyle sich eigentlich? Er machte sich seit Stunden die größten Sorgen um sie und sie kam hier mit einem schlechten Witz an? Darauf konnte er getrost verzichten. Er schnaubte, um seiner Wut Luft zu machen.
      „Sheyle, sei mir nicht böse, aber dein idiotischer Humor ist hier gerade wirklich fehl am Platze! Kapierst du denn nicht, dass Savage keine halben Sachen macht und sie wirklich nur Interesse an dieser einen ganz bestimmten Leiche hatten? Aber wieso? War irgendetwas besonders an dem Toten?“, herrschte der Braunhaarige sie an. Entschuldigend hob sie die Schultern. Sie war schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten. Was war heute nur los mit ihr? Sie wusste doch, dass Neil sehr schnell ausbrausend sein konnte und ihn zu reizen keine gute Idee war. Aber dass er sogar sie als seine Freundin so behandelte, stimmte sie traurig und sie senkte ihren Blick zu Boden. Bevor sie in diese missliche Lage kamen, war er immer nett zu ihr gewesen und hatte sie auf Händen getragen. Jetzt war sie beinahe enttäuscht von ihm- auch wenn ihm die derzeitige Situation ein solches Verhalten abverlangte. Aber das entschuldigte gar nichts.
      „Nein. Die gleichen schwarzen Augen und die blauen Adern unter schneeweißer Haut wie bei jeder Anderen auch. Keine Auffälligkeiten.“, gab sie resigniert preis. Alle Zombies, denen sie bisher begegnet war, hatten nur diese abscheulichen ausdruckslosen Augen, die aussahen wie schwarze Löcher, denn in ihnen lag die Unendlichkeit des Todes. Und wenn man sich nicht vorsah, konnte man da auch ganz schnell hingelangen. Wandelnde Leichen- das traf es ganz gut. Die blasse, ausgetrocknete Haut, unter der sich blaue und schwarze Adern zu einer tödlichen Masse vereinten, machte sie sich manchmal wünschen, sie würde in einer anderen Welt leben. Es gruselte sie schon, wenn sie daran dachte, dass sie existierten. Wie wäre es dann, wenn sie Einer gegenüberstehen würde?
      Wobei diese Eine, die sie heute gesehen hatte, seltsam friedlich ausgesehen hatte, beinahe menschlich im Tod.
      „Danke. Du kannst jetzt gehen. Und ihr Anderen auch.“ Das leise Knurren in der Stimme ihres Freundes verhieß wahrlich nichts Gutes. Sein Gesicht war zu einer zornigen Miene verzogen. Sie wusste, dass er sich Sorgen gemacht hatte, weil sie so lange da draußen in der Stadt gewesen war- und noch dazu alleine. Aber sie war eine erwachsene Frau und musste seine Befehle nicht beachten. Sie war schließlich keine seiner Untergebenen, sie war seine Freundin. Aber Neil schien das nicht einsehen zu wollen.
      Die drei Kameraden drückten sich hastig an ihr vorbei durch die schmale Tür nach draußen, Tobias Schulter touchierte sie leicht und er zog sie ein paar Zentimeter mit sich in Richtung Ausgang. Sie nahm dies als Zeichen und wollte sich zum Gehen wenden, doch Neil packte sie am Arm und zog sie an sich. Am Rascheln der Zeltplane merkte sie, dass sie endlich allein waren und sie sah es auch an Neils Gesicht, denn in seinen Pupillen spiegelte sich düster die Plane des Zeltes.
      Sheyle sah direkt in seine zornigen Augen, aber sie würde jetzt nicht nachgeben. Er musste endlich verstehen, dass sie eine Gleichgestellte war und nicht nur eine seiner Untergebenen. Sie war seine Freundin.
      „Was willst du?“, fuhr sie ihn gereizt an. Er sollte endlich merken, dass sie sich ihm nicht bedingungslos fügte wie all die Anderen hier. Sie ließ sich nicht zu einer eingeschüchterten Marionette machen.
      „Wie kannst du mich nur vor den Anderen so behandeln?“ Tränen standen ihr in den sonst so kecken braunen Augen. Das Mädchen wusste, dass er es nicht ertragen konnte, sie weinen zu sehen. Und beizeiten setzte sie diese Waffe auch gnadenlos ein.
      „Sheyle, ich…“ Seine Stimme stockte, in seinem Blick wechselten sich Trauer, Wut und Unsicherheit ab- seine Pupillen wanderten wie verrückt zwischen ihren Lippen, der Träne auf ihrer Wange und der zerfledderten Karte auf dem hölzernen Tisch hin und her. Sie hatte ihr Ziel erreicht, er war verunsichert. Er würde einknicken, dessen war sie sich sicher.
      „Ich weiß, du bist eine kluge junge Frau. Und es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe. Ehrlich. Aber ich glaube wirklich, dass Savage einen Sinn hinter dieser heutigen Aktion sieht. Wenn es etwas bringen würde, an den Zombies zu forschen, dann hätten sie das längst schon getan.“ Der Ausdruck in seinen Augen wurde wieder hart. Und der Moment, in dem er Reue zeigte, war erstaunlich kurz. War es ihm egal, wie er sie behandelte?
      „Nein, das muss andere Hintergründe haben. Aber ich frage mich, welche. Und ich komme einfach nicht auf eine Lösung.“ Frustriert ballten sich seine Hände zu Fäusten und Sheyle hatte Angst, er würde auf den Tisch einschlagen. Das letzte Mal hatten sie einen neuen Tisch bauen müssen und seine Hand war mehrere Tage lang blau. Selbst jetzt rieb er sich noch manchmal das Handgelenk, weil es wieder schmerzte.
      „Was soll ich nur tun?“, wisperte Neil mit seltsam heiserer Stimme, die sie von ihm nicht kannte. Er ergriff ihre Hände und wiederholte sich.
      „Was soll ich nur tun?“

      Sheyle stutzte. Ihr Anführer fragte sie um Rat? Es war noch nie vorgekommen, dass Neil nicht wusste, was zu tun war.
      Sie wollte etwas sagen, aber er legte seine Lippen auf Ihre und küsste sie innig, so lange hatte sie ihm schon keinen Kuss mehr gewährt. Sheyle hatte allen Grund dazu, ihm jegliche Zärtlichkeit zu verwehren, hatte er sie doch in den letzten Tagen und Wochen nicht sehr zuvorkommend behandelt- er hatte sie fast tyrannisiert mit seiner inneren Unruhe und seinen Wutanfällen. Er hatte sie behandelt wie die übrigen Bewohner- gleichgültig. Dabei hatte er ihr damals, als sie ein Paar wurden, geschworen, sie immer wie eine Königin zu behandeln. Nur ließ die Situation es gerade einfach nicht zu.
      Die junge Frau wollte ihn erst von sich schubsen, dann aber besann sie sich eines Besseren- sie merkte, wie sehr ihr seine Berührungen gefehlt hatten, und gab sich seinem Kuss hin. Seine Hände wanderten unter ihr T- Shirt und sie zuckte zusammen, weil sie kalt waren. Dennoch kribbelte es in ihrer Magengegend noch genauso stark wie bei ihrem ersten Kuss. Fast war sie traurig, als sich ihre Münder wieder trennten, aber ihnen fehlte die Zeit, um sich in ihrer Liebe zu sonnen. Neil als dem Anführer all der Überlebenden, 26 an der Zahl, lag das Leben hier zu Füßen und es war seine Aufgabe, ihre eh schon so geringen und auf das Mindeste reduzierten Lebensstandards aufrecht zu erhalten. Sie vergrub ihre Finger in seinen Haaren und sagte: „Wenn es wirklich so ist, wie du sagst- wenn Savage wirklich etwas vorhat- dann haben wir jetzt keine Zeit, so zu tun, als wäre nichts und uns zu küssen. Auch wenn dieser Kuss wunderschön war, und lange überfällig. Du weißt, ich liebe dich, aber unsere Prioritäten sollten jetzt woanders liegen.“ Etwas enttäuscht sah er sie an, aber er wusste, dass in ihren Worten die Wahrheit lag.
      „Du hast recht. Lass uns herausfinden, was Savage vorhat.“
      Neil legte die Arme um die dünnen Hüften seiner Freundin und merkte, dass sie noch einmal an Gewicht verloren hatte. Ihre Hüftknochen waren deutlich zu spüren.
      Er nahm sich vor, ihr bei Gelegenheit zu sagen, dass sie mehr essen sollte. Sie hatten immerhin genug Vorräte, dass niemand Hunger leiden musste. Und in ihrem Zustand die Nahrung zu verweigern, hätte nicht nur für Sheyle schlimme Folgen.
      Sie lächelte, aber es war mehr eine gequälte Grimasse, die sie zog- er wusste, sie redete sich ein, dass es ihr gut ging, und das tat es auch- noch. Aber bald würde sie immer schwächer werden und irgendwann auch nicht mehr laufen können. Und dann würde er sie wieder tragen müssen, genau wie in der Zeit kurz vor ihrer Flucht aus dem Hauptgebäude von Savage. Da hatte er ihr die Nahrung regelrecht einflößen müssen, weil sie nicht mehr stark genug war, um einen Löffel zu halten. Damals hätte er vor lauter Wut das ganze Gebäude abfackeln können, weil sie sein Mädchen so schlecht behandelten. Wenn er nicht eingesperrt gewesen wäre, hätte er den Verantwortlichen gefunden und ihn windelweich geprügelt.
      Wenn sie sich nicht zwingen ließ, etwas zu essen, hätte sie keine Chance.
      Aber er könnte es nicht ertragen, sie und ihr gemeinsames Kind zu verlieren. Es war schon schlimm genug, dass sein Sprössling in einer solchen Gegend würde aufwachsen müssen, umgeben von hungrigen Halbmenschen, die ihm nach dem Leben trachteten. Sie war zwar noch in einem sehr frühen Stadium, aber er wollte nicht, dass es ihr an etwas mangelte.
      Eine Weile sahen sie sich nur stumm an, dann sagte Sheyle: „Sehr gut. Wir sollten Wachen dort postieren. Falls sie wiederkommen.“ Neil warf ihr einen dankbaren Blick zu, denn der Stress der vergangenen Wochen, in denen alle auf ihn eingeredet hatten mit irgendwelchen unmöglichen Anliegen, lag ihm noch so im Nacken, dass er am heutigen Tag nicht einmal fähig gewesen war, eine einfache Entscheidung zu treffen.
      Sheyle drehte sich in seiner Umarmung um und massierte ihm mit ihren zierlichen Fingern die Schultern. Dankbar hauchte er ihr einen Kuss auf die schmutzige Stirn.
      „Was würde ich nur ohne dich tun?“








      Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht erschlagen :D
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















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    • Wow, das ist richtig toll geworden, @BlueRosesInMyHeart!!!

      Du hast eine ganze Menge wunderbar anschaulicher Beschreibungen eingefügt (nicht nur bei den Personen, auch bei den Gebäuden, den Hintergründen) und kleine hilfreiche Rückblicke in die Vergangenheit. Schöne Bilder verwendet als Vergleich und dir insgesamt viel Zeit genommen, deinem Leser das Setting zu zeigen. Liest sich super. Mach unbedingt weiter so, es gefällt mir richtig gut!
      Und die neuen Namen sind schön. :love:

      Kleinkram

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Die Glasfassade des Gebäudes wand sich 200 Meter in den Himmel wie eine übel gelaunte Schlange, deren Biss dich jederzeit töten konnte.
      Du hast bei der ersten Version von Kapitel 1 angegeben, dass du auktorial schreibst. Da passt das "dich" hier mMn nicht richtig rein. Damit sprichst du den Leser an. Auch wenn es in dem moment sicher Sheyles Gedanken sind.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Der Stunk der Kanalisation hing an ihr-
      Lieber Gestank? ^^


      Weiter, weiter so!! ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • @Tariq
      Dankeschön :love: <3
      Freut mich, dass es dir so gefällt! :D


      Tariq schrieb:


      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Die Glasfassade des Gebäudes wand sich 200 Meter in den Himmel wie eine übel gelaunte Schlange, deren Biss dich jederzeit töten konnte.
      Du hast bei der ersten Version von Kapitel 1 angegeben, dass du auktorial schreibst. Da passt das "dich" hier mMn nicht richtig rein. Damit sprichst du den Leser an. Auch wenn es in dem moment sicher Sheyles Gedanken sind.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Der Stunk der Kanalisation hing an ihr-
      Lieber Gestank? ^^

      Mit dem auktorial hast recht... Das habe ich wohl im Eifer des Gefechts ups, des Schreibens übersehen^^

      Gestank? Gestank. *heftig nick*


      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Kapitel Zwei:

      Spoiler anzeigen


      Wieder einmal drehte er die kleine abgenutzte Kapsel mit dem Abschiedsbrief von Rouven in den Händen und dachte an den zweiten Anführer, der, nachdem er auf die Lichtung kam, sein bester Freund geworden war, und jetzt für seine Sache sterben musste. Er sah sein freundliches Gesicht vor sich mit den kleinen Grübchen, die sich neben seinem Mund bildeten, wenn er lachte. Rouven hatte oft gelacht, als er noch am Leben war. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie es für seinen Freund gewesen sein musste, diesen Brief zu schreiben. Auf dem leicht vergilbten Papier waren die Spuren verwischter Tränen zu sehen gewesen, als er den Brief gelesen hatte. Heute waren sie fast verblasst. Die geschälten hellen Baumstämme am Lagerfeuer erinnerten ihn an seine erste Nacht bei den Überlebenden. Rouven und er hatten mit dem Rücken an einen morschen Stamm gelehnt, mit etwas zu trinken, und sie hatten sich einfach nur unterhalten über dies und das. Er hatte den Schwarzhaarigen ausgefragt über alles, was ihn beschäftigte- und der hatte nur gelacht und es ihm erklärt.
      Er würde alles tun, um Rouven zurückzuholen, wenn er nur nicht wüsste, dass alles vergebens sein würde. Es gab keine Lösung- nicht einmal sein Blut könnte jetzt noch etwas ausrichten. Die Toten konnte man eben nicht wieder aufwecken.
      Und vielleicht würde Rouven auch gar nicht mehr in dieser Welt, in die es sie verschlagen hatte, leben wollen. Er selbst wünschte sich nämlich manchmal, hier nicht hineingeboren zu sein.
      Wenn er überhaupt geboren war. Er konnte sich an nichts aus seiner Vergangenheit erinnern. Vielleicht hatte man ihn auch in einem Labor erschaffen? Oder aus Sand geformt?
      So langsam glaubte er nämlich, dass in dieser Welt alles möglich war.

      Gedankenverloren ließ Kian seinen Blick über das rege Treiben im Lager schweifen. Überall waren seine Freunde verstreut- einige saßen am Lagerfeuer, andere wiederum hatten sich um den Gedenkstein versammelt, den sie am Tag ihrer Ankunft hier errichtet hatten. Sie schienen so fröhlich, aber er wusste, sie waren es nicht. Selbst die, die Rouven nicht gekannt hatten, waren bedrückt. Der helle Vollmond schien auf sie hinab und zauberte ein Glitzern auf die Spitze des Granitsteins. Fast glaubte er, Rouvens Gesicht darin zu sehen, aber als er blinzelte, tanzte nur das Licht auf dem Stein.
      Sie hielten jeden Abend ein kleines Ritual ab, in dem sie all die ehrten, die ihr Leben für die Mission gegeben hatten. Normalerweise nahm er daran teil, aber an diesem schwülen Abend wollte er für sich alleine sein und einfach nur an Rouven denken. Er fing Levis Blick auf und nickte ihm zu- in seinen Augen stand derselbe deprimierte Ausdruck wie in Kians. Rouvens Tod hatte bei ihnen allen Spuren hinterlassen. Ethan allerdings war recht gut darin, seine Schmerzen über den Tod seines Kameraden zu verbergen. Aber Kian fürchtete, dass dieses stille Leiden nicht lange anhalten würde, irgendwann würde es aus ihnen allen herausbrechen. Niemand außer ihm und Nayla hatte seit seinem Tod über ihn gesprochen. Die Meisten hier hatten Rouven ja nicht einmal gekannt. Für sie hatte er nie existiert.
      Nur manchmal, wenn die Jüngeren unter ihnen die Namen auf dem Stein lasen, hörte er sie tuscheln. Sie fragten sich, wer wohl hinter den Namen stecken mochte, doch es war mehr ein Spiel für sie.
      Sie hatten nicht mitgemacht, was er und die Anderen erlebt hatten, und konnten nicht verstehen, wie sehr ihr Verhalten ihn grämte. Und so konnte er ihnen auch nicht böse sein, obgleich es ihn bedrückte, was sie taten.
      Das entstellte Gesicht seines treuen Freundes quälte ihn jede Nacht aufs Neue in seinen Träumen. Keine ruhige Nacht war für Kian vergangen, seit Rouven gestorben war. Mehr noch als dass Sophy am Leben wäre, wünschte er sich, Rouven würde dort am Lagerfeuer bei den Anderen sitzen und mit ihnen über einen schlechten Witz lachen oder einfach nur mit ihnen essen und zu ihm hinüberschauen und dann herzlich über seinen dummen Gesichtsausdruck lachen.
      Sophy war zwar einst seine Freundin gewesen, aber dann hatte sie ihn und die Anderen verraten. Und vor ein paar Wochen hatte ihm das schwarzhaarige Mädchen gestanden, dass sie ihn immer noch liebte. Zehn Minuten später war sie tot gewesen. Alle die er liebte, waren gestorben. Rouven starb, weil er unbedingt in die Stadt wollte und Sophy war bei dem Versuch, Rouven zu befreien, umgekommen. Vor seinem inneren Auge sah er sie fallen. Sie hatte keine Chance, denn sie stürzte zu tief und wurde verschüttet. Der verzweifelte und zugleich wissende Blick in ihren Augen hatte sich ebenfalls tief in sein Gedächtnis gebrannt- und Kian wusste, dass er nie wieder mit einer Frau glücklich werden könnte. Denn seine Liebe lag unter den Trümmern eines Hochhauses mit Sophys Leiche begraben. Und er würde sie nicht wieder ausbuddeln. Dazu hatte er einfach nicht die Kraft. Selbst wenn er sie ausgraben würde, was würde es ihm bringen? Er würde über ihr eingedrücktes, zerschrammtes Gesicht streicheln und sie dann irgendwo bestatten. Zusammen mit seiner Liebe. Und dann? Dann hätte er nur ein weiteres Bild von seinen toten Freunden vor Augen. Nein, es würde ihn nur noch mehr zerstören. Und Sophy konnte es sowieso egal sein, wo sie lag. Sie bekam ja von alledem nichts mehr mit. Da konnte er sie auch dort lassen, wo sie jetzt war. Dort war sie wenigstens sicher.
      Vielleicht bedeutet der Tod einfach Sicherheit? Vielleicht wäre es besser, das Leben aufzugeben? Was glaubst du, Sophy?
      Sophys weiches braunes Haar kam ihm in den Sinn und wie er mit seinen Händen hindurch fuhr, das Gefühl war unbeschreiblich gewesen.
      Eine einzelne Träne rann über seine Wange und er fing sie auf. Sie schwamm in seinem Handteller und er sah sie kleiner und kleiner werden, bis die nächtliche Hitze der Wüste sie hatte verdunsten lassen.
      Er erinnerte sich an ihren ersten Kuss und es war ihm, als fühlte er die Berührung ihrer Lippen auf seinem Mund und ihre Hand an seiner Wange.
      „Sophy?“, wisperte er, weil er sich ihr so plötzlich nahe fühlte, als würde sie neben ihm sitzen. „Ich vermisse dich.“ Ein Schluchzer begleitete seine Worte. Ein Schluchzer der Verzweiflung.
      Kian hatte nichts, das ihn an sie erinnerte. Kein Bild, kein Haar von ihr, nichts.
      Er wünschte sich jeden Abend, bevor er einschlief, dass sein Name anstatt Rouvens auf diesem Stein stünde. Dann wäre jeder, wo er hingehörte- er wäre tot und bei Sophy, und Rouven wäre hier. Er gehörte hierher, und Kian nicht. Von Anfang an war er ein Fremder in dieser Gemeinschaft gewesen. Vielleicht bin ich sogar ein Fremder in dieser Welt?
      Und Rouven war nichtsdestotrotz der Bruder für ihn gewesen, den er wahrscheinlich nie hatte, denn er konnte sich nicht an seine Vergangenheit erinnern. Und nun war er fort.
      Und es war alles nur seine Schuld. Er hätte niemals erlauben dürfen, dass Rouven ihn begleitet. Er hätte einfach alleine in die Stadt gehen sollen. "Bitte, Kian. Lass mich nicht zu einem von Ihnen werden." Noch heute hörte er manchmal Rouvens Stimme in seinem Kopf. Kian wusste, Rouven hatte den Gedanken verabscheut, ein Zombie zu werden. Und er hatte es gehasst, zusehen zu müssen, wie das Virus den Körper seines Freundes auffraß.
      Er hätte ihn einfach erschießen sollen, als Rouven ihn angefleht hatte, sein Leben zu beenden- es wäre allemal gnädiger gewesen als ihn sich selbst erstechen zu lassen. Doch es war ihm unmöglich gewesen, seinem Freund in den Kopf zu schießen. Selbst als das Virus von ihm Besitz ergriffen hatte, war er ja immer noch Rouven gewesen. Kian hätte nicht in das Gesicht des Jungen sehen können und anschauen, wie sein toter Körper vor ihm zu Boden sank- mit einem Loch in der Stirn, um das sich ein roter, stinkender Kreis vom erhitzten Lauf der schwarzen Waffe zog, der sich in das Fleisch gebrannt hatte.
      Seufzend ließ sich der Junge in seine graue Hängematte fallen und starrte am Zeltdach vorbei in den von Sternen gespickten Himmel. Die Scharniere, an denen sie an den Holzbalken aufgehängt war, quietschten unter der plötzlichen Last.
      "Kian?" Jemand näherte sich seinem Schlafplatz und er hob überrascht den Kopf, von dem seine schwarzen Haare wirr abstanden. Es war das schwarzhaarige Mädchen, das er am Vortag fast über den Haufen gerannt hatte.
      "Thalia." Er setzte sich wieder auf und klopfte auf den Stoff seiner Matte, um sie zu sich einzuladen. Sie ließ ihren schlanken Körper neben ihn plumpsen und sah ihn mit ihren blauen Augen forschend an.
      "Denkst du wieder an Rouven?" Wie sie seinen Namen mit ihrer tiefen, ungewohnten Stimme aussprach, stach etwas in seiner Brust- das Thema war ihm sehr unangenehm. Und seit Sophys Tod hatte er nur mit Nayla darüber gesprochen. Sie konnte ihn verstehen, denn sie war sehr einfühlsam und bei ihr hatte er das Gefühl, ihr seine Gedanken ganz sorglos anvertrauen zu können. Dennoch öffnete er sich ihr.
      "Ja. Ich wünschte, ich wäre an seiner Stelle. Er sollte hier sitzen und nicht ich." Leise seufzend antwortete Thalia: "Ich hätte ihn gerne kennengelernt. Er scheint ein super Freund und Mensch gewesen zu sein."

      "Er war der Beste." Kians Augen glitzerten bei dem Gedanken daran, wie freundlich Rouven ihn willkommen geheißen hatte als kein anderer es tat. Dann wurde sein Blick wieder traurig und für einen Moment legte sich das Schweigen über die Beiden, die so ganz und gar abseits von allen anderen saßen. Doch dann brach Thalia das Schweigen und sagte: „Erzähl mir von ihm. Bitte.“ Verwundert sah er sie an, wollte sagen, sie kannte ihn doch- aber dann merkte er, dass Thalia Rouven nicht mehr kennengelernt hatte.
      "Er war der Einzige, der mir auf der Lichtung vertraut hat, er stand immer auf meiner Seite. Er ist mir überall hin gefolgt- sogar in den Tod. Und selbst als er starb, war er noch stärker als ich. Ich konnte es nicht- ich konnte ihn nicht erschießen, so sehr er mich auch anflehte, es zu tun. Da erstach er sich selbst. Er hat sich den Dolch mitten ins Herz gestoßen. Ich kannte noch nie einen so starken Menschen. Er sollte an meiner Stelle sein, Thalia. Er sollte hier sitzen und sich mit dir über mich unterhalten, denn er würde irgendwann meinen Tod verkraften und weitermachen, er würde es schaffen, nach vorne zu schauen. Und ich, ich lese immer wieder diesen Brief mit den eingetrockneten Tränen auf dem alten Papier und sehe ihn vor meinen Augen sterben. Ich hätte ihn niemals mitnehmen dürfen. Er war erst zwanzig Jahre alt… Mein Name sollte auf diesem Stein stehen. Nicht seiner. Weil er ein Held ist. Und ich ein Feigling… Ich habe ihn sterben lassen. Er ist ein Held- er hat all diese Menschen hier mit seiner Stärke inspiriert. Er hat uns alle zusammengehalten, wie Sekundenkleber. Aber die vergangenen Jahre haben seinen Geist gebrochen, genau wie sein Sturz sein rechtes Bein. Und sein Tod hat uns allen das Herz gebrochen. In all dieser Euphorie der Freiheit hat keiner von uns gemerkt, was mit ihm los war. Rouven war immer für uns alle da und wir haben nicht gesehen, dass er eigentlich schon lange gegangen war. Es war nicht nur das Virus, das ihn getötet hat- es war die Vergangenheit."
      Thalia schluckte. Seine Worte trafen sie tief. Der Tod dieses Mannes, den sie nie kennengelernt hatte, schien eine tiefe Wunde in Kians Herz hinterlassen zu haben. Sie schaute in den Himmel und die Sterne spiegelten sich in ihren blauen Augen. Wie Rouven wohl ausgesehen haben mochte?
      Tröstend nahm das Mädchen Kians linke Hand, während er zum ersten Mal seit ihrer Flucht in der Dämmerung um seinen verlorenen Freund weinte und sich dafür verfluchte, Rouven das angetan zu haben. Die Tränen flossen in Strömen über seine mit Sommersprossen übersäte Haut und stauten sich an seinem Kinn auf, bevor sie auf die knielangen Shorts tropften, die Kians Oberschenkel bedeckten. Schatten tanzten vor seinen Augen, als in die orangeroten Flammen des Lagerfeuers starrte, die durch die Nacht schlugen und es schien Thalia für einen Moment, als würde das Feuer die Hoffnung, die in seinen grünen Augen lag, verschlingen. Als er in der Dunkelheit zu ihr hinüber sah, glaubte sie, in graue, trostlose Augen zu blicken. Sie hoffte, sich getäuscht zu haben. Doch der Ausdruck in den Augen ihres Mitbewohners war leer, als wäre seine Seele mit seinem Freund gestorben und wandelte nur noch ein Schatten seiner selbst in dieser Welt umher.
      Sie war zweigespalten- einerseits verstand sie Kians Trauer und die der Anderen, die Rouven gekannt hatten. Andererseits waren sie aber alle hier an diesem wunderbaren Ort, um nach vorne zu schauen, und nicht, um der Vergangenheit hinterher zu trauern. Für sie war dieser verflossene, unbekannte Mann nichts als ein leeres Bild in ihrem Kopf- und er war ihr gewissermaßen auch egal. Er war nicht greifbar für sie gewesen, sie war erst nach seinem Tod zu der Truppe gestoßen. Sie hatte nicht einmal sein Gesicht gesehen.
      Und sie konnte um nicht um jemanden trauern, den sie nicht kannte.

      Irgendwann ging Thalia, er bekam es gar nicht richtig mit.
      Und Kian wisperte: „Sophy, ich will sterben.“



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    • Damit hier auch mal was vorwärts geht... Kapitel Drei:

      Spoiler anzeigen


      Das Lastenflugzeug landete auf dem Dach des höchsten Gebäudes der Stadt, wo schon eine in weiß gekleidete Person wartete, um den Toten in Empfang zu nehmen.
      Nervös zupfte sie an ihren ledernen Handschuhen herum, um die Stelle aufzulockern, wo der etwas zu kleine Siegelring sich durch das Leder in ihr Fleisch bohrte und das Blut abquetschte. Und der weiße Laborkittel hatte schon mal besser gesessen, mittlerweile spannte er um ihren Busen und andere Körperregionen. Die Soldaten hinter ihr starrten ihr auf den Hintern, sie konnte ihre Blicke deutlich spüren. Wahrscheinlich leckten sie sich auch noch gierig die Lippen und unterhielten sich hinter ihrem Rücken über sie. Wer auch immer darauf bestanden hatte, dass sie diese Leiche entgegennahm- sie verfluchte ihn. Sie fröstelte und außerdem hasste sie es, ihre Weiblichkeit und ihre Rundungen öffentlich zu Schau zu stellen, und wollte sich am liebsten irgendwo verkriechen, wo niemand sie sehen konnte.
      Nachdem die Ladeklappe mit einem scheppernden Geräusch auf den Boden gekracht war, lief sie geduckt, um ihre locker sitzende Frisur einigermaßen zu wahren, auf das Fluggerät zu, und wartete, bis die Männer die Bahre herausgeschoben und sie ihr übergeben hatten, damit sie sie ins Gebäude fahren konnte . Die Leiche lag unordentlich auf der Bahre, sie hatten sie einfach darauf geworfen- wie ein Stück Müll. Dabei hatte auch dieser von der Seuche verzehrte Leichnam eine behutsame Behandlung verdient. Er war immer noch einst ein Mensch gewesen und somit ehrenvoll zu behandeln.
      Ein leiser Pfiff drang an ihr Ohr und erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie suchte nach der Quelle und sah einem braunhaarigen Soldaten direkt in die blauen Augen. Ertappt grinste er sie an und sie rang sich ein kleines Lächeln ab, zog aber dann an ihrem Ausschnitt, um ihren üppigen Busen zu bedecken. Es half aber nicht viel, denn er saß oben an der Klappe in der Hocke und konnte auf sie herabschauen. Sie riss sich von ihm los und schob die Bahre Richtung Tür. Dann fiel ihr Blick auf die Leiche, die sie neben sich her zog.
      Das entstellte Gesicht des Zombies mit seinen leeren, ausdruckslosen Augen schien direkt in ihre Seele zu starren- als wüsste er, warum sie seine letzte Ruhe gestört hatten. Für einen Moment glaubte sie sogar, aus den Augenwinkeln gesehen zu haben, wie seine linke Hand zuckte. Dann schüttelte sie entrüstet den Kopf und schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, der sich beim Anblick der Leiche gebildet hatte. Doch der Gedanke, dass ihr Vater immer recht damit hatte, wenn er sagte, dass sie niemals in die Forensik gehen sollte, weil es nichts für sie wäre, bahnte sich in ihren Kopf und ließ sie nicht mehr los. Am liebsten würde sie zu Boden sinken und schreien, weil sie den blutleeren Körper nicht einmal mit Handschuhen anfassen wollen würde, den sie neben sich herzog. Aber dieser Auftrag wurde ihr von oberster Stelle zugetragen und sie würde ihn wohl oder übel ausführen müssen. So schaffte sie es auch nicht, den verdrehten Körper auf der Bahre gerade zu richten, damit er aussah, als würde er schlafen- denn sie traute sich nicht, die steife Haut anzufassen.
      Schritte hinter ihr unterbrachen sie in ihren Gedanken. Sie drehte sich um und sah, dass der Soldat ihr nachgelaufen war. „Hi“, sagte dieser verlegen und Joanna blieb stehen, um sich mit ihm zu unterhalten. „Ich bin Gideon. Und ich hoffe, das kommt jetzt nicht ungelegen oder etwa abstoßend rüber, aber ich wollte dich fragen, ob du vielleicht Lust hast, mit mir auszugehen?“ Erstaunt nickte sie, sie hatte schon seit Jahren kein richtiges Date mehr gehabt. Sie dankte dem attraktiven Mann und lächelte. Ihre Wangen liefen rot an, als er ihr einen Kuss auf den Handrücken hauchte und dann zurück zum Flugzeug lief. Beeindruckt über seinen Mut sah sie ihm nach, sein kurzes Haar wurde durch den Wind der Rotorblätter durcheinander geweht, seine camouflagefarbene Hose flatterte und betonte die Silhouette seiner durchtrainierten Oberschenkel. Sie schüttelte amüsiert den Kopf, war aber gleichzeitig peinlich berührt, dass sie in dieser Kluft seine Bekanntschaft gemacht hatte. Hoffentlich dachte er nicht, sie würde immer so herumlaufen.
      Als sie das fahrbare Gestell durch die metallene Tür ins Gebäude zog, klemmte sich einer der weißen Reifen an der Leiste fest, die zwei Zentimeter über den Boden hervorstand. Sie stemmte sich dagegen, aber der Wagen rührte sich nicht. Und der Soldat, der ihr die Tür aufhielt, stand nur regungslos da und dachte scheinbar gar nicht daran, ihr zu helfen. Wahrscheinlich war er nun distanziert, weil sie sich vor seinen Augen mit einem anderen Mann arrangiert hatte, und ignorierte sie. Das Hovercraft hob mit tosendem Lärm vom Landeplatz ab und flog nach unten, dahin, wo alle Flugzeuge von Savage untergebracht waren.
      Sie räusperte sich und herrschte den Offizier an: „Denken sie nicht, es wäre höflich, mir zu helfen?!“
      „Natürlich, Mam.“ Der in olivgrün gekleidete Mann salutierte kurz und hob dann das hintere Ende, wo die Füße des Toten über die Bahre hinausstanden, an. Sein Blick wanderte hastig in ihren Ausschnitt, dann fiel die Tür hinter ihr ins Schloss. Fassungslos strich sie über den Lederanzug, dessen Bund ihr über die Hüften hochgerutscht war und unangenehm drückte, und stolzierte mit zurückgeworfenen Haaren den Gang hinunter. Die Reifen des Wagens klackerten jedes Mal, wenn sie über eine Kachel fuhren, und brachten ihr die Aufmerksamkeit der ganzen forensischen Abteilung ein. Die Blicke sämtlicher Männer klebten an ihr, fast konnte sie sie sabbern sehen. Instinktiv ging sie schneller, um dieser Peinlichkeit zu entkommen.
      Am Ende des Ganges rangierte sie in einen weiß gestrichenen Raum, stellte die Leiche dort ab und flüchtete dann schnell durch die nahegelegene Tür wieder nach draußen. Eigentlich wollte sie sich umziehen gehen, aber da sah sie auch schon ihre Chefin den Gang herunter kommen. Sie nahm einen tiefen Atemzug und begrüßte dann die leitende Forensikerin, die den Jungen begutachten würde, bevor sie ihn in eine luftdichte Zelle sperren würden- denn einen Aufbewahrungsort für Tote gab es im Savage- Wolkenkratzer nicht. Wer hier starb, wurde sofort verbrannt und auf einem kleinen provisorischen Friedhof weit weg von hier begraben. Alle Verstorbenen hier wurden eingeäschert, um sicherzugehen, dass sie nicht wieder als Untote in diese Welt zurückkehrten.
      Die Frau strich dem Jungen eine schwarze Strähne aus dem Gesicht und stockte. „Nein. Das kann nicht sein.“ In ihrem Gesicht wechselten sich Trauer, Hass, Verzweiflung so schnell ab, dass Joanna mit dem Schauen gar nicht mehr hinterherkam. Sie verstand nicht, was ihre Chefin so bewegte- sie war zu glückselig wegen ihrer heutigen Begegnung, um irgendwelche Trauer zu empfinden.
      Das faltige Gesicht verzog sich zu einer traurigen Miene, dann stürmte die Forensikerin unter Tränen aus dem Raum. „Rouven“, flüsterte sie den Namen des Toten vor sich hin, während sie im Laufen ihren Laborkittel auszog und sich mit zitternden Händen in ihrem Büro einschloss. Sie warf das zerknitterte Kleidungsstück in eine Ecke des grau gestrichenen Raumes. Dann sank die vierzigjährige Frau zu Boden und gab sich ihren Schluchzern hin. Das verzerrte Gesicht des jungen Mannes schwirrte in ihrem Kopf hin und her, sie vermochte sich gar nicht zu beruhigen. Sie hatten ihr gesagt, Rouven sei in Sicherheit. Ihre Trauer wandelte sich in Wut. Sie wollte hinauf marschieren zu ihren Vorgesetzten und ihnen die Meinung geigen, aber es würde ja dennoch nichts ändern. Dadurch würde er auch nicht wieder aufwachen.
      Sie hatten ihr versprochen, dass sie ihn in Ruhe lassen würden. Und sie hatte ihnen Geld gegeben, damit sie ihn verschonen. Doch jetzt, wo er tot war, hatten sie ihr Versprechen gebrochen. Aber sie hatte auch mit ihnen abgemacht, dass dies nur Zeit seines Lebens gelten würde. Sie hatte gehofft, es würde länger sein. Nie wollte sie etwas anderes für ihn als ein glückliches, langes Leben.
      Schweren Herzens erhob sie sich und wischte sich die verlaufene Schminke aus dem Gesicht. Es war jetzt nicht die Zeit, um schwach zu werden. Auch wenn sie gehofft hatte, Rouven eines Tages lebendig wiederzusehen. Doch er hätte sie sowieso nicht erkannt, seine Erinnerungen an sie und an seine Vergangenheit waren ausgelöscht worden, als er ins Labyrinth kam.
      Da klopfte es an der Tür.
      „Frau Kemansky? Ist alles in Ordnung bei ihnen?“, drang die besorgte Stimme der Praktikantin durch die Tür. „Ja, alles in bester Ordnung“, log sie. Sie beseitigte die letzten Reste der Traurigkeit aus ihrem Gesicht und schüttelte ihren Kittel auf, damit er wieder einigermaßen annehmbar aussah. Dann trat sie wieder hinaus auf den Gang und strich ihr zerzaustes Haar glatt, während sie in Richtung des Zimmers mit der Leiche ging.
      Als sie gerade tief durchatmete, hörte sie einen schrillen verzweifelten Schrei von dort. Sie rannte hin und sah durch das kleine karierte Fenster in den Raum. Das Bild, das sich ihr bot, war ein Schreckliches. Die Leiche stand dort und bedrohte ihre Laborantin, die sich verzweifelt mit einem Messer zu wehren versuchte. Seine Arme, unter denen die Muskeln hervortraten, so heftig stemmte er die gegen die Wand, waren nahezu frei von den schwarzen Streifen des Virus und dennoch war er so aggressiv wie einer von Ihnen. Den Dolch, besudelt mit schwarzem Blut, der einst in seiner Brust gesteckt hatte, hielt er in der Hand und zeigte damit auf sie, als wollte er ihr damit die Kehle aufschlitzen.
      In Joannas Augen stand die blanke Furcht. Sie war einen halben Meter über den Boden hochgehoben worden und zappelte verzweifelt mit den Füßen.
      Heftig rüttelte die Frau an der Türklinke, aber sie klemmte. Und so konnte sie nur Zeuge dessen werden, was da drinnen geschah, denn sie kam nicht hinein. „Hilfe!“, brüllte Joanna und holte in einer Verzweiflungstat mit dem Messer aus, das sie sich vom Tresen gegriffen hatte. Sie erwischte den Jungen am Oberarm und er stöhnte auf vor Schmerzen. Sofort ließ er sie fallen und sie kam mit beiden Beinen fest auf dem Boden auf, aber ein stechender Schmerz schoss durch ihren linken Knöchel und sie sog scharf Luft ein.
      Rotes Blut floss aus dem Körper ihres Gegenübers an seinen Gliedmaßen nach unten, er sank vor ihr zu Boden, auf die Knie. Angewidert hielt Joanna sich die Hände vors Gesicht, um sich falls nötig zu wehren. Sie wollte kotzen, denn sein Blut war auch auf ihrem Kittel- aber er wirkte nicht mehr böse, er schien sie anzuflehen. Als hätte die Verletzung durch das laboreigene Messer seine Bosheit aus ihm herausgeschnitten. Seine schwarzen Augen sahen sie an und er wisperte: „Hilf mir.“ Die Hand des Auferstandenen grub sich in ihre Kleidung und ein Handabdruck blieb darauf zurück, als sie angewidert zurückwich. Sie rang mit ihrem Gewissen als angehende Ärztin- eigentlich war sie verpflichtet, ihm zu helfen, aber er hatte sie angegriffen und sie dank ihm dem Tod fast ins Auge gesehen. Als er merkte, dass er von ihr keine Hilfe erwarten konnte, stürzte er zur Tür und riss sie auf. Seinem Gewicht konnte die dünne Metallschicht nicht standhalten und er stolperte hinaus auf den Gang. Die Forensikerin wich erschrocken vor dem großgewachsenen Mann zurück nach hinten an die Wand. Nun kamen auch die anderen Mitarbeiter der Abteilung aus ihren jeweiligen Räumen. „Helfen sie mir“, flehte er sie mit der rauen Stimme eines Mannes an, der seit Tagen mit dem Tod kämpfte. Doch alle rückten ein Stück von dem einst tot geglaubten Zwanzigjährigen zurück. Nichts ließ mehr erahnen, dass er das Virus in sich trug außer seinen Augen. Doch gerade diese erschreckten die Angestellten in der Forensik- Abteilung so. Während er versuchte, einen von ihnen zu greifen, trat ein Mädchen trat aus einem der Räume, sie trug einen Operationskittel und ihre Wangen waren eingefallen. Sie zog sofort seinen Blick auf sich. Ihr langes silbernes Haar wallte über ihre Schultern nach unten und ihre blauen Augen starrten tief in seine Seele. Sein Herz schlug schneller und er atmete tief ein, als sie die Hand nach ihm ausstreckte und auf ihn zeigte. Er nahm an, dass auch sie nicht hierhergehörte.

      „Wer bist du?“ Auf ihrem blassen Körper begannen sich bereits die Spuren des Virus abzuzeichnen, sie war eine nicht Immune. Schwarze Adern zogen sich anstelle von blauen Venen über ihre Unterarme und ihren Hals. Das Mädchen würde nicht mehr lange sie selbst sein. Und niemand konnte ihr helfen. Denn keiner kannte ein Gegenmittel. „Rouven“, flüsterte er, aber sie hörte ihn trotzdem, obwohl sie fünf Meter von ihm entfernt stand. Sie sah zu der Leiterin dieser Abteilung hinüber und fragte: „Ist das die Leiche, die sie heute Morgen gebracht haben?“
      „Ja“, sagte diese verdutzt. „Aber was…“
      „Dann hat er überlebt. Er ist derjenige, der mich heilen wird.“ Und plötzlich schien sich keiner mehr vor ihm zu fürchten. Im Gegenteil, alle Anwesenden begannen, einen immer enger werdenden Kreis um ihn zu ziehen. Rouven erstarrte, sein Atem ging heftig. Er hatte nunmehr nur noch weniger als einen halben Meter Radius um sich herum, seine Platzangst begann zu greifen und er sank abermals zu Boden, wo er die Hände auf die Ohren presste und versuchte, sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Aber von oben betatschten ihn die in Plastikhandschuhe gehüllten Hände, durch sein zerfetztes T- Shirt konnte er spüren, wie sei auf seiner Haut rieben. Und er merkte, wie er wieder wütend zu werden begann, denn sein Stöhnen wandelte sich in ein Knurren und er verlor die Kontrolle über seinen Körper. Seine Augen waren nun wieder ganz von der Schwärze des Todes erfüllt, als er sich aus dem Haufen erhob und um sich schlug. „Lasst ihn in Ruhe!“, brüllte das hübsche Mädchen. Langsam ging sie auf ihn zu, er hielt die Hände zu Fäusten geballt und beobachtete jeden ihrer Schritte. Die Menschen um ihn herum waren erstarrt und er fauchte sie an, damit sie von ihm wichen. Und sein Plan ging auf, denn keiner hier war immun und jeder fürchtete sich davor, als Zombie in den toten Landen der Welt umher wandeln zu müssen. Und schließlich war das Virus noch nicht ganz aus seinem Körper gewichen.
      Das Mädchen bahnte sich einen Weg durch die vor Angst zitternden Körper zu ihm, die leitende Forensikerin wollte sie zurückhalten, aber sie schüttelte sie ab und ging weiter, bis sie schließlich nur mit einem halben Meter Abstand vor ihm stand. „Du kannst mich retten“, wiederholte sie. Ihre weiche Stimme hatte irgendetwas an sich, das ihn in ihren Bann zog und so folgte er ihr in das Zimmer, aus dem sie gekommen war. „Ich kann dich nicht retten“, widersprach er und sah sich um- der Raum war identisch mit dem, wo er aus seinem Schlaf aufgeschreckt war. Nur der Anblick war schöner. Denn dieses Mädchen war mehr nach seinem Geschmack als die Frau im weißen Kittel, die ihm das Messer über den Arm gezogen hatte. Allmählich ließ auch der Adrenalin- Gehalt in seinem Körper nach und die Wunde begann, zu zirpen.
      Sie stand mit dem Rücken zu ihm und er konnte die Rundungen ihres Hinterns durch den schmalen Spalt, den der OP- Kittel freiließ, erkennen. Ihr Körper unter dem weit ausladenden Gewand schien ziemlich zierlich und schlank zu sein und er stellte sich vor, was für ein Leben sie wohl vor dieser Katastrophe gehabt haben musste. Bestimmt hatte sie einen Freund gehabt, den sie sehr geliebt hatte. Und nun rannte er irgendwo da draußen herum und schlug sich durch, oder er war einer dieser Untoten, wie er selbst es auch gewesen war, und wusste nicht einmal mehr, dass es sie gab. Eine merkwürdige Handbewegung der Frau riss ihn aus seinen Gedanken und ein Schatten huschte an der Tür vorbei. Aufmerksam richtete er sich auf und warf einen Blick durch das kleine Glasfenster, doch sie drehte sich um und richtete ihren Blick auf ihn. „Wer bist du überhaupt?“, versuchte Rouven das Schweigen zu brechen.
      „Saiely“
      Sie griff nach einer Rolle Verband und schnitt sein T- Shirt am Ärmel auf, um die Schnittwunde besser verbinden zu können. Schweigsam zog sie den Verband um seinen Oberarm fest, sodass Rouven glaubte, zu spüren, wie das Blut darin stockte. Er würde Acht geben müssen, dass sein Arm nicht unter Blutverlust leiden würde.
      „Und du kannst mir helfen“, beharrte die junge Frau auf ihrer Vermutung. „Du musst irgendwas in deinem Blut haben, das auch andere heilen kann. Andere wie mich. Leute, die nicht immun gegen dieses Virus sind.“ Dann gab sie ihm etwas zu trinken und er schluckte es, ohne nach dem Inhalt zu fragen, einfach hinunter, denn seine Kehle war ausgetrocknet. „Schließlich hat dein Körper sich selbst geheilt.“
      Männer mit weißen Kitteln kamen herein, das konnte er noch sehen. Dann wurde ihm wieder schwarz vor Augen und er fiel.



      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart ()

    • Hallo liebe @BlueRosesInMyHeart,

      schön, dass du weitergeschrieben hast.
      Mir gefallen die beiden letzten Teile in der neuen Version viel besser. Man merkt, dass du dir mehr Zeit genommen hast für Beschreibungen, seien es nun Personen, Gegenstände oder Gefühle. Das ist in meinen Augen eine bedeutende Verbesserung. Der vorletzte Part ist richtig gut gelungen. Das Kopfkino hat mir das Lager zeigen können. Da hattest du ja bei der letzten Version etwas gespart, und es blieb ziemlich blass. Nun ist es gut beschrieben. :thumbup:
      Im letzten Teil nun sind mir doch ein paar Sachen aufgefallen, obwohl auch der insgesamt jetzt viel aussagekräftiger geworden ist als er vorher war..

      Spoiler anzeigen

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Nervös zupfte sie an ihren ledernen Handschuhen herum, um die Stelle aufzulockern, wo der etwas zu kleine Siegelring sich durch das Leder in ihr Fleisch bohrte und das Blut abquetschte. Die Lederkluft, in die man sie gesteckt hatte, gefiel ihr ebenfalls nicht- sie juckte und scheuerte an unangenehmen Stellen, vor allem zwischen ihren Beinen. Wieso musste sich auch in einem Lederanzug eine Zombieleiche entgegen nehmen?
      Hier hast du für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Leder in den vier Zeilen. Vielleicht kannst du was umbasteln? Und von dem von ihr so gehassten Anzug kann ich mir kein richtiges Bild machen. Lackleder? :rofl: Wieso muss ich da an eine Domina denken ...
      Und wieso MUSS sie ihn tragen und nicht einen ganz normalen Laborkittel plus Infektionsschutz-Bekleidung? :huh:

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Er war immer noch einst ein Mensch gewesen und somit ehrenvoll zu behandeln.
      hier würde ich "immer noch" durch "immerhin" ersetzen ...?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Beeindruckt über seinen Mut sah sie ihm nach,
      Hier würde ich schreiben "Beeindruckt von seinem Mut sah sie ihm nach, ..."

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Das faltige Gesicht verzog sich zu einer traurigen Miene, dann stürmte die Forensikerin unter Tränen aus dem Raum.
      Nach diesem Satz würde ich vielleicht einen Absatz einfügen. Der agierende Charakter wechselt in dem Abschnitt von Joanna zur Chefin.
      (und "faltiges Gesicht" bei einer Vierzigjährigen?? :rofl: Das ist mutig! ^^ )

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Doch er hätte sie sowieso nicht erkannt, seine Erinnerungen an sie und an seine Vergangenheit waren ausgelöscht worden, als er ins Labyrinth kam.
      Hier lässt du den Leser im Unklaren, woher die beiden sich kannten. Es gab einmal eine besondere Verbindung zwischen ihnen, aber du deutest es nur an. Kommst du später darauf zurück oder belässt du es dabei?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Sie beseitigte die letzten Reste der Traurigkeit aus ihrem Gesicht und schüttelte ihren Kittel auf,
      Das ist eine ungewöhnliche Formulierung. Vielleicht findest du was anderes?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Seine Arme, unter denen die Muskeln hervortraten, so heftig stemmte er die gegen die Wand, waren nahezu frei
      Warum stemmt er die Arme gegen die Wand? Und wie geht das? In einer Hand hält er doch den Dolch und bedroht Joanna, und mit der anderen Hand (wenn ich das richtige gedeutet habe) hält er sie einen halben Meter über dem Boden?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Rotes Blut floss aus dem Körper ihres Gegenübers an seinen Gliedmaßen nach unten,
      Ees floss bestimmt nur an seinem Arm hinunter? Oder? Wenn nicht - wieso floss an den ANDEREN Gliedmaßen Blut hinunter, wenn er nur am Arm verletzt war?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Sie wollte kotzen, denn sein Blut war auch auf ihrem Kittel-
      Trug sie nicht gerade noch einen Lederanzug?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Als er merkte, dass er von ihr keine Hilfe erwarten konnte, stürzte er zur Tür und riss sie auf. Seinem Gewicht konnte die dünne Metallschicht nicht standhalten und er stolperte hinaus auf den Gang.
      Öffnet sich die Tür nach innen? Vermutlich, sonst hätte er sie aufgestoßen. Aber von welcher dünnen Metallschicht ist die Rede, die seinem Gewicht nicht standhalten konnte?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Die Forensikerin wich erschrocken vor dem großgewachsenen Mann zurück nach hinten an die Wand.
      Als Joanna ihn am Arm verletzte, war er noch ein Junge? Hat das Messer eine Veränderung bei ihm bewirkt? Wieso ist er jetzt ein großgewachsener Mann? Oder ist hier von jemand anderem die Rede?

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Während er versuchte, einen von ihnen zu greifen, trat ein Mädchen trat aus einem der Räume, sie trug einen Operationskittel und ihre Wangen waren eingefallen.
      Warum will er nach einem Mitarbeiter greifen? Kein Wunder, dass sie sich fürchten vor ihm.

      So, an der Stelle hast du einen Absatz. Das trifft sich gut, ich muss nämlich erstmal Schluss machen.
      Wenn du nach so viel gemecker von mir für den Rest des Abschnittes trotzdem auch noch Futzelkram von mir möchtest - gib einfach Bescheid. ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • @Tariq
      Danke! :)

      Und- ogott, so viele Leichtsinnsfehler 8| :rolleyes: *setzt sich hin und verbessert* Danke für die Hinweise :thumbup: (nachts schreiben ist eben doch nicht immer vorteilhaft)

      Ich weiß auch nicht, wieso sie da Leder trägt. War irgendwie eine fixe Idee von mir (des Nachts). Werde ich, denke ich, ändern. Aber es war definitiv nicht das Ziel, dass sie wie eine Domina rüberkommt :rofl:

      Allgemein ist das wahrscheinlich auch das schlechteste Kapitel bisher bei dieser Geschichte von all den Kapiteln, die auf meinem Laptop sind.
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Lang, lang ists her und vielleicht ändere ich das Kapitel auch noch mal, aber ich habe mir ja für diese Woche vorgenommen, wieder was im Forum bzw. wieder vermehrt im Forum was zu posten und daher einfach mal als Anfang Kapitel vier dieser Geschichte hier:

      Spoiler anzeigen


      Der nächste Morgen war angebrochen und Thalia marschierte an der Brandung entlang. Kians Gefühlausbruch am gestrigen Abend ließ ihr keine Ruhe und so war sie schon seit Stunden auf den Beinen, vor Sonnenaufgang noch hatte sie schon nicht mehr schlafen können. Sie sah aufs offene Meer hinaus, dessen unendliche Weiten in der Ferne mit dem Horizont verschmelzen zu schienen. Als wären Himmel und Erde eins. Ihr langes schwarzes Haar wehte in der steifen Brise, die heute die See aufwühlte und ihr Unmengen an salzigen Tropfen entgegen schoss. Es war bereits ganz verklebt vom Salzwasser.
      Im Grunde genommen bildeten Himmel und Erde hier auch eine Einheit, denn sie waren am Ende der Welt und um sie herum war nichts als die Unendlichkeit der See. Womöglich waren sie sogar die letzten lebenden Menschen auf diesem Planeten.
      Diese Vorstellung machte ihr Angst. Alles, was sie je wollte, war ein normales Leben, mit normalen Freunden und ohne ein Virus. Doch hier war nichts alltäglich, nicht einmal das gemeinsame Essen, nicht einmal das Schlafen. Ständig weinte jemand oder eine Hängematte knarzte- nicht selten schliefen sogar zwei Personen zusammen in einer Matte, weil der Platz nicht für alle ausreichte, die hier waren. Und während dem Essen wurde geschwiegen. Doch das war das geringere Übel. Sobald alle Teller leer waren, versammelten sich alle Lagerbewohner um den riesigen Granitstein, auf dem die Namen all Jener eingeritzt waren, die die Flucht nicht überlebt hatten. Einmal hatte sie sich dazugestellt, damit sie sich nicht schlecht fühlen musste, weil sie die Toten nicht ehrte. Aber seitdem mied sie dieses Ritual. Es waren nicht ihre Freunde, die gestorben waren.
      Wie sie es in der Bibel ihrer Eltern immer gelesen hatte, schien sich bewahrheitet zu haben- der Himmel war auf die Erde unter die Menschen gekommen, ihr Paradies war hier. Aber es war gespickt mit lauter kleinen Mängeln wie diesem Gedenkstein. Und sie fühlte sich hier nicht willkommen, sie war eine Fremde zwischen all diesen Leuten, die sich schon jahre- oder monatelang kannten und sich miteinander arrangiert hatten. Aber sie hatten sie nicht aufgenommen, sie war ständig allein. Der Einzige, mit dem sie ab und an sprach, war Kian. Aber auch er wurde zunehmend ruhiger und schweigsamer, je mehr Tage seit Rouvens Tod vergingen.
      Sie blieb stehen und wandte sich vom Wasser ab, um mit dem Stoff ihres T- Shirts ihr Gesicht zu trocknen, da fiel ihr Blick auf Kian, der mit gesenktem Haupt auf einer der hölzernen Bänke am Lagerfeuer saß, welches aber wegen dem Sturm nicht angezündet war. Auch er war nun schon seit einer Stunde wach, der Rest des Lagers schlief noch, doch er hatte sich noch nicht mit ihr unterhalten. Es würden der erste Tag und die erste Nacht von vielen sein, in der das Feuer nicht brannte- sonst starrte der junge Mann immer in die Flammen, als wären sie seine letzte Hoffnung, aber heute blieb ihm sogar das verwehrt. Vielleicht sah er es auch als letzten Ausweg aus seiner verzweifelten Trauer. Es musste schrecklich sein, einen Freund zu verlieren. Doch irgendwie konnte sie auch nicht einmal Mitleid für ihn empfinden- sie konnte sich neben ihn setzen und ihn trösten, aber sie war nie ganz bei der Sache. Wenn sie das tat, waren ihre Gedanken woanders und nur ihr Körper anwesend. Man konnte auch sagen, es interessierte sie nicht. Das mochte vielleicht hart klingen, aber sie wusste, dass sie weitermachen müssten. Diese ständige Beschäftigung mit Rouvens Tod hielt sie alle nur auf.
      Und sie wusste nicht einmal, wer Rouven war und wie er war. Sie kannte nur den Namen auf dem Stein, auf dem alle standen, die es nicht hierher ins Paradies geschafft hatten und stattdessen ihre letzte Reise angetreten hatten. Seufzend strich sie sich die Tropfen aus ihren Haaren und stapfte zu ihm ans Lagerfeuer.
      „Hey…“, wisperte sie ihm zu, aber er rührte sich nicht. Er starrte nur hinaus aufs Meer, doch Thalia sah die schreckliche Wut, die in seinen Augen aufblitzte, als sie ihn ansprach, und erhob sich sofort leise wieder- es hätte keinen Zweck, jetzt auf ihn einzureden. Sein Mund öffnete sich, um etwas zu sagen, doch dann hörte Kian, wie sie wegging, das Knirschen des Sandes unter ihren Füßen verriet es ihm, und senkte den Kopf. Er wusste, sie meinte es nur gut, aber ihre Warmherzigkeit deprimierte ihn nur noch mehr. Seit er gestern mit ihr über Rouven gesprochen hatte, fielen ihm all die kleinen Details wieder ein, die zu ihren Erlebnissen in den vergangenen Monaten gehörten. Und sie quälten ihn noch mehr als die groben Erinnerungen, die er an diese Zeit hatte. Er wusste wieder, was Rouven gesagt hatte, auch wenn es noch so unwichtig gewesen war, und wie er ihn in diese Gesellschaft eingeführt hatte. Als er daran zurückdachte, fiel ihm auf, dass Cailans Name auf dem Stein fehlte. Cailan war einer derjenigen gewesen, die auf der Lichtung geblieben waren. Er war vor Kians Augen gestorben. Kian nahm sich vor, seine Initialen so bald wie möglich auf dem Gedenkstein hinzuzufügen, damit ihre Gebete auch ihm gelten konnten.
      Betroffen setzte Thalia sich in ihre leinene Hängematte und beobachtete durch die morgendliche Dunkelheit die Silhouette des grimmigen Kian. Sie wollte ihm irgendwie helfen, weil sie es nicht mehr aushielt, das länger mitzumachen- aber sie konnte es nicht. Denn niemand konnte die Toten zurück ins Leben holen.
      Aber sein Gemütszustand wirkte sich auf die gesamte Atmosphäre im Lager aus, und es wurde mit jedem Tag schlimmer. Keiner schien mehr Lebensfreude zu verspüren, alle waren nur mit sich selbst beschäftigt und in ihren Gedanken versunken. Es war, als wären sie alle mit Rouven gestorben. Sie fühlte sich allein, als wäre sie das einzige Wesen auf dieser Welt, das noch irgendeinen Sinn im Leben sah.
      Doch Rouvens Geist begann auch in ihren Gedanken herum zu spuken- sie fragte sich, wer er wohl gewesen sein mochte, dass er selbst nach seinem Tod noch so großen Einfluss auf seine Freunde hatte. Es war ihr klar, dass sie noch lange trauern würden, aber das Leben schien zum Stillstand gekommen zu sein. Wie konnte ein einziger Mann alle so in seinen Bann ziehen?
      Am liebsten wollte sie sie alle anschreien, dass sie aufstünden und weitermachten.
      Doch Rouvens Tod schien eine größere Macht über ihre Mitbewohner zu haben, als sie je erahnen könnte.



      Kian hob den Kopf und sah zu Thalia hinüber, die zusammengesunken in ihrer Hängematte saß und verspürte plötzlich Schuldgefühle, weil er sie so böse angesehen hatte und beinahe noch etwas Falsches gesagt hätte, wäre sie nicht vorher abgehauen- sie hatte ihm ja nur Beistand leisten wollen. Langsam schlich er zu ihr hinüber und setzte sich demütig vor ihren Füßen in den kalten, klammen Sand. Sein Blick wanderte an ihrem bloßen Bein hinauf über ihre kurzen Shorts und ihr gestreiftes Shirt zu ihrem Gesicht mit den vollen Lippen und den blauen Augen, die nun verärgert funkelten.
      „Thalia, es…“, setzte er an, aber er wurde harsch unterbrochen. Ihre Stimme war rau von der Seeluft, die sie alle atmeten, und belegt von Gram.
      „Sag mal, was glaubst du eigentlich? Glaubst du, das macht Spaß? Ihr alle dümpelt nur dahin in eurer Trauer und keiner sagt mir, wer dieser Rouven eigentlich war, dass ihr ihn selbst nach seinem Tod noch so vergöttert!“, schrie sie ihm ins Gesicht und sprang auf.
      „Lasst mich doch einfach alle in Ruhe!“
      Ihr plötzlicher Sinneswandel war ihm suspekt und Kian wollte sie am Arm festhalten, aber sie riss sich los und klatschte ihm ihre Hand mitten ins Gesicht. Sofort stach seine Haut dort, wo sie ihn erwischt hatte. Ihr Gesicht verzog sich zu einer wütenden Miene und zwischen ihre Augen legte sich eine Zornesfalte.
      „Fass mich nicht an, verdammt! Geh doch zu deinen Freunden und blase mit Ihnen Trübsal. Aber ich werde das hier nicht mehr länger mitmachen!“
      Entsetzt hielt er sich die Wange und rieb mit der linken Hand über die schmerzende Stelle, Tränen standen in seinen Augen, weil Thalia einfach nicht verstehen konnte, was Rouven für ihn war. Er hatte sich in ihr getäuscht und fühlte sich betrogen in seinem Vertrauen in sie. Niemals hätte er ihr gestern erzählen dürfen, was er all die Tage und Wochen in seinem Herzen als die Erinnerungen an Rouvens Lebenszeit gehegt und gepflegt hatte. Hätte er gewusst, wie sie heute auf dieses Thema reagieren würde, hätte er davon abgesehen, sich bei ihr auszuheulen.
      Nayla beobachtete das Geschehen geschockt von der einzigen Lichtquelle aus, die an diesem Morgen brannte- dem riesigen Kerzenständer im Eingang des Schlafzeltes, direkt neben ihrem Feldbett. Der Wind trug die Worte zu ihr herüber.
      Sie war mit den Armen auf ihr weißes Kissen gestützt und hatte den Kopf in die Luft gereckt. Der Lärm, den das schwarzhaarige Mädchen verursacht hatte, hatte sie abrupt aus dem Schlaf gerissen. Was Thalia Kian vorgeworfen hatte, traf auch sie tief. Dieses Mädchen hatte absolut kein Einfühlvermögen, sie war beinahe eine Schande für die Gesellschaft hier. Kian blieb mit gesenktem Kopf vor Thalias Hängematte sitzen, die leise im Wind schaukelte. Nayla überlegte, ob sie zu ihm gehen sollte, aber sie wollte ihn nicht noch mehr verunsichern, und so nahm sie sich vor, später mit ihm darüber zu sprechen, wenn sich die Lage vielleicht etwas beruhigt hatte. Für einen Moment fing Kian ihren besorgten Blick ein und schenkte ihr ein müdes Lächeln, dann stand er auf und kam zu ihr herüber. Er nahm vor ihr Platz und wisperte: „Ich kann das nicht glauben, Nayla. Ich dachte, sie sei eine verständnisvolle Person und meine Sehnsüchte bei ihr gut aufgehoben. Aber ich habe mich getäuscht.“
      „Sie wird schon wieder zur Vernunft kommen“, flüsterte die Angesprochene zurück. Aber insgeheim glaubte sie nicht daran, dass das schwarzhaarige Mädchen jemals in der Lage wäre, Verständnis für ihre Situation zu zeigen. Beruhigend strich sie dem 26- Jährigen über die Arme.
      „Danke, Nayla.“ Er hauchte ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange und stand auf.
      „Schlaf weiter. Ich wollte dich nicht stören. Es tut mir leid, dass dich unser Streit aufgeweckt hat.“ Sie nickte.
      „Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst, ja?“ Dankbar griff Kian nach ihrer Hand und drückte sie kurz, dann verschwand er aus ihrem Sichtfeld. Eigentlich wollte er umdrehen und seinen Tränen freien Lauf lassen, aber er wollte sie nicht noch mehr belasten, als er es eh schon tat.
      Am Stand der Sonne sah Nayla, dass es noch sehr früh am Morgen war, und schwang ihre Beine zurück in ihr Bett. Sie wollte versuchen, wieder ins Reich der Träume hinüber zu wandern, wo sie sich alles, was in den letzten Monaten passiert war, schön träumen konnte, und noch ein bisschen zu schlafen. Ihre Lider wurden schwer und sie durchlebte eine Welt, in der sie alle wohlauf und glücklich waren- und in der Rouven noch unter ihnen war.

      Entrüstet bahnte Thalia sich derweil ihren Weg hinüber zu den Toiletten, der Sand rieb zwischen ihren nackten Zehen. Ihre Hand zirpte noch von dem Aufprall auf Kians markantem Kieferknochen, sie hatte direkt einen leichten Abdruck davon auf ihrer Handfläche.
      Sie schlug die hölzerne Tür einer Toilettenkabine hinter sich zu, dass es krachte, und schloss ab, damit niemand zu ihr hereinkommen konnte. Sie wollte jetzt niemanden von diesen bescheuerten Habitanten sehen, die hatten doch alle einen Schuss weg.
      Dann kauerte sie sich auf dem provisorischen Klodeckel zu einem kleinen Päckchen zusammen, wo sie anfing zu schluchzen.
      Die Tränen rannen ihr in Bächen über das schmutzige Gesicht und dort, wo sie auf die Haut trafen, nahm diese langsam wieder die blasse Farbe an, mit der ihr ganzer Körper normalerweise gespickt war. Voller Frust stand sie schließlich auf und wusch sich das ganze Gesicht in der Hoffnung, dass es ihr dadurch wieder besser ginge, bis ihr Shirt oben durchnässt war, weil das Wasser darauf tropfte. Aber es half nichts. Thalia betrachtete sich im Spiegel und fragte sich, was aus Ihnen allen geworden war. Da klopfte es an der Tür. „Thalia?“ Es war Kian. „Komm raus. Es tut mir leid.“ Mit dem betrübten Unterton in seiner Stimme klang es, als würde er es ernst meinen. Kian fragte sich zwar, warum er den Anfang machen musste, weil ihr Vergehen viel schlimmer war als seines, aber irgendjemand musste ja Einsicht in dieser Sache zeigen. Sie wusste, sie sollte sich eigentlich auch entschuldigen, weil sie völlig überreagiert hatte. Aber sie war sehr stur und wollte sich nicht vor dem Mann auf der anderen Seite eingestehen, dass sie einen Fehler gemacht hatte.

      „Geh weg!“, fauchte sie ihn an und schlug von innen gegen ihre Seite der Tür. Dann ließ sie sich mit dem Rücken daran zu Boden sinken und wartete, bis er verschwunden war. Ihr Steißbein begann schon nach ein paar Minuten zu schmerzen, denn der unebene Boden und der festgetretene Sand in der Kabine boten nicht gerade den besten Komfort, was Bequemlichkeit und Polsterung anging.
      Als seine Schritte sich entfernten, erhob sie sich und spähte durch einen länglichen Spalt im Holz, ob die Luft rein war. Quietschend öffnete sich die Tür vor ihr und ließ kalte Morgenluft zu ihr herein, sodass sie zu frösteln begann. Über ihren ganzen Körper zogen sich die millionen kleinen Pünktchen der Gänsehaut. Kian war schon über den ganzen Strand gelaufen und schon wieder beinahe im Schlafzelt angelangt, das sah sie an seiner Silhouette, die sich weit vor ihr durch die Dämmerung kämpfte. Wahrscheinlich hatte er gar nicht schnell genug von ihr wegkommen können, nachdem sie ihn schon wieder abgewiesen hatte.
      Sie rannte auf Zehenspitzen durch die düstere Atmosphäre des Morgens und schlich sich in ihr Schlafabteil, um keinen der anderen zu wecken, wo sie ihren Kopf auf das Kissen in der Hängematte bettete. Das Mädchen spürte den durchdringenden Blick von Kian in ihrem Rücken, aber sie ignorierte ihn und schloss die Augen. Kian fand nicht mehr viel Schlaf an diesem frühen, kalten Morgen, denn er konnte nicht fassen, dass Thalia von so geringem Verstand war, das Andenken seines Freundes herabzuwürdigen, und dachte die ganze Zeit an ihre infame Beleidigung ihm und allen anderen gegenüber. Seine Wange war selbst jetzt noch rot von ihrem Schlag. Betrübt zog er die dünne Decke weiter hoch über seine Schultern und schloss die Lider, denn seine Augen taten schon weh, weil er sie so angestrengt offen gehalten hatte. Da erst spürte er, wie müde er war von den ganzen Anstrengungen, die ihn die Flucht und Rouvens Tod gekostet hatten. Eigentlich hatte er nichts mehr, auch wenn er hier mit diesen ganzen wunderbaren Leuten, Thalia ausgenommen, lebte. Denn der Mensch, der sie alle am Leben gehalten hatte, war verschwunden. Mit ihm waren ihre Lebensfreude und ihre Geister zu den Sternen aufgestiegen. Irgendwann würden sie ihn wiedersehen, aber bis dahin würde noch sehr viel Zeit vergehen. Sein Blick wanderte zu dem Punkt in der Ferne, wo Ozean und Himmel zu einer Einheit verschmolzen, und er wünschte sich, dass dieser Tag schon gekommen wäre.



      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hey @BlueRosesInMyHeart,
      Leider kenne ich mich mit Maze Runner viel zu wenig aus... :( Trotzdem kommt jetzt Mal ganz viel Lob von meiner Seite :D
      Wirklich ein schönes Kapitel und was mich immer wieder freut sind deine Formulierungen. Ausgeschmückt, Metaphorisch und eigentlich genau so, wie ich auch gerne schreibe ^^ Was die Handlung betrifft bin ich leider überwiegend raus. Zwar kann ich den einzelnen Charakteren hier gut folgen und da ist auf jeden Fall ein Roter Strang, aber mir fehlt hier das Hintergrundwissen. Noch habe ich zu wenig von den einzelnen Charakteren verstanden und gehört. Die Tiefe, die sie wahrscheinlich in Buch und Film haben, kenne ich leider noch nicht.
      Trotzdem war das Kapitel schön zu lesen.
      Vielleicht sollte ich Maze Runner einfach Mal auf meine Liste setzen :P

      LG Lehaidin
      "Es sind die kleinen Dinge. Alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten."
      - Gandalf -


    • @Lehaidin

      Dankeschön :D
      Ich bin eigentlich grade dabei, aus der FF eine eigenständige Geschichte zu machen- dann hab ich schon mal was, was ich noch verbessern muss, nämlich die Charakterbeschreibungen detaillierter machen.
      Das Hintergrundwissen wollte ich auch doch recht spät in der Geschichte einführen, in Form eines Tagebuchs (bin noch dabei, mir eigene Hintergründe auszudenken), daher erfährt man da jetzt noch nicht so viel.

      Vielleicht solltest du das mal lesen, ja :P (in vielen Buchhandlungen gibt's die drei Bücher in einem Sammelband für zwanzig Euro)

      Danke jedenfalls für deinen Kommentar und dass dir das Kapitel gefällt <3

      Glg Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Ehm... Kapitel Fünf, wenn ich mich nicht irre:

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      Als er ein paar Stunden später erwachte, schaukelte Thalias Hängematte quietschend im Wind und schlug immer wieder klackernd gegen einen der Pfosten, die das Schlafzelt stützten. Von ihr jedoch war keine Spur zu sehen. Müde wollte er sich umdrehen und noch ein wenig sein vom Schlaf geschwollenes Gesicht in den kalten Wind halten, der von der See heran wehte, da fielen ihm die Worte, die sie ihm am Vortag entgegen geschleudert hatte, wieder ein. Macht doch was ihr wollt, aber ich mache das nicht mehr länger mit. So in etwa hatte sie es gesagt. Nein, geschrien hatte sie es. Und plötzlich war er in Sorge um sie. Er setzte sich ruckartig auf und sah sich um, doch alle anderen waren in ihren Betten. Und auch niemand schien ihr Fehlen bemerkt zu haben.
      Hektisch griff er nach seinen Schuhen, die neben ihm auf dem Boden standen, und wollte aus der Matte steigen, doch seine Beine verhedderten sich in dem Stoff und so wurde er der Länge nach hingestreckt, sein Kinn schlug schmerzhaft auf dem Boden auf. Hinter ihm regte sich etwas, ein Gesicht blickte unter dem weißgelblichen Stoff hindurch- Ethan.
      „Kian, was machst du da?“ Stöhnend richtete er sich auf die Knie auf und fasste sich ans Kinn.
      „Thalia ist weg.“, grummelte er. „Ich wollte sie suchen.“
      „Die kommt schon zurecht. Wahrscheinlich ist sie nur auf die Toilette gegangen.“, gähnte Ethan ihn an. In seinen Augen lag die gleiche Leere wie in Naylas und Levis und Seinen. Auch dem sonst so harten und widerstandsfähigen Kerl schien Rouvens Tod näher zu gehen, als er es sich wohl gewünscht hatte.
      „Wir haben uns heute gestritten.“, gab Kian zu. „Sie war total sauer und hat mich angeschrien, sie würde nicht verstehen, was Rouven so besonders mache, dass wir ihn selbst nach seinem Tod noch so verehren. Dann meinte sie, sie würde das nicht mehr länger mitmachen. Ich glaube, sie ist abgehauen, Ethan.“
      Die Miene seines Gegenübers verzog sich mit einem bitteren, grimmigen Blick- aber es lag auch etwas Sorgenvolles darin.
      Und er murmelte etwas vor sich hin, aber er konnte nicht verstehen, was, und er wollte auch nicht nachfragen.
      Kian befreite seine Beine aus dem Stoffwirrwarr und kam wieder vom Boden hoch, sodass er über den Schlafenden aufragte.
      Nayla schlief immer noch friedlich in ihrem Bett- das sah er, als er seinen Blick abermals über seine Schützlinge schweigen ließ.
      Eigentlich war es nicht seine Aufgabe, sie zu beschützen, aber er hatte es sich dazu gemacht.
      Und so hatte er auch die Pflicht, nach Thalia zu sehen. Auch wenn er sich dieser Aufgabe mit gemischten Gefühlen widmen würde.
      „Ich werde sie suchen gehen. Sie ist nicht sicher alleine da draußen.“
      Thalia hatte zwar das Andenken seines verstorbenen Freundes beleidigt, aber deswegen konnte er sie nicht umkommen lassen. Er packte den Rucksack, der an einen Pfosten gelehnt stand, und wandte sich gen Ausgang des Zeltes. Aber Ethan hielt ihn zurück.
      „Kian. Lauf nicht wieder in dein Unglück.“, sagte er forsch. Kian sah etwas in den Augen seines Anführers aufblitzten, noch nie hatte er ihn so melancholisch erlebt. Ethan war forsch und unhöflich, wenn ihn etwas bedrückte, aber niemals traurig. „Rouven würde das nicht wollen.“ Kian klopfte ihm ermutigend auf die Schulter.
      „Rouven würde nicht wollen, dass wir sie sterben lassen. Er würde vorne sitzen, das weißt du doch. Er würde sie retten, obwohl sie ihn zutiefst beleidigt hat.“ Seufzend gab der große, stämmige Junge nach.
      „Also gut. Ich komme mit.“

      Leise schlichen sie sich über den sandigen Boden davon ins anliegende Gebäude- jeder mit einem Beutel in der Hand-, das Vorratslager, und deckten sich mit den nötigsten Vorräten für die nächsten Tage ein. Nachdem sie ihre Rucksäcke so vollgefüllt hatten, dass Kian glaubte, die Naht würde aufspringen, griff sich jeder von Ihnen eine Machete und schob sie leise klirrend in eine Masche seines Gürtels, um noch genug Beinfreiheit zum Laufen zu haben.
      Eines der Pferde, die sie vor Wochen in einer Oase gefangen hatten und in einem selbst gebauten Paddock eingesperrt hatten, schnaubte leise, als es die beiden Schatten vorbeihuschen sah, und stob davon. „Scchh“, versuchte Ethan die Tiere zu beruhigen. Thalia hatte sie angefleht, die Tiere mitzunehmen, weil sie Pferde über alles liebte. Seitdem verbrachte sie nahezu jede freie Minute in dem abgezäunten Areal.
      Kian lehnte sich auf die oberste Holzstrebe des Gatters und legte seine rechte Hand auf die Nüstern eines schwarzen Hengstes, der nahe am Zaun stand. Sein Blick wanderte durch die Umzäunung, Thalia war nicht hier. Er wusste, dass er reitbar war- denn Thalia war öfters mit ihm in der Gegend um das Lager unterwegs oder ritt am Strand entlang. In diesen Momenten fand er sie wunderschön. Wenn ihr langes schwarzes Haar im Wind nach hinten wehte und das Pferd sie durch die Gischt trug. Jetzt aber, da er ihren wahren Charakter kannte, glaubte er nicht, dass er sie jemals wieder so sehen können würde.
      Seine Gedanken wanderten zu Sophy. Sie wäre bestimmt begeistert von diesem Ort. Mit den Pferden und dem wunderschönen Strand war das hier das Paradies. Und sie hatte nie die Gelegenheit bekommen, es mit eigenen Augen zu sehen.
      Ethan hinter ihm hantierte an einem der Fahrzeuge herum und lud ihre Rucksäcke auf die Rückbank. Die rostigen Bügel, die das Dach des Autos hielten, schaukelten leicht im Wind, als er den Schlüssel umdrehte und den Motor startete.
      Kian starrte in die dunklen Augen des schwarzen Hengstes und versank dabei in den Tiefen seiner eigenen Seele. Sophys Bild schwirrte in seinen Gedanken umher, wie sie von dem Hochhausdach stürzte und begraben wurde. Und Rouvens toter Blick bahnte sich einen Weg in die ständige Präsenz seiner Gedankenwelt. Zwei liebe Menschen hatte er verloren, die er hier eigentlich nicht missen wollte.
      „Kian!“, rief Ethan nun zum dritten Mal nach dem Mann, dessen T- Shirt in der frischen Brise flatterte. Erschrocken stieß sich dieser vom Zaun ab und murmelte eine Entschuldigung, als er auf dem Beifahrersitz des Fahrzeuges Platz nahm. Das Pferd schnaubte empört, weil es keine Streicheleinheiten mehr zu erwarten hatte, und trottete mit langem, gesenkten Hals beleidigt davon in die Mitte des Paddocks, wo es zu grasen begann.
      Er hatte nicht gehört, dass Ethan ihn gerufen hatte, so tief in Gedanken an seine schon lange verschollenen Freunde war er gewesen.
      Der Blonde gab Gas und jagte das Fahrzeug den einzigen Pfad hinauf, der aus dem Lager führte. Auf dem Hügel angekommen, hustete der Motor und Ethan trat für einen Moment die Kupplung, denn der Blick über das Lager, der sich ihnen bot, war wunderschön. Er sollte öfter hierher kommen und einfach nur in die Ferne schauen.
      Auch Kian hielt für einen Moment den Atem an, um auf die friedliche Idylle zurückzublicken und sich den Anblick einzuprägen. Er war verrückt, von hier wegzugehen. Aber er konnte nicht noch einen von seinen Kameraden an das Virus verlieren. Auch nicht, wenn es Thalia war, die wohl nie einen festen Platz in ihrer Gesellschaft finden würde. Er konnte ihr aber darin keinen Vorwurf machen, schließlich war Rouven der einzige Grund gewesen, dass die Anderen ihn selbst in ihrer Mitte akzeptieren.
      Doch er tat es in Rouvens Andenken, denn er wusste, Rouven würde nie einen seiner Freunde im Stich lassen- egal, was sie getan hatten. Er war einfach ein herzensguter Mensch gewesen und Ethan und er mussten nun alles tun, um seinem Lebensstil gerecht zu werden. Zumindest dachte Kian sich das für sich, denn er glaubte, es würde ihm helfen, mit dem Ableben seines Freundes irgendwann einmal zurechtzukommen. Es war ihrer aller einzige Möglichkeit, Rouven in Frieden ruhen zu lassen und ihn gleichzeitig in ihrer Gemeinschaft zu bewahren. Wenn sie alle es schaffen würden, als ein großes Ganzes seinen Lebensmut und seine Motivation anzunehmen, würden sie eine gute Zukunft für ihr Leben schaffen. Aber das lag noch in weiter Ferne. Dieses Ziel war genauso weit weg wie der Moment, in dem sie alle endlich wieder mit Rouven und den Anderen vereint sein würden.

      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...