Arbeitstitel: Der Letzte Krieger

  • So, ich werde hier mal Teile meiner Geschichte presentieren.


    Vorallem den Anfang finde ich etwas schwermütig, weiss aber nicht, woran es genau liegt, finde respektiv nicht den richtigen Weg, dass zu beheben.


    Ansonsten hoffe ich, dass es Euch gefällt und Kritik ist herzlich wilkommen. :)


    Viel Spass beim Lesen.


    Kapitel 1


    Avanor betrachtete das Bierglas vor sich auf dem Tisch. Genau wie die ganze Kneipe sah es alt und schmutzig aus. Der Inhalt schmeckte auch so, was ihn aber nicht weiter störte. Aus den Augenwinkeln sah er, wie er beobachtet wurde. Er wusste um seine Erscheinung. Etwas über sechs Fuss gross, Statur wie ein Bär, das mürrische Gesicht umrahmt von schwarzen Haaren, sowohl im Gesicht, wie auch auf dem Kopf, wild und zerzaust.
    Mit seinen stahlblauen Augen betrachtete er den Raum. Die fünf Personen, die sich darin befanden, sahen ärmlich aus. Stillschweigend assen sie Suppe. Einzig das etwas mollige Schankmädchen lächelte beim Bedienen.
    In seine Gedanken versunken vergass Avanor das Bier und als er nun daran nippte, schmeckte es noch schrecklicher als zuvor. Er warf einen Silberling auf den Tisch, nahm seine Waffe und ging, ohne ein Wort zu sagen.
    Er zog Richtung Norden. Man hatte ihn vor einigen Tagen in einem kleinen Dorf als Söldner angeheuert und er sollte sich bis zum Abend am Rande eines Waldstückes mit einigen anderen treffen, dort würden sie alles Weitere erfahren.
    Am Mittag war er dort. Ein junger Mann, etwa im gleichen Alter wie Avanor, sass an eine Buche gelehnt im Gras und schien zu dösen. Der Krieger tat es ihm gleich und setzte sich in einiger Entfernung ebenfalls ins Grüne und wartete.
    Bis zum Abend schienen alle anwesend zu sein. Avanor hatte sich in der Zwischenzeit auf einen Stein gesetzt und betrachtete seine Mitstreiter. Er zählte einundzwanzig Mann. Zwei befanden sich vor ihm auf den Hügeln und spähten zum Herrenhaus in der nächsten Senke. Allesamt waren sie Söldner, angeheuert, um irgendeinen Gutsherren niederzumachen, der irgendjemanden verärgert hatte.
    Avanor war noch nicht lange Söldner, da auch erst zwanzig Jahre alt. Als Kind lebte er bei seiner Mutter, seinen Vater hatte er nie kennengelernt. Sie verstarb an der Schwindsucht, als er noch sehr jung war, danach musste er, da sie weder Verwandte noch Freunde hatten, auf der Strasse leben. Irgendwann wurde er von einem alten Mann aufgenommen, der ihn das Schmieden lehrte. Doch als auch dieser starb, hielt Avanor nichts mehr in Ersev und so zog er weg. Er hatte sich das Nötigste aus der dürftigen Schmiede seines Lehrers genommen und war gegangen. Wegen seiner Erscheinung wurde er unterwegs von einem hageren Akyrer angesprochen, ob er nicht gegen Entgelt Waren eintreiben könne. So wurde er Söldner. Bald stellte sich fest, dass er das Kämpfen mochte und so leicht an Geld kam.
    Lant, der Mann, der ihn angeheuert hatte, stand bei etwa einem Dutzend Kämpfern und schien einen Plan zu erarbeiten. Avanor gesellte sich dazu.
    Während er zu ihnen lief, kamen die beiden Späher zurück und berichteten ihre Erkenntnisse.
    „Zwei Wachen am Tor, zwölf Mann auf der Mauer, zwei mit Pfeil und Bogen. Um das Gut patrouillieren zehn Mann. Ich schätze die Gesamtzahl auf etwa fünfzig Mann.“
    „Zwei für jeden“, lachte ein Mann hinter dem Späher.
    Lant drehte sich zu seinen Männern um. „Nach Einbruch der Nacht greifen wir an. Pilar und Kulis, ihr geht voraus, erklimmt die Mauern und schaltet die Bogenschützen aus. Sobald wir euer Zeichen sehen, stossen wir dazu. Der Rest verhält sich ruhig.“
    Es würde noch eine Weile dauern, bis es dunkel war und so legte sich Avanor noch einmal hin und döste.
    Ein kräftiger Fusstritt weckte ihn auf. Es war dunkel. Die meisten Söldner waren schon bereit und hatten ihre Waffen im Anschlag. Avanor griff nach seiner Axt und erhob sich.
    Es war eine warme Nacht, wie es zu dieser Jahreszeit üblich war. Auf das Handzeichen von Lant bewegte sich der Trupp in Richtung Gut, bis sie bei einer kleinen Baumgruppe ankamen, wo sie auf das Zeichen von Pilar und Kulis warteten. Es war bewölkt und der Mond nicht zu sehen, die Gruppe war fast vollkommen unsichtbar. Avanor blickte zum Gut. Kaum eine Fackel war zu sehen, nur vor dem Tor und auf der Mauer. Alle Häuser waren dunkel, die Bewohner schienen zu schlafen. Sein Blick schweifte weiter über die Mauer. Sie war kaum höher als ein Mann.
    Auf einmal sah er eine Fackel, die in langen Zügen hin und her geschwenkt wurde. Lant hatte das Signal ebenfalls gesehen. Wie zuvor besprochen, teilten sie sich in zwei Gruppen auf und schlichen durch die einzelnen Häuser vor der Mauer. Als sich Avanors Trupp dem Tor näherte, suchte dieser die beiden Wachposten. Sie standen in seltsamer Haltung an die Mauer gelehnt, als ob es sich um Puppen handeln würde, die Arme schlaff herabhängend und die Köpfe leicht schief. Er dachte, dass sie schliefen. Lant beachtete die beiden nicht einmal und schritt auf das geöffnete Tor zu.
    Als sie näherkamen, konnte man aus jedem Körper einen Pfeil ragen sehen, welcher diesen an die Mauer genagelt hatte. Beiden waren die Kehlen durchschossen worden. Der Anblick liess den jungen Mann stocken. Nicht, dass er schockiert gewesen wäre, die Art wie die beiden Toten dort hingen und vor allem wie sie getötet worden waren, liess ihn innehalten. Zwei perfekte Schüsse.
    Avanor merkte plötzlich, dass er als Einziger noch draussen war. Rufe und Waffenklirren weckten ihn wieder auf und er eilte durch das Tor, die Axt bereits erhoben. Lant und die meisten seiner Männer waren bereits ins Gefecht verwickelt. Kulis lag in einiger Entfernung daneben, der linke Arm am Ellbogen abgetrennt, einen Speer in der Brust.

    Ein Held. Ein Beschützer ganzer Völker. Geehrt und Bejubelt. Und trotzdem alleine.

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  • Das ist ein recht vielversprechender Anfang!
    Du stellst uns einen interessanten Prota vor, lässt uns mal kurz in seine Vergangenheit reinschnuppern und nimmst dann zielgerichtet das aufs Korn, was für ihn momentan das Tagewerk ist - das Dasein eines Söldners.


    Mir gefällt der melancholische Einstieg. Deine Beschreibungen lassen ein ziemlich gutes Bild der Gaststube vor dem inneren Auge des lesers entstehen.
    Ein paar Formulierungen würde ich ändern, sind aber nur Vorschläge. Ich stecke sie mal in den Spoiler.


    Wie gesagt, interessant. Lass uns sehen, was daraus wird! :thumbup:
    VG Tariq

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Vielen Dank für die tolle Kritik, es ist genau so, wie ich mir erhofft hatte, die Sätze, die mir selbst nicht passten, kann ich nun konstruktiv überarbeiten, danke :)


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  • Hallihallo!


    :hi1:


    @Tariq hat Dir ja schon ne Menge erzählt, vielleicht noch ein, zwei kleine Dinge aus meiner Sicht, ja?


    Erster Absatz, Du schreibst:

    Aus den Augenwinkeln sah er, wie er beobachtet wurde.

    Das hier wäre eine ideale Gelegenheit für ein "Show, don't tell"... Wir erfahren später, dass er Söldner ist. Hier schon könntest Du durchblicken lassen, dass er es ist, ohne es zu benennen. Er ist Söldner, fühlt er sich nicht unwohl, beobachtet zu werden? Wer von den fünf Suppelöfflern beobachtet ihn? Ist der eine Gefahr? Oder mustert ihn der Wirt? Die Schankmaid? Ein "echter Söldner" checkt das ziemlich gründlich ab, egal, wie melancholisch er grade ist, das liegt ihm im Blut... Ist nurn Gedanke, okay?



    Das zweite, was mir aufgefallen ist, sind Deine.. ich nenn es mal "Irdizismen". Ich weiß nicht, wie Fantasy Deine Welt werden wird, vielleicht spielt das ganze ja doch auf der irdischen Erde... dann kannst Du das so lassen.
    Ansonsten wäre es vielleicht zu überdenken:

    Statur wie ein Bär

    sass an eine Buche gelehnt

    ...ob Du nicht eine andere Formulierung finden kannst...




    Es war eine warme Nacht, wie es zu dieser Jahreszeit üblich war.

    Das passt irgendwie nicht in den Lesefluß dieses Absatzes... es ist mE etwas irrelevant, was nächtens da temperaturmäßig üblich ist... eine Erwähnung wäre es wert gewesen, wenn es eben unüblich ist oder noch eine Rolle spielt... tut es das?




    Und als letztes:

    Auf das Handzeichen von Lant bewegte sich der Trupp in Richtung Gut, bis sie bei einer kleinen Baumgruppe ankamen, wo sie auf das Zeichen von Pilar und Kulis warteten. Es war bewölkt und der Mond nicht zu sehen, die Gruppe war vollkommen unsichtbar.

    (Hervorhebung von mir)
    Wenn es so stockenduster ist, dass die Truppe vollkommen unsichtbar ist, dann kann keiner von ihnen Lants Handzeichen sehen...
    Ein FAST vor dem Vollkommen würde die Situation entschärfen, find ich...



    So, genug gelabert, lass schauen, wie es weitergeht (bitte!) :hi1:

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Danke :)


    Die Welt, in der sich die Geschicht abspielt, ist der unseren wirklich sehr ähnlich, Tiere und Pflanzen sind grossteils gleich.


    Die Wärme/Jahreszeit wird später wirklich noch zum Thema. :)


    Ja das mit der Dunkelheit ist wahr xD

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  • Das hier wäre der zweite Teil. Er gehört auch noch zum Aufbau der Geschichte, oben erwähnte Elemente, werden erst nach diesem Teil wieder tragend. :)




    Ein Feind rannte mit erhobenem Schwert auf Avanor zu. Geistesgegenwärtig hob er die Axt, um das Schwert mit dem Stiel abzulenken und führte es mit einer geschickten Bewegung an sich vorbei. Der Gegner stolperte und Avanor hieb ihm mit der vollendeten Drehung um seine Achse die Axt in den Nacken.
    Er schaute sich um. Es hatte für ihn den Anschein, dass es wesentlich mehr als fünfzig Mann waren. Doch waren es eher bewaffnete Bauern statt richtiger Krieger. Mit Leichtigkeit erkämpfte er sich den Weg zum Herrenhaus, Lant dicht hinter ihm. Der Feind warf sich ihnen furchtlos entgegen, doch sie wurden alle niedergemacht. Mit einem gewaltigen Schlag durchbrach Avanors Axt den Brustpanzer eines Mannes, blieb jedoch tief in den geborstenen Knochen stecken. Blut spuckend und mit ungläubig aufgerissenen Augen starb dieser. Aus den Augenwinkeln sah er schon den nächsten Bauern angreifen. Mit aller Kraft griff er die Axt, riss und zerrte an ihr, doch der unbarmherzige Griff der Rippen liess sie nicht los. So hob er die Axt mitsamt dem baumelnden Körper und nutzte diesen als Schild. Die gegnerische Lanze blieb einen halben Fuss vor Avanors Gesicht stecken. Den Leichnam beiseite werfend versuchte er, seinen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dieser hatte die Lanze jedoch schon losgelassen, ein Messer ergriffen und stürmte erneut auf Avanor zu. Der liess die Axt fallen. Mit dem linken Unterarm schlug er auf die Hand ein und ergriff mit der rechten Hand die Kehle des Angreifers. Der Riese hob den Mann in die Luft, wobei er den Hals mit aller Kraft zerquetschte. Die Finger gruben sich tief in das Fleisch. Röcheln und Quietschen untermalten die letzten Augenblicke seines Leidens.
    Auf der Treppe zum Herrenhaus rang Lant mit gleich zwei Kriegern in voller Rüstung. Sein Bein blutete stark und auf der Stirn klaffte eine breite Wunde. Avanor stellte einen Fuss auf den Toten, dessen Brust noch immer die Axt hielt. Erneut riss er an ihr, bis er sie knackend und blutspritzend befreit hatte, sprang auf die Krieger zu und liess dabei einen lauten Schrei ertönen. Kaum hatten sie ihn bemerkt, donnerte die Axt durch den Helm des ihm Nächsten. Diese Ablenkung reichte Lant, um unter der Deckung des Zweiten durchzuschlüpfen und sein Schwert in dessen Kehle zu versenken. Mit einem gurgelnden Geräusch sackte dieser in sich zusammen.
    Hinter ihnen wurden gerade die letzten Widersacher niedergestreckt. Avanor hatte schon wieder mit der Befreiung seiner Waffe zu kämpfen. Mit leichtem Grinsen wurde er vom Anführer dabei beobachtet. Als es endlich geschafft war, durchschritten sie die angelehnte Tür des Herrenhauses. Drinnen stand nur noch ein Mann. Er war mit einem Nachthemd bekleidet und hatte zittrig einen riesigen Zweihänder umklammert.
    „Ihr Bastarde! ich rechne mit jedem einzelnen von euch ab! Wie könnt ihr es wagen…“ Ein Pfeil in seinem Auge unterbrach ihn jäh.
    Pilar grinste unter dem Türbogen „Ups“.
    Erneute grinste Lant vor sich hin.
    Sie begaben sich wieder nach draussen. Der ganze Innenhof war übersät mit Leichen. Einzeln bemerkte man noch leichte Bewegungen, wobei es auch der Schattenwurf der Fackeln sein konnte. Ein Mann am Boden gab ein schmerzverzerrtes Stöhnen von sich, worauf einer der Söldner zu ihm ging und ohne zu zögern das Schwert in dessen Oberkörper stiess. Bis auf Lant, Pilar und Avanor standen nur noch vier Mann. Lant wandte sich an Avanor.
    „Danke, Junge, ich glaube, du hast mir das Leben gerettet. Unser Auftraggeber wollte nur den Tod des Herren, so dürfen wir nehmen, was wir wollen, geh als Erster und nimm, was du tragen kannst.“ Avanor nickte und betrat erneut das Haus.
    Eine Magd, die er vorhin noch nicht wahrgenommen hatte, stand zitternd in einer Ecke. Sie interessierte ihn nicht. Das Gebäude war gross, jedoch karg. Überall hingen Fackeln in Halterungen an den Wänden und er ergriff sich eine davon. Ohne zu wissen, was er suchen sollte, durchschritt er das Haus, betrat dort eine Tür, bestieg da eine Treppe. Nirgends fand er Dinge, die sein Interesse auch nur im Mindesten geweckt hätten.
    Nach geraumer Zeit kam der Hüne zu einer massiven Holztür, hinter der sich erneut eine Treppe befand. Es war eine enge Wendeltreppe, die nach unten führte. Mit eingezogenem Kopf ging er vorsichtig die schlecht gearbeiteten Stufen hinunter.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit fand er sich in einem kühlen Korridor wieder. Seine Fackel warf tanzende Schatten auf die feuchten Steinwände. Schnell durchschritt er den Gang zur einzigen Tür, die sich darin befand. Die alte Holztür war verschlossen. Aus Erfahrung wusste er, dass verschlossene Türen immer ein gutes Zeichen waren. Nach zwei mächtigen Schlägen mit der Axt sprang die Tür auf.
    Dahinter trat er in einen nicht allzu grossen Raum. Mit der Fackel versuchte er, diesen zu erleuchten.
    An der Wand zu seiner Linken stapelte sich Porzellan, zu seiner Rechten standen Bücherregale. Es roch modrig und war feucht. „Der perfekte Ort für Bücher“, schoss es ihm durch den Kopf. Nicht, dass er lesen konnte, aber man hatte ihm einmal erklärt, dass es für fast alles schlecht war, an kalten und vor allem feuchten Orten aufbewahrt zu werden. Sein Blick glitt weiter durch den Raum. An der gegenüberliegenden Wand fand er endlich etwas Interessantes. Auf einem Gestell stand die mächtigste Axt, die Avanor je gesehen hatte. Es war eine Doppelaxt, beide Klingen schon fast so massiv, dass es an einen Kriegshammer erinnerte. Die beiden Schneiden wiesen jeweils drei Zacken auf, gemacht um Rüstungen zu brechen. Die Klingen hatten zudem Öffnungen im Blatt, um das Gewicht zu reduzieren. Zwischen ihnen erkannte man einen gehörnten Schädel. Das Seltsamste war jedoch weiter unten am Schaft. Zwei weitere Klingen befanden sich schwungvoll geformt nach unten zeigend in einigem Abstand zu den Oberen. Auch sie hatten Öffnungen im Blatt, waren jedoch eher dolchförmig. Der Schaft war schneeweiss, wahrscheinlich aus Knochen. Am oberen Ende verjüngte er sich zu einem Spitz, der mit den Enden der Axtklingen fluchtete.
    Avanor trat näher und schaute sich die Axt noch genauer an. Über dem mit Leder eingebundenen Griff waren einige Runen eingebrannt, die jedoch keinen Sinn für ihn gaben, er hatte solche Zeichen noch nie gesehen. Die Waffe war fast so lang, wie ein kleiner Mann gross war und massiv, und so staunte Avanor nicht schlecht über ihre Leichtigkeit, als er sie in die Hand nahm. Schnell vollführte er einige Drehungen mit der Axt, schwang sie und wog sie in den Händen. Alle Klingen waren wie frisch gewetzt und sie war perfekt ausbalanciert. Zufrieden legte er seine alte Axt beiseite. Auf dem Gestell befanden sich weiter eine Axtscheide, die man sich über die Schulter legen konnte und so die Axt auf dem Rücken hatte und ein Armschutz für den linken Arm, der von der Schulter bis zum Unterarm alles bedecken würde. Ohne lange zu überlegen probierte er ihn an und stellte fest, dass der Schutz passte.
    Als sich Avanor umdrehte, erblickte er Pilar im Türrahmen.
    „Ah, ist der grosse Krieger fündig geworden. Steht dir gut. Hm, und wahrscheinlich bist du auch der einzige Mensch, der eine solche Waffe führen kann. Ja, das ist ein wirklich interessantes Stück.“
    Pilar trat näher und betrachtete die Axt, wie zuvor Avanor es getan hatte. „Sieht alt aus. Könnte vielleicht sogar aus der Blütezeit der Osnortid sein. Und scharf ist sie auch noch, verdammt!“ Er steckte sich den blutenden Daumen in den Mund.
    Avanor lachte und schlug ihm die Hand auf die Schulter. „Du gefällst mir, kleiner Mann, aber sag mir, was tust du hier? Siehst nicht aus wie ein Söldner.“
    „Meinst du, wegen den parfümierten Haaren oder der kostspieligen Wolle? Stell dir vor, dieses Zeug ist teuer! Aber ja, du hast Recht, normalerweise verdinge ich mich nicht zu solch kleinen Abenteuern, da hat mich wohl der Reiz des schnellen Geldes geritten. Du musst wissen, ich habe letzthin etwas Pech im Spiel gehabt und so war ich ziemlich pleite. Also habe ich Lant zugesagt. Aber jetzt, da ich wieder flüssig bin, reise ich nach Atos. Der Ruf der Stadt und der Frauen lockt mich und ich brauche mal wieder ein bisschen Abwechslung. Warst du schon einmal in Atos?“
    Avanor verneinte mit einer Kopfbewegung.
    „Glaube mir, es würde dir da gefallen. Die Stadt liegt direkt am Meer, die Bevölkerung gütig und zuvorkommend, wunderschöne Paläste, die besten Stoffe weit und breit, herrlicher Wein und die Frauen erst. Ich sage dir, die Frauen von Atos.“
    Einen kurzen Moment schien er gedankenversunken weggetreten zu sein. Fast unmerklich schüttelte er sich, um in die Gegenwart zurückzufinden. „Ich finde, du solltest mich begleiten. Ein bisschen Kultur kann dir bestimmt nicht schaden, ich glaube, du hast noch nicht viel davon genossen. Zudem könnte ich dich und deine Axt gut gebrauchen, es soll schon mal vorgekommen sein, dass unbescholtene und harmlose Reisende wie ich überfallen worden sind. Und ich denke, allfällige Räuber würden alleine beim Anblick von dir und deinem neuen Freund das Weite suchen.“
    Pilars Lächeln verblasste leicht, als er den sich verfinsternden Blick Avanors bemerkte. „Na, na, jetzt sei doch nicht so, es war nur ein Witz. Und als Zeichen meines guten Willens, werde ich den Reiseproviant bezahlen. Und, was meinst du?“ Voller Erwartung schaute er zu Avanor.
    „Na gut, aber geh mir nicht auf die Nerven“, brummte der unter seinem Bart hervor.
    „Ha“, lachte Pilar über beide Ohren und ging voraus, um das Gut zu verlassen.
    Sie fanden bis zum nächsten Morgen ein nahegelegenes Dorf, in dem sie sich erst einmal ausruhten und einen Tag später ihre Reise zu planen begannen.

    Ein Held. Ein Beschützer ganzer Völker. Geehrt und Bejubelt. Und trotzdem alleine.

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  • Hallöchen @LirayLegend


    bevor ich mich wieder durch 20 Kapitel jagen muss, steige ich bei dir mal direkt am Anfang ein ^^


    Du beschreibst den Prota interessant, so dass man aufjedenfall mehr von ihm wissen/erfahren möchte. Auch der Einstieg mit der "Spelunke", die du so wunderbar alt, modrig und und heruntergekommen beschreibst, malt ein richtiges Bild vor meinen Augen.


    In den zwei Kapiteln sind mir aber auch einige Dinge aufgefallen... ich gehe sie mal kurz durch.


    Aufjedenfall ein Interessanter und Actionreicher Einstieg, der vieles verspricht und neugierig macht. Ich bleibe am Ball ;)

    The tiger and the lion may be more powerful...
    ... but the Wolf does not perform in the circus.

  • Hey, @LirayLegend,


    eigentlich wollte ich nur mal kurz sehen, was du so schreibst, aber irgendwie bin ich dann bei meinem Morgenkaffee in der Geschichte hängen geblieben ^^ .
    Punkt 1: Aus sprachlicher sich schreibst sauber und gut. Das gefällt mir. Dein Stil ist sehr erzählerisch, was völlig in Ordnung ist, also ich meine, du erzählst, was passiert und das erzählst du im Großen und Ganzen ganz gut. Das Erzählen (an sich) hat allerdings die Schattenseite, dass mMn nur wenig Emotionen rüberkommen. Gerade im Kampf wirkt Avanor, obwohl erst um die 20 und, wenn ich das richtig verstanden habe, keine ausgebildeter Kämpfer, völlig ruhig und den "Feinden" überlegen. Das darf natürlich so sein, weil es deine Geschichte ist, aber es könnte auch anders sein. Das nur als Hinweis. Falls du eine Leseempfehlung brauchst, geh mal in ne Buchhandlung und suche im Fantasy-Regal nach Joe Abercrombie und lies mal eine Kampfszene von ihm. Nur so zur Inspiration ^^



    Fazit: Deine Geschichte / ihr Anfang gefällt mir gut! Der Hauptcharakter ist bisher nicht außergewöhnlich (für Fantasy), aber irgendwie interessant. Pilar finde ich allerdings auch sehr interessant, auch wenn er nur so am Rande angesprochen wird.
    Weiter so! :thumbup:

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hallihallo!


    Ein schöner zweiter Absatz, der wieder einlädt, auf die Fortsetzung zu warten...


    Ein paar Anmerkungen hab ich Dir mal zusammengetragen, bitte sieh sie als Hinweise, nicht als eherne Regeln. Ich bin (glaub ich, nein weiß ich) auch nicht das Non-plus-ultra der Leserschaft... ^^


    Außerdem solltest Du Dir mal Zeit nehmen, Rechtschreibung und Grammatik zu überfliegen... :crazypilot:




    :panik: Ui uiui! Schon wieder soviel rot! :panik:


    Darf ich trotzdem weiterlesen?

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  • Hallo, @LirayLegend,


    ich hab jetzt auch deinen zweiten Teil gelesen und will meinen Senf dazugeben. :D
    Eine weiterhin starke Story, mit sehr vielen Bildern, die dem Kopfkino richtig gut auf die Sprünge helfen. Dein Held wirkt auf mich ein bisschen ... äh ... vielleicht ist linkisch das richtige Wort, weiß nicht. Schwerfällig auch, obwohl er in der Kampfszene bewiesen hat, dass er fix sein kann. (Das Kopfkino tat sich ein bisschen schwer, als er die Leiche an der Axt hochhob, um sie als Schild zu verwenden. Der Kerl muss groß sein wie ein Troll...)


    Ich finde, du würdest deinen Lesern einen großen Gefallen tun, wenn du mehr Absätze in deinen Text einfügen könntest. Anbieten würde sich ein Absatz immer dann, wenn


    Ein bisschen Kleinkram hab ich noch in den Spoiler getan, nachdem @Asni und @Cory Thain dir schon ein paar Dinge genannt haben. Sie haben sich mehr auf Formulierungen konzentriert. Also würd ich mich mal der Rechtschreibung und Interpunktion annehmen, wenn's okay ist. :pardon:


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Die beiden ungleichen Männer bilden sicher ein interessantes Duo, wenn sie ab jetzt gemeinsam unterwegs sind. :D


    VG Tariq

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Also als Erstes: Ein riesen Dankeschön an euch, finde es mega hammer, wie Ihr euch Zeit nehmd, und mir wirklich gute Tipps und Verbesserungsvorschläge macht, das finde ich echt toll :D:D:D


    Ich werde alle angesprochenen Punkte versuchen zu behandelen, braucht natürlich eine geraume Zeit :)


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  • Ein Feind rannte mit erhobenem Schwert auf Avanor zu. Geistesgegenwärtig stellte er die Axt um das Schwert auf zu nehmen und führte es mit einer Drehung um seine eigene Achse an sich vorbei. Der Gegner stolperte und Avanor hieb ihm mit der vollendeten Drehung die Waffe in den Nacken.

    Warte mal kurz... Er nimmt die Axt, um


    reinzugehen und bei der erstewn Gelegenheit kämpft er dann doch lieber
    mit dem Schwert? Und verliert kostbare Augenblicke, um die Axt
    abzusetzen? Klingt etwas holprig und passt nicht zur "Geschmeidigkeit"
    des Kampfes, wie Du ihn danach beschreibst.

    Die Stelle hatte ich auch zuerst nicht verstanden, dachte mir dann aber, dass Avanor mit der Axt das Schwert des Gegners abfängt, es an sich vorbei ablenkt und dem vorbeistolpernden Gegner nach einer (eigenen) Körperdrehung die Axt in den Nacken hackt.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hallo @LirayLegend


    VG Tariq

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  • Was alle anscheinend etwas komisch finden, ist die stecken gebliebene Axt xD Wenn man sich überlegt, das ein Brustpanzer, Leder, Haut und Knochen durchdringt wurden, scheint mir die Vorstellung, sie könnte stecken bleiben, gar nicht so abwägig. Einige Knochen verkannten sich, der Körper erzeugt ein Vakuum, Eisen und Leder sind sowieso zäh^^

    Ich nicht ^^ . Nur dass er den ganzen Menschen daran hochhebt... :hmm:

    Du hast recht, es den Kampf muss ich noch ein bisschen überarbeiten, wobei die Absicht, ihn als sehr talentiert und kräftig darzustellen, der ohne grosse Mühe einfaches Fussvolk besiegen kann, schon da war.

    Das ist ja auch völlig in Ordnung. Ohne dass ich jetzt selbst irgendeine Erfahrung mit Kämpfen hätte, würde ich aber einschätzen, dass ein trainierter Schwertkämpfer jeden noch so talentierten und kräftigen Anfänger besiegt. Gut, du hast ja geschrieben, dass die Verteidiger eher bewaffnete Bauern sind. Verstehe es einfach als Hinweis, darauf zu achten. Evtl. willst Avanor ja auch besser werden lassen und bevor du in die Superhelden-Gigantomanie-Falle tapst (keine Ahnung, ob es das so gibt, aber auf mich wirkt es oft so, dass jeder Gegner für einen Helden, der stärker wird, immer noch stärker wird und das, obwohl der erste Gegner bereits als DIE ULTIMATIVE WELTZERSTÖRENDE BEDROHUNG dargestellt wurde - ist jetzt übertrieben, ich weiß ^^ ).
    Eine Idee noch: Du könntest auch erwähnen, dass die Verteidiger im Hof wie ein aufgeschrecktes Bienenvolk oder so durch die Gegend wuseln, anstatt sich richtig zu organisieren. Also einen Gegensatz in der Beschreibung darzustellen: Sölder - diszipliniert, ruhig(er), organisiert, systematisch; Verteidiger - undiszipliniert, aufgeschreckt, hektisch, planlos, etc.

    Szene Am Abend auf der Wiede: Eine Begrüssung erscheint mir in dieser Situation unnötig, sie sind weit draussen im Nirgendwo und sind sich bewusst, aus dem gleichen Grund dort zu sein. Ich werde aber wohl noch "sich kreuzende Blicke" o.ä einbauen.

    Ich denke, dass es hier ganz viele Möglichkeiten gibt, wie du das gestalten kannst. Vielleicht ist es auch nicht die schlechteste, das einfach ungefähr so zu lassen. Im Moment erzählst du ja relativ schnell, was passiert. D.h. du kannst mit relativ wenig Text viel vergehende Zeit abdecken. Beim Kampf machst du eher das Gegenteil, weil das für deine Geschichte spannender ist. Überleg dir also, wie viel Raum die Zusammenkunft in der Erzählung braucht und was du erzählen möchtest. Meiner Meinung nach gibt es da kein gut oder schlecht, sondern eher zielorientierte Entscheidungen darüber, was du insgesamt und in den einzelnen Teilen erreichen willst.
    Z.B. könntest du schon in der Szene 1) die Bekanntschaft von Avanor und Pilar beginnen lassen. Wenn Pilar der andere ist und sie sich hier das erste Mal unterhalten, dann brauchst du mehr Raum und müsstest auch Pilar genauer beschreiben (Kleidung, Körperhaltung & grundsätzliches Auftreten, kurz den ersten Eindruck...). 2) Wenn der andere "egal" ist, dann könntest du den Satz auch ganz weglassen. 3) Wenn du hier darstellen möchtest, wie Söldner mit "ihresgleichen" umgehen, dann bräuchtest du auch etwas mehr Raum, den du aber mit einem anderen Fokus füllst als in 1); dann wäre z.B. ein besonderer Gruß oder eine bestimmte Gesprächsthematik interessant.


    Meine schweizer Ausdrucksweise scheint wirklich etwas komisch zu sein xD

    Finde ich ehrlich gesagt nicht. Zumindest ist mir das jetzt nicht bewusst aufgefallen :hmm: :pardon:

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  • Teil 3 :)


    Wie immer werden Anregungen und Ideen gerne entgegen genommen, viel Spass :D



    Ilias war nervös. Er lag wach im Bett und konnte nicht schlafen. In wenigen Stunden musste er mit einem Wagen von Numtor aus nach Atos aufbrechen. Sein Vater war ein angesehener Stoffhändler, doch war er zu krank, um selbst zu gehen und so war es an ihm, dem ältesten Sohn, sich auf den Weg zu machen.
    Der Handelsmann war gerade einmal siebzehn Jahre alt und war noch nicht sonderlich gut im Feilschen, nicht so wie sein Vater. Oft hatte er ihn dabei beobachtet, das Hin und Her. Sein Vater hatte ihm immer gesagt, dass es ein Spiel sei. „Du kennst den Wert deiner Waren, doch du willst Profit machen. Wenn wir jetzt dieses Tuch nehmen, es wird etwa fünf Silberlinge wert sein. Ein Interessent kommt, was sagst du ihm? Du sagst ihm, es wäre zehn Silberlinge wert. Darauf wird er entrüstet sein, etwas fluchen und drei Silberlinge anbieten. Du wiederum erzürnst, weist auf die Qualität und die Herkunft aus den besten Webereien Numtors hin und gehst mit dem Preis auf acht Silberlinge. Und so geht es weiter, bis ihr beide euch einig seid, oder eben auch nicht. Gehe nie unter den dir gesetzten Wert! Da draussen wimmelt es von Betrügern und Halsabschneidern!“
    Sein Vater liebte solche Ansprachen. Am liebsten vor breitem Publikum und mit möglichst viel Aufsehen.
    Ilias war da ganz anders, er war schüchtern und wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Als der Junge seinen Vater zum letzten Mal gesehen hatte, meinte dieser zu ihm, dass er es schon packen würde, Ilias wäre ja schliesslich sein Sohn und das Handeln läge ihnen im Blut. Am meisten Sorgen machte er sich jedoch über die Reise an sich. Immer wieder hörte man von Überfällen auf Handelsgruppen, oft mit Mord und Totschlag. Zur Sicherheit hatte sein Vater eine eigene Leibwache, welche nun mit Ilias den Weg bestreiten würde.
    Am frühen Morgen war es dann soweit, die Reise konnte beginnen. Bei der Verabschiedung hatte die Mutter Tränen in den Augen und schluchzte sogar ein bisschen bei der Umarmung. Er seinerseits verkniff sich eine einzelne Träne, stieg auf sein Pferd und ritt mit seinem Geleit davon.


    Avanor und Pilar waren nun schon seit einigen Tagen unterwegs. Die weiten Ebenen zwischen Numtor und Niriima brachten nur wenig Abwechslung. Hohes Gras, das mit jedem Windstoss Wellen schlug und kleinere Wäldchen, die kaum Schatten boten, säumten alles, was man mit dem Auge erfassen konnte. Dazu kam die Hitze des Sommers, die höhnisch auf sie herabstrahlte. Einzig die Fallenden Wasser, eine hohe Berggruppe in der Mitte des Landes Swirae, erhoben sich majestätisch im Südwesten. Aus ihnen entstammten die grossen Flüsse des Landes. Pilar zufolge war es ein sehr mystischer Ort, voller Geschichten und Legenden. Wie er sagte, sollten dort sogar noch die Geister der Osnortid leben und über das Land wachen. Je nach Sonnenstand glitzerte es durch die vielen Wasserfälle herrlich von den Bergen, was das restliche Land zu dieser Jahreszeit nur noch mehr verhöhnte.
    Pilar nutzte die ereignislose Zeit, um Avanor alles über sein Leben zu erzählen. Kurz gesagt, Pilar, Sohn eines Schmuckhändlers, war um die dreissig Jahre alt. Sein langes, blondes Haar trug er meist zusammengebunden. Er liebte jeglichen Luxus und hatte eine Schwäche für Frauen, die ihn schon des Öfteren in brenzlige Situationen gebracht hatte. Ausserdem war er dem Spiel verfallen, er liebte den Nervenkitzel. Bewaffnet war er mit einem Kurzschwert, einem Dolch, Bogen und Pfeilen.
    „ …als ich dann so neben ihr lag, leergesaugt und an nichts Böses denkend, hörten wir auf einmal, wie die Haustüre geöffnet wurde. Erschrocken blickte ich zum Fenster hinaus und stellte fest, dass die Sonne schon sehr tief stand.
    Der Eingetretene schrie 'Weib, wo bist du? Warum hast du nicht gekocht? Warum in Enginns Namen bist du nicht hier, um mich zu empfangen? Verdammtes Weibsstück!'
    'Ich bin oben und habe eine Überraschung für dich mein Liebster.'
    Ich starrte sie panisch an, du kannst dir vorstellen, wie erpicht ich auf die Begegnung mit ihrem „Liebsten“ in dieser Situation war. Doch sie sagte, ich soll meine Sachen nehmen und mich im Schrank verstecken. Gesagt, getan, im gleichen Moment, in dem ich den Schrank schloss, polterte ihr Mann herein. 'Ho, ho, ho, was seh ich da! Kannst mich ja kaum erwarten! Bist ja schon ganz feucht!'

    So musste ich aus einem Schlitz im Schrank bei seinem Akt zusehen. Der hat gegrunzt, kann ich dir sagen. Geschnauft und gegrunzt. Und gestöhnt!

    Nur kurze Zeit später war es dann auch schon vorbei, mit lautem Stöhnen und Getöse kam er in ihr, wälzte sich zur Seite und schlief ein. Sobald sein Schnarchen den Raum erfüllte, öffnete ich die Schranktür und zog mich an. Verschmitzt lächelte sie mir zu, als ich aus dem Zimmer ging. Das war ein gutes Weib! Kann mich aber nicht mehr an ihren Namen erinnern. Irgendetwas Kurzes, Anna oder so… Ah da fällt mir eine Andere ein, Millira, bei der war das so… “ Und so ging es den ganzen Tag.
    Die meiste Zeit hörte Avanor nur halbherzig zu. Er war froh, nicht selber reden zu müssen. Pilar schien dies zwar hie und da zu bemerken, störte sich aber nicht weiter daran.
    Nach einiger Zeit erblickten sie eine Baumgruppe um einen Teich, bei der eine Reisegruppe rastete. Es würde zwar schon bald Abend werden, doch noch immer war es heiss und die Aussicht auf kühles Wasser war zu schön, und so liefen sie in deren Richtung.
    Die Gruppe hatte sie wohl schon erspäht und einen Kreis um ihren Wagen gebildet. Als sich Pilar und Avanor näherten, hörte man, wie ein Schwert gezückt wurde. Instinktiv hob Avanor die Hand über die Schulter und wollte seine Axt ergreifen.
    „Man muss nicht immer kämpfen“, flüsterte sein Gefährte ihm zu, während er die Hand auf seinen Unterarm legte. Mit lauter Stimme wandte er sich der Gruppe zu.
    „Wir sind keineswegs eine Bedrohung. Gönnt uns nur eine kurze Verschnaufpause am Wasser und wir werden bald weiterziehen.“
    Ein Junge, kaum im Mannesalter, schob sich durch die Bewaffneten. Bei Avanors Anblick wurden seine Augen gross.
    Zu Pilar gewandt sagte er, „Ich… Ich bin Ilias, Sohn des Bert, eines bekannten und hoch angesehenen Stoffhändlers. Gerne dürft ihr euch ein wenig ausruhen. Kommt, wir wollten gerade speisen. Wenn ihr wollt, dürft ihr Euch zu uns setzen.“ Sein Blick huschte noch immer nervös zu Avanor.
    „Welch ein Segen! Wie habe ich Kultur vermisst. Nichts gegen meinen Weggefährten, doch einer hohen Unterhaltung ist er nicht wohlgesonnen, geschweige denn der Kunst oder der Mode.“ Mit seinem breiten Grinsen schritt Pilar zum Jungen hinüber.
    Die Männer lösten den Kreis auf und gingen bis auf zwei Wachen weg vom Wagen.

    Avanor war gar nicht nach Gesellschaft zumute, und so folgte er nur mürrisch. Die zwei Wachen musterten ihn aufmerksam, besonders seine auf dem Rücken festgemachte Axt.
    Das Lager bestand nur aus zwei kleinen Feuern. Insgesamt ein Dutzend Männer waren versammelt. Sich kurz umschauend, suchte der Axtträger seinen Begleiter, doch Pilar war bereits tief in ein Gespräch mit dem Jungen verwickelt. So setzte er sich, an einen Baum gelehnt, auf den Boden.

    Ein Held. Ein Beschützer ganzer Völker. Geehrt und Bejubelt. Und trotzdem alleine.

    2 Mal editiert, zuletzt von LirayLegend ()

  • Ich spoilere auch mal, okay? Damit niemand sieht, ob und wieviel rot ich verwende (Kann man Rotstifte von der Steuer absetzen?)





    Soviel Rot isses heut gar nicht... :D Wir werden besser, hm? :thumbsup:

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • @Cory Thain Man muss dazu sagen, dass Tariq auch den ganzen Text orthographiesch überarbeitet hat :) Einfach spitze


    Ja, der Reisebeginn und die Karawane/der Wagen machen nicht so Sinn^^


    Pilars Wortwahl ist bewusst 'nett', da er sich selbst als kultiviert ansieht.

    Ein Held. Ein Beschützer ganzer Völker. Geehrt und Bejubelt. Und trotzdem alleine.

  • Guten Morgen,
    ich geb auch mal wieder meinen Senf dazu.



    Insgesamt ein eher ruhiger, aber gerade durch Pilars Anekdote auch witziger Part.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • @Asni

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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